V/0262/2021
Abfallstatistik 2020
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Berichtsvorlage
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V/0262/2021 V/0262/2021 Öffentliche Berichtsvorlage Betrifft Abfallstatistik 2020 Beratungsfolge 16.06.2021 Betriebsausschuss der Abfallwirtschaftsbetriebe Bericht Bericht: Im Rahmen des Berichtswesens der Abfallwirtschaftsbetriebe Münster wird dem Betriebsausschuss mit der Anlage die Abfallbilanz 2020 vorgelegt. Die Abfallbilanz 2020 - Einblick, Durchblick, Ausblick - berichtet über die verwerteten / entsorgten Abfallmengen des vergangenen Kalenderjahres mit dem Schwerpunkt der Abfälle aus Haushalten. Die Veröffentlichung informiert die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Münster über die wesentlichen Fakten der kommunalen Abfallwirtschaft in Münster im Jahr 2020. In komprimierter und übersichtli- cher Form wird über Art, Menge und Verbleib der angefallenen Abfälle und Wertstoffe aus Haushalten berichtet. Der Bericht nimmt Bezug auf die Vision 2030, die den Faktor der Abfallvermeidung in den Mittelpunkt stellt. Die Abfälle die nicht vermieden werden können, sollen als Wertstoffe stofflich oder energetisch weitergenutzt werden. I.V. gez. Peck Stadtrat Anlagen: - Abfallbilanz 2020 - Anlage A Abfallwirtschaftsbetriebe Münster 02.06.2021 Ihr/e Ansprechpartner/in: Herr Beutel Telefon: 6052-44 Beutel@awm.stadt- muenster.de
Anlage A
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Anlage A zur V/0262/2021 Kurzüberblick Bericht an den Betriebsausschuss über die verwerteten / entsorgten Abfallmengen des vergan- genen Kalenderjahres mit dem Schwerpunkt der Abfälle aus Haushalten in Bezug auf die Vision 2030 Ziele/Teilziele/Zielerreichung Information des Betriebsausschusses über die wesentlichen Fakten der kommunalen Abfallwirt- schaft in Münster im Jahr 2020. In komprimierter und übersichtlicher Form wird entsprechend über Art, Menge und Verbleib der angefallenen Abfälle und Wertstoffe berichtet. Finanzierung Produktgruppe: 11.02 Abfallwirtschaft Auswirkungen auf den Ergebnisplan Ja x Nein Auswirkungen auf den Finanzplan Ja x Nein Im beschlossenen (Nachtrags-)Haushaltsplan JJJJ enthalten? Ja Nein teilw. Im Entwurf des (Nachtrags-)Haushaltsplan JJJJ enthalten? Ja Nein teilw. Belastungen in zukünftigen HH-Jahren? Ja Nein Bereits veranschlagt? Ja Nein Pflichtigkeitsgrad Die Maßnahme/Leistung ist vollständig pflichtig überwiegend pflichtig x überwiegend freiwillig vollständig freiwillig Die pflichtigen, detaillierten Bilanzdaten gemäß § 21 Kreislaufwirtschaftsgesetz sowie § 5 c Lan- desabfallgesetz für 2020 wurden den Aufsichtsbehörden vorgelegt. Die Daten werden im Rahmen des AWM-Berichtswesens für den Betriebsausschuss aufbereitet und jährlich in diesem Gremium diskutiert. Unmittelbare, grundsätzliche Relevanz für Querschnittsthemen (Demographie, Gleichstellung, Inklusion, Klimaschutz, Migration) keine.
Anlage: Abfallbilanz 2020
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AWM-Abfallbilanz 2020 AWM-Abfallbilanz 2020 1 | Einblick in die Zahlen Einblick | 2 Abfallwirtschaftsbetriebe Münster Rösnerstraße 10 48155 Münster Telefon: +49 (0) 251/ 60 52 - 53 Telefax: +49 (0) 251/ 60 52 - 48 awm@stadt-muenster.de www.awm.muenster.de Kontakt Abfallbilanz 2020 Einblick, Durchblick, Ausblick AWM-Abfallbilanz 2020 Inhalt | 1 AWM-Abfallbilanz 20203 | Einblick in die Zahlen Inhalt Einblick Die wichtigsten Zahlen der Abfallbilanz 2020 ........................................................ 02 Münster als Hauptstadt der Abfallvermeidung: Die „Vision 2030“ der AWM .......................................................................................... 03 Durchblick Abfallvermeidung: Der kleine tägliche Beitrag ...................................................... 05 Abfallverwertung: Viele Tonnen führen zum Ziel ................................................. 08 Abfall in Privathaushalten: Unter den Deckeln der Stadt ................................... 10 Wertstoffverwertung: Das passiert mit dem guten Stoff .................................. 12 Hol- und Bringsysteme: Corona hinterlässt Spuren ............................................. 16 Gesamtaufkommen der Siedlungsabfälle: Leichter Rückgang ......................... 17 Restabfall: Der Kampf um den Rest ........................................................................... 18 Stadtreinigung: Für Sie unterwegs ............................................................................. 19 Ausblick Die nächsten Schritte auf dem Weg zur Vision 2030 ........................................... 20 Impressum ......................................................................................................................... 21 AWM-Abfallbilanz 2020 AWM-Abfallbilanz 2020 2 | Einblick in die Zahlen Einblick | 3 Vision 2030 | 3 Unser aller Abfall Die wichtigsten Zahlen der Abfallbilanz 2020. 