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V/0540/2007

Umbenennung des Carl-Diem-Weges

Vorlagen 25.07.2007

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Nächste Beratung: Bezirksvertretung Münster-West, Sitzung am 23.08.2007, TOP 4.4

Anlage-1-Antrag-A-W-16-2007

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Beschlussvorlage

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Anlage-2-vom-Stadtsportbund

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Ansehen

Anlage-1-Antrag-A-W-16-2007

5115 Zeichen

A-W/o046/ 200F

SPD-Fraktionin der Bezirksvertretung Münster-West SPD |

Thorsten Kornblum 48161 Münster, 23.05.2007
 Toppheideweg 12

An die BV Münster-West
- z.Hd. Frau Bezirksvorsteherin -

Schelmenstiege 1-3
48161 Münster

Betr.: Umbenennung des Carl-Diem-Weges

Die Bezirksvertretung wolle beschließen:

Der Carl-Diem-Wege wird in Julius-Hirsch-Weg umbenannt.
Begründung:

Das Anliegen dieses Antrags ist nicht eine Schuldzuweisung, sondern die Beendigung einer
Ehrung und der damit verbundenen fragwürdigen Vorbildfunktion für den Sport in einer
demokratischen Gesellschaft.

Die nie verstummte, seit den 90er Jahren verstärkt geführte Kontroverse um den
Sportfunktionär und -wissenschaftler Carl Diem kreist um die Frage, wie die sportpolitische
Rolle Diems im Nationalsozialismus einzuordnen ist und wie sie im Zusammenhang mit
seinen Verdiensten nach 1947 zu gewichten ist.

Folgende Erkenntnisse zu seiner Rolle innerhalb des NS Regimes sind dabei unbestritten:

Diem, u.a. aufgrund der jüdischen Verwandtschaft seiner Frau nie Mitglied der NSDAP
gewesen und anfangs als politisch unzuverlässig eingestuft, wurde ab 1936 zur
Schlüsselfigur der NS-Sportideologie und deren Organisationen. Unter seinen zahlreichen
Publikationen stellt sein Hauptwerk, „Die Olympische Flamme“ (Berlin 1936), das wichtigste
Zeitdokument der NS-Sportpropaganda dar.

1936 war er als Generalsekretär des Organisationskomitees der verantwortliche Gestalter der
olympischen Spiele in Berlin. 1938 bis 1945 war er Leiter des Olympischen Instituts. Seit
1939 hatte er die Funktion des Gauleiters im NS-Bund für Leibesübungen, zuständig für
Auslandskontakte, inne. Andere wichtige Funktionen, in denen er die Gleichschaltung des
Sports betrieb, kamen hinzu.

Sport war für Diem in erster Linie Wehrsport. Krieg und Sport waren für ihn aufs Engste
miteinander verbunden: „Der Krieg ist der vornehmste, ursprünglichste Sport, der Sport par
exellence und die Quelle aller anderen Sportarten (...)* (in: Markus Wiskus: „Der Krieg ist der
vornehmste Sport“, Leibeserziehung, Heft 12,1971, S. 409 ff.). In einer Denkschrift von 1941
fordert Diem die Beibehaltung der Olympischen Spiele auch während des Krieges; „Ich meine

SPD-Fraktionin der Bezirksvertretung Münster-West SPD I

aber, dass man den Herrschaftsstandpunkt der überlegenden Rasse nur dann auf Dauer
durchhält, wenn auch eine körperliche Gesundheit und Kraft dahinter steht und darum sehe
ich in den Spielen für Europa genau das, was Coubertin in ihnen für Frankreich gesehen hat:
die immerwährende Prüfung im härtesten Feuer und der stachelnde Anreiz, es den besten
Völkern gleich zu tun (...)“

In seinem Aufsatz im „Reichssportblatt“ vom 25.06.1940, drei Tage nach dem offiziell
verkündeten Sieg der deutschen Truppen über Frankreich, rühmt er „mit atemloser Spannung
und steigender Bewunderung diesen Sturmlauf, diesen Siegeslauf‘ und steht „staunend vor
den Taten des Heeres“ und versichert, dass „der sportliche Geist, in dem Deutschlands
Jungmannschaft aufgewachsen ist“ erst den „Sturmlauf durch Polen, Norwegen, Holland,
Belgien und Frankreich“ und den „Siegeslauf in ein besseres Europa“ ermöglichte.

