1137/2023
Neubau Justizzentrum Köln in Köln-Sülz; hier: Festlegung des BNB-Standards auf Silber
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Beschlussvorlage Ausschuss
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Dezernat, Dienststelle VI/612 Vorlagen-Nummer 1137/2023 Freigabedatum 08.05.2023 Beschlussvorlage zur Behandlung in öffentlicher Sitzung Betreff Bebauungsplanverfahren (vorhabenbezogener Bebauungsplan) "Neubau Justizzentrum Köln in Köln-Sülz"; hier: Festlegung des BNB-Standards auf Silber Beschlussorgan Stadtentwicklungsausschuss Gremium Datum Beschluss: Der Stadtentwicklungsausschuss 1. nimmt die „Stellungnahme Umsetzbarkeit und Auswirkungen BNB—Zertifizierung für das Projekt „Neubau Justizzentrum Köln“ zur Kenntnis 2. beschließt, zum derzeitigen Stand der Planung den BNB-Silber-Standard als Ziel für die weiteren Bebauungsplanschritte, die Auslobung eines hochbaulich- freiraumplanerischen Wettbewerbsverfahrens und die sonstigen Konkretisierungs- schritte bis zur HOAI-Leistungsphase 2 festzulegen und 3. verzichtet auf nochmalige Vorlage, falls die Bezirksvertretung 3 (Lindenthal) ohne Ein- schränkung zustimmt. Stadtentwicklungsausschuss 01.06.2023 Bezirksvertretung 3 (Lindenthal) 05.06.2023 2 Haushaltsmäßige Auswirkungen Nein Auswirkungen auf den Klimaschutz Nein Ja, positiv (Erläuterung siehe Begründung) Ja, negativ (Erläuterung siehe Begründung) Begründung: Der Stadtentwicklungsausschuss hat in seiner Sitzung am 02.06.2022 beschlossen, für das Bebauungsplanverfahren „Neubau Justizzentrum Köln in Köln-Sülz“ den BNB-Standard auf Gold festzulegen. Zur Konkretisierung dieses Beschlusses hat der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW Nieder- lassung Köln (BLB) eine Stellungnahme durch ee concept GmbH zu diesem Beschluss erar- beiten lassen. Die Stellungnahme von ee concept GmbH kommt zu dem Ergebnis, zum derzeitigen Stand der Planung den BNB-Silber-Standard als Ziel zu empfehlen. Insgesamt lässt sich das Fazit der Verfasser hinsichtlich der vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW untergliedern in: Auswirkungen auf die klimapolitischen Ziele der Stadt Köln Grundlegende Auswirkungen und Umsetzbarkeit Auswirkungen auf die Baukosten (Kostengruppe 300 + 400) Auswirkungen auf die Planungskosten (Kostengruppe 700) Grundsätzlich steht mit dem BNB-System allen Projektbeteiligten ein Instrument zur Verfü- gung, das es ermöglicht, Auswirkungen und Wechselbeziehungen von gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und ökologischen Dimensionen zu erkennen und zielsicher im Planungs- be- ziehungsweise Bauprozess zu behandeln. Infolge seiner strukturellen Ordnung eignet sich das System bereits in den frühen Projektphasen, um Zielbeschreibungen und Zielabgleich in Bezug auf die gewünschten Nachhaltigkeitsqualitäten und -schwerpunkte objektiv abzubilden. Insofern bittet die Verwaltung den Stadtentwicklungsausschuss, zum derzeitigen Stand der Planung den BNB-Silber-Standard als Ziel für die weiteren Bebauungsplanschritte, die Auslo- bung eines hochbaulich-freiraumplanerischen Wettbewerbsverfahrens und die sonstigen Kon- kretisierungsschritte bis zur HOAI-Leistungsphase 2 festzulegen. Anlagen: 1 Zusammenfassung der Stellungnahem der Umsetzbarkeit und Auswirkungen BNB- Zertifizierung für das Projekt „Neubau Justizzentrum Köln (ee concept) 2 Stellungnahme Umsetzbarkeit und Auswirkungen BNB—Zertifizierung für das Projekt „Neubau Justizzentrum Köln (ee concept)
Anlage 1 Zusammenfassung Stellungnahme ee concept
