V/0538/2024
Zwischenergebnisse des Unterausschusses "Jugendhilfe und Fachkräfte" des Ausschusses für Kinder, Jugendliche und Familien
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Anlage A
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Anlage A zur V/0538/2024 Kurzüberblick Im Rahmen der Berichtsvorlage werden Ansätze vorgestellt, die im Unterausschuss Fachkräfte und Jugendhilfe erörtert wurden. Zum einen geht es um einen Ansatz des geteilten Wohnens, der das Problem des knappen und teuren Wohnraums für zuziehende (Nachwuchs-) Fachkräfte ab- mildern soll und zum anderen um die Einführung von Kita-Sozialarbeit in Coerdes Kitas, um die Belastung der Fachkräfte zu reduzieren und dem stadtteilspezifisch besonders ausgeprägten Fachkräftemangel so entgegen zu wirken. Ziele/Teilziele/Zielerreichung Der Bundesgesetzgeber hat für den Ausbau von bedarfsgerechten Betreuungsangeboten in Deutschland einen gesetzlichen Rechtsanspruch geschaffen. Dieser Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz gilt seit dem 1. August 2013 für alle Kinder ab dem vollendeten ersten Lebens- jahr. Ab 2026 besteht auch ein Rechtsanspruch auf einen OGS-Platz. Die Stadt Münster greift die Pflichtaufgabe zum bedarfsgerechten Ausbau der Kindertagesbe- treuung in der Produktgruppe 0601 „Förderung von Kindern in Tagesbetreuung“ in zwei Zielen auf. Zum einen ist der Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz für Kinder im Alter von 3 - 6 Jahren sicherzustellen und weiterhin sollen Tagesbetreuungsangebote für unter 3-jährige Kinder mit einer Versorgungsquote von bis zu 50 % ausgebaut werden. Mit dem Erreichen dieser Werte werden die ISM („Integrierten Stadtentwicklungs- und Stadtmar- ketingkonzept Münster“) Leitziele „Wir werden einer der führenden Bildungs-, Wissenschafts-, Forschungs- und Entwicklungsstandorte in Europa“ und „Wir werden Münster zu einer Stadt mit höchster Lebens- und Erlebnisqualität mit hohem Wohnwert, Familienfreundlichkeit und sozialer Balance in der Stadtgesellschaft weiterentwickeln“ forciert. Die Vorlage verfolgt mit der Sicherung der akuten Notbetreuung und der perspektivischen Stabili- sierung des Systems insbesondere auch die Amtsziele: „Prävention“ Wir gehen frühzeitig auf Kinder, Jugendliche und Familien zu, um ihnen unsere Unterstützung anzubieten. Wir wollen Prävention statt Reaktion. „Chancengleichheit“ Wir setzen uns dafür ein, dass alle Familien gleiche Chancen haben. Wir wollen die Integration von benachteiligten Kindern und Jugendlichen fördern. „Bildung ermöglichen – Leben lernen“ Durch Erziehung, Bildung und Betreuung fördern wir Kinder, Jugendliche und Familien. Wir be- gleiten sie frühzeitig und kontinuierlich in ihren Bildungsbiografien – in der Familie, in der Kinder- tagesbetreuung, in der Schule sowie in Ausbildung und Beruf. Durch vielseitige Angebote wie Eltern-, Familien- und Jugendbildung sichern wir gleiche Bildungschancen von Geburt an. Pflichtigkeitsgrad Die Maßnahme/Leistung ist vollständig pflichtig überwiegend pflichtig überwiegend freiwillig x vollständig freiwillig Die Kommune ist dazu verpflichtet, den Rechtsanspruch der Kinder auf Kindertagesbetreuung und zukünftig auf OGS-Betreuung zu erfüllen. Dieser Verpflichtung kommt sie durch den kontinu- ierlichen Ausbau der Kindertagesbetreuung nach. Nun ist das wankende System zu unterstützen, damit die vorhandenen Betreuungsplätze möglichst verlässlich und umfassend zur Verfügung stehen. Unmittelbare, grundsätzliche Relevanz für Querschnittsthemen (Demographie, Gleichstellung, Inklusion, Klimaschutz, Migration) Münster gehört zu den am stärksten wachsenden Städten in Nordrhein-Westfalen. Nach aktuellen städtischen Vorausberechnungen (V/0093/2024) könnte die Bevölkerung bis 2033 333.401 Ein- wohner steigen. Mit Blick auf die für die Kita relevanten Altersgruppen, wi rd ein Zuwachs im u3- Bereich prognostiziert. Somit nimmt im u3-Bereich das Wachstum um 7,8 % zu. Die wachsende Stadt, die alle Bereiche des Lebens betrifft, ist eine zentrale Herausforderung, der sich Münster stellen muss. Die demographische Entwicklung d er Stadt Münster ist ein grundlegender Bestandteil der Kita - ausbauplanung. Alle Maßnahmen zum Ausbau der Tagesbetreuung für Kinder orientieren sich an der kleinräumigen Bevölkerungsprognose der Stadt Münster und sind darauf ausgerichtet, eine familienfreundliche Stadtentwicklung zu fördern. Dazu tragen insbesondere die bedarfsgerechte Schaffung von Plätzen zur Erfüllung des Rechtsanspruchs für ü3-Kinder und der Ausbau von u3- Plätzen bei. Im Rahmen der unterschiedlichen Arbeitsfelder der Kindertagesbetreuung werden wichtige As- pekte wie Barrierefreiheit, Inklusion, Sprachförderung und Qualifizierung differenziert berücksich- tigt und unterstützen eine familienfreundliche Entwicklung in Münster. Weiterhin steht der Ausbau von Kindertagesbetreuungsangeboten im Einklang mit der Ausrichtung Münsters als führender Wirtschaftsstandort.
