1611/2024
Erwerb einer Pergamenthandschrift
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Anlage 3 Gutachten Surmann
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Dr. Ulrike Surmann Das Psalter-Brevier aus der Bibliothek der Herzöge von Arenberg Laon (?), kurz nach 1297 Die Handschrift wurde für die Prämonstratenser-Abtei St. Martin in Laon hergestellt. Randnotizen belegen die Verwendung durch Mitglieder dieses Konventes über mehrere Jahrhunderte, vermutlich bis zur Aufhebung des Klosters durch die Französische Revolution. Dass dieses einbändige Psalter- Brevier auch für genau diesen Kontext hergestellt wurde, zeigt allein schon ein Blick in das Sank- torale: Das Offizium des hl. Martin, des Patrons der Institution, ist durch eine historisierte Initiale hervorgehoben (411v), ebenso wie das Offizium des hl. Laurentius, dessen Armreliquie in der Kirche verehrt wird (367r). An seine Schwester Apollonia wird in zwei Gebeten (99v) erinnert. Für die Datierung ist das Offizium zu Ehren des hl. Ludwig entscheidend, das zum ursprünglichen Text- bestand gehört, aber offensichtlich mit kleinerer Schrift in das bereits bestehende Layout der Text- vorlage eingepasst werden musste (381v). Die Heiligsprechung des französischen Königs Ludwig IX. fällt in das Jahr 1297. Im Kalendar (25. August) und in der Litanei wurde sein Name möglicherweise nachträglich, doch mit zeitgenössischer Schrift eingetragen, was darauf hinweisen könnte, dass der Heilige ungewohnt und daher in der verwendeten Textvorlage noch nicht verzeichnet war. Vermutlich im Verlauf des 19. Jahrhunderts gelangte die Handschrift in die Bibliothek der Herzöge von Arenberg! und wurde 1952 zusammen mit weiteren Kodizes aus dem Arenberg-Besitz bei Seligmann in New York versteigert. Anschließend ging das Psalter-Brevier durch die Hände von mehreren berühmten bibliophilen Sammlern: George Armin Goyder (bis 1961), Eric Sexton (bis 1981) und Helmut Nathan Friedländer (bis 2001). Die Provenienz scheint damit lückenlos belegt zu sein. Laut der Synode von Trier (1227) sollte jeder Kleriker im Besitz eines Breviers sein, das er auf Reisen zum Verrichten des Stundengebetes nutzen konnte. Von handlicher Größe (180 x 132 mm) und ein- bändigem Textumfang, dürfte dieses Psalter-Brevier dieser Anforderung gerecht geworden sein. Es enthält im originalen Textbestand ein Kalendar, die 150 Psalmen, die der Bibel entnommenen Cantica und die Hymnen, Heiligenlitanei und Gebete, das Totenoffizium sowie Temporale (alle Tage und Herrenfeste) und Sanktorale (Heiligenfeste) für die Stundengebete des Kirchenjahres. Der figürliche Buchschmuck besteht aus den kleinen Darstellungen der Monatsarbeiten (z.B. Schlachten der "MS 11; wohl ausgestellt auf der Kunsthistorischen Ausstellung, Düsseldorf 1904, Nr. 546? KOLUMBA Kolumbastraße 4 D-50667 Köln Schweine im Dezember) und der Tierkreiszeichen im Kalendar sowie 31 mit Illustrationen versehenen Initialen. In den begleitenden Textrahmungen stellen Drölerien, skurrile Randillustrationen, eine Gegenwelt zur Heiligkeit des Textes vor (häufig Jagd- und Kampfszenen mit Mischwesen, Ballspiele, Musiker mit tanzenden Tieren). Im Textbestand der Stundengebete fehlen einige wenige Seiten, auf denen mit hoher Wahrscheinlichkeit weitere historisierte Initialen zu erwarten gewesen wären (Him- melfahrt, Trinitatis-Sonntag, Beginn des Sanktorale). Im Kalendar ist jede Zeile gefüllt, mit Heiligennamen, komputistischen und astronomischen Angaben sowie den Versen, die auf die „bösen“ Tage des Monats verweisen (dies aegytiaci).? Die wichtigen Feste sind durch die Verwendung von Goldtinte hervorgehoben. Die Drölerien sind hier sehr erzäh- lerisch. Wir sehen das Hütchen- (2v) und ein Holzwurfspiel (3v), einen in einer Falle gefangenen Vogel (Ar) und einen Vogel in einer Schubkarre (7v) und schauen Bäckern beim Backen von Brot zu (Av). Den Abschluss des kalendarischen Kapitels bilden einige Tabellen zur Berechnung des Ostertermins (7v). Die Marginalszenen zeigen am unteren Rand eine Diskussion über die Astronomie - einer der beiden Diskutanten hält die dreigeteilte Erde in der Hand - und auf der linken Seite vermutlich zwei Bauleute (Architekt und Polier?), die mit Winkeleisen und Zirkel eine zu errichtende Architektur ent- werfen. Sie stehen für die Mathematik, die zusammen mit der Astronomie die Grundlagen für die Berechnung des Ostertermins, die Komputistik, bilden. Im Psalter verweisen 8 historisierte Initialen auf den liturgischen Gebrauch der Texte. Sie markieren jeweils den ersten Psalm, der zur nächtlichen Matutin eines jeden Tages gebetet wird (1, 26, 38, 52, 68, 80, 97), sowie den ersten Vesperpsalm für den Abend des Sonntags (109). Die Darstellungen zeigen Szenen aus dem Leben König Davids, der als Autor der Psalmen gilt (z.B. David als Musiker und im Kampf mit Goliath, Salbung Davids), und / oder beziehen sich auf den Anfang des Textab- schnittes (z.B. singende Kleriker, Trinität). Auswahl und Komposition der Szenen sind ganz typisch für die nordfranzösischen Psalterien der Zeit.* Unter den Marginalillustrationen fallen vor allem ein Schrei- ber am Schreibpult (Ps 68, fol. 38v) und ein Mann auf, der von einem Schwarm Bienen attackiert wird. Ein 2. Mann eilt ihm mit einem Wedel zu Hilfe (Ps 80, fol. 46v). Hier dürfte ein unmittelbarer Textbezug vorliegen. Der Schreiber wendet sich dem Ruf Salvum me fac (Gott, hilf mir!) zu, als sei diese ein- dringliche Bitte um Erlösung sein persönliches Gebet. Die Bienenszene könnte sich aus dem letzten Vers des Psalms ableiten, die Gottes Huld mit der Sättigung durch Honig umschreibt. Das Bild wäre dann als Warnung zu verstehen, dass der Lohn nur durch umsichtiges Vorgehen zu erlangen ist Weitere Illustrationen finden sich in den Formularen für die Stundengebete, wo besondere Festtage durch historisierte Initialen ausgezeichnet sind, die den Anlass des Festes verdeutlichen. Während die 2 Siehe manuscripta-mediaevalia.de/gaeste/grotefend/g_d.htm#Dies egyptiaci. Grotefend führt die hier auftretende Spruchfolge als zweite auf. Interessanterweise ist dort die Reihenfolge eine andere, d.h. dass die „bösen“ Tage verschoben sind. Es dürfte sich also nicht mehr um einen aktuell gelebten Aberglauben handeln. 3 Verhältnisse von Goldenen Zahlen (Mondalter), Epakten (Mondalter am 22. 3.), cyclus lunaris (Lunarbuchstabe des Ostersonntags), concurrentes (Wochentag am 24.3.), Sonntagsbuchstaben, regulares (Zeitdifferenz zwischen 24.3. und Vollmond) und c/aves (Abstand zwischen Vollmond und 11.3.); Anna-Dorothee von den Brincken: Historische Chronologie des Abendlandes, Stuttgart u.a. 2000, S. 68-71. 4 Vgl. Noyon-Psalter, Noyon, um 1270, Kolumba, König Hs 1; https: //digital.dombibliothek- koeln.de/kolumba/contentititleinfo/548099. KOLUMBA Kolumbastraße 4 D-50667 Köln Initiale zum 1. Sonntag im Advent, mit der gleichzeitig das Temporale beginnt, am Anfang des Offi- ziums steht, sind die übrigen Bilder ganz unterschiedlich platziert. Sie stehen zu Beginn von Lesungen oder Gebeten, deren Texte explizit auf das dargestellte Geschehen oder die gezeigte Person zu be- ziehen sind. Offensichtlich ging man davon aus, dass der geübte Leser den Beginn des Formulars auch ohne Bildmarkierung findet. Vielmehr dienen die Bilder hier als Kommentar oder sie visualisieren den Ansprechpartner des Gebetes. Besonders üppig fiel die Initiale P zur 1. Lesung des Weihnachts- festes aus, in der die Darstellung der Geburt Christi zu sehen ist. Der Text enthält die Ankündigung des Messias durch den Propheten Jesaja (8,23-9,3). Im Stamm des Buchstabens stehen drei Pro- pheten, darunter Moses und Daniel, mit Schriftbändern in drei Nischen übereinander. Sie verdeutli- chen die christliche Interpretation des Alten Testamentes als Vorausschau des kommenden Erlösers. Auf der unteren Rahmenleiste liefern sich zwei Reiter auf Phantasietieren einen Zweikampf. Ob die Wappen auf ihren Schilden wirklich auf einen Auftraggeber hinweisen, wie das Dossier zu der Hand- schrift vorschlägt? Eher würde ich das Wappen auf Folio 8r in diesem Sinne lesen wollen. Das Psalter-Brevier ist ein sehr schönes und exemplarisches Beispiel für die Buchmalerei im Nörd- lichen Frankreich in den Jahren um 1300, als die Gegenwelt der Drölerien die Ränder der Seiten er- oberte, um ein halbes Jahrhundert später wieder zu verschwinden - vielleicht in Folge der Pest. Von hier aus trat sie ihren Siegeszug an, der sie bis in die Ateliers der Kölner Klarissen führte. Noch sind die Darstellungen recht verspielt, manchmal vielleicht ironisch, wenn z.B. ein Jagdhund sich vergeb- lich bemüht, den Ast zu erreichen, auf dem ein verträumter Hirsch hockt (651v). Obszönitäten, wie man sie in anderen Handschriften findet, sind hier vermieden. Sehr schön kann man im Kalendar die komplizierten Berechnungen nachvollziehen, die zur Bestimmung des Ostertermins notwendig sind. Dass es über einen längeren Zeitraum in Gebrauch war, belegen die vielen Radierungen und Ergän- zungen. Notizen an manchen Seitenrändern lassen liturgische Änderungen erkennen, z.B. die Ein- führung des Fronleichnamsfestes (246v). Im Brevier regt die Verteilung der Bilder ein Nachdenken über deren Funktion an. Nicht einfach als Lesehilfe, sondern als Medium zur Intensivierung des Gebetes dienen sie hier. Die Handschrift enthält also eine Fülle von unterschiedlichen Details, die die mittelalterliche Welt wieder lebendig werden lassen. In der Sammlung des Museum Schnütgen würde das Psalter-Brevier den kleinen Komplex an Hand- schriften und Einbänden um ein exemplarisches Objekt und einen wichtigen Aspekt abrunden. Die französische Buchmalerei der Zeit, die letztlich dem Schaffen der Kölner Klarissen zugrunde lag, ist in den städtischen Sammlungen Kölns bisher nicht belegt. Der Erwerb des Psalter-Breviers aus der Bibliothek der Herzöge von Arenberg, das anscheinend über eine lückenlose Provenienz verfügt, würde also eine empfindliche Fehlstelle in der Kölner Überlieferung schließen. Für die Höhe des Preises spielt zum einen die Seltenheit eine Rolle, mit der französische Handschriften dieser Zeit auf den Markt kommen. Zum andern ist mittelalterliche Buchmalerei für Sammler zur Absicherung ihres Kunstportfolios nach wie vor attraktiv und daher gefragt. Angesichts der Wertstabilität mittelalterlicher illustrierter Handschriften scheint der Preis von 500.000-600.000 € angemessen zu sein, wie die Recherche auf der TEFAF in Maastricht gerade wieder gezeigt hat. UV. Sarma cn —_