Carl Diem zitiert in seiner am 18.3.1945 vor dem HJ-Volkssturmlehrgang auf dem
Reichssportfeld in Berlin gehaltenen Rede den spartanischen Dichter Tyrtaios, dessen
Gedicht u.a. die Zeilen enthält: “Schön ist der Tod, wenn der edle Krieger für das Vaterland
ficht, für das Vaterland stirbt.“ (LG Darmstadt vom 17.1.2002).

Auch Sätze wie "Sport ist freiwilliges Soldatentum" belegen Diems militaristische Haltung. In
dem im Jahr 2000 erschienenen Buch von Achim Laude und Wolfgang Bausch "Der
Sportführer: Die Legende um Carl Diem" erscheint der NS-Sportfunktionär als brauner
Karrierist, der maßgeblichen Anteil an der Gleichschaltung des Sports hatte und
bedingungslose Vaterlandsliebe predigte (Quelle: Der Tagesspiegel v. 10.07.2001).

Nach der öffentlichen Distanzierung (1995) des Leiters der 1947 von Carl Diem gegründeten
Deutschen Sporthochschule in Köln begannen zahlreiche Umbenennungen von Schulen,
Straßen, Sporthallen und Ehrenplaketten.

Die nationalistische, militaristische und rassistische Haltung Diems ist vorstehend
herausgestellt.

Es stünde der Friedensstadt Münster wohl an, dem Beispiel der Kommunen Würzburg
(Geburtsstadt Diems), Mannheim, Hanau, Düren, Frechen sowie des Deutschen
Leichtathletik Verbandes zu folgen und damit ihrerseits einen Beitrag zu einem humanen,
gewaltfreien und der Völkerverständigung verpflichtetem Sport zu leisten.

Die Neubenennung erinnert an den jüdischen Sportler Julius Hirsch, der 1933 aus dem
Karlsruher Sportverein ausgeschlossen wurde und 1943 nach Auschwitz deportiert wurde.

Stellvertretend für die Generation ausgeschlossener und ermordeter Sportler schuf der DFB
2005 an ihn erinnernd den Julius-Hirsch-Preis. Er soll jährlich an.Personen und / oder
Vereine verliehen werden, die sich besonders "für Freiheit, Toleranz und Menschlichkeit
sowie gegen nationalsozialistische, rassistische, fremdenfeindliche oder extremistische
Erscheinungsformen" einsetzen.

gez.: Thorsten Kornblum und Fraktion

Beschlussvorlage

1906 Zeichen

V/0540/2007 
DER OBERBÜRGERMEISTER 
Vermessungs- und Katasteramt 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Betrifft 
 
Umbenennung des Carl-Diem-Weges 
 
 
 
 
Beratungsfolge 
 
 
23.08.2007 Bezirksvertretung Münster-West Entscheidung
 
 
 
Beschlussvorschlag: 
I. Sachentscheidung: 
Die Entscheidung über die Umbenennung des Carl-Diem-Weges wird zurückgestellt bis For-
schungsergebnisse der Universität Münster vorliegen. 
 
 
II. Kosten/Folgekosten 
Es entstehen keine Kosten.  
 
 
 
Begründung: 
Der Beschluss bezieht sich auf den Antrag der SPD-Fraktion in der BV-Münster-West Nr. A-
W/0016/2007 vom 23. Mai 2007. Der Antrag enthält den Beschlussvorschlag zur Umbenen-
nung des Carl-Diem-Weges in Julius-Hirsch-Weg. (Anlage 1) 
Zu diesem Antrag wurde der Stadtsportbund Münster um Stellungnahme gebeten, denn im 
Jahre 1966 stammte der Vorschlag zur Benennung einer Straße nach Carl Diem vom damali-
gen „Stadtverband für Leibesübungen“. Der Stadtsportbund schließt sich dem Antrag der SPD 
nicht an. (Anlage 2)  Der SSB teilt mit, dass es ein wissenschaftliches Projekt zu „Leben und 
Werk von Carl Diem“ an der Universität Münster gibt.  
Auf Anfrage beim Historischen Seminar der WWU teilte der Leiter des Forschungsprojektes 
Prof. Dr. Frank Becker mit, das Projekt werde voraussichtlich im Frühjahr 2008 abgeschlos-
Vorlagen-Nr.: 
V/0540/2007 
Auskunft erteilt: 
Herr  Zimmermann 
Ruf: 
492 62 42 
E-Mail: 
ZimmermannBernhard@stadt-muenster.de  
Datum: 
24.07.2007 
Öffentliche Beschlussvorlage

