1923/2020
Stadtstrategie "Kölner Perspektiven 2030+"
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Mitteilung Ausschuss
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Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle VI/15/15/1 Vorlagen-Nummer 11.08.2020 1923/2020 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Stadtentwicklungsausschuss 03.09.2020 Stadtstrategie "Kölner Perspektiven 2030+" Konzept der Stadtstrategie "Kölner Perspektiven 2030+" liegt vor Nach intensiver verwaltungsinterner Arbeit wie auch umfassender Beteiligung von Bürgerschaft und Fachöffentlichkeit ist das Konzept der Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ fertiggestellt und wird dem Stadtentwicklungsausschuss mit dieser Mitteilung vorgestellt (s. Anlage). Die Stadtstrategie stellt zwei Betrachtungsebenen in den Fokus, die die Zukunftsthemen Kölns mit der Raumentwicklung verbinden. Dieser sogenannte „Kölner Weg“ bildet somit eine ganzheitliche Grundlage für die Kölner Stadtentwicklung der kommenden Jahre und beinhaltet folgende Bausteine: Die „360-Grad-Perspektive“ adressiert alle relevanten Handlungsfelder der Kölner Stadtent- wicklung und formuliert 5 zentrale Leitzsätze, denen insgesamt 27 Ziele zugeordnet sind. Die „Stadträumliche Perspektive“ übersetzt dieses Zielgerüst in 5 Zielkarten zu den Themen Wohnen, Wirtschaft, Soziales, Mobilität, Grün & Klima. 10 Vorschläge zu Handlungsempfehlungen verbinden die beiden Perspektiven miteinander und operationalisieren sie. Die „Kölner Perspektiven 2030+“ berücksichtigen bestehende (Fach-) Konzepte und Planungsansät- ze und formulieren die zentralen strategischen Stoßrichtungen. Als Kompass bilden sie den Rahmen für die künftige Stadtentwicklung Kölns, der durch konkrete Konzepte und Planungen ausgefüllt und operationalisiert wird. Es ist geplant, die Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ dem Rat 2021 zur Beschlussfassung vorzulegen. Anlass und Ratsauftrag Die Stadt Köln steht in den kommenden Jahren vor vielfältigen Veränderungen: Bevölkerungswachs- tum, Veränderungen in der Altersstruktur, Klimawandel und Klimaschutz, veränderte Mobilitätsbe- dürfnisse, Digitalisierung sowie wirtschaftlicher Wandel sind nur einige Herausforderungen, die sich für die Stadtentwicklung ergeben. Daher hat der Rat am 11.07.2017 (Vorlagen-Nr. 1331/2017) die Verwaltung beauftragt, die Stadtstra- tegie als zentrale Grundlage für eine zukunftsgerichtete, strategische und nachhaltige Stadtentwick- lung zu erarbeiten. Dazu wurde eine Arbeitsgemeinschaft (ARGE) aus drei Büros (Urbanista aus Hamburg, ASTOC aus Köln und dem Bureau für Raumentwicklung aus Zürich) beauftragt, die in ei- nem integrierten Prozess gemeinsam mit über 40 Fachämtern und Dienststellen der Kölner Stadtver- waltung die Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ erarbeitet haben. Durch die Corona-Pandemie sind neue Herausforderungen entstanden. Eine nachhaltige und damit zugleich resiliente Stadtentwicklung als Antwort auf diese Herausforderungen ist dringender denn je gefragt. Mit den „Kölner Perspektiven 2030+“, die u. a. auf der Leipzig Charta zur nachhaltigen euro- päischen Stadt und den 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen (SDG) basieren, bekommt Köln das notwendige strategische Instrument. 2 Vorbereitungs-, Bearbeitungs- und Erörterungsphase Seit Mitte 2017 erarbeiteten unter Federführung der Stabstelle Strategische Stadtentwicklung über 40 Fachämter und Dienststellen dezernatsübergreifend in vier interdisziplinären Teams in den Hand- lungsfeldern Urbanes Köln, Produktives Köln, Vernetztes Köln und Offenes Köln. Meilensteine dieser Zusammenarbeit bildeten die Bündelung bestehender strategischer Konzepte und Programme in Form eines verwaltungsinternen Statusberichtes, die Identifizierung von Kernthemen der Kölner Stadtentwicklung und die Analyse von Stärken und Schwächen. Mitte 2018 begann die Zusammenarbeit der thematischen Teams mit der externen Arbeitsgemein- schaft (ARGE). Ein Schwerpunkt lag hier vor allem in der 360-Grad-Perspektive und der Entwicklung des Zielgerüstes. Darüber hinaus wurden planerische Grundlagen in Form von Grundlagenkarten erarbeitet und strategische Aussagen für die Stadträumlichen Perspektive in Form von Zielkarten entwickelt. Als verbindendes Element zwischen den beiden Perspektiven diskutierten und erarbeite- ten die vier thematischen Teams Vorschläge für Handlungsempfehlungen. Die Bearbeitungsphase schloss mit dem ersten verwaltungsinternen Entwurf der Stadtstrategie im Dezember 2019. Das erste Halbjahr 2020 widmete sich der Erörterung der Stadträumlichen Perspektiven, insbesonde- re der Konkretisierung der Zielkarten. Die Erörterung fand mit den strategisch und räumlich arbeiten- den Fachämtern und Dienststellen statt. Der Verwaltungsvorstand der Stadt Köln hat in zwei Klausurtagungen 2017 und 2019 über die Zielausrichtung der Kölner Stadtentwicklung diskutiert. Zudem fanden mehrere Diskussions- und In- formationsrunden zu den wichtigsten Meilensteinen der Stadtstrategie im Verwaltungsvorstand statt. Beteiligung und Information Die verwaltungsinternen Arbeitsergebnisse bildeten die Grundlage für intensive öffentliche Diskussio- nen mit der Kölner Stadtgesellschaft, der Fachöffentlichkeit und der Politik. Bereits 2017/2018 hat Oberbürgermeisterin Henriette Reker mit den Stadtgesprächen Bürgerinnen und Bürger zur Diskussion der Frage „Wir wollen wir in 2030 in Köln leben?“ in allen neun Stadtbezir- ken eingeladen. Dabei wurden die wichtigsten Themen für die Gesamtstadt und den jeweiligen Bezirk gesammelt. Ergänzend dazu fanden in 2019, ebenfalls auf Einladung von Oberbürgermeisterin Henriette Reker, zwei Zukunftsforen (25.05. und 09.11.2019) im Historischen Rathaus statt. Das 1. Zukunftsforum stellte das Zielgerüst der 360-Grad-Perpspektive zur Diskussion und wurde dort von den Bürgerinnen und Bürgern und der Fachöffentlichkeit im Kern bestätigt. Beim 2. Zukunftsforum wurden die räumli- chen Ansätze der Stadträumliche Perspektive diskutiert, konkretisiert und erweitert. Die Zukunftsforen wurden jeweils durch Online-Dialoge ergänzt. Das 3. Zukunftsforum, das aufgrund der Corona- Pandemie digital stattfand, widmete sich im Juni 2020 den strategischen Empfehlungen der Zielkarten und deren Gewichtung. Der Stadtentwicklungsausschuss wurde durch mehrere Mitteilungen am 28.03.2019 (1080/2019), 30.01.2020 (0122/2020) und 28.05.2020 (1511/2020) sowie über das Politische Begleitgremium über den Prozess informiert. Weiteres Vorgehen Für die Umsetzung der Stadtstrategie auf Verwaltungsebene wird ein Stadtentwicklungsteam einge- richtet (siehe Mitteilung Stadtentwicklungsausschuss 28.05.2020 (1511/2020)). Dieses arbeitet vor allem an der Konkretisierung der Vorschläge für Handlungsempfehlungen und leitet daraus Schlüs- selprojekte ab. Die vorliegende Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ wird 2021 in den Rat eingebracht und soll dort als Kompass der zukünftigen Stadtentwicklung Kölns beschlossen werden. Das politische Be- gleitgremium (Vgl. Vorlage 1429/2019) soll den Beschlusslauf und die Umsetzung der Stadtstrategie ab 2021 weiter begleiten. gez. Greitemann Anlage
Anlage1_Stadtstrategie_KoelnerPerspektiven2030+
360323 Zeichen
e OberbürgeDi rmeisterin
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“
Stadtstrategie
„Kölner Perspektiven 2030+“
Stadtstrategie
„Kölner Perspektiven 2030+“
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“
Vorwort
Vorwort
Wie wollen wir in Köln 2030 leben? Die Stadtstrategie
„Kölner Perspektiven 2030+“ macht Köln zukunftsfähig.
Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,
das Jahr 2020 brachte schlagartige Verän
derungen mit sich, die wir Kölnerinnen und
Kölner tagtäglich spüren. Fast jeder Lebens
bereich ist davon betroffen. Voraussagen für
die Zukunft scheinen schwieriger als zuvor.
Mit der Stadtstrategie „Kölner Perspektiven
2030+“ sind wir in den letzten Jahren intensiv
der Frage nachgegangen, wie wir im Jahr 2030
in Köln leben wollen. Und trotz der veränder
ten Rahmenbedingungen gibt die Stadtstrate
gie nach wie vor die richtigen Antworten auf
diese Frage.
Die „Kölner Perspektiven 2030+“ verfolgen
eine nachhaltige Stadtentwicklung, die wir
dringender denn je brauchen. Eine nachhaltige
Stadt ist krisenresistent, gesund und lebens
wert. Köln soll und wird auch weiterhin eine
attraktive wachsende Metropole sein. Nun gilt
es, die kreativen Entwicklungen, die aus der
CoronaKrise entstanden sind, aufzunehmen.
Denn den großen Ideenreichtum der letzten
Monate und die Bereitschaft für Veränderung
können wir positiv nutzen und unsere dringen
den Themen angehen.
Wir müssen uns um die Mobilität kümmern,
Wohnraum schaffen und die Bedürfnisse einer
älter werdenden Stadtgesellschaft berücksich
tigen. Mit aller Kraft müssen wir dem Klima
wandel gegensteuern und die Stadt auf Kurs
in Richtung Klimaneutralität bringen. Dafür
brauchen wir starke Partnerinnen und Partner
aus Stadtgesellschaft, Politik und Verwaltung,
die ihre Kräfte bündeln, Verantwortung über
nehmen und Entwicklungen vorantreiben.
4
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Vorwort
Die integrierte Betrachtungsweise, die in der
Stadtstrategie hinterlegt ist, gibt uns hierf
ür
die Richtung vor. Dabei berücksichtigt sie be
sonders wichtige internationale und nationale
Rahmenbedingungen wie die „Sustainable
Development Goals“ (SDG) der Vereinten Na
tionen und die Leipzig Charta zur nachhaltigen
Stadtentwicklung.
Für die Kölner Stadtentwicklung heißt das,
dass viele Themen parallel und zeitgleich
zusammen bearbeitet werden müssen. Und
genau das haben wir bei der Erstellung der
Stadtstrategie getan.
Wichtig ist mir vor allem eine Erkenntnis:
Eine einseitige Fachsicht ist langfristig zu kurz
gedacht. Viel zielführender sind thematische
Vernetzungen und der Austausch unter allen
Beteiligten, also eine integrierte Arbeitsweise.
Und genau diese praktizieren wir auf allen
Ebenen: in der Stadtstrategie, mit der Verwal
tungsreform und im Verwaltungsvorstand.
Ich bedanke mich herzlich bei allen, die an der
Erstellung der Stadtstrategie „Kölner Perspek
tiven 2030+“ mitgewirkt haben.
Ihre
Henriette Reker
Oberbürgermeisterin der Stadt Köln
Köln, August 2020
5
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“
Einleitung
Darum braucht Köln eine Stadtstrategie!
Mit der Stadtstrategie „Kölner Perspektiven
2030+“ ist es meinem Dezernat für Stadt
entwicklung, Planen, Bauen und Wirtschaft
gemeinsam mit den Dezernaten, Fachämtern
und Dienststellen der Stadtverwaltung gelun
gen, einen Kompass für die Zukunft Kölns zu
entwickeln. Hier steht im Fokus, dass wir die
Chancen für Köln erkennen und nutzen und
somit eine gemeinsame Vision und konkrete
Zukunftsstrategien für unsere Stadt entwi
ckeln.
Dieses besondere Jahr 2020 hat durch die
CoronaPandemie gezeigt, wie wichtig in der
Krise eine agile Verwaltung und eine strate
gische Ausrichtung für die Stadtentwicklung
sind. Gemeinsam ist es gelungen, die Folgen
der Pandemie für die Gesundheit der Kölne
rinnen und Kölner einzugrenzen. Noch nicht
absehbar sind die Auswirkungen auf die wirt
schaftliche Entwicklung, doch es haben sich
schon Eckpfeiler gezeigt, die für eine nach
haltige und resiliente, also robuste Stadt, von
besonderer Bedeutung sind:
– unsere gemischten Quartiere mit ihrem de
zentralen Angebot der Nahversorgung und
einer lebendigen Nachbarschaft,
– unsere Plätze, Gärten und Parks als Orte für
Freizeit und Erholung sowie
– eine gemischte Wirtschaftsstruktur mit
einem ausgeprägten Branchenmix, um un
seren vielfältigen Arbeitsmarkt langfristig
zu sichern.
Für die fruchtbare Zusammenarbeit innerhalb
der Verwaltung möchte ich mich herzlich
bei allen Mitwirkenden bedanken. Nicht nur
die fachliche Kooperation und die Diskussi
onen der Kolleginnen und Kollegen in den
thematischen Teams, sondern auch der rege
Austausch im Verwaltungsvorstand haben
dazu geführt, dass wir die wichtigen Themen
herausgearbeitet haben. Diese können wir nun
zielgerichtet angehen. Auch die Diskussionen
mit der Bürgerschaft, Fachöffentlichkeit und
Politik, die wir in zwei Zukunftsforen im Mai
6
Einleitung
und November 2019 und einem digitalen Zu
kunftsforum im Juni 2020 führten, h
aben die
Ziele bestätigt.
Die kommenden Herausforderungen ver
pfichten uns, dass wir gemeinsame Ziele und
Prioritäten vereinbaren. Dieser Anspruch ist
nicht konfiktfrei. Insbesondere, wenn es um
die Nutzung von Flächen geht, gibt es Konkur
renzen. Die Stadtstrategie „Kölner Perspekti
ven 2030+“ stellt diese Konfikte offen dar und
zeigt Handlungsperspektiven auf. Wir haben
sogenannte Zukunftsräume identifziert, die
eine wichtige Bedeutung für Köln haben und
die Möglichkeiten bieten, modellhaft zu arbei
ten und neue Entwicklungsmöglichkeiten zu
entwerfen.
Bei all dem ist klar: Wir können und wollen
kein statisches Zielbild zeichnen, sondern die
Grundlage für einen weiteren Prozess legen.
Ein Prozess, der immer wieder auf das Zielbild
referenziert, konkrete Umsetzungsschritte
aufzeigt und überprüft wird. Innerhalb der
Verwaltung dient dafür das neu eingerichte
te Stadtentwicklungsteam, das neben dem
räumlichen Zielbild intensiv die Vorschläge
für Handlungsempfehlungen weiter konkreti
sieren wird. Und natürlich haben wir auch die
Aufgabe, weitere Akteurinnen und Akteure in
diese Entwicklungen einzubinden. Ich freue
mich auf eine zukunftsorientierte Stadtent
wicklung!
Ihr
Markus Greitemann
Beigeordneter für Stadtentwicklung,
Planen, Bauen und Wirtschaft
Köln, August 2020
7
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Einleitung
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“
Inhalt
10 Kurzfassung
18 Die „Kölner Perspektiven 2030+“
Eine Stadtstrategie
20 Darum braucht Köln eine Stadt
strategie
24 Aufbau und Entwicklung der
Stadtstrategie
38 Ein Glossar für die Stadtstrategie
44 Die 360GradPerspektive
46 Rahmenbedingungen, Entwicklungs
trends, Aufgaben und Herausforderun
gen für Kölns Zukunft
48 Die Sustainable Development Goals
Die Nachhaltigkeitsziele der UN im
Bezug zur Stadt Köln
52 Die Ziele der Leipzig Charta
Darstellung der Werte der nach
haltigen Stadtentwicklung
56 Die Trends von übermorgen
Ein Überblick über künftige Trends
62 Aufgaben und Herausforderungen
für Kölns Zukunft
76 Zielgerüst: Leitsätze und Ziele für die
künftige Kölner Stadtentwicklung
78 Übersicht der Leitsätze und Ziele
80 1. Köln sorgt für kompakte und
lebenswerte Quartiere
88 2. Köln schafft Raum für eine dyna
mische und nachhaltige Wirtschaft
und für vielfältige Arbeitswelten
96 3. Köln sorgt für Bildung, Chancen
gerechtigkeit und Teilhabe
104 4. Köln stärkt seine Rolle als viel
fältig vernetzte Metropole
1 12 5. Köln wächst klimagerecht und
umweltfreundlich und sorgt für
gesunde Lebensverhältnisse
8
Inhalt
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Inhalt
120 Vorschläge für Handlungs
empfehlungen
122 Handlungsempfehlung 1:
Klimagerecht leben
124 Handlungsempfehlung 2:
Innere Werte
125 Handlungsempfehlung 3:
Kölner Mischung
126 Handlungsempfehlung 4:
FreiRaum
127 Handlungsempfehlung 5:
Verkehrswende
128 Handlungsempfehlung 6:
Wirtschaft hoch 3
130 Handlungsempfehlung 7:
Vorfahrt Bildung
132 Handlungsempfehlung 8:
StadtLeben
134 Handlungsempfehlung 9:
Smarte Stadt
135 Handlungsempfehlung 10:
RegioCoop
136 Die Stadträumliche Perspektive
138 Die Grundlagenkarten
160 Erkenntnisse der räumlichen Analyse
174 Ansätze der räumlichen Entwicklung
190 Die Zielkarten
236 Das räumliche Leitbild
238 Das räumliche Leitbild
242 Die Zukunftsräume
250 Die weiteren Schritte
252 Danke!
254 Impressum
9
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“
Kurzfa ssung
Kurzfassung
Die „Kölner Perspektiven 2030+“
– eine Stadtstrategie für Köln
Die Stadtstrategie „Kölner Perspektiven
2030+“ ist ein Kompass für eine zukunftsge
richtete, strategische und nachhaltige Stadt
entwicklung. Sie adressiert die zukünftigen
Herausforderungen Kölns als wachsende
Metropole und identifziert zentrale Hand
lungserfordernisse der Stadtentwicklung.
Gleichzeitig zeigt sie Möglichkeiten auf, wo
und wie Akteurinnen und Akteure aus Politik,
Verwaltung und Stadtgesellschaft in den kom
menden Jahren ihre Kräfte bündeln können
und sollen, um die Stadt Köln als lebenswerte
Metropole weiterzuentwickeln.
Köln stellt sich seiner Verantwortung als
Metropole, als Dreh und Angelpunkt einer
dynamischen Region sowie als viertgrößte
Stadt Deutschlands und gibt mit den „Kölner
Perspektiven 2030+“ Antworten auf die drän
genden Fragen der zukünftigen Stadtentwick
lung. Um ihre Qualitäten als wettbewerbsfä
hige, klimarobuste und lebenswerte Stadt zu
sichern und zu steigern, geht die Stadt den
„Kölner Weg“ und betrachtet die Stadtent
wicklung aus zwei Perspektiven: Während die
„360GradPerspektive“ alle Handlungsfelder
der Kölner Stadtentwicklung adressiert, be
fasst sich die „Stadträumliche Perspektive“ mit
der räumlichen Zukunft Kölns. Die Kombinati
on beider Perspektiven ermöglicht es, wichti
ge Handlungsfelder und Zusammenhänge der
Stadtentwicklung zu identifzieren, und macht
die Stadtstrategie damit zu einem wertvollen
inhaltlichen Kompass für das Handeln von Ver
waltung, Politik, Akteurinnen und Akteuren
der Wirtschaft und der Stadtgesellschaft.
Herausforderungen für die Kölner
Stadtentwicklung
Wie viele andere Städte muss sich Köln den
Herausforderungen globaler Entwicklungen
wie dem Stadtwachstum, dem Klimawandel,
der Mobilitätswende, dem demografschen
Wandel und den Folgen der Globalisierung
und Digitalisierung stellen. Auch Covid19, als
Pandemie in nicht vorhersehbarem Ausmaß,
zeigt die globalen Verfechtungen und Heraus
forderungen auf und fokussiert die Bedeutung
von Wohnen, Nachbarschaft und Digitalisie
rung. Anspruch und Aufgabe der Stadtstrate
gie mit ihren beiden Perspektiven ist es, die
spezifschen Gegebenheiten und Aufgaben
Kölns zu identifzieren und dabei die Stärken
der Stadt bei ihrer zukünftigen Entwicklung
gezielt einzusetzen. Dabei spielt Resilienz, also
die Widerstandsfähigkeit der Stadt gegenüber
Herausforderungen und Krisen unterschied
lichster Art, eine besondere Rolle.
10
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Kurzfassung
Den zentralen Herausforderungen für Köln
– wie beispielsweise dem angespannten
Wohnungsmarkt, den Kapazitätsengpässen
im Verkehr, dem bevorstehenden industriel
len und technologischen Wandel sowie den
umfangreichen sozialen Aufgaben – stehen
die Qualitäten der Stadt gegenüber, die es
auch zukünftig zu nutzen gilt. Insbesondere
die lebendigen Veedel, die vielfältige Stadtge
sellschaft, die Wirtschaftskraft der Stadt, die
Bedeutung von Bildung, Kultur und Medien,
die bestehende Freiraumstruktur sowie die
Vernetzung Kölns mit der Region sind nur
einige dieser Qualitäten, auf denen die „Kölner
Perspektiven 2030+“ aufbauen.
Das Ergebnis eines breit abgestützten
Erarbeitungsprozesses
Die „Kölner Perspektiven 2030+“ stützen sich
auf eine Vielzahl von Grundlagen und Vorar
beiten. Sie bauen auf den Ratsbeschlüssen
zur „Strategischen Stadtentwicklung“, zum
„Leitbild 2020“, zur „nachhaltigen Stadtent
wicklung“ sowie zur „wachsenden Stadt“ auf
und entwickeln diese weiter. Die Herausforde
rungen und Ambitionen für eine nachhaltige
und zukunftsgerichtete Stadtentwicklung
werden durch die Verknüpfung der „Sustai
nable Development Goals“ (SDG) der Verein
ten Nationen (UN), der „Leipzig Charta zur
nachhaltigen europäischen Stadt“ sowie den
Trends der zukünftigen Stadtentwicklung des
BBSRProjekts „Nachdenken über die Stadt von
übermorgen“ vorgegeben und auf die Kölner
Situation heruntergebrochen.
Die Stadtstrategie ist aber vor allem das Pro
dukt eines intensiven Arbeitsprozesses der
Stadtverwaltung unter der Leitung des Amtes
für Stadtentwicklung und Statistik und der
Beteiligung der Zivilgesellschaft und externer
Fachleute.
Vier amtsübergreifende thematische Teams
identifzierten Kernthemen zu den Handlungs
feldern „Urbanes Köln“, „Produktives Köln“,
„Offenes Köln“ und „Vernetztes Köln“ und
arbeiteten aktiv an der Entwicklung der Stadt
strategie „Kölner Perspektiven 2030+“ mit.
Sie stellten den integrierten und themenüber
greifenden Blickwinkel auf die Stadt sicher.
Darüber hinaus begleitete der Verwaltungs
vorstand der Stadt Köln intensiv den gesamten
Entwicklungsprozess und bleibt dauerhaft in
die Entscheidungsprozesse eingebunden.
Im Rahmen der „Stadtgespräche“ auf Bezirks
ebene sowie zweier gesamtstädtischer
Zukunftsforen im Jahr 2019 und eines digi
talen Zukunftsforums im Jahr 2020 konnte
sich die Stadtgesellschaft auf Einladung von
Oberbürgermeisterin Henriette Reker an der
11
12
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Kurzfassung
Entwicklung der „Kölner Perspektiven 2030+“
beteiligen.
Die Inhalte der Stadtstrategie
Die Kernaussagen der Stadtstrategie gliedern
sich in ein gesamtstädtisch wirksames Ziel
gerüst („360GradPerspektive“) sowie ein
räumliches Leitbild mit strategischen Ansätzen
und Zielkarten zur räumlichen Entwicklung
Kölns („Stadträumliche Perspektive“), deren
Zusammenspiel die Besonderheit der „Kölner
Perspektiven 2030+“ ausmacht. In zehn Vor
schlägen für Handlungsempfehlungen wer
den die beiden Perspektiven verbunden und
strategische Aufgaben für die nächsten Jahre
formuliert.
Die „360GradPerspektive“ – ein Zielgerüst
für die Kölner Stadtentwicklung
Mit dem Zielgerüst setzt die Stadt den strate
gischen Rahmen, der das zukünftige Handeln
leiten soll. Kern dieses Zielgerüsts sind die fünf
Leitsätze der „Kölner Perspektiven 2030+“.
Die 27 den Leitsätzen zugeordneten Ziele zei
gen auf, welche konkreten Vorgaben sich die
Stadt Köln für ihre Entwicklung setzt:
– Leitsatz 1: Köln sorgt für kompakte und
lebenswerte Quartiere.
Köln verpfichtet sich, seine Stadtentwick
lung aktiv und im Einklang mit leistungs
fähigen Mobilitätsangeboten und starken
Zentren zu steuern, schonend mit seiner
Ressource Fläche umzugehen und seine
Veedel als Zentren des gemeinschaftlichen
Lebens zu sichern und weiterzuentwickeln.
Attraktive und sichere öffentliche Räume
sowie der bedarfsgerechte Ausbau der
öffentlichen Infrastrukturen und Dienstleis
tungen spielen dabei eine besondere Rolle.
– Leitsatz 2: Köln schafft Raum für eine
dynamische und nachhaltige Wirtschaft
und für vielfältige Arbeitswelten.
