2008/0529
Schutzkonzept zur Umsetzung der §§ 8 a und 72 a SGB VIII in Kindertagesstätten und allgemeiner Sachstand
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Schutzkonzept zur Umsetzung
der §§ 8 a und 72 a SGB VIII
in Kindertagesstätten
Präambel
Ziel des Schutzkonzeptes
Verfahrensvorschrift
Verfahrensschritte
4.1 Wahrnehmen von gewichtigen Anhaltspunkten
4.2. Information an die Leitung und kollegiale Beratung im Team
4.3 Hinzuziehen einer insoweit erfahrenen Fachkraft
4.4 Einschätzung des Gefährdungsrisikos
4.5 Elterngespräch
4.6 Begleitung bzw. Kontrolle des Hilfeprozesses
4.7 Einschaltung des Jugendamtes bzw. Städtischen Sozialdienstes
Dokumentation
Datenschutz
Persönliche Eignung
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1. Präambel
Allgemeine Aufgabe der Jugendhilfe ist es, Kinder und Jugendliche davor zu bewahren, dass sie in ihrer Entwicklung durch den Missbrauch elterlicher Rechte oder eine Vernachlässigung Schaden erleiden. Kinder und Jugendliche sind vor Gefahren für ihr Wohl zu schützen (§ 1 Abs. 3 Nr. 3
SGB VIII).
Der Kindertagesstätte kommt im Rahmen des Kinderschutzes eine besondere Rolle zu, da sie für die Kinder in der Regel der erste Aufenthaltsort außerhalb der Familie darstellt. Die zu betreuenden Kinder werden in sehr jungem Alter erreicht und die Fachkräfte haben nicht nur nahen Kontakt zu den Kindern, sondern oftmals auch einen guten Einblick in die familiäre Situation.
Sie haben die Möglichkeit frühzeitig Veränderungen im Verhalten der Kinder oder auch konkrete Anzeichen von Kindeswohlgefährdung zu erkennen und somit frühzeitig die Eltern zu beraten und zu unterstützen. Der Schutz des Kindeswohls ist als Bestandteil des Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungsauftrages zu sehen (§ 22 Abs. 3 SGB VIII).
Die Problematik, die im § 8 a SGB VIII geregelt wird, kann gegebenenfalls staatliche Eingriffe ins Elternrecht zur Folge haben. Auffälligkeiten und Probleme eines Kindes oder grenzwertiges Erziehungsverhalten von Eltern müssen in diesem Kontext beurteilt werden, um festzustellen, ob eine Kindeswohlgefährdung vorliegt oder ob es ausreicht im Rahmen der fachlich pädagogischen Arbeit einer Kindertagesstätte zu reagieren. Die Umsetzung des Schutzauftrages gemäß § 8 a SGB VIII nach klar geregelten Verfahrensschritten wird erst bei Wahrnehmung gewichtiger Anhaltspunkte für eine Kindeswohlgefährdung in Gang gesetzt.
Das Kinder- und Jugendhilfeweiterentwicklungsgesetz (Kick), das am 01. Oktober 2005 in Kraft getreten ist, verdeutlicht durch den § 8 a SGB VIII den ursprünglichen Schutzauftrag und präzisiert ihn mit neuen Verfahrensvorschriften. Mit dem § 8 a SGB VIII wird vom Gesetzgeber der allgemeine Schutzauftrag als Aufgabe der Jugendämter konkretisiert, die Beteiligung der freien Träger an dieser Aufgabe verdeutlicht und die Verantwortlichkeiten der beteiligten Fachkräfte beschrieben. Gleichzeitig wird durch den § 72 a SGB VIII die Prüfung der persönlichen Eignung für die Mitarbeiterinnen bzw. Mitarbeiter in der Kinder- und Jugendhilfe verschärft.
2. Ziel des Schutzkonzeptes
Das vorliegende Schutzkonzept trägt zum Gelingen eines wirksamen Kinderschutzes bei, indem es hilft Kindeswohlgefährdung frühzeitig zu erkennen und abzuwenden. Es regelt die Vorgehensweise bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung durch eindeutige Verfahrensschritte und dient den Fachkräften der Kindertagesstätten als verbindliche Arbeitsgrundlage. Durch die Festlegung von verbindlichen Handlungsrichtlinien und Verfahrensstandards erhalten sie Handlungssicherheit und Arbeitshilfen für den Alltag. Das Schutzkonzept fördert den fachlichen Austausch in den Kinder-tagesstätten, die Kooperation mit anderen sozialen Einrichtungen und betont die gemeinsame Verantwortung von Fachkräften und Eltern im Sinne und zum Wohl der Kinder zusammenzuarbeiten.
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3. Verfahrensvorschrift
§ 8 a SGB VIII formuliert folgende Verfahrensvorschrift:
In Vereinbarungen mit den Trägern von Einrichtungen und Diensten, die Leistungen nach diesem Buch erbringen, ist sicherzustellen, dass deren Fachkräfte den Schutzauftrag nach Abs. 1 in entsprechender Weise wahrnehmen und bei der Abschätzung des Gefährdungsrisikos eine insoweit erfahrene Fachkraft hinzuziehen. Insbesondere ist die Verpflichtung aufzunehmen, dass die Fachkräfte bei den Personensorgeberechtigten oder den Erziehungsberechtigten auf die Inanspruchnahme von Hilfen hinwirken, wenn sie diese für erforderlich halten und das Jugendamt informieren, falls die angenommenen Hilfen nicht ausreichend erscheinen, um die Gefährdung abzuwenden.
Die Fachkräfte nehmen eine Risikoeinschätzung vor und folgen den Verfahrensschritten, deren wesentliche Elemente Wahrnehmen Urteilen Handeln sind. Die Eltern werden dabei als Partner wahrgenommen, so dass die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Eltern im Sinne und zum Wohl der Kinder an Bedeutung gewinnt.
Auf die Einbeziehung der Eltern wird nur dann verzichtet, wenn hierdurch eine Gefährdung des Kindes zu befürchten ist. Unabhängig von der Bereitschaft der Eltern zur Zusammenarbeit sind bei akuter, nicht abzuwendender Kindeswohlgefährdung umgehend die zuständigen Stellen einzuschalten.
Die nachfolgenden Verfahrensschritte wurden festgelegt, um eine qualifizierte Umsetzung der Verfahrensvorschrift bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung zu gewährleisten und die so genannte Meldekette zu bestimmen.
