0587/2018
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Szenebericht-BiKu-2018
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SZENEBERICHT BILDENDE KUNST 2018 Anlage 1 In diesem Szenebericht liegt der besondere Schwerpunkt auf den Arbeits- und Lebensbedin - gungen der Künstlerinnen und Künstler in Köln : Was macht Köln für Künstler und Künstlerin - nen attraktiv? REFLEXIONEN Für die freie Szene steht die Synergie institutioneller, freier und kommerzieller Räume in der Kunst - branche im Vordergrund: also Museen, Kunstvereine, Stiftungen, Akademien, freie Projekträume, Kunstmesse und Galerien. Kunst- und Kulturproduktion kann man nicht nur an Zahlen messen. Die meisten wichtigen und wegweisenden Ausstellungen finden nicht vor großem Publikum statt. Meis - tens startet die Avantgarde in Projekträumen, Galerien oder kleineren Institutionen vor wenigen Besuchern. Dort wird die Kunst gesehen und diskutiert – und im Idealfall auch von fachkundigen Personen wie Kuratoren und Galeristen wahrgenommen, die den nächsten Schritt einleiten können. Manchmal sind es aber auch die Künstler, die das Gesehene begeistert weitertragen. Die Kunst geht einen langen Weg durch ein verstricktes Netzwerk, bis sie irgendwann eventuell im Museum landet. Dieses lokale wie auch internationale Netzwerk besteht aus den verschiedenen Akteuren des Kunstbetriebs: den Künstlern, Kritikern, Kuratoren, Historikern, Galeristen, etc. Für eine span - nende und produktive Szene ist es wichtig, all diesen Akteuren gute Arbeitsbedingungen zu schaf - fen. Die Kulturpolitik der Stadt Köln muss diese Wertschöpfungskette respektieren und nachhaltig un - terstützen. Es ist von hoher Priorität, vorhandene Strukturen und Institutionen zu erhalten und zu stärken. Wenn eine Institution mit ihrem inhaltlichen Programm und dem von ihr aufgebauten Netz - werk wegfällt, kann sie nie adäquat ersetzt werden, wie sich am Beispiel der Kunsthalle Köln ge - zeigt hat. Der Erfolg einer Kunstszene wird auch an der anerkennenden öffentlichen Wahrnehmung auf lokaler und internationaler Ebene gemessen, für die es einer langjährigen Aufbauarbeit bedarf. Umgekehrt kann diese Anerkennung durch negative Schlagzeilen wie bei der Kündigung der Pro - jekträume in der Ebertplatzpassage und dem in Frage gestellten Programms der Akademie der Künste der Welt in kürzester Zeit schwer beschädigt werden. Viele etablierte Formate der ADKDW, die zu internationalen, interkulturellen, politischen und multi-medialen Diskursen beitragen, sollen auch in Zukunft angeboten werden, weil die ADKDW hier gerade in Köln ein wichtiges Alleinstel - lungsmerkmal hat. Die von ihr geleistete Arbeit kann aufgrund ihrer Expertise und einmaligen in - haltlichen Ausrichtung weder von den größeren Kölner Institutionen geleistet werden noch von kleineren Projekträumen, die hierfür aufgrund ihrer selbstorganisierten Struktur keine ausreichen - den personellen und finanziellen Kapazitäten haben. Interkulturelle Projekte fanden neben der ADKDW bspw. auch in der Temporary Gallery – Zen - trum für zeitgenössische Kunst und dem Projektraum CAT Cologne statt. Die übrigen Projekträume führen zwar Ausstellungen und Performances mit KünstlerInnen aus aller Welt durch. Da die hier - für benötigte personelle Ausstattung (insbesondere für hauptberufliche KuratorenInnen) und die Fi - nanzmittel dieser ehrenamtlich geführten Ausstellungsräume jedoch sehr überschaubar sind, können sie den finanziellen Aufwand für (Reise-) Recherchen, Unterkunft und Bewirtung, Drittmit - telbeschaffung, Workshop- und Seminarhonorare sowie die nötige Planungs- und Öffentlichkeits - arbeit nur selten leisten. Auch das als interkulturelles Projekt zu verstehende Residenzstipendium Kunst und Dokument in Beirut und Köln musste 2017 abgewickelt werden, weil die Gegenfinan - zierung