0719/2025
Neukonzeption der Ausstellungs- und Publikumsflächen des NS-Dokumentationszentrums
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Beschlussvorlage Rat
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Dezernat, Dienststelle VII/4520 Vorlagen-Nummer 0719/2025 Freigabedatum 16.05.2025 Beschlussvorlage zur Behandlung in öffentlicher Sitzung Betreff Neukonzeption der Ausstellungs- und Publikumsflächen des NS- Dokumentationszentrums Beschlussorgan Rat Gremium Datum Beschluss: 1. Der Rat stellt den Bedarf für die Neugestaltung der Dauerausstellung und weiterer Publi- kumsflächen des NS-Dokumentationszentrums fest. 2. Der Rat beauftragt die Verwaltung, für die anteilige Finanzierung der neuen Dauerausstel- lung über das Land NRW beim Bund (BKM) 2025 einen Antrag auf Projektförderung nach der Gedenkstättenkonzeption des Bundes zu stellen. Beim Bund sollen ca. 3,1 Mio. EUR, beim Land 500.000 EUR beantragt werden. 3. Im Fall der Förderung sichert der Rat verbindlich zu, dass sich die Stadt Köln an den Kos- ten für die neue Dauerausstellung mit investiven Mitteln in Höhe von maximal 3,7 Mio. EUR beteiligen wird. 4. Der Rat beschließt die Einrichtung eines projektbegleitenden wissenschaftlichen Beirats und bestellt dessen Mitglieder für die Dauer der Projektumsetzung. 5. Der Rat beschließt darüber hinaus die Neugestaltung weiterer Publikumsflächen des Mu- seums (Eingang, Foyer mit Kasse, Shop und Aufenthaltsflächen, WCs, Bibliothek, Wech- selausstellungsflächen, neues Treppenhaus, Modernisierung des Aufzugs). Hierfür wer- den investive Mittel in Höhe von maximal 2,7 Mio. EUR bereitgestellt. Hierfür beauftragt der Rat die Verwaltung mit der Durchführung der notwendigen Vorunter- suchungen sowie der Planung der Leistungsphasen 1 bis 3 (Grundlagenermittlung, Vor- planung und Entwurfsplanung) mit Planungskosten in Höhe von 152.000 Euro. Das Ergebnis der Entwurfsplanung einschließlich Kostenberechnung ist dem Rat zur Bau- beschlussfassung vorzulegen. 6. Gleichzeitig beschließt der Rat zur Aufnahme der Voruntersuchungen und Planungsleis- tungen die erstmalige Freigabe von investiven Auszahlungsermächtigungen im Teilfinanz- plan des NS-Dokumentationszentrums in der Produktgruppe 0410 (NS-Dokumentations- zentrum) in der Teilplanzeile 8 (Auszahlungen für Baumaßnahmen), Finanzstelle: 4520- 0410-0-0011 (Neugestaltung EL-DE-Haus) in Höhe von 152.000 Euro im Haushaltsjahr 2026. Ausschuss Kunst und Kultur 20.05.2025 Finanzausschuss 26.05.2025 Rat 27.05.2025 2 Haushaltsmäßige Auswirkungen Nein Ja, investiv Investitionsauszahlungen 6.400.000 € Zuwendungen/Zuschüsse Nein Ja % Ja, ergebniswirksam Aufwendungen für die Maßnahme 4.295.000 € Zuwendungen/Zuschüsse Nein Ja 3.615.000 € 84 % Jährliche Folgeaufwendungen (ergebniswirksam): ab Haushaltsjahr: 2028 a) Personalaufwendungen € b) Sachaufwendungen etc. € c) bilanzielle Abschreibungen 320.000 € Jährliche Folgeerträge (ergebniswirksam): ab Haushaltsjahr: a) Erträge € b) Erträge aus der Auflösung Sonderposten € Einsparungen: ab Haushaltsjahr: a) Personalaufwendungen € b) Sachaufwendungen etc. € Beginn, Dauer Auswirkungen auf den Klimaschutz Nein Ja, positiv (Erläuterung siehe Begründung) Ja, negativ (Erläuterung siehe Begründung) Begründung: Das NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln (NS-DOK) ist der zentrale Ort für die kritische Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus in Köln und Umgebung. Es hat seinen Sitz im EL-DE-Haus, der ehemaligen Kölner Gestapozentale, und ist die mit Abstand besucher- stärkste Gedenkstätte in Nordrhein-Westfalen. Das NS-DOK liegt mit derzeit 93.000 Besu- cher*innen (2024) unter den neun städtischen Museen an dritter Stelle. Mit über 2.000 Füh- rungen und Workshops pro Jahr steht es für knapp ein Drittel des Vermittlungsprogramms des Kölner Museumsdienstes. Das NS-DOK hat eine herausragende