169.051 t Abfall fielen in Münster 2020 insgesamt an – davon wurden über 60 % stofflich verwertet. Rund 78 % der Abfälle in Münster stammten aus Privathaushalten. 46 % des Restabfalls wurden ener- getisch verwertet. 2/3 der Abfälle wurden als Wert- stoffe von den Münsteranerinnen und Münsteranern getrennt gesammelt. 422 kg Abfall kamen in Münster 2020 pro Kopf im Durchschnitt zu- sammen – über 30 Kilo weniger als im Bundesdurchschnitt, aber trotz- dem viel zu viel. Auch beim Sperrgut- und Wertstoffsammeln sind wir in Münster im Vergleich schon recht gut – können aber gemeinsam noch viel besser werden. 16.872 t Kompost haben die AWM 2020 aus den Bio- und Grünabfällen von Privatleuten und Gewerbetrei- benden hergestellt – über 500 t mehr als im Vorjahr. 1.500 t mehr an Sperrgut und 1.300 Tonnen mehr an Grüngut ließen die Münsteraner Haushalte 2020 abholen – ein eindeutiger Effekt der Coronapandemie. Denn: Die Krise bot Zeit zum Aufräumen des Kellers und für die Gartenarbeit. 2.132.776 m³ Biogas wurden bei der Verwertung von Bio- und Grün- abfällen gewonnen und im Block- heizkraftwerk zu Strom und Wärme verarbeitet. Rund 75 Mitarbeitende waren im Bereich der Straßenreinigung im Einsatz für eine saubere Stadt. 70.000 km Straßen, Rad- und Geh- wege reinigten die Teams in Orange. Auf dem Weg zu einer Hauptstadt der Abfallvermeidung Mit der „Vision 2030“ verfolgen die AWM ein ehrgeiziges Ziel: Bis zum Ende des Jahrzehnts wollen wir gemeinsam mit unseren Bürgerinnen und Bürgern Münster in eine Stadt ohne Abfälle verwandeln – eine große Herausforderung. In den vergangenen Jahren haben die AWM sich deutlich verwandelt: Aus der Abfall- abfuhr von einst ist in den Augen der Bürgerinnen und Bürger ein Premium-Dienstleis- ter geworden – so bescheinigen es uns regelmäßig von der Westfälischen Wilhelms- Universität Münster durchgeführte, repräsentative Bürgerumfragen. Jetzt setzen wir uns ein neues Ziel: Wir wollen Münster bis zum Jahr 2030 zu einer abfallfreien Stadt machen. Wir setzen dabei zum einen stark auf den Faktor Abfallvermeidung – und das, was an Abfällen übrig bleibt, sollen nur noch Wertstoffe sein, die stofflich oder energe- tisch weitergenutzt werden können. Hier ist die Vision 2030 im Wortlaut: So paradox es klingen mag: Die Abfallwirtschaftsbetriebe Münster streben ein ab- fallfreies Münster 2030 an! Unsere Stadt entwickelt sich zu einer Hauptstadt der Abfallvermeidung. Realistisch ist: Auch in Zukunft können sicherlich nicht alle Abfälle vermieden werden. Unser Ziel ist: Die noch verbleibenden Abfälle sind im Jahr 2030 Wertstoffe, die primär stofflich verwertet werden. Der Rest wird effizient energetisch genutzt. Die AWM sind: Servicepartner, Impulsgeber, Kompetenzzentrum und Wert- stoffmanufaktur. Die Bürgerinnen und Bürger sind dafür unser verantwortungsvoller Partner – durch vorbildliche Abfallvermeidung, Wertstofftrennung und ein ausgepräg- tes Ressourcenbewusstsein. Sie leisten damit gleichzeitig einen Beitrag zur Stadt- sauberkeit. Die Mitarbeitenden der AWM sind verlässlicher Partner der Bürgerinnen und Bürger. Gemeinsam schaffen wir Lebensqualität – für ein sauberes und nach- haltiges Münster: noch mehr Umweltschutz, noch mehr Miteinander und regionale Wertschöpfung. Herausforderungen wie Klimaschutz, Digitalisierung und die demo- grafische Entwicklung werden proaktiv und gemeinsam mit den Mitarbeitenden, den Bürgerinnen/Bürgern und den Netzwerkpartnern gestaltet. Wir machen Lebensquali- tät – und alle.wirken.mit! Vision: Münster 2030. Es gibt keinen Abfall mehr – nur noch Wertstoffe! Mission: Wir machen Lebensqualität – und alle.wirken.mit. Abfallvermeidung | 5 AWM-Abfallbilanz 20204 | Vision 2030 AWM-Abfallbilanz 2020 459 kg 170 kg 289 kg 161 kg 159 kg 195 kg 160 kg 165 kg 162 kg 161 kg 162 kg 164 kg 277 kg 272 kg 284 kg 266 kg 266 kg 260 kg 255 kg 258 kg 270 kg 438 kg 431 kg 479 kg 426 kg 428 kg 421 kg 417 kg 422 kg 435 kg Gesamt Wertstoffe Restabfall Dass wir die Partnerschaft mit Ihnen, den Bürgerinnen und Bür- gern, so sehr betonen, hat auch einen ganz praktischen Grund in der Abfallbilanz: 2020 stammten 78 % der Abfälle in Münster aus Privathaushalten. Hier liegt also auch das größte Verbesserungs- potenzial. Das drückt sich ab diesem Jahr auch in der Abfallbilanz aus: Wir wollen Ihnen nicht nur Zahlen präsentieren, sondern auch Tipps geben, wie Sie Abfälle vermeiden können. Einen Anspruch auf Vollständigkeit der Zahlen erhebt diese Abfallbilanz daher nicht. Sollten Sie Interesse an weiteren Daten haben, freuen wir uns auf Ihren Anruf oder Ihre Nachricht – per Mail, über Social Media oder ganz klassisch per Post. Apropos Daten: Zu den wichtigsten Kennziffern einer Abfallbilanz zählt das Abfallaufkommen aus Privathaushalten pro Einwohner/-in. Und hier dürfen Sie und wir stolz sein auf das schon