1559/2023
Projekt „Überprüfung der Kölner Straßennamen auf Zusammenhänge mit Kolonialismus oder Nationalsozialismus„
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Anlage 1 Gutachten Lersch vom Historischen Beirat - Dr. Soénius
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Stellungnahme zu Heinrich Lersch in Köln-Weiden laut Beschluss Historischer Beirat, 24. Januar 2023 Die Benennung der Lerschstraße in Köln-Weiden erfolgte am 30. März 1937 (Schünemann-Steffen, 3. Aufl., 510). Weiden war damals Ortsteil der Bürgermeisterei Lövenich. Die Benennung erfolgte in Erinnerung an den Dichter Heinrich Lersch (12. September 1889 – 18. Juni 1936). Ähnliche Benennungen aus anderen Städten sind bekannt. Die Benennung erfolgte in der Zeit des NS -Staates und ist im Rahmen der damals verbreiteten Verherrlichung von Personen, die dem NS -Staat dienten und diesen in Wort und Bild unterstützten, einzuordnen. Das Verhalten von Heinrich Lersch in der Zeit des NS-Staates zeugt von einer vollständigen Unterstützung der damals bekannten Ziele der NSDAP, die die Führung eines Angriffskrieges, die Vernichtung der europäischen Juden, die Verfolgung Andersdenkender und die vollst ändige Durchdringung der Gesellschaft mit der nationalsozialistischen Ideologie implizierten. Insbesondere Lerschs Äußerungen über Adolf Hitler zeugen von einer inneren Überzeugung, wie sie angeblich kritisch denkende Menschen nicht an den Tag gelegt hätten. Ich verweise besonders auf die Internetseite der Stadt Münster, die anlässlich einer dortigen Diskussion Auszüge aus mehreren Briefen von Lersch veröffentlicht hat: https://www.muenster.de/stadt/strassennamen/heinrich- lersch- weg.html. In Münster wurde der Weg zwar nicht umbenannt, aber zum Zeitpunkt des Beschlusses war den dortigen Gremien nicht bekannt, dass Heinrich Lersch am 1. August 1935 Mitglied der NSDAP wurde (Mitgliedsnummer 3.701.750). Die entsprechende Karteikarte ist auf der Internetseite der Stadt Münster veröffentlicht (Stand 26. Januar 2023). Nicht thematisiert wird dort, dass die Aufnahme in die Zeit der Aufnahmesperre fiel, die am 19. April 1933 verhängt, 1937 gelockert und erst 1939 aufgehoben wurde. Ebenso wird dort nicht thematisiert, warum ein 45jähriger Dichter 1934 Mitglied der Hitler-Jugend werden konnte, obwohl er nicht zur Zielgruppe gehörte. D. h., dass Lersch aufgrund seiner mehrfach öffentlich geäußerten Unterstützung für Hitler und die NSDAP bei dieser eine besondere Wertschätzung genoss. Ob dies der Dank für das „Treuegelöbnis“, das er mit 87 anderen Schriftstellern im Oktober 1933 unterschrieb, oder für seine Reden vor der HJ war, bleibt dahingestellt. Fest steht, dass er in der Zeit des NS-Staats eine innere Haltung entwickelte, die den Nationalsozialismus vollständig bejahte. Er hat dies in zahllosen Reden, u. a. vor jungen Menschen, die Mitglied der Hitler-Jugend (HJ) waren, und die damit im nationalsozialistischen Sinne erzogen werden sollten, bewiesen. Die HJ- und NSDAP-Verantwortlichen hätten niemals einen Schriftsteller vor Jugendlichen reden lassen, von dessen absoluter Unterstützung des Nationalsozialismus sie nicht hundertprozentig überzeugt gewesen wären. Gerade in dieser Zeit kam es den Nationalsozialisten darauf an, insbesondere die Jugend in ihrem Sinne demagogisch zu beeinflussen. In einer überlieferten Rede vor Arbeitern lobte Lersch 1934 Hitler und erhob ihn auf eine Ebene des über allem stehenden Menschen, der in Augen Lerschs das deutsche Volk aus der Sklaverei geführt habe: „Ehe Adolf Hitler kam, waren wir nicht bloß Menschen im Eisen, da waren wir Knechte und Sklaven im Eisen.