2011/0119
Bund-Länder-Programm 'Soziale 'Stadt' - Kranichstein Rahmenplanung öffentlicher Raum
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anlage 1
46644 Zeichen
Rahmenplanung Öffentlicher Raum
‚Soziale Stadt‘
Darmstadt Kranichstein
Dokumentation
Wissenschaftsstadt Darmstadt Stadtplanungsamt
Rahmenplanung Öffentlicher Raum 2010
‚Soziale Stadt‘ Darmstadt Kranichstein
Rahmenplanung Öffentlicher Raum
Auftraggeber
Wissenschaftsstadt Darmstadt
Dezernat VI
Stadtrat Dipl.-Ing. Wenzel
Bessungerstraße 125
64295 Darmstadt
Auftragnehmer
TDB Landschaftsarchitektur
Thomanek Duquesnoy Boemans
Hauptstraße 23-24
10827 Berlin
Tel +49 (0)30-611 22 18
Fax +49 (0)30-611 26 86
Email buero@tdb-berlin.de
www.tdb-berlin.de
Bearbeiter
Dipl.-Ing. Eva-Maria Boemans
Dipl.-Ing. Karl Thomanek
Dipl.-Ing. Kirsten Knieper
Koordination
Freischlad + Holz
Planung und Architektur
Spreestraße 3a
64295 Darmstadt
Tel +49 (0)6151-33131
Fax +49 (0)6151-33132
Email of fi ce@freischlad-holz.de
Dezember 2010
‚Soziale Stadt‘ Darmstadt Kranichstein
Rahmenplanung Öffentlicher Raum 2010
‚Soziale Stadt‘ Darmstadt Kranichstein
Vorwort 5
1 Gutachterverfahren TDB 2009 6
1.1 Gesamtplan 2. Workshop 7
1.2 Textliche Erläuterungen 8
1.3 Empfehlung Jury und Auswertung der Bürgervoten 9
2 Aufgabestellung Rahmenplan 10
2.1 Bereich Bartningstraße 12
2.1.1 Variante 1 ‚Boulevard‘ 14
2.1.2 Variante 2 ‚Anger‘ 15
2.1.3 Variante 3 ‚Stadtplatz‘ 16
2.1.4 Variante 4 ‚Stadttheater‘ 17
2.1.5 Variante 5 ‚Markt‘ 18
2.2 Postareal 20
2.2.1 Variante 1 ‚Grüne Inseln‘ 22
2.2.2 Variante 2 ‚Grünes Raster‘ 23
2.3 Seenkette 24
2.3.1 Brentanosee 25
2.3.2 Erich-Kästner-See 26
2.3.3 Lageplan Seenkette 28
2.4 Stadteingang West 30
2.4.1 Variante 1 ‚Kranich‘ 31
2.4.2 Variante 2 ‚Palette‘ 32
2.4.3 Variante 3 ‚Maß und Form‘ 33
2.5 Kreuzungsbereich EKZ 34
2.6 Skaterparcour 37
3 Gesamtplan Rahmenplanung 38
Inhalt
Rahmenplanung Öffentlicher Raum
Die vorliegende Dokumentation beinhaltet die Rahmenpla-
nung der öffentlichen Räume in Darmstadt-Kranichstein als
Weiterentwicklung des 1. Preises vom Landschaftsarchite-
kurbüro TDB Berlin aus dem Gutachterverfahren ‚Leitbild öf-
fentlicher Raum 2009‘. Die Rahmenplanung mit zahlreichen
Varianten zu vier Bearbeitungsbereichen berücksichtigt die
seinerzeit von den Obergutachtern getroffenen Empfehlungen
und Anregungen aus der Bevölkerung nach der öffentlichen
Präsentation aller Arbeiten des Gutachterverfahrens.
Zu Beginn der Broschüre wird kurz als Ergebnis des Gutach-
terverfahrens der Gesamtplan von 2009 in Erinnerung geru-
fen. Es folgen textlich, planerisch und bildlich die Darstellung
der Varianten zu den Bereichen Bartningstraße, Seenkette,
Stadteingang West und Kreuzungsbereich am Einkaufszen-
trum. Informell wird der Skaterparcour aufgeführt und ab-
schliessend ein Gesamtplan, der eigentliche Rahmenplan mit
den favorisierten Lösungen für die Teilbereiche.
Die einzelnen Bereiche werden von Bestandsfotos eingeleitet,
um die derzeitige Situation in Erinnerung zu rufen. Da sich
die Broschüre an Ortskundige wendet, wird der Bestand bis
auf die Situation am EKZ nicht erläutert. Dieser Bereich wurde
während des Planungsprozesses von den Bürgern als prob-
lematisch benannt und daher als zusätzlicher Bearbeitungs-
schwerpunkt in die Broschüre aufgenommen.
Während der Bearbeitungsphase wurden die verschiedenen
Varianten unter der Moderation des koordinierenden Büros
Freischlad + Holz mit den Planungsbeteiligten der Stadt sowie
den Arbeitsgruppen und Initiativen aus dem Stadtteil disku-
tiert, so dass die Rahmenplanung als weitestgehend abge-
stimmt gelten kann.
In seiner planerischen Verbindlichkeit hinsichtlich Grund-
stücksgrenzen, Standorte vorhandener Bäume, aktueller Ge-
bäudebestand sowie Trassenführung und –breiten (Straßen,
Gehwege und Straßenbahn) weist der Rahmenplan eine hohe
Genauigkeit auf. Hinsichtlich seiner gestalterischen Aussagen
bietet er bei der Material- und Pfl anzenverwendung sowie De-
taillierung in der Realisierungsphase genügend Freiheiten, um
in Alternativvorschlägen unter Berücksichtigung des Kosten-
rahmens Lösungen zu fi nden, die dem in der Rahmenplanung
formulierten hohen Qualitätsanspruch adäquat sind.
Die Broschüre enthält keine baugeschichtlichen Herleitun-
gen, keine soziologischen und demografi schen Analysen und
keine Bestandsaufnahmen zu Bau- und Freiraumsubstanz in
Darmstadt-Kranichstein. Dies alles ist in zahlreichen und um-
fassenden Untersuchungen in den letzten Jahren vom Büro
Freischlad + Holz geleistet worden. Dankbar haben wir bei der
Formulierung unserer planerischen Überlegungen während
der Gutachten- und Rahmenplanphase auf dieses Material
zurückgegriffen.
Berlin, Dezember 2010
Vorwort
5
‚Soziale Stadt‘ Darmstadt Kranichstein
6
Die in der Nachkriegsplanung gewollte und ideologisch be-
gründete Beziehungslosigkeit zwischen historischem Stadt-
kern und städtebaulichem Satellit soll aufgehoben werden.
Maßstäblichkeit und Proportionalität von Stadträumen und
Plätzen aus der Kernstadt schaffen identifi zierbare Orte im
Stadtteil und stärken das gesamtstädtische Gefüge.
Der Ortsteil wird nicht fl ächendeckend überplant, sondern
signifi kante Strukturen an relevanten Orten differenzieren
das Erscheinungsbild der öffentlichen Räume.
‚Sensibilität und Stärke‘ kennzeichnen die planerische He-
rangehensweise, sensibel in der Größe und Auswahl der
geplanten Maßnahmen und ihrer Relation zu dem land-
schaftlichen, offenen Städtebau der 60er Jahre, stark im
Gestus der einzelnen Entwurfsbereiche. Nicht die Überfor-
mung, sondern die als heutiger Eingriff erkennbare Inter-
vention bewahrt die einzelnen zeitgeschichtlichen Phasen
der städtebaulichen Entwicklung Kranichsteins. Die Maß-
nahmen selbst müssen neue stadträumliche Qualitäten mit
klaren Konturen beinhalten, die Akzente setzen und dem
Stadtteil Gesicht verleihen.
Neue Nutzungsmöglichkeiten gehen über die Bedürfnisse
des Stadtteils hinaus und bieten für spezi fi sche Gruppen
Aktivitäten an, die Kranichstein innerhalb der Gesamtstadt
ein Alleinstellungsmerkmal verschaffen.
Die Internationalität des Stadtteils wird als Chance begrif-
fen, da sich dieser Aspekt zukünftig verstärken wird. Die
von Beginn an gewollte städtebauliche Modellhaftigkeit
Kranichsteins fi ndet gegenwärtig auf der gesellschaftlichen
Ebene in einer modellhaften Jugendarbeit ihre Ergänzung.
