V/0416/2011
Förderung besonders begabter Kinder und Jugendlicher in Münster
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Beschlussvorlage
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V/0416/2011 DER OBERBÜRGERMEISTER Amt für Schule und Weiterbildung Betrifft Förderung besonders begabter Kinder und Jugendlicher in Münster Beratungsfolge 28.06.2011 Ausschuss für Schule und Weiterbildung Entscheidung Beschlussvorschlag: I. Sachentscheidung: 1. Der ASW stimmt dem vorgelegten Konzept zur Förderung besonders begabter Kinder und Jugendlicher in Münster zu. 2. Der ASW nimmt zur Kenntnis, dass dem neu installierten Netzwerk „Münsteraner Netzwerk Begabungsförderung“ im Gebäude Klosterstrasse 34 Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt werden. 3. Die zur Förderung von besonders begabten Ki ndern und Jugendlichen im Haushalt veran- schlagte Summe von € 25.570;- € (für die Folgejahre unterliegt dieser Betrag dem Haus- haltsvorbehalt -vom Rat beschlossene pauschale Zuschussreduzierung um 1,75 %-) wird auf die vier Bereiche (1) Diagnostik, und Beratung , (2) Förderung (3) Qualifizierung sowie (4) Münsteraner Netzwerk Begabungsförderung aufgeteilt und den in diesen Feldern tätigen Ein- richtungen für 2011 zur Verfügung gestellt: 4. Der Ausschuss für Schule und Weiterbildung beauftragt die Verwaltung, in 2013 über die Erfahrungen mit dem neuen Konzept dem ASW zu berichten und Entscheidungsvorschläge vorzustellen. II. Finanzielle Auswirkungen: Für die Zuschussgewährung entstehen keine zusätzlichen Kosten oder Folgekosten. Die Mittelver- teilung basiert auf den für 2011 bereitgestellten Haushaltsmitteln der Produktgruppe 0301 „Leis- tungen für Schulen“, Produkt 03.01.08 „Nichtstädtische schulische Einrichtungen“, Zeile 15 „Transferaufwendungen“. Vorlagen-Nr.: V/0416/2011 Auskunft erteilt: Herr Dunkel Ruf: 492 40 80 E-Mail: Dunkel@stadt-muenster.de Datum: 06.06.2011 Öffentliche Beschlussvorlage - 2 - V/0416/2011 Begründung: 1. Ausgangslage 1.1 Das Thema besondere Begabungen in Münster Eine erste sichtbare Dokumentation dieses Themas in letzter Zeit in Münster ist die 1994 von der Stadt Münster herausgegebene Broschüre "Und was wird aus Larissa?". In ihr wurden die zu dem Zeitpunkt mit dem Thema befassten Institutionen und ihre Angebote vorgestellt. Seit der Zeit haben Besondere Begabungen und Begabungsförderung gesamtgesellschaft- lich zunehmend Beachtung erhalten. In der Folge haben sich Veränderungen und Weiter- entwicklungen in Kitas, Schulen und bei den sich mit dem Thema befassenden Institutionen ergeben. 1.2 Problembeschreibung Bereits in der o. g. Broschüre wurde von einem breit angelegten Begabungsbegriff ausge- gangen und folgende Bereiche genannt: kognitiv, musisch, sozial, sportlich, künstlerisch, sprachlich. Betrachtet man vorrangig den kognitiven Bereich, so sind zwei bis drei Prozent der Kinder und Jugendlichen als weit überdurchschnittlich (Intelligenzquotient größer als 130) intellektuell entwickelt zu beurteilen und gelten damit als hochbegabt. Es gibt in den Bereichen Sport und Musik gut etablierte Förderkonzepte. Diese Bereiche werden mit dieser Vorlage nur am Rande tangiert. Es bestehen dort gut funktionierende Sys- teme der Unterstützung und Förderung. Unterschiedliche Studien deuten darauf hin, das s man nicht von einer typischen Entwicklung besonders begabter Kinder und Jugendlichen sprechen kann. Stattdessen gestalten sich die Entwicklungspfade heterogen – wie bei anderen Gruppen von Kindern und Jugendlichen auch. Dementsprechend durchläuft ein Großteil der besonders begabten Kinder und Jugend- liche eine Schulkarriere ohne dass es zu Auffälligkeiten oder Problemen kommt. Sie werden z. B. durch die im vorangegangenen Abschnitt benannten Förderkonzepte oder durch weite- re schulische Angebote angemessen gefördert. In der Regel ist bei dieser Gruppe von Kin- dern und Jugendlichen keine gezielte psychologische Diagnostik notwendig. Ein Teil der Kinder und Jugendlichen mit besonderen Begabungen entwickelt dagegen Auf- fälligkeiten, bei denen es einer besonderen Förderung bedarf. Dies sind beispielsweise Kin- der und Jugendliche, die in einzelnen Bereic hen problematische Entwicklungen aufweisen, da z. B. • sie unterfordert sind, • sie falsche Erwartungen haben oder falsche Erwartungen an sie herangetragen wer- den, • sie sich durch einen ausgeprägten Perfektionismus auszeichnen, • sie aufgrund ihrer kognitiven Begabung in den frühen Schuljahren und einer damit ein- hergehenden Unterforderung kein angemessenes Arbeitsverhalten gelernt haben, • die Diskrepanz zwischen kognitiver Entwicklung und sonstiger Entwicklung von ihnen nicht angemessen bewältigt wird, • sie Schwierigkeiten im sozialen Kontakt haben, - 3 - V/0416/2011 Solche Risikofaktoren können dazu führen, dass bei einem Teil der besonders begabten Kinder und Jugendlichen die Leistungen weit hinter ihren eigentlichen Potentialen zurück- bleiben (Underachiever). Weitere mögliche Folgen sind emotionale Auffälligkeiten, Verhal- tensprobleme und Schulunlust, die in einer negativen Schulkarriere münden kann. Dementsprechend gilt es, Kindern und Jugendlichen mit besonderen Begabungen einen Rahmen zu geben, der ihnen eine angemessene Entwicklung ermöglicht und damit präventiv wirkt. Wichtig ist dabei das Verständnis, dass es notwendig ist, Gelingensbedingungen und (Lern-) Voraussetzungen für die Entfaltung entsprechender Talente und Potenziale zu schaf- fen. Treten dagegen bereits Auffälligkeiten auf, ist eine angemessene Diagnostik, Beratung sowie weitere Förderung notwendig. Im Fokus dieser Vorlage stehen damit Kinder und Jugendliche, • bei denen Hinweise auf eine besondere Begabung vorliegen und die angemessen ge- fördert werden sollen, um ihre Entwicklung positiv zu beeinflussen bzw. Auffälligkeiten zu vermeiden, • die aufgrund ihrer Verhaltensauffälligkeiten schwierig einzuschätzen sind und bei de- nen es schwierig ist, eine besondere Begabung festzustellen, obwohl viele Hinweise in dieser Richtung bestehen, • die trotz einer festgestellten besonderen Begabung bisher keine für sie angemessenen Fördermöglichkeiten in dieser Stadt gefunden haben, • die trotz einer festgestellten besonderen Begabung keine dementsprechenden Schul- leistungen zeigen und teilweise massive Schulschwierigkeiten haben und im Schulsys- tem zu scheitern drohen, • die bei einer festgestellten besonderen Begabung keine für sie positive Perspektive entwickeln können, krank werden und/oder emotionale und / oder verhaltensbezogene Auffälligkeiten zeigen. • bei denen fälschlicherweise von einer besonderen Begabung ausgegangen wird und somit falsche Erwartungen an das Kind bzw. den Jugendlichen gestellt werden. Auch hier ist eine psychologisch-diagnostische Abklärung der Begabung wichtig. 