AN/0742/2021
Köln als Corona-Modellkommune – zur falschen Zeit?
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SPD Anfrage nach § 4
4311 Zeichen
An den Vorsitzenden des Gesundheitsausschusses Herrn Dr. Ralf Unna Frau Oberbürgermeisterin Henriette Reker SPD-Fraktion im Rat der Stadt Köln Rathaus, Spanischer Bau 50667 Köln fon 0221. 221 259 50 fax 0221. 221 246 57 mail fraktion@koelnspd.de web www.koelnspd.de Eingang beim Amt der Oberbürgermeisterin: 14.04.2021 AN/0742/2021 Anfrage gem. § 4 der Geschäftsordnung des Rates Gremium Datum der Sitzung Gesundheitsausschuss 20.04.2021 Köln als Corona-Modellkommune – zur falschen Zeit? sehr geehrter Herr Ausschussvorsitzender, sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin, die Antragsteller bitten Sie, folgende Anfrage in die Tagesordnung des Gesundheitsaus- schusses am 20.04.2021 aufzunehmen: Köln hat sich erfolgreich bei der Landesregierung darum beworben, Modellkommune in einer wissenschaftlichen Erprobung digital unterstützter, begrenzter Öffnungen des gesellschaftli- chen Lebens zu sein. Das Land hat entschieden, Köln mit der Durchführung eines solchen Modellversuchs zu beauftragen, und dafür enge Grenzen gesetzt. So gilt ein Inzidenzwert über 100 als Ausschlusskriterium, und es sind Abbruchbedingungen im Infektionsgeschehen definiert. Damit unterscheidet sich das Kölner Modell grundlegend von zuletzt kontr overs diskutierten anderen Projekten, die weitgehend ohne eine solche wissenschaftliche Rah- mung auskommen. Die digitale Infrastruktur, durch die die Modell-Öffnungen ermöglicht werden, steht im Fokus des Tests. So sollen gültige Negativ -Tests für den Zuga ng etwa zu geöffneten Geschäften über die Smartphones der Nutzer*innen verwaltet werden. Die Echtheit wird durch ein Zertifi- zierungssystem gewährleistet. Auch die Kontaktnachverfolgung bei erkannten Infektionen soll in den Modellbereichen durch weitergehen de digitale Lösungen erleichtert werden. In unterschiedlichen Stufen sollen unter anderem ein einzelnes Einkaufszentrum mit zugehöri- gem Einzelhandel, eine Ladenstraße, eine Eventlocation, eine Kultureinrichtung, eine Sport- stätte sowie Außen- und Innengastronomie geöffnet werden, außerdem Schulen und Kitas. Es stellt sich jedoch die Frage, ob es sich um den richtigen Zeitpunkt handelt, in Köln ein Modellprojekt mit Öffnungen zu starten. Am selben Tag, als die Stadt und Oberbürgermeiste- rin Henriette Reker den Zuschlag für Köln verkündeten, musste Köln aufgrund der steigen- den Zahl der Intensivpatient*innen Alarm schlagen und kürzlich erfolgte Lockerungen wieder zurücknehmen. Die Leiterin des städtischen Krisenstabes Andrea Blome kommentierte dazu - 2 - im WDR: „Die Lage in den Kölner Krankenhäusern und Kliniken ist sehr ernst.“ Man habe die kommunal verfügbaren Mittel im Kampf gegen das Virus aktuell ausgeschöpft. Nun sei es Aufgabe des Landes, kurzfristig weitergehende Maßnahmen zu ergreifen. Beispielsweise habe es am ersten April-Wochenende im Erft -Kreis bereits volle Intensivstationen gegeben, weshalb Patient*innen von dort nach Köln gebracht worden seien. Von bloß noch 22 verfüg- baren Intensivbetten war die Rede. Michael Hallek, Professor für Innere Medizin an der Uni- klinik Köln, warnte, die Situation sei bereits so dramatisch wie in der Zeit vor Weihnachten. Dabei betrifft die Krise nicht nur Covid -19-Kranke, sondern alle Menschen, die auf einen In- tensivplatz angewiesen sind. Wir fragen darum die Verwaltung: 1) Wie stellen sich die im Rahmen des Modellprojekts anvisierten Öffnungen im Detail dar, und welche Institutionen sollen geöffnet werden? 2) Welche digitalen Strukturen werden dafür geschaffen, und auf welcher Rechtsgrundlage soll die mit dem Modellvorhaben einhe rgehende Verarbeitung von Gesundheitsdaten i.S.d. Art. 9 DS-GVO legitimiert werden? 3) Welche Schutzkonzepte sind vorgesehen, und welche Rolle spielen bereits geimpfte Personen (Erst-/Zweitimpfung)? 4) Wie sieht die wissenschaftliche Vorbereitung und Evaluation der modellhaften Öffnungen genau aus, und welche wissenschaftliche Institution ist dafür vorgesehen? 5) Welche Abbruchkriterien sind definiert, und ab wann gelten die Öffnungen als Erfolg? Die Anfrage und die Antworten auf diese Fragen bitten wir, auch dem Digitalisierungsaus- schuss zur Kenntnis zu geben. Mit freundlichen Grüßen gez. Mike Homann SPD-Fraktionsgeschäftsführer
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: Sache ist erledigt
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- AN/0742/2021
- Typ
- SPD Anfrage nach § 4
- Datum
- 14.04.2021
- Erstellt
- 14.04.2021 09:51