Bedeutung für das Gedenken an die Opfer der NS-Ver- brechen, das Bewahren einer lebendigen Erinnerungskultur, für die Aufklärung über die Ge- fahren von Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus sowie für die Stärkung der Demokratie in der vielfältigen Kölner Stadtgesellschaft. Für die Ausstellungs- und weitere Pub- likumsflächen besteht ein erheblicher Erneuerungsbedarf, um das Haus zukunftsfähig zu ma- chen, seine Bedeutung zu erhalten und weiter auszubauen. Ziel ist es, die Neukonzeption jetzt anzugehen, um sie bis zum 50-jährigen Jubiläum der Gründung des NS-DOK im Jahr 2029 erfolgreich abschließen zu können. 3 Ausgangslage und Erneuerungsbedarf Im Jahr 1979 beschloss der Rat der Stadt Köln die Gründung des NS-Dokumentationszent- rums und die Einrichtung einer Gedenkstätte im ehemaligen Gestapogefängnis im Keller des EL-DE-Hauses (eröffnet 1981). Das denkmalgeschützte Gebäude, das sich bis heute in Pri- vatbesitz befindet, war von der Stadt Köln seit 1945 zur Unterbringung verschiedener Ämter genutzt worden. In den 1990er Jahren wurden die Flächen vom Erdgeschoss bis einschließ- lich der zweiten Etage zu einem Museum umgebaut. 1997 konnte das NS-DOK die seither im Haus gezeigte Dauerausstellung „Köln im Nationalsozialismus“ eröffnen. Das Kernausstellungsangebot des NS-DOK mit der Dauerausstellung und der Ausstellung in der Gedenkstätte Gestapogefängnis ist trotz zwischenzeitlicher Überarbeitungen veraltet und muss ersetzt werden: Es entspricht 1) nicht mehr dem Wissensstand über die NS-Zeit in Köln. Es geht 2) an heutigen Erwartungen vieler Besucher*innen vorbei. Und es erfüllt 3) in Präsen- tationsform, Erzählweise und Medieneinsatz nicht mehr die Ansprüche an eine zeitgemäße museale Vermittlung. Letzteres gilt umso mehr, als Besucher*innen des NS-DOK seit 2023 in der dritten und vierten Etage des EL-DE-Hauses ein modernes Vermittlungsangebot mit dem interaktiven Demokra- tiespiel „Remote Island“ als Herzstück erwartet, das sich großer Beliebtheit erfreut. Seine Ein- richtung hatte der Rat der Stadt Köln 2017 beschlossen, um das NS-DOK zu einem „Haus für Erinnern und Demokratie“ zu erweitern. Wie eine 2024 durchgeführte Besucher*innen-Evaluation verdeutlicht, wirkt das historische Dauerausstellungsangebot demgegenüber gerade auf junge Menschen und ausländische Tourist*innen – die gemeinsam zwei Drittel der Besucher*innen ausmachen – erneuerungsbe- dürftig. Dieser Eindruck gilt auch im Vergleich zur Dauerausstellung des nahegelegenen Köl- nischen Stadtmuseums (eröffnet 2024) sowie anderer NS-Gedenkstätten im Umkreis von Köln, die ihre Ausstellungen erneuert haben (zuletzt die LVR-Gedenkstätte in Brauweiler 2024). Darüber hinaus stößt das NS-DOK auf den nicht ausstellungsbezogenen Publikumsflächen an Grenzen. Das Museumsfoyer mit Kasse, Shop, Garderobe und Aufenthaltsbereich ist auf- grund der stark gestiegenen Besucher*innenzahlen (400 bis 500 Prozent mehr als nach der Eröffnung 1997) zu klein. Zudem belegen sie einen der historisch wichtigsten Gebäudeteile: den ehemaligen Eingangs-, Wach- und Bürobereich der Gestapozentrale im Erdgeschoss. Diese Situation beeinträchtigt nicht nur das Besuchserlebnis und die Aufenthaltsqualität. Sie bildet auch ein Hemmnis für die von der Verwaltung angestrebte deutliche Steigerung der Be- sucher*innenzahlen. Bei Führungen kann die Nachfrage in den für Schulklassen relevanten Zeiträumen bereits heute nicht mehr in Gänze bedient werden. Einzelbesucher*innen stört der oft sehr volle Eingangs- und Foyerbereich sowie die Enge im Treppenhaus. Der Zugang zum Haus ist zudem nicht barrierefrei, der Aufzug zu klein für den barrierefreien Etagenwechsel. Zusammenfassend betreibt das NS-DOK unter den Gedenkstätten in NRW derzeit als mit Ab- stand größtes Haus eine der ältesten Dauerausstellungen. Und die weiteren Publikumsflächen sind zu