4. Verfahrensschritte
4.1 Wahrnehmen gewichtiger Anhaltspunkte
Auslöser für die Umsetzung des Schutzauftrages ist die Wahrnehmung gewichtiger Anhaltspunkte für eine Kindeswohlgefährdung. Die Bezeichnung gewichtige Anhaltspunkte ist ein unbestimmter Rechtsbegriff, der auslegungsbedürftig ist. Gewichtige Anhaltspunkte sind von vagen oder unkon-kreten Anhaltspunkten und ersten Eindrücken zu unterscheiden. Die Sorge bei grenzwertigem Erziehungsverhalten der Eltern oder schwierigen Lebensbedingungen der Kinder reichen nicht aus das Verfahren des Schutzkonzeptes in Gang zu setzen.
Gewichtige Hinweise können direkte oder indirekte Mitteilungen, Beobachtungen bzw. Schlussfolgerungen aus verschiedenen Informationsquellen sein, die auf Handlungen gegen Kinder und Jugendliche oder auf Lebensumstände von Familien schließen lassen, die das leibliche, geistige oder seelische Wohl des Kindes oder Jugendlichen gefährden.
Dazu zählen:
missbräuchliche Ausübung der elterlichen Sorge (Misshandlung,
körperliche Züchtigung, Verhinderung medizinischer oder therapeutischer
Betreuung, sexueller Missbrauch),
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Vernachlässigung (Nichtbeachtung zentraler physischer und psychischer
Bedürfnisse wie Pflege, Ernährung, Bekleidung, Betreuung, Aufsicht,
Gesundheitsfürsorge -und vorsorge sowie Befriedigung emotionaler
Grundbedürfnisse nach Zuwendung und Sicherheit),
unverschuldetes Versagen der Eltern (Überforderung oder Nichteignung der
Eltern bei der Bewältigung der Erziehungsaufgaben aufgrund psychischer
Erkrankung und/oder Suchtproblematik),
Verhalten Dritter (wenn die Eltern nicht willens oder nicht in der Lage sind
den Umgang eines Dritten mit ihrem Kind zu unterbinden),
mangelnder Wille oder mangelnde Fähigkeit der Eltern zur
Gefahrenabwehr (Suizidgefahr beim Kind bzw. Jugendlichen).
Die Schutzbedürftigkeit eines Kindes wird maßgeblich nach dem Alter, dem Entwicklungsstand und
dem aktuellen Gesundheitszustand sowie den Ressourcen bzw. Gefährdungsfaktoren des sozialen Umfelds, in dem das Kind lebt, beurteilt.
Je jünger ein Kind ist, desto höher ist das Gefährdungsrisiko einzuschätzen. Dies gilt auch bei bereits vorhandenen Entwicklungsverzögerungen, chronischen Erkrankungen oder einer Behinderung.
Als Kindeswohl gefährdende Erscheinungsformen werden unterschieden:
Körperliche und seelische Misshandlung
Körperliche und seelische Vernachlässigung
Sexueller Missbrauch
und Versagung entscheidender existenzieller Entwicklungschancen (z.B. Schulpflicht)
Die Verfahrensdauer von der ersten Wahrnehmung einer Kindeswohlgefährdung bis zur Durchführung der Verfahrensschritte (Gespräche mit Eltern, Hinwirken auf die Annahme von Hilfen, Einschalten des Jugendamtes) ist umso kürzer, je schwerwiegender die Gefährdung eingeschätzt wird.
Die Indikatorenliste (Anlage 6) gibt Anhaltspunkte, um Gefährdungssituationen besser einschätzen zu können.
4.2 Information an die Leitung und kollegiale Beratung im Team
Wenn eine Fachkraft gewichtige Anhaltspunkte für eine Kindeswohlgefährdung wahrgenommen hat, dokumentiert sie diese auf dem Beobachtungsbogen (Anlage 2), informiert ihre Leitung und überprüft ihre Wahrnehmung im Rahmen einer kollegialen Beratung im Team. Um die Wahrnehmung besser einordnen zu können und eine Einschätzung der Problemeinsicht der Eltern zu erhalten, kann auch ein Gespräch mit den Eltern geführt werden.
Verdichtet sich der Verdacht auf Kindeswohlgefährdung muss die Leitung eine insoweit erfahrene Fachkraft nach § 8 a SGB VIII hinzuziehen.
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4.3 Hinzuziehen einer insoweit erfahrenen Fachkraft
Die hinzugezogene insoweit erfahrene Fachkraft, im folgenden Kinderschutzfachkraft genannt,
unterstützt und berät das Team durch zusätzliche fachliche Kompetenz und persönliche Distanz.
Die Kinderschutzfachkraft muss über die erforderlichen fachlichen und persönlichen Kompetenzen verfügen. Die Kinderschutzfachkraft muss über eine Ausbildung als Diplom-Sozialpädagogin bzw. Diplom-Sozialpädagoge oder Diplom-Sozialarbeiterin bzw. Diplom-Sozialarbeiter verfügen, eine nachgewiesene Fortbildung zur Kinderschutzfachkraft und einschlägige Berufs- und Beratungserfahrung bei kindeswohlgefährdenden Situationen haben. Darüber hinaus benötigt sie die Fähigkeit zur Kooperation mit Fachkräften öffentlicher und freier Träger der Jugendhilfe und anderen Einrichtungen sowie Kompetenzen zur kollegialen Beratung. Zur persönlichen Eignung gehören professionelle Distanz, Belastbarkeit, Urteilsfähigkeit und die Fähigkeit Schwieriges zur Sprache zu bringen.
Die verpflichtende Einschaltung einer Kinderschutzfachkraft entbindet die Einrichtung nicht von ihrer Fallverantwortlichkeit. Wenn in der Einschätzung des Gefährdungsrisikos zwischen Einrichtung und Kinderschutzfachkraft Diskrepanzen entstehen, muss die Kinderschutzfachkraft dies dokumentieren und ihre bzw. seine Dienstvorgesetzte bzw. gesetzten hinzuziehen.
Vor der Einbeziehung der Kinderschutzfachkraft müssen die Daten des Kindes und der Familie anonymisiert und pseudonymisiert werden.
4.4 Einschätzung des Gefährdungsrisikos
Die Kinderschutzfachkraft nimmt gemeinsam mit der Leitung und der zuständigen Fachkraft eine Einschätzung des Gefährdungsrisikos vor.