1.3 Ansprechpartner und Akteure In der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen mit besonderen Begabungen können sich Situationen ergeben, in denen Familien, Kitas und Schulen Information und Beratung benöti- gen, um die jungen Menschen angemessen in ihrer Entwicklung begleiten zu können. Es können sich auch konfliktträchtige Situationen ergeben, in denen unterschiedliche Sichtwei- sen durch eine Konfliktmoderation bewältigt werden können. Die nachfolgenden Aufführun- gen verdeutlichen die unterschiedlichen Möglichkeiten der Hilfestellung. Zuständig für die pädagogische Grundversorgung und erste Ansprechpartner der Familien: • Fachkräfte in den Kitas • Fachkräfte in den Schulen Institutionen, die sich u. a. auch mit der Fragestellung „Besondere Begabungen“ beschäfti- gen: - 4 - V/0416/2011 • Erziehungsberatungsstellen, • Beratungsstelle für Entwicklungsfragen (Gesundheitsamt), • Schulpsychologische Beratungsstelle (Amt für Schule und Weiterbildung), • Niedergelassene Psychologen und Psychotherapeuten, • Ärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie, • Kompetenzteam Münster. Institutionen, die sich ausschließlich mit der Fragestellung „Besondere Begabungen“ be- schäftigen: • Esca Mentis e.V., • Mehr Chancen für hochbegabte Kinder und Jugendliche in Münster e.V., • Freunde hochbegabter Kinder e.V., • Internationales Centrum für Begabungsförderung (ICBF), • Mensa e.V.. Für Konfliktmoderationen zwischen Eltern und Kitas bzw. Eltern und Schulen stehen Fach- kräfte der Erziehungsberatungsstellen und der Schulpsychologie zur Verfügung. 1.4 Anlass der Vorlage Über viele Jahre wurden zur Unterstützung der Förderung besonders begabter Kinder und Jugendlicher in Münster ausschließlich dem Vere in ESCA Mentis e.V. Räumlichkeiten und Finanzmittel zur Verfügung gestellt, um interessierten Eltern und Lehrkräften diagnostische Hilfen zum Erkennen besonderer Begabungen bei Kindern und Jugendlichen anzubieten. Im Rahmen der Etatberatungen zum Haushalt 2010 hat der Rat auf Empfehlung des Aus- schusses für Schule und Weiterbildung diese Gelder mit einem Sperrvermerk versehen und die Verwaltung beauftragt, ein Konzept zur Förderung besonderer Begabungen vorzulegen, auf dessen Basis die Mittel wieder entsperrt werden können. In seiner Sitzung am 07.12.2010 wurden Ausschuss für Schule und Weiterbildung Eckpunkte des zukünftigen Konzeptes vorgestellt auf deren Basis die Haushaltsmittel für das Jahr 2010 vom Ausschuss entsperrt wurden. In dem Eckpunktekonzept wurde bereits eine breitere Ver- teilung der Mittel auf mehrere Institutionen deutlich. Mit dem Beschluss über das Rahmenkonzept zur Schulentwicklungsplanung hat der Rat am 16.02.11 die Verwaltung u. a. beauftragt, dem Rat ein Konzept zur Begabungsförderung vor- zulegen. Dieses soll ein Instrument zur systematischen Diagnostik sowie Möglichkeiten einer vernetzten Förderung von Kindern mit besonderen Begabungen durch kommunale, universi- täre und freie Träger beinhalten. Das hier vorliegende Konzept dient als Grundlage für die künftige Arbeit. 2. Das Konzept „Münsteraner Netzwerk Begabungsförderung“ 2.1 Der Prozess der Konzeptentwicklung Dem Auftrag der Konzeptentwicklung kam die Verwaltung folgendermaßen nach: - 5 - V/0416/2011 • Gemeinsame Gespräche mit den Institutionen, die sich ausschließlich mit der Frage- stellung Besondere Begabung befassen (s. Abschnitt 1.3) und in der „Larissa AG“ zu- sammenarbeitenden Institutionen, • Einzelgespräche mit all diesen Institutionen, • Umfrage bei allen Institutionen nach einem vorher gemeinschaftlich entwickelten Schema, in