Der Diversität der Bewohnerschaft und ihrer unterschiedli-
chen Kommunikationsweisen muß in der räumlichen Ge-
staltung Rechnung getragen werden. Die Gegebenheiten
Kranichsteins - begrenzte Einwohnerzahl, geringe kommer-
zielle und kulturelle Optionen - erfordern keine Streuung,
sondern eine Bündelung von gestalterischen Maßnahmen
und Interaktionsräumen, um urbane Qualität zu erzeugen.
Der dem Rahmenplan zugrundeliegende Beitrag des Büros
TDB aus dem Gutachterverfahren beruhte auf folgenden Prä-
missen:
Gutachterverfahren
TDB 2009
1
Rahmenplanung Öffentlicher Raum
7
Gutachterverfahren
Gesamtlageplan
1.1
‚Soziale Stadt‘ Darmstadt Kranichstein
In der entwurfl ichen Bearbeitung der ausgelobten Orte in Kra-
nichstein haben sich die Prämissen in folgender Weise nieder-
geschlagen:
8
Gutachterverfahren
Textliche Erläuterungen
1.2
Das Einkaufszentrum im Norden und das Zentrum Fasa-
nerie im Süden bilden die Endpunkte eines breiten, städti-
schen Gehweges längs der westlichen Hochhausscheibe
und eröffnen den dortigen Erdgeschosszonen neue Ent-
wicklungsmöglichkeiten (Arztpraxen, Physiotherapeuti-
sche Einrichtungen, Kanzleien, Versicherungsbüros etc.).
Sämtliche vorhandenen Stellplätze sind als Parkbuchten
rechtwinkelig zur Bartningstraße angeordnet und eröffnen
zahlreiche Querungen. In die Brentanoanlage verlängert
sich der Gehweg in parkverträglicher Weise bis zum Café
Chillmo. Nördlich des Einkaufszentrums wird der Bereich
bis zum Auenwald durch eine Promenade mit Außengast-
ronomie arrondiert, so dass zum zentralen Park ein städti-
scher Abschluß formuliert wird. Östlich der Bartningstraße
parallel zur Straßenbahntrasse führt ein von einer Baumrei-
he begleiteter Gehweg direkt von Süden nach Norden zum
Einkaufzentrum. Der dichte Baumbewuchs in diesem Teil
wird ausgelichtet und neue, kreisförmige, kommunikative
Spielfl ächen an Stelle der alten angelegt.
Die ‚Neue Mitte’ erstreckt sich als einheitliche Platzfl äche
von Ost nach West zwischen den Hochhausscheiben. Die
Verkehre begegnen sich wie auf dem Luisenplatz im Zent-
rum Darmstadts auf einer Ebene. Der Platz bekommt durch
ein hoch aufgeständertes Dach im Norden und eine Leuch-
tenreihe im Süden klare Konturen. Die verschiedene Wich-
tung der nördlichen und südlichen Platzkanten verleiht dem
Platz einen klaren Gestus ohne durch Axialität und Sym-
metrie das ursprüngliche Konzept zu konterkarieren. Die
bislang ausschließlich in Nord-Süd-Richtung gedachte Be-
wegung auf der Bartningstraße erhält durch die Anlage des
Platzes eine allseitige Begehbarkeit. Unterschiedliche Nut-
zungsschwerpunkte für Jugendliche (Skaterbahn) sowie
Pfl anzfl ächen mit Sitzbereichen, Fontänen, Cafékiosk und
Marktfl äche für Erwachsene strukturieren die ‚Neue Mitte’.
In Fortsetzung der Bartningstraße nach Norden wird der
aus dem ursprünglichen Städtebau resultierende und als
Platz unkenntliche Bereich jenseits der Seen vor den dorti-
gen Forschungseinrichtungen in seiner Form durch Baum-
reihen aufgewertet.
Eingänge und Kranichsteiner Straße
Die Gestaltung von geometrischen Plätzen mit einem re-
gelmäßigen Raster aus Leuchtstelen an den Ortseingän-
gen von Kranichstein verdeutlicht das Prinzip der gestal-
terischen Interventionen aus dem Geist der Darmstädter
Baugeschichte und kennzeichnet Kranichstein als Darm-
stadt zugehörig und das Schloß als wichtigste kulturelle
Einrichtung des Stadtteils. Die Plätze -punktuelle Auftakte
zum Ortsteil- sind als Trittsteine zum Schloß von Darmstadt
kommend zu verstehen.
Der Entwurf schlägt für die Kranichsteiner Straße vor, die
Gehwege wie in einem städtischen Straßenpro fi l unmittel-
bar an die Fahrbahn zu legen und den Mittelstreifen von un-
übersichtlichem Gehölz zu befreien. Dadurch entsteht eine
hohe Übersichtlichkeit für die Autofahrer. Entscheidender
als die straßenbegleitenden Ost-West-Gehwege erschei-
nen die drei Querungsmöglichkeiten in Nord-Süd-Richtung
zu den Versorgungseinrichtungen und den Schulen des
Stadtteils. Die Querungen sind auffällig im Straßen-pro fi l
markiert. Die Unterführung am Meißnerweg wird zugunsten
eines Überganges aufgehoben.
Im Norden an der Bahntrasse wird der völlig vernachläs-
sigte Bahnsteig Kranichstein durch einen wechselnden
Rhythmus von Leuchtstelen und Baumgruppen mit gelei-
teten Platanen (Mathildenhöhe) unter denen Stellplätze an-
geordnet sind, zu einem Ortsentreé und einem –auftakt für
Reisende aufgewertet.
Die ‚Neue Mitte’ und Bartningstraße
Aus stadträumlichen Gründen wird die ‚Neue Mitte’ von
Kranichstein nicht am Einkaufszentrum am See, sondern
zwischen den Hochhausscheiben an der Bartningstras-
se verortet. Hier besteht die Chance, einen städtischen
Raum mit typischen Aufenthaltsqualitäten zu entwickeln.
Die ‚Neue Mitte‘, Perspektive Gutachterverfahren
Rahmenplanung Öffentlicher Raum
9
Gutachterverfahren
Textliche Erläuterungen
1.2
Das zentrale Parkband – Orte an den Seen
Das gleichförmige Parkband wird in drei differenzierte Be-
reiche unterteilt, in denen das Wasser das bestimmende
Thema ist. Neben dem offenen Parksee, der von allen Sei-
ten einsehbar sein soll und dessen Uferbereiche gelich-
tet werden müssen, existiert die tiefer liegende, undurch-
dringliche Ruthsenbachaue, die über einen Brückensteg
eine Verbindung zwischen den beiden Kästner-Schulen
schafft. Als drittes wird der Waldsee an der Erich-Kästner-
Grundschule in seiner geheimnisvollen Abgeschlossenheit
gestärkt. Am Parksee erhält das Deck des Café Chillmo
ein Gegenüber am Gemeindezentrum als Wassergarten.
Dieser entspricht in Größe und Ausrichtung dem Cafè. Ein
Wasserspielplatz im westlichen Uferbereich greift ebenfalls
diese Ausrichtung auf, so dass die drei Elemente als Takte
am Ufer des Parksees diesem ein spezielles landschafts-
räumliches und inhaltliches Gewicht verleihen, eine offene
Raumfi gur bilden und angemessen in der Landschaft re-
agieren. Die Bepfl anzung wird auch hier so weit zurückge-
nommen, dass die Gebäude der beiden Kirchengemeinden
vom Café Chillmo wahrgenommen werden. Die Wendel-
stadtanlage wird durch den Steg über der Aue und einem
Weg durch die Siedlung direkt mit dem Waldgebiet der Fa-
sanerie verbunden. Nach Osten wird das Thema durch den
mit Seerosen bewachsenen Waldsee abgeschlossen. Er ist
von hölzernen Terrassen erlabbar, die von einem Rundweg
durch die dicht bewachsenen Ufer erreicht werden. Die
Weite des Sees eröffnet sich über die Points de vues erst
vom Wasser. Kranichstein erhält Wasser fl ächen, die von
Extro- bis Introvertiertheit ein breites Nutzungs- und Wahr-
nehmungsspektrum anbieten.