Erreichte: In Münster ist das Abfallaufkommen von 2011 bis 2020 von 459 Kilo pro Kopf auf 422 Kilogramm gesunken, das sind 30 Kilo weniger als im Bundesdurchschnitt – so eine Untersuchung des Umwelt- bundesamtes von 2019! Auch beim Anteil der Wertstoffe steht Münster schon gut da: Rund zwei Drittel der Gesamtmenge an Abfällen wurden in Münster 2019 der getrennten Wertstoffsamm- lung zugeführt. Im Bundesdurchschnitt ist es laut der Studie des Umweltbundesamtes genau andersherum: Zwei Drittel der Wert- stoffe landeten in der Restabfalltonne. Münster produziert immer weniger Abfall Entwicklung des Abfallaufkommens in kg pro Einwohner/Jahr¹ Noch mehr Fakten und Geschichten rund um die AWM finden Sie in unserem Geschäftsbericht 2020. Abfallvermeidung Der kleine tägliche Beitrag Der beste Abfall ist der Abfall, der gar nicht erst entsteht. Es gibt aber noch mehr Möglichkeiten, Abfall zu vermeiden. Und viele Partnerinnen und Partner, die Ihnen dabei helfen können. Abfallvermeidung ist direkter Klimaschutz. Deshalb steht sie auch an der Spitze der Abfallhierarchie der EU-Ab- fallrahmenrichtlinie (2008/98/EG-AbfRRL) sowie des deutschen Kreislaufwirtschaftsgesetzes (KrWG). Und weil sie aus Sicht der Umwelt die beste Option ist, steht Abfallvermeidung auch bei den AWM an erster Stelle. Insgesamt lassen sich fünf Schritte unterscheiden, die zu einem geringeren Abfallaufkommen beitragen. Gegliedert sind sie danach, wie stark sie wirken. Weil die englischen Begriffe dafür alle mit einem R beginnen, sind sie auch als die „5 Rs der Abfallvermeidung“ bekannt: ¹ Zugrunde gelegt ist jeweils die Zahl der wohnberechtigten Bevölkerung zum 31.12. des Vorjahres. Refuse (vermeiden) – am Beispiel Lebensmittel: möglichst wenig Lebensmittel wegwerfen (nur be- darfsgerecht einkaufen, Lebensmittel richtig lagern etc.) Reduzieren (reduce) – zum Beispiel indem man auf Mehrwegverpackun- gen achtet und wiederverwendbare Gemüsebeutel für Obst und Gemüse nutzt. Reuse (wiederverwenden) – zum Beispiel indem man Flohmärkte, Secondhandläden sowie Verschenk- und Tauschbörsen nutzt Rot (kompostieren) – zum Beispiel indem man die Biotonne nutzt oder selbst im Garten Kompost produziert Recycle (wiederverwerten) – zum Beispiel indem man alle Abfälle trennt und die Recyclinghöfe nutzt 6 | Abfallvermeidung Abfallvermeidung | 7 AWM-Abfallbilanz 2020 AWM-Abfallbilanz 2020 Folgende Initiativen und Gruppen werden bereits von den AWM aktiv unterstützt: fairTEiLBAR In der fairTEiLBAR werden gerettete und ausschließlich noch genießbare Lebensmittel verkauft – zum „Zahl, was es dir wert ist“-Preis, und in angenehmer Atmosphäre. www.fairteilbar-muenster.de/ Leihothek Leihen statt kaufen: Münster hat jetzt auch eine „Bibliothek“ für Dinge – vom Bohrhammer bis zur Discokugel. https://leihothek.de Hansaforum Das Hansaforum ermuntert die Einwohnerinnen und Einwohner des Hansaviertels zur Mitgestaltung. Dabei geht es auch um die Stadt- sauberkeit und mehr Nachhaltigkeit. https://hansaforum-muenster.de/ „Abfallsammler“ Hierfür bestehen Patenschaften im gesamten Stadtgebiet. Übrigens: In Münster gibt es eine Vielzahl von tollen Angeboten zur Wiederverwendung und zum Upcyc- ling, zum Tauschen und Leihen, zum Verschenken und Reparieren. Man- che kennen Sie vielleicht aus Ihrem Stadtteil. Wir, die AWM, verstehen uns als Partner für Bürgerinnen und Bürger, führen unser Engagement und das der zahlreichen Initiativen und Vereine in Münster zusammen und arbeiten so für unser gemeinsa- mes Ziel: ein abfallfreies Münster. Mitmach-Tipp Beobachten Sie Ihren Konsum und hinter- fragen Sie Gewohnheiten: – Brauche ich das wirklich? – Lässt es sich reparieren oder weiter- verwenden? – Könnte ich das auch leihen oder gebraucht kaufen? – Habe ich an die Entsorgung gedacht? Bildungsprojekte Regelmäßig führen wir mit Grund- und weiterführenden Schulen Projekte durch. Der Lernort Abfallwirtschaftsbe- triebe Münster wurde 2019 für die strukturelle Umset- zung von Bildung für nachhaltige Entwicklung von der Deutschen UNESCO-Kommission und dem Bundesminis- terium für Bildung und Forschung ausgezeichnet. Zudem besteht eine Reihe pädagogischer Angebote für Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Geflüchtete, die wir regelmäßig weiterentwickeln. Dazu zählen: – Deponie-Erlebnispfad (Vermittlung moderner, ressourcenschonender Kreislaufwirtschaft und ökologischer Zusammenhänge) – Ausleihe von verschiedenen Lernmaterialien – Führungen über den Recyclinghof – Beratung zur richtigen Abfalltrennung und die Vermittlung von Wissen über die Hintergründe und Ziele der Kreislaufwirtschaft in Deutschland für interessierte Bürgerinnen und Bürger mit und ohne Migrationshintergrund. Ergänzt werden diese Maßnahmen durch Informations- kampagnen und die Frühjahrssammelaktion „Sauberes Münster“. Aufgrund der Coronapandemie musste diese Aktion 2020 leider