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Neubau Justizzentrum Köln Zusammenfassung der Stellungnahme zu Umsetzbarkeit und Auswirkungen der BNB-Zertifizierung (Verfasser: ee concept, 11.4.2023) Bau- und Liegenschaf tsbetrieb NRW Köln Domstraße 55 -73 50668 Köln Telef on: +49 221 35660-0 Telef ax: +49 221 35660-999 E-Mail: k.poststelle@blb.nrw.de Zentrale Rechnungsanschrift: Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW 47526 Kleve Geschäf tsführung: Gabriele Willems Marcus Hermes Dirk Behle www.blb.nrw.de Bankv erbindung: Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) IBAN: DE67 3005 0000 0004 0099 16 BIC: WELADEDD Steuer-Nr. 105/5806/1540 Anlage 1 Anlass Beschlussprotokoll über die 11. Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses in der Wahlperiode 2020/2025 am Donnerstag, dem 02.06.2022 Zu Ziffer 8, Beschluss: Der BNB Standard wird auf Gold festgesetzt. Dabei sind die Leitlinien zum Klimaschutz in der Umsetzung nicht-städtischer Neubauvorhaben (s. Vorlage 4286/2021) ohne Einschränkungen ein- zuhalten. Allgemeines Das BNB-System (Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen) des Bundes ermöglicht ebenso wie das DGNB-System (Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen) die Betrachtung und Bewertung ge- sellschaftlicher, wirtschaftlicher und ökologischer Aspekte im Planungs- und Bauprozess. Die Struk- tur des Systems eignet sich dazu, in den frühen Projektphasen Nachhaltigkeitsqualitäten festzule- gen und nachfolgend zu steuern. Die gültige Erlasslage des Bundes und des Landes NRW sieht die Einhaltung des BNB-Silber-Stan- dards vor. Der BNB-Silber-Standard entspricht hinsichtlich des Gesamterfüllungsgrades dem DGNB-Gold-Standard. (BNB-Gold entspricht DGNB-Platin) Auswirkungen auf die klimapolitischen Ziele der Stadt Köln Das Potential zur Reduktion von Treibhausgasemissionen (graue Energie) bei der Errichtung von Gebäuden findet in den Anforderungen des KFW Effizienzgebäudes 40 EE keine Berücksichtigung. Somit lassen sich KfW- und BNB-Anforderungen sich nicht direkt vergleichen, da die BNB-Methodik die CO2-Emissionen ganzheitlich im gesamten Lebenszyklus (von der Errichtung bis zur Verwer- tung) in einem Zeitraum von 50 Jahren beurteilt. Die Umsetzung der Klimaschutzziele der Stadt Köln werden sowohl bei einem Silber-Stan- dard als auch beim Gold-Standard gewährleistet. Grundsätzlich werden die CO2-Emmissio- nen durch die Umsetzung eines BNB-Standards (Silber und Gold) gegenüber den Anforde- rungen aus den Klimaleitlinien der Stadt Köln deutlich minimiert. Grundlegende Auswirkungen und Umsetzbarkeit Die unterschiedlichen Nutzungsarten (z.B. Saalbereiche mit hohem Verkehrsflächenanteil) sind in der gültigen Systemvariante BNB BN 2015 (Büro- und Verwaltungsgebäude) kaum abbildbar. Die spezifischen Anforderungen der Gebäude (z.B. hohe Sicherheitsanforderungen) können sich negativ auf die Nachhaltigkeitskriterien auswirken, so dass eine Bewertung der Lebenszykluskosten, der Flächeneffizienz und der Anpassungsfähigkeit nicht verlässlich prognostiziert werden kann. Eine verlässliche Zusage zur Realisierbarkeit des BNB-Gold-Standards ist auf Basis der der- zeit gültigen Systemvariante BNB BN 2015 und der spezifischen baulichen Anforderungen an das Gerichtsgebäude zum jetzigen Planungszeitpunkt nicht möglich. Seite 2 von 2 Auswirkungen auf die Planungs- und Baukosten Die zusätzlichen Planungskosten bei einer BNB-Zertifizierung sind im Vergleich zu den Baukosten als vergleichsweise sehr gering anzusehen. Älteren Studien, die Mehrkosten in Höhe von 0% bis 12,5% der Baukosten ausweisen, sind wegen des nicht projektspezifischen, einheitlichen Ausgangsstandards nur bedingt verwendbar. Eine präzisere Abschätzung der projektspezifischen Mehrkosten kann nach Abschluss des Wettbe- werbsverfahren und anhand eines konkreten Gebäudeentwurfs erfolgen. Es wird empfohlen in der derzeitigen Projektphase den BNB-Silber Standard als Ziel festzuschrei- ben. Die Zielvorgabe wird im Rahmen des Projektfortschritts nach HOAI-Leistungsphase 2 im Hinblick auf eine Umsetzbarkeit des Gold-Standards überprüft werden.
