1456/2023
Zentrale Ergebnisse der Mobilitätsbefragung 2022
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Kurzbericht_Mobilitätsverhalten_2022
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Ergebnisse zum Mobilitätsverhalten der Kölner Bevölkerung 2022 Auftraggeber Stadt Köln Amt für nachhaltige Mobilitätsentwicklung Willy-Brandt-Platz 2 50679 Köln Kontakt: Herr Benjamin Klein nachhaltige-mobilitaetsentwicklung@stadt-koeln.de Auftragnehmer PB Consult GmbH Rothenburger Straße 5 90443 Nürnberg Kontakt: Herr Knud Kehnscherper info@pbconsult.de Stand / Version: 15.05.2023 / V5 Mobilitätsverhalten der Kölner Bevölkerung 2022 (Kurzbericht) 1 Hintergrund Im Jahr 2022 beauftragte die Stadt Köln die Firma PB CONSULT mit der Durchführung und Auswertung einer Mobilitätsbefragung zum (alltäglichen) Verkehrsverhalten der Kölner Be- völkerung, deren zentraler Gegenstand die standardmäßige Erhebung des Modal -Split (Hauptverkehrsmittelwahl) in der Stadt darstellt. Im Rahmen dieser Mobilitätserhebung wur- den zufällig ausgewählte Haushalte der Kölner Wohnbevölkerung hinsichtlich ihres alltägli- chen Verkehrsverhaltens unter Berücksichtigung aller relevanten Haushalts - und Perso- neninformationen befragt. Die Erhebung sollte auf Stadtbezirksebene repräsentative Ergeb- nisse liefern. Die im Oktober / November 20221 durchgeführte Mobilitätserhebung liefert somit ein umfas- sendes Bild des Mobilitätsverhaltens der Kölnerinnen und Kölner und bildet eine wichtige em- pirische Datengrundlage für die zukünftige Verkehrsplanung der Stadt Köln im Allgemeinen und für die Erstellung des nachhaltigen Mobilitätsplans „Besser durch Köln“ im Besonderen. Die letzten repräsentativen Daten zum Mobilitätsverhalten der Kölner Bevölkerung stammen aus der Studie „Mobilität in Deutschland 2017“ (MiD) des Bundesministeriums für Verkehr und Infrastruktur, an der sich die Stadt Köln mi t einer Aufstockung der kommunalen Stich- probe beteiligt hatte. Die Kosten für die Erhebung werden vom Ministerium für Verkehr des Landes Nordrhein - Westfalen zu 70 % gefördert. 1 Bisherige Mobilitätsuntersuchungen haben gezeigt, dass in diesen Monaten die Verkehrsmittelwahl nur unwe- sentlich vom Mittelwert einer Gesamtjahreserhebung abweicht. Dies liegt u.a. daran, dass d er Erhebungszeit- raum während dieser Herbstmonate außerhalb der Ferienzeit liegt. Sie stellen somit einen in der Verkehrsfor- schung etablierten Zeitraum dar und es können repräsentative Ergebnisse erzielt werden. Mobilitätsverhalten der Kölner Bevölkerung 2022 (Kurzbericht) 2 Projektdesign und Methodik Auf Basis einer Zufallsstichprobe der wohnberechtigten Bevölkerung in Köln wurden im Pro- jektzeitraum (25.10.2022 bis 24.11.2022) rund 57.000 Kölner Haushalte schriftlich-posta- lisch kontaktiert. Neben allgemeinen Hinweisen zur Mobilitätsbefragung und zum Daten- schutz beinhaltete dieses Anschreiben den Zugangslink zur Online -Befragung. Als Alterna- tive zur Online-Variante konnten die Befragungsunterlagen auch schriftlich-postalisch ange- fordert werd en. Insgesamt wurden im Rahmen der Kölner Erhebung Mobilitätsdaten von 11.426 Personen aus 6.092 Haushalten erfasst . Diese Personen haben insgesamt 36.129 Wege zurückgelegt. Mit knapp 11 % Rücklaufquote bewegte sich die Beteiligung an der Be- fragung im erwa rtbaren Rahmen. Die Erhebungsergebnisse sind sowohl auf gesamtstädti- scher als auch - wie gefordert - auf der Ebene der Stadtbezirke repräsentativ. Die Kölner Mobilitätserhebung erfüllt die „Standards zur einheitlichen Modal Split -Erhebung in NRW Kommunen“ und orientiert sich hinsichtlich der konkreten Befragungsinhalte an der MiD-Studie 2017. Neben haushalts- und personenbezogenen Fragen (z.B. soziodemographi- sche Angaben, Verkehrsmittelverfügbarkeiten, Home-Office) wurde das Mobilitätsverhalten der Befragten an einem konkreten Stichtag erhoben. Dabei wurden für jede Person des Be- fragungshaushalts Angaben zu allen am Stichtag zurückgelegten Wegen (z.B. Start, Uhrzeit, Wegezweck, Entfernung, genutzte Verkehrsmittel) erfasst. Personen, die am vorgegebenen Stichtag nicht mobil waren, wurden im Rahmen der Untersuchung ebenfalls berücksichtigt (immobile Personen). Mobilitätsverhalten der Kölner Bevölkerung 2022 (Kurzbericht) 3 Im Gegensatz zur MiD-Studie 2017 beschränkt sich die Kölner Mobilitätserhebung 2022 auf einen saisonalen Untersuchungszeitraum (Oktober / November) und mittlere Normalwerk- tage (Stichtage: Dienstag, Mittwoch, Donnerstag). Die MiD-Ergebnisse 2017 beziehen sich auf Arbeitswochen (Stichtage: Montag bis Freitag), können aber dennoch mit den Ergebnis- sen der aktuellen Untersuchung verglichen werden. Die im Rahmen des Berichts vorgestellten Ergebnisse beruhen auf Angaben der wohnbe- rechtigten Bevölkerung (ab 6 Jahren2) in Köln , wurden soziodemogra phisch gewichtet und beschränken sich auf die Mobilität der Kölner*innen an mittleren Normalwerktagen. 