entfallen. Eine Übersicht aller Angebote finden Sie auf awm.stadt-muenster.de. „Münster für Mehrweg“ Die Initiative „Münster für Mehr- weg“ ist ein Bündnis, das die AWM federführend leiten. Die Idee: Akteu- re für Mehrweg unterstützen und vernetzen. Das Stadtfest „Münster Mittendrin“ setzt zum Beispiel auf Mehrweg, und an mehr als 25 Refill-Stationen kann man selbst mitgebrachte Behälter kostenlos mit Leitungswasser auffüllen. https://awm.stadt-muenster.de/ abfallvermeidung/muenster-fuer- mehrweg „Münster is(s)t abfallarm“ In Anlehnung an die bundesweite Initiative „Zu gut für die Tonne“ setzt sich eine lokale Allianz für die Reduzierung von Lebensmittelabfall in Münster ein. www.zugutfuerdietonne.de Weitblick Die Studierenden-Initiative aus Münster führt u. a. eine monatliche Abfallsammelaktion durch. www.weitblicker.org 8 | Abfallverwertung Abfallverwertung | 9 AWM-Abfallbilanz 2020 AWM-Abfallbilanz 2020 Vermeidung Vermeidung Vorbereitung zur Wiederverwendung Recycling Sonstige Verwertung, z. B. energetisch Beseitigung Abfallhierarchie § 6 Kreislaufwirtschaftsgesetz Abfallverwertung Viele Tonnen führen zum Ziel Die Biotonne: Aus dem Bioabfall gewinnen wir Kompost. Während des Verwertungsprozesses entsteht außerdem Biogas, aus dem wir Strom und Wärme erzeugen. Die Papiertonne: Aus dem Papier wird Recyclingpapier hergestellt. Die melonengelbe Wertstofftonne: Aus Metallen werden wieder neue Metalle produziert, die Kunststoffe und Verbundstoffe werden derzeit noch zur Energiegewinnung und als Energie ersatz benötigt. Ziel ist auch hier die stoffliche Verwertung – die Möglich- keiten sind aber abhängig von der aktuellen Marktlage. Die stoffliche Verwertung: Die stoffliche Verwertung von Abfällen ist besser als Recycling bekannt; es geht um das Zuführen gebrauchter Materialien in den Wirtschaftskreislauf. Dabei werden bestimmte Stoffe getrennt, gesammelt oder nachträg- lich sortiert und anschließend aufbereitet. So lassen sich erhebliche Mengen an Rohstoffen und Energie einspa- ren. Deshalb steht das Recycling in der Abfallhierarchie weit oben. Je sortenreiner die Sammlung bzw. Trennung der Stoffe erfolgt, desto besser ist später die Qualität der recycelten Produkte. Die energetische Verwertung: Bei der energetischen Verwertung werden Abfälle mit hohem Heizwert als Ersatzbrennstoff für fossile Brenn- stoffe genutzt, z. B. in Zementwerken. Somit werden weniger fossile Brennstoffe benötigt, Ressourcen werden eingespart. In Biomassekraftwerken wird z. B. Altholz für die Gewinnung von Strom und Wärme genutzt. Aufgrund der knapper werdenden Ressourcen und des Klimawandels kommt der energetischen Verwertung von Abfällen eine immer höhere Bedeutung zu. Mitmach-Tipp Nutzen Sie alle unsere Angebote konsequent und trennen Sie die Abfälle möglichst sauber! Die Münsteraner Abfallwirtschaft ist bewusst sehr kleinteilig, um es den Bürgerinnen und Bürgern so einfach wie möglich zu machen, viele Wertstoffe getrennt voneinander zu erfassen. Konstant hohe Verwertungsquoten bestätigen uns in diesem Ansatz. Mit der Einführung der Wertstofftonne haben wir diese Strategie 2020 um einen weiteren Baustein ergänzt. Abfälle können nicht immer vermieden werden. Dann sollten Sie aber so mit den Abfällen umgehen, dass sie ressourcen- und umweltschonend verwertet werden. So ist es im Kreislaufwirtschaftsgesetz verankert. Das heißt: Je besser die Abfälle sortiert sind, umso besser lassen sie sich verwerten. Ziel unserer „Vision 2030“ ist es, dass am Ende des Jahrzehnts verbleibende Abfälle Wertstoffe sind, die primär stofflich verwertet werden. Der Rest soll effizient energetisch genutzt werden. Aber was heißt das? Man unterscheidet drei Verwertungsarten. Die thermische Verwertung: Können Abfälle nicht stofflich oder als Ersatzbrennstoffe genutzt werden, gehen sie in die thermische Behand- lung. Bei der thermischen Verwertung wird das Neben- produkt Wärme für die Fernwärmeversorgung und zur Stromerzeugung genutzt und Schadstoffe werden zerstört. Seit 2017 verwerten die AWM zusammen mit den niederländischen Kommunen der Region Twente über die Twence Holding B.V. in Hengelo die Sortierreste aus der Restabfallbehandlungsanlage Münster. Im Zuge dieser Kooperation gehen die Sortierreste aus Münster bei Twence in die energetische und thermische Verwer- tung und werden zu Dampf, Wärme und Strom für die regionale Industrie und tausende Haushalte. Die Restabfalltonne: Die Restabfälle und auch den Sperrgut sortieren wir in unserer Restabfallbehandlungsanlage noch einmal nach. Aufgrund der Separierung können die Abfälle hochwer- tig energetisch oder thermisch verwertet werden. Für Wertstoffe wie Glas, Altkleider oder Elektronikalt- geräte stehen im Stadtgebiet verteilt zusätzlich Depot- container. 