Inline-Parcours und Brachfl äche
Drei Inline-Parcours von unterschiedlicher Länge führen
durch verschiedene Quartiere von Kranichstein. Sie verbin-
den die für Jugendliche wichtigen Orte der Siedlung wie die
Schule, das Gemeindezentrum, das Schlepperprüffeld und
die Kickboxsporthalle. Von Darmstadt können diese Par-
cours über die Fahrradwege oder gezielt mit der Straßen-
bahn erreicht werden. Gemeinsam ist allen drei Strecken,
dass sie durch die ‚Neue Mitte’ führen und entscheidend zu
ihrer Belebung beitragen werden.
Die Brachfl äche westlich der Hochhausscheibe an der Bart-
ningstraße wird unaufwändig aber charakteristisch markiert.
Die Gestaltung greift die Ausrichtung der Grundstücksgren-
zen auf und legt eine orthogonale Ordnung über die Fläche.
Einzelsegmente werden mit Schilfgras bep fl anzt, schaffen
Bewegung auf der Fläche, während der überwiegende Teil
des Brachlandes als große Drachenwiese genutzt werden
kann. Ein alljährliches Drachenfestival bietet die Möglich-
keit zu einem gesamtstädtischen Ereignis zu werden.
Juryempfehlungen und Auswertung der Bürgervoten
Das Gutachterverfahren endete seitens der Jury mit folgen-
den Empfehlungen für das weitere Vorgehen:
Das Konzept des Büro TDB wird als Leitbild der weiteren
Gestaltung des öffentlichen Raums zugrundegelegt.
Das Büro wird mit der Umsetzung von Einzelprojekten
und der Beratung der Gesamtentwicklung des öffentlichen
Raums betraut.
In der weiteren Bearbeitung des Konzeptes sind Aspekte
wie Größe und Gestaltung des Platzes zu überprüfen.
Gestaltungsvorschläge anderer Planungsbüros aus dem
Gutachterverfahren zur Gestaltung des Posthofs und den
Quartiersübergängen sind in die weiteren Überlegungen
einzubeziehen.
Für das weitere Verfahren sind strategische Bündnispart-
ner zur Umsetzung des Leitbildes zu suchen.
Gutachterverfahren
Juryempfehlungen
1.3
‚Soziale Stadt‘ Darmstadt Kranichstein
10
Aus den Empfehlungen der Jury und der Notwendigkeit vor-
handene fi nanzielle Mittel für den Umbau des öffentliches
Raumes in Darmstadt-Kranichstein möglichst zeitnah aus-
zugeben, wird eine Rahmenplanung beauftragt, die die Mög-
lichkeit bietet, bei der Konkretisierung der Ergebnisse des
Gutachterverfahrens die in zahlreichen Arbeitsgruppen en-
gagierten Bürger in das Verfahren einzubinden. Dabei haben
sich zwischenzeitlich die Positionen einzelner Grundeigentü-
mer geklärt, ohne deren Bereitwilligkeit sich die Planungen für
die ‚Neue Mitte‘ an der Bartningstraße nicht umsetzen lassen.
Ebenso ist nach einer Grobkostenschätzung aller Maßnah-
men aus dem Gutachterverfahren deutlich geworden, dass
deren Umsetzung die vorhandenen Mittel bei Weitem über-
steigt. Andere Vorschläge, wie ein Rundweg um den Erich-
Kästner-See, sind auf Grund der Bodenverhältnisse sowie
der intensiven Durchwurzelung der Uferbereich ohne massive
Eingriffe in die Vegetation nicht durchführbar.
Diese Einschränkungen führen zu einer Verkleinerung des
Bearbeitungsfl äche des Rahmenplans gegenüber dem Gut-
achterverfahren. Das Bearbeitungsgebiet umfasst eine nahe-
zu dreieckige Fläche, die begrenzt wird von der Jägertorstras-
se im Westen, der Kranichsteiner Straße im Süden und dem
nordöstlichen Abschluss der Seenkette. Die schon im Gut-
achterverfahren angewandte schwerpunktartige Betrachtung
wird beibehalten, so dass sich folgende Bearbeitungsräume
ergeben:
Bartningstraße
Postareal
Seenkette
Stadteingang West
Kreuzungsbereich EKZ
Skaterparcour
Bartningstraße
Die mit Stellplätzen belegten Flächen westlich der Bartning-
straße stehen auf Grund der Eigentumsverhältnisse der Pla-
nung nicht mehr zur Verfügung.
Hingegen können und sollen auf der östlichen Seite die Flä-
chen der GWH in die Betrachtungen einbezogen werden.
Eine gegenüber dem Gutachterverfahren neu zu defi nierende
Platzfl äche ist mehr nach Süden in den Bereich der Kreuzung
Siemensstraße zu verlagern.
Die privaten Grün fl ächen vor dem Haus Bartningstraße 1-5
sind in die gestalterischen Betrachtungen einzubeziehen.Die
privaten Spiel fl ächen vor dem Gebäude 13-17 sind wie im
Gutachten nicht Gegenstand von Planungsüberlegungen.Der
Kreuzungsbereich Bartningstraße / Grund- und Gruberstraße
am Einkaufszentrum wird im Verlauf der Rahmenplanung von
den Bürgervertretern als neuralgischer Punkt benannt und in
die Planung einbezogen.
Postareal
Der Posthof am Einkaufszentrum soll ohne konkrete Aussage
zu einer späteren Nutzung untersucht werden und eine mög-
liche Haltung der Planung an der wichtigen Nahtstelle vom
Stadt- zum Landschaftsraum formuliert werden.
Seenkette
Auf einen Rundweg um den Erich-Kästner-See wird verzich-
tet. Die im Gutachterverfahren dort vorgesehenen Holzsteg
werden auf die Südseite des Sees verlegt. Der beleuchtete
Umgang an der Erich-Kästner-Schule verbleibt in der weiteren
Betrachtung.
Der Wassergarten in Verbindung mit einem Terrasse an der
Nordseite des Brentanosees wird optional in die Rahmenpla-
nung aufgenommen. Das Holzdeck am Cafè Chillmo wird un-
ter dem Aspekt einer späteren Realisierung in der Rahmen-
planung weiterverfolgt.
Stadteingang West
Die Verkleinerung des Bearbeitungsgebietes gegenüber dem
Gutachterverfahren schließt den nördlichen Stadteingang am
Bahnhof Kranichstein aus weiteren Überlegungen aus. Der
östliche Eingang in Richtung Messel steht auf Grund fehlen-
der Flächen im öffentlichen Eigentum für eine weitere Planung
nicht zur Verfügung. Somit übernimmt der Eingang West in
Richtung Innenstadt als alleiniger Standort die Aufgabe eines
Signets für den Stadtteil.
Kreuzungsbereich EKZ
Der Kreuzungsbereich Bartningstraße / Grund- und Gruber-
straße am Einkaufszentrum wird im Verlauf der Rahmenpla-
nung von den Bürgervertretern als neuralgischer Punkt be-
nannt und in die Planung einbezogen.
Skaterparcour
Der Skaterparcour wird informell in den Betrachtungen aufge-
führt, da er im gesamtstädtischen Kontext von der Abteilung
Sport weiterverfolgt werden soll.
Aufgabenstellung
Rahmenplanung
2
Rahmenplanung Öffentlicher Raum
11
Aufgabenstellung
Rahmenplanung
2
Lageplan Bestand mit den einzelnen Bearbeitungsräumen
Seenkette Bartningstraße
Stadteingang
West
Kreuzung EKZ
Postareal
‚Soziale Stadt‘ Darmstadt Kranichstein
12
1 Bartningstraße / Kranichsteiner Straße
2 Bartningstraße / Kranichsteiner Straße
2
1
Bartningstraße
2.1
Aus der Aufgabenstellung der Rahmenplanung ergeben sich
generelle Aussagen, die für alle Planungsvarianten des Ab-
schnitts Bartningstraße Gültigkeit besitzen. Die Planung kon-
zentriert sich bis auf die Variante ‚Stadtplatz‘ auf die östliche
Seite der Bartningstraße, da die Eigentümergemeinschaft in
der gegenüberliegenden Hochhausscheibe Bartningstraße
8-20 nicht zu einer Umgestaltung ihrer dem Gebäude vorge-
lagerten Stellplatzfl ächen im Sinne des Vorschlags aus dem
Gutachterverfahren zu bewegen ist. Aus diesem Grund ist die
Idee einer neuen zwischen den Hochhausscheiben in Ost-
West-Richtung eingelagerten Platzfl äche, wie sie im Gutach-
ten formuliert worden ist, obsolet.