Berichtsvorlage
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V/0538/2024
V/0538/2024
Öffentliche Berichtsvorlage
Betrifft
Zwischenergebnisse des Unterausschusses "Jugendhilfe und Fachkräfte" des Ausschusses für
Kinder, Jugendliche und Familien
Beratungsfolge
26.09.2024 Ausschuss für Kinder, Jugendliche und Familien Bericht
1. Einleitung
Der neu gegründete Unterausschuss des Ausschusses für Kinder, Jugendliche und Familien tagt seit
September 2023 zum Thema Fachkräftegewinnung für Kitas und OGS einmal im Quartal 1. Zielset-
zung des Gremiums ist es, sowohl wirksame als auch umsetzbare, kommu nale Handlungsstrategien
zu entwickeln, mit denen Münster dem Fachkräftemangel entschieden entgegentreten kann. Dafür
bedarf es eines umfassenden Blicks auf die Situation in der Stadt, der die Perspektiven der wesentli-
chen Stakeholder berücksichtigt: Was gibt es schon Gutes, an das angeknüpft werden kann oder das
erweitert werden kann? Wo könnte etwas reduziert/beendet werden, um Neuem Raum zu geben
und/oder die Stabilität des laufenden Betriebs zu befördern? Welchen spezifischen Problemlagen
sehen sich Fac hkräfte, Träger bei der Akquise und Bindung von Personal in Münsters Kitas/OGS
ausgesetzt? Wie wirkt sich der Mangel auf die Kinder und ihre Familien aus und wie können diese
Härten möglichst abgefedert werden? Welche Ansätze sind auch kurzfristig umsetzba r und welche
Ansätze versprechen so hohe Wirksamkeit, dass sie auch bei aktuell schwieriger Haushaltslage fi-
nanzierbar sein müssen?
Nach der konstituierenden Sitzung am 26.09.2023 und der nachfolgenden Sitzung, die der Informati-
onsgewinnung sowie -bewertung und daraus resultierend der Schwerpunktsetzung/Themenrichtung
des Gremiums gewidmet war, wurde das Schwerpunktthema Wohnen im Rahmen von zwei Sitzun-
gen bearbeitet. Zudem wurde ergänzend über die Situation in Gremmendorf und Coerde gesprochen,
denn nicht alle Stadtteile Münsters sind vom Fachkräftemangel gleichermaßen betroffen: Besonders
in Coerde und Gremmendorf besteht ein gravierender Mangel, dort können die meisten Kitaplätze in
Münster wegen fehlenden Personals nicht belegt werden (vgl. KTBB 2023, S. 10 ff. und 2024, S. 8ff.).
1 Sowie mittelfristig/langfristig für andere soziale Berufsfelder, wie stationäre Jugendhilfe oder der Kommunale
Sozialdienst.
Amt für Kinder, Jugendliche
und Familien
13.09.2024
Ihr/e Ansprechpartner/in:
Saskia Gellinek/Anja Gerick
Telefon: 492-5105
GellinekS@stadt-
muenster.de
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Diese Berichtsvorlage dient dazu, die erarbeiteten Ansätze des neuen Gremiums darzustellen, um sie
bekannt und ggf. umsetzbar zu machen.
2. Schwerpunktthema Wohnen
Als zentrales Hindernis für das erfolgreiche Anwerben von Fachkräften für Münsters Kitas und Offene
Ganztagsschulen (OGS) wurden die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt in Münster sowie
die hohen Mietpreise identifiziert. Der Zuzug von Fachkräften nach Münster ist zwingend notwendig,
um den Bedarf an Fachkräften zu decken. Die Abschlussklassen der ansässigen Fachschulen für
Sozialpädagogik reichen – selbst bei der Annahme, dass alle Absolvent*innen im Beruf UND in Müns-
ter bleiben – nicht, um den Bedarf zu decken. Rückmeldungen von Trägern bestätigen, dass die Lage
des Wohnungsmarktes für Fachkräfte zu verbessern eine zentrale Stellschraube sein kann, um
Münster für Fachkräfte attraktiver zu machen2. Aktuelle politische Anträge berücksichtigen dies be-
reits, wie z.B. Antrag an den Rat Nr. A-R/0031/2023 „Mehr Wohnraum für Fachkräfte – Ein Woh-
nungsgipfel für Münster“ oder Antrag an den Rat Nr. A-R/0037/2023 „Wohnraumoffensive für Angehö-
rige der Erziehungsberufe“.
Aus den Mitgliedern des Unterausschusses gründete sich eine Unterarbeitsgruppe, die die Erarbei-
tung einer tragfähigen Idee zum Thema Wohnen für Münster angesetzt hat. Diese ist angelehnt an
„Wohnen für Hilfe“3, welches in Münster von Juli 2005 bis Mai 2008 mit Landesförderung hauptamtlich
geleitet wurde und seit 2009 neu aufgestellt und unter ehrenamtlich er Leitung weitergeführt wurde.
Der Ansatz ist additiv zur langfristigen Anstrengung in Neubaugebieten gedacht, Wohnungen für
Fachkräfte zu günstigen Mietkonditionen zu bekommen sowie ein Azubi-Wohnheim zu errichten. Es
soll dem kurzfristigen Schaffen von bezahlbarem Wohnraum für (Nachwuchs) -Fachkräfte für Müns-
ters Kitas und als Anreiz für den Zuzug nach Münster dienen.
Geteiltes Wohnen
„Wohnen für Hilfe“ ist eine etablierte, ehrenamtlich organisierte Methode der Wohnraumvermittlung in
Münster. Ziel ist, Seniorinnen und Senioren, die über ausreichend Wohnraum verfügen und Unter-
stützung im Alltag wünschen, mit Studierenden/Auszubildenden, die preiswerten Wohnraum suchen
und ein soziales Interesse am Zusammenleben mit älteren Menschen haben, in einer Wo hnpartner-
schaft zusammenzubringen. Anstelle von Mietzahlungen sollen ganz oder teilweise Hilfeleistungen
gewährt werden. Es gilt die Faustregel, dass für einen Quadratmeter Wohnraum eine Stunde Hilfe-
leistung im Monat erbracht wird, d.h. die Miete kann entweder reduziert oder ganz erarbeitet werden,
so dass das Wohnen kostengünstig oder gar kostenfrei ist.
