V/0897/2021
Masterplan Mobilität Münster 2035+ - Zwischenbericht zur Bestandsanalyse
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Projektfortschritt und Beteiligung
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Anlage 2 zur Vorlage V/0897/2021
Berichtsvorlage
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V/0897/2021 V/0897/2021 Öffentliche Berichtsvorlage Betrifft Masterplan Mobilität Münster 2035+ - Zwischenbericht zur Bestandsanalyse Beratungsfolge 02.02.2022 Ausschuss für Verkehr und Mobilität Bericht Bericht: Die Verwaltung wurde beauftragt einen Masterplan Mobilität Münster 2035+ zu erarbeiten (V/0802/2017). Die externe Bearbeitung des Masterplans Mobilität erfolgt durch das Büro PTV Transport Consult GmbH (im Folgenden: PTV). Der Masterplan Mobilität 2035+ soll der Stadt Münster als strategisches Steuerungsinstrument für eine innovative und gleichzeitig umsetzungsorientierte Mobilitätsentwicklungsplanung dienen. Im ersten Schritt wurde ein digitales Verkehrsmodell (Verkehrsmodell stellt Ist-Situation digital dar) mit dem Programm PTV-Visum aufgebaut sowie die Bestandssituation aufgenommen und analysiert. Der jetzt vom Büro PTV vorgelegte Zwischenbericht fasst diesen Arbeitsschritt zusammen. Mit diesem Bericht liegt erstmals eine umfassende objektive Bewertung des Münsteraner Verkehrsgeschehens vor, welche die Grundlage für die weitere Bearbeitung des Masterplans Mobilität Münster 2035+ bildet. Der Zwischenbericht ist digital als Anlage zu dieser Vorlage im Sitzungsdienst hinterlegt. Er fasst auf 113 Seiten die Analyse der aktuellen verkehrlichen Situation in Münster zusammen. Das Dokument umfasst 5 Kapitel, wobei sich das Kapitel 2 inhaltlich auf die Analyse der Verkehrssysteme fokussiert. Im Folgenden werden die Struktur und Inhalte des Zwischenberichts dargestellt. Bestandteile des Zwischenberichts Status Quo Im Kapitel 2 „Status Quo des Verkehrssystems“ erfolgt unter anderem (S. 15 – 29) eine Beschreibung der Datengrundlagen, des Untersuchungsraums und der Siedlungsstruktur sowie einer bestehenden Energie- und Klimabilanzrechnung. Eine tiefergehende Analyse des Mobilitätsverhaltens (2.4) erfolgt auf Grundlage der im November 2019 durchgeführten Mobilitätsbefragung. Ein Schwerpunkt der Auswertung liegt dabei auf den Kenngrößen der Verkehrsmittelanteile (Modal Split) nach Wegen sowie nach Verkehrsleistung (je nach Verkehrsmittel zurückgelegte Kilometer) und der Unterschiede zueinander, räumliche Verteilung der Verkehrsmittelanteile (bsp. 30% MIV-Anteil im Binnenverkehr gegenüber 76% MIV-Anteil im stadtgrenzüberschreitenden Verkehr), Wegelängen und Verknüpfung mit Verkehrsmittelanteilen (bsp. 85% der Wege im ÖPNV sind Amt für Mobilität und Tiefbau 21.01.2022 Ihr/e Ansprechpartner/in: Herr Kraehnke T elefon:492-6505 Kraehnke@stadt- muenster.de - 6 - V/0897/2021 >3km lang), Wegezwecke und Verknüpfung mit Verkehrsmittelanteilen (bsp. 71% der Wege zur Ausbildung erfolgt bei Studierenden per Rad), Altersverteilung und Verknüpfung mit Verkehrsmittelanteilen (bsp. bei Senioren ist der Anteil der Fußwege mjt 21% höher als bei anderen Altersgruppen) sowie Vergleich ausgewählter Kennwerte mit den Daten vorhergehender Befragungen. Ergänzend zu stadtübergreifenden Auswertungen erfolgt eine Dateilauswertung auf Stadtteil- bzw. Stadtbezirksebene. In Verknüpfung mit der Analyse der Erreichbarkeiten wie Bildung, Nahversorgung, Freizeit u.ä. werden die jeweiligen Besonderheiten herausgearbeitet und die Ergebnisse miteinander verglichen. Weiterhin beinhaltet dieses Kapitel (S. 29-80) die verkehrsmittelbezogene Analyse der jeweiligen Infrastruktur bzw. im Fall des ÖPNV des Verkehrsangebots sowie jeweils hervorzuhebende Kenngrößen der Verkehrsnachfrage. Vorangestellt ist eine kurze Erläuterung zu Aufbau und Funktion des Verkehrsmodells. Motorisierter Individualverkehr (MIV) In Hinblick auf den MIV erfolgt zunächst eine Auswertung der maßgebenden Ein- und Auspendlerströme sowie deren Hauptrouten. Die anschließende Analyse des Straßennetzes zeigt die Auslastungsschwerpunkte (u.a. B51 und B54 sowie Hauptzufahrtstraßen wie Warendorfer Str.) sowie neuralgische Punkte wie den Ludgeriplatz auf. Die Auswertung von Funknetzdaten ergibt weiterhin Angaben zum tageszeitlichen sowie wöchentlichen Verlauf des Verkehrsaufkommens. Deutlich wird hier vor allem die Ausprägung der morgendlichen und abendlichen Spitzenbelastung die sich über einen vergleichsweise kurzen Zeitraum darstellen. Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) Für den ÖPNV erfolgt zunächst die Beschreibung des bestehenden Angebots über 22 Stadtbuslinien, 6 Nachtbuslinien und 11 T axibuslinien sowie das On-Demand-Angebot „Loop“. Die Stadtbuslinien dienen sowohl der feinräumigen Erschließung als auch der Verbindung über größere Distanzen. Durch eine in der Regel altstadtnahe Führung kann dieses Ziel in der Regel ohne Umsteigen erreicht werden. Die Umsteigebeziehungen an einigen Verknüpfungspunkten sind jedoch eher unbefriedigend. Bei einem Einzugsradius aller Haltestellen von 300m wurden kleine Erschließungslücken festgestellt, ein Einzugsradius von 500m ergibt eine vollständige Erschließung aller Siedlungsflächen. Die Auswertung der Fahrgastzahlen zeigt eine erkennbare Zunahme auf zuletzt 49 Mio. Fahrgäste 2019. Festgestellt wird weiterhin die deutliche jahreszeitliche Schwankung von 25%. Die Analyse des ÖPNV umfasst weiterhin die Verbindung Münsters mit dem Umland im Schienenverkehr sowie im Regionalbusverkehr und die Beschreibung des T arifsystems. Radverkehr Für den Radverkehr wird analog zur Auswertung des MIV und ÖPNV zunächst eine Auswertung der Verkehrsnachfrage sowie der vorhandenen Verkehrsinfrastruktur vorgenommen. T eilder Betrachtung ist dabei auch die Ausweisung von Fahrradstraßen sowie das Veloroutenkonzept. In diesem Kapitel werden weiterhin Konflikte zwischen den Verkehrsträgern aufgegriffen, die sich auch aus der hohen Verkehrsnachfrage bei begrenzter Infrastruktur ergeben. Auch mit Blick auf den ruhenden Verkehr wird die hohe Nachfrage und die dementsprechend große Zahl abgestellter Fahrräder deutlich. Ebenso wie an anderen Stellen wird hier auf parallellaufende Konzepte (Fahrradnetz 2.0, Parkraumkonzept, Fußverkehrscheck u.ä.) verwiesen. - 6 - V/0897/2021 Fußverkehr Der Fußverkehr ist insbesondere für die nahräumige Erschließung und kurze Wegeverbindung von Bedeutung. Der Anteil des Fußverkehrs am Modal-Split ist in Münster vergleichsweise gering. Die Analyse zeigt, dass der Radverkehr bereits bei sehr kurzen Wegen einen hohen Anteil besitzt. Mit Blick auf die Infrastruktur zeigt sich insbesondere in zentralen Bereichen ein gutes Angebot. Es ist jedoch ebenfalls festzustellen, dass die Flächen für den Fußverkehr regelmäßig durch abgestellte Fahrräder eingeschränkt werden. Intermodalität und neue Mobilitätsangebote In weiteren Kapiteln werden Angebote zur Intermodalität sowie neue Mobilitätsangebote ausgewertet und erläutert. Es bestehen mehrere Carsharing-Anbieter aber auch Bike-Sharing und Lastenradsharing-Angebote sowie E-Scooter stellen ein breites Angebot dar. Die meisten Angebote sind stationsgebunden, einzelne Bike-Sharing- und E-Scooter sind aber auch im Free-Floating- System vorhanden. Park&Ride-Anlagen sind an den größeren Einfallstraßen bereits vorhanden, eine große Bike&Ride- Anlage besteht am Hauptbahnhof. Eine örtliche verkehrsmittelübergreifende Mobilitäts-App besteht bislang nicht. Erreichbarkeitsanalyse Ergänzend zur Mobilitätsbefragung und den verkehrsmittelspezifischen Analysen erfolgt die Analyse ausgewählter Verkehrsbeziehungen anhand einer Erreichbarkeitsanalyse. Mit ihr kann das Verhältnis der Verkehrsmittelnutzer ausgewertet werden. Das lässt Rückschlüsse auf die Angebotsqualität zu. In Verbindung mit den vorhergehenden Auswertungen lassen sich bereits erste Handlungsempfehlungen ableiten. SWOT-Analyse Die Ergebnisse der Analysen wurden in SWOT-Analyse (Stärken/Schwächen/Chancen/Risiken) zusammengeführt. Grundsätzlich besteht demnach ein gutes Kfz-, ÖPNV-, Rad- und Fußverkehrsnetz. Schwächen zeigen sich in Aspekten wie zeitweiser Überlastung, fehlender Priorisierung im ÖPNV oder auch Nutzungskonflikten bsp. zwischen Fuß- und Radverkehr. In der Bewertung wird der Stadt Münster im Zwischenbericht grundsätzlich eine gute Ausgangssituation attestiert, die Mobilität stadtverträglich und nachhaltig zu gestalten. Die Gründe dafür sind der bereits sehr gute Modal-Split, das gute MIV-Netz und ÖPNV-Angebot sowie der Stellenwert des Rads und Fußverkehrs innerhalb des Promenadenrings. Der Zwischenbericht benennt jedoch auch Hemmnisse und weist in diesem Zusammenhang auf die hohe Anzahl an Pendlerbewegungen und die begrenzten Verlagerungspotenziale vom MIV zum Rad aufgrund des bereits hohen Anteils an Fahrrädern am Modal-Split hin. Abschließend werden im Zwischenbericht verkehrspolitische Ziele (S. 103 – 106), eine gutachterliche Bewertung der verkehrlichen Gesamtsituation (S. 107 – 109) sowie ein Ausblick (S. 110 – 113) dargestellt. Prozess / Methodik Die Bearbeitung erfolgt in mehreren aufeinander aufbauenden Arbeitsschritten (s. Abbildung) und folgt einem integrierten Arbeitsansatz, der alle Verkehrsmittel im Zusammenspiel miteinander - 6 - V/0897/2021 betrachtet. Prozessdesign Masterplan Mobilität Münster 2035+ Nach dem nun erfolgten Abschluss der Analyse erfolgen im weiteren Verlauf die Entwicklung bzw. Verständigung auf ein Zielsystem und die Aufstellung von einem definierten Trendszenario und verschiedenen Entwicklungsszenarien. Bei dem Masterplan Mobilität Münster 2035+ soll kein (weiteres) statisches Planwerk erarbeitet werden, das Entwicklungsziele formuliert, stattdessen sollen Mobilitätsstrategien flexibel entwickelt werden. Für das gemeinsame Verständnis von dieser bestmöglichen Strategie erfolgt parallel zur Bestandsaufnahme die gemeinsame Entwicklung verkehrspolitischer Leitziele. Bestehende aufgestellte Ziele aus anderen Konzepten werden hierbei aufgegriffen und konkretisiert. Vor der eigentlichen Maßnahmenentwicklung werden daher verkehrsträgerübergreifende Handlungsfelder definiert, welche eine Entwicklungsrichtung vorgeben, Maßnahmen thematisch bündeln und anschaulich zusammenfassen. Neben infrastrukturseitigen Maßnahmen werden auch organisatorische, betriebliche und informatorische Maßnahmen im Rahmen des Masterplans Mobilität. Im Zuge des Masterplans Mobilität Münster 2035+ werden dafür vier Szenarien entwickelt, aus denen sich anschließend konkrete Handlungsfelder bzw. -empfehlungen inkl. Maßnahmen ableiten lassen. Der Zwischenbericht ist Grundlage für den nächsten Arbeitsschritt, in dem maßgebliche Trends und Ziele identifiziert sowie konkretisierende Rahmenvorgaben für unterschiedliche Szenarien entwickelt werden. Vorgesehen ist ein Trendszenario, das die Entwicklung der letzten Jahre unter Berücksichtigung der erwarteten Mobilitätsentwicklung und bereits geplanter Wohn- und Gewerbeflächen fortschreibt, sowie drei Entwicklungsszenarien (progressiv, konservativ, gemäßigt), die eine Mobilitätswende in unterschiedlichen Ausprägungen beschreibt. Die Rahmenbedingungen für die zu entwickelnden Szenarien sollen unter Berücksichtigung von Hinweisen aus Politik, Stadtgesellschaft und Verwaltung mit dem Büro erarbeitet und anschließend politisch beschlossen werden. Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern / Beirat zum Masterplan Mobilität 2035+ Zur Abstimmung solcher Fragestellungen ist der prozessbegleitende Beirat zum Masterplan Mobilität 2035+ eingerichtet worden. Im Beirat sind neben den politischen Parteien wesentliche Akteure aus den Bereichen Wirtschaft, Verkehr; Interessengruppen, Verbände und Wissenschaft vertreten. Die nächste Sitzung des Beirats ist für Ende Februar/Anfang März 2022 vorgesehen. In dieser Arbeitssitzung wird sich der Beirat mit der Einordnung der übergeordneten Ziele und Trends sowie der - 6 - V/0897/2021 spezifischen Ausrichtung der zu entwickelnden Szenarien befassen. Die vom Beirat erarbeiteten Ergebnisse werden dem Ausschuss für Verkehr und Mobilität in der Sitzung am 30.03.2022 zur Entscheidung vorgestellt. Im darauffolgenden Arbeitsschritt entwickelt das beauftragte Büro auf Basis der beschlossenen Ergebnisse und Empfehlungen die verschiedenen Szenarien. Die Berechnung erfolgt dabei anhand einer konkreten Methodik, bei der modellbasiert die Wirkungen verschiedener Maßnahmen ermittelt und zu Prognoseszenarien verknüpft werden. Zur Wirkungsanalyse gehört neben der Analyse der Verkehrsmengen und –verlagerungen auch die Berechnung einer CO2-Bilanzierung. Die Szenarien, die als Entscheidungshilfe bei der Ausrichtung der Mobilitätsplanung und der sich daraus ergebender Maßnahmen gedacht sind, werden dem Beirat und der Politik vor der Sommerpause im Entwurf vorgestellt. Im Weiteren fließen die Szenarien dann in ihrer überarbeiteten Form gemeinsam mit Leitbild und Zielsystem in einen zweiten Zwischenbericht ein, der im vierten Quartal 2022 vorgesehen ist (vgl. Anlage 2). Daran anschließend werden geeignete Maßnahmen entwickelt und Wirkungsanalysen der Maßnahmen durchgeführt. Diese Ergebnisse münden schließlich in einem Handlungs- und Umsetzungskonzept. Der Schlussbericht des MMM2035+ soll im September 2023 vorgelegt werden. Anschließend erfolgt die Beschlussfassung durch die politischen Gremien. Zugleich ist der vorliegende erste Zwischenbericht Grundlage für die prozessbegleitenden Beteiligungsmaßnahmen zum Masterplan Mobilität Münster 2035+. Die geplanten Maßnahmen werden aktuell abgestimmt und in das Arbeitsprogramm aufgenommen. Zum Masterplan sowie zu aktuellen Verkehrsthemen sind nachfolgende Formate zur öffentlichen Information und Beteiligung denkbar und werden mit dem Beirat erörtert: • Digitale Stadtrouten zu Orten der Mobilitätswende in Münster: Aktuelle Mobilitätsprojekte werden mit einer Kampagne als Impulsgeber für den weiteren Prozess vorgestellt. Die Orte sind werden zu Routen mit unterschiedlichen zielgruppenspezifischen oder thematischen Schwerpunkten („Infrastruktur für morgen“, „Mit Kindern unterwegs“, „Links und rechts der Kanalpromenade“) verknüpft, die digital abgerufen und erfahren werden können. Der Auftakt ist im Frühjahr im Rahmen der Aktion „Stadtradeln“ geplant. • moVe-Talk: Als öffentliche Podiumsdiskussion greift der moVe-T alkaktuelle Mobilitätsprojekte in Münster und im Masterplan bearbeitete Themen auf. Der moVe-T alkfindet an einem festen Ort statt und wird gleichzeitig als Livestream im Internet übertragen. Das hybride Format bietet als digitales Beteiligungsangebot (sowohl Stimmungsbilder als auch Rückfragen) auch die Möglichkeit Bürgerinnen und Bürger interaktiv einzubeziehen. • Planungswerkstatt Innenstadt + Mobilität: Die für den Herbst geplante „Planungswerkstatt Innenstadt + Mobilität“ verbindet im Rahmen einer Planungswerkstatt den Innenstadtentwicklungsprozess (INSEK MS-Innenstadt) mit dem Masterplanprozess. In enger Anlehnung an den Masterplanprozess aber unter Federführung des INSEK werden sie im INSEK behandelten Mobilitätsthemen aufgegriffen, um diese in den Masterplan zu integrieren. Schnittmengen bestehen beispielsweise bei den Themenfeldern autorarme Innenstadt, Barrierefreiheit, Parkraumkonzept oder City-Logistik. • Ideenmeisterschaft (voraussichtlich September 2022): In der Ideenmeisterschaft werden Bürgerinnen und Bürger dazu eingeladen, gemeinsame konkrete Maßnahmen zu entwickeln. In einem kuratierten Werkstattformat erarbeiten Bürgerinnen und Bürgern dabei umsetzungsorientierte Vorschläge für Verkehrsprojekte. Zentrale Elemente der Projektarbeit sind dabei die Einbindung möglichst vieler Positionen und der Perspektivwechsel von Experten über Politik über Verwaltung bis hin zu spezifischen Zielgruppen wie Kindern, Jugendlichen oder Senioren. Das Format besteht aus drei Phasen: In der ersten Phase werden gute Ideen gesammelt, im zweiten Schritt werden in Gruppen, eigene Maßnahmen konzipiert, die dann im abschließenden Schritt öffentlich vorgestellt und die besten Vorschläge ausgewählt. - 6 - V/0897/2021 • Europäische Woche der Mobilität [16.09.2022 – 22.09.2022]: Im vergangenen Jahr hat sich Münster erstmals an der Europäischen Mobilitätswoche beteiligt. Im Rahmen der Europäischen Mobilitätswoche wird die Kommunikation zu Mobilitätsthemen gebündelt. Ergebnisse aus Verkehrsversuchen, Dialogverfahren und dem INSEK-Prozess werden in gebündelter Form vorgestellt. Zudem ist eine Wiederaufnahme des Mobilitätsbildes auf dem Prinzipalmarkt begleitet durch eine kleine Mobilitätsmesse angedacht. • Prozessbegleitender Beirat zum Masterplan Mobilität 2035+ Für das Jahr 2022 sind bis zu vier Sitzungen des prozessbegleitenden Beirats geplant. Die inhaltlichen Schwerpunkte der Beiratssitzungen orientieren sich an den jeweiligen Arbeitsschritten zur Erarbeitung des Masterplans (Ziele und Trends, Gestaltungsszenarien, Maßnahmen, Wirkungsanalyse). In die Gesamtkommunikation und die Arbeit des Beirats eingebunden werden die den Masterplan ergänzenden Konzepte (bspw. Standortkonzept Mobilstationen, Integriertes Parkraumkonzept, Fahrradnetz 2.0) Darüber hinaus findet eine enge kommunikative „Verzahnung“ mit den im Sommerhalbjahr stattfindenden Verkehrsversuchen, Dialogverfahren und Reallaboren sowie den konkreten Maßnahmen im INSEK-Prozess statt. Die Ergebnisse aus den Beteiligungsformaten werden den politischen Gremien zur Abstimmung vorgestellt. In Vertretung gez. Denstorff Stadtbaurat Anlagen: Anlage A Anlage 1: Zwischenbericht zum Masterplan Mobilität Münster 2035+ - Analyseergebnisse (steht digital im Sitzungsdienst zur Verfügung) Anlage 2: Zeitplan 2022 – Projektfortschritt und Beteiligung
Anlage A
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Anlage A zur V/0897/2021 Kurzüberblick Die Verwaltung erarbeitet zurzeit gemeinsam mit einem Planungsbüro den Masterplan Mobilität Münster 2035+. Mit der Vorlage wird der Zwischenbericht über die durchgeführte Bestandserhebung und –analyse in die politischen Gremien eingebracht und das weitere Verfahren im Umgang mit dem Zwischenbericht beschlossen. Ziele/Teilziele/Zielerreichung Als strategisches Steuerungsinstrument und handlungsorientierter Leitfaden bildet der „Masterplan Mobilität Münster 2035+“ den planerischen Rahmen für die aktive Gestaltung eines zukunftsfähigen Mobilitätsgeschehens in Münsters. Der „Masterplan Mobilität Münster 2035+“ bildet die Grundlage dafür, die mobilitätsbezogene Infrastruktur von morgen zu entwickeln. Aufgabe des Masterplans wird es sein, Ziele für die zukünftige Verkehrsentwicklung zu benennen und konkrete Handlungsansätze für eine stadtverträgliche Mobilität zu definieren. Damit werden folgende Leitorientierungen aus dem ISM-Prozess verfolgt: Entwicklung der Stadt Münster zu einer Stadt mit höchster Lebens- und Erlebnisqualität durch Verringerung von verkehrsbedingten Lärm- und Schadstoffemissionen sowie Reduzierung des Flächenverbrauchs durch den ruhenden Verkehr Ausbau der oberzentralen Funktionen der Stadt Münster als bedeutender Wirtschafts-, Arbeitsplatz und Bildungsstandort durch Sicherstellung der Erreichbarkeit von Angeboten Weitere Verbesserung des Wohnwerts, der Familienfreundlichkeit und der sozialen Balance in der Stadtgesellschaft durch Ausbau von öffentlichen Mobilitätsangeboten Finanzierung Produktgruppe: 1201 Bereitstellung von Verkehrsflächen und -anlagen Auswirkungen auf den Ergebnisplan X Ja Nein Auswirkungen auf den Finanzplan X Ja Nein Im beschlossenen (Nachtrags-)Haushaltsplan 2021 enthalten? X Ja Nein teilw. Im Entwurf des (Nachtrags-)Haushaltsplan 2022 enthalten? X Ja Nein teilw. Belastungen in zukünftigen HH-Jahren? X Ja Nein Bereits veranschlagt? X Ja Nein Pflichtigkeitsgrad Die Maßnahme/Leistung ist vollständig pflichtig überwiegend pflichtig überwiegend freiwillig x vollständig freiwillig Unmittelbare, grundsätzliche Relevanz für Querschnittsthemen (Demographie, Gleichstellung, Inklusion, Klimaschutz, Migration) Der Masterplan Mobilität Münster 2035+ betrifft alle o.g. Querschnittsthemen. Er berücksichtigt demographische Entwicklungen und leistet einen positiven Beitrag zu Gleichstellung, Inklusion und Klimaschutz.
Zwischenbericht Bestandsanalyse Masterplan Mobilität Münster 2035+
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ZWISCHEN - BERICHT Bestandsanalyse Masterplan Mobilität Münster 2035+ © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 2/150 fpendler Zwischenbericht zum Masterplan Mobilität Münster 2035+ Ergebnisse der Bestandsanalyse Auftraggeber: Stadt Münster Klemensstraße 10 48143 Münster Auftragnehmer: PTV Transport Consult GmbH Harffstraße 43 40591 Düsseldorf Düsseldorf / Berlin / Karlsruhe, 20. Januar 2022 ZWISCHEN - BERICHT Bestandsanalyse Masterplan Mobilität Münster 2035+ © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 3/150 Dokumentinformationen Kurztitel Bestandsanalyse Masterplan Mobilität Münster 2035+ Auftraggeber Stadt Münster Auftrags-Nr. C821159 Auftragnehmer PTV Transport Consult GmbH Bearbeiter Ann-Kathrin Lieven, Julian Wulf, Jan Malik, Sebastian Merks, Christian Reuter, Marvin Lannefeld, Leonard Arning zuletzt gespeichert 20.01.2022 Lesehinweis: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird in dem folgenden Bericht bei Personenbezeichnun- gen in der Regel die maskuline Form verwendet. Dies schließt jedoch gleichermaßen ausdrück- lich alle Geschlechter ein. Wir bitten diesbezüglich um Ihr Verständnis. © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 4/150 Inhalt 1 Einleitung und Aufgabenstellung _______________________________________________ 12 2 Status-Quo des Verkehrssystems ________________________________________________ 15 2.1 Datenbasis zur Bestandsanalyse ________________________________________ 15 2.2 Untersuchungsraum und Struktur _______________________________________ 17 2.3 Energie- und Klimabilanz der Stadt Münster ______________________________ 19 2.4 Mobilität in Münster ___________________________________________________ 20 2.5 Analyse der Verkehrsmittel _____________________________________________ 29 2.5.1 Auswertungen mit dem Verkehrsmodell __________________________ 30 2.5.2 Motorisierter Individualverkehr (MIV)_____________________________ 32 2.5.3 Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) ________________________ 41 2.5.4 Radverkehr ___________________________________________________ 53 2.5.5 Fußverkehr ___________________________________________________ 64 2.5.6 Neue Mobilitätsangebote ______________________________________ 69 2.5.7 Intermodalität _________________________________________________ 75 2.6 Erreichbarkeitsanalysen _______________________________________________ 80 2.7 Stärken und Schwächen des Mobilitätssystems ___________________________ 93 3 Verkehrspolitische Ziele _______________________________________________________ 103 3.1 Umwelt _____________________________________________________________ 104 3.2 Gesellschaft _________________________________________________________ 105 3.3 Wirtschaft ___________________________________________________________ 106 4 Gutachterliche Bewertung der verkehrlichen Gesamtsituation _____________________ 107 5 Ausblick _____________________________________________________________________ 110 5.1 Zielsystem, Trendszenario und Entwicklungsszenarien ___________________ 110 5.2 Handlungsfelder und Maßnahmen _____________________________________ 112 5.2.1 Motorisierter Individualverkehr (MIV)____________________________ 112 5.2.2 Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) _______________________ 112 5.2.3 Fuß- und Radverkehr __________________________________________ 113 5.2.4 Neue Mobilitätsangebote und Intermodalität ____________________ 113 © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 5/150 6 Anhang _____________________________________________________________________ 114 6.1 Ergänzende Auswertungen zur Mobilitätsbefragung _____________________ 114 6.2 Umsteigehäufigkeiten im ÖPNV-Tagesnetz _____________________________ 115 6.3 Erschließungsqualität im Stadtgebiet Münster ___________________________ 116 6.4 Relationsauswertungen (Dreiecksnetz) _________________________________ 117 Tabellenverzeichnis Tabelle 1: Modal Split auf Basis der Mobilitätsbefragung. ___________________________ 21 Tabelle 2: Bewertungsaspekte auf Basis des Konzepts der „15-Minuten-Stadt“. ________ 25 Tabelle 3: ÖPNV-Achsen – Fahrtenangebot und Fahrgastnachfrage. _________________ 48 Tabelle 4: Bahnstrecken und SPNV-Linien im Stadt-Umland-Verkehr von Münster. _____ 49 Tabelle 5: SWOT-Analyse im MIV. ________________________________________________ 94 Tabelle 6: SWOT-Analyse im ÖPNV. ______________________________________________ 95 Tabelle 7: SWOT-Analyse im Radverkehr. _________________________________________ 96 Tabelle 8: SWOT-Analyse im Fußverkehr. _________________________________________ 97 Tabelle 9: SWOT-Analyse für neue Mobilitätsangebote. _____________________________ 98 Tabelle 10: SWOT-Analyse der Intermodalität. ______________________________________ 99 Abbildungsverzeichnis Abbildung 1: Lage der Stadtbezirke in Münster. ______________________________________ 17 Abbildung 2: Erreichbarkeit des Stadtzentrums für den MIV (links) und Radverkehr (rechts). ______________________________________________________________ 24 Abbildung 3: Erreichbarkeiten für den Fuß- und Radverkehr im Stadtgebiet. _____________ 25 Abbildung 4: Modal Split auf Stadtbezirksebene (Binnenverkehr im Stadtgebiet) _________ 26 Abbildung 5: Die wichtigsten Ein- und Auspendlerströme (2019) von Münster. ___________ 34 Abbildung 6: Entwicklung des Verkehrsaufkommens (Münsteraner und Pendler). _________ 34 Abbildung 7: Knotenpunkt Steinfurter Straße (B54) / Ring. _____________________________ 35 Abbildung 8: Blick auf den Ludgeriplatz aus der Ludgeristraße. _________________________ 36 Abbildung 9: Straßeninfrastruktur und MIV-Tagesverkehre (DTVw5) in Münster. __________ 37 © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 6/150 Abbildung 10: Zugelassene Höchstgeschwindigkeiten in Münster. _______________________ 38 Abbildung 11: Verkehrsbelastung in der Bahnhofstraße zur nachmittäglichen Spitzenstunde. ________________________________________________________ 39 Abbildung 12: Verteilung der Wege über die Wochentage (links) und Tagesstunden (rechts). ______________________________________________________________ 40 Abbildung 13: Stadtbus in der Rothenburg. ___________________________________________ 42 Abbildung 14: Busliniennetz (Tages- und Nachtverkehr) in der Stadt Münster (Stand 2021). _______________________________________________________________ 43 Abbildung 15: Umsteigehäufigkeiten im ÖPNV-Tagesnetz der Stadt Münster (Fahrplanstand 2020) an einem mittleren Schulwerktag (9 – 11 Uhr) für den Hauptbahnhof (links) und den Aegidiimarkt (rechts). ______________________ 44 Abbildung 16: Loop am Haltepunkt Vennheideweg auf der B54 (links) und Testgebiet (rechts). ______________________________________________________________ 45 Abbildung 17: Erschließungsqualität im Stadtgebiet Münster bei Bushaltestellen- Einzugsradien von 300 m (links) und 500 m (rechts). ______________________ 46 Abbildung 18: Entwicklung der Fahrgastzahlen im städtischen ÖPNV. ____________________ 48 Abbildung 19: SPNV-Liniennetz im Münsterland (Ausschnitt). ____________________________ 50 Abbildung 20: Geplantes Liniennetz der S-Bahn Münsterland (Stand: 12/2019). ___________ 51 Abbildung 21: Regionalbuslinien im Münsterland (Ausschnitt).___________________________ 51 Abbildung 22: Blick auf den Promenadenring. _________________________________________ 56 Abbildung 23: Radverkehrsinfrastruktur und Tagesverkehre im Stadtzentrum Münsters. ____ 56 Abbildung 24: Radverkehrsinfrastruktur im gesamten Stadtgebiet Münsters. ______________ 57 Abbildung 25: Verkehrssituationen im Bereich Promenadenring / Ludgeristraße. __________ 58 Abbildung 26: Hinweisschilder für Radfahrer auf der Wolbecker Straße. __________________ 59 Abbildung 27: Verkehrssituation auf dem Hansaring (links) und wartende Radfahrer an einem signalisierten Knotenpunkt am Neutor. ____________________________ 60 Abbildung 28: Abgestellte Fahrräder am Berliner Platz nahe des Hauptbahnhofs. __________ 60 Abbildung 29: Zeitplan zur Umsetzung der neuen Qualitätsstandards für Fahrradstraßen. __ 61 Abbildung 30: Blick in die Schillerstraße (links, älteste Fahrradstraße) und Umsetzungsbeispiel für die neuen Qualitätsstandards in Münster. __________ 62 Abbildung 31: Planungsstand der stadtregionalen Velorouten in Münster. ________________ 63 Abbildung 32: Stadtteilzentrum um die Marktallee in Hiltrup. ____________________________ 65 Abbildung 33: Abstellte Fahrräder auf dem Gehweg in der Kettelerstraße. ________________ 67 Abbildung 34: Verortung fester Carsharing-Standorte im Münsteraner Stadtgebiet. ________ 70 © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 7/150 Abbildung 35: Verortung fester Bikesharing-Stationen im Münsteraner Stadtzentrum. ______ 72 Abbildung 36: Verortung von Free-floating Fahrrädern des Anbieters Tretty am 24.11.2021. __________________________________________________________ 72 Abbildung 37: Lastenrad Lotte auf der Promenade. ____________________________________ 73 Abbildung 38: Aktuelle Tretty-Verleihstationen im Stadtgebiet Münster. ___________________ 73 Abbildung 39: Rollerverfügbarkeit der Firma Tier im Innenstadtgebiet. ___________________ 74 Abbildung 40: Standort von P+R-/B+R-Anlagen und Mobilstationen im Stadtgebiet von Münster. _____________________________________________________________ 76 Abbildung 41: Radstation am Hauptbahnhof (Berliner Platz). ____________________________ 78 Abbildung 42: Abstellmöglichkeiten in der Radstation am Hauptbahnhof (Berliner Platz). ___ 78 Abbildung 43: Einwohnerdichte und Zielpotenziale im Stadtgebiet. ______________________ 82 Abbildung 44: Studienplätze und Wohnstandorte der Studierenden im Stadtgebiet. _______ 83 Abbildung 45: Arbeitsplätze und Wohnstandorte der Erwerbstätigen im Stadtgebiet. ______ 84 Abbildung 46: Zielverkehre zur Ludgeristraße (die tlw. für den MIV befahrbar ist). __________ 85 Abbildung 47: Zielverkehre zu den Fußgängerzonen in der Innenstadt. ___________________ 86 Abbildung 48: Zielverkehre zum Universitätsstandort in Sentrup. _________________________ 86 Abbildung 49: Zielverkehre in die Loddenheide. _______________________________________ 87 Abbildung 50: Quellverkehre aus Handorf. ____________________________________________ 88 Abbildung 51: Quellverkehre aus Greven. _____________________________________________ 89 Abbildung 52: Quellverkehre aus Westbevern. ________________________________________ 90 Abbildung 53: Quellverkehre aus Telgte. ______________________________________________ 90 Abbildung 54: Quellverkehre aus Drensteinfurt. ________________________________________ 91 Abbildung 55: Quellverkehre aus Havixbeck. __________________________________________ 92 Abbildung 56: Quellverkehre aus Senden. ____________________________________________ 92 Abbildung 57: Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken im MIV (SWOT-Analyse). _______ 100 Abbildung 58: Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken im ÖPNV (SWOT-Analyse). _____ 100 Abbildung 59: Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken im Radverkehr (SWOT- Analyse). ____________________________________________________________ 101 Abbildung 60: Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken im Fußverkehr (SWOT-Analyse). _ 101 Abbildung 61: Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken für neue Mobilitätsangebote (SWOT-Analyse). _____________________________________________________ 102 Abbildung 62: Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken der Intermodalität (SWOT- Analyse). ____________________________________________________________ 102 © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 8/150 Abbildung 63: Zielsystem des Bundesverkehrswegeplans. _____________________________ 103 Abbildung 64: Bereits benannte verkehrspolitische Ziele im System „Umwelt“. ___________ 104 Abbildung 65: Bereits benannte verkehrspolitische Ziele im System „Gesellschaft“. _______ 105 Abbildung 66: Bereits benannte verkehrspolitische Ziele im System „Wirtschaft“. _________ 106 © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 9/150 Abkürzungsverzeichnis ADFC Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club B+R Bike + Ride BMVI Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur BVWP Bundesverkehrswegeplan DTV Durchschnittliche tägliche Verkehrsbelastung DTVw5 Durchschnittliche werktägliche Verkehrsbelastung (Montag - Freitag) ERA Empfehlungen für Radverkehrsanlagen (FGSV, 2010) EW Einwohner GWh Gigawattstunde Kfz Kraftfahrzeug LSA Lichtsignalanlage MiD Bundesweite Haushaltsbefragung zur „Mobilität in Deutschland“ MIV Motorisierter Individualverkehr MMM 2035+ Masterplan Mobilität Münster 2035+ NVZ Normalverkehrszeit ÖPNV Öffentlicher Personennahverkehr ÖV Öffentlicher Verkehr P+R Park + Ride Pkw Personenkraftwagen RB Regionalbahn RE Regionalexpress RVM Regionalverkehr Münsterland GmbH SPNV Schienenpersonennahverkehr VEP Verkehrsentwicklungsplan © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 10/150 Glossar Begriff Beschreibung Aggregationsniveau Aggregation ist die Zusammenfassung mehrerer Einzelgrößen hinsichtlich eines gleichartigen Merkmals, um Zusammenhänge aufzuzeigen. Die Höhe des Aggregationsniveaus wird durch die jeweilige Fragestellung bestimmt. Diametral Math.: Auf einem Durchmesser gelegen Free-floating-Prinzip Ein Sharing-Fahrzeug kann (z. B. per App) ausgeliehen werden und muss nicht an einem vordefinierten Platz wieder abgestellt werden. Erlaubt sind alle für das Fahrzeug vorgesehenen Stellflächen im Geschäftsgebiet. Intermodalität Intermodalität bezeichnet im Personenverkehr die Nutzung verschiedener Verkehrsmittel im Verlauf eines Weges. Kordonzählung Eine Kordonzählung wird benötigt, um die Verkehrsströme in einem Ge- biet zu erfassen. So kann der Gesamtverkehr in Durchgangs-, Quell- und Zielverkehr getrennt erfasst und erhoben werden. Leeze Ugs.: Fahrrad Leezenbox Ein wettergeschützter und videoüberwachter Fahrradabstellplatz. Makroskopisches Verkehrs- modell Ein Verkehrsmodell, dass den Verkehr über aggregierte Kenngrößen ab- bildet, einzelne Fahrer/Fahrzeug-Einheiten werden nicht betrachtet. Das Modell erlaubt Aussagen über den Verkehrsfluss und die Verkehrsdichte. Mobilitätsbefragung Eine Befragung zur Mobilität der