Der Stadtplatz wird in unterschiedlicher Ausformung vor dem
Wohngebäude 7-9 situiert. Dies gelingt allerdings nur, weil
die Wohnungsbaugesellschaft GWH ihren privaten Flächen-
anteil für die Gestaltung eines öffentlichen Raumes aus-
drücklich zur Verfügung stellt. Der unmittelbar östlich an die
Straßenbahntrasse anschließende asphaltierte Weg ist als
Feuerwehrzufahrt zum Hochhaus unbedingt zu erhalten. Aus
der Kombination dieses asphaltierten Weges mit dem an-
schließenden Gehweg entsteht unter Beibehaltung der unter
Schutz stehenden Straßenbäume eine breite Promenade, die
als Mischverkehrsfl äche zwischen Fußgängern und Fahrrad-
fahrern angelegt, von der Kranichsteiner Straße im Süden bis
zur Grundstraße am nördlichen Einkaufszentrum führt. Diese
Promenade bildet mit einem Baumplatz als Auftakt an der Kra-
nichsteiner Straße und dem Baumplatz als Endpunkt vor dem
Einkaufszentrum in zwei Varianten eine Spange, als freiräum-
liche Klammer in dem diffusen Stadtraum dient. Die jewei-
ligen Nutzungsangebote von Spiel- bis zu Multifunktions fl ä-
chen werden in den verschiedenen Varianten unterschiedlich
gewichtet und lokalisiert. Die Vor- und Nachteile der einzelnen
Varianten werden kurz in Spiegelstrichen gegenübergestellt:
Rahmenplanung Öffentlicher Raum
13
1 2
43
1 Bartningstraße
2 Bartningstraße
3 Bartningstraße/Grundstraße
4 Bartningstraße Straßenbahnhaltestelle
Bartningstraße
Bestand
2.1
‚Soziale Stadt‘ Darmstadt Kranichstein
14
Bartningstraße
Variante I
‚Boulevard‘
2.1.1
positiv
Linearer neu gestalteter Straßenraum als ‚Klammer‘ mit be-
sonderer Betonung des Anfangs- und Endbereiches
Formulierung eines Eingangs zur Ortsmitte durch ein Baum-
raster an der Kreuzung Kranichsteiner Straße / Bartningstraße
Zusammenfassung von Fußweg, Baumreihe und Radweg zu
einer großzügigen Bewegungsfl äche mit Aufenthaltsqualität
Integration des Skaterparcours möglich
Erhalt der vorhandenen Straßenbäume
negativ
Räumliche Trennung zwischen Promenade und verbleibender
Platzfl äche durch verschiedene Beläge und serielle Grün fl ä-
chen
Rahmenplanung Öffentlicher Raum
15
Bartningstraße
Variante II
‚Anger‘
2.1.2
positiv
Neu gestalteter Straßenraum mit Sonder fl äche als zentraler
Aufenthaltsbereich mit integriertem Spielangebot
Formulierung eines Stadtteileingangs an der Kreuzung Kra-
nichsteiner Straße / Bartningstraße durch ein Baumraster
Zusammenfassung von Fußweg, Baumreihe und Radweg zu
einer großzügigen Bewegungsfl äche
Verkleidung der Parkpalette durch die ‚Kranichsteiner Plakat-
wand‘ (Kulturprojekt evtl. in Zusammenarbeit mit dem Jugend-
café Chillmo)
Integration Skaterparcour möglich
Neue Wegeverbindung Meißnerweg – Bartningstraße
Erhalt sämtlicher Bestandsbäume, Neupfl anzung auf der Flä-
che des Angers
negativ
Räumliche Trennung zwischen Promenade und verbleibender
Platzfl äche durch verschiedene Beläge und Abfolge von Ra-
senfl ächen
‚Soziale Stadt‘ Darmstadt Kranichstein
16
Bartningstraße
Variante III
‚Stadtplatz‘
2.1.3
positiv
Großer zentraler Stadtplatz als verbindendes Element zwi-
schen den beiden Seiten der Bartningstraße, räumliche Set-
zung einer Mitte
Zusammenfassung von Fußweg, Baumreihe und Radweg zu
einer großzügigen Bewegungsfl äche
Grüne Pergola vor der Parkpalette als raumbildendes Volu-
men mit integrierten Spiel- und Aufenthaltsmöglichkeiten, For-
mulierung einer Platzkante
Integration Skaterparcour möglich
Neue Wegeverbindung Meißnerweg – Bartningstraße, Beibe-
haltung der Gehölzbepfl anzung an der Parkpalette
Aufenthaltsbereiche beidseitig der Bartningstraße
negativ
Gegenüber dem Gutachterverfahren bleibt der Platz ein Torso
Verunklarung der Kreuzung Siemens- / Bartningstraße durch
Verschiebung der Platzfl äche nach Süden
Wegfall von 8 öffentlichen Stellplätzen an der Bartningstraße,
Fällung von 10 Straßenbäumen
Rahmenplanung Öffentlicher Raum
17
Bartningstraße
Variante IV
‚Stadttheater‘
2.1.4
positiv
Zentraler, städtischer Platz mit integrierten Spielfeldern und
Aufenthaltsbereichen
Überspannung der inneren Multifunktions fl äche mit Hänge-
leuchten, De fi nition eines dreidimensionalen Raumes, Som-
mercafé (Ausschank) als bauliches Element zur Kaschierung
der Parkpalette, Erhöhung der Aufenthaltsqualität
Zusammenfassung von Fußweg, Baumreihe und Radweg zu
einer großzügigen Bewegungsfl äche
Integration Skaterparcour möglich
Neupfl anzung von 5 Bäumen auf dem Platz
negativ
Aufl ösung von Promenade und Platz, Platz fl äche zu groß di-
mensioniert
Zu hoher Anteil an befestigter Fläche
Fällung von 5 Straßenbäumen entlang der Bartningstraße
‚Soziale Stadt‘ Darmstadt Kranichstein
18
Die Diskussion über die 4 Varianten führt mehrheitlich zu
dem Wunsch, eine Kombination aus den Varianten I ‚Boule-
vard‘ und II, ‚Anger‘, die sowohl den Aspekt der großzügigen
Nord-Süd-Durchwegung, wie auch den Aufenthalt und die
Nutzungsmöglichkeiten eines gut dimensionierten Platzes be-
inhalten, in einer weiteren Variante zu überprüfen. Die Begrü-
nung der Parkpalette soll bestehen bleiben und eine zentrale
Marktfl äche vor der Parkpalette integriert werden. Diese befi n-
det sich gegenüber der Siemensstraße in der Sichtachse der
Kreuzung. Die Markt fl äche in der Brentanoanlage am Rand
der Bebauung wird von Händlern und Käufern kaum ange-
nommen. Es wird angeregt, Spielfl ächen zum Haus Bartning-
straße 7-9 zu orientieren und die Grün fl ächen als Trennung
zwischen Promenade und den Spiel fl ächen auf dem Platz zu
betrachten. Diese Überlegungen dienen als Programm zur
Formulierung einer Variante V mit dem Motto ‚Markt‘.
Variante V ‚Markt‘
positiv
Neugestaltung des Straßenraums Bartningstraße durch die
Zusammenfassung von Fußweg, Baumreihe und Radweg zu-
gunsten einer großzügigen Bewegungsfl äche
Integrierte Sonder fl äche für multifunktionale Aktivitäten von
Markt, Stadtteilfesten, Kultur bis Spiel und Aufenthalt
Neugestaltung der privaten Grün fl ächen (GWH) auf dem
Grundstück Bartningstraße 1-5 nach den Gestaltmustern des
öffentlichen Raums
Integration Skaterparcour möglich
Direkte Wegeverbindung Meißnerweg-Bartningstraße
Erhalt sämtlicher Bestandsbäume
Einheitlicher Belag vergrößert die integrative Kraft der Platz-
gestaltung
In dieser Variante wird entgegen den Wünschen im Vorfeld
der Markt nicht vor der Parkpalette angeordnet, sondern zum
Gebäude Bartningstraße 7-9 verschoben und die Spielfl ächen
vor die Parkpalette gelegt. Die Gründe dafür sind, dass sich
der Spielplatz am ehesten als permanent genutzte Fläche eta-
blieren und der Markt eine temporäre Nutzung aufweisen wird.