Beschlussvorlage Ausschuss
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Dezernat, Dienststelle VII/4516 Vorlagen-Nummer 1611/2024 Freigabedatum 05.06.2024 Beschlussvorlage zur Behandlung in öffentlicher Sitzung Betreff Erwerb einer Pergamenthandschrift Beschlussorgan Ausschuss Kunst und Kultur Finanzausschuss Gremium Datum Beschluss: 1. Der Ausschuss Kunst und Kultur stimmt dem Ankauf der Pergament-Handschrift Aren- berg Psalter-Brevier, Nordfrankreich um 1297 für das Museum Schnütgen von der Ga- lerie Les Enluminures Paris/New York/Chicago zum Preis von 490.000 Euro (inkl. Kaufnebenkosten) unter dem Vorbehalt zu, dass es dem Museum gelingt, zusätzlich zu dem städtischen Anteil von 250.000 Euro aus dem Ankaufsetat der Museen einen Anteil von 240.000 Euro des Kaufpreises als Drittmittel einzuwerben. 2. Der Finanzausschuss beschließt die Mittelfreigabe in Höhe von 490.000 Euro im Teilfi- nanzplan des Museumsreferats in Produktgruppe 0401 - Museumsreferat, Teilplan- zeile 9 - Auszahlungen für den Erwerb von beweglichem Anlagevermögen, Finanz- stelle 4500-0401-0-1000 - Ankaufsetat Museen, unter dem Vorbehalt, dass es dem Museum gelingt, einen Anteil von 240.000 Euro als Drittmittel einzuwerben. Ausschuss Kunst und Kultur 18.06.2024 Finanzausschuss 24.06.2024 2 Haushaltsmäßige Auswirkungen Nein Ja, investiv Investitionsauszahlungen 490.000 € Zuwendungen/Zuschüsse Nein Ja 240.000 49 % Ja, ergebniswirksam Aufwendungen für die Maßnahme € Zuwendungen/Zuschüsse Nein Ja % Jährliche Folgeaufwendungen (ergebniswirksam): ab Haushaltsjahr: a) Personalaufwendungen € b) Sachaufwendungen etc. € c) bilanzielle Abschreibungen € Jährliche Folgeerträge (ergebniswirksam): ab Haushaltsjahr: a) Erträge € b) Erträge aus der Auflösung Sonderposten € Einsparungen: ab Haushaltsjahr: a) Personalaufwendungen € b) Sachaufwendungen etc. € Beginn, Dauer Auswirkungen auf den Klimaschutz Nein Ja, positiv (Erläuterung siehe Begründung) Ja, negativ (Erläuterung siehe Begründung) Begründung: Das Museum Schnütgen möchte von der Kunsthandlung Les Enluminures New York/Chi- cago/Paris eine mittelalterliche Handschrift von herausragender Qualität erwerben. Es handelt sich um das sog. Arenberg Psalter-Brevier, Nordfrankreich (verm. Laon) um 1297. Objektbeschreibung Die umfangreiche Pergamenthandschrift ist auf allen rund 900 Seiten überaus kostbar mit Buchschmuck ausgestattet. Dazu zählen 31 historisierte Initialen, 80 Zierinitialen, 12 Tierkreis- zeichen sowie 32 Zierseiten mit Vollbordüren, belebt durch Blattranken, kleine szenische Dar- stellungen, Figürchen, Mischwesen, Tiere und Vögel. Das Buch kombiniert die biblischen Psalmen, die Grundlage mittelalterlicher Gebetbücher, mit einem Stundengebetbuch für Geistliche in einem Band. So enthält es zu Beginn ein Kalendar mit der Übersicht aller zwölf Monate zu den Kirchen- und Heiligenfesttagen, dann den Psalter, Gesänge, die Litanei und Gebete, das Totenoffizium, Hymnen, Mariengebete. Daran schließt sich das Temporale an mit den Sonntagen und beweglichen Christusfesten, wie Ostern und Pfingsten, gefolgt vom Sanktorale mit den Festen bestimmter Heiliger sowie dem allgemeinen 3 Heiligenteil und weiteren Gebeten. Ganz sicher hat das Buch eine besondere Attraktion für das Museumspublikum, für Erwach- sene und Kinder, besonders wegen der zahlreichen unterhaltsamen Darstellungen auf den Seitenrändern. Heitere Mischwesen, Tiere und Vögel tummeln sich in den Text umrahmenden Ranken. Kleine Szenerien mit Bogenschützen, Balljonglieren, Tänzern, Bäckern geben Einbli- cke in das mittelalterliche Leben. Zugleich gibt es viele Bezüge zwischen den Marginalien und dem Haupttext. So erscheinen beispielsweise neben den Tabellen zur Berechnung des Oster- festes Gelehrte mit Messinstrumenten, Zirkel und Winkel sowie eine Unterrichtssituation, wo- bei der Lehrer eine Art Globus hält. Stellt der Psalmentext den Gläubigen in Aussicht, mit Ho- nig gesättigt zu werden, so verjagt ein Knabe am linken Bildrand mit einem Wedel die Bienen, die um einen sitzenden Mann schwirren. Dazu kommen die vielen Bilder in den Initialbuchsta- ben, beispielsweise des ein Glockenspiel schlagenden Königs David, eines singenden Mönch- schores oder des hl. Martin, der mit dem Bettler seinen Mantel teilt. Sammlungskontext Für die Sammlung des Museum Schnütgen wäre diese Erwerbung eine besonders wertvolle Ergänzung und hätte im Bestand mittelalterlicher Handschriften eine herausgehobene Stel- lung. Dieser umfasst bisher ein karolingisches Evangeliar aus dem späten 9. Jahrhundert, ein Kölner Evangelistar und Messordo aus dem 12. Jahrhundert, eine um 1250 entstandene Pari- ser Taschenbibel, ein in Flandern um 1510 entstandenes Stundenbuch sowie ein zweibändi- ges Gesangbuch für die Stundengebete in St. Cäcilien von 1520/30. Bislang klafft jedoch eine Lücke hinsichtlich der Gattung eines Psalters oder eines Breviers, zumal als Wegbereiter des im 14. und besonders 15. Jahrhundert dann so weit verbreiteten Stundenbuchs als Ausdruck der privaten Frömmigkeit und zugleich repräsentativer, kostbarer Besitz hochrangiger Persön- lichkeiten. Das Psalter-Brevier mit seiner äußerst feinen Malerei und Ausgestaltung ist ein herausragen- des Beispiel für die Buchmalerei der Hochgotik, die so bislang nicht in der Museumssamm- lung vertreten ist. Damit ließe sich für die Besucher*innen die bedeutende Fortentwicklung der Buchmalerei im 13. Jahrhundert anschaulich machen, von ersten zaghaften Ranken in der Pariser Taschenbibel zur vollumfassenden Umrahmung des Textes mit sprießendem Blattran- kenwerk und Drolerien. Zugleich liegen hierin die Vorbilder für die Kölner Buchmalerei, wie wir sie etwa aus dem Kölner Minoritenkloster und dem Klarissenkloster kennen, die zuletzt in der Ausstellung „Von Frauenhand“ 2021/22 im Museum Schnütgen präsentiert wurde. Zustand Der Erhaltungszustand ist trotz erkennbarer Gebrauchsspuren und einiger kleiner Verluststel- len und Ausbesserungen insgesamt gut. Provenienz Das Besondere an der Provenienz besteht darin, dass sie sich durch handschriftliche Besitz- einträge seit dem 14. Jahrhundert in das Kloster St. Martin in Laon zurückverfolgen lässt, wo sich das Buch offenbar bis zur Aufhebung des Klosters 1790 befand. Im 19. Jahrhundert ge- langte es in die Bibliothek der Herzöge von Arenberg in deren Residenz in Brüssel. Von dort wurde die Handschrift 1952 in den Handel gegeben und gelangte dann über verschiedene Pri- vatsammlungen zur Kunsthandlung Les Enluminures. Finanzierung Auf den zunächst geforderten Kaufpreis von 600.000 US-Dollar erhält das Museum einen er- heblichen Nachlass, so dass sich nun die für den Kauf aufzubringende Summe auf nur noch 490.000 Euro inkl. Kaufnebenkosten beläuft. Davon beantragt das Museum 250.000 Euro aus dem Ankaufsetat der Museen und bemüht sich um die Einwerbung des Differenzbetrages von 240.000 Euro aus Drittmitteln. Unter dem Vorbehalt der Einwerbung von Drittmitteln in Höhe von 240.000 Euro stehen im 4 Teilfinanzplan des Museumsreferats in Produktgruppe 0401 - Museumsreferat, Teilplanzeile 9 - Auszahlungen für den Erwerb von beweglichem Anlagevermögen, Finanzstelle 4500-0401- 0-1000 - Ankaufsetat Museen, investive Auszahlungsermächtigungen in Höhe von 490.000 Euro zur Verfügung. Anlagen: Anlage 1: Dossier der Galerie Les Enluminures Anlage 2: ausführliche Beschreibung und Begründung des Erwerbungswunsches durch das Museum Schnütgen Anlage 3: Gutachten Dr. Ulrike Surmann Anlage 4: Gutachten Dr. Christian Heitzmann Anlage 5: Abbildungen
Anlage 1 Dossier