Das nahe Miteinander in einer Wohnpartnerschaft erfordert vertragliche Regelungen4 und Menschen,
die zueinander passen. Es werden sowohl mit Vermieterinn en und Vermietern als auch mit Studie-
renden/Azubis vorab ausführliche Gespräche geführt und auch die Wohnung/das Haus zuvor besich-
tigt. Ein Bewerbungsbogen vorab fragt zudem Interessen, Wünsche, Vorlieben und ganz praktische
2 Es ist außerdem davon auszugehen, dass wenn neu zugezogen wir d eine zentrale Wohnlage - besonders für
junge Menschen – attraktiver ist. Auch die Nähe zum Arbeitsplatz ist wesentlich ist, da als Fachkraft in einer
Kita Homeoffice nicht möglich ist.
4 Zwischen den Wohnpartnern wird ein Wohnraumüberlassungsvertrag ge schlossen, in dem die Wohnraumbe-
reitstellung, Mitnutzungsrechte und die jeweiligen Unterstützungsleistungen vereinbart werden. Vor allem Art
und Umfang der Unterstützung sowie die Höhe der Nebenkosten finden hier Berücksichtigung. Wohnungsan-
bieter*innen und Mitbewohner*innen bekommen hierzu persönliche Beratung und Begleitung.
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Informationen ab, wie zum Beispiel: Gibt es Haustiere? Werden Bad und Küche gemeinsam benutzt?
Darf ein*e Freund*in auch über Nacht bleiben? Auch die gewünschten Hilfeleistungen werden be-
nannt und definiert. Hilfeleistungen, die erbracht werden, können u.a. sein: Hilfe bei Behördengängen,
Autofahrten, Einkaufen, Gärtnern, Kochen oder Gesellschaft leisten. Pflegeleistungen sind ausge-
schlossen. Auch nach Vertragsabschluss bleiben die zuständigen ehrenamtlichen Projektleitungen
Ansprechpartner für beide Parteien. Kosten entstehen dabei keine.
„Wohnpaar auf Zeit“ ist ein ähnliches, hauptamtlich durch das Wohnungsamt Düsseldorf geleitetes
Projekt. Vermieter*innen verzichten auf Kaltmiete, um im Gegenzug max. 12 Stunden Hilfe im Monat
zu erhalten. Bei diesem Projekt ist es alternativ möglich, dass Vermieter*innen, die keine Unterstüt-
zungsleistungen wünschen/brauchen, ihre Mieter*innen für bürgerschaftliches Engagement in der
Stadt freistellen. Das Projekt ist offen für andere Vermieter*innen außer älteren Menschen (auch Fa-
milien, Alleinerziehende und andere Interessierte können Wohnraum anbieten)5.
Warum ist dieser Ansatz geeignet, der Situation zu begegnen? Die Fachhochschule Münster, Fach-
bereich Sozialwesen hat von 2005 bis 2007 eine Begleitforschung des geförderten Landesprojektes
für das Amt für Wohnungswesen (damalige Projektleitung) durchgeführt. Die Evaluation ergab, dass
der Ansatz gewinnbringend für alle Beteiligten ist. Es wurde eine Fortführung und somit eine Über-
nahme des Landesprojektes in den städtischen Haushalt empfohlen. Zudem wurde eine Ausweitung
auf andere Zielgruppen angeraten.
2023 sind durch die aktuelle, ehrenamtliche Projektkoordination 14 Wohnpartnerschaften vermittelt
worden.6 Dies sei als guter Wert einzuordnen. Die bestehende ehrenamtliche Leitung sah auf Grund
fehlender finanzieller und personeller Ressourcen7 keine Möglichkeit, diesen Ansatz auszuweiten, um
Fachkräfte für Kitas gezielt in den Blick zu nehmen und mit Wohnraum zu versorgen (Nachfrage zu-
ständige Stelle 12.2023).
Vorschlag
Um eine solche Idee weite rzuverfolgen, würden zumindest bis zur Etablierung mehr Ressourcen in
der Koordination benötigt. Hierdurch könnte eine Ausweitung der Wohnpartnerschaftsvermittlung und
somit wirksame Unterstützung für zuziehende Fachkräfte erreicht werden.
Vorteile dieser Idee sind die kurzfristige Umsetzbarkeit/Erweiterbarkeit des Ansatzes sowie die relativ
geringen Kosten, die sich auf die Einrichtung von 0,5 bis maximal 1 VZÄ und Werbekosten reduzie-
ren. Bei einer Eingruppierung der Stelle in S12 (Sozial- und Erziehungsdienst (SuE) würden im Jahr
bei einer Vollzeitstelle ca. 75.940 € Personalkosten inkl. Zuschläge entstehen8.
Der Ansatz verfolgt und befördert gleichzeitig die Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts
und der intergenerativen Kommunikation. Die Fokussierung auf Fachkräfte in Kitas/OGS könnte zu-
dem ein weiterer Anreiz für potentielle Vermieter*innen darstellen, da sie für sich selbst Unterstützung
versprechen und parallel einen gesellschaftlich wesentlichen Beitrag mit der Unterbringung einer
5 Vgl. https://www.duesseldorf.de/wohnen/wohnpaar -auf-zeit/
6 Insgesamt konnten bei hauptamtlicher Leitung (1 VZÄ) des Projektes 38 Wohnpartnerschaften von Dezember
2005 bis Januar 20 08 gebildet werden (Anlaufzeit des Projektes muss bei dieser Zahl berücksichtigt werden).
Die angestrebten primären Zielsetzungen des Projektes, die die Vermittlung von preisgünstigem Wohnraum an
Studierende einerseits und die Unterstützungsleistungen im A lltag für Seniorinnen und Senioren andererseits
einbeziehen, sind durchgehend erreicht worden. Dies belegt insbesondere auch der Abschlussbericht der
Fachhochschule Münster. (vgl. V/0087/2008)
7 Es wird von der Stadt jährlich ein Budget von 3.500€ zur Verf ügung gestellt, um das Projekt zu ermöglichen.
Durchgeführt werden die Tätigkeiten von einem Team von Ehrenamtlichen.
8 Quelle: „Personalkosten 2023 - gesamtstädtischer Durchschnitt“
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Fachkraft leisten. Vorteil ist, dass der Ansatz bereits erprobt ist und sowohl in Münster als auch in
anderen Kommunen funktioniert. Es besteht in Münster eine umfangreiche Expertise zu der Umset-
zung sowohl ehren- als auch hauptamtlich, auf die bei der weiteren Ausgestaltung des Konzepts zu-
rückgegriffen werden könnte.