- 2 - 
V/0540/2007 
sen. Erst dann könne er eine Stellungnahme über die Rolle Carl Diems in der NS-Zeit abge-
ben. Die Verwaltung wird dann die Bezirksvertretung über die Forschungsergebnisse informie-
ren und eine Beschlussvorlage zu dem oben genannten Antrag auf Umbenennung vorlegen. 
 
I. V. 
 
gez. 
 
 
Schultheiß 
Stadtdirektor 
 
 
 
 
 
Anlagen: 
1.  Antrag Nr. A-W/0016/2007 
2.  Stellungnahme vom Stadtsportbund

Anlage-2-vom-Stadtsportbund

1835 Zeichen

IMUNSTER

Stadtsportbund Münster e.V. | Mauritz-Lindenweg 95 | 48145 Münster R a
Mauritz-Lindenweg 95

48145 Münster

Stadt Münster i Fon: 0251/ 30334
RER RRETET ! Fax: 0251/ 39.4189
Vermessungs- und Katasteramt Bira: 25. EN 207 5 u
Albersloher Weg 33 un aa www.stadtsportbund-ms.de
Er info @ stadtsportbund-ms.de

48127 Münster =

wi
Datum ! Unser 2:
18.6.2007

Antrag auf Umbenennung des ‚Carl-Diem-Weges’
Ihr Schreiben vom 1.6.2007

Sehr geehrter Herr Zimmermann!

Der Vorstand des Stadtsportbundes Münster hat Ihr Schreiben in seiner Sitzung am 11.6.2007
eingehend beraten und folgenden, einstimmigen Beschluss gefasst:

Dem Antrag der SPD-Fraktion wird nicht gefolgt.

Der ‚Stadtverband für Leibesübungen’ hat seinen Antrag auf Benennung einer Straße nach
Carl Diem seinerzeit mit der Lebensleistung von Carl Diem für den deutschen Sport be-
gründet. Diese Lebensleistung für den Sport sieht auch der Stadtsportbund Münster nach wie
vor als gegeben an.

Damit beschönigen wir in keinster Weise etwaige Positionierungen oder Rollen innerhalb des
NS-Regimes, oder heißen sie gut. Nachgewiesenermaßen war Carl Diem nicht Mitglied der
NSDAP, schon gar nicht Gauleiter.

Im übrigen weisen wir darauf hin, dass derzeit ein wissenschaftliches Projekt zu ‚Leben und
Werk von Carl Diem’ im Auftrag des DOSB ( Deutscher Olympischer SportBund ), gefördert
durch die Krupp-Stiftung, an der UNI Münster durchgeführt wird. Leiter des Projektes sind
Professor Dr.Krüger, geschäftsführender Direktor des Fachbereichs Sportwissenschaft der
WWU und Professor Dr. Franz Becker vom historischen Seminar der WWU. In Detailfragen
Können Sie sich gerne mit Ihnen in Verbindung setzen.

Mit freundlichen Grüßen

VER ge
1.A. Dietmar Wiese
Geschäftsführer

St.Nr.: 337/5984/0013 Bankverbindung | Sparkasse Münsterland-Ost | BLZ 400 50150 | Konto Nr. 68 981

Beratungsverlauf (1)

23.08.2007 Bezirksvertretung Münster-West
TOP 4.4 Entscheidung Entscheidung

Beschluss: bei Stimmengleichheit abgelehnt

Zur Sitzung

Orte (4)

  • Toppheideweg 12
  • Mauritz-Lindenweg 95
  • Albersloher Weg 33
  • Schelmenstiege 1

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Details

Vorlagen-Nr.
V/0540/2007
Typ
Vorlagen
Datum
25.07.2007
Erstellt
06.10.2020 14:37