klein für einen attraktiven Museumsbetrieb. Ohne eine Erneuerung droht das NS-DOK zudem seine bislang enge Anbindung an die Köl- ner Stadtgesellschaft zu verlieren, welche zunehmend von Menschen ohne familiären Bezug zur Kölner NS-Geschichte geprägt ist. Sie schauen in anderer Weise auf die NS-Zeit, als die letzte „Erlebnisgeneration“, an die sich die bestehende Dauerausstellung in den 1990er Jah- ren noch primär richtete. Es braucht ein neues Angebot für das historische Lernen in der post- migrantischen Stadtgesellschaft, das die kritische Auseinandersetzung mit dem Nationalsozia- lismus auch zukünftig lebendig halten kann. Angesichts der gegenwärtigen Zunahme von An- tisemitismus und Rassismus und des Erstarkens der extremen Rechten, die mit der Relativie- rung und Verharmlosung des Nationalsozialismus einhergehen, ist dies besonders wichtig. Kerngedanke und Umfang der Neukonzeption Kerngedanke der Neukonzeption ist eine klare räumlich-funktionale Unterscheidung zwischen der ehemaligen Gestapozentrale einerseits und dem nach 1945 im gleichen Baustil neu ange- bauten Gebäudeteil andererseits (vgl. zur Unterscheidung beider Gebäudeteile Außenansicht und Grundrissplan in Anlage 1). Die ehemalige Gestapozentrale wird – vom Keller über die historisch wichtigen Flächen im Erdgeschoss bis inkl. der 2. Etage – zur Ausstellungsfläche über die Geschichte der Gestapo und der Kölner Stadtgesellschaft im Nationalsozialismus. Der Neubauteil wird im Erdgeschoss 4 (heutiger Wechselausstellungsbereich) ein großes Museumsfoyer mit Kasse, Shop, Garde- robe und Aufenthaltsbereich aufnehmen. Der Haupteingang wird infolgedessen zum jetzigen Nebeneingang am Appellhofplatz verlegt. Die öffentliche Bibliothek des NS-DOK und die Wechselausstellungsflächen werden innerhalb des Neubauteils verlagert. Durch diese Maßnahmen wird die Wahrnehmung des historischen Ortes gestärkt, das Be- suchserlebnis inklusive der Wegführung stark verbessert und die Kapazität für die Vermitt- lungsarbeit mit Besuchsgruppen ausgebaut. Die Sicherheit des Museumsbetriebs wird deut- lich erhöht. Und es wird die Möglichkeit geschaffen, das EL-DE-Haus mit modernen, anspre- chenden Publikumsflächen auszustatten und Teile des Hauses so zu einem kostenfrei zu- gänglichen „dritten Ort“ auszubauen. Auch mit seinem Ausstellungsangebot wird sich das NS-DOK nach außen öffnen und die Dauerausstellung im EL-DE-Haus zukünftig in innovativer Weise mit dem digitalen Raum und dem Stadtraum verbinden. Hierzu wird einerseits ein eng mit der Dauerausstellung ver- schränktes, aber auch außerhalb des Hauses nutzbares digitales Angebot zur Kölner NS-Ge- schichte realisiert. Andererseits werden weitere Orte des NS-Terrors im Kölner Stadtraum stärker sichtbar gemacht und in die Vermittlungsarbeit einbezogen. Dies gilt besonders für den historisch eng mit dem EL-DE-Haus verbundenen, zweiten wichtigen Ort der Gestapoge- schichte und der NS-Verbrechen in Köln: den Lagerkomplex in und an der Kölner Messe. Das Gesamtprojekt besteht folglich aus zwei zusammenhängenden Vorhaben, die im Folgen- den beschrieben werden: • A. Neue dreiteilige Dauerausstellung des NS-DOK o Geschichte der Kölner Gestapo o Kölner Stadtgesellschaft im Nationalsozialismus o Stadtraum und historischer Ort „Messelager“ • B. Das EL-DE-Haus als attraktives Museum und „dritter Ort“ Die Teilprojekte werden parallel geplant, aber nacheinander realisiert, um eine längere Schließzeit des Hauses zu vermeiden. Neben dem 2023 eröffneten Angebot zum Demokratie- lernen werden immer auch (bisherige oder neue) Ausstellungsteile zugänglich sein, die sich auf die Geschichte des Nationalsozialismus beziehen. Dadurch bleibt das Haus insbesondere für Schulklassen durchgehend geöffnet, ein kostenträchtiger Umzug in ein Interim wird ver- mieden. Ziel ist es, das Gesamtprojekt zum 50jährigen NS-DOK-Jubiläum Ende 