Bevölkerung einer Stadt. Mit den Ergeb- nissen können die Verkehrsbedürfnisse besser bei der Weiterentwicklung der Verkehrsangebote/Verkehrskonzepte berücksichtigt werden. Mobilitätskonzept Ein Mobilitätskonzept verbindet konkrete Lösungsansätze zum Thema Mo- bilität zu einer integrierten Gesamtstrategie. Es wird auf die regionalspezi- fischen Anforderungen angepasst und als fortlaufender Prozess gesehen, um nachhaltige Ergebnisse zu erzielen und Anpassungen zu ermöglichen. Mobilstation Mobilstationen verknüpfen verschiedene Verkehrsmittel an einem Ort und ermöglichen den Fahrgästen, flexibel z. B. zwischen ÖPNV, Leihrädern, E- Scootern und Carsharing zu entscheiden. Die Stationen können durch wei- tere Serviceangebote (z. B. Schließfächer, Gastronomie) ergänzt werden. Modal Shift Modal Shift ist die englische Bezeichnung für Verkehrsverlagerung. Damit gemeint ist i. d. R. eine Verlagerung des Verkehrsaufkommens auf umwelt- freundliche Verkehrsmittel (ÖPNV, Fahrrad, Fuß). Modal Split Modal Split ist die englische Bezeichnung für Verkehrsmittelwahl. Das be- inhaltet die prozentualen Anteile der einzelnen Verkehrsmittel an den täg- lichen Wegen bzw. an der täglichen Verkehrsleistung. Nahverkehrsplan Der Nahverkehrsplan beschreibt den Rahmen für die angestrebte Entwick- lung des ÖPNV und definiert die Anforderungen an Umfang und Qualität des Verkehrsangebotes und dessen Umweltqualität. Niederflur Bezeichnung für die Ausführung von Fahrzeugen im ÖPNV mit besonders tiefliegenden Böden. Dies ermöglicht ein barrierefreies Ein- sowie Ausstei- gen für alle Fahrgäste und verkürzt häufig die Fahrgastwechselzeiten. On-Demand-Verkehrsange- bot Beinhaltet flexible Bedienungsformen (z. B. Anruf-Sammeltaxi, Taxibusse). On-Demand-Verkehrsangebote verkehren vollständig flexibel, es gibt kei- ne Fahrplan- und Linienwegbindung und Fahrten erfolgen nach Bedarf. © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 11/150 Begriff Beschreibung Quellverkehr Ortsveränderungen (d. h. Verkehre), die innerhalb eines betrachteten Ge- biets beginnen und außerhalb dieses Gebiets enden. RidePooling Beim RidePooling erfolgt eine (on-demand) Bündelung von Fahrtanfragen. Anstatt Fahrgäste einzeln zu befördern, werden Fahrten mit ähnlichen Rou- ten zusammengelegt. Die Fahrgäste werden gemeinsam transportiert und teilen sich den Fahrpreis. Shared-Space Ein verkehrliches Leitbild, über das die vielfältigen Nutzungsansprüche an den Straßenraum vereint werden sollen. Charakteristisch ist dabei die Idee, auf Verkehrszeichen, Signalanlagen sowie Fahrbahnmarkierungen zu ver- zichten. Gleichzeitig sollen alle Verkehrsteilnehmer vollständig gleichbe- rechtigt werden, wobei die Vorfahrtsregel weiterhin Gültigkeit besitzt. Im Unterschied zu anderen Verkehrsberuhigungsmaßnahmen setzt das Kon- zept nicht auf restriktive Regeln, sondern auf die freiwillige Verhaltensän- derung durch gegenseitige Rücksichtnahme. SWOT-Analyse Die SWOT-Analyse ist ein Instrument zur strategischen Planung. Es werden Stärken (engl. Strengths), Schwächen (engl. Weaknesses), Chancen (engl. Opportunities) und Risiken (engl. Threats) gegenübergestellt. Tagesnetz Das vom ÖPNV tagsüber abgedeckte Geschäftsgebiet. Umweltverbund Die Gruppe der umweltverträglichen Verkehrsmittel, i. d. R. nicht motori- sierte Verkehrsträger (Rad, Fuß), ÖPNV sowie Carsharing. Verkehrsleistung Eine Maßzahl, die die Leistung beschreibt, die ein Verkehrsmittel erbringt. Sie ist das Produkt aus einer zurückgelegten Strecke sowie der Menge der der beförderten Personen und wird in Personenkilometer angegeben. Zielverkehr Ortsveränderungen (d. h. Verkehre), die außerhalb eines betrachteten Ge- biets beginnen und innerhalb dieses Gebiets enden. © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 12/150 1 Einleitung und Aufgabenstellung Die PTV Transport Consult GmbH wurde im Frühjahr 2021 mit der Erarbeitung des Masterplans Mobilität Münster 2035+ beauftragt. Der erste Eindruck Als Verkehrs- und Mobilitätsplaner freuen wir uns über diese Aufgabe, werden doch mit der „Metropole Westfalens“ Begriffe wie „Fahrradstadt“ und bereits geringe Kfz - Anteile im Modal-Split verbunden. Mit anderen Worten: Vom Bauchgefühl starten wir als Planende mit einem Modal-Split, den wir bei vielen anderen von uns bearbeiteten Mobilitätskonzepten als Zielzustand erreichen möchten. Gleichwohl pendeln wegen der zentralen Funktion hinsichtlich der Arbeitsplätze viele Menschen täglich ein und aus, so dass wir u. a. über Netzbefahrungen und Datenaus- wertungen in den tageszeitlichen Spitzenstunden eine überraschend hohe Belastung durch den motorisierten Individualverkehr (MIV) feststellen konnten. Zugleich zeigte sich im Zuge der Befahrung des Stadtgebietes, dass sich der hohe Radverkehrsanteil in den gewachsenen Strukturen Münsters punktuell und abschnittsweise nicht (mehr) in einer entsprechenden Straßenraumgestaltung widerspiegelt. Im Rahmen des Mas- terplans Mobilität Münster 2035+ gilt es daher, dass insgesamt positive Fazit und auch die ermittelten Schwächen in einen Gesamtrahmen aufzunehmen, um es unter Einbeziehung der Einflussmöglichkeiten einer Stadt weiterzuentwickeln. Hinzu kommt ebenso, dass die Bevölkerung der Stadt Münster kontinuierlich wächst: Seit dem Jahr 2014 weist die Großstadt eine Bevölkerung von über 300.000 Einwoh- nern aus und sie wird voraussichtlich bis 2040 rund 350.000 Einwohner haben. Paral- lel zu den Einwohnerzahlen stieg in den letzten Jahren (2011 - 2019) auch die Anzahl der Arbeitsplätze um 29.000 auf rund 176.000, was sich auf das Verkehrsaufkommen der Kfz und teilweise auch der ÖPNV-Nutzer und Radfahrer auswirkte. Mobilität Die Mobilität als Querschnittsthema bietet ein wesentliches Gestaltungselement bei einer wachsenden Bevölkerung, weil sie einerseits die Lebensbedingungen und da- mit die Lebensqualität in einer Stadt und den benachbarten Kreisen durch negative Begleitaspekte wie hohe NO x- und CO2-Werte beeinflussen kann, andererseits aller- dings auch eine grundlegende Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe ist. Als Großstadt weist Münster diesbezüglich einige Besonderheiten auf, die eine wich- tige Ausgangsbasis für alle Planungen im Rahmen des Masterplans Mobilität darstel- len. Exemplarisch seien hinsichtlich der Mobilität die Nachfolgenden benannt: Münster weist schon heute mit rund 65 % eine sehr hohe Nutzungsquote bei Ver- kehrsmitteln des Umweltverbundes (v. a. Fahrrad, ÖPNV, Fuß) auf. Münster weist einen Radverkehrsanteil von über 43 % im Modal-Split auf. Münster ist mit einem Altersschnitt von 41,4 Jahren die jüngste Stadt in NRW. © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 13/150 Münster betreibt als eine der wenigen deutschen Großstädte mit mehr als 200.000 Einwohnern den öffentlichen Personennahverkehr ausschließlich straßengebunden mit Bussen und Pkw, aber ohne schienengebundene Verkehrsmittel. Im stadtregionalen Verkehr werden fast die Hälfte des Pkw-Verkehrs über zwei Achsen (B51 und B54) in die Stadt geführt. Bearbeitungsansatz Der Bearbeitungsansatz für die fachlich-inhaltliche Erarbeitung des Masterplans Mo- bilität der Stadt Münster erfolgt unter den nachfolgend dargestellten Prämissen. Die damit erarbeiteten Ergebnisse sollen durch die Stadt u. a. auch als Vorbereitung auf nachfolgende Projekte und Konzepte genutzt werden können. Integriert … Im Rahmen der Erstellung des Masterplans Mobilität werden - aufbauend auf einer Analyse der Bestandssituation - in einem integrierten Ansatz konzeptionelle Lösun- gen entwickelt, bewertet und in einem zeitlich differenzierten Umsetzungskonzept ausgearbeitet. Unbedingt erwähnt werden sollte dabei, dass wir als Auftragnehmer bereits auf vielen Zahlen, Daten und Fakten der Stadt aufsetzen konnten und diese nicht einfach wiederholt werden sollen. Gleichwohl werden besonders in dem hier vorliegenden Dokument einzelne Werte an passenden Stellen für ein besseres Ver- ständnis erneut aufgegriffen. Diesbezüglich bauen wir auf vorhandenen Planungen und Datengrundlagen auf und entwickeln diese in einem übergeordneten und inte- grierten Ansatz weiter. Über den Masterplan werden die bestehenden Maßnahmen und Ziele in einen Gesamtkontext gestellt und bewertet, so dass er als eine Art „Rah- men“ für zukünftige Gestaltungsspielräume im Bereich der Mobilität dient. Alle Verkehrsmittel im Zusammenspiel miteinander betrachten … Darunter verstehen wir, dass nach der Aufnahme der Bestandssituation sowie der Er- stellung des Stärken- und Schwächen-Profils nicht mehr konventionell nach Verkehrs- arten getrennt wird. Unser Anspruch ist, im Rahmen der Maßnahmenentwicklung die Mobilität aller Menschen in den Fokus zu stellen, um nachhaltige und konsensfähige Lösungen zu entwickeln, anstatt nur einzelne Verkehrsmittel zu betrachten. Eine funk- tionierende Mobilität ist dabei auch aus unserer Sicht nur gewährleistet, wenn sämtli- che Verkehrsarten berücksichtigt und zugleich bestmöglich aufeinander abgestimmt sind. Dieser integrative Ansatz ist seit vielen Jahren erkennbar einer der wesentlichen Leitgedanken im Sinne einer nachhaltigen Mobilitätsplanung der Stadt Münster. Der Masterplan Mobilität hat auf der einen Seite den Anspruch und das Ziel, für die heutigen verkehrlichen Probleme und Herausforderungen kurz- bis mittelfristige Lö- sungsansätze zu entwickeln (u. a. Attraktivierung des ÖPNV zur Reduktion von Fahr- ten im MIV bei Pendler- und Parksuchverkehren, Steuerung der Lieferverkehre, Wei- terentwicklung des Radwegenetzes, sichere und attraktive Lenkung des Fußverkehrs, Mobilitätsmanagement und Ausbau der Ladeinfrastruktur, Verknüpfungen zwischen Verkehrsmitteln zur weiteren Unterstützung des Umweltverbundes). Auf der anderen © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 14/150 Seite erfordern die langfristig zu erwartenden Veränderungen im Mobilitätsverhalten neue Denkweisen, welche ein Loslösen von der heutigen Betrachtung der einzelnen Verkehrsarten voraussetzen, um das Ziel der für Münster verträglichen Mobilität trotz prognostiziertem Wachstum erreichen zu können. Es werden daher zeitlich differen- zierte Maßnahmen erarbeitet, um visionäre, aber gleichzeitig umsetzbare Lösungen zu entwickeln. Dies bedeutet konkret auch, dass Konsequenzen hinsichtlich definier- ter Ziele und Maßnahmen auf konkrete Verkehrsachsen heruntergebrochen werden, um das damit verbundene Potenzial (be-)greifbarer zu machen. Rahmen und Struktur geben … Bei dem Masterplan Mobilität Münster 2035+ soll kein (weiteres) statisch es Planwerk erarbeitet werden, das Entwicklungsziele formuliert, stattdessen sollen bestmögliche Mobilitätsstrategien flexibel entwickelt werden. Für das gemeinsame Verständnis von dieser bestmöglichen Strategie erfolgt parallel zur Bestandsaufnahme die ge meinsa- me Entwicklung verkehrspolitischer Leitziele. Bestehende aufgestellte Ziele aus ande- ren Konzepten müssen hierbei aufgegriffen und konkretisiert werden. Es sollten vor der eigentlichen Maßnahmenentwicklung verkehrsträgerübergreifende Handlungsfelder definiert werden, welche eine Entwicklungsrichtung für Verwaltung bzw. Politik vorgeben, Maßnahmen thematisch bündeln und anschaulich zusammen- fassen. Neben infrastrukturseitigen Maßnahmen ist es wichtig, auch organisatorische, betriebliche und informatorische Maßnahmen im Rahmen des Masterplans Mobilität zu erarbeiten und zu vergleichen. Im Zuge des Masterplans Mobilität Münster 2035+ werden dafür vier Szenarien entwickelt, aus denen sich anschließend konkrete Hand- lungsfelder bzw. -empfehlungen inkl. Maßnahmen ableiten lassen. Inspiration durch innovative Vorbilder … Wir, als PTV Transport Consult GmbH, erarbeiten den Masterplan Mobilität in fach- lich-inhaltlicher Hinsicht. Gleichwohl besteht ein immer größerer Anteil unserer Ar- beit aus der Rückkopplung mit Menschen vor Ort, Stakeholdern und der Politik. In die geplanten Beteiligungsformate bringen wir uns deshalb gerne ein, um gemein- sam zukunftsweisende Ideen für eine Mobilität von Morgen zu erarbeiten sowie Be- züge zur aktuellen Debatte herzustellen – u. a. um den Blick weg von Problemen, hin zu konstruktiven und kreativen Lösungen für den Masterplan Mobilität zu lenken. Hierbei helfen Anregungen von Vorbildern: So verfolgt beispielsweise die aus Mobili- tätssicht durchaus mit Münster vergleichbare niederländische Stadt Utrecht seit Jah- ren eine Neuaufteilung des Straßenraums zu Gunsten von Fußgängern, Radfahrern und öffentlichen Verkehrsmitteln. Die Erreichbarkeit des Stadtzentrums für den MIV ist dabei auch weiterhin gegeben, Parken wird mittels attraktiver ÖPNV-Anbindungen sowie Mobilstationen in den Außenbereichen gefördert, im Innenstadtbereich dage- gen ist das Parkangebot deutlich eingeschränkt und teuer. Dieses und andere Vorbil- der wollen wir somit zum Anlass nehmen, um in gemeinsamer Arbeit eine Vielzahl an positiven Beiträgen zur Mobilitätswende in der Stadt Münster zu leisten. © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 15/150 2 Status-Quo des Verkehrssystems 2.1 Datenbasis zur Bestandsanalyse Von der Stadt Münster wurden während des Bearbeitungsprozesses für die hier vor- liegende Bestandsanalyse zum Masterplan Mobilität Münster 2035+ eine Vielzahl an bereits bestehenden Informationen, Daten, Planunterlagen, Konzepten und Gutach- ten aus vorangegangenen Projekten bereitgestellt. Als Ergänzung zu dieser umfang- reichen Datenbasis erfolgte (im Bedarfsfall) zusätzlich auch eine eigene Recherche zur Gewährleistung eines möglichst umfassenden Gesamteindrucks im Hinblick auf das bestehende Mobilitätssystem und -verhalten der Bevölkerung. Nachfolgend sind die zentralen Quellen, die genutzt bzw. ausgewertet wurden, dargestellt: Makroskopisches Verkehrsmodell der Stadt Münster inkl. relevanter Raumstruk- tur- und Belastungsdaten (Übernahme in PTV VISUM, Stand 2021), Vor-Ort-Besichtigung des Münsteraner Stadtgebiets per Fahrrad (2021), Verkehrsentwicklungsplan Münster 2025 (2009), Radverkehrskonzept Münster 2025 (2015), 3. Nahverkehrsplan Stadt Münster (2016), Entwicklungsziele im stadtregionalen Alltagsradwegenetz (2016), Fahrradstadtplan 2018 (2018), Expertise „Vorzeitige Gestaltung des Zukunftsprozesses Masterplan Mobilität Münster 2035+“ (2018), Mobilität in Deutschland – MiD 2017 Ergebnisbericht (2019), Mobilitätsbefragung zum werktäglichen Verkehrsverhalten der Bevölkerung in Münster (2019), ÖPNV-Pilotprojekt: On-Demand-Shuttlesystem in Münster (2019), Gestaltungsleitfaden „Mobilität vernetzen – Mobilstationen in NRW“ (2019), Projekt S-Bahn Münsterland – Angebotszielkonzeption (2019), Linienweg- und Fahrplanmaßnahmen der Stadtwerke Münster GmbH (2020), Fußverkehrs-Check Kreuzviertel (2020), ADFC Fahrradklima-Test (2020), Kordonzählung 2019 (2020), Verkehrsbelastungsplanung (2020), Bericht zur Wohnbaulandentwicklung 2019 (2020), Ergebnispräsentation zur Bestandsaufnahme zum MMM 2035+ (2021), © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 16/150 Verkehrsmodell Stadt Münster – Funknetzdaten Motionlogics (2021), Münster Klimaneutralität 2030 (2021), Münster Zukünfte 20 | 30 | 50 (2021), Münster unser Klima 2030 – Energie- und Klimabilanz der Stadt Münster (2021), Unfalldaten und -auswertung der Unfallkommission zum Ludgeriplatz (2021), Liniennetz (Tages- und Nachtverkehr) in der Stadt Münster (2021), LOOPmünster – Entwicklungspotentiale und Kosten (2021), Informationen zu Fahrradstraßen mit Qualität (2021), Kleinräumige Gebietsgliederung der Stadt Münster (2021), Koalitionsvertrag Münster 2021-2025 (2021), Raumstrukturdaten zur 15-Minuten-Stadt (zuletzt aufgerufen im Dezember 2021), Pendleratlas NRW (zuletzt aufgerufen im Dezember 2021), Flächennutzungsplan der Stadt Münster (zuletzt aufgerufen im Dezember 2021), Nahverkehrsplan Westfalen-Lippe (zuletzt aufgerufen im Dezember 2021), RVM Regionalverkehr Münsterland (zuletzt aufgerufen im Dezember 2021), Velorouten der Stadtregion Münster (zuletzt aufgerufen im Dezember 2021), Internetauftritte des Stadtplanungsamts bzw. des Amts für Mobilität und Tiefbau (zuletzt aufgerufen im Dezember 2021), u. a.: Zahlen, Daten, Fakten für Münster Jahres-Statistiken der Stadt Münster Münster im Spiegel der Zahlen Beschluss- und Berichtsvorlagen bzw. Ratsanträge zum Mobilitätssystem, u. a.: Grundsatzbeschluss für ein "Integriertes Parkraumkonzept Münster" Teilnahme am Landeswettbewerb "Mobil.NRW" mit dem Beitrag „Multimo- dale- und Intermodule Mobilität am Münsteraner Hauptbahnhof stärken" Neue Qualitätsstandards für Fahrradstraßen Fahrradstraßen 2.0 – Sachstandsbericht & Leitlinien bei der Kommunikation Implementierung stadtregionaler Velorouten in der Stadtregion Münster Fahrradnetz-Planung: ein hierarchisches, zusammenhängendes Fahrradnetz für Münster erarbeiten Mobilstationskonzept der Stadt Münster – Teil A: Qualitätsstandards, Verkehrserhebungen an verschiedenen Querschnitten im Stadtgebiet, Verkehrsgutachten im Münsteraner Stadtgebiet. © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 17/150 2.2 Untersuchungsraum und Struktur Der Untersuchungsraum umfasst das Stadtgebiet Münsters, das sich in vier Innenbe- zirke (Altstadt, Innenstadtring, Mitte-Süd und Mitte-Nordost) und fünf Außenbezirke (Münster-West, Münster-Nord, Münster-Ost, Münster-Südost sowie Münster-Hiltrup) gliedert (siehe Abbildung 1). Das Gebiet beheimatet über 310.000 Personen (Stand: Oktober 2021) auf einer Fläche von mehr als 300 km². 1 Abbildung 1: Lage der Stadtbezirke in Münster. Quelle: PTV Transport Consult GmbH. 1 Stadt Münster, 2021: Zahlen, Daten, Fakten für Münster. Stadtplanungsamt Mitte Süd Innenstadtring Altstadt Münster West Münster Nord Münster Ost Münster Südost Münster Hiltrup Mitte Nordost © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 18/150 Der aktuelle Verkehrsentwicklungsplan (VEP) für Münster datiert aus dem Jahr 2009 und betrachtet einen Prognosehorizont 2025. Zur Aktualisierung und Anpassung an verkehrliche Entwicklungen wurde er – als dynamisches Instrument – seither um zahl- reiche Einzelkonzepte zu Verkehrsmitteln, Stadtbereichen und Großprojekten erwei- tert bzw. ergänzt, die sich in unterschiedlicher Detailtiefe ebenso mit der städtischen Mobilität beschäftigen (siehe hierzu Kapitel 3). Der VEP – als das eigentliche Gesamt- konzept – spiegelt somit mittlerweile nicht mehr den aktuellen Stand wider. Für die erneute, ganzheitliche Überprüfung des Status-Quo sowie der prognostizier- ten Entwicklungen im Rahmen des Masterplans Mobilität Münster 2035+ sind dabei unter anderem die folgenden Aspekte für den Untersuchungsraum von Bedeutung: Als Oberzentrum ist die Stadt Münster für mehr als 1,6 Million Menschen im ge- samten Münsterland (Stand: Dezember 2019) einer der wichtigsten urbanen Be- zugspunkte. Unter anderem deshalb führen viele (über-)regionale Verkehrsach- sen in einer weitgehend sternförmigen Struktur in Richtung des Stadtgebiets. Das Verkehrsverhalten der Münsteraner Bevölkerung wird seit 1982 regelmäßig untersucht. In den Ergebnissen zeigt sich eine kontinuierliche Entwicklung: Wäh- rend sich die absolute Wegehäufigkeit und der Anteil des privaten Pkw-Verkehrs im Stadtgebiet verringern, erhöhen sich die mittleren Wegelängen sowie der An- teil des Umweltverbunds (v. a. Fahrrad, ÖPNV) im täglichen Verkehr. Diese große Bedeutung der Stadt stärkt auf der einen Seite die Wirtschaft, führt auf der anderen Seite aber auch zu einer großen Verkehrsbelastung im Stadtge- biet; nicht zuletzt hervorgerufen aufgrund des hohen (über-)regionalen Pendler- verkehrsaufkommens, das für rund die Hälfte der täglichen Kfz-Belastung verant- wortlich ist. Auch die Stadtbevölkerung erzeugt auf ihren Wegen Verkehr, nutzt dafür jedoch häufiger umweltverträgliche Verkehrsmittel (sog. Umweltverbu nd). Münster ist mit einem Altersschnitt von ca. 41,4 Jahren die jüngste Stadt in NRW. Mit 66.500 Studierenden (Stand: Wintersemester 20/21) in zehn Hochschulen ge- hört die Stadt außerdem zu den zehn größten Universitätsstädten in Deutschland. Obwohl diese nicht alle im Stadtgebiet wohnen, sondern teilweise auch aus dem Umland pendeln, hat dies natürlich Auswirkungen auf das Mobilitätsverhalten. Insgesamt haben die Außenbezirke in den vergangenen Jahrzenten gegenüber dem Stadtzentrum sowohl hinsichtlich Wohnen als auch zum Arbeiten einen hö- heren Stellenwert erlangt (sog. Suburbanisierung als einer der wesentlichen ver- kehrsprägenden Faktoren in städtischen Räumen). Die (inner-)städtischen Strukturen in der Stadt Münster haben sich in den vergange- nen Jahren bereits deutlich verändert. Dennoch ist unter Berücksichtigung von ak- tuellen sozialen, ökologischen und ökonomischen Themen (v. a. Verkehrs - bzw. Mo- bilitätswende) auch weiterhin ein tiefgreifender Wandel erforderlich. Mit dem Mas- terplan Mobilität Münster 2035+ liegt ein Baustein für diese Entwicklung vor. © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 19/150 2.3 Energie- und Klimabilanz der Stadt Münster Die Stadt Münster strebt – nicht zuletzt auf der Basis der Beschlüsse zum Masterplan 100% Klimaschutz, dem Beschluss zum Klimanotstand und dem Beschluss zum Hand- lungsprogramm Klimaschutz 2030 – den Weg zur klimaneutralen Stadt an. In diesem Kontext hat sie sich verpflichtet, konkrete Maßnahmen zur weiteren Reduzierung der Treibhausgasemissionen im Stadtgebiet umzusetzen. Als Übersicht über den Zieler- reichungsgrad in Bezug auf die damit verbundenen Themenfelder dient die Energie- und Klimaschutzbilanz2 der Stadt, die sich auf das Referenzjahr 1990 bezieht. Für den Zeitraum zwischen 1990 und 2019 zeigt sich für die Stadt ein Bevölkerungs- zuwachs um 22 %, was ungefähr 55.000 zusätzlichen Einwohnern entspricht. Nichts- destotrotz wurde in dem gleichen Zeitraum bereits eine CO2-Reduzierung um 28 % (727.000 t CO2) und eine Reduzierung des Gesamtenergieverbrauchs um 8 % (520 GWh) erreicht. Werden diese Daten mit der Einwohnerzahl überlagert, so ergibt sich daraus ein Emissionsrückgang von etwa 41 % und eine Reduzierung des Energiever- brauchs um ca. 24 % je Einwohner. Somit wurde u. a. bereits das selbstgesteckte Ziel von 40 % CO 2-Reduzierung (Klimaschutzkonzept 20203) erreicht. Positiv ist ebenfalls, dass sich die CO2-Emissionen (und auch der Endenergieverbrauch) seit 2006 zuneh- mend von der Bevölkerungszahl entkoppeln. Die Klimaschutzaktivitäten der Stadt zei- gen somit die erhofften Wirkungen, decken gleichzeitig aber auch zusätzliche Poten- ziale für die weitere CO2- und Energieverbrauchsreduktion auf. Viele Trends werden selbstverständlich auch von den politischen, wirtschaftli chen so- wie gesellschaftlichen Entwicklungen außerhalb der Stadt überlagert. Um trotzdem die Ausgangsbasis für die weitere Bearbeitung des Masterplans Mobilität zu definie- ren, werden im Folgenden wesentliche Erkenntnisse zum Themenfeld „Mobilität und Verkehr“ zusammenfassend dargestellt. Für die Bilanzierung diente v. a. die Wir- kungsabschätzung aus dem makroskopischen Verkehrsmodell der Stadt, welches in der hier vorliegenden Untersuchung ebenfalls genutzt wird (siehe u. a. Kapitel 2.5): Der Verkehr trägt sowohl zu ca. 30 % zu den CO2-Emissionen als auch zum End- energieverbrauch bei (Daten für 2019; Wärme 37 % CO2-Emissionen bzw. 50 % Energieverbrauch; Strom 32 % CO2-Emissionen und 20 % Energieverbrauch). Die Treibhausgasemissionen des Verkehrs konnten (trotz eines stetigen Anstiegs im Kfz-Bestand) seit 1990 um ca. 12 % (78.000 t CO2) reduziert werden, was einer Reduzierung der CO2-Emissionen um ungefähr 27 % pro Einwohner entspricht. Die spezifischen Emissionen (Emissionen pro Verkehrsleistung) sind – wie im Bundesdurchschnitt – nahezu gleichgeblieben. Es wurde nur wenig Kraftstoff durch Biodiesel oder Bioethanol ersetzt und auch Strom ist als Energiequelle für den MIV im Gesamtsystem weiterhin von untergeordneter Bedeutung. 2 Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit, Münster 2021: Energie- und Klimabilanz der Stadt Münster 3 ifeu - Institut für Energie- und Umweltforschung, Heidelberg 2009: Klimaschutzkonzept 2020 für die Stadt Münster © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 20/150 Einsparungen haben v. a. im MIV stattgefunden, fallen aber insgesamt gerin- ger aus als ursprünglich angenommen. Sie werden auf eine stetige Verbesse- rung des Spritverbrauchs der Fahrzeuge zurückgeführt. Ebenso wirkt sich der Anstieg der Nutzung des Umweltverbunds sowie der leichte Rückgang in der Pkw-Dichte pro Kopf positiv aus. Die Stadt Münster hat in den vergangenen Jahren schon einige positive Entwick- lungen zur Reduzierung der verkehrsbedingten Emissionen angestoßen. Im Hin- blick auf die mittel- bis langfristige Perspektive sollte die Vielzahl der (derzeit) er- arbeiteten Konzepte ihre positive Wirkung zeigen. Die Erreichung des angestrebten Ziels „Klimaneutralität bis 2030“ wird die Stadt auch weiter vor große Herausforderungen stellen und erfordert trotz der bereits positiven Entwicklung eine deutliche Steigerung der bisherigen Aktivitäten. Besonders das dynamische Wachstum der Stadt und ihrer Bevölkerung machen eine zusätzliche Kraftanstrengung notwendig. Hier ist eine noch stärkere Sensibi- lisierung der Stadtgesellschaft für die Belange des Klimaschutzes und die Verant- wortung für die Klimaneutralität erforderlich. Nicht zuletzt im Rahmen des Masterplans Mobilität gilt es außerdem Wege zu fin- den, den Umweltverbund weiter zu stärken, dadurch den MIV zu reduzieren und die in beiden Modi verbleibenden Anteile (vollständig) zu elektrifizieren. 2.4 Mobilität in Münster Im November 2019 fand eine Mobilitätsbefragung4 (als Querschnittserhebung) zum werktäglichen Verkehrsverhalten der Münsteraner Bevölkerung statt. Eines der Ziele war es, in Ergänzung zu bereits vorhandenen Mobilitätsdaten eine repräsentative Ba- sis zur Analyse der lokal spezifischen Verhaltensmuster zu generieren. Aufgrund des frühen Erhebungszeitraums können dabei verkehrliche Auswirkungen im Zusammen- hang mit der Coronavirus-Pandemie ausgeschlossen werden. Das ist für den langfris- tigen Planungshorizont des Masterplans Mobilität als positiv zu sehen, weil die in die- sem Zusammenhang erarbeiteten Konzepte auch bei einer zukünftigen Entschärfung der pandemischen Lage tragfähig bleiben müssen. Gleichwohl sind verkehrliche Aus- wirkungen zum jetzigen Zeitpunkt jedoch noch nicht belastbar vorherzusagen. Es ist bereits eine umfangreiche Dokumentation zur Mobilitätsbefragung vorhanden. Diese wird im Folgenden besonders um punktuelle Auswertungen auf Stadtteil - und Stadtbezirksebene ergänzt (die Befragung war für die Stadtbezirksebene ausgelegt). Dennoch sind ebenso einige übergeordnete Kennziffern von Interesse, auf die vorab in den folgenden Abschnitten eingegangen wird. Dies bezieht sich auf Daten zu We- 4 Ingenieurbüro Helmert, Aachen 2020: Mobilitätsbefragung 2019 zum werktäglichen Verkehrsverhalten der Bevölkerung in Münster. © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 21/150 gezwecken, Wegehäufigkeiten sowie genutzten Verkehrsmitteln (siehe Anhang 6.1). Zudem dienen die Informationen als Input für das makroskopische Verkehrsmodell. Zum Zeitpunkt der Erhebung wurden im Durchschnitt etwa 3,0 Wege/Tage zurückge- legt. Damit ist die Wegehäufigkeit in der Stadt (analog zum deutschlandweiten Trend aus der MiD 20175) in den vergangenen Jahren tendenziell rückläufig. Es finden den- noch täglich fast eine Million Wege der Bevölkerung statt, die sich gemäß des Modal Split auf das bestehende Mobilitätssystem verteilen (siehe Tabelle 1). Hervorzuheben ist dabei der Anteil des Umweltverbunds von etwa 65 %, der (wie der Radverkehrsan- teil) auf Basis der MiD im nationalen Vergleich als besonders hoch einzustufen ist. Verkehrsmittel Wege Verkehrsleistung Stadt Münster MiD 2017 (Großstadt) Stadt Münster MIV 34,1 % 50,0 % 58,9 % ÖPNV 10,2 % 12,0 % 24,6 % Fuß 11,5 % 24,0 % 1,3 % Rad 43,5 % 14,0 % 15,1 % Sonstige 0,6 % - 0,1 % Tabelle 1: Modal Split auf Basis der Mobilitätsbefragung. Im Vergleich zu den vorherigen Befragungen ergeben sich eine Steigerung des Rad- verkehrsanteils und ein stabiler ÖPNV-Anteil, aber auch eine Abnahme in dem Anteil der Wege, die zu Fuß erfolgen. Unter Einbeziehung von methodischen Verzerrungen im Zeitverlauf (vor allem schwankende Fußverkehrsanteile, siehe Kapitel 2.5.5), resul- tiert dagegen ein konsistentes Gesamtbild: Es liegt ein kontinuierlicher Rückgang des MIV-Anteils (dessen Zahl in Münster bereits seit der ersten Erhebung vergleichsweise gering ist) bei einer gleichzeitigen Zunahme der Radverkehrs- bzw. ÖPNV-Anteile vor (bei ebenfalls steigenden Bevölkerungszahlen). Dadurch wird nicht zuletzt das Niveau der Mobilitätsbefragung aus dem Jahr 2013 mit den aktualisierten Daten bestätigt. Der Vergleich zwischen wege- und verkehrsleistungsbezogenem Modal Split zeigt je- doch auch, dass ersterer tendenziell ein etwas verzerrtes Bild der verkehrlichen Reali- tät liefert: Demnach spiegelt er zwar die Anteile an den unternommenen Wegen wi- der, sagt aber nichts über die tatsächliche Länge der einzelnen Wege aus. So werden zum Beispiel 55 % aller Wege zu Fuß oder mit dem Rad zurückgelegt, dies entspricht jedoch lediglich 16,4 % der gesamten Verkehrsleistung. Erst durch eine Kombination des gewählten Verkehrsmittels und der Distanz des Weges lassen sich also tiefergrei- fende Rückschlüsse auf das Mobilitätsverhalten in Münster ziehen, unter anderem: Im Gesamtbild kommt dem MIV und ÖPNV mit einem Anteil von mehr als 83 % an der Verkehrsleistung eine deutlich größere Bedeutung zu. Im ÖPNV kann dies vor allem auf die tendenziell weiteren Wege mit der Bahn zurückgeführt werden. Von entsprechend geringerer Bedeutung sind demnach der Rad- und Fußverkehr. 5 Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI), Bonn 2019: Mobilität in Deutschland. © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 22/150 Eine umfassende Verlagerung von MIV-Wegen auf das Fahrrad ist nicht ohne wei- teres möglich, denn mit dem Rad wird auch trotz eines insgesamt höheren Wege - anteils lediglich etwa ein Viertel der Verkehrsleistung des MIV erbracht. Unmittelbare Wechselwirkungen („Konkurrenzen“) bestehen daher vor allem zwi- schen MIV und ÖPNV (auf längeren Wegen), zwischen Rad und ÖPNV (auf mittle- ren Wegen) sowie zwischen Rad- und Fußverkehr (auf kürzeren Wegen). Der statistische Rückgang des MIV-Anteils an den zurückgelegten Wegen ist nicht unmittelbar mit der Reduzierung der Pkw-Fahrleistung verbunden (wenn sich zum Beispiel im selben Zeitraum ebenso die mittlere Entfernung zwischen Wohnorten und Arbeitsstätten vergrößert hat). Im Rahmen einer Förderung des Fuß- und Radverkehrs sollte es nicht nur das Ziel sein, dass mehr Wege zurückgelegt werden. Zugleich sollten auch die Vorausset- zungen dafür geschaffen werden, die Grenzen der Reisezeitvorteile zum MIV (bis 1,5 km im Fuß- bzw. 4 bis 7 km im Radverkehr) weiter zu verschieben. Das bedeu- tet, dass im Fußverkehr kürzere Wege über das untergeordnete Netz und im Rad- verkehr neben qualitativ hochwertigen Routen aus dem Umland (z. B. Velorouten) auch schnelle und sichere Wege entlang der Hauptstraßen benötigt werden. Die Wahl des Verkehrsmittels wird darüber hinaus besonders durch wegespezifische Randbedingungen beeinflusst. Dies betrifft unter anderem die räumliche Verteilung, die Wegezwecke und -längen sowie die Altersverteilung: Räumliche Verteilung: Wege im Binnenverkehr erfolgen nur selten im MIV (30 %) und ÖPNV (9 %) und werden entsprechend häufiger zu Fuß (13 %) oder mit dem Rad (48 %) zurückgelegt. Quell- und Zielverkehre über die Stadtgrenze hinaus fin- den naturgemäß hauptsächlich im MIV (76 %) sowie ÖPNV (22 %) statt. Somit hat auch der regionale Verkehr über seine Größenordnung (etwa 360.000 Personen- wege pro Tag) einen deutlichen Einfluss auf den Gesamt-Modal-Split. Wegezweck: Die Hauptwegezwecke sind geschäftlich bzw. beruflich (31 %), aus- bildungs- (18 %) und freizeitbezogen (17 %) oder dienen dem Einkauf (14 %). Be- sonders erstere werden oft mit dem Pkw, jedoch auch mit dem Fahrrad durchge- führt (jeweils 42 %). Auf Wegen zur Ausbildung dominieren natürlicherweise der ÖPNV (bis zu 17 %) sowie besonders das Fahrrad (bis zu 71 % für Studierende). Wegelänge: Die mittlere Distanz der Wege liegt bei 9,1 km; jeder Weg dauert im Durchschnitt 21 Minuten. Auf kurze Entfernungen bis 3 km entfallen 20 %, auf Dis- tanzen bis 5 km ca. 38 % der Kfz-Wege. Solche geringen Entfernungen werden vor allem mit dem Rad (58 % bzw. 83 % der Wege) zurückgelegt. 