2 Im Rahmen der Mobilitätserhebung 2022 wurden Mobilitätsdaten von Personen ab 0 Jahren erhoben. Die Al- tersgruppe der 0 bis 6-Jährigen wurde bei den vorliegenden Darstellungen nicht berücksichtigt, da der Fokus – analog zu vormaligen Mobilitätserhebungen – auf der „selbstbestimmten Mobilität“ liegt und somit die Ver- gleichbarkeit mit den in der Vergangenheit veröffentlichten Mobi litätskennziffern gewährleistet ist. Mobilitätsverhalten der Kölner Bevölkerung 2022 (Kurzbericht) 4 Zentrale Ergebnisse Im Folgenden werden die zentralen Ergebnisse der Kölner Mobilitätserhebung 2022 vorge- stellt und (nach Möglichkeit) mit den MiD-Ergebnissen aus dem Jahr 2017 verglichen. Verkehrsmittelausstattung Insgesamt besitzen 71 % der Kölner*innen Haushalte mindestens ein Auto (inklusive Kombi- wagen, Kleinbusse, Wohnmobile etc.). 86 % der befragten Haushalte verfügen über mindes- tens ein (normales) Fahrrad. Der Anteil an Haushalten, die über ein oder mehrere E -Bikes / Pedelecs verfügen, liegt bei 16 % und ist gegenüber 2017 deutlich gestiegen. Abb. 1 Verkehrsmittelausstattung 2022 Mobilitätsverhalten der Kölner Bevölkerung 2022 (Kurzbericht) 5 Allgemeine Kennziffern der Mobilität Während des Befragungszeitraums 2022 haben im Durchschnitt 89 % der Kölner*innen am Stichtag Wege zurückgelegt (=Außer -Haus-Anteil). Bezogen auf alle Befragungspersonen (inklusive immobile Personen) werden durchschnittlich 3,2 Wege pro Person und Tag getä- tigt. Die Kölner*innen legen am Tag eine Entfernung von 30 Kilometern zurück bei einer mitt- leren Wegedauer von 82 Minuten pro Person. Kölner*innen, die am Stichtag mobil waren, legen im Mittel 3,6 Wege zurück, sind im Durch- schnitt 92 Minuten unterwegs und legen eine Entfernung von rund 33 Kilometern (pro Tag) zurück. Abb. 2 Mobilitätskennziffern an Normalwerktagen 2022 Mobilitätsverhalten der Kölner Bevölkerung 2022 (Kurzbericht) 6 Wegezwecke 40 % aller Wegezwecke der Kölner*innen entfallen im Jahr 2022 auf die sogenannten Pflichtaktivitäten Arbeit / dienstlich (32 %) und Ausbildung (8 %). „Versorgungsaktivitäten“, wie beispielsweise Einkauf, private Erledigungen und das Bringen / Holen von Personen bil- den einen gemeinsamen Anteil von 33 %. Über ein Viertel (27 %) der Kölner Wegezwecke entfallen auf Freizeitaktivitäten (z.B. Sport, Erholung, private Kontakte; Gastronomiebesuch etc.). Abb. 3 Wegezwecke 2017 und 2022 Mobilitätsverhalten der Kölner Bevölkerung 2022 (Kurzbericht) 7 Verkehrsmittelwahl Die Verteilung der genutzten (Haupt -)Verkehrsmittel ist eine zentrale Kenngröße zur Charakterisierung der Kölner Alltagsmobilität. An einem durchschnittlichen Normalwerktag legen die Kölner*innen im Jahr 2022 ein Drittel ihrer Wege (ausschließlich) zu Fuß zurück . Der Anteil an Fahrrad -Wegen liegt in Köln insgesamt bei 25 %, wobei 4 % auf E -Bikes und Pedelecs entfallen. Wege, die mit dem E-Scooter zurückgelegt werden, bilden lediglich einen Anteil von 0,3 Prozent. 3 Der Anteil des Nichtmotoris ierten Verkehrs (NMV) bzw. der Nahmobilität an allen Wegen ist somit gegenüber 2017 deutlich angestiegen. Entsprechende Rückgänge sind beim MIV zu verzeichnen. Im Jahr 2022 wird nur noch jeder fünfte Weg (21 %) mit dem Pkw als Fahrer*in zurückgelegt, 5 % aller Kölner Wege entfallen auf den Pkw als Mitfahrer*in. Der Anteil an Wegen, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt werden, fällt mit 17 % ebenfalls deutlich niedriger aus als im Jahr 2017. 3 E-Scooter-Fahrten sind zwar in den E -Bike-Strecken enthalten, spielen jedoch mit einem Anteil von 0,3 % an allen Wegen eine eher untergeordnete Rolle. Abb. 4 Verkehrsmittelwahl 2017 und 2022 Mobilitätsverhalten der Kölner Bevölkerung 2022 (Kurzbericht) 8 Verkehrsmittelwahl nach Stadtbezirken Abb. 5 zeigt die Verkehrsmittelwahl im Jahr 2022 , aufgeschlüsselt nach den neun Kölner Stadtbezirken. Während der Anteil an (reinen) Zu Fuß -Wegen über die Stadtbez irke hinweg relativ konstant bleibt, zeigen sich signifikante Unterschiede bei Wegen, die mit dem Fahrrad und dem Pkw zurückgelegt werden. So liegen beispielsweise in den Stadtbezirken Chorweiler (16 %), Porz und Kalk (je 17 %) die Anteile an Fahrrad -Wegen deutlich unter dem gesamtstädtischen Fahrrad-Anteil von 25 %. Der Anteil an MIV-Wegen hingegen liegt in den beiden Stadtbezirken mit 39 % bzw. 36 % weit über dem Gesamtdurchschnitt von 2 5 %. Im Stadtbezirk Innenstadt spielt der MIV mit 15 % eine erwartungsgemäß untergeordnete