der Stadt Beirut nicht mehr zur Verfügung gestellt wurde und die Stadt Köln eine einseitige Fortführung des Programms – von Köln nach Beirut – nicht unterstützt hätte. Über die Möglichkeit für interkulturelle Projekte über das Referat für Interkulturelle Projekte eine Förderung zu erhalten, sollte zukünftig von allen Beteiligten stärker informiert werden. Die Schließung der Ebertplatzpassage ist vorerst zurückgenommen worden. Jedoch mussten die Akteure für dieses Ergebnis zahlreiche Stunden ehrenamtlicher Arbeit investieren, um an Podien teilzunehmen sowie Aufrufe, Petitionen und Demonstrationen zu initiieren. Seit vielen Jahren wird von den Akteuren auf dem Ebertplatz und dem angrenzenden Eigelstein- und Agnesviertel ein mit den Bürgern und Bürgerinnen gemeinsam zu entwickelnder Prozess der Platzgestaltung favori - siert, der auch von der Kulturpolitik weiter unterstützt werden sollte. Mit dem Labor und der Euro - pean Kunsthalle entstand hier vor über 10 Jahren ein einmaliger Ort des intensiven Zusammen- wirkens von künstlerisch-kuratorischer Praxis und öffentlichem Raum, lokalen und internationalen Akteuren und Publikum. Wo sonst gibt es einen vergleichbaren Zusammenhang, in dem die Be - teiligten sich stets neu erfunden haben?! Köln sollte auch ein guter Standort für Galerien sein. Galerien sind sehr wichtig für die Entwick - lung einer künstlerischen Karriere, sie bauen die Künstler auf und stützen sie. In den letzten Jah - ren hat sich Köln jedoch nicht dadurch hervorgetan, ein leichtes Pflaster für Galerien zu sein. In dieser Beziehung läuft Düsseldorf Köln momentan den Rang ab. Um die Situation zu verbessern, könnte man das Wiener Modell abwandeln: Dort erhalten lokale Galerien eine Förderung, wenn sie an einer Messe im Ausland teilnehmen. Für das Kölner Modell könnte man hier z.B. neu eröff - nete oder neu zugezogene Galerien für ihre ersten Teilnahmen auf der Art Cologne unterstützen. Dabei sollte man eine Zusammenarbeit mit dem Amt für Wirtschaftsförderung anstreben. Es wäre ein zu diesem Zeitpunkt dringend notwendiges Statement, um die ART Cologne am Stand - ort Köln gegenüber der ART Düsseldorf zu stärken. POSITIVE ENTWICKLUNGEN In letzter Zeit sind Verbesserungen in die Wege geleitet worden. Der jährliche Geschäftsbericht (Kulturamt der Stadt Köln) schafft Transparenz; die Künstler- und Ausstellungshonorare sind eine zumindest kleine Anerkennung unserer Arbeit; die Förderung der Vernetzung der freien Pro - jekträume durch AIC schafft eine produktive interne und externe Plattform, die – wie viele der Pro - jekträume – ehrenamtlich geführt wird. Im Oktober wurde ein zweiter AIC ON organisiert, ein Rundgang der Projekträume. Ausserdem hat eine AIC- Klausurtagung stattgefunden, um über die Zukunft, das Selbstverständnis und die Zielsetzungen von AIC zu diskutieren. Die Temporary Gallery – Zentrum für zeitgenössische Kunst hat eine erfolgreiche Beratungs - arbeit zur Beantragung von Fördermitteln geleistet. Außerdem wurde dort mit der Vortragsreihe „Auf ein Gespräch“ eine Vernetzung der Kölner Kunstszene sowohl innerhalb NRWs als auch mit dem nahen belgischen Ausland geleistet: Dabei stellt jeweils ein Kurator oder ein Projektraum aus NRW oder dem nahen Ausland seine Arbeit vor. Die eingeladene Person schlägt dann wiederum den nächsten Teilnehmer der Gesprächsreihe vor. Im BBK – Bundesverband Bildender KünstlerInnen haben regelmäßige sehr gut angenommene Beratungen zu Steuerrecht, Künstlersozialkasse (KSK), Vertragsangelegenheiten, Fördermöglich - keiten oder Urheberrechtsfragen stattgefunden. Ergänzend zu diesem Angebot organisiert der BBK jährlich Infoveranstaltungen in der Kunsthochschule für Medien. Der BBK Köln ist auf Landes- und Bundesebene vernetzt und hat die Arbeits- und Lebensbedingungen der KünstlerInnen im Fokus. Ausserdem erstellt