95 % der Fuß- wege sind kürzer als 3 km. Der ÖPNV wird hauptsächlich für längere Wege ge- nutzt (ungefähr 85 % der Wege sind mindestens 3 km lang). Altersverteilung: Jugendliche sowie junge Erwachsene unter 30 Jahren unterneh- men einen Großteil ihrer Wege im Umweltverbund, d. h. mit dem Rad (bis zu 60 %), dem ÖPNV (bis zu 18 %) und zu Fuß (bis zu 14 %). Personen zwischen 30 und 64 Jahren legen die meisten täglichen Wege zurück, dabei hat der MIV die größ- © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 23/150 te Bedeutung (ca. 42 %). Dennoch werden weiterhin mehr als die Hälfte aller We- ge im Umweltverbund realisiert, wobei die Bedeutung des Fußverkehrs (< 11 %) und ÖPNV (< 8 %) in diesem Alter am geringsten ist. Mit Eintritt in das potenzielle Rentenalter (ca. 65 Jahre) verliert der MIV zwar nicht an Bedeutung, geprägt vom Wandel in den Ruhestand werden aber etwas mehr Wege im ÖPNV (ca. 9 %) und zu Fuß (ca. 15 %) zurückgelegt. Der Anteil des Radverkehrs geht jedoch noch ein- mal deutlich zurück (< 33 %). Senioren ab 80 Jahren unternehmen weniger Wege mit dem Kfz (24 % Fahrer und 14 % Mitfahrer) jedoch mehr mit dem ÖPNV (ca. 20 %). Fußwege werden wieder häufiger (21 %), wohingegen der Radanteil in dieser Altersgruppe insgesamt unterdurchschnittlich ist (etwa 21 %). Ergänzende Auswertungen auf Stadtteil- und Stadtbezirksebene Das Mobilitätsverhalten der Bevölkerung steht allgemein in einem unmittelbaren Zu- sammenhang zur vorhandenen Raumstruktur in einer Stadt. Auf Basis der Mobilitäts- befragung können einige dieser Einflüsse – im Rahmen einer kleinräumigen Betrach- tung auf Stadtteil- bzw. Stadtbezirksebene – auch für Münster aufgezeigt werden. Zur schematischen Visualisierung der Erreichbarkeit des Münsteraner Stadtzentrums aus den einzelnen Stadtteilen dienen die Informationen aus den Isochronenkarten in der folgenden Abbildung 2. Die Karten zeigen über eine farbige Einteilung (grün bis rot), in welcher Fahrzeit der Domplatz für den MIV bzw. den Radverkehr über die be- stehenden Verkehrswege aus dem Stadtgebiet und der Region erreichbar ist. Es wird deutlich, dass die Isochronen („Linien gleicher Zeit“) im Allgemeinen weitge- hend ringförmig um den exemplarisch gewählten Standort verlaufen, da sich mit ei- ner zunehmenden räumlichen Distanz auch die zeitliche Entfernung vergrößert. Ein- zelne „Ausreißer“ von dieser Struktur zeigen sich insbesondere für den MIV entlang der Hauptverkehrsachsen (u. a. A1, A43, B54), die aus der Region in das Stadtgebiet führen, entsprechende Zielverkehre bündeln und im Hinblick auf die übergeordnete Verbindungsfunktion entsprechend gut ausgebaut sind (siehe auch Kapitel 2.5.2). Grundsätzlich ist das Stadtzentrum aus den Innenbezirken mit dem MIV in höchstens 15 Minuten und mit dem Fahrrad in höchstens 20 Minuten erreichbar (Werte für den südlichsten Teil des Bezirks Mitte-Süd, Luftlinienentfernung zum Domplatz ca. 5 km). Es resultieren dabei deutliche Überschneidungen zwischen den 10-Minuten-Isochro- nen der beiden Verkehrsmittel, was darauf hinweist, dass für den Radverkehr in gro- ßen Teilen der Innenbezirke zumindest keine zeitlichen Nachteile (und stattdessen i. d. R. sogar Vorteile) gegenüber dem MIV bestehen. Vom Stadtrand werden mit dem MIV maximal 30 Minuten (i. d. R. 15 bis 25 Minuten aus den Außenbezirken) und mit dem Fahrrad maximal 50 Minuten (i. d. R. 20 bis 40 Minuten aus den Außenbezirken) benötigt. Auf größeren Entfernungen werden also die Geschwindigkeitsvorteile des MIV gegenüber dem Fahrrad entsprechend deutlich. © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 24/150 Abbildung 2: Erreichbarkeit des Stadtzentrums für den MIV (links) und Radverkehr (rechts). Quelle: Kreis Recklinghausen / Openrouteservice (www.regioplaner.de). Zur schematischen Visualisierung der standortspezifischen Erreichbarkeiten im Stadt- gebiet dienen die Informationen aus der folgenden Abbildung 3. Die Karte zeigt mit- hilfe einer farbigen Einteilung (rot bis grün) von verschiedenen Bewertungsaspekten (siehe Tabelle 2), mit welcher Qualität die Daseinsvorsorge in den unterschiedlichen Bereichen des Stadtgebiets gewährleistet wird. Die Darstellung basiert auf dem Kon- zept der sog. „15-Minuten-Stadt“, d. h. bewertet wird insbesondere, inwiefern alltäg- liche Wege potenziell mit den Verkehrsmitteln des Umweltverbunds und in einer ak- zeptablen Zeit überwunden werden können. In diesem Zusammenhang soll gezeigt werden, wo es (perspektivisch) möglich ist, den Kfz-Verkehr weiter zu reduzieren, oh- ne die Lebensqualität der Bevölkerung negativ zu beeinflussen. Die dabei zugrunde liegenden Strukturdaten basieren auf den in OpenStreetMap hinterlegten Daten, so dass sie entsprechend öffentlich zugänglich sind. In Bezug auf die Bewertung erfolgt keine Gewichtung. Stattdessen kann in jedem der sechs Bewertungsaspekte maximal ein Punkt erreicht werden, wobei sich der tatsäch- liche Gesamtpunktestand aus dem jeweiligen Zielerreichungsgrad der einzelnen Un- terkategorien zusammensetzt. Betrachtet werden jeweils quadratische Grundflächen mit einer Kantenlänge von 100 m. Ein Beispiel aus der zu Abbildung 3 angegebenen Internetquelle verdeutlich die individuelle Berechnung: Angenommen der Bahnhof ist 10 Minuten mit dem Fahrrad entfernt und in Lauf- nähe (weniger als 5 Minuten) befindet sich eine Carsharing-Station. Dann erhält das Quadrat in diesen beiden Unterkategorien jeweils die volle Punktzahl. Die nächste Bike-Sharing-Station ist weiter als 5 Minuten zu Fuß entfernt, d. h. in dieser Unterkategorie werden keine Punkte erreicht. Eine Bushaltestelle ist 7 Minuten zu Fuß entfernt und ergibt die halbe Punktzahl. 1 Distanz Fläche Einwohner 5 min 1,8 km² 7.662 10 min 21,5 km² 74.687 15 min 81,7 km² 176.911 20 min 216,4 km² 264.371 25 min 534,6 km² 373.813 30 min 1.066 km² 494.011 2 Distanz Fläche Einwohner 10 min 19,1 km² 71.145 20 min 81,2 km² 186.271 30 min 188,1 km² 272.557 40 min 331,1 km² 316.849 50 min 517,3 km² 344.453 60 min 758,6 km² 401.673 MIV Fahrrad © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 25/150 Diese Ergebnisse werden aufaddiert und ergeben im Verhältnis zur maximal er- reichbaren Punktzahl (hier: 4 Punkte) die Bewertung in der Kategorie Mobilität. Abbildung 3: Erreichbarkeiten für den Fuß- und Radverkehr im Stadtgebiet. Quelle: flux – impulse (www.15-minuten-stadt.de). Mobilität Nahversorgung Freizeit Bus-, Straßenbahn- und U- Bahn Haltestellen Größere Bahnhöfe Bikesharing Stationen Carsharing Stationen Einkaufszentren Supermärkte Drogerien Feinkost, Bäcker Poststellen Sportmöglichkeiten Kinos Theater Gesundheit Bildung Naherholung Krankenhäuser Arztpraxen Apotheken Hochschulen Schulen Kindergärten Bibliotheken Parkanlagen Kleine Parks Spielplätze Naherholungsgebiete Tabelle 2: Bewertungsaspekte auf Basis des Konzepts der „15-Minuten-Stadt“. © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 26/150 Es wird grundsätzlich deutlich, dass insbesondere in den Innenbezirken sowie im Um- feld der Universität die besten Erreichbarkeitsqualitäten resultieren. Alltäglic he Wege lassen sich hier im Regelfall sehr gut mit dem Umweltverbund erledigen. Gute Bedin- gungen liegen (trotz einer größeren Entfernung zum Stadtzentrum) außerdem in den dichter besiedelten Bereichen der Stadtteile Hiltrup und Gremmendorf vor. Das tägli- che Reiszeitbudget – das für die Stadt Münster mit etwa 71 min bereits mehr als 13 % unter dem NRW-Durchschnitt liegt – in diesen Bereichen liegt bei 69,7 min und damit mehr als 5 % unter demjenigen der sonstigen Stadtteile (73,5 min). Darüber hinaus ergibt sich allgemein eine Korrelation zwischen der Abnahme der Er- reichbarkeitsqualität und der zunehmenden Entfernung zum Stadtzentrum. Punktuel - le Ausnahmen stellen jeweils die Stadtteilzentren dar. Aus stadträumlicher Sicht zeigt sich zudem eine gewisse Barrierewirkung durch die Autobahn A1 im Westen, da sich die Erreichbarkeitsqualität vielfach nahezu parallel zu dieser Einrichtung verändert. In einem nächsten Schritt erfolgt die Überlagerung dieser eher abstrakten Informatio- nen mit stadtspezifischen Daten aus der Mobilitätsbefragung (siehe Anhang 6.1): Die Abbildung 4 beinhaltet hierzu eine differenzierte Auswertung auf Stadtbezirksebene. Auf diese und weitere Auffälligkeiten wird im Anschluss stichpunktartig eingegangen. Abbildung 4: Modal Split auf Stadtbezirksebene (Binnenverkehr im Stadtgebiet) Die zwei zentralsten Stadtbezirke Altstadt und Innenstadtring weisen Anteile von mehr als 80 % für Wege mit den Verkehrsmitteln des Umweltverbunds auf (davon Rad und Fuß ≥ 70 %). Die Rad- und Fußanteile liegen jeweils über, der MIV-Anteil deutlich unter dem städtischen Durchschnitt. Zugleich ist der Motorisierungsgr ad mit 42 bzw. 40 Pkw je 100 Einwohner (EW) ungefähr 20 % geringer als der Durch - schnitt. Bezüglich der Fahrradverfügbarkeit liegen beide Bezirke mit 129 und 135 Fahrrädern pro 100 EW im Bereich des gesamtstädtischen Durchschnitts. Dies ist einerseits zurückzuführen auf die insgesamt geringen Entfernungen für tägliche Wege, weshalb auch die Wegehäufigkeit (in den Innenbezirken) tenden - 0 % 10 % 20 % 30 % 40 % 50 % 60 % 70 % MIV ÖPNV Fuß Rad Sonstige Innenbezirke Außenbezirke © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 27/150 ziell überdurchschnittlich ist. Auf der anderen Seite korrelieren höhere Radanteile besonders in den Stadtteilen Überwasser, Buddenturm, Hansaplatz und Pluggen- dorf mit einer verhältnismäßig hohen Studierendenzahl unter den Befragten. Au- ßerdem ergibt sich aus der Lage des Hauptbahnhofs im Stadtteil Bahnhof (Innen- stadtring) naturgemäß ein entsprechend hoher ÖPNV-Anteil (> 30 %). Der nördlichste Stadtteil (Martini) weist den höchsten ÖPNV-Anteil des Altstadt- bereichs auf, da sich u. a. die Haltestelle Altstadt/Bült auf der Achse zum Haupt- bahnhof befindet. In Martini, Buddenturm und Dom ergeben sich wegen des Parkraum- und Freizeitangebots (u. a. Theater) zudem vergleichsweise hohe MIV- Anteile (> 14 %). In den Stadtbezirken Mitte-Süd sowie Mitte-Nordost beträgt der Anteil für Wege mit den Verkehrsmitteln des Umweltverbunds mehr als 70 % (davon Rad und Fuß ≥ 63 %). Die Radanteile liegen jeweils über, der MIV-Anteil im Regelfall unter dem städtischen Durchschnitt. Gleichzeitig liegen die ÖPNV-Anteile mit ca. 7 % im Ver- gleich auf dem niedrigsten Niveau. Der Motorisierungsgrad ist mit 48 und 47 Pkw je 100 EW weiterhin etwas geringer als der Durchschnitt der Stadt. Für beide Be- zirke resultiert mit 140 und 146 Fahrrädern pro 100 EW die größte Fahrradverfüg- barkeit im Stadtgebiet. In Mitte-Süd weist der Stadtteil Geist den höchsten Rad- und ÖPNV-Anteil und zu- gleich einen verhältnismäßig geringen MIV-Anteil auf. Ein Grund dafür könnte ne- ben der gartenstadtähnlichen Struktur (u. a. verkehrsberuhigte Wohngebiete) die hohe Anzahl an Bildungseinrichtungen (Schulen und KiTas) sein. In Düesberg re- sultieren aus der Nähe zum überregionalen Verkehrsnetz (A1, A43) einerseits ein vergleichsweise hoher MIV-Anteil und durch eine räumliche Trennung zum Stadt- zentrum (B51, B54) andererseits die geringsten Fuß-, Rad- und ÖPNV-Anteile. In Mitte-Nordost erreicht der Stadtteil Hafen (als beliebtes Ausgehviertel mit kul- turellen und gastronomischen Angeboten) hohe Rad- und Fußanteile, bei gleich- zeitig geringen MIV- und ÖPNV-Anteilen. Die auf der Südseite liegenden Gewer- beflächen werden durch die Mobilitätsbefragung tendenziell unterrepräsentiert, erzeugen allerdings vor allem (über-)regionale Verkehre. Die höchsten MIV- und ÖPNV-Anteile (ca. 27 % bzw. ca. 7 %) resultieren für den Stadtteil Uppenberg. Im Stadtbezirk Münster-West beträgt der Anteil für Wege mit den Verkehrsmit- teln des Umweltverbunds etwa 62 % (davon 53 % Rad und Fuß). Der Motorisie- rungsgrad liegt mit 52 Pkw je 100 EW im städtischen Durchschnitt. Zugleich ist die Fahrradverfügbarkeit mit 125 Fahrrädern je 100 EW im gesamtstädtischen Vergleich auf dem niedrigsten Niveau (6 % unter dem Durchschnitt). Mit Blick auf das Mobilitätsverhalten gliedert sich der Bezirk in einen universitäts- nahen (Gievenbeck, Sentrup) und einen suburbanen Teil (Albachten, Roxel, Nien- berge). Mecklenbeck befindet sich tendenziell im Übergangsbereich und vereint Eigenschaften aus beiden Teilen: In Ersterem ist der Anteil an Studierenden unter den Bewohnern entsprechend groß, der Motorisierungsgrad liegt auf demselben Niveau wie im Stadtzentrum. Es sind hohe Radanteile (47 % bzw. 66 %) bei gerin - © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 28/150 gen MIV-Anteilen (≤ 31 %) zu erkennen. Zweitere befinden sich westlich der A1 weitgehend separiert im Stadtgebiet. Durch die größeren Entfernungen in Rich - tung des Stadtzentrums dominiert der MIV (≥ 48 %). In Albachten wird durch die Regionalbahnhaltestelle allerdings auch ein höherer ÖPNV-Anteil erreicht. Im Stadtbezirk Münster-Nord beträgt der Anteil für Wege mit den Verkehrsmit- teln des Umweltverbunds etwa 56 % (davon 48 % Rad und Fuß). Der Motorisie - rungsgrad liegt mit 54 Pkw pro 100 EW knapp oberhalb des stadtweiten Durch- schnitts. Die Fahrradverfügbarkeit liegt bei 127 Fahrrädern pro 100 EW. Es han- delt sich um einen Bezirk, in dem der MIV-Anteil größer als der Radanteil ist. Drei der vier Stadtteile liegen hinsichtlich des Mobilitätsverhaltens deutlich im Be- reich des städtischen Durchschnitts. Den etwas geringeren Rad- und ÖPNV-Antei- len steht ein geringfügig größerer MIV-Anteil entgegen (jeweils ± 3 % zum Durch- schnitt). Die Ausnahme (Radanteil < 20 % sowie MIV-Anteil > 60 %) bildet Sprakel, das separiert am nördlichen Rand des Münsteraner Stadtgebiets liegt. Im Stadtbezirk Münster-Ost beträgt der Anteil für Wege mit den Verkehrsmitteln des Umweltverbunds etwa 55 % (davon 47 % Rad und Fuß). Der Motorisierungs- grad liegt mit 63 Pkw pro 100 EW nahezu 25 % über dem Durchschnitt der Stadt. Zugleich beinhaltet die Stichprobe die vergleichsweise älteste Personengruppe. Die Fahrradverfügbarkeit liegt bei 138 Fahrrädern je 100 EW. Es handelt sich um einen Bezirk, in dem der MIV-Anteil größer als der Radanteil ist. Hinsichtlich des Mobilitätsverhaltens zeigt sich eine ähnliche Struktur wie in Müns- ter-Nord: Während die Stadtteile Mauritz-Ost und Gelmer-Dyckburg nah am städ- tischen Durchschnitt liegen (MIV und ÖPNV jeweils ± 3 %), liegt Handorf räumlich etwas abgelegen im Stadtgebiet (Radanteil ca. 30 % und MIV-Anteil > 50 %). Im Stadtbezirk Münster-Südost beträgt der Anteil für Wege mit den Verkehrsmit- teln des Umweltverbunds etwa 50 % (davon 35 % Rad und 7 % Fuß). Zugleich lie- gen die Rad- und Fußanteile im gesamtstädtischen Vergleich auf dem geringsten Niveau. Der Motorisierungsgrad liegt mit 60 Pkw je 100 EW etwa 18 % über dem Durchschnitt der Stadt. Die Fahrradverfügbarkeit liegt bei 129 Fahrrädern je 100 EW. Es handelt sich um einen Bezirk, in dem der MIV-Anteil größer als der Radan- teil ist. Der Altersdurchschnitt der Befragten ist relativ hoch. Insgesamt liegen der Radanteil (Ausnahme: Gremmendorf-Ost), der ÖPNV-Anteil (Ausnahme: Angelmodde) und der Fußanteil unterhalb bzw. die entsprechenden MIV-Anteile oberhalb des städtischen Durchschnitts. Der Großteil von Gremmen- dorf-West besteht aus dem Gewerbegebiet „Loddenheide“, das in der Mobilitäts- befragung tendenziell unterrepräsentiert wird, zugleich jedoch besonders (über -) regionale und weniger städtische Verkehre erzeugt. Im Stadtbezirk Münster-Hiltrup beträgt der Anteil für Wege mit den Verkehrsmit- teln des Umweltverbunds ungefähr 55 % (davon 47 % Rad und Fuß). Der Motori- sierungsgrad liegt mit 60 Pkw je 100 EW über Durchschnitt. Gleichzeitig beinhal- tet die Stichprobe die – im Vergleich der Stadtbezirke – zweitälteste Gruppe. Die © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 29/150 Fahrradverfügbarkeit liegt bei etwa 126 Fahrrädern pro 100 EW. Es handelt sich um einen Bezirk, in dem der MIV-Anteil größer als der Radanteil ist. Die Stadtteile liegen insgesamt weitestgehend separiert am südlichen Rand des Münsteraner Stadtgebiets. Auch hier liegen der Radanteil, der ÖPNV-Anteil (Aus- nahme: Amelsbüren) und der Fußanteil (Ausnahme: Hiltrup-West) unterhalb bzw. die entsprechenden MIV-Anteile oberhalb des gesamtstädtischen Durchschnitts. ZWISCHENFAZIT Die in Teilen sowohl städtische wie ländliche Raumstruktur der Stadt Münster hat erkennbare Auswirkungen auf das Mobilitätsverhalten der Bevölkerung. Insgesamt resultieren trotz erkennbarer Gemeinsamkeiten zwischen den zentra- len Innenbezirken und den dezentralen Außenbezirken (u. a. geringeres Reise- zeitbudget als im NRW-Durchschnitt, überdurchschnittliche Fahrradverfügbar- keit) auch wesentliche Unterschiede (u. a. Bedeutung einzelner Verkehrsmittel, Wegelänge, -häufigkeit und -dauer, Motorisierungsgrad). Für die dicht besiedelten Innenbezirke, das Universitätsumfeld und Teile der au- ßenliegenden Stadtteile (v. a. Hiltrup, Gremmendorf) resultieren die besten Er- reichbarkeitsqualitäten für den Umweltverbund (v. a. Fuß- und Radverkehr). Trotz der geringeren Anteile am wegebezogenen Modal Split kommt dem moto- risierten Verkehr (MIV, ÖPNV) in der Stadt im Vergleich zum Fuß- und Radverkehr eine viel größere Bedeutung an der Verkehrsleistung zu. Der fortlaufende Trend der Suburbanisierung wird auch künftig die Wege zum Stadtzentrum verlängern und das Kfz-Aufkommen weiter ansteigen lassen. Wesentliche Aspekte der Daseinsvorsorge werden in den jeweiligen Stadtteilzen- tren bereits hinreichend abgedeckt. Dennoch bestehen v. a. in den Außenbezir- ken zusätzliche Potenziale zur Verminderung des (privaten) Kfz-Verkehrs. Insgesamt sollte v. a. eine möglichst gleichmäßige Verteilung mit den Elementen der Daseinsvorsorge (vgl. Tabelle 2) im Umfeld der Wohnstandort der Bevölke- rung angestrebt werden (Stadt der kurzen Wege, Nutzungsmischung). Bessere Erreichbarkeiten beeinflussen hauptsächlich das Mobilitätsverhalten auf Wegen im Stadtgebiet. Pendlerverkehre über die Stadtgrenzen lassen sich damit nur begrenzt beeinflusst, weil sie naturgemäß v. a. im MIV und ÖPNV stattfinden (was einen deutlichen Einfluss auf den Gesamt-Modal-Split hat). 2.5 Analyse der Verkehrsmittel Als Ergänzung der Mobilitätsbefragung (vgl. Kapitel 2.3) und zur Erweiterung der da- durch verfügbaren Datengrundlage erfolgte im Zuge der Erstellung des Masterplans Mobilität auch eine eigenständige, umfassende Bestandsaufnahme. Diese beinhaltet neben der Auswertung von bereits vorhandenen Informationen besonders die regel - © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 30/150 mäßige fachliche Diskussion mit Vertretern der Stadt und den Aufbau bzw. die Erwei - terung des gesamtstädtischen Verkehrsmodells. Außerdem wurde durch eine Befah- rung per Fahrrad am 10. Juni 2021 eine Vor-Ort-Besichtigung des Münsteraner Stadt- gebiets durchgeführt. Dabei wurden besonders die Innenstadt sowie einige Hotspots in den Außenbezirken befahren. Zusätzlich zu der Gewinnung eines eigenen Gesamt- eindrucks lag der Schwerpunkt auf einer Begutachtung der vorhandenen Verkehrsinf- rastrukturen. In den folgenden Abschnitten werden die Eindrücke aus dieser Besichti- gung sektoral gezeigt und durch weitere, allgemeine Daten ergänzt. 2.5.1 Auswertungen mit dem Verkehrsmodell Zur Abbildung sowie Wirkungsabschätzung von Maßnahmen, die im Rahmen der Er- stellung des Masterplans Mobilität Münster 2035+ entwickelt und betrachtet werden, wurde das bestehende makroskopische Verkehrsmodell der Stadt Münster genutzt. Das ursprünglich mit der Software PSV aufgebaute Verkehrsmodell wurde seitens der Stadt Münster zuvor bereits in PTV Visum überführt. Auf dieser Grundlage sind zunächst einige verfeinernde Arbeiten durch geführt wor- den, um das Modell für Untersuchungen im Rahmen des Masterplans Mobilität Müns- ter 2035+ bestmöglich nutzen zu können. Hierzu wurde unter anderem das Netzmo- dell für den MIV in einigen Bereichen vervollständigt. Zudem wurde, aufbauend auf der bereits bestehenden Streckentypisierung, unter anderem eine Differenzierung zwischen angebauten und anbaufreien Strecken, Rampen, Kreisverkehren sowie der Fahrstreifenanzahl durchgeführt. Weitere Verfeinerungen betreffen zum Beispiel die Abbildung von Widerständen an den jeweiligen Knotenpunkten. Daneben sind die Widerstandsberechnungen um sogenannte „Capacity-Restraint- Funktionen“ (zur rechnerischen Beschreibung der streckenbezogenen Fahrzeiten in Abhängigkeit von der Verkehrsbelastung im Rahmen der Verkehrsumlegung) sowie Abbiegewiderstände ergänzt worden. Zudem wurde mithilfe von über 60 Zählstellen, die eine repräsentative räumliche Abdeckung des Stadtgebietes sicherstellen, eine Kalibrierung des Verkehrsmodells durchgeführt. Mit der räumlichen Abdeckung wer- den ein dichtes Netz der Hauptverkehrsstraßen im Stadtgebiet sowie ein geschlosse- ner Kordon an der Stadtgrenze berücksichtigt. Im Rahmen der Kalibrierung fand un- ter anderem die Anpassung der Parameter der „Capacity-Restraint-Funktionen“, der Typisierungen einzelner Knotenpunkte und Strecken sowie der Positionen und Ge- wichte einzelner Anbindungen statt. Zusätzlich wurden die Ergebnisse der aktuellen Mobilitätsbefragung der Stadt Müns- ter, welche aktuelle Kennwerte zum Mobilitätsverhalten beinhaltet, im Rahmen der Kalibrierung so weit wie möglich betrachtet. Da sich die Überarbeitung des MIV-Mo- dells auf die Umlegungsebene beschränkte, war eine Berücksichtigung allerdings nur eingeschränkt möglich. In der übergebenen MIV-Matrix des ursprünglichen Modells wurde ein Untergewicht im Binnenverkehr einerseits und im Quelle-Ziel-Verkehr an- dererseits festgestellt. Um dieses mithilfe erhobener Strukturdaten korrigieren zu können, wurde die Reiseweitenverteilung des Binnenverkehrs aus der Mobilitäts be- © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 31/150 fragung als Randbedingung für die Kalibrierung berücksichtigt. Dadurch konnte die Reiseweitenverteilung des Modells angepasst und besser an die Ergebnisse der Mo- bilitätsbefragung angeglichen werden. Im Ergebnis liegt ein kalibriertes, makroskopi- sches MIV-Modell für den Analysezustand vor. Auf Basis des MIV-Modells wurde daneben ein Modell für den Radverkehr aufgesetzt. Für das Streckennetz im Radverkehr sind dazu zahlreiche Korrekturen und Ergänzun- gen im Angebotsnetz durchgeführt worden. Für den Radverkehr relevante Strecken, welche nicht im MIV-Netz enthalten sind, zum Beispiel eigenständige Radverkehrsan- lagen oder Wald- und Wirtschaftswege außerhalb bebauter Gebiete, wurden manu- ell hinzugefügt. Als Grundlage diente hier der Fahrradstadtplan der Stadt Münster. Auf diese Weise findet eine möglichst vollständige Berücksichtigung der für den Rad- verkehr relevanten Routen statt. Die Fahrtenmatrix für den Radverkehr wurde aus dem durch die Stadt Münster zur Verfügung gestellten Radverkehrsmodell übernom- men. Um die Besonderheiten der Radverkehrsinfrastruktur in Münster zu berücksich- tigen, wurde die Streckenattraktivität, als reisezeitunabhängiger Widerstand bzw. Nutzen, im Rahmen der Kalibrierung des Radverkehrsmodells ebenfalls berücksich- tigt. So soll die Nutzung besonders attraktiver Routen im Radverkehr, die möglicher- weise über eine geringfügig höhere Reisezeit verfügen, möglichst realistisch abgebil- det werden. Eine solche Route stellt zum Beispiel der Promenadenring im Stadtzent- rum von Münster dar. Zur Kalibrierung wurden zehn Dauerzählstellen sowie auf Ta- geswerte hochgerechnete Kurzzeitzählungen genutzt. Zur Abbildung des Angebots im öffentlichen Verkehr sind wichtige Kernelemente des Angebotsnetzes (Haltestellen und –punkte, Linien, Linienrouten und Fahrpläne) in PTV Visum integriert worden. Als Grundlage dient hier ebenfalls das Verkehrsmo- dell für den MIV. Mithilfe des aktuellen Bearbeitungsstandes des ÖV-Modells lassen sich bereits detaillierte Erreichbarkeitsanalysen durchführen. Im Ergebnis der bisherigen Arbeitsschritte liegen damit separate Modelle für den MIV, den Radverkehr, sowie den öffentlichen Verkehr vor. Im weiteren Projektverlauf sollen diese Modelle zusammengeführt werden. Ergänzend dazu findet, parallel zur Erstellung des Masterplans Mobilität Münster 2035+, der Aufbau eines Verkehrsnach- fragemodells in PTV Visum statt, welches die bisherigen Angebotsmodelle ergänzen soll und das integrierte Verkehrsmodell vervollständigt. Auf Grundlage des Nachfra- gemodells lassen sich spezifische Mobilitätskennwerte sowie das generelle Mobili- tätsverhalten der Bevölkerung der Stadt Münster noch wesentlich detaillierter u nd realistischer abbilden. Somit können zum Beispiel auch die Ergebnisse der Mobili- tätsbefragung oder weiterer verhaltensspezifischer Mobilitätsdaten noch besser be- rücksichtigt werden und dazu beitragen, dass das Verkehrsmodell das Mobilitätsver- halten der Stadt Münster so genau wie möglich widerspiegelt. Mithilfe des Verkehrsmodells können im späteren Projektverlauf die möglichen ver- kehrlichen Wirkungen betrachteter Maßnahmen auch quantitativ bewertet werden. Betrachten lassen sich zum Beispiel Verlagerungswirkungen der Routenwahl im MIV und Radverkehr infolge von Anpassungen im Angebotsnetz. Dies kann sich sowohl © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 32/150 auf Angebotserweiterungen als auch auf restriktive Vorhaben beziehen. Durch das Zusammenführen der drei Modelle für die einzelnen Verkehrsmittel (MIV, Rad, ÖV) in Kombination mit dem Verkehrsnachfragemodell können darüber hinaus integ rierte Betrachtungen angestellt werden, die Analysen von Wechselwirkungen und Nachfra- geverlagerungen zwischen den einzelnen Verkehrsmitteln zulassen. Neben reinen Routenverlagerungen können so unterschiedliche weitere Mobilitätskennwerte aus- gewertet werden. Das Verkehrsmodell erlaubt es daneben, verschiedene Maßnah- menkombinationen zu betrachten. So können sowohl die gesamte Wirkung eines Maßnahmenbündels als auch die Wechselwirkungen von Vorhaben untereinander analysiert werden. Die Betrachtung von Maßnahmen mithilfe eines integrierten Ver- kehrsmodells kann damit einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung eines gut abge- stimmten und verkehrsmittelübergreifenden Angebotskonzepts leisten. 2.5.2 Motorisierter Individualverkehr (MIV) Die Mobilitätsbefragung beinhaltet das Mobilitätsverhalten der in Münster lebenden Menschen. Es ist daher über die Mobilitätskennziffern der Münsteraner Bevölkerung hinaus das vorhandene klassifizierte Netz zu betrachten, weil ein- und auspendelnde Verkehre einen weiteren wesentlichen Teil der Netzbelastung stellen. Auswertung vorhandener Daten6 Kfz-Verfügbarkeit: Innerhalb des Stadtgebiet Münsters liegt der Kfz-Bestand in 2020 bei 170.424 Kfz. Dabei gibt es in der Stadt Münster 55 Kfz je 100 Einwoh- ner, zum Vergleich beträgt die Kfz-Rate im Münsterland 72 Kfz je 100 Einwohner und der Landesdurchschnitt von NRW liegt bei 68 Kfz je 100 Einwohner. Somit befindet sich die Stadt Münster deutlich unter dem Wert des Münsterlandes so- wie ebenfalls unterhalb des Landesdurchschnitts. Haushalte: Bei einer Analyse der Pkw-Verfügbarkeit der Haushalte werden 54 % der 1-Personen-Haushalte mit einem Pkw ausgewiesen, 43,4 % besitzen keinen Pkw. Bei den 3-Personen-Haushalten hingegen benutzt nur noch 16,1 % keinen Pkw, bei (mind.) 4-Personen-Haushalten besitzen nur knapp 10 % keinen Pkw. Modal Split: Der Modal-Split-Wert im MIV liegt bei 34,1 % bezogen auf den Ge- samtverkehr, wobei 27,6 % Selbstfahrer und 6,3 % Mitfahrer sind. Bezogen auf den Binnenverkehr liegt der Modal-Split bei 29,4 % sowie im Quell-Zielverkehr bei 68,4 %. Zusätzliche Auswertungen zum Modal Split unter Berücksichtigung der sonstigen Verkehrsmittel finden sich auch innerhalb des Kapitels 2.3. Wegelänge: Bezogen auf die Länge der Wege werden im Kfz-Verkehr täglich et- wa 16,9 km als Selbstfahrer und 10,5 km als Mitfahrer zurückgelegt. Im Vergleich zu anderen Großstädten ergibt sich dadurch eine ähnliche Wegelänge für Selbst- fahrer (17 km) allerdings eine insgesamt größere Wegelänge für Mitfahrer (7 km), was sich positiv auf den Pkw-Besetzungsgrad auswirkt. Grundsätzlich werden erst 6 Auswertungen auf Basis der Mobilitätsbefragung, der MiD 2017 sowie aktuellen statistischen Daten der Stadt Münster z. B. abrufbar über stadt-muenster.de (Stadtentwicklung 2020). © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 33/150 bei Entfernungen ab 7 km über die Hälfte der Wege mit dem Pkw zurücklegt. Die durchschnittliche Wegedauer beträgt 26 min als Fahrer bzw. 19 min als Mitfahrer. Die mittlere Reisegeschwindigkeit ergibt sich zu 38 km/h als Fahrer und 32 km/h als Mitfahrer. Die Verkehrsverflechtungen der äußeren Bezirke konzentrieren sich vor allem auf das Stadtzentrum und weniger auf Wege zwischen den Stadtteilen. Wegezweck: Etwa 45 % der Münsteraner Bevölkerung nutzen den MIV mehrmals pro Woche, jeweils 20 % nutzen ihn unregelmäßig oder nie. Genutzt wird der MIV hauptsächlich geschäftlich (59 % der Wege), für Bringen/Holen (54 % der Wege), zur Arbeit (42 % der Wege) bzw. für private Erledigungen (41 % der Wege), aller- dings sehr selten zur Universität (5 % der Wege). Bezüglich aller MIV-Wege über- wiegt der Verkehrszweck Arbeit (33 % aller MIV-Wege) vor Freizeit und Einkauf (je 14 % aller Wege) bzw. Besorgungen und privater Erledigungen (je 9 % aller Wege). Pendler und Stadt-Umland-Verkehre: Die Stadt Münster stellt sich als (Berufs-) Einpendler-Stadt dar. Ein Grund dafür ist eine hohe Arbeitsplatzdichte im Ver- gleich zum unmittelbaren Umfeld. Im Jahr 2019 pendelten täglich ca. 105.300 Personen in das Stadtgebiet ein, jedoch nur ca. 44.900 aus dem Stadtgebiet in das Umland. Es pendeln also über doppelt so viele Personen ein, wie das Stadt- gebiet verlassen. Unabhängig vom gewählten Verkehrsmittel kommen die meis- ten Berufspendler aus den umliegenden Städten und Gemeinden (Greven, Dül- men, Nottuln, Senden bzw. Telgte) sowie den weiter entfernt liegenden Städten Dortmund und Hamm (siehe Abbildung 5). Zusätzlich zum MIV wird der Umwelt- verbund (v. a. ÖPNV und Rad) für Wege zur Arbeit genutzt (siehe Abbildung 6). Die Verkehre innerhalb des Stadtgebiets unterscheiden sich dabei z. T. deutlich von denen zwischen der Stadt und dem Umland. Wie schon in Kapitel 2.4 aufge- zeigt, erfolgen die Wege im Binnenverkehr verhältnismäßig selten im MIV (30 %) bzw. ÖPNV (9 %) und werden entsprechend häufiger zu Fuß (13 %) oder mit dem Rad (48 %) zurückgelegt. Quell- und Zielverkehre über die Stadtgrenze hinaus fin- den hingegen hauptsächlich im MIV (76 %) und ÖPNV (22 %) statt. Somit hat auch der regionale Verkehr über seine Größenordnung (etwa 360.000 Personenwege pro Tag) einen deutlichen Einfluss auf den Gesamt-Modal-Split. Die wichtigsten Achsen für den MIV sind auch in den nachfolgenden Kapiteln auf- gezeigt. Das Verkehrsaufkommen ist dabei insgesamt rückläufig (von 1.358 Mio. (2013) auf 1.195 Mio. (2019) Fahrten). Während beim Binnenverkehr die Bedeu- tung des MIV abnimmt, ist bei den Pendlerverkehren eine Zunahme erkennbar. Insgesamt zeigt sich aber, dass in der Münsteraner Bevölkerung erste Einflüsse der Verkehrs- und Mobilitätswende bereits heute sichtbar sind (siehe auch Abbil- dung 6). Aus der hohen Anzahl der Wege und der Pendlerfahrten zu den immer gleichen Zeiten resultieren vor allem in den Spitzenstunden große Auslastungen des MIV-Netzes sowie auch des ÖPNV-Netzes. © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 34/150 Abbildung 5: Die wichtigsten Ein- und Auspendlerströme (2019) von Münster. Quelle: Pendleratlas (www.pendleratlas.nrw.de). Abbildung 6: Entwicklung des Verkehrsaufkommens (Münsteraner und Pendler). Quelle: Stadt Münster. Pendlerströme Einpendler 6.020 Greven 4.520 Senden 3.960 Telgte 3.730 Dülmen 3.450 Nottuln 3.440 Steinfurt 2.800 Drensteinf. 