Rolle. Ebenfalls auffällig ist die große Radverkehrsaffinität des Stadtbezirks Ehrenfeld (3 7 %), während die rechtsrheinischen Bezirke Kalk (24 %) und Mülheim (21 %) die höchsten ÖV - Anteile aufweisen. Abb. 5 Verkehrsmittelwahl nach Stadtbezirken an Normalwerktagen 2022 Mobilitätsverhalten der Kölner Bevölkerung 2022 (Kurzbericht) 9 Verkehrsmittelwahl nach Altersklassen Eine Differenzierung der Verkehrsmittelwahl nach Altersklassen zeigt, dass der Anteil an Fahrrad-Wegen in Köln bei den 7 bis 17-Jährigen mit Abstand am höchsten ausfällt (3 4 %). Die Anteile an E-Bike-Wegen fallen mit zunehmendem Alter höher aus (5 % in der Altersklasse 75 Jahre und älter). Auffällig ist außerdem, dass über alle Altersklassen hinweg der Anteil an Zu-Fuß-Wegen relativ ähnlich ausfällt. Der ÖPNV spielt vor allem für Personen im schul- und jungen berufsfähigen Alter (Student*innen) eine große Rolle. Beim motorisierten Individualverkehr fällt der Anteil an Pkw -Mitfahrer*in-Wegen bei Schüler*innen erwartungsgemäß am höchsten aus (8 %), während Pkw-Fahrer*in-Wege von der Gruppe der 45 bis 64-Jährigen am häufigsten zurückgelegt werden (28 %). Abb. 6 Verkehrsmittelwahl nach Altersklassen an Normalwerktagen 2022 Mobilitätsverhalten der Kölner Bevölkerung 2022 (Kurzbericht) 10 Verkehrsmittelwahl nach Haushaltseinkommen Die Verkehrsmittelwahl unterscheidet sich außerdem nach dem Haushaltseinkommen der befragten Kölner*innen. Generell lässt sich feststellen, dass hohe Einkommen mit hohen MIV- und Fahrradanteilen korrespondieren. Je höher das Einkommen, desto seltener wird zudem der ÖPNV genutzt. De n höchsten Anteil an ÖPNV -Wegen stellt die Einkommensgruppe bis unter 1.000 Euro. Geringverdienende legen unterdurchschnittlich wenige Wege mit dem Pkw als Fahrer*in sowie Mitfahrer*in zurück. Abb. 7 Verkehrsmittelwahl nach Haushaltseinkommen an Normalwerktagen 2022 Mobilitätsverhalten der Kölner Bevölkerung 2022 (Kurzbericht) 11 Verkehrsmittelwahl nach Entfernungsklassen Über die Hälfte aller kurzen Wege (bis unter 5 km) werden erwartungsgemäß (ausschließlich) zu Fuß getätigt (53 %), ein weiteres Viertel (25 %) entfällt auf das (konventionelle) Fahrrad. E- Bikes werden verstärkt für Wegstrecken zwischen 5 und 20 km genutzt. D er Anteil an MIV - Wegen fällt bei geringen Distanzen kaum ins Gewicht und steigt erwartungsgemäß mit zunehmender Wegeentfernung. Wegedauer und -entfernung nach Hauptverkehrsmittel Die durchschnittliche Wegedauer und -entfernung wird in Abb. 9 nach dem Hauptverkehrsmittel differenziert. Die Berechnung beruht dabei auf die berichtete Start- und Endzeit der Wege („Tür zu Tür“). Abb. 8 Verkehrsmittelwahl nach Entfernungsklassen an Normalwerktagen 2022 Mobilitätsverhalten der Kölner Bevölkerung 2022 (Kurzbericht) 12 Bei (reinen) Zu Fuß-Wegen sind die Kölner*innen im Durschnitt 15 Minuten und 1,0 Kilometer unterwegs. Wege, die mit dem (normalen) Fahrrad zurückgelegt werden, haben eine mittlere Distanz von 3,9 Kilometern. Für E-Bike-Strecken wurde eine höhere E ntfernung (5,5 km) ermittelt.4 Pkw-Fahrten der Kölner*innen dauern im Durschnitt eine halbe Stunde, während für eine ÖV-Fahrt im Mittel 47 Minuten verstreichen. Die ÖV-Dauer und -Entfernung umfasst Stadtbahn, Bus, S -Bahn, Regionalbahn etc. und würde bei einer entsprechenden Differenzierung sehr unterschiedlich ausfallen. Die ausgewiesenen Median -Werte fallen beim ÖV und MIV deutlich niedriger aus als die Durchschnittsangaben. Dabei muss berücksichtigt werden, dass alle Wege (inkl. Fernverkehr, längere Urlaubs- oder Geschäftsreisen etc.) in die Analysen einbezogen wurden. 4 E-Scooter-Fahrten sind zwar in den E-Bike-Strecken enthalten, spielen jedoch mit einem Anteil von 0,3 % an allen Wegen eine eher untergeordnete Rolle. Abb. 9 Dauer und Entfernung pro Weg nach Hauptverkehrsmittel an Normalwerktagen 2022 Mobilitätsverhalten der Kölner Bevölkerung 2022 (Kurzbericht) 13 Home-Office-Tätigkeit Im Zuge der Corona -Pandemie rückte in den vergangenen drei Jahren das Thema Home - Office in den Fokus, welches im Rahmen der Kölner Mobilitätserhebung 2022 ebenfalls erfasst wurde 5. Die zentralen Ergebnisse werden auf Basis aller Erwerbstätigen bzw. aller Wege von Erwerbstätigen dargestellt. Die Darstellung beinhaltet auch hier die Normalwerktage der Woche. 5 Haben Sie am Stichtag im Homeoffice gearbeitet? Wie viele Stunden haben Sie am Stichtag im eigenen Zu- hause gearbeitet?“ Abb. 10 Home-Office-Tätigkeit in Köln an Normalwerktagen 2022 Mobilitätsverhalten der Kölner Bevölkerung 2022 (Kurzbericht) 14 69 % aller erwerbstätigen Kölner*innen berichten von mindestens einem konkreten Arbeitsweg am zugewiesenen Stichtag. Erwerbstätige mit Arbeitsweg(en) legen im Durchschnitt 3,9 Wege pro Person zurück (davon 2,4 Arbeitswege). Die mittlere Aufenthaltsdauer am Arbeitsplatz liegt bei 6 Stunden und 35 Minuten pro erwerbstätige r Person. 