Die Stärke des Standortes Köln mit seinem
spezifschen Kölner Wirtschaftsmix wird
gesichert und durch den Ausbau seiner
Position als führender Wissenschaftsstand
ort, die Förderung von Räumen und Struk
turen für die Kultur und Kreativwirtschaft
sowie durch eine dauerhafte Festigung der
Erwerbsstruktur unterstützt. Die bestehen
den gewerblichen und industriellen Stand
orte werden mit klaren Proflen weiterent
wickelt und in ihrer Flächennutzung und
Erreichbarkeit optimiert, um Standortquali
täten zukunftsorientiert auszubauen.
– Leitsatz 3: Köln sorgt für Bildung,
Chancengerechtigkeit und Teilhabe.
Als Schlüssel für die gesellschaftliche Teil
habe wird die Vielfalt in den Stadtteilen
gefördert, der bezahlbare Wohnraum
geschützt und ausgebaut. Ebenso wird der
Zugang zu Bildung und beruficher Qualif
kation verbessert. Das Ziel einer inklusiven
Gesellschaft wird auch durch die Weiterent
wicklung der Kinder, Jugend und Famili
enfreundlichkeit der Stadt sowie durch die
Förderung des bürgerschaftlichen Engage
ments und der Beteiligung unterstützt.
– Leitsatz 4: Köln stärkt seine Rolle als viel
fältig vernetzte Metropole.
Köln setzt auf den öffentlichen Nahverkehr,
mehr Raum für den Rad und Fußverkehr
sowie die innovative und umweltfreundli
che Weiterentwicklung seiner Mobilitätsan
gebote. Die Vernetzung Kölns wird auch
durch die Stärkung seines Freiraumnetzes,
den Ausbau digitaler Infrastrukturen und
angebote und insbesondere durch eine
intensive Zusammenarbeit mit der Region
vorangetrieben.
– Leitsatz 5: Köln wächst klimagerecht und
umweltfreundlich und sorgt für gesunde
Lebensverhältnisse.
Für ein gesundes Stadtleben fördert die
Stadt Bewegung und Sport und sorgt für
den Zugang zur gesundheitlichen Versor
gung, Prävention und Gesundheitsförde
rung in allen Lebenslagen. Im Zentrum einer
gesunden und nachhaltigen Stadtentwick
lung steht auch der konsequente Umgang
mit dem Klimawandel, zum Beispiel durch
eine aktive CO
2Reduktion, und aktives
Handeln bei der Klimawandelanpassung.
Dazu werden auch regionale Wertschöp
fungsketten und nachhaltige Stoffkreisläufe
gestärkt.
Handlungsempfehlungen
Vorschläge zu zehn Handlungsempfehlungen
beschreiben die wichtigsten Aufgabenfelder
für die zukünftige Stadtentwicklung und zei
gen auf, wie Köln die formulierten Ziele errei
chen will. Sie wurden aus dem Zielgerüst und
der „Stadträumlichen Perspektive“ gleicher
maßen entwickelt und beziehen sich explizit
auf übergreifende Aufgaben, denen sich Köln
neu oder verstärkt widmen muss. Ihr integrier
ter Ansatz soll zudem helfen, die Zusammen
arbeit zwischen den verschiedenen Ämtern
der Stadtverwaltung sowie zwischen der Stadt
und externen Akteurinnen und Akteuren zu
intensivieren.
Diese Handlungsempfehlungen sollen im An
schluss an die Stadtstrategie weiterentwickelt,
mit Verantwortlichkeiten versehen und durch
erste konkrete Schlüsselprojekte operationali
siert werden.
13
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Kurzfassung
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Kurzfassung
Die „Stadträumliche Perspektive“ –
ein räumliches Instrumentarium für die
Weiterentwicklung der Stadt
Die „Stadträumliche Perspektive“ zeigt auf,
wie die Kölner Stadtstruktur in ihrer räum
lichen Dimension weiterentwickelt werden
muss, um die in der 360GradPerspektive
beschriebenen Ziele zu erreichen. Gleichzeitig
gibt sie Antworten auf die Frage, wie sich die
Stadt Köln zukünftig entwickeln kann und soll,
um die knappe Ressource Fläche bestmög
lich zu nutzen, bestehende und zukünftige
Nutzungsansprüche an den Raum nachhaltig
zu befriedigen und seinen räumlichen Zusam
menhalt zu stärken.
Mit 13 Ansätzen der räumlichen Entwicklung,
fünf differenzierten Zielkarten und einem zu
sammenfassenden räumlichen Leitbild bieten
die „Kölner Perspektiven 2030+“ ein umfassen
des Instrumentarium für die zukünftige Wei
terentwicklung Kölns. Sieben identifzierte Zu
kunftsräume fokussieren städtische Teilräume,
die eine besondere Betrachtung benötigen.
Ansätze der räumlichen Entwicklung Kölns
Die 13 Ansätze der räumlichen Entwicklung
sind das Ergebnis einer intensiven Analyse der
räumlichen Struktur Kölns. Sie skizzieren 13
übergeordnete und integrierte Entwicklungs
leitlinien für Köln, welche die wesentlichen
räumlichen Strategien zur Bewältigung der
Herausforderungen und zur Umsetzung der
gesamtstädtischen Ziele aufzeigen:
1 Realisierung von angemessenen Dichten,
Nutzungs und Typologiemischungen
Vorgaben für angemessene bauliche Dich
ten, Nutzungs und Typologiemischungen
sind eine wichtige Voraussetzung, um dem
Bevölkerungswachstum fächensparend
zu begegnen und gleichzeitig lebendige
und nachhaltige Quartiere entwickeln zu
können.
2 Stärkung der sozialen, kulturellen und
Bildungsinfrastrukturen in bestehenden
und zukünftigen Quartieren
Die dezentral verorteten Kölner Versor
gungszentren sind Anker für soziale, kultu
relle und Bildungsangebote in den Stadt
teilen und müssen bedarfsgerecht gestärkt
und qualifziert werden. Insbesondere in
der äußeren Stadt kann die Tragfähigkeit
von Infrastruktureinrichtungen durch
Nachverdichtungen erreicht werden.
3 Umgestaltung der Stadtachsen und
Anbindung aller Stadtteile
Die großen Straßen Kölns sind nicht nur als
Verkehrsräume von Bedeutung. Ihre Funk
tion als Versorgungszentren und wichti
14
ger Lebensraum muss zukünftig gestärkt
werden. Dies soll vor allem über erweiterte
Nutzungen und die Aufwertung des öf
fentlichen Raums erfolgen. In der äußeren
Stadt ist diese Strategie als Impuls für die
verkehrliche und stadtstrukturelle Anbin
dung und Aufwertung einzelner Stadtteile
zu nutzen.
4 Stärkung des schienengebundenen Nah
verkehrsnetzes als Voraussetzung für die
Stadtentwicklung
Der Ausbau des Netzes des schienenge
bundenen Nahverkehrs, insbesondere
durch den Ringschluss der SBahn, entlas
tet nicht nur den Verkehrsknoten Köln. Er
erschließt auch wichtige Entwicklungsge
biete der Stadt und kann dort neue Poten
ziale für eine vernetzte Siedlungsentwick
lung und Verdichtung mobilisieren.
5 Ausbau des Umweltverbunds und
Reduzierung des MIV
Um das tägliche Verkehrsaufkommen zu
reduzieren, die Verkehrswende zu gestal
ten und die Lebensqualität signifkant zu
verbessern, muss der Umweltverbund
(zu Fuß, mit dem Rad, per Bahn oder Bus)
konsequent ausgebaut werden. Gleich
zeitig sind Maßnahmen zu ergreifen, um
das MIVAufkommen und den ruhenden
Verkehr in der inneren Stadt mittel und
langfristig zu reduzieren.
6 Stärkung des Rheinraums
Die Funktion des Rheins als verbindendes
Element in der Stadt ist durch die Aufwer
tung bestehender sowie den Bau neuer
Rad und Fußgängerbrücken, insbesonde
re an den Grünringen, aufzuwerten. Darü
ber hinaus muss das Potenzial des Rheins
als lokale Pendlerroute an Land, wie auf
dem Wasser, besser genutzt werden.
7 Langfristige Aktivierung neuer Stadt
räume
Die mittel und langfristige Reduzierung
des MIV, besonders in der inneren Stadt,
bietet die Perspektive, die tief in die Stadt
hineinragenden Autobahnzubringer be
ziehungsweise Schnellstraßen in urbane
und architektonisch gefasste Stadtstraßen
umzuwandeln. Dies eröffnet neue Weiter
entwicklungsmöglichkeiten für die angren
zenden Stadträume und zusätzliche Poten
ziale für die Siedlungsentwicklung.
8 Ausformulierung des rechtsrheinischen
Entwicklungskorridors
Eine Neuordnung des rechtsrheinischen
Raums in NordSüdRichtung ermöglicht
neue Entwicklungen der bestehenden,
15
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Kurzfassung
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Kurzfassung
kleinteiligen Strukturen. Durch die Ausfor
mulierung eines regionalen Entwicklungs
korridors zwischen Düsseldorf, Leverku
sen, Flughafen KölnBonn, Troisdorf und
SiegburgBonn können Siedlungs und
Freiräume besser verknüpft, Logistik und
Gewerbegebiete profliert, die anliegenden
Zentren gestärkt und kann das innerstädti
sche Verkehrsnetz entlastet werden.
9 Qualifzierung und Nachverdichtung der
Industriestandorte
Die großen und gut angebundenen Stand
orte für die industrielle Produktion spielen
für Kölns weitere wirtschaftliche Entwick
lung eine strategische Rolle. Ihre langfristi
ge Sicherung, aber auch ihre bauliche und
funktionale Nachverdichtung sind zentrale
Aufgaben einer nachhaltigen Kölner Wirt
schaftsentwicklung.
10 Stärkung der produktiven Stadt
Die vielfältigen und stark im Stadtbild ver
wurzelten Gewerbegebiete zwischen Inne
rem und Äußerem Grüngürtel müssen für
die Produktion gesichert werden. Neben
einer individuellen Proflierung der Gebiete
geht es unter anderem auch darum, neue
Formen der Nutzungsmischung und Ver
dichtung zu erreichen, um sie als Standor
te der urbanen Produktion zu stärken.
1 1 Komplettierung der grünen Strukturen
Die Lücken in den markanten und wertvol
len grünen Strukturen Kölns müssen ins
besondere auf der rechtsrheinischen Seite
geschlossen und die Verknüpfung des
Kölner Grünsystems mit den regionalen
Grünkorridoren muss verbessert werden.
Dieser Ansatz dient auch der Aufwertung
der angrenzenden Siedlungsgebiete.
12 Zusammendenken von Freiraum und
Siedlungsrändern
Bestehende und zukünftige Siedlungsrän
der müssen zu den Grüngürteln hin stadt
räumlich und funktional defniert werden,
um die wechselseitigen Chancen zu ergrei
fen, die sich durch eine integrierte Planung
für Grün und Siedlungsstrukturen bieten.
Dafür ist eine Differenzierung zwischen
Schutzgebieten und Freizeitnutzungen
notwendig.
13 Verbesserung des Mikroklimas
Um das städtische Mikroklima jetzt und
zukünftig zu verbessern, muss die Stadt
Köln die bestehenden Siedlungen durch
neue Freiräume, Verdunstungs und Ver
schattungsmöglichkeiten aufwerten.
Gleichzeitig sind bauliche Aspekte, Frei
und Grünräume sowie nachhaltige Mobi
litätskonzepte bei neuen Entwicklungen
zusammenzudenken.
16
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Kurzfassung
Fünf Zielkarten und ein räumliches Leitbild
Die Ansätze der räumlichen Entwicklung
übertragen die Inhalte der Ziele und Hand
lungsempfehlungen der 360GradPerspektive
in thematische Zielkarten, die konkrete Vor
schläge für die stadträumliche Entwicklung
beinhalten.
Die fünf Zielkarten sind:
– Wohnen: Realisierung von gemischten,
lebendigen und gut angebundenen Quar
tieren
– Wirtschaft: Proflierung und Entwicklung
zukunftsfähiger Standorte
– Soziales, Kultur und Bildung: Stärkung der
Infrastruktur für Chancengerechtigkeit und
Teilhabe
– Mobilität: Ausbau des ÖPNV, des Radver
kehrs und der Verknüpfungspunkte aller
Verkehrsträger
– Grün und Klima: Sicherung und Qualifzie
rung der Grünsysteme und Vorsorge für
den Klimawandel
Die Zielkarten zeigen einerseits auf, durch
welche Maßnahmen die Zielsetzungen aus
dem Zielgerüst, die Vorschläge der Hand
lungsempfehlungen sowie die formulierten
Ansätze auf der räumlichen Ebene umgesetzt
werden können. Andererseits dienen sie als
Diskussionsgrundlage und Prüfnstrument, da
sie zu einem bestimmten Raum jeweils mehre
re Handlungserfordernisse, aber auch poten
zielle Nutzungskonkurrenzen aufzeigen, die es
bei zukünftigen Planungen zu berücksichtigen
und zu klären gilt.
Das räumliche Leitbild bündelt die wesent
lichen planerischen Empfehlungen für die
Weiterentwicklung der Siedlungs, Industrie
und Gewerbefächen, die Freiraumstruktur
und die übergeordnete Verkehrsinfrastruktur
und positioniert Köln in seinem regionalen
Zusammenhang. Mit den sieben Zukunftsräu
men Innenstadt, SBahnRing, OstWestAch
se, rechtsrheinischer Entwicklungskorridor,
Rheinraum, Kölner Norden, Porzer Süden zeigt
das Leitbild zudem, welchen Teilräumen sich
die Stadt Köln vor dem Hintergrund der ge
samtstädtischen Zielsetzung prioritär widmen
wird.
17
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Eine Stadtstrategie
18
Die „Kölner
Perspektiven 2030+“
Eine Stadtstrategie
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Eine Stadtstrategie
Die Stadtstrategie „Kölner Perspektiven
2030+“ ist ein Kompass für eine zukunfts
gerichtete, strategische und nachhaltige
Stadtentwicklung und versetzt Köln in die
Lage, den vielfältigen Herausforderungen der
Stadt zu begegnen und sie aktiv zu gestalten.
Die integrierte und strategisch ausgerichtete
Stadtstrategie besteht aus einer 360Grad
Perspektive mit konsistentem Zielsystem
und einer Stadträumlichen Perspektive. Sie
bildet ein gemeinsames Verständnis für die
anstehenden Veränderungen und notwen
digen Planungen ab und weist Prioritäten für
die künftige Umsetzung aus. Eine Frage steht
dabei im Mittelpunkt: „Wie wollen wir in Köln
2030 leben?“
19
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Eine Stadtstrategie
20
Darum braucht
Köln eine
Stadtstrategie
Wie alle großen Städte steht Köln in den
kommenden Jahren vor vielfältigen Verände
rungen und Herausforderungen, die es ge
meinsam zu gestalten gilt. Die Stadtstrategie
„Kölner Perspektiven 2030+“ bildet hierfür
die zentrale Grundlage – als Wegweiser der
Kölner Stadtentwicklung der nächsten Jahre.
Eine neue Stadtstrategie für Köln
Bevölkerungswachstum, demografscher
Wandel, Klimawandel, Klimaschutz, ökono
mischer Strukturwandel, Digitalisierung und
Globalisierung sind Veränderungen auf glo
baler und lokaler Ebene, mit denen sich die
Stadt Köln auseinandersetzen muss, um deren
Chancen zu nutzen, Wechselwirkungen zu
erkennen und Herausforderungen zu gestal
ten. Insbesondere das Stadtwachstum, das
neben zahlreichen positiven Aspekten – wie
einem größeren und vielfältigeren Arbeits
markt oder einer höheren kulturellen Dichte
– auch neue Anforderungen an Dichte, Zusam
menleben und Flächennutzungen stellt. Dies
ist eine zentrale Herausforderung, die in alle
Lebensbereiche hineinwirkt und entsprechend
verhandelt werden muss. Bis 2030 rechnet die
Stadt derzeit mit etwa 40.000, bis 2040 mit
insgesamt 70.000, neuen Einwohnerinnen und
Einwohnern.
Die Prognose des Landes NRW (IT.NRW) geht
sogar von einem zusätzlichen Plus von fast
1 10.000 Menschen aus. Welche Richtung diese
Entwicklung für die Stadt Köln nimmt, hängt
besonders davon ab, wie das Wachstum ge
steuert und gestaltet wird.
Aufgrund der Vielfältigkeit und weitreichen
den Komplexität dieser Fragestellungen
bedarf es in den kommenden Jahren einer
zielgerichteten, strategischen Ausrichtung
und integrierten Zusammenarbeit aller Akteu
rinnen und Akteure aus Politik, Verwaltung,
Wirtschaft und Bürgerschaft. Die neue Stadt
strategie „Kölner Perspektiven 2030+“ bietet
hierfür eine gute Orientierung.
Vorhandenes weiterdenken
Die „Kölner Perspektiven 2030+“ entstanden
nicht auf einem leeren Blatt Papier. Die neue
Stadtstrategie baut auf den Ratsbeschlüssen
zur „Strategischen Stadtentwicklung“, zum
„Leitbild 2020“, zur „nachhaltigen Stadtent
wicklung“ sowie zur „wachsenden Stadt“ auf
Eindrücke aus den Stadtgesprächen
Oberbürgermeisterin Henriette Reker und Brigitte Scholz,
Leiterin des Amtes für Stadtentwicklung und Statistik, halten
ihre Beiträge zu „Mein Köln und seine Besonderheiten“ hoch.
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Eine Stadtstrategie
22
und entwickelt diese im Hinblick auf konkrete
Handlungsempfehlungen weiter. Insbesonde
re das Zielgerüst für die „Kölner Perspektiven
2030+“ basiert auf bestehenden Vorarbeiten,
wie dem Leitbild 2020 und anderen Konzep
ten, deren Handlungsfelder und Ziele betrach
tet, ausgewertet und integriert wurden.
Sektorale Sichtweisen zusammenbringen
Die zentrale Aufgabe der Stadtstrategie ist
es, die einzelnen sektoralen Sichtweisen der
Entwicklung Kölns zusammenzubringen. Nur
eine integrierte Stadtentwicklung, die alle
beteiligten Fachbereiche berücksichtigt und
deren Wissen und Planungen bündelt, kann
den vielfältigen Herausforderungen der Zu
kunft zielorientiert und aktiv begegnen und
sie gestalten.
Mit der Stadtstrategie werden bislang weit
gehend in einzelnen Fachbereichen angelegte
Zielsetzungen, Konzepte und Leitlinien stär
ker aufeinander abgestimmt und durch ge
samtstädtische Strategien in eine integrierte
Sichtweise eingeordnet. Dazu haben sich ver
waltungsintern thematische Teams formiert
und in regelmäßigen Terminen amtsübergrei
fende Grundlagen erarbeitet, die im weiteren
Prozessverlauf mit der Öffentlichkeit diskutiert
wurden.
Für eine bessere Zukunft:
Nachhaltigkeit als Credo
Eine nachhaltige zukünftige Entwicklung ist
oberstes Credo der Stadt Köln. Nur so kann
und wird Köln der globalen Verantwortung der
Stadt gerecht und sichert ihre Zukunftsfähig
keit. Zielt das Handeln der Kölner Akteurinnen
und Akteure auf eine nachhaltige Entwicklung,
müssen die Ziele, Strategien, Projekte und
Maßnahmen entsprechend soziale Gerechtig
keit, ökonomische Vernunft und ökologische
Verantwortung miteinander verbinden.
Auf diesem Vorsatz bauen auch die „Kölner
Perspektiven 2030+“ auf. Ökologische, öko
nomische und soziale Nachhaltigkeit ist die
Richtschnur der Erarbeitung der Stadtstrategie
und wird in den Handlungsfeldern als Quer
schnittsthema immer mitgedacht. So fnden
sich sowohl die Grundzüge der „Sustainable
Development Goals“ (SDG) im Zielgerüst der
Kölner Perspektiven wieder als auch die Werte
der „Leipzig Charta“.
Eine nachhaltige Finanzperspektive
für Kölns Zukunft
Die strategische Ausrichtung der Stadt Köln
ermöglicht ein zielgerichtetes, abgestimmtes
Handeln. Grundlage des Handelns ist eine
nachhaltige Finanzperspektive. Die strategi
23
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Eine Stadtstrategie
Was ist eine Stadtstrategie?
In der Stadtentwicklung formulieren Stadt Akteurinnen und Akteure – Verwaltung,
strategien (auch Leitbilder oder Stadtent externe Fachleute, Politik sowie die Öf
wicklungskonzepte) Zielvorstellungen und fentlichkeit – zusammen, die themenüber
Handlungsprinzipien, die der Orientierung greifend Leitziele und Handlungsansätze
und Steuerung der künftigen Entwicklung und räumliche Entwicklungen diskutieren.
und der Vorbereitung von Entscheidungen Insbesondere städtische Fachplanungen
dienen. Stadtstrategien bündeln, verdich werden innerhalb der Entstehungsprozesse
ten und konkretisieren komplexe Ziele stärker auf die gemeinsamen Ziele ausge
zu einem Grundkonsens. Alle relevanten richtet und besser untereinander und mit
Bereiche der Stadt werden dabei in den anderen Akteurinnen und Akteuren in der
Blick genommen, Querbezüge und Wech Stadt vernetzt. Diese neuen Arbeitsstruktu
selwirkungen berücksichtigt und gemein ren führen zu neuen Synergien und erleich
sam getragene Lösungen entwickelt. Der tern somit die Umsetzung der vorgeschla
Erarbeitungsprozess bringt verschiedene genen Handlungsempfehlungen.
schen Ziele und Vorschläge für Handlungs
empfehlungen der Stadtstrategie müssen
in ihren fnanziellen Auswirkungen auf die
Kernverwaltung und den „Konzern Stadt Köln“
betrachtet, bewertet und entsprechend der
zur Verfügung stehenden Finanzmittel priori
siert werden. Darüber hinaus sind geeignete
Strategien zu entwickeln, um Drittmittel zu
aktivieren.
Im Sinne einer nachhaltigen Haushaltsführung
können die Ziele und Vorschläge für Hand
lungsempfehlungen nur umgesetzt werden,
wenn die fnanziellen Rahmenbedingungen
dies ermöglichen. Wesentliche Faktoren
hierbei sind unter anderem die Entwicklung
der Einwohnerinnen und Einwohner, die wirt
schaftliche Entwicklung und Einfussfaktoren
der Finanzmärkte. Die kommunalen Pfichtauf
gaben der Daseinsvorsorge sind dabei immer
zu gewährleisten.
Die Stadtstrategie ermöglicht es, in diesem
Spannungsfeld den Weg für ein abgestimmtes
und zielgerichtetes Handeln gemeinsam zu
defnieren. Im Mittelpunkt steht eine Schär
fung der vorhandenen Projekte auf die gesetz
ten Ziele und die Konzentration auf diejenigen
Projekte, die mehrere Zielsetzungen gleichzei
tig erfüllen.
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Eine Stadtstrategie
24
Aufbau und
Entwicklung der
Stadtstrategie
Der „Kölner Weg“
Mit den „Kölner Perspektiven 2030+“ stellt
sich die Stadt Köln ihrer Verantwortung,
Antworten auf die drängenden Fragen der
zukünftigen Stadtentwicklung zu geben und
ihre Qualitäten als wettbewerbsfähige, klima
robuste, vielfältige und lebenswerte Stadt zu
sichern und zu steigern. Um dieser umfangrei
chen Aufgabe ganzheitlich gerecht zu werden,
hat die Stadt sowohl im Aufbau als auch in der
Erarbeitung der Stadtstrategie eine maßge
schneiderte Herangehensweise gewählt – den
„Kölner Weg“. Dieser zeichnet sich vor allem
durch die Verschneidung zweier Perspektiven
sowie die integrierte Zusammenarbeit von 47
Fachämtern und Dienststellen aus.
Die Stadt aus zwei Perspektiven betrachtet
Die Stadtstrategie betrachtet und bearbeitet
die Stadtentwicklung Kölns aus zwei Perspekti
ven, deren Kombination einen „Rundumblick“
als ganzheitliche Grundlage für die Kölner
Stadtentwicklung der nächsten Jahre bietet:
Die „360GradPerspektive“ beschäftigt sich
mit allen Handlungsfeldern der Stadtentwick
lung, die für Köln relevant sind. Auf der Basis
bestehender Konzepte sowie einer Übersicht
über heutige und zukünftige Herausforderun
gen der Stadtentwicklung formuliert sie ein
Zielgerüst, an dem sich die Entwicklung Kölns
in den nächsten Jahren orientieren soll.
Die „Stadträumliche Perspektive“ basiert auf
einer parallel zum Zielgerüst erstellten räum
lichen Analyse der Stadt. Sie lieferte wichtige
Hinweise für die Themen/Inhalte des Zielge
rüsts, zeigt aber vor allem auf, wie die Kölner
Stadtstruktur in ihrer räumlichen Dimension
weiterentwickelt werden muss, um die in der
360GradPerspektive beschriebenen Ziele zu
erreichen.
25
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Eine Stadtstrategie
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Eine Stadtstrategie
26
Im Schnittpunkt beider Perspektiven stehen
Vorschläge für zehn Handlungsempfehlungen,
welche die wichtigsten Aufgabenfelder für die
zukünftige Stadtentwicklung beschreiben und
aufzeigen, wie Köln die formulierten Ziele
erreichen will.
Verwaltungsübergreifende Handlungs
felder und thematische Teams
Eine Besonderheit des „Kölner Wegs“ ist die
Defnition von vier übergreifenden Handlungs
feldern (siehe Infokasten) und die Bildung
amtsübergreifender thematischer Teams, die
einen „Statusbericht“ als wichtige Grundlage
für die Erarbeitung der Stadtstrategie lieferten.
Die Diskussionen und der fachliche Austausch
der thematischen Teams während des ge
samten Erarbeitungsprozesses ermöglichte
eine stetige Refexion des Arbeitsstands der
Stadtstrategie und zeigte deutlich auf, wo
Synergien, aber auch Konfikte zwischen unter
schiedlichen Aufgaben und Zielen der Stadt
entwicklung zu erwarten sind.
Der vorliegende Stand der „Kölner Perspekti
ven 2030+“ markiert den Endpunkt der Erar
beitungsphase und ist gleichzeitig der Start
punkt für die schrittweise Konkretisierung und
Umsetzung.