Einschränkend muss angemerkt werden, dass es sich hierbei um keine dauerhafte Wohnlösung für
Nachwuchskräfte handelt, sondern nur für bestimmte Lebensabschnitte denkbar und abhängig vom
gesundheitlichen Zustand des*der Mitbewohner*in ist. Eine gewisse Zurü ckhaltung könnte auch bei
den Fachkräften bestehen, die anders als Studierende, nach einem vollen Arbeitstag in dieser Wohn-
form weitere Verpflichtungen zu erfüllen haben.
Eine formlose Befragung in einigen Klassen der Fachschulen für Sozialpädagogik durc h die jeweili-
gen schulischen Abteilungsleitungen in Münster ergab, dass der Ansatz als gute Idee wahrgenom-
men wird. Mietfrei wohnen zu können, wurde als Gewinn bewertet, sowie die Möglichkeit neue Erfah-
rungen zu sammeln. Zudem könne eine solche Wohnform bei einem Karrierewunsch im sozialen Be-
reich durchaus gewinnbringend im Lebenslauf angegeben werden. Die zusätzlichen, verbindlichen
Verpflichtungen, die diese Wohnform mit sich bringen würde, wurden neben Schularbeit und Neben-
job allerdings als Herausforderung gesehen. Diese würden sich negativ auf Flexibilität und Spontanei-
tät auswirken. Potentiell bestand auch die Sorge, dass die Wohnform auf Grund anderer Interessen
der jeweiligen Mitbewohner*innen anspruchsvoll sein könnte.
Es zeigte sich, dass für Erz ieher*in-Azubis (konsekutive Form) zum Zeitpunkt der Befragung kein
hoher Bedarf vorlag. Diese wohnen noch zum Großteil zu Hause. Sie haben entsprechend größten-
teils eine Fachschule in ihrem Wohnort gewählt.
Anders fiel der Bedarf von Schüler*innen aus, die an einer Weiterbildung im Bereich Heilpädagogik
teilnahmen. Diese sind zum großen Teil lebenserfahrener und zugezogen. In dieser Gruppe wurde
von einigen Personen Interesse an einer solchen Wohnform geäußert. Ähnliches Interesse wurde
auch bei den Heilerziehungspfleger*innen-Azubis gezeigt, die ebenso häufig etwas lebenserfahrener
sind.
Sollte das Projekt „Wohnen für Hilfe“ für (Nachwuchs -) Fachkräfte für Kitas und OGS weiterverfolgt
werden, sind folgende Empfehlungen der Fachhochschule Münster wesentlich:
Sorgfältige Auswahl der passenden Besetzung der Koordination für Wohnen für Hilfe
Die sorgfältige Auswahl der Wohnpartner*innen und eine intensive Begleitung der bestehen-
den Partnerschaften ist die Grundlage für erfolgreiche Gemeinschaften. Die sor gfältige Erfas-
sung der Lebenssituation und der Wünsche der Bewerber*innen, die gezielte Auswahl von
Wohnpartnerschaften, die Einzelfallberatung, die Hausbesuche zur Klärung der Wohnverhält-
nisse und die Moderation und Begleitung in Problemfällen sind die wichtigsten Garanten für ei-
nen Erfolg des Projekts. Es ist keinesfalls leicht, die passenden Wohnpartnerschaften zusam-
men zu bringen. Solch ein Projekt funktioniert nur, wenn es professionell geleitet wird. (Ab-
schlussbericht 2008, S. 44)
Umgang mit Zurückhaltung von Senior*innen bei Bewerbung
Trotz umfangreicher Öffentlichkeits- und Vernetzungsarbeit sind die älteren Menschen bei ih-
ren Bewerbungen zurückhaltender. Ähnliche Erfahrungen machen auch die Projektträger in
anderen Städten, wie z.B. in Köln und Frankfurt. Ein Schwerpunkt bei der künftigen Öffentlich-
keitsarbeit muss deshalb die überzeugende Darstellung des Projektes für Seniorinnen und Se-
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nioren sein. Vor allem aber wird es künftig darauf ankommen, die bestehenden und sich neu
entwickelnden Wohnpartnerschaften in der Weise zu begleiten, dass sie zum einen gut funkti-
onierende Wohnpartnerschaften bleiben und zum anderen beispielhaft und werbend in die Ge-
sellschaft wirken.
Für eine Konzeptschärfung würden im nächsten Schritt Gespräche zwischen dem Amt fü r Kinder,
Jugendliche und Familien und dem Amt für Wohnungswesen und Quartiersentwicklung geführt wer-
den.
Als weitere Idee, die im Unterausschuss besprochen wurde, allerdings noch zu konkretisieren wäre,
wurde ein Ansatz favorisiert, um Nachwuchskräfte in Kitas/OGS günstigen Wohnraum anbieten zu
können. Dieser beruht auf der Hypothese, dass Privatvermieter*innen bei dem richtigen (nicht -
monetären) Anreiz dazu bereit wären, einen gesellschaftlichen Beitrag gegen den Fachkräftemangel
in Kitas zu leisten, i ndem sie Wohnraum günstiger für (neue) Kita/OGS -Fachkräfte zur Verfügung
stellen. Sie würden dafür eine überschaubare Einbuße bei Mieteinnahmen hinnehmen. Eine vergüns-
tigte Miete könnte entweder fest als Prozentsatz von dem gültigen Mietspiegel der Umgebun g oder
entsprechend der Vorgaben bei der WBS B -Förderung bedeuten9. Welcher Anreiz dies sein könnte,
müsste in einer Ansprache der Zielgruppe der Privatvermieter*innen erörtert werden. Denn nur bei
passgenauem Anreiz, könnte dieser Ansatz wirksam sein. Es ist dementsprechend zentral bei der
Zielgruppe selbst anzufragen, welcher nicht -monetäre Anreiz, wenn überhaupt, sie dazu bewegen
könnte, Kitafachkräfte zu begünstigen.