2.780 Havixbeck 2.740 Hamm 2.650 Rheine Pendlerströme Auspendler 1.870 Greven 1.630 Hamm 1.580 Dortmund 1.960 Telgte 1.150 Senden 1.140 Steinfurt 1.110 Warendorf 1.070 Osnabrück 970 Coesfeld 940 Rheine 54,3 % 52,9 % 52,1 % ≈ 54 % ≈ 58 %≈ 42 % ≈ 46 % 47,9 % 47,1 % 45,7 % 1982 1.134.865 1990 1.261.801 2007 1.435.438 2013 1.357.717 2019 1.195.282 Umweltverbund Kfz-Personenfahrten Wege pro Tag © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 35/150 Die Leistungsfähigkeitsgrenzen des Hauptverkehrsstraßennetzes werden dabei in den Spitzenstunden punktuell erreicht bzw. übertroffen. Dies geschieht vor allem, da mehr als 40 % der Stadt-Umland-Pendler die Achsen B51 und B54 nutzen. Die- se sind über ihren Straßenraumquerschnitt zwar in den Ein- und Ausfahrtsstraßen für die hohe Belastung durch den Kfz-Verkehr ausgelegt (vierspurige Querschnit- te mit separater Ausgestaltung von Abbiegespuren an Kreuzungen, LSA-geregel- te Kreuzungen, großteils anbaufreie Streckenabschnitte, siehe auch Abbildung 7), jedoch ergeben sich die entsprechenden Engpässe in den Spitzenstunden durch die konstant hohe Belastung. Darüber hinaus verringern sich die Straßenraumquerschnitte in Richtung Zentrum (z. B. Hammer Straße). Da allerdings fast die Hälfte der Pendler (41 %) den Bezirk Mitte und weitere 21 % den Bezirk der Alt- bzw. Innenstadt erreichen wollen, be- stehen besonders auf diesen Straßenabschnitten erhebliche Kapazitätsengpässe. Diese ergeben sich auch durch die häufigeren Busspuren in Richtung Innenstadt sowie die verkehrliche Bedeutung des Ludgeriplatzes. Dieser hat durch seine La - ge eine Verteilfunktion für die Innenstadt, ist jedoch aufgrund seines Ausbaus als sechsarmiger Kreisverkehr mit sehr unterschiedlichen Verkehrsbelastungen bzw. der unübersichtlichen Führung aller Verkehrsmittel sehr konfliktbelastet. Abbildung 7: Knotenpunkt Steinfurter Straße (B54) / Ring. Quelle: PTV Transport Consult GmbH. Vorhandenes Straßennetz In Bezug auf den (über-)regionalen MIV ist Münster insbesondere in Nord-Süd-Rich- tung über die durch das Stadtgebiet verlaufende A1 in Richtung Bremen bzw. Dort- mund sowie die A43 in Richtung Recklinghausen/Essen angebunden. Als Anschluss an das kommunale Hauptnetz dienen hierbei insgesamt drei Anschlussstellen (Auto- bahnkreuz Münster-Nord, Autobahnkreuz Münster-Süd und Anschlussstelle Münster- Hiltrup im Westen). Über die Bundesstraßen B51 (aus Süd-West nach Ost), B54 (aus Süd nach Nordwest), Grevener Straße (aus Nord) sowie die B481 (aus Nord- Ost) ist das Stadtgebiet an die überregionalen Verkehrswege angeschlossen. Weitere w ich- tige Achsen sind die Hammer Straße, der Albersloher Weg, die Wolbecker Straße, die Warendorfer Straße und die Weseler Straße (siehe hierzu auch Abbildung 9). © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 36/150 Innerstädtisch wird der Verkehr hauptsächlich über zwei Ringstraßen geführt: Der in- nere Ring verläuft um den historischen Stadtkern teilweise innerhalb sowie teilweise außerhalb des „Promenadenrings“. Der äußere Ring verläuft mit einem Radius von etwa 1,5 km um das Stadtzentrum, ist jedoch auf einem südlichen Teilabschnitt zwi- schen Weseler Straße und Hauptbahnhof nicht geschlossen. Dort wird der gesamte Verkehr über den inneren Ring und dabei v. a. über den Ludgeriplatz geführt (siehe Abbildung 8). Die B51 dient zudem teilweise als Süd-Ost-Umfahrung der Stadt. Aufgrund der verkehrlichen Bedeutung des Ludgeriplatzes übernehmen die mit ihm verknüpften Kreis- und Stadtstraßen signifikante Verteilerfunktionen für das gesamte Stadtgebiet; zusätzlich dient die Ludgeristraße als direkte Verbindung zum Stadtzent- rum. Der Kfz-Verkehr verläuft nach dem Ringsystem v. a. auf der West-Ost-Achse und dadurch in Querrichtung zum eher Nord-Süd-orientierten Fuß- und Radverkehr. Wäh- rend die Fußgänger auf überbreiten Fußgängerüberwegen queren, werden die Rad- fahrer im Mischverkehr auf der Kreisfahrbahn geführt, die ebenso eine Haltestelle für den Bus beinhaltet. Seit 2012 ergeben sich durchschnittlich 110 Verkehrsunfälle pro Jahr (davon vier mit Personenschaden ohne Radbeteiligung und neun mit Personen- schaden mit Radbeteiligung). Somit stellt der Kreisverkehr per Definition zwar einen der städtischen Unfallschwerpunkte dar, mit Blick auf die konfliktträchtigen Rahmen- bedingungen ist die Unfallhäufigkeit aber weiterhin verhältnismäßig gering. Zudem arbeitet die Stadt seit dem Jahr 2008 stetig und proaktiv an einer Verbesserung der Situation (z. B. Rüttelstreifen, um Radfahrer davon abzuhalten, rechts am Kfz-Verkehr vorbei in den Kreisverkehr einzufahren), so dass im Betrachtungszeitraum u. a. keine Verkehrsunfälle mit Schwerverletzten mehr zu verzeichnen sind. Abbildung 8: Blick auf den Ludgeriplatz aus der Ludgeristraße. Quelle: PTV Transport Consult GmbH. Die Abbildung 9 beinhaltet die Darstellung der bestehenden Straßeninfrastruktur im Zusammenhang mit qualitativen Aussagen zur durchschnittlichen täglichen Verkehrs- belastung (DTV). Dieses Straßennetz der Stadt hat eine Gesamtlänge von über 1.200 km, von denen ungefähr 380 km auf das Hauptverkehrsstraßennetz entfallen, das aus Bundes-, Landes-, Kreis- sowie bedeutenden Gemeindestraßen besteht. Diese sollen den Großteil der Verkehrsbelastung aufnehmen und die Erreichbarkeit der Stadt mit ihren oberzentralen Funktionen und Einrichtungen aus der Region sicherstellen. © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 37/150 Abbildung 9: Straßeninfrastruktur und MIV-Tagesverkehre (DTVw5) in Münster. Quelle: PTV Transport Consult GmbH. Als Hotspots der Verkehrsbelastung sind dabei folgende Achsen zu nennen: A1 mit bis zu 82.000 Kfz/24h, B51 (als Zubringer zum Autobahnkreuz Münster-Süd) mit bis zu 63.000 Kfz/24h, B51 (im Bereich der Hammer Straße) mit bis zu 59.000 Kfz/24h, Äußerer Ring (im Bereich Lublinring) mit bis zu 43.000 Kfz/24h, Steinfurter Straße mit bis zu 41.000 Kfz/24h, Neutor mit bis zu 36.000 Kfz/24h, A1 A43 Weseler Straße AK Münster- Nord AS Münster- Hiltrup AK Münster- Süd B54 B51 B51 Warendorfer Straße B54 Albersloher Weg Hammer Straße Wolbecker Straße B481 Grevener Straße Steinfurter Straße Ring K6 © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 38/150 Weseler Straße mit bis zu 36.000 Kfz/24h und Albersloher Weg mit bis zu 35.000 Kfz/24h. Der Kfz-Verkehr wird also überwiegend auf einigen wenigen Hauptverkehrsstraßen gebündelt, auf denen gemäß ihrer Verbindungsfunktion i. d. R. Geschwindigkeiten von 50 km/h zugelassen sind. Höhere Geschwindigkeiten sind nur stellenweise und ausschließlich außerhalb der Ortslagen (u. a. B51, Steinfurter Straße) erlaubt. Auf na- hezu allen anderen Strecken abseits dieser Hauptverkehrsstraßen (v. a. in den Wohn- gebieten) gelten flächendeckende Geschwindigkeitsbeschränkungen auf höchstens 30 km/h (siehe Abbildung 10). Auch deshalb ergeben sich für diese Stadtbereiche im Regelfall bereits heute entsprechend verträgliche Verkehrsbelastungen. Abbildung 10: Zugelassene Höchstgeschwindigkeiten in Münster. Quelle: PTV Transport Consult GmbH. © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 39/150 Ergänzende Auswertungen Einige qualitative Aussagen zum MIV sind – als Ergänzung zu dem bestehenden Ver- kehrsmodell – außerdem auf Basis einer Auswertung von Funknetzdaten 7 (MTC500) für eine Woche im Dezember 2019 möglich. Eine detaillierte Analyse ist wegen des systembedingten Aggregationsniveaus (u. a. Abweichungen in den absoluten Belas- tungszahlen, fehlende Differenzierung zw. Verkehrsmitteln, Überschneidungen zw. Stadt und Umland) aber nicht zielführend. Ganz allgemein zeigt sich dabei, dass … … nur wenige Verkehre die Stadt in West-Ost- bzw. Ost-West-Richtung queren. … sich an Freitagen das höchste Verkehrsaufkommen ergibt (bei einer stetigen, geringfügigen Steigerung im zeitlichen Wochenverlauf, siehe Abbildung 12). … an Werktagen dennoch verhältnismäßig konstante und am Wochenende ent- sprechend geringere Kfz-Verkehrsbelastungen im Stadtgebiet auftreten. … sich aus den tageszeitlichen Schwankungen der Verkehrsnachfrage zwischen Montag und Donnerstag Hauptverkehrszeiten im Bereich von 06:30 – 07:30 Uhr (Morgenspitzenstunde) und 16:00 – 17:00 Uhr (Abendspitzenstunde) ergeben (siehe Abbildung 11 sowie auch Abbildung 12). … sich freitagnachmittags insgesamt geringere, dafür aber zeitlich länger andau- ernde Spitzenbelastungen (zwischen ca. 13:00 – 17:00 Uhr) ergeben. Auf einzelnen Abschnitten (u. a. Bahnhofstraße vor dem Hauptbahnhof, Ludgeriplatz und K6 innerhalb des Promenadenrings) ergeben sich dabei hohe Verkehrsbelastun- gen und zeitweise lange Rückstaus, weil attraktive Alternativrouten abseits des Stadt- zentrums fehlen. Dort werden zudem Busse stellenweise (z. B. durch Busspuren) prio- risiert, so dass insgesamt weniger Platz für den MIV verbleibt (siehe Abbildung 11). Abbildung 11: Verkehrsbelastung in der Bahnhofstraße zur nachmittäglichen Spitzenstunde. Quelle: PTV Transport Consult GmbH. 7 Ingenieurbüro Helmert, 2021: Verkehrsmodell Stadt Münster - Auswertung Quell-Zielmatrizen, Funknetzdaten Motionlogics © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 40/150 Abbildung 12: Verteilung der Wege über die Wochentage (links) und Tagesstunden (rechts). Quelle: Ingenieurbüro Helmert (Funknetzdaten). ZWISCHENFAZIT – MIV Die Kfz-Verfügbarkeit liegt unter dem NRW-Durchschnitt und deutlich (bis zu 20 Kfz je 100 Einwohner) unter dem Durchschnitt für das Münsterland. Daraus lässt sich eine hohe Akzeptanz der anderen Verkehrsmittel ableiten. Der Pkw ist für die Fortbewegung innerhalb Münsters nicht unbedingt notwen- dig. Besonders die 1- und 2-Personen-Haushalte weisen hier eine geringe Pkw- Verfügbarkeit auf. Mit Änderung der Lebensumstände und weiterer Entfernung zum Stadtgebiet, gewinnt der Pkw natürlicherweise an Bedeutung. Es besteht ein gut ausgebautes MIV-Netz mit Bündelung auf den Hauptachsen, was aber stellenweise zu Leistungsfähigkeitsdefiziten innerhalb der Spitzenstun- den führt. Sternförmige Hauptachsen verbinden die Region sowie einzelne Stadt- teile mit dem Stadtzentrum. Innerstädtisch erfolgt die Verteilung hauptsächlich mithilfe der inneren und äußeren Ringstraße. Es gilt v. a. entlang der Hauptverkehrsstraßen, nicht nur den Anforderungen des Verkehrs, sondern auch denen der jeweiligen Anwohner gerecht zu werden. Die Kfz-Verkehre verteilen sich an den Werktagen verhältnismäßig konstant, an Wochenenden ist das Straßennetz grundsätzlich weniger stark ausgelastet. Aufgrund der Gegebenheit als Einpendler-Stadt ergeben sich in den Spitzenstun- den zum Teil erhebliche Kapazitätsengpässe (Konzentration auf zwei wesentliche Achsen – B51, B54). Besonders voll ist es von 06:30 bis 07:30 Uhr morgens (bis zu 7,5 % des komplet- ten Tagesverkehrs sind dann unterwegs) und 16:00 bis 17:00 Uhr (bis zu 7,0 % des kompletten Tagesverkehrs sind dann unterwegs). Die höchsten Verkehrsströme erreichen das Stadtgebiet wegen der im Westen liegenden Autobahnanschlüsse aus Richtung Norden und Süden, die Ost-West- Verbindung ist verhältnismäßig weniger stark ausgelastet. Mo Di Mi Do Fr Sa So Tageswerte nach Wochentagen 2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 22 Mo Di Mi Do Fr Sa So Ganglinie nach Wochentagen © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 41/150 2.5.3 Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) Der ÖPNV im Stadtgebiet von Münster wird mit Bussen sowie teilweise auch mit Pkw erbracht (Stand: September 2021). Dadurch ist Münster eine der wenigen deutschen Städte über 200.000 Einwohner ohne ein schienengebundenes Nahverkehrsmittel. Auswertung vorhandener Daten8 Verfügbarkeit: Die nächste Bushaltestelle ist für die Mehrzahl der Münsteraner (81 %) innerhalb von 5 min erreichbar. Für die Zu- und Abgangszeit, als ein we- sentliches Hemmnis bei der ÖPNV-Nutzung, ist dies ein guter Wert. Rund 31,5 % der Haushalte in Münster verfügen über eine ÖPNV-Zeitkarte; dies entspricht in etwa dem Anteil der Bevölkerung, der den ÖPNV auch regelmäßig nutzt. In den Gruppen Schüler, Auszubildene und Studierende ist der Anteil an Zeitkarten überdurchschnittlich hoch. Zu berücksichtigen ist jedoch, dass Studierende an den Hochschulen in Münster mit dem Semesterbeitrag obligatorisch ein Semes- terticket als ÖPNV-Zeitkarte erhalten. Modal Split: Der Modal-Split-Wert für den ÖPNV liegt bei 10,2 % im Gesamtver- kehr und 8,9 % im Binnenverkehr. Für Wege über die Stadtgrenzen hinaus wird der ÖPNV mit 21,6 % deutlich häufiger als im Binnenverkehr genutzt (v. a. Bahn- pendler). Damit hat sich der ÖPNV-Modal-Split in Münster in den letzten 20 Jah- ren kaum verändert und liegt mit 12 % (MID 2017, vgl. auch Tabelle 1) unter dem Durchschnitt aller deutschen Großstädte. Gegenüber ähnlich großen Städten in Deutschland ist der ÖPNV-Anteil sogar deutlich geringer.9 Zusätzliche Auswer- tungen zum Modal Split unter Berücksichtigung der sonstigen Verkehrsmittel, fin- den sich auch in Kapitel 2.3. Wegelänge, Wegedauer und Reisegeschwindigkeit: Die durchschnittlichen We- gelängen im ÖPNV sind verkehrsmittelabhängig: Beim Bus sind es im Mittel 7,5 km bzw. 31 min, bei der Bahn sind es hingegen 65,7 km bzw. 76 min; hierzu tra- gen v. a. die längeren Berufspendlerwege mit der Bahn bei. Bei Wegelängen un- ter 2 km wird der Bus i. d. R. nicht genutzt. Im Mittel erreichen die Busse eine Rei- segeschwindigkeit von 14 km/h, das ist etwas schneller als mit dem Fahrrad (12 km/h), aber deutlich langsamer als mit dem Pkw (35 km/h). Bei der Bahn werden mit 54 km/h im Durchschnitt deutlich höhere Reisegeschwindigkeiten erreicht. Wegezweck: Etwa 20 % der Münsteraner Bevölkerung nutzen den ÖPNV mehr- mals pro Woche, 48 % nutzen ihn unregelmäßig und ca. 15 % nie. Genutzt wird der ÖPNV vor allem auf Wegen zur Berufsausbildung (17 % der Wege), zur Uni- versität (16 % der Wege) sowie zur Schule/Kita (14 % der Wege), jedoch nur sel- ten für Einkaufswege (6 % der Wege). Bezogen auf alle ÖPNV-Wege dominiert der Verkehrszweck Arbeit (29 % aller ÖV-Wege) vor Schule/Kita (14 % aller ÖV- Wege), Freizeit (13 % aller ÖV-Wege) und Universität (12 % aller ÖV-Wege). 8 Auswertungen auf Basis der Mobilitätsbefragung 2019 und der MiD 2017. 9 ÖPNV-Wegeanteile in ausgewählten deutschen Großstädten: Bielefeld: 14 % (2017), Bonn: 17 % (2018), Mannheim: 15 % (2018), Karlsruhe: 12 % (2018), Augsburg: 16 % (2018), Wiesbaden: 17 % (2018) © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 42/150 Linien- und Fahrtenangebot im Busverkehr Das Tagesnetz im Busverkehr (Montag bis Freitag ca. 5 bis 21 Uhr, Samstag/Sonntag ca. 8 bis 21 Uhr) umfasst insgesamt 22 Stadtbuslinien: 17 Durchmesser- bzw. Radiallinien verbinden an Werktagen in einem 20-min- Grundtakt die Stadtteile und Stadtquartiere von Münster untereinander sowie umsteigefrei (vgl. Abbildung 14) mit der Innenstadt und dem Hauptbahnhof. Zwei gegenläufige Ringbuslinien verkehren an Werktagen im 15-min-Grundtakt überwiegend entlang des Tangentenrings. Sie verbinden die innenstadtnahen Stadtteile schnell und umsteigefrei unter Umgehung der Altstadt. Ergänzt wird das Busnetz durch drei Tangentiallinien in einem 1-h-Grundtakt an Werktagen, die Relationen in Stadtrandbereichen bedienen und den Anschluss an das Radialliniennetz sicherstellen. Der Stadtbus übernimmt sowohl die feinräumige Erschließung in den Bedienungs- korridoren als auch Verbindungsfunktionen über größere Distanzen. Dabei werden die Radiallinien durch die Altstadt oder an diese herangeführt, sodass zu Zielen in der Altstadt häufig kein weiteres Umsteigen mehr erforderlich ist. In der Hauptverkehrs- zeit wird der Grundtakt weiter verdichtet, an Sonn- und Feiertagen hingegen ausge- dünnt. Abbildung 13: Stadtbus in der Rothenburg. Quelle: PTV Transport Consult GmbH. In den nachfragestarken, meist stadtauswärts führenden Bedienungskorridoren über- lagern sich mindestens zwei Buslinien im 20-min-Takt zu einem 10-min-Grundtakt. Auf Teilabschnitten können weitere Stadtbuslinien sowie Regionalbuslinien des Stadt-Umlandverkehrs hinzukommen. Hierdurch ergibt sich schon während der Nor- malverkehrszeit (NVZ, ca. 9:00 bis 15:30 Uhr) abschnittweise ein dichteres Fahrtenan- gebot (in der Innenstadt teilweise etwa alle 5 Minuten), welches zu den Hauptver- kehrszeiten noch durch zusätzliche Fahrten verdichtet wird (vgl. auch Tabelle 3). © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 43/150 Einen Teil des Nachtverkehrs übernehmen sechs Nachtbuslinien (täglich ab ca. 21 Uhr bis ca. 1 Uhr, in den Nächten Freitag/Samstag und Samstag/Sonntag auch durch- laufend bis zum Frühverkehr). Sie bedienen die nachfragestärkeren Radialachsen und haben einen garantierten „Rundum“-Anschluss am Hauptbahnhof. Ergänzt werden die Stadt- und Nachtbuslinien durch elf Taxibuslinien (Stand: Septem- ber 2021). Sie erschließen vor allem nachfrageschwache Stadtbereiche bzw. Tangen- tialverbindungen und verkehren in der Regel im 1-h-Takt (Taxibuslinie 8 auch häufi- ger). Zwei Linien fahren ausschließlich im Tagesverkehr, sieben Linien nur im Nacht- verkehr und zwei Linien sowohl im Tages- als auch im Nachtverkehr. Abbildung 14: Busliniennetz (Tages- und Nachtverkehr) in der Stadt Münster (Stand 2021). Quelle: Stadtwerke Münster GmbH. Die Effekte der Philosophie, möglichst umsteigefreie Direktverbindung von allen Stadtteilen und -quartieren in die Innenstadt und zum Hauptbahnhof zu bieten, wurde für einen typischen Schulwerktag-Vormittag (Zeitraum 9 bis 11 Uhr) ermittelt (vgl. Abbildung 15). Danach ist der Hauptbahnhof, von fast allen Haltestellen im Stadtgebiet aus, umsteigefrei zu erreichen, ansonsten ist höchsten ein einmaliges Umsteigen notwendig. Auch zum Aegidiimarkt gibt es für die deutliche Mehrzahl der Haltestellen eine umsteigefreie Verbindung, ist dies nicht der Fall muss in der Regel höchstens einmal umgestiegen werden; nur für sehr wenige Haltestellen im Stadt- randbereich ist ein zweifaches Umsteigen erforderlich. © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 44/150 Abbildung 15: Umsteigehäufigkeiten im ÖPNV -Tagesnetz der Stadt Münster ( Fahrplanstand 2020) an einem mittleren Schulwerktag (9 – 11 Uhr) für den Hauptbahnhof (links) und den Aegidiimarkt (rechts). Quelle: PTV Transport Consult GmbH. On-Demand-Verkehrsangebot „LOOPmünster“ Ergänzt wird das innerstädtische ÖPNV-Angebot seit September 2020 durch das auf drei Jahre angelegte Pilotprojekt „LOOPmünster“. Das Testgebiet erstreckt sich über die Stadtteile Hiltrup, Amelsbüren, Berg Fidel und Düesberg. Bei dem Pilotprojekt handelt es sich um ein fahrplan- und linienunabhängiges On-Demand-System (Ride- Pooling) mit einer Fahrzeugflotte von aktuell zehn Fahrzeugen. Auf Anfrage können bis zu sechs Personen, deren Fahrwünsche möglichst effektiv gebündelt werden, pro Fahrzeug befördert werden. Im Gegenzug wurde der Taxibus im LOOP-Bediengebiet eingestellt. Auf Relationen, die umsteigefrei mit dem Linienbus bedient werden, kann LOOP nicht genutzt werden. LOOP verkehrt werktags zwischen 5 Uhr morgens und 2 Uhr nachts und am Wochen- ende durchgehend von Freitag, 5 Uhr bis Montag, 2 Uhr. Trotz der eingeschränkten Mobilität der Bevölkerung infolge der COVID-19-Pandemiemaßnahmen wird das neue Angebot an allen Wochentagen bereits sehr gut angenommen, vor allem auch in den Abendstunden. Das Pilotprojekt wird wissenschaftlich von der Fachhochschule Münster begleitet; eine Veröffentlichung von Nutzungszahlen ist im Rahmen eines Zwischenberichts (vsl. 1. Quartal 2022) geplant. © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 45/150 Abbildung 16: Loop am Haltepunkt Vennheideweg auf der B54 (links) und Testgebiet (rechts). Quelle: PTV Transport Consult GmbH / Stadtwerke Münster GmbH. Haltestellen und Erschließungsqualität Rund 1.150 flächendeckend über das Stadtgebiet verteilte Haltestellen erschließen das gesamte Stadtgebiet für den ÖPNV. Mehr als 45 % sind mit einem 16-cm-Hoch- bord ausgestattet und ermöglichen mobilitätseingeschränkten Personen zusammen mit den eingesetzten Niederflurbussen einen barrierearmen Ein- und Ausstieg. Zentrale Busverknüpfungspunkte befinden sich am Hauptbahnhof, am Ludgeriplatz, am Aegidiimarkt/LWL-Museum und am Coesfelder Kreuz. Um ein schnelles Umstei- gen zwischen dem städtischen ÖPNV und der Bahn zu ermöglichen, sind alle Bahn- höfe im Stadtgebiet an das städtische Busliniennetz angebunden. Der Bahnhof Hiltrup liegt zusätzlich im Bediengebiet von LOOPmünster. Auch wenn die Gestal- tung der Umsteigesituation, an den o. g. Verknüpfungspunkten, unter anderem der städtebaulichen Situation und der Verkehrsführung geschuldet ist, bleibt sie aus Sicht der ÖPNV-Nutzer zum Teil dennoch unbefriedigend: Am Hauptbahnhof reihen sich jeweils zehn Haltepunkte in Nord-Süd- bzw. Süd- Nord-Richtung entlang von Berliner Platz und Bahnhofstraße. Die Entfernung zwi- schen den Haltepunkten beträgt bis zu 200 m und die Kennzeichnungen der Hal- tepunkte (A1 bis C3) sind aufgrund des Trubels nur schwer zu finden. Teilweise ist beim Umsteigen auch ein Queren der Fahrbahn erforderlich. Zusätzlich werden die Umsteigezeiten durch das Warten an der LSA-geregelten Fußgängerfurt am Berliner Platz verlängert. Am Ludgeriplatz verteilen sich die Haltepunkte räumlich sowohl auf den Kreisver- kehr als auch auf den Zufahrtsarm Schorlemerstraße. Zwischen den beiden Halte- stellenbereichen besteht keine Sichtverbindung. Auch am Verknüpfungspunkt Aegidiimarkt/LWL-Museum erstrecken sich die Hal- tepunkte über eine Länge von rd. 200 m entlang der Aegidiistraße, Rothenburg und Johannisstraße. Auch hier besteht nicht zwischen allen Haltestellenbereichen Sichtverbindung. Die beschriebenen Situationen erschweren ortunkundigen ÖPNV-Nutzern die Orien- tierung und führen generell zu teilweise langen Umsteigewegen bzw. Umsteigezei- ten. © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 46/150 Ein wichtiger Aspekt bei der Bewertung des ÖPNV-Angebots ist die Erschließungs- qualität. Der aktuelle Nahverkehrsplan der Stadt Münster 10 definiert u. a. auch Er- schließungsgrundsätze und trifft Festlegungen zu Einzugsradien von ÖPNV -Haltestel- len. Demnach sollten zusammenhängende Siedlungsbereiche mit mehr als 300 Ein- wohnern über einen Haltestelleneinzugsradius von 300 m bis 500 m erschlossen sein. Zur Bewertung der aktuellen Erschließungsqualität des Bushaltestellennetzes (Stand: Oktober 2020) wurde die Abdeckung der Siedlungsbereiche im Stadtgebiet für un- terschiedliche Einzugsbereiche von Bushaltestellen analysiert (Einzugsradius 300 m und 500 m) sowie die Erschließungslücken ermittelt (siehe Abbildung 17). Bei den Bahnhöfen im Stadtgebiet wurde einheitlich ein 500-m-Einzugsradius angesetzt. Abbildung 17: Erschließungsqualität im Stadtgebiet Münster bei Bushaltestellen-Einzugsradien von 300 m (links) und 500 m (rechts). Quelle: PTV Transport Consult GmbH. Für den 300-m-Einzusggsradius (entspricht einer Zu- bzw. Abgangszeit von ca. 5 min11) ergibt sich eine größere Zahl an kleineren Erschließungslücken, vor allem in den Zwi- schenräumen der ÖPNV-Achsen und im Stadtrandbereich. Hier handelt es sich über- wiegend um Einfamilienhausgebiete (z. B. Pappenbusch, Gievenbeck), teilweise aber auch um Gebiete mit verdichtetem Bauen (z. B. Nordmark, Rumphorst), Gewerbe- bzw. Industriegebiete (z. B. Haus Uhlenkotten, Hessenweg) sowie Mischgebiete aus Wohn- und Gewerbenutzung (z. B. Nienberge). Setzt man den Einzugsradius auf 500-m (ent- spricht einer Zu- bzw. Abgangszeit von ca. 9 min) sind praktisch alle Siedlungsflächen vollständig erschlossen (Ausnahme: Gewerbepark Haus Uhlenkotten), vor allem in der Innenstadt und auf den ÖPNV-Achsen überlappen sich die Einzugsbereiche. Damit 10 3. Nahverkehrsplan Stadt Münster (2016) 11 Annahme: mittlere Gehgeschwindigkeit = 4,5 km/h, Umwegfaktor 1,3 © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 47/150 lässt sich feststellen, dass die Anforderungen des Nahverkehrsplans erfüllt sind und die Zu- bzw. Abgangszeit meist kürzer als 10 min ist. Fahrzeuge im städtischen ÖPNV Als Fahrzeuge im städtischen ÖPNV setzen die Stadtwerke Münster als Betreiber überwiegend Gelenkbusse ein. Daneben wir die Fahrzeugflotte auf nachfrageschwäche- ren Linien durch Standardsolobusse und Kleinbusse sowie Pkw bzw. Großraum-Pkw beim Taxibus und im On-Demand-Verkehr ergänzt. Insgesamt umfasst der eigene Fuhrpark der Stadtwerke Münster ca. 130 Fahrzeuge, hinzu kommen ca. 110 Fahr- zeuge von Auftragsunternehmen. Der Fuhrpark der Stadtwerke Münster beinhaltet 23 Elektrobusse, die auf den Stadt- buslinien 8 (Coerde – Kreuzviertel – Wolbeck), 11 (Gievenbeck – Innenstadt – Mond- straße) und 14 (Maikottenweg – Innenstadt – Zoo) zum Einsatz kommen. Es wird ange- strebt, bis zum Jahr 2029 alle Busse auf E-Fahrzeuge umzustellen. Maßnahmen zur ÖPNV-Beschleunigung Mit ÖPNV-Beschleunigungsmaßnahmen lässt sich die Reisezeit im ÖPNV verkürzen, die Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit erhöhen und der Fahrplan stabilisieren. Hier- durch wird die Attraktivität des ÖPNV gesteigert und gleichzeitig die Produktionskos- ten reduziert. Soweit es das Platzverhältnis erlaubte, wurden besonders staugefähr- dete Straßenabschnitte entlang der ÖPNV-Hauptachsen mit insgesamt mehr als 10 km Busspuren ausgestattet. Hier hat der Bus Priorität und die Fahrspur darf zu den ausgewiesenen Zeiten nicht von anderen Kraftfahrzeugen genutzt werden. Im zentra- len Innenstadtbereich gibt es noch keine dieser Busspuren. Darüber hinaus gibt es in den Bereichen Mecklenbeck und Wienburgpark Umweltspuren, die neben dem Bus generell auch von anderen Verkehrsmitteln des Umweltverbundes (Fahrrad, Taxi) ge- nutzt werden können. Meistens befindet sich am Ende jeder Busspur eine mit Sondersignalen (Vorrang- schaltung) ausgestattete Lichtsignalanlage (LSA). An diesen sog. Busschleusen kön- nen ankommende Busse bei Bedarf ein Grünzeit-Fenster anfordern, um sich ver- kehrssicher in den allgemeinen Kfz-Verkehr einzufädeln. Insgesamt sind etwa zwei Drittel der LSA im Stadtgebiet mit der notwendigen Technik zur Lichtsignalbeeinflus- sung, die eine Bevorrechtigung der Busse gegenüber dem übrigen Kfz-Verkehr er- möglicht, ausgestattet. Weitere LSA sollen im Zuge stufenweiser Erneuerung eben- falls entsprechend ausgestattet werden. Fahrgastnachfrage im städtischen ÖPNV Als Betreiber des städtischen ÖPNV beförderten die Stadtwerke Münster im Vor- Corona-Jahr 2019 rd. 49 Mio. Fahrgäste. Noch im Jahr 2010 waren es lediglich 34,3 Mio. Fahrgäste. Mithilfe von attraktivitätssteigernden Maßnahmen gelangte es, die Fahrgastzahlen im städtischen ÖPNV innerhalb von 10 Jahren um 43 % zu steigern. © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 48/150 Abbildung 18: Entwicklung der Fahrgastzahlen im städtischen ÖPNV. Quelle: Stadt Münster. Räumlich konzentriert sich die ÖPNV-Nachfrage auf die radialen Busachsen entlang der großen Ausfallstraßen (vgl. Tabelle 3). Hohe Nachfragewerte mit Querschnittsbe- lastungen von 7.000 Fahrgästen/Tag oder mehr verzeichnen v. a. die Weseler Straße (bis zu 11.000 Fahrgäste/Tag) sowie der Albersloher Weg und die Hammer Straße (jeweils bis zu 7.000 Fahrgäste/Tag). Achse bis zu … Fahrtenpaare/h (NVZ, beide Richtg.)1 Fahrgäste/d2 Grevener Straße 7 6.500 Fürstenbergstraße/Gartenstraße/Hoher Heckenweg 7 5.600 Warendorfer Straße 7 4.500 Wolbecker Straße 9 2.700 Albersloher Weg 7 7.000 Hammer Straße 12 7.000 Weseler Straße 17 11.000 Roxeler Straße 8 k. A. Von-Esmarch-Straße 9 6.400 1 im Abschnitt mit dem höchsten Fahrtenangebot / 2 Durchschnittswert der gesamten ÖPNV-Achse Tabelle 3: ÖPNV-Achsen – Fahrtenangebot und Fahrgastnachfrage. Aufgrund der hohen Fahrradnutzung in Münster liegen die Fahrgastzahlen in den Wintermonaten um ca. 25 % höher als in den Sommermonaten. Allerdings erreicht der ÖPNV in Münster mit einem Modal-Split-Anteil von rd. 10 % an allen Wegen12 ei- nen geringeren Wert als der Durschnitt deutscher Großstädte von rd. 12 % (MID 12 Modal Split auf Basis der Mobilitätsbefragung 2019 (vgl. hierzu Kapitel 2.3) 34,3 31,9 37,7 39,7 39,6 41,6 45,1 45,3 46,3 49,0 0 10 20 30 40 50 60 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 Entwicklung der Fahrgastzahlen im Stadtbusverkehr (in Mio.) © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 49/150 2017, vgl. auch Tabelle 1); gegenüber vergleichbaren Städten in Deutschland ist der ÖV-Anteil sogar deutlich geringer.13 Im Jahr 2020 führten die im Zuge der COVID-19-Pandemie durchgeführten Maßnah- men zur Kontaktbeschränkung zu einem Einbruch der Fahrgastzahlen, im Jahres- durchschnitt um mehr als 40 %. Im Jahr 2021 wurde zwar eine Nachfrageerholung erkennbar, das Niveau des Jahres 2019 ist jedoch nicht erreicht worden. ÖPNV-Angebot im Stadt-Umland-Verkehr Das ÖPNV-Angebot im Stadt-Umland-Verkehr von Münster umfasst sowohl Bahn- als auch hochwertige Busverkehre. Im Bahnverkehr werden acht radial auf Münster zulaufende Bahnstrecken von drei- zehn Linien des Schienenpersonennahverkehrs (SPNV) bedient. Die Bahnstrecken er- schließen einwohnerstarke Siedlungsachsen im Münsterland. Die meisten Regional- bahn (RB)- und Regionalexpress (RE)-Linien verkehren an allen Wochentagen wäh- rend der Normalverkehrszeit im 1-h-Takt und werden teilweise montags bis freitags zu Hauptverkehrszeiten verdichtet. Die Linien RE 42 (Münster - Haltern - Mönchengla- dbach) und RB 89 (Münster - Hamm - Warburg) verkehren sogar tagesdurchgängig im angenäherten 30-min-Takt. Durch die Überlagerung mehrerer SPNV-Linien erge- ben sich auf den meisten Bahnstrecken stündlich mehrere Fahrtangebote. Bahnstrecke SPNV-Linien Münster – Rheine RE 7, RE 15, RB 65 Münster – Osnabrück RE 2, RB 66 Münster – Gütersloh – Bielefeld RB 67 Münster – Hamm RE 7, RB 69, RB 89 Münster – Lünen – Dortmund RB 50 Münster – Haltern – Recklinghausen RE 2, RE 42 Münster – Coesfeld RB 63 Münster – Gronau - Enschede RB 64 Tabelle 4: Bahnstrecken und SPNV-Linien im Stadt-Umland-Verkehr von Münster. Der Hauptbahnhof von Münster mit seinen ca. 65.000 Ein- und Aussteigern je Werk- tag ist der zentrale Umsteigeknoten des Münsterlandes sowohl innerhalb des SPNV - Netzes als auch zwischen Regionalverkehr und Fernverkehr der Bahn. 13 ÖV-Wegeanteile in ausgewählten Großstädten: Bielefeld: 14 % (2017), Bonn: 17 % (2018), Mannheim: 15 % (2018), Karlsruhe: 12 % (2018), Augsburg: 16 % (2018), Wiesbaden: 17 % (2018) © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 50/150 Abbildung 19: SPNV-Liniennetz im Münsterland (Ausschnitt). Quelle: Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL). Um die Erreichbarkeit von Münster aus der Region weiter zu verbessern, soll bis 2035 das Projekt „S-Bahn Münsterland“ umgesetzt werden. Die gemeinsame Initiative der Stadt Münster, der Kreise Borken, Coesfeld, Steinfurt und Warendorf sowie die Ein- bindung des Verkehrsministeriums NRW und der Bezirksregierung Münster, sieht den Aufbau eines Netzes mit neun S-Bahnlinien im Münsterland vor. Geplant ist es, auf sieben der bestehenden acht Bahnstrecken, mindestens einen 30-min-Takt, zu- züglich einer beschleunigten (Regionalexpress-)Verbindung, anzubieten (außer die Bahnstrecke Münster – Lünen – Dortmund). Ebenfalls intergiert werden soll die zu re- aktivierende Bahnstrecke Münster – Sendenhorst (WLE). Im Zusammenhang mit der Streckenreaktivierung sollen im Stadtgebiet von Münster fünf zusätzliche SPNV-Halte entstehen. Zusammen mit den bestehenden SPNV-Haltestellen und dem dichten Fahrtenangebot, durch die oben genannten Linienüberlagerungen, bringt das Pro- jekt auch eine deutliche Verbesserung für die innerstädtische ÖPNV-Erschließung. © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 51/150 Abbildung 20: Geplantes Liniennetz der S-Bahn Münsterland (Stand: 12/2019). Quelle: Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL). Ergänzt wird das radiale Bahnnetz durch ein ebenfalls radiales Netz hochwertiger Re- gionalbusverkehre. Sie erschließen potenzialstarke Relationen, die nicht vom SPNV erschlossen sind. Neben neun Regionalbuslinien (R 11, R 13, R 22, R 32, R 41, R 51, R 63, R 64, R 72/73), die überwiegend im 1-h-Takt oder häufiger verkehren, gehören sieben Schnellbuslinien einschließlich einer kombinierten Schnellbus-/Expressbus- Linie (S 20, S 30, S 50, S 60, S 70/71, S 75, S 90/X 90) zum Regionalbusnetz. Die Schnellbuslinien werden hauptsächlich von Ausbildungs- und Berufspendlern be- nutzt. Abbildung 21: Regionalbuslinien im Münsterland (Ausschnitt). Quelle: RVM Regionalverkehr Münsterland. © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 52/150 ÖPNV-Tarif Im Stadtbiet von Münster und in den angrenzenden Landkreisen gilt in Bahn und Bus der Westfalen-Tarif. Der Westfalen-Tarif ersetzt seit 2017 den früheren Münsterland- Tarif und ist flächendeckend in Westfalen gültig. Er integriert die in Münster gelten- den Stadtpreisstufen sowie die in der Region geltenden Tarife in einem einheitlichen Tarif- und Preismodell. Der Ticketpreis ist vom Fahrweg abhängig; er berechnet sich nach dem Start- und dem Zielpunkt sowie nach der Verbindung. Für alle Fahrten im Gebiet des Westfalentarifs und der Stadt Münster wird daher nur ein einziger Fahr- schein benötigt. Fahrgastinformation im ÖPNV Über die Internetseite der Stadtwerke Münster werden alle notwendigen Informatio- nen für die Nutzung des ÖPNV (elektronische Verbindungsauskunft, Fahr - und Netz- pläne, Tarifinformationen sowie Echtzeitinforationen zu kurzfristigen Störungen und Fahrplanabweichungen) angeboten. Als weiteres digitales Informations- und Vertriebsmedium für Smartphones wird die münster:app mit elektronischer Verbindungsauskunft und der Option zum Ticketkauf angeboten. Darüber hinaus kann die App u. a. den nächsten freien Parkplatz in der Innenstadt anzeigen oder über aktuelle Veranstaltungen in Münster informieren. Rund 10 % der Haltestellen im Stadtgebiet sind mit elektronischen Fahrzielanzeigern ausgestattet, die an das Fahrgastinformationssystem der Stadtwerke Münster ange- schlossen sind. Neben der Anzeige von Liniennummer und Abfahrtszeit in Echtzeit, kann ebenfalls über Störungen im Betriebsablauf informiert werden. ZWISCHENFAZIT – ÖPNV Anders als die meisten mit Münster vergleichbaren deutschen Städte setzt Müns- ter im innerstädtischen ÖPNV ausschließlich Busse und Pkw und verfügt über keine schienengebundenen Verkehrsmittel. Die Erschließungssituation durch Bushaltestellen entspricht grundsätzlich den An- forderungen des Nahverkehrsplans; die Zu- und Abgangszeiten liegen meist deut- lich unter 10 min. Eine Verkürzung der Haltestellen-Zugangszeiten durch eine Nachverdichtung des Haltestellennetzes wäre aus Sicht der ÖPNV-Nutzer zwar wünschenswert, jedoch führt dies im Regelfall zu längeren Reisezeiten bei durch- fahrenden Fahrgästen. Das Busliniennetz für den Tages- und den Nachtverkehr übernimmt sowohl klein- räumige Erschließungs- als auch großräumige Verbindungsfunktionen. Auf Rela- tionen bzw. zu Zeiten mit sehr geringer Nachfrage kommen jedoch Taxibusse zum Einsatz. Das dichte Haltestellennetz ist etwa zur Hälfte barrierefrei ausgebaut und gewähr- leistet – abgesehen von wenigen kleineren Lücken – schnelle Zu- und Abgangs- zeiten im ÖPNV (maximal 5 min), jedoch zu Lasten der Fahrzeit im ÖPNV. © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 53/150 ZWISCHENFAZIT – ÖPNV Die vorwiegend diametral bzw. radial verlaufenden Buslinien verbinden die meis- ten Stadtteile und -quartiere umsteigefrei untereinander, mit der Innenstadt und mit dem Hauptbahnhof. Auf den meisten Linien wird im Tagesverkehr (Mo – Fr) ein 20-min-Grundtakt geboten. Durch die Bündelung mehrerer Buslinien auf nachfragestärkeren Relationen ist das Fahrtenangebot dort aber oftmals dichter (mindestens 7 Fahrten je Stunde + Richtung). Mit dem Pilotprojekt „LOOPmünster“ erfolgte der Einstieg in die neue Betriebs- form der On-Demand-Verkehrsangebote. Durch virtuelle Haltestellen „an der nächsten Ecke“ verkürzen sich die Zu- und Abgangszeiten im ÖPNV mit positiven Auswirkungen auf die Reisezeiten im ÖPNV. Vorrangschaltungen an Lichtsignalanlagen sowie abschnittweise errichtete Bus- spuren erhöhen die Zuverlässigkeit des Fahrplans und die ÖPNV-Reisegeschwin- digkeit, fehlen aber noch abschnittsweise im zentralen Innenstadtbereich. Die Fahrgastnachfrage im städtischen ÖPNV konnte in den letzten Jahren deut- lich gesteigert werden. Aufgrund des starken Radverkehrs und des Fehlens von attraktiven schienengebundenen Verkehrsmitteln ist die ÖPNV-Nutzung (ÖV-An- teil an allen Wegen) in Münster jedoch weiterhin geringer als in vergleichbaren Städten. Das ÖPNV-Angebot im Stadt-Umland-Verkehr von Münster umfasst sowohl Bahn- als auch hochwertige Busverkehre (Expressbus-, Schnellbus- und Regionalbusli- nien) und bietet im Tagesverkehr auf allen Relationen mindestens einen 1 -h-Takt, im Bahnverkehr meist auch dichter. Mit dem Westfalen-Tarif gibt es ein einheitliches Tarif- und Preiskonzept für alle öffentlichen Verkehrsmittel in der Stadt Münster und im Umland. Die ÖPNV-Fahrgastinformation umfasst die Abfahrtszeiten in Echtzeit und erfolgt heute vor allem über die Internetseite der Stadtwerke Münster, die Smartphone - App „münster:app“ sowie teilweise über elektronische Fahrzielanzeiger an den Haltestellen. 