3880/2019
Mitteilung zum Bericht zur Situation wohnungloser und von Wohnungslosigkeit bedrohter Frauen in der Stadt Köln
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Bericht_2018_Endfassung_16.10.2019.docx
74575 Zeichen
Die Oberbürgermeisterin
Amt für Soziales, Arbeit und Senioren
Dienstleistungszentrum ResoDienste Köln
August 2019
Berichtsjahr 2018
Die Situation wohnungsloser und von Wohnungslosigkeit
bedrohter Frauen in der Stadt Köln
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ................................................................................................................................ 1
2. Wohnungslosigkeit bei Frauen............................................................................................... 2
2.1 Hintergründe der Wohnungslosigkeit bei Frauen ............................................................ 2
2.2 Statistische Daten über Wohnungslosigkeit bei Frauen .................................................. 3
2.3. Gesamtzahl der wohnungslosen Menschen lt. der Wohnungsnotfallberichtserstattung
des Landes NRW/ Situation in Köln ....................................................................................... 4
2.3.1 Darstellung der kommunal- und ordnungsrechtlichen Unterbringungen und
Unterbringungen bei freien Trägern der Wohnungslosenhilfe in NRW und Köln .......................... 4
2.3.2 Haushaltsstruktur der kommunal und ordnungsrechtlich untergebrachten Personen in
NRW und Köln ................................................................................................................................. 5
2.3.3 Haushaltsstruktur der Frauen und Männer bei freien Trägern in NRW und Köln ................. 6
2.3.4 Struktur der Altersgruppen der wohnungslosen Frauen in NRW und Köln ........................... 6
2.3.5 Altersgruppen der kommunal und ordnungsrechtlich untergebrachten wohnungslosen
Frauen in NRW und Köln ................................................................................................................. 7
2.3.6 Altersgruppen der wohnungslosen Frauen bei freien Trägern in NRW und Köln .................. 7
2.4 Wohnungslose Frauen in Köln, die auf der Straße leben ................................................ 9
3. Frauenspezifische Gesichtspunkte in der Arbeit mit wohnungslosen Frauen .................... 10
3.1 Wohnungslose Frauen mit Kindern oder schwangere wohnungslose Frauen ............. 10
3.2 Psychisch erkrankte wohnungslose Frauen .................................................................. 11
3.3 Ältere oder vorgealterte wohnungslose Frauen ............................................................. 12
3.4 Prostituiertenhilfe ............................................................................................................ 13
3.5 Wohnungslose und von Wohnungslosigkeit bedrohte Frauen mit Gewalt- oder
häuslicher Gewalterfahrung ................................................................................................. 14
3.6 Von Gewalt betroffene Frauen in einem anonymen Frauenhaus ................................. 15
3.7 Istanbul-Konvention ........................................................................................................ 16
4. Wohnungslose Frauen mit Leistungsbezug nach dem SGB II und SGB XII ...................... 17
4.1 Wohnungslose Frauen mit Leistungsbezug nach SGB II .............................................. 18
4.2 Wohnungslose Frauen mit Leistungsbezug nach SGB XII (3. und 4. Kapitel) ............. 19
5. Versorgung wohnungsloser und von Wohnungslosigkeit bedrohter Frauen in Köln .......... 20
5.1 Vermeidung von Wohnungslosigkeit – Prävention ........................................................ 20
5.2 Ordnungsbehördliche Unterbringung von wohnungslosen Frauen ............................... 21
5.3 Das Kölner Hilfesystem für Wohnungslose nach § 67 SGB XII .................................... 22
5.4 Weitere Angebote ........................................................................................................... 23
5.5 Angebotsverteilung der Hilfen im städtischen Raum ..................................................... 24
5.6 Auslastung und Annahme der Angebote durch Frauen ................................................ 26
6. Arbeits- und Beschäftigungsangebote nach SGB II für wohnungslose Frauen ................. 27
7. Kooperationsmodell Dorint Hotel und der Obdachlosenhilfe „Die Brücke Berlin e.V.“ ....... 30
8. Angebote für psychisch und suchtkranke Wohnungslose................................................... 31
9. Statistische Grundlagen ....................................................................................................... 32
10. Fazit .................................................................................................................................... 33
11. Ausblick .............................................................................................................................. 34
12. Anhang ............................................................................................................................... 35
1
1. Einleitung
Das Amt für Soziales, Arbeit und S enioren hat erstmalig 2015 einen Beri cht zur Situation
wohnungsloser Frauen erstellt. Speziell den Blick auf wohnungslose Frauen, auf
frauenspezifische Bedarfe oder die Bedarfe von wohnungslosen Frauen mit Kindern zu
richten, führt dazu, Angebote der Wohnungslosenhilfe insgesamt kritisch zu hinterfragen, ob
diese für diese besondere Zielgruppe passend sind.
Soweit Wohnungslosigkeit von Frauen andere Erscheinungsformen oder frauenspezifische
Bedarfe aufweist, ist die Wohnungslosenhilfe aufgefordert, sich bedarfsgerecht auszurichten
und die entsprechenden Angebote und Standards zu entwickeln.
Dieser Bericht bietet eine Grundlage, das Hilfesystem für wohnungslose Frauen in Köln zu
analysieren, die bestehenden Hilfsangebote zukunftsfähig anzupassen und neue
Bedarfslagen zu erkennen.
2
2. Wohnungslosigkeit bei Frauen
2.1 Hintergründe der Wohnungslosigkeit bei Frauen
Wohnungslosigkeit bei Frauen hat vielfältige Formen und muss anders betrachtet und
bewertet werden, als bei wohnungslosen Männern. Neben den wohnungslosen Frauen, die
auf der Straße leben, hält sich eine nicht unerhebliche Anzahl von Frauen in der verdeckten
Wohnungslosigkeit auf. Hierbei leben sie bei Freunden/Freundinnen oder Partnern/
Partnerinnen, ohne einen eigenen Mietvertrag zu besitzen. Neben diesen Formen verdeckter
Wohnungslosigkeit verbleiben Frauen häufig in gewaltgeprägten Beziehungen oder in
finanziellen Abhängigkeitsbeziehungen, wenn sie sich den Erhalt einer eigenständigen
Wohnung nicht zutrauen oder das Abgleiten in die Wohnungslosigkeit befürchten.
Insbesondere aufgrund der schlechteren Einkommenssituation sind Frauen bei Trennungen
häufiger von Wohnungslosigkeit bedroht, da sie aufgrund ihrer eigenen Einkommenssituation
oder fehlender finanzieller Absicherung durch Unterhaltsansprüche die Wohnung nicht mehr
finanzieren können.
Bei Eintritt von Wohnungslosigkeit leiden Frauen verstärkt unter Scham - und
Versagungsgefühlen. Ihre Wohnungslosigkeit verbergen Frauen oftmals, indem sie bei
Freunden, Verwandten oder Bekanntschaften unterkommen. Häufig wechselnde unsichere
Unterkünfte sind damit kennzeichnend für die Lebenslagen wohnungsloser Frauen.1
1 Siehe dazu auch Positionspapier der BAG Wohnungslosenhilfe „Frauen in Wohnungslosigkeit und
Wohnungsnot, Stand Juni 2012
3
2.2 Statistische Daten über Wohnungslosigkeit bei Frauen
Die konkrete Entwicklung der Wohnungslosigkeit bei Frauen wird ab 2017 auf kommunaler
Ebene dargelegt. Um Veränderungen aufzeigen zu können, enthält der Bericht die
statistischen Angaben über das aktuelle Berichtsjahr sowie den Vorjahreswert.
Ebenfalls werden die durch das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes
NRW erhobe nen Daten der Wohnungsnotfallberichterstattung aufgeführt, um einen
Vergleich zur Landesebene ziehen zu können.
Die Wohnungsnotfallstatistik NRW erfasst alle Menschen, die über keinen eigenen
mietvertraglich abgesicherten Wohnraum verfügen und durch die zuständigen Dienststellen
(Wohnungsamt und Amt für Soziales, Arbeit und Senioren oder in Angeboten der Träger der
Wohnungslosenhilfe) untergebracht sind. Aus dieser Statistik ergibt sich nicht die Anzahl
der Menschen, die sich auf der Straße aufhalten bzw. auf der Straße schlafen.
Im Folgenden werden die Statistikdaten aus den Jahren 2017–2018 von wohnungslosen und
von Wohnungslosigkeit bedrohten Frauen in Köln und NRW dargestellt.
Um einen Größenvergleich der wohnungslosen Frauen im Verhältnis zu wohnungslos en
Männern darstellen können, werden bei den statischen Angaben auch die Daten der
wohnungslosen Männer angegeben.
Soweit deutliche A bweichung der kom munalen Angaben zu den Daten auf Landesebene
bestehen, werden hierzu Erläuterungen gegeben.
4
2.3. Gesamtzahl der wohnungslosen Menschen lt. der
Wohnungsnotfallberichtserstattung des Landes NRW/ Situation in
Köln
Die Entwicklung der wohnungslosen und untergebrachten Menschen in Köln wird in der
Wohnungsnotfallberichterstattung NRW über die Darstellung der Ges amtanzahl der
kommunal- und ordnungsbehördlich oder bei freien Trägern der Wohnungslosenhilfe
untergebrachten Menschen dargestellt.
Die Zahl der erfassten wohnungslosen Personen ist gegenüber dem Vorjahr erneut stark
gestiegen (+37,6 %).
Der starke Anstie g bei den kommunal untergebrachten Wohnungslosen ist unter anderem
darauf zurückzuführen, dass anerkannte Asylbewerberinnen und -bewerber, für die auf
einem angespannten Wohnungsmarkt kein bezahlbarer Wohnraum zu finden ist, z. B. in
(Not-)Unterkünften unt ergebracht werden müssen und somit zu den kommunal und
ordnungsrechtlich untergebrachten Wohnungslosen zählen.
2.3.1 Darstellung der kommunal- und ordnungsrechtlichen Unterbringungen
und Unterbringungen bei freien Trägern der Wohnungslosenhilfe in NRW
und Köln
NRW Haushalte Personen
gesamt in
Haushalten
davon
kommunal nach
OBG
davon bei
freien Trägern
2018 16.006 44.434 30.736 13.698
2017 10.526 32.286 19.459 12.827
Köln Haushalte Personen
gesamt in
Haushalten
davon
kommunal nach
OBG
davon bei
freien Trägern
2018 2.464 5.987 5.174 813
2017 2.343 6.037 5.225 812
Quelle: Integrierte Wohnungsnotfallberichterstattung 2017 - 2018 in Nordrhein-Westfalen- Ministerium für Arbeit, Gesundheit
und Soziales des Landes NRW
Erläuterung Bei den kommunal und ordnungsbehördlichen Unterbringungen handelt es sich um gewerbliche OBG-
Unterkünfte, Obdachlosenheime oder ordnungsbehördliche Beschlagnahmungen.
Bei den Trägern der Wohnungslosenhilfe handelt es sich um betreute Wohnprojekte, deren Zielsetzung
es ist, soziale Schwierigkeiten zu beseitigen oder zu mildern, damit perspektivisch eine reguläre
Unterbringung oder Wohnungsversorgung möglich ist.
5
2.3.2 Haushaltsstruktur der kommunal und ordnungsrechtlich
untergebrachten Personen in NRW und Köln
Haushaltsstruktur
NRW 2017
NRW 2018
Köln 2017
Köln 2018
Alleinstehende Männer 5.908 8.805 937 990
Alleinstehende Frauen
1.625 2.238 481 510
Alleinstehende Männer mit
Kind(er)
73 197 8 8
Alleinstehende Frauen mit
Kind(er)
519 925 89 93
Paare ohne Kinder 587 789 245 257
Paare mit Kind(er) 1117 2.103 163 171
Sonstige
Mehrpersonenhaushalte
697 949 420 435
Haushalte gesamt
10.526 16.006 2.343 2.464
Quelle: Integrierte Wohnungsnotfallberichterstattung 2017 - 2018 in Nordrhein-Westfalen Ministerium für Arbeit, Gesundheit
und Soziales des Landes NRW
6
2.3.3 Haushaltsstruktur der Frauen und Männer bei freien Trägern in NRW und
Köln
Haushaltsstruktur
NRW 2017
NRW 2018
Köln 2017
Köln 2018
Alleinstehende Männer 9.205 9.882 566 547
Alleinstehende Frauen
1.818 2.169 112 100
Alleinstehende Männer mit
Kind(er)
177 126 2 2
Allleinstehende Frauen mit
Kind(er)
194 217 11 9
Paare ohne Kind(er) 313 336 16
17
Paare mit Kind(er) 162 189 4 6
sonstige
Mehrpersonenhaushalten
304 141 4 2
Ohne Angaben 654 638 97 130
Gesamt 12.827 13.698 812 813
Quelle: Integrierte Wohnungsnotfallberichterstattung 2017 - 2018 in Nordrhein-Westfalen- Ministerium für Arbeit, Gesundheit
und Soziales des Landes NRW
2.3.4 Struktur der Altersgruppen der wohnungslosen Frauen in NRW und Köln
Alter
NRW 2017
%
NRW 2018
%
Köln 2017
%
Köln 2018
%
unter 18 22,0 26,6 23,6 23,4
18 – 21 6,9 6,7 5,6 5,5
21 – 25 9,1 8,7 6,4 6,0
25 – 30 10,2 9,9 6,4 6,4
30 – 40 16,8 17,6 13,0 13,1
40 – 50 14,0 13,4 14,9 15,4
50 – 65 15,7 12,7 20,4 20,5
über 65 5,3 4,4 9,7 9,7
Quelle: Integrierte Wohnungsnotfallberichterstattung 2017-2018 in Nordrhein-Westfalen-Ministerium für Arbeit, Gesundheit
und Soziales des Landes NRW
7
2.3.5 Altersgruppen der kommunal und ordnungsrechtlich untergebrachten
wohnungslosen Frauen in NRW und Köln
Alter
NRW 2017
%
NRW 2018
%
Köln 2017
%
Köln 2018
%
unter 18 29,0 32,7 25,1 25,0
18 – 21 5,4 5,4 5,7 5,7
21 – 25 6,6 6,6 6,1 6,1
25 – 30 8,2 8,8 6,0 6,2
30 – 40 15,0 16,5 12,1 12,1
40 – 50 13,4 12,7 14,7 14,7
50 – 65 16,0 12,3 20,2 20,2
über 65 6,5 5,0 10,1 10,0
Quelle: Integrierte Wohnungsnotfallberichterstattung 2017 - 2018 in Nordrhein-Westfalen- Ministerium für Arbeit, Gesundheit
und Soziales des Landes NRW
2.3.6 Altersgruppen der wohnungslosen Frauen bei freien Trägern in NRW
und Köln
Alter
NRW 2017
%
NRW 2018
%
Köln 2017
%
Köln 2018
%
unter 18 0,6 0,8 0,0 0,6
18 – 21 11,7 12,2 3,6 2,8
21 – 25 16,5 17,5 11,5 4,5
25 – 30 16,3 14,7 12,7 10,2
30 – 40 22,6 22,3 27,9 27,1
40 – 50 15,7 16,3 17,0 25,4
50 – 65 15,0 14,4 23,0 24,3
über 65 1,6 1,8 4,2 5,1
Quelle: Integrierte Wohnungsnotfallberichterstattung 2017 - 2018 in Nordrhein-Westfalen- Ministerium für Arbeit, Gesundheit
und Soziales des Landes NRW
Erläuterung zu den Vergleichsdaten bei der Altersstruktur:
Im Bereich der kommunal und ordnungsbehördlich untergebrachten Frauen beträgt der
Anteil der jungen Frauen unter 18 Jahren 25 %. Hierbei handelt es sich nicht um die
Unterbringung alleinstehender minderjähriger Mädchen, sondern um Minderjährige, die als
8
Haushaltsangehörige mit ihrer Familie untergebracht sind. Für die Unterbringung
alleinstehender minderjährigen Kinder oder Jugendliche ist das Jugendamt zuständig.
Bei den Trägern der Wohnungslosenhilfe aufgeführten Angaben bei den unter 18 Jährigen
(0,6 %) handelte es sich um 2 Beratungsfälle unter 18 Jahren im BOJE Bus am
Hauptbahnhof.
Im Landesvergleich weist die Stadt Köln eine deutlich höhere Anzahl von älteren (50 - > 65
Jahren) wohnungslosen untergebrachten Frauen auf. Diese Abweichung besteht bei den
ordnungsbehördlich- und bei den freien Trägen der Wohnungslosenhilfe untergebrachten
Frauen.
Grundsätzlich steht dies im Zusammenhang mit der demographischen Entwicklung der
Bevölkerungsstruktur in der Stadt Köln.
Das Hilfeangebot für wohnungslose Menschen insgesamt hat dazu geführt, dass Menschen
in der Wohnungslosenhilfe eine höhere Lebenserwartung haben. Darüber hinaus wurden
spezielle Angebote für Menschen geschaffen, die aufgrund schwerwiegender
Beeinträchtigungen nicht mehr in den regulären Wohnungsmarkt vermittelt werden können
und eine Dauerunterbringung in der Wohnungslosenhilfe gefunden haben.
9
2.4 Wohnungslose Frauen in Köln, die auf der Straße leben
Grundlegend gibt es keine validen Daten darüber, wie viele Menschen tatsächlich auf der
Straße leben. Bisherige Schätzwerte beziehen sich auf wohnungslose Menschen, die
grundsätzlich einen Sozialhilfeanspruch haben und weitg ehend in der Wohnungslosenhilfe
bekannt sind.
Seit einigen Jahren prägen die Folgen der Zuwanderung aus dem osteuropäischen Bereich
zunehmend die Wahrnehmung im öffentlichen Raum. Viele dieser Menschen leben auf der
Straße, haben aber meistens keinerlei Ansprüche auf Sozialleistungen.
Seit Mitte 2017 hat das Amt für Soziales, Arbeit und Senioren in Kooperation mit Trägern der
Wohlfahrtspflege (Diakonie Michaelshoven e.V. und Benedikt Labre e.V.) und d em
Landschaftsverband Rheinland die Angebote der Wohnun gslosenhilfe durch Streetwork
erweitert. Durch die aufsuchende Arbeit der Streetworker /Innen gelingt es , eine erste
Beziehung zu knüpfen, um zu motivieren, Hilfe anzunehmen und eine Kontaktaufnahme zu
einer weitergehenden Hilfeeinrichtung zu ermöglichen. Z iel ist es, Schwellenängste
abzubauen und zu informieren. Die Beratungs - und Informationsgespräche finden auf der
Straße statt.
Im Arbeitsfeld dieser aufsuchenden Arbeit ist eine Stelle mit weiblichem Personal besetzt.
Dadurch kann gewährleistet werden, dass wohnungslose Frauen durch eine Streetworkerin
angesprochen werden und so einen leichteren Zugang zu Hilfen finden. Es werden
Gesprächs- und Unterstützungsangebote aufgezeigt oder die Frauen erhalten Kontaktdaten
für eines der niederschwelligen Hilfsang ebote für wohnungslose Frauen. In speziell für
Frauen ausgerichteten Angeboten können Frauen sich eher stabilisieren und weiterführende
Hilfen annehmen. Voraussetzung für die Bildung einer Vertrauensbasis ist die Freiwilligkeit
der Angebotsannahme.
Bis Anfang 2018 wurden als Aufgabenschwerpunkt der Streetworker über einen Zeitraum
von 6 Monaten statistische Daten erhoben (Siehe auch Frauenbericht 2017). Hier hat sich
herausgestellt, dass ca. ¼ der Menschen, die auf der Straße angetroffen wurden, Frauen
sind (101 von 431). Diese grundlegende Geschlechterverteilung hat sich im vergangenen
Jahr nicht verändert.
Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass die Dunkelziffer von wohnungslosen Frauen
deutlich höher als bei wohnungslosen Männern angenommen werden muss, da viele Frauen
ihre Wohnungslosigkeit verschweigen oder in ungesicherten Wohnverhältnissen leben.
10
3. Frauenspezifische Gesichtspunkte in der Arbeit mit
wohnungslosen Frauen
3.1 Wohnungslose Frauen mit Kindern oder schwangere wohnungslose
Frauen
Wohnungslose Müt ter haben wohnungslose Kinder oder leben mit ihren Kindern in der
besonderen Lebenslage Wohnungsnot, und damit in unsicheren Wohnverhältnissen.
Bezogen auf die Gesamtgruppe der im Jahr 2018 in Deutschland wohnungslosen Personen
schätzt die BAGW die Zahl der Kinder und minderjährigen Jugendlichen auf 8 % (32.000)2.
Diese Zahlen beziehen sich vor allem auf Kinder und Jugendliche, die gemeinsam mit ihren
wohnungslosen Eltern leben. Zu Kindern in prekären Wohnverhältnissen oder alleinlebenden
Kindern ohne feste Unterkunft gibt es keine gesicherten Zahlen.
Welche Folgen hat Wohnungslosigkeit für Kinder?
Unangemessene Wohnverhältnisse , Zwangsräumungen und Wohnungslosigkeit haben
gravierende negative Auswirkungen auf das Aufwachsen, die Entwicklung, die
Bildungschancen, die Gesundheit und das persönliche Sicherheitsempfinden von Kindern.
Auch die „verdeckte Wohnungslosigkeit“, in die sich Frauen mit ihren Kindern immer wieder
begeben, beeinträchtigt die gesunde Entwicklung von Kindern.
Laut vorliegenden Studien in den Niederlanden wirken sich besonders die
Zwangsräumungen verheerend auf Kinder aus (Depressionen, Angstzustände). Mit Eintritt
der Wohnungslosigkeit gehen schulische Leistungen signifikant zurück. Kinder, die zeitweise
getrennt von ihren Elter n untergebracht werden, haben ein doppelt so hohes Risiko, als
Erwachsene erneut wohnungslos zu werden, wie Kinder, die keine Trennung erlebt haben. 3
In der Arbeit mit wohnungslosen Frauen ist es dabei zwingend erforderlich , neben den
klassischen Themen der Hilfen gem. § 67 SGB XII Schwerpunkte zu bearbeiten, die eng mit
der Situation von alleinerziehenden Müttern oder mit der Situation von Schwangeren
verknüpft sind.
2 http://www.bagw.de/de/themen/zahl_der_wohnungslosen/index.html
3 Sigrid Krämer, Kinderrechte in der Wohnungsnotfallhilfe, in: Wohnungslos 58. Jahrgang, 3. Quartal Nr.3 /
2016, Seite 69
11
3.2 Psychisch erkrankte wohnungslose Frauen
In den Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe zeigt sich seit Jahren über alle Altersgruppen
hinweg ein steigender Anteil von Frauen mit massiven psychischen Auffälligkeiten/
Erkrankungen.
Die Erfahrungen in den Kölner Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe für Frauen decken sich
mit den Erkenntnissen verschiedener Studien, wie der sogenannten SEEWOLF-Studie4, die
2014 veröffentlicht wurde.
Bestehende somatische und psychische Erkrankungen verschlimmern sich durch das Leben
auf der Straße oder in unsicheren Wohnverhältnissen . H äufig sind sie Auslöser für
Wohnungslosigkeit, weil es den Frauen aufgrund der Erkrankung nicht mehr möglich ist, ihre
Wohnung, Arbeit und ein soziales Umfeld zu erhalten.
In anderen Fällen löst das Leben in der Wohnungslosigkeit oder in einer unsicheren Wohn -
und Lebenssituation psychische Auffälligkeiten/ Erkrankungen aus bzw. verstärkt diese.
Bei einem Teil der Frauen, die in Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe in Köln betreut
werden, liegen Diagnosen vor. In anderen Fällen kann aufgrund der Auffälligkeiten nur eine
Erkrankung vermutet werden.
Fehlende Krankheitseinsicht, geringe eigene Ressourcen, ein fehlendes soziales und
familiäres Stützsystem, selbst gewählte Isolation oder gesellschaftliche Segregation
erschweren es den Frauen, Hilfe anzunehmen.
Viele von ihnen empfinden Aufenthalte in Krankhäusern, Suchtkliniken oder Psychiatrien als
Zwangsmaßnahmen, was die Annahme weiterer Hilfen zusätzlich erschwert und neben der
Unstetigkeit des Lebens auf der Straße auch ein Grund für eine unzureichende medizinische
Versorgung der bestehenden psychischen Erkrankungen bzw. Suchterkrankungen ist.
4 Barbara Baur, Gabriele Pitschel-Walz, Josef Bäuml, Monika Brönner und Thomas Jahn, Die SEEWOLF-
Studie: Seelische Erkrankungen in den Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe im Großraum München,
Freiburg im Breisgau 2017
12
3.3 Ältere oder vorgealterte wohnungslose Frauen
Vorgealterte, ältere und alte Frauen zeigen z.T. psychische Auffälligkeiten/Erkrankungen,
dementielle Veränderungen, vor allem aber körperli che Erkrankungen, die auf das lange
Leben in unsicheren Wohnverhältnissen, auf Substanzenkonsum, auf das Alter selbst oder
eine Kombination aus allen Indikationen zurückzuführen sind.
Die Zukunftsperspektive älterer Frauen ist häufig unklar. Teilweise verhindern unrealistische
Vorstellungen oder die fehlende Annahmebereitschaft altersgerechter Alternativen eine
notwendige Anschlussversorgung. Angesichts des Alters und der Erkrankungen der
Klientinnen verändern sich die Hilfeansätze und -prozesse.
Der Ante il der in Köln ordnungsbehördlich oder bei Trägern der Wohnungslosenhilfe
untergebrachten Frauen ist im Landesvergleich deutlich höher (vergleiche Punkte 2.3.5 und
2.3.6 des Berichtes).
In 2018 betrug der Anteil der ordnungsbehördlich und bei Trägern der W ohnungslosenhilfe
untergebrachten Frauen zwischen 50 und > 65 Jahren insgesamt 30,2 % (811 Frauen).
Bei der Planung und Initiierung neuer H ilfeangebote müssen sich diese an den Bedarfen
älterer Frauen ausrichten. Hierzu zählen z.B. das Vorhandensein barrie refreier
Unterbringungen, insbesondere Sanitäranlagen, hauswirtschaftliche Hilfen und pflegerische
Unterstützungsleistungen.
Das Amt für Soziales, Arbeit und Senioren ist mit den Trägern der Wohnungslosenhilfe
regelmäßig im Austausch bezüglich der Planung und Realisierung neuer Angebote speziell
für diesen Personenkreis.
13
3.4 Prostituiertenhilfe
Wohnungslose oder von Wohnungslosigkeit bedrohte Frauen, die in der Prostitution arbeiten
oder die Arbeit in der Prostitution in Erwägung ziehen , werden durch die Prostituiertenhilfe
des SkF e.V. und durch die Angebote des Gesundheitsamtes der Stadt Köln erreicht.
Der SkF e.V. stellt durch die sozialarbeiterische Arbeit auf dem Gelände an der
Geestemünder Straße an 365 Tagen im Jahr die niedrigschwellige Betreuung und
Krisenintervention sicher. Jede Frau, die neu auf dem Gelände angetroffen wird, erhält eine
Erstberatung und das Angebot der Klärung bestehender Problemlagen und der
Weitervermittlung ins Hilfesystem.
Durch die aufsuchende Arbeit der Prostitui ertenberatungsstelle „Rahab“ des SkF e.V.
erhalten Frauen, die auf den Straßenstrichen im Kölner Stadtgebiet, in Clubs, Bordellen oder
anderen Prostitutionsstätten arbeiten, Kontakt zum Hilfesystem und alle notwendigen
Informationen, die sie für die Arbeit und den möglichen Ausstieg benötigen. Gerade mit der
aufsuchenden Arbeit im Kölner Süden und der regelmäßigen Präsenz in der Großsiedlung
„Am Kölnberg“ in Meschenich werden Frauen mit Mehrfachproblematiken erreicht.
Die offene Sprechstunde von „Rahab“ wird in der Regel von Frauen aufgesucht, die bereits
den Ausstieg aus der Prostitution planen und dazu über einen längeren Zeitraum Hilfe und
Unterstützung bei der Bewältigung der meist komplexen Problemlagen benötigen.
Der SkF e.V., das Gesundheitsamt der Stadt Kö ln und andere Träger wie z.B. agisra e.V. ,
arbeiten in Köln in der Beratung von Prostituierten in enger Abstimmung mit der Polizei und
dem Ordnungsamt und verfolgen dabei einen präventiven statt repressiven Ansatz.
14
3.5 Wohnungslose und von Wohnungslosigkeit bedrohte Frauen mit
Gewalt- oder häuslicher Gewalterfahrung
Gewalt bzw. häusliche Gewalt, ausgeübt durch die Familie, Partner/Partnerin oder durch
Bekannte spielt im Leben von wohnungslosen oder von Wohnungslosigkeit bedrohten
Frauen eine wesentliche und vielschichtige Rolle.
Frauen, die wiederholte und massive Gewalt erleben oder schon in der Herkunftsfamilie
erlebt haben, verfügen selten über eigene Ressourcen, die notwendig sind, sich
angemessen zu wehren oder sich im sozialen Umfeld oder bei Institutionen Hilfe zu holen.
Sie leben oft lange in Gewaltbeziehungen und entwickeln Überlebensstrategien, die ihnen
zum Teil nur vermeintliche und kurzfristige Erleichterung verschaffen. So suchen Frauen
Auswege mithilfe von Betäubung (Alkohol, Drogen, Medikamente), extremer Anpassung
oder von Flucht in eine neue Beziehung etc. Nicht selten entwickeln Frauen psychische
Auffälligkeiten oder Erkrankungen.
Wenn Frauen wohnungslos sind, ist die Gefahr, Opfer zu werden, besonders groß. Frauen
halten dann oft langjährige Gewalt durch Partner aus, bei denen sie unterschlüpfen können,
um zumindest einen gewissen Schutz vor Übergriffen fremder Männern auf der Straße zu
erhalten.
Um diesen Gewaltkreislauf zu durchbrechen, müssen alle Frauen nach dem Erleben von
häuslicher Gewalt intensiv unterstützt werden. Insbesondere auch die Frauen, die nicht in
der Lage sind, den „normalen Weg“ über die Unterbringung in einem Frauenhaus oder
mithilfe eines Antrages einer Schutzanordnung oder Wohnungszuweisung zu gehen.
In Köln gibt es zwei Interventionsstellen gegen häusliche Gewalt.
Linksrheinisch in der Trägerschaft des SkF e.V., rechtsrheinisch in der Trägerschaft des
Diakonie Michaelshoven e.V.
15
3.6 Von Gewalt betroffene Frauen in einem anonymen Frauenhaus
Flüchten Frauen und Frauen mit ihren Kindern aus gewaltgeprägten
Beziehungen/Haushalten, können sie in einem Frauenhaus aufgenommen werden.
Schwerpunkt der Arbeit in einem Frauenhaus ist es, Frauen, die mit ihren Kindern vor
Gewalt in Ehe, Partnerschaft und Familie flüchten, Schutz, Unterkunft und
sozialpädagogische Unterstützung und Beratung zur Verfügung zu stellen.
In Köln existieren insgesamt zwei autonome Frauenhäuser, die jeweils 10 Frauen und ihren
Kindern Schutz und Aufnahme ermöglichen. Die Frauenhäuser werden betrieben vom
Verein „Frauen helfen Frauen e.V.“
Frauenhäuser sind kein Hilfeangebot für wohnungslose Frauen, die auf der Straße lebend
Gewaltanwendungen Dritter ausgesetzt sind. Die autonomen Frauenhäuser nehmen
ausschließlich Frauen aus bestehenden Haushalten/Wohnungen auf.
Mit dem Entschluss, die gewaltgeprägte Beziehung zu beenden und in ein Frauenhaus zu
gehen, tritt faktisch eine drohende Wohnungslosigkeit ein. Soweit die Frau nicht mehr in
den vorherigen Haushalt zurückkehrt, ist sie wohnungslos und sucht nach dem Aufenthalt
in einem Frauenhaus eine eigene Wohnung.
Die Vermittlung der Frauen/und deren Kinder in Angebote der Wohnungslosenhilfe oder in
ordnungsbehördliche Angebote erfolgt dann, wenn der weitere Verbleib in einem anonymen
Frauenhaus aufgrund der persönlichen oder gesundheitlichen Gründe nicht weiter möglich
ist (z.B. Vorliegen einer psychischen Erkrankung, Suchtmittelabusus) oder durch den
Verbleib der Frau im Frauenhaus die Anonymität des Frauenhauses gefährdet ist.
Seit Juli 2017 unterstützt das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung
des Landes NRW durch ein Modellprojekt die Arbeit und die Vermittlung von
gewaltbetroffenen Frauen und deren Kinder aus einem Frauenhaus in Wohnraum.
Dieses Modellprojekt wird vom Verein Frauen helfen Frauen e.V. sowie den Trägern
Diakonie Michaelshoven und dem Sozialdienst kath. Frauen e.V. durchgeführt.
16
3.7 Istanbul-Konvention
Am 01. Februar 2018 trat in Deutschland das Übereinkommen des Europarates zur
Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt, die
sogenannte Istanbul-Konvention, in Kraft. Diese Ratifikation verpflichtet Deutschland zur
umfassenden Bekämpfung jeglicher Form von Gewalt an Frauen auf allen staatlichen
Ebenen.
Die Istanbul- Konvention ist eine Aufforderung, die rechtliche und tatsächliche Lage zu
überprüfen und ggf. an Vorgaben der Konvention anzupassen.
Mittlerweile haben 33 weitere Staaten die Konvention ratifiziert (Stand Januar 2019).
In den 81 Artikeln der Konvention verpflichtet sich Deutschland zur Prävention und
Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen, Mädchen und Jungen sowie häuslicher Gewalt,
insbesondere körperliche, seelische, sexuelle Gewalt, Stalking, Genitalverstümmlung und
Zwangsverheiratung. Im Fokus stehen der Schutz der Opfer und die Bestrafung der
gewalttätigen Personen. Gleichzeitig wird die Gleichstellung von Mann und Frau gestärkt
und das Recht der Frau, ein gewaltfreies Leben führen zu können. Das Übereinkommen gilt
unabhängig vom Aufenthaltsstatus und bezieht Transgender mit ein.
Bezogen auf Frauen in der Wohnungslosenhilfe muss darüber nachgedacht werden, wie
die Istanbul- Konvention umgesetzt werden kann. In einem ersten Schritt ist auf eine gute
Netzwerkarbeit zwischen den Akteuren der Wohnungslosenhilfe und des Gewaltschutzes
hinzuwirken.
Kooperationen bestehen bereits zwischen dem Amt für Soziales, Arbeit und Senioren,
ResoDiensten mit dem Sozialdienst katholischer Frauen e.V. und der Diakonie
Michaelshoven e.V., die die Interventionsstellen gegen häusliche Gewalt in Köln betreiben.
17
4. Wohnungslose Frauen mit Leistungsbezug nach dem SGB II und
SGB XII
Mit Inkrafttreten des SGB II zum 01.01.2005 wurde im Amt für Soziales, Arbeit und Senioren
das Dienstleistungszentrum ResoDienste Köln gegründet. Hierbei werden, gebündelt an
einem Ort, alle Leistungen für Wohnungslose, auch für wohnungslose Frauen, eingeleitet
oder erbracht. Mit Inkrafttreten des SGB II wurde das Amt für Soziales, Arbeit und Senioren
durch das Jobcenter Köln mit der Wahrnehmung der Aufgaben nach dem SGB II fü r
wohnungslose Menschen in Köln beauftragt. Durch die Zentralisierung aller Hilfen für
Wohnungslose können Aussagen für die Situation arbeitssuchender wohnungsl oser
Menschen getroffen werden.
Bei den frauenspezifischen Angeboten, wie z.B. Seniora, Respekt oder auch der Betreuung
von Frauenhausfällen wird die Bearbeitung der Hilfefälle durch eine weibliche
Sachbearbeitung beim Dienstleistungszentrum ResoDienste Köln durchgeführt.
Die Aufschlüsselung nach Geschlecht, Alter und Migrationshintergrund wird nachfolgend für
die Jahre 2017 - 2018 dargelegt.
18
4.1 Wohnungslose Frauen mit Leistungsbezug nach SGB II
Alter Männer und Frauen Frauen
2017 2018 2017 2018
< 25 Jahre 162 (11%) 182 (12%) 46 (28%) 54 (30%)
< 40 Jahre 592 (40%) 615 (40%) 129 (22%) 114 (19%)
< 50 Jahre 370 (25%) 351 (23%) 61 (16%) 60 (17%)
50< 65 Jahre 345 (24%) 398 (25%) 57 (17%) 70 (18%)
Gesamt 1.469 1.546 293 (20%) 298 (19%)
Nationalität Männer und Frauen Frauen
2017 2018 2017 2018
Deutsch 1.127 1.138 220 229
Nicht Deutsch 342 408 73 69
Alleinerziehende Frauen 2017 2018
Mit einem Kind < 3 Jahren 7 6
19
4.2 Wohnungslose Frauen mit Leistungsbezug nach SGB XII (3. und 4.
Kapitel)
Alter Männer und Frauen Frauen
2017 2018 2017 2018
< 25 Jahre 30 (6 %) 26 (5%) 18 (17%) 16 (13%)
< 40 Jahre 109 (23%) 106 (22%) 29 (27%) 29 (24%)
< 50 Jahre 87 (19%) 79 (16%) 12 (11%) 16 (13%)
50< 65 Jahre 136 (29%) 160 (33%) 31 (28%) 34 (28%)
ab 65 Jahren 109 (23%) 119 (24%) 19 (17%) 26 (22%)
Gesamt 471 490 109 121
Nationalität Männer und Frauen Frauen
2017 2018 2017 2018
Deutsch 360 (76%) 375 (77%) 75 (69%) 82 (68%)
Nicht Deutsch 111 (24%) 115 (23%) 34 (31%) 39 (32%)
Gesamt 471 490 109 121
Alleinerziehende
Frauen 2017 2018
Mit einem Kind < 3
Jahren 5 4
unter 18 2017 2018
m/ deutsch 0 0
m/ Ausländer 6 7
w/ deutsch 0 0
w/ Ausländer 11 10
20
5. Versorgung wohnungsloser und von Wohnungslosigkeit
bedrohter Frauen in Köln
Die Ansprache, Beratung und Versorgung wohnungsloser und von Wohnungslosi gkeit
bedrohter Frauen ist eine zentrale Aufgabe des Amtes für Soziales , Arbeit und Senioren.
Aufgrund der besonderen Problemlagen und der hohen fachlichen Anforderungen im
Umgang mit dieser Personengruppe sind alle Angebote in der Abteilung Fachstelle Wohnen,
wirtschaftliche Hilfen und Dienstleistungszentrum ResoDienste Köln im Amt für Soziales ,
Arbeit und Senioren zentralisiert.
Bereits seit Beginn der 1990er Jahre wurden die Hilfen für wohnungslose Frauen umfassend
ausgeweitet. In Köln stehen seitdem die kontinuierliche Innovation von Projekten sowie die
Ausdifferenzierung nach besonderen Bedarfen bei den Frauen im Vordergrund.
5.1 Vermeidung von Wohnungslosigkeit – Prävention
Unter Berücksichtigung der seit Jahren angespannten Situation der Wohnraumve rsorgung,
insbesondere im Segment der bezahlbaren Wohnungen für Alleinstehende, kommt der
Präventionsarbeit elementare Bedeutung zu.
Das Amt für Soziales , Arbeit und Senioren, Fachstelle Wohnen, verfolgt dabei für die
Prävention von Wohnungsverlust einen l okalen Ansatz. Bei den Personengruppen der
alleinstehenden und alleinerziehenden Frauen wird besonders darauf geachtet , einen sich
abzeichnenden Wohnungsverlust frühestmöglich zu vermeiden. Im Bedarfsfall werden durch
ein lokales Beratungsangebot und aufsu chende Hilfe , Probleme identifiziert , di e die
Wohnsituation gefährden, Leistungsansprüche geprüft und die Antragsstellung unterstützt.
21
5.2 Ordnungsbehördliche Unterbringung von wohnungslosen Frauen
Bei Eintritt der Wohnungslosigkeit suchen Frauen in aller Regel nicht die Regelangebote der
ordnungsbehördlichen Unterbringung auf, weil die meisten gewerblichen
Einfachstunterkünfte für die Belegung beider Geschlechter genutzt werden und die Frauen
Angst vor Übergriffen und Belästigungen haben.
Zum Stichtag 31.07.2018 bestanden insgesamt 808 Unterbringungsmöglichkeiten (Betten)
in Angeboten der ordnungsbehördlichen Unterbringung (ohne Sondereinrichtungen wie
Internationaler Bund e.V.- Pallenbergstraße und Rather Straße , Deutsches Rotes Kreuz -
Hotel Plus ). Diese waren zum Stichtag mit 140 Frauen und alleinstehenden Fraue n mit
Kindern belegt (20,6 %). Daneben bestehen noch 41 Plätze in Notaufnahmen . Hier kann
aufgrund der hohen Fluktuation keine Nutzungsquote von Frauen ausgewiesen werden.
Ebenfalls unberücksichtigt bleibt das Angebot der humanitären Winterhilfe. Die Nutzung und
Auslastung der Winterhilfeangebote erfolgt in einem separaten Bericht.
Zur Verbesserung der Notunterbringung hat die Fachstelle Wohnen spezielle
Unterbringungseinrichtungen geschaffen, di e für Frauen und für Frauen mit ihren Kindern
eine zusätzliche Unterstützung bei der Reintegration in den Wohnungsmarkt bieten.
Dabei handelt es sich um ein neues Angebot in Köln-Neubrück der Diakonie Michaelshoven
e.V., das über 18 Plätze für alleinerziehende Frauen und auch Paare mit Kindern verfügt.
Weiterhin hat die Fachstelle Wohnen des Amtes für Soziales , Arbeit und Senioren in
Kooperation mit dem SkF Köln e.V. eine speziell für wohnungslose Frauen geeignete,
ordnungsbehördliche Unterkunft in Linden thal mit 25 Plätzen geschaffen. Hier wird den
Bedarfen von Frauen Rechnung getragen und Unterstützung gewährt.
Aufgenommen werden hier volljährige und vorwiegend mietvertragsfähige alleinstehende
Frauen ohne Kinder, die akut in Wohnungslosigkeit geraten o der bereits seit längerer Zeit
wohnungslos sind. Die Aufnahme der Frauen erfolgt auch mit ihren Tieren. Die Zuweisung
erfolgt zeitlich befristet. Die Betreuung wird durch den SkF e.V. sichergestellt.
Neben diesen neuen Angeboten steht auch das bereits langjährige Angebot für Frauen und
deren Kindern in der Einrichtung Pallenbergstraße des I nternationalen Bundes e.V. zur
Verfügung.
Alle Angebote im Rahmen der ordnungsbehördlichen Unterbringung werden durch das Amt
für Soziales, Arbeit und Senioren, Fachstelle Wohnen belegt.
22
5.3 Das Kölner Hilfesystem für Wohnungslose nach § 67 SGB XII
Das Amt für Soziales , Arbeit und Senioren bietet für wohnungslose Frauen in Kooperation
mit Trägern der Wohlfahrtspflege und dem Landschaftsverband Rheinland als überörtlichen
Sozialhilfeträger ein umfangreiches und differenziertes Hilfesystem an.
Nachfolgend wird das Hilfesystem mit dem Schwerpunkt für wohnungslose Frauen
dargestellt. Eine umfangreiche Auflistung aller Angebote ist dem Bericht als Anlage beigefügt
Fachberatungsstellen
Das Dienstleistungszentrum ResoDienste Köln bezuschusst in Kooperation mit dem
Landschaftsverband Rheinland insgesamt drei Fachberatungsstellen für die Beratung und
Unterstützung von wohnungslosen oder von Wohnungslosigkeit bedrohten Frauen . Die
Fachberatungsstellen werden durch den Sozialdienst katholischer Frauen e.V. (SkF e.V.)
und die Diakonie Michaelshoven e.V. angeboten.
Notschlafstellen
Bei diesen Angeboten handelt es sich nicht um ordnungsbehördliche Notschlafstellen,
sondern um zielgruppe norientierte und pädagogisch betreute Notschlafstellen. Der
Aufenthalt in den Notschlafstellen ist in aller Regel nur während der frühen Abendstunden
und der Nachstunden möglich. In den Notschlafstellen werden Verpflegung und andere
Versorgungsangebote (Duschen, Wäsche waschen, Spritzentausch) angeboten.
Für wohnungslose Frauen stehen in Köln 19 Notschlafplätze zur Verfügung. Diese werden
vom SkF e.V., der Diakonie Michaelshoven e.V. und den Vinzentinerinnen angeboten.
In der Notschlafstelle Diakonie Michaelshoven e.V. besteht ein Aufenthalt über 24 Stunden
mit Clearingfunktion und der Möglichkeit einer Weitervermittlung
Ambulante Hilfen
Wohnungslose oder von Wohnungslosigkeit bedrohte Frauen können als Einzelfallhilfe
sozialarbeiterische Unterstützung un d Begleitung erhalten. Im Rahmen der Einzelfallhilfe
bieten speziell die Träger SkF e.V., Diakonie Michaelshoven e.V., die Vinzentinerinnen sowie
agisra e.V. frauenspezifische Unterstützung an.
Neben diesen Angeboten stehen Frauen auch die geschlechtergem ischten Angebote der
Ambulanten Hilfen anderer Träger zur Verfügung.
23
Ambulante Hilfe in Trägerwohnraum
Zielgruppenorientierte Wohnangebote sind auf die speziellen Bedarfe von Zielgruppen
zugeschnittene Unterbringungsangebote, in denen persönliche Unterstützungsleistungen als
ambulante Hilfe für einen zeitlich begrenzten Zeitraum gewährt werden.
Spezielle Angebote für wohnungslose Frauen bestehen bei folgenden Trägern:
SkF e.V.
Vinzentinerinnen
Diakonie Michaelshoven e.V.
Diakonisches Werk
Darüber hinaus bestehen betreute Wohnangebote bei anderen Trägern der
Wohlfahrtspflege, die von Männern und Frauen genutzt werden können.
Stationäre Hilfen
Für wohnungslose Frauen, die einen umfassenden Hilfebedarf haben und ein stationäres
Angebot benötigen, bietet der Landschaftsverband Rheinland als überörtlicher
Sozialhilfeträger in Kooperation mit der Diakonie Michaelshoven e.V. ein stationäres Angebot
(Elisabeth-Fry-Haus) an.
5.4 Weitere Angebote
Neben den oben genannten Angeboten existieren weitere frau enspezifische
Beratungsstellen, die andere Beratungsschwerpunkte haben, aber deren Beratungsarbeit
sich auch auf die Wohnraumsicherung auswirkt. Beispielhaft und nicht abschließend sind
hier genannt:
• Zwei Interventionsstellen bei häuslicher Gewalt (Diakonie Mich aelshoven e.V. und
SkF e.V.)
• Spezialisierte frauenspezifische Beratungsstellen wie z.B. agisra e.V., Frauen lernen
Leben e.V. u.a.
24
5.5 Angebotsverteilung der Hilfen im städtischen Raum
Im Rahmen des zielgruppenorientierten Ausbaues des Hilfesystems w urde besonderer
Wert auf die dezentrale Verteilung der Angebotsstruktur gelegt:
Betreute
Wohnformen Beratungsstellen Notschlafstellen Stationäre
Hilfen
Altstadt-Süd
Deutz
Dünnwald
Ehrenfeld
Humbold
Innenstadt
Kalk
Lindenthal
Mülheim
Meschenich
Neustadt-
Süd
Neustadt-
Nord
Nippes
Porz-
Zündorf
Porz- Wahn
Raderthal
Rath
Weidenpesch
Zollstock
Angebote nur für Frauen
Angebote für Frauen und Männer
Im Bereich der Notschlafstellen ist auf eine zentrale Lage und gute Erreichbarkeit zu
achten. Dies führte jedoch zu einer in der Innenstadt dominierenden Angebotslage.
Daher werden die Angebote seitdem nicht mehr konzentriert in der Innenstadt angeboten.
25
26
5.6 Auslastung und Annahme der Angebote durch Frauen
Notschlafstellen und ordnungsbehördliche Unterbringungen in gewerblichen
Einfachstunterkünften, in denen beide Geschlechter untergebracht sind, werden von Frauen
deutlich weniger angenommen. In diesen Einrichtungen befürchten Frauen physische und
psychische Gewaltausübung durch Männer.
Hingegen haben Notschlafstellen für Frauen, wie zum Beispiel das Elisabeth -Fry-Haus der
Diakonie Michaelshoven e.V. oder das Comeback des SkF e.V. eine hohe Akzeptanz bei
den Frauen. Auch die frauenspezifischen Beratungsstellen zeigen hinsichtlich der
Kontaktzahlen, dass diese Angebote intensiver angenommen werden, als Angebote, die sich
an beide Geschlechter richten.
Die hohe Akzeptanz von fra uenspezifischen Angeboten spiegelt auch die Forderung der
BAG Wohnungslosenhilfe wider 5, die auf ein frauengerechtes und an den spezifischen
weiblichen Lebensumständen orientiertes Hilfesystem besteht.
Im Bereich der Hilfen nach § 67 SGB XII zur Überwindun g der besonderen sozialen
Schwierigkeiten wird bereits seit vielen Jahren ein frauenspezialisiertes Hilfesystem
angeboten und hat sich durch die besondere Nachfrage etabliert.
5 Positionspapier der BAGW vom Fachausschuss Frauen von Juni 2013
27
6. Arbeits- und Beschäftigungsangebote nach SGB II für
wohnungslose Frauen
Wohnungslose Frauen haben bei Vorliegen der Erwerbsfähigkeit über drei Stunden
arbeitstäglich grundsätzlich Ansprüche nach dem SGB II. Wohnungslosigkeit ist auf das
Vorliegen multipler Problemlagen zurückzuführen. In diesen Fällen ist eine unmittelbare
Vermittlung in den ersten Arbeitsmarkt ohne vorangehende Fördermaßnahmen in aller Regel
ausgeschlossen. Daher werden für Menschen mit multiplen Vermittlungshemmnissen im
Bereich der kommunalen Eingliederungsmaßnahmen nach § 16 a SGB II Beratungs - und
Unterstützungsmaßnahmen angeboten.
Ein konkretes Arbeitsangebot allein für wohnungslose Frauen ist nicht sinnvoll. Bestehende
Wohnungslosigkeit ist eine Rahmenbedingung, die die Vermittlung in Arbeit erschwert, deren
Ursache in persönlichen und sozialen Schwierigkeit en besteht, die im Rahmen von
Arbeitsangeboten berücksichtigt werden müssen. Für Frauen mit bestehenden persönlichen
und sozialen Schwierigkeiten stehen nachfolgende Angebote zur Verfügung.
Der Wendepunkt
Die Frauenberatungsstelle mit Standorten in Kalk u nd Mülheim und Porz- Finkenberg der
Diakonie Michaelshoven e.V. bietet Unterstützung , insbesondere auch für Frauen mit
Zuwanderungs- und/ oder Fluchtgeschichte und von Gewalt betroffene Frauen . Die
Gespräche werden bei Bedarf durch muttersprachliche Berate rinnen und mit Hilfe von
Sprachmittlerinnen geführt.
Problemstellungen aus den Bereichen Wohnung, Verschuldung, Trennung, Gewalt sowie
Familie, Erziehung werden bearbeitet.
Casa Blanca
Casa Blanca ist eine Arbeitsgelegenheit für Frauen mit insgesamt 35 Teilnahmeplätzen. Das
Beschäftigungsprojekt wird vom SkF e.V. angeboten.
Die dort beschäftigten langzeitarbeitslosen Frauen weisen in aller Regel schwere
Vermittlungshemmnisse auf und bedürfen zur Heranführung an eine Erwerbsintegration
erheblicher psychosozialer Unterstützung.
28
Strickleiter I und Strickleiter II
Beide Angebote sind Projekte des SkF e.V. Köln. Strickleiter I mit insgesamt 45 Plätzen
richtet sich an Opfer häuslicher Gewalt, bei denen die Folgen der zum Teil über Jahre
erlebten Gewalt zur Ausprägung von psychosozialen Vermittlungshemmnissen geführt bzw.
bestehende Vermittlungshemmnisse verstärkt haben.
Das Angebot funktioniert als Lotse hinein in das Hilfesystem, Strickleiter I stellt im Rahmen
des Case Managements sicher, dass die Opfer (und deren Kinder) die notwendigen und
möglichen Hilfen erhalten.
Die Strickleiter I steht weiblichen wie männlichen Opfern häuslicher Gewalt offen, wird zu
nahezu 100% von Frauen genutzt. 85% der Betroffenen leben mit mehreren Kindern
zusammen. Häufig leiden sie unter psychischen oder somatischen Erkrankungen, viele leben
in ungesicherten Wohnverhältnissen oder unter drohendem Wohnungsverlust.
Strickleiter II ist ein Angebot mit 50 Plätzen für Frauen mit massiven psychischen und
psychischen und Problemlagen und auch familiären Problemlagen , die einer Arbeits - oder
Beschäftigungsaufnahme entgegenstehen. Die Hilfen von Strickleiter II reichen von der
Existenzsicherung, der Sicherung der Wohnung und der psychischen und somatischen
Gesundheit der Klientinnen bis hin zur Stabilisierung in der ersten Phase bei der Aufnahme
einer Maßnahme, einer Aus- oder Weiterbildung oder einer Beschäftigung.
FrauenLeben e.V.
Die Frauenberatungsstelle des gemeinnützigen Trägervereins FrauenLeben e.V. bietet
Beratung, Krisen - und Or ientierungsgespräche, themenbezogene Gruppen, Beratung für
Angehörige sowie Vortrags - und Themenabende. Zu den Arbeitsschwerpunkten gehören
gestörtes Essverhalten (Magersucht, Bulimie, Binge Eating und Adipositas), Unterstützung
bei Gewalterfahrung (häusliche Gewalt, sexualisierte Gewalt, Stalking u.a.), Probleme in der
Familie und Partnerschaft, Trennung/ Scheidung, psychische Erkrankungen , wie
Depressionen, Ängste, u.a. berufsbezogene Problemlagen, Arbeitslosigkeit und deren
psychosoziale Folgen, Selbstwertprobleme u.v.m.
Arbeit sofort
Hinter diesem Projekt stehen der SKM e.V., der SkF e.V. und der Internationale Bund. Das
Projekt richtet sich an SGB II leistungsberechtigte Personen , die wohnungslos und
langzeitarbeitslos sind, die weder in Beschäftigungsa ngebote noch in Integrationsjobs zu
vermitteln sind. Ziel des Projektes ist die Heranführung an Arbeit oder die Beschäftigung
durch die Bereitstellung eines niederschwelligen Tätigkeitsangebots.
29
JobLotsen Reso
Die JobLotsen Reso, ein Angebot des Beruflich en Trainingszentrum Köln e.V., begleiten
wohnungslose Menschen. Die Lotsen arbeiten in erster Linie aufsuchend. Sie sind räumlich
unmittelbar an das Dienstleistungszentrum ResoDienste angegliedert, so das s ein
unmittelbarer Kontakt zum Lotsen hergestellt w erden kann. Mit ihrer Unterstützung sollen
bestehende Vermittlungshemmnisse erkannt und Lösungsmöglichkeiten gefunden werden.
Die Begleitung der Kunden zu Angeboten, Behörden, zu Ärzten und in Therapie nimmt den
Klienten Unsicherheit und Scheu und stärkt das Selbsthilfepotenzial des Einzelnen. Weitere
Stabilisierung und das Entwickeln von Eigenbemühungen sind Ergebnisse aus zahlreichen
Motivationsgesprächen.
Gulliver und Lore
Die Arbeitsprojekte des Kölner Arbeitslosenzentrums KALZ e.V. richten sich an Menschen,
die meist ohne festen Wohnsitz sind und unte r multiplen Problemlagen leiden . Die
„Überlebensstation Gulliver“ ist eine Anlaufstelle für Obdachlose und fungiert als
Kommunikationszentrum. Das „Lobby-Restaurant LORE “ bietet ein Mittagessen an. Die
Kunden arbeiten im Rahmen eines Stufenmodells über 2 -4 Jahre in den
Beschäftigungsfeldern Reinigung, Hauswirtschaft, Gastronomie und im kaufmännischen
Bereich. Ziel ist die Übernahme der Kunden in ein befristetes sozialversicherungspflichtiges
Beschäftigungsverhältnis, das in den allgemeinen Arbeitsmarkt münden soll.
Zweiradwerkstatt 180°
Die Zweiradwerkstatt 180° wird in Kooperation zwischen der Aidshilfe Köln e.V. und dem
Internationalen Bund als Arbeitsprojekt geführt. Das Projekt richtet sich an die Zielgruppe der
akut Drogengebrauchenden ab 18 Jahren, die ihren Wohnort oder ihren ständigen Aufenthalt
in Köln haben und Arbeitslosengeld II beziehen. Die Zweiradwerkstatt 180° ist ein regulärer,
bei der Handwerkskammer eingetragener Zweiradbetrieb, der bewusst als offene Werkstatt
mit Kundenkontakt konzipiert ist.
Die Zielgruppe besteht aus schwerst - und akut drogenabhängigen Menschen, die durch
handwerkliche Tätigkeiten und sozialpädagogische Begleitung stabilisiert werden sollen, so
dass eine Beschäftigung er reicht werden kann. Das Projekt 180° ist hierbei das derzeit
einzige Beschäftigungs - und Qualifizierungsangebot mit dem Ansatz der akzeptierenden
Drogenarbeit. Das Arbeitsfeld einer Zweirad- bzw. Fahrradwerkstatt bietet der Zielgruppe die
Möglichkeit, ihre Arbeits- und Leistungsfähigkeit zu erproben und zu verbessern sowie
berufsbezogene Interessen und Fähigkeiten herausarbeiten zu können. Für dieses Angebot
wird ein Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein ausgestellt.
30
7. Kooperationsmodell Dorint Hotel und der Obdachlosenhilfe „Die
Brücke Berlin e.V.“
Hier ein ganz besonderes Beschäftigungsprojekt für wohnungslose Menschen . Der
Arbeitsmarkt ist für viele Wohnungslose auf direktem Wege schwer erreichbar.
Wohnungslose sind im Wettbewerb mit anderen Arbeitslosen nahezu chancenlos!
Initiiert über den Verein „Obdachlosenhilfe Die Brücke e.V.“ , kam erstmalig 2012 ein
Kooperationsprojekt mit dem Dorint Hotel zustande. Das Dorint Hotel bietet über den Einstieg
einer geringfügigen Beschäftigung die Möglichkeit, schrittweise den Einstieg ins Berufsleben
zu testen und mögliche Anschlussperspektiven (z.B. versicherungspflichtige Beschäftigung
oder Ausbildung) zu überprüfen.
Einige Wohnungslose haben in den vorangegangenen Jahren über dieses
Beschäftigungsprojekt bereits eine Chance erhalten.
Für 2018 ergeben sich folgende relevante Daten bzgl. Änderungen/ Neueinstellungen im
Projekt:
Ab dem 01.08.2018 konnten zwei Wohnungslose in einen Minijob vermittelt werden.
Erfreulicherweise bestehen eine Teilzeit und eine Vollzeitbeschäftigung seit 2017 sowie zwei
Minijobs seit 2014 unverändert fort.
31
8. Angebote für psychisch und suchtkranke Wohnungslose
Für psychische und suchtkranke Wohnungslose stellt das Gesundheitsamt nachfolgende
Angebote zur Verfügung . Diese kooperiere n bei wohnungslosen Frauen insbesondere mit
den frauenspezifischen Angeboten und Trägern.
Mobiler Medizinischer Dienst (MMD)
Der MMD des Gesundheitsamtes bietet Sprechstunden in sozialen Einrichtungen der
Drogen-, Wohnungslosen - und Jugendhilfe an. Hier arbeiten Ärztinnen, Ärzte und
Krankenschwestern, die den Menschen, die ihren Lebensmittelpunkt auf der Straße haben,
eine angemessene medizinische Grundversorgung sichern, die nicht über eine ambulante
ärztliche Versorgung durch einen niedergelassenen Arzt/Ärztin erbracht wird.
Frauen machen langjährig ca. 20% der vom MMD betreuten Patienten aus.
B.O.J.E
Die „B.O.J.E.“ – (Beratung und Orientierung für Jugendliche und junge Erwachsene) ist ein
umgebauter Linienbus, der Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus dem Kölner
Bahnhofsmilieu als niedrigschwellige Kontakt - und Anlaufstelle zur Verfügung steht. Das
Angebot leistet das Gesundheitsamt in Kooperation mit AUF ACHSE / KJSH e.V. und mit
Unterstützung durch das Amt für Soziales und Senioren.
Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter bieten vor Ort vertrauliche Beratungen zu allen
relevanten Themen an und vermitteln und begleiten in weiterführende Hilfs- und
Unterstützungsangebote.
Das „Aufsuchende Suchtclearing“ (ASC)
Das ASC im Gesundheitsamt ist ein aufsuchendes Angebot. Die Aufgabe ist es, die bisher
fehlende Anbindung der Klient/-innen zwischen dem Hilfesystem und dem Ordnungsbereich
von Polizei und Ordnungsamt herzustellen. Als Bindeglied zwischen diesen Bereichen leitet
es Klient/-Innen, für die Ordnungsma ßnahmen drohen oder die von Ordnungsmaßnahmen
bereits erfasst sind, zur Vermeidung oder zur Flankierung von repressiv orientierten
Vorgehensweisen in direkter Zusammenarbeit mit den Ordnungsinstanzen zum Hilfesystem
über. Vor diesem Hintergrund vermittelt das ASC des Gesundheitsamtes im Rahmen des
Streetwork auch obdachlose, von Wohnungslosigkeit bedrohte oder inhaftierte suchtkranke
Frauen in das bestehende Kölner Suchthilfesystem. Das Angebot des ASC wird von den
betroffenen Frauen in der Regel gut angenommen.
32
9. Statistische Grundlagen
Um die Entwicklung der Wohnungslosigkeit auf Bundes, - Landes oder auf kommunaler
Ebene darstellen zu können, wurde auf folgende statistische Erhebungen oder Erfahrungen
zurückgegriffen:
• Integrierte Wohnungsnotfallberichterstattung NRW-Kurzanalyse 2017 -2018
• Berichtswesen Fachstelle Wohnen des Amtes für Soziales, Arbeit und Senioren
• Berichtswesen des Dienstleistungszentrums ResoDienste Köln des Amtes für Soziales ,
Arbeit und Senioren
• Berichtswesen Jobcenter
33
10. Fazit
Wohnungslose Frauen benötigen spezifische Hilfen, um Kreisläufe von Abhängigkeit und
Gewalt zu durchbrechen. Häufig steht ihr Wohnungsverlust im Zusammenhang mit
Gewalterfahrungen in Partnerschaft und Familie oder mit Beziehungskonflikten. Auch
strukturelle B enachteiligungen von Frauen auf dem Arbeitsmarkt führen oft zu einer
wirtschaftlichen Abhängigkeit und erhöhen das Armutsrisiko.
Frauen bemühen sich meist über lange Zeiträume, ihre Wohnungslosigkeit verdeckt zu
halten und wenden sich erst sehr spät an das öffentliche Hilfesystem. Häufiger als Männer
sind wohnungslose Frauen von psychischen und psychosomatischen Erkrankungen
betroffen und verhalten sich psychisch auffällig. Wohnungslose Frauen sind auf der Straße
zudem nicht nur von Gewalt, sondern auch von sexueller Belästigung besonders bedroht.
Angebote in der Wohnungslosenhilfe müssen daher gezielt die Bedürfnisse wohnungsloser
Frauen in den Blick nehmen, um deren besonderen Bedarfen gerecht zu werden. Sie müssen
so konzipiert sein, dass sie die besonder en Lebenssituationen dieser Frauen
berücksichtigen.
Aufgrund der steigenden Zahlen von Wohnungslosen, insbesondere wohnungsloser Frauen
und der zunehmenden Wohnraumv erknappung, muss der Wohnungserhalt und die
Wohnraumversorgung von Frauen verstärkt in den Fokus der Wohnungslosenhilfe
genommen werden.
Dieser Herausforderung muss mit neuen und innovativen Ideen der Wohn ungslosenhilfe
begegnet werden. Die zunehmende Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum und die
steigenden Mietpreise führen vermehrt zu akuter Wohnungsnot. Das bedeutet insbesondere
für Frauen einen oft jahrelangen Verbleib in den Hilfsangeboten der Wohnungslosenhilfe ,
ohne Aussicht auf einen selbstbestimmten und eigenverantwortlichen Wohnraum.
34
11. Ausblick
Für die Folgejahre plant die Diakonie Michaelshoven e.V. in Kooperation mit dem Amt für
Soziales, Arbeit und Senioren der Stadt Köln auf dem Gelände „Sürther Feld“ in Köln- Sürth
den Neubau von Wohneinheiten. Die Planungen beinhalten den Bau von Kleinappartements
und Wohngemeinschaften als amb ulantes Wohnen für ältere und/oder pflegebedürftige
wohnungslose Frauen und Männer. Neben den sozialen Unterstützungsleistungen können
notwendige Hilfen im Rahmen der Eingliederungshilfe, Hilfe zur Pflege oder
hauswirtschaftliche Versorgung durch die Diako nie Michaelshoven e.V. auf dem
Gesamtkomplex der Liegenschaft als komplementäre Leistungen angeboten werden.
Im Rahmen des Aktionsprogrammes „Hilfen in Wohnungsnotfällen – Maßnahmen zur
Prävention und Bekämpfung von Wohnungslosigkeit“ stellt das Ministerium für Arbeit,
Gesundheit und Soziales (MAGS) des Landes NRW für die Initiierung neuer Ansätze zur
Vermeidung und Behebung von Wohnungslosigkeit Fördergelder zur Verfügung.
Die Träger SkF e.V., SKM e.V. und das Diakonische Werk haben hierzu einen
Projektentwurf für das Projekt „Viadukt“ erarbeitet, bei dem aktive Wohnraumakquise für die
Vermittlung von Wohnraum für wohnungslose Menschen durchgeführt wird. Dieser
Projektantrag wurde im Dezember 2017 vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und
Soziales bewilligt.
Das Angebot richtet sich an mietvertragsfähige wohnungslose Frauen und Männer, die
ohne Unterstützung keinen Zugang zum Wohnungsmarkt finden. Sie werden bei der Suche
nach einer eigenen Wohnung von der Erstellung eines Profils mit individuellen Wünschen
und Belastungen über die Erledigung der Formalitäten bis hin zur notwendigen Begleitung
der Eingewöhnung unterstützt.
Insgesamt wurden für das Projekt zwei Immobilienkaufleute und eine Fachkraft der
Sozialarbeit bewilligt.
Im Berichtszeitraum 2018 wurden durch das Projekt „Viadukt“ 97 Mietverhältnisse neu
geschlossen. 192 Personen konnten in Wohnraum vermittelt werden, darunter 49
alleinstehende Frauen und Männer (11 Frauen und 38 Männer), 6 Paare und vier
Wohngemeinschaften mit je zwei Bewohnerinnen und Bewohnern, 29 Alleinerziehende mit
58 minderjährigen Kindern sowie neun Familien mit 17 minderjährigen Kindern.
35
12. Anhang
Übersicht über die Beratungs - und Unterbringungsangebote für wohnungslose Frauen des
Amtes für Soziales und Senioren in Kooperation mit den Trägern der Wohlfahrtspflege:
Träger
Angebot Ambulante Begleitung für Frauen nach § 67 SGB XII
Zielgruppe Frauen in besonderen sozialen Schwierigkeiten im eigenen
Wohnraum
Platzanzahl
Adresse Albert-Schweizer-Str. 2, 50968 Köln
Telefonnummer 0221-99 56-40 60 und 0173-906 26 67
E-Mail AmBe@diakonie-michaelshoven.de
Homepage www.diakonie-michaelshoven.de
Kurzer
Jahresbericht
2018
Viele Anfragen zur Unterstützung, die der Vermittlung an andere
Angebote des Hilfesystems bedürfen. Schwerpunkt in der Arbeit :
Wohnungserhalt! (vermittelnde Gespräche mit Vermietern,
Einbeziehung Mieterverein, Unterstützung bei Möbelbeschaffung,
Klärung finanzieller Belange); Überschuldung.
36
Träger
Angebot
Elisabeth-Fry-Haus-
Stationäre Hilfe für Frauen nach § 67 SGB XII
Zielgruppe Frauen in besonderen sozialen Schwierigkeiten.
Platzanzahl 33 Plätze
Adresse Elisabeth-Fry- Haus, Albert-Schweizer-Str. 2, 50968 Köln
Telefonnummer 0221-99 56-43 00
E-Mail efh@diakonie-michaelshoven.de
Homepage www.diakonie-michaelshoven.de
Kurzer
Jahresbericht
2018
Das große Thema „Gesundheitsfürsorge“ rückt weiter stärker in den
Vordergrund. Auffallend viele Frauen sind körperlich sehr krank (z.B.
deutlich sichtbar durch gestiegene Zahl an Rollatoren im Haus!),
dem mit entsprechend verstärkter Netzwerkarbeit begegnet wird.
Hohe Verschuldung, gesetzliche Betreuung und Wohnungssuche
sind weitere Themen mit hoher Priorität. Angebote zur
Freizeitgestaltung werden als Ausgleich zu den belastenden Themen
gut angenommen!
37
Träger
Angebot Notaufnahme
Zielgruppe Frauen, auch mit Kindern in akuten psychosozialen Notsituationen
und ohne Unterkunft nach § 67 SGB XII
Platzanzahl 8 Plätze
Adresse Elisabeth-Fry- Haus, Albert-Schweizer-Str. 2, 50968 Köln
Telefonnummer 0221-99 56-43 00
E-Mail aufnahme-efh@diakonie-michaelshoven.de
Homepage www.diakonie-michaelshoven.de
Kurzer
Jahresbericht
2018
In der Notaufnahme des Elisabeth-Fry-Hauses – Übernachtung mit
Tagesaufenthalt und Sozialberatung - gab es in 2018 insgesamt
2310 Übernachtungen (inkl. Kinder: 2944). Die meist benannten
Aufnahmegründe waren „besondere soziale Schwierigkeiten“ –
28,76 %, „Häusliche Gewalt“ – 23,68 % und „ohne festen Wohnsitz“
– 31,39 %. Der hohe Prozentsatz der besonderen sozialen
Schwierigkeiten ist signifikant für die Mehrfachproblematiken der
Frauen. Signifikant angestiegen sind direkte Vermittlungen aus der
Psychiatrie – gute Anschlussmöglichkeiten sind rar.
38
Träger
Angebot Wohngruppe für Mütter mit Kindern nach § 67 SGB XII
Zielgruppe Frauen mit Kindern in besonderen sozialen Schwierigkeiten
Platzanzahl 6 Plätze für Frauen mit ihren Kindern
Adresse Diakonie Michaelshoven e.V., Die Sozialen Hilfen, Außenwohngruppe
für Frauen und Kinder
Loorweg 202, 51143 Porz-Zündorf
Telefonnummer 0221-99 56-4403
E-Mail awg-loorweg@diakonie-michaelshoven.de
Homepage www.diakonie-michaelshoven.de
Kurzer
Jahresbericht
2018
Eindeutig mehr private Anfragen von Frauen, die sich über das Netz
informiert haben. Neben den klass. Themen der 67er Hilfe verstärkt
auch Anfragen von Müttern mit einer (nicht vorrangigen)
Suchterkrankung, die z.T. durch gutes Zusammenwirken des
Hilfesystems einen positiven Verlauf genommen haben, wie z.B.
Weitervermittlung in eine stationäre Jugendhilfemaßnahme statt der
Konsequenz der Inobhutnahme. Fehlender Wohnraum und
komplexere Situationen der alleinerziehenden Mütter mit ihren
Kindern sind die Ursache für verlängerte Aufenthalte (2018: 5,3
Monate statt 2017: 3,9 Monate)
39
Träger
Angebot Der Wendepunkt-
Fachberatungsstelle nach § 67 SGB XII
Zielgruppe Frauen in besonderen sozialen Schwierigkeiten
Platzanzahl
Adresse
Kalker Hauptstr. 247-273, 51103 Köln und
Bergisch-Gladbacher Str. 71, 51063 Köln
Telefonnummer 0221-99 56-4444
E-Mail wendepunkt@diakonie-michaelshoven.de
Homepage www.diakonie-michaelshoven.de
Kurzer
Jahresbericht
2018
In der Fachberatung gemäß § 67 SGB XII „ Wendepunkt“ wurden in
2018 vor allem die Themen prekäre Wohnsituationen für Frauen und
Kinder, Räumungsklagen nach Trennung und Gewalt,
Perspektivlosigkeit und gesundheitliche Probleme behandelt. Die
Anzahl der Beratungsfälle sind erneut um 26 % gestiegen. Näheres
dazu finden Sie in unserem ausführlichen Jahresbericht 2018.
40
Träger
Angebot Diakoniehaus Salierring-
Ambulant Betreutes Wohnen nach § 67 SGB XII in
Wohngemeinschaften für Frauen und Männer-
Angebot: Wohngemeinschaft für Frauen
Zielgruppe Wohnungslose Frauen, bei denen besondere Lebensverhältnisse mit
sozialen Schwierigkeiten verbunden sind. Keine Aufnahme von
Personen mit akuten psychischen Erkrankungen sowie im akuten
Suchtprozess.
Platzanzahl 3 Plätze
Adresse Salierring 19, 50677 Köln - Die Frauenwohngemeinschaft befindet
sich in Köln- Rath
Telefonnummer 0221-276970-0
E-Mail diakoniehaus-salierring@diakonie-koeln.de
Homepage http://www.diakonie-koeln.de
Kurzer
Jahresbericht
2018
Im Jahr 2018 nutzten insgesamt drei Frauen das betreute
Wohnangebot der Frauen - Wohngemeinschaft.
Es wurden 20 Bewerbungsgespräche geführt. Die meisten
Bewerberinnen konnten aufgrund vorliegender psychiatrischer
Diagnosen nicht in die Wohngemeinschaft einziehen. Die drei
aufgenommenen Frauen, waren zwischen 44 und 57 Jahren alt.
Neben akuter Wohnungslosigkeit waren die Lebensumstände
geprägt von Gewalterfahrungen, Verschuldung, psychischen
Beeinträchtigungen und Langzeitarbeitslosigkeit.
Eine Frau konnte nach einigen Monaten eigenen Wohnraum
beziehen.
41
Träger
Angebot Notfallhilfe, Selbsthilfegruppe, Einzelfallhilfe, Patenschaften
Zielgruppe Wohnungs- und obdachlose Frauen
Platzanzahl Eine Gruppen mit max. zehn Teilnehmerinnen
Adresse Topsstr. 10a, 51063 Köln
Telefonnummer 0221-82 82 20 63
E-Mail hik-heimatlos@gmx.de
Homepage www.hik-koeln.de
Kurzer
Jahresbericht
2018
Wie auch schon im Vorjahr wurde auch 2018 das Angebot
(Einzelfallhilfe und Notfallhilfe) zunehmend nicht nur von Frauen,
sondern auch von Männern in Anspruch genommen. Die betroffenen
Männer wurden, wenn möglich, an den SKM e.V. weitervermittelt,
um dort eine Beratung zu erhalten. Grundsätzlich haben sich der
Armutsdruck und der Hilfebedarf an HiK e.V., unter wohnungslosen
Frauen und Mädchen weiter verstärkt. Es fanden wöchentliche
Selbsthilfegruppen mit bis zu ca. 10 Teilnehmerinnen statt.
42
Träger
Angebot
Wohnheim für Frauen
Zielgruppe Volljährige, wohnungslose Frauen mit und ohne Kindern
Platzanzahl Bis zu 28 Frauen mit 14 Kindern
Adresse Pallenbergstr. 24, 50737 Köln
Telefonnummer 0221- 74 68 41
E-Mail Frauenwohnheim-koeln@ib.de
Homepage www.internationaler-bund.de
Kurzer
Jahresbericht
2018
Im Berichtszeitraum 2018 wurden insgesamt 39 Frauen und 31
Kinder im Alter von 0–10 Jahren betreut, davon 22 Frauen (56,41 %)
mit Migrationshintergrund. Zunehmend erfolgte die Beratung in
Fremdsprachen (englisch, französisch, spanisch). Die mangelnden
Deutschkenntnisse machten Begleitungen zu Ämtern notwendig. Es
wurden weniger Bewohnerversammlungen zu Gunsten kleinerer
(Etagen-) Versammlungen abgehalten.
Dafür konnten 2018 verstärkt Frauen in Wohnraum vermittelt
werden. Trotzdem ist die Verweildauer einzelner Frauen in der
Einrichtung durch die Wohnungsnot in Köln nach wie vor zu lang.
Die Anzahl der psychisch- und suchterkrankten Frauen, oft ohne
Diagnose, hat zugenommen und macht eine Mit- und Zusammen-
arbeit schwierig.
Folgende Themen und Problematiken prägten die Arbeit von 2018:
- Aggressive Partner, denen Hauverbot erteilt werden musste.
- Aggressive Bewohnerin, wodurch der Einsatz von Security
Kräften notwendig wurde.
- Zusätzlich zu Trennungsproblematiken, Überschuldung,
Erziehungsproblemen, etc. kam eine Vermüllungsproblematik
bei einzelnen Bewohnerinnen hinzu.
Immer mehr Zulauf bekam das Angebot „Café Freitag“, ein offenes
wöchentliches Gesprächs- und Freizeitangebot für Frauen mit und
ohne Kinder.
43
Träger
Angebot Aufbruch-
Ambulante Begleitung wohnungsloser Frauen nach § 67 SGB XII
Zielgruppe Wohnungslose und von Wohnungslosigkeit bedrohte Frauen
Platzanzahl
Adresse Mauritiussteinweg 77-79, 50676 Köln
Telefonnummer 0221-12 69 50
E-Mail aufbruch@skf-koeln.de
Homepage www.skf-koeln.de
Kurzer
Jahresbericht
2018
Im Jahr 2018 wurden insgesamt 65 (53)6 Frauen durch „Aufbruch“
begleitet und betreut. 38 (26) Betreuungen wurden beendet.
Zur Aufnahme in die Begleitung von Aufbruch gab es 69 (58)
Anfragen, darunter von neun Frauen, die als Selbstmelderinnen
kamen.
Von den 69 Neuanfragen wurden 38 Frauen bei „Aufbruch“
aufgenommen.
6 Zahl in Klammern aus dem Jahr 2017
44
Träger
Angebot Bewo 67- Ambulante Hilfen zum selbstständigen Wohnen für Frauen
nach § 67 SGB XII
Zielgruppe Wohnungslose oder von Wohnungslosigkeit bedrohte Frauen
Platzanzahl
Adresse Mauritiussteinweg 77-79, 50676 Köln
Telefonnummer 0221-12 69 50
E-Mail bewo@skf-koeln.de
Homepage www.skf-koeln.de
Kurzer
Jahresbericht
2018
Im Jahr 2018 wurden insgesamt 24 (21) Frauen durch BeWo 67
beraten und längerfristig begleitet.
2018 gab es 29 (24) Neuanfragen von Frauen, die in das Betreute
Wohnen aufgenommen werden wollten. Tatsächlich aufgenommen
wurden nach der Klärungsphase 8 (6) Frauen.
Bei 10 (10) Frauen kam es über diese erste Anfrage hinaus zu
keinem weiteren Kontakt. Bei 19 (14) Frauen kam es zu einem
ausführlichen Erstgespräch.
Daraufhin konnten sich 8 (11) Frauen für eine Unterstützung durch
ambulante Hilfen zum selbständigen Wohnen entscheiden. Davon
wurden 5 (3) Frauen im „Haus Mer“ und 3 (1) Frauen in der WG
Georgstraße aufgenommen.
In 7 (3) Fällen musste die Aufnahme abgelehnt werden, weil eine
massive psychische Erkrankung bzw. eine Suchterkrankung der
Aufnahme entgegenstand. 6 (2) Bewerberinnen haben sich nach
dem Erstgespräch nicht mehr gemeldet.
45
Träger
Angebot Comeback- Notschlafstelle
Zielgruppe Wohnungslose Frauen, Tiere erlaubt
Platzanzahl 9 Plätze
Adresse Mauritiussteinweg 77, 50676 Köln
Telefonnummer 0221-12 69 5-210
E-Mail comeback@skf-koeln.de
Homepage www.skf-koeln.de
Kurzer
Jahresbericht
2018
Im Comeback gab es im Jahr 2018 bei 161 (167) Besucherinnen
3.507 (3.279) Übernachtungen. Im Rahmen der Winterhilfe wurde
das Platzangebot um zwei Plätze aufgestockt. Im Rahmen der
Winterhilfe wurden 162 Übernachtungen angenommen.
46
Träger
Angebot Café Auszeit I
Kontakt- und Beratungsstelle nach § 67 SGB XII
Zielgruppe Wohnungslose Frauen und von Wohnungslosigkeit bedrohte Frauen
Platzanzahl
Adresse Mauritiussteinweg 77, 50676 Köln
Telefonnummer 0221-12 69 5-310
E-Mail cafe-auszeit@skf-koeln.de
Homepage www.skf-koeln.de
Kurzer
Jahresbericht
2018
2018 verzeichnete das „Café Auszeit“, darunter nutzten 375 (395)
Erstbesucherinnen.
Insgesamt kam es zu 1.477 persönlichen Beratungskontakten.
47
Träger
Angebot Café Auszeit II
Kontakt- und Beratungsstelle nach § 67 SGB XII
Zielgruppe Wohnungslose Frauen und von Wohnungslosigkeit bedrohte Frauen
Platzanzahl
Adresse Neue Adresse ab 2018:
An der Fuhr 3, 50997 Köln
Telefonnummer 02232 -14 82 92
E-Mail cafe-auszeit2@skf-koeln.de
Homepage www.skf-koeln.de
Kurzer
Jahresbericht
2018
Nach dem Umzug an den „Kölnberg“ im Sommer 2018 hatte das „Café
Auszeit - Zwei“ 70 Erstbesucherinnen, zu denen es 427 persönliche
Kontakte gab. Die Zahlen sind mit denen der Vorjahre nicht zu
vergleichen, wei l das Angebot auf dem „Kölnberg“ erst bekannt
gemacht werden musste, während das „Café Auszeit – Schäl Sick“
am alten Standort in Mülheim mit den dort bestehenden
sozialräumlichen Strukturen eng vernetzt war.
48
Träger
Angebot „Krieler Dom“/ab 2019 „Haus Zwischen.Zeit“
Zielgruppe Betreute Notunterbringung, in die Frauen zur Vermeidung von
Obdachlosigkeit nach §§ 14 und 17 OBG aufgenommen werden
Platzanzahl 25
Adresse
Gleueler Straße 262-268
50931 Köln
Ab 2019
Haus Zwischen.Zeit
Betreute Unterkunft für Frauen
Schmiedegasse 58a
50735 Köln
Tel. 0221 12695 - 6702 (Sozialarbeit, tagsüber)
Fax 0221 12695 - 194
Telefonnummer Tel. 0151-67332281
E-Mail haus.zwischenzeit@skf-koeln.de
Homepage www.skf-koeln.de
Kurzer
Jahresbericht
2018
Der Krieler Dom eröffnete am 18. Dezember 2017. Die hier
angegebenen Zahlen beziehen sich auf die Zeit der Eröffnung bis
zum 31.12.2018.
In diesem Zeitraum wurden insgesamt 34 Frauen durch die Stadt
Köln im Krieler Dom untergebracht.
Davon wurden 14 Frauen bereits 2017 aufgenommen, 20 weitere
Aufnahmen erfolgten 2018. Damit hatte die OBG eine unterjährige
Auslastung von 90,66%.12 Frauen sind im Berichtszeitraum
ausgezogen, eine Frau ist in der OBG verstorben.
49
Träger
Angebot Quartier 67- Wohnangebot
Zielgruppe Ältere, wohnungslose und wohnfähige Frauen
Platzanzahl 3 Plätze
Adresse Mauritiussteinweg 77-79, 50676 Köln
Telefonnummer 0221- 12 69 50
E-Mail seniora@skf-koeln.de
Homepage www.skf-koeln.de
Kurzer
Jahresbericht
2018
Der SkF hält in Quartier 67 insgesamt 6 Appartements vor.
3 werden an mietvertragsfähige Frauen mit eigenem Mietvertag
vermietet. 2 Appartements werden durch „Sen[i]ora“ über BeWo67
belegt. Eine weitere Wohnung wird flexibel nach Bedarf belegt.
50
Träger
Angebot
Seniora - Ambulante Begleitung und betreutes Wohnen von
wohnungslosen Seniorinnen sowie Frauen die vor d er Zeit alt
geworden sind gem. 67 SGB XII
Zielgruppe
Wohnungslose und von Wohnungslosigkeit bedrohte ältere oder
vorgealterte Frauen, die zudem psychisch auffällig/krank und in der
Regel nicht krankheitseinsichtig sind.
Platzanzahl
Adresse Mauritiussteinweg 77-79, 50676 Köln
Telefonnummer 0221- 12 69 50
E-Mail seniora@skf-koeln.de
Homepage www.skf-koeln.de
Kurzer
Jahresbericht
2018
Im Jahr 2018 wurden 11 (8)7Frauen durch die Mitarbeiterinnen von
„Sen[i]ora“ begleitet, davon wurden 3 (1) neue Klientinnen im Jahr
durch einen Betreuungsverein sowie durch eine
Seniorenberatungsstelle und Café Auszeit vermittelt.
7 Zahlen in der Klammer beziehen sich auf das Jahr 2017
51
Träger
Angebot Respekt-
Ambulante Begleitung wohnungsloser Frauen nach § 67 SGB XII
Zielgruppe Wohnungslose Frauen, die psychisch auffällig/ krank und n icht
krankheitseinsichtig sind
Platzanzahl
Adresse Mauritiussteinweg 77-79, 50676 Köln
Telefonnummer 0221- 12 69 50
E-Mail respekt@skf-koeln.de
Homepage www.skf-koeln.de
Kurzer
Jahresbericht
2018
Im Jahr 2018 wurden insgesamt 21 (21) Frauen durch die
Mitarbeiterinnen von „Respekt“ intensiv begleitet und betreut.
7 Frauen wurden neu in die Begleitung durch „Respekt“
aufgenommen.
52
Träger
Angebot
Haus Rosalie
Betreutes Wohnen und Notaufnahme
Zielgruppe Frauen und Mütter mit Kindern in akuter Notlage gem. § 67 SGB XII
Platzanzahl 7 Plätze im Betreuten Wohnen; 3 Plätze Notaufnahme
Adresse Gocher Str. 45, 50733 Köln
Telefonnummer 0221- 97 30 88 88
E-Mail haus-rosalie@vinzentinerinnen.de
Homepage www.vinzentinerinnen.de
Kurzer
Jahresbericht
2018
Im Berichtszeitraum 2018 wurden insgesamt 23 Klientinnen betreut
(Notunterkunft: 15 Frauen, Betreutes Wohnen: 8 Frauen).
Im Betreuten Wohnen gab es in 2018 weniger Fluktuation als in
2017; es gab zwei Neuaufnahmen und drei Auszüge; zwei
Klientinnen haben gemeinsam eine (große) Wohnung bezogen, eine
Klientin verließ kurzfristig und ohne Angaben Haus Rosalie.
Die Klientinnen waren zwischen 21 und 66 Jahre alt; die Aufenthalts-
dauer in unserer Einrichtung lag in der Regel zwischen einem Tag
und 33 Monaten (im Durchschnitt im Betreuten Wohnen 17 Monate,
und in der Notaufnahme durchschnittlich zwei Monate).
Ende 2018 hatten wir mehrere Klientinnen in der Notaufnahme, die
psychisch sehr auffallend waren; hier kam es zu massiven (verbalen)
Auseinandersetzungen zwischen den Bewohnerinnen und Sach-
schaden in unserer Einrichtung.
Das Thema Wohnungssuche ist weiterhin sehr problematisch und
stellt eine große Belastung mit einem hohen Frustrationspotential für
unsere Klientinnen dar.
Mitteilung Ausschuss
1908 Zeichen
Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle V/502/7 Vorlagen-Nummer 18.11.2019 3880/2019 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Ausschuss Soziales und Senioren 21.11.2019 Mitteilung zum Bericht zur Situation wohnungloser und von Wohnungslosigkeit bedrohter Frauen in der Stadt Köln Der Bericht zur Situation wohnungsloser und von Wohnungslosigkeit bedrohter Frauen in der Stadt Köln wurde für das Berichtsjahr 2018 aktualisiert. Der Bericht enthält seit der ersten Ausgabe im Jahr 2015 eine umfassende Darstellung der Umstände und Hintergründe der Wohnungslosigkeit von Frauen und benennt frauentypische, familiäre, persönli- che, gesundheitliche oder auch altersbezogene Lebenslagen von Frauen, die wohnungslos oder von Wohnungslosigkeit bedroht sind. Aufgrund der jährlichen Aktualisierung bietet der Bericht eine Grundlage, das Hilfesystem für die spe- zielle Bedarfsgruppe der wohnungslosen Frauen in Köln zu analysieren, die bestehenden Hilfsange- bote zukunftsfähig anzupassen und neue Bedarfslagen zu erkennen. Zur Erstellung des Berichts hat die Verwaltung die relevanten Akteure über einen Beirat eingebunden und den Entwurf in der Herbst- sitzung 2019 der Stadtarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenpolitik vorberaten. Die statistischen Daten basieren auf der Wohnungsnotfallberichtserstattung NRW, in die die Daten der kommunal und ordnungsbehördlich untergebrachten Menschen und die von Trägern der Woh- nungslosenhilfe betreuten Menschen einfließen. Seit 2017 liegen auch spezifische Daten für Köln vor, so dass seitdem im Bericht die Zahlen von NRW und Köln nebeneinander dargestellt werden können. Im neuen Berichtsjahr wird zusätzlich zum Thema „Gewalt an Frauen“ über von Gewalt betroffene Frauen im anonymen Frauenhaus und in diesem Zusammenhang über die seit dem 01.Februar 2018 in Kraft getretene Istanbul-Konvention berichtet. Gez. Dr. Rau
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: zurückgestellt
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 3880/2019
- Typ
- Mitteilung Ausschuss
- Datum
- 18.11.2019
- Erstellt
- 07.11.2019 10:41