10 | Abfälle Privathaushalte Abfälle Privathaushalte | 11 AWM-Abfallbilanz 2020 AWM-Abfallbilanz 2020 80.554 t 19.769 t Erfassung über Papiertonne und Recyclinghöfe Papier 14.951 t Erfassung über Recyclinghöfe und Grüngut- abfuhr Grünabfall 17.305 t Erfassung über Biotonne Bioabfall 8.486 t Erfassung über Depotcontainer Glas 2.108 t Erfassung über Recyclinghöfe, Depotcontainer, Abholung Elektronik- geräte 1.199 t Erfassung über Recyclinghöfe Altmetall 1.244 t Erfassung über Depotcontainer Altkleider 10.921 t Erfassung über Wertstofftonne, Recyclinghöfe Verpackungen/ stoffgleiche Nicht- verpackungen 3.574 t Erfassung über Recyclinghöfe Altholz 998 t Erfassung über Recyclinghöfe Sonstige Wertstoffe Stoffliche/energetische Verwertung 11 % 28 % 15 % 13 % 11 % 8 % 6 % 3 % 28 % Restabfall (37.578 kg) 15 % Papier (19.769 kg) 13 % Bioabfälle (17.305 kg) 11 % Grünabfall (14.951 kg) 11 % Sperrgut (13.851 kg) 8 % Verpackungen/stoffgleiche Nichtverpackungen (10.921 kg) 6 % Glas (8.486 kg) 3 % Altholz (3.574 kg) 2 % Elektronikgeräte (2.108 kg) 1 % Altmetall (1.199 kg) 2 % sonstige Wertstoffe (2.242 kg) Unter den Deckeln der Stadt Wie hat sich der Abfall in Privathaushalten 2020 zusammengesetzt? Wir haben für Sie genauer hingeschaut. Die Abfallbilanz 2020 bestätigt es: Die Münsteraner- innen und Münsteraner produzieren im Schnitt über 30 Kilogramm weniger Abfall pro Kopf als der Durch- schnitt der Republik. Aber entsprechend unserer Vision 2030 – Münster soll eine Hauptstadt der Abfallvermei- dung werden – gilt: „Da geht noch weniger.“ Die Münsteraner sind gute Sperrgut- und Wertstoff- sammler! Aber: Insbesondere in der Restabfalltonne befinden sich noch zu viele Wertstoffe, die einer hoch- wertigen Verwertung verloren gehen. Auffällig im Vergleich zu 2019: Der Bioabfall verzeichnet pro Kopf ein Plus von 6 Kilogramm – womöglich ein Erfolg der „Aktion Biotonne“, mit der wir für die korrekte Befüllung der Biotonne werben. Das bedeutet im Opti- malfall: Der Anteil an Bioabfällen, der bisher noch in der Restabfalltonne gelandet ist, ist gesunken. Das Plus bei den Wertstoffen in der melonengelben Tonne dürfte sowohl ein Effekt der neuen Wertstofftonnen als auch der Coronazeit geschuldet sein (+ 4 kg). Ein Corona- effekt ist auch beim Sperrgut zu verzeichnen (+ 3 kg). Abfälle aus Privathaushalten (kg/EWa) *Bundesdeutscher Durchschnitt, Statistisches Bundesamt, Stand 2021. Zusammensetzung der Abfälle aus Privathaushalten 2020 Wertstoffe (getrennte Erfassung): 80.554 t Restabfallbehandlungsanlage: 51.429 t Gesamtaufkommen der Abfälle aus Privathaushalten in Münster 2020: 131.983 t Münster 2020 Münster 2019 Bundesschnitt 2019* Gesamt 422 417 457 Restabfall 120 121 156 Sperrgut 44 41 31 Bioabfall 55 49 60 Papier 63 68 66 Grünabfall 48 50 62 Verpackungen/stoffgleiche Nichtverpackungen 35 31 33 Glas 27 24 23 Altmetall 4 4 4 Altholz 12 13 16 Elektronikaltgeräte 7 6 – Sonstige Wertstoffe 7 9 4 51.429 t 51.429 t Restabfall und Sperrgut aus Privathaushalten gingen in die Behandlungsanlage für Restabfälle 1.423 t Holz 5.821 t Kunststoff 14.941 t Schwerstoffe 1.403 t Papier 23.588 t energetisch verwertet Eisenmetall (1.417 t) Nichteisenmetall (371 t) 1.788 t stofflich verwertet Feinfraktion (25.515 t) 25.515 t thermisch verwertet 12 | Wertstoffe Wertstoffe | 13 AWM-Abfallbilanz 2020 AWM-Abfallbilanz 2020 Verwertung Wertstoffe Das passiert mit dem guten Stoff Viele Wertstoffe konnten wir 2020 vollständig stofflich verwerten – auch dank Ihnen. Allerdings führt eine feh- lerhafte Entsorgung immer noch zu teilweise schweren Problemen. Papier Die Münsteraner Haushalte sammeln in ca. 55.000 Papiertonnen Altpapier oder bringen es zum Recyc- linghof. Die Papierindustrie hat vielfach Verwendung dafür. Ein Problem: Altpapier wird leider immer noch im Restabfallbehälter gefunden. Umgekehrt befinden sich sogenannte Störstoffe im Altpapier: Pizzakartons mit Essensresten, mit Leim behaftete Tapeten, benutzte Papiertaschentücher oder „Coffee to go“-Becher mit Kunststoffbeschichtung. Verwertungsquote: 100 % stofflich Mitmach-Tipp Für noch mehr Ressourcenschutz: Greifen Sie häu- figer zu Recyclingpapier! Damit sparen Sie CO₂ und Rohstoffe ein. Laut Umweltbundesamt werden zur Produktion von einem Kilogramm Recyclingpapier fünf Liter Wasser und zwei Kilowattstunden Strom benötigt. Für die gleiche Menge Frischfaserpapier sind es 50 Liter Wasser und 5 Kilowattstunden Strom. Glas Glas ist ein Wertstoff, der ohne Qualitätsverluste immer wieder verwertet werden kann. An 247 Standorten im Stadtgebiet von Münster stehen mindestens zwei Container für Altglas: einer für Weißglas, der andere für Grün- und Buntglas. In den Außenstadtteilen stehen überdies Dreikammerbehälter mit einer Extrakammer für Braunglas. Verwertungsquote: 100 % stofflich Mitmach-Tipp Für die Verwertung von Weißglas ist es wichtig, dass Sie kein farbiges Glas in diesen Container wer- fen. Schon kleine Mengen sind ein Problem! Ebenso störend sind hitzebeständiges Glas und Kristallglas, da sie andere Schmelzpunkte besitzen als normales Behälterglas. 