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The Arenberg Psalter-Breviary (Premonstratensian use) In Latin, illuminated manuscript on parchment Northeastern France (Laon?), c. 1300 (after 1297) 31 historiated initials, 12 vignettes of zodiac signs, 32 full borders with numerous human figures, grotesques, animals, and birds The quintessential features of French Gothic art in the High Middle Ages find full expression in this beautiful Psalter-Breviary, illuminated by skilled artists who combine serious religious imagery with playful borders displaying scenes from daily life, real and imaginary, enacted by people and animals. No page in this lavish volume was left undecorated. It was made for use at the very wealthy Premonstratensian Abbey of St. Martin’s in Laon at a critical time in the history of the town of Laon. A serious altercation between the town and the cathedral canons in 1295 resulted in a papal interdict; the religious and communal life of Laon was restored only in 1297-1298 through the direct intervention of the pope and of King Philip IV. This lavish Psalter-Breviary, perhaps a gift to the Abbey of St. Martin, must date to these very years, or soon after, when the Abbey came under protection of the Crown. The illustrations, probably by a local team of artists, not only recall those in an important group of Amiens manuscripts, but also echo scenes of the reliefs of the western façade of the Abbey Church rebuilt in 1270. From the library of the Dukes of Arenberg (who also owned the Hours of Catherine of Cleves), the manuscript, although published, has long been in private collections, inaccessible for study. 452 folios on parchment, modern foliation in pencil top outer corner recto 1-196, 196 bis, 197-451, lacking at least five leaves (collation 16+1 [f. 7 added after 6] 2-88 9-1112 12-188 19-2212 2312+1 (f. 215, added after 12) 2412 2512(-6, one leaf after f. 232, with loss of text) 2612(-6 and 7, after f. 243, with loss of text, -12, f. 247, with loss of text, current f. 247 is a more recent replacement) 2712 28-348 3510(-1 before f. 317, with loss of text) 3614 37-4512 46-472, traces of what may be contemporary quire signatures extreme lower left corners of some folios, ruled in lightly lead with single full-length vertical bounding lines (justification 115 x 85 mm.), written in two columns of 29 lines in brown and red ink in two sizes of gothic book script (textualis), calendar ruled with 6 vertical and 36 horizontal lines in black ink and written in burnished gold, silver, blue, and two shades of red, line-fillers in red and blue penwork, text initials with delicate penwork in brown ink, frequently filled with yellow or green, initials in the top line of text sometimes extended into the upper margin and elaborated to form cadels incorporating grotesque faces, some very elaborate (e.g. ff. 104v, 112v, 113v, 121v), thousands of one-line initials in red or blue with penwork of the opposite color, hundreds of two-line initials in red or blue with pen-flourishing of the opposite color introducing chapters or readings, with red and blue “waterfalls” or “J- s” (”les bandes d’I”) extending from initials the full length of the column, this decorative scheme is repeated for every column of the manuscript, even those without initials; in that case the waterfall extends from a red or blue half roundel, or an animal or other small figure in pen and ink or gold (for example, f. 24v, a cat’s head, f. 28v, a woman’s face, etc.), c. EIGHTY ILLUMINATED INITIALS of 3- to 15-lines alternately mauve on a blue ground or blue on a mauve ground with white tracery infilled with blue and orange ivy leaves on burnished gold grounds and with marginal extensions often the height of the page terminating in ivy leaves and tendrils, many initials or extensions incorporating faces or small grotesque creatures, THIRTY-ONE HISTORIATED INITIALS of 6- to 10-lines, including twelve LABORS OF THE MONTH IN THE CALENDAR, all WITH FULL BAR BORDERS in mauve, blue, burnished gold and burnished silver with ivy-leaf finials, accompanied by NUMEROUS BIRDS, ANIMALS, GROTESQUES AND HUMAN FIGURES engaged in various activities, TWELVE VIGNETTES WITH THE SIGNS OF THE ZODIAC, CALENDAR TABLE WITH FULL BAR BORDER (but no initial), cropped touching borders, slight rubbing to ff. 1v-2 and to other borders, occasional minor smudges, some offset or bleed-through from borders, white pigment sometimes rubbed and/or flaking, so some details of faces within the initials are missing, the silver oxidized, f. 140v, stain across part of text (which remains legible), f. 152, parchment repair, lower margin; f. 247 a later vellum insert originally blank, neatly incised hole to f. 374 removing one line of text, clean tears to ff. 167 and 238, f. 256, modern repair outer margin, c. 35 leaves with skillful parchment repairs, usually so well-done that they are imperceptible, and are likely contemporary with the manuscript (mostly to blank margins but in c. 15 instances clearly before writing or illumination), ff. 439-446, cockled and creased. Modern leather binding in the style of the sixteenth century, elaborately tooled in blind, with small traces of gilt, spine with four raised bands and head and tail bands, slight wear to the edges and corners, three tiny wormholes, fitted cloth case. Dimensions 180 x 132 mm. PROVENANCE 1. Written and illuminated in Northeastern France, likely in Laon, at the end of the thirteenth century, c. 1300, based on the evidence of the script, the style of the illumination, and liturgical evidence Although other manuscripts by this artist have not been identified, the rectilinear bar borders and profuse marginal decoration can be compared with a group of manuscripts from Amiens including a profusely illuminated Psalter, Paris, BnF, MS lat. 10435 (we thank Alison Stones and François Avril for their expertise, in correspondence). It must date after 1297, the date of the canonization of St. Louis (Louis IX, king of France), since his Office is found in the Sanctoral. The calendar also includes St. Louis, perhaps, but not certainly, in the original hand, and he is mentioned in the litany, where his name seems to be added. All this suggests that the manuscript may have in fact been copied very close to 1297, when this liturgical feast was just being introduced. The Arenberg Psalter-Breviary was certainly made for use at the Premonstratensian monastery of St. Martin in Laon, as the evidence of feasts emphasized in the calendar, litany, and Sanctoral makes clear. A series of ownership inscriptions tell us that it remained at this monastery until the abbey was suppressed in 1790; f. 446, 14th-century ex libris, “Iste liber est ecclesie sancti martini laudunensis”; f. 2, bottom margin, 17th- century inscription, partially erased but legible, “Ex communitate sancti Martini Laudunensis”; f. 1, 18th-century inscription with the same wording. When this manuscript was copied, Milon de Curigny was abbot of St. Martin’s (abbot from 1287-1324?); in 1294, King Philip IV took the abbey under his special protection. These were turbulent times for the commune of Laon. Following the “second uprising” of Laon in February 26-27, 1295, the commune was restored by the crown in the February 9, 1297, the papal interdict was lifted August 8, 1297; public penance by the malefactors was exacted by the crown in March 1298, finally resolving the dispute (Denton, 1990). It seems possible that this expensive volume was a gift to St. Martin’s; the border on f. 118 includes two battling figures, mounted on unicorns and holding swords and shields. If the charges on the shields are accurate, they may hold a clue to the donor’s identity. The emphasis on St. Nicholas in the calendar is unusual for St. Martin’s and could hold a clue to the exact circumstances surrounding the origin of this manuscript. 2. In the sixteenth century the manuscript was used by Brother Quintinus Macar of the monastery, who wrote his name and mark on f. 263v, “Frater Quintinus Macar religiosus sancty Martini ... Teste meo signo,” where a contemporary hand entered the date 1538, and also scribbled his name on ff. 145v-146 and perhaps on f. 151v (now mostly erased). Liturgical additions throughout the volume are evidence of active use at least through the sixteenth century. 3. Library of the Dukes of Arenberg, MS 11. The Dukes of Arenberg were established in Belgium in the sixteenth century. Their collection, compiled mainly during the latter part of the nineteenth century, was distinguished by many very fine manuscripts, including the famous Hours of Catherine of Cleves now in the Pierpont Morgan Library. This collection, exhibited in part at Düsseldorf in 1904, remained largely inaccessible to scholars and was dispersed in the 1950s; Schapiro, J. Seligman catalogue, 1952, pp. 20- 23; small red label paper label with the number "11" is pasted on the spine; “ms 11,” “office divin, manuscript,” is written in ink, inside front cover (see also Lemaire, 1984, p. 100, no. 11). 4. George Armin Goyder (1908-1997); Goyder, was a businessman and social philosopher, as well as a serious collector of rare and important books. He was an expert on the literature of the English Reformation and the works of William Blake. His library included, for a time, the only known copy of the Book of Common Prayer printed in 1572 and an early copy of Tyndale’s New Testament (1536), as well as a rare copy of William Blake’s Songs of Innocence and Experience. Sale, London, Sotheby’s, December 11, 1961, lot 145. 5. Eric Sexton (1902-1980), his bookplate inside front cover; sale, Christie’s New York, May 22, 1981, lot 3 (to Lathrop Harper). 