Um die für viele Bewohner strapaziöse Lärmbelastung durch
Kinderspiel möglichst weit von den Wohnungen zu verorten,
wurde diese Lösung gewählt. Die in Reihe geplante Abfolge
unterschiedlicher Nutzungen mit einem gesonderten Belag
verleiht dem Platz Größe und Ordnung. Die Bewegungs fl ä-
chen der Promenade und des Platzes kommen zusammen,
während der Bereich vor dem Wohnhaus durch Vegetations-
fl ächen abgeschirmt wird. Die Gestaltung und die Funktionali-
tät gehen in dieser Variante eine gute Symbiose ein.
Die Variante V wird in den Gesamtplan zur Rahmenplanung
als abgestimmte Lösung für den Abschnitt Bartningstraße auf-
genommen und Grundlage der weiteren Planung in einer fol-
genden Realisierungsstufe.
Bartningstraße
Variante V
‚Markt‘
2.1.5
Rahmenplanung Öffentlicher Raum
19
Bartningstraße
Variante V
‚Markt‘
2.1.5
Abgestimmte Variante für den Bereich Bartningstraße
‚Soziale Stadt‘ Darmstadt Kranichstein
20
1 Zufahrt von Bartningstraße
2 Gastronomie
1
2
Postareal
Bestand
2.2
Rahmenplanung Öffentlicher Raum
21
3 Zugang vom See
4 Fußweg nördlich Postareal
3
4
Postareal
2.2
Der ehemalige Posthof am nördlichen Rand des Einkaufszen-
trums verstärkt seit Schließung des Standortes den Eindruck
städtebaulicher Verwahrlosung und bedarf der Einbeziehung
und Öffnung in seine unmittelbare Umgebung. In zwei Varian-
ten werden landschaftsgestalterische Lösungen aufgezeigt,
die unabhängig von einer späteren Nutzung der Posträume
sind.
‚Soziale Stadt‘ Darmstadt Kranichstein
22
Postareal
Variante I
‚Grüne Insel‘
2.2.1
Eine geschwungene Linie führt längs der Aue das land-
schaftliche Motiv des Brentanosees hinter den Bereich des
Einkaufszentrums. Die Fläche wird mit amorphen Vegetati-
onsfl ächen belegt, die das Landschaftsthema unterstützen
und den offenen Freifl ächencharakter am Parksee über die
Bartningstraße leiten. Mit dem EKZ endet die orthogonale
Architektursprache und der Landschaftraum grenzt unmit-
telbar an die Bebauung.
Die Variante 1 ‚Grüne Inseln‘ wird als Planungsperspektive
für den Bereich Posthof in der Rahmenplanung und einer
späteren Realisierung ausgewählt.
Rahmenplanung Öffentlicher Raum
23
Postareal
Variante II
‚Grünes Raster‘
2.2.2
Es entsteht hinter dem EKZ ein grünes Raster, welches
je nach Bedarf und sukzessiver Nutzungsentwicklung als
Pfl aster oder bepfl anzte Fläche erscheint. Verdichten sich
zukünftige Nutzungsoptionen am EKZ kann das Konzept
sehr fl exibel reagieren. Der Bereich sieht insgesamt ge-
staltet aus und erhält einen vegetativen Charakter mit
einer hochwertigen architektonischen Anmutung. Das or-
thogonale Thema der Architektur wird über das Raster in
den Landschaftsraum geführt und bildet einen gestalteten
Übergang zwischen der Bebauung und dem Naturraum.
‚Soziale Stadt‘ Darmstadt Kranichstein
24
1 Brentanosee, Blick von Süden
2 Erich Kästner-See
3 Wegeverbindung
1
43
Seenkette
Bestand
2.3
Die Seenkette behauptet in Kranichstein gegenüber den anderen städte-
baulichen Disziplinen den Primat der Landschaftsplanung, wie es von Gün-
ther Grzimek in seinem Buch ‚Grünplanung Darmstadt‘ aus dem Jahre 1965
postuliert worden ist. Sie befi ndet sich in der Mitte des Ortsteils und stellt mit
dem Brentanosee, der Ruthsenbachaue und dem Erich-Kästner-See drei
unterschiedliche Typen einer vom Wasser geprägten Landschaft dar. Zeigt
sich der Brentanosee als von einer offenen Parklandschaft umgeben und die
Ruthsenbachaue mit ihrer dichten naturbelassenen Vegetation als ungestör-
tes Rückzugsgebiet für P fl anzen und Lebewesen, so ist der Erich-Kästner-
See von dichtem Wald umgeben ein Lebensraum für Aqua- und Avifauna
und gleichzeitig ein beschaulicher Ort für die menschliche Erholung. Die
Planung versucht die Charakteristika der drei Wasserfl ächen zu stärken.
Im Rahmenplan wird die Seenkette als langfristig zu verfolgende Zielpla-
nung aufgenommen.
Rahmenplanung Öffentlicher Raum
25
Seenkette
Brentanosee
2.3.1
Parksee (Brentanosee)
Gegenüber dem Gutachterverfahren werden die beiden
Decks unter dem Aspekt ein räumliches Spannungsverhältnis
mit dem Café Chillmo aufrechtzuerhalten, im See verschoben.
Aus der ursprünglichen Dreiecks fi gur, welche sich über den
See spannt, wird eine Diagonale, die vom Café Chillmo über
das Spiel-/Theaterdeck zum Wassergarten auf der anderen
Uferseite führt. Die Uferpartien um den See sind gegenüber
dem Bestand stark ausgelichtet, so dass sich Gehölzinseln
mit zahlreichen Sichtachsen um den See bilden. In der nord-
westlichen Seebucht wurde in Ufernähe ein neues Wegestück
angelegt, dass direkt zur Jägertorstraße führt und den Rund-
weg um den See vervollkommnet.
Bestand
Perspektive
Gutachten
‚Soziale Stadt‘ Darmstadt Kranichstein
26
Waldsee (Erich Kästner-See)
Am Waldsee wurden gegenüber dem Gutachterverfah-
ren die drei Stege von der nordöstlichen Seeseite auf die
südwestliche verlegt, so dass sich mit dem Deck und dem
Lichtraum an der Schule alle baulichen Maßnahmen nur
an einer Seeseite stattfi nden.
Seenkette
Erich-Kästner-See
2.3.2
Erich Kästner Schule, Bestand
Planung Gutachterverfahen
Rahmenplanung Öffentlicher Raum
27
Der Rundweg an der nördlichen Seeseite wird aus ökologi-
schen Gründen aufgegeben. Noch nicht berücksichtigt ist der
Standort der neuen Kita, der sich westlich der Erich-Kästner-
Schule befi ndet.
Ruthsenbachaue
Der im Gutachterverfahren vorgeschlagene Steg über die
Ruthsenbachaue als Verbindung zwischen Wendelstadtanla-
ge und Einkaufszentrum wird im Rahmenplan nicht weiterver-
folgt. Aus ökologischen Gründen ist eine Steganlage durch
die dichte Vegetation nicht zu rechtfertigen und der fi nanzi-
elle Aufwand im Verhältnis zum Nutzen zu hoch. Aus diesem
Gründen wird von einer weiteren Beplanung der Aue abgese-
hen
Bestand
Planung Gutachterverfahren
Seenkette
Erich-Kästner-See
2.3.2
‚Soziale Stadt‘ Darmstadt Kranichstein
Seenkette
Lageplan
2.3.3
Lageplan
28
Rahmenplanung Öffentlicher Raum
Seenkette
Lageplan
2.3.3
29
‚Soziale Stadt‘ Darmstadt Kranichstein
30
Stadteingang West
2.4
Im Gutachterverfahren wird die vom Büro TDB vorgeschlage-
ne Lösung einer Kennzeichnung der drei Ortseingänge (Kra-
nichsteiner Straße Ost und West sowie Bahnhof Kranichstein
im Norden) durch ein Raster von Leuchtstelen als „genau
abgeleitet und imagefördernd“ bewertet. Allerdings hat sich
zwischenzeitlich herausgestellt, dass der eigentumsrechtliche
Zugriff auf zwei Flächen zur Gestaltung von Ortseingängen
nicht gegeben ist und sich nur die Fläche des Stadteingangs
West im Eigentum der Stadt befi ndet. Daher bieten sich neue
Überlegungen für den verbliebenen Eingang an, die in drei
Varianten ihren gestalterischen Ausdruck fi nden.