22 % aller Erwerbstätigen geben an, am Stichtag im Home -Office gearbeitet zu haben. 76 % dieser haben am Stichtag - trotz Home -Office - das Haus verlassen, die durchschnittliche Anzahl an Wegen liegt bei 2,5 Wegen pro „Erwerbstätigen im Home-Office“. Davon entfallen 0,4 Wege dennoch auf Arbeitswege.6 Die angegebene Arbeitsdauer im Home-Office liegt im Durchschnitt bei 6 Stunden und 32 Minuten. Erwerbstätige ohne Arbeitswege und /oder ohne Home -Office am Stichtag stellen einen Anteil von 13 % an allen Erwerbstätigen. In diese Kategorie fallen beispielsweise Erwerbstätige, die am Stichtag Urlaub hatten oder krank waren. 75 % dieser Personen haben am Stichtag das Haus verlassen, bei 2,5 Wegen pro Erwerbstätigen. 6 Bei 4 % aller Erwerbstätigen konnten Überschneidungen festgestellt werden. Diese Personen haben am Stich- tag im Homeoffice gearbeitet und berichteten von mindestens einem Arbeitsweg. Mobilitätsverhalten der Kölner Bevölkerung 2022 (Kurzbericht) 15 Fazit Nachdem die im Strategiepapier „Köln mobil 2025“ 7 im Jahr 2014 als zentrales Ziel für 2025 angestrebten Modal Split -Anteile von einem Drittel Motorisierter Individualverkehr (MIV) zu zwei Dritteln Umweltverbund (Fuß - und Radverkehr sowie ÖV) an allen Wegen, die die Kölner*innen zurücklegen, bereits im Ja hr 2017 durch deutlich rückläufige Anteile des MIV bereits fast erreicht werden konnte, hat sich diese Entwicklung seit 2017 nicht nur fortgesetzt, sondern noch einmal beschleunigt. Bereits drei Jahre vor dem anvisierten Zieljahr 2025 beträgt das Verhältnis von MIV zu Umweltverbund ein Viertel zu drei Viertel. Die Auswertung hat ergeben, dass die Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt inzwischen ein Drittel ihrer Wege außer Haus ausschließlich zu Fuß zurücklegen. Das Verkehrsmittel Fahrrad wird in Köln rege genutzt, der Anteil liegt im Jahr 2022 bei 25 % und ist damit genauso hoch wie der Autoanteil. Die zentralen Ergebnisse der vorliegenden Mobilitätsuntersuchung 2022 bilden eine verläss- liche empirische Grundlage für die künftige Verkehrsplanung der Stadt Köln und leisten einen wichtigen Beitrag, die Erstellung des nachhaltigen Mobilitätsplans „Besser durch Köln“ sowie die angestrebte Verkehrswende weiter voranzubringen. Im vorliegenden Kurzbe richt wurden lediglich erste zentrale Ergebnisse der Erhebung vorgestellt. Ein umfassender Mobilitätsbericht mit ergänzenden und vertiefenden Darstellungen folgt voraussichtlich im Spätsommer 2023. 7 Quelle: „Köln mobil 2025“ (2014): https://www.stadt -koeln.de/mediaasset/content/pdf66/koeln-mobil- 2025.pdf Mobilitätsverhalten der Kölner Bevölkerung 2022 (Kurzbericht) 16 Begriffserläuterungen Aktivität Erledigung an einem aushäusigen Ziel. Außer-Haus-Anteil Anteil der Personen, die am Stichtag mobil waren, d.h. Wege zurückgelegt haben. immobile Personen Personen, die am Stichtag keine Wege zurückgelegt haben. Motorisierter Individualverkehr (MIV) Alle Wege mit den (hauptsächlich genutzten) Verkehrsmitteln: Mofa, Moped, Motorrad, Pkw. Nichtmotorisierter Individualverkehr (NMV) Alle Wege, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad als hauptsächlichem Verkehrsmittel erfolgen. Dabei werden nur eigenständige Fußwege berücksichtigt und keine Zu- und Abgänge zu/von Haltestellen bzw. Parkplätzen. ÖV-Wege Wege, die mit den öffentlichen Verkehrsmitteln (Bus, Stadtbahn, S -Bahn, Regionalbahn, Fernzug, Linienfernbus, Taxi, Flugzeug) zurückgelegt werden. Verkehrsmittelwahl Die für einen Weg benutzten Mittel der Fortbewegung. Für einen Weg können grundsätzlich mehrere Transportmittel genutzt werden. Hat die Befragungsperson mehr als ein Verkehrsmittel pro Weg benutzt , wird ein „hauptsächlich genutztes Verkehrsmittel“ (des Weges) bestimmt; die Festlegung erfolgt über die Prioritätenreihe : Öffentliche Verkehrsmittel – Motorisierte Individualverkehrsmittel (Pkw, mot. Zweiräder) – Nichtmotorisierter Verkehr (Fahrrad, zu Fuß). Weg Ortsveränderung bestimmt durch eine Aktivität an einem aushäusigen Ziel (außerhalb des Grundstücks) sowie Rückwege nach Hause. Für einen Weg können ein oder mehrere Verkehrsmittel genutzt werden. Wegedauer Berechnete (Tür -zu-Tür)-Dauer zwischen Beginn eine s Weges und Ankunft am Ziel (laut Befragtenangabe). Wegeentfernung Tür-zu-Tür-Entfernung (laut Befragtenangabe). Wegezweck Im Unterschied zu den Aktivitäten schließt der Begriff des Wegezwecks alle Wege mit ein. Nach-Hause-Wege werden dabei der dominanten Aktivität des Ausgangs zugeordnet.