Anlage 2 Stellungnahme ee concept
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Sachstand 25.04.2023 Stellungnahme: Umsetzbarkeit und Auswirkungen BNB-Zertifizierung für das Projekt: „Neubau Justizzentrum Köln“ Anlass: Die ee concept gmbh wurde vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW Niederlassung Köln (BLB K) beauftragt, eine Stellungnahme zu nachfolgendem Sachverhalt zu erarbeiten: Beschlussprotokoll über die 11. Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses in der Wahlperiode 2020/2025 am Donnerstag, dem 02.06.2022 Zu Ziffer 8, Beschluss: Der BNB Standard wird auf Gold festgesetzt. Dabei sind die Leitlinien zum Klimaschutz in der Umsetzung nicht-städtischer Neubauvorhaben (siehe Vorlage 4286/2021) ohne Einschränkungen einzuhalten. Insbesondere sollen bei der Stellungnahme folgende Fragestellungen untersucht werden: • Beurteilung der grundlegenden und wirtschaftlichen Auswirkungen bei Umsetzung einer BNB-Zertifizierung in: o BNB-Gold o BNB-Silber • Beurteilung des BNB-Silber- und BNB-Gold-Standards im Hinblick auf die klimapolitischen Ziele der Stadt Köln Auftraggeber: Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW, Niederlassung Köln, Domstr. 55-73, 50668 Köln Verfasser: Andrea Georgi-Tomas, Geschäftsführerin, Dipl. Architektin ETH, DGNB Senior Auditorin, Energieberaterin Matthias Fuchs, Geschäftsführer, Dr.-Ing. Architekt, DGNB Auditor Anlage 2 ee concept Stellungnahme: Umsetzbarkeit und Auswirkungen BNB-Zertifizierung 2 Inhalt A ZUSAMMENFASSUNG 3 B STELLUNGNAHME 4 B.1 Vorbemerkungen zur BNB-Zertifizierung ........................................................................................................... 4 B.2 Auswirkungen auf die klimapolitischen Ziele der Stadt Köln ....................................................................... 7 B.3 Grundlegende und wirtschaftliche Auswirkungen ........................................................................................... 9 B.3.1 Grundlegende Auswirkungen und Umsetzbarkeit ..................................................................................................... 9 B.3.2 Baukosten (Kostengruppe 300 + 400) .......................................................................................................................... 10 B.3.3 Planungskosten (Kostengruppe 700) ............................................................................................................................ 11 B.4 Quellenverzeichnis ................................................................................................................................................. 12 ee concept Stellungnahme: Umsetzbarkeit und Auswirkungen BNB-Zertifizierung 3 A ZUSAMMENFASSUNG Die Stellungnahme kommt zu dem Ergebnis, zum derzeitigen Planungszeitpunkt den BNB-Silber-Standard als Ziel zu empfehlen. Die grundlegende Umsetzbarkeit im BNB-Gold-Standard erscheint unklar und die Auswirkungen auf die Baukosten sind (noch) unkalkulierbar. Die Klimaschutzziele können gleichermaßen im Gold- oder Silber-Standard gewährleistet werden und die BNB-Anforderungen zur „Grauen Energie“ werden sich zudem positiv auf die Reduktion von Treibhausgasemissionen auswirken. Insgesamt lässt sich das Fazit der Verfasser hinsichtlich der aufgeführten Fragestellungen wie folgt untergliedern: Auswirkungen auf die klimapolitischen Ziele der Stadt Köln • der verbindlich eingeführte Standard KfW-Effizienzgebäude 40 EE oder besser, ist als zeitgemäß einzuschätzen. • das große Potential zur Reduktion von Treibhausgasemissionen bei der Errichtung von