Die Anhaltspunkte für Kindeswohlgefährdung werden in sachlicher und zeitlicher Hinsicht bewertet und die nächsten Schritte vereinbart. Es wird überprüft, ob die Gefährdung im Rahmen trägereigener Ressourcen abgewendet werden kann oder ob von den Eltern bzw. Personensorgeberechtigten andere geeignete Hilfen in Anspruch genommen werden müssen. Dabei werden sowohl mögliche Ressourcen und Schutzfaktoren der Familie als auch vorhandene Risikofaktoren (Anlage 7) berücksichtigt. Das Ergebnis dieser Fallbesprechung bildet die Grundlage für das Elterngespräch.
Die Kinderschutzfachkraft bereitet mit den Fachkräften das Elterngespräch vor.
Sofern es fachlich geboten erscheint und nach Rücksprache mit den Eltern, nimmt die Kinderschutzfachkraft an dem Gespräch teil oder führt das Gespräch. Dabei wird die Anonymität der Daten aufgehoben.
Falls aus Sicht der Kinderschutzfachkraft akute Gefahr für Leib und Leben des Kindes besteht, wird die Leitung der Kindertagesstätte angehalten, umgehend das Jugendamt einzuschalten.
4.5 Elterngespräch
In diesem Gespräch werden die Eltern bzw. Personensorgeberechtigten durch die Kindertagesstätte über die Gefährdungseinschätzung informiert, es sei denn, der Schutz des Kindes ist hierdurch gefährdet. Kinder werden in altersgerechter Weise mit einbezogen.
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Ziel dieses Gespräches ist es, gemeinsam mit den Eltern Schritte für eine Veränderung zu entwickeln und verbindliche Vereinbarungen und Absprachen zur Umsetzung zu treffen, um eine Gefährdung abzuwenden. Eine große Rolle spielt hierbei die Problemeinsicht der Eltern bzw. Personen-
sorgeberechtigten sowie deren Fähigkeit und Bereitschaft zur Mitwirkung und ihre Motivation Hilfen anzunehmen.
Es ist von zentraler Bedeutung, konkrete Handlungsschritte und verbindliche Zeiträume festzulegen, in denen sich die Änderungsprozesse vollziehen sollen, sowie Termine zur Überprüfung zu vereinbaren. Die gemeinsam mit den Eltern bzw. Personensorgeberechtigten entwickelte Strategie zur Abwendung einer Gefährdung des Kindes wird schriftlich fixiert und von allen Beteiligten unterzeichnet.
Wird von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine Hilfe nach SGB VIII für notwendig erachtet, die die Kindertagesstätte selbst nicht erbringen kann, so ist bei den Eltern bzw. Personen-sorgeberechtigten auf die Inanspruchnahme dieser Hilfen hinzuwirken. Sind die Eltern nicht bereit oder in der Lage die angebotenen Hilfen anzunehmen, werden die Eltern darüber informiert, dass das Jugendamt eingeschaltet werden muss.
4.6 Begleitung bzw. Kontrolle des Hilfeprozesses
Es ist die Aufgabe der Kindertagesstätte innerhalb eines festgelegten Zeitrahmens die Umsetzung der Hilfen, die in der Kindertagesstätte geleistet werden, beratend zu begleiten und weiterhin im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu überprüfen, ob die Vereinbarungen eingehalten werden und sich positive Entwicklungen abzeichnen.
Wird die Hilfe von den Eltern bzw. Personensorgeberechtigten gut angenommen, können weitere Vereinbarungen getroffen werden. Wenn es gelungen ist, eine Gefährdung abzuwenden und eine Verbesserung der Situation zu erreichen, wird mit den Eltern bzw. Personensorgeberechtigten ein Abschlussgespräch geführt. Bei Bedarf bereitet die Kinderschutzfachkraft gemeinsam mit den zuständigen Fachkräften das Gespräch vor. Dieses Gespräch ist von der zuständigen Fachkraft zu protokollieren und an die Kinderschutzfachkraft in Kopie weiterzuleiten.
Wenn die Eltern bzw. Personensorgeberechtigten sich der Hilfe entziehen, beispielsweise indem sie ihr Kind in der Kindertagesstätte abmelden, ist umgehend die Kinderschutzfachkraft einzuschalten. Gemeinsam ist dann eine erneute Risikoeinschätzung vorzunehmen, weitere Handlungsschritte zu vereinbaren und gegebenenfalls das Jugendamt einzuschalten.
4.7 Mitteilung an das Jugendamt
Wenn die angebotene Hilfe nicht ausreichend erscheint eine Gefährdung abzuwenden und die Möglichkeiten der Kindertagesstätte erschöpft sind, muss die Leitung der Kindertagesstätte das
Jugendamt einschalten und die Eltern über diesen Schritt informieren. Auf diese Informationspflicht gegenüber den Eltern kann nur verzichtet werden, wenn dadurch das Wohl des Kindes gefährdet erscheint.
Die Mitteilung an das Jugendamt erfolgt schriftlich unter Verwendung der Mitteilungsformulare (Anlage 5). Darüber hinaus ist dem Jugendamt die zuvor erstellte Dokumentation der Fallgespräche und der Elterngespräche in Kopie zu übersenden.
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- 7 -
Nach § 34 StGB (nicht abwendbare Gefahr) kann in jeder Phase des Verfahrens direkt und ohne weitere Rücksprache das Jugendamt informiert werden.
Nach Meldung der Kindeswohlgefährdung ist das Jugendamt für die weitere Vorgehensweise verantwortlich. Die Fachkräfte der Kindertagesstätte haben aber weiterhin die Aufgabe die Entwicklung des Kindes zu fördern und die Familie zu unterstützen (§ 22 ff SGB VIII). Aus diesem Grund benötigen sie zeitnah die Information vom Städtischen Sozialdienst, ob, wann und welche Hilfen zur Abwendung der Kindeswohlgefährdung eingeleitet werden. Dadurch hat die Einrichtung die Möglichkeit die Hilfemaßnahmen zu unterstützen und mit den zuständigen Fachkräften zu kooperieren.
5. Dokumentation
Sämtliche Verfahrensschritte im Rahmen der Umsetzung des Schutzauftrages nach
§ 8 a SGB VIII müssen nachvollziehbar dokumentiert werden. Damit werden sowohl das qualifizierte Handeln der Fachkräfte und die Einhaltung der Verfahrensschritte nachgewiesen als auch eine juristische Überprüfung im Streitfall gewährleistet.