6. Belonged to Helmut Nathan Friedlaender (1913-2008), lawyer, financial consultant, and book collector; inside front cover, small bookplate, with initials in red, “HNF”; his sale, Christie’s, April 23-23, 2001, lot 2 (The Helmut N. Friedlaender Library, part 1). TEXT ff. 1v-7, [f. 1, blank], Calendar, with numerous contemporary and later alterations and additions; the system of grading, marked by small stars is unusual; including Vincent in silver, nine lessons (January 22), Gregory, in gold, nine lessons (March 10), Benedict, nine lessons (March 21), Ambrose, in gold, nine lessons (April 4), Invention of the Cross, in gold, nine lessons (May 3), “Dedicatio ecclesie premonstratensis” (May 4), Translation of St. Nicholas, in gold, nine lessons (May 9), Servatius, bishop of Tongern, in gold, nine lessons (May 13), Dedicatio S. Augustini, in gold, nine lessons (May 27), Translation St. Servatius, in gold, nine lessons (June 7), Gervaius and Protasius, in silver, nine lessons (June 19), Translation of St. Martin, in gold, nine lessons (July 4), Transfiguration (July 27), Invention of Stephen, in gold, nine lessons (August 3), Lawrence, in gold nine lessons (August 10), Octave of St. Lawrence, in gold, nine lessons, Louis, confessor, in silver, nine lessons (August 25), Augustine, in silver, nine lessons, and with octave (August 28), Egidius, in silver, nine lessons (September 1), Exaltation of the Holy Cross, in gold, nine lessons (September 14), Remigius, in red, nine lessons (October 1), Denis, in gold, nine lessons (October 9), Translation St. Augustine, in red, nine lessons (October 11), Martin, written in gold on a red and blue background, nine lessons (November 11), Nicholas, in gold on blue, nine lessons (December 6); f. 7v, Calendar tables; f. 8-75, Psalter; additional liturgical texts occasionally added in the margins in a 16th-century hand; ff. 75-80, Canticles: Confitebor, Ego dixi, Exultavi cor mum, Cantemus domino, Domine audiui, Audite celi, Benedicte omnia, Benedictus dominus, Te deum laudamus, Quicumque vult; ff. 80v-82, Litany and prayers, with Saints Lawrence, Martin, Augustine and All Saints marked for emphasis by adding “ii” above their names in red, Saints Gervasius and Protasius rewritten (or added?), and Saint Louis, confessor, added (or rewritten?) in a contemporary hand; ff. 82v-87v, Commendatio mortuorum and Office of the dead, Premonstratensian use; When a Premonstratensian canon died, the Office of the Dead was sung with nine lessons, followed by the Commendatio maior; a Commendatio media and the Office of the Dead was celebrated on the seventh and 30th day following a death (Ottosen, 1993, p. 278). ff. 87v-98, Hymns; ff. 98-99v, Prayers to the Virgin, including O intemerata [masculine forms, i.e., ego peccator], and concluding with two prayers for Apollonia; ff. 100-316v, Temporal from the first Sunday in Advent through the 28th Sunday after Pentecost; On f. 209v, following the eighth reading for Holy Saturday, is a verse text on the suffering of Christ in French, “Ha houme et famme voi q[u]ie sueffre p[our] toi, Voi ma doulour mon angoisseus…,” followed by texts for Sabbato primo post octabas penthecostes added in a later hand in the blank space; text then resumes with Easter on f. 211. Lacking one leaf after f. 232v (with the beginning of Ascension Sunday); missing two folios after f. 243v, with Trinity Sunday, that is, Sunday after Pentecost, and the text then continues through feria iv, top column b on f. 246v, with added texts In festo sacramentum altaris below; f. 247rv, is blank replacement leaf with added texts in another, later hand, for Sabbato primo post oct. pent.; f. 248 begins imperfectly in the first Sunday after Pentecost; texts for the Office of Nicasius copied at the end (December 14); on f. 319 in the Sanctoral there is a note to go back three folios to find his Office. ff. 317-423v, Sanctoral, beginning imperfectly in the Office of St. Nicholas (6 December) and concluding with Andrew; On f. 381v, the Office of St. Louis (Louis IX, king of France); on ff. 343v-344, lower margin, added: In festo corporum <?> reliquarum. Historiated initials are found for the Purification, Lawrence, the Assumption, Nativity of the Virgin, and Martin; Offices beginning with illuminated initials include Lucy (December 13), Thomas, Agatha, Chair of St. Peter, Matthias, Annunciation, Mark, Philip and James, Invention of the Cross (May 3), John the Baptist (June 24) Translation of St. Martin (4 July), Mary Magdalene (July 22), Lawrence (10 August; his Office begins with an historiated initial, and the first prayer with an illuminated initial), Assumption (15 August), Deposition and Translation of St. Augustine, Michael, All Saints, Martin (also with an historiated initial), and Andrew. ff. 424-446, Common of Saints; ff. 446-448, Prayers; ff. 448v-451, Office of Corpus Christi, added in a 16th-century hand; [f. 451v blank]. ILLUSTRATION The manuscript was illuminated in northeastern France at the end of the thirteenth century, c. 1300, likely in Laon. This could be the product of a local workshop, or the work of an itinerant artist (perhaps from Amiens). The figures, dressed in rose, blue, pale green, bright orange, are painted against elegant diaperwork backgrounds (blue or mauve), or on highly polished gold; the hair is crisply drawn, often with rows of curls across the forehead, cheeks are rosy, noses are sharp and continue into the eyebrows, eyes have prominent pupils. Although other manuscripts by this artist have not been identified, the rectilinear bar borders and profuse marginal decoration can be compared with a group of manuscripts illuminated in Amiens, including, among others, the Psalter, Paris, BnF, MS lat. 10435, and the Psalter-Hours de Yolande of Soissons, New York, The Morgan Library and Museum, MS M.729, (we thank Alison Stones for her expertise, in correspondence; Stones, 2013, part one, volume 2, cat. III-31-36, pp. 222- 245). The calendar, copied with one month per page, is fully illustrated, with each page decorated with the labor of the month placed within the KL-monogram at the top, a vignette with the Zodiac symbol in a rounded frame, enclosed in a square frame near the middle of the page, all encircled by a full border with numerous small figures, animals, and birds sprinkled throughout. The page of calendar tables that follow is also illustrated with a full border (here the small figures fit closely with the subject of the page – see the men holding a square, a compass, and a globe). The Psalter is divided into eight divisions, with large historiated initials and full borders for psalms 1, 26, 38, 52, 68, 80, 97, and 109. These divisions correspond to the groupings of psalms in the Divine Office on successive days of the week in non-monastic churches: psalm 1 was the first psalm of Matins on Sunday, psalm 26 on Monday, psalm 38 on Tuesday, and so on through Saturday. Psalm 109 was the first psalm sung at Sunday vespers. Finally, initials mark the most important feasts in the text of the Breviary proper, including the feasts of Sants Lawrence and Martin. A Breviary is a serious, liturgical volume, containing the words of the Divine Office, and the historiated initials introducing the most important liturgical occasions at the abbey are elegant and serious. But this Breviary also includes a series of fantastic borders, surrounding the text on all four sides. Borders such as these were an invention of the Gothic period. They have been called the most typical decorative feature of the gothic manuscript (Derolez, p. 8). The borders here lend the whole volume a light-hearted, even frivolous tone. For example, the initial on f. 61v depicts the Trinity, but the entire page is surround by a complete border with scrolling vines, leaves, and bars of pink and blue with birds (quite carefully painted in a realistic fashion), amusing grotesques with human heads and animal bodies, a dog, and a stag. In some borders we catch glimpses of daily life, a juggler, archers, bakers at work; in others we see mild scatological humor (lots of dogs squatting to poop), a scribe (or artist?) at his desk (f. 38v), a master teaching astronomy(?), and much more. Every page of the manuscript is decorated. On pages with no illumination, full-length red and blue penwork borders adorn every column (even those without initials). Of special interest is the margin accompanying the calendar tables on f. 7v: referring to the art of calculation, men hold a square, a compass, and a globe. On f. 118, two battling figures mounted on unicorns hold swords and shields (an allusion to the original owner?). Accompanying Psalm 80, bees swarm a seated man on f. 46v, while another man attempts to swat them away, perhaps a textual reference to the verse describing the gathering of honey from a rock. The subjects of the illuminations are: f. 1v, January: Janus feasting. Vignette: Aquarius. In the border: a bird, a dog, a centaur archer, and a man blowing a trumpet at another man; f. 2, February: warming by the fire. Vignette: Pisces. In the border: birds, grotesques, and a dog dancing on his hind legs before a man playing the bagpipes; f. 2v, March: pruning vines. Vignette: Aries. In the border: grotesques, a juggler and two men playing a game with balls; f. 3, April: digging. Vignette: Taurus. In the border: a bird, a dog, grotesques, a man with an ax, and a centaur with a club pursuing a grotesque; f. 3v, May: a knight riding among flowering trees. Vignette: Gemini. In the border, grotesques, a man holding two sticks, and four men playing bowls; f. 4, June: haying. Vignette: Cancer. In the border: a dog, a fox, grotesques, a centaur holding two balls, an archer shooting a bird, and another bird caught in a snare and approached by two men; f. 4v, July: hunting. Vignette: Leo. In the border, grotesques, a dog pursuing a stag, a centaur holding a stone, and three men baking bread in an oven; f. 5, August: reaping. Vignette: Virgo. In the border: birds, grotesques, an archer shooting a stork, a hunter with a horn and club and two dogs, one of whom is attacking a stag; f. 5v, September: archer shooting a bird. Vignette: Libra. In the border: grotesques, a man with a club, a man with bagpipes and a woman dancing, and an ape(?) chained to a post; f. 6, October: harvesting the grapes. Vignette: Scorpio. In the border: a dog, a stag, grotesques, a jester, a man with a club, and two men fighting with swords and bucklers; f. 6v, November: hunting the boar. Vignette: Sagittarius. In the border: a dog, grotesques, and two men with shields and clubs; f. 7, December: slaughtering the pig. Vignette: Capricorn (a unicorn). In the border: a bird, a dog, grotesques, and two men, one with a bird in a wheelbarrow; f. 7v, Calendar tables. In the border: dogs, grotesques with clubs, two seated men, perhaps a teacher, holding a globe, and student, and two