Gebäuden – der grauen Energie – findet in den klimapolitischen Zielen der Stadt Köln bisher keine Berücksichtigung. Die entsprechen-den BNB-Anforderungen werden eine deutliche Minimierung der CO2-Emissionen bewirken. • folglich lassen sich die KfW- und BNB-Anforderungen nicht direkt vergleichen, da die BNB-Methodik die CO2-Emissionen ganzheitlich im Lebenszyklus von 50 Jahren beurteilt. Die Klimaschutzziele können gleichermaßen bei einer Zertifizierung in BNB- Gold oder -Silber gewährleistet werden. Grundlegende Auswirkungen und Umsetzbarkeit • aufgrund der derzeit gültigen Systemvariante BNB BN 2015 ist zum jetzigen Planungszeitpunkt eine Zusage zur prinzipiellen Realisierbarkeit in BNB-Gold nicht möglich (bundesweit noch kein zertifiziertes Gold-Projekt). • infolge der mannigfachen Unsicherheit in Bezug auf die Nutzungsart (z. B. Saalstrukturen in BNB BN 2015 kaum abbildbar, diesbezüglich nachteilige Benchmarks bei den Kriterien 2.1.1 / 2.2.1 / 2.2.2, bauliche Folgewir-kungen der hohen Sicherheitsanforderungen etc.) können die für eine BNB-Gold-Zertifizierung erforderlichen Punkte aktuell nicht verlässlich prognostiziert werden. • es wird angeregt, die Zielvorgabe im Rahmen des Projektfortschritts nach HOAI-Leistungsphase 2 im Hinblick auf eine Umsetzbarkeit des Gold-Standards zu überprüfen. Auswirkungen auf die Baukosten (Kostengruppe 300 + 400) • nach Einschätzung der Verfasser sind die. älteren Studien – die Mehrkosten für zertifizierte Gebäude als Pro-zentsatz zwischen 0% bis 12,5% der Baukosten ausweisen – nur bedingt verwendbar, da hier ein einheitlicher Ausgangsstandard zugrunde gelegt wird, der sich je nach Bauvorhaben stark unterscheidet. • für eine präzisere Abschätzung der projektspezifischen Mehrkosten können erst nach Abschluss des Wettbe-werbsverfahren die zusätzlichen planerischen und baulichen Anforderungen (d. h. BNB-Gold statt BNB-Silber) auf Grundlage der BNB-Zielvereinbarung vom Koordinator in Abstimmung mit dem Bauherrn ermittelt und vom beauftragten Projektteam hinsichtlich des konkreten Gebäudeentwurfs beziffert werden. Auswirkungen auf die Planungskosten (Kostengruppe 700) • die entstehenden zusätzlichen Planungskosten bei einer BNB-Zertifizierung sind im Vergleich zu den Baukosten als vergleichsweise sehr gering anzusehen. • um Sicherheit hinsichtlich der Honorarkosten zu erlangen, wird empfohlen die unter Pkt. B.3.3 aufgeführten Leistungen bereist frühzeitig den jeweiligen Planerverträge zuzuordnen und eindeutig zu formulieren. ee concept Stellungnahme: Umsetzbarkeit und Auswirkungen BNB-Zertifizierung 4 B STELLUNGNAHME B.1 Vorbemerkungen zur BNB-Zertifizierung Schutzgüter und Schutzziele bilden das Fundament des BNB-Zertifizierungssystems (siehe Abb. 01). Die Einhaltung dieser Ziele wird über Kriterien und Indikatoren beurteilt, die dem Drei-Säulen-Modell zugeordnet sind (ökologi-sche, ökonomische sowie soziokulturelle und funktionale Qualität). Zusätzlich fließen die technische Qualität und die Prozessqualität als Querschnittsthemen in die Gebäudebewertung ein. Die Beurteilung des Standorts erfolgt methodisch begründet separat und wird nicht mit der Gebäudenote vermengt. Abb. 01: Aufbau des BNB-Systems Wie auf der Folgeseite in der Abb. 02 dargestellt, umfassen die sechs Hauptkriteriengruppen in der Systemvariante für Bürogebäude aktuell 45 Nachhaltigkeitskriterien (39 Gebäudekriterien und 6 Standortkriterien), deren wissen-schaftliche Grundlagen und Anwendung in den zugehörigen „Kriteriensteckbriefen“ definiert sind (vgl. www.bnb-nachhaltigesbauen.de). Alle Kriterien werden in ihrer