3. Coerde und Gremmendorf: Vom Fachkräftemangel stark betroffen
Coerde und Gremmendorf sind als Stadtteile in Münster am stärksten vom Fachkräftemangel in Kitas
betroffen. Bereits im Kindertagesbetreuungsbericht 2023 und erneut in 2024 wird dargestellt, welche
Auswirkungen dieser auf die Versorgung mit Kitaplätzen in den beiden Stadtteilen h at. Im Kitajahr
2024/2025 können münsterweit insg. 466 Kitaplätze wegen Fachkräftemangel nicht besetzt werden
(davon 174 u3 Plätze und 292 ü3 Plätze). Allein in Coerde können 39 u3 Plätze und 115 ü3 Plätze
nicht belegt werden. In Gremmendorf können 21 u3 u nd 51 ü3 Plätze nicht belegt werden. Deshalb
wurde im Unterausschuss ergänzend von der mangelgeprägten Situation in Gremmendorf und be-
sonders in Coerde berichtet.
Auf Initiative des Gremiums wurden kurzfristig jeweils 40.000 € für die Einrichtung eines Bildungsan-
gebotes für Vorschulkinder ohne Kitaplatz in den beiden Stadtteilen für 2024 in den Haushalt einge-
stellt10. Dabei geht es um eine zeitliche begrenzte Abfederung von Not (vgl. V//0207/2023), nicht um
die Einrichtung eines dauerhaften Zweitangebots.
9 Für den Bezug einer Sozialwohnung benötigt man einen Wohnberechtigungs schein (WBS). Ein WBS wird
erteilt, wenn die vom Land NRW vorgegebenen Einkommensgrenzen eingehalten werden. Im WBS wird eine
für die Anzahl der Haushaltsmitglieder angemessene Wohnungsgröße festgelegt. Ein Großteil der Wohnungen
mit WBS wird durch das Amt für Wohnungswesen und Quartiersentwicklung vermittelt (Einkommensgruppe A
für einen WBS A). Bei einer geringen Anzahl von Wohnungen darf die maßgebliche Einkommensgrenze um bis
zu 40 % überschritten werden, um einen Wohnberechtigungsschein B (WBS B) zu er halten. Die Miete für diese
Wohnungen ist dafür allerdings auch erheblich höher als bei den üblichen Sozialwohnungen. Solche Wohnun-
gen werden durch das Amt für Wohnungswesen und Quartiersentwicklung nicht vermittelt. Sie werden direkt
von privaten Vermietern oder Wohnungsgesellschaften über Zeitungsinserate oder das Internet angeboten.
Eine alleinstehende*r Arbeitsnehmer*in darf laut Beispiel bis zu 45.800 € Jahres -Brutto-Einkommen haben. Die
Miete mit WBS B in 2024 liegt bei 9,00 €/qm (im Vergleich: WBS A in 2024: bei 7,85 €/qm) (vgl.
https://www.stadt -muenster.de/wohnungsamt/wohnberechtigungsschein -wbs).
10 Im Rahmen eines HH -Antrages der Fraktionen Bündnis 90/ Die Grünen/ GAL, SPD, Internationale Fraktion
Die Partei/ ÖDP "Notfalltopf für Kita -Platz Mangel, insbes. Coerde und Gremmendorf“
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In Coerde wird das Angebot durch den Verein FranKo e. V. in den Räumen der Franziskusgemeinde
durchgeführt. In Gremmendorf wird das Angebot durch den CVJM in der Kinder- und Jugendeinrich-
tung „New York“ umgesetzt. In beiden Gruppen waren zur Einschulung 2024 jeweils sieben Kinder
regelmäßige Teilnehmer*innen
Vorschlag
Beide Gruppen haben die Zuschüsse bis Dezember 2024 bereits erhalten.
Um das Angebot in beiden Stadtteilen durchgängig bis zum Ende des Kindergartenjahres 2024/2025
durchzuführen und den jetzt neu aufzunehmenden Kindern eine wirklich Perspektive zu bieten, ist
eine Finanzierung der Maßnahme von Januar bis Juli 2025 erforderlich. Für die Vorschulangebote
werden jeweils und einmalig ca. 28.000 € (insg. 56.000 €) benötigt.
Nach aktuellem Sta nd ist davon auszugehen, dass durch den Neubau von drei Einrichtungen in
Gremmendorf sowie einer Einrichtung in Coerde potentiell alle Vorschulkinder ab August 2025 in Kin-
dertageseinrichtungen betreut werden können und ein Angebot für Vorschulkinder voraus sichtlich
nicht mehr benötigt wird.
Aufgrund der besonderen Situation hat sich in Coerde unabhängig vom Unterausschuss der „Runde
Tisch Coerde“ gebildet. Dieses Gremium tagte zweimal (Dezember 2023 und März 2024). Um keine
Parallelstrukturen aufzubauen, wurden Inhalte und Ergebnisse der Sitzungen im Unterausschuss vor-
gestellt.
4. Runder Tisch Coerde
Teilnehmende waren von allen ansässigen Kitas sowohl die Leitungen als auch Trägervertretungen,
Vertreter*innen der Verwaltung, Bezirksbürgermeister Nord und der Koordinator Frühe Hilfen für Co-
erde. Im Kreise dieser Expertinnen und Experten wurden wesentliche Themen im Zusammenhang mit
dem Fachkräftemangel in Coerdes Kitas besprochen und passende Antworten diskutiert. Zielsetzung
des „Runden Tisches Coerde“ war eine Einigung auf eine oder mehrere favorisierte Maßnahmen, um
Fachkräfte für Coerdes Kitas zu bekommen und bestehendes Kita-Personal zu binden.