Die Falldokumentation enthält zu jedem Verfahrensschritt:
die Namen der beteiligten Fachkräfte
die Beschreibung der zu beurteilenden Situation
das Ergebnis der Beurteilung
weitere Entscheidungen
Definition der Verantwortlichkeit für den nächsten Schritt sowie
Zeitvorgaben für Überprüfungen
Entsprechende Dokumentationsbögen stellt der Träger den Kindertagesstätten zur Verfügung.
6. Datenschutz
Grundsätzlich gilt, dass Sozialdaten zu dem Zweck weitergegeben werden dürfen, zu dem sie erhoben worden sind (§ 64 Abs. 1 SGB VIII).
Vor einer Übermittlung an eine Fachkraft, die der verantwortlichen Stelle nicht angehört, sind die Sozialdaten zu anonymisieren oder zu pseudonymisieren soweit die Aufgabenstellung dies zulässt (§ 64 Abs. 2 a SGB VIII).
Es bestehen nur dann keine einschränkenden datenschutzrechtlichen Vorbehalte, wenn dem Träger bzw. den von ihm beschäftigten Fachkräften Informationen bekannt werden, deren Weitergabe zur Sicherstellung des Schutzauftrages dringend erforderlich erscheint.
7. Persönliche Eignung nach § 72 a SGB VIII
Die Träger der öffentlichen Jugendhilfe sollen hinsichtlich der persönlichen Eignung im Sinne des
§ 72 Abs. 1 insbesondere sicherstellen, dass sie keine Personen beschäftigen oder vermitteln, die rechtskräftig wegen einer der nachfolgenden Straftatbestände verurteilt worden sind:
§ 171 StGB (Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht)
§§ 174 174 c StGB (u. a. Sexueller Missbrauch von Schutzbefohlenen)
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§§ 176 181 a StGB (u. a. Sexueller Missbrauch von Kindern; sexuelle Nötigung; Förderung sexueller Handlungen Minderjähriger; Zuhälterei)
§§ 182 184 e StGB ( u. a. sexueller Missbrauch von Jugendlichen; exhibitionistische Handlungen; Verbreitung, Erwerb, Besitz kinderpornographischer Schriften)
§ 225 StGB (Misshandlung von Schutzbefohlenen).
Zu diesem Zweck wird sich der Träger bei der Einstellung und danach in regelmäßigem Abstand von fünf Jahren von den zu beschäftigenden Personen ein Führungszeugnis nach § 30 Abs. 5 des Bundeszentralregistergesetzes vorlegen lassen.
Die Kosten für ein Führungszeugnis im laufenden Arbeitsverhältnis sind vom Arbeitgeber zu tragen.
Für den Einsatz von Honorarkräften und Ehrenamtlichen macht das Gesetz keine Vorgabe. Diese Personen sollen eine Selbstverpflichtungserklärung (Anlage 8) unterzeichnen; ebenso kurzzeitig Beschäftigte, in deren Zeitraum der Beschäftigung eine Vorlage eines Führungszeugnisses nicht möglich ist.
Anlage 1
Verfahrensschritte bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung
SHAPE \* MERGEFORMAT
Anlage 2
Beobachtungsbogen
Angaben zum Kind
Name, Vorname
FORMTEXT Alter
FORMTEXT Anschrift
FORMTEXT Geschlecht FORMCHECKBOX weiblich FORMCHECKBOX männlichNationalität
FORMTEXT Angaben zur Familie
Name, Vorname
FORMTEXT Telefon
FORMTEXT Anschrift
FORMTEXT Sonstiges: FORMTEXT Beobachtung
FORMCHECKBOX eigene Beobachtung
FORMCHECKBOX Kollegin bzw. Kollege
FORMCHECKBOX andere Eltern
FORMCHECKBOX SonstigeName, Vorname
FORMTEXT Anschrift
FORMTEXT Telefon
FORMTEXT Was wurde beobachtet?
FORMTEXT Welche Vermutungen, Befürchtungen werden geäußert?
FORMTEXT
Welche Schritte wurden bereits unternommen?
FORMTEXT
& /2
Anlage 2
Beobachtungsbogen
Nächste Schritte
FORMCHECKBOX kollegiale Beratung im Team amDatum
FORMTEXT FORMCHECKBOX Hinzuziehen der Kinderschutzfachkraft geplant amDatum
FORMTEXT FORMCHECKBOX Gespräch mit Eltern bzw. Sorgeberechtigten geplant amDatum
FORMTEXT Sonstiges: FORMTEXT Einladung bzw. Information erfolgt durchName
FORMTEXT Information an Leitung amDatum
FORMTEXT Bearbeitet durch
Name
FORMTEXT Datum
FORMTEXT Unterschrift
Anlage 3
Dokumentationsbogen Fallbesprechung
Datum
FORMTEXT Name, Vorname
FORMTEXT Alter
FORMTEXT
Beteiligte
FORMCHECKBOX Leitung
FORMCHECKBOX Fachkraft
FORMCHECKBOX Kinderschutzfachkraft
FORMCHECKBOX SonstigeName, Vorname
FORMTEXT FORMTEXT FORMTEXT Beschreibung der Situation
FORMTEXT
Bisherige Hilfsangebote
FORMTEXT & /2
Anlage 3
Dokumentationsbogen Fallbesprechung
Einschätzung des Gefährdungsrisikos
FORMTEXT Weitere Vorgehensweise bzw. Zielsetzung
FORMTEXT Maßnahmen
FORMCHECKBOX Weitere Beobachtung durch:Name
FORMTEXT bisDatum
FORMTEXT FORMCHECKBOX Gespräch mit Eltern bzw. Sorgeberechtigten durch:Name
FORMTEXT geplant amDatum
FORMTEXT FORMCHECKBOX Einschaltung Kinderschutz-fachkraft durch:Name
FORMTEXT geplant amDatum
FORMTEXT FORMCHECKBOX Kontaktaufnahme zu:Name
FORMTEXT durch:Name
FORMTEXT Name
FORMTEXT geplant amDatum
FORMTEXT FORMCHECKBOX Sonstiges: FORMTEXT durch:Name
FORMTEXT geplant amDatum
FORMTEXT
FORMCHECKBOX Überprüfung durch:Name
FORMTEXT amDatum
FORMTEXT Anlage 4
Dokumentationsbogen Elterngespräch
Datum
FORMTEXT Kind
FORMTEXT Alter
FORMTEXT
Beteiligte
FORMCHECKBOX Eltern/Sorgeberechtigte
FORMCHECKBOX Leitung
FORMCHECKBOX Fachkraft
FORMCHECKBOX Kinderschutzfachkraft
FORMCHECKBOX Sonstige
Ausgangssituation
FORMTEXT Einschätzung der Eltern
FORMTEXT Lebenssituation der Familie
FORMTEXT Vorhandene Möglichkeiten
FORMTEXT
& /2
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Anlage 4
Dokumentationsbogen Elterngespräch
Gibt oder gab es bereits Beratung oder Hilfen zur Erziehung? Wenn ja, welche?