2029 abzu- schließen. A. Neue dreiteilige Dauerausstellung des NS-DOK Das Ziel des ersten Teilprojekts ist die Realisierung einer neuen dreiteiligen Dauerausstellung des NS-DOK, welche den historischen Ort stärker ins Zentrum rückt, die Geschichte der Ge- stapo und der Kölner Stadtgesellschaft im Nationalsozialismus in neuer Weise in den Blick nimmt, die Perspektive zugleich auf den Stadtraum weitet und die Erzählung im Digitalen fort- führt. Im historischen Eingangsbereich der Gestapozentrale wird ein gemeinsamer Ausgangspunkt für die mehrteilige Dauerausstellung geschaffen. Besucher*innen erhalten hier künftig einen orientierenden Überblick über die Geschichte des EL-DE-Hauses, der sie über den histori- schen Ort informiert, an dem sie sich befinden. Zugleich können sie die geschichtliche Bedeu- tung des Eingangs mit der Wache und Pförtnerloge besser nachvollziehen. Sie lernen hierbei eine kommentierende Ausstellungsebene zur Nutzung des Hauses durch die Gestapo ken- nen, die auf allen Ausstellungsetagen fortgeführt wird. So informiert, können die Besucher*innen sich dann für einen der drei Ausstellungsteile ent- scheiden, die unterschiedliche Perspektiven auf die Geschichte des Nationalsozialismus und der NS-Verbrechen in Köln werfen. Das Ausstellungsangebot ist bewusst dergestalt konzi- piert, dass die Besucher*innen sich nicht alle drei Teile im Rahmen eines Besuchs erschlie- ßen müssen. Stattdessen sind sie eingeladen, eine Auswahl zu treffen und die Dauerausstel- lung bei einem Folgebesuch mit einem anderen Fokus weiter zu erkunden. Ausstellungsteil 1: Geschichte der Kölner Gestapo In Erdgeschoss und Keller widmet sich der erste Ausstellungsteil der Geschichte der Kölner Gestapo und den Verbrechen, die im EL-DE-Haus stattgefunden haben oder aus ihm heraus 5 organisiert wurden. Der Rundgang erschließt im Erdgeschoss mit dem Flur und den sich an- schließenden Büros und Verhörzimmern neue historische Räume für das Ausstellungsange- bot. Sie vermitteln in der Zusammenschau und im Kontrast mit dem Zellentrakt im Keller so- wie dem Hofgelände als Tatort hunderter Gestapo-Morde ein umfassendes Bild des Gestapo- handelns im Nationalsozialismus. • Breite Darstellung der Arbeitsweise, des Personals und der Verbrechen der Gestapo bis Mitte des Zweiten Weltkriegs in den Büroräumen im Erdgeschoss • Fortführung der Gestapogeschichte in der zweiten Kriegshälfte und der Geschichte der Endphaseverbrechen im Zellengefängnis und im Hof • Neue denkmalschutzkonforme Möglichkeit, sich die Wandinschriften im Gefängnis und dahinterstehende Schicksale selbst zu erschließen • Behutsame Neugestaltung des Innenhofs als würdiger Ort des Gedenkens • Verbesserte Wegführung vom Innenhof zurück ins Museumsfoyer Ausstellungsteil 2: Kölner Stadtgesellschaft im Nationalsozialismus Der zweite Teil der Dauerausstellung auf der 1. und 2. Etage des EL-DE-Hauses eröffnet Be- sucher*innen eine breitere Perspektive auf die NS-Geschichte Kölns. Er zeigt, wie sich Stadt und Stadtgesellschaft zwischen 1933 und 1945 durch das Ziel veränderten, Köln nationalsozi- alistisch zu machen. Die Veränderung der Stadt zeigt die Ausstellung als vielschichtigen Pro- zess, der nicht alleine „von oben“ vorangetrieben wurde, sondern an dem viele Akteure und die einzelnen Kölner*innen durch ihr alltägliches Handeln beteiligt waren – auch an Ausgren- zung und Gewalt. Die Ausstellung lässt damit noch immer bestehende Vorstellungen einer vornehmlich durch Terror beherrschten Gesellschaft hinter sich. Mit einer aktivierenden Ge- staltung lädt sie die Besucher*innen dazu ein, grundlegende Fragen nach der Mitwirkung und persönlichen Verantwortung in der NS-Diktatur zu reflektieren. • Differenzierte Darstellung des nationalsozialistischen „Projekts“ einer rassistischen Ge- sellschaftstransformation am Beispiel Kölns • Einbettung der Gestapo