2.5.4 Radverkehr Dem Radverkehr kommt innerhalb der „Fahrradstadt“ Münster eine besonders große Bedeutung zu. Der kontinuierliche Ausbau des nunmehr über 470 km langen Radnet- zes sowie eine allgemein fahrradbegeisterte Bevölkerung haben das Fahrrad zum be- liebtesten Fortbewegungsmittel und zu der stadtbildprägenden Säule im alltäglichen Münsteraner Verkehr werden lassen: Über die Hochrechnung des Radverkehrsanteils auf die Gesamtbevölkerung ergeben sich insgesamt etwa 405.000 tägliche Wege mit dem Fahrrad. Als ideale Grundvoraussetzung wirkt sich dabei nicht zuletzt besonders auch die flache Topografie in der gesamten Region vorteilhaft aus. © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 54/150 Im sog. „ADFC Fahrradklima-Test“ wird die Stadt Münster seit Beginn der Umfrage im Jahr 1998 ausnahmslos auf einem der ersten beiden Plätze für die fahrradfreundlichs- ten Städten zwischen 200.000 und 500.000 Einwohnern geführt. In dem Zeitraum von 2001 bis 2018 belegte die Stadt dabei konsequent den ersten Platz, seither wurde sie durch Karlsruhe verdrängt. Als besonders positiv empfinden die Teilnehmer, dass … … in Münster alle Bevölkerungs- und Altersgruppen das Fahrrad nutzen. … das Stadtzentrum der Stadt mit dem Fahrrad gut erreichbar ist. … der überwiegende Teil der Einbahnstraßen in der Stadt für den Radverkehr in Gegenrichtung geöffnet ist und somit Umwege vermieden werden. … eine umfassende Wegweisung für den Radverkehr im Stadtgebiet besteht. Kritisch gesehen werden allerdings die Häufigkeit von Fahrraddiebstählen, die Breite der Radinfrastrukturen, die häufigen Konflikte zwischen Rad- und Kfz-Verkehr und die mangelnden Falschparkerkontrollen auf den jeweiligen Radinfrastrukturen. Dabei ist es ein erklärtes Ziel seitens der Stadt Münster 14, den „Radverkehr zukunftsgerecht zu entwickeln um [noch] mehr Radverkehr zu generieren“. Eine solche Zukunftsorientie- rung lässt sich jedoch nur verfolgen, wenn die bestehende, teils in die Jahre gekom- mene Radverkehrsinfrastruktur aufgewertet wird, so dass für Radfahrer durch das ge- samte Stadtgebiet adäquate Verbindungen zur Verfügung stehen. Auswertung vorhandener Daten15 Fahrradverfügbarkeit: Im Stadtgebiet Münsters lag der private Fahrrad-Bestand im Jahr 2019 bei über 412.000 Fahrrädern. Es gibt in der Stadt 133 Fahrräder je 100 Einwohner (2,8 Fahrräder je Haushalt), zum Vergleich liegt der Landesdurch- schnitt von NRW bei 84 Fahrrädern je 100 Einwohner (1,7 Fahrräder je Haushalt). Somit befindet sich Münster deutlich über dem Landesdurchschnitt und die große Bedeutung des Fahrrads zeigt sich bereits anhand dieser Statistik. Haushalte: Bei der Analyse der Fahrradverfügbarkeit der Haushalte werden 47 % der 1-Personen-Haushalte mit einem sowie 40 % mit mindestens zwei Fahrrädern ausgewiesen, 13 % besitzen kein Fahrrad. In 2-Personen-Haushalten besitzen 9 % weniger als zwei Fahrräder, in 3-Personen-Haushalten 15 % weniger als drei Fahr- räder und in 4-Personen-Haushalten 12 % weniger als vier Fahrräder. Bei mindes- tens 4-Personen-Haushalten besitzen 96 % mehr als drei Fahrräder. Im Vergleich zu dem Bestand an Pkw pro Haushalt (vgl. Kapitel 2.5.2) befindet sich der Ausstat- tungsgrad mit Fahrrädern pro Haushalt demnach deutlich höher. Modal Split: Der Modal-Split-Wert für den Radverkehr beträgt 43,5 % im Gesamt- verkehr und 48,2 % im Binnenverkehr. Bezogen auf den Quell-Zielverkehr beträgt der Anteil (wegen der ländlichen Raumstruktur) lediglich 2,6 %. Überdurchschnitt- lich hohe Anteile resultieren für die vier Innenbezirke. Zusätzliche Auswertungen 14 Stadt Münster, 2015: Radverkehrskonzept Münster 2025 15 Auswertungen auf Basis der Mobilitätsbefragung, der MiD 2017 sowie aktuellen statistischen Daten der Stadt Münster z. B. abrufbar über stadt-muenster.de (Stadtentwicklung 2020). © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 55/150 zum Modal Split unter Berücksichtigung der sonstigen Verkehrsmittel finden sich auch in Kapitel 2.3. Wegelänge: Bezogen auf die Länge der Wege werden im Radverkehr täglich un- gefähr 3,1 km mit dem Rad sowie 4,1 km mit E-Bikes bzw. Pedelecs zurückgelegt. Im Vergleich zu anderen deutschen Großstädten (2 km) ergibt sich dadurch eine größere Wegelänge, was sich insgesamt positiv auswirkt. Allgemein werden erst bei Entfernungen ab 5 km mehr Wege im MIV als mit dem Rad zurückgelegt, bis dahin entfallen über 50 % aller Wege auf das Fahrrad. Die durchschnittliche We- gedauer beträgt 15 min mit dem Rad bzw. 18 min mit E-Bikes bzw. Pedelecs. Die mittlere Reisegeschwindigkeit ergibt sich zu 12 km/h mit dem Rad sowie 14 km/h mit E-Bikes bzw. Pedelecs. Beziehungen zwischen Altstadt, Innenstadtring, Mitte - Nordost und Gievenbeck/Sentrup sind in der Stadt besonders stark ausgeprägt. Wegezweck: Etwa 60 % der Münsteraner Bevölkerung nutzen das Fahrrad mehr- mals pro Woche, je ca. 15 % nutzen es unregelmäßig oder nie. Genutzt wird das Fahrrad besonders auf Wegen zur Universität (71 % der Wege), zur Ausbildung (51 % der Wege), in der Freizeit (48 % der Wege), zur Arbeit (42 % der Wege) so- wie zum Einkaufen (40 % der Wege), aber seltener für geschäftliche Wege (24 % der Wege). Bezogen auf alle Fahrrad-Wege dominiert der Verkehrszweck Arbeit (26 % aller Radwege) gefolgt von Freizeit (19 % aller Wege), Einkauf (13 % aller Wege) und Universität (12 % aller Wege). Vorhandene Infrastruktur In Bezug auf den innerstädtischen Verkehr übernimmt vor allem der Promenadenring in seiner Gestaltung als autofreier „Verteilerring“ um das Stadtzentrum eine wesentli- che Funktion. Durch eine konsequent separate Führung zu weiteren Verkehrsteilneh- mern steht dabei auf rund 4,5 km ein qualitativ hochwertiges Angebot zur Verfügung (siehe Abbildung 22), auf das von außerhalb die Radwege der Hauptverkehrsstraßen münden und das nach innen die frei befahrbare Altstadt erschließt (siehe Abbildung 23). Das Radverkehrsnetz verbindet auf diese Weise alle Stadtteile mit dem Stadtzent- rum und weitgehend lückenlos auch untereinander. Die Feinverteilung außerhalb der Hauptverkehrsstraßen erfolgt über das untergeordnete Netz (meist Tempo 30) in den Wohngebieten und Randbereichen der Stadt (siehe Abbildung 24). Angelehnt an diese gewachsenen und stetig verfeinerten Strukturen verfügt die Stadt damit über ein definiertes hierarchisches Radwegenetz, mit einem Primärnetz entlang des Promenadenrings bzw. der Hauptstraßen sowie einem Sekundärnetz entlang der Nebenstrecken. Dieses System wird im Zuge der Fahrradnetzplanung 2.0 (als ein wei- terer Baustein des Masterplans Mobilität Münster 2035+) jedoch ebenfalls angepasst bzw. aktualisiert und soll im dritten Quartal 2022 abgeschlossen sein. Im Rahmen der Konzeption wird (anstelle einzelner Strecken) das Fahrradnetz als Ganzes klassifiziert, um je Hierarchiestufe auf festgelegte Infrastrukturelemente zurückgreifen zu können. © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 56/150 Abbildung 22: Blick auf den Promenadenring. Quelle: PTV Transport Consult GmbH. Abbildung 23: Radverkehrsinfrastruktur und Tagesverkehre im Stadtzentrum Münsters. Quelle: PTV Transport Consult GmbH. Promenade Ludgeriplatz Promenade © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 57/150 Wenngleich durch diese Netzstruktur die wesentlichen Grundvoraussetzungen gege- ben sind – und die hohe Nachfrage im Radverkehr den positiven Gesamteindruck be- stätigt – zeigen sich punktuell, vor allem entlang der innerstädtischen Hau ptverkehrs- achsen dennoch Konflikte zwischen den Verkehrsteilnehmern: So weichen oft entwe- der Radfahrer auf den Gehweg aus, wenn Kfz den Radweg versperren, oder Fußgän- ger weichen auf den Radweg aus, wenn Fahrräder auf Gehwegen abgestellt werden. Hinzu kommt, dass besonders die seit längerer Zeit bestehenden Radinfrastrukturen häufig nicht mehr den Anforderungen der gültigen Regelwerke entsprechen und so- mit für das tatsächliche Radverkehrsaufkommen unterdimensioniert sind. Diesbezüg- lich werden ein sicheres Fahren und der allgemeine Verkehrsfluss eingeschränkt. Abbildung 24: Radverkehrsinfrastruktur im gesamten Stadtgebiet Münsters. Quelle: PTV Transport Consult GmbH. © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 58/150 Wegen der unterschiedlichen Charakteristik und Bedeutung für alle Verkehrsteilneh- mer liegen auch für manche Querungsstellen der Promenade noch keine finalen Lö - sungen vor. Vorfahrtsrechtlich untergeordnet sind Radfahrer dabei u. a. in der Ludge- ristraße (siehe Abbildung 25), Am Kreuztor, am Neubrückentor, am Hörstertor sowie in der Salzstraße (Stand: November 2021). Der Situation ist sich die Stadt aber durch- aus bewusst, weshalb stellenweise bereits Maßnahmen zur Priorisierung des Radver- kehrs (auf konzeptioneller Ebene und im Zuge des Verkehrsversuchs Neubrückentor auch in praktischer Umsetzung) unter Einbeziehung der ebenso querenden Fußgän- ger erarbeitet werden. Derzeit zeigt sich bei der Beobachtung der tatsächlichen Ver- kehrsabläufe häufig ein „Shared-Space-Charakter“ mit insgesamt sensibilisierten Ver- kehrsteilnehmern, bei dem MIV und ÖPNV oft auf ihr Vorfahrtsrecht verzichten. Abbildung 25: Verkehrssituationen im Bereich Promenadenring / Ludgeristraße. Quelle: PTV Transport Consult GmbH. Das Fahrrad ist in Münster allerdings nicht nur fahrend, sondern auch stehend allge- genwärtig und eines der prägenden Elemente im gesamten Stadtbild: Zum sicheren (und kostenpflichtigen) Abstellen der Fahrräder gibt es insgesamt drei Radstationen am Hauptbahnhof, in den Münster Arkaden und in der Stuben- gasse. Sie beinhalten jeweils auch ein unterschiedliches Angebot aus Fahrradver- leih und -waschstraße, Werkstatt-Service, Zubehörverkauf oder Schließfächern. Die Zahl der zusätzlich ausgewiesenen, kostenlosen Abstellplätze im öffentlichen Raum betrug im Jahr 2020 ca. 13.300 (Steigerung um 26,5 % gegenüber 2011). © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 59/150 Die Stadt hat in der Frauenstraße, der Schillerstraße und am Domplatz Stellplätze für insgesamt 16 Lastenfahrräder eingerichtet. Weitere sind in der Planung. Da der tatsächliche Fahrrad-Bestand (siehe oben) das Angebot an Abstellanlagen deutlich übertrifft, wird der überwiegende Teil der Fahrräder aber (wenn nicht zu Hause) an anderen Stellen im öffentlichen Raum abgestellt. Auch aufgrund dieser Gegebenheit befinden sich schätzungsweise bis zu 50.000 sog. „Schrotträder“ im Stadtgebiet und blockieren entweder vorhandene Abstellkapazitäten oder die je - weiligen Verkehrsflächen der anderen Straßennutzer (siehe auch Kapitel 2.5.5). Im zweiten Halbjahr 2022 soll eine vierte Radstation (ca. 2.000 Stellplätze) auf der Ostseite des Hauptbahnhofs eröffnet werden. Zudem bewirbt sich die Stadt der- zeit im Förderprogramm Mobil.NRW um eine weitere Radstation integriert in ei- nen Mobility Hub: Es soll ein Bestandsparkhaus auf der Ostseite des Hauptbahn- hofs zugunsten von etwa 3.000 Fahrradstellplätze umgenutzt werden. Maßnahmen zur Verbesserung des Fahrradparkens werden auch im integrierten Parkraumkonzept (als weiterer Baustein des Masterplans Mobilität) erarbeitet. Die folgenden Abbildungen dienen in diesem Kontext als Visualisierung der Eindrü- cke mit Blick auf die innerstädtischen Verkehrssituationen. Vor allem auf der Wolbe- cker Straße (zwischen Servatiiplatz und Hansaring) wurde diesbezüglich bereits ver- sucht, bestehende Probleme im Seitenraum über (temporäre) Hinweisschilder sowie die Aufhebung der Radwegebenutzungspflicht zu minimieren (siehe Abbildung 26). Unter anderem bezüglich der Verkehrssicherheit und der perspektivisch weiter stei- genden Nachfrage und Ansprüche besteht auf solchen, sowohl im Rad- als auch im Kfz-Verkehr vielbefahrenen Strecken aber allgemein weiterer Handlungsbedarf, wes- halb im Jahr 2021 z. B. bereits das „Dialogverfahren zur Neugestaltung des Straßen- raums an der Wolbecker Straße“ durchgeführt wurde. Abbildung 26: Hinweisschilder für Radfahrer auf der Wolbecker Straße. Quelle: PTV Transport Consult GmbH. © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 60/150 Abbildung 27: Verkehrssituation auf dem Hansaring (links) und wartende Radfahrer an einem signalisierten Knotenpunkt am Neutor. Quelle: PTV Transport Consult GmbH. Abbildung 28: Abgestellte Fahrräder am Berliner Platz nahe des Hauptbahnhofs. Quelle: PTV Transport Consult GmbH. Als eine hochwertige Alternative zu den Hauptverkehrsstraßen befinden sich an eini- gen Stellen im Stadtgebiet derzeit 16 ausgewiesene Fahrradstraßen, auf denen Rad- fahrer allgemein gesondert oder mindestens bevorrechtigt gegenüber anderen Ver- kehrsteilnehmern geführt werden. In der Stadt Münster sind fast alle Abschnitte über ein Zusatzschild ebenso für den Kfz-Verkehr freigegeben, um die Erreichbarkeiten zu gewährleisten. Dadurch ergibt sich jeweils eine gemeinsame Verkehrsfläche. Obwohl © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 61/150 sie zunächst eine punktuelle Ergänzung sind, werden die Fahrradstraßen im Sinne ei- ner weiteren Verbesserung der Situation kontinuierlich aus- und umgebaut. Zum Zeitpunkt der Bestandsaufnahme für den Masterplan Mobilität sind manche der Fahrradstraßen – abgesehen von der Beschilderung bzw. einer ergänzenden Markie- rung auf der Fahrbahn – noch nicht von anderen Erschließungsstraßen zu unterschei- den (siehe Abbildung 30). Darüber hinaus fehlt stellenweise (u. a. wegen parkenden Fahrzeugen) eine ausreichende Breite für Begegnungsverkehre. Für den Radverkehr wirkt sich das, trotz der verkehrsrechtlichen Bevorrechtigung, auf den Komfort sowie das objektive und subjektive Sicherheitsempfinden aus. Diese Rahmenbedingungen sind der Stadt Münster bereits bekannt. Durch eine kon- sequente Umsetzung der im Juli 2019 von der Politik beschlossenen neuen Qualitäts- standards wird der bestehende Zustand deshalb angepasst: Die ersten acht Strecken wurden bereits nach den neuen Standards umgestaltet und erhielten zur eindeutigen Erkennbarkeit u. a. ein rotes Erscheinungsbild (siehe Abbildung 29 sowie Abbildung 30). Außerdem erfolgte vielfach eine Umverteilung des Straßenraums zu Gunsten des Rad- und zu Lasten des ruhenden Kfz-Verkehrs. Auf weiteren Abschnitten läuft derzeit (Stand: Dezember 2021) die Planung unter Beteiligung der Öffentlichkeit 16: Fertigstellung im Jahr 2020: „Bismarckallee“, „Dieckstraße“ (zw. Kärntner Straße und Ostmarkstraße), „Goldstraße“, „Annette-Allee“, „Max-Winkelmann-Straße“, „Schillerstraße/Lütkenbecker Weg/Lindberghweg“, „Dingstiege“, „Kirschgarten“ Fertigstellung im Jahr 2021: „Hittorfstraße“ Informationsveranstaltungen im Jahr 2021: „Wilhelmstraße“, „Horstmarer Land- weg“, „Bohlweg“, „Mecklenbecker Straße“, „Dieckstraße“ (zw. Wendehammer und Schifffahrter Damm) Abbildung 29: Zeitplan zur Umsetzung der neuen Qualitätsstandards für Fahrradstraßen. Quelle: Stadt Münster. 16 Daten der Stadt Münster z. B. abrufbar über stadt-muenster.de © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 62/150 Abbildung 30: Blick in die Schillerstraße (links, älteste Fahrradstraße) und Umsetzungsbeispiel für die neuen Qualitätsstandards in Münster. Quelle: PTV Transport Consult GmbH. Das regionale Radverkehrsaufkommen über die Stadtgrenzen Münsters hinaus ist im Hinblick auf die absoluten Verkehrszahlen bislang von einer untergeordneten Bedeu- tung: Der Anteil des Quell-Ziel-Verkehrs von 2,6 % bedeutet, dass weniger als 10.000 der insgesamt 360.000 Wege über die Stadtgrenze (vgl. Kapitel 2.3) mit dem Fahrrad erfolgen. Auf jeden pendelnden Radfahrer kommen über 26 Pendlerfahrten im MIV. Unter anderem aufgrund der ländlichen Struktur und den weiten Entfernungen zu be- nachbarten Städten wurde die Förderung des interkommunalen Radverkehrs gegen- über dem städtischen Radverkehr für lange Zeit eher vernachlässigt. Die vorhandene Infrastruktur besteht vorwiegend aus kombinierten Geh- und Radwegen entlang von Hauptverkehrsachsen. Das entspricht nach den ERA 17 bei einer relativ untergeordne- ten Bedeutung für den Fuß- und Radverkehr zwar dem Regelzustand, wirkt zugleich aber auch einer zusätzlichen Verkehrsverlagerung (und damit einer weiteren Reduzie- rung des Kfz-Verkehrsaufkommens in der Stadt Münster) entgegen. Hier setzt das Konzept der stadtregionalen Velorouten an, das von der Stadt Münster in enger Abstimmung mit den umliegenden Kommunen erarbeitet wurde. Dazu wur - den insgesamt 14 alltagstaugliche Routen zwischen dem Promenadenring, den äuße- ren Stadtteilen und den angrenzenden Städten entwickelt (siehe Abbildung 31). 17 Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen: Empfehlungen für Radverkehrsanlagen (ERA) © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 63/150 Abbildung 31: Planungsstand der stadtregionalen Velorouten in Münster. Quelle: Stadt Münster (www.stadt-muenster.de) Der Routenverlauf orientiert sich in weiten Teilen an bestehenden Achsen, um den zeitlichen und finanziellen Aufwand gering zu halten, in ein gutes Verhältnis zur ver- kehrlichen Wirkung zu setzen und den ökologischen Eingriff zu minimieren. Das be- deutet, anstelle der neuen Trassenfindung werden vielmehr bereits bestehende All- tagswege anforderungsgerecht ausgebaut. Etwa zwei Drittel des Velorouten -Netzes (insgesamt 140 km) werden im Münsteraner Stadtgebiet liegen. Als eine erste dieser sog. Radvorrangrouten befindet sich die Strecke zwischen Telgte über Handorf nach Münster derzeit in der Planung bzw. stellenweise bereits im Bau. ZWISCHENFAZIT – Radverkehr Das Fahrrad ist in Münster nachweislich das Verkehrsmittel Nummer 1. Dies ist das Resultat der jahrzehntelangen systematischen Radverkehrsplanung. Positiv wirkt das „Denken im Netz“ anstelle von Einzelmaßnahmen. Zugleich wurde der weitere Handlungsbedarf im Hinblick auf die Zukunftsfähigkeit erkannt. © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 64/150 ZWISCHENFAZIT – Radverkehr Wenngleich die Stadt Münster im Vergleich zu anderen deutschen Städten regel- mäßige Topplatzierungen im „ADFC Fahrradklima-Test“ belegt, entspricht die Schulnote „befriedigend“ nicht dem Anspruch von Stadt und Bevölkerung. Zwar sind die Grundvoraussetzungen in der Stadt erfüllt, dennoch zeigen sich stellenweise Probleme u. a. in Bezug auf die Breite einzelner Radverkehrsanla- gen, wodurch das Angebot für die faktische Nachfrage unterdimensioniert ist. Die Radverkehrsförderung in städtischen Räumen erfordert allerdings oftmals eine Neugestaltung des Straßenraums (i. d. R. zu Lasten des Kfz-Verkehrs). Es gilt, durch den Erhalt und die Optimierung der bestehenden Infrastruktur so- wie die Beseitigung von aktuellen Problemen (u. a. Fahrraddiebstähle, Verkehrs- sicherheit, Falschparker, „Schrotträder“) weitere Potenziale abzurufen. Die Fahrradverfügbarkeit liegt deutlich über dem NRW-Durchschnitt. Deshalb werden nicht mehr Räder benötigt, sondern es ist ein Ziel, dass zukünftig auch weitere Wege häufiger mit dem Rad (anstelle dem Pkw) zurückgelegt werden. Der seit 1982 nahezu stetig steigende Anteil des Radverkehrs am Modal Split zeigt, dass in den vergangenen Jahrzenten schon viele Wege auf das Fahrrad verlagert wurden. Dieser Trend lässt sich jedoch nicht kontinuierlich fortschrei- ben. Dennoch bestehen v. a. im interkommunalen Verkehr weitere Potenziale. Grundsätzlich ist die Ausweisung von Fahrradstraßen abseits der Hauptstraßen (bei erkennbarem Design sowie konsequenter Netzplanung) ein geeignetes In- strument zur Radverkehrsförderung. Sie erhöhen den Komfort sowie die objek- tive und subjektive Sicherheit und sind dadurch eine attraktive Alternative. Die verkehrliche Bedeutung des Promenadenrings wird zukünftig noch weiter zu- nehmen, weil er den Start- bzw. Endpunkt der Velorouten bildet, die die Innen- stadt mit den Außenstadtteilen und Umlandgemeinden verbinden sollen. Über den Aufbau auf dem vorhandenen interkommunalen Radwegenetz (d. h. auf bestehenden Alltagswegen) verleihen die geplanten Velorouten den jeweili- gen Strecken künftig mehr Bedeutung bzw. Komfort. Zugleich werden Wohnge- biete mithilfe von Zubringern besser an das Radwegenetz angebunden. 2.5.5 Fußverkehr Im (innerstädtischen) Verkehr sind Fußgänger die schwächsten Teilnehmer - insbe- sondere Kinder, Senioren und mobilitätseingeschränkte Menschen. Fußverkehr ist aber gleichzeitig ein Kernelement eines umweltverträglichen Verkehrssystems und eine wichtige Säule der Nahmobilität. Denn für nahezu jeden Verkehrszweck ist ein (zumindest kurzer) Fußweg erforderlich, um auf andere Mobilitätsangebote umstei- gen zu können oder das finale Ziel des Weges zu erreichen. © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 65/150 Vorhandene Raumstruktur Daher hat die Stadt Münster bereits im Jahr 1983 mit dem Konzept fußgänger - und radfahrerfreundliche Altstadt einen großen Schritt zur Verbesserung der Verhältnisse für den Fußgängerverkehr, vor allem in der Innenstadt, getan. Alltägliche Dinge wie der Einkauf oder der Gang zur Apotheke bzw. Bank können im Zentrum zu Fuß erle- digt werden. Das funktioniert so gut, weil Münster im zentralen Bereich sowie in den Stadtteilzentren über kurze Wege für viele wichtige Alltags- und Freizeitwege verfügt. Über den Promenadenring etwa ist die Innenstadt von allen Seiten aus gut zu Fuß er- reichbar – auch aus Stadtteilen wie Geist-, Hansa- und Kreuzviertel sowie St. Mauritz. Innerhalb des Promenadenrings wird der Fußverkehr priorisiert: Es bestehen große zusammenhängende Areale als ausgewiesene Fußgängerzonen – mit teilweise Frei- gabe für den Radverkehr und ÖPNV. Diese Bereiche, die gleichzeitig einen Schwer- punkt für touristische und Einkaufswege bilden, liegen v. a. im Umfeld des Prinzipal - und Roggenmarkts, des Domplatzes, der Windthorststraße sowie der Ludgeri- und Salzstraße. Der Promenadenring stellt also nicht nur für den Rad-, sondern auch für den Fußverkehr eine wichtige Relation für Alltags- und Freizeitwege mit hoher Auf- enthaltsqualität dar. Abseits des Stadtzentrums verfügen auch die Außenstadtteile (u. a. Hiltrup, Kinder- haus, Coerde, Nienberge, Handorf und Gievenbeck) über funktionierende Stadtteil- zentren. Auch die Attraktivität dieser Zentren ist maßgeblich von der guten fußläufi- gen Erreichbarkeit abhängig, so dass in der Regel ein engmaschiges Wegenetz für den Fußverkehr besteht. Dadurch können viele alltägliche Bedürfnisse im unmittel - baren Umfeld erfüllt (und manche Wege in die Innenstadt ersetzt) werden, was die Nahmobilität in den Stadtbezirken und Quartieren fördert. (vgl. auch Kapitel 2.3). Abbildung 32: Stadtteilzentrum um die Marktallee in Hiltrup. Quelle: PTV Transport Consult GmbH. So stolz Münster auf seine Historie im Stadtbild ist, die Stadt entwickelt sich ständig weiter. Es entstehen neue öffentliche Räume mit hohen Aufenthaltsqualitäten. Dies sind z. B. die Stubengassenbebauung mit dem Hanse-Carré, das neue LWL-Museum © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 66/150 und der Bereich am Alten Steinweg rund um den Kiffe-Pavillon. Hierdurch sind neue Fußwegeverbindungen entstanden, die mittlerweile ganze Rundgänge ermöglichen und damit die Innenstadt zusätzlich beleben. Auswertung vorhandener Daten18 Trotz dieser grundsätzlich guten übergeordneten Voraussetzungen für einen hohen Wegeanteil im Fußverkehr zeigt sich am Modal Split insgesamt ein eher unterdurch- schnittlicher Wert von 11,5 % (vgl. Kapitel 2.3). Er liegt erkennbar unterhalb des Bun- desdurchschnitts (22 %) bzw. unter dem Mittelwert für deutsche Großstädte (24 %). Im Vergleich mit vorherigen Mobilitätsbefragungen, die in Münster bereits seit 1982 durchgeführt werden, zeigen sich deutliche Schwankungen für den Anteil zu Fuß zu- rückgelegter Wege (in einer vorherigen Befragung aus 2013 lag der Anteil des Fuß- verkehrs z. B. mit 21,7 % fast doppelt so hoch). Diese sind allerdings nur bedingt auf ein derartig verändertes Mobilitätsverhalten und vielmehr auf Veränderungen in der Erhebungsmethodik zurückzuführen: In der Befragung von 2019 (sowie 2001, 2007) wurden schriftliche Fragebögen von den Befragten selbst ausgefüllt, wohingegen in 2013 (sowie 1982, 1990, 1994) Telefongespräche geführt wurden. Offenbar werden die Fußwege bei persönlichen Gesprächen besser dokumentiert bzw. andersherum werden sie in schriftlichen Fragebögen signifikant häufig nicht von den Befragten er- fasst. Es ist somit zu erwarten, dass der tatsächliche Anteil des Fußverkehrs z wischen diesen beiden Werten liegt (eine belastbare Festlegung ist jedoch nicht möglich). Die höchsten Fußverkehrsanteile werden, bedingt durch eine besonders hohe Nut- zungsdichte und die auf den Fußverkehr ausgerichtete Verkehrsinfrastruktur, mit un- gefähr 24 % in der Altstadt erreicht. Ein ergänzender Blick auf die Wegelängen zeigt zudem, dass auch vergleichsweise sehr kurze Distanzen ≤ 1 km in lediglich 51 % der Fälle zu Fuß zurückgelegt werden. Der Vergleich mit den anderen Verkehrsmitteln zeigt jedoch auch, dass sich die ver- hältnismäßig geringe Bedeutung des Fußverkehrs v. a. aus dem deutlich überdurch - schnittlichen Radverkehrsanteil ergibt, wodurch der Stadt Münster eine Sonderrolle zukommt (vgl. hierzu Kapitel 2.5.4). Insgesamt stellt sich darüber ein Anteil nicht -mo- torisierter Wege von rund 55 % ein, was deutlich über dem bundesweiten und groß- stadtspezifischen Durchschnitt liegt. Die Verkehrsmittelwahl nach Wegelänge zeigt, dass der geringe Anteil des Fußverkehrs auf sehr kurzen Wegen aus einem sehr ho- hen (und für diese Entfernungsklasse eher untypischen) Radverkehrsanteil von 40 % entsteht. Insgesamt lässt sich daher festhalten, dass die Stadt bereits im Ist -Zustand über einen hohen Anteil nicht-motorisierter Wege verfügt, dem Zu-Fuß-Gehen auf- grund der Präsenz des Fahrrads aber nur eine relativ geringe Bedeutung zukommt. 18 Auswertungen auf Basis der Mobilitätsbefragung, der MiD 2017 sowie aktuellen statistischen Daten der Stadt Münster z. B. abrufbar über stadt-muenster.de (Stadtentwicklung 2020). © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 67/150 Vorhandene Infrastruktur Die Dimensionierung der Fußverkehrsanlagen richtet sich, neben den verfügbaren Flächen in Abwägung mit weiteren Interessen vordergründig nach dem prognosti- zierten bzw. dem bestehenden Bedarf. In Wohngebieten stellt die Regelbreite von 2,50 m19 das allgemeine Ziel dar. In den geschäftsstarken Bereichen des Stadtzent- rums haben die Gehwege häufig Querschnittsbreiten von bis zu 10 m, weil Fußgän- ger die vorwiegende Nutzergruppe darstellen. Westlich des Stadtzentrums ergibt sich durch den Abschnitt des inneren Rings zwi- schen Neutor und Aegidiitor bei Verkehrsbelastungen von ca. 30.000 Kfz/24h (vgl. auch Abbildung 9) und einer entsprechend breiten Fahrbahn eine Barrierewirkung für den nicht-motorisierten Verkehr. Dies wirkt sich v. a. auf Wegebeziehungen zwi- schen dem Schloss bzw. der Universität und der Innenstadt aus. An den beiden ge- nannten Stellen kreuzt die Straße ebenfalls den Promenadenring, weshalb dort, so- wie an den weiteren Querungsstellen, für den Fuß- und Radverkehr insgesamt eher unattraktive signalisierte Kreuzungsbereiche bestehen. Das ungewöhnliche Verhältnis zwischen dem Fuß- und dem Radverkehr äußert sich in einigen Bereichen aber dennoch in erkennbaren Konkurrenzsituationen. Im Stadt - gebiet von Münster ergeben sich dabei u. a. regelmäßig Situationen, in denen abge- stellte Räder erhebliche Teile des Gehweges blockieren (vgl. Abbildung 33). Abbildung 33: Abstellte Fahrräder auf dem Gehweg in der Kettelerstraße. Quelle: Fußverkehrs-Check Kreuzviertel (www.muenster-zu-fuss.de). Besonders problematische Auswirkungen können sich hierdurch für mobilitätseinge- schränkte Personen oder Personen mit sonstigem erhöhten Raumbedarf (z. B. Kinder- wagen) in Bezug auf die Barrierefreiheit im öffentlichen Straßenraum ergeben. Kom- binierte Führungen des Fuß- und Radverkehrs, gerade auch an Knotenpunkten, kön- 19 Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen: Richtlinien für die Anlage von Stadtstraßen © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 68/150 nen sich also v. a. im zentralen Bereich der Stadt auch für den Fußverkehr als konflikt- trächtig erweisen. Künftige Neu- oder Überplanungen des Straßenraumes sollten daher neben den Be- langen des Radverkehrs verstärkt auch eine ausreichende Infrastruktur für den Fuß- verkehr berücksichtigen. Neben den jeweiligen Gehwegbreiten spielen hier auch Si- cherheitsaspekte (v. a. an Knotenpunkten oder Einmündungen) eine Rolle. Eine wei- tere und verstärkte Installation von Radabstellanlagen in Bereichen mit hohem Rad- verkehrsaufkommen, wo immer es baulich möglich ist, kann die Konfliktsituationen zwischen dem Fuß- und dem Radverkehr ebenfalls entspannen. Gegenüber den anderen Mobilitätsformen wurde der Fußverkehr zuletzt tendenziell vernachlässigt. Einige aktuelle Entwicklungen und durch die Stadt Münster initiierte Projekte zeigen aber, dass es verstärkte Bestrebungen gibt, die Angebots- bzw. Auf- enthaltsqualität für den Fußverkehr zu steigern sowie sie stärker in den planerischen Fokus zu nehmen. Dabei lassen sich u. a. folgende Entwicklungen hervorheben: Im Sommer 2021 befasste sich einer von drei Verkehrsversuchen mit der Umge- staltung der Hörsterstraße zu einem autofreien Lebensraum. Für einen Zeitraum von acht Wochen war dort jeglicher Kfz-Verkehr (inkl. ÖPNV) untersagt, stattdes- sen wurde der Raum für den nichtmotorisierten Verkehr attraktiviert und kreativ im Sinne einer Erhöhung der Aufenthaltsqualität genutzt. Auf Basis einer erfolgreichen Bewerbung erhielt die Stadt im Mai 2021 als eine von zwölf Kommunen den Zuschlag zur Teilnahme am sog. „Fußverkehrs -Check NRW 2021“. Im Jahr 2021 wurden dabei bereits der Auftaktworkshop, zwei Vor - Ort-Begehungen sowie der Abschlussworkshop durchgeführt, der Ergebnisbe- richt befindet sich derzeit (Stand: Dezember 2021) in der Erarbeitung. Auf diese Weise sollen die Belange des Fußverkehrs in den Vordergrund gestellt werden und gemeinsam mit der Bevölkerung Potenziale herausgearbeitet werden. Im September 2021 wurde ein „Dialogverfahren zur Neugestaltung des Straßen- raums an der Wolbecker Straße“ durchgeführt, in dem neben der Verbesserung der Radverkehrsinfrastruktur insbesondere auch Möglichkeiten für breitere Fuß- wege und attraktive Aufenthaltsmöglichkeiten thematisiert wurden. Mithilfe dieser beispielhaft aufgeführten sowie weiteren zukünftigen Projekten soll die Qualität des Fußwegenetzes in Münster weiter gesteigert werden. Weil die Nut- zung des Fahrrades allerdings auch für kurze Distanzen bereits tief in der Mobilitäts- kultur von Münster verankert ist, sind die Potenziale für den Modal Shift zu Gunsten des Fußverkehrs als begrenzt anzusehen. Trotz einer großen Popularität des Radver- kehrs in Münster gilt es aber, die Belange des Fußverkehrs bei zukünftigen Planungs- vorhaben weiterhin mitzudenken und so die Wege- bzw. Aufenthaltsqualität und die Verkehrssicherheit für alle Beteiligten bestmöglich zu gestalten. Besonders relevante Bereiche stellen v. a. die Areale mit hoher Nutzungsdichte und einem damit verbun- denen hohen Anteil nicht-motorisierter Wege (Stadtzentrum sowie Stadtteilzentren) © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 69/150 oder auch relevante Zu- und Abgangswege zu den sonstigen Mobilitätsangeboten dar (z. B. ÖV-Haltestellen, Standorte von Sharing-Angeboten oder Mobilstationen). ZWISCHENFAZIT – Fußverkehr Durch hohe Nutzungsdichten im zentralen Bereich der Stadt sowie in den Stadt- teilzentren verfügt Münster als „Stadt der kurzen Wege“ grundsätzlich über ein gutes Angebot und große Potenziale im Fußverkehr. Im Stadtzentrum sorgen weitläufige verkehrsberuhigte Bereiche (v. a. Fußgän- gerzonen) sowie der Promenadenring als äußere Erschließung bereits heute für eine hohe Erschließungs- und Aufenthaltsqualität. Trotz dieser guten Voraussetzung zur Abwicklung eines hohen Wegeanteils über den Fußverkehr weist Münster unterdurchschnittliche Anteile auf. Dies be- gründet sich aber vorrangig in der besonderen Relevanz des Radverkehrs, auch für kurze Relationen. Durch den schon heute hohen Anteil des Radverkehrs zeigen sich immer wie- der Nutzungskonflikte zwischen dem Fuß- und Radverkehr, z. B. durch zuge- stellte Gehwegen (v. a. im Stadtzentrum und verdichteten Wohnquartieren). Im Zuge von Neu- und Überplanungen gilt es daher weiterhin, die Belange aller Verkehrsteilnehmer gemeinsam zu denken sowie Wechselwirkungen zwischen Verkehrsmitteln zu berücksichtigen, um eine hohe Qualität und Verkehrssicher- heit auch im Fußverkehr zu erreichen (d. h. der Straßenraum sollte bei der Pla- nung i. d. R. von außen nach innen gedacht und gestaltet werden.). Aktuelle Vorhaben der Stadt (u. a. Verkehrsversuch im Sommer 2021, Fußver- kehrs-Check, Dialogverfahren) zeigen die Bestrebungen, den Fußverkehr bei künftigen Entscheidungen (wieder) stärker in den Vordergrund zu stellen. 