2010/0358
Fachdienst 'Eingliederungshilfe für Kinder und Jugendliche' gemäß Magistratsbeschluss Nr. 317 vom 01.07.2009, sowie Haushaltssicherungskonzept vom 27.05.2010 (3.4 sonstige Einzelmaßnahmen, Nr. 21)
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Magistratsvorlage Eingang Magistrats- geschäftsstelle: 16.09.2010 an den Magistrat zur Kenntnis zur Beschlussfassung Beteiligt vor Magistratsbeschlussfassung: Dezernat V Dezernat II Dezernat I an die Stadtverordnetenversammlung OBW zur Befassung zur Kenntnis zur Beschlussfassung zur abschließenden Beschluss- fassung Fachausschuss Amt: Jugendamt Behandlung in öffentl. Sitzung Ja Nein OBW bei abschl. Beschlussfassung Magistrat Ja Nein Internetfähig Verteiler: Vorlage-Nr. 2010/0358 Magistratsbeschluss-Nr. Betreff: Fachdienst "Ei ngliederungshilfe für Kinder und Jugendliche" gemäß Magistratsbeschluss Nr. 317 vom 01.07.2009, sowie Haushaltssicherungskonzept vom 27.05.2010 (3.4 sonstige Einzelmaßnahmen, Nr. 21) Vorlage vom: 24.08.2010 Beschlussvorschlag: 1. Der Magistrat beschließt das Konzept „Fachdienst Eingliederungshilfe für Kinder und Jugendliche“. 2. Für den Fachdienst bewilligt der Magistrat den notwendigen Personalbedarf, wie in der Begründung beschrieben und weist ihn im Stellenplan für 2011 unter der Kostenstelle 051-002- 1020 aus. 3. Die Vorlage ist dem Sozialausschuss zur Kenntnis vorzulegen. Anlagen: Konzept Fachdienst Eingliederungshilfe für Kinder und Jugendliche Datenschutzrelevante Anlage: 2 ... Beschluss des Magistrats vom 3 ... Begründung zur Magistratsvorlage vom 24.08.2010 Der Magistrat hat mit Beschluss 317 vom 01.07.2009 das Sozialdezernat beauftragt, ein Konzept für den Fachdienst „Eingliederungshilfe für Kinder und Jugendliche“ zu entwickeln. Die Stadtverordnetenversammlung hat am 27.05.2010 das Haushaltssicherungskonzept beschlossen, in dem unter 3.4 sonstige Einzelmaßnahmen Nr. 21 die Reduzierung der Ausgaben in der Eingliederungshilfe für Kinder und Jugendliche durch zügige Umsetzung eines entsprechenden Konzeptes aufgeführt sind. Im nunmehr vorgelegten Konzept werden die Notwendigkeiten für die Einrichtung dieses Fachdienstes sowie die Einsparmöglichkeiten aufgezeigt. Mit Schreiben vom 21.12.2009 hat der Hessische Städtetag darauf hingewiesen, dass im Laufe des Jahres 2008 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Deutschland rund 1,2 Millionen Personen besondere Leistungen nach dem 5. bis 9. Kapitel des Sozialgesetzbuch XII erhalten haben. Im Jugendamt der Wissenschaftsstadt Darmstadt werden momentan bei der Abteilung Wirtschaftliche Jugendhilfe, Sachgebiet „Hilfe in besonderen Lebenslagen“ 466 Fälle mit einem jährlichen Ausgabenvolumen von 5,8 Millionen Euro von einer Fachkraft betreut. Seit Jahren ist eine Fallzahlsteigerung von jährlich 5 – 10 % zu verzeichnen. Ursache hierfür ist der steigende Bedarf im Bereich der Hilfen für behinderte Kinder in Kindertagesbetreuungs-einrichtungen unter anderem in Form von „Integrationsplätzen“ in Kindergärten, sowie eine überproportionale Nachfrage im Bereich der Schulintegration. Die Integrationsmaßnahmen in den Kindergärten werden durch die „Rahmenvereinbarung Integrationsplatz“, die 1999 zwischen den kommunalen Spitzenverbänden, dem Landeswohlfahrtsverband Hessen und den Trägern der Freien Wohlfahrtspflege verabschiedet wurde, geregelt. Nach der Übergangsfrist bis 2002 verblieb die finanzielle Zuständigkeit ausschließlich bei den kommunalen Trägern der Sozialhilfe. Die „Rahmenvereinbarung Integrationsplatz“ sieht derzeit eine jährliche Maßnahmenpauschale in Höhe von 16.595,00 Euro für Kindergärten vor, wenn ein behindertes Kind mit 15 Fachkraftstunden wöchentlich zusätzlich betreut wird. Der Anspruch wird aus medizinischer Sicht durch eine amtsärztliche Stellungnahme geprüft. Die Höhe der