“ (https://www.muenster.de/stadt/strassennamen/pdf/lersch_rede-zu-ehren-des- fuehrers1934.pdf) „Und uns, den Menschen im Eisen, hat er zu Deutschen befreit.“ Dabei unterstellte sich Lersch dem „Führerwillen“ und fordere seine Zuhörer auf, sich ebenfalls dem Diktator zu unterwerfen: „Er [Hitler] gab uns sein Wort: aufbrach das große Volk der Deutschen in die Richtung seines Willens. Seine Führerhände weisen uns in das Land des Nationalsozialismus. … Und so entbieten wir ihm, dem Führer, das einzige Geschenk, das seiner Tat würdig ist: uns selbst!“ (ebda.). Lersch war eindeutig ein Vertreter der von Joseph Goebbels gelenkten NS-Propaganda. Lerschs Haltung vor der Zeit des Nationalsozialismus ist für die Bewertung seiner Person im Rahmen einer Straßenbenennung irrelevant, weil er sich selbst als Nationalsozialist verstand und öffentlich so agierte. Bei Diskussionen über Straßenbenennungen nach ihm wird von Befürwortern der Beibehaltung vorgehalten, sein Tod in der Zeit des NS-Staates hätte ihm keine Möglichkeit gegeben, 2 sich von dem Unrechtsregime zu distanzieren. Dies ist eine Schutzbehauptung. Eine Distanzierung hätte nicht seine Agitation und seine völlige Unterwerfung im Nachhinein aufheben können. Zudem ist eine Distanzierung ex post auch keine Möglichkeit, Unrecht in Recht umzuwandeln. Generell ist eine Mitgliedschaft in der NSDAP nicht vereinbar mit der Ehrung, eine Straße benannt zu bekommen. Der Eintritt geschah immer freiwillig. Bei Lersch kommt hinzu, dass er zum glühenden Nationalsozialisten wurde und dies in Wort und Stimme auch selbst bekundete. Von einer Vereinnahmung kann keine Rede sein, erst recht nicht von einem äußeren Zwang. Lersch wurde zudem in einer Zeit aufgenommen, in der ein Aufnahmestopp herrschte. Dies zeugt ebenfalls von einer besonderen Wertschätzung der NSDAP-Verantwortlichen für ihn und von einer besonderen Identifikation durch ihn. Ich schließe mich ausdrücklich der Stellungnahme des NS-Dok vom 13. Juni 2018 an, die Straße in Köln-Weiden umzubenennen. Zudem verweise ich auf die erfolgte Umbenennung im Stadtbezirk Kalk hin. Die BV hat 2019 beschlossen, die „Heinrich-Lersch-Straße“ in Köln-Neubrück umzubenennen: Dies ist inzwischen erfolgt. Es stünde den politischen Gremien gut an, innerhalb der Stadt Köln die gleichen Maßstäbe anzulegen. 26. Januar 2023 Dr. Ulrich S. Soénius
Mitteilung BV
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Dezernat, Dienststelle VIII/23/235/1 Vorlagen-Nummer 1559/2023 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Bezirksvertretung 3 (Lindenthal) 05.06.2023 Projekt „Überprüfung der Kölner Straßennamen auf Zusammenhänge mit Kolonialismus oder Nationalsozialismus„ Hier: Handlungsempfehlung für die Lerschstraße in Köln-Weiden Wie in der Mitteilung mit der Vorlagennummer 0862/2023 berichtet wurde, hat der Verwaltungsvorstand 2021 das Projekt „Umgang mit dem (post)kolonialen Erbe Kölns“ im Amt für Integration und Vielfalt initiiert. In einem Teilprojekt „Straßennamen“ wurde eine Untersuchung aller Kölner Straßennamen mit kolonialem und nationalsozialistischem Hintergrund veranlasst. Diese Prüfung wird von einem Historiker*innenteam mit nachgewiesener Fach- und Sachkompetenz, dem sogenannten „Historischen Beirat“, durchgeführt. Mit Gutachten vom 24.01.2023 folgt der Historische Beirat einstimmig und ausdrücklich der Empfehlung vom NS Dokumentationszentrum vom 13.06.2018, die Lerschstraße in Köln- Weiden umzubenennen. Grund dafür ist die Einstellung des Dichters zum NS-Regime. Die Gutachten vom Historischen Beirat sowie vom NS Dokumentationszentrum sind als Anlage