in den gesellschaftsgeschichtlichen Kontext • Breiter Blick auf Erfahrungen, Handlungsweisen und Perspektiven aller Menschen der Stadtgesellschaft inkl. der Ausgegrenzten und Verfolgten • Herausstellen der Spezifika der Kölner NS-Geschichte, wie sie sich bspw. durch den langen und heftigen Bombenkrieg ergaben • Vermittlung historischen Wissens in Kombination mit einem aktivierenden Angebot zur eigenen Beschäftigung mit Kernfragen der NS-Geschichte Ausstellungsteil 3: Stadtraum und historischer Ort „Messelager“ In einem dritten Ausstellungsteil wird das NS-DOK weitere Orte der Verfolgung im Kölner Stadtraum stärker einbeziehen und so dem Eindruck entgegenwirken, Terror und Gewalt hät- ten sich in Köln vor allem auf das EL-DE-Haus konzentriert und seien für den Großteil der Be- völkerung nicht sichtbar gewesen. Besondere Aufmerksamkeit erhält dabei der ehemaligen Lagerkomplex in und an der Kölner Messe. Als Sammelpunkt für die Deportationen der Jüdin- nen und Juden sowie der Sinti*zze und Rom*nja, als KZ-Außenlager und Zwangsarbeitslager sowie als Ausweichgefängnis der Gestapo ist seine Geschichte eng mit dem EL-DE-Haus ver- bunden. • Realisierung einer frei zugänglichen Ausstellung am historischen Ort „Messelager“ als Startpunkt für digitalgestützte Erkundungen des Geländes • Für die Stadt Köln weitgehend kostenneutraler Betrieb in Kooperation mit heutigen Nutzer*innen der Messe (Corporate Social Responsibility) • Weitere Orte der NS-Verfolgung im Stadtraum werden über ein digitales Angebot zur Selbsterkundung eingeschlossen Übergreifende Darstellungs- und Vermittlungsprinzipien Für die Entwicklung und den Betrieb der drei Ausstellungsteile finden übergreifende Darstel- lungs- und Vermittlungsprinzipien Berücksichtigung: • Barrierearme, inklusive Ausstellungsgestaltung und Mehrsprachigkeit für die vielfältige Stadtgesellschaft und das internationale Museumspublikum 6 • Variantenreiches dichtes Erzählen in den drei Ausstellungsteilen über exemplarische Fälle, objektbasierte Geschichten und Hörstücke • Aktivierender Medieneinsatz und Aufbau eines breiten Digitalangebots zur Vertiefung von Biographien und datengestützten Erkundung des Stadtraums • Vermittlung auf Basis des Prinzips forschend-entdeckenden Lernens im Haus und im Stadtraum; Workshops statt Führungen als Hauptbildungsangebot Die Realisierung der neuen Dauerausstellung wird für die Dauer des Projekts durch einen wis- senschaftlichen Beirat begleitet. Er vereint geschichtswissenschaftliche, museums- und ge- denkstättenpraktische sowie Vermittlungsexpertisen (Anlage 2). Die Mitwirkung eines wissen- schaftlichen Beirats ist eine Voraussetzung für das Gewähren einer Förderung nach der Ge- denkstättenkonzeption des Bundes. B. Das EL-DE-Haus als attraktives Museum und „dritter Ort“ Für die Neugestaltung der weiteren Publikumsflächen des Museums im Neubauteil des EL- DE-Hauses hat das Kölner Architekturbüro Kastner, Pichler, Schorn auf Basis seiner langjähri- gen Erfahrung mit dem Gebäude eine Machbarkeitsstudie angefertigt (vgl. Anlage 3). Die wei- tere Planung und spätere Realisierung erfolgt in enger Abstimmung mit dem Eigentümer des Gebäudes und mit dem Stadtkonservator. Im Einzelnen ist vorgesehen, den Haupteingang des Museums vom ehemaligen Eingang der Gestapozentrale zum ebenfalls am Appellhofplatz gelegenen, bisherigen Nebeneingang zu verlagern. Im Innern schafft ein großzügiges Museumsfoyer Platz für Kasse, Shop, Gardero- benschließfächer und eine attraktive Aufenthaltsfläche. Damit kann das Foyer zukünftig auch für große Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen oder Ausstellungseröffnungen genutzt werden. Im direkten Anschluss an das Museumsfoyer erhält die öffentliche Präsenzbibliothek des NS- DOK einen attraktiven Standort. Sie rückt damit von ihrer isolierten Lage hinter der jetzigen Dauerausstellung ins