dem die aktuell durchgeführten Tätigkeiten und die wünschenswerten Tä- tigkeiten abgefragt wurden. Dies geschah für die Bereiche Diagnostik, Beratung, För- derung und Qualifizierung, • Umfrage an allen Münsteraner Grundschulen zu verschiedenen Aspekten der Förde- rung besonderer Begabungen, • Kooperationsgespräche Stadt, Bezirksregierung und Universität (ICBF) als gemeinsa- me strategische Partner im Bereich Besondere Begabungen. Die gemeinsamen Gespräche mit allen in Münster in diesem Bereich tätigen Einrichtungen und das Ergebnis der Umfrage bei diesen Institutionen sowie die Einzelgespräche hatten ei- ne Aufteilung der Tätigkeiten und Verantwortlichkeiten für die Bereiche Diagnostik, Beratung, Förderung und Qualifizierung zur Folge. 2.2 Befragung der Grundschulen Gleichzeitig mit der hier vorgestellten Konzeptentwicklung übernahm die Verwaltung einen Auftrag, eine Befragung der Grundschulen zum Thema „Besondere Begabungen“ durchzu- führen. Die Elterninitiative „Mehr Chancen für hochbegabte Kinder und Jugendliche in Müns- ter“ hatte 2007 eine Umfrage an den Gymnasien der Stadt erstellt, um einen Überblick her- zustellen, welche Fördermöglichkeiten an den einzelnen Schulen bestehen. In die Vorlage sind Ergebnisse der Umfrage der Grundschulen eingegangen. Einige grundsätzliche Aussagen der Befragung sind: • Bei dem überwiegenden Anteil von jenen SchülerInnen, die von ihren LehrerInnen als besonders begabt eingestuft wurden, wurde keine ausführliche Intelligenzdiagnostik durchgeführt. Dies stimmt mit der Beobachtung überein, dass eine Intelligenzdiagnostik für besonders begabte Kinder und Jugendliche nicht der Regelfall sein sollte, sondern nur in den Fällen sinnvoll ist, in denen es Unklarheiten gibt, oder wo schwierige Ent- scheidungsprozesse anstehen. • Explizite Diagnostiken werden in der Befragung in nahezu gleicher Verteilung von Esca Mentis e.V., ICBF, niedergelassenen Kinder- und Jugendpsychiatern und der Schul- psychologie genannt. • Das Hauptinstrument zur Förderung besonders begabter Kinder und Jugendlicher ist die individuelle Förderung. Als weitere, wesentliche Maßnahmen werden genannt: Wettbewerbe, Überspringen und Förderung über Projekte. • Fortbildungswünsche der Schulen liegen im Wesentlichen im Bereich der Inneren Dif- ferenzierung, der Diagnostik und dem Umgang mit Verhaltensauffälligkeiten. • An positiven Erfahrungen berichten unterschiedliche Schulen: die hohe Motivation der Kinder, ihre Dankbarkeit bei besonderer Unterstützung, ihre hohe Selbständigkeit im - 6 - V/0416/2011 Arbeiten, ihre Hilfsbereitschaft , ihre soziale Kompetenz, die Unterstützung der Eltern, der intensive Kontakt Schule/Elternhaus, das Engagement der Eltern, sowie ihre Be- reitwilligkeit Anregungen der Schule aufzunehmen. • Als schwierig wurde von unterschiedlichen Schulen berichtet: Interesse an lediglich schnell zu lösenden Aufgaben, ablehnendes Verhalten, geringe Motivation, besserwis- serisches und überhebliches Verhalten, Rückzugsverhalten, geringe Integration in Klassengemeinschaft, sehr hohe Erwartungen der Eltern an Lehrer und Schule, man- gelhafte Unterstützung der Eltern und zu hohe Anforderungen an das Kind/den Ju- gendlichen. Gerade die sich widersprechenden Angaben in den letzten beiden Punkten machen deutlich, dass besonders begabte Kinder und Jugendliche keine homogene Gruppe sind, bzw. dass die durch sie ausgelösten Sichtweisen sehr heterogen sein können. 