1023/2026
Szenebericht Tanz und Zeitgenössischer Zirkus
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Mitteilung Ausschuss
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Dezernat, Dienststelle VII/41/41/23 Vorlagen-Nummer 23.04.2026 1023/2026 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Ausschuss Kunst und Kultur 07.05.2026 Szenebericht Tanz und Zeitgenössischer Zirkus In seiner Sitzung am 07.09.2010 hat der Ausschuss Kunst und Kultur die Verwaltung beauftragt, den Sparten Musik, Darstellende Kunst (Theater und Tanz), Bildende Kunst (Fotografie), Medien (Film, Literatur) und Kulturelle Teilhabe (Diversität und In- terkultur) die Möglichkeit zu geben, „regelmäßig über das Geschehen, die aktuelle Si- tuation und die Perspektiven ihrer Arbeit zu berichten“. Dabei sollen die Spartenvertre- tungen in ihren jeweiligen Bereichen auch die interkulturellen Aktivitäten und Entwick- lungen berücksichtigen. Die Berichte sollen in Form eines schriftlichen Berichts (maximal drei Seiten) und ei- ner Erläuterung in der Sitzung sowie gegebenenfalls ergänzt durch eine circa 5-minü- tige Powerpoint-Präsentation oder Videobotschaft dem Ausschuss Kunst und Kultur vorgestellt werden. Als Vertreter*innen der Tanzszene werden Sara Escribano und Svenja Hoffeller sowie Tim Behren für den zeitgenössischen Zirkus in der Sitzung des Ausschusses Kunst und Kultur für Fragen zur Verfügung stehen. Gez. Charles Anlage: Szenebericht Tanz und Zeitgenössischer Zirkus
Anlage 1 - Szenebericht Tanz und Zeitgenössischer Zirkus
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Szenebericht darstellende Künste Tanz und Zeitgenössischer Zirkus– 1 Präambel Der Verein für darstellende Künste Köln (VdK) ist seit 2020 die gemeinsame Vertretung der darstellenden Künste in Köln, der im Wesentlichen die Sparten Tanz, Theater und zeitgenössischer Zirkus vertritt. Nach dem Bericht der Sparte Theater im Jahr 2025 liegen hiermit nun die Berichte der Sparten Tanz und Zeitgenössischer Zirkus vor. Dieser gemeinsame Bericht ergibt sich aus folgender Not: Jede etablierte und gewachsene Kunstsparte - wie der Tanz und auch der Zeitgenössische Zirkus - benötigt eine entsprechende strukturelle Verankerung. Dazu gehört die Anerkennung als eigenständige Sparte, eine darauf abgestimmte Förderstruktur sowie eine differenzierte Berichterstattung. Nach über einem Jahrzehnt dynamischer Entwicklung ist jetzt der richtige Zeitpunkt, diese Realität auch kulturpolitisch konsequent abzubilden und die Zukunft des Zeitgenössischen Zirkus in Köln nachhaltig zu sichern u.a. mit einem eigenständigen Szenebericht. Szeneberichte - Einleitung Die freien Szenen der Sparten Tanz und Zeitgenössischer Zirkus in Köln sind zwei zentrale Pfeiler der darstellenden Künste und wesentliche Bestandteile der kulturellen Identität dieser Stadt. Sie stehen für künstlerische Exzellenz, Innovationskraft, Diversität und gesellschaftliche Relevanz. Mit ihren Künstler:innen, Compagnien, Produktionsstrukturen, Orten, Spielstätten und Netzwerken prägen sie die kulturelle Ausstrahlung Kölns – lokal, national und international. TANZ Sichtbarkeit – trotz struktureller Unterfinanzierung Die künstlerische Qualität der Kölner Tanzszene zeigt sich besonders deutlich in ihrer lokalen sowie überregionalen und internationalen Präsenz: durch Touring, das Deutsche Tanzarchiv, das Landesbüro Tanz und internationale Koproduktionen und Einladungen zu renommierten Festivals und Plattformen. Zudem ist das ZZT der HfMT als wichtiger Bestandteil der professionellen, künstlerischen und wissenschaftlichen Ausbildung im Tanz etabliert. Ein herausragendes Beispiel ist die Deutsche Tanzplattform, das wichtigste bundesweite Schaufenster für zeitgenössischen Tanz, zu dem im zweijährigen Turnus lediglich 10–12 Compagnien aus ganz Deutschland eingeladen werden. In der aktuellen Ausgabe waren mit Mouvoir und Sanfte Arbeit gleich zwei Kölner Compagnien vertreten, sowie mit ,Spiel im Spiel‘ von Ceren Oran eine in Köln vom Comedia Theater koproduzierte Tanzproduktion