Maßnahmenpauschale, der Fachkraftstunden sowie die Qualifikation einer Unterstützung in einem Kindergarten sind nicht variabel. Es kann daher keine individuelle Bedarfsprüfung erfolgen. So wurden im Haushaltsjahr 2009 von der o.a. Gesamtfallzahl 170 Fälle im Bereich der Integration in Kindergärten mit ca. 2,8 Mio. Euro pauschal gefördert. In allen Bereichen der Eingliederungshilfe muss interdisziplinär gearbeitet werden. Gesetzlich vorgeschriebene Hilfepläne sind unabdingbare Bestandteile für einen optimalen Hilfeverlauf, sowohl unter fachlichen als auch unter finanziellen Gesichtspunkten. Trotz des sehr hohen Engagements der eingesetzten Verwaltungskraft kann aufgrund fehlender sozialpädagogischer Kompetenzen diese Hilfeplanung derzeit nicht erbracht werden. Allein im Bereich der Integration in Kindergärten werden sowohl mittelfristig als auch langfristig jährliche Einsparungen in Höhe von ca. 315.000,00 Euro prognostiziert, wenn statt pauschaler Förderung passgenaue Hilfen installiert werden. Im Bereich der Hilfe zur Erziehung konnten seit 2006 durch die Einführung passgenauer Hilfen und der konsequenten Anwendung des Hilfeplankonzeptes Einsparungen von über 2 Millionen Euro erzielt werden. Diese Einsparungen können nur durch einen personellen Auf- und Ausbau des Fachdienstes erreicht werden, sowie durch Veränderungen der derzeitigen Rahmenbedingungen. Gleichzeitig werden von der Verwaltung eigene Qualitätsstandards entwickelt. 4 ... Für die umfangreichen Tätigkeiten werden zusätzlich 1,5 Stellen für sozialpädagogische Fachkräfte und 30 Stunden zusätzlich für eine Verwaltungskraft benötigt. Dieser personelle Ausbau kostet ca. 96.000,00 Euro jährlich. Die zu erwartenden Einsparungen übertreffen damit um ein Vielfaches die Personalkosten. Darmstadt, 24.08.2010 Dezernat I Dezernat II Dezernat V Walter Hoffmann Wolfgang Glenz Jochen Partsch Oberbürgermeister Bürgermeister Stadtrat
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Konzept - Fachdienst Eingliederungshilfe für Kinder und Jugendliche
Warum braucht die Wissenschaftsstadt Darmstadt einen Fachdienst Eingliederungshilfe für Kinder und Jugendliche?
IST-Zustand:
Zurzeit werden bei der Abteilung Wirtschaftliche Jugendhilfe, Sachgebiet Eingliederungshilfe für behinderte Kinder und Jugendliche 466 Fälle betreut. Seit einigen Jahren ist eine Fallsteigerung von jährlich 5 10 % zu verzeichnen.
Eine Steigerung der Fälle in allen Bereichen der Eingliederungshilfe nach Sozialgesetzbuch XII für Kinder und Jugendliche ist darauf zurück zu führen, dass Behinderungen früher erkannt und damit eine gezielte Förderung erfolgen kann.
Die Eingliederungshilfe ist gekennzeichnet durch einen sehr hohen Beratungsbedarf und ein hohes Maß von Empathie. Durch das Zusammentreffen von mehreren Hilfen ist die Koordination dieser Hilfen besonders wichtig. Die zunehmende Zahl von Beratungsanfragen bestätigt dies.
Durch den Einsatz nur einer Verwaltungskraft kann die enorme Fallzahlsteigerung nicht mehr bewältigt werden. Das hat zur Folge, dass die zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel, nicht passgenau eingesetzt werden können Eine optimale Steuerung der Finanzressourcen ist nicht mehr möglich. Die gesetzlich vorgeschriebenen Hilfepläne können nicht erstellt werden.
Sozialrechtliche Aspekte:
Der Begriff der Behinderung, und somit die Grundfeststellung des Bedarfes eines jungen Menschen, wird in Form einer sozialmedizinischen Stellungnahme bislang durch das Gesundheitsamt festgestellt. Hierbei wird lediglich der medizinische Indikator für eine Zugehörigkeit zum Personenkreis des SGB XII geprüft. Die Feststellung des tatsächlichen Bedarfes erfordert eine umfassende Überprüfung. Pädagogische, familiäre, einrichtungsbedingte Faktoren sind für die optimale Fallgestaltung zu betrachten.