Coerde unterscheidet sich von anderen Stadtteilen nicht nur durch die hohe Anzahl an Kitaplätzen,
die durch d en Fachkräftemangel nicht besetzt werden können, sondern durch die schwerwiegende
Konsequenz, die ein fehlender Kitaplatz für viele Kinder in Coerde hat. In Coerde wohnen viele Emp-
fänger*innen von Sozialleistungen. Der Stadtteil weist sehr viel mehr SGB -II-Empfänger*innen im
Alter von 15 bis 64 Jahren an der Gesamtbevölkerung auf, als im Münsteraner Durchschnitt. Dement-
sprechend ist auch der Anteil von Kindern (0 bis 14 Jahre), die SGB II - berechtigt sind, überdurch-
schnittlich hoch. Die Themen Armut und ein e unbefriedigende soziale Lebenslage sind in Coerde
überdurchschnittlich präsent. Im Stadtteil Coerde wohnen sehr viele Familien und der Anteil der Al-
leinerziehenden ist deutlich erhöht. Das Bildungsniveau im Stadtteil ist relativ gering. Hinsichtlich des
Gesundheitszustandes sind der Anteil an Kindern mit Übergewicht und der Anteil an Kindern mit
schlechtem Zahnzustand in Coerde im Vergleich zum gesamtstädtischen Durchschnitt deutlich höher.
(Quelle INSEK Coerde)
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Die Ergebnisse der Schuleingangsuntersuchu ngen in Coerde in 2022 untermauern den erhöhten,
außerfamiliären Unterstützungsbedarf vieler Kinder in Coerde. 11 In Coerde wiesen 6,3 % Kinder
Übergewicht und 12,6 % Adipositas auf (Münster gesamt 5,0 % / 4,6 %). 26,9 % der Kitakinder aus
Coerde wiesen ein behandlungsbedürftiges Gebiss auf (Münster gesamt 10,5 %). Deutschförderbe-
darf zeigten 58,2 % der Kinder aus Coerde (Münster gesamt 21,8 %). Radfahren ohne Stützräder
können laut Elternangabe 63,1 % der Kinder in Coerde (Münster gesamt 85,8 %). Die Schwimm fä-
higkeit der Kinder in Coerde fiel laut Elternangabe geringer aus als der münstersche Durchschnitt.
Nur 5,6 % der Kinder wurden als sichere Schwimmer*innen eingestuft (Münster gesamt 22 %) und
78,8 % als nicht sichere Schwimmer (Münster gesamt 44,5 %). Au ch der Inklusionsbedarf ist hoch:
Von den stadtweit 518 Kindern, die im März 2024 einen laufenden Betreuungsvertrag in einer Kita in
Münster sowie einen vom LWL genehmigten Integrationsantrag hatten, besuchen 71 eine Kita in Co-
erde. In Relation gesetzt zu den 485 Kitaplätzen, die zum Erfassungszeitpunkt in Coerde zur Verfü-
gung standen (wegen Einschränkung nur 485 anstatt 616) haben 15 % aller Kinder mit laufendem
Betreuungsvertrag in einer Kita in Coerde einen bescheinigten, inklusiven Förderbedarf. Das ist mehr
als doppelt so viel wie der stadtweite Durchschnitt.
Dies verdeutlicht, dass die Arbeit von Fachkräften besonders anspruchsvoll ist und Fachkräfte – auch
bei voller Besetzung - zahlreichen Herausforderungen gegenübergestellt sind, z.B. komplexe Prob-
lemlagen in Familien, Elternarbeit mit sprachliche Barrieren , erhöhte Anzahl an Kinderschutzfällen,
erhöhte Anzahl an Kindern mit inklusivem Förderbedarf. Das heißt aber auch, dass zum Abbau von
Benachteiligung und der Herstellung von Chancengerechtigkeit die Bildung, Betreuung und Erziehung
in der Kita für Kinder in Coerde eine zentrale Funktion hat.
Kita-Sozialarbeit
Die Teilnehmenden des „Runden Tisch Coerde“ haben sich in der zweiten Sitzung auf eine favorisier-
te Maßnahme geeinigt, die die spezielle Situation in Coerde am wirkungsvollsten zu verbessern ver-
spricht: Ein (additiv-ergänzender) Einsatz von Sozialarbeiter*innen in Coerdes Kitas, um die Kompe-
tenzen des Personals zu erweitern, dabei die Qualität der Arbeit zu verbessern sowie gleichzeitig die
Mitarbeitenden im Gruppendienst zu entlasten und so Kapazitäten für die Arbeit mit den Kindern zu
schaffen. Kita-Sozialarbeit ist ein zusätzliches sozialpädagogisches Angebot, welches Eltern und Kin-
der sowie Fachkräfte unterstützt und begleitet. Zudem soll das pädagogische Personal z. B. in allge-
meinen Fragen zur Orientierung im Sozialraum und in herausfordernden Situationen beraten werden.
Konkrete Aufgaben können sein: Beratung von Eltern und Begleitung zu weiterführenden Hilfsange-
boten, die Vorbereitung und Begleitung bzw. Durchführung von (schwierigen) Elterngesprächen, Kon-
zeptionierung und Umsetzung von bedarfsgerechten Förderangeboten für Kinder, das Entwickeln von
konzeptionellen Antworten auf besondere Bedarfe von Eltern, Kindern und Mitarbeiterinnen und Mit-
arbeitern. Eine wissenschaftliche Begleitung der Te stphase und eine Evaluation durch eine Hoch-
schule ist angedacht.
11 Es ist zu beachten, dass bedingt durch die Corona -Pandemie keine Vollerhebung des Einschulungsjahrgangs
2022 vorliegt. Gemäß dem Erlass des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein -
Westfalen vom 3.6.2020 erfolgte eine Priorisierung der Schuleingangsuntersuchungen mittels verschiedener
Auswahlverfahren. Bei der Ermittlung von Kindern mit einem erhöhten Bedarf an einer Einschulungsuntersu-
chung wurden zunächst die Kinder der Kitas und Grundschulen mit einem erfahrungsgemäß erhöhten Belas-
tungsprofil priorisiert. Ergänzend wurden die Leitungen der Grundschulen gebeten, dem Gesundheitsamt dieje-
nigen Kinder zu melden, bei denen sich im Zuge der Schulanmeldung sowie in den ersten Wochen des Schul-
jahres die Notwendigkeit einer schulärztlichen Untersuchung herauskristallisierte.
Trotz der Einschränkungen durch die Corona -Pandemie konnten 93 % der Kinder des Einschulungsjahrgangs
2022 untersucht werden.