FORMTEXT Was soll erreicht werden? Was soll sich verändern?
FORMTEXT Geeignete Maßnahmen bzw. Hilfen
FORMTEXT
Wird das Jugendamt oder der Städtische Sozialdienst zur Einleitung von Hilfen zur Erziehung eingeschaltet?
FORMCHECKBOX ja FORMCHECKBOX mit Zustimmung der Eltern FORMCHECKBOX ohne Zustimmung der Eltern FORMCHECKBOX nein
Erläuterungen
FORMTEXT
& /3
- 3 -
Anlage 4
Dokumentationsbogen Elterngespräch
Absprachen
Maßnahmen:Verantwortlich:Bis wann (Datum): FORMTEXT FORMTEXT FORMTEXT FORMTEXT FORMTEXT FORMTEXT FORMTEXT FORMTEXT FORMTEXT FORMTEXT FORMTEXT FORMTEXT FORMTEXT FORMTEXT FORMTEXT FORMTEXT FORMTEXT FORMTEXT FORMTEXT FORMTEXT FORMTEXT
Überprüfung durch:Wie:Am (Datum): FORMTEXT FORMTEXT FORMTEXT FORMTEXT FORMTEXT FORMTEXT FORMTEXT FORMTEXT FORMTEXT FORMTEXT FORMTEXT FORMTEXT FORMTEXT FORMTEXT FORMTEXT FORMTEXT FORMTEXT FORMTEXT FORMTEXT FORMTEXT FORMTEXT
Unterschrift der Beteiligten:
EinrichtungsleitungEltern/PersonensorgeberechtigteEltern/Personensorgeberechtigte
Anlage 5
Mitteilung an das Jugendamt/Städtischer Sozialdienst der Wissenschaftsstadt Darmstadt
nach § 8 a SGB VIII
Datum FORMTEXT Jugendamt/Städt. Sozialdienst,
z. Hd.: FORMTEXT Tel. Vorinformation am:
Tel.: 13 2725 Fax: 13 2180 FORMTEXT
Einrichtung FORMTEXT Leitung, ggf. Vertretung FORMTEXT
Name, Vorname des Kindes FORMTEXT Anschrift FORMTEXT Ggf. abweichender Aufenthaltsort FORMTEXT Geschlecht FORMCHECKBOX weiblich FORMCHECKBOX männlichAlter FORMTEXT JahreNationalität FORMTEXT
Name, Vorname d. Eltern/
Personensorgeberechtigte FORMTEXT FORMTEXT Anschrift FORMTEXT FORMTEXT Ggf. abweichender Aufenthaltsort FORMTEXT FORMTEXT Nationalität FORMTEXT FORMTEXT
Datum des Bekanntwerdens
der Gefährdung FORMTEXT Art des Bekanntwerdens der
Gefährdung (wie/durch wen) FORMTEXT
& /2
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Anlage 5
Mitteilung an das Jugendamt/Städtischer Sozialdienst der Wissenschaftsstadt Darmstadt
nach § 8 a SGB VIII
Beobachtete gewichtige Anhaltspunkte einer Kindeswohlgefährdung
FORMTEXT Ergebnis der Abschätzung des Gefährdungsrisikos
FORMTEXT Beteiligte Fachkräfte
FORMTEXT Beteiligte Kinderschutzfachkraft
FORMTEXT Bereits erfolgte oder angenommene Hilfsangebote
FORMTEXT Weitere für erforderlich gehaltene Maßnahmen
FORMTEXT
& /2
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Anlage 5
Mitteilung an das Jugendamt/Städtischer Sozialdienst der Wissenschaftsstadt Darmstadt
nach § 8 a SGB VIII
Beteiligung der Eltern FORMCHECKBOX ja FORMCHECKBOX nein
Beteiligung des Kindes FORMCHECKBOX ja FORMCHECKBOX nein
Einschalten des Jugendamtes FORMCHECKBOX mit Zustimmung der Eltern
FORMCHECKBOX ohne Zustimmung der Eltern
Ergebnis der Beteiligung; Begründung bei Nichtbeteiligung
FORMTEXT
Weitere Beteiligte oder Betroffene
Name, Vorname
FORMTEXT Anschrift
FORMTEXT
Name, Vorname
FORMTEXT Anschrift
FORMTEXT
Name, Vorname
FORMTEXT Anschrift
FORMTEXT
Unterschrift Leitung bzw. VertretungAnlage 6
Anhaltspunkte zum Erkennen von Gefährdungssituationen
Äußere Erscheinung des Kindes bzw. des Jugendlichen
Massive oder wiederholte Zeichen von Verletzungen ohne erklärbare unverfängliche
Ursache bzw. häufige Krankenhausaufenthalte wegen angeblicher Unfälle
Starke Unterernährung, massive Adipositas
Fehlen jeder Körperhygiene (z.B. Schmutz-/Kotreste auf der Haut des Kindes
größere Teile der Hautoberfläche sind entzündet, faulende Zähne)
- Mehrfach völlig witterungsunangemessene oder völlig verschmutzte Bekleidung
Verhalten des Kindes bzw. Jugendlichen
Psychomotorische Retardierungen
Schreikind
Nahrungsverweigerung, häufiges Erbrechen oder ständige Verdauungsprobleme
Aggressionen oder Autoaggressionen
Wiederholte oder schwere gewalttätige und/oder sexuelle Übergriffe gegen andere Personen
Kind bzw. Jugendlicher wirkt berauscht und/oder benommen, bzw. im Steuern seiner Handlungen unkoordiniert (Einfluss von Drogen, Alkohol, Medikamenten)
Wiederholtes apathisches oder stark verängstigtes Verhalten des Kindes; Gefrorene Wachsamkeit
Narzistische Größenfantasien
Äußerungen des Kindes bzw. Jugendlichen, die auf Misshandlung, sexuellen Missbrauch oder Vernachlässigung hinweisen
Distanzloses Verhalten
Aufenthalt des Kindes bzw. Jugendlichen ist unbekannt (Weglaufen, Streunen) oder jugendgefährdend
Offensichtlich schulpflichtige Kinder bzw. Jugendliche bleiben ständig oder häufig der