other men, one holding a square, the other compasses; f. 8, Psalm 1: David enthroned with his harp in the upper bow of the B, David and Goliath below. In the border: birds, grotesques, an archer, and a juggler; f. 18v, Psalm 26: the anointing of David. In the border: birds, grotesques and an archer shooting at a bird; f. 25v, Psalm 38: David before God, pointing to his mouth. In the border: a dog, a bird, grotesques, and a man holding a branch with a bird perched on it; f. 32, Psalm 52: the fool. In the border: a bird, grotesques, a dog, and a rabbit; f. 38v, Psalm 68: David in the water, God above. In the border: birds, grotesques, and a scribe seated before his writing desk with his implements on a table before him; *f. 46v, Psalm 80: David playing the bells. In the border: a dog, a bird, grotesques, heads of two men sounding trumpets, and a boy with an artichoke-shaped fan protecting a seated man from the bees swarming around him; f. 54, Psalm 97: three clerics singing from a book on a lectern. In the border: a dog, an archer, and grotesques, two of them fighting with a club and a stick; f. 61v, Psalm 109: the Trinity. In the border: a dog, a stag, a bird, and grotesques; f. 100, First Sunday of Advent: Annunciation. In the border: birds, grotesques, and an archer shooting a rabbit, and a figure with a club; f. 100v, First Sunday in Advent, lesson: Isaiah preaching to a crowd. In the border, grotesques, birds, and a hound chasing a hare; f. 118, Christmas: Nativity in the bowl of the initial P; Daniel, Moses, and St. John in its stem. In the border: grotesques, including an archer, and two men mounted on fantastic animals and fighting with swords and shields; f. 137, Epiphany: Adoration of the Magi. In the border: birds, a dog, grotesques, and three apes, two riding dog-like beasts, the third holding two spears; f. 239v, Pentecost: Pentecost. In the border: grotesques, a man holding two sticks, an archer, and a rabbit with an arrow through its neck; f. 304, First Sunday after the Octave of Pentecost: Dives and Lazarus. In the border: grotesques and a hound chasing a hare; f. 326, Purification of the Virgin: Presentation in the Temple. In the border: grotesques, a man with a club, and a bird; f. 367, St. Lawrence: St. Lawrence on the gridiron. In the border: grotesques, a dog playing the bagpipes, and a rabbit dancing; f. 371v, Assumption of the Virgin: the Dormition of Mary. In the border: two dogs, an archer shooting an arrow at a fantastic creature, two centaur-like grotesques fighting with club and spear; f. 388v, Nativity of the Virgin: Mary seated in a garden. In the border: a bird and grotesques; f. 411v, Deposition of St. Martin: St. Martin on horseback dividing his cloak with the beggar. In the border: grotesques. The Abbey of St. Martin in the city of Laon became a Premonstratensian foundation in 1124, making it one of the very first foundations of that order. The Premonstratensian Order, formally the Order of the Canons Regular of Prémontré (also known as the Norbertines or the White Canons) was founded in 1120 by St. Norbert of Xanten (c. 1180-1134). The first Premonstratensian foundation was in the diocese of Laon at Prémontré, only about 17 km. west of Laon. The wealth and influence of St. Martin’s is easily seen in its grand twelfth-century church, which still survives today. In the early thirteenth century, it acquired an important relic, the arm of St. Lawrence, and special indulgences were granted by the Pope in 1243 and 1245 to pilgrims visiting St. Martin’s on the feast and throughout the octave of St. Lawrence. The Western façade and the entrance to the abbey’s twelfth-century church were rebuilt c. 1270 to accommodate the crowds of pilgrims, incorporating relief sculptures honoring St. Lawrence and St. Martin. The composition of these reliefs is echoed in the illuminated initials of the present breviary. In the manuscript, St. Lawrence lies on the gridiron as one torturer fans the flames with his bellows and a second prods the saint with a pole; this corresponds closely to the central portion of the tympanum above the left portal of the church (Plouvier, 1995, p. 232, fig. 243). The initial which depicts St. Martin on horseback dividing his cloak for the beggar (Plouvier, 1995, p. 232, fig. 242) is a reverse copy of the sculpture on the façade of the church. The calendar, litany, and Sanctoral of the Psalter-Breviary are a rich resource for the history of the liturgy and devotion to the saints at St. Martin’s. In the calendar two feasts are given special prominence: St. Martin (Nov. 11) whose name appears in gold letters on a blue and red ground, and St. Nicholas (Dec. 6), whose name appears in gold on a blue ground. The special attention to St. Nicholas in our Breviary is noteworthy, since it does not seem to be recorded in other sources (see the list of patronages and relics in Bondéelle-Souchier, 2000, p. 186); the translation of St. Nicholas (May 9), is also emphasized (in gold in the calendar). Other names written in gold but without a special background include feasts known to be of significance at St. Martin: Invention of the Holy Cross, commemorating a relic given to the monastery by the Byzantine emperor John Comnenus (May 3), Translation of St. Martin (July 4), Lawrence (Aug. 10), Octave of St. Lawrence (Aug. 17), Augustine, whose rule the Premonstratensians followed (Aug. 28), and Exultation of the Cross (Sept. 14). The calendar also includes medieval additions in red and blue, as well as a few in black. These may have been intended in part to convert the calendar into one with a saint for (nearly) every day, but it is likely that some of the additions had special significance at St. Martin. There is also a complex system of symbols indicating the liturgical grade of various feasts; both medieval and 16th-century hands were responsible for multiple alterations to this information. LITERATURE Published: Meyer Schapiro, Illuminated manuscripts, 11th century through 16th century, from the Biblothèque of Their Highnesses the Dukes d'Arenberg, New York, Jacques Seligmann & Co, 1952, no. 11 (with three images). “Bibliothèque des prémontrés de Saint-Martin de Laon,” Biblissima, the Observatory for Medieval and Renaissance Written Cultural Heritage https://portail.biblissima.fr/fr/ark:/43093/coldatad37c7689bcdbeb48b7c38cd39fd8e1979ad9f30 9, listing three manuscripts including this one. Lemaire, Claudine. “La bibliothèque des ducs d'Arenberg, une première approche, “ in H. Liebaers, and F. L. J. Vanwijngaerden, eds., Liber amicorum Herman Liebaers, Pour les Amis de la Bibliotèque royale Albert Ier par le Crédit Communal de Belgique, Brussels, 1984, pp. 81-106, listing this manuscript p. 100. Background: Bondéelle-Souchier, Anne. Bibliothèques de l'ordre de Prémontré dans la France d'Ancien Régime. T. 1, Répertoire des abbayes, Documents, Etudes et répertoires, publiés par l'IRHT 58, Paris, 2000, pp. 184-192, listing this manuscript p. 189; see also p. 191. Bliver, André. “Les écrivains et artistes de Saint-Martin de Laon. La bibliothèque de l'abbaye,” Bulletin de la société historique de la Haute Picardie 4 (1926), pp. 107-115. Camille, Michael. Image on the Edge: The Margins of Medieval Art, London, 2015. Denton, Jeffrey. “The Second Uprising at Laon and its Surprising Aftermath, 1295-98,” Bulletin of John Rylands Library 72 (1990), pp. 79-92. Derolez Albert. “Observations on the aesthetics of the gothic manuscript,” Scriptorium 50, no. 1 (1996), pp. 3-12. Fritsch, Julia, “Laon: L'église abbatiale Saint-Martin,” Congrès archéologique de France, 148ème session, Aisne méridionale (1990), pp. 395-412. https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k3209920q/f46.item.zoom Gomart, Charles. “Notice sur l'abbaye de Saint-Martin de Laon (de l'ordre de Prémontré),” Bulletin de la société académique de Laon 18 (1870), p. 121-166. https://books.google.com/books?id=WZAcAAAAMAAJ&printsec=frontcover#v=onepage& q&f=false Plouvier, Martine, ed. Laon: une acropole à la française, Cahiers du Patrimoine 40, Laon, 1995, pp. 230-233, figs. 241-244. Sandron, Dany. Picardie gothique. Autour de Laon et Soissons, Paris, 2001, pp. 215-228. Stones, Alison. Gothic Manuscripts: 1260-1320. Parts One and Two, Survey of Manuscripts Illuminated in France, 4 vols., Turnhout and London, 2013, pp. 68, 479-490, figs. 683-705. ONLINE RESOURCES History of the Premonstratensian Order https://premontre.org/about-us/history-of-the-order/ “Bibliothèque des prémontrés de Saint-Martin de Laon,” Bibale-IRHT/CNRS https://bibale.irht.cnrs.fr/7365. Paris, BnF, MS lat. 10435 https://archivesetmanuscrits.bnf.fr/ark:/12148/cc72156s Comparisons : Paris, BnF, MS lat. 10435, Psalter, Amiens, c. 1290 f. 1 f. 67 New York, The Pierpont Morgan Library, MS M.729 Psalter-Hours, Amiens, c. 1290-1297 f. 40 f. 50v
Anlage 2 Beschreibung
17228 Zeichen
Museum Schnütgen
Leonhard-Tietz-Straße 10
50676 Köln
T +49 221 221 23187
F +49 221 221-28489
M +49 152 5454 9199
Dr. Moritz Woelk
Direktor
moritz.woelk@stadt-koeln.de
www.museum-schnuetgen.de
Begründung des Erwerbungswunsches des Museum Schnütgen:
Arenberg Psalter-Brevier, Nordostfrankreich (Laon ?), nach 1297
Beschreibung und Inhalt der Handschrift:
Pergamenthandschrift, 452 Blatt, 18 x 13,2 cm, 31 historisierte Initialen, 80 Zierinitialen, 12
Tierkreiszeichen, 32 Zierseiten mit Vollbordüren, belebt durch Blattranken, kleine szenische
Darstellungen, Figürchen, Mischwesen, Tiere und Vögel; 5 Blatt fehlen, ff. 448v-451 mit dem
Offizium zu Corpus Christi im 16. Jahrhundert ergänzt; moderner Lederbucheinband mit
Prägung im Stile des 16. Jahrhunderts.