Die 360GradPerspektive
Das Zielgerüst – die Richtschnur für
Kölns Zukunft
Zentrales Element der 360GradPerspektive
ist das sogenannte Zielgerüst. Es besteht
aus fünf Leitsätzen, welche die zukünftigen
Schwerpunkte städtischen Handelns defnie
ren, und bildet damit den Rahmen, in dem die
unterschiedlichsten Aktivitäten, Planungen
und Maßnahmen der Stadtverwaltung und
weiterer Akteursgruppen zukünftig stattfn
den sollen.
Da die „Kölner Perspektiven 2030+“ alle wich
tigen städtischen Funktionen, wie zum Beispiel
Wohnen, Wirtschaft, Versorgung, Bildung,
Kultur, Integration und Teilhabe, Klima, Um
welt und Mobilität, berücksichtigen, sind die
Leitsätze fachbereichsübergreifend formuliert.
Jeder der fünf Leitsätze enthält jeweils fünf bis
sechs konkrete Ziele, die das Themenspekt
rum des jeweiligen Leitsatzes aufzeigen und
konkretisieren. Jedem der insgesamt 27 Ziele
sind zahlreiche Einzelaspekte, gekennzeichnet
als # (Hashtags), zugeordnet, die die Ziele
näher erläutern und erste Ansätze zur Zieler
reichung benennen.
27
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Eine Stadtstrategie
KÖLNER PERSPEKTIVEN 2030+
HANDLUNGSFELDER
URBAN CATALYST | JULI 201 7
Vier thematische Teams für Köln
Für die Stadtstrategie „Kölner Perspektiven
2030+“ wurden 2017 die vier Handlungsfel
der „Urbanes Köln“, „Produktives Köln“,
„Offenes Köln“ und „Vernetztes Köln“ de
fniert, welche die relevanten Themen der
Kölner Stadtentwicklung in sich vereinen.
Sie bilden die Grundlage und den Aus
gangspunkt der thematischen Diskussion
für die 360GradPerspektive.
Für jedes der genannten Handlungsfelder
wurde ein amts und dezernatsübergreifen
des interdisziplinäres thematisches Team
gebildet. Beteiligt waren 47 Fachämter und
dienststellen unter der Federführung der
Stabsstelle Strategische Stadtentwicklung.
Räumliche Zusammenhänge standen im Fo
kus des Handlungsfeldes „Urbanes Köln“.
Hier ging es um die Themen Wohnen, Sied
lungsentwicklung, Städtebau, Baukultur,
öffentlicher Raum und Sicherheit.
Das Handlungsfeld „Produktives Köln“
stellte die Frage, was neue Arbeits und
Schaffenswelten ausmacht, und thema
tisierte etwa das Zusammenwirken von
Gewerbe und Industrieentwicklung, Kul
tur und Kreativwirtschaft, Logistik sowie
Wissenschaft und Hochschulbildung. Das
Handlungsfeld „Offenes Köln“ sprach die
sozialen Erfordernisse von Teilhabe und
Zugangsmöglichkeiten an, etwa bei der
Wohnraumversorgung, dem Zugang zu
Bildung und Kultur sowie bei Integration,
Arbeit und Gesundheit.
Um die Gestaltung einer zukunftssiche
ren, umfassenden Infrastruktur ging es
im Handlungsfeld „Vernetztes Köln“. Das
Themenspektrum reichte von Klima und
Umwelt, Grünvernetzung, Mobilität, Sport,
Gesundheit bis hin zu Digitalisierung sowie
internationaler und regionaler Kooperation
und Zusammenarbeit.
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Eine Stadtstrategie
28
Konzepte bündeln und Themen
identifzieren
Grundlage für die Formulierung des Zielge
rüsts waren die Erkenntnisse aus vorgelager
ten Diskussionen zu Kölner Zukunftsthemen
mit den Bürgerinnen und Bürgern – die soge
nannten „Stadtgespräche“ zur Stadtstrategie.
Diese fanden von Oktober 2017 bis Dezember
2018 auf Einladung von Oberbürgermeisterin
Henriette Reker in jedem Kölner Bezirk statt.
Bei den neun Stadtgesprächen wurden die
gesamtstädtischen und bezirklichen Zukunfts
themen abgefragt und mit den Bürgerinnen
und Bürgern diskutiert. Die Ergebnisse sind
als wichtiger Beitrag in die Entwicklung des
Zielgerüsts eingefossen.
Eine weitere Grundlage bildeten die vorhan
denen Konzepte, Programme und Planungen
der Stadtverwaltung, die von den vier thema
tischen Teams in Form eines „Statusberichts“
zusammengetragen wurden. Darüber hinaus
haben die Teams Kernthemen der Kölner Stadt
entwicklung identifziert und diskutiert und
deren Stärken und Schwächen sowie Chancen
und Risiken (SWOTAnalyse) herausgearbeitet.
Die Ergebnisse wurden anschließend über
prüft, in Fragestellungen übersetzt und um die
Aspekte übergeordneter Regelwerke wie den
„Sustainable Development Goals“ (SDG) der
Vereinten Nationen oder der „Leipzig Charta
zur nachhaltigen europäischen Stadt“ sowie
mit Erkenntnissen aus dem Forschungsprojekt
„Nachdenken über die Stadt von übermorgen“
ergänzt.
Das Zielgerüst formulieren und diskutieren
Die Fragestellungen wurden anschließend im
Zielgerüst weiterentwickelt und in mehreren
Workshops mit den thematischen Teams
diskutiert, ergänzt und geschärft. Gleichzeitig
startete ein Austausch über die Ergebnisse
mit der Stadtspitze, insbesondere mit dem
Verwaltungsvorstand (VV) der Stadt Köln in
einer Klausurtagung im Januar 2019. Mithilfe
der beim 1. Zukunftsforum (siehe Kasten)
gesammelten Rückmeldungen und Kommen
tare wurde das Zielgerüst anschließend weiter
geschärft und schlussendlich zur vorliegenden
Form fnalisiert.
29
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Eine Stadtstrategie
Das 1. Zukunftsforum
Überprüfung des Zielgerüsts mit der Öffentlichkeit
Beim 1. Zukunftsforum am 25. Mai 2019 auch der erste OnlineDialog. Drei Wochen
fand die erste Rückkopplung der fachlichen lang konnten Interessierte das Zielgerüst
Arbeit mit einer breiten Öffentlichkeit statt. kommentieren. So wurden weitere 150
Ziel war es, den Kölnerinnen und Kölnern Kommentare und Anregungen abgegeben.
die Hintergründe der Stadtstrategie zu Die insgesamt 520 Kommentare aus dem
erläutern und sie erstmals über das Zielge 1. Zukunftsforum und dem OnlineDialog
rüst zu informieren und mit ihnen über die wurden gesammelt, dokumentiert und
Leitsätze zu diskutieren. Insgesamt konn ausgewertet und fossen in die Fertigstel
ten rund 370 Kommentare festgehalten lung des Zielgerüsts ein.
werden. Mit dem 1. Zukunftsforum begann
Die Stadträumliche Perspektive
Eine Perspektive mit mehreren Aufgaben
Die „Stadträumliche Perspektive“ hat meh
rere Aufgaben. Sie zeigt zum einen auf, wie
die Kölner Stadtstruktur in ihrer räumlichen
Dimension weitergeschrieben werden muss,
um die Ziele der 360GradPerspektive zu
erreichen. Gleichzeitig gibt sie Antworten auf
die Frage, wie sich die Stadt Köln zukünftig
entwickeln kann und soll, um die knappe Res
source Fläche bestmöglich zu nutzen, beste
hende und zukünftige Nutzungsansprüche an
den Raum nachhaltig zu befriedigen und ihre
räumliche Kohärenz zu wahren und weiterzu
entwickeln.
Die Stadträumliche Perspektive wurde paral
lel zum Zielgerüst erarbeitet und besteht aus
den Grundlagenkarten, den Erkenntnissen der
räumlichen Analyse, den Ansätzen der räumli
chen Entwicklung, fünf detaillierten Zielkarten
und dem räumlichen Leitbild mit sieben Zu
kunftsräumen.
Grundlagen schaffen und planerische
Erkenntnisse zusammenfassen
Mit Beginn der Arbeiten an der 360Grad
Perspektive wurden fünf Grundlagenkarten
erarbeitet, die den räumlichen Status quo der
Kölner Stadtentwicklung aufzeigen. Dieser
Status quo besteht aus der heutigen Stadt
struktur sowie bereits beschlossenen Planun
gen und Projekten, die in den nächsten Jahren
realisiert werden. Die Grundlagenkarten
basieren im Wesentlichen auf den defnierten
Handlungsfeldern und stellen den Startpunkt
der Stadträumlichen Perspektive dar. Auf Basis
der Grundlagenkarten wurde eine umfassende
Analyse der räumlichen Struktur durchgeführt
und in elf Erkenntnissen der räumlichen Ana
lyse zusammengefasst. Diese identifzieren
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Eine Stadtstrategie
30
wesentliche räumliche Handlungsfelder und
Herausforderungen und stützen so das Zielge
rüst der 360GradPerspektive.
Ansätze der räumlichen Entwicklung
formulieren und in Zielkarten
konkretisieren
Die auf den Erkenntnissen der räumlichen
Analyse aufbauenden Ansätze der räumlichen
Entwicklung skizzieren 13 übergeordnete und
integrierte Entwicklungsleitlinien für Köln,
welche die wesentlichen räumlichen Strate
gien zur Bewältigung der Herausforderungen
und zur Umsetzung der gesamtstädtischen
Ziele aufzeigen. Diese Ansätze wurden in fünf
detaillierte Zielkarten überführt, die als the
matische Raumbilder zu den übergeordneten
Themen wie unter anderem Wohnen oder
Mobilität gelesen werden können. Die thema
tischen Zielkarten defnieren die räumlichen
Zielaussagen für die Weiterentwicklung der
Stadt bis 2030 und darüber hinaus. Sie veror
ten, wo immer möglich, die formulierten Aus
sagen der Leitsätze und Ziele und weisen auch
auf mögliche Konfikte bei der Umsetzung des
Zielgerüsts im Raum hin.
Die Entwicklungsziele zu einem räumlichen
Leitbild zusammenfassen
Die Ansätze der räumlichen Entwicklung
sowie die Zielkarten wurden in einem ab
schließenden Schritt zu einem räumlichen
Leitbild zusammengefasst. Dieses zeigt die
wesentlichen Elemente der zukünftigen Köl
ner Stadtentwicklung und defniert räumliche
Entwicklungsschwerpunkte – sogenannte
„Zukunftsräume“. Diese markieren Bereiche
der Stadt Köln, in denen bestimmte Aufgaben
prioritär behandelt werden müssen oder in de
nen besondere Potenziale zur Umsetzung des
Zielgerüsts und der vorgeschlagenen Hand
lungsempfehlungen vorhanden sind.
Ein iterativer Erarbeitungsprozess
Die Arbeit zur Stadträumlichen Perspektive
startete parallel zur Erarbeitung des Zielge
rüsts und wurde nach dem 1. Zukunftsforum
intensiver fortgesetzt. Neben der Weiterent
wicklung der räumlichen Analyse wurden erste
Entwürfe der Ansätze der räumlichen Ent
wicklung und der Zielkarten erarbeitet sowie
in mehreren verwaltungsinternen Workshops
mit den thematischen Teams diskutiert und
weiterentwickelt. Ebenso wurden die Karten
den Vorschlägen der Handlungsempfehlungen
gegenübergestellt und mit diesen in Einklang
gebracht.
Die ersten Entwürfe der Stadträumlichen
Perspektive wurden im 2. Zukunftsforum der
Öffentlichkeit präsentiert und zur Diskussion
gestellt. Die hier gewonnenen Erkenntnisse
(siehe Kasten auf Seite 32) wurden in den vor
liegenden Stand eingearbeitet.
Eindrücke aus den Zukunftsforen
Teilnehmende des 2. Zukunftsforums halten die
ausgestellten Zielkarten auf ihren Smartphones fest.
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Eine Stadtstrategie
32
Das 2. Zukunftsforum
Das räumliche Leitbild erklären und diskutieren
Ziel des 2. Zukunftsforums am 9. Novem
ber 2019 war es, den ersten Entwurf der
Stadträumlichen Perspektive vorzustellen
und mit der Öffentlichkeit zu diskutieren.
An verschiedenen Stationen konnten sich
die Besucherinnen und Besucher ausführ
lich über die einzelnen Bestandteile der
Stadträumlichen Perspektive informieren,
diese diskutieren und Rückfragen stellen.
Der Entwurf des räumlichen Leitbilds wurde
als große Bodenkarte präsentiert. Für die
Besucherinnen und Besucher gab es die
Möglichkeit, Kommentare zu den Ansätzen
der räumlichen Entwicklung zu formulieren
und diese auf dem Leitbild zu verorten.
Darüber hinaus fand vom 9. bis zum 23. No
vember 2019 ein zweiter OnlineDialog
statt. Insgesamt wurden online und offine
rund 340 Anmerkungen zur Stadträumli
chen Perspektive beigetragen. Als zentrale
Themen wurden das Potenzial im Rechts
rheinischen, die gemischte und grüne
Stadt, Alternativen zum motorisierten In
dividualverkehr (MIV) sowie mehr Teilhabe
durch starke soziokulturelle Einrichtungen
hervorgehoben. Diese Aspekte wurden auf
gegriffen und sind in die Überarbeitung der
Ansätze der räumlichen Entwicklung, des
Leitbilds und der Zielkarten eingefossen.
Das 3. Zukunftsforum [online] als Abschluss
Das 3. Zukunftsforum fand aufgrund der
CoronaPandemie in digitaler Form zwi
schen dem 19. Juni und 5. Juli 2020 statt.
Auf der Plattform konnten sich die Bürge
rinnen und Bürger insbesondere über die
Stadträumliche Perspektive informieren.
So wurden beispielsweise in Videos die
einzelnen Zielkarten und ihre Inhalte Stück
für Stück dargestellt und erklärt. Zusätz
lich konnten Fragen gestellt und ein Stim
mungsbild zu den strategischen Empfeh
lungen der Zielkarten abgegeben werden.
Die Ergebnisse sind online einsehbar.
Eindrücke aus den Zukunftsforen
Auf einer großen Bodenplane verorten und kommentieren die
Teilnehmenden des 2. Zukunftsforums die Ansätze der räumlichen
Entwicklung. Umgeben ist die Bodenplane des räumlichen
Leitbildes von Stellwänden, welche die Zielkarten und die Ansätze
der räumlichen Entwicklung darstellen und erläutern.
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Eine Stadtstrategie
34
Vorschläge für zehn
Handlungsempfehlungen
Konkret werden im Schnittpunkt der
zwei Perspektiven
Aus dem fnalen Zielgerüst der 360Grad
Perspektive und den Erkenntnissen der Stadt
räumlichen Perspektive wurden Vorschläge für
zehn Handlungsempfehlungen entwickelt. Sie
beschreiben die wichtigsten Aufgabenfelder
für die zukünftige Kölner Stadtentwicklung
und zeigen auf, wie die formulierten Ziele
erreicht werden sollen. Damit bilden sie das
Bindeglied zwischen beiden Perspektiven und
stellen den Übergang von der Stadtstrategie
zu ihrer Umsetzung dar.
Der vorliegende Stand der vorgeschlagenen
Handlungsempfehlungen ist das Ergebnis
eines intensiven Arbeits und Diskussionspro
zesses mit den thematischen Teams. Ziel war
es, die Anzahl der Handlungsempfehlungen
bewusst niedrig zu halten, um deren Bedeu
tung als strategische, übergreifende Aufgaben
der Stadtentwicklung zu stärken. Die vorlie
genden Vorschläge sind daher als Aufgaben
beschreibung und Diskussionsgrundlage zu
verstehen, die im kommenden Konsultations
und Weiterentwicklungsprozess mit einem
neu gebildeten Stadtentwicklungsteam weiter
diskutiert, operationalisiert und mit konkreten
Schlüsselprojekten versehen werden sollen.
35
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Eine Stadtstrategie
Die „Kölner Perspektiven 2030+“
– wie geht es weiter?
Für die Umsetzung der Stadtstrategie sind
folgende Schritte geplant:
Prüfung, Diskussion und Weiter
entwicklung der Umsetzungsebene
Die formulierten Vorschläge für Handlungs
empfehlungen und die vorgeschlagenen
Zukunftsräume sind zu schärfen. Zu diesem
Zweck wurde verwaltungsintern ein Steue
rungsgremium, das Stadtentwicklungsteam,
gebildet, welches die handlungsbezogenen
Elemente der Stadtstrategie Schritt für Schritt
in Richtung umsetzbarer Projekte entwickelt.
Dabei sollen neben der Benennung konkreter
Verantwortlichkeiten, die Synergien mit be
stehenden Programmen und Projekten identi
fziert und die Zusammenarbeit zwischen den
verschiedenen Ämtern gestärkt werden.
Darauf aufbauend ist die Zusammenarbeit mit
weiteren Partnerinnen und Partnern zu prüfen,
die für die Umsetzung der Stadtstrategie erfor
derlich sind. Hierzu gehört auch der Austausch
mit den Nachbarkommunen und der Region.
Das vorliegende Agglomerationskonzept und
der laufende Prozess der Regionalplanüberar
beitung bieten hier wichtige Ansatzpunkte.
Formulierung konkreter Schlüsselprojekte
Im Anschluss an die „Kölner Perspektiven
2030+“ sollten Schlüsselprojekte formuliert
und entwickelt werden. Dabei handelt es
sich um Projekte, die für die Umsetzung der
vorgeschlagenen Handlungsempfehlungen
besonders geeignet sind oder modellhaften
Charakter haben. Diese Schlüsselprojekte sind
konkrete Projekte, die mit den Erkenntnissen
und Vorgaben der Stadträumlichen Perspek
tive abgestimmt sind. Aufgabe des Stadtent
wicklungsteams wird es sein, diese Projekte zu
identifzieren und sie als realisierbare Baustei
ne in die Stadtstrategie zu integrieren.
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Eine Stadtstrategie
36
37
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Eine Stadtstrategie
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Eine Stadtstrategie
38
Ein Glossar für die
Stadtstrategie
Die „Kölner Perspektiven 2030+“
2030+ Stadträumliche Perspektive
Die Ausrichtung auf das Jahr 2030 bezieht Die Stadträumliche Perspektive beschäftigt
sich auf die Planungsebene. Schlüsselprojek sich mit allen räumlichen Fragen der Kölner
te und Maßnahmen, insbesondere im Bau Stadtentwicklung. Sie hat zum Ziel, stadt
und Verkehrsbereich, sind bis zu diesem räumlich wirksame Maßnahmen und Pro
Zeitpunkt geplant und können umgesetzt jekte zu defnieren.
werden. Dennoch blickt die Stadtstrategie
in vielen Bereichen auch schon auf die Jahr Zukunftsforen
zehnte danach. Die Zukunftsforen dienen dem Austausch
mit der (Fach)Öffentlichkeit. Hier wird der
360GradPerspektive Stand der Arbeiten zur Stadtstrategie öf
Die 360GradPerspektive beschreibt den fentlich diskutiert und die Erkenntnisse bei
Teil der Stadtstrategie, der sich mit allen der weiteren Bearbeitung berücksichtigt.
relevanten Themen der Kölner Stadtent Zwei Zukunftsforen fanden als Präsenz
wicklung befasst. veranstaltung 2019 statt. Das 3. Zukunfts
forum wurde im Sommer 2020 digital
durchgeführt.
39
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Eine Stadtstrategie
360GradPerspektive
Zielgerüst
Das Zielgerüst bezeichnet die Summe aller
Leitsätze, Ziele und Aspekte (#), die für
die zukünftige Entwicklung der Stadt Köln
formuliert wurden. „Gerüst“ deshalb, weil
es einen Rahmen bildet, in dem die unter
schiedlichsten Aktivitäten, Planungen und
Maßnahmen der Stadtverwaltung und an
derer Akteursgruppen zukünftig stattfnden
sollen. Das Zielgerüst wurde am 15. Oktober
2019 vom Verwaltungsvorstand der Stadt
Köln verabschiedet.
Leitsätze
Die Leitsätze bilden die oberste Ebene des
Zielgerüsts. In fünf Leitsätzen defniert die
Stadtstrategie, in welche Richtung sie ihre
Entwicklung in den nächsten Jahren lenken
will.
Ziele
Die Ziele konkretisieren die Leitsätze und
formulieren Vorgaben für einzelne Bereiche
der Stadtentwicklung. Sie zeigen auf, wel
che konkreten Vorgaben sich die Stadt Köln
für eine nachhaltige zukünftige Entwicklung
setzt. Die Ziele sind nicht zwingend konfikt
frei. Bei der Umsetzung dieser Ziele kann
es sein, dass die Stadt und die beteiligten
Akteurinnen und Akteure abwägen müssen,
welche der Ziele sie höher priorisieren.
Aspekte (#)
Die einzelnen Ziele werden durch unter
schiedliche Aspekte ergänzt, die als
„Hashtags“ formuliert sind. Diese Aspekte
unterfüttern und detaillieren einerseits
die Ziele mit wichtigen Inhalten der Stadt
entwicklung, andererseits formulieren sie
auch erste Ansätze zur Zielerreichung.
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Eine Stadtstrategie
40
Handlungsempfehlungen
Vorschläge für Handlungsempfehlungen
Die vorgeschlagenen Handlungsemp
fehlungen beschreiben zehn wichtige
Aufgabenfelder für die zukünftige Kölner
Stadtentwicklung und zeigen auf, wie die
formulierten Ziele erreicht werden können.
Sie beziehen sich explizit auf Aufgaben, die
in dieser Art und Weise noch nicht durch
bestehende Planungen, Strategien und Ak
tivitäten der Stadt abgedeckt sind oder die
substanziell gestärkt werden müssen.
Schlüsselprojekte
Die Handlungsempfehlungen sollen im
Anschluss an die Stadtstrategie weiterent
wickelt, mit Verantwortlichkeiten versehen
und durch erste konkrete Schlüsselprojekte
operationalisiert werden. Mit der Formulie
rung von Schlüsselprojekten defniert die
Stadt strategisch bedeutsame Projekte,
die für die Umsetzung der Handlungs
empfehlungen besonders wichtig sind
oder modellhaften Charakter haben. Diese
Schlüsselprojekte sind in der Regel räumlich
konkrete Projekte, die auch mit den Er
kenntnissen und Vorgaben der Stadträumli
chen Perspektive abgestimmt sind. Sie sind
nicht Teil der vorliegenden Stadtstrategie.
Stadträumliche Perspektive
Grundlagenkarten
In fünf Grundlagenkarten wird der Status
quo der Kölner Stadtentwicklung mit
Stand von Mai 2019 beschrieben. Die
Grundlagenkarten sind den fünf Leit
sätzen des Zielgerüsts zugeordnet und
beinhalten sowohl den heutigen Zustand
der Stadt sowie bereits bekannte und
beschlossene Entwicklungen. Sie bilden
die Grundlage für alle weiteren Schritte
der Stadträumlichen Perspektive.
Erkenntnisse der räumlichen Analyse
Im Rahmen der Erarbeitung der Stadt
räumlichen Perspektive wurde die ak
tuelle räumliche Situation inklusive der
bekannten und bestehenden Planungen
der Stadt analysiert. Die wesentlichen
Erkenntnisse dieser Analyse wurden in
Form von Prinzipskizzen und begleiten
den Erklärungen festgehalten. Sie bilden
die Grundlage für die Ansätze der räumli
chen Entwicklung sowie die Zielkarten.
41
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Eine Stadtstrategie
Ansätze der räumlichen Entwicklung
Die Ansätze der räumlichen Entwicklung
beschreiben die wesentlichen Entwicklungs
richtungen der Stadt zur Bewältigung ihrer
Herausforderungen und zur Umsetzung ihrer
Ziele. Wie die Erkenntnisse der räumlichen
Analyse bestehen sie aus Prinzipskizzen mit
begleitenden Erklärungen. Sie dienen als
Grundlage für die Zielkarten und das räumli
che Leitbild.
Zielkarten
Die Zielkarten machen räumlich strategi
sche Aussagen zu Entwicklungen der Stadt.
Sie sind als Zielbild zu verstehen, auf das die
Stadt Köln in den kommenden Jahren hin
arbeitet. Die fünf Zielkarten gliedern sich in
Wohnen, Wirtschaft, Soziales, Kultur und
Bildung, Mobilität sowie Grün und Klima.
Räumliches Leitbild
Das räumliche Leitbild fasst die angestrebte
stadträumliche Entwicklung Kölns in einer
Karte zusammen. Ähnlich der Leitsätze for
muliert das räumliche Leitbild, in welche Rich
tung die Stadt ihre räumliche Entwicklung
lenken will, und abstrahiert die Aussagen der
Zielkarten.
Zukunftsräume
Die Zukunftsräume beschreiben diejenigen
Räume, die entweder für die zukünftige
Entwicklung von besonderer Bedeutung sind
oder in denen eine gewünschte Entwicklung
modellhaft stattfnden soll. Auf diese Räume
wird die Stadt Köln zukünftig ein besonderes
Augenmerk legen und die räumliche Entwick
lung vorantreiben. Die Wahl der Zukunfts
räume basiert auf den Erkenntnissen beider
Perspektiven.
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Eine Stadtstrategie
42
Mobilität
MIV – Motorisierter Individualverkehr
Kraftfahrzeuge zur individuellen Nutzung
wie Pkw und Krafträder.
ÖPNV – Öffentlicher Personennahverkehr
Der Personennahverkehr als Teil des öffent
lichen Verkehrs im Rahmen der Grundver
sorgung auf Straße, Schiene, Wasser und
mittels Luftseilbahn. Der schienengebun
dene ÖPNV umfasst die Stadtbahn (KVB).
SPNV – Schienenpersonennahverkehr
Verkehrsleistungen der Eisenbahnverkehrs
unternehmen im Regionalverkehr (Regio
nalExpress (RE, im Text auch „schneller
Regionalverkehr“ genannt), Regionalbahn
(RB) und SBahn).
Schienengebundener Nahverkehr
Umfasst den schienengebundenen Verkehr
in der Stadt, heißt den SPNV (Schienen
personennahverkehr) sowie den schienen
gebundenen ÖPNV.