für Kinder – ein außergewöhnlicher Erfolg und ein deutliches Zeichen für die künstlerische Stärke des Standorts. Die u.a. mit dem NRW-Förderpreis ausgezeichneten interdisziplinären Produktionen von Brig Huezo und dem Label Overhead Project verdeutlichen außerdem die Innovationskraft der Szene. Trotz fehlender struktureller Förderung durch die Stadt Köln ist die Kölner Tanzszene national und international sichtbar und zugleich stark lokal verankert. Ihre Präsenz zeigt sich in Aufführungen im Stadtraum, in langfristigen Kooperationen mit Spielstätten sowie in einer engen Vernetzung mit künstlerischen und institutionellen Akteur:innen vor Ort. Anlage Szenebericht Tanz und Zeitgenössischer Zirkus Szenebericht darstellende Künste Tanz und Zeitgenössischer Zirkus– 2 Orte und Strukturen als Motoren der Entwicklung Produktions- und Spielorte wie die Tanzfaktur, die Ehrenfeldstudios, das Orangerie Theater, die Tanzresidenz im QaH und Barnes Crossing sind zentrale Infrastrukturen der freien Tanzszene. Sie ermöglichen künstlerische Entwicklung, Proben, Residenzen sowie internationale Austauschprogramme und Kooperationen. Diese Orte fungieren als Schnittstellen zwischen lokaler Szene und internationalem Kontext. Sie eröffnen Kölner Künstler:innen konkrete Zugänge zu Netzwerken, Koproduktionen und Präsentationsmöglichkeiten und tragen wesentlich zur Sichtbarkeit Kölns als Tanzstandort bei. Strukturelle Herausforderungen Trotz ihrer künstlerischen Leistungsfähigkeit arbeitet die freie Tanzszene weiterhin unter herausfordernden Rahmenbedingungen: ● Projektbezogene Förderlogiken erschweren langfristige Planung und kontinuierliche Entwicklung ● Fehlende strukturelle Förderung limitiert Ensemblearbeit, Recherche, Wiederaufnahmen und Vermittlung ● Strukturkosten freier Gruppen sind unzureichend abgesichert oder bleiben unberücksichtigt ● Hoher Eigenanteil in Organisation, Produktion und Administration bleibt oft unsichtbar und unterfinanziert ● Der Mangel an bezahlbaren Proben-, Produktions- und Aufführungsräumen begrenzt Entwicklung und Sichtbarkeit ● Steigende Kosten durch Inflation finden in Fördersummen keine Berücksichtigung und verstärken so ohnehin prekäre Produktionsbedingungen hin zu stark verkürzten und unterfinanzierten Projektlaufzeiten Depot als Chance – unter klaren Voraussetzungen Die freie Szene hat die Entwicklung des Depots über Jahre hinweg engagiert begleitet. Die Veränderungen gegenüber der ursprünglichen Konzeption werden mit Bedauern zur Kenntnis genommen. Gleichzeitig wird ausdrücklich begrüßt, dass das Depot als Ort für die freie Szene erhalten bleibt und als Kooperationshaus weiterentwickelt werden soll. Besonders für den Tanz ist dies von großer Bedeutung, weil ein solcher Ort die Sichtbarkeit der Sparte im Stadtraum nachhaltig stärken und zugleich einen kulturellen Mehrwert für die Bürger:innen Kölns schaffen kann. Für die Zukunftsfähigkeit dieses Ortes ist entscheidend, dass eine verlässliche, partnerschaftliche und künstlerisch offene Zusammenarbeit der freien Szene mit den Bühnen Köln und dem künftigen Musicalbetreiber gelingt. Ziel muss ein Raum sein, der unterschiedliche künstlerische Handschriften ermöglicht und produktive Arbeitsbedingungen für alle Beteiligten schafft. Gemeinsamer Handlungsbedarf Die freie Tanzszene steht im kontinuierlichen Austausch mit Politik und Verwaltung, insbesondere mit dem Kulturamt der Stadt Köln. Dieses wird ausdrücklich als wichtiger Partner in der Weiterentwicklung bestehender Förder- und Strukturmodelle verstanden. Gemeinsam gilt es, die bestehenden Rahmenbedingungen zukunftsfähig zu gestalten. Dazu gehören: ● eine angemessene Aufstockung der Fördermittel für die freie Tanzszene ● eine Förderstruktur, die Recherche und ergebnisoffenes Arbeiten ermöglicht ● der Ausbau struktureller Förderinstrumente für Compagnien und Produktionsorte ● die Verbesserung und Finanzierung von Proben und Aufführungsräumlichkeiten ● die Stärkung internationaler Kooperationen und Mobilität ● Fördermodelle für Kontinuität und