Kranichsteiner
Straße
an der Fasaneriemauer
Kranichsteine
1 Kranichsteiner Straße
2 Kranichsteiner Straße / Jägertorstraße
3 Ortseingang Kranichsteiner Straße
3
2
1
Rahmenplanung Öffentlicher Raum
31
Stadteingang West
Variante I
‚Kranich‘
2.4.1
Zwar geht die Namensgebung des Ortsteils auf den Ade-
ligen Ritter Henne Kranich von Dirmstein aus dem 14.
Jahrhundert zurück, dennoch ist der Vogel mit der ihm zu-
gewiesenen Symbolik bezeichnend für den Ortsnamen.
Die Eigenschaften des Tieres, welches als Zugvogel sei-
ne Brut- und Lebenräume in verschiedenen Kontinenten
hat, sein Zugverhalten in Gruppen absolviert und eine be-
sondere Bedeutung in den Religionen und Kulturen unter-
schiedlicher Länder besitzt, eignen sich auf ideale Weise
zur Charakterisierung der soziologischen Struktur Kranich-
steins mit Menschen von unterschiedlichen Kontinenten
und verschiedenen Religionen und Kulturen.
Es wird daher vorgeschlagen, auf der für den Stadtein-
gang zur Verfügung stehenden Dreiecksfl äche in Blickrich-
tung Darmstadt eine himmelblau lackierte Metallplatte von
4x7m zu installieren, auf der ein Schwarm Kraniche in ihrer
kennzeichnenden V-förmigen Flugformation aus dem Me-
tall herausgeschnitten ist.
Die Variante ‚Kranich‘ wird in den Gesamtplan aufgenom-
men und zur Realisierung vorgeschlagen. Der Vorschlag,
die Metallplatte in Cortenstahl auszuführen, um damit den
zu erwartenden Graf fi tischmierereien entgegenzuwirken,
ist kritisch zu prüfen. Allerdings steht die Massivität einer
rostbraunen Stahlplatte der Leichtigkeit des dargestellten
Vogelfl ugs diametral entgegen.
‚Soziale Stadt‘ Darmstadt Kranichstein
32
Stadteingang West
Variante II
‚Palette‘
2.4.2
Die Zusammensetzung der Bevölkerung Kranichsteins
aus über 80 Nationen ist die ideele Grundlage dieses Vor-
schlags. Die Flaggen der Nationen dieser Erde werden in
Katalogform auf abstrakte Farbmuster reduziert, so dass
sofort die Assoziation von Flaggenmotiven entsteht, diese
aber nicht einzelnen Nationen zugeordnet werden können.
Die Farbigkeit dieses Motivs spiegelt die Farbigkeit der
Bevölkerung in dem multikulturellen und –ethnischen Le-
bensort Kranichstein wider.
Die Farbpalette nimmt als ansteigende Fläche aus farbiger
Keramik in Blickrichtung Darmstadt die östliche Ecke der
zur Verfügung stehenden Dreiecksfl äche ein.
Kranichstein ist ein multikultureller und
multiethnischer Lebensort
sowohl die Bewohner wie auch die Flag-
gen zeigen ‚Buntheit‘
Rahmenplanung Öffentlicher Raum
33
Stadteingang West
Variante III
‚Form und Maß‘
2.4.3
Der Ortstei zwischen der Barockstadt Darmstadt und dem
Renaissanceschloß Kranichstein gelegen, wird mit dem die
gesamte Fläche überziehenden Baumraster thematisiert.
Der Satellit Kranichstein gerät durch diese Intervention in
die Gravitation der Innenstadt und ihres baugeschichtli-
chen Erbes. Die nachkriegsbedingte Abwendung von his-
torischen Stadtmustern wird mit dem Entwurf kritisch be-
wertet.
Das Baumraster besteht aus Säuleneichen die sich in
großen kegelförmigen Baumscheiben be fi nden. Die Ke-
gelstümpfe sind aus verschiedenfarbigem Beton, dem
Baumaterial der Kranichsteiner Architektur hergestellt. Die
Farbigkeit verleiht dem Ort eine heiteres Element. Heiter-
keit und Gelassenheit im Umgang der verschiedenen Men-
schen untereinander sollte zum Kranichsteiner Lebensge-
fühl werden.
‚Soziale Stadt‘ Darmstadt Kranichstein
34
Kreuzungsbereich
EKZ
2.5
Im Verlauf der Diskussion mit der Arbeitsgemeinschaft
und den Bewohnern wurden im Kontext mit der Straßen-
bahnhaltestelle am Einkaufszentrum und den Übergängen
von der Gruberstraße über die Bartningstraße sowie der
Grund- und Bartningstraße Wünsche zur Verbesserung
insbesondere des Anschlusses der Gruberstraße an das
Einkaufszentrum formuliert. Problematisch erscheint in die-
sem Zusammenhang der Übergang vom gebäudeseitigen
Gehweg an der Gruberstraße direkt zum EKZ. Das Schutz-
gitter an der Haltestelle verhindert eine Überquerung der
Bartningstraße. Die Passanten wechseln entweder auf den
parkseitigen Gehweg der Gruberstraße um dann mittels ei-
ner unklaren Wegeführung über die Bartningstraße und die
Straßenbahnschienen zum Einkaufszentrum zu gelangen
oder aber sie wenden sich an der Kreuzung Gruber-/ Bart-
ningstraße nach Süden und queren an der dortigen Fuß-
gängerampel die Bartningstraße in Richtung Grundstraße.
Die Ampel wurde als Sicherung des Schulweges der Kin-
der zur Erich-Kästner-Grundschule installiert und wird nach
eingehendem Training von den Kindern als Schulweg an-
genommen. Der Kreuzungsbereich am EKZ ist innerhalb
der Darmstädter Verkehrsunfallstatistik unauffällig.
Bestand
Planung, Blick nach Süden
Rahmenplanung Öffentlicher Raum
35
Kreuzungsbereich
EKZ
2.5
Bestand
Planung, Blick nach Norden
In dem Gestaltungsvorschlag wird eine zusätzliche Ent-
schleunigung des Verkehrs in der Tempo 30-Zone durch
eine Erhöhung und farbliche Kennzeichnung des Belags an
den vier Einmündungen des Kreuzungsbereichs erreicht.
Die Wegeführungen und Straßenüberquerungen werden
direkt und deutlich markiert an den Kreuzungen angeord-
net, so dass sich eine klare Orientierung ergibt. Der südli-
che Gehweg an der Grundstraße erhält einen zusätzlichen
Übergang über die Schienen und die Bartningstraße. Die
Fußgängerampel an der Bartningstraße verbleibt in der jet-
zigen Position. An der Gruberstraße wird ein neuer Über-
gang auf den parkseitigen Gehweg angeboten, der auf der
Höhe der jetzigen Auffahrt zum Posthof die Bartningstra-
ße überquert. In Verlängerung des südlichen Gehweges
führt ein Übergang über die Bartningstraße unter Öffnung
des Schutzgitters längs der Straßenbahn und der jetzigen
Schienenquerung zum Einkaufszentrum. Die Materialität
des von Süden kommenden Boulevards setzt sich auf der
neu gestalteten Straßenbahnhaltestelle Gruberstraße fort
und führt das Thema bis vor das Einkaufszentrum.
‚Soziale Stadt‘ Darmstadt Kranichstein
36
Kreuzungsbereich
EKZ
2.5
Planung EKZ, Lageplan
EKZ
Rahmenplanung Öffentlicher Raum
37
Skaterparcour
2.6
Der im Gutachterverfahren vorgeschlagene Skaterparcour
mit drei Routen durch und um Kranichstein wird in der Bro-
schüre optional als Teil eines späteren gesamtstädtischen
In-Line-Netzes dargestellt.