Schule fern
Kind bzw. Jugendlicher äußert wiederholt Suizidabsichten
Verhalten der Eltern oder anderer Bezugspersonen
Wiederholte oder schwere Gewalt zwischen den Erziehungspersonen
Massive oder häufige körperliche Gewalt gegenüber dem Kind (z.B. Schütteln, Schlagen, Einsperren)
Nicht ausreichende oder unzuverlässige Bereitstellung von Nahrung, Flüssigkeit und Kleidung
Ablehnung oder Demütigung des Kindes bzw. Jugendlichen z.B. durch häufiges massives Beschimpfen, Ängstigen oder Erniedrigen des Kindes
Instrumentalisierung des Kindes bzw. Jugendlichen z.B. im Scheidungskonflikt oder symbiotische Verstrickung weit über angemessenes Bindungsverhalten hinaus
Gewährung des unbeschränkten Zugangs zu Gewalt verherrlichenden oder pornografischen Medien
Verweigerung der Krankheitsbehandlung oder der Förderung
Isolierung des Kindes (z.B. Kontaktverbot zu Gleichaltrigen)
/2
- 2 -
Anlage 6
Anhaltspunkte zum Erkennen von Gefährdungssituationen
Familiäre Situation und Lebensumstände
Für das Lebensalter mangelnde Aufsicht des Kindes oder in Obhut offenkundig ungeeigneter Personen
Sexuelle oder kriminelle Ausbeutung des Kindes oder Jugendlichen
Soziale Isolierung der Familie
Desolate Wohnsituation (Wohnung ist stark vermüllt, völlig verdreckt oder weist Spuren
äußerer Gewaltanwendungen auf) oder Obdachlosigkeit
Nichtbeseitigung von erheblichen Gefahren im Haushalt (z.B. defekte Steckdosen,Stromkabel, Herumliegen von Spritzbesteck)
Fehlen von eigenem Schlafplatz und/oder jeglichem Spielzeug des Kindes bzw. Jugend-lichen
Mitwirkungsbereitschaft- und Fähigkeit der Eltern bzw. Personensorgeberechtigten
Fehlende Problemeinsicht
Kindeswohlgefährdung durch Eltern bzw. Personensorgeberechtigte nicht abwendbar
Unzureichende Kooperationsbereitschaft
Mangelnde Bereitschaft Hilfe anzunehmen
Bisherige Unterstützungsversuche unzureichend
Stark verwirrtes Erscheinungsbild
Häufig berauscht und/oder benommen bzw. eingeschränkt steuerungsfähige Erscheinung (Hinweise auf massiven, verfestigten Drogen-, Alkohol-, Medikamentenmissbrauch)
Anlage 7
Risikofaktoren Kindeswohlgefährdung
1. Kind
- Unerwünschtheit
- Abweichendes und unerwartetes Verhalten
- Entwicklungsstörungen
- Fehlbildungen
- Niedriges Geburtsgewicht und daraus resultierende
körperliche und geistige Schwächen
- Stiefkinder
2. Eltern
- Misshandlungen in der eigenen Vorgeschichte
- Akzeptanz körperlicher Züchtigung
- Mangel an erzieherischer Kompetenz
- Unkenntnis über Pflege, Erziehung und Entwicklung
von Kindern
- Eheliche Auseinandersetzungen
- Aggressives Verhalten
- Niedriger Bildungsstand
- Suchtkrankheiten
- Bestimmte Persönlichkeitszüge, wie mangelnde Impulssteuerung,
Sensitivität, Isolationstendenz oder ein hoher Angstpegel
- Depressivität
3. Soziale Rahmenbedingungen
- Wirtschaftliche Notlage
- Arbeitslosigkeit
- Mangelnde Strukturen sozialer Unterstützung und Entlastung
- Schlechte Wohnverhältnisse
- Isolation
- Minderjährige Eltern
Wenn in einer Familie diese Faktoren vorliegen, so muss es nicht zwangsläufig zu einer Kindeswohlgefährdung kommen. Es ist aber von einem erhöhten Grad der Gefährdung auszugehen, je mehr der oben genannten Faktoren in einer Familie zusammen kommen.
Anlage 8
Selbstverpflichtungserklärung von Honorarkräften, Ehrenamtlichen und kurzzeitig Beschäftigten nach § 72 a SGB VIII
Name, Vorname
FORMTEXT Straße, Hausnummer, PLZ, Wohnort
FORMTEXT
Mir ist bekannt, dass in der Kinder- und Jugendhilfe nach § 72 a SGB VIII nur Personen beschäftigt werden dürfen, die nicht rechtskräftig wegen einer Straftat nach
§§ 171 StGB (Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht)
§§ 174 174 c StGB (u. a. sexueller Missbrauch von Schutzbefohlenen)
§§ 176 181 a StGB (u. a. sexueller Missbrauch von Kindern; sexuelle Nötigung; Förderung sexueller Handlungen Minderjähriger; Zuhälterei)
§§ 182 184 e StGB ( u. a. sexueller Missbrauch von Jugendlichen; exhibitionistische Handlungen; Verbreitung, Erwerb, Besitz kinderpornographischer Schriften)
§ 225 StGB (Misshandlung von Schutzbefohlenen)
verurteilt worden sind.
Ich erkläre, dass ich nicht wegen einer der oben aufgeführten Straftaten verurteilt wurde und dass keine Verfahren aufgrund des Vorwurfs einer der oben genannten Straftaten gegen mich anhängig sind.