Mitteilung Ausschuss
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Dezernat, Dienststelle III/68/681/1 Vorlagen-Nummer 17.05.2023 1456/2023 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Verkehrsausschuss 23.05.2023 Zentrale Ergebnisse der Mobilitätsbefragung 2022 Es liegen erste Ergebnisse aus der Erhebung zum Mobilitätsverhalten der Kölner Bevölkerung 2022 vor. Diese sind in einem Kurzbericht, der dieser Mitteilung als Anlage beigefügt ist, über- sichtlich dargestellt. Bevor auf die zentralen Ergebnisse und deren Bedeutung für Köln eingegangen wird, sind für das allgemeine Verständnis und zur besseren Einordnung zunächst der Hintergrund der Un- tersuchung sowie einige wichtige Anmerkungen zur Methodik und Vergleichbarkeit der Ergeb- nisse vorangestellt: Hintergrund der Untersuchung Auf Basis des Bedarfsfeststellungsbeschlusses (s. Vorlagen-Nr.: 0036/2021) und nach einem öffentlichen Vergabeverfahren hat die Verwaltung im Sommer 2022 die PB Consult Planungs- und Betriebsberatungsgesellschaft mbH mit der Durchführung einer repräsentativen Erhebung des Mobilitätsverhaltens der Kölner Bevölkerung beauftragt. Die Auftragssumme beläuft sich auf knapp 250.000 Euro und wird zu 70 % durch das Landes- verkehrsministerium NRW über die Förderrichtlinie Nahmobilität (FöRi Nah) gefördert. Anlass für die Beauftragung ist der Bedarf an aktuellen Erkenntnissen zum Mobilitätsverhalten der Kölnerinnen und Kölner als wichtige Datengrundlage für die Erarbeitung des nachhaltigen Mobilitätsplans „Besser durch Köln“. Die letzten repräsentativen Ergebnisse zum Mobilitätsverhalten der Kölner Bevölkerung datie- ren aus dem Jahr 2017, als sich die Stadt an der bundesweiten Erhebung „Mobilität in Deutschland“ (MiD 2017) des Bundes als sogenannte Aufstockerkommune beteiligt hat. Die damaligen Ergebnisse hatten unter anderem gezeigt, dass die Autonutzung der Kölnerinnen und Kölner gegenüber der letzten Erhebung von 2006 deutlich zurückgegangen ist und insbe- sondere der Radverkehr deutlich zugenommen hatte (s. Vorlagen-Nr.: 2775/2019). Sowohl für den aktuell in der Bearbeitung befindlichen nachhaltigen Mobilitätsplan „Besser durch Köln“ als auch für verschiedenste Aufgaben der kommunalen Verkehrsplanung sind Kenntnisse über das heutige Mobilitätsgeschehen von großer Bedeutung. Die aktuelle Erhe- bung dient der Verwaltung daher der Überprüfung, wo die Stadt – auch bezogen auf die Fol- gen der Coronapandemie – in der Mobilitätswende derzeit steht. Die Erhebung sollte unbedingt repräsentative Ergebnisse bis auf die Ebene der Stadtbezirke zu wesentlichen Kennziffern der Mobilität der Kölner Bevölkerung liefern. Dieses Ziel konnte erreicht werden. Es wurden insgesamt 57.000 Kölner Haushalte angeschrieben. Der Rücklauf von etwa 11 % lag im erwarteten Rahmen und sorgte dafür, dass Angaben von 11.426 Perso- nen aus 6.092 Haushalten und über mehr als 35.000 zurückgelegte Wege zur Auswertung zur 2 Verfügung standen. Anmerkungen zur Methodik und Vergleichbarkeit der Ergebnisse Inhaltlich orientiert sich die aktuelle Untersuchung sehr stark an den Fragen der MiD 2017, wobei der Umfang der Fragen aus wirtschaftlichen und praktischen Erwägungen heraus etwas reduziert wurde. Weitere Änderungen betreffen unter anderem die neu hinzugekommene Ab- frage zur Nutzung des Homeoffice sowie die Aufschlüsselung der Radverkehrsnutzung nach konventionellen Fahrrädern und E-Bikes. Methodisch erfüllt die Erhebung die „Standards zur einheitlichen Modal Split-Erhebung in NRW-Kommunen“. Wie auch bei der MiD hatten die zur Teilnahme aufgeforderten Personen die Möglichkeit, ihre Angaben wahlweise online, schriftlich-postalisch oder telefonisch zu übermitteln. Im Unterschied zur MiD, welche sich durch eine ganzjährige Feldphase und der Erhebung zurückgelegter Wege an Stichtagen über alle Wochentage hinweg auszeichnete, handelt es sich bei der aktuellen Erhebung um eine saisonale Erhebung (Erhebungszeitraum von vier Wochen im für solche Erhebungen empfohlenen Zeitbereich außerhalb der Herbstferien im Oktober und November 2022) mit Stichtagsbefragungen zu den zurückgelegten Wegen an den Tagen der Kernwoche (Di-Do). Eine Vergleichbarkeit der aktuellen Ergebnisse mit denen der MiD 2017 ist durch eine ent- sprechende Anpassung des MiD-Datensatzes möglich, indem aus diesem nur die Tage der Arbeitswoche berücksichtigt werden. Entsprechende Hinweise sind den jeweiligen Ergebnis- darstellungen im Kurzbericht jeweils beigefügt. Dieses Vorgehen entspricht auch den Zeitrei- henvergleichen, wie sie bei der damaligen Präsentation der MiD 2017-Ergebnisse mit jenen aus 2006er-Erhebung durchgeführt wurden, da in der 2006er-Erhebung auch nur Werktage abgefragt wurden. Wichtig ist abschließend der Hinweis, dass es sich bei den vorgestellten Ergebnissen aus- schließlich um das Mobilitätsverhalten der Kölner Wohnbevölkerung in der Kernwoche (Diens- tag-Donnerstag) handelt. Über das Mobilitätsverhalten von Einpendelnden bzw. von Tou- rist*innen und Besuchenden kann aus den Ergebnissen keinerlei Aussage abgeleitet werden. Die wesentlichen Ergebnisse in Kürze Die Kernbotschaft der Erhebungsergebnisse lautet, dass der Trend der Mobilitätswende in Köln nicht nur ungebrochen ist, sondern sich noch einmal beschleunigt hat. Einige Kerner- gebnisse