Die drei Rundstrecken mit unterschiedlicher Streckenlänge
werden im Rahmenplan in ihrer Wegeführung auf die öst-
liche Seite der Bartningstraße mit dem neuen Boulevard
verlegt. Die Strecken verbleiben im kurzen und mittleren Par-
cour in der Führung aus dem Gutachterverfahren und binden
die von Jugendlichen genutzten Orte an, während der lange
Rundkurs in der Rahmenplanung auf ca. 5000 m erweitert
wird und als große Dreiecksfi gur ganz Kranichstein umreisst.
‚Soziale Stadt‘ Darmstadt Kranichstein
38
Gesamtplan
Rahmenplanung
3
Rahmenplanung Öffentlicher Raum
Im Vergleich zum Gesamtplan des Gutachterverfahrens
(siehe S. 7) sind die planerischen Modi fi kationen in den
dargestellten Bearbeitungsbereichen des Rahmenplans
immer unter dem Aspekt der Wahrung des ursprünglichen
Konzeptes vorgenommen worden, so dass sich unschwer
die Ideen aus dem Gutachterverfahren erkennen lassen.
Es gilt zeitlich bedingte Abnutzungen und für die Bedürf-
nisse einer veränderten Bewohnerschaft erkannte Unzu-
länglichkeiten einer zweifelsohne qualitativ hochwertigen
Stadtplanung mit einem prägenden Landschaftsraum zu
beseitigen und 50 Jahre nach Planungsbeginn den Stadt-
teil für die Zukunft zu ertüchtigen. Dabei sind die freiräum-
lichen Intervention nur ein Aspekt aus einem Strauß von
Maßnahmen.
An der Bartningstraße wird mit der Planung auf der östli-
chen Seite mit der Variante ‚Markt‘ ein starkes stadträum-
liches Zeichen gesetzt. Neben den fl ankierenden Hoch-
hausscheiben wird eine freiräumliche Klammer zwischen
der Kranichsteiner Straße im Süden und dem Kreuzungs-
bereich am Einkaufszentrum im Norden eingefügt und dem
Ortsteil damit die bislang fehlende Mitte verliehen. Das
ausgewogene Nutzungsangebot von Spiel fl ächen, Markt
und neuen Grün fl ächen bietet die Chance einer vielseiti-
gen Bespielung durch lokale Initiativen und einer engagier-
ten Bevölkerung.
Die vorhandene Seenlandschaft als Herzstück des Stadtteils
wird durch kleine bauliche Ergänzungen wie Decks und Ste-
ge und durch p fl egerische Eingriffe zu einem differenzierten
Landschaftsraum, in dem die einzelnen Seen in ihrem eige-
nen Charakter gestärkt werden.
Die zeichenhafte, skulpturale Installation am westlichen Stadt-
eingang bietet den Besuchern des Stadtteils einen unmittelba-
ren Zugang, assoziiert aber auch weitere Interpretationen, die
dem Ort Kranichstein in seiner baulichen und sozialen Viel-
schichtigkeit weit eher gerecht werden.
Der Rahmenplan erfüllt seine Aufgabe als Diskussionsgrund-
lage für den Dialog mit der Bevölkerung, als Initial für kurz-
fristige, bauliche Umsetzungen und als Leitlinienplanung für
mittel- und langfristige Perspektiven.
39
Rahmenplanung
3
‚Soziale Stadt‘ Darmstadt Kranichstein
2011/0119
10639 Zeichen
Magistratsvorlage Eingang Magistrats- geschäftsstelle: 06.04.2011 an den Magistrat zur Kenntnis zur Beschlussfassung Beteiligt vor Magistratsbeschlussfassung: Dezernat VI Dezernat II Dezernat V an die Stadtverordnetenversammlung OBW zur Befassung zur Kenntnis zur Beschlussfassung zur abschließenden Beschluss- fassung Fachausschuss Amt: Stadtplanungsamt in Zusammenarbeit mit dem Grünflächenamt Behandlung in öffentl. Sitzung Ja Nein OBW bei abschl. Beschluss- fassung Magistrat Ja Nein Internetfähig Verteiler: Vorlage-Nr. 2011/0119 Magistratsbeschluss-Nr. Betreff: Bund-Länder-Pr ogramm "Soziale 'Stadt" - Kranichstein Rahmenplanung öffentlicher Raum Vorlage vom: 28.03.2011 Beschlussvorschlag: Der Magistrat nimmt die Rahmenplanung „Leitbild öffentlicher Raum“ Kranichstein zur Kenntnis. Der Magistrat stimmt der Beauftragung des Büros Thomanek Duquesnoy Boemans mit der Erarbeitung der Vor- und Entwurfsplanung für den Bereich Bartningstraße auf Grundlage der Rahmenplanung zu. Die Finanzierung der Planungskosten in Höhe von rd. 35.000,- Euro erfolgt aus Mitteln des Förderpro- gramms „Soziale Stadt“. Die Mittel stehen bei der Kostenstelle 061-030-1300, Inv.-Nr. 08061-4406 (Planungen und Untersuchun- gen) zur Verfügung. Das Grünflächenamt wird beauftragt, die weitere Planung in Abstimmung mit allen Bete iligten zu beglei- ten. Anlagen: Rahmenplanung öffentlicher Raum Kranichstein 2 ... Datenschutzrelevante Anlage: Beschluss des Magistrats vom 3 ... Berichtseite zur Magistratsvorlage vom 28.03.2011 Anlass Im Rahmen des Bund-Länder-Programms 'Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf – Die So- ziale Stadt', in das Kranichstein im Jahr 2000 aufgenommen wurde, wird eine kontinuierliche städte- bauliche Stabilisierung des Stadtteils verfolgt. Im besonderen Fokus der 'Sozialen Stadt' stehen und standen, neben der weiteren Verbesserung der Infrastruktur, Aufwertungsmaßnahmen im öffentlichen Raum, im Wohnumfeld sowie im Umfeld wichti- ger Einrichtungen. Die im Jahr 2009 durchgeführte Planungswerkstatt 'Leitbild öffentlicher Raum' als Mehrfach- Beauftragung von Landschaftsplanungsbüros basierte auf 'Vorläufer-Werkstätten' zur Stadtteilentwick- lung, die im Kontext der 'Sozialen Stadt' mit Bewohnerinnen und Bewohnern sowie lokalen Akteuren im Jahr 2007 und 2008 durchgeführt wurden. Als wesentliche Handlungsfelder im öffentlichen Raum wurden damals festgehalten: die Umgestaltung der Bartningstraße als wichtige Quartiersachse, die Schaffung einer Quartiersmitte, eine optimierte Verflechtung des Stadtteils mit seiner Umgebung, die Aufwertung der Stadtteileingänge, die Vernetzung der Quartiere des Stadtteils, die teilweise Umges- taltung der Kranichsteiner Straße und die Schaffung eines Rundweges 'Grüne Mitte'. Verfahren und Aufgabe Planungswerkstatt 'Leitbild öffentlicher Raum' Das Verfahren umfasste zwei Werkstatt-Termine im Juli und August 2009. Im Ergebnis der Werkstatt- Termine wurde durch ein Auswahlgremium, dem der Dezernent Dieter Wenzel, Vertreter/innen der Verwaltung und des Stadtteils sowie externe Gutachter (Prof. Dr. Jörg Dettmar, Prof. Dr. Werner Durth) angehörten, einstimmig empfohlen, das Konzept des Büros Thomanek Duquesnoy Boemans als Leitbild der weiteren Gestaltung des öffentlichen Raumes zugrunde zu legen und das Büro neben der Umsetzung von Einzelprojekten mit der Beratung der Gesamtentwicklung des öffentlichen Raums zu betrauen. Die Ergebnisse der Planungswerkstatt 'Leitbild öffentlicher Raum' wurden am 24.03.2010 vom Magist- rat sowie anschließend von der Stadtverordnetenversammlung zur Kenntnis genommen. Darüber hinaus stimmte der Magistrat der Beauftragung des Büros Thomanek Duquesnoy Boemans mit der Erarbeitung eines Rahmenplans in Umsetzung des Leitbildes 'Öffentlicher Raum' im zentralen Bereich von Darmstadt Kranichstein zu (s. 