2.3 Zusammenschluss der Akteure Wie bereits unter 1.3 ausgeführt, ist in Münster eine ganze Reihe an unterschiedlichen Insti- tutionen im Themenfeld besondere Begabung aktiv, um diese Kinder und Jugendliche an- gemessen zu unterstützen. Dabei haben und so llen sich zwei entscheidende Stränge entwi- ckeln, die im Zusammenschluss der Akteure das Thema besondere Begabung in Münster weiter nach vorne bringen sollen. Dies betrifft zum Einen eine strategische Partnerschaft zwischen der Stadt, der Bezirksregierung und der Universität und zum Anderen die Neu- gründung des Münsteraner Netzwerks für Begabtenförderung. 2.3.1 Strategische Partnerschaft: Stadt – Land - Wissenschaft Das Schulamt für die Stadt Münster/Bezirksregierung ist in seiner Zuständigkeit für den Un- terricht an Schulen in besonderer Weise der individuellen Förderung (darunter auch der För- derung von besonderen Begabungen) in der Schule verpflichtet und in der Weiterentwicklung engagiert. Die Universität ist mit ihren Forschungsmöglichkeiten und internationalen Kontakten ein wichtiger Motor für die Weiterentwicklung des theoretischen und praktischen Themenfeldes „besonderer Begabungen“, auch für Münster. Gerade mit der Präsenz des ICBF in Münster wird dies dokumentiert. Die Stadt Münster hat in ihrer Für- und Vorsorge für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt ein hohes Interesse, besondere Begabungen zu fördern. Dies wurde aktuell mit dem o. a. Beschluss im Rahmen der Schulentwicklungsplanung bekräftigt. Im Rahmen einer strategischen Partnerschaft werden Stadt, Schulamt für die Stadt Münster / Bezirksregierung und Universität zunehmend stärker zusammenarbeiten. Schulträger, Schulaufsicht und Westfälische Wilhelms-Universität verstehen sich im Sinne einer Anwaltschaft für die Anliegen der Begabungsförderung als Drehscheibe und Entwickler von Ideen und Konzepten im Themenfeld „Begabungsförderung“. Der Fokus liegt dabei auf ausgewiesene Expertise, Aus- und Fortbildung, konkrete Pilotprojekte, Evaluierung laufender Initiativen sowie einschlägige wissenschaftliche Studien. Im Zuge der „Kommunikation nach außen“ gilt es das von Schulträger, Schulaufsicht und Westfälischer Wilhelms-Universität vorgehaltene Verantwortungs- und Leistungsspektrum im Bereich der Begabungsförderung beispielhaft zusammenzutragen und für die Öffentlichkeit sichtbar zu machen (Stichwort „Imageprodukt“) um es gemeinsam und abgestimmt (z.B. Kongressformate) zu profilieren und weiterzuentwickeln. - 7 - V/0416/2011 2.3.2 Münsteraner Netzwerk Begabungsförderung Bereits seit Mitte der 90er Jahre arbeiten unterschiedliche in Münster tätige Einrichtungen in der „Larissa AG“ freiwillig zusammen. Im Laufe der Jahre hat es immer wieder Veränderun- gen in der Zusammensetzung gegeben. Mit dem Ziel einer stärkeren Verbindlichkeit zu ge- genseitiger Information und Kooperation schließen sich folgende Einrichtungen zum „Müns- teraner Netzwerk Begabungsförderung“ zusammen: • ICBF, Universität Münster • ESCA Mentis e.V. • Mehr Chancen für hochbegabte Kinder und Jugendliche in Münster e.V. • Freunde hochbegabter Kinder e.V. • Mensa e.V. • Kompetenzteam Münster, Bezirksregierung Münster • Schulpsychologische Beratungsstelle, Stadt Münster Die Förderung besonders begabter Kinder und Jugendlicher soll in Münster stärker räumlich verankert werden. Zu diesem Zweck nutzt das Netzwerk städtische Räume in der Kloster- strasse 34. Bisher wurde ein Teil dieser Räum lichkeiten exklusiv vom Verein ESCA Mentis e.V. genutzt. Durch die im selben Gebäude ansässige Schulpsychologische Beratungsstelle kann der städtische Anteil an Koordinierung, Organisation und Mitgestaltung übernommen werden. In koordinierender Funktion wird das Netzwerk durch einen Seniorexperten unterstützt. Die Universität hat mit Seniorexperten in diesem Bereich gute Erfahrungen gemacht. Von den beteiligten Einrichtungen des Netzwerks konnte man sich gemeinschaftlich auf einen Senior- experten einigen. 