Die mit Buchschmuck auf allen rund 900 Seiten überaus kostbar ausgestattete Handschrift
eines Psalter-Breviers kombiniert die biblischen Psalmen, die Grundlage mittelalterlicher
Gebetbücher, mit einem Stundengebetbuch für Geistliche in einem Band. So enthält sie zu
Beginn ein Kalendar mit der Übersicht aller zwölf Monate zu den Kirchen- und Heiligenfest-
tagen, dann den Psalter, Gesänge, die Litanei und Gebete, das Totenoffizium, Hymnen,
Mariengebete. Daran schließt sich das Temporale an mit den Sonntagen und beweglichen
Christusfesten, wie Ostern und Pfingsten, gefolgt vom Sanktorale mit den Festen bestimmter
Heiliger sowie dem allgemeinen Heiligenteil (Commune sanctorum) und weiteren Gebeten.
Die Handschrift wurde für den Gebrauch der Prämonstratenser der Abtei St. Martin in Laon
(Picardie) angefertigt, wie es aus den verzeichneten Heiligenfesten hervorgeht. Diese Abtei
zählt zu den frühesten Gründungen des Ordens, weswegen ihr eine besondere Stellung
zukommt. Der Bischof von Laon hatte Norbert von Xanten zu sich berufen, um das
Kanonikerstift St. Martin zu reformieren. Nachdem ihm dies nicht geglückt war, zog sich
Norbert in das nahegelegene Prémontré zurück, wo er 1120 den Orden gründete. Mit seiner
Unterstützung wandelte der Bischof von Laon 1124 das bisherige Stift in eine Prämonstra-
tenserabtei um. In der Zeit um 1300, als die Handschrift entstand, stand die Abtei unter
besonderem Schutz des französischen Königs Philipp IV.
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Zu den Reliquien der Abtei zählte insbesondere ein Arm des frühchristlichen Märtyrers
Laurentius, der um 1230 in die Abtei gelangte und für einen regen Pilgerzustrom sorgte;
im Zuge der Erweiterung der Abteikirche und der um 1270 neu errichteten Westfassade
wurde dem hl. Laurentius eines der Portale gewidmet, das sein Martyrium im Tympanon
zeigt. Entsprechend ist das Gedenken an den hl. Laurentius und auch an den hl. Martin als
Kirchenpatron in der Handschrift jeweils als Hochfest im Kalendar hervorgehoben und im
Sanktorale als prachtvolle Zierseite mit Ranken, Drolerien und je einer historisierten Initiale
mit der Darstellung des Martyriums des hl. Laurentius bzw. der Mantelteilung des hl. Martin
gestaltet.
Die Handschrift besticht durch ihren feinen Buchschmuck. Von besonderem Reiz sind
die Zierseiten mit historisierten Initialen, den über mehrere Zeilen reichenden Anfangs-
buchstaben zu Beginn eines besonderen Textabschnitts, die mit figürlichen Darstellungen
gefüllt sind, und den Text umrahmenden Schmuckleisten mit den daraus erwachsenden
Blattranken, auf und in denen sich kleine Figuren, Vögel, Mischwesen und Tiere tummeln
und miteinander interagieren. In delikater Buchmalerei mit präziser Linienführung und
kostbarer Farbgestaltung ausgeführt, sind sie zugleich exemplarisch für die französische
Buchmalerei der Hochgotik. Der Buchschmuck ist dabei nicht bloßes Zierwerk. Die feine
Ausgestaltung mit kostbaren Farben veranschaulicht vielmehr die Bedeutung des Gebet-
buchs, das in der Anfertigung überaus kostspielig war. Zugleich diente das Dekorations-
system, wodurch einzelne Bestandteile des Buches hervorgehoben sind, der Orientierung
und leichteren Auffindbarkeit bestimmter Kapitel und Textabschnitte sowie der
Memorierung.
Das Kalendar ist durchweg mit Zierseiten angelegt. Dabei werden die Monate durch die
typischen Monatstätigkeiten jeweils im KL-Monogramm zu Seitenbeginn und Vignetten mit
Darstellungen der Tierkreiszeichen veranschaulicht. Die Monatsübersichten mit den farblich
hierarchisierten Festtagen werden von stets neu variierten Schmuckleisten umrahmt, mit
sprießenden Blattranken und Drachen, Getier und heiter-spielerischen Szenerien. Ein
inhaltlicher Bezug findet sich auf der Seite mit Tabellen zu den Sonntagen, der Goldenen
Zahl etc. zur Berechnung des Ostertermins (fol. 7v). Diese zeigt im Randbereich Gelehrte mit
Messinstrumenten, Zirkel und Winkel, sowie eine Unterrichtssituation, wobei der Lehrer
eine Art Globus hält.
Der anschließende Psalter mit den 150 Gesängen folgt einer gängigen Achtteilung mit einer
Hervorhebung der sieben Psalmen des täglichen Psalmgebets zur Matutin (Ps 1, 26, 38, 52,
68, 80, 97) sowie von Psalm 109 mit dem das Gebet zur sonntäglichen Vesper einsetzt. Dabei
ist der Beginn jeweils durch eine historisierte Initiale markiert, den über mehrere Zeilen
reichenden und mit bildlichen Darstellungen „gefüllten“ Anfangsbuchstaben, und die
gesamte Seite durch rahmendes Zierwerk mit Ranken und Drolerien hervorgehoben. Die
Initialen zeigen dabei vorwiegend Motive zu König David. So ist der alttestamentarische
König, der als Verfasser der Psalmverse galt, gleich zu Beginn zweifach dargestellt, als König
mit der Harfe und Knabe im Kampf gegen Goliath. Partiell nehmen auch die Drolerien in
heiterer Weise inhaltlich Bezug zum Text, wie bei Psalm 80 (fol. 46v): Der Vers zum
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Lobgesang Gottes ruft zum Anstimmen verschiedener Instrumente auf. Während König
David dabei feierlich die Glocken schlägt, fußen auf der unteren Randleiste zwei Kapuzen-
köpfe mit überdimensional großen Blashörnern, die ihnen aus den Ohren zu wachsen
scheinen. Und stellt der Text den Gläubigen in Aussicht, mit Honig gesättigt zu werden, so
verjagt ein Knabe am linken Bildrand mit einem Wedel die Bienen, die um einen sitzenden
Mann schwirren.
In den weiteren Bestandteilen der Handschrift sind einzelne Christus- und Heiligenfeste in
analoger Weise mit Darstellungen zu Maria, Christus und Heiligen in den Initialen und
textumrahmender Randgestaltung als Zierseiten akzentuiert. Dabei finden sich in den
Marginalien vielfach kleine Szenerien und Darstellungen, die Einblicke in das alltägliche
Leben im Mittelalter mit unterschiedlichsten Arten der Beschäftigung geben. So wird der
Blick in eine Backstube gewährt, ist ein Schreiber bei der Erstellung einer Handschrift zu
sehen, zahlreiche Bogenschützen, ein Dudelsackspieler, ein Falkner, mit Bällen jonglierende
oder spielende Figürchen sowie ein heiteres Schwertgefecht und eine drollige Paraphra-
sierung von Ritterkämpfen mit phantastischen Reittieren und auch Affen.
Neben diesen mit figürlichen Darstellungen hervorgehobenen Initialen, finden sich auf 80
weiteren Seiten prächtige, vegetabil-ornamentale Zierinitialen. Auch alle weiteren Textseiten
verblieben nicht schmucklos, sondern wurden mit sog. Fleuronnée gestaltet. Der Anfangs-
buchstabe eines Absatzes oder eines Satzes ist dabei in farbigem Wechsel von Rot und Blau
hervorgehoben und durch äußerst feine Federzeichnungen mit Perlmotiven und stilisierten
Pflanzenmotiven wie Blüten verziert. Daraus verlängert sich der Dekor zu einem zwei-
farbigen Stab entlang der Textspalten. Der erstmals in französischen Handschriften des 12.