jeweiligen Qualität auf einer Skala von 0 bis 100 Punkten bewertet und verfügen zu-dem über spezifische „Bedeutungsfaktoren“ (Wert 1, 2 oder 3). Auf dieser Basis ergibt sich im Zusammenspiel mit den Gewichtungen der gebäudebezogenen Hauptkriteriengruppen (10% bzw. 22,5%) das Bewertungsergebnis. ee concept Stellungnahme: Umsetzbarkeit und Auswirkungen BNB-Zertifizierung 5 Abb. 02: Übersicht und Gewichtung der BNB-Kriterien (Systemvariante BNB_BN, 2015) ee concept Stellungnahme: Umsetzbarkeit und Auswirkungen BNB-Zertifizierung 6 In Anlehnung an olympische Medaillen erfolgt die Auszeichnung in Gold, Silber und Bronze und wird zusätzlich durch eine Gesamtnote ausgedrückt (siehe Abb. 03). Das Erreichen des BNB-Gütesiegels in Gold erfordert einen Erfüllungsgrad von mindestens 80% und eine Auszeichnung in Silber von mindestens 65%. Dabei besteht die Ne-benanforderung, dass für BNB-Silber in jeder Hauptkriteriengruppe ein Erfüllungsgrad von 50% und für BNB-Gold von 65% erreicht werden muss. In diesem Zusammenhang erscheint die Unterscheidung zwischen dem vergleichbar zum BNB-System aufgebauten DGNB- System beachtenswert. Das Deutschen Gütesiegel Nachhaltiges Bauen (DGNB) wurde für private Bauherren zeitgleich mi dem System für die öffentliche Hand 2009 veröffentlicht und verfügte zunächst über die gleich Aus-zeichnungslogik. In Anlehnung an die angelsächsischen Zertifizierungssysteme (z. B. LEED) wurden im Jahr 2015 die olympischen Medaillen „upgegradet“ und DGNB-Platin als höchste Auszeichnungsstufe eingeführt, wobei die Erfüllungsgrade beibehalten wurden. Seither sind die DGNB- und BNB- Medaillen nicht mehr direkt vergleichbar: • höchste Auszeichnungsstufe / Erfüllungsgrad > 80% / = DGNB-Platin -> entspricht BNB-Gold • mittlere Auszeichnungsstufe Erfüllungsgrad > 65% / = DGNB-Gold -> entspricht BNB-Silber • niedrige Auszeichnungsstufe Erfüllungsgrad > 50% / = DGNB-Silber -> entspricht BNB-Bronze Abb. 03: Auszeichnungslogik DGNB und BNB im Vergleich ee concept Stellungnahme: Umsetzbarkeit und Auswirkungen BNB-Zertifizierung 7 B.2 Auswirkungen auf die klimapolitischen Ziele der Stadt Köln Die Klimaschutzleitlinien der Stadt Köln zu Nichtwohngebäuden (Vorlage 4286/2021) basieren auf dem Bekenntnis zum klimaneutralen Köln (Ratsbeschluss 2019 zum Klimanotstand und 2021 zur Klimaneutralität bis 2035) und berücksichtigen die Grundprinzipien des energieoptimierten Bauens. Dazu zählt die Minderung des Energiebedarfs, die effiziente Bereitstellung des verbleibenden Energiebedarfs sowie der Einsatz erneuerbarer Energien zur Bedarfs-deckung. Die verbindlichen Anforderungen für neu zu errichtende Nichtwohngebäude sehen folgende Standards vor: • Einhaltung des Standards KfW-Effizienzgebäude 40 EE oder besser Ersatzmaßnahmen: o KfW-Effizienzgebäude 40 oder besser in Verbindung mit einem Fernwärmeanschluss, sofern die EE-Klasse nachweislich nicht erreicht werden kann. oder o KfW-Effizienzgebäude 40 oder besser in Verbindung mit der Einhaltung von U-Werten: opake Bauteile ≤ 0,15 W/(m²K) transparente Bauteile ≤ 0,8 W/(m²K) und o Erstellung eines Energiekonzeptes (in Abstimmung mit der Koordinationsstelle Klimaschutz), sofern auch die Anschlussmöglichkeit an das Kölner Fernwärmenetz nicht gegeben ist. o Einsatz von Photovoltaik (Anlagengröße mind. 1 kWp pro Gebäude, ggf. über Pachtmodell mit einem Ener-gieversorger umsetzbar). Zunächst ist festzustellen, dass der vorgegebene hohe und zeitgemäße Energiestandard der Stadt Köln sich vorteil-haft auf die BNB-Zertifizierung auswirken wird. Wie in Abb. 05 dargestellt, steht das Energiekonzept