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Argumente für die Einführung von Kita-Sozialarbeit sind die guten Erfahrungen mit der Schulsozialar-
beit sowie die Erkenntnis, dass soziale und familiäre Problemlagen nicht erst im Schulalter entstehen.
Die Gemeinsamkeiten von Kita-Sozialarbeit und Schulsozialarbeit bestehen darin, dass sie auf den
Ausgleich von sozialer Benachteiligung, die Gestaltung von Übergängen sowie Vernetzung abzielen).
Zu unterscheiden sind aber die Zielgruppe sowie die Strukturen, mit und in denen die Sozialarbei-
ter*innen agieren. Während sich Kita-Sozialarbeit vor allem an die Erziehungsberechtigten sowie die
Erzieher*innen richtet, fokussiert Schulsozialarbeit neben den Erziehungsberechtigten und den Leh-
rerkräften auch die Arbeit mit Kindern. Zudem ist festzuhalten, dass der Besuch der Kita im Gegen-
satz zur Schule ein freiwilliges Angebot ist. Auch sind die Kontaktmöglichkeiten zu den Erziehungsbe-
rechtigten voneinander zu unterscheiden. Während sich in der Kita durch tägliche Hol- und Bringsi-
tuationen niederschwellige Kontaktmöglichkeiten zu den Erziehungsberechtigten ergeben, sind diese
in der Schule nicht unbedingt gegeben, beziehungsweise müssen anders gestaltet werden.
Eindeutig abzugrenzen ist die Kita-Sozialarbeit von der pädagogischen Arbeit bzw. dem Auftrag von
Erzieher*innen. Ebenso zu unterscheiden ist die Fachberatung für Kitas. Die Kita -Fachberatung un-
terstützt Kitas in organisatorischen, pädagogischen und konzeptionellen Fragen. Sie dient als externe
Beratung für Leitungskräfte und Teams, um die Qualität der pädagogisc hen Arbeit zu sichern und
weiterzuentwickeln. Kita-Sozialarbeit fokussiert sich auf die soziale Unterstützung von Familien. Sie
zielt darauf ab, soziale Benachteiligung, Konflikte oder schwierige Lebenslagen zu bewältigen und die
soziale Integration zu fördern.
Vorschlag
Der Vorschlag wäre, jede Kita mit einer halben Stelle Kita -Sozialarbeit aus kommunalen Mitteln aus-
zustatten und ab der 5. Gruppe jede Kita mit einer vollen Stelle Kita -Sozialarbeit zu versehen. Die
Kita-Sozialarbeiter*innen würden dabei nicht von den verschiedenen Trägern eingestellt werden,
sondern – gemäß den Vorstellungen vom Runden Tisch Coerde – einem zentralen Team beim öffent-
lichen Träger zugeordnet sein. Kita-Sozialarbeiter*innen stellen bei diesem additiv-ergänzenden Ein-
satz eine zusätzliche fachliche Ressource für Kitas dar, sind aber nicht Teil der Institution. Dies ga-
rantiert, dass die Ressource zweckgebunden sowie zielgerichtet und nicht zur Abfederung vom Fach-
kräftemangel im Gruppendienst o.Ä. eingesetzt wird. Zudem sind s o die fachliche Anleitung gemäß
einheitlicher Qualitätsstandards, der fachliche, bedarfsgerechte Austausch sowie ein einrichtungs-
übergreifendes Vertretungssystem gewährleistet. Dies spricht auch für eine einheitliche Qualifikation
der Kita -Sozialarbeiter*innen und gegen ein mu ltiprofessionelles Einsatzteam. Multiprofessionelle
Teams bieten zwar viele Vorteile, wie z. B. die Integration unterschiedlicher Fachkenntnisse und Per-
spektiven. Es gibt jedoch auch mögliche Nachteile, die bei der Arbeit in solchen Teams auftreten
können, wie z. B. Verzögerungen bei Entscheidungen, Rollenunklarheit, Kommunikationsprobleme
und unterschiedliche Zielsetzungen. Die sinnvolle und faire Aufteilung einer multiprofessionellen Res-
source auf neun Kitas wäre zudem erschwert bzw. nicht möglich.
In Coerde hätten ab 2025 acht von neun Kitas Bedarf:
Städt. Kita und Familienzentrum am Edelbach (8 Gruppen)
DRK-Kita Meerwiese (8 Gruppen)
Katholische Familienzentrum St. Norbert (4 Gruppen)
Familienzentrum Evangelischer Andreaskindergarten (4 Gruppen)
AWO Kita Marderweg (3 Gruppen)
AWO Kita Nerzweg (3 Gruppen)
AWO Kita Kiesekampweg (2 Gruppen)
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Noch ohne Träger: Kita Kiesekampweg (5 Gruppen) (Trägerausschreibung läuft aktuell, Eröff-
nung 2025)
Die neunte Kita in Coerde ist die ASB Kita Holtmannshof (drei Gruppen), die am Rand von Coerde
liegt, bis vor wenigen Jahren eine Elterninitiative war und kein direktes Einzugsgebiet aus Coerde hat
und somit eine geringere Sozialproblematik in den Familien.
Vor diesem Hintergrund wären insgesamt für das Vorhaben. 5,5 Vollzeitäquivalente (drei ganze Stel-
len und weitere fünf halbe Stellen) eingruppiert in S12 (Sozial- und Erziehungsdienst (SuE) zu emp-
fehlen. Unter Berücksichtigung der bereits bestehenden Personalressourcen im Rahmen des „Schul-
kindprojektes Rückenwind“ 12, ist davon auszugehen, dass zunächst nur drei Vollzeitäquivalente neu
eingerichtet werden müssten. Das Modellvorhaben würde auf das Schulkindprojekt Rückenwind set-
zen und dieses weiter ausbauen. Die Mitarbeiter*innen des Schulkindprojektes arbeiten in Coerde
seit 2019 erfolgreich mit Vorschulkindern und ihren Familien in Kitas zusammen. Sie würden im Zuge
der ausstehenden Konzeptentwicklung ihre Zielgruppe auf Kita-Kinder allen Alters sowie ihren Fami-
lien und den Fachkräften erweitern. Die Sozialarbeiter*innen verfügen im hohen Maße über Expertise
in der Arbeit mit Kita-Kindern und ihren Familien im Stadtteil, d.h. sie verfügen über vertiefte, theoreti-
sche Kenntnisse sowie ein hohes Ausmaß an praktischen Erfahrungswerten. S ie haben bereits ver-
trauensvolle Beziehungen zu Familien und Fachkräften aufgebaut und haben im Stadtteil ein
Standing, das besonderen Wert bei der Akzeptanz und dem Gelingen des vorgeschlagenen Modell-
vorhabens hätte. Eine Vollzeitstelle in der Eingruppier ung kostet jährlich im Durchschnitt 75.940 €
inkl. Zuschläge. Der Vorschlag würde sich finanziell dementsprechend mit mindestens 227.820 € p.a.