2.4 Kommunikation Das Thema besondere Begabung wurde durch unterschiedliche Initiativen (z.B. „Tag der Intelligenz“, Ringvorlesungen an der Westfälischen Wilhelms Universität zu diesem Thema) in Münster immer wieder in die Öffentlichkeit gebracht (s. weiter unten). Es ist beabsichtigt das Thema „Besondere Begabungen“ und die zukünftige Entwicklung in diesem Bereich in dieser Stadt noch aktiver zu kommunizieren. Dies soll dazu führen: • in Münster eine noch positivere Wahrnehmung von Begabungen, Potenzialen und Ta- lenten zu erreichen, • die Akzeptanz von Begabungsförderung in der (Fach-) Öffentlichkeit weiter zu erhöhen, • das breite Spektrum erprobter und bewährter Instrumente der Begabungsförderung im Bereich Diagnostik, Beratung, Fortbildung, Forschung sichtbarer zu machen und • Akteure aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung, öffentlichen Trägern und Gesellschaft als engagierte Förderer und Unterstützer von neuen Ideen und konkreten Maßnahmepla- nungen inhaltlicher, organisatorischer und finanzieller Art zu gewinnen (ideell, perso- nell, finanziell). Innerhalb des Netzwerks soll die „Kommunikation nach innen“ nicht nur ein gemeinsames Verständnis von „Begabung“ und die Entwickl ung gemeinsam getragener Perspektiven si- - 8 - V/0416/2011 cher stellen („Zusammenraufen der Akteure“), sondern darüber hinaus - im Sinne eines att- raktiven und einheitlichen Erscheinungsbildes - die vielfältigen Aktivitäten, die sich bereits jetzt im Netzwerk bündeln, bewusst machen (Imagekampagne, Marketing, Promotion für das Netzwerk). Das Netzwerk soll perspektivisch in der Klosterstraße die zentrale Anlaufstelle für Eltern, Erzieherinnen und Erzieher, Lehrerinnen und Lehrer aller Schulformen für besonders begab- te Vorschulkinder, Schülerinnen und Schüler werden. In Münster gibt es eine Reihe von Aktivitäten und Ereignissen rund um das Thema Bega- bungsförderung, die noch intensiver als bisher einer breiteren Öffentlichkeit vermittelt werden können. Zu nennen sind hier u. a.: Infotage der Elterninitiative, Tage der Intelligenz, Vorstel- lungen der Forder-/Förderprojekte, Verleihung der ECHA Zertifikate und Diplome, Nationale und Internationale Kongresse. Auf dieser Grundlage sind weitere Projekte und Aktivitäten möglich. Es kann erwartet werden, dass in der Zusammenarbeit der Einrichtungen im Müns- teraner Netzwerk Begabungsförderung weitere Ansätze hierzu entwickelt werden, die dann entsprechend kommuniziert werden können. 