2020 haben wir einen Film gedreht, in dem wir die Verwertung der Bio- und Grünabfälle erklären. Bioabfall 2020 wurden pro Kopf in Münster etwa 55 Kilogramm Bioabfälle gesammelt, 6 Kilogramm mehr als 2019. Fakt ist aber leider auch, dass immer noch zu viele Bio- abfälle nicht in den gut 40.000 Biotonnen, sondern im Restabfall landen. Umgekehrt befanden sich 4-5 % Störstoffe in den Bioabfällen. Das Hauptproblem: Plastik- und Bio-Folienbeutel. Verwertungsquote: 95 % stofflich Grünabfall Grünabfälle werden an den Recyclinghöfen an- oder im Rahmen der Sperrgutabfuhr mitgenommen. Die Grünab- fälle werden in unserer Grünabfallkompostierungsanlage zu Kompost verarbeitet – ganz natürlich. Der Kompost wird an den Recyclinghöfen verkauft und trägt das Güte- siegel der Bundesgütegemeinschaft. 16.872 Tonnen Kom- post haben wir 2020 aus den Grünabfällen der Münste- ranerinnen und Münsteraner hergestellt (2019: 16.330 t). Verwertungsquote: 100 % stofflich 100 % 100 % 100 % Verwertung Altholz Altholz wird bei der Sperrgutabfuhr gesammelt, unbe- handelte und behandelte Hölzer werden an den Recyc- linghöfen angenommen. Zurzeit erfolgt die Verwertung der Hölzer in Biomassekraftwerken zur Gewinnung von Energie. Verwertungsquote: 100 % energetisch 100 % 95 % 5 % 14 | Wertstoffe Wertstoffe | 15 AWM-Abfallbilanz 2020 AWM-Abfallbilanz 2020 Elektro- und Elektronikaltgeräte Elektroaltgeräte enthalten wertvolle Metalle und andere Stoffe, die wiederverwendet werden können. Häufig ent- halten sie aber auch Schadstoffe. Deshalb betreiben wir die Sortierung mit großem Aufwand. Nur ein kleiner Teil muss thermisch beseitigt werden. Große Probleme ent- stehen insbesondere durch fehlerhaft in Restabfall- und Wertstofftonnen entsorgte Lithium-Ionen-Batterien und -Akkus, die immer häufiger Brände in den Abfallsammel- fahrzeugen und Behandlungsanlagen verursachen. Verwertungsquote: 90 % stofflich Altmetall Metalle werden nicht verbraucht, sondern gebraucht und können wiederverwendet werden. Da es für alle Metalle bewährte Trenn- und Recyclingverfahren gibt und diese eine deutliche Energieersparnis gegenüber der Neuherstellung aufweisen, ist die getrennte Erfassung der Altmetalle ein wichtiger Beitrag zur nachhaltigen Kreislaufwirtschaft. Verwertungsquote: 100 % stofflich Altkleider Im Stadtgebiet von Münster stehen an 195 Standor- ten Altkleidercontainer, die von den gemeinnützigen Organisationen (CAJ, DRK, Malteser Hilfsdienst) betreut werden. Dazu kommen noch Altkleidercontainer von ge- werblichen Aufstellern. Gebrauchsfähige Kleidung und Textilien werden an Kleiderkammern und Secondhand- läden weitergegeben. Nicht mehr tragbare Kleidung geht z. B. in Reißereien, die die Textilien zu Putzlappen, Dämmmaterialien für Häuser sowie Vlies und Teppiche für die Autoindustrie vorbereiten. Die verbleibenden Reste werden entsorgt. Verwertungsquote: 95 % stofflich Verpackungen/stoffgleiche Nichtverpackungen Verpackungen aus Metall, Kunststoff und Verbundstoff sowie stoffgleiche Nichtverpackungen sammeln Privat- haushalte seit 2020 in momentan ca. 55.000 melonen- gelben Wertstofftonnen. Für 22 % der Wertstofftonnen sind die AWM in Münster zuständig, 78 % sind derzeit in der Hand von Remondis. Hintergründe zum Gebietstei- lungsmodell: https://awm.stadt-muenster.de/index/einfuehrung-der- wertstofftonne Die Wertstoffe aus dem AWM-Gebiet werden in der Restabfallbehandlungsanlage (MRA) getrennt vom Rest- abfall vorbehandelt. Dabei filtern wir 15 % Metalle her- aus. Rund 35 %, vorwiegend Kunststoffe, werden derzeit vom Spezialisten Eing in Gescher energetisch verwertet. Rund 50 % werden von der Twence thermisch verwertet. Die stoffliche Verwertung war und ist auch weiterhin im Gespräch. Eine 2020 durchgeführte Ausschreibung hat jedoch gezeigt, dass die stoffliche Verwertung momentan teurer ist als die energetische Verwertung. Verwertungsquote: 15 % stofflich, 35 % energetisch, 50 % thermisch (Sammelmengen aus dem Bereich der AWM) Mitmach-Tipp Über Kleidung, die Sie nicht mehr tragen möchten, freut sich bestimmt ein anderer. Bieten Sie Ihre Klamotten in Kleiderkammern, Secondhandläden oder Verschenkbörsen an — zum Beispiel im Online- Tausch- und-Verschenkmarkt der AWM! Mitmach-Tipp Entsorgen Sie Metalle ganz einfach in der melonen- gelben Wertstofftonne, z. B. den alten Topf oder kaputtes Werkzeug. Der Inhalt der Wertstofftonne geht als separater Stoffstrom in unsere Anlage. Metalle sortiert die Anlage ohne Probleme aus. 100 % Mitmach-Tipp Entsorgen Sie alte Elektrogeräte nie in der Restab- falltonne! Für kleine Geräte stehen Ihnen die Recyc- linghöfe oder 44 Container im Stadtgebiet zur Ver- fügung. Wegen der erhöhten Brandgefahr sollten Batterien und Akkus unbedingt vor der Entsorgung aus den Geräten entfernt werden. Große