Jahrhunderts anzutreffende und für die gesamte Zeit der Gotik typische Buchschmuck ist
hier besonderer Weise präzise, zart und fedrig auslaufend ausgeführt.
Die Handschrift ist wohl kurz nach der Kanonisation Ludwigs IX. von Frankreich (gest. 1270)
im Jahr 1297 entstanden, da sie das Fest des hl. Ludwig beinhaltet, er im Kalender
verzeichnet ist und auch in der Litanei – möglicherweise nachgetragen – genannt ist. Die
zeitliche Einordnung um 1300 ist stilistisch zu stützen. Eine weitere Handschrift von der-
selben Hand ist bislang nicht bekannt, doch zeigen sich die gestalterischen Elemente (Initial-
und Randgestaltung, mehrfache (Zier-)Wappen) vergleichbar mit Handschriften, die in der
Picardie, insbesondere in Amiens, entstanden sind, wie beispielsweise ein noch etwas
reicher ausgestatte Psalter in der Pariser Bibliothèque nationale de France, ms lat. 10435.
Die Handschrift lässt sich künstlerisch somit in die Picardie verorten, angefertigt in einer
Werkstatt oder durch einen wandernden, vielleicht aus Amiens stammenden Buchmaler
möglicherweise vor Ort in Laon illuminiert.
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Relevanz der Erwerbung für das Museum Schnütgen:
Handschriften und gedruckte Bücher machen einen wesentlichen Teil der Kunst- und
Kulturgeschichte des Mittelalters aus, bilden jedoch bislang nur einen kleinen Bereich in
der Museumssammlung. Jahrzehntelang war diese Lücke ausgefüllt durch die Leihgabe der
großen Anzahl an Handschriften aus der Sammlung Ludwig, deren Verkauf nach Amerika im
Jahr 1983 sich durch einzelne gezielte Ankäufe danach nicht wieder ausgleichen, aber
zumindest etwas abmildern ließ. Dabei verfolgt das Museum seit Jahren die Strategie, in
einem noch einigermaßen finanzierbaren Sektor von Handschriften und Frühdrucken ein
möglichst repräsentatives Spektrum von qualitätvollen Büchern unterschiedlicher Gattungen
und Funktionen zusammenzutragen. Außerdem sollten sich zwischen den Neuerwerbungen
und dem vorhandenen Bestand der Sammlung interessante Anknüpfungspunkte bieten,
gemäß dem im Leitbild des Museums verankerten Grundsatz: „Neuerwerbungen dienen
dazu, die Sammlung qualitativ zu steigern und sie um neue Facetten zu erweitern.“
Das hier vorgestellte Psalter-Brevier würde all diese Kriterien mehr als erfüllen und in
mehrfacher Hinsicht eine große Bereicherung für die Sammlung des Museums darstellen.
So umfasst der überschaubare Bestand des Museums an Handschriften bisher ein karo-
lingisches Evangeliar aus dem späten 9. Jahrhundert, ein Evangelistar und Messordo – eine
Kölner Handschrift aus dem 2. Viertel des 12. Jahrhundert mit den nach dem Kirchenjahr
geordneten Evangelientexten, eine um 1250 entstandene sog. Pariser Taschenbibel, ein in
Flandern um 1510 entstandenes Stundenbuch sowie ein zweibändiges Antiphonar mit den
Melodien und Gesangstexten des monastischen Stundengebets für den Gebrauch in St.
Cäcilien von 1520/30. Bislang klafft jedoch eine Lücke hinsichtlich der Gattung eines Psalters
oder eines Breviers, zumal als Wegbereiter des im 14. und besonders 15. Jahrhundert dann
so weit verbreiteten Stundenbuchs als Ausdruck der privaten Frömmigkeit und zugleich
repräsentativer, kostbarer Besitz hochrangiger Persönlichkeiten.
Das Psalter-Brevier mit seiner äußerst feinen Malerei und Ausgestaltung wäre zudem ein
herausragendes Beispiel für die Buchmalerei der Hochgotik, die so bislang nicht in der
Museumssammlung vertreten ist. Damit ließe sich für die Besucherinnen und Besucher die
bedeutende Fortentwicklung der Buchmalerei im 13. Jahrhundert anschaulich machen, von
ersten zaghaften Ranken in der Pariser Taschenbibel zur vollumfassenden Umrahmung des
Textes mit sprießendem Blattrankenwerk und Drolerien. Zugleich liegen hierin die Vorbilder
für die Kölner Buchmalerei, wie wir sie etwa aus dem Kölner Minoritenkloster und dem
Klarissenkloster kennen, die zuletzt in der Ausstellung „Von Frauenhand“ 2021/22 im
Museum Schnütgen präsentiert wurde. So war nicht allein Paris ein bedeutendes Zentrum
der Buchmalerei; gerade auch die Städte in der Picardie trugen ab etwa dem letzten Drittel
des 13. Jahrhunderts in besonderem Maße zur Weiterentwicklung der Gattung bei.
Prominentestes Beispiel ist der Meister Honoré, der nachweislich aus Amiens stammte, sich
als professioneller Buchmaler in Paris niederließ, und im heutigen 5. Arrondissement eine
Werkstatt unterhielt, in der bis um 1300 kostbare Handschriften im königlichen Auftrag
angefertigt wurden.
5
Diese Art der Handschriftengestaltung der Pariser und nordostfranzösischen Werkstätten
wurde, auf direktem Weg oder auch vermittelt über das Maasgebiet, stilprägend für die
Kölner Buchmalerei; diese ist mit Handschriften und Einzelblättern in den Beständen des
Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud sowie der Erzbischöflichen Diözesan- und
Dombibliothek vertreten ist, doch ein solches Psalter-Brevier als Vorbild ist in diesen
Sammlungen nicht vorhanden.
Die Handschrift würde zudem den in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsenen Bestand
an französischen Kunstwerken – die im deutschen Rheinland oftmals Vorbildcharakter
hatten – in besonderer Weise ergänzen. Gerade in der Zeit um 1300 ging der Blick nach
Frankreich, als nach der Grundsteinlegung 1248 die Errichtung des Hochchores des gotischen
Doms in Köln in vollem Gange war. Einige Zeugnisse aus dieser Zeit befinden sich in der
Sammlung des Museum Schnütgen, etwa eine Vielzahl Marmorfigürchen vom ehemaligen
Hochaltar des Kölner Doms und auch eine Vierpassbohle vom Chorgestühl, mit der
Darstellung zweier Wesen mit menschlichem Kopf und Tierkörper, ganz in der Art der
Mischwesen der Buchmalerei.
Vielfältig sind die Anknüpfungsmöglichkeiten an Sammlungsobjekte des Museums, die in
Verbindung mit dem Psalter-Brevier eine erweiterte Kontextualisierung erfahren würden.
Durch die zahlreichen Zierseiten mit figürlichen Darstellungen wäre diese Handschrift gut
dazu geeignet, bei regelmäßigem Umblättern, den Besucherinnen und Besuchern einen
lebendigen, bunten Eindruck mittelalterlicher Weltvorstellungen zu vermitteln.
Provenienz:
Prämonstratenser-Abtei St. Martin in Laon (Picardie)
Laut handschriftlicher Besitzeinträge des 14., 17. und 18. Jahrhunderts (fol. 446, fol. 2, fol. 1)
befand sich die Handschrift wohl bis zur Aufhebung des Klosters 1790 im Besitz der Abtei St.
Martin in Laon.
1 Im 16. Jahrhundert wurde sie von einem Bruder Quintinus Macar im Kloster
benutzt (ff. 145v-146, 263v).
Bibliothek der Herzöge von Arenberg
Nach der Französischen Revolution und Aufhebung der Abtei gelangte die Handschrift im 19.
Jahrhundert in die Sammlung der Herzöge von Arenberg und befand sich in der Bibliothek in
deren Brüsseler Residenz (bezeichnet als Nummer 11 bzw. Ms 11 im vorderen Innendeckel
und auf dem Buchrücken).
2
1 Anne Bondéelle-Souchier: Bibliothèques de l’ordre de Prémontré dans la France d’ancien régime, Bd. 1, Paris
2000, S. 184-192, bes. S. 188, 189 (hier erwähnt zum einen mit Verweis auf die Auktion bei Sotheby’s London,
11. Dez.1961, lot 145 und zum anderen bei Christie’s New York, 22. Mai 1981, lot 3).
2 Claudine Lemaire: La Bibliothèque des ducs d’Arenberg, une première approche, in: Liber Amicorum Herman
Liebaers, hg. v. Fran Vanwijngaerden u.a., Brüssel 1984, S. 81-106, bes. S. 86-87 und S. 100, Nr. 11.
6
Das ursprünglich aus der Eifel stammende Adelsgeschlecht, bereits seit dem 16. Jahrhundert
im heutigen Belgien und in den Niederlanden ansässig, wurde nach dem 1. Weltkrieg
aufgrund der Verbindungen zum Deutschen Kaiserreich enteignet und zum Verkauf
gezwungen, so wurde 1918 auch das Brüsseler Palais d’Arenberg (Palais d’Egmont) an die
Stadt verkauft (heute Sitz des belgischen Außenministeriums). Hingegen konnten die
Sammlung der Handschriften und der kostbaren gedruckten Bücher vor der Sequestration
bewahrt werden. Ab 1951 begann das damalige Familienoberhaupt der Arenbergs mit dem
Verkauf dieser Bestände aus der herzoglichen Bibliothek über verschiedene Händler.