der BBK mit dem Kulturamt das Künstlerverzeichnis online für professionelle KünstlerInnen in Köln und veranstaltet für ein breites Publikum jedes Jahr die Offenen Ateliers. Im Projektraum Matjö – Raum für Kunst des Kulturwerk vom BBK Köln findet ein durch einen Open Call organisiertes vielschichtiges, interdisziplinäres Ausstellungsprogramm statt. Es ist - neben der artothek - fast der einzige Ausstellungsort, bei dem sich KünstlerInnen in Köln über einen Open Call bewerben können. An den Runden Tischen des Kulturentwicklungsplans haben Akteure der Freien Szene wieder - holt und engagiert teilgenommen. Das zeigt wie fundamental unverzichtbar ihr Anteil an der Ge - staltung der städtischen Kultur ist und sie erwarten, dass ihre Vorschläge im Kulturentwicklungs- plan – siehe Protokolle der Runden Tische zum Kulturentwicklungsplan – berücksichtigt werden. Die Ausstellungsreihe Update Cologne hat als Pilotprojekt einen positiven neuen Akzent für Künst - ler über 50 gesetzt. Hier hätten wir uns für den Start-up ein klares Statement für die Förderung von männlichen und weiblichen Künstlern gewünscht. Doch fehlen ebenso dringend museale Räume für Ausstellungen, an denen auch die Freie Szene partizipieren kann. Der Kulturstandort Köln profitiert enorm von den nationalen sowie Internationalen Netzwerken, die die Institutionen wie BBK, Temporary Gallery, Kölnischer Kunstverein und die ADKDW über Jahre aufgebaut haben. INDIVIDUELLE KÜNSTLERINNENFÖRDERUNG Eine Umfrage des Kulturamtes in Zusammenarbeit mit dem BBK und dem Runden Tisch zur Ate - liersituation in Köln wird z.Zt. ausgewertet. Die Atelierförderung begrüßen wir und wünschen uns, dass die Kulturpolitik mehr Einfluß auf Stadtplanung und Stadtentwicklung ausübt und die Pflege, den Erhalt und die Neuschaffung von bezahlbaren Ateliers begleitet. Es geht nicht nur darum, neue Atelierräume zu schaffen, sondern in gleichem Maße ist es wichtig, die vorhandenen zu erhalten. Auf der Deutz-Mülheimerstraße sind zum Beispiel viele Atelierräume gefährdet und die Clouth- Werke in Nippes sind samt dem Ausstellungsraum Halle 10 weggefallen. Oft haben diese in alten Fabrikgeländen gelegenen Räume einen eigenen Charme und bieten bezahlbare und geräumige Atelierplätze. Ein wichtiges Ziel für die Zukunft sollte der Schutz der vorhandenen, über längere Zeit gewachsenen, Kulturstandorte vor Investorenwillkür sein. Ließe sich diese Atelierumfrage auch erweitern? Der BBK Berlin führt gerade eine Umfrage zur „Lage der Bildenden Kunst“ durch. Angesprochen sind die in Berlin lebenden und/oder arbei - tenden Künstler und Künstlerinnen. Diese Umfrage wird von einem unabhängigen Institut durch - geführt und Ergebnisse sollen kurzfristig innerhalb von zwei Monaten vorliegen. Es wird dort nach der Bindung an die Stadt, nach der Differenzierung von Einnahmen und Ausgaben, Karriereent - wicklungen usw., auch nach sexuellen Übergriffen (Belästigungen) in der Kunstbranche gefragt, um daraus Handlungsziele für die Kulturpolitik zu entwickeln (wie es erfolgreich mit den Künstler - honoraren geschehen war). Gemeinsam sollte weiterhin überlegt werden, ob und in welchem Um - fang so eine Umfrage auch in Köln an der Zeit wäre. Wie viele Künstler und Künstlerinnen leben und arbeiten eigentlich in Köln? Unter welchen Bedingungen? Und welche erforderlichen Maß - nahmen zu ihrer Stärkung sind erstrebenswert? Eine vielgestaltige, spannende, innovative und experimentierfreudige Szene aus Kunst und Kultur in der Stadt wird durch die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Akteure geschaffen. Köln ist tra - ditionell eine Stadt der Künstlerinnen und Künstler. In Köln leben und arbeiten KünstlerInnen aller Generationen, AbsolventInnen der Hochschulen starten hier ihre Karriere oder ziehen aus an - deren Städten und von auswärtigen Hochschulen