bzw. der GEG-Standard direkt oder indirekt mit 9 BNB-Kriterien im Zusammenhang und beeinflusst somit zu rund 1/3 (= 31,25%) den BNB-Gesamterfüllungsgrad. Abb. 05: Großer Einfluss des Energiekonzeptes bzw. des GEG-Standards auf die BNB-Bewertung ee concept Stellungnahme: Umsetzbarkeit und Auswirkungen BNB-Zertifizierung 8 Während die Anforderungen der Stadt Köln an den Betrieb von Gebäuden – Standards KfW-Effizienzgebäude 40 EE oder besser – als zeitgemäß einzuschätzen sind, finden der Energieaufwand und die Treibhausgasemissionen im Lebenszyklus infolge Herstellung, Errichtung, Erhalt sowie Rückbau/Aufbereitung bisher noch keine Berücksichti-gung. Das aktuell gültige Gebäudeenergiegesetz (GEG) (Die Bundesregierung 2020) sieht vor, dass die dort formulierten Anforderungen an neu zu errichtende bzw. bereits bestehende und für Veränderungen vorgesehene Gebäude im Jahr 2023 überprüft werden sollen. In diesem Kontext wird u. a. diskutiert, ob und inwieweit eine ökobilanzielle Bewertung in das Ordnungsrecht integriert werden kann und soll. Die Verfasser waren an der Studie „Ökobilanzielle Bewertung im Ordnungsrecht [1] beteiligt, um eine Grundlage für die zuständigen Ministerien zu liefern. Wie in der Abb. 06 ersichtlich, liegen die gebäudebedingten „grauen“ Anteile einer Ökobilanz bei energieeffizienten Neubauten bei ca. 50% und werden bei Gebäuden, die in der Betriebsphase eine ausgeglichene Bilanz der Treib-hausgasemissionen erreichen, 100% der (verbleibenden) Treibhausgasemissionen im Lebenszyklus verursachen. Abb. 06: Treibhaus(gas)potenziale (Gebäude + Betrieb) [1] Eine Verschärfung von Anforderungen an die energetische Qualität in der Betriebsphase ohne gleichzeitige Be-trachtung der grauen Energie und der grauen Emissionen birgt die Gefahr von Fehlanreizen/Fehlentscheidungen bis hin zur Umkehr des Trends der ökologischen Vorteilhaftigkeit. [ebd.] Eine ökobilanzielle Bewertung und die Einhaltung entsprechender Zielwerte sind im Rahmen des BNB-Systems ob-ligatorisch. Infolgedessen wird sich die Gebäudezertifizierung – über die bestehenden Klimaschutzziele der Stadt Köln hinaus – positiv auf die Minimierung der Treibhausgasemissionen auswirken. ee concept Stellungnahme: Umsetzbarkeit und Auswirkungen BNB-Zertifizierung 9 B.3 Grundlegende und wirtschaftliche Auswirkungen B.3.1 Grundlegende Auswirkungen und Umsetzbarkeit Der aktuelle Erlass des Bundes und des Landes sieht vor, bei größeren Neubaumaßnahmen den BNB-Standard in Silber umzusetzen. Grundlegend ist dabei relevant, dass das BNB-System kontinuierlich weiterentwickelt wird und die verschiedenen Versionen (z. B. Version 2009, Version 2015) über unterschiedlich hohe bzw. sehr hohe Zielwerte („Benchmarks“) verfügen. Nachfolgend werden in Auszügen einige für das Justizzentrum wesentlich erscheinende Merkmale des derzeit gültigen BNB-Systems BN 2015 dargestellt: • das System BNB BN 2015 ist in Teilen veraltet. Angestrebte LowTech-Energiekonzepte werden in einigen Krite-rien „abgestraft" (z. B. wird beim thermischen Komfort der Einsatz von Klimaanlagen positiver bewertet) • seit circa einem Jahr wird seitens des BBSR ein neues BNB 2.0 System erarbeitet, die Anforderungen und Bench-marks sind jedoch noch nicht veröffentlicht. • bisher wurde bundesweit kein Projekt in der BNB BN 2015 Variante in Gold zertifiziert • es bestehen Unklarheiten, ob der ganze Gebäudekomplex mit der Version BNB BN 2015 (Neubau Bürogebäude) zertifiziert werden kann, da die Saalstrukturen mit ihrem Flächenanteil von ca. 50 % nicht in allen Kriterien ab-bildbar sind. • zudem sind die in