beigefügt. Der Historische Beirat schlägt der Bezirksvertretung Lindenthal vor, die Verwaltung mit dem Umbenennungsverfahren zu beauftragen. Gemäß den Richtlinien des Rates für die Neu- und Umbenennung von Straßen und Plätzen muss nach Punkt 4.4 bei einem Umbenennungsan- liegen in jedem Fall eine Anwohner*innenbefragung erfolgen. Expert*innen-Gutachten und -Empfehlung sowie das Ergebnis der Anwohner*innenbefragung und der Öffentlichkeitsbetei- ligung werden der Bezirksvertretung anschließend zur Entscheidung vorgelegt. Die politische Entscheidung über die Umbenennung oder Beibehaltung der Straßenbezeichnung trifft an- schließend die Bezirksvertretung. Anlagen: Anlage 1: Gutachten Lersch vom Historischen Beirat Anlage 2: Gutachten Lersch vom NS Dokumentationszentrum
Anlage 2 Gutachten Lersch vom NS Dok anonymisiert
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4520 161 Stadt Köln Eingang 1 5. Juni 2018 MJ 123 -Amt füc Uegeoschaften, / \() , Vermessung und Katasterc1- 235/1 ,; „ I /1 h '"' 'f Umbenennung der Heinrich-Lersch-Straße Sehr geehrte Frau Heinrich Lersch (geb. 12.09.1889 in Mönchengladbach, gest. 18.06.1936 in Remagen) galt viele Jahre als „Katholischer Arbeiterdichter" oder auch „Heimatdichter" (vgl. Portal Rheini sche Geschichte, http://www. rhein ische-g esch ichte. lvr. de). Eine kritische Würdigung seiner Person und seines Wirkens setzte erst spät ein. Die Nähe Lerschs zum NS-Regime drückte sich nicht nur in Mitgliedschaften in der HJ und der NSDAP (seit 01.08.1935, Mitgliedsnummer 3. 701. 750) aus. Belegt sind zahlreiche öffentliche Sympa thiebekundungen für Adolf Hitler und das NS-Regime. So war Lersch einer der Mitunter zeichner des Treuegelöbnisses „88 deutsche Schriftsteller" für Adolf Hitler im Oktober 1933. Auch schloss er sich dem „Aufruf der Kulturschaffenden" vom 19. August 1934 an, der die Vereinigung der Ämter des Reichspräsidenten und des Reichskanzlers in der Person Adolf Hitlers befürwortete. Lersch hat sich damit aktiv und besonders exponiert an der Abschaf fung der Demokratie und der Etablierung der nationalsozialistischen Diktatur beteiligt. Dieser Einsatz wurde vom NS-Regime entsprechend gewürdigt. Nach dem plötzlichen Un falltod Lerschs in Remagen im Jahr 1936 wurde auch in Köln eine Straße nach ihm benannt: Seit 1937 gab es eine „Heinrich-Lersch-Straße" in Köln-Braunsfeld (Greven's Adressbuch 1937, IV. Teil, S. 426). Bereits 1946 wurde diese Straße in „Krautwigstraße" umbenannt. Diese frühe Umbenennung lässt vermuten, dass die frühere politische Motivation der Benennung weithin bekannt war. Die bis heute existierende „Heinrich-Lersch-Straße" in Köln-Neubrück geht auf einen Benen nungsvorschlag aus dem Jahr 1967 zurück, der aus der Stadtverwaltung kam, als in dem Baugebiet 13 Planstraßen nach Schriftstellern der jüngsten Vergangenheit benannt werden sollten. Eine Prüfung des Geschichtsbildes ist zum damaligen Zeitpunkt nicht erfolgt. Eine tiefergehende Untersuchung zu seiner Person und seinem schriftstellerischen Werk halte ich aufgrund der vorliegenden Veröffentlichungen zu Heinrich Lersch nicht für notwen dig, zumal ein Bezug zur Stadt Köln ohnehin nicht gegeben ist. Das NS-Dokumentationszentrum spricht sich angesichts des offenen und exponierten Eintre tens Heinrich Lerschs für das NS-Regime für eine Umbenennung der Straße aus. Mit freundlichen Grüßen �ar
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungOrte (1)
- Krautwigstraße
Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.
Details
- Aktenzeichen
- 1559/2023
- Typ
- Mitteilung BV
- Datum
- 22.05.2023
- Erstellt
- 09.05.2023 14:42