auswirken. Falls dieser Vorschlag aufgegriffen wird, würde eine konzeptionelle Ausarbeitungsphase
folgen, in der die genaue, neu benötigte Personalressource in direkter Relation zu den frühkindlichen
Bildungsbedarfen im Stadtteil eruiert würde
5. Fazit
Der Fachkräftemangel in Sozial- und Erziehungsberufen besteht bundesweit. Viele betroffene Kom-
munen machen sich akti v auf den Weg, etwas dagegen zu unternehmen. Das bedeutet: Nicht nur
besteht in Münster ein akuter Fachkräftemangel in Kita und OGS, sondern Münster steht bei der An-
werbung neuer Fachkräfte zudem in Konkurrenz mit zahlreichen anderen Kommunen. Münster muss
sich deshalb als Standort gegenüber der Zielgruppe von Fachkräften besonders hervortun, sodass
die Stadt nicht nur attraktiv wirken muss, sondern noch attraktiver als die vielen anderen Städte, die
bei der Suche nach Nachwuchskräften für ihre Kitas und OGS genauso engagiert sind.
Neben der Betonung der positiven Aspekte von Münster (z.B. die große Trägervielfalt, die etablierte
professionelle Vernetzung, der kulturelle Reichtum, die vielen Naherholungsgebiete oder die lebhafte
Freizeitszene) müssen parallel Facetten des Lebens und Arbeitens in Münster identifiziert werden, die
nicht positiv bzw. anziehend wirken, sondern eher abschreckend. Dazu gehören die Schwierigkeit,
günstigen Wohnraum zu finden sowie die besonderen, beruflichen Herausforderungen und Belastun-
gen in einem Stadtteil wie Coerde, die durch erhöhte familiäre Bedarfe entstehen.
12 Das Schulkindprojekt Rückenwind ist dem Amt für Ki nder, Jugendliche und Familien, Fachstelle Jugendsozi-
alarbeit/Jugendhilfe an Schulen zugeordnet. Die Mitarbeiter*innen sind mit fester personengebundener Zustän-
digkeit in sieben Coerder Kitas in der Vorschulkindförderung aktiv. Das Schulkindprojekt richtet sich an Vor-
schulkinder, die eine Kita in Coerde besuchen, Kinder mit einem Förderbedarf in ihren Vorschulkompetenzen
und ihrer sozialen Entwicklung und Eltern von Vorschulkindern in Coerde mit einem Unterstützungswunsch und
hat die Zielsetzung einen gelin genden Übergang von Kita in Schule zu befördern.
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Beide ausgeführten Ansätze bergen eine Möglichkeit, darauf zu reagieren. „Wohnen für Hilfe“ ermög-
licht (Nachwuchs-) Fachkräften den beruflichen Einstieg in Münster, indem es bezahlbaren Wohn-
raum und adäquate Arbeitswege in Aussicht stellt. Gleichzeitig wird ein wichtiger, gesellschaftlicher
Beitrag geleistet, um (vor allem) älteren Menschen den längeren Erhalt des selbstständigen Wohnens
und eine Steigerung der Lebensqualität zu ermöglichen. Der Ansatz ist erprobt und ließe sich relativ
kurzfristig umsetzen.
Kita-Sozialarbeit verspricht, Fachkräfte in Coerde zu entlasten und wirkt somit aktiv gegen Fachkräf-
temangel. Gleichzeitig befördert Kita-Sozialarbeit die Qualität der pädagogischen Arbeit in den Ein-
richtungen, wovon auch die Familien im Stadtteil profitieren würden. Besonders hervorzuheben ist,
dass die Expertinnen und Experten des Stadtteils im Rahmen des Runden Tisch Coerde selbst die-
sen Ansatz als sinnvoll und vielversprechend erachtet haben. Daher darf davon ausgegangen wer-
den, dass Kita-Sozialarbeit große Akzeptanz in den jeweiligen Kita-Teams erfahren würde.
Zusätzlich dürfen Maßnahmen zur Abfederung von Not nicht ins Hintertreffen geraten. Kinder können
nicht warten, bis das Fachkräfteproblem gelöst ist. Sie benötigen hier und jetzt ein frühkindliches Bil-
dungsangebot als Nährboden für eine gelingende (Bildungs-)Biografie. Die neu eingerichteten Bil-
dungsangebote für unversorgte Kinder im Vorschuljahr in Coerde und Gremmendorf sind zwar kein
vollwertiger Ersatz für einen Kitaplatz, aber wesentlich, um den betroffenen Kindern eine reelle Chan-
ce auf einen gelingenden Schulstart zu geben.
Aus Sicht der Verwaltung, des „Unterausschuss Fachkräfte und Jugendhilfe“ sowie des „Runden
Tisch Coerde“ sind die dargestellten Ideen konkrete Maßnahmen im Rahmen von kommunalen Stra-
tegien gegen den Fachkräftemangel. Dazu bedarf es jedoch finanzieller Mittel, die derzeit nicht zur
Verfügung stehen und zusätzlich für die kommenden Jahre bereitgestellt werden müssen.
i.V.
gez.
Thomas Paal
Stadtdirektor
Anlagen:
Anlage A
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungOrte (4)
- Kiesekampweg
- Edelbach
- Marderweg
- Nerzweg
Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.
Details
- Aktenzeichen
- V/0538/2024
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 06.09.2024
- Erstellt
- 29.08.2024 11:34