Ort, DatumUnterschrift
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Amt für Familie, Kinderbetreuung
und Sport
Frankfurter Straße 71
64293 DarmstadtTelefon: 06151 13-2166
Telefax: 06151 13-3137
Sprechzeiten nach VereinbarungBesuchen Sie uns auch im Internet:
www.darmstadt.de
E-Mail: sportamt@darmstadt.de
Abschlussgespräch mit Eltern, Information an Kinderschutzfachkraft
Meldung an JA, Information an die Eltern
Gefährdung kann abgewendet werden
Elterngespräche,
Hilfsangebote,
Einschalten des JA, mit Einverständnis
der Eltern
Angenommene Hilfen
reichen nicht aus
Eltern nehmen Hilfe an
Eltern sind nicht bereit bzw. nicht in der Lage Hilfen anzunehmen bzw. umzusetzen
Elterngespräch durch Leitung (ggf. mit Fachkraft, Kinderschutzfachkraft) Hinwirken auf
Annahme von Hilfen, Dokumentation, ggf. mit Zustimmung der Eltern JA einschalten
Gemeinsame Gefährdungseinschätzung mit Kinderschutzfachkraft
Mitteilung an das JA
Keine gewichtigen
Anhaltspunkte
Gewichtige Anhaltspunkte
bestätigen sich
Gewichtige
Anhaltspunkte
bestätigen sich nicht
Erarbeitung von Handlungsschritten, Hilfsmöglichkeiten und Zeitrahmen mit Kinderschutzfachkraft, Dokumentation,
Akute
Gefährdung
Gewichtige
Anhaltspunkte
liegen vor
Kollegiale Beratung mit Leitung
Dokumentation und Information an die Leitung
Erster Verdacht durch Fachkräfte
Der Magistrat
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2008/0529
9705 Zeichen
Magistratsvorlage
Eingang Magistrats-
geschäftsstelle:
11.12.2008
an den Magistrat
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
Beteiligt vor
Magistratsbeschlussfassung:
Dezernat V Amt für Familie,
Kinderbetreuung und Sport
Dezernat II
an die Stadtverordnetenversammlung
OBW zur Befassung
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
zur abschließenden Beschluss-
fassung Fachausschuss
Amt: Sozialverwaltung
Behandlung in
öffentl. Sitzung
Ja
Nein
OBW bei abschl.
Beschlussfassung Magistrat
Ja
Nein
Internetfähig
Verteiler:
Vorlage-Nr. 2008/0529
Magistratsbeschluss-Nr.
Betreff: Schutzkonzept zur Umsetzung der §§ 8 a und 72 a SGB VIII in Kindertagesstätten und
allgemeiner Sachstand
Vorlage vom: 19.11.2008
Beschlussvorschlag:
1. Das Schutzkonzept wird beschlossen.
2. Für die Umsetzung sind Fortbildungsmittel erforderlich. Der notwendige Aufwand wird aus dem
Budget des Amtes für Familie, Kinderbetreuung und Sport (Amt 52) erwirtschaftet.
3. Die Vorlage ist dem Jugendhilfeausschuss zur Kenntnis vorzulegen.
Anlagen: Schutzkonzept zur Umsetzung der §§ 8 a und 72 a SGB VIII in Kindertagesstätten
Datenschutzrelevante Anlage:
Beschluss des Magistrats vom
2
...
Begründung zur Magistratsvorlage vom 19.11.2008:
1. Sachstand zum Thema §§ 8 a und 72 a SGB VIII (allgemein)
Nach dem Sozialgesetzbuch VIII (§ 1 Abs. 3 Nr. 3) ist es allgemeine Aufgabe der Jugendhilfe,
Kinder und Jugendliche davor zu bewahren, dass sie in ihrer Entwicklung durch den Missbrauch
elterlicher Rechte oder eine Vernachlässigung Schaden erleiden. Kinder und Jugendliche sind vor
Gefahren für ihr Wohl zu schützen.
Das Kinder- und Jugendhilfeweiterentwicklungsgesetz (Kick), das am 01. Oktober 2005 in Kraft
getreten ist, verstärkt diesen Schutzauftrag durch Einfügung des § 8 a. Der § 8 a SGB VIII
präzisierte den Schutzauftrag mit neuen Verfahrensvorschriften für die Jugendämter, die Freien
Träger der Jugendhilfe und die Verantwortlichkeiten der beteiligten Fachkräfte.
Gleichzeitig wird durch Einfügung des § 72 a SGB VIII die Prüfung der persönlichen Eignung für die
Mitarbeiterinnen bzw. Mitarbeiter in der Kinder- und Jugendhilfe verschärft.
1.1 Leistungsvereinbarungen
Die Sozialverwaltung/Jugendamt hat nach in Kraft treten des Gesetzes alle Freien Träger und den
Jugendhilfeausschuss über das neue Gesetz informiert und Ergänzungen zu den bestehenden
Leistungsvereinbarungen mit
• Trägen von Kinder- und Jugendhäusern sowie
• Einrichtungen der Erzieherischen Hilfen
ausgearbeitet und vereinbart.
Eine inhaltliche Ausgestaltung steht teilweise noch aus. Mit den Einrichtungen der Erzieherischen
Hilfen besteht jedoch über das Projekt „Qualität der Hilfen zur Erziehung“ ein guter fachlicher
Austausch. Zuletzt wurde am 7. November 2008 intensiv über den Stand der Umsetzung des
Projektes im Städtischen Sozialdienst und bei den Freien Trägern diskutiert.
1.2 Behandlung des Themas im Jugendhilfeausschuss
• Am 2. Februar 2006 referierte Herr Thomas Mörsberger, Jurist und Kommentator des
Jugendhilferechts und Vorsitzender des Deutschen Instituts für Jugendhilfe und Familienrecht
(DIJuF e. V.) im Jugendhilfeausschuss an Hand eines Thesenpapiers zum Thema
Schutzauftrag nach § 8 a SGB VIII. Entscheidend war der Hinweis, dass es bei der Ge-
setzesänderung nicht um das Absichern, sondern um eine breitere gesellschaftliche Ver-
antwortung und Verantwortlichkeit für das Thema Kindeswohl geht.
• Der Jugendhilfeausschuss befasste sich auch mit den Ergebnissen eines Kooperationsprojektes
mit der Evangelischen Fachhochschule Darmstadt im Bereich der Erzieherischen Hilfen. Der
Schutz von Kindern ist als Thema integraler Bestandteil des Projekts „Qualität der Hilfen zu
Erziehung“ gemäß § 78 b SGB VIII. An diesem Projekt waren alle freien Träger, mit denen
Vereinbarungen nach § 78 a ff abzuschließen sind, beteiligt.
Das Ergebnis in Form der Muster- Qualitätsentwicklungsvereinbarung wurde vom Ju-
gendhilfeausschuss am 02.02.2006 verabschiedet.
• In der Sitzung vom 14. Mai 2008 verabschiedete der Jugendhilfeausschuss eine Musterver-
einbarung zur Sicherstellung der pers önlichen Eignung nach § 72 SGB VIII.
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1.3 Fachveranstaltungen
Darüber hinaus hat die Sozialverwaltung/Jugendamt Fachveranstaltungen rund um das Thema
Kindeswohlgefährdung initiiert, organisiert oder war zumindest Mitveranstalterin.
• Bei einer gemeinsamen Fachtagung der Jugendämter der Region Starkenburg und des
Hessischen Sozialministeriums-Landesjugendamt, die maßgeblich vom Darmstädter Jugendamt
vorbereitet wurde, nahmen 38 VertreterInnen von Trägern der Erzieherischen Hilfen und von
anderen Jugendämtern teil. Das Thema „Recht als Ver(un)sicherung – Aufsichtspflicht mit Blick
auf das Verhältnis zwischen Recht und Fachlichkeit“ mit Herrn Thomas Mörsberger, hatte
ebenfalls Schutz und Hilfe bei Kindeswohlgefährdung zum Schwerpunkt.
• Am 13. Februar 2008 fand eine Fortbildungsveranstaltung für den Städtischen Sozialdienst
„Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung“ mit Prof. Christian-Peter Kunkel von der
Hochschule für öffentliche Verwaltung in Kehl
statt.
• Am 11.Juni 2008 referierte Frau Dr. Navarro vom Rechtsmedizinischen Institut in Mainz vor 160
südhessischen Jugendhilfefachleuten in Darmstadt über forensisch-klinische Untersuchungen
und Beurteilungsmöglichkeiten bei Verdacht auf sexuellem Missbrauch, Misshandlung und
Vernachlässigung bei Kindern.
1.4 Fachberatung nach § 8a SGB VIII ist durch Städtischen Sozialdienst sichergestellt
Für die städtischen Jugendhäuser sind die Koordinator/innen und die Abteilungsleitung des
Städtischen Sozialdienstes die Ansprechpartner/in.
Der StSD ist unter der Rufnummer 13-2725 montags bis freitags von 8.00-12.00 Uhr und 13.00-
15.30 Uhr sowie freitags von 8.00 - 13.00 Uhr zu erreichen. Außerhalb dieser Zeiten kann in
Notfällen der StSD an 365 Tagen im Jahr über seinen Notdienst erreicht werden. Die Polizei stellt
den entsprechenden Kontakt her (alle Polizeidienststellen in Darmstadt, entsprechende
Kooperationsvereinbarungen bestehen).
1.5 Prävention von Anfang an: Kinder schützen – Familien fördern
Erarbeitung eines neuen Angebots des Städtischen Sozialdienstes für alle Darmstädter Familien.
Das Konzept zu diesem auf Dauer angelegten Projekt, einem Begrüßungsdienst für alle Eltern mit
neugeborenen Kindern in Darmstadt, wurde im Sommer 2008 von Magistrat,
Stadtverordnetenversammlung und Jugendhilfeausschuss verabschiedet. Das Projekt wird im
Januar 2009 beginnen.
2. Sachstand zum Thema §§ 8 a und 72 a SGB VIII in betriebserlaubnispflichtigen
Kindertageseinrichtungen
Der quantitativ größte Bereich und aus Sicht präventiver Arbeit sicher der bedeutsamste sind die
betriebserlaubnispflichtigen Kindertageseinrichtungen, die Leistungen nach dem achten
Sozialgesetzbuch erbringen (§ 22 und 22 a SGB VIII) .
2.1 Einstellung einer Kinderschutzfachkraft nach § 8 a SGB VIII
Der Magistrat hat in der Abteilung Kinderbetreuung für dieses Thema eine überplanmäßige Stelle
geschaffen. Die Kollegin ist unter der Telefonnummer 13-2166 tagsüber zwischen 8.00 und 16.00
Uhr oder über die Nummer der Amtsleitung 13 28 76 zu erreichen.
2.2 Konzept zur Umsetzung des Schutzauftrages in betriebserlaubnispflichtigen
Kindertageseinrichtungen
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Im Amt für Familie Ki nderbetreuung und Sport ist ein Schutzkonzept und eine Vereinbarung zur
Umsetzung des § 8 a SGB VIII in betriebserlaubnispflichtigen Kindertageseinrichtungen erarbeitet
und mit der Sozialverwaltung abgestimmt worden (siehe Anlage). In der Vereinbarung und dem
Schutzkonzept sind die Verfahrensweisen und Abläufe gem. § 8 a SGB VIII verbindlich für beide
Vereinbarungspartner geregelt. Dies beinhaltet auch die konkrete Kooperation/Einschaltung des
Jugendamtes/Städtischen Sozialdienstes. Die Praxistauglichkeit sollte in regelmäßigen Abständen
überprüft werden.
2.3 Verhandlungen mit Kindertageseinrichtungen
Das Amt für Familie Kinderbetreuung und Sport schließt Vereinbarungen gemäß § 8 a SGB VIII mit
den betriebserlaubnispflichtigen Kindertageseinrichtungen.
2.4 Fortbildungsveranstaltungen
Bereits im Mai diesen Jahres führte das Amt für Familie Kinderbetreuung und Sport einen Fachtag
mit den Leitungskräften der Städtischen Kindertageseinrichtungen und der Abteilungsleitung des
Städtischen Sozialdienstes durch, um in die Thematik und Verfahrensweise einzuführen. Des
Weiteren wurden bereits Qualifikationskurse für Tagespflegepersonen, sowie Fortbildungsangebote
für Leitungskräfte und Erzieherinnen der freien und kirchlichen Träger durch die Abteilung
Kinderbetreuung durchgeführt. Um die Umsetzung des § 8 a SGB VIII in den Einrichtungen sicher
zu stellen, müssen im Jahr 2009 weitere Fortbildungen stattfinden. Es sind regelhaft Schulungen für
Erzieherinnen im Anerkennungsjahr, Fortbildungsveranstaltungen für die Fachkräfte in
Kindertageseinrichtungen und Grund- und Aufbauqualifizierungskurse für Tagespflegepersonen
geplant.
2.5 Rahmenbedingungen
Die ersten Erfahrungen zeigen bereits, dass die neue Fachberatungsstelle zum § 8 a SGB VIII sehr
gut angenommen wird. Allerdings fehlt eine finanzielle Grundausstattung . Für die Umsetzung des
Schulungsauftrags werden Kosten für Arbeitsmaterialien, Kopien und Tagungsräume benötigt, die
aus dem Budget des Amtes für Familie, Kinderbetreuung und Sport erwirtschaftet werden.
Darmstadt, 19.11.2008
Dr.M/Rasch, Nst.: 13-2468
Dezernat II Dezernat V
Wolfgang Glenz Jochen Partsch
Bürgermeister Stadtrat
Beratungsverlauf (2)
Details
- Vorlagen-Nr.
- 2008/0529
- Typ
- Magistratsvorlage
- Datum
- 19.11.2008
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00