Elektroge- räte holen die AWM nach vorheriger Anmeldung am Grundstück ab, außerdem können sie am Recycling- hof abgegeben werden – alles kostenfrei. Gegen ein geringes Entgelt holen wir Elektrogroßgeräte sogar aus Ihrer Wohnung ab. 90 % 10 % 95 % 5 % 15 % 35 % 50 % Mitmach-Tipp Bitte stecken Sie die Abfälle nicht ineinander (z. B. Joghurtbecher). Es reicht aus, wenn die Verpackun- gen löffelrein sind. Trennen Sie verschiedene Mate- rialien voneinander, zum Beispiel den Aludeckel vom Joghurtbecher. Der Aludeckel wird anders verwertet als der Kunststoffbecher. Siedlungsabfälle | 17 AWM-Abfallbilanz 202016 | Hol- und Bringsysteme AWM-Abfallbilanz 2020 70 % 18 % 8 % 4 % 38 % 22 % 16 % 7 % 5 % 3 % 1 %2 %2 % 2 % 38 % Grünabfälle (6.259 kg) 22 % Altholz, behandeltes Holz (3.574 kg) 16 % Papier (2.610 kg) 7 % Metalle, Kabelabfälle (1.199 kg) 5 % Elektronikgeräte (879 kg) 3 % Elektronikgroßgeräte (446 kg) 2 % Verpackungen/stoffgleiche Nichtverpackungen (356 kg) 2 % Problemabfälle (323 kg) 2 % Kühlgeräte (252 kg) 1 % Hartkunststoffe (225 kg) 1 % Bauschutt (216 kg) 1 % Altreifen (160 kg) 0,4 % Flachglas (71 kg) 70 % Abfälle aus Privathaushalten (Bio,- Papier,- Wertstoff-und Restabfalltonnen, Recyclinghöfe, Grünabfallsammlung: 118.132 t) 18 % Gewerbe- und Baustellenabfälle (31.003 t) 8 % Sperrgut aus Privathaushalten (13.851 t) 4 % Straßenkehricht und Papierkorbabfälle (6.065 t) Corona hinterlässt Spuren Während des Lockdowns im Frühjahr 2020 mussten wir aus Infektionsschutzgründen zeitweise auch die Recyclinghöfe schließen. Kein Wunder daher, dass in der Bilanz der Hol- und Bringsysteme deutliche Verschiebungen erkennbar sind. Der Blick aufs große Ganze Beim Gesamtaufkommen der Siedlungsabfälle zeigt die Abfallbilanz 2020 einen leichten Rückgang gegenüber dem Vorjahr. Wegen der Coronapandemie wurden alle Recyclinghöfe ab dem 19. März 2020 geschlos- sen und schrittweise ab Mai wieder geöffnet. Insbesondere in dieser Zeit ließen die Münste- raner Haushalte viel Sperrgut und Grüngut im Rahmen der monatlichen Abfuhr abholen. Als Siedlungsabfälle bezeichnet man Abfälle aus privaten Haushalten sowie vergleichbaren Einrichtun- gen, etwa Arztpraxen. Auch hausmüllähnliche Abfälle aus Gewerbe und Industrie sowie Straßenkehricht und Papierkorbabfälle zählen dazu. Das Gesamtaufkommen lag 2020 bei 169.051 Tonnen (2019: 171.403 Tonnen). Über 60 % dieses Abfalls konnten wir – auch dank Ihres Einsatzes für die Abfalltrennung – stofflich verwerten. Gemeinsam mit Ihnen wollen wir noch besser werden. Insgesamt wurden infolge der ein- geschränkten Öffnungszeiten über 4.000 Tonnen weniger Wertstoffe, Abfälle und Problemabfälle an den elf Recyclinghöfen als im Vorjahr angeliefert. Wertstoffsammlung über die Recyclinghöfe (16.570 t) Gesamtaufkommen Siedlungsabfälle AWM-Abfallbilanz 2020 Stadtreinigung | 19 AWM-Abfallbilanz 202018 | Restabfallbehandlung Der Kampf um den Rest In der Restabfallbehandlungsanlage versuchen wir, das letzte Quäntchen an Wertstoffen herauszuholen. Doch keine Maschine trennt so gut wie der Mensch. Für Sie unterwegs Bei Schnee und Eis, bei Hitze und im Lockdown: Auch 2020 waren die Teams in Orange jeden Tag im Einsatz für Sie und eine saubere Stadt. 2020 haben wir einen Film gedreht, in dem wir die Verwer- tung der Restabfälle erklären. In unserer Mechanischen Restabfallbehand- lungsanlage (MRA) werden die Inhalte der Münsteraner Restabfalltonnen und das Sperr- gut noch einmal sortiert. Das Abfallgemisch wird in mehreren Schritten für die weitere, überwiegend energetische und thermische Verwertung vorbereitet. Eine höherwertige stoffliche Verwertung ist hier nur noch zu einem geringen Prozentsatz möglich, da die Abfälle häufig verunreinigt sind. Hier zeigt sich deutlich die wichtige Rolle, die die Bürgerinnen und Bürger für die Wiederverwertung und damit den Klima- und Ressourcen- schutz übernehmen: Je besser die einzelnen Abfallfraktionen in den Haushalten getrennt werden, umso hocherwertiger ist die Verwertung. Technik kann den Menschen nicht ersetzen. Rund 75 Mitarbeitende sind bei der Stadtreinigung täglich im Einsatz. 24 Groß- und Kleinkehrmaschinen und 3 elektrische Abfallsauger (Gluttons) befinden sich im Fuhrpark der AWM. Etwa 70.000 km Straßen, Rad- und Gehwege wurden 2020 gereinigt. 6.065 Tonnen Abfall kamen 2020 in der Straßenreinigung zusammen (2019: 6.323 Tonnen). Für rund 2.000 Papier- körbe sind die AWM im Stadtgebiet zuständig. 95 % des Straßenkehrichts werden stofflich verwertet. 