Umweltverbund
Der Umweltverbund bezeichnet die Gruppe
der umweltverträglichen Verkehrsmittel,
also den ÖPNV und SPNV, Rad und Fuß
verkehr sowie das stationsgebundene Car
sharing.
ÖPNVRoadmap
Der Bedarfsplan des Landes Nordrhein
Westfalen für den öffentlichen Personen
nahverkehr wird neu aufgestellt. Im Rahmen
dessen hat die Stadt Köln gemeinsam mit
den Kölner Verkehrsbetrieben eine Reihe
von wichtigen Maßnahmen für den Stadt
bahnausbau und neubau erarbeitet und
angemeldet.
43
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Eine Stadtstrategie
Räumliche Ebene
Agglomerationskonzept
Das „Agglomerationskonzept“ ist ein räum
liches Zielbild für eine balancierte Entwick
lung der Region Köln/Bonn im Zeithorizont
bis 2040. Handlungsleitend war die Frage,
wie ein guter Raumzustand der sich dyna
misch verändernden Agglomeration Region
Köln/Bonn im Jahr 2040 aussehen und ein
konkreter, umsetzungsorientierter Weg
dorthin gestaltet werden könnte. Da das
Agglomerationskonzept auch wichtige
Impulse für die Entwicklung der Stadt Köln
und ihres Umlands formuliert, wird in der
Stadträumlichen Perspektive mehrmals
darauf Bezug genommen.
Innenstadt
Die Innenstadt bezeichnet den linksrhei
nischen Kern der Stadt Köln innerhalb des
Inneren Grüngürtels und den rechtsrheini
schen Stadtteil Deutz.
Innere Stadt
Die „innere Stadt“ bezeichnet den Bereich
Kölns zwischen Innerem und Äußerem
Grüngürtel.
Äußere Stadt
Die „äußere Stadt“ bezeichnet den Bereich
Kölns außerhalb des Äußeren Grüngürtels.
Innerer Grüngürtel
Bezeichnet den Bereich des Grünsystems
um die Innenstadt.
Äußerer Grüngürtel
Bezeichnet den Bereich des Grünsystems
zwischen innerer und äußerer Stadt.
Die 360Grad
Perspektive
– Rahmenbedingungen, Entwicklungstrends, Aufgaben und
Herausforderungen für Kölns Zukunft
– Zielgerüst: Leitsätze und Ziele für die künftige Kölner Stadtentwicklung
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive
Bevölkerungswachstum, demografscher Wan
del, Klimawandel, Klimaschutz, ökonomischer
Strukturwandel, Digitalisierung, Globalisie
rung: Die Stadtstrategie „Kölner Perspektiven
2030+“ soll den Kompass für eine zukunftsge
richtete, strategische und nachhaltige Stadt
entwicklung bilden. Dabei gilt es, die Chancen
künftiger Herausforderungen zu nutzen und
ihre Wechselwirkungen zu erkennen, um sie
aktiv gestalten zu können.
Um diesen umfassenden Anforderungen
gerecht zu werden, wurde ein zweistufges
Verfahren mit mehreren Bearbeitungsschritten
entwickelt. Der erste Teil der „Kölner Pers
pektiven 2030+“ – die sogenannte 360Grad
Perspektive – beschäftigt sich dabei mit den
vielfältigen Stadtentwicklungsthemen, die für
Köln relevant sind, und baut darauf basierend
ein Zielgerüst auf, an dem sich die Entwick
lung Kölns in den nächsten Jahren orientieren
soll.
45
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive
46
Die 360GradPerspektive
Rahmenbedingungen,
Entwicklungstrends,
Aufgaben und
Herausforderungen
für Kölns Zukunft
47
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive
Der Blick in die Zukunft zeigt, dass Köln vor
vielfältigen Herausforderungen steht. Die
Stadt hat sich insbesondere der Nachhaltigkeit
verpfichtet und in dem Zuge die „Internatio
nalen Ziele für eine nachhaltige Entwicklung
der Vereinten Nationen“ (SDG) zum Rahmen
des eigenen Handelns erklärt. Vor diesem
Hintergrund sind die SDG auch für die „Kölner
Perspektiven 2030+“ ein zentraler Ausgangs
punkt.
Eine weitere wesentliche Leitlinie für die
zukünftige Stadtentwicklung ist die „Leipzig
Charta“ – sie defniert zentrale Werte für die
nachhaltige Entwicklung europäischer Städte.
Auch sie enthält wichtige Impulse, die von der
Stadtstrategie aufgegriffen werden.
Häufg beziehen sich Stadtstrategien vor allem
auf sich bereits deutlich abzeichnende Ent
wicklungen – Köln dagegen blickt nicht nur ins
„Morgen“, sondern wagt den Blick ins „Über
morgen“. Ziel ist es, die großen Trends der
Zukunft bereits heute bei der Entwicklung der
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“
zu berücksichtigen. Als Basis hierfür dient das
Forschungsprojekt des Bundesinstituts für
Bau, Stadt und Raumforschung mit dem Titel
„Nachdenken über die Stadt von übermorgen“.
Aus den übergeordneten Herausforderungen,
die sich aus den SDG, der Leipzig Charta und
den Trends von übermorgen defnieren lassen,
und dem Status quo Kölns kann anschließend
ein tragfähiges Gerüst an Zielen für die zukünf
tige Entwicklung der Stadt festgelegt werden.
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive
48
Die Sustainable
Development Goals
Die Sustainable Development Goals (SDG)
oder „17 Ziele für eine nachhaltige Entwick
lung“ wurden 2015 im Zuge der Agenda
2030 der Vereinten Nationen erarbeitet und
sind zum 1. Januar 2016 in Kraft getreten.
Sie umfassen 17 Ziele und 169 Unterziele für
eine nachhaltige Entwicklung in sozialer,
ökonomischer und ökologischer Hinsicht.
Die Stadt Köln hat sich mit Ratsbeschluss
vom 28. September 2017 der Resolution für
eine nachhaltige Entwicklung in Kommunen
angeschlossen. Die Grundzüge der SDG fn
den sich in dem Zielgerüst der Stadtstrategie
„Kölner Perspektiven 2030+“ wieder.
Die Umsetzung der SDG ist ein zentrales Ziel
der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie und
geht damit auch auf die Länder und Kom
munen über. Durch das Ziel 1 1 „Städte und
Siedlungen inklusiv, sicher, widerstandsfähig
und nachhaltig gestalten“ sind die Städte
und Kommunen gefragt, Verantwortung zu
übernehmen, und somit wichtiger Bestandteil
der nachhaltigen Entwicklung. Mit der Stadt
strategie „Kölner Perspektiven 2030+“ werden
die globalen Ziele auf lokaler Ebene in Köln
umgesetzt und damit in das Bewusstsein und
Handeln aller städtischen Akteurinnen und
Akteure verankert.
49
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive
Hierfür ist eine enge Zusammenarbeit zwi
schen lokaler Verwaltung, Privatwirtschaft und
Zivilgesellschaft notwendig sowie effektive
Partnerschaften und Instrumente für inklusive
Planungs und Beteiligungsprozesse.
Die globale „Agenda 2030“ enthält eine
starke Fokussierung auf die gemeinsame
Verantwortung aller Staaten, stellt aber auch
die besondere Verantwortung des „globalen
Nordens“ gegenüber dem „globalen Süden“
heraus. Durch zum Beispiel eine Reduzierung
der Umweltbelastungen oder eine Steigerung
der Luftqualität kann lokal zu globalen Effek
ten beigetragen werden. Außerdem fordert
die Agenda leistungsfähige, demokratische
und fnanziell handlungsfähige Strukturen auf
lokaler Ebene ein.
Köln nimmt am Programm „global nach
haltige Kommunen NRW“ teil, welches die
Erstellung von Nachhaltigkeitskonzepten für
Kommunen begleitet. Es wurde sich bewusst
entschieden, kein eigenständiges Nachhaltig
keitskonzept für Köln zu erarbeiten, sondern
die Nachhaltigkeitsziele der SDG als Richt
schnur für die Erarbeitung der Stadtstrategie
„Kölner Perspektiven 2030+“ zu verwenden.
Richtschnur deshalb, weil die umfangrei
chen Zielsetzungen der SDG mit den „Kölner
Perspektiven 2030+“ nicht erreicht werden
können. Die Stadtstrategie hat sich aber zum
Ziel gesetzt, den Weg für eine nachhaltigere
Entwicklung zu bereiten.
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“
50
Übersicht der SDG
Armut in jeder Form und überall beenden
Den Hunger beenden, Ernährungssicherheit und eine
bessere Ernährung erreichen und eine nachhaltige
Landwirtschaft fördern
Ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters
gewährleisten und ihr Wohlergehen fördern
Inklusive, gerechte und hochwertige Bildung gewährleisten
und Möglichkeiten des lebenslangen Lernens für alle
fördern
Geschlechtergerechtigkeit und Selbstbestimmung für alle
Frauen und Mädchen erreichen
Verfügbarkeit und nachhaltige Bewirtschaftung von Wasser
und Sanitärversorgung für alle gewährleisten
Zugang zu bezahlbarer, verlässlicher, nachhaltiger und
zeitgemäßer Energie für alle sichern
Dauerhaftes, inklusives und nachhaltiges
Wirtschaftswachstum, produktive Vollbeschäftigung und
menschenwürdige Arbeit für alle fördern
Eine belastbare Infrastruktur aufbauen, inklusive und
nachhaltige Industrialisierung fördern und Innovationen
unterstützen
51
Ungleichheit innerhalb von und zwischen Staaten
verringern
Städte und Siedlungen inklusiv, sicher, widerstandsfähig
und nachhaltig gestalten
Für nachhaltige Konsum und Produktionsmuster sorgen
Umgehend Maßnahmen zur Bekämpfung des
Klimawandels und seiner Auswirkungen ergreifen
Ozeane, Meere und Meeresressourcen im Sinne einer
nachhaltigen Entwicklung erhalten und nachhaltig nutzen
Landökosysteme schützen, wiederherstellen und ihre nachhaltige
Nutzung fördern, Wälder nachhaltig bewirtschaften, Wüstenbildung
bekämpfen, Bodenverschlechterung stoppen und umkehren und den
Biodiversitätsverlust stoppen
Friedliche und inklusive Gesellschaften im Sinne einer
nachhaltigen Entwicklung fördern, allen Menschen Zugang zur
Justiz ermöglichen und effektive, rechenschaftspflichtige und
inklusive Institutionen auf allen Ebenen aufbauen
Umsetzungsmittel stärken und die globale Partnerschaft
für nachhaltige Entwicklung wiederbeleben
Quelle: „Sustainable Development Goals“, Beschluss der Vollversammlung der Vereinten Nationen, 2015
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive
52
Die Ziele der
Leipzig Charta
2007 wurde die „Leipzig Charta zur nachhal
tigen europäischen Stadt“ unter breiter und
transparenter Beteiligung der europäischen
Interessensvertretungen erarbeitet, um eine
Grundlage für die zukünftige Stadtpolitik
in Europa zu schaffen. Die Werte der Leip
zig Charta fnden sich in dem Zielgerüst der
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“
wieder.
Dabei sollen zwei Hauptpunkte zukünftig be
sondere politische Beachtung fnden:
1. Die „integrierte Stadtentwicklung“ orien
tiert sich an den Zielen der Nachhaltigkeit
und wird bürgerorientiert und fachüber
greifend konzipiert.
2. Benachteiligte Stadtgebiete werden im
gesamtstädtischen Zusammenhang durch
eine soziale Integrations und Wohnraum
politik gefördert.
Alle 27 der damals in der Europäischen Union
für Stadtentwicklung zuständigen Ministerin
nen und Minister haben sich zur Umsetzung
dieser Hauptpunkte verpfichtet. Grundlage
dafür ist ein gemeinsames Stadtbild – das Mo
dell „Europäische Stadt“.
Dieses zeichnet sich durch eine kompakte und
nutzungsgemischte Stadtstruktur, kulturelle
und bauliche Qualitäten, lebendige öffentliche
Räume, qualitätsvolle Parks, eine stadtverträg
liche Mobilität sowie eine hohe soziale Mi
schung und Integration aus. Als Metropole im
Zentrum Europas mit im Mittelalter gewach
senem Stadtkern ist auch Köln eine typische
europäische Stadt. Im Zuge der Leipzig Charta
soll dieses Modell geschützt, gestärkt und
weiterentwickelt werden.
Dazu gehören im Sinne des Grundsatzes der
integrierten Stadtentwicklungsplanung die
Modernisierung der Infrastrukturnetze und
53
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive
Steigerung der Energieeffzienz, eine aktive
Innovations und Bildungspolitik sowie die
Herstellung und Sicherung qualitätsvoller
öffentlicher Räume.
Eine Förderung benachteiligter Stadtquartiere
impliziert die Verstetigung städtebaulicher
Aufwertungsstrategien, die Stärkung der loka
len Wirtschaft und des Arbeitsmarktes, eine
aktive Bildungs und Ausbildungspolitik sowie
die Förderung eines leistungsstarken und
preisgünstigen Stadtverkehrs.
Ziel der Charta von Leipzig ist es, den europäi
schen Städten zu ermöglichen, gut auf die sich
wandelnden sozialen, wirtschaftlichen und
ökologischen Rahmenbedingungen auf Ebene
der Stadtentwicklung reagieren zu können. Da
sich die Rahmenbedingungen und Herausfor
derungen der Städte in den letzten 13 Jahren
verändert haben, wird die Leipzig Charta der
zeit überarbeitet und um Aspekte wie Digita
lisierung, gerechtere Wohn und Bodenpolitik
oder Aufgaben wie die stärkere Verzahnung
von Quartier, Gesamtstadt und Umland er
gänzt. Auch neue Rahmenbedingungen wie
das Pariser Klimaschutzabkommen oder der
Pakt von Amsterdam spielen eine Rolle. Im
Rahmen eines Dialogprozesses auf deutscher
und europäischer Ebene soll sie bis Ende 2020
neu geschrieben sein.
Die Merkmale der europäischen Stadt
Hohe Mitbestimmung der Bürger und Bürgerinnen
– Verantwortungsgefühl & Engagement für die Gegenwart & Zukunft
der S
tadt aufbauen
– Interessen gleichzeitig und fair abwägen, damit zukünftige Stadt
planung ein Ergebnis öffentlicher Prozesse ist
– Verschiedene Akteure durch integrierte Stadtentwicklungspolitik
beteiligen, deren Vernetzung stärken und überregionale Partner
schaften fördern
– Öffentliche und private Projekte abstimmen und fördern
Kompakte und nutzungsgemischte Stadtstruktur
– Vermischung von Wohnen, Arbeiten und Freizeit stärken
– Soziale und wirtschaftliche Stärke, Sicherheit und Attraktivität
fördern
– Öffentlichen Nahverkehr und alternative Verkehrsmittel stärken
– Motorisierten Individualverkehr und Oberfächenversiegelung
verringern
Kulturelle und bauliche Qualität
– Bauliche Qualität von Bestand und Neubau verbessern
– Qualitative Baukultur als strukturpolitisches Instrument des
Standortwettbewerbs integrieren
– Gestalterische und bauliche Verbesserung des Gebäudebestands
in benachteiligten Quartieren vornehmen und damit auch soziale
und kulturelle Lebensqualität vor Ort aufwerten
54
Nachhaltige öffentliche Räume und Mobilität
– Energieeffzienz in baulicher Qualität von Bestand und Neubau als
Beitrag zum Klimaschutz anheben
– Lebensqualität vor Ort durch städtebauliche Verbesserung stärken
– Motorisierten Individualverkehr durch preisgünstigen und leistungs
starken, öffentlichen Nahverkehr sowie alternative Verkehrsmittel als
Beitrag zum Klimaschutz verringern
Hohe soziale Mischung und Integration
– Benachteiligte Stadtteile fördern
– Bildungs und Förderungsangebote schaffen
– Soziale Ausgeglichenheit und wirtschaftliches Wachstum durch
soziale und kulturelle Integration schaffen
– Integration als Hauptaufgabe internationaler Angleichung begreifen
– EU als Sozialraum und Wertegemeinschaft konkretisieren
55
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive
56
Die Trends von
übermorgen
Die Zukunft der Städte ist zentraler Bestand
teil vieler öffentlicher Debatten. Dennoch
berücksichtigen nur wenige Stadtstrategien
explizit die schon heute auszumachenden
Zukunftstrends. Welche Wirkung werden
diese Trends auf verschiedene Raumtypen
wie beispielsweise eine Metropole, eine
Landgemeinde, ein innerstädtisches Wohn
gebiet oder ein peripheres Industrieareal
entfalten? Köln denkt einen Schritt weiter.
Die Stadtstrategie „Kölner Perspektiven
2030+“ soll nicht nur heute bereits gut vor
hersehbare Entwicklungen in naher Zukunft,
sondern auch zukünftige Trends in die Über
legungen einbeziehen.
Einen Orientierungsrahmen hierfür bietet das
Forschungsprojekt „Nachdenken über die
Stadt von übermorgen“. In interdisziplinären
Teams wurden im Auftrag des Bundesinstituts
für Bau, Stadt und Raumforschung (BBSR)
unter Beteiligung von Expertinnen und Exper
ten des Bundes von einer Forschungsgemein
schaft (urbanista, Futur A, burgdorffstadt,
Universität Kassel) Trends mit Relevanz für
die Stadtpolitik von übermorgen identifziert.
150 Einzeltrends, die eine gewisse Robustheit
aufweisen, somit auch in Zukunft von Relevanz
sein werden und Einfuss auf die Entwicklung
der Städte nehmen, wurden identifziert und
anhand ihrer Wirkkontexte zu „Trendmolekü
len“ zusammengefasst.
Die unterschiedlichen „Trendmoleküle“ rei
chen von Algorithmisierung über die Verände
rung politischer Entscheidungsprozesse, ein
neues Gesundheitsbewusstsein und Migration
bis hin zur Verdichtung der Städte und haben
dementsprechend individuelle Auswirkungen
auf verschiedene Bereiche der Stadt. Die Aus
wirkungen der Trends lassen sich, siehe Grafk
auf den folgenden Seiten, aufschlüsseln nach
räumlichen Auswirkungen, Auswirkungen auf
die soziale und technische Infrastruktur sowie
gesellschaftlichen Auswirkungen.
Der Blick auf die Trends und damit die Stadt
von übermorgen bietet einen Ausblick – durch
Zukunftserzählungen mit Blick auf städtische
Einfussfaktoren werden verschiedene Ent
wicklungspfade sichtbar, anhand derer Städte
Weichenstellungen für die Zukunft treffen
können.
Die Betrachtung der Trends der Stadt von
übermorgen bietet somit die Chance, eine
Perspektive über den gewöhnlichen Zeitraum
von 20 bis 30 Jahren hinaus zu entwickeln.
Maßnahmen für eine nachhaltige Entwicklung
müssen über die nahe Zukunft hinausgedacht
werden. In diesem Sinne sind die Trends von
übermorgen eine weitere wichtige Grundlage
für die Stadtstrategie.
57
© Samuel Zeller on unsplash
Ein Blick ins Übermorgen
Die virtuelle Realität und Digitalisierung sind Trends in der
Stadtentwicklung. Sogenannte VR-Brillen (Brillen für virtuelle
Realität), wie sie die Person auf dem Foto trägt, sind Teil dieser
Trends.
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive
58
Die 16 Trendmoleküle und ihre Auswirkungen
auf die verschiedenen Bereiche der Stadt
#1 MenschMaschineLeben
Das Zusammenleben von Mensch und Maschi
ne verschränkt sich auf zwei Ebenen. Einer
seits übernehmen Maschinen immer mehr
und wichtigere Rollen in der Gesellschaft und
werden zunehmend lernfähig (KI). Andererseits
kommt es zu einer Verschränkung des mensch
lichen Organismus mit Maschinen durch Er
satzteile, aber auch Erweiterungen und Vernet
zung mit dem menschlichen Körper.
Raum
Infrastruktur
Gesellschaft
#2 Länger leben, länger aktiv sein
Durch hohen Lebensstandard und ein stei
gendes Gesundheitsbewusstsein steigt die
Lebenserwartung weiter an – bei zugleich
geringerer Geburtenrate altert die deutsche
Gesellschaft fortlaufend und ältere Men
schen bleiben länger aktiv. Versorgungs und
Gesundheitssysteme, aber auch Stadträume
und persönliche Lebensweisen müssen ange
passt werden.
Raum
Infrastruktur
Gesellschaft
#3 Hypervielfalt
Die Vielfalt an Lebensstilen, kulturellen Prä
gungen und Rollen/Rollenverständnissen
nimmt immer mehr zu und die Gesellschaft
differenziert sich entsprechend weiter aus.
Gleichzeitig sind Individuen zunehmend on
line sichtbar und vernetzt.
Raum
Infrastruktur
Gesellschaft
#4 Ausdifferenzierung der Produk
tionsund Distributionsprozesse
Wie die Lebensstile der Menschen werden
auch ihre Anforderungen an Produkte und
Dienstleistungen individueller. Bedarfsge
rechte Stückzahl1Fertigung wird möglich.
Saubere, leise und hochtechnisierte Produk
tion, zum Beispiel 3DDruck, kehrt, auch ge
stapelt und im Nutzungsmix, in die urbanen
Räume zurück. Auch die Logistik wird immer
ausdifferenzierter, Waren und Güter sind
jederzeit verfügbar.
Raum
Infrastruktur
Gesellschaft
59
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive
#5 Virtuelle Durchdringung der
Realität und Digitalleben
Virtuelle Welten halten durch mobile und
alltagstaugliche MixedRealityTechnologien
zunehmend Einzug in die uns umgebende
Realität. Dies hat Einfluss auf die Gestaltung
der Alltagswelten, Einkaufsverhalten, virtuelle
Kunst und Kulturangebote und vieles ande
res mehr.
Raum
Infrastruktur
Gesellschaft
Raum
Infrastruktur
Gesellschaft
#6 Verschiebung von Entscheidungs
und Gestaltungsmacht
Verwaltungshandeln basiert immer mehr auf
Regulierungen auf höheren Ebenen. Auch
viele wichtige ökonomische Entscheidun
gen werden nicht mehr auf lokaler Ebene
getroffen. Finanzielle Engpässe können den
Gestaltungsspielraum der Kommunen weiter
einschränken. Um diesen Verlust an Gestal
tungsmacht auszugleichen, sucht die Verwal
tung offensiv die Zusammenarbeit mit Bürge
rinnen und Bürgern sowie privaten Akteuren.
Raum
Infrastruktur
Raum
Infrastruktur
Gesellschaft
#7 Superbauen
„Supermaterialien“ eröffnen neue Möglich
keiten für effizientes, kreatives, ökologisches
und kostengünstiges Bauen. Von Gebäuden,
die sich anpassen können und Daten auswer
ten, über Baustoffe, die Energie erzeugen, bis
hin zu vollständig im Kreislauf recycelbaren
Materialien wird vieles möglich.
#8 Aktiver Umweltschutz /
Klimaanpassung
Städte werden sich im Bereich Städtebau,
Stadttechnik, aber auch bei den bisherigen
Nutzungsmustern an die klimatischen Ver
änderungen und neue Extrembedingungen
anpassen müssen. Zugleich wächst auch das
Verständnis für die eigene Verantwortung
im Kontext der globalen klimatischen Verän
derungen – der eigene Ressourcenverbrauch
wird kritisch angepasst werden müssen.
Gesellschaft
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive
60
#9 Algorithmisierung
städtischer Systeme
Echtzeitdaten, Algorithmen und Digitali
sierung ermöglichen eine neuartige intelli
gente und selbstlernende Organisation von
Stadtver und Entsorgungssystemen sowie
des Verkehrssystems. Vernetzungen von
alltäglichen Tätigkeiten, möglich auch durch
das „Internet der Dinge“, sowie multimodal
vernetzte Verkehrsformen verändern die
Alltagswelt in den Städten.
#10 Gesundheit und Selbst
optimierung als individuelle Aufgabe
Das Gesundheitsbewusstsein steigt und kör
perliche und geistige Fitness werden zum
Statussymbol. Ob freiwillig oder nicht: Das Mo
nitoring menschlichen Verhaltens, der Fitness
und Gesundheit gehören zum Alltag. Persönli
che Verantwortung spielt eine große Rolle, die
Gefahr der Ausgrenzung oder Sanktionierung
bei ungesundem Verhalten steigt. Gesunde Le
bensverhältnisse werden zum wichtigen Faktor
im globalen Standortwettbewerb.
Gesellschaft
#1 1 Ausdifferenzierung der Arbeits
verhältnisse und steigendes Armuts
risiko
Klassische Normalarbeitsverhältnisse geraten
unter Druck. Arbeit ist immer öfter befristet
oder auf Projektbasis organisiert und Arbeits
kraft wird individuell vermarktet. Was für
Hochqualifizierte eine Chance darstellen
kann, wird für viele zum erhöhten Armuts
risiko. Feste Berufsstrukturen lösen sich auf.
Raum
Infrastruktur
Gesellschaft
Raum
Infrastruktur
Gesellschaft
#12 Entgrenzung von Arbeit
und Freizeit
Arbeits, Wohn und Freizeitorte durchmischen
sich immer mehr. Die permanente Erreichbar
keit („alwayson“) führt zu einer Erhöhung von
Stressfaktoren. Gleichzeitig kann – wenn die Ar
beit Spaß macht – Verwirklichung ein positiver
Effekt sein. Auf dem Weg in die Wissensgesell
schaft ergeben sich neue Chancen für flexibles
Arbeiten, klassische Hierarchien und Strukturen
werden aufgebrochen, Kreativität und Persön
lichkeit werden zu zentralen Faktoren.
Raum
Infrastruktur
Raum
Infrastruktur
Gesellschaft
61
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive
#13 Autoritätsverlust der Eliten
und steigende Einflussnahme von
Individuen
Das Misstrauen gegenüber politischen und
wirtschaftlichen Eliten wächst. Bürgerinnen
und Bürger fordern ihr Recht auf Mitbestim
mung ein und gewinnen an Macht und Ver
antwortung. Engagement ist häufig anlass
bezogen und verwehrt sich fester Strukturen.