3. Das Konzept: Inhalte und Mittelverteilung Nach allen Gesprächen schätzt die Verwaltung die Bedürfnisse so ein, dass eine Mittelvertei- lung in die Bereiche (1) Diagnostik und Beratung, (2) Förderung, (3) Qualifizierung und (4) das Münsteraner Netzwerk Begabungsförderung erfolgen soll. Im Bereich Diagnos- tik/Beratung soll durch größere Transparenz für bisher nicht vollständig ausgeschöpfte Mög- lichkeiten bei bestimmten Institutionen eine andere Verteilung angestrebt werden. Ein we- sentlicher Fortschritt sind die Erweiterungen in Qualität und Quantität in den Bereichen För- derung und Qualifizierung. Die Tätigkeiten der in Münster agierenden Einrichtungen können den Tätigkeitsfeldern Dia- gnostik, Beratung, Förderung und Qualifizierung zugeordnet werden. Im Laufe des Prozes- ses der Konzeptentwicklung wurde deutlich, dass die bisher ausschließlich dem Verein ES- CA Mentis e.V. zur Verfügung gestellten Gelder und Räumlichkeiten auch für weitere Aufga- benfelder und Institutionen nutzbar und zugänglich gemacht werden können, um eine um- fassendere Versorgung und Förderung besonders begabter Kinder und Jugendlicher in Münster zu gewährleisten. Zu den Tätigkeitsfeldern der Institutionen in den unterschiedlichen Bereichen hat es eine Abfrage über Art, Ausmaß und die finanziellen Rahmenbedingungen gegeben. Der Verein Mensa e.V. erhält keine finanziellen Mittel. Sein Interesse an städtischer Förde- rung liegt im Bereich der Nutzung von Räumlichkeiten. Bisher nutzt der Verein für seine Be- lange schulische Räumlichkeiten. Eine mögliche Veränderung und konkrete Umsetzung der gewünschten Möglichkeiten muss noch erarbeitet werden. Für die übrigen Bereiche schlägt die Verwaltung die folgende Aufteilung vor, wobei Ver- schiebungen zwischen den Bereichen noch möglich sind: 3.1 Diagnostik/Beratung • Eine spezielle Diagnostik zur Abklärung einer besonderen Begabung ist nur in Aus- nahmefällen vor dem Schuleintrittsalter sinnvoll. • Eltern sollten ohne große finanziellen Aufwendungen eine diagnostische Abklärung er- halten können. - 9 - V/0416/2011 • Unter den jeweiligen institutionellen Rahmenbedingungen sind kostenfreie, diagnosti- sche Abklärungen möglich bei – Erziehungsberatungsstellen, Beratungsstelle frühe Hil- fen (Gesundheitsamt), Schulpsychologische Beratungsstelle (Amt für Schule und Wei- terbildung), Psychologisch-Psychotherapeutische Praxen, Ärzte für Kinder- und Ju- gendpsychiatrie • Alle Netzwerkpartner informieren auch über diese für die Ratsuchenden, kostenfreien Möglichkeiten. • Beratung kann zwar ohne Diagnostik, Diagnostik aber nicht sinnvoll ohne eine an- schließende Beratung erfolgen. Um mehr Handlungsspielraum für ein angemessenes Vorgehen zu ermöglichen, werden bei der Mittelverteilung Diagnostik und Beratung als Einheit gesehen. • Es ist notwendig, ein Kontingent von „Vor“-Beratungen zur Verfügung zu stellen, um „unnötige“ Diagnostiken zu verhindern. • Zur Qualitätssicherung sollen nur Diagnostiken finanziell unterstützt werden, die den Kriterien des BDP (Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen) bzw. der Bundesärztekammer entsprechen. ESCA Mentis e.V. und Internationales Centrum für Begabungsförderung (ICBF) erhalten Mittel für Diagnostik. Die Verwaltung wird mit beiden Einrichtungen konkretere Vereinbarun- gen dazu treffen. Zuschuss: rd. 13.000,-- Euro 3.2 Förderung Auch besonders begabte Kinder und Jugendliche bedürfen einer ihren individuellen Stärken und Schwächen angemessenen Förderung. Für einen Teil dieser Kinder gilt, dass sie auch von allgemeinen Förderungen (die nicht speziell auf diese Zielgruppe zugeschnitten sind) profitieren können. Deswegen an dieser Stelle nur der Hinweis auf derartige Möglichkeiten, zu denen auch besonders begabte Kinder Zugangsmöglichkeit haben: • IFörderung in der Kindertagesbetreuung • Angebote der Schulen • Erziehungsberatungsstellen • Schulpsychologische Beratungsstelle • … weitere Institutionen Darüber hinaus bieten