1.206 Fälle von wilden Abfallablagerungen haben wir 2020 gezählt – 181 weniger als im Vorjahr. Kein Grund zur Freude. Denn: Jede wilde Abfallablagerung ist eine zu viel. Impressum | 21 AWM-Abfallbilanz 202020 | Ausblick AWM-Abfallbilanz 2020 Ausblick Überarbeitung des Recyclinghofkonzeptes, noch mehr Bildung für nachhaltige Entwicklung, noch mehr Netzwerkarbeit: Das sind nur einige unserer nächsten Schritte auf dem Weg zur Vision 2030. Wir wollen Münster zu einer Hauptstadt der Abfallver- meidung machen. Gemeinsam mit unseren Bürgern/ Bürgerinnen und Netzwerkpartnern/Netzwerkpart- nerinnen. Mehr denn je stehen deshalb für uns in den nächsten Jahren die Abfallvermeidung, die sortenreine Trennung entstandener Abfälle und eine effektive Wert- stoffverwertung auf der Agenda. Bei den Themen Abfallvermeidung und sortenreine Trennung sind Sie gefragt. Und wir unterstützen – durch vielfältige Angebote. Neben den bestehenden sollen weitere dazukommen. Zurzeit überarbeiten wir zum Beispiel unser Recycling- hofkonzept. Im Fokus steht dabei der bedarfsgerechte Neubau der Recyclinghöfe in Hiltrup und Albachten. Wir überlegen, wie ein Kreislaufwirtschaftszentrum – eine Kombination aus einem Recyclinghof und einer Wieder- verwendungs- und Reparatureinrichtung – aussehen kann. Auch in Sachen „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ geht es natürlich weiter. Wir wollen u. a. den Bereich der Erwachsenenbildung sowie die Netzwerkarbeit weiter ausbauen und die Einbindung bürgerschaftlichen Engagements in konkrete Projekte zur Abfallvermeidung bzw. richtigen Abfalltrennung sowie der Stadtsauberkeit fördern. Die AWM verfügen bereits über Kooperationen mit der fairTEiLBAR Münster (Vermeidung von Lebensmit- telverschwendung), der Leihothek (leihen statt kaufen), dem Hansaforum Münster (Verankerung des Nach- haltigkeitsgedankens im Hansaviertel, Stadtsauberkeit), verschiedenen privaten „Abfallsammlergruppen“ sowie Grundschulen und weiterführenden Schulen. Seit Ende 2020 sind die AWM auch in den Social-Media-Kanälen vertreten, so dass sich auf den Plattformen Facebook, Instagram, Twitter und YouTube Netzwerke zu Initia- tiven mit nachhaltigen Themen gebildet haben (z. B. „Weitblick Münster“). Auch die Maßnahmen im Rahmen unserer „Aktion Biotonne Münster“ haben bereits erste Erfolge gezeigt. Die Bioabfallmengen haben sich erhöht, es landet also weniger wertvolles Biogut in der Restabfalltonne. Allerdings finden sich noch zu viele Störstoffe in den Biotonnen. Wir werden in der „Aktion Biotonne Münster“ mit den Bausteinen Information, Motivation, Kontrolle und partnerschaftliche Zusammenarbeit weiterarbei- ten und entsprechend angepasste Konzepte auf andere Bereiche ausweiten. Bisher wurden schwerpunktmäßig Grundstücke mit bis zu 8 Wohneinheiten kontrolliert. Im nächsten Schritt möchten wir die Mieterinnen und Mieter von Wohnanlagen mit bis zu 14 Wohneinheiten von den ökologischen und ökonomischen Vorteilen der getrennten Sammlung von Bioabfällen überzeugen. Dafür wurden spezielle Informationswerkzeuge entwi- ckelt, zum Beispiel Plakate für den Hausflur, Türanhänger und Schilder für den Standplatz der Abfalltonnen – jeweils abgestimmt auf das Hauptproblem „Folien- und Biofolienbeutel“. Ausgeweitet wird dieses Konzept im zweiten Schritt auf die großen Wohnanlagen. Ein zusätz- liches Ziel dieser Aktion soll die weitere Erhöhung der gesammelten Bioabfallmengen sein. Denn in der Rest- abfalltonne landen noch zu viele Bioabfälle. Weitere Anliegen sind uns die Erhöhung der Qualität der Wertstoffe sowie die richtige Sortierung der Wertstoffe, nämlich in den Tonnen für Papier, Bioabfall und Verpa- ckungen/stoffgleiche Nichtverpackungen, sowie die Ge- trennterfassung an den 11 Recyclinghöfen. Zudem wollen wir unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen und ökologischen Aspekte die Quote der stofflichen Verwer- tung insbesondere bei Kunststoffen und Altholz erhö- hen. Hier sind wir allerdings abhängig von der Marktlage. Und schließlich wollen wir die Bürgerinnen und Bürger mit neuen Serviceangeboten, die die richtige Sortierung bzw. Entsorgung erleichtern und dabei u. a. den demo- grafischen Aspekt berücksichtigen, unterstützen. Für eine nachhaltige Entwicklung Die AWM sind in ihrem Handeln den von der UN formulierten Zielen für eine nachhaltige Entwicklung (SDGs) verpflichtet. Die untenstehenden Icons zei- gen, auf welche der insgesamt 17 Ziele unsere Maßnahmen in den Bereichen Abfallvermeidung und Abfallverwertung einzahlen. Herausgeberin Stadt Münster Abfallwirtschaftsbetriebe Münster Rösnerstraße 10 48155 Münster awm@stadt-muenster.de www.awm.muenster.de Juni 2021, 3.000 Redaktion Abfallwirtschaftsbetriebe Münster Konzept, Gestaltung und Satz CONCEPT X GmbH & Co. KG Textentwicklung Jens Poggenpohl Fotografie/Illustration Abfallwirtschaftsbetriebe Münster Rasmus Schübel [2] unten links [7] unten [9] oben rechts Andreas Hempel [19] Mittte Druck Thiekötter Druck 48157 Münster
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungOrte (1)
- Rösnerstraße 10
Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.
Details
- Aktenzeichen
- V/0262/2021
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 25.03.2021
- Erstellt
- 25.03.2021 13:13