direkte Blickfeld des Publikums. Ein großer Freihandbereich und mo- derne Arbeitsplätze laden alle Kölner*innen zur Beschäftigung mit den vielfältigen Themen des Hauses ein. Die bisher verteilt lagernden Sammlungen des NS-DOK werden in einem neuen klimatisierten Magazinbereich sicher und fachgerecht untergebracht. Auf der 1. und 2. Etage des Neubauteils finden die zwei Wechselausstellungsflächen neuen Platz. Sie bieten zukünftig in punkto Technik, Akustik und Barrierefreiheit deutlich bessere Ausstellungsmöglichkeiten. Der direkte Zugang vom Museumsfoyer wird über eine neue Ver- bindungstreppe realisiert. Der Aufzug wird modernisiert, sodass künftig für alle Besucher*in- nen ein barrierefreier Etagenwechsel möglich ist. Im Zuge der Neugestaltung werden zudem die Dauerausstellungsflächen des NS-DOK in der ehemaligen Gestapozentrale technisch ertüchtigt, u.a. flächendeckend mit WLAN ausgestat- tet. Die Kameraüberwachung wird ausgebaut, sodass die Bewachung trotz der Erweiterung der Ausstellungsflächen mit der jetzigen Personalstärke (4 Personen inkl. Kasse und Objekt- leitung) fortgesetzt werden kann. Finanzierung Das Gesamtprojekt wird Kosten in Höhe von knapp 10,7 Mio. EUR verursachen (vgl. Anlage 4). Die Schätzung basiert auf der Machbarkeitsstudie für die Umgestaltung des Neubauteils sowie auf flächenbasierten Berechnungen für die Neugestaltung der ehemaligen Gestapo- zentrale anhand der tatsächlichen Kosten für die Erweiterung des NS-DOK um die 3. und 4. Etage sowie für die Dauerausstellung des Kölnischen Stadtmuseums im Interim. Hierbei sind zwischenzeitlich erfolgte und künftige Inflationssteigerungen sowie ein Risikopuffer von 10 Prozent berücksichtigt. Von den knapp 10,7 Mio. EUR entfallen voraussichtlich 6,4 Mio. EUR an investiven Mitteln auf die Stadt Köln, die im Haushaltsplan 2025/2026 inklusive Mittelfristplanung veranschlagt sind. Etwa 600.000 EUR werden aus dem konsumtiven Haushalt des NS-DOK in den Jahren 2025 bis 2029 aufgewendet. Circa 80.000 EUR sollen aus Mitteln des Renovierungsetats der Mu- seen verausgabt werden. Die weiteren 3,6 Mio. EUR werden im Sommer 2025 beim Bund (BKM) und beim Land NRW (Landezentrale für politische Bildung) im Rahmen der jeweiligen Gedenkstättenförderung beantragt. 7 Das Gesamtprojekt wird ab 2025 in drei Phasen realisiert (vgl. Zeitplan in Anlage 4). Es be- ginnt mit der Neugestaltung des Neubauteils, welche die räumlichen Voraussetzungen für die Neugestaltung der Dauerausstellung schafft. Dieses Teilprojekt wird ausschließlich durch die Stadt Köln finanziert (ca. 3,36 Mio. EUR, davon 2,68 Mio. investive Mittel, 680.000 EUR kon- sumtive Mittel). Es fungiert als Vorprojekt zur Erneuerung der Dauerausstellung. Mit den 152.000 EUR investiver Mittel, die mit diesem Beschluss freigegeben werden, erfolgt die Durchführung der Voruntersuchungen sowie der Planung der Leistungsphasen 1 bis 3 (Grundlagenermittlung, Vorplanung und Entwurfsplanung). Im Jahr 2026 soll darauf aufbau- end ein Baubeschluss im Rat der Stadt Köln herbeigeführt werden, bis Ende 2027 soll das Teilprojekt abgeschlossen sein. Für die technische Ertüchtigung der Ausstellungsflächen in der ehemaligen Gestapozentrale und die Realisierung der neuen Dauerausstellung mit einem geschätzten Volumen von 7,3 Mio. EUR wird im Sommer 2025 ein Antrag auf Ko-Finanzierung durch den Bund und das Land NRW in Höhe von ca. 3,6 Mio. EUR eingereicht. Für die Antragstellung wird die Zusage der Stadt Köln benötigt, im Bewilligungsfall den vorgesehenen Eigenanteil an investiven Mit- teln in Höhe von 3,7 Mio. Euro zu übernehmen. Im Bewilligungsfall erfolgt sodann nacheinander zuerst die Realisierung des ersten Ausstel- lungsteils im Erdgeschoss und Kellergeschoss. Nach dessen Fertigstellung und Eröffnung im Jahr 2028 folgt die Realisierung des zweiten Ausstellungsteils im 1. und 2. OG mit einer