Kompetenzen, Fähigkeiten und (finanzielle)
Möglichkeiten entscheiden darüber, wer wie
viel Einfluss nimmt. Neue technologische Mit
tel sind dabei wichtige Werkzeuge.
Raum
Infrastruktur
Gesellschaft
#14 Internationale Migration
Flucht vor Gewalt, Krieg, Perspektivlosigkeit
und der Klimakatastrophe bleiben zentrale
Treiber der Migration. Die Disparität von
Lebensverhältnissen nimmt zu und prekäre
Lebensverhältnisse sind ein Massenphänomen.
MegaCities und urbane Agglomerationen
wachsen weiter stark und Stadtbevölkerungen
werden immer diverser.
Gesellschaft
#15 Polarisierung zwischen und
innerhalb von Städten/Regionen
Während viele Städte von der Urbanisierung
profitieren, gibt es gleichzeitig Verlierer dieser
Entwicklung, was die Gleichwertigkeit der
Lebensverhältnisse bedroht: „Gewinnende“
Städte qualifizieren sich als erfolgreiche Met
ropolen mit hohem Erlebniswert – „verlieren
de“ hingegen sind, sowohl wirtschaftlich wie
kulturell, vom Bedeutungsverlust bedroht.
Raum
Infrastruktur
Gesellschaft
#16 Reurbanisierung –
Verdichtung der Stadt
Anhaltender Zuzug von Menschen in attrak
tive Städte und erschöpfte Baulandreserven
forcieren weiteren Wohnungsmangel. Dabei
gibt es ein Nebeneinander von Überhang und
Knappheit (zum Beispiel Büro zu Wohnen,
Luxus zu Sozial), und in der Stadt steigen die
Immobilienwerte, während in der Peripherie
Wertverluste zu verzeichnen sind.
Gesellschaft
Raum
Infrastruktur
Raum
Infrastruktur
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive
62
Aufgaben und
Herausforderungen
für Kölns Zukunft
Sustainable Development Goals, Leipzig
Charta, die Trends von übermorgen:
Was bedeuten die genannten Rahmenbe
dingungen für Köln? Vor welchen Herausfor
derungen steht die Stadt? Welche globalen
Veränderungen adressiert sie auf lokaler
Ebene schon heute?
Das Wachstum nachhaltig gestalten
– mit kompakten, durchmischten
Quartieren
Aktuelle Prognosen zeigen, dass die Zahl der
Einwohnerinnen und Einwohner Kölns in den
kommenden Jahren beständig wachsen wird.
Bis 2040 rechnet die Stadt derzeit mit etwa
70.000 zusätzlichen Personen. Die Prognose
des Landes NRW (IT.NRW) geht sogar von
einem Plus von fast 170.000 Menschen aus.
Neben zahlreichen positiven Aspekten wie ei
nem größeren und vielfältigeren Arbeitsmarkt,
einer höheren kulturellen Dichte und effzien
teren Möglichkeiten der Mobilitätsinfrastruktur
bringt das Stadtwachstum auch Reibungs
punkte: Der steigende Bedarf an Wohnungen
führt zu einem wachsenden Flächenverbrauch
und zunehmenden Nutzungskonkurrenzen.
Diese können beispielsweise zwischen Woh
nen, Arbeiten, Gewerbe, Kultur, Bildung und
Soziales, Grün und Freifächen sowie Verkehr
auftreten. Ein ungesteuertes Wachstum ist in
der Regel nicht mit den Zielen einer nachhalti
gen Entwicklung vereinbar. Welche Richtung
diese Entwicklung für die Stadt Köln nimmt,
hängt also besonders davon ab, wie das Wachs
tum gesteuert und gestaltet wird.
Kölns historische Stadtstruktur ist vor allem
in seinen zentralen Bereichen bereits ein Para
debeispiel für eine europäische Stadt im Sinne
der Leipzig Charta: Kompakte und gemischte
Stadtquartiere, hohe bauliche und kulturelle
Qualitäten sowie eine hohe soziale Mischung
sind in vielen Teilen der Stadt zu fnden. Diese
gilt es, zu erhalten und zu stärken und in weite
ren Veedeln herzustellen, die noch nicht über
diese Eigenschaften verfügen. Köln verfolgt
dieses Ziel bereits mit einer Vielzahl an Konzep
ten, Planungen und Programmen.
Für Köln bedeutet das Stadtwachstum eine
große Herausforderung, die unter nachhalti
gen Aspekten gesteuert und gestaltet werden
muss. Dies gilt besonders auch für den Woh
nungsbau. Die Stadt verfolgt dabei den durch
das Baugesetzbuch (BauGB) festgelegten
Vorrang der Innen vor der Außenentwicklung
63
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive
und somit das städtebauliche Leitbild der kom
pakten, nutzungsgemischten Stadt der kur
zen Wege. Die zentrale Aufgabe ist es daher,
durch eine dem lokalen Kontext angemessene
Verdichtung das Angebot und die Mischung
von Wohnen, Arbeiten, Freiraum und sozialer
Infrastrukturen weiter zu stärken und dabei
die Lebensqualität der Stadt zu wahren. Viele
Stadträume durchlaufen aktuell tiefgreifende
Transformationsprozesse, die es in Zukunft
weiter – den Anforderungen entsprechend –
zu gestalten gilt. Aufgrund von begrenzten
Flächenpotenzialen können diese zum Beispiel
in den Siedlungen der 1950er und 1960er
Jahre, unter maßvollen und ökologisch vertret
baren Aspekten, fortgeführt werden. Auch die
Konversion aus der Nutzung gefallener Areale
und das Bauen am Innenstadtrand werden
weiter im Fokus stehen.
Voraussetzungen für eine nachhaltige
Mobilität schaffen – durch Stärkung des
Umweltverbundes
Mit dem Wachstum von Bevölkerung und Ar
beitsplätzen sowie der zunehmenden Individu
alisierung und Komplexität der Lebensbedin
gungen steigt auch die Vielzahl und Vielfalt der
alltäglichen Wege, die an sie gestellten Flexibi
litätsanforderungen und damit der Bedarf nach
Mobilität. Diese wird in Köln – wie in vielen
anderen Städten auch – nach wie vor zu einem
Großteil über den motorisierten Individual
verkehr (MIV) abgewickelt. Dieser ist nicht nur
für rund ein Viertel der gesamten städtischen
Emissionen von Treibhausgasen verantwort
lich, sondern belegt mit dem fießenden und
ruhenden Verkehr einen großen Teil des öffent
lichen Raums in der Stadt. Alle Verkehrsfächen
Kölns belegen zusammen rund 16 Prozent
des gesamten Kölner Stadtgebiets. Nur die
bebaute Fläche und der Wald nehmen mehr
Raum in Anspruch. Die Auswirkungen dieses
Flächenverbrauchs sind in der inneren Stadt
sowie entlang der großen Stadtachsen deutlich
sicht und spürbar.
Der Notwendigkeit einer drastischen Redukti
on der Emissionen im Verkehrssektor stehen
in Köln die noch immer steigenden jährlichen
PkwZulassungen gegenüber. Mit einem stei
genden Anteil an Fahrzeugen mit alternativen
Antrieben lässt sich die Schadstoffbelastung in
der Luft zwar lokal senken, die mit den aktu
ellen Mobilitätsbedürfnissen einhergehenden
Kapazitätsengpässe der bestehenden Infra
strukturen werden damit aber nicht behoben.
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive
64
Denn auch Fahrzeuge, die alternativ, beispiels
weise elektrisch, angetrieben werden, verbrau
chen den gleichen Raum und Parkraum wie
herkömmliche Pkw.
EAutos spielen im künftigen Mobilitätsmix vor
allem dann eine Rolle, wenn sie komplett mit
erneuerbarem Strom fahren, kompakt gestal
tet sind und intelligent genutzt werden – also
einen hohen Besetzungsgrad aufweisen und
mit weiteren Verkehrsmitteln vernetzt sind.
Mit der Mobilitätsstrategie Köln Mobil 2025
hat sich die Stadt zum Ziel gesetzt, den moto
risierten Individualverkehr auf ein Drittel des
Aufkommens zu reduzieren und den Umwelt
verbund aus nichtmotorisiertem Individual
verkehr (zum Beispiel Fuß und Radverkehr)
und öffentlichem Nahverkehr auf zwei Drittel
zu erhöhen. Sie setzt dabei auf intermodale
Angebote und den Ausbau des schienenge
bundenen Personennahverkehrs. Die bereits
getroffenen Maßnahmen haben dazu geführt,
dass der MIVAnteil zwischen 2006 und 2017
von 43 auf 35 Prozent vor allem zugunsten des
Radverkehrs gesunken ist. Betrachtet wurden
dabei zurückgelegte Wege an Werktagen.
Eine große Herausforderung für eine weitere
Reduktion des MIV sind aber auch die zahlrei
chen Einpendlerinnen und Einpendler, die in
dieser Statistik nicht einberechnet werden. Im
Jahr 2018 pendelten allein im Berufsverkehr
täglich rund 345.000 Personen nach Köln,
viele davon mit dem MIV. Um diese besser auf
den bereits ausgelasteten ÖPNV umlenken zu
können, ist der Ausbau des Bahnknotens Köln
sowie zahlreicher SBahn und Stadtbahnlinien
(u. a. im Rahmen der Kölner ÖPNVRoadmap)
in Planung.
Um eine nachhaltige Mobilität zu erreichen,
wird es für Köln weiterhin eine der zentralen
Aufgaben sein, den Umweltverbund konse
quent zu stärken. Dafür müssen einerseits die
Kapazitäten des ÖPNV und insbesondere des
schienengebundenen ÖPNV weiter erhöht
werden. Andererseits ist die Infrastruktur für
ÖPNV sowie Rad und Fußverkehr in der Stadt
auszubauen, was eine Reduktion von Flächen
für den MIV aufgrund begrenzter Flächen un
vermeidbar machen wird.
Diese Herausforderung muss Köln sowohl
politisch als auch in Zusammenarbeit mit
der Region angehen und dabei auch neue
Möglichkeiten in der Verkehrssteuerung oder
bepreisung nutzen. Ebenso sind neue Ange
bote der kollektiven und geteilten Mobilität zu
fördern, die eine Entwicklung weg vom priva
ten Pkw ermöglichen und damit zusätzlich Flä
chen in der Stadt freigeben. Eine wesentliche
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Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive
Voraussetzung für eine nachhaltige Mobilität
ist die Entwicklung kompakter und gemischter
Stadtquartiere im Sinne der Leipzig Charta, die
es ermöglichen, viele Wege zu Fuß oder mit
dem Rad zurückzulegen.
Mehr, älter, bunter – Inklusion und
gleichwertige Teilhabe für alle ermöglichen
Neben dem Bevölkerungswachstum verändert
sich auch die demografsche Struktur der Köl
ner Gesellschaft stetig: Die Kölnerinnen und
Kölner werden älter und bunter. Die Lebens
erwartung beträgt aktuell (2017) für Kölnerin
nen 83,5 und für Kölner 79 Jahre. Gleichzeitig
wird es, trotz einer im Schnitt alternden Gesell
schaft, zukünftig wieder mehr Kinder und Ju
gendliche geben. Einige Trends deuten zudem
auf eine sich immer weiter ausdifferenzierende
Gesellschaftsstruktur hin.
Auch Migration spielt für Köln eine wichtige
Rolle. Als globales Thema lässt sich schwer
prognostizieren, welche Herausforderungen
die Stadt hier in Zukunft erwarten. Entspre
chend der SDG und der Leipzig Charta ist die
Inklusion dieser vielfältigen Bevölkerungs
gruppen ein wichtiges Ziel. Die Vielfalt der
Gesellschaft mit ihren unterschiedlichen
Bedürfnissen und Besonderheiten muss in
allen Bereichen abgebildet und deren Teilhabe
ermöglicht werden.
Trotz eines hohen Bruttoinlandsprodukts pro
Kopf bezieht ein hoher Anteil der Kölner Ge
sellschaft Leistungen aus der Grundsicherung.
Die hohe Anzahl an Kindern, die leistungsbe
rechtigt nach SGB II sind, macht dieses Thema
auch zu einer Frage der Kinder und Jugendför
derung. Ebenfalls der Anteil der Seniorinnen
und Senioren, die Grundsicherung erhalten,
liegt in Köln überdurchschnittlich hoch. Die
Kinder und Altersarmut sind daher große
lokale Herausforderungen.
Die sozialen Ungleichheiten variieren stark
in den verschiedenen Quartieren. Die Leipzig
Charta fordert die Städte auf, diese besonders
benachteiligten Stadtquartiere im Blick zu
behalten. Bildung, Teilhabe, Mitwirkung und
Integration bilden die wichtigsten Grundpfei
ler, um dieser Entwicklung weiter entgegenzu
steuern.
Um lebenswerte Veedel für alle Bürgerinnen
und Bürger zu schaffen, setzt Köln schon heu
te, gezielt darauf, die Lebensbedingungen in
den benachteiligten Quartieren zu verbessern.
Hierzu nutzt die Stadt interdisziplinäre Ansät
ze, die Angebote aus verschiedenen Bereichen,
Ämtern und Fachressorts koordinieren und
zusammenführen. Ein wichtiges räumliches
Werkzeug sind hierbei die Sozialraumgebiete,
in denen der interdisziplinäre und querver
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360-Grad-Perspektive
66
netzte Ansatz der Sozialraumorientierung seit
2006 angewendet wird. Sozialräume weisen
besondere Handlungserfordernisse und Un-
terstützungsbedarfe auf und sind im Vergleich
zur Gesamtstadt überdurchschnittlich stark
von sozialer Benachteiligung und Armut be-
troffen. Der Rat hat im Dezember 2019 die Er-
weiterung des Programms auf nun insgesamt
15 Sozialraumgebiete beschlossen.
Darüber hinaus existiert eine Vielzahl an An-
geboten und Treffpunkten, beispielsweise die
Bürgerhäuser und -zentren, die von verschie-
denen Bevölkerungsgruppen angenommen
werden. Bildung und Teilhabe in den Veedeln
fördert Köln durch den verstärkten Schulbau
sowie zahlreiche Angebote für Weiterbildung,
Bewegung und Sport.
Einkommensschwächere Familien sollen mehr
unterstützt werden, um allen Kindern früh-
zeitig eine gleichberechtigte Teilhabe an der
Gesellschaft zu ermöglichen. Eine wichtige Ba-
sis hierfür muss durch die stärkere Förderung
inklusiver und bedarfsgerechter Bildungsange-
bote geschaffen werden.
Seit vielen Jahren setzt sich Köln für Gleich-
stellung, Diversität und eine vielfältige Ge-
sellschaft ein. Wichtige Aspekte sind hierbei
unter anderem die Integration von Menschen
mit Migrationshintergrund, die Sichtbarkeit
und Akzeptanz von LSBTIQ, die Teilhabe von
Menschen mit Behinderung und die möglichst
lange Teilhabe von älteren Menschen. In all
diesen Bereichen hat Köln Vertretungen, Räte
und Arbeitsgemeinschaften eingerichtet und
betreibt aufsuchende Arbeit für die Einbin-
dung der verschiedenen Zielgruppen.
Es ist auch zukünftig eine Herausforderung für
die Stadt Köln, mehr Inklusion und Teilhabe für
alle, insbesondere für Ältere, Ärmere, Schwä-
chere und Kinder, zu ermöglichen. Der Zusam-
menhalt zwischen den unterschiedlichen Ge-
nerationen und den verschiedenen ethnischen
und sozialen Gruppen soll sichergestellt und
weiter verbessert werden, um sozial durch-
mischte und sichere Stadtquartiere mit hoher
Lebensqualität schaffen zu können. Denn
besonders die Veedel übernehmen in Zeiten
des Wachstums eine wichtige integrative Rol-
le, hier wird auf lokaler Ebene die Gesellschaft
zusammengehalten.
Ziel ist es, allen Menschen in Köln ein gesundes
und gemeinschaftliches Leben im Quartier zu
ermöglichen. Hierzu gehört eine Stärkung und
Ausbau von Pfegeeinrichtungen, Netzwerken,
Begegnungsmöglichkeiten, Beratungs- und
Entlastungsdiensten und Kulturangeboten
sowie eine bedarfsgerechte Daseinsvorsorge.
67
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive
Die Angebote müssen dabei auf die unter
schiedlichen Bedarfe und Anforderungen
der vielfältigen Bevölkerung (unter anderem
Pfegebedürftige, Menschen mit Behinderung,
Migrationshintergrund oder LSBTIQOrientie
rung) sensibel zugeschnitten werden.
Klimanotstand – Klima schützen und an
den Klimawandel anpassen
Einschneidende klimatische Veränderungen
werden auch das Leben in Köln in Zukunft im
mer stärker prägen. Der Temperaturanstieg in
den Sommermonaten ist bereits heute deut
lich messbar. In der Aktualisierung der Leipzig
Charta wird beim Klimaschutz die stärkere
Verknüpfung der globalen und lokalen Ebene
gefordert. Die Stadtentwicklung vor Ort muss
zur Verwirklichung der globalen Zielvorgaben
beitragen. Auch die SDG fordern, umgehend
Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawan
dels und seiner Auswirkungen zu ergreifen.
Als zentralen Handlungsschritt hat der Stadt
rat im Juli 2019 den Klimanotstand ausgeru
fen und sich dem Ziel der Eindämmung des
vom Menschen verursachten Klimawandels
verpfichtet. Köln strebt in diesem Zuge die
Klimaneutralität an.
Das Ziel der Stadt ist, bis 2030 die CO
2Emis
sionen gegenüber 1990 um 50 Prozent zu
reduzieren. Ein ambitioniertes Ziel, welches
großer Anstrengungen bedarf. Maßgabe ist,
die Folgen des Klimawandels zu begrenzen
und gleichzeitig durch innovative Lösungen
Lebensqualität sicherzustellen. Die konkreten
Maßnahmen hierfür sind vielfältig und lassen
sich zum einen in Klimaschutz und das Ziel der
CO
2Reduktion sowie zum anderen in Klima
anpassung im Sinne der Sicherung von Lebens
qualität unterscheiden.
Wichtige Aspekte beim Klimaschutz sind zum
Beispiel die Energieversorgung, die Wirtschaft
und Industrie, der Mobilitäts und der Gebäu
desektor, aber auch SmartCityTechnologien,
in denen der Stadt Köln vielfältige Handlungs
ansätze zur Verfügung stehen. Besonders im
Verkehrsbereich strebt Köln einen Wandel an.
Modellprojekte wie die „Klimastraße“ wurden
bereits von der Klimaschutzstelle initiiert. Auch
regional wird über das Agglomerationskonzept
KölnBonn mit einer Klimawandelvorsorgestra
tegie das Thema in den Fokus gestellt.
Ein weiteres Rückgrat für den Klimaschutz
und die Klimaanpassung bilden die wertvollen
blaugrünen Strukturen. Das Grünsystem mit
seinen beiden Grüngürteln und den tief in die
Stadt hineinreichenden grünen Fingern sind
für die Versorgung mit Kaltluft sowie für die
Kühlung der Stadt von unschätzbarem Wert.
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive
68
Der Erhalt und die Stärkung dieses Grünsys
tems sowie seine Erweiterung in die Region
wird von der Stadt bereits heute aktiv verfolgt.
Gleiches gilt für den Rhein, der sowohl durch
die große Wassermenge für Kühlung sorgt
und als Freifäche und Kaltluftstrom für das
Mikroklima von großer Bedeutung ist.
Vor allem die Modernisierung der Infrastruk
turnetze und die Steigerung der Energieeff
zienz in der Stadt sind weiter voranzutreiben,
wie es die Leipzig Charta fordert. Köln muss in
Zukunft stärker denn je auf drei Ebenen an
setzen: Erstens gilt es, Gesetze und Vorgaben
von Bund und EU umzusetzen. Zweitens tritt
die Stadt als Beraterin und Dienstleisterin auf.
Drittens setzt Köln im eigenen Einfussbereich
konkrete Maßnahmen um. Aktuell beste
hen Handlungsbedarfe zum Beispiel bei der
Luftreinhaltung und beim Lärmschutz. Ins
besondere in Emissionshotspots mit großen
Überschreitungen muss gehandelt werden.
Eine große Herausforderung ist, trotz Stadt
wachstum Freiräume, Böden und Gewässer zu
schützen und die Flächennutzungsziele einzu
halten. Außerdem gilt es, die Stadt resilienter
gegenüber dem Klimawandel zu machen,
Daten besser zu nutzen und auch die Aspekte
der Umweltgerechtigkeit verstärkt in den Blick
zu nehmen. Um den CO
2Ausstoß nachhaltig
zu begrenzen, müssen aber vor allem Erfolge
in der Industrie, bei privaten Haushalten und
im Verkehrssektor erzielt werden.
Globales, smartes Köln – Digitalisierung
und Globalisierung schlau nutzen
Die Möglichkeiten der Digitalisierung eröff
nen neue Optionen für die Optimierung und
Ausdifferenzierung städtischer Produktions
und Distributionsprozesse. Darüber hinaus
entstehen durch neue Datenverfügbarkeiten
und digitale Steuerungsmöglichkeiten Poten
ziale zur (Neu)Organisation von Stadtver und
entsorgungssystemen sowie des Verkehrssys
tems. Algorithmen sind in der Lage, in Echt
zeit Planungs und Steuerungsprozesse auf
diversen städtischen Ebenen zu unterstützen.
So können zum Beispiel im Bereich der Ener
gieproduktion und versorgung völlig neue
Strukturen und Funktionalitäten entstehen,
die einen besseren Lastenausgleich und effzi
entere Energietransporte ermöglichen.
Die Chancen für neue, digitale Kompetenzen,
erneuerbare Energien, eine nachhaltigere
Mobilität sowie neue Produktionsformen sind
vielfältig und sollten für die Stadtentwicklung
genutzt werden. So fördern die neuen Mög
lichkeiten der urbanen Produktion auch kurze
Wege und die Durchmischung von Quartieren:
3DDruck ermöglicht die Produktion nah am
Endkunden; hoch technisierte, leisere und
69
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive
sauberere Produktion fndet in mehrgeschos
sigen Anlagen in dichten, gemischten Quartie
ren Platz und bietet zudem die Möglichkeit für
verstärkte, kürzere Vertriebskanäle zwischen
Produzent und Verbraucher – Arbeit, Wohnen,
Logistik und Vertrieb rücken so dichter und
effzienter zusammen. Auch die Daseinsvor
sorge, zum Beispiel im medizinischen Bereich,
kann durch die Digitalisierung proftieren und
Nachteile von bislang unterversorgten Stadt
gebieten teilweise ausgleichen.
Schon heute werden etliche SmartCity
Technologien in Köln erprobt, um die Vorteile
einer vernetzten Stadt zu nutzen. Ein beson
deres Projekt stellt beispielsweise das För
derprogramm „Smart City Cologne GO“ dar,
das SmartCityProjekte fördert, die sowohl
soziale als auch technologische Innovationen
beinhalten. Schließlich zeichnen sich dem
Projektansatz zufolge Smart Cities nicht durch
Technologien allein, sondern besonders durch
eine aktive Stadtgesellschaft aus, welche die
„smarte Stadt“ entwirft, mitgestaltet und
weiterentwickelt. Die Gestaltung des Lebens
umfeldes im Sinne des Klimaschutzes und
der Nachhaltigkeit wird somit gesellschaftlich
verankert.
Die Entwicklungen der technischen Innovatio
nen und gesellschaftlichen Veränderungen
werden Auswirkungen auf Arbeitswelt und da
mit auch auf die Kölner Wirtschaft haben, die
schon heute teilweise spürbar sind. Die große
Branchenvielfalt in Köln macht den Wirt
schaftsstandort resilienter gegenüber schwer
vorhersehbaren künftigen Entwicklungen.
Dennoch gilt es, die wirtschaftlichen Stärken
Kölns weiter zu proflieren. Dafür wurden die
sieben Kölner Kernmärkte (Informations und
Kommunikationstechnologie, Kultur und
Kreativwirtschaft, Destination Köln, Business
City, Industrie, Logistik und Handel sowie Ge
sundheit und Life Science) defniert.
Um die zukünftigen Auswirkungen der Digi
talisierung sowie der Wirtschaftsentwicklung
zu gestalten und gewinnbringend für Köln
nutzen zu können, gilt es daher auch zukünf
tig, Chancen und Risiken vor dem Hintergrund
der grundsätzlichen stadtentwicklungspoli
tischen Ziele der Stadt Köln zu erkunden und
besonnen wie mutig die Digitalisierung dort
einzusetzen, wo sie der gesamten Stadtgesell
schaft den größten Dienst erweisen. Verstärkt
drängen private Anbieter in den gemeinwohl
orientierten Servicesektor. Hier muss die Stadt
sicherstellen, dass sie ihre Steuerungsfähigkeit
beibehält und Stadt und Stadtgesellschaft
über hohe digitale Kompetenzen verfügen.
Dies kann beispielsweise über den Aufbau
einer urbanen Datenplattform erfolgen.
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74
75
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive
76
Die 360GradPerspektive
Zielgerüst:
Leitsätze und Ziele für
die künftige Kölner
Stadtentwicklung
77
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive
Mit diesem Zielgerüst setzt die Stadt den stra
tegischen Rahmen, der das städtische Handeln
zukünftig leiten soll.
Basierend auf einer umfassenden Stadtanalyse
der thematischen Teams und den Heraus
forderungen, welche die Stadt Köln vor dem
Hintergrund globaler Trends und lokaler Frage
stellungen in Zukunft erwarten (SDG, Leipzig
Charta, Trends von übermorgen), wurden
zentrale Kernthemen für die zukünftige Ent
wicklung Kölns erarbeitet und in das Zielgerüst
der „Kölner Perspektiven 2030+“ gegossen.
Die Leitsätze bilden die oberste Ebene des
Zielgerüsts. In fünf Leitsätzen defniert die
Stadt, in welche Richtung sie ihre Entwicklung
der nächsten Jahre lenken will. Die 27 Ziele
konkretisieren die Leitsätze und formulieren
Vorgaben für einzelne Bereiche der Stadtent
wicklung. Sie zeigen auf, welche konkreten
Vorgaben sich die Stadt Köln für eine nach
haltige zukünftige Entwicklung setzt. Die
Ziele sind nicht zwingend konfiktfrei. Bei der
Umsetzung dieser Ziele kann es sein, dass die
Stadt und die beteiligten Akteurinnen und
Akteure abwägen müssen, welche der Ziele sie
höher priorisieren.