seien hier schlaglichtartig dargestellt. Ausführlichere und grafisch aufbereitete Er- gebnisse liefert der angehängte Kurzbericht. Nachdem der Anteil der Autonutzung an allen zurückgelegten Wegen 2017 bereits um 8 %-Punkte auf 35 % gegenüber 43 % im Jahr 2006 zurückgegangen war, beträgt der Autoanteil an allen Wegen im Jahr 2022 gesamtstädtisch noch 25 % (vgl. Anlage, S. 6). Der öffentliche Personenverkehr (ÖV; Nah- und Fernverkehr), der zwischen 2006 und 2017 bei einem 21 %igen Wegeanteil stagnierte, ist 2022 um 4 %-Punkte auf nunmehr 17 % zurückgegangen (vgl. Anlage, S. 6). Deutliche Zuwächse erfährt erneut der Radverkehr. Nach einem 12 %igen Anteil an al- len Wegen im Jahr 2006 und 18 % im Jahr 2017 liegt der Radverkehrsanteil inzwi- schen bei 25 %, d. h. dass aktuell jeder vierte Weg mit dem Fahrrad zurückgelegt wird (vgl. Anlage, S. 6). Erstmals kann in dieser Erhebung auch der Anteil der E-Bikenutzung beziffert werden. Dieser beträgt 4 % an allen Wegen. Entsprechend entfallen 21 % aller Wege auf kon- ventionelle Fahrräder (vgl. Anlage, S. 6). Den stärksten Zuwachs hat der Fußverkehr zu verzeichnen. Dessen Anteil an allen zu- rückgelegten Wegen ist von 26 % im Jahr 2017 um 7 %-Punkte auf 33 % im Jahr 2022 angestiegen (vgl. Anlage, S.6). 3 Mit Blick auf die Stadtbezirke lässt sich feststellen, dass der Radverkehrsanteil im tra- ditionell radaffinen Stadtbezirk Ehrenfeld inzwischen 37 % aller Wege ausmacht, wäh- rend der Fußverkehr wenig überraschend in der Innenstadt mit 38 % den größten An- teil in allen Stadtbezirken ausmacht. Der Anteil der ÖV-Nutzung ist in den rechtsrheini- schen Stadtbezirken Kalk und Mülheim mit 24 % bzw. 21 % überdurchschnittlich aus- geprägt, während in den Stadtbezirken Chorweiler (39 %) und Porz (36 %) nach wie vor das Auto das Verkehrsmittel mit den höchsten Wegeanteilen ist (vgl. Anlage, S. 8). Weiterhin ist erwähnenswert, dass alle allgemeinen Kennziffern der Mobilität 2022 ge- ringer ausfallen als 2017. Der Anteil der am Stichtag mobilen Personen ist von 91 % auf 89 % zurückgegangen, die durchschnittliche Wegeanzahl pro Person hat von 3,6 in 2017 auf 3,2 in 2022 deutlich abgenommen, die durchschnittlich pro Person zurück- gelegte Wegstrecke hat sich von 32 km auf 30 km etwas reduziert und die durch- schnittliche Dauer aller am Stichtag je Person zurückgelegten Wege ist von 88 Minu- ten in 2017 auf 82 Minuten in 2022 ebenfalls rückläufig (vgl. Anlage, S. 5). Ein Blick auf die Arbeit im Homeoffice zeigt, dass 22 % der Erwerbstätigen am Stichtag von zu Hause aus gearbeitet haben, während 69 % an ihrer Arbeitsstätte arbeiteten. 13 % der Erwerbstätigen gaben an, am Stichtag nicht gearbeitet zu haben. Gründe hierfür können zum Beispiel Urlaub oder Krankheit sein. Entsprechend geringer fällt mit 2,5 bei der Gruppe der Erwerbstätigen im Homeoffice bzw., die am Stichtag nicht gearbeitet haben, die Anzahl der an dem Tag zurückgelegten Wege aus. Dagegen leg- ten Personen, die an dem Tag außerhäusig gearbeitet haben, im Durchschnitt 3,9 Wege zurück (vgl. Anlage, S. 13). Erste Erklärungsansätze Die nachfolgende Interpretation der Ergebnisse resultiert nicht aus der Befragung selbst, son- dern erfolgt aus dem verkehrsplanerischen Kontext durch die Verwaltung. Die in den Ergebnissen abzulesende weitere Verschiebung zu Gunsten des Umweltverbundes lässt sich sicherlich in Teilen mit dem in allen Großstädten zu beobachtenden übergeordneten Trend hin zu einer umweltfreundlichen, kostengünstigen und aktiven Mobilität sowie auch mit Verbesserungen der Infrastrukturausstattung, insbesondere für den Radverkehr, erklären. Die Dynamik, die in den Daten abzulesen ist, deutet allerdings auf strukturelle Veränderungen hin, die nicht allein trendgetrieben sein können. Vielmehr sieht es so aus, dass viele Men- schen Teile ihrer im Rahmen der Pandemie (oftmals notgedrungen) geänderten Mobilitätsge- wohnheiten nach dem Ende der Pandemie bzw. deren Auslaufen zumindest in Teilen beibe- halten haben: Am offensichtlichsten sind die Nachwirkungen der Pandemie an der ÖV-Nutzung abzu- lesen. Zum Zeitpunkt der Erhebung bestand noch die Verpflichtung eine medizinische Maske im ÖV zu tragen. Daher ist es mehr als wahrscheinlich, dass der gesunkene ÖV-Anteil zum einen darauf zurückzuführen ist, dass die Menschen, die vormals den ÖV genutzt haben und während der Pandemie auf andere Verkehrsmittel umgestiegen sind, das geänderte Mobilitätsverhalten zum Zeitpunkt der Erhebung nicht wieder um- gestellt haben. Hinzu kommt, dass der ÖV insbesondere im Berufspendelverkehr eine wichtige Rolle einnimmt. Die verstärkte Inanspruchnahme des Homeoffice und die damit einherge- hende Verringerung der Pendelfahrten liefert somit einen weiteren Baustein zur Erklä- rung der aktuell geringeren Bedeutung des ÖV im Alltag der Kölnerinnen und Kölner. Der starke Rückgang der Autonutzung lässt sich voraussichtlich durch viele, sich ge- genseitig verstärkende Rahmenbedingungen erklären. Ähnlich wie beim ÖV spielt das geringere Pendelaufkommen durch die Möglichkeit des Homeoffice eine Rolle. Das Auto spielt im Pendelverkehr eine wichtige Rolle und es ist zu vermuten, dass vor allem die Menschen verstärkt das Homeoffice nutzen, die vergleichsweise aufwendige Pendelstrecken einsparen