1952 bei J. Seligmann, New York, mit 32 weiteren Handschriften aus der herzoglichen
Arenberg-Bibliothek zum Verkauf angeboten (Kat. 1952, Nr. 11);
3 darunter befanden sich
auch Handschriften, die später in den Besitz von Peter und Irene Ludwig kamen und
zeitweilig als Leihgabe Museum Schnütgen waren, bevor sie 1983 an das J. Paul Getty
Museum in Malibu verkauft wurden.
1956, vor dem 1. Dezember, Verkauf an Maggs Bros., London (Maggs Antiquarian);4
Sammlung George Armin Goyder (1908-1997), Verkauf Sotheby’s London, 11. Dez. 1961, lot
145;
Sammlung Eric Sexton (1902-1980), dessen Exlibris im Innendeckel; Verkauf Christie‘s New
York, 22. Mai 1981, lot 3;
Sammlung Helmut Nathan Friedlaender (1913-2008), Exlibris HNF; Verkauf Christies 23. April
2001, lot 2;
danach Privatbesitz New York.
Dr. Karen Straub
3 Illuminated Manuscripts (11th century through the 16th century) from the Bibliothèque of Their Highnesses
the Dukes d’Arenberg, Jacques Seligmann & Co., Inc., New York 1952, Nr. 11, S. 20-23 (Nr. 11 verdeutlicht die
Beibehaltung der Signatur der herzoglichen Bibliothek).
4 Siehe Kontogutschrift vom 1.12.1956 sowie Auflistung zu Angeboten und Verkäufen der Handschriften, als
Scan digital abrufbar über: Archives of American Art, Smithsonian Institution: Jacques Seligmann & Co. records,
1904-1978, bulk 1913-1974, 2.3: Duc d’Arenberg Collection, Box 228, Folder 6 (S. 40, 112), Box 229, Folder 7 (S.
10), Box 232, Folder 13 (S. 64) (https://www.aaa.si.edu/collections/jacques-seligmann--co-records-
9936/subseries-2-3)
Anlage 6 Beantwortung einer Anfrage der Fraktion Volt
2012 Zeichen
Beantwortung einer Anfrage der Fraktion Volt betr. Erwerb einer Pergament- handschrift - Fragen zum Finanzausschuss am 18.06.2024 (1611/2024) Frage 1: Wie werden die Pergamente im Eigenkapital der Stadt dargestellt? Mit dem aus den Gutachten hervorgehenden 500-600k Euro oder dem Kaufpreis von 490k Euro oder dem städtischen Anteil des Kaufpreises ohne Drittmittel? Die Drittmittel stammen aus zwei Quellen: 40.000 Euro kommen vom Freundeskreis Museum Schnütgen e.V. als verlorener Zuschuss an die Stadtkasse und sind mit kei- nen Auflagen verbunden. 200.000 Euro kommen von der Ernst von Siemens Kunst- stiftung, die damit, wie in etlichen anderen Fällen in früheren Jahren auch, einen Mit- eigentumsanteil an dem Objekt in dieser Höhe erwirbt. Das bedeutet, der Eigentumsanteil der Stadt an dem Objekt beläuft sich auf 290.000 Euro, der Eigentumsanteil der Ernst von Siemens Kunststiftung auf 200.000 Euro. Die Darstellung in der Bilanz hängt davon ab, wie die Kaufpreiszahlung vonstatten- geht, das ist noch nicht endgültig geklärt. Zur Aktivierung im Anlagevermögen wird in allen Fällen der Eigentumsanteil herangezogen. Frage 2: Welchen Einfluss hat das Nutzen von Drittmitteln für den Erwerb auf die Möglichkeiten, die Pergamentschrift zukünftig auch wieder zu veräußern? Die Unterstützung des Ankaufs durch die Ernst von Siemens Kunststiftung hat zur Folge, dass eine Veräußerung der Pergamenthandschrift durch die Stadt Köln nur einvernehmlich mit der Ernst von Siemens Kunststiftung erfolgen könnte. Frage 3: Sind mit dem Nutzen von Drittmitteln auf Basis Ihrer Erfahrung weitere Auflagen verbunden? Mit der Unterstützung des Ankaufs durch die Ernst von Siemens Kunststiftung ist die Auflage verbunden, dass es, wenn die Handschrift zu Ausstellungen an anderen Or- ten als dem Museum Schnütgen ausgeliehen werden soll, vorher der Erlaubnis durch die Ernst von Siemens Kunststiftung bedarf. Das hat in der Vergangenheit bei ande- ren Objekten in keinem Fall zu Problemen geführt.
Anlage 5 Abbildungen
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Arenberg Psalter-Brevier, Nordfrankreich, um 1297 Pergament- handschrift ff. 1v-2r Arenberg Psalter-Brevier, Nordfrankreich, um 1297 Pergament- handschrift ff. 7v-8r Arenberg Psalter-Brevier, Nordfrankreich, um 1297 Pergament- handschrift ff. 38v-39r Arenberg Psalter-Brevier, Nordfrankreich, um 1297 Pergament- handschrift ff. 46v-47r Arenberg Psalter-Brevier, Nordfrankreich, um 1297 Pergament- handschrift ff. 53v-54r
Anlage 4 Gutachten Heitzmann
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Herzog August Bibliothek Postfach 1364 D-38299 Wolfenbüttel Wolfenbüttel 18.84.2024 Gutachten zum Erwerb des Arenberg-Psalter-Breviers durch das Museum Schnütgen (Köln) Das städtische Museum Schnütgen (Köln) möchte vom Antiquariat Les Enluminures (Sarah Hindman) das so genannte Arenberg Psalter-Brevier erwer- ben. Der vorgesehene Kaufpreis beträgt 490.008 Euro (inkl. Zoll). Die Handschrift Die umfangreiche, 452 Bl. umfassende Pergament- handschrift (ca. 18 x 13 cm) enthält den latei- nischen Psalter- und Breviertext (Temporale). Sie wurde gegen oder um 1300 für das Prämonstra- tenserstift Saint-Martin in Laon geschaffen und ist überaus reich illuminiert. Die buchmaleri- sche Ausstattung ist entweder in Laon oder im näheren Umfeld (Amiens?) erfolgt. Die Ausstattung ist von außerordentlicher Quali- tät. Es liegt ein Spitzenstück der gotischen Buchmalerei Frankreichs vor. Neben den histori- sierten Initialen mit biblischen Inhalten sind vor allem die Kalenderseiten und die überreichen Bordüren mit figürlichen Darstellungen (Vögel und andere Tiere, Alltagsszenen, Grotesken) von höchstem Interesse. Der Zustand der Handschrift ist den Angaben der Anbieterin zufolge gut. Gebrauchsspuren sind sichtbar, kleinere Reparaturen wurden professio- nell und schonend durchgeführt. Der (undatierte) Ledereinband ist modern und lehnt sich an Vor- bilder aus dem 16. Jahrhundert an. HERZOG AUGUST BIBLIO THEK Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel Forschungs- und Studienstätte für europäische Kulturgeschichte Dr. Christian Heitzmann Leiter der Abteilung Handschriften und Sondersammlungen Lessingplatz 1 D-38304 Wolfenbüttel Teleton (05331) 808- 129 E-Mail heitzmann@hab.de Fortsetzung von Seite 1 Zur Provenienz Die Handschrift befand sich mindestens bis gegen Mitte des 16. Jahrhunderts am Bestimmungsort Saint-Martin in Laon und war dort in Gebrauch. Sie gelangte zu einem unbekannten Zeitpunkt in die Bibliothek der Herzöge von Arenberg. Die Handschriften der Bibliothek wurden in den 1958er Jahren in New York verauktioniert und zerstreut. Über mehrere private Sammler gelangte sie an die Anbieterin. Vorbesitz im Zusammenhang mit Raubgut kann in diesem Fall ausgeschlossen werden. Bedeutung für Köln Das Rheinland und Nordfrankreich standen im Hochmittelalter durchweg in engem Austausch, so- wohl was den Handel als auch das intellektuelle Leben angeht. Die Kölner Buchmalerei der goti- schen Zeit zeigt sich vielfach von nordfranzösi- schen Vorbildern beeinflusst. Wie die dem Antrag beiliegende Zusammenstellung des Museum Schnüt- gen zeigt, lassen sich zahlreiche Parallelen zwischen der hier angebotenen Handschrift und Kölner Werken des 14. Jahrhunderts aufzeigen. Dies trifft zum Beispiel für Handschriften aus dem Kölner Klarissenkloster zu (vgl. Katalog „Von Frauenhand“, 2021, S. 66-99). Daher er- scheint es sehr sinnvoll, das angebotene Psal- ter-Brevier in diesen Kontext einzufügen und auf Dauer für Köln zu sichern. Preis Der Kaufpreis von 498.008 Euro für eine derart reich ausgestattete und gut erhaltene Hand- schrift der Zeit um 1300 ist vollkommen angemes- sen. Das Angebot stellt eine seltene Gelegenheit dar, ein Spitzenstück gotischer Buchmalerei auf Dauer in öffentlichen Besitz zu bringen und so der Forschung und auf Ausstellungen dem breite- ren Publikum zugänglich zu machen. Die Anschaf- fung ist daher uneingeschränkt und nachdrücklich zu empfehlen. UNTER VOR Dr. Christian Heitzmann HERZOG AUGUST BIBLIO THEK
Beratungsverlauf (2)
Beschluss: ungeändert beschlossen
Zur SitzungBeschluss: ungeändert beschlossen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 1611/2024
- Typ
- Beschlussvorlage Ausschuss
- Datum
- 05.06.2024
- Erstellt
- 15.05.2024 22:35