ICBF, Elterninitiative und Freunde hochbegabter Kinder e.V. spezielle Förderangebote für besonders begabte Kinder und Jugendliche an. In diesen spezifischen Angeboten können besonders Begabte auch erfahren, dass sie mit ihren besonderen Inter- essenslagen und kognitiven Fähigkeiten auf ähnlich gesinnte Gleichaltrige stoßen können. In den von der Verwaltung geführten Gesprächen und der Umfrage an den Grundschulen wur- de deutlich, dass der Bereich der speziellen Förderungen besonders begabter Kinder noch lange nicht die Qualität und Quantität einnimmt, die ausreichend wäre, um jedem Kind ge- recht zu werden. Deswegen soll dieser Bereich, der bisher nicht mit städtischen Mitteln un- terstützt wurde, wie in obiger Tabelle dargestellt, gefördert werden. - 10 - V/0416/2011 Die Verwaltung wird mit „Mehr Chancen fü r hochbegabte Kinder und Jugendliche in Münster e.V.“ und „Freunde hochbegabter Kinder e. V.“ konkrete Vereinbarungen dazu treffen. Zuschuss: rd. 8.000,-- Euro 3.3 Qualifizierung von Erzieherinnen und Lehrkräften - Unterstützung von Kitas und Schu- len Die unter 2.2 angeführte Befragung an den Grundschulen zum Themenfeld „Besondere Be- gabung“ erbrachte bereits Fortbildungsbedarfe- und wünsche aus Sicht der Schulen. Ange- sprochen werden dabei z. B. Angebote vom Kompetenzteam Münster, des ICBFs und der Schulpsychologie. Die ECHA-Ausbildungen (ECHA = European Council for High Ability) des ICBF sind eine weithin anerkannte Möglichkeit für Erzieherinnen und Lehrkräfte sich speziell mit den Bedin- gungen der Förderung besonders begabter Kinder und Jugendlicher zu beschäftigen. Gera- de, da diese Möglichkeit vor Ort hier in Münster besteht, sollen Erzieherinnen und Lehrkräfte in Zukunft stärker die Möglichkeit erhalten, sich hier weiterzubilden und zu qualifizieren. Je mehr qualifizierte Erzieherinnen in den Kitas und Lehrkräfte in den Schulen sind, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass besonders begabte Kinder angemessen gefördert werden und auch noch nicht entdeckte, besonders begabte Kinder wahrgenommen und einer ange- messenen Begleitung und Förderung zugeführt werden können. Die umfangreiche Qualifizierung ist mit einer Teilnahmegebühr verbunden. Zur systematischen Qualifizierung von Er zieherinnen und Lehrkräften soll zukünftig die ECHA Ausbildung von Fachkräften unterstützt werden. Dies geschieht unter der Bedingung, dass Teile der Aufwendungen über Fortbildungsgelder des Arbeitgebers abgedeckt werden und auch weiterhin von den TeilnehmerInnen ein Anteil selbst zu tragen ist. Zunächst sollen vorrangig Fachkräfte für den Elementar- und Primarbereich gefördert wer- den. Die Verwaltung wird hierzu mit dem ICBF und, ggf. für weitere Maßnahmen, mit ande- ren Trägern Vereinbarungen treffen. Zuschuss: rd. 3.500,-- Euro 3.4 Münsteraner Netzwerk Begabungsförderung Die verbleibenden Mittel von rd. 1.070 Euro stehen dem Netzwerk für gemeinsame Projekte zur Verfügung. 4. Weiterentwicklung Im Frühjahr 2013 werden die Erfahrungen mit dem neuen Konzept dem ASW vorgestellt und, falls notwendig, neu zu treffende Entscheidungen vorbereitet. I. V. gez. Dr. Hanke Stadträtin - 11 - V/0416/2011
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungOrte (1)
- Klosterstraße 34r
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Details
- Vorlagen-Nr.
- V/0416/2011
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 06.06.2011
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37