in die Stadt. Für sie gilt wahrscheinlich auch – wie bei den für 2014 erhobenen Daten (Landeskulturbericht NRW 2017) – dass sie im Schnitt viel we - niger am ökonomischen Gewinn des Kultursektors beteiligt sind als beispielsweise die kulturwirt - schaftlichen Berufe. Wenn man sich das Budget der bildenden Kunst im letzten Geschäftsbericht Kulturamt 2016 ansieht, spiegelt sich diese Einschätzung wieder. Es gibt drei hochdotierte Stipendien : das Chargesheimer-Stipendium und das Friedrich-Vordem - berge-Stipendium mit je 10.000 € (Altersgrenze: 35 Jahre; beide Stipendienausschreibungen rich - ten sich allerdings auch an NRW-KünstlerInnen) und das Stipendium Atelier Galata in Istanbul mit 19.000 €, wobei dem bildenden Künstler/der bildender Künstlerin davon nur 6.000 € (+ Reisekos - ten) für einen 6-monatigen Arbeitsaufenthalt mit Anwesenheitspflicht ausgezahlt werden können, weil die Verwaltung, Miete und Betreuung der Atelierwohnung in Istanbul den größten Teil des Geld - betrages absorbiert. Es wird des Weiteren bei der Verteilung der städtischen Fördergelder in der Bildenden Kunst nur ein sehr kleiner Anteil an Einzelprojekte von Künstlern vergeben, wovon wiederum ein großer An - teil über die Anträge von freien Projekträumen und Initiativen läuft. Wir sehen darin ein bisher nicht berücksichtigtes Defizit in der Unterstützung der Arbeits- und Lebensbedingungen und der Wert - schätzung der Arbeit der Künstlerinnen und Künstler in Köln. Um diesem Missstand zu begegnen, schlagen wir vor, dass einmal im Jahr künstlerische Arbeits - stipendien für Projekte, Recherchen, Reisen oder Produktion kurzfristig zur Verfügung gestellt wer - den. Mit der Ausschreibung von 18 KünstlerInnenstipendien ohne Altersbegrenzung und einer Dotierung von je 5.000 € kann mit einer Summe von nur 90.000 € ein großer Mehrwert geschaf - fen werden. Die Jury sollte mit KuratorInnen, KunsthistorikerInnen und KünstlerInnen verschiede - ner Generationen (ohne ProfessorInnen von Kunsthochschulen) besetzt werden. Die Ausschreib- ung sollte aus kurzen Vergaberichtlinien und aus einem unbürokratischen Abrechnungs- oder Ab - schlußbericht bestehen. An diesem Szenebericht haben mitgewirkt: Doris Frohnapfel (Künstlerin), Sabine Krasel (Künstle - rin), Markus Saile (Künstler). Sie sind Akteure im kjubh Kunstverein e.V., neues kunstforum e.V. und PiK-Projektraum im Kunstwerk. Alle arbeiten aktiv bei AIC. Februar 2018
Mitteilung Ausschuss
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Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle VII/41 Vorlagen-Nummer 28.02.2018 0587/2018 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Ausschuss Kunst und Kultur 06.03.2018 Integrationsrat 16.04.2018 Darstellung der Sparten hier: Szenebericht Bildende Kunst In seiner Sitzung am 07.09.2010 hat der Kulturausschuss die Verwaltung beauftragt, „den Sparten Musik, Darstellende Kunst (mit Theater und Tanz), Bildende Kunst (Fotografie) und Medien (Film, Literatur) die Möglichkeit zu geben“, regelmäßig über das Geschehen, die aktuelle Situation und die Perspektiven ihrer Arbeit schriftlich zu berichten. Dabei sollen die Spartenvertretungen in ihren jewei- ligen Bereichen auch die interkulturellen Aktivitäten und Entwicklungen berücksichtigen. Der Bericht soll – wie in der Vergangenheit – drei Seiten nicht überschreiten. Außerdem muss erkennbar sein, wer die Unterlage erstellt hat und wer in die Erstellung einbezogen worden ist. Der Szenebericht der Sparte Bildende Kunst ist als Anlage 1 beigefügt. Für Rückfragen im Ausschuss für Kunst und Kultur stehen die beiden Künstler Sabine Krasel und Markus Saile zur Verfügung. gez. Laugwitz-Aulbach
Beratungsverlauf (2)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 0587/2018
- Typ
- Mitteilung Ausschuss
- Datum
- 28.02.2018
- Erstellt
- 21.02.2018 12:17