'Beauftragung Rahmenplanung öffentlicher Raum' Vorlage-Nr. 2010/0038). Rahmenplanung Durch das Büro Thomanek Duquesnoy Boemans wurde auf Basis des Leitbildes eine Rahmenpla- nung für den zentralen Bereich des öffentlichen Raums im Stadtteil Darmstadt Kranichstein, unter Weiterentwicklung der gestalterischen Grundaussagen der Planungswerkstatt, erarbeitet. Das Bearbeitungsgebiet wird von der Jägertorstraße im Westen, der Kranichsteiner Straße im Süden und dem nordöstlichen Abschluss der Seenkette begrenzt. Integriert sind der westliche und östliche Stadtteileingang an der Kranichsteiner Straße. Die Rahmenplanung mit Varianten zu vier wesentlichen Bearbeitungsbereichen berücksichtigt die durch das Auswahlgremium getroffenen Empfehlungen und die Anregungen aus der Bevölkerung nach der öffentlichen Präsentation der Arbeiten des Gutachterverfahrens. 4 ... Schwerpunkte der Rahmenplanung sind: - der zentrale Platz an der Bartningstraße, - das nördliche Umfeld des Einkaufszentrums am See (ehemaliges Postareal), - der Rundweg und Aufenthaltsbereiche an der Seenkette, - der Stadtteileingang an der Kranichsteiner Straße, - der Kreuzungsbereich am Einkaufszentrums am See sowie - ein Skaterparcour. Ziele der Rahmenplanung Bartningstraße Aus stadträumlichen Gründen wird die 'Neue Mitte' von Kranichstein nicht am Einkaufszentrum am See, sondern zwischen den Hochhausscheiben an der Bartningstraße verortet. Hier besteht die Chance, einen städtischen Raum mit Aufenthaltsqualitäten und vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten zu entwickeln. Das im Kontext der Planungswerkstatt erarbeitete Konzept für die Umgestaltung der Bart- ningstraße wurde insbesondere vor dem Hintergrund der Eigentumsverhältnisse, die in Teilen keine Grundstücksinanspruchnahme möglich machen, modifiziert. Durch das Büro Thomanek Duquesnoy Boemans wurden fünf Varianten zur Neugestaltung der Bart- ningstraße entwickelt. Im Ergebnis wurde die Variante 'Markt' verfolgt, die sich wie folgt charakterisiert: - Neugestaltung des Straßenraums Bartningstraße durch die Zusammenfassung von Fußweg, be- gleitender Baumreihe und Radweg zugunsten einer großzügigen Bewegungsfläche in Nord-Süd- Richtung, - Integration einer Fläche für multifunktionale Aktivitäten von Markt, Stadtteilfesten, Kultur bis zu Spiel und Aufenthalt, - Anbindung der Wegeverbindung Meißnerweg-Bartningstraße, - Erhalt sämtlicher Bestandsbäume, - Umsetzung eines einheitlichen Belags zur Verdeutlichung der Platzsituation. Postareal Der ehemalige Posthof am nördlichen Rand des Einkaufszentrums vermittelt seit Schließung des Standortes den Eindruck einer städtebaulichen Verwahrlosung. Hier ist eine Öffnung und Vernetzung mit der unmittelbaren Umgebung erforderlich. In zwei Varianten wurden landschaftsgestalterische Lösungen aufgezeigt, die unabhängig von der Nutzung der ehemaligen Posträume umsetzbar sind. Nach Bewertung der Vor- und Nachteile wurde empfohlen, die Variante 1 'Grüne Inseln' der weiteren Bearbeitung zugrunde zu legen. Die Fläche weist ein vielschichtiges Wegesystem mit amorphen Ve- getationsflächen auf. Seenkette Ziel des Rahmenplankonzeptes ist, das gleichförmige Parkband in drei differenzierte Bereiche – offe- ner 'Parksee' (Brentanosee) / Ruthsenbachaue / 'Waldsee' (Erich-Kästner-See) – zu gliedern, in de- nen Wasser das bestimmende Thema ist. Am 'Parksee' werden Wasserbalkons am Ufer des Cafés Chillmo sowie im Gegenüber am Ufer des Gemeindezentrums vorgeschlagen. Die Bepflanzung wird hier so weit zurückgenommen, dass die Gebäude der beiden Kirchengemeinden vom Café Chillmo wahrgenommen werden. Stadteingang West Die Verkleinerung des Bearbeitungsgebietes gegenüber dem Gutachterverfahren schließt den nördli- chen Stadteingang am Bahnhof Kranichstein aus weiteren Überlegungen aus. Der östliche Eingang in Richtung Messel steht aufgrund fehlender Flächen im öffentlichen Eigentum für eine weitere Planung derzeit nicht zur Verfügung. Somit übernimmt der Eingang West in Richtung Innenstadt die Aufgabe imageprägend für den Stadtteil zu wirken. 5 ... Vorgeschlagen wird, auf der in städtischem Eigentum befindlichen Dreiecksfläche eine hellblau la- ckierte Metallplatte in den Abmessungen 4,00 x 7,00 m zu installieren, auf der sich ausgestanzt ein Kranichschwarm in der kennzeichnenden V-förmigen Flugformation abbildet. Das Signet wird zur Rea- lisierung vorgeschlagen. Kreuzungsbereich EKZ Der Kreuzungsbereich Bartningstraße / Grund- und Gruberstraße am Einkaufszentrum wurde im Ver- lauf der Erarbeitung der Rahmenplanung von den Bürgervertretern als verkehrlich neuralgischer Punkt benannt und daher in die Planung einbezogen. Vorgeschlagen wird eine Entschleunigung des Verkehrs in der Tempo-30-Zone durch eine Erhöhung und farbliche Kennzeichnung des Belags an den Einmündungen des Kreuzungsbereichs. Skaterparcour Der im Gutachterverfahren vorgeschlagene Skaterparcour mit drei Routen durch und um Kranichstein wird in der Broschüre optional als Teil eines gesamtstädtischen In-Line-Netzes dargestellt. Die drei Rundstrecken mit unterschiedlicher Streckenlänge werden im Rahmenplan in ihrer Wegeführung mit dem neuen Boulevard Bartningstraße vernetzt. Die kürzeren Strecken binden die von Jugendlichen genutzten Orte an, während der lange Rundkurs ca. 5.000 m aufweist und als große Dreiecksfigur ganz Kranichstein umrundet. Für die Bereiche Bartningstraße, Seenkette, Stadtteileingang, nördliches Umfeld des Einkaufszent- rums am See sowie Kreuzungsbereich am Einkaufszentrum am See wurden Grobkostenschätzungen zur Planung des Fördermitteleinsatzes erstellt, die im Rahmen der Objektplanungen zu präzisieren sind. Während der Erarbeitung der Rahmenplanung wurden unterschiedliche Varianten für die Teilbereiche mit den Planungsbeteiligten der Stadt sowie den Arbeitsgruppen und Initiativen aus dem Stadtteil dis- kutiert. Die vorliegende Rahmenplanung wurde mit der AG 'Soziale Stadt' abgestimmt, die die Planung und die Umsetzung der ausgewählten Varianten begrüßt. Ziel ist, im Rahmen des Bund-Länder-Programms 'Soziale Stadt' in einem ersten Schritt die vorge- schlagenen Maßnahmen für den Planungsbereich 'Bartningstraße' über die Erarbeitung der Vor- und Entwurfsplanung in 2011 zu präzisieren und ab 2012 umzusetzen. Die hierfür benötigten Fördermittel stehen bereit. Die Dokumentation der Rahmenplanung des Büros Thomanek Duquesnoy Boemans liegt als Anlage bei. Darmstadt, 28.03.2011 61.1 sa-ci Tel. 3641 Der Dezernent II: Der Dezernent V: Der Dezernent VI: i. V. Wolfgang Glenz Jochen Partsch Wolfgang Glenz Bürgermeister Stadtrat Bürgermeister
Beratungsverlauf (1)
Orte (9)
- Bartningstraße 12
- Kranichsteiner Straße 2
- Siemensstraße
- Gruberstraße
- Jägertorstraße 3
- Luisenplatz
- Meißnerweg
- An der Fasaneriemauer
- Spreestraße 3a
Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.
Details
- Vorlagen-Nr.
- 2011/0119
- Typ
- Magistratsvorlage
- Datum
- 28.03.2011
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00