anvi- sierten Eröffnung Ende 2029. Der dritte Ausstellungsteil an der Kölner Messe und das Digital- angebot für den Stadtraum werden ebenfalls bis zum 50-jährigen NS-DOK-Jubiläum Ende 2029 fertiggestellt. Die jährlichen Folgeaufwendungen und Folgeerträge ab dem Jahr 2030 werden zum Baube- schluss aufgeschlüsselt. Aufgrund der angestrebten Steigerung der Besucher*innenzahlen bei gleichbleibenden Personal- und Sachaufwendungen ist zusätzlich mit höheren Erträgen zu rechnen. Die städtische Investition als Mietereinbau wird sich nach Fertigstellung und Inbetriebnahme der jeweiligen Bauteile ab 2028 sukzessive im Teilergebnisplan des NS-Dokumentationszent- rums in der Produktgruppe 0410 – NS-Dokumentationszentrum mit zusätzlichen jährlichen Abschreibungsaufwendungen auswirken, die derzeit noch nicht in der Mittelfristplanung des Haushaltsplans 2025/2026 berücksichtigt sind. Die Folgeaufwendungen werden im Rahmen der Haushaltsaufstellung 2027ff. im Budget des NS-DOK durch Umschichtungen und Mehrerträge finanziert. Begründung der Dringlichkeit: Die Vorlage konnte auf Grund des hohen Abstimmungsbedarfs nicht fristgerecht vorleglegt werden. Eine Behandlung in der Gremienfolge ist notwendig, weil der zur Ko-Finanzierung geplante Antrag auf Förderung nach der Gedenkstättenkonzeption des Bundes vom NS-Dokumentati- onszentrum Ende Juli bei der Landeszentrale für politische Bildung NRW eingereicht werden muss. Der Antrag muss zuvor ausformuliert werden und der projektbegleitende wissenschaftli- che Beirat muss sich ebenfalls zuvor konstituiert und über den Antrag beraten haben. Anlagen - Anlage 1: Kerngedanke und Umfang - Anlage 2: Beirat - Anlage 3: Auszüge Machbarkeitsstudie - Anlage 4: Finanzen und Zeitplan - Anlage 5: Stellungnahme RPA zur Vorlage 0719/2025
Anlage 5_Stellungnahme RPA zur Vorlage 0719/2025
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/ 2 14 14.05.2025 143 Dezernat VII, Amt 4520 Stellungnahme 14 zur Bedarfsprüfung der Beschlussvorlage 0719/2025 Bedarfsfeststellungs- und Planungsbeschluss für die Neukonzeption der Ausstellungs- und Publikumsflächen des NS-Dokumentationszentrums RPA-Nr. 143/19/01/25 Sehr geehrte Damen und Herren, die Vorlage von 4520 wurde mit dem Ziel erstellt, eine Beschlussfassung im Rat der Stadt Köln zum Bedarf der Neugestaltung der Dauerausstellung und weiterer Publi- kationsflächen des NS-Dokumentationszentrums sowie die Freigabe von investiven Mitteln in Höhe von 152.000,- € brutto für deren Planung (Leistungsphase 1-3, Grundlagenermittlung, Vor- und Entwurfsplanung) zu erreichen. Der Rat soll die Verwaltung beauftragen einen Antrag auf Projektförderung nach der Gedenkstättenkonzeption des Bundes zu stellen und in diesem Zusammenhang ver- bindlich versichern, dass die Stadt Köln - falls die Maßnahme gefördert wird - Mittel in Höhe von mindestens 3,7 Mio. € brutto für die Neugestaltung der Dauerausstellung zur Verfügung stellt. Zudem soll der Rat die Errichtung eines projektbegleitenden wissenschaftlichen Bei- rats beschließen und bestellt dessen Mitglieder für die Dauer der Projektumsetzung. Der Beschluss über die Neugestaltung weiterer Publikumsflächen des Museums in Höhe von 2,7 Mio. € kann erst durch die Vorlage eines Baubeschlusses erwirkt wer- den. Von 4520 wurde festgestellt, dass sich nach vorläufiger Kostenschätzung die Kosten für das Gesamtprojekt ((A) neue 3-teilige Dauerausstellung und (B) Umgestaltung des EL-DE-Hauses + „dritter“ Ort) auf gerundet 10,7 Mio. € belaufen. Davon entfallen auf die Stadt Köln in den Haushaltsjahren 2026 – 2029 insgesamt 6,4 Mio. € brutto. (Stand 07.05.2025) - 2 - In diesem Zusammenhang wird auf die Bewirtschaftungsverfügung Haushalt 2025- 2026 vom 31.5.2025, insbesondere auf Punkt II (4) Investitionshaushalt, hingewie- sen. Grundsätzlich bestehen keine Bedenken gegen das gepl ante Vorhaben. Es wird als s innvoll erachtet, das ursprüngliche Konzept der Dauerausstellung inhaltlich den ak- tuellen Bedürfnissen anzupassen und im Zuge dessen eine Änderung der Raumauf- teilung und Erweiterung der Museumsfläche zu erzielen um den höheren Anforde- rungen bezüglich Barrierefreiheit, steigenden Besucherzahlen usw. gerecht zu wer- den. Die vorgelegte Bedarfsprüfung ist nachvollziehbar. Mit freundlichen Grüßen Sven Genseke stellv. Amtsleitung Rechnungsprüfungsamt