einzelnen Steckbriefen festgeschriebenen Benchmarks nachteilig für die Nutzungsart der Sit-zungssäle. Dies betrifft insbesondere die ökonomische Qualität mit ihren drei sehr hoch bewerteten Kriterien. Hier erscheinen derzeit nur sehr niedrige Erfüllungsgrade möglich, die nicht durch andere Kriterien kompensiert werden können: o Kriterium 2.1.1 Gebäudebezogene Kosten im Lebenszyklus (Anteil an der Gesamtbewertung 11,25 %): Mit den derzeit hinterlegten Benchmarks kann man hier nicht von einer hohen Bewertung ausgehen. Unsere Er-fahrungswerte aus anderen Projekten zeigen, dass selbst typische Büro- und Verwaltungsgebäude meist keine Bewertung über 70 % erreichen. o Kriterium 2.2.1 Flächeneffizienz (Anteil an der Gesamtbewertung 3,75 %): Die Verkehrsfläche ist aufgrund der notwendigen zwei Zuwegungen pro Saal stark erhöht, so dass hier keine hohe Punktzahl zu erreichen ist. o Kriterium 2.2.2 Anpassungsfähigkeit (Anteil an der Gesamtbewertung: 7,50 %): In den Indikatoren „Gebäude-tiefe“, „Grundrisse“, „Konstruktion“ und „Technische Ausstattung“ können keine ausreichenden Punkte auf-grund der Nutzungsart erreicht werden. • zum derzeitigen Planungsstand bestehen viele Unsicherheiten, die auch im Zuge des Zielvereinbarungsworkshop offenkundig wurden. Es bestehen in diesem Projekt sehr hohe Sicherheitsanforderungen, so dass derzeit nicht abgeschätzt werden kann, ob ein Holz(hybrid)-Tragwerk umsetzbar ist. • weitere Unwägbarkeiten gehen von der Fassadenkonstruktion aus. Hier stellt sich die Frage, ob Low-Tech-Kon-zepte – wie beispielsweise Nachtlüftung – sich unter den o. g. Sicherheitsanforderungen umsetzen lassen. Diese Aspekte beeinflussen die ökologische Qualität enorm. • Deshalb ist eine Zusage zur prinzipiellen Realisierbarkeit für BNB-Gold zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich ee concept Stellungnahme: Umsetzbarkeit und Auswirkungen BNB-Zertifizierung 10 B.3.2 Baukosten (Kostengruppe 300 + 400) Die Investitions-Mehrkosten für die Planung und Ausführung eines BNB-zertifizierten Gebäudes hängen einerseits vom "Sowieso-Standard" ab – d. h. die Planungs- und Bauqualität, die der Bauherr unabhängig von einer Zertifizie-rung vorsieht – und andererseits vom angestrebten BNB-Standard und den daraus resultierenden Anforderungen an die Planungs- und Bauqualität. Die Mehrkosten stellen die Kostendifferenz zwischen diesen beiden Qualitäten dar. Nachfolgend werden die Auswirkungen, untergliedert nach Auswirkungen auf die Baukosten (KG 300 + 400) sowie auf die Planungskosten (KG 700), dargestellt. Unterschiedliche Studien sind im Kontext der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen entstanden. Eine em-pirische Erhebung des Unternehmens Jones Lang LaSalle SE [2] weist beispielsweise Mehrkosten in der Bandbreite zwischen 0 % bis 12,5 % aus. Andere Studie führen bei einer Platinzertifizierung Mehrkosten von 6,5% auf [ebd.]. Zur Fragestellung nach den Kostenfaktoren einer BNB-Zertifizierung in Abhängigkeit des Erfüllungsgrades bzw. den Auszeichnungen in Bronze, Silber Gold, gibt es kaum profunde Studien. Das Bundesministerium für Wohnen, Stadt-entwicklung und Bauwesen (BMWSB) hat den Forschungsbedarf erkannt und ganz aktuell die Verfasser angefragt bis zum III Quartal 2023 entsprechend belastbare Untersuchungen durchzuführen. ee concept Stellungnahme: Umsetzbarkeit und Auswirkungen BNB-Zertifizierung 11 B.3.3 Planungskosten (Kostengruppe 700) Im Unterschied zu den Baukosten lassen sich die Planungsmehraufwendungen für BNB-zertifizierte Gebäude im Vergleich zu nicht-zertifizierten Gebäuden präziser