Die einzelnen Ziele werden durch unterschied
liche Aspekte ergänzt, welche als „Hashtags“
formuliert sind. Diese Aspekte unterfüttern
und detaillieren einerseits die Ziele um wichti
ge Inhalte der Stadtentwicklung, andererseits
formulieren sie auch erste Ansätze zur Zieler
reichung. Das 1. Zukunftsforum sowie eine
OnlineBeteiligung trugen maßgeblich dazu
bei, das Zielgerüst zu schärfen und zu fnalisie
ren.
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive
78
Leitsatz 1
Köln sorgt für kompakte und lebenswerte Quartiere.
Ziel 1.1 Köln steuert seine Entwicklung aktiv im Einklang mit leistungsfähigen Mobilitäts
angeboten und starken Zentren.
Ziel 1.2 Köln geht mit der knappen Ressource „Fläche“ sorgfältig um.
Ziel 1.3 Köln sichert und entwickelt seine Veedel zu Zentren des gemeinschaftlichen Lebens.
Ziel 1.4 Köln sorgt für attraktive Parks, Plätze, Straßen und sichere öffentliche Räume.
Ziel 1.5 Köln entwickelt seine Infrastruktur und öffentlichen Dienstleistungen
bedarfsgerecht.
Leitsatz 2
Köln schafft Raum für eine dynamische und nachhaltige
Wirtschaft und für vielfältige Arbeitswelten.
Ziel 2.1 Köln stärkt seinen breiten Wirtschaftsmix.
Ziel 2.2 Köln baut seine Position als führende Wissenschaftsstadt aus.
Ziel 2.3 Köln entwickelt gewerbliche und industrielle Standorte mit klarem inhaltlichen Profl.
Ziel 2.4 Köln entwickelt Räume und Strukturen für die Kultur und Kreativwirtschaft.
Ziel 2.5 Köln optimiert die Flächennutzung der Industrie und Gewerbegebiete und
verbessert ihre Erreichbarkeit.
Ziel 2.6 Köln integriert Erwerbsfähige dauerhaft in den ersten Arbeitsmarkt.
Leitsatz 3
Köln sorgt für Bildung, Chancengerechtigkeit und Teilhabe.
Ziel 3.1 Köln fördert die Vielfalt in den Stadtteilen.
Ziel 3.2 Köln sorgt für bezahlbaren Wohnraum und vielfältige Wohnformen.
Ziel 3.3 Köln setzt sich aktiv für eine inklusive Gesellschaft ein.
Ziel 3.4 Köln fördert die kinder, jugend und familienfreundliche Stadt.
Ziel 3.5 Köln fördert den Zugang zu Bildung und Qualifkation als Schlüssel zur Teilhabe.
Ziel 3.6 Köln unterstützt das bürgerschaftliche Engagement und setzt auf breite
Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger in der Stadtentwicklung.
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Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive
Leitsatz 4
Köln stärkt seine Rolle als vielfältig vernetzte Metropole.
Ziel 4.1 Köln entwickelt seine Mobilitätsangebote gemeinsam mit der Region innovativ
und umweltverträglich weiter und stärkt den öffentlichen Nahverkehr.
Ziel 4.2 Köln schafft mehr Raum für Rad und Fußverkehr.
Ziel 4.3 Köln stärkt sein grünes Freiraumnetz und entwickelt es in die Region weiter.
Ziel 4.4 Köln stärkt seine Rolle als Vorreiter in der Digitalisierung.
Ziel 4.5 Köln stärkt die regionale Kooperation und die internationale Zusammenarbeit.
Leitsatz 5
Köln wächst klimagerecht und umweltfreundlich
und sorgt für gesunde Lebensverhältnisse.
Ziel 5.1 Köln fördert Bewegung und Sport.
Ziel 5.2 Köln sorgt für Zugang zur gesundheitlichen Versorgung, Gesundheitsförderung
und Prävention für alle Lebenslagen.
Ziel 5.3 Köln betreibt eine konsequente Klimawandelanpassung.
Ziel 5.4 Köln betreibt aktiv Klimaschutz und reduziert seine CO
2Emissionen.
Ziel 5.5 Köln stärkt regionale Wertschöpfungsketten und nachhaltige Stoffkreisläufe.
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive
80
Leitsatz 1
Köln sorgt für
kompakte und
lebenswerte
Quartiere.
81
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive
Die Kölner Veedel sind die alltägliche Lebens
welt der Bürgerinnen und Bürger. Hier erweisen
sich die ökologischen, sozialen, ökonomischen
und kulturellen Qualitäten der Stadt.
Nutzungsmischung und Polyzentralität sind
zentrale Ausgangsbedingungen für diese Quali
täten im urbanen Raum. Kompakte Strukturen
mit einer guten Infrastrukturversorgung vor
Ort ermöglichen kurze Wege und reduzieren
den Verkehr; gleichzeitig kann auf diese Wei
se der Flächenverbrauch verringert werden.
Welches Maß an Dichte für solche kompakten
Strukturen erzeugt werden muss, hängt dabei
stets von den lokalen Bedingungen ab.
Kölns schon vorhandene Qualitäten der urba
nen Strukturen und attraktiven Freiräume sol
len auch in Zukunft – vor dem Hintergrund des
Stadtwachstums und weiterer Herausforde
rungen – weiterentwickelt werden, damit die
Stadt attraktiver Wohn und Arbeitsort bleibt.
Für die stadtspezifsche Umsetzung dieser
zentralen Qualitäten gilt es, insbesondere Ziele
wie eine stadtverträgliche und leistungsfähige
Mobilität, ein ausgewogenes Flächenmanage
ment und eine nachhaltige Quartiersentwick
lung zu verfolgen. Gleichzeitig muss die Ent
wicklung attraktiver öffentlicher Räume sowie
eine bedarfsgerechte Infrastrukturentwicklung
berücksichtigt werden.
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive
82
83
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive
#
#
#
#
#
Ziel 1. 1
Köln steuert seine Entwicklung aktiv im Einklang
mit leistungsfähigen Mobilitätsangeboten und
starken Zentren.
Kölns Wachstumskurs setzt sich fort: Dabei
lastet der hohe Nachfragedruck aufgrund
begrenzter Flächen nicht mehr nur auf den in
nenstadtnahen Stadtteilen, sondern weitet sich
auch zunehmend auf die gesamte Stadt und
das Umland aus. So entstehen mehr Verkehr
und neue Nutzungskonkurrenzen zwischen
Wohnungsbau, Freifächenerhalt, sozialen
Strukturen und ökonomischen Interessen.
Dabei sind die Städte gefordert, eine nachhalti
ge Entwicklung umzusetzen, mit ihren Flächen
ressourcensparend umzugehen und die vom
Verkehr ausgehenden Belastungen für die Um
welt und die menschliche Gesundheit so weit
wie möglich zu reduzieren.
Bei einer zukünftigen Siedlungsentwicklung
beziehungsweise erweiterung ist eine leis
tungsfähige Anbindung an den öffentlichen
Nahverkehr zu gewährleisten. Dafür müssen
die notwendige Mobilitätsinfrastruktur bereit
gestellt und gezielt Anreize für deren Nutzung
geschaffen werden. Diese ÖPNVorientierte
Siedlungsentwicklung forciert die Entwicklung
mischgenutzter Quartiere und Zentren um
die Haltepunkte. Nutzungsmischungen und
kompakte Stadtstrukturen erlauben kurze
Wegeverbindungen für Wohnen, Arbeiten,
Freizeitnutzung und zur nächsten ÖPNVAnbin
dung – im Idealfall zu Fuß. So kann nachhalti
ges städtisches Wachstum ermöglicht und die
urbane Qualität der Stadtquartiere und ihre
Lebensqualität gesteigert werden.
Angesichts der Flächenknappheit innerhalb ge
wachsener Quartiere, insbesondere im Wohn
und Gewerbesegment, bietet dieser Weg der
Entwicklung zudem die Möglichkeit, neue
Formen der Nutzungsmischung und dichte
zu erproben und schon bestehende Zentren
weiter zu stärken.
Parallele Entwicklung von Siedlung und Umweltverbund
stärken
Anreize zur Nutzung des Umweltverbunds erhöhen
Urbane Stadtquartiere mit Wohnen, Arbeiten und
Freizeitnutzungen fördern
Bestehende Zentren stärken
Neue Formen der Nutzungsmischung und dichte erproben
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive
84
Ziel 1.2
Köln geht mit der kn
appen Ressource
„Fläche“ sorgfältig um.
Boden als begrenztes und nicht vermehrbares
Gut zwingt die Städte dazu, mit der Ressource
„Fläche“ sorgfältig umzugehen und effzien
te Lösungen zu fnden, während gleichzeitig
Nutzungskonkurrenzen zunehmen. Somit
entwickelt sich der Umgang mit der Siedlungs
fäche immer mehr zu einem Schlüssel für eine
nachhaltige Stadtentwicklung.
Gute Beispiele für ein entsprechendes Vor
gehen liefern die geplanten Kölner Projekte
„Deutzer Hafen“ oder „Parkstadt Süd“. Hier
werden Flächen, die viele Jahre mindergenutzt
wurden oder brachlagen, reaktiviert und in
urbane Quartiere mit Wohnraum, Büro und
Gewerbefächen verwandelt. Neben der Nut
zung von Brachfächen und Baulücken bietet
auch das Konzept der Multicodierung von Flä
chen und Räumen einen Ansatz, um Nutzungs
ansprüche und interessen effzient und ver
träglich zu koordinieren und somit Flächen zu
sparen. Das Konzept der Multicodierung sieht
vor, dass Flächen und Räume zu verschiedenen
Tages und Nachtzeiten sowie parallel von un
terschiedlichen Nutzungen und Nutzergruppen
in Anspruch genommen werden können.
Um dem stetig steigenden Flächendruck zu
begegnen, muss Köln zukünftig ein Flächen
management aufbauen und die aktive Steue
rung der Bodennutzung durch eine nachhaltige
Liegenschafts und Bodenpolitik ausbauen.
Gleichzeitig führt die Überprüfung des Flä
chenverbrauchs zu kompakteren räumlichen
Strukturen und einer optimaleren Nutzung
städtebaulicher Dichte. Die Kriterien für eine
angemessene Dichte müssen dabei im Dialog
defniert und an die jeweiligen lokalen Rah
menbedingungen angepasst werden.
# Möglichkeiten der Innenentwicklung ausschöpfen
# Flächen mehrfach nutzen (Multicodierung)
# Stadtumbau als Gelegenheit für qualitätsvolle Verdichtung
nutzen
# Flächenmanagement aufbauen
# Nachhaltige Liegenschafts und Bodenpolitik ausbauen
# Kriterien für „gute Dichte“ im Dialog definieren
85
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive
Ziel 1.3
Köln sichert und entwick
elt seine Veedel zu
Zentren des gemeinschaftlichen Lebens.
Das gemeinschaftliche Leben fndet vor al
lem in den Stadträumen im unmittelbaren
Wohn und Arbeitsumfeld statt – diese Räume
bestimmen zu einem großen Teil über die all
tägliche Lebensqualität der Menschen. Um sie
nachhaltig zu fördern, muss Köln Raum für Be
gegnung, Erholung und ein Miteinander schaf
fen, indem die Quartiersentwicklung intensi
viert und die Nachbarschaften gemeinsam mit
allen Akteursgruppen gestaltet werden.
Köln zeichnet sich bereits jetzt als Stadt mit
einer hohen Durchmischung und einer großen
kulturellen Vielfalt in den verschiedenen Vee
deln aus. Um diese Vielfalt zu bewahren und
eine hohe urbane Lebensqualität in den Vee
deln zu gewährleisten, müssen Begegnungs
orte in den Quartieren gesichert werden und
als Orte der Kommunikation und Integration
funktionieren.
Gleichzeitig müssen die unterschiedlichen
strukturellen sowie sozialen Potenziale und
Herausforderungen der Veedel bei deren Ent
wicklung berücksichtigt werden. Ein angemes
senes Zusammenspiel aus Größe und Dichte
von Gebäuden und Infrastrukturen können
dann für eine langfristige Tragfähigkeit sozia
ler und kultureller Angebote sorgen. Dies gilt
besonders für benachteiligte Stadtgebiete.
# Quartiersentwicklung intensivieren
# Kulturelle Vielfalt und Begegnungsorte in den Veedeln sichern
und ausbauen
# Quartiersgrößen und dichten so entwickeln, dass sich soziale
und kulturelle Angebote tragen (insbesondere in der äußeren
Stadt)
# Kompetenzen und Identifikationen in und mit den Quartieren
stärken
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive
86
#
#
#
#
#
#
Ziel 1.4
Köln sorgt für attr
aktive Parks, Plätze,
Straßen und sichere öffentliche Räume.
Das Leben in der Stadt verlagert sich wieder
stärker nach draußen und fndet immer mehr
auf Straßen, Wegen, Plätzen und in Parks statt.
Die Qualität des öffentlichen Raums spiegelt
dabei die Lebensqualität der Stadt wider, die
ebenso wie eine gesunde Wohnumgebung zu
einem immer wichtigeren Standortfaktor der
Metropolen wird. Diese Entwicklung drückt
sich im vermehrten Wunsch nach einer besse
ren Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum
und in höheren Anforderungen an die Grünfä
chen der Stadt aus.
Die Stadt Köln sieht daher den klaren Bedarf,
den öffentlichen Raum als Träger städtischen
Lebens und urbaner Qualitäten weiter zu quali
fzieren. Dabei geht es zunächst darum, Plätze
als attraktive Begegnungsorte der Quartiere
zu erhalten und weiterzuentwickeln. Sie sind
als Orte des Verweilens, der Begegnung und
Kommunikation sowie als Bühne des öffent
lichen Lebens eine wichtige Ressource der
Stadt, die oftmals im Konfikt verschiedener
Nutzungsinteressen steht. Die Entwicklung
und städtebauliche Aufwertung dieser Räume
muss immer zahlreicheren Anforderungen,
beispielsweise der Klimaanpassung, gerecht
werden.
Die Verbesserung der übergeordneten Quali
tät aller öffentlichen Räume verlangt zudem
künftig zunehmend die Gewährleistung von
Sicherheit, Instandhaltung und Sauberkeit.
Nur so kann der öffentliche Raum in Köln sei
ner ursprünglichen Aufenthaltsfunktion ge
recht werden und seinen Bewohnerinnen und
Bewohnern einen Ort zum Wohlfühlen bieten.
Darüber hinaus sind die historisch gewachse
nen und einzigartigen Freiräume – wie die Köl
ner Grüngürtel oder die Rheinpromenade – zu
sichern. Neben Parks und Plätzen soll zukünf
tig auch der Straßenraum, der vielerorts durch
den motorisierten Individualverkehr dominiert
wird und wenig Aufenthaltsqualitäten bietet,
stärker im Fokus der Stadtentwicklung stehen.
Dies bedeutet vor allem, auch den ruhenden
Verkehr stadtverträglich zu organisieren und
langfristig zu reduzieren.
Den öffentlichen Raum als Träger des
städtischen Lebens und urbaner Qualität
weiter qualifizieren
Den Straßenraum als öffentlichen Raum
mit hoher Aufenthaltsqualität aufwerten
Den ruhenden Verkehr stadtverträglich
organisieren und reduzieren
Plätze als Begegnungsorte in den
Quartieren schaffen oder qualifizieren
Für Grün in den Quartieren sorgen
Sicherheit, Unterhalt und Sauberkeit
sicherstellen und verbessern
87
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive
Ziel 1.5
Köln entwick
elt seine Infrastruktur und
öffentlichen Dienstleistungen bedarfsgerecht.
Ein bedarfsgerechtes Infrastrukturangebot
ermöglicht den Bewohnerinnen und Bewoh
nern der Stadt Zugang zur Teilhabe am gesell
schaftlichen Leben und ist damit essenzieller
Baustein der künftigen Entwicklung der Stadt.
Demografsche Veränderungen, das Stadt
wachstum, Klimaveränderungen, pluralisierte
Lebensstile und die Digitalisierung sind nur
einige Faktoren, die den Anpassungsdruck auf
die städtische Infrastruktur und öffentliche
Dienstleistungen in Köln verstärken. In den
kommenden Jahren werden entsprechende
weitergehende Anpassungen erforderlich sein,
die von betrieblich technischen Maßnahmen
bis hin zu umfassenden Transformationen –
von der nachhaltigen Energieversorgung bis
hin zur Reformierung der ärztlichen Versor
gung – reichen.
Es gilt, die stadtspezifschen Herausforderun
gen und Handlungsoptionen in den einzelnen
Infrastruktur und Dienstleistungssektoren zu
ermitteln. Dabei spielen sowohl die quantitati
ve als auch die qualitative und räumliche Aus
differenzierung der unterschiedlichen Bedarfe
und Angebotsformen eine Rolle. Entsprechend
geht es nicht nur um das „Ob“ der Bereitstel
lung, sondern auch um das „Wo“, „Wie“ und
„Wie viel“.
Um die generelle Qualität des Angebots zu
verbessern, muss der Zugang zu öffentlichen
Dienstleistungen vereinfacht und Barrierefrei
heit gewährleistet werden. Die Digitalisierung
bietet an dieser Stelle Potenziale, die Vernet
zung und die Bereitstellung von Informationen
über bestehende Angebote zu verbessern. Be
sonders die Qualität der gesundheitlichen und
sozialen Versorgung darf sich dabei nicht nur
auf einzelne Teilräume konzentrieren, sondern
muss sich in der gesamten Stadt, besonders
auch in benachteiligten Stadtgebieten, verbes
sern.
# Den Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen vereinfachen
# Vernetzung/Informationen von bestehenden Angeboten
verbessern
# Qualität der gesundheitlichen und sozialen Versorgung an
allen Orten verbessern
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive
88
Leitsatz 2
Köln schafft Raum für
eine dynamische
und nachhaltige
Wirtschaft und
für vielfältige
Arbeitswelten.
89
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive
Köln ist einer der bedeutendsten Wirtschafts
standorte Deutschlands und das Zentrum
einer regionalen, diversifzierten, gut vernetz
ten Branchenstruktur. Gleichzeitig befnden
sich seine Arbeits und Produktionswelten im
stetigen Wandel: Digitalisierung, Industrie
4.0, StartupKultur, urbane Landwirtschaft
und der Wandel zur Wissensgesellschaft sind
dabei nur einige Trends, mit denen sich die
Stadt bereits auseinandersetzt und denen
sie sich in Zukunft weiter stellen wird. Als
dynamische und nachhaltige Wirtschaft gilt
es, auch weiterhin eine Vielzahl an Branchen
zusammenzubringen und ökologische, soziale
und ökonomische Belange immer wieder neu
gegeneinander abzuwägen.
Für die gewerblichen und industriellen Stand
orte müssen inhaltliche Profle entwickelt und
geschärft sowie Akteurinnen und Akteure
entsprechend bedarfsgerecht unterstützt
werden. Hier spielen auch das Arbeitsumfeld,
die Arbeitsbedingungen und die Erreichbarkeit
der Arbeitsstätten eine wichtige Rolle, damit
Köln für Arbeitnehmerinnen und Arbeitneh
mer weiterhin attraktiv bleibt.
Auch Kölns Standortfaktor als wichtige Wis
senschaftsstadt, der zum vielfältigen Profl
der Stadt beiträgt, soll gestärkt werden. Eine
Investition in die Hochschulen und zahlrei
chen Forschungseinrichtungen ist in vielerlei
Hinsicht eine Investition in Kölns Zukunft. Es
stärkt vor allem auch die jungen Altersschich
ten der Stadt zwischen 18 und 30 Jahren, was
langfristig für eine lebendige Stadt und ein
gesundes Wachstum sorgt.
Ganz Köln kann proftieren, wenn es gelingt,
innovative und kreative Köpfe dauerhaft an die
Stadt zu binden. Hierzu bedarf es neuer Mög
lichkeiten und Raum für Startups, Gründerin
nen und Gründer, aber auch für kreative und
kulturelle Akteurinnen und Akteure. Prämisse
muss sein, Innovationen zuzulassen und fexi
bel auf neue Ideen zu reagieren.
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive
90
Ziel 2.1
Köln s
tärkt seinen breiten WirtschaftsMix.
Ein Wirtschafts oder Branchenmix, also die
Anwesenheit unterschiedlicher Gruppen von
Unternehmen, lässt die städtische Wirtschaft
fexibel auf Strukturveränderungen reagieren
und trägt damit maßgeblich zur Resilienz
gegenüber konjunkturellen Effekten und Krisen
bei.
Köln ist bereits gekennzeichnet durch eine
große Vielfalt im Branchenmix. Dies ist die
große Stärke der Stadt, die weiter durch ver
schiedene Ansätze kultiviert werden soll.
Köln hat sich daher unter anderem das Ziel
gesetzt, zum proflierten Startup und Grün
dungsstandort zu werden. Hierfür benötigt es
zum einen gezielte Unterstützung und Förde
rungen, zum anderen aber auch bedarfsge
rechte Räume jenseits klassischer Bürofächen
und Werkshallen in Gewerbegebieten. Die
Stadt unterstützt Handels und Wirtschafts
areale bei bevorstehenden Veränderungen
und bietet Hilfestellungen bei Transforma
tionsprozessen. Die Ausdifferenzierung der
Produktions und Distributionsprozesse, die
Digitalisierung und neue Technologien haben
in den letzten Jahren neue Formen der Produk
tion ermöglicht und sie wieder näher an die
Ballungsräume herangerückt. Um von diesen
Entwicklungen zu proftieren, sollten Innovati
onen auf dieser Ebene weiter vorangetrieben
werden. Durch die Förderung der urbanen
Produktion lassen sich unter anderem auch
Möglichkeiten innovativer Nutzungsmixe oder
neuer Formen von gewerblicher Architektur
erproben.
Auch eine verstärkte Internationalisierung för
dert die Vielfalt und Resilienz der städtischen
Wirtschaft. Als global vernetzte Metropole
treibt Köln die Internationalisierung des Wirt
schaftsstandortes entsprechend weiter voran
und fördert verstärkt Netzwerke oder inter
nationale Veranstaltungen wie beispielsweise
Messen. Nicht zuletzt spielt in Köln zudem
die stadtnahe und regionale Landwirtschaft
eine nach wie vor wichtige Rolle, die im Sinne
regionaler Entwicklung auch weiter gestärkt
werden sollte. Urbane Formen der landwirt
schaftlichen Produktion – wie „Vertical Far
ming“ in Hochhäusern oder „Urban Farming“
auf Dächern und Freifächen – bringen die
Lebensmittel näher an den Verbraucher, redu
zieren Lieferwege und können zeitgleich zur
Durchgrünung und damit zur Lebensqualität
beitragen.
# Die Branchenvielfalt als Stärke Kölns
kultivieren
# Internationalisierung und Innovation des
Wirtschaftsstandortes vorantreiben
# Urbane Produktion fördern
# Handelsstandorte sichern und beim
Wandel unterstützen
# Köln als Startup und Gründerstand
ort profilieren
# Regionale und urbane landwirt
schaftliche Produktion fördern
91
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive
Ziel 2.2
Köln baut s
eine Position als führende
Wissenschaftsstadt aus.
Forschungseinrichtungen und Universitäten
sind wichtige Impulsgeber für die Zukunft. Als
solche haben sie das Potenzial, durch Wissen
stransfer Innovationen in die Gesellschaft zu
tragen und die Stadt voranzubringen. Daher
müssen Universitäten und Forschung in der
Stadt auch sichtbar gemacht werden, bei
spielsweise durch sinnvolle Anknüpfungen
an die Wirtschaft, Reallabore mit zivilgesell
schaftlicher Beteiligung oder andere, für die
Stadtöffentlichkeit zugängliche Veranstaltun
gen, die das Potenzial haben, das kulturelle
Leben der gesamten Stadt anzureichern.
An der Universität zu Köln sind bereits vier Ex
zellenzcluster der Exzellenzstrategie des Bun
desforschungsministeriums angesiedelt, die in
verschiedensten Bereichen – von Medizin über
Biologie bis hin zu Quantencomputern und
Wirtschaftswissenschaften – herausragende
Forschung betreiben. Diese Stärken gilt es zu
erhalten und gleichzeitig die Förderung von
Lehre und Forschung nicht aus dem Blick zu
verlieren. So kann es gelingen, für alle Studie
renden, Lehrenden und Forschenden attrakti
ve Rahmenbedingungen zu schaffen.
Zugleich ist die breit aufgestellte Kölner Wis
senschaftslandschaft ein wichtiger Standort
faktor für die Wirtschaft. Technologietransfer
und Kooperationen mit der Wirtschaft können
gewinnbringend für beide Seiten sein und soll
ten daher künftig stärker kultiviert werden.
# Wissenschafts und Technologietransfer stärken
# Attraktive Rahmenbedingungen für Studierende und
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schaffen
# Wissenschaft in der Stadt sichtbar machen
# Forschungseinrichtungen als Impulsgeber für die Zukunft
stärken
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive
92
Ziel 2
.3
Köln entwickelt gewerbliche und industrielle
Standorte mit klarem inhaltlichen Profil.
Verschiedene Gewerbe haben verschiedene
Anforderungen an den passenden Raum und
die richtigen Rahmenbedingungen, vom Bü
rostandort in der City über klassische kleintei
lige Gewerbegebiete am Stadtrand bis hin zu
global bedeutenden Standorten der Industrie.
Köln versucht, gezielt auf diese Anforderungen
einzugehen, indem es die Gewerbe und In
dustriegebiete auf der Basis ihres bestehenden
oder erwünschten Profls gezielt weiterent
wickelt. Die unterschiedlichen Profle können
ein Ausgangspunkt für eine stadtweite Stra
tegie zur Verteilung diverser Gewerbe und
Industriestandorte sowie einer Ansiedlung
von neuen Betrieben sein. Dabei sollten auch
Standorte und Entwicklungen in der regiona
len Umgebung miteinbezogen werden.