Anlage 3_Auszüge_Machbarkeitsstudie
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07.03.2025 Anlage 3: Auszüge Machbarkeitsstudie Neukonzeption der Ausstellungs- und Publikumsflächen des EL-DE-Hauses 07.03.2025 2 Machbarkeits- studie für Teilprojekt B Für die Neugestaltung der weiteren Publikumsflächen des Museums im Neubauteil (Teilprojekt B: Das EL-DE-Haus als attraktives Museum und „dritter Ort“) hat das Kölner Architekturbüro Kastner, Pichler, Schorn eine Machbarkeitsstudie angefertigt, aus der hier Grundrisspläne und Raumansichten kommentiert wiedergegeben werden. Ziel dieses Teilprojekts ist die funktionale Trennung der beiden Gebäudeteile, die Schaffung einer großen, ohne Bezahlung frei zugänglichen Foyer- und Veranstaltungsfläche im Erdgeschoss des Neubauteils sowie eine Verlagerung und Attraktivitätssteigerung der öffentlichen Bibliothek und der beiden Wechselausstellungsflächen des NS-DOK. 07.03.2025 3 Machbarkeits- studie für Teilprojekt B Verlagerung des Haupteingangs sowie von Kasse, Shop und Garderobe in einen neuen Multifunktionsbereich (ca. 350 m2) Auf dieser Fläche zudem attraktiv gestaltete Sitzbereiche, Freihandbereich der Bibliothek, frei zugängliche Arbeitsplätze, ggf. kleines Getränkeangebot 07.03.2025 4 Machbarkeits- studie für Teilprojekt B Verlagerung des Haupteingangs sowie von Kasse, Shop und Garderobe in einen neuen Multifunktionsbereich (ca. 350 m2) Auf dieser Fläche zudem attraktiv gestaltete Sitzbereiche, Freihandbereich der Bibliothek, frei zugängliche Arbeitsplätze, ggf. kleines Getränkeangebot 07.03.2025 5 Machbarkeits- studie für Teilprojekt B Zweite Nutzung als Veranstaltungsfläche für Ausstellungseröffnungen sowie größere Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen Die Veranstaltungsfläche rückt damit vom Rand hinter der Dauerausstellung (2. OG) ins Zentrum des Museums 07.03.2025 6 Machbarkeits- studie für Teilprojekt B Neuordnung und Kapazitätserweiterung der bestehenden Sanitäranlagen im EG Enge Anbindung an das neue Museumsfoyer und die Veranstaltungsfläche 07.03.2025 7 Machbarkeits- studie für Teilprojekt B Neue Wechselausstellungsfläche im 1. OG des Neubauteils durch Rückbau der in den 1990er Jahren eingezogenen Leichtbauwände im Bereich der jetzigen Bibliothek, verbesserte Technik, Akustik, Klimatisierung Direkte Verbindung der neuen Wechsel- ausstellungsfläche mit dem Foyer über ein neues Treppenhaus 07.03.2025 8 Machbarkeits- studie für Teilprojekt B Fortführung des neuen Treppenhauses bis zum jetzigen Veranstaltungsraum im 2. OG Zweite Wechselausstellungsfläche auf der Fläche des jetzigen Geschichtslabors, verbesserte Technik, Akustik, Klimatisierung Barrierefreie Erreichbarkeit beider Wechselausstellungsflächen über den modernisierten Aufzug 07.03.2025 9 Machbarkeits- studie für Teilprojekt B Zweiter Teil des Freihandbereichs der Bibliothek im UG, verbunden via Innentreppe Einrichtung eines Bibliotheks- und Archivmagazins mit Rollregalanlagen und Klimatisierung im Gewölbekeller für die fachgerechte Unterbringung der Sammlungsbestände des NS-DOK Auflösung der diversen Nebenmagazine auf verschiedenen Etagen des Hauses
Beratungsverlauf (3)
Beschluss: ungeändert beschlossen
Zur SitzungBeschluss: ungeändert beschlossen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 0719/2025
- Typ
- Beschlussvorlage Rat bzw. Hauptausschuss
- Datum
- 16.05.2025
- Erstellt
- 09.03.2025 08:43