Zugänge für Nachwuchskünstler:innen Szenebericht darstellende Künste Tanz und Zeitgenössischer Zirkus– 3 ZEITGENÖSSISCHER ZIRKUS Gewachsene Strukturen und überregionale Sichtbarkeit Zeitgenössischer Zirkus hat sich in Köln in den vergangenen rund 15 Jahren zu einer eigenständigen Sparte innerhalb der Darstellenden Künste entwickelt. Die Stadt ist heute der zentrale Standort dieser Kunstform in Deutschland, mit einer sichtbaren und professionellen Szene von über 70 Einzelkünster:innen und Ensembles, die national und international arbeiten. Diese Entwicklung ist nicht nur künstlerisch, sondern auch strukturell deutlich nachvollziehbar. In Köln sind in den letzten Jahren tragfähige Strukturen entstanden, die die Sparte nachhaltig prägen. Dazu gehören unter anderem das Kreationszentrum CCCC im Osthof Kalk als Ort für Produktion und künstlerische Entwicklung, das internationale CircusDanceFestival am Latibul an der Schnittstelle von Zirkus und Tanz, das bundesweit vernetzte Festival Zeit für Zirkus sowie das ZZiSch Festival mit Fokus auf junges Publikum und kulturelle Bildung. Zudem gibt es seit 2025 in Köln den deutschlandweit ersten Zirkuspreis, der im Dezember an Hippana Maleta verliehen wurde. Eigenständigkeit der Sparte und struktureller Anpassungsbedarf All diese Einrichtungen und Formate sichern zentrale Funktionen wie Kreation, Präsentation, Nachwuchsförderung, überregionale und internationale Vernetzung und machen Köln zu einem wichtigen Impulsgeber für den Zeitgenössischen Zirkus. Und sie machen klar: Zeitgenössischer Zirkus ist als eigenständige Kunstform zu verstehen. Er ist weder Tanz noch Theater, sondern verfügt über eigene Ästhetiken, Dramaturgien und Produktionsweisen. Diese Eigenständigkeit ist fachlich international längst anerkannt: Sie zeigt sich u. a. in einer eigenen Zirkussparte bei den Ruhrfestspielen, in der Förderung von Projekten wie dem Kölner CircusDanceFestival durch Bundes-, Landes- und EU-Mittel, in Kooperationen des ZZT mit europäischen Zirkushochschulen sowie in der Verankerung als eigene Sparte in VDK und KNK. Kulturpolitische Perspektive und Zirkusplan Vor diesem Hintergrund spricht sich der VdK dafür aus, die großen Sparten der Darstellenden Künste – Theater, Tanz und Zirkus – jeweils in eigenen Spartenberichten abzubilden. Grund dafür sind die spezifischen strukturellen Anforderungen des Zirkus, etwa besondere räumliche Voraussetzungen, längere Produktions- und Touringzyklen sowie eigene Arbeitsweisen, die in übergreifenden Berichten nicht differenziert genug dargestellt werden können. Darüber hinaus gilt für den Zeitgenössischen Zirkus endlich die Abbildung in den Förderstrukturen. Die Sparte hat einen Zirkusplan entwickelt, der eine umfassende Bestandsaufnahme der Szene in Köln vorlegt, ergänzt durch eine Bedarfsanalyse und konkrete Maßnahmenvorschläge. Dieses Dokument bietet eine fundierte Grundlage für kulturpolitische Entscheidungen und die Weiterentwicklung der Sparte und kann bei Nachfrage gerne weitergegeben werden. FAZIT Tanz und Zeitgenössischer Zirkus sind eigenständige, gewachsene und für Köln hoch relevante Sparten der freien darstellenden Künste. Um die Erwerbsrealitäten ihrer Künstler:innen zu verbessern und die nachhaltige Entwicklung künstlerischer Karrieren voranzutreiben, ist ein gemeinsames Handeln von Politik, Verwaltung und Szene unbedingt erforderlich. Damit ihre künstlerische Arbeit auch künftig sichtbar, wirksam und zukunftsfähig bleiben kann, braucht es jetzt eine strukturelle Stärkung: durch verlässliche Förderinstrumente, eine tragfähige räumliche Infrastruktur und eine differenzierte kulturpolitische Wahrnehmung ihrer jeweiligen Bedingungen. Köln hat hier nicht nur die Aufgabe, Bestehendes zu sichern, sondern auch die Chance, Entwicklung gezielt zu ermöglichen. Svenja Hoffeller, Sara Escribano (Tanz) & Susanne Beschorner, Tim Behren (Zeitg. Zirkus)
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 1023/2026
- Typ
- Mitteilung Ausschuss
- Datum
- 23.04.2026
- Erstellt
- 09.04.2026 14:53