Ziel ist es, mithilfe klarer inhaltlicher Profle
Kölns Arbeits und Produktionsstandorte
für die Zukunft zu qualifzieren – auch mit
dem Ziel, Köln als Standort für internationale
Firmen zu proflieren. Insbesondere für die
Beschäftigten ist die Attraktivität des Arbeits
umfeldes und der Arbeitsbedingungen von
zentraler Bedeutung. Diese Aspekte denkt
Köln bei der Entwicklung der Gewerbestand
orte konsequent mit.
Zugleich ist Köln offen für Innovation und
Transformation und schafft gezielt Strukturen
und Räume für Startups sowie innovative und
nachhaltige Unternehmungen und Entwick
lungen.
# Adressen für internationale Unternehmen profilieren
# Industrie und Gewerbegebiete typisieren und nach den
Bedürfnissen ihrer Akteurinnen und Akteure stärken,
inklusive inhaltlichem Profil
# Attraktivität des Arbeitsumfeldes und der Arbeits
bedingungen sichern
# Räume und Strukturen für Startups stärken
93
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive
Ziel 2.4
Köln en
twickelt Räume und Strukturen
für die Kultur und Kreativwirtschaft.
Köln ist eine bunte Metropole, deren Wirt
schaft auch von vielen kreativen Akteurinnen
und Akteuren geprägt wird – viele Arbeitsplät
ze und Einkommen hängen inzwischen von
der Kultur und Kreativwirtschaft ab. Die Stadt
verfügt zudem über ein reiches kulturelles
Erbe und diverse Museen, aber auch über zeit
genössische Kunst und Kulturangebote. Diese
Position als Kunst und Kulturmetropole will
Köln aktiv fördern und weiter ausbauen.
Gleichzeitig sind Kunst und Kultur mehr als
Erwerbsarbeit. Künstlerische und kreative Nut
zungen übernehmen häufg zentrale Anker
funktionen in Quartieren. Dafür benötigen sie
Raum und Förderung – wichtige Ressourcen,
bei deren Vermittlung und Bereitstellung die
Stadt Köln unterstützen kann, zum Beispiel in
dem sie durch das „Kreativcluster“ Vernetzung
und Austausch ermöglicht und so die gesamte
Branche stärkt. Hierbei ist es wichtig, auch die
freie Szene, subkulturelle und nicht kommerzi
elle Kulturangebote zu fördern, um die Kölner
Kulturlandschaft nicht nur zu erhalten, son
dern vor allem auch ihre Diversität weiter zu
fördern. Schließlich benötigen Kultur, kreative
Entfaltung und Experimente einen gewissen
Spielraum, den Köln beispielsweise durch Zwi
schennutzungen ermöglichen kann. Zugleich
sollen kulturellen Akteurinnen und Akteuren
Wege aufgezeigt werden, die zur Verstetigung
und dauerhaften Etablierung verhelfen.
# Kölns Position als Kunst und Kulturmetropole ausbauen
# Zwischennutzungen fördern und vermitteln
# Kreativcluster etablieren
# Freie Szene, Subkultur und NonProfitOrganisationen
unterstützen
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive
94
Ziel 2.5
Köln o
ptimiert die Flächennutzung der
Industrie und Gewerbegebiete und
verbessert ihre Erreichbarkeit.
Bisher sind Industrie und Gewerbegebiete
meist sehr fächenintensive Nutzungen. Um
Flächenverbrauch und Versiegelung zu redu
zieren, hat sich Köln das Ziel gesetzt, zukünftig
– wo immer möglich – Produktion, Gewerbe
und Industrie zu stapeln und somit fächen
effzient zu verdichten. In gestapelten Gewer
begebieten bietet sich die Chance, neue Typen
von Stadt zu erproben, die innovativ auf die
sich verändernden Arbeitswelten des 21. Jahr
hunderts reagieren können.
Auch die Anbindung der Arbeits und Produk
tionsstätten an die öffentliche Nahmobilität
und das Rad und Fußverkehrsnetz soll verbes
sert werden: Dies sorgt nicht nur für weniger
motorisierten Individualverkehr, sondern trägt
auch zur Attraktivität der Firmenstandorte bei.
Dichtere Gewerbe und Industrieareale sowie
die Förderung der urbanen Produktion können
helfen, die Rentabilität von ÖPNVLinien zu
erhöhen.
Auch beim Warenverkehr muss multimodal
gedacht werden – Köln hat hier eine gute
Ausgangsposition durch seine quattromodale
Anbindung an Straße, Schiene, Wasserstraße
und Luftverkehr, die es vor dem Hintergrund
des Klimawandels zu optimieren gilt. Wichtig
ist es, Logistikverkehre sinnvoll zu vernetzen,
klimaschonend zu managen und stadtverträg
lich zu organisieren.
# Produktion vertikal verdichten und stapeln
# Die Erreichbarkeit mit dem ÖPNV verbessern
# Logistikangebote für Gewerbe und Industrie innovativ
und stadtverträglich organisieren
95
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive
Ziel 2.6
Köln integrie
rt Erwerbsfähige dauerhaft
in den ersten Arbeitsmarkt.
Für eine forierende Kölner Wirtschaft und eine
gesunde Stadtentwicklung muss möglichst
vielen Kölnerinnen und Kölnern die Mög
lichkeit gegeben werden, am Erwerbsleben
teilzunehmen. Dies gilt sowohl für Menschen
mit geringen Finanz und Bildungsressour
cen als auch für mittel und hoch qualifzierte
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Die
Integration von Erwerbsfähigen in den ersten
Arbeitsmarkt ist daher für die Stadt Köln ein
zentrales Ziel, um Menschen dauerhaft in die
Gesellschaft zu integrieren.
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer brin
gen unterschiedlichste Voraussetzungen
mit, auf die entsprechend reagiert werden
muss. Köln sorgt daher auf verschiedensten
Ebenen für diverse und auf viele Zielgruppen
zugeschnittene Weiterbildungsangebote.
Regionale Kooperationen können hier zu
zielgerichteten Qualifkationen beitragen. Die
Unternehmen werden außerdem dauerhaft
durch öffentliche Beratungsangebote unter
stützt. Vor allem für kleinere Firmen ist es von
zentraler Bedeutung, dass solche Hilfestellun
gen niedrigschwellig, leicht auffndbar und
ohne bürokratischen Aufwand nutzbar sind.
Besonders wichtig ist der Stadt zudem die
Qualifzierung und Mobilisierung junger
Menschen, um dem sich in vielen Branchen
abzeichnenden Fachkräftemangel frühzeitig
entgegenzuwirken. Hierbei darf die Stadt den
Fokus nicht nur auf Studierende legen, son
dern muss aktiv dafür sorgen, einerseits die
Ausbildungswege attraktiv zu gestalten und
andererseits gute Rahmenbedingungen für ein
Leben als Auszubildende oder Auszubildender
zu schaffen. Junge Menschen sollen gern zum
Lernen, Leben, Wohnen und Arbeiten in die
Stadt ziehen, ein Schritt, der unabhängig ihres
Hintergrunds fnanzierbar sein muss.
# Fachkräfte durch frühzeitige Bildungs und
Orientierungsmaßnahmen sichern
# Weiterbildungsmöglichkeiten und berufliche Perspek
tiven ermöglichen
# Dauerhafte Beratungsangebote und Hilfestellungen
für Erwerbstätige und Unternehmen anbieten
# Arbeitsplatzangebote für Erwerbsfähige mit
unterschiedlichen Voraussetzungen sichern
# Zugangsbarrieren zu Ausbildungsplätzen abbauen
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive
96
Leitsatz 3
Köln sorgt für
Bildung,
Chancen
gerechtigkeit
und Teilhabe.
97
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive
Zu einer langfristig nachhaltigen Entwicklung
Kölns zählen auch die Ermöglichung der Teil
habe eines jeden Menschen in vollem Umfang
an der Gesellschaft sowie die Akzeptanz jedes
Menschen in seiner Individualität. Erst dann
kann von sozialer Inklusion sowie Chancen
und Generationengerechtigkeit gesprochen
werden. Steigende Bevölkerungszahlen und
ein damit einhergehender Wachstumsdruck,
besonders in innerstädtischen Lagen, dürfen
die soziale und funktionale Vielfalt nicht weiter
gefährden.
Um Köln in dieser Entwicklung weiter positiv
voranzutreiben, muss die schon vorhandene
strukturelle und kulturelle Vielfalt der Kölner
Veedel weiter gestärkt werden, unter anderem
durch bezahlbaren Wohnraum und vielfältige
Wohnformen, die einen barrierefreien Zu
gang und Raum für Gemeinschaft zulassen.
Das Bereitstellen und Zugänglichmachen von
bedarfsorientierten kulturellen und sozialen
Bildungsangeboten – besonders auch für eine
kinder, jugend und familienfreundliche Stadt
– sorgt für Chancengerechtigkeit und liefert,
verbunden mit der Möglichkeit der gemein
samen Gestaltung, zugleich die Basis für ein
gerecht wachsendes und weiterhin offenes
und tolerantes Köln.
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive
98
Ziel 3.1
Köln f
ördert die Vielfalt in den Stadtteilen.
Als erste deutsche Kommune unterzeichnete
die Stadt Köln 2007 die „Charta der Vielfalt“,
im Jahr 2013 wurde die Dienststelle Diversity
etabliert – Köln hat Vielfalt früh als Potenzial,
Ressource und großen Schatz erkannt. Damit
ein respektvolles, gemeinsames Zusammenle
ben weiterhin gelingt und die Vielfalt der Stadt
erhalten bleibt, muss diese aktiv gestaltet wer
den, um auch künftig als Bereicherung erkannt
und gelebt zu werden. Der lokalen Ebene der
Veedel kommt dabei eine besondere Rolle zu.
Hier treffen Menschen mit verschiedenen Vo
raussetzungen in den Bereichen Einkommen,
Bildung, Alter, Erwerbsstatus, Religion, Kultur,
Behinderung, Weltanschauungen und Lebens
entwurf täglich aufeinander.
Daher hat es sich Köln zum Ziel gesetzt, die
lokalen Möglichkeitsräume, die sich für die
Entwicklung und Förderung der Vielfalt in den
Stadtteilen ergeben, weiter auszuschöpfen
und zu fördern. Hierfür sollen – den verschie
denen strukturellen wie sozialen Potenzialen
und Herausforderungen der Veedel entspre
chend – Rahmenbedingungen geschaffen und
Möglichkeitsräume eröffnet werden, um auf
Vielfalt mit Vielfalt antworten zu können. Ent
sprechende Wege bilden unter anderem die
Etablierung neuer und der Schutz bestehender
Konstellationen durchmischter Nachbarschaf
ten, beispielsweise durch die Förderung eines
gemeinsamen Handelns in der Zusammenar
beit mit kommunalen und genossenschaft
lich organisierten Wohnungsunternehmen.
Aber auch kulturelle Einrichtungen wie Kon
zerthäuser und Clubs tragen zur Vielfalt der
Viertel bei und sollen entsprechend erhalten
werden. Um strukturelle Verbesserungen
bei der Entwicklung und Umsetzung integ
rierter Quartiersentwicklung zu erreichen,
muss das sozialraumorientierte Denken in der
Verwaltung ebenso gestärkt werden wie die
abgestimmte Zusammenarbeit zwischen den
in den Quartieren aktiven Akteurinnen und Ak
teuren. Eine besonders wichtige Rolle kommt
bei allen Ansätzen der aktiven Beteiligung der
Bewohnerschaft zu.
# Kleinteilige Mischung unterschiedlicher Wohnangebote
# Wohnmilieus innerhalb von Gebäuden und Nachbarschaften
mischen
# Gewachsene kulturelle Vielfalt erhalten
99
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive
Ziel 3.2
Köln so
rgt für bezahlbaren Wohnraum
und vielfältige Wohnformen.
Köln wächst. Um diese Dynamik positiv zu ge
stalten, braucht es eine entsprechende Wohn
raumversorgung. Dies bedeutet, Wohnungen
in ausreichender Zahl, in vielfältigen und fnan
zierbaren Formen und verschiedenen Größen
für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen,
inklusive konkreter Angebote für Menschen
mit besonderen Bedarfen und Ferne zum
Wohnungsmarkt, zu entwickeln und dauerhaft
zu erhalten. Diese Vielfalt des Angebots muss
sich auch in einer entsprechenden Durchmi
schung in den einzelnen Veedeln wiederfn
den – bezahlbarer Wohnraum darf sich nicht
ausschließlich segregiert in unbeliebten Lagen
oder an Hauptverkehrsstraßen bündeln.
Hierfür müssen weitere Flächen für den Woh
nungsbau identifziert und in Kooperation mit
allen Akteurinnen und Akteuren des Woh
nungsmarktes initiiert und in Richtung vielfäl
tiger Wohnungsangebote vorangetrieben wer
den. Gleichzeitig sollen die Herausforderungen
im Wohnungsbestand angegangen werden:
Neben der Sicherung und dem Erhalt steht die
schrittweise Anpassung der Bestände an die
Anforderungen des demografschen Wandels
und des Klimaschutzes im Fokus. Außerdem
soll der Zweckentfremdung von Wohnraum
intensiver entgegengewirkt werden.
# Geförderten und bezahlbaren Wohnungsbau steigern
# Städtische Wohnungsbaugesellschaften und
Genossenschaften stärken
# Flächen für den Wohnungsbau mobilisieren und Zugang
zum Grundstücks und Immobilienmarkt für ein breit
gefächertes Akteursfeld öffnen
# Neue Wohnformen fördern (Mehrgenerationenwohnen,
barrierearmes und flexibles Wohnen)
# Reduzierung des Wohnflächenverbrauchs pro Person
ermöglichen (mehr Gemeinschaftsflächen)
# Zielgruppenspezifische Wohnangebote (für Studierende,
ältere Menschen …) stärker fördern
# Vollständiges Wohnraumpotenzial ausschöpfen und
die Flächen vor Zweckentfremdung schützen
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive
100
Ziel 3.3
Köln s
etzt sich aktiv für eine
inklusive Gesellschaft ein.
Inklusion bedeutet sinngemäß übersetzt
„Zugehörigkeit“ und damit das Gegenteil von
Ausgrenzung. Wenn also jeder Mensch, unab
hängig seiner Individualität – Herkunft, Welt
anschauung, Religion, sexuellen Orientierung,
seines Geschlechts oder einer Beeinträchti
gung – am Leben in der Gesellschaft teilneh
men kann, ob am Arbeitsplatz, am Bildungsan
gebot, am Alltagsleben in der Nachbarschaft
oder der Freizeit, kann von einer inklusiven
Gesellschaft gesprochen werden.
Diesem Ziel hat sich auch Köln verschrieben
und will sich auf den Weg zu einer gerechteren
Stadtgesellschaft machen. Wie schon mit der
Kampagne „Unsere Vielfalt – Kölns Stärke“
sollen Vielfalt und Gemeinsamkeiten weiter in
den Fokus gerückt werden, um ein deutliches
Zeichen gegen Diskriminierung und Ausgren
zung und für das offene und vielfältige Köln
zu setzen. Dafür müssen zum einen entspre
chende Angebote geschaffen werden, bei
spielsweise in puncto Wohnraum, Erholungs,
Sport und Freizeitaktivitäten oder barrierefrei
er Mobilität.
Zum anderen gilt es, die Teilhabe auch wirklich
sicherzustellen. Eines der wichtigsten Instru
mente stellt dabei die Bildung beziehungs
weise Bildungsgerechtigkeit dar, sie formt die
Basis der gesellschaftlichen Teilhabe.
# Inklusive und vielfältige Gesellschaft in allen Bereichen
des öffentlichen Handelns berücksichtigen
# Integration von Zugewanderten fördern
# Zugang zu (inter)kulturellen und sozialen Angeboten
stärken und bereitstellen
# Anlauf und Beratungsstellen für unterschiedliche
Bevölkerungsgruppen in den Veedeln schaffen
# Mobilitätschancen für alle sichern
# Offenheit und Toleranz erhalten und sichern
(unter anderem Sicherheit im öffentlichen Raum)
# Wohnraum für Menschen mit Behinderung bereitstellen
# Angebote und Teilhabemöglichkeiten für Seniorinnen
und Senioren weiterentwickeln
101
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive
Ziel 3.4
Köln fördert d
ie kinder, jugend
und familienfreundliche Stadt.
Bereits 2013 hat Köln sich zu den Vereinbarun
gen der UNKinderrechtskonvention bekannt.
Im Februar 2018 wurde Köln als erste deutsche
Millionenstadt von der Initiative „Kinder
freundliche Kommunen“ von Unicef und dem
Deutschen Kinderhilfswerk mit dem Siegel für
Kinder und Jugendfreundlichkeit ausgezeich
net.
Die kinder, jugend und familienfreundliche
Stadt ist eine Querschnittsaufgabe für alle
Akteurinnen und Akteure des städtischen Han
delns, die von allen lokalen Handlungsfeldern
begriffen und berücksichtigt werden muss –
ob beim Thema Bezahlbarkeit von Wohnraum,
medizinischer Versorgung, sozialer Infrastruk
tur, (Aus)Bildungs und Betreuungsmöglich
keiten oder städtebaulicher Entwicklung.
Um die Situation für Kinder, Jugendliche und
auch Familien in Köln weiter zu verbessern,
sollen deren Rechte gestärkt und insbesonde
re benachteiligte Kinder oder auch alleinerzie
hende Elternteile weiter unterstützt werden.
Dies bezieht sich auf Angebote der Betreuung
sowie der Möglichkeiten für Bewegung, Spiel
und gemeinsame Aktivitäten – sowohl für
Kinder als auch für Jugendliche. Insbesondere
sollen weitere Anstrengungen unternommen
werden, um die Kinderarmut zu bekämpfen.
# Kinderrechte in der Stadtgesellschaft und im
Verwaltungshandeln stärken
# Folgen von Kinderarmut bekämpfen
# Ausreichende Angebote für die Kinderbetreuung in den
Quartieren sicherstellen
# Unterstützung für alleinerziehende Elternteile ausbauen
# Spiel, Bewegungs und Aktionsangebote für Kinder und
Jugendliche bedarfsgerecht ausbauen
# Jugendliches Engagement fördern und Freiräume
bereitstellen
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive
102
Ziel 3.5
Köln f
ördert den Zugang zu Bildung und
Qualifikation als Schlüssel zur Teilhabe.
Zu den wichtigsten Aufgaben der Stadt Köln
gehört es, ein verlässliches, breit gefächer
tes und hochwertiges Bildungsangebot zu
gewährleisten, das allen Bürgerinnen und
Bürgern einen chancengerechten Zugang zu
Selbstbestimmung und Teilhabe ermöglicht.
Schließlich wird durch kommunales Bildungs
management die Grundlage für berufiche Per
spektiven, den Erfolg individueller Lebensläufe
und lebenslanges Lernen gelegt. Da Bildung
die zentrale Ressource für den Produktions,
Innovations und Wissensstandort Köln dar
stellt, begründet sie zudem die Basis für die
Zukunftsfähigkeit der Region.
Dabei fndet Lernen generell nicht nur in der
Schule, sondern auch in Kinder und Jugend
einrichtungen, Weiterbildungseinrichtungen,
in Museen, Theatern, Sportvereinen und an
vielen anderen Orten und zu anderen Gelegen
heiten sowie in allen Altersgruppen statt.
Um das Kölner Bildungsangebot zukunfts
fähig zu gestalten, müssen vor allem neue
Infrastrukturen und Angebote geschaffen
und bestehende Angebote besser koordiniert
werden. Eine Optimierung der bestehenden
Qualitäten und der Zugänglichkeit bestehen
der Angebote durch Dialoge und Koopera
tionen soll die Angebote aller Bereiche des
lebensbegleitenden Lernens in Köln nachhaltig
verbessern.
# Bildungsangebote und zugänge für alle Lebenslagen
anbieten und weiterentwickeln
# Bildungsinfrastruktur ausbauen und erneuern
# Neue Anforderungen (z. B. Klimawandel, Digitalisierung …)
in die Bildung integrieren
# Kapazitätsengpässe im Schul und Kinderbetreuungssystem
beseitigen
# Bedarfsgerechte Weiterbildungsangebote für Erwachsene
ausbauen
# Integrative Angebote in den Bereichen Bildung und
Qualifikation stärken
103
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive
Ziel 3.6
Köln unte
rstützt das bürgerschaftliche Engagement
und setzt auf breite Einbeziehung der Bürgerinnen
und Bürger in der Stadtentwicklung.
Von der Zivilgesellschaft werden verstärkt
neue, intensivere und qualitätsvolle Formen
der Beteiligung in der Stadtentwicklung formu
liert und eingefordert. Dabei muss zwischen
Partizipation, die von der Konsultation bis zur
Ermöglichung echter Teilhabe reicht, Empo
werment, also der Aktivierung und Ermächti
gung zum selbstständigen Handeln, und dem
freiwilligen bürgerschaftlichen Engagement
unterschieden und Ziele entsprechend formu
liert werden. Alle drei Aspekte des bürgerlichen
Engagements sollen in Zukunft gefördert wer
den und Wertschätzung erfahren.
In puncto Partizipation hat Köln in den letzten
Jahren – auf Grundlage der Erfahrungen an
derer Kommunen – einen neuen, integrierten
Ansatz der systematischen Öffentlichkeitsbe
teiligung entwickelt und testet die „Leitlinien
Bürgerbeteiligung“ seit dem Frühjahr 2019 in
einer Pilotphase. Ziele dieser Leitlinien sind
unter anderem eine respektvolle und faire
Zusammenarbeit, frühzeitige und transpa
rente Information und Kommunikation, eine
geeignete Ansprache aller interessierten
beziehungsweise betroffenen Kölnerinnen
und Kölner, klare Ziele und ein abgegrenz
ter Gestaltungsspielraum, verlässliche und
verbindliche Auseinandersetzung mit Ergeb
nissen, andauerndes Lernen und inhaltliche
Weiterentwicklung. In Zukunft soll sich jedes
Verfahren an diesen Standards messen lassen.
Ein besonderer Fokus soll dabei auf die Förde
rung und Ausweitung der Partizipations und
Gestaltungsmöglichkeiten von Kindern und
Jugendlichen gelegt werden. Diese fndet in
Köln bereits an vielen Stellen statt, muss aber
aufgrund des hohen Bedarfs weiter gestärkt
und vernetzt werden.
Im Bereich des bürgerschaftlichen Engage
ments kann Köln besonders auf die hohe
Bereitschaft seiner Bürgerinnen und Bürger
vertrauen, einen freiwilligen Beitrag zur Ge
meinschaft zu leisten. Dieses Engagement ist
für die Weiterentwicklung des Gemeinwesens
unverzichtbar und braucht zu seiner weiteren
Entwicklung in Zukunft eine neue Kultur der
Wertschätzung sowie gezielte Förderung,
Freiräume und Vernetzung.
# Beteiligungsangebote ausbauen
# Standards für gute Beteiligung umsetzen
# Wechselseitiges Lernen zwischen den Akteurinnen und
Akteuren fördern (Bewusstseinsbildung)
# Ehrenamt sowie Engagement und Initiative fördern
# Stadt als professionelle Dienstleisterin, geschätzte Partnerin
und attraktive Arbeitgeberin etablieren
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive
104
Leitsatz 4
Köln stärkt seine
Rolle als viel
fältig vernetzte
Metropole.
105
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive
Für eine resiliente Entwicklung, die den Her
ausforderungen der Zukunft und Ansprüchen
der Bewohnerinnen und Bewohner gerecht
wird, muss Köln als Metropole auf eine stabile
Vernetzung setzen. So sorgen das zunehmen
de Bevölkerungswachstum, eine steigende
Multilokalität und eine veränderte Güter
versorgung für steigende und vielfältigere
Verkehrsströme und Mobilitätsnachfragen
in der Stadt, die umweltfreundliche, fächen
schonende und smarte Lösungen erfordern.
Um die alltägliche Mobilität der Kölnerinnen
und Kölner zu verbessern, setzt Köln gezielt
auf die Mobilitätsangebote des Umweltver
bunds. Der ÖPNV wird weiter ausgebaut und
die verschiedenen Angebote werden besser
miteinander vernetzt. Rad und Fußverkehr
werden gefördert und auch innovative neue
Ansätze, wie zum Beispiel Sharing, also die
geteilte Nutzung von Fortbewegungsmitteln
im Individualverkehr, oder moderne Logisti
kinfrastruktur werden berücksichtigt. Neben
der Zunahme nachhaltiger Mobilitätstrends
bergen vor allem auch die Möglichkeiten der
Digitalisierung neue Ansätze, den Verkehr in
Zukunft effzienter und umweltschonender zu
gestalten.
Um dem Klimawandel zu begegnen, den
Arten und Naturschutz auch in der Stadt zu
stärken und gleichzeitig die Lebensqualität der
Menschen zu erhöhen, stärkt Köln zusammen
mit der Region sein grünes Freiraumnetz.
In Siedlungsbereichen erhält die Bereitstellung
von attraktiven öffentlichen Räumen eine im
mer größere Rolle und ist somit ein wichtiger
Teil der Daseinsvorsorge.
Auch bei der Digitalisierung bleibt Köln Vorrei
ter und baut seine Angebote weiter aus. Daten
werden genutzt, um die Stadt im Sinne einer
„Smart City“ ft für die Zukunft zu machen.
Als vielfältig vernetzte Metropole stärkt Köln
seine internationalen Netzwerke und Städte
partnerschaften und fördert den fachlichen
Austausch. Ebenso werden regionale Koope
rationen genutzt, um gemeinsame, grenz
überschreitende Probleme zu lösen und eine
nachhaltige Entwicklung voranzubringen.
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive
106
107
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive
Ziel 4.1
Köln entwi
ckelt seine Mobilitätsangebote gemeinsam
mit der Region innovativ und umweltverträglich weiter
und stärkt den öffentlichen Nahverkehr.