2.5.6 Neue Mobilitätsangebote In diesem Kapitel sollen bestehende „neue Mobilitätsangebote“ dargestellt werden. Dazu zählen neben den klassischen Möglichkeiten des Car- bzw. Bikesharings auch die neuen Mobilitätsformen des E-Scooter- bzw. Tretroller-Verleihs. Im Münsteraner Stadtgebiet werden derzeit etwa 0,6 % aller Wege mit einem sonsti- gen Verkehrsmittel zurückgelegt (vgl. Kapitel 2.4). Die beinhaltet z. B. E-Scooter und Skater; separate Aussagen zu Sharing-Anbietern liegen zurzeit nicht vor und können daher an dieser Stelle nicht bewertet werden. Carsharing Insgesamt befinden sich zum Zeitpunkt der Bestandsanalyse ca. 70 feste Carsharing- Stationen im gesamten Stadtgebiet (siehe Abbildung 34). © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 70/150 Abbildung 34: Verortung fester Carsharing-Standorte im Münsteraner Stadtgebiet. Quelle: PTV Transport Consult GmbH. Anbieter: Innerhalb des Stadtgebietes von Münster gibt es drei öffentliche Car- sharing-Anbieter mit kraftstoffbetrieben Pkw (Stadtteilauto, Flinkster, Stadtmobil) sowie aufgrund der wachsenden Nachfrage nach E-Mobilität auch noch eine Car- sharing-Alternative (Wuddi), die E-Pkw an etwa 33 Standorten mit Ladestationen vermietet. Zudem gibt es zwei private Initiativen (Autonetzer, Tamyca). Zusätzlich gibt es mehrere Autovermietungen (Avis, Sixt, Europcar). Stellplätze: Seit dem Jahr 2021 ist in der Stadt Münster die Anwendung von §18a StrWGNRW in Kraft getreten, welche als Gesetzesänderung die Ausweisung von © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 71/150 Flächen auf max. 8 Jahre zur „Sondernutzung durch Carsharing“ ermöglicht. Eine hohe Nachfrage nach zusätzlichen Stellplätzen besteht seitens der in Münster an - sässigen Anbieter durch Stadtteilauto und Wuddi. Ziel der Anwendung von §18a StrWGNRW ist eine signifikante Erhöhung der Anzahl an Carsharing-Stellplätzen im öffentlichen Raum in Verbindung mit der Ausweisung neuer Standorte, insbe- sondere in den Außenstadtteilen und an Fahrradstraßen. E-Mobilität: Es ist ein grundsätzliches Ziel der Stadt Münster, den Anteil der E- Fahrzeug-Flotte innerhalb der Carsharing-Anbieter zu erhöhen. Damit einherge- hend ist der Ausbau der Ladeinfrastruktur im öffentlichen Raum notwendig. Aus diesem Grund wird der gemeinsame Ausbau der Ladeinfrastruktur für öffentli- ches Laden und Laden von Carsharing-Fahrzeugen gebündelt, um planerische, bauliche und finanzielle Ressourcen gemeinsam zu nutzen. Ziel es der Ausbau von zwei Ladesäulen pro Standort mit insgesamt vier Ladepunkten. Die Umset- zung der Ladepunkte kann dabei z. B. an Mobilstationen oder im öffentlichen Straßenraum geschehen 20. Bikesharing Anbieter: Aufgrund der hohen Fahrradverfügbarkeit sowie der gut ausgebauten Fahrradinfrastruktur in Münsteraner Stadtgebiet, gibt es auch für das Bikesharing mehrere Angebote. Dazu zählen die Anbieter Tretty und Leihleeze und die Rad- station am Münsteraner Hauptbahnhof. Der Anbieter Tretty weist dabei vier feste Stationen und Parkhäuser für den Verleih aus. Der Anbieter Leihleeze fungiert eher als Plattform, bei denen Angebote von privaten und geschäftlichen Anbie- tern gebündelt angezeigt werden können (siehe Abbildung 35 und Abbildung 36). Die Stadt Münster beabsichtigt ebenfalls ein öffentliches Leihradsystem zu etablieren. Die Grundlagenplanungen in Form einer Machbarkeitsstudie sind be- reits abgeschlossen. Im Rahmen einer Vertiefungsstudie werden derzeit weitere betriebliche Details geklärt und die zu erwartenden Kosten anhand einer Varian- tenuntersuchung ermittelt. Nach Abschluss der Vorplanungen soll die Stadtwerke Münster GmbH, die als Anbieterin des Systems gegenüber den Kunden auftreten soll, die Leistungen für den Aufbau und Betrieb des Systems im Rahmen eines Vergabeverfahrens beschaffen. Stellplätze: Die beiden Radstationen am Münsteraner Hauptbahnhof (Berliner Platz und Stubengasse) bieten neben dem Radverleih weitere Angebote (u. a. Abstellmöglichkeiten, Werkstatt-Service, Zubehörverkauf, Schließfächer) an. 20 Stadt Münster: Sachstand E-Ladesäulen-Konzept (V/0312/2021) und Interessensbekundungsverfahren Carsharing (V/341/2021). © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 72/150 Abbildung 35: Verortung fester Bikesharing-Stationen im Münsteraner Stadtzentrum. Quelle: PTV Transport Consult GmbH. Abbildung 36: Verortung von Free-floating Fahrrädern des Anbieters Tretty am 24.11.2021. Quelle: Tretty Bike (www.tretty.de). Besonderheit Lastenräder: Das Lastenrad hat in den letzten fünf Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen. Dabei hat insbesondere die Stadt Münster durch die finanzielle Förderung der Lastenräder zur Verbreitung des Verkehrsmittels beigetragen. Die Förderung galt im Jahr 2020 für Lastenfahrräder und -anhänger und war bereits nach mehreren Monaten vollständig ausgeschöpft. Alleine im Jahr 2020 stieg die Nachfrage daher um fast 40 %. Dabei wird das Rad als Alter- native zum eigenen Auto angesehen, um auch mit Einkäufen oder mit Kindern schnell, unabhängig und umweltfreundlich unterwegs zu sein. Da die Anschaf- fung eines Lastenrades mit höheren Kosten verbunden ist und aus diesem Grund © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 73/150 auch ein sicherer Abstellort wünschenswert ist, gibt es innerhalb des Stadtgebie- tes Münster auch die Möglichkeit, Lastenräder zu mieten. Diese fahren innerhalb des Stadtzentrums mit den Namen Lasse, Lotte, Lemmy oder Lea*Leo im Stadt- zentrum, in Hiltrup begleitet einen außerdem Hiltrud beim Wocheneinkauf. Die Räder lassen sich bei festgelegten Partnern innerhalb des Stadtgebiets ausleihen und anschließend auch wieder zurückbringen. Abbildung 37: Lastenrad Lotte auf der Promenade. Quelle: Lasse – dein Lastenrad für Münster (www.lastenrad-ms.de). Außerdem bietet auch der Anbieter Tretty Lastenräder an (vgl. Abbildung 38). Abbildung 38: Aktuelle Tretty-Verleihstationen im Stadtgebiet Münster. Quelle: Tretty Lastenrad (www.tretty.de/fahrzeug/lastenrad) © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 74/150 Das Ausleihen erfolgt analog zum Ausleihen der Pkw mittels App, ist jedoch stati- onsbasiert. Für die Leihräder gibt es daher feste Leihpunkte, bei denen diese ab- geholt und wieder abgestellt werden müssen. Aktuell gibt es im Münsteraner Stadtgebiet fünf Stationen, diese befinden sich an der Grevener Straße (Norden), am Hauptbahnhof mit den Stationen Engelenschanzen und Bahnhofstraße, am Bremer Platz (Innenstadt) und beim REWE am Hansaring (Osten). Demnach gibt es insbesondere im Westen und Süden noch keine festeingerichteten Stationen . E-Scooter/Tretroller Anbieter: Auch neuere Mobilitätsangebote wie E-Scooter oder Tretroller-Verleih sind in Münster vorhanden. Dazu zählen insbesondere die großen Anbieter Tier (1.900 Scooter) und Lime (1.200 Scooter) und Bolt (1.100 Scooter), weitere Anbie- ter sind Tretty und Sixt. Anbieter wie Voi, Circ und Bird planen die Einführung der Scooter. Die Abbildung 39 zeigt dabei beispielshaft die Rollerverfügbarkeit der Firma Tier innerhalb des Innenstadtgebietes. Probleme: Die Stadt Münster reagiert aktuell auf das Überangebot der Roller und den negativen Begleiterscheinungen wie unkontrolliertes Abstellen u. ä. mit ei- nem Erlass einer Sondernutzungsgebühr in Höhe von 50,-€ pro Jahr und E-Scoo- ter (V/0842/2021). Abbildung 39: Rollerverfügbarkeit der Firma Tier im Innenstadtgebiet. Quelle: Stadtwerke Münster (www.netzplan-muenster.de) © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 75/150 ZWISCHENFAZIT – Neue Mobilitätsangebote Mehrere Carsharing-Anbieter in Münster erlauben eine Auswahl sowie eine gute Angebotsdichte auch für Personen ohne eigenes Kfz. Durch das Sondernutzungs- recht für Carsharing-Angebote können auch die Stellplätze im öffentlichen Raum weiter ausgebaut werden. Dabei spielen vor allem auch die Förderung von E-Mobilität (auch durch den An- bieter Wuddi) sowie der Ausbau der Ladeinfrastruktur eine erhebliche Rolle und sollten zukünftig weiter verstärkt in den Fokus gerückt werden. Mehrere Bikesharing-Anbieter, welche vor allem im freefloating-Prinzip angebo- ten werden, ergänzen das Sharing-Angebot in Münster. Hervorzuheben ist die Radstation sowie das zweite Fahrradparkhaus an der Ostseite am Hauptbahnhof die neben dem Radverleih auch ein großes Fahrradparkhaus sowie eine Repara- turstation beherbergt. Eine Besonderheit ist das Sharing von Lastenrädern, deren Gebrauch in den letz- ten fünf Jahren erheblich zugenommen hat. Die Alternative für Großeinkäufe und Kindertransport ohne eigenen Pkw kann in der Stadtmitte sowie in Hiltrup bei pri- vaten Anbietern sowie im Innenstadtbereich vom Anbieter Tretty ausgeliehen werden. Zudem gibt es einige E-Scooter-Anbieter im Stadtgebiet. Hervorzuheben ist der Anbieter Tier, welcher eine Kooperation mit den Stadtwerken betreibt. Die Fort- setzung der Kooperation ist momentan in Verhandlung. Die Scooter sind dabei im gesamten Stadtgebiet vertreten, die entsprechenden Verbots- und Abstellzo- nen werden in Zusammenarbeit mit der Stadt Münster erarbeitet und umgesetzt. Des Weiteren gibt es aufgrund der Abstellproblematik einen Erlass zur Son- dernutzungsgebühr der Stadt Münster, um auch dem Überangebot entgegenzu- wirken. Die E-Scooter werden dabei vermehrt als alternative Verkehrsmittel des Umwelt- verbundes (Fuß, Rad, ÖPNV) genutzt und ersetzen den MIV kaum. Trotz der Ein- richtung von Verbots- und Abstellzonen, sind die Roller aufgrund des unkontrol- lierten und unorganisierten Abstellens ein Problem in den ohnehin schon knapp bemessenen Seitenräumen. 2.5.7 Intermodalität Um intermodale Mobilität, d. h. die Nutzung unterschiedlicher Verkehrsmittel und ih- rer jeweiligen Systemvorteile für verschiedene Etappen eines Weges, so leicht wie möglich zu machen, ist eine physische, informatorische und möglichst auch vertrieb- lich-tarifliche Verknüpfung verschiedener Verkehrsmittel wichtig. © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 76/150 Abbildung 40: Standort von P+R-/B+R-Anlagen und Mobilstationen im Stadtgebiet von Münster. Quelle: PTV Transport Consult GmbH. Verknüpfung von Pkw und ÖPNV (Park+Ride) In Münster gibt es dreizehn Park+Ride-Anlagen (P+R) mit Umsteigemöglichkeit vom bzw. zum ÖPNV. Diese befinden sich an den sieben SPNV-Haltepunkten im Stadtgebiet – mit Ausnahme des Hauptbahnhofs – sowie in Verbindung mit häufig bedienten Bus- haltestellen an einigen größeren Einfallstraßen in Richtung Innenstadt (vgl. Abbildung © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 77/150 40). Die Stellplatzkapazitäten staffeln sich von kleineren P+R-Anlagen wie am Nien- berge-Häger Bahnhof (14 Stellplätzen) bis zu größeren Anlagen wie am Preußensta- dion (270 Stellplätze). Insgesamt verfügt das Münsteraner P+R-Angebot über eine Ka- pazität von knapp 1.000 Pkw-Stellplätzen.21 Wie in Abbildung 40 erkennbar, gibt es bislang keine P+R-Anlagen auf den Einfallstraßen im östlichen Stadtgebiet (v. a. Wolbe- cker Straße, Warendorfer Straße, Schifffahrter Damm). Innenstadtnahe P+R-Anlagen, wie z. B. der Albersloher Weg, ziehen, entgegen ihrer ursprünglichen Funktion, den Kfz-Verkehr in die Stadt. Im Umfeld des Hauptbahnhofs sowie am Coesfelder Kreuz ste- hen drei größere Parkhäuser mit rd. 1.600 Stellplätzen zur Verfügung, welche nicht offi- zielle als P+R-Anlage ausgewiesen sind. Sie liegen zwar auch sehr innenstadtnah, bie- ten jedoch sehr gute Umsteigemöglichkeiten zum ÖPNV. Ergänzt wird das städtische P+R-Angebot in Münster durch weitere, teilweise in Mo- bilstationen (s. u.) integrierte, P+R-Anlagen an Bahnhöfen und SPNV-Haltepunkten im Umland. Verknüpfung von Fahrrad und ÖPNV (Bike+Ride) Die physische Verknüpfung zwischen Fahrrad und ÖPNV erfolgt an Bike+Ride-Statio- nen (B+R). Am Hauptbahnhof besteht seit 1999 mit der Radstation Münster das größte Fahrradparkhaus Deutschlands. Die Radstation verfügt aktuell über ca. 3.300 Abstell- plätze (siehe Abbildung 41 und Abbildung 42). Angeboten werden Einstellplätze für Tages-, Monats- und Jahresparker sowie persönliche Stellplätze. Auf der Ostseite des Hauptbahnhofs ist ein weiteres Fahrradparkhaus mit ca. 2000 Stellplätzen geplant. Ebenfalls soll ein bestehendes Parkhaus zu einem Mobility Hub, inkl. Fahrradparkhaus mit ca. 3000 Stellplätzen, umfunktioniert werden. Mit Ausnahme der P+R-Station Kappenberger Damm / Hansa-Business-Park sind alle übrigen P+R-Anlagen im Stadtgebiet (s. o.) sowie alle SPNV-Haltepunkte mit Fahr- radabstellmöglichkeiten ausgestattetet und dienen somit als B+R-Stationen. Die Aus- stattung reicht vom einfachen Anlehnbügel bis zu sog. „Leezenboxen“. Um das Um- steigen zwischen Bus und Fahrrad zu fördern, wurden wichtige Bushaltestellen mit Anlehnbügeln ausgestattet. Auch die meisten Bahnhöfe und Haltepunkte an den auf Münster zulaufenden Bahn- strecken sind mit B+R-Stationen ausgestattet und ermöglichen so eine Kombination von Fahrrad und Bahn im Pendler- und Freizeitverkehr. 21 Stadt Münster: Stellplatzangebot an vorhandenen Umsteigeanlagen (Stand: 07/2020) © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 78/150 Abbildung 41: Radstation am Hauptbahnhof (Berliner Platz). Quelle: PTV Transport Consult GmbH. Abbildung 42: Abstellmöglichkeiten in der Radstation am Hauptbahnhof (Berliner Platz). Quelle: PTV Transport Consult GmbH. Verknüpfung von E-Scooter/Tretroller und ÖPNV Das Angebot an E-Scooter/Tretrollern in Münster ist nicht stationsgebunden; insofern gibt es keine Anlagen/Stationen zur physischen Verknüpfung zwischen diesen Ver- kehrsmitteln und dem ÖPNV. © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 79/150 Die Stadtwerke Münster haben eine Kooperation mit dem Anbieter Tier: Für Abo - Kunden entfällt die Freischaltgebühr von 1 €/pro Fahrt, die Fahrtkosten (in Münster) liegen im Normaltarif wie bei Abo-Kunden bei 0,19 € je Minute. Mobilstationen als multimodale Verknüpfungspunkte Mobilstationen sind üblicherweise Verknüpfungspunkte von mindestens drei öffent- lich verfügbaren und/oder privaten Verkehrsmitteln. In Münster sind derzeit zehn P+R-Anlagen als Mobilstation ausgewiesen. Sie entsprechen jedoch größtenteils nicht der üblichen Definition, Ausstattung und Gestaltung einer Mobilstation. Aus diesem Grund hat die Stadt Münster neue Qualitätsstandards für Mobilstationen beschlossen. Als weiterer Baustein wird im Jahr 2022 ein Standortkonzept erarbeitet. Auf Grundlage dieses Standortkonzeptes sollen zunächst Pilotstandorte umgesetzt und schrittweise ein Netz aus Mobilstationen unterschiedlicher Größe und Funktionalität aufgebaut werden. Darüber hinaus soll die Planungsphilosophie bei der Entwicklung von Baugebieten dahingehend angepasst werden, dass Mobilstationen von Anfang an berücksichtigt werden (z. B. Entwicklung der Konversionsflächen York und Oxford). Informatorische Verknüpfung Derzeit ist gibt es noch keine verkehrsmittelübergreifende Mobilitäts-App mit ver- netzten Informationen und Buchungsmöglichkeiten. Lediglich die „münster:app“ bie- tet neben ÖPNV-Informationen und der Möglichkeit, ÖPNV-Tickets online zu kaufen, auch Informationen zu freien Parkplätzen in der Innenstadt. Betreiberübergreifende Tarifangebote und Bezahlmöglichkeiten gibt es bislang ebenfalls nicht. Smart-City-Reallabor und Projekt Reallabor „Mobiles Münsterland“ Die P+R-Anlage und Mobilstation Albersloher Weg / Nieberdingstraße wird im Rah- men des Projekts „Smart-City-Reallabor“ genutzt, um u. a. intelligente Lösungen im Bereich der Mobilitätsinformation (Sensoren, Anzeigen und Technologien) zu testen. Sollte sich der Test bewähren, könnten die intelligenten Lösungen des „Smart-City- Reallabor“ in Quartieren und Mobilstationen zum Einsatz kommen, um multimodale Mobilität mit dem ÖPNV zu erleichtern. Ziel des Projektes Reallabor „Mobiles Münsterland“ ist es, gemeinsam mit den Akteu- ren in der Region neue, auf die konkreten Bedürfnisse der Nutzer ausgerichtete Mo- bilitätformen und -angebote zu entwickeln und vor Ort umzusetzen. Zu den Schwer- punkten gehören neben individuellen Mobilitätsangeboten für die erste/letzte Meile und der Möglichkeit des automatisierten Fahrens u. a. auch die Entwicklung von In- strumenten für eine einfache, digitale Nutzung von Mobilitätsangeboten (intermo- dale Smartphone-App für Information, Buchung, Ticketing und Bezahlung). Da eben- falls innovative Mobilpunkte im Umland von Münster geschaffen werden sollen, hat das Projekt auch große Bedeutung für den Stadt-Umland-Verkehr. © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 80/150 ZWISCHENFAZIT – Intermodalität Park+Ride-Anlagen gibt es an allen Bahnhöfen und SPNV-Haltepunkten im Stadt- gebiet sowie an einigen größeren Einfallstraßen, jedoch nicht im östlichen Stadt- gebiet. Im Umland sind die meisten Bahnhöfe und Haltepunkte mit P+R-Anlagen ausgestattet. Fast alle Park+Ride-Anlagen sind zugleich auch Bike+Ride-Anlagen. Hinzu kommt die große Radstation am Hauptbahnhof mit optimaler Verknüpfung zu Bus und Bahn. Darüber hinaus sind wichtige ÖPNV-Haltestellen mit Anlehnbü- geln für Fahrräder ausgestattet. Die als Mobilstation ausgewiesenen P+R-Anlagen entsprechen meist noch nicht den gängigen Standards. Qualitätsstandards für Mobilstationen wurden jedoch bereits beschlossen und ein Standortkonzept ist in Vorbereitung. Mit ersten Pi- lotstationen soll das neue Konzept schrittweise umgesetzt werden. Eine erste vertriebliche Verknüpfung von ÖPNV und ergänzenden Verkehrsmit- teln gibt es mit der Kooperation zwischen den Stadtwerken Münster und dem E- Scooter-Anbieter Tier. Eine örtliche verkehrsmittelübergreifende Mobilitäts-App zur informatorischen Verknüpfung für multimodale Wegeketten gibt es bislang nicht. 2.6 Erreichbarkeitsanalysen In Ergänzung zur Mobilitätsbefragung (vgl. Kapitel 2.3) und den verkehrsmittelspezifi- schen Analysen erfolgt eine Betrachtung der Raumstruktur und erster Verkehrsbezie- hungen auch über ein sogenanntes Dreiecksnetz. Damit kann unter anderem die Ver- kehrsmittelwahl hinsichtlich der Quell- und Zielverkehre für bestimmte Bezirke sowie das Umland ausgewertet werden. Für den Masterplan Mobilität dient dieses Vorge- hen außerdem dazu, die Hauptrouten des Verkehrs zu filtern sowie die individuellen Gegebenheiten für jedes Verkehrsmittel qualitativ einzuschätzen. Wegebeziehungen im Stadtgebiet Für das allgemeine Verständnis der Raumstruktur enthält die folgende Abbildung 43 zunächst eine Darstellung über die Bevölkerungsdichte (Größe der Kreise) bzw. Ziel- potenziale (Färbung der Zellen) im Stadtgebiet. Letztere dienen im Sinne der Auswer- tung als gemeinsame qualitative Kenngröße, die sich aus wesentlichen Strukturdaten (v. a. Arbeits-, Studien- und Schulplätze) zusammensetzt. In Abbildung 44 bzw. Abbil- dung 45 wird der Gesamteindruck in einer spezifischen Darstellung der Studien - und Arbeitsplätze in Überlagerung mit den entsprechenden Wohnstandorten ergänzt. Gemäß der Statistik der Stadt Münster lag die Bevölkerungsdichte im Jahr 2020 im gesamten Stadtgebiet bei etwa 1.033 EW pro km², wodurch die Stadt im Ver- gleich zu anderen deutschen Großstädten relativ dünn besiedelt ist. Dies ist u. a. auf das weiträumige Stadtgebiet mit vielen ländlichen Gebieten in den © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 81/150 Außenbezirken zurückzuführen (Münster ist flächenmäßig die siebtgrößte Stadt in Deutschland). Hohe Werte ergeben sich daher hauptsächlich in den vier inneren Stadtbezirken. Zudem liegen einzelne Stadtteile im Süden (Hiltrup, Berg-Fidel, Gremmendorf-Ost, Angelmodde), Norden (Coerde, Kinderhaus) bzw. Westen (Gievenbeck, Sentrup, Mecklenbeck) über dem städtischen Durchschnitt. Die Wohnstandorte der Studierenden befinden sich insbesondere in den westli- chen, zentrumsnahen Stadtteilen (Neutor, Sentrup, Gievenbeck) in der Nähe der Hauptstandorte der Universitäten (Überwasser, Schloss, Sentrup). Zusätzlich ver- teilen sie sich auch auf die sonstigen Stadtteile der Innenbezirke (mit Ausnahme der Altstadt), während in den Außenbezirken nur wenige Studierende leben. Die Wohnstandorte der Erwerbstätigen verteilen sich verhältnismäßig gleichmä- ßig über das gesamte Stadtgebiet, vor allem aber auf die Stadtteile nördlich, öst- lich und südlich des Stadtzentrums (mit Ausnahme der Altstadt). Hohe Werte er- geben sich zudem besonders in den äußeren Stadtteilen um Hiltrup und Amels- büren, Gievenbeck, Handorf sowie Wolbeck und Angelmodde. Hohe Zielpotenziale ergeben sich besonders im Bereich des Stadtzentrums, weil dort unterschiedliche Nutzungen (Büro und Handel, Verwaltung, Bildungseinrich- tungen, Kultur usw.) gebündelt werden. Zudem befinden sich bedeutsame Stand- orte der Universitäten westlich des Stadtzentrums. Hohe Zielpotenziale in den Au- ßenbezirken korrelieren mit der Lage der Gewerbestandorte (Hafen, Hiltrup, Lod- denheide, Amelsbüren, Mecklenbeck, Kinderhaus-Ost, Hessenweg und Handorf). Das Verkehrsaufkommen in Münster wird somit nicht zuletzt auch durch die charakte- ristischen Strukturen der Stadt geprägt: Eine Überlagerung mit den hinterlegten Ziel- potenzialen legt nahe, dass die Wohnstandorte der Bevölkerung im Stadtgebiet häu- fig in einer gewissen räumlichen Nähe zu ihren jeweiligen Arbeits- bzw. Ausbildungs- stätten liegen. Darüber lässt sich jedoch nur ein Teil des täglichen Verkehr s erklären. © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 82/150 Abbildung 43: Einwohnerdichte und Zielpotenziale im Stadtgebiet. © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 83/150 Abbildung 44: Studienplätze und Wohnstandorte der Studierenden im Stadtgebiet. © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 84/150 Abbildung 45: Arbeitsplätze und Wohnstandorte der Erwerbstätigen im Stadtgebiet. Um in einem nächsten Schritt lokale Besonderheiten in der Ziel- oder Verkehrsmittel- wahl abzubilden, wird das Dreiecksnetz auf diese Datengrundlage angewendet . Das Netz wurde in PTV Visum auf Basis des bestehenden Verkehrsmodells (vgl. Kapi- tel 2.5.1) erzeugt. Für eine vereinfachende Darstellung der Relationen wurde das tat- sächliche Streckennetz gelöscht und durch geradlinige Verbindungen zwischen den © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 85/150 Bezirksschwerpunkten ersetzt. Diese Verbindungen enthalten jeweils identische Stre- ckeneigenschaften (u. a. unendliche Kapazität, einheitliche Streckengeschwindigkeit) und die Umlegung erfolgt im Bestweg-Verfahren (d. h. gewählt wird der Weg mit der kürzesten Fahrtdauer), um Verkehrsverlagerungen auf Ausweichrouten zu vermeiden. Die Zusammensetzung des Netzes ist dabei insgesamt zufällig, enthält aber sämtliche möglichen Wegebeziehungen und hebt dadurch die wesentlichen Relationen hervor. Die Nachfragematrizen wurden auf dieses „neue“ Streckennetz übertragen. In den folgenden Abschnitten werden exemplarisch einige Relationen über das Drei- ecksnetz ausgewertet. Die dazugehörigen Abbildungen können im Detail auch dem Anhang 6.4 entnommen werden. Die Balkendicke spiegelt die jeweiligen Anteile der betrachteten Verkehrsmittel (MIV, Rad und ÖPNV) wider. Zielverkehre in Richtung des Stadtzentrums: Besonders das Fahrrad, aber auch der ÖPNV spielen als Verkehrsmittel eine wich- tige Rolle. Das Fahrrad wird aufgrund der relativ kurzen Distanzen vor allem (aber nicht ausschließlich) für Wege in den Innenbezirken und dabei in sämtlichen Rich- tungen genutzt. Diesbezüglich dient der Hauptbahnhof als ein wichtiges Ziel, ins- besondere für Wege aus dem südlichen und westlichen Stadtgebiet. Auch im ÖPNV werden zum Teil kürzere Entfernungen (u. a. zwischen Hauptbah n- hof und Universität bzw. in den Innenbezirken), aber besonders weitere Distanzen (aus Außenbereichen) zurückgelegt. Es zeigen sich zudem erste Hauptachsen aus Norden (u. a. Greven), Osten (u. a. Telgte) und Süden (u. a. Hiltrup, Drensteinfurt). Der MIV ist (v. a. wegen lokaler Ein- und Durchfahrtsbeschränkungen in das Stadt- zentrum) im Vergleich von eher untergeordneter Bedeutung. Vor allem aus Osten und Norden ist der Anteil an den Zielverkehren sehr gering (siehe Abbildung 46). Abbildung 46: Zielverkehre zur Ludgeristraße (die tlw. für den MIV befahrbar ist). Kartengrundlage: PTV VISUM, Legende: rot - MIV, grün – Rad, blau – ÖPNV. Einige Bereiche in der Innenstadt sind als Fußgängerzonen ausgewiesen und dür- fen entsprechend nicht bzw. nur teilweise mit Kfz befahren werden. Auch deshalb © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 86/150 ergeben sich Auswirkungen auf die betrachteten Verkehrsmittel (siehe Abbildung 47): Dem Fahrradverkehr kommt in diesem Bereich insgesamt die größte Bedeu- tung zu. Wegen der verkehrlichen Randbedingungen dominiert allerdings natürli- cherweise der Fußverkehr (der jedoch im Modell nicht enthalten ist). Abbildung 47: Zielverkehre zu den Fußgängerzonen in der Innenstadt. Kartengrundlage: PTV VISUM, Legende: rot – MIV, grün – Rad, blau – ÖPNV. Im Stadtzentrum liegen gute Voraussetzungen für die weitere autoarme Umgestal- tung der Innenstadt vor, da der MIV bereits heute eine untergeordnete Bedeutung besitzt (er wird als Gast im Straßenraum „geduldet“) und der Umweltverbund spür- bar priorisiert wird. Dies sollte durch eine stetige Verbesserung der Rahmenbedin- gungen zukünftig weiterverfolgt und ausgeweitet werden. Zielverkehre nach Sentrup (exemplarisch als Standort der Universität): Das Fahrrad spielt als Verkehrsmittel eine wesentliche Rolle. Hohe Radverkehrs- aufkommen bestehen aus allen Richtungen, v. a. in einem Umkreis von ungefähr 2,5 km (u. a. Wohnstandorte der Studierenden bzw. Stadtzentrum) und aus dem Bereich des östlichen Innenstadtrings (u. a. Hauptbahnhof). Die vergleichsweise größte Bedeutung im ÖPNV ergibt sich für die Anreise aus Osten, da die Universität vom Bahnhof umstiegsfrei erreichbar ist. Auch kürzere Verbindungen aus den anderen Richtungen werden teilweise abgedeckt. Gerin - ge Anteile ergeben sich insgesamt aus Süden, Norden und Westen, weil es (bei weiteren Entfernungen) im Regelfall keine umstiegsfreien Verbindungen gibt. Abbildung 48: Zielverkehre zum Universitätsstandort in Sentrup. Kartengrundlage: PTV VISUM, Legende: rot – MIV, grün – Rad, blau – ÖPNV. © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 87/150 Mit Ausnahme der starken, das Stadtzentrum querenden ÖPNV- und Fahrradrela- tionen aus Osten sowie der Wege im direkten Umkreis (Einzugsbereich des Rad- verkehrs) werden viele Verbindungen mit dem MIV zurückgelegt. Das betrifft je- doch zumeist längere Wege, deren Quelle außerhalb des Stadtgebiets liegt. Der überwiegende Teil der alltäglichen Wege für die Studierenden – deren Wohn- standorte bereits bevorzugt im Umfeld der Universität liegen – kann und wird über den Umweltverbund absolviert. Dennoch besteht das Potenzial, die Erreichbarkeit v. a. mit dem ÖPNV (auf Routen abseits des Hauptbahnhofs) weiter zu stärken. Zielverkehre in die Loddenheide (exemplarisch als zentrales Gewerbegebiet): Der ÖPNV ist von untergeordneter Bedeutung. Es besteht lediglich eine größere Verbindung aus dem Stadtzentrum (u. a. Hauptbahnhof). Einzelne Wege erfolgen zudem aus Südosten (Angelmodde) und Nordosten (Sankt Mauritz). Hohe Radverkehrsaufkommen ergeben sich vor allem aus Norden (Stadtzentrum und Sankt Mauritz). Außerdem bestehen Verbindungen aus den unmittelbar süd- lich angrenzenden Stadtteilen auf kurzen Wegen (v. a. Hiltrup und Angelmodde). Abbildung 49: Zielverkehre in die Loddenheide. Kartengrundlage: PTV VISUM, Legende: rot – MIV, grün – Rad, blau – ÖPNV. Der deutlich überwiegende Teil aller Relationen wird hauptsächlich mit dem MIV zurückgelegt. Als Quellen dienen einerseits die umliegenden Stadtteile, aber ins- besondere Gebiete außerhalb des Stadtgebiets (v. a. im Südwesten und Norden). Auf Wegen zu den Gewerbestandorten dominiert (nutzungsbedingt und aufgrund regionaler Verflechtungen) der MIV, zugleich können die z. T. weiten Anreisewege nur begrenzt auf andere Verkehrsmittel verlagert werden. Auf kurzen Wegen wird häufig bereits der Umweltverbund genutzt, dennoch besteht das Potenzial, die Er- reichbarkeit (z. B. mit Shuttle-Bussen in Hauptverkehrszeiten) weiter zu stärken. De- fizite in der Erreichbarkeit mit dem ÖPNV bestehen v. a. aus südlicher Richtung. © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 88/150 Quellverkehre aus Handorf (als dezentrales Wohn- und Gewerbegebiet): Das Fahrrad wird besonders auf kürzeren Wegen innerhalb des gesamten Stadt- bezirks bzw. zu benachbarten Stadtteilen in Richtung Norden sowie Westen ge- nutzt. Auch auf Wegen zur Stadtmitte ergeben sich noch nennenswerte Anteile. Auf längeren Relationen, d. h. vor allem auch für Beziehungen zur Stadtmitte ge- winnt der ÖPNV gegenüber dem Fahrrad zunehmend an Bedeutung. Für Wege- beziehungen in Richtung Nord und Süd wird der ÖPNV nahezu nicht genutzt. Ein großer Teil der Relationen erfolgt auch hier überwiegend mit dem MIV. Dies betrifft u. a. Wege in Richtung Loddenheide, Wolbeck, Zentrum-Nord und Hiltrup bzw. auch in westlich gelegene Stadtteile wie Gievenbeck und Mecklenbeck. Für all diese Relationen sind weder der Radverkehr noch der ÖPNV relevant. Abbildung 50: Quellverkehre aus Handorf. Kartengrundlage: PTV VISUM, Legende: rot – MIV, grün – Rad, blau – ÖPNV. Ein großer Teil der alltäglichen Wege aus den Außenbezirken wird (u. a. aufgrund der ländlichen Raumstruktur) vor allem im MIV zurückgelegt. Das Fahrrad dient fü r kurze Wege, der ÖPNV bedient vorwiegend die direkte Relation ins Stadtzentrum. Wegebeziehungen aus dem Umland Im Folgenden werden exemplarisch einige Relationen mit dem Dreiecksnetz ausge- wertet, die aus dem Umland (d. h. aus benachbarten Gemeinden) in das Stadtgebiet führen. Die Abbildungen können erneut auch aus Anhang 6.4 entnommen werden. Insgesamt ist der Radverkehr für diese Wegebeziehungen (wegen der vergleichswei - se größeren Entfernungen) von untergeordneter Bedeutung (vgl. Kapitel 2.5). Daher wird in den folgenden Abschnitten auf eine separate Auswertung verzichtet. Quellverkehre aus Richtung Norden Größere Relationen bestehen für diesen Teil des Untersuchungsgebiets vor allem aus Richtung Steinfurt und Greven. Mit dem ÖPNV ist die Stadt aus beiden Gebie- ten über schienengebundene Verbindungen erreichbar. Zentrale Achsen für den MIV sind die B54 (aus Steinfurt) sowie die B481 und L587 (aus Greven). © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 89/150 Die Hauptrouten des ÖPNV führen insbesondere zu Zielen im Bereich des Stadt- zentrums (u. a. Bahnhof, Universität, Innenstadt). Relevante Anteile aus Greven er- geben sich zusätzlich in südlichere Stadtbereiche wie Hafen und Hiltrup. Ziele im Osten bzw. Westen der Stadt werden in der Regel nicht mit dem ÖPNV erreicht. Vergleichsweise höhere Verkehrsmittelanteile im ÖPNV (26 %) resultieren für die Relation aus Greven (ca. 15 min Fahrzeit zum Hbf, Taktung alle 20 min). Aus Stein- furt erfolgen nur wenige ÖV-Wege (12 %), insgesamt überwiegt jeweils der MIV. Abbildung 51: Quellverkehre aus Greven. Kartengrundlage: PTV VISUM, Legende: rot – MIV, grün – Rad, blau – ÖPNV. Die Verteilung der Verkehre, die vom Umland in das Stadtgebiet einfahren, erfolgt (aus allen Richtungen) im MIV natürlicherweise zielgerichteter als im ÖPNV, d. h. es werden hauptsächlich Randbereiche des Zentrums sowie dezentrale Stadtgebiete erschlossen, während sich der ÖPNV auf das Stadtzentrum konzentriert. Wichtige Relationen bestehen zu den Gewerbestandorten im Süden (v. a. Loddenheide) so- wie Nordosten (v. a. Handorf, Hessenweg, Kinderhaus-Ost). Quellverkehre aus Richtung Osten Wesentliche Relationen bestehen für diesen Teil des Untersuchungsgebiets vor allem aus Westbevern, Telgte, Everswinkel und Albersloh. Hier sind für die zwei erstgenannten jeweils schienengebundene bzw. für Everswinkel straß engebun- dene ÖV-Verbindungen (Schnellbus S20) nach Münster vorhanden. Aus Albers- loh gibt es kein nennenswertes Angebot. Zentrale Achsen für den MIV sind die B51 (Telgte), die L793 (Everswinkel) und die L586 (Albersloh). Die Hauptrouten des ÖPNV führen meist ausschließlich in Richtung Bahnhof. Au- ßerdem besteht eine wichtige Relation aus Telgte in Richtung Universität. Zu Zie- len im Norden und Süden der Stadt wird der ÖPNV nur selten genutzt. © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 90/150 Hohe Verkehrsmittelanteile im ÖPNV resultieren besonders für ebendiese Verbin- dung aus Telgte (30 %, ca. 13 min Fahrzeit zum Hbf, Taktung alle 30 min), jedoch ebenso aus Westbevern (33 %, ca. 10 min Fahrzeit zum Hbf, Taktung alle 30 min). Auch aus Everswinkel werden noch einige Wege im ÖPNV zurückgelegt (29 %). Abbildung 52: Quellverkehre aus Westbevern. Kartengrundlage: PTV VISUM, Legende: rot – MIV, grün – Rad, blau – ÖPNV. Abbildung 53: Quellverkehre aus Telgte. Kartengrundlage: PTV VISUM, Legende: rot – MIV, grün – Rad, blau – ÖPNV. Im MIV werden vorwiegend die zentrumsnahen Stadtteile mit hohen Zielpotenzia- len (Innenbezirke) erreicht. Zudem bestehen (v. a. aus Telgte, Albersloh) einzelne Relationen in Richtung Universität. Im ÖPNV besteht eine nennenswerte Nachfrage ausschließlich auf den Verbindungen zum Hauptbahnhof und zur Universität. Quellverkehre aus Richtung Süden Wesentliche Relationen bestehen für diesen Teil des Untersuchungsgebiets vor allem aus Ascheberg bzw. Drensteinfurt. Mit dem ÖPNV ist Münster aus beiden Gebieten über schienengebundene Verbindungen erreichbar. Die wesentliche Achse für den MIV ist insbesondere die A1 (im weiteren Verlauf B51 und B54). © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 91/150 Die ÖPNV-Verbindungen aus beiden Gebieten führen (durch die Bahnanschlüs - se) fast ausschließlich in Richtung Bahnhof sowie vereinzelt zur Altstadt. Höhere Verkehrsmittelanteile im ÖPNV resultieren besonders für die Relation aus Drensteinfurt (33 %, etwa 15 min Fahrzeit zum Hbf, Taktung alle 20 min). Auch aus Ascheberg erfolgen einige Wege im ÖPNV (22 %), insgesamt überwiegt der MIV. Abbildung 54: Quellverkehre aus Drensteinfurt. Kartengrundlage: PTV VISUM, Legende: rot – MIV, grün – Rad, blau – ÖPNV. Im MIV werden vorwiegend die zentrumsnahen Stadtteile mit hohen Zielpotenzia- len im Süden und Westen erreicht, so dass eine Querung / Umfahrung des Stadt - zentrums nur in Ausnahmefällen erforderlich ist. Im ÖPNV ergibt sich die einzige nennenswerte Nachfrage strukturbedingt auf Verbindungen zum Hauptbahnhof. Quellverkehre aus Richtung Westen Wesentliche Relationen bestehen für diesen Teil des Untersuchungsgebiets vor allem aus Dülmen, Havixbeck und Senden. Mit dem ÖPNV ist die Stadt aus den zwei erstgenannten jeweils über schienengebundene und aus Senden über stra- ßengebundene ÖV-Verbindungen (Schnellbus S90/X90) zu erreichen. Die zent- rale Achse für den MIV ist die A43 bzw. B51 (v. a. Senden, Dülmen). Die Hauptrouten des ÖPNV führen insbesondere zur Universität (aufgrund ihrer räumlichen Lage) und zum Bahnhof. Für Ziele im Norden, Osten und Süden der Stadt wird der ÖPNV nahezu nicht genutzt. Höhere Verkehrsmittelanteile im ÖPNV liegen besonders für die Verbindung aus Senden (21 %, etwa 25 min in Richtung Hbf, Taktung alle 30 min) vor. Aus Havix- beck gibt es ebenso einige Wege im ÖPNV (19 %), insgesamt ist der MIV jedoch jeweils von wesentlich größerer Bedeutung. © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 92/150 Abbildung 55: Quellverkehre aus Havixbeck. Kartengrundlage: PTV VISUM, Legende: rot – MIV, grün – Rad, blau – ÖPNV. Abbildung 56: Quellverkehre aus Senden. Kartengrundlage: PTV VISUM, Legende: rot – MIV, grün – Rad, blau – ÖPNV. Die Verteilung der Verkehre, die vom Umland in das Stadtgebiet einfahren, erfolgt im MIV zielgerichteter als im ÖPNV, d. h. es werden neben den Innenbezirken ins- besondere dezentrale Stadtgebiete im Norden, Westen und Osten erschlossen (u. a. Loddenheide, Roxel und Mecklenbeck). Im ÖPNV ergibt sich eine nennenswerte Nachfrage auf den Verbindungen zum Hauptbahnhof und zur Universität. © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 93/150 2.7 Stärken und Schwächen des Mobilitätssystems Die Identifizierung von Stärken und Schwächen, aber auch Chancen und Risiken des Mobilitätssystems (die durch die gegebenen Rahmenbedingungen für die einzelnen Verkehrsmittel definiert werden) dient als eine zentrale Grundlage für die darauf auf- bauende Ziel- und Maßnahmenentwicklung. Diesbezüglich ist eine sog. „SWOT-Ana- lyse“ ein etabliertes Werkzeug. Das Akronym steht für „Strengths“ (Stärken) – „Weak- nesses“ (Schwächen) – „Opportunities“ (Chancen) und „Threats“ (Risiken). Hierzu wer- den in den folgenden Tabellen, unter Zuhilfenahme der Ergebnisse aus den vorheri- gen Kapiteln, einige Ergebnisse auf übergeordneter Ebene zusammengetragen. Zur Visualisierung wird die farbliche Unterteilung nach Verkehrsmittel bzw. Mobilitätsan- gebot (die teilweise bereits in vorherigen Kapiteln enthalten ist) aufgegriffen: Motorisierter Individualverkehr (MIV, rot) Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV, blau) Radverkehr (grün) Fußverkehr (gelb) Neue Mobilitätsangebote (violett) Intermodalität (orange) Allgemein gilt es aber zu erwähnen, dass sich die Stadt Münster in Bezug auf das Mo- bilitätssystem insgesamt bereits auf einem Niveau befindet, das in den Mobilitätskon- zepten für die meisten anderen (deutschen) Städte zunächst als Zielzustand definiert wird. Die genannten Schwächen und Risiken sind unter diesem Gesichtspunkt daher explizit im Gesamtzusammenhang zu verstehen, denn zumeist sind die damit verbun- denen Potenziale in der Stadt bereits bekannt und es wurden schon in den vergange- nen Jahren weitere positive Entwicklungen angestoßen (vgl. u. a. Kapitel 2.5). Nichts- destotrotz erfordern ergänzende Optimierungen in einem gut funktionierenden Ver- kehrssystem entsprechend umfangreiche Maßnahmen (z. B. MetroBus, On-Demand- Shuttles, Mobilstationen). Dies gilt besonders für die bereits definierten Teilziele zur weiteren Reduktion des MIV, die teilweise mit gegensätzlichen Vorhaben verbunden sind. Große Veränderungen, deren Auswirkungen zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht belastbar einzuschätzen sind, resultieren auch aus der Corona-Pandemie: Es gilt, die damit verbundenen Chancen für die „Post-Corona-Zeit“ neu zu bewerten und sie mit den Zielen des Masterplans Mobilität zu verschneiden, um mögliche Effekte (wie z. B. vermehrtes Home-Office) bestmöglich berücksichtigen zu können. © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 94/150 Stärken/Chancen Schwächen/Risiken Private Pkw-Dichte und Kfz-Bestand in Müns- ter sind wesentlich geringer als der Bundes-, NRW- und Münsterlanddurchschnitt (bei ins- gesamt auch geringeren Steigerungsraten). Durch die Gegebenheit