Ein Fachdienst kann die darüber hinausgehenden Fragen der Bedarfsermittlung und Koordination fallspezifisch und bedarfsorientiert, unter dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit bearbeiten.
Fachliche Inhalte:
Für die Konzeption eines Fachdienstes ist ein umfangreiches Fachwissen sowohl aus dem pädagogischen Bereich, als auch fachspezifische, mithin auch medizinische Kenntnisse erforderlich.
Die konsequente Verknüpfung des tatsächlichen Bedarfes mit vorhandenen Angeboten, dem häuslichen und schulischen Umfeld, und bereits vorhandener Hilfen, dient der Straffung, und somit einer Kosteneinsparung.
II. Ziele für Darmstadt
Mit dem Fachdienst Eingliederungshilfe für Kinder und Jugendliche wird eine Qualitätsentwicklung vor allem in den Bereichen Integration im Kindergarten und in der Schule, aber auch für die ambulanten, häuslichen Hilfen verfolgt. Somit wird den Standards der Eingliederungshilfevorschriften im SGB XII entsprochen.
Durch individuelle, bedarfsorientierte Hilfeleistungen wird die Qualität und die Wirtschaftlichkeit der Sozialhilfeleistungen verbessert.
Kostenkonsolidierung im gesamten Bereich der Eingliederungshilfe des SGB XII
III. Voraussetzungen für die Umsetzung des Konzeptes
Politische Entscheidungen
Die abschließende Konzeption ist nur auf der Basis eines gemeinsam herzustellenden Verständnisses innerhalb des Jugendamtes mit der Sozialpolitik zu erreichen. Dabei sind sowohl die sozialrechtlichen als auch die sozialpädagogischen Maßgaben übereinstimmend fest zu legen. Dies betrifft insbesondere den Ausstieg der Wissenschaftsstadt Darmstadt aus der Rahmenvereinbarung Integrationsplatz.
Um mittelfristig in den Bereichen der integrativen Kindergartenbetreuung und Hilfen zur angemessenen Schulbildung, Einsparungen erreichen zu können, sind vorab Investitionen im Personalbereich erforderlich. Der Ausstieg aus der Rahmenvereinbarung Integrationsplatz erfordert eine umfassende Vorplanung, um die sich daraus ergebenden Qualitätsstandards entwickeln zu können.
Gleichzeitig müssen die weiteren Hilfen der Eingliederung im SGB XII pädagogisch koordiniert und vorgeschriebene Hilfepläne und Hilfekonferenzen vorbereitet werden.
Personalbedarf (qualitativ und quantitativ)
Zentrale Punkte des Konzeptes sind das vorhandene und erforderliche Fachwissen, den pädagogischen und sozialmedizinischen Anforderungen des SGB XII und SGB IX gerecht zu werden. Die Höhe bzw. der Umfang des Personalbedarfs ist nicht allein über die Fallzahlen zu definieren. Vielmehr der enorm hohe Beratungs- und Koordinationsbedarf bestimmen sowohl Qualifikation einer Fachkraft, als auch deren Wochenstundenzahl. Im Wesentlichen handelt es sich um folgende Aufgabenbereiche:
Laufende Hilfebedarfsprüfung (Fallbearbeitung)
Permanente Beratungsgespräche mit Eltern
Kooperation mit Leistungserbringern, Schulen, Kindertagesstätten und Frühförderstellen, sowie mit medizinischem Fachpersonal
Haus-, Kindertagesstätten- und Schulbesuche
Vorbereitung und Durchführung von Hilfeplankonferenzen und interdisziplinären Gesprächen
Fachliche Vorbereitung, Konzeptionierung und Qualitätsentwicklung eines Fachdienstes
Der zusätzliche personelle Bedarf, wie in den fachlichen Inhalten beschrieben, bedeutet für die Abteilung Wirtschaftliche Jugendhilfe :
Aufstockung des Stellenplanes um 1,5 Vollzeitstellen Sozialpädagoginnen/Sozialpädagogen/Sozialarbeiterinnen/Sozialarbeiter
Aufstockung des Stellenplanes um 30 Stunden zusätzlich für eine Verwaltungskraft
Die personellen Mehraufwendungen sind durch die zu erwartenden Kosteneinsparungen gedeckt.
Mit freundlichen Grüßen
Müller
Amtsrat
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Beratungsverlauf (2)
Details
- Vorlagen-Nr.
- 2010/0358
- Typ
- Magistratsvorlage
- Datum
- 24.08.2010
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00