Die Mobilität der Zukunft ist multimodal ver
netzt. Die wenigsten Kölnerinnen und Kölner
nutzen ausschließlich das Auto, den öffentli
chen Nahverkehr, das Fahrrad oder gehen nur
zu Fuß. Daher kommt vor allem den Umsteige
punkten zwischen den verschiedenen Mobili
tätsangeboten in Stadt und Region eine große
Bedeutung zu, möchte man die Multimodali
tät weiter fördern. Diese sogenannten „Hubs“
zu entwickeln, wird eine zentrale Aufgabe der
nächsten Jahre sein. Dabei bieten sie neben
Umsteigepunkten innerhalb des öffentlichen
Nahverkehrs auch SharingAngebote bei
spielsweise für Fahrräder oder EFahrzeuge an.
Somit können die Anzahl der eigenen Fort
bewegungsmittel und die Raumansprüche
des ruhenden Verkehrs in der Stadt reduziert
werden. Auch der Rhein könnte durch neue
Mobilitätsangebote auf dem Wasser zum ver
bindenden Element werden.
Die Hubs müssen an den richtigen Stellen
platziert, einfach bedienbar und zugänglich
# Verknüpfungen zwischen den
Verkehrsträgern verbessern
# Querverbindungen schaffen und
Lücken im Netz schließen
# Kapazitätsengpässe nachhaltig
beheben
# SharedMobilityAngebote ausbauen
(insbesondere auch in den äußeren
Stadtteilen)
gemacht sowie klug mit dem System vernetzt
werden, um leicht und einfach ein und um
steigen zu können, ohne ein Mehr an Verkehr
in der Stadt zu erzeugen. Zudem muss das be
stehende ÖPNVNetz in seiner Leistungsfähig
keit gesteigert werden, um mehr Menschen
zum Umsteigen zu bewegen. Hierfür müssen
Netzlücken geschlossen, neue Querverbindun
gen und Haltepunkte geschaffen sowie Kapazi
tätsoffensiven oder höhere Taktungen initiiert
werden.
Die Idee der Hubs soll dabei aber nicht nur im
Bereich des Personenverkehrs vorangebracht
werden, sondern auch als LogistikHubs im
regionalen Maßstab gedacht werden, um der
künftigen Veränderung der Lieferbeziehungen
und Güterversorgung zu begegnen, steigende
Verkehrsströme zu reduzieren und Köln zum
Vorreiter für eine stadtverträgliche CityLogis
tik zu machen.
# Mobilitätsangebote auf dem Wasser
entwickeln
# LogistikExzellenz (Verkehrs und
Lagegunst) quattromodal nutzen und
ausbauen
# Köln zum Vorreiter für eine stadt
verträgliche CityLogistik machen
# Köln als Experimentierregion für
innovative und zukunftsfähige
Mobilitätssysteme etablieren
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive
108
Ziel 4.2
Köln sc
hafft mehr Raum für
Rad und Fußverkehr.
Internationale Beispiele zeigen, dass ein
zukunftsorientierter Ausbau des Fahrradver
kehrs äußerst positive Effekte auf die Lebens
qualität und Mobilität der Stadtbewohnerin
nen und bewohner hat. Die Umverteilung
beziehungsweise Umstrukturierung der
Straßenräume zugunsten der Radinfrastruktur
ist zum einen die logische Reaktion auf den be
reits gestiegenen Radverkehrsanteil am Modal
Split und zum anderen die Voraussetzung da
für, dass in Zukunft noch mehr Menschen auf
das Rad umsteigen beziehungsweise häufger
nutzen. Außerdem berücksichtigt ein gutes
und sicheres Radverkehrsnetz verschiedene
Ebenen – neben guten Verbindungen im Quar
tier benötigt es ebenso hochwertige regionale
Radschnellwege. Hierfür müssen Netzlücken
geschlossen und Verbindungen an multimoda
le Umsteigepunkte (Hubs) hergestellt werden.
Die Möglichkeit, kurze Wege entspannt zu Fuß
zurücklegen zu können, trägt zur Lebensqua
lität bei. Zu Fuß gehen heißt Bewegung und
fördert damit auch die Gesundheit. Besonders
für ältere Menschen und Kinder ist die fußläu
fge Bewegung durchs Veedel häufg zentraler
Modus der Fortbewegung. Straßenräume, die
vorrangig aus der Sicht dieser beiden Ziel
gruppen entwickelt werden, sind besonders
attraktiv und weisen nur wenige Barrieren auf.
Temporeduzierungen, verkehrsarme Bereiche
und SharedSpaceAngebote können nicht
nur Emissionen reduzieren, sondern sorgen
durch ähnliche Geschwindigkeitsniveaus auch
für mehr Chancengleichheit und Sicherheit im
Straßenverkehr.
Einen weiteren wichtigen Faktor stellt das
Umdenken in der Planung an sich dar: Eine von
Beginn an integrierte Planung, die den Rad
und Fußverkehr als gleichberechtigten Teil der
Verkehrsplanung betrachtet, ist ein elemen
tarer Erfolgsfaktor für eine erfolgreiche Ver
kehrswende und damit einhergehend auch für
die Verbesserung der Lebens und Aufenthalts
qualität in der Stadt.
# Das Radwegenetz ausbauen (Netzlücken schließen,
zum Beispiel über den Rhein)
# Regionale Radschnellwege schaffen
# Straßenräume neu strukturieren und für Fuß wie
Radverkehr optimieren
# SharedSpaceAngebote und verkehrsarme Bereiche
in den Quartieren erproben
# Temporeduzierte Bereiche ausweiten
# Fußgängerinfrastruktur stärken
109
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive
Ziel 4.3
Köln stärkt sein grün
es Freiraumnetz
und entwickelt es in die Region weiter.
Für Lebensqualität und Stadtklima hat die
Grünversorgung eine zentrale Bedeutung.
Gleichzeitig werden Städte auch immer mehr
zu ökologisch reichen Nischenwelten und das
Stadtgrün zu einer umkämpften Ressource.
Daher gilt es, sowohl die großen Freiräume
rund um die Stadt als auch die kleineren
grünen Oasen im kompakten Kern Kölns zu
sichern, zu stärken und zu qualifzieren. Als
wichtiger Faktor für Lebensqualität ist die In
vestition in Grün, Frei und Landschaftsräume
von großer Bedeutung.
Mit ihrem qualifzierten Inneren wie Äußeren
Grüngürtel, der Rheinuferpromenade und
dem rechtsrheinischen Rheinboulevard ver
fügt Köln bereits über wichtige, identitätsstif
tende Freiräume im Herzen der Stadt. Trotz
dem gilt es, Schwachstellen im grünen Netz
Kölns zu identifzieren, um gezielte Qualifka
tionsmaßnahmen anstoßen zu können.
Im Hinblick auf die Industrialisierung der
Landwirtschaft, das Insektensterben und
andere ökologische Problematiken sind Städ
te zu wichtigen Habitaten großer Artenviel
falt geworden – schließlich sind auch Städte
Naturräume. Daher müssen Artenschutz und
vielfalt wichtige Voraussetzungen bei der
Gestaltung der Kölner Stadtlandschaft sein,
sowohl im Bauwesen als auch im Umgang mit
städtischen und privaten Freifächen.
# Grünstrukturen vervollständigen und qualifizieren
(insbesondere auf rechtsrheinischer Seite)
# Das Freiraumnetz aufwerten und stärken
# Artenschutz und Artenvielfalt im regionalen Freiraum
netz fördern
# Neue „grüne Trittsteine“ zwischen großen Freiraum
bereichen schaffen
# Die Siedlungsränder in Bezug zur umgebenden
Landschaft setzen
# Vertikales Grün stärken
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive
110
Ziel 4.4
Köln stärkt se
ine Rolle als Vorreiter
in der Digitalisierung.
Die Digitalisierung ist ein globaler Megatrend,
der alle Lebens und Politikbereiche betrifft.
Ein umfassendes Angebot an digitalen Dienst
leistungen sowie leistungsfähige digitale
Infrastrukturen sind dabei zu einem ausschlag
gebenden Standortfaktor für die Wirtschaft
geworden.
Viele Dienstleistungen in der Stadt, zum
Beispiel Ticketing, Routenberechnung, Echt
zeitauskünfte, Appbasierte Leihsysteme,
RideSharing etc., können dank digitaler
Möglichkeiten neu und bedarfsorientiert
organisiert werden; durch „smarte“ Technolo
gien entstehen bei der Energieproduktion und
speicherung wenig Verluste und Kosten, neue
digitale Prognosefunktionen ermöglichen
passgenaue Vorhersagen von Kundennachfra
gen und optimieren die Stadtlogistik.
Köln will bei der Nutzung der Digitalisierung
eine Vorreiterrolle einnehmen und vor allem
im Bereich der Mobilität die bestehenden
Möglichkeiten nutzen, um dynamischer auf
Nachfragesituationen reagieren zu können
und Verkehrsfüsse effzienter zu steuern.
Köln will SmartCityTechnologien aber auch
in anderen Bereichen noch stärker nutzen,
beispielsweise im Kontakt mit Bürgerinnen
und Bürgern, bei der Beantragung eines Ge
werbescheins, bei Baugenehmigungen oder
der Beantragung von persönlichen Papieren.
Die digitalen Möglichkeiten sollen stärker dazu
beitragen, Prozesse schlank und für alle Betei
ligten angenehm zu gestalten.
Besonders hinsichtlich der strategischen
Steuerung kommt den elektronischen Daten
eine zentrale Rolle zu. Mit dem Geoportal
des Landes NordrheinWestfalen oder dem
Open DataPortal der Stadt Köln existieren
bereits umfangreiche offene Datenportale.
Köln hat es sich zum Ziel gesetzt, die diversen
Datensätze zu Demografe, Stadtentwicklung,
Sozialstrukturen, ökologischen Aspekten etc.
zu verschränken und die Zugänglichkeit zu
optimieren.
# Die digitale Steuerung von städtischen
Systemen und Infrastrukturen
vorantreiben
# Mobilität und Digitalisierung verknüpfen
# Köln stärkt seine mobile und digitale
Infrastruktur und baut die Breitband
infrastruktur aus
# Köln zum Vorreiter für digitale Angebote
der Stadtverwaltung machen
# Open DataAngebote ausbauen
# Digitale Kunstangebote stärken
# Plattform für urbane Daten schaffen
111
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive
Ziel 4.5
Köln stärkt die r
egionale Kooperation
und die internationale Zusammenarbeit.
Die Welt wächst zusammen: Köln ist durch
internationale Firmen, Handelsbeziehungen,
Wissenschaft, Kultur und eine multikulturelle
und vielfältige Gesellschaft global vernetzt.
Auch Städtenetzwerke und partnerschaften
oder gemeinsame Projekte (wie zum Beispiel
das EUProjekt „GrowSmarter“) bieten großes
Potenzial für wirtschaftliche und nachhaltige
Entwicklungen sowie Wissenstransfer. Diese
schon existierenden globalen Netzwerke gilt
es, weiter auszubauen und zum Vorteil für die
gesamte Stadtgesellschaft zu nutzen.
Doch nicht nur global, auch regional bieten
vertiefte Kooperationen mit Nachbargemein
den viele Chancen für Synergieeffekte. Ein
zentrales Thema der interkommunalen Zu
sammenarbeit ist Mobilität, zum Beispiel im
Hinblick auf die vielen täglichen Pendlerinnen
und Pendler, die auf beiden Seiten der Stadt
grenze leben und arbeiten. Hier liegen durch
die Zusammenarbeit der Kommunen in den
verschiedenen Verkehrsverbünden (VRS, VRR,
AVV) und dem Zweckverband NVR bereits
gute Erfahrungen vor. Andere Themen werden
derzeit nur selten im regionalen Kontext be
trachtet. So sollten zum Beispiel in den Berei
chen Schulbau, soziale Infrastruktur oder auch
interkommunale Stadtentwicklungsprojekte
gemeinsame Ansätze und Modellprojekte
entwickelt und umgesetzt werden.
Anstöße hierfür bieten die vorhandenen
StadtUmlandKonzepte und das Agglomera
tionskonzept für die Region KölnBonn, das
im nächsten Schritt als Agglomerationspro
gramm konkretisiert wird.
# Kooperationsrahmen für regionales Wachstum und
nachhaltige Verkehrsentwicklung einführen
# Interkommunale Angebote mit Nachbargemeinden
etablieren
# Vernetzung mit nationalen und internationalen
Partnerinnen und Partnern ausbauen
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive
112
Leitsatz 5
Köln wächst
klimagerecht und
umweltfreundlich
und sorgt für
gesunde Lebens
verhältnisse.
113
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive
Wie alle Städte ist auch Köln vom globalen
Klimawandel betroffen. Hieraus ergeben sich
vielfältige Handlungsbedarfe, um eine nach
haltige Entwicklung der Stadt zu forcieren.
Während für den Klimaschutz vor allem die
Reduktion von Emissionen in der Stadt ein
zentrales Ziel der Kölner Stadtentwicklung
ist, müssen gleichzeitig Vorkehrungen für die
Anpassung an die Folgen der schon spürba
ren Veränderungen des Klimas in Form von
Hitzewellen oder Extremwetterereignissen
getroffen werden. Die große Herausforderung
und zugleich Chance ist es, die Kölner Lebens
qualität im Zuge dieser Handlungserfordernis
se nicht nur zu erhalten, sondern auszubauen
und zu stärken.
Der Kommune und dem Veedel kommt dabei
eine entscheidende Schlüsselrolle zu, während
hier zugleich die Lebensqualität der Bewoh
nerinnen und Bewohner bewahrt werden
soll und Herausforderungen gegeneinander
abgewogen werden müssen. Dies erfordert
ein Reagieren sowohl bei der städtischen
Infrastruktur, beim Städtebau als auch bei der
grundsätzlichen Flächennutzung der Stadt:
Gebäudebestand, Mobilität und Energiever
sorgung müssen für die Zukunft klimaneutral
gestaltet werden.
Um die Lebensqualität ihrer Bewohnerinnen
und Bewohner positiv zu beeinfussen, möchte
die Stadt Köln gesunde Lebensverhältnisse
stärken und unter anderem die Bausteine der
„aktiven Stadt“ stärken. Köln fördert daher die
Gesundheitsversorgung mit ganzheitlichen
Ansätzen und stärkt Sport und Bewegungsan
gebote sowie die Bereitstellung von Sport und
Bewegungsfächen.
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive
114
115
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive
Ziel 5.1
Köln förde
rt Bewegung und Sport.
Gesundheit ist ein hohes Gut, das Lebensqua
lität bis ins hohe Alter ermöglicht. Sport und
Bewegung tragen wesentlich zu Gesundheit
und Lebensqualität bei und spiegeln sich im
allgemeinen Trend hin zu einem steigenden
gesellschaftlichen Gesundheitsbewusstsein
wider. Daher fördert Köln den Sport auch ge
zielt im Hinblick auf die quartiersnahe präven
tive Gesundheitsversorgung.
Mit der Deutschen Sporthochschule, dem
1. FC Köln und vielen weiteren Akteurinnen
und Akteuren ist Köln eine Metropole des
Sports. Neben diesen Spitzenakteurinnen und
akteuren sorgen in den Veedeln die Vereine
tagtäglich für Gesundheit, Zusammenhalt,
Integration und Lebensqualität. Bei dieser
wichtigen Rolle gilt es, sie zu unterstützen und
zu fördern, um in allen Quartieren eine breite
Vielfalt guter Angebote sicherzustellen und
möglichst vielen zugänglich zu machen.
In einer Großstadt sind die räumlichen Res
sourcen naturgemäß häufg knapp. Hallen und
Plätze müssen klug gemanagt und für vielfäl
tige Nutzungen geöffnet werden. Gleichzeitig
gilt es, auch öffentliche Räume so zu gestal
ten, dass sie zu Bewegung und Erholung im
Alltag und Sport in der Freizeit anregen. Vor
dem Hintergrund der Zunahme von Über
gewicht bei Kindern und Jugendlichen, aber
auch der integrativen Kraft der Sportvereine,
ist es besonders wichtig, dem Nachwuchs ein
vielfältiges Angebot, auch in Verbindung mit
Bildungsangeboten, zu bieten.
# Köln als Sportstadt weiter stärken
# Sport und Freiflächen nach Möglichkeit öffnen und
mehrfach nutzen
# Die Zugänglichkeit städtischer und regionaler Erholungs
räume sicherstellen
# Sport, Gesundheits und gesunde Versorgungsangebote
in allen Quartieren sicherstellen
# Sport, Bewegungs und Aktionsangebote für Kinder
und Jugendliche fördern
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive
116
Ziel 5.2
Köln so
rgt für Zugang zur gesundheitlichen
Versorgung, Gesundheitsförderung und
Prävention für alle Lebenslagen.
Gesundheit betrifft alle: Daher gilt es, die
Qualität der gesundheitlichen Angebote in der
Breite im Blick zu behalten und auch im Sinne
der sozialen Gerechtigkeit an allen Orten der
Stadt eine gute und ausreichende Versorgung
jederzeit sicherzustellen. Zentraler Aspekt bei
der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung
ist die Zugänglichkeit. Hierbei müssen vor
allem die Anforderungen der verschiedenen
Zielgruppen im Blick behalten werden. Das
heißt auch, gezielt niedrigschwellige Angebo
te für Gruppen mit besonderen Bedürfnissen,
beispielsweise Menschen, die schlecht oder
nicht ans Regelsystem angebunden sind, zu
fördern oder zu schaffen.
Das Ziel, gesunde Lebensverhältnisse für alle
Kölnerinnen und Kölner zu ermöglichen, ist
eine ganzheitliche Aufgabe. Um die Gesund
heit der Bevölkerung zu fördern, spielt die
# Köln als gesundheitsfördernde Stadt
profilieren
# Luftqualität verbessern
# Qualität der gesundheitlichen und
sozialen Versorgung an allen Orten
verbessern
# Aktivitäten und Angebote der
gesundheitlichen Prävention stärken
Prävention von Erkrankungen eine ganz zent
rale Rolle. Einerseits braucht es hierfür ausrei
chende Angebote im Gesundheitssystem der
Stadt. Andererseits ist es wichtig, Schnittstel
len zu anderen Bereichen wie gesundheitlicher
Bildung, qualitativer Freiräume für Bewegung
oder der Reduktion von Emissionen auszubau
en und zu gestalten.
Eine besondere Herausforderung wird dabei in
den kommenden Jahren der demografsche
Wandel und die damit einhergehende Alte
rung der Gesellschaft sein: Vor allem bei der
Gesundheitsversorgung muss darauf hingear
beitet werden, älteren und pfegebedürftigen
Menschen eine gute Versorgung im gewohn
ten Umfeld zu bieten, um ihnen weiterhin
eine gleichberechtigte Teilhabe im Veedel zu
ermöglichen.
# Pflege und Wohnen im Alter als
integrierten Bestandteil der Quartiers
entwicklung stärken
# Niederschwellige Angebote für
Menschen mit besonderen Belastungen
oder ohne Anbindung an das Regel
system fördern
# Weiterentwicklung der Gesund
heitsregion fördern
117
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive
Ziel 5.3
Köln betre
ibt eine konsequente
Klimawandelanpassung.
Die Auswirkungen des Klimawandels werden
auch in Köln immer deutlicher: Die Tempera
turen steigen und die Häufgkeit und Intensität
von Extremwettereignissen nehmen zu. Die
Stadt verstärkt daher die Anstrengungen zur
Anpassung an den Klimawandel auf dem ge
samten Stadtgebiet konsequent.
Vor allem dicht bebaute Stadtquartiere mit
hohen Versiegelungsgraden und wenig Ve
getation leiden im Sommer unter Hitzeent
wicklung und dem Mangel an Kühlung, auch
Starkregenereignisse stellen hier eine zuneh
mende Bedrohung dar. Die Anfälligkeit ge
genüber den Auswirkungen des Klimawandels
steigt und muss mit entsprechenden Maß
nahmen wie zum Beispiel Retentionsfächen
für Regenwasser, Flächen zur Luftkühlung,
urbanes Grün zur lokalen Kühlung sowie Ver
schattung und klimaneutrale und angepasste
Bauweisen reduziert werden. Insbesondere
sensible Bevölkerungsgruppen wie ältere Men
schen, kleine Kinder und Schwangere sind von
den Auswirkungen bedroht und besonders
schutzbedürftig.
Die Klimawandelanpassung muss bei allen Pro
jekten der Stadt frühzeitig mitgedacht werden
und spielt vor allem bei der Stadttechnik, der
Flächennutzung sowie in der Architektur und
im Städtebau eine wichtige Rolle. Elementar
ist dabei auch die Freiraumplanung, die stadt
ökologischen und stadtklimatischen Zielen
Rechnung trägt und grüne Infrastrukturen
sichert. Nur so kann Köln aus sich heraus eine
Resilienz entwickeln, um trotz des Klimawan
dels eine lebenswerte Metropole zu bleiben.
# Maßnahmen zur Vermeidung von Hitzeinseln und Kühlung
der Quartiere ergreifen
# Retentionsflächen an Gewässern ausbauen
# Versickerungs und Auffangmöglichkeiten für
Starkregenereignisse verbessern
# Klimaangepasste und neutrale Bauformen fördern
# Grüne Freiräume als „Luftfilter“ sichern
# Risikogruppen bei Hitzeereignissen besser schützen
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive
118
Ziel 5.4
Köln betr
eibt aktiv Klimaschutz
und reduziert seine CO2Emissionen.
Städte sind die Leidtragenden der Umweltver
änderungen und zugleich Treiber und Verur
sacher der Umweltprobleme. Auch Köln trägt
durch seinen Ausstoß von CO
2 zum globalen
Klimawandel bei. Das Klima zu schützen ist
eine gemeinsame globale Aufgabe – jede
Kommune kann und muss ihren Beitrag leis
ten. Insbesondere die Reduzierung der CO
2
Emissionen bildet eine wichtige Stellschraube.
Der motorisierte Individual und Güterverkehr
trägt neben der Industrie, dem Gewerbe und
den privaten Haushalten einen hohen Anteil
zu den städtischen CO
2Emissionen bei. Da
her sollen in diesen Bereichen die Emissionen
durch ein Zusammenspiel aus Push und Pull
Faktoren gesenkt werden. Beispielsweise sind
im Bereich der städtischen Mobilität angebots
orientierte, attraktive und klimafreundliche
Transportmittel zu fördern. So können CO
2
intensive Verkehrsmittel schrittweise substitu
iert werden, was aber vor allem dann gelingt,
wenn deren Nutzung zunehmend unattrakti
ver wird. Gleiches gilt für die industrielle und
gewerbliche Produktion sowie die privaten
Haushalte.
Neben den CO
2Emissionen ist der generelle
Energiebedarf zu reduzieren und die weiterhin
benötigte Energie nahezu vollständig regene
rativ zu erzeugen. Beispielsweise machen nach
wie vor der Betrieb und das Heizen von Gebäu
den einen großen Teil des Energieverbrauchs
in Deutschland aus. Für Köln gilt es einerseits,
seiner Vorbildfunktion gerecht zu werden
und seinen Gebäudebestand klimaneutral zu
betreiben. Andererseits können im Bauwesen
auch gezielt Steuerungsmechanismen über
Bauplanungsrecht und Förderungskulissen für
nachhaltige Bauweisen eingesetzt werden.
Nachhaltige Umwelttechnologien bergen das
Potenzial, Köln als zukunftsfähige und mo
derne Stadt zu positionieren und neue Wirt
schaftszweige zu erschließen.
# Nachhaltige Mobilität im Personen
und Güterverkehr fördern
# Energie einsparen, effizient nutzen
und erneuerbare Energien ausbauen
# Den Gebäudebestand energetisch
optimieren
# Anreize für ein nachhaltiges
Konsumverhalten schaffen
# Als Stadt mit gutem Beispiel vorangehen
und die Zivilgesellschaft zum Klima
schutz motivieren
# Klimaschutz und Verdichtung als
integrierte Aufgaben verstehen
# Umwelttechnologien als Chance für
Wirtschaft und Gesellschaft begreifen
119
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive
Ziel 5.5
Köln stärkt regio
nale Wertschöpfungsketten
und nachhaltige Stoffkreisläufe.
Wertschöpfungsketten beschreiben den Weg
einer Dienstleistung oder eines Produkts – von
der Erzeugung über die Verarbeitung und
Vermarktung bis zur Endkundschaft. Wird der
Großteil davon in der Region erbracht, ver
bleibt auch der Großteil der Wertschöpfung
dort und die Wettbewerbsfähigkeit erhöht
sich. Nachhaltige Stoffkreisläufe bringen
Produktion und Wertschöpfung, Weiterver
arbeitung, Konsum und Wiederverwertung
vor Ort zusammen. Der Ansatz geschlosse
ner regionaler Stoffkreisläufe wird durch den
technologischen Fortschritt weiter gestärkt.
Die Vernetzung durch moderne digitale Tech
nologien ermöglicht es, ökologische Aspekte
der Kreislaufwirtschaft mit wirtschaftlicher
Effzienz zusammenzubringen. Da viele res
sourcenrelevante Stoffströme regional orga
nisiert sind, haben Kommunen hier ein großes
Potenzial für ressourceneffzientes Handeln.
Köln will diese regionalen Wertschöpfungsket
ten fördern und entwickeln. Dies kann bei
spielsweise durch den systematischen Ausbau
und das Management regionaler Wertschöp
fungsketten oder auch die Knüpfung strate
gischer Allianzen und neuer Akteurskonstella
tionen geschehen. Vernetzte Ansätze bieten
dabei die Chance, gezielt lokale Produktion zu
fördern, lokale Vermarktung von Produkten
zu stärken und einen fairen Handel zu ermög
lichen.
Zur Etablierung nachhaltiger Stoffkreisläufe
gehört es auch, Abfälle zu vermeiden. Kam
pagnen, welche die städtische Verwaltung als
Vorbild zeigen, aber auch Kooperationen mit
weiteren lokalen Akteurinnen und Akteuren
sollen erste Ansätze sein, um dieses Ziel zu
verfolgen. Mit den Abfallwirtschaftsbetrieben
Köln (AWB) und der Abfallentsorgungs und
Verwertungsgesellschaft Köln mbH (AVG
Köln) hat die Stadtverwaltung zuverlässige
Partner beim Thema nachhaltige Nutzung von
Reststoffen, Sauberkeit und der Erhöhung der
Recyclingquoten. Da die Nