SV-2011/0048
Antrag der FDP-Fraktion vom Dr. Julius-Landsberger-Platz
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SV-2011/0048
3034 Zeichen
Vorlage-Nr. SV-2011/0048
Stadtverordneten-Fraktion Darmstadt
FDP Stadtverordnetenfraktion Darmstadt Rheinstr. 22 64283 Darmstadt
Darmstadt, 26.08.2011
Antrag
Die Stadtverordnetenversammlung möge beschließen:
(1) Den Platz vor der städtischen Gedenkstätte Erinnerungsort Liberale Synagoge Darmstadt,
unmittelbar vor dem “Garten der Erinnerung” und der Menora von Helmut Lortz, nach dem
ersten Rabbiner der Liberalen Synagoge in Dr. Julius-Landsberger-Platz zu benennen.
(2) Die Stadtverordnetenversammlung sieht in der Umbenennung des Platzes in Dr. Julius
Landsberger-Platz einen wichtigen Beitrag gegen das Vergessen und für Erinnerungsarbeit
als dauernde Aufgabe der Darmstädter Stadtgesellschaft an. Der Platz soll künftige
Generationen auch daran erinnern, welchen Verlust die Vernichtung der deutsch-jüdischen
Kultur für unser Land bis heute bedeutet. Zukunft braucht Erinnerung – dieses Credo steht
Darmstadt auch und gerade im 21. Jahrhundert gut zu Gesicht.
(3) Da die Liberale Synagoge Darmstadt Friedrichstraße, deren Überreste im Oktober 2003 bei
Bauarbeiten wieder zum Vorschein kamen und seit dem 9. November 2009 im städtischen
Erinnerungsort öffentlich auf dem Klinikumsgelände und unweit der Bleichstraße, zugänglich
sind, in diesem Jahr 2011 ihr 135. Bestehen feiert, möge die Einweihung des neuen
Darmstädter Dr. Julius-Landsberger-Platzes und die Enthüllung eines Platz-Schildes am 9.
November 2011, am Jahrestag des Gedenkens an die Reichspogromnacht von 1938 erfolgen,
als auch in unserer Stadt die jüdischen Gotteshäuser brannten.
1
Begründung
Darmstadt war bis 1933 eine Hochburg des Liberalen Reformjudentums. Der erste Rabbiner der
Liberalen Synagoge Friedrichstraße, Dr. Julius Landsberger (1819-1890), prägte als Landesrabbiner
der Provinz Starkenburg in Darmstadt von April 1859 bis 1888 eine fast dreißig Jahre währende lange
Ära. Als Großherzog Ludwig III. 1877 starb, hielt er eine in der Darmstädter Stadtgesellschaft damals
viel beachtete Trauerrede. Julius Landsberger war überdies als deutscher Jude ein reichsweit
angesehener Orientalist, der fließend Arabisch sprach, zahlreiche Bücher zur Orientalistik
veröffentlichte und eine Fülle arabischer Märchen und Fabeln übersetzte. Der Darmstädter Rabbiner
Landsberger galt zeitlebens als ebenso charismatischer wie weltoffener Redner und Prediger, ganz
der liberalen Aufklärung Moses Mendelssohns verpflichtet. Der Wunsch den kleinen Platz vor dem
Garten der Erinnerungskultur und der städtischen Gedenkstätte Liberale Synagoge Darmstadt, nach
dieser bedeutenden Persönlichkeit des liberalen Darmstädter Reformjudentums zu benennen, wurde
bereits von dem überparteilichen Förderverein Liberale Synagoge Darmstadt e. V. geäußert.
Weitere Begründung erfolgt mündlich.
Sandra Klein Leif Blum, MdL
Fraktionsvorsitzende Stadtverordneter
Beratungsverlauf (1)
Orte (3)
- Rheinstraße 22
- Bleichstraße
- Friedrichstraße
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Details
- Vorlagen-Nr.
- SV-2011/0048
- Typ
- Antrag
- Datum
- 30.08.2011
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00