können. Eine weitere Erklärung lässt sich in höheren Treibstoffkosten bei gleichzeitig inflations- bedingt allgemein steigenden Lebenshaltungskosten finden. Diese geänderten Rah- 4 menbedingungen könnten für eine bewusstere Autonutzung seitens weiter Teile der Bevölkerung in dem Sinne verantwortlich sein, dass zumindest einzelne Wege, die früher aus reiner Bequemlichkeit oder Gewohnheit mit dem Auto zurückgelegt wurden, nun aus Kostengründen mit anderen Verkehrsmitteln (z. B. zu Fuß oder mit dem Rad) zurückgelegt werden, bzw. dass zum Teil andere, leichter ohne Auto zu erreichende Ziele aufgesucht werden. Ein weiterer wesentlicher Aspekt, der – neben dem Rückgang im ÖV und der Autonut- zung – den ungebrochenen Bedeutungszuwachs des Radverkehrs, vor allem aber den sehr starken Anstieg der zu Fuß zurückgelegten Wege erklärt, ist voraussichtlich das verstärkte Bedürfnis der Menschen, sich – nach den Erfahrungen im Lockdown – ver- mehrt aktiv und an der frischen Luft zu bewegen. Gerade in der ersten Zeit der Pan- demie war die Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus in weiten Teilen der Bevölkerung sehr stark ausgeprägt. In dieser Zeit haben sich vielfach neue Verhal- tensmuster etabliert, die sich auch auf die Mobilität der Menschen ausgewirkt haben. Insbesondere das Zufußgehen hat in dieser Zeit enorm an Bedeutung gewonnen und es ist sehr wahrscheinlich, dass viele Menschen diese Art der Fortbewegung in der Zeit neu zu schätzen gelernt und daher, zumindest bei einzelnen Wegen, diese Art der Fortbewegung auch nach der Pandemie beibehalten haben. Ähnliches trifft vermutlich auch auf den Radverkehr zu. Der erneut deutliche Anstieg im Radverkehr lässt sich darüber hinaus auch mit der steigenden Anzahl von E-Bikes erklären. Neben der Möglichkeit, längere Wegstrecken zurückzulegen, die mit einem konventionellen Rad vielleicht nicht zurückgelegt wür- den, ist der noch entscheidendere Punkt, dass die E-Bikes Bevölkerungsschichten auf das Fahrrad bringen, die bislang im Alltag noch gar nicht oder kaum Rad gefahren sind. Somit erweitern E-Bikes vor allem den Kreis der radfahrenden Personen. Was bedeuten die Ergebnisse für Köln? Hinsichtlich des Ziels der Verkehrswende als notwendige Bedingung für die angestrebte Kli- maneutralität im Jahr 2035 sind die Ergebnisse der aktuellen Mobilitätserhebung mehr als nur ermutigend. Das Ausmaß des Umstiegs der Kölnerinnen und Kölner vom Auto auf den Um- weltverbund ist enorm. Das im Strategiepapier „Köln mobil 2025“ in 2014 definierte Ziel von zwei Drittel Umweltverbund und einem Drittel Autonutzung an allen Wegen konnte somit be- reits 2022 deutlich unterschritten werden. Das tatsächliche Verhältnis beträgt aktuell bereits drei Viertel Umweltverbund zu ein Viertel motorisierter Individualverkehr (MIV). Dass sich dieser „modal shift“ auf den Straßen Kölns gefühlt noch nicht in dem Maße bemerk- bar macht wie es die Ergebnisse nahelegen, liegt aller Voraussicht nach daran, dass die nach Köln Einpendelnden und Besucher*innen der Stadt nicht im gleichen Maße umgestiegen sind wie die Kölnerinnen und Kölner. Es ist im Gegenteil davon auszugehen, dass die Autonutzung für die Wege nach Köln hinein pandemiebedingt noch einmal zugelegt hat, da der ÖV ver- stärkt gemieden wird, wie dies auch bei den Kölnerinnen und Kölnern zu beobachten ist. Zusammenfassend lassen sich daher aus den Ergebnissen aus Sicht der Verwaltung folgende Schwerpunkte für die Mobilitätsplanung in den kommenden Jahren ableiten. Diese werden im laufenden Prozess des Nachhaltigen Mobilitätsplans „Besser durch Köln“ Berücksichtigung finden: 1. Fokus auf Pendelverkehre Der Fokus auf die regionalen Verkehrsverflechtungen sollte intensiviert und Angebotsverbes- serungen im Umweltverbund in der Region aktiv unterstützt und damit Pkw-unabhängige Stadt-Umland-Verflechtungen nachhaltig gestärkt werden, so dass Einpendelverkehre deutlich seltener als bislang mit dem Auto zurückgelegt werden. Bestehende Projekte, wie der Ausbau der ÖPNV/SPNV-Netze und -Angebote, die Schaffung eines regionalen Netzes schneller Radwege, aber auch die Vernetzung verschiedener Ange- bote mittels Mobilstationen sollten intensiv weiterverfolgt und neue Ideen, z. B. eine finanzielle Unterstützung bei der Errichtung von P+R-Anlagen im Umland, qualifiziert und umgesetzt werden. 5 Die Verkehrsnetze innerhalb der Stadt müssen weiter und beschleunigt den aktuellen Gege- benheiten angepasst werden. Für die einzelnen Verkehrsträger bedeutet dies: 2. ÖV-Nutzer*innen zurückgewinnen und Angebote verbessern Es besteht die Möglichkeit, dass das aktuell eingeführte Deutschlandticket viele Bestandskun- den wieder in den ÖPNV zurückbringt und vor allem zahlreiche neue Nutzer*innen für den ÖV gewonnen werden können. Dies betrifft insbesondere auch Einpendelnde. Gleichwohl müssen die bestehenden Kapazitätsengpässe in den Stadt- und S- bzw. Regio- nalbahnnetzen schnellstmöglich beseitigt werden. Für Köln bedeutet dies zum einen, dass die Maßnahmen der „ÖPNV-Netzentwicklung“ entsprechend der avisierten Zeiträume umgesetzt werden. Zum anderen müssen weitere, möglichst passgenaue und schnell umsetzbare Angebote ent- wickelt und implementiert werden. Neben Taktverdichtungen auf bestehenden Bus- und Bahn- linien können dies auch Anpassungen im Busnetz sein oder auch die Einführung neuer (Ex- press-)Buslinien. Darüber hinaus sollten mögliche Alternativangebote, von Ridepooling-Angeboten wie „Isi“ von der KVB bis hin zu einem möglichen Wasserbus- und/oder Seilbahnsystem weiterverfolgt und wo sinnvoll, möglich und finanzierbar, umgesetzt werden. Auch die weitere Vernetzung ver- schiedener Mobilitätsangebote, etwa in Form von Mobilstationen, ist geeignet, immer attrakti- vere, verlässlichere und konkurrenzfähigere Angebote zum Privat-Pkw zu etablieren und mit- einander zu verknüpfen. 