beziffern. Hierbei spielen die Bausumme und der Erfüllungsgrad (d. h. Gold vs. Silber) nur eine untergeordnete Rolle, da immer sämtliche Kriterien zu beachten und – mit margina-len Abweichungen – die diesbezüglichen Nachweise und Dokumentationsleistungen zu erbringen sind. Wie in Abb. 04 ersichtlich, können die erforderlichen Leistungen für den BNB-Koordinator, das Planungsteam und die Bauausführung unterschieden werden. Studien oder Veröffentlichungen zur Höhe der resultierenden Planungs-mehraufwendungen bei BNB-Projekten liegen nicht vor. Nach Erfahrung und Einschätzung der Verfasser werden die zusätzlichen Planungskosten für das Justizzentrum Köln insgesamt < 1 Mio. Euro betragen. BNB-Kriterium Planungsmehraufwendungen Mehraufwand BNB-Koordinator alle Beratung, Koordination und Controlling über alle Leistungsphasen, Dokumentation / Audit 1.1.1-1.1.5, 2.1.1 Ökobilanzierungen und Lebenszykluskostenberechnungen 1.1.6, 1.1.7, 3.1.3 Baubiologische und -ökogische Beratung (Schadstoffberatung, Prüfung von Leistungsver-zeichnissen, Bauprodukteprüfung, Baustellenbegehungen und -einweisungen, Raumluftmes-sungen) Mehraufwand Planungsteam alle Berücksichtigung der BNB-Anforderungen in der Planung, Informationsaustausch mit BNB-Koordination alle Zuarbeit BNB-Dokumentation (i. d. R. Zusendung von vorhandenen Unterlagen) 1.1.1-1.1.5, 1.2.1, 4.1.4 Bauteilkatalog einschl. Mengenermittlung 3.1.1 Auswertung thermische Simulation gemäß BNB 3.1.5 Ergänzung Tageslichtsimulation (Tageslichtversorgungsfaktor) 3.2.1 Einbindung Sachverständiger Barrierefreiheit 5.1.3 Erstellung von Konzepten inklusive Variantenbetrachtungen und -bewertungen (z. B. Energie, Wasser, Reinigung- und Instandhaltung, Rückbau- und Recyclingfähigkeit, Monitoring, u. a. Mehraufwand Bauausführung alle Koordination (z.B. Messungen), Dokumentation (z.B. Sammeln der Lieferscheine aller Holzprodukte), Informationsaustausch und Zuarbeit BNB-Koordinator 1.1.6, 1.1.7, 3.1.3 Deklaration aller schadstoffrelevanten Produkte sowie aller Holz- und Natursteinprodukte in-klusive Zuordnung der Herkunft des Holzes sowie der Nummer des zugehörigen CoC-Zertifi-kates zu jeder Holzposition auf den Lieferscheinen 5.2.1 Überprüfung und Dokumentation der Erfüllung der Anforderungen an die Abfalltrennung, den Staubschutz, Lärmschutz und Bodenschutz auf der Baustelle. Alternativ zu Anforderun-gen Abfalltrennung: Beauftragung Abfalllogistiker 4.1.2, 5.2.2 Luftdichtheitsmessung, Thermographiemessung, weitere Messungen (Luftschallschutz, Tritt-schallpegel, Immissionsschutzmessung, Entrauchungsversuche etc.) Abb. 04: Kostenfaktoren und Planungsmehraufwendungen bei BNB-zertifizierten Projekten ee concept Stellungnahme: Umsetzbarkeit und Auswirkungen BNB-Zertifizierung 12 B.4 Quellenverzeichnis [1] solidar planungswerkstatt, ee concept gmbh, Bau- Energie- und Umweltberatung Weimar, 2022: „BBSR-Endbe-richt. Grundlagen und erste Ansätze zur vereinfachten ökobilanziellen Bewertung von Gebäuden im Ordnungs-recht“ [2] Jones Lang LaSalle SE, 2021: „Nachhaltigkeitszertifikat als Werttreiber? Empirische Erhebung und Szenarien zum Werteinfluss bei Bürogebäuden“ https://www.jll.de/content/dam/jll-com/documents/pdf/research/emea/ger-many/de/Nachhaltigkeitszertifikat-als-Werttreiber-JLL-Deutschland.pdf
Beratungsverlauf (2)
Beschluss: ungeändert beschlossen
Zur SitzungBeschluss: ungeändert beschlossen
Zur SitzungOrte (1)
- Domstraße 55
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Details
- Aktenzeichen
- 1137/2023
- Typ
- Beschlussvorlage Ausschuss
- Datum
- 08.05.2023
- Erstellt
- 04.04.2023 12:29