als Einpendler-Stadt ergibt sich insgesamt ein hohes Kfz-Verkehrs- aufkommen (v. a. auf den Hauptverkehrsstra- ßen) im Münsteraner Stadtgebiet. Flächendeckende Verkehrsberuhigung (v. a. Tempo-30-Zonen) für alle größeren und zu- sammenhängenden Wohngebiete in der In- nenstadt und in den äußeren Stadtteilen. Freie Handlungsspielräume werden zur För- derung des Umweltverbundes genutzt (u. a. Verkehrssicherheit, Leistungsfähigkeit, Aus- stattung); deshalb geht die positive Entwick- lung im Kfz-Verkehr insgesamt oft unter. Das Kfz-Verkehrsaufkommen sowie die damit verbundene Schadstoffbelastungen waren in den vergangenen Jahren tendenziell rückläu- fig, trotz einer wachsenden Bevölkerung. Geringe Bevölkerungsdichte sowie ländliche Raumstruktur im Münsterland erschwert den Wandel weg vom privaten Pkw-Besitz. Der Anteil des MIV an den Wegen der Müns- teraner Bevölkerung liegt im Vergleich zu an- deren deutschen Großstädten auf einem ins- gesamt geringen Niveau. Eine entsprechend größere Bedeutung hat der Umweltverbund auf alltäglichen Wegen. Verlagerung von MIV-Wegen auf andere Ver- kehrsmittel ist nur eingeschränkt möglich, da der MIV trotz des geringen Wegeanteils den größten Teil der Verkehrsleistung erbringt. Bestrebung der Stadt hinsichtlich einer (weite- ren) Verkehrsverlagerung zu Gunsten des Um- weltverbunds; eine Förderung der Nahmobili- tät geht teilweise aber zu Lasten des MIV (z. B. reduzierte Leistungsfähigkeit zu Gunsten der Verkehrssicherheit im Rad- und Fußverkehr). Dichtes Straßennetz mit einer hohen regiona- len sowie überregionalen Erreichbarkeit (v. a. über A1, A43, B51, B54, B481) bei einer Bün- delung von (inner-)städtischen Verkehren im Hauptstraßennetz (v. a. über Ringstraßen und sternförmig zulaufende Hauptachsen). Bestehende Verkehrsinfrastrukturen stoßen in Teilen an ihre Leistungsfähigkeitsgrenze (u. a. Ludgeriplatz, Bahnhofstraße, Wolbecker Stra- ße, Steinfurter Straße, Albersloher Weg sowie Hafenstraße). Bestehende Verkehrsinfrastrukturen ermögli- chen aufgrund von gewachsenen Strukturen keine adäquaten Nutzungsmöglichkeiten (da- durch ergeben sich Wechselwirkungen zu an- deren Verkehrsmitteln, v. a. dem ÖPNV). Sternförmige Hauptachsen verbinden die Re- gion und einzelne äußere Stadtteile (u. a. Hil- trup, Angelmodde) mit dem Stadtzentrum. Die Hauptachsen werden von Pendler- bzw. Durchgangsverkehren dominiert (u. a. mehr als 40 % der Pendler über B51 und B54) und sind in den Spitzenstunden überlastet. Die Gewerbe- und Industriegebiete sind (v. a. über die B51) gut an das übergeordnete Ver- kehrsnetz angebunden. Innerstädtisch erfolgt die Feinverteilung über das klassifizierte Straßennetz (zunächst haupt- sächlich über die beiden Ringstraßen). Der äußere Ring ist zwischen Weseler Straße sowie Hauptbahnhof nicht geschlossen (Aus- weichverkehre v. a. über den Ludgeriplatz). Perspektivisch ergeben sich zunächst ggf. zu- sätzliche Einschränkungen wegen der vorge- sehenen Entlastung des Stadtzentrums durch die Verlagerung des Kfz-Verkehrs auf den äu- ßeren Ring. Tabelle 5: SWOT-Analyse im MIV. © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 95/150 Stärken/Chancen Schwächen/Risiken Hohe Erschließungswirkung und dichtes Hal- testellennetz, v. a. in der Innenstadt bzw. ent- lang der ÖPNV-Achsen. Z.T. unattraktiv lange Zugangszeiten zu Bus- haltestellen und Erschließungslücken, v. a. in dünn besiedelten Bereichen / Stadtrandlagen. Häufig umsteigefreie Direktverbindungen mit dem Stadtbus in die Innenstadt und zwischen vielen Stadtteilen bzw. -quartieren. Verringerte Reisegeschwindigkeit im ÖPNV durch eine Vermischung von Erschließungs- und Verbindungsfunktion beim Stadtbus. Priorisierungsmaßnahmen reichen für Fahr- planstabilität / Pünktlichkeit noch nicht aus. Ergänzung des SPNV im Stadt-Umland-Ver- kehr über schnelle Regionalbuslinien. Starke Verkehrsbelastung der Altstadt durch dichte Fahrzeugfolge der Busse. Dichte Taktfolge sowie hohe Beförderungska- pazitäten auf nachfragestarken ÖPNV-Achsen im Stadtgebiet durch Überlagerung mehrerer Linien (Stadtbus und Regionalverkehr) Entlastung der Altstadt von Busverkehr stößt ggf. auf geringe Akzeptanz der ÖPNV-Nutzer. Fehlen einer leistungsfähigen Straßen- oder Stadtbahn schränkt Möglichkeiten zur Auswei- tung der Beförderungskapazitäten ein. Zahlreiche Umsteigemöglichkeiten zwischen städtischem und regionalem ÖPNV über ver- teilte Verknüpfungspunkte (u. a. Hbf., Lud- geriplatz, übrige SPNV-Halte im Stadtgebiet) Unübersichtliche Gestaltung der zentralen Verknüpfungspunkte Hauptbahnhof und Lud- geriplatz mit z. T. langen Umsteigewegen. Starke Nachfrageschwankungen zwischen Sommer- und Wintermonaten mit Überlas- tungstendenzen im Winter. On-Demand-Pilotprojekt (LOOP) als Einstieg in neue Dimension der ÖPNV-Qualität. Fahrerbesetzte On-Demand-Verkehre mit ÖPNV-Tarif sind eine vergleichsweise teure Alternative zum konventionellen Linienbus. Einheitlicher Westfalen-Tarif in Bus und Bahn sowohl in der Stadt als auch im Stadt-Umland- Verkehr senkt Nutzungshemmnisse im ÖPNV. Verbesserungen bei Angebot und Qualität im ÖPNV erhalten gesellschaftlich einen zuneh- mend höheren Stellenwert. Barrierefreier Ausbau des ÖPNV noch nicht abgeschlossen. Nutzung der Möglichkeiten der Digitalisie- rung für zeitgemäße Informations- und Ver- triebsangebote (u. a. münster:app) Potenziale der Digitalisierung in Bezug auf in- termodale Fahrgastinformation bzw. intermo- daler Vertrieb noch nicht ausgeschöpft. Attraktivierung des ÖPNV durch Maßnahmen zur ÖPNV-Beschleunigung. Verbesserungen im Radverkehr verschärfen den Wettbewerb mit dem städtischen ÖPNV. Flächenverfügbarkeit und zunehmende Flä- chenkonkurrenz erschweren die Umsetzung von ÖPNV-Priorisierungsmaßnahmen. Projekt „S-Bahn Münsterland“ als perspektivi- sche Verbesserung des Stadt-Umland-Ver- kehrs. Geringe Bevölkerungsdichte sowie ländliche Raumstruktur erschwert den Verzicht auf priva- ten Pkw, auch für Wege in die Stadt Münster. Kontinuierliche Umstellung der städtischen Busflotte auf E-Fahrzeuge als ein Beitrag zur Lärm- / Schadstoffreduzierung im Verkehr. Tabelle 6: SWOT-Analyse im ÖPNV. © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 96/150 Stärken/Chancen Schwächen/Risiken Durch die konsequente Förderung sowie die Raumstruktur bestehen (mittlerweile) nahezu ideale Rahmenbedingungen (u. a. flächende- ckendes Radnetz, flache Topografie, fahrrad- begeisterte und -sensibilisierte Bevölkerung, hoher Studierendenanteil). Der hohe Radverkehrsanteil spiegelt sich ent- lang der gewachsenen Stadtstrukturen in Tei- len nicht in der Straßenraumgestaltung wider; der Infrastrukturausbau hält somit mit der tat- sächlichen Verkehrsnachfrage nicht Schritt. Herausforderung beim Modal-Shift: Eine Kon- kurrenz besteht v. a. zwischen Rad und ÖPNV (mittlere Distanz) bzw. zwischen Rad und Fuß (kurze Distanz); eine weitere Förderung geht also kaum zu Lasten des Kfz-Verkehrs. Die Leistungsfähigkeiten für den Kfz-Verkehr wurden an Knotenpunkten bzw. Streckenab- schnitten zu Gunsten der Sicherheit von Rad- fahrern (und Fußgängern) deutlich reduziert. Zusätzlicher Handlungsbedarf bei etwa 1.200 bis 1.300 verunfallten Radfahrern pro Jahr (im Vergleich zu ca. 150 verunfallten Kfz-Fahrern). Möglichkeiten in Bezug auf die Verbesserung des Fahrradparkens werden u. a. innerhalb ei- nes integrierten Parkraumkonzepts erarbeitet. Es finden sich schätzungsweise bis zu 50.000 „Schrotträder“ im Stadtgebiet, die die vorhan- denen (aber ggü. dem tatsächlichen Fahrrad- bestand begrenzten) Abstellkapazitäten des öffentlichen Raums zusätzlich belegen. Die weitere Verbesserung des Angebots für den Radverkehr erhält zuletzt vermehrte Auf- merksamkeit; perspektivisch zeigen sich ggf. weitere Potenziale aus der Verlagerung des Kfz-Verkehrs auf den äußeren Ring. Die Fahrradverfügbarkeit und -nutzung liegt wesentlich über dem Landesdurchschnitt. Der Radverkehr ist trotz der fahrradaffinen Be- völkerung nur für einen geringen Teil der Ver- kehrsleistung verantwortlich; benötigt werden also nicht mehr Räder, aber die Voraussetzun- gen dafür, dass v. a. längere Wege insgesamt häufiger mit dem Rad zurückgelegt werden. Hohe Radverkehrsanteile auf kurzen Strecken (bis etwa 5 km) innerhalb des Stadtgebiets. Bündelung des Kfz-Verkehrs im Hauptstraßen- netz und flächendeckend Tempo-30 in Wohn- gebieten; dadurch Verkehrsberuhigung bzw. verträgliche Verkehrsbelastungen. Konflikte (zw. Fuß- und Rad- bzw. zw. Kfz- und Radverkehr) v. a. im Seitenraum der zentralen Verkehrsachsen führen zu Defiziten bezüglich Verkehrssicherheit und -fluss: Falschparkende Kfz auf den Radwegen Abgestellte Fahrräder auf dem Gehweg Tlw. unterdimensionierte Radinfrastruktur Hohe Qualitätsstandards für Fahrradstraßen, die stetig im Stadtgebiet umgesetzt werden. Promenade als autofreier „Verteilerring“ stellt ein qualitativ hochwertiges Angebot dar; dort werden Verkehre zwischen Stadtzentrum und äußeren Stadtteilen gebündelt und innerhalb des untergeordneten Netzes feinverteilt. Die Querungsstellen der Promenade sind ein Begegnungsschwerpunkt zwischen Rad- und Kfz-Verkehr. Überwiegend (u. a. Ludgeristra- ße) sind Radfahrer rechtlich nicht bevorrech- tigt (faktisch sind Kfz jedoch sensibilisiert). Entwicklung von insgesamt 14 sternförmigen Velorouten als komfortable, direkte und ver- kehrssichere Verbindungen aus dem Umland über die Außenstadtteile bis zur Promenade. Wegen der ländlichen Raumstruktur ergeben sich verhältnismäßig weitere Entfernungen in Richtung der benachbarten Städte: Geringe Bedeutung des Radverkehrs im regionalen Verkehr Bislang i. d. R. keine separate Infrastruktur für den Radverkehr entlang der Achsen Tabelle 7: SWOT-Analyse im Radverkehr. © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 97/150 Stärken/Chancen Schwächen/Risiken Der Fußverkehr wird innerhalb des Promena- denrings weitgehend priorisiert. Verhältnismäßig geringer Fußverkehrsanteil im Modal Split bezogen auf das Stadtgebiet Münsters. Hohe Nutzungsdichten im Stadtzentrum und in einzelnen Stadtteilen sorgen für kurze We- ge sowie entsprechend große Potenziale in diesen Teilen des Stadtgebiets. Zusammenhängende verkehrsberuhigte Be- reiche mit hoher Attraktivität im zentralen Be- reich (Prinzipal- und Roggenmarkt, Domplatz, Ludgeri- und Salzstraße, Stubengasse, Windt- horststraße, Promenadenring). Nutzungskonflikte zwischen Fuß- und Radver- kehr v. a. in den Seitenräumen des Stadtzent- rums: Beeinträchtigungen der Fußwegeinfra- struktur durch den hohen Radverkehrsanteil, die sich u. a. auf die Verkehrssicherheit bzw. die Aufenthaltsqualität auswirken: abgestellte Fahrräder auf dem Gehweg Tlw. unterdimensionierte Seitenräume Bündelung des Kfz-Verkehrs im Hauptstraßen- netz und flächendeckend Tempo-30 in größe- ren Wohngebieten; dadurch Verkehrsberuhi- gung und verträgliche Verkehrsbelastungen. Aktuelle Vorhaben wie die Verkehrsversuche im Sommer 2021 und die Teilnahme am Fuß- verkehrs-Check NRW zeigen die vorhandene Dynamik in der Weiterentwicklung der Ange- bote für den Fußverkehr (in Zusammenarbeit mit der Münsteraner Bevölkerung). Herausforderung beim Modal-Shift: Eine Kon- kurrenz besteht v. a. zum Radverkehr auf kur- zen Distanzen; die Förderung geht demnach kaum zu Lasten des Kfz-Verkehrs (möglich z. B. über eine Umverteilung von Parkflächen). Die Leistungsfähigkeiten für den Kfz-Verkehr wurden an Knotenpunkten bzw. Streckenab- schnitten zu Gunsten der Sicherheit von Fuß- gängern (und Radfahrern) deutlich reduziert. Gefahr der Vernachlässigung der Belange des Fußverkehrs auch wegen eines hohen Radver- kehrsanteils (schon auf kurzen Relationen). Neue öffentliche Räume mit einer hohen Auf- enthaltsqualität werden im Sinne einer allge- meinen Förderung des Fußverkehrs erschlos- sen (z. B. Hanse-Carré, Kiffe-Pavillon). Der Fußverkehr wurde ggü. den anderen Mo- bilitätsformen zuletzt tendenziell vernachläs- sigt (daher insg. geringe Datengrundlage). Tabelle 8: SWOT-Analyse im Fußverkehr. © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 98/150 Stärken/Chancen Schwächen/Risiken Mehrere Anbieter sowohl beim Car- als auch beim Bikesharing schaffen ein gutes Angebot und sind damit eine verlässliche Alternative für den eigenen Pkw. Die Förderung der Elektromobilität durch das Sondernutzungsrecht von Carsharing-Stell- plätzen, den Ausbau der öffentlichen Ladeinf- rastruktur sowie die Etablierung eines Anbie- ters mit elektrisch betriebenen Pkw fördern die positive Entwicklung der E-Mobilität. Das Laden sollte nicht nur im öffentlichen, sondern vor allem auch im halböffentlichen (Unternehmen etc.) und privaten Raum geför- dert werden, um langfristig Alternative zu schaffen und den Straßenraum umzugestal- ten. Vorhandene, größere Radstationen, wie bei- spielsweise am Hauptbahnhof, bieten neben Stellplätzen auch Reparaturservices sowie ei- nen Radverleih an. Der Verleih von Lastenrädern kann gerade Fa- milien ohne eigenen Pkw Entlastung bringen und somit eine Chance auch in den Stadttei- len außerhalb des Innenstadtbezirks sowie von Hiltrup sein. E-Scooter als Alternative zum Fahrrad und zu Fuß gehen besonders auf kurzen Wegestre- cken und als „schnelle Alternative zwischen- durch“. E-Scooter ersetzen die Wege mit dem Um- weltverbund und können daher nur eine Er- gänzung des Umweltverbundes aber keine Al- ternative zum Pkw sein. Trotz der Einrichtung von Verbots- und Ab- stellzonen, sind die Roller aufgrund des un- kontrollierten und unorganisierten Abstellens häufig in der Kritik. Tabelle 9: SWOT-Analyse für neue Mobilitätsangebote. © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 99/150 Stärken/Chancen Schwächen/Risiken P+R-Anlagen an allen Bahnhöfen/SPNV-Halte- punkten im Stadtgebiet sowie teilweise an größeren Einfallstraßen. Durchgängiges P+R-Standortkonzept mit P+R-Anlagen an allen wichtigen Einfallstraßen in die Stadt fehlt (v. a. aus Richtung Osten). B+R/P+R-Anlagen auch an vielen SPNV-Stre- cken im Umland. Erste Mobilstationen als intermodale Schnitt- stelle von mindestens drei Verkehrsmitteln bereits (seit längerer Zeit) umgesetzt. Vorhandene Mobilstationen entsprechen in funktionaler und gestalterischer Hinsicht nicht mehr aktuellen Anforderungen, bieten zu we- nige Verknüpfungen innerhalb des Umwelt- verbundes, sind teilweise in schlechter Lage (z. B. B54) und/oder bieten insgesamt geringe Kapazitäten. Potenziale durch Ausbau/Umgestaltung der bestehenden Mobilstationen und Ausweitung des Stationsnetzes entsprechend der aktuel- len Planungen der Stadt Münster (Qualitäts- standards und Standortkonzept). Neue Standorte für Mobilstationen in attrakti- ver Lage können an starker Flächenkonkur- renz scheitern. Verbesserung der verkehrsmittelübergreifen- den Informationsvernetzung mit dem Projekt "Smart-City-Reallabor" (Bsp. Mobilstation Nie- berdingstraße). Keine verkehrsmittelübergreifenden Informa- tions- und Vertriebsangebote, keine multimo- dale bzw. intermodale Reiseplanungs-App. Kooperation mit dem Projekt „Reallabor Mo- biles Münsterland“ für neue, intermodale Lö- sungen im Stadt-Umland-Verkehr. Insgesamt mangelnde Kooperationsbereit- schaft der Mobilitätsanbieter für intermodale Vertriebslösungen. Tabelle 10: SWOT-Analyse der Intermodalität. © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 100/150 Zusammengefasst ergeben sich aus dieser Auswertung die folgenden, zentralen Stär- ken, Schwächen, Chancen und Risiken für die einzelnen Verkehrsmittel: Abbildung 57: Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken im MIV (SWOT-Analyse). Abbildung 58: Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken im ÖPNV (SWOT-Analyse). Chance – Opportunity Rückläufiges Kfz-Verkehrs- aufkommen im Stadtgebiet als Chance für die Generie- rung von zusätzlichen Hand- lungsspielräumen. Schwäche – Weakness Vorhandene Infrastrukturen befin- den sich in den Spitzenstunden an ihrer Leistungsfähigkeitsgren- ze; Die Hauptachsen werden zu diesen Zeiten v. a. von Pendlern genutzt, was andere Verkehre ins nachgeordnete Netz verdrängt. Stärke – Strength Ein gut ausgebautes, dichtes Straßennetz mit (über)regio- nalen Anbindungen sowie Bündelung der Kfz-Verkehre auf den Hauptachsen. Risiko – Threat Förderung der Nahmobilität zu Lasten des MIV; Zur Siche- rung der Erreichbarkeit soll- ten Hauptachsen weiter vor- ranging für den Kfz-Verkehr ausgebaut sein und diesen im Stadtgebiet bündeln. Motorisierter Individualverkehr (MIV) Chance – Opportunity Erfahrungen mit Pilotprojek- ten und digitalen Lösungen sowie der Wandel des ge- sellschaftlichen Klimas lassen sich nutzen, um den ÖPNV zukunftsorientiert / bedarfs- gerecht weiterzuentwickeln. Schwäche – Weakness Funktionale Vermischung von Erschließungs- und Verbindungsfunktion senkt die Reisegeschwindigkeit und verschlechtert die Konkurrenzsituation ge- genüber MIV und Rad. Stärke – Strength Gutes und vernetztes ÖPNV- Grundangebot mit flächen- deckender ÖPNV-Bedien- ung und angebotsorientier- ter Linien- und Taktdichte. Risiko – Threat Infrastrukturausbau sowie Angebotsverbesserungen im ÖPNV verschärfen die Flächenkonkurrenz um den öffentlichen Raum. Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 101/150 Abbildung 59: Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken im Radverkehr (SWOT-Analyse). Abbildung 60: Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken im Fußverkehr (SWOT-Analyse). Chance – Opportunity Die Konzeptionierung und Entwicklung der Velorouten erschließt derzeit kaum ge- nutzte Potenziale für Pendler aus dem Umland und kann dadurch zu der Verlagerung des Kfz-Verkehrs beitragen. Schwäche – Weakness Die ländliche Raumstruktur sowie die weiten Entfernun- gen in angrenzende Städte wirken dem Abrufen von zu- sätzlichen Potenzialen in Tei- len entgegen. Stärke – Strength Durch die vorhandene Infra- struktur und die fahrradaffine Bevölkerung sind besondere Voraussetzungen im Radver- kehr gegeben, die über eine konsequente Förderung ste- tig verbessert werden. Risiko – Threat Der Infrastrukturausbau und die Bestandspflege (u. a. mit Blick auf Abstellkapazitäten) können stellenweise mit der tatsächlichen Verkehrsnach- frage nicht Schritt halten. Radverkehr Chance – Opportunity Aktuelle Aktivitäten der Stadt (u. a. Verkehrsversuche, Fuß- verkehrscheck) mit Potenzial zur Verbesserung der Belan- ge des Fußverkehrs (unter Einbeziehung der Bürger). Schwäche – Weakness Es ergibt sich ein geringer Anteil des Fußverkehrs am Modal Split, weil dieser im Stadtgebiet in einer deutli- chen Konkurrenz zu einem starken Radverkehr steht. Stärke – Strength Der Fußverkehr wird inner- halb der Promenade priori- siert; eine hohe Attraktivität ergibt sich ebenfalls in eini- gen Stadtteilzentren. Risiko – Threat Grundsätzliche Gefahr der Vernachlässigung des Fuß- verkehrs auch wegen einer starken Konzentration auf den Radverkehr. Fußverkehr © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 102/150 Abbildung 61: Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken für neue Mobilitätsangebote (SWOT- Analyse). Abbildung 62: Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken der Intermodalität (SWOT-Analyse). Chance – Opportunity Förderung von Carsharing und Elektromobilität durch Ausweitung der Flächen über Sondernutzungsrecht. Schwäche – Weakness Laden sollte auch im halböffentlichen bzw. privaten Raum gefördert werden. Stärke – Strength Ein Nutzungsmix aus neuen Mobilitätsformen wie Car- sharing, Bikesharing (auch Lastenräder) und E-Scootern ergänzen die bestehenden Mobilitätsangebote. Risiko – Threat Mobilitätsformen wie E- Scooter ersetzen eher Wege des Umweltverbundes und machen einen knappen Ver- kehrsraum den Fußgängern und Radfahrern streitig. Neue Mobilitätsangebote Chance – Opportunity Beschlossene Standards, das geplante Standortkonzept für Mobilstationen sowie Landes- initiativen und Pilotprojekte bieten gute Rahmenbedin- gungen zur Verbesserung der intermodalen Mobilität. Schwäche – Weakness P+R-Anlagen fehlen v. a. am östlichen Stadtrand und die vorhandenen Mobilstationen entsprechen nicht mehr dem üblichen Standard. Stärke – Strength Ein Grundangebot an B+R- sowie P+R-Anlagen ist be- reits vorhanden und lässt sich weiter ausbauen. Risiko – Threat Flächenkonkurrenz und mangelnde Kooperations- bereitschaft der Mobilitäts- anbieter bergen Risiken für die Umsetzung von inter- modalen Mobilitäts- lösungen. Intermodalität © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 103/150 3 Verkehrspolitische Ziele Die Erarbeitung einer Zielkonzeption und die Festlegung der Ziele sind ein wichtiger Arbeitsschritt für den Masterplan Mobilität Münster 2035+, welcher als Grundlage für unterschiedliche Fragestellungen der Verkehrsplanung in den nächsten Jahren her- angezogen werden soll. Widersprüche mit anderen Strategien und Planungen lassen sich dabei nicht vermeiden, sollten jedoch weitgehend bekannt sein und als Konflikt identifiziert werden. Vor diesem Hintergrund erfolgte eine erste Analyse der beste- henden Planungen sowie Ideen zum Masterplan Mobilität aus vergangenen Jahren. Die Entwicklung von Szenarien erfolgt dann im weiteren Prozess (vgl. Kapitel 5.1) Im Zuge der Auswertung wurden dabei die Ziele im Sinne des Zielsystems des Bun- desverkehrswegeplans (BVWP) geprüft. Dabei werden die Ziele im Gesamtkonzept der Nachhaltigkeit in die Kategorien Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft unterteilt: Abbildung 63: Zielsystem des Bundesverkehrswegeplans. Die bestehenden verkehrspolitischen Ziele werden dabei aus den folgenden Grund- lagen übernommen und entsprechend den genannten Kategorien (Umwelt, Gesell- schaft und Wirtschaft) unterteilt: Münster Klimaneutralität 2030 MMM 2035+ - Präsentation der Stadt Münster Münster Zukünfte 20 | 30 | 50: Zentrale Ergebnisse und weiteres Vorgehen Radverkehrskonzept Münster 2025 Nahverkehrsplan Stadt Münster Die folgenden Seiten zeigen die Auswertung der einzelnen, bestehenden Ziele. Im Kontext der Bestandsanalyse werden diese zunächst lediglich aufgezeigt und erst im weiteren Verlauf des Prozesses bewertet und ggf. ergänzt. Für eine übersichtlichere Darstellung wurden die Ziele anhand der drei Prämissen als Mind-Maps aufgearbei- tet. © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 104/150 3.1 Umwelt Für das System „Umwelt“ wurden die nachfolgenden Ziele aufgenommen: Abbildung 64: Bereits benannte verkehrspolitische Ziele im System „Umwelt“. Allgemein werden die ausgegebenen Ziele aus gutachterlicher Sicht als höchst an- spruchsvoll bewertet. Vor allem die geplante Reduktion des Pkw-Verkehr um 50 % erfordert weitreichende Maßnahmen, eine Erreichung des Ziels wird aber dennoch als sehr schwierig angesehen. Umwelt Umgestaltung/ Rückbau Tangentenring Leistbares Wohnen vs. Freiflächenschutz Städteübergreifende Velorouten für Pendler Flächendeckend Tempo 30 in der Innenstadt bzw. abseits der Hauptstraßen innerhalb der bewohnten Gebiete MIV bis 2030 klimaneutral Pkw-Verkehr muss bis 2030 um 50% sinken Autofreie Umgestaltung der Innenstadt Blaue/grüne Strukturen erhalten + ausweiten Anteil des MIV am Energieverbrauch muss jährlich um 5% abnehmen Freiräume erhalten, zurückgewinnen, vernetzen Multi-/Intermodalität erleichtern Vorbildfunktion Münster Stadt der kurzen Wege Stärkung des Umweltverbundes durch Ausbau von Rad/ÖPNV Schaffung von Freiraum/ Lebensqualität durch Rückbau von Stellplätzen Klimapauschale auf Parktickets Kostenfreier ÖPNV Stauvermeidung Zu Fuß für den Klimaschutz © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 105/150 3.2 Gesellschaft Für das System „Gesellschaft“ wurden die nachfolgenden Ziele aufgenommen: Abbildung 65: Bereits benannte verkehrspolitische Ziele im System „Gesellschaft“. Insbesondere im Themenfeld der Gesellschaft stehen viele Ziele einander kontro- vers gegenüber. Das Ziel „Sicherheit vor Leistungsfähigkeit“ ist dabei als verständli- ches Beispiel zu sehen, kann aber bei der Umsetzung zu erheblichen Widerständen führen. Gleiches gilt für das Ziel „leistbares Wohnen und stadtverträgliche Mobili- tät“. Die gegensätzlichen Ziele zu erkennen sowie einen gemeinsamen Weg zu fin- den, ist auch Ziel des Masterplans Mobilität Münster 2035+. Innenstadt ist Mehr Stammlinien 5-Minuten-Takt Gesellschaft Abweichung von ERA-Standards Dichtes + schnelles ÖPNV- Angebot im verständlichen Liniennetz Eigene Flächen für Carsharing Autoarme Umgestaltung der Innenstadt 365-Euro-Ticket Busspuren Kostenfreier ÖPNV Hierarchisches Radwegenetz Sicherheit vor Leistungsfähigkeit Kommunikation und Service Kommunikatives Nebeneinander im Radverkehr Sicherung eines Haupt- verkehrsstraßennetzes für Feuerwehr und Ret- tungsdienste © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 106/150 3.3 Wirtschaft Für das System „Wirtschaft“ wurden die nachfolgenden Ziele aufgenommen: Abbildung 66: Bereits benannte verkehrspolitische Ziele im System „Wirtschaft“. Die Ziele und Maßnahmen mit Blick auf die Wirtschaft treten insgesamt eher in ge- ringer Zahl auf. Wichtig sind hierbei vor allem die Funktionalität wie die Erreichbar- keit der Region sowie die Chancen der Digitalisierung zu nutzen. Ladezonen / Logistik auf der „letzten Meile“ Wirtschaft Entwicklung + Erprobung innovativer Ideen rund um Mobilität und Dienstleistung Modernes Verkehrsmanagementsystem Umrüstung der Fahrzeugflotte der Stadt Münster Ladeinfrastruktur Erreichbarkeit der Regionen mit dem ÖPNV verbessern Dichtes + schnelles ÖPNV-Angebot im verständlichen Liniennetz Digitalisierung findet Stadt Smarte City Prosperität, Resilienz + Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes MS Veloregion Stauvermeidung Erreichbarkeit der oberzen- tralen Einrichtungen aus der Region für alle Verkehrsarten © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 107/150 4 Gutachterliche Bewertung der verkehrlichen Gesamtsituation Nach Abschluss dieser Analyse des Verkehrssystems im Stadtgebiet Münsters kann eine gutachterliche Einschätzung zur verkehrlichen Gesamtsituation gegeben und anschließend ein Ausblick hinsichtlich der Erstellung von Trend- bzw. Entwicklungs- szenarien und Maßnahmen vorgenommen werden. Auf der einen Seite kann ein im Hinblick auf den Modal-Split sehr positives Fazit ge- troffen werden: Bereits heute nutzen über 65 % der Münsteraner Bevölkerung regel- mäßig die Verkehrsmittel des Umweltverbunds (Fuß, Rad oder ÖPNV). Im Vergleich zu den vorherigen Mobilitätsbefragungen sind unter dem Entwicklungstrend einer prosperierenden Großstadt nochmals kontinuierliche Steigerungen im Radverkehr und ÖPNV, bei einem gleichzeitigen Rückgang der Kfz-Wege besonders zu erwäh- nen. Bei einem weiteren Wachstum ist diese Entwicklung aus gutachterlicher Sicht unter den bestehenden Prämissen aber endlich, insbesondere in Bezug auf die be- stehende Radinfrastruktur. Eine besondere Bedeutung für das Mobilitätsverhalten kommt dem Wohnort innerhalb der Stadt zu: Menschen aus den inneren Bezirken wohnen potenziell in kleineren Haushalten, besitzen weniger private Pkw, sind häu- figer auf kürzeren Wegen unterwegs und nutzen insbesondere aktive Mobilitätsfor- men. Auch mit Blick auf die Hauptwohnstandorte der Studierenden ( v. a. westliche, zentrumsnahe Stadtteile) zeigen sich mobilitätsrelevante Einflüsse. Die Analysen haben ebenfalls gezeigt, dass hohe Zielpotenziale für den Binnen- und Zielverkehr v. a. in den innersten Bezirken (Nutzungsmischung, Standorte der Univer- sität usw.) und im Umfeld der Gewerbestandorte (v. a. südliches Stadtgebiet) liegen. Die Hauptrouten des ÖPNV haben ihre Quellen bzw. Ziele naturgemäß in der Nähe des Stadtzentrums (u. a. Bahnhof, Universität und Innenstadt). Für Verbindungen aus dem Umland sind dabei vertikale bzw. horizontale Achsen (u. a. aus Greven, Telgte, Senden und Drensteinfurt) zu erkennen, während die Verteilung im MIV zielgerichte- ter (d. h. vermehrt in die Randbereiche des Zentrums bzw. dezentrale Stadtgebiete) erfolgt. Der Radverkehr ist für Wege im Stadtgebiet von Bedeutung, soll über die Ve- lorouten aber zukünftig auch (weitere) Potenziale im Umland erschließen. Die abschließende SWOT-Analyse hat gezeigt, dass das Verkehrsinfrastruktursystem innerhalb des Stadtgebietes grundsätzlich sehr gut ausgebaut ist: Sowohl für den Kfz - Verkehr als auch für das ÖPNV-System besteht ein gut ausgebautes sowie bezüglich des ÖPNV auch vernetztes System. Die vorhandenen Infrastrukturen weisen i. d. R. ei- nen hohen Qualitätsstandard der Radverkehrsanlagen auf, die jedoch aufgrund des sehr hohen Radverkehrsanteils punktuell und axial Optimierungen erfordern. Für die Formen der Intermodalität besteht ein gutes Grundangebot, der Fußverkehr wird be- sonders innerhalb des Promenadenrings priorisiert. Das Infrastruktursystem weist vor allem in den tageszeitlichen Spitzenstunden eine Überlastung für den Kfz-Verkehr so- wie den ÖPNV auf (Ausbauerfordernis zu Busbeschleunigung). Besonders die stellen- weise fehlende Priorisierung des ÖPNV und die gemeinsame Nutzung der vorhande- nen Infrastrukturen führen dazu, dass die Reisezeiten im ÖPNV gegenüber dem Kfz - Verkehr sowie dem Radverkehr nur eingeschränkt konkurrenzfähig sind. Zudem feh- © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 108/150 len an wichtigen Einfallstraßen P+R-Anlagen, die das Umsteigen auf den ÖPNV schon in den Außenbereichen oder außerhalb der Stadtgrenze ermöglichen würden. Durch große Entfernungen in umliegende Städte ist zudem das weitere Radverkehrspoten- zial eingeschränkt, es soll jedoch durch die in Planung und Realisierung befindlichen Velorouten stärker ausgeschöpft werden. Weiterhin deuten die bisherigen Ergebnisse darauf hin, dass Verlagerungswirkungen zwischen den einzelnen Verkehrsmitteln eher zwischen Rad und ÖPNV stattfinden an- stelle gewünschter Verlagerungseffekte vom Pkw auf den Umweltverbund hervorzu- rufen. Wir gehen auch aus diesem Grund davon aus, dass das Ziel einer 50%-igen Re- duktion des Pkw-Verkehrs nur in Verbindung mit deutlich restriktiven Maßnahmen im MIV bei gleichzeitig umfänglichster weiterer Förderung des Umweltverbunds erreich- bar ist. Die Erfahrungen des Gutachters zeigen zudem auf, dass ein gewisses „Grund- rauschen“ im Bereich des MIV nur schwerlich zu unterbinden sein wird (weil Teile der Gesellschaft – u. a. Senioren und mobilitätseingeschränkte Personen – und innerstäd- tische Einrichtungen auch künftig auf eine grundsätzliche Erreichbarkeit mit dem MIV angewiesen sein werden). FAZIT – Wo steht die Stad t Münster? Nach dem Abschluss der Bestandsanalyse zur verkehrlichen Gesamtsituation ist aus gutachterlicher Sicht ein grundsätzlich sehr positives Fazit möglich. Der sehr gute Modal Split – hinsichtlich hoher Nutzungsquoten für den Umwelt- verbund und insbesondere hoher Radverkehrsanteile im Vergleich zu anderen deutschen Großstädten – wird sichtbar und lässt sich im Stadtgebiet anhand der bestehenden Infrastrukturen aufzeigen und belegen. Es besteht ein gut ausgebautes MIV-Netz (u. a. Bündelung auf Hauptachsen und Verkehrsberuhigung in den Wohngebieten), welches jedoch stellenwei- se (in den Spitzenstunden) seine Leistungsfähigkeitsgrenze erreicht. Es zeigt sich auch im ÖPNV ein sehr gut ausgebautes und vernetztes Ange- bot mit hohen Qualitätsstandards. Ein gutes Grundangebot der Intermoda- lität bzw. neuer Mobilitätsangebote ist ebenfalls gewährleistet. Dem Radverkehr kommt (u. a. durch die allgemein fahrradbegeisterte Bevöl- kerung) in der „Fahrradstadt“ eine besonders große Bedeutung zu; das Fahr- rad ist das beliebteste Fortbewegungsmittel und absolut stadtbildprägend. Die Priorisierung des Fußverkehrs ist innerhalb des Promenadenrings sowie in den Stadtteilzentren gewährleistet. U. a. wegen der Konkurrenz zum Rad- verkehr zeigen sich aber insgesamt unterdurchschnittliche Wegeanteile. Die hohe Anzahl an Pendlerbewegungen zusammen mit der wachsenden Bevöl- kerung und einem größeren Angebot an Arbeitsplätzen zeigt auch, dass die po- sitive Entwicklung der Stadt endlich ist bzw. weitere Eingriffe erfordert. Das wird auch an den bestehenden Infrastrukturen, z. B. für den Radverkehr, sichtbar. © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 109/150 FAZIT – Wo steht die Stad t Münster? Hohe Zielpotentiale sind im innersten Ring sowie im Umfeld der Gewerbestand- orte zu erkennen. Während der ÖPNV dabei überwiegend auf das Stadtzentrum ausgerichtet ist (mit vertikalen bzw. horizontalen Achsen ins Umland), ist im MIV bereits eine zielgerichtetere Verteilung möglich. Große Verlagerungspotenziale im Stadt-Umland-Verkehr bieten die „Velorouten“, die die Verkehre ebenso ziel- gerichtet und über vergleichsweise weite Distanzen verteilen können. Allgemeine Verlagerungswirkungen ergeben sich v. a. zwischen Rad und ÖPNV (und somit eher weniger hinsichtlich der gewünschten Effekte zwischen Umwelt- verbund und MIV). Es ist außerdem zu erwarten, dass ein gewisses MIV-Aufkom- men auch zukünftig immer notwendig sein wird. Zudem ist die weitere Verringe- rung des MIV nur mit restriktiven Maßnahmen und die umfangreiche Förderung des Umweltverbundes möglich. Demgegenüber stehen die Chancen, welche durch den Masterplan Mobilität Müns- ter 2035+ weiter ausgearbeitet und vorangetrieben werden sollen: So zeigen die bis- her rückläufigen Kfz-Verkehrsaufkommen und die sinkenden Schadstoffbelastungen zusammen mit dem kontinuierlichen Ausbau der Ladeinfrastrukturen, dass auch in- nerhalb der Bevölkerung ein gesellschaftlicher Wandel erkennbar ist. Dies wird au ch durch die Erfahrungen mit Verkehrsversuchen und Pilotprojekten verstärkt. Gleichzei- tig sorgen auch die Digitalisierung und der „Corona-Effekt“ dafür, dass sich die Mobi- lität der Bevölkerung der Stadt Münster zukunftsorientiert weiterentwickelt. Das größ - te Risiko besteht dabei darin, dass die weitere Förderung der Nahmobilität zu einem Modal-Shift innerhalb der Verkehrsmittel des Umweltverbunds führt und nur geringe Verlagerungswirkungen im Kfz-Verkehr sichtbar werden. „Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen!“ (Aristoteles) Keiner von uns kann derzeit exakt voraussagen, wie das „neue Normal“ nach der Co- rona-Pandemie aussehen wird. Die vermeintlichen Ziele in der Mobilität stehen fest, viele politische Beschlüsse zeigen eindeutig den weiteren Trend zur Förderung des Umweltverbundes. Die bestehende Mobilität in Münster bietet – im Vergleich zu an- deren Großstädten – eine sehr positive Ausgangsbasis. Die weitere Entwicklung, Kon- zeptionierung und Realisierung von Maßnahmen unter Betrachtung aller Auswirkun- gen und damit einhergehende Abwägung bedeutet gleichzeitig, dass noch ein wei- ter Weg zu gehen ist und hierfür werden mit dem Masterplan Mobilität „die Segel ge- setzt“. Wir schlagen daher vor, die nunmehr zu entwickelnden Maßnahmen in unter- schiedlichen Zeitscheiben zu denken sowie Wirkungen anhand der geplanten „Ent- wicklungsszenarien“ auch quantitativ abzugleichen. Hierbei muss insbesondere der Einflussbereich der Kommune bezüglich endogener und exogener Einflussfaktoren und -möglichkeiten berücksichtigt werden. © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 110/150 5 Ausblick Wir möchten nachfolgend einen Ausblick auf die weiteren Schritte des Masterplans Mobilität Münster 2035+ geben: Nach Abschluss der Analyse erfolgen im weiteren Verlauf die Entwicklung bzw. Verständigung auf ein Zielsystem und die Aufstellung von einem definierten Trendszenario und verschiedenen Entwicklungsszenarien. 5.1 Zielsystem, Trendszenario und Entwicklungsszenarien Für die Entwicklung eines Zielsystems und entsprechender Maßnahmen werden die durch den Auftraggeber zur Verfügung gestellten Datengrundlagen, Planunterlagen, Gutachten und Zusammenfassungen aus vorangegangenen Projekten gesichtet und ausgewertet. Die hier dargelegten Ziele, Strategien und Maßnahmen wurden inner- halb der Bestandsanalyse zusammengefasst, hinsichtlich ihrer Kompatibilität geprüft und anhand von Oberzielen geclustert. Da Ziele und ein Zielsystem oftmals mit kon- kreten Maßnahmen verwechselt werden, ist es sinnvoll, diese anhand von Oberzielen zu bündeln. Denn verschiedene Maßnahmen, deren Umsetzungen sich scheinbar wi- dersprechen, können gleichwertigen Oberzielen folgen. Die Erstbewertung erfolgte daher über das Zielsystem des Bundesverkehrswegeplans, also anhand der Oberzie- le Gesellschaft, Umwelt und Wirtschaft (vgl. hierzu Kapitel 3). Die Auswertungen der bereits definierten Ziele in den flankierenden Planungen und Konzepten zeigen, dass sich die Ziele zum Teil ergänzen, jedoch auch kontrovers ge- genüberstehen. Neben den entwickelten Zielen sind auch die Maßnahmen für deren Erreichung entscheidend: Ein Ziel zeichnet sich dabei dadurch aus, dass zu seiner Umsetzung verschiedene Maßnahmen erforderlich sind. Beispielsweis e können für das Ziel „Elektrifizierung der Mobilität“ die Maßnahmen batteriebetriebene ÖV-Li- nien, attraktive Infrastrukturen für E-Fahrräder, Elektrifizierung der städtischen Fahr- zeugflotte und Ausbau von Ladeinfrastrukturen für E-Fahrzeuge identifiziert werden. Die bestehenden Zielkonzepte haben unterschiedliche Ziele definiert, die i n Kapitel 3 ausführlich vorgestellt wurden. Der nächste Schritt des Masterplans Mobilität Münster 2035+ ist die Definition von Szenarien mithilfe von Oberzielen. Durch die bereits aus- gewerteten Ziele können (als gutachterlicher Vorschlag) vier große Oberziele defi- niert werden: Reduzierung des Kfz-Verkehrs, Stärkung des Umweltverbundes, Umverteilung des Straßenraums sowie Chancen der Digitalisierung nutzen. Insgesamt enthalten diese Oberziele einige untergeordnete Ziele sowie entspre- chende Maßnahmen. Überschneidungen gibt es dabei z. B. bei dem Ziel der auto- freien Umgestaltung der Innenstadt mit Reduzierung von Stellplätzen im öffentlichen Raum oder Schaffung von Freiraum und Lebensqualität. Auch die Ziele dichtes und © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 111/150 schnelles ÖPNV-Angebot zusammen mit leistbarem Wohnen und stadtverträglicher Mobilität haben Überschneidungspotenzial. Widersprüche in den Zielen finden sich insbesondere hinsichtlich der Umgestaltung des Straßenraums, weil hierbei die Be- lange aller Verkehrsträger berücksichtigt werden müssen. Dabei kann eine Auswei- tung der Radverkehrsanlagen mit den Zielen des ÖPNV im Widerspruch stehen, aber auch die Schaffung von E-Ladestellplätzen oder die Schaffung von Freiräumen stehen dem kontrovers gegenüber. Hier muss ein Abwägungsprozess stattfinden. Insgesamt kann für die Stadt Münster jedoch nur wenig Konfliktpotenzial hinsichtlich der bereits genannten Ziele festgestellt werden, so dass eine gute Ausgangsbasis besteht. In Münster gibt es viele Bürgerinitiativen aber auch politische Gremien und Initiativen der Wirtschaft und des Handwerks, um die Stadt noch lebendiger zu machen. Insge- samt besteht hier ein sehr hohes Ambitionsniveau, die Ideen und Umsetzung der ein- zelnen Initiativen ergänzen sich, es gibt aber auch hier Konfliktpotenzial. Insofern ist auch eine enge Zusammenarbeit mit politischen Gremien sowie eine frühzeitige Ein- beziehung der Öffentlichkeit in den weiteren Prozess des Zielsystems von großer Be- deutung. Dies ist für die Bevölkerung und Träger öffentlicher Belange zum einen mit einer Beteiligung in einem Planungswerkstattprozess geplant. Zum anderen soll das dort erarbeitete Zielsystem auch politisch beschlossen werden, bevor mit der Defini- tion einzelner Maßnahmen zur konkreten Zielerreichung begonnen wird. Aus den analysierten Zielen bestehender Konzepte und der voranstehenden SWOT- Analyse innerhalb dieses Berichts können folgende grundlegende Oberziele für den Masterplan Mobilität Münster 2035+ (an dieser Stelle als Vorschlag und Ausblick auf den noch zu führenden Austausch mit der Politik) definiert werden: Reduzierung des Kfz-Verkehrs (Entlastung des Stadtzentrums) sowie Bündelung auf den städtischen Hauptachsen (Entlastung der Wohnstandorte). Verringerung verkehrlich bedingter Lärm- und Schadstoffemissionen. Verringerung des privaten Pkw-Besitzes. Elektrifizierung der Mobilität / Ausbau der Ladeinfrastruktur. Förderung des ÖPNV / Erreichbarkeit des ÖPNV verbessern. Einrichtung einer Mobilitäts-App für eine Smart Moving City. Weitere Förderung des Radverkehrs (zur führenden „Fahrradhauptstadt“). Schaffung der Mobilität für Jung & Alt. Nach der Definition der Ziele und deren Maßnahmen sollen diese Ziele in Szenarien gebündelt werden. Dabei gilt es, neben einem Trendszenario, welches den aktuellen Trend, beispielsweise hinsichtlich der Mobilität, der Altersstruktur oder der Einwoh- nerzahlen, bewertet, auch Entwicklungsszenarien zu definieren. Diese können sich beispielsweise in ein Szenario Umwelt, bei dem von einer positiven Entwicklung der Mobilität des Umweltverbundes ausgegangen wird, oder in ein konservatives Szena- rio, bei dem beispielsweise die Autoaffinität weiter bestehen bleibt unterteilen. Auch © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 112/150 die definierten Szenarien werden politisch vorgestellt, abgestimmt und beschlossen. Anhand der Bewertung der Szenarien können dann Abschätzungen für eine zukünf- tige Mobilität in Münster getroffen werden. 5.2 Handlungsfelder und Maßnahmen Einen zentralen Aspekt im weiteren Prozess der Erstellung des Masterplans Mobilität Münster 2035+ stellt die Entwicklung von konkreten Maßnahmen dar, die zur Gestal- tung eines nachhaltigen Mobilitätsverhaltens beitragen sollen. Mithilfe des vorliegen- den makroskopischen Verkehrsmodells besteht zudem die Möglichkeit, die verkehrli- chen Wirkungen einiger Maßnahmen quantitativ (auch bezüglich ihrer Umweltwirkun- gen) abzuschätzen. 5.2.1 Motorisierter Individualverkehr (MIV) Für den motorisierten Individualverkehr werden einzelne Maßnahmen sowie Hand- lungsfelder entwickelt. Grundsätzliches Ziel wird es sein, den MIV im gesamten Stadt- gebiet weiter zu verringern. Gleichzeitig soll das Stadtzentrum entlastet werden, um mehr Aufenthaltsqualität in der Stadt zu schaffen. Dabei werden z. B. konkrete Maß- nahmen wie der Ausbau der B54 im Bereich des Kolde-Rings mithilfe des Verkehrs- modells geprüft. Gleichzeitig können im MIV aber auch Maßnahmen wie die Verrin- gerung des Hauptstreckennetzes, die Reduzierung des Verkehrs durch z. B. Ein bahn- straßenregelungen oder temporäre Straßensperren sowie der komplexe Themen- block des ruhenden Verkehrs angegangen werden. Zudem kann auch die Entwick- lung des Umlandes hinsichtlich Wohn- und Gewerbeflächen eine wichtige Rolle für die zukünftige Mobilität in Münster spielen. Dabei sollten direkt auch Maßnahmen der Elektrifizierung und von Sharing-Angeboten mitgedacht werden. 5.2.2 Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) Im Themenfeld ÖPNV erfolgt zunächst eine Definition von Systemmerkmalen für zu- künftige städtische ÖPNV-Produkte in Münster (z. B. MetroBus, StadtBus, On-De- mand-Bus). Hieraus werden Anforderungen an die jeweiligen Einsatzkorridore bzw. - gebiete abgeleitet. In einem nächsten Arbeitsschritt wird die Vision „MetroBus für Münster“ mit leistungs- fähigen und schnellen Busverkehren auf potenzialstarken Achsenverkehre und flä- chendeckenden On-Demand-Verkehrsangeboten in den Stadtquartieren zwischen den Achsen ausgearbeitet und im Verkehrsmodell abgebildet. In den Szenarien er- folgt eine Bewertung der verkehrlichen und umweltseitigen Wirkungen dieser Vision. Darüber hinaus werden Anforderungen an die Infrastrukturausstattung und den Flä- chenbedarf im ÖPNV abgeleitet. © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 113/150 5.2.3 Fuß- und Radverkehr Innerhalb des Themenfeldes Rad- und Fußverkehr werden im weiteren Verlauf des Prozesses zum Masterplan Mobilität Münster 2035+ ebenfalls Maßnahmen entwickelt und in Szenarien gebündelt betrachtet. Für den Radverkehr werden dabei vor allem die Möglichkeiten des Ausbaus von Velorouten als Potenziale für den Pendlerverkehr berücksichtigt, aber auch innerhalb des Stadtgebietes können durch den Ausbau von Mobilstationen, die Förderung neuer Abstellanlagen und die weitere Optimierung des Radwegenetzes Maßnahmen entwickelt werden. Dabei kann eine Handlungs- empfehlung der gezielte Ausbau der Abstellkapazitäten inkl. regelmäßiger Kontrolle und Beseitigung der abgestellten Fahrräder zur Vermeidung von Dauerparkern sein. Der Fußverkehr steht auch weiterhin in Konkurrenz zum Radverkehr, durch die Teil- nahme am „Fußverkehrs-Check NRW 2021“ und die Ziele zur besseren Erreichbarkeit einzelner Wohnviertel, die Umsetzung einer Stadt der kurzen Wege und die Weiter- entwicklung von Arealen wie dem Stadthafen ergeben sich hier jedoch ebenfalls Möglichkeiten, um den Fußverkehr weiter zu fördern und auszubauen. 5.2.4 Neue Mobilitätsangebote und Intermodalität Im Hinblick auf die Gewährleistung einer weitgehend barrierefreien Intermodalität werden die drei Aspekte: physische Verknüpfung (u. a. Schnittstellen, Mobilstationen), informatorische Verknüpfung (u. a. intermodale Routenplanung und Buchung), tarifliche Verknüpfung (z. B. verkehrsmittel- und anbieterübergreifende Tarifange- bote) beleuchtet und entsprechende Umsetzungsmöglichkeiten in der Stadt Münster skiz- ziert. Insbesondere werden geeignete Standorte für intermodale Verknüpfungs- punkte und Mobilstationen identifiziert, wie sie sich aus den zukünftigen Mobilitätsan- geboten ergeben, welche den zu untersuchenden Szenarien jeweils zugrunde lieg en. Anhand des Nachfragemodells im Verkehrsmodell lassen sich auch Prioritäten für de- ren Umsetzung ableiten. © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 114/150 6 Anhang 6.1 Ergänzende Auswertungen zur Mobilitätsbefragung Masterplan Mobilität Münster 2035+ Ergänzende Auswertungen zur Mobilitätsbefragung Seite 115/150 Modal Split Stadt Münster Innere Bezirke Äußere Bezirke Altstadt Innen- stadtring Mitte-Süd Mitte- Nordost Münster- West Münster- Nord Münster- Ost Münster- Südost Münster- Hiltrup Rad 43,5 % 49,8 % 54,3 % 51,7 % 54,9 % 43,9 % 36,5 % 37,4 % 34,9 % 37,8 % Fuß 11,5 % 23,0 % 15,3 % 11,4 % 9,7 % 9,1 % 11,1 % 9,4 % 6,9 % 8,8 % ÖPNV 10,2 % 11,8 % 11,8 % 6,7 % 7,1 % 8,9 % 8,4 % 8,6 % 8,7 % 8,1 % MIV 34,1 % 14,7 % 17,8 % 29,7 % 27,3 % 37,5 % 43,8 % 44,2 % 49,1 % 44,6 % Sonstige 0,6 % 0,6 % 0,7 % 0,5 % 0,9 % 0,5 % 0,3 % 0,3 % 0,4 % 0,6 % Maximaler Wert Minimaler Wert Seite 116/150 Modal Split (Binnenverkehr) Stadt Münster Innere Bezirke Äußere Bezirke Altstadt Innen- stadtring Mitte-Süd Mitte- Nordost Münster- West Münster- Nord Münster- Ost Münster- Südost Münster- Hiltrup Rad 48,2 % 51,1 % 57,8 % 54,1 % 57,6 % 46,1 % 38,4 % 39,8 % 36,9 % 39,6 % Fuß 12,7 % 23,6 % 16,4 % 12,0 % 10,2 % 9,5 % 11,8 % 10,0 % 7,3 % 9,3 % ÖPNV 8,9 % 11,7 % 9,6 % 5,9 % 6,3 % 8,7 % 8,4 % 8,5 % 8,5 % 7,4 % MIV 29,4 % 13,0 % 15,4 % 27,4 % 24,8 % 35,1 % 41,1 % 41,3 % 46,8 % 43,0 % Sonstige 0,8 % 0,6 % 0,8 % 0,5 % 1,0 % 0,6 % 0,3 % 0,4 % 0,5 % 0,6 % Maximaler Wert Minimaler Wert Seite 117/150 Auswertung auf Stadtbezirksebene Seite 118/150 Wegehäufigkeit und Zeitbudget • Die Wegehäufigkeit aller Einwohner liegt bei 3,0 Wegen pro Person und Tag (3,4 Wege pro mobiler Person) und ist rückläufig (3,4 bzw. 4,0 Wege pro Person im Jahr 2013). − MiD 2017 für NRW: 3,1 Wegen pro Person und Tag • Das Zeitbudget beträgt in Münster an einem durchschnitt- lichen Werktag rund 71 Minuten pro Person. − MiD 2017 für NRW: 82 Minuten pro Person • Insgesamt ist die Wegehäufigkeit in den inneren Stadtbe- zirken tendenziell größer, der dafür erforderliche Zeitauf- wand (pro Weg) kleiner als in den äußeren Stadtbezirken. • Stadtbewohner haben wegen kürzerer Entfernungen i.A. ein niedrigeres Zeitbudget für ihre werktäglichen Wege. Zugleich ist die Wegehäufigkeit wegen der dichten und vielfältigen Gelegenheitsstrukturen allgemein größer. Münster-Nord 2,9 W/Pers. 3,3 W/mPers. 69,9 min/Tag 21,5 min/Weg Altstadt 2,9 W/Pers. 3,4 W/mPers. 72,7 min/Tag 21,2 min/Weg Innenstadtring 3,3 W/Pers. 3,7 W/mPers. 70,4 min/Tag 19,2 min/Weg Mitte-Süd 3,2 W/Pers. 3,6 W/mPers. 69,9 min/Tag 19,7 min/Weg Mitte-Nordost 3,2 W/Pers. 3,5 W/mPers. 69,8 min/Tag 19,7 min/Weg Münster-West 3,0 W/Pers. 3,4 W/mPers. 70,7 min/Tag 21,1 min/Weg Münster-Ost 2,9 W/Pers. 3,2 W/mPers. 77,3 min/Tag 24,2 min/Weg Münster-Südost 2,8 W/Pers. 3,2 W/mPers. 74,6 min/Tag 23,1 min/Weg Münster-Hiltrup 2,8 W/Pers. 3,1 W/mPers. 67,0 min/Tag 21,4 min/Weg Gesamtes Stadtgebiet 3,0 Wege pro Person und Tag 3,4 Wege pro mobiler Person und Tag 71 Minuten pro mobiler Person und Tag 20,9 Minuten pro mobiler Person und Weg Seite 119/150 Verfügbarkeit von Verkehrsmitteln • Durchschnittlich leben 2,1 Personen in einem Haushalt. • Der Motorisierungsgrad liegt bei 51 Pkw/100 Einwohner. Im Mittel verfügt ein Haushalt über 1,1 Pkw. − Stat. Bundesamt: 56 Pkw/100 Einwohner in NRW − MiD 2017: 1,1 Pkw pro Haushalt in NRW • Die Fahrradverfügbarkeit liegt bei 133 Fahrrädern/100 Einwohner (2,8 Fahrräder pro Haushalt) − MiD 2017: 1,7 Fahrräder pro Haushalt in NRW • 78 % der Haushalte verfügen ständig über mindestens einen Pkw; 94 % über mindestens ein Fahrrad. − Umweltbundesamt 2018: 77,4 % Pkw; 78,2 % Fahrrad • Die Haushaltsgröße ist in den inneren Stadtbezirken ten- denziell kleiner als in den äußeren Stadtbezirken. Deshalb ist auch der Motorisierungsgrad vergleichsweise gering. Gesamtes Stadtgebiet 2,1 Personen/Haushalt 51 Pkw/100 Einwohner 1,1 Pkw/Haushalt 133 Fahrräder/100 Einwohner 2,8 Fahrräder/Haushalt Münster-West 2,3 Pers./Haush. 52 Pkw/100EW 1,2 Pkw/Haush. 125 Rad/100EW 2,9 Rad/Haush. Münster-Nord 2,2 Pers./Haush. 54 Pkw/100EW 1,2 Pkw/Haush. 127 Rad/100EW 2,7 Rad/Haush. Münster-Ost 2,2 Pers./Haush. 63 Pkw/100EW 1,4 Pkw/Haush. 138 Rad/100EW 3,0 Rad/Haush. Münster-Hiltrup 2,3 Pers./Haush. 60 Pkw/100EW 1,4 Pkw/Haush. 126 Rad/100EW 2,9 Rad/Haush. Münster-Südost 2,4 Pers./Haush. 60 Pkw/100EW 1,4 Pkw/Haush. 129 Rad/100EW 3,0 Rad/Haush. Mitte-Süd 2,1 Pers./Haush. 48 Pkw/100EW 1,0 Pkw/Haush. 140 Rad/100EW 2,9 Rad/Haush. Mitte-Nordost 2,0 Pers./Haush. 47 Pkw/100EW 0,9 Pkw/Haush. 146 Rad/100EW 2,9 Rad/Haush. Innenstadtring 2,0 Pers./Haush. 40 Pkw/100EW 0,8 Pkw/Haush. 135 Rad/100EW 2,7 Rad/Haush. Altstadt 1,9 Pers./Haush. 42 Pkw/100EW 0,8 Pkw/Haush. 129 Rad/100EW 2,5 Rad/Haush. Seite 120/150 Daten in Bezug auf den gesamten Stadtbezirk: • 42 Pkw/100 Einwohner • 129 Fahrräder/100 Einwohner • 46,9 Jahre Altersdurchschnitt • 26,4 % Studierende • 43,0 % Erwerbstätige • 3,4 Wege pro mobiler Person und Tag • 72,7 Minuten pro mobiler Person und Tag • 21,2 Minuten pro mobiler Person und Weg • 23,6 % Fuß • 51,1 % Rad • 13,0 % MIV • 11,7 % ÖPNV • 0,6 % Sonstige Auswertung auf Stadtteilebene Altstadt Überwasser (12) 40 Pkw/100EW 18,2 % Fuß 128 Rad/100EW 67,3 % Rad Ø 37,5 Jahre 6,2 % MIV 52,0 % Studierende 7,6 % ÖPNV 36,0 % Erwerbstät. 0,7 % Sonstige 2,9 W/mPers. 48,6 min/Tag 16,7 min/Weg Aegidii (11) 42 Pkw/100EW 24,0 % Fuß 127 Rad/100EW 50,9 % Rad Ø 52,3 Jahre 12,7 % MIV 9,6 % Studierende 12,0 % ÖPNV 46,2 % Erwerbstät. 0,4 % Sonstige 3,5 W/mPers. 56,6 min/Tag 16,3 min/Weg Martini (15) 35 Pkw/100EW 20,9 % Fuß 144 Rad/100EW 43,6 % Rad Ø 48,6 Jahre 15,0 % MIV 15,8 % Studierende 19,1 % ÖPNV 45,6 % Erwerbstät. 1,3 % Sonstige 3,2 W/mPers. 52,6 min/Tag 16,3 min/Weg Dom (13) 48 Pkw/100EW 25,5 % Fuß 129 Rad/100EW 48,0 % Rad Ø 49,0 Jahre 14,3 % MIV 22,5 % Studierende 11,7 % ÖPNV 46,3 % Erwerbstät. 0,5 % Sonstige 3,4 W/mPers. 90,1 min/Tag 26,4 min/Weg Buddenturm (14) 31 Pkw/100EW 23,4 % Fuß 122 Rad/100EW 52,3 % Rad Ø 39,3 Jahre 14,5 % MIV 47,0 % Studierende 8,9 % ÖPNV 32,5 % Erwerbstät. 0,9 % Sonstige 3,7 W/mPers. 60,5 min/Tag 16,3 min/Weg Binnenverkehr in Münster Seite 121/150 Daten in Bezug auf den gesamten Stadtbezirk: • 40 Pkw/100 Einwohner • 135 Fahrräder/100 Einwohner • 44,9 Jahre Altersdurchschnitt • 27,2 % Studierende • 45,0 % Erwerbstätige • 3,7 Wege pro mobiler Person und Tag • 70,4 Minuten pro mobiler Person und Tag • 19,2 Minuten pro mobiler Person und Weg • 16,4 % Fuß • 57,8 % Rad • 15,4 % MIV • 9,6 % ÖPNV • 0,8 % Sonstige Auswertung auf Stadtteilebene Innenstadtring Mauritz-West (25) 38 Pkw/100EW 20,3 % Fuß 151 Rad/100EW 59,4 % Rad Ø 37,5 Jahre 15,9 % MIV 23,8 % Studierende 3,2 % ÖPNV 52,4 % Erwerbstät. 1,2 % Sonstige 4,0 W/mPers. 76,4 min/Tag 19,0 min/Weg Pluggendorf (21) 35 Pkw/100EW 16,4 % Fuß 124 Rad/100EW 64,3 % Rad Ø 39,4 Jahre 10,1 % MIV 38,0 % Studierende 9,0 % ÖPNV 40,1 % Erwerbstät. 0,2 % Sonstige 3,9 W/mPers. 65,6 min/Tag 16,8 min/Weg Schlachthof (26) 53 Pkw/100EW 16,2 % Fuß 148 Rad/100EW 59,6 % Rad Ø 53,4 Jahre 18,9 % MIV 11,3 % Studierende 4,2 % ÖPNV 53,7 % Erwerbstät. 1,1 % Sonstige 3,7 W/mPers. 68,7 min/Tag 18,4 min/Weg Neutor (28) 46 Pkw/100EW 19,0 % Fuß 140 Rad/100EW 59,3 % Rad Ø 43,6 Jahre 15,4 % MIV 27,5 % Studierende 4,7 % ÖPNV 50,0 % Erwerbstät. 1,6 % Sonstige 3,6 W/mPers. 79,9 min/Tag 22,4 min/Weg Kreuz (27) 43 Pkw/100EW 17,0 % Fuß 139 Rad/100EW 60,7 % Rad Ø 46,8 Jahre 15,6 % MIV 23,5 % Studierende 5,1 % ÖPNV 42,9 % Erwerbstät. 1,6 % Sonstige 3,5 W/mPers. 64,9 min/Tag 18,8 min/Weg Schloss (29) 40 Pkw/100EW 10,3 % Fuß 106 Rad/100EW 62,8 % Rad Ø 49,3 Jahre 16,1 % MIV 32,2 % Studierende 10,3 % ÖPNV 27,6 % Erwerbstät. 0,4 % Sonstige 4,2 W/mPers. 70,1 min/Tag 16,5 min/Weg Hansaplatz (24) 28 Pkw/100EW 16,4 % Fuß 124 Rad/100EW 63,0 % Rad Ø 40,9 Jahre 14,1 % MIV 40,1 % Studierende 6,6 % ÖPNV 40,1 % Erwerbstät. 0,0 % Sonstige 3,4 W/mPers. 69,5 min/Tag 20,3 min/Weg Josef (22) 41 Pkw/100EW 20,5 % Fuß 135 Rad/100EW 53,0 % Rad Ø 44,7 Jahre 17,3 % MIV 27,0 % Studierende 8,7 % ÖPNV 47,7 % Erwerbstät. 0,4 % Sonstige 3,6 W/mPers. 69,8 min/Tag 19,4 min/Weg Bahnhof (23) 22 Pkw/100EW 14,0 % Fuß 125 Rad/100EW 41,9 % Rad Ø 38,5 Jahre 13,4 % MIV 34,0 % Studierende 30,4 % ÖPNV 45,3 % Erwerbstät. 0,4 % Sonstige 3,7 W/mPers. 88,2 min/Tag 23,6 min/Weg Binnenverkehr in Münster Seite 122/150 Daten in Bezug auf den gesamten Stadtbezirk: • 48 Pkw/100 Einwohner • 140 Fahrräder/100 Einwohner • 47,9 Jahre Altersdurchschnitt • 15,1 % Studierende • 49,1 % Erwerbstätige • 3,6 Wege pro mobiler Person und Tag • 69,9 Minuten pro mobiler Person und Tag • 19,7 Minuten pro mobiler Person und Weg • 12,0 % Fuß • 54,1 % Rad • 27,4 % MIV • 5,9 % ÖPNV • 0,5 % Sonstige Auswertung auf Stadtteilebene Mitte-Süd Geist (32) 46 Pkw/100EW 10,5 % Fuß 142 Rad/100EW 64,2 % Rad Ø 48,6 Jahre 17,5 % MIV 13,1 % Studierende 7,2 % ÖPNV 48,3 % Erwerbstät. 0,6 % Sonstige 3,5 W/mPers. 63,8 min/Tag 18,2 min/Weg Düesberg (34) 49 Pkw/100EW 6,7 % Fuß 128 Rad/100EW 48,3 % Rad Ø 47,9 Jahre 39,1 % MIV 8,9 % Studierende 5,5 % ÖPNV 48,2 % Erwerbstät. 0,4 % Sonstige 3,4 W/mPers. 71,4 min/Tag 20,9 min/Weg Aeseestadt (31) 56 Pkw/100EW 14,3 % Fuß 154 Rad/100EW 55,9 % Rad Ø 53,7 Jahre 23,3 % MIV 15,3 % Studierende 5,8 % ÖPNV 45,9 % Erwerbstät. 0,6 % Sonstige 3,6 W/mPers. 74,4 min/Tag 20,7 min/Weg Schützenhof (33) 45 Pkw/100EW 14,7 % Fuß 139 Rad/100EW 50,5 % Rad Ø 43,3 Jahre 28,7 % MIV 21,2 % Studierende 5,5 % ÖPNV 52,6 % Erwerbstät. 0,6 % Sonstige 3,7 W/mPers. 70,9 min/Tag 19,3 min/Weg 31 32 33 34 Binnenverkehr in Münster Seite 123/150 Daten in Bezug auf den gesamten Stadtbezirk: • 47 Pkw/100 Einwohner • 146 Fahrräder/100 Einwohner • 49,9 Jahre Altersdurchschnitt • 14,7 % Studierende • 50,1 % Erwerbstätige • 3,5 Wege pro mobiler Person und Tag • 69,8 Minuten pro mobiler Person und Tag • 19,7 Minuten pro mobiler Person und Weg • 10,2 % Fuß • 57,6 % Rad • 24,8 % MIV • 6,3 % ÖPNV • 1,0 % Sonstige Auswertung auf Stadtteilebene Mitte-Nordost Herz-Jesu (44) 47 Pkw/100EW 9,5 % Fuß 146 Rad/100EW 58,3 % Rad Ø 52,9 Jahre 24,2 % MIV 12,8 % Studierende 6,8 % ÖPNV 52,7 % Erwerbstät. 1,2 % Sonstige 3,5 W/mPers. 66,5 min/Tag 18,8 min/Weg Mauritz-Mitte (45) 50 Pkw/100EW 13,3 % Fuß 154 Rad/100EW 54,6 % Rad Ø 52,1 Jahre 25,5 % MIV 13,5 % Studierende 5,2 % ÖPNV 49,3 % Erwerbstät. 1,4 % Sonstige 3,4 W/mPers. 67,7 min/Tag 19,8 min/Weg Hafen (43) 29 Pkw/100EW 12,4 % Fuß 113 Rad/100EW 58,3 % Rad Ø 41,2 Jahre 22,8 % MIV 25,8 % Studierende 5,2 % ÖPNV 54,8 % Erwerbstät. 1,4 % Sonstige 3,8 W/mPers. 68,9 min/Tag 18,1 min/Weg Rumphorst (46) 43 Pkw/100EW 8,1 % Fuß 151 Rad/100EW 61,2 % Rad Ø 51,4 Jahre 24,0 % MIV 12,5 % Studierende 6,3 % ÖPNV 49,8 % Erwerbstät. 0,4 % Sonstige 3,7 W/mPers. 72,6 min/Tag 19,8 min/Weg Uppenberg (47) 49 Pkw/100EW 9,8 % Fuß 136 Rad/100EW 55,5 % Rad Ø 45,2 Jahre 26,5 % MIV 18,1 % Studierende 7,4 % ÖPNV 49,2 % Erwerbstät. 0,9 % Sonstige 3,5 W/mPers. 71,1 min/Tag 20,2 min/Weg 47 46 45 44 43 Binnenverkehr in Münster Seite 124/150 Daten in Bezug auf den gesamten Stadtbezirk: • 52 Pkw/100 Einwohner • 125 Fahrräder/100 Einwohner • 50,7 Jahre Altersdurchschnitt • 15,4 % Studierende • 42,2 % Erwerbstätige • 3,4 Wege pro mobiler Person und Tag • 70,7 Minuten pro mobiler Person und Tag • 21,1 Minuten pro mobiler Person und Weg • 9,5 % Fuß • 46,1 % Rad • 35,1 % MIV • 8,7 % ÖPNV • 0,6 % Sonstige Auswertung auf Stadtteilebene Münster-West 51 52 56 Gievenbeck (51) 44 Pkw/100EW 12,2 % Fuß 125 Rad/100EW 47,0 % Rad Ø 45,4 Jahre 31,1 % MIV 18,9 % Studierende 9,4 % ÖPNV 43,7 % Erwerbstät. 0,4 % Sonstige 3,4 W/mPers. 68,5 min/Tag 20,1 min/Weg Sentrup (52) 41 Pkw/100EW 8,1 % Fuß 132 Rad/100EW 65,9 % Rad Ø 45,3 Jahre 19,2 % MIV 38,9 % Studierende 6,1 % ÖPNV 31,8 % Erwerbstät. 0,6 % Sonstige 3,7 W/mPers. 63,9 min/Tag 17,2 min/Weg Albachten (56) 58 Pkw/100EW 10,6 % Fuß 128 Rad/100EW 25,4 % Rad Ø 53,3 Jahre 48,0 % MIV 3,8 % Studierende 15,4 % ÖPNV 44,5 % Erwerbstät. 0,6 % Sonstige 3,3 W/mPers. 82,5 min/Tag 25,2 min/Weg 57 Roxel (57) 66 Pkw/100EW 7,3 % Fuß 115 Rad/100EW 29,1 % Rad Ø 57,0 Jahre 54,5 % MIV 4,6 % Studierende 7,7 % ÖPNV 47,7 % Erwerbstät. 1,3 % Sonstige 3,3 W/mPers. 74,1 min/Tag 22,5 min/Weg Nienberge (58) 61 Pkw/100EW 15,1 % Fuß 127 Rad/100EW 24,4 % Rad Ø 58,4 Jahre 50,0 % MIV 5,3 % Studierende 10,3 % ÖPNV 39,0 % Erwerbstät. 0,2 % Sonstige 3,1 W/mPers. 72,2 min/Tag 23,0 min/Weg 58 54 Mecklenbeck (54) 55 Pkw/100EW 4,3 % Fuß 125 Rad/100EW 43,2 % Rad Ø 53,4 Jahre 43,1 % MIV 11,4 % Studierende 8,8 % ÖPNV 45,6 % Erwerbstät. 0,6 % Sonstige 3,2 W/mPers. 69,7 min/Tag 21,7 min/Weg Binnenverkehr in Münster Seite 125/150 Daten in Bezug auf den gesamten Stadtbezirk: • 54 Pkw/100 Einwohner • 127 Fahrräder/100 Einwohner • 53,2 Jahre Altersdurchschnitt • 7,8 % Studierende • 46,0 % Erwerbstätige • 3,3 Wege pro mobiler Person und Tag • 69,9 Minuten pro mobiler Person und Tag • 21,5 Minuten pro mobiler Person und Weg • 11,8 % Fuß • 38,4 % Rad • 41,1 % MIV • 8,4 % ÖPNV • 0,3 % Sonstige Auswertung auf Stadtteilebene Münster-Nord Coerde (61) 50 Pkw/100EW 10,3 % Fuß 147 Rad/100EW 43,0 % Rad Ø 57,7 Jahre 37,1 % MIV 3,5 % Studierende 9,6 % ÖPNV 45,5 % Erwerbstät. 0,0 % Sonstige 3,4 W/mPers. 82,9 min/Tag 24,5 min/Weg Kinderhaus-Ost (62) 51 Pkw/100EW 11,5 % Fuß 124 Rad/100EW 41,6 % Rad Ø 54,6 Jahre 39,2 % MIV 8,2 % Studierende 7,7 % ÖPNV 45,9 % Erwerbstät. 0,0 % Sonstige 3,0 W/mPers. 56,8 min/Tag 18,9 min/Weg Kinderhaus-West (63) 57 Pkw/100EW 12,9 % Fuß 124 Rad/100EW 40,5 % Rad Ø 51,3 Jahre 37,3 % MIV 13,2 % Studierende 8,6 % ÖPNV 48,0 % Erwerbstät. 0,8 % Sonstige 3,2 W/mPers. 69,1 min/Tag 21,5 min/Weg Sprakel (68) 60 Pkw/100EW 11,2 % Fuß 105 Rad/100EW 19,6 % Rad Ø 49,0 Jahre 62,0 % MIV 0,0 % Studierende 7,3 % ÖPNV 42,0 % Erwerbstät. 0,0 % Sonstige 3,5 W/mPers. 69,4 min/Tag 20,1 min/Weg 63 62 61 68 Binnenverkehr in Münster Seite 126/150 Daten in Bezug auf den gesamten Stadtbezirk: • 63 Pkw/100 Einwohner • 138 Fahrräder/100 Einwohner • 57,1 Jahre Altersdurchschnitt • 5,7 % Studierende • 49,2 % Erwerbstätige • 3,2 Wege pro mobiler Person und Tag • 77,3 Minuten pro mobiler Person und Tag • 24,2 Minuten pro mobiler Person und Weg • 10,0 % Fuß • 39,8 % Rad • 41,3 % MIV • 8,5 % ÖPNV • 0,4 % Sonstige Auswertung auf Stadtteilebene Münster-Ost Handorf (77) 63 Pkw/100EW 7,4 % Fuß 141 Rad/100EW 30,2 % Rad Ø 57,0 Jahre 50,9 % MIV 2,3 % Studierende 11,3 % ÖPNV 50,4 % Erwerbstät. 0,2 % Sonstige 3,2 W/mPers. 81,0 min/Tag 25,4 min/Weg Gelmer-Dyckburg (76) 59 Pkw/100EW 9,6 % Fuß 136 Rad/100EW 41,8 % Rad Ø 56,7 Jahre 41,8 % MIV 4,7 % Studierende 6,1 % ÖPNV 489,1 % Erwerbstät. 0,6 % Sonstige 3,3 W/mPers. 76,8 min/Tag 23,5 min/Weg Mauritz-Ost (71) 64 Pkw/100EW 12,6 % Fuß 136 Rad/100EW 46,0 % Rad Ø 57,5 Jahre 32,7 % MIV 9,3 % Studierende 8,3 % ÖPNV 48,1 % Erwerbstät. 0,3 % Sonstige 3,2 W/mPers. 74,3 min/Tag 23,5 min/Weg 76 71 77 Binnenverkehr in Münster Seite 127/150 Daten in Bezug auf den gesamten Stadtbezirk: • 60 Pkw/100 Einwohner • 129 Fahrräder/100 Einwohner • 53,0 Jahre Altersdurchschnitt • 5,2 % Studierende • 50,5 % Erwerbstätige • 3,2 Wege pro mobiler Person und Tag • 74,6 Minuten pro mobiler Person und Tag • 23,1 Minuten pro mobiler Person und Weg • 7,3 % Fuß • 36,9 % Rad • 46,8 % MIV • 8,5 % ÖPNV • 0,5 % Sonstige Auswertung auf Stadtteilebene Münster-Südost Gremmendorf-Ost (82) 59 Pkw/100EW 9,1 % Fuß 129 Rad/100EW 45,3 % Rad Ø 50,8 Jahre 36,6 % MIV 6,6 % Studierende 8,2 % ÖPNV 52,2 % Erwerbstät. 0,8 % Sonstige 3,2 W/mPers. 71,9 min/Tag 22,3 min/Weg Angelmodde (86) 62 Pkw/100EW 7,1 % Fuß 124 Rad/100EW 35,0 % Rad Ø 60,8 Jahre 46,8 % MIV 2,8 % Studierende 11,1 % ÖPNV 44,9 % Erwerbstät. 0,0 % Sonstige 3,2 W/mPers. 78,3 min/Tag 24,5 min/Weg Gremmendorf-West (81) 56 Pkw/100EW 2,7 % Fuß 140 Rad/100EW 35,0 % Rad Ø 48,7 Jahre 55,9 % MIV 6,9 % Studierende 6,4 % ÖPNV 59,0 % Erwerbstät. 0,0 % Sonstige 3,0 W/mPers. 72,0 min/Tag 23,9 min/Weg Wolbeck (87) 61 Pkw/100EW 9,3 % Fuß 126 Rad/100EW 32,6 % Rad Ø 52,2 Jahre 48,5 % MIV 4,6 % Studierende 8,8 % ÖPNV 48,5 % Erwerbstät. 0,8 % Sonstige 3,3 W/mPers. 75,6 min/Tag 22,6 min/Weg 81 82 86 87 Binnenverkehr in Münster Seite 128/150 Daten in Bezug auf den gesamten Stadtbezirk: • 60 Pkw/100 Einwohner • 126 Fahrräder/100 Einwohner • 55,4 Jahre Altersdurchschnitt • 3,8 % Studierende • 45,9 % Erwerbstätige • 3,1 Wege pro mobiler Person und Tag • 67,0 Minuten pro mobiler Person und Tag • 21,4 Minuten pro mobiler Person und Weg • 9,3 % Fuß • 39,6 % Rad • 43,0 % MIV • 7,4 % ÖPNV • 0,6 % Sonstige Auswertung auf Stadtteilebene Münster-Hiltrup Hiltrup-Ost (95) 66 Pkw/100EW 8,7 % Fuß 125 Rad/100EW 40,1 % Rad Ø 53,8 Jahre 42,8 % MIV 5,1 % Studierende 7,0 % ÖPNV 49,8 % Erwerbstät. 1,4 % Sonstige 3,2 W/mPers. 66,4 min/Tag 20,9 min/Weg Berg Fidel (91) 50 Pkw/100EW 2,7 % Fuß 124 Rad/100EW 42,6 % Rad Ø 52,7 Jahre 49,2 % MIV 5,6 % Studierende 5,4 % ÖPNV 37,5 % Erwerbstät. 0,0 % Sonstige 3,2 W/mPers. 60,9 min/Tag 18,9 min/Weg Hiltrup-Mitte (96) 59 Pkw/100EW 9,5 % Fuß 135 Rad/100EW 42,4 % Rad Ø 61,0 Jahre 40,4 % MIV 2,6 % Studierende 7,6 % ÖPNV 46,6 % Erwerbstät. 0,1 % Sonstige 3,1 W/mPers. 71,6 min/Tag 22,9 min/Weg Amelsbüren (98) 67 Pkw/100EW 9,7 % Fuß 116 Rad/100EW 28,9 % Rad Ø 51,8 Jahre 49,0 % MIV 2,8 % Studierende 11,8 % ÖPNV 45,3 % Erwerbstät. 0,6 % Sonstige 3,0 W/mPers. 71,1 min/Tag 23,6 min/Weg Hiltrup-West (97) 55 Pkw/100EW 12,6 % Fuß 125 Rad/100EW 40,4 % Rad Ø 53,9 Jahre 40,2 % MIV 4,2 % Studierende 5,6 % ÖPNV 44,7 % Erwerbstät. 1,2 % Sonstige 3,2 W/mPers. 61,5 min/Tag 19,5 min/Weg 98 97 91 96 95 Binnenverkehr in Münster Seite 129/150 © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 130/150 6.2 Umsteigehäufigkeiten im ÖPNV-Tagesnetz © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 133/150 6.3 Erschließungsqualität im Stadtgebiet Münster © 2022 PTV Transport Consult GmbH Seite 136/150 6.4 Relationsauswertungen (Dreiecksnetz) 3931 262 7807 5048 2066 1680 1156 249 2666 1526 149 818 154 5881 9277 13074 1923 1916 1092 1690 1993 6422 16714 8412 51881566 8882 13307 468 462 6391 219 2528 8074 2235 8368 561 12015 2068 3302 1240 12546 1697 502 3925 Bezirke Z ielpotenziale <= 0 <= 200 <= 400 <= 600 <= 800 <= 1000 <= 1200 <= 1400 <= 1600 <= 1800 <= 2000 > 2000 O berbezirke Abc D iagramm Einwohnerdichte © 2021 PTV, HERE© 2021 PTV, HERE© 2021 PTV, HERE VISUM 21.01 PTV AG Stadt Münster - Einwohnerdichte und Zielpotenzi ale erstellt am: 14.10.2021 Seite 137/150 2 0 719 0 0 0 13369 0 0 0 0 0 0 8333 2172 214 0 0 0 0 4 240 0 0 71 4898 94 0 0 0 0 0 365 0 1 2304 0 1 0 0 0 50 0 0 76 Bezirke Studenten <= 0 <= 100 <= 200 <= 300 <= 400 <= 500 <= 600 <= 700 <= 800 <= 900 <= 1000 > 1000 Oberbezirke Abc Diagram m STUDIENPLATZ © 2021 PTV, HERE© 2021 PTV, HERE© 2021 PTV, HERE Masterplan Mobilität Münster 2035+ Studenten und Studienplätze erstellt am: 18.05.2021 Seite 138/150 7428 3048 3646 6245 1512 7336 15632 1748 7044 13537 2850 17064 1099 4138 2099 1685 2251 2013 10695 848 5921 2821 2531 1951 18572 6239 2259 3705 3898 2748 3749 5496 9364 7735 3649 1719 558 3917 1950 4416 6252 2900 1498 850 13335 Bezirke Erw erbstätige <= 0 <= 200 <= 400 <= 600 <= 800 <= 1000 <= 1200 <= 1400 <= 1600 <= 1800 <= 2000 > 2000 Oberbezirke Abc Diagram m ARBEITSPLÄTZE © 2021 PTV, HERE© 2021 PTV, HERE© 2021 PTV, HERE Masterplan Mobilität Münster 2035+ Arbeitsplätze - Erwerbstätige erstellt am: 18.05.2021 Seite 139/150 Bezirke Z ielpotenziale <= 0 <= 200 <= 400 <= 600 <= 800 <= 1000 <= 1200 <= 1400 <= 1600 <= 1800 <= 2000 > 2000 St reckenbelastung Belastung Spinne-VSys [Fzg] (P,AP) Belastung Spinne-VSys [Fzg] (R,AP) Belastung Spinne-VSys [Fzg] (ÖV,AP) © 2021 PTV, HERE© 2021 PTV, HERE© 2021 PTV, HERE Masterplan Mobilität Münster 2035+ Stadt Münster - Ludgeris traße (Zielverkehre) - Detailausschnitt erstellt am: 14.10.2021 Seite 140/150 Bezirke Z ielpotenziale <= 0 <= 200 <= 400 <= 600 <= 800 <= 1000 <= 1200 <= 1400 <= 1600 <= 1800 <= 2000 > 2000 St reckenbelastung Belastung Spinne-VSys [Fzg] (P,AP) Belastung Spinne-VSys [Fzg] (R,AP) Belastung Spinne-VSys [Fzg] (ÖV,AP) © 2021 PTV, HERE© 2021 PTV, HERE© 2021 PTV, HERE Masterplan Mobilität Münster 2035+ Stadt Münster - Dom (Ziel verkehr) - Detailausschnitt erstellt am: 14.10.2021 Seite 141/150 Bezirke Z ielpotenziale <= 0 <= 200 <= 400 <= 600 <= 800 <= 1000 <= 1200 <= 1400 <= 1600 <= 1800 <= 2000 > 2000 St reckenbelastung Belastung Spinne-VSys [Fzg] (P,AP) Belastung Spinne-VSys [Fzg] (R,AP) Belastung Spinne-VSys [Fzg] (ÖV,AP) © 2021 PTV, HERE© 2021 PTV, HERE© 2021 PTV, HERE Masterplan Mobilität Münster 2035+ Stadt Münster - Sentrup (Zi elverkehre) - Detailausschnitt erstellt am: 14.10.2021 Seite 142/150 Bezirke Z ielpotenziale <= 0 <= 200 <= 400 <= 600 <= 800 <= 1000 <= 1200 <= 1400 <= 1600 <= 1800 <= 2000 > 2000 St reckenbelastung Belastung Spinne-VSys [Fzg] (P,AP) Belastung Spinne-VSys [Fzg] (R,AP) Belastung Spinne-VSys [Fzg] (ÖV,AP) © 2021 PTV, HERE© 2021 PTV, HERE© 2021 PTV, HERE Masterplan Mobilität Münster 2035+ Stadt Münster - Loddenhe ide (Zielverkehre) erstellt am: 14.10.2021 Seite 143/150 Bezirke Z ielpotenziale <= 0 <= 200 <= 400 <= 600 <= 800 <= 1000 <= 1200 <= 1400 <= 1600 <= 1800 <= 2000 > 2000 St reckenbelastung Belastung Spinne-VSys [Fzg] (P,AP) Belastung Spinne-VSys [Fzg] (R,AP) Belastung Spinne-VSys [Fzg] (ÖV,AP) © 2021 PTV, HERE© 2021 PTV, HERE© 2021 PTV, HERE Masterplan Mobilität Münster 2035+ Quellverkehre Handorf erste llt am: 15.10.2021 Seite 144/150 Bezirke Z ielpotenziale <= 0 <= 200 <= 400 <= 600 <= 800 <= 1000 <= 1200 <= 1400 <= 1600 <= 1800 <= 2000 > 2000 St reckenbelastung Belastung Spinne-VSys [Fzg] (P,AP) Belastung Spinne-VSys [Fzg] (R,AP) Belastung Spinne-VSys [Fzg] (ÖV,AP) © 2021 PTV, HERE© 2021 PTV, HERE© 2021 PTV, HERE Masterplan Mobilität Münster 2035+ Quellverkehre Greven erstel lt am: 15.10.2021 Seite 145/150 Bezirke Z ielpotenziale <= 0 <= 200 <= 400 <= 600 <= 800 <= 1000 <= 1200 <= 1400 <= 1600 <= 1800 <= 2000 > 2000 St reckenbelastung Belastung Spinne-VSys [Fzg] (P,AP) Belastung Spinne-VSys [Fzg] (R,AP) Belastung Spinne-VSys [Fzg] (ÖV,AP) © 2021 PTV, HERE© 2021 PTV, HERE© 2021 PTV, HERE Masterplan Mobilität Münster 2035+ Quellverkehre Westbevern erstellt am: 13.10.2021 Seite 146/150 Bezirke Z ielpotenziale <= 0 <= 200 <= 400 <= 600 <= 800 <= 1000 <= 1200 <= 1400 <= 1600 <= 1800 <= 2000 > 2000 St reckenbelastung Belastung Spinne-VSys [Fzg] (P,AP) Belastung Spinne-VSys [Fzg] (R,AP) Belastung Spinne-VSys [Fzg] (ÖV,AP) © 2021 PTV, HERE© 2021 PTV, HERE© 2021 PTV, HERE Masterplan Mobilität Münster 2035+ Quellverkehre Telgte erst ellt am: 13.10.2021 Seite 147/150 Bezirke Z ielpotenziale <= 0 <= 200 <= 400 <= 600 <= 800 <= 1000 <= 1200 <= 1400 <= 1600 <= 1800 <= 2000 > 2000 St reckenbelastung Belastung Spinne-VSys [Fzg] (P,AP) Belastung Spinne-VSys [Fzg] (R,AP) Belastung Spinne-VSys [Fzg] (ÖV,AP) © 2021 PTV, HERE© 2021 PTV, HERE© 2021 PTV, HERE Masterplan Mobilität Münster 2035+ Quellverkehre Drensteinf urt erstellt am: 13.10.2021 Seite 148/150 Bezirke Z ielpotenziale <= 0 <= 200 <= 400 <= 600 <= 800 <= 1000 <= 1200 <= 1400 <= 1600 <= 1800 <= 2000 > 2000 St reckenbelastung Belastung Spinne-VSys [Fzg] (P,AP) Belastung Spinne-VSys [Fzg] (R,AP) Belastung Spinne-VSys [Fzg] (ÖV,AP) © 2021 PTV, HERE© 2021 PTV, HERE© 2021 PTV, HERE Masterplan Mobilität Münster 2035+ Quellverkehre Havixbeck erstellt am: 13.10.2021 Seite 149/150 Bezirke Z ielpotenziale <= 0 <= 200 <= 400 <= 600 <= 800 <= 1000 <= 1200 <= 1400 <= 1600 <= 1800 <= 2000 > 2000 St reckenbelastung Belastung Spinne-VSys [Fzg] (P,AP) Belastung Spinne-VSys [Fzg] (R,AP) Belastung Spinne-VSys [Fzg] (ÖV,AP) © 2021 PTV, HERE© 2021 PTV, HERE© 2021 PTV, HERE Masterplan Mobilität Münster 2035+ Quellverkehre Senden erste llt am: 13.10.2021 Seite 150/150
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Details
- Aktenzeichen
- V/0897/2021
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 13.01.2022
- Erstellt
- 29.11.2021 15:00