3. Radverkehrsinfrastruktur ausbauen Jeder vierte Weg wird von den Kölner*innen inzwischen mit dem Rad zurückgelegt. Dies er- fordert die weitere konsequente Qualifizierung des städtischen Straßennetzes für die damit einhergehenden Bedarfe. Dabei sind aufgrund der weiter zunehmenden Bedeutung von E- Bikes unterschiedliche Geschwindigkeiten, mit denen die Radfahrenden unterwegs sind, bei der Infrastrukturplanung zu berücksichtigen. Neben einer entsprechenden Dimensionierung von Radwegen und Radfahrstreifen betrifft dies auch signalisierte Knoten sowie die Verfüg- barkeit gesicherter Fahrradabstellmöglichkeiten (z. B. Fahrradgaragen) insbesondere an Hal- testellen des ÖPNV. 4. Optimierungen für den Fußverkehr Das Zufußgehen als die Basismobilität schlechthin muss noch stärker als bisher in den Fokus der Mobilitätsplanung rücken. Erste wichtige Schritte, wie die Benennung eines Fußverkehrs- beauftragten, der genau diese Themen in den Blick nimmt, sind bereits erfolgt. Während neu angelegte Gehwege durchweg aktuellen Planungsstandards und damit den Anforderungen genügen, kommt den heute vielfach zu schmalen Bestandsgehwegen eine enorme Bedeutung zu. Deren Nutzung ist vielfach durch Fehlnutzungen zusätzlich einge- schränkt. Diese Fehlnutzungen, z. B. durch das Parken von Fahrzeugen (Leihfahrräder, E- Scooter, v. a. aber durch halbseitiges Gehwegparken von Autos) oder anderer Hindernisse (Aufsteller, Blumenkübel, Mobiliar etc.) sollten konsequent und sukzessiv überall dort prioritär abgebaut werden, wo die Nutzbarkeit der Gehwege stark eingeschränkt ist. Weiterhin sollte die Anzahl der Sitzmöglichkeiten, um sich auszuruhen, an geeigneten Stellen konsequent ausgeweitet werden. Dies trägt auch dem demographischen Wandel Rechnung. 5. Autoverkehre bündeln und Erreichbarkeiten sichern Aufgrund der abnehmenden Bedeutung des Pkw-Verkehrs innerhalb der Kölner Bevölkerung und der gleichzeitig hohen Nutzungskonkurrenz im öffentlichen Straßenraums ist es unver- zichtbar, dass Flächenanteile, die derzeit der Autonutzung vorbehalten sind, sukzessive ande- ren Verkehrsträgern zur Verfügung gestellt werden. Die Pkw-Ströme sollten daher mehr und mehr auf Hauptachsen konzentriert und die Quartiere somit entlastet werden. Hierfür wird aktuell ein sogenanntes „MIV-Grundnetz“ durch die Verwaltung unter einer breiten Beteiligung verschiedener Stakeholder, erarbeitet. Eine deutliche Ausweitung des Carsharing-Angebots im öffentlichen Straßenraum kann dazu beitragen, die Pkw-Besitzquote der Kölner*innen mittelfristig spürbar zu senken. Die dadurch freiwerdenden Flächen können dann anderen Nutzungen zugeführt und auch die Aufenthalts- 6 qualität des Straßenraums weiter erhöht werden. Gleichzeitig sind die Erreichbarkeiten mit dem Pkw im Stadtgebiet sicherzustellen. Denn auch wenn viele Bürger*innen mehr und mehr auf das Auto verzichten, so sind insbesondere der Wirtschaftsverkehr (z. B. Handwerkerschaft, Transport- und Lieferverkehre), aber auch mobili- tätseingeschränkte Personen vielfach auf eine gute Erreichbarkeit mit Pkw und Lkw angewie- sen. Wichtig ist daher an dieser Stelle zu betonen, dass die allgemeine Abnahme der Autonutzung nicht nur allen anderen Verkehrsmitteln zu Gute kommt, sondern vor allem all denjenigen mo- torisierten Verkehren nutzt, die heute und auch morgen noch unvermeidlich sind. Ausblick Während die in dieser Mitteilung dargestellten Ergebnisse bereits einen wertvollen Einblick in zentrale Aspekte des aktuellen Mobilitätsverhaltens der Kölnerinnen und Kölner geben, bieten die mit der Befragung gewonnenen Daten noch viele weitere Auswertungsmöglichkeiten, die eine enorme Bedeutung für verkehrsplanerische Fragestellungen haben. Dies betrifft viele weitere abgefragte Merkmale, die in dem Kurzbericht noch nicht präsentiert wurden, aber auch vertiefende Analysen hinsichtlich der räumlichen Ausprägung (Stadtbezirke) einzelner Merkmale sowie die kreuztabellarische Auswertung verschiedener Merkmale untereinander. Daher folgt im Herbst 2023 noch ein ausführlicher Abschlussbericht mit allen Erhebungser- gebnissen. Nachdem der beigefügte Kurzbericht zudem rein deskriptiv angelegt ist und die Interpretation der Ergebnisse ausschließlich im Mitteilungstext erfolgte, können im Abschlussbericht durch die breite Analyse aller erhobenen Daten gegebenenfalls auch vertiefende Erkenntnisse über die Zusammenhänge und Hintergründe der hier präsentierten Ergebnisse gewonnen und dar- gestellt werden. Anlage Kurzbericht „Ergebnisse zum Mobilitätsverhalten der Kölner Bevölkerung 2022“ Gez. Egerer
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 1456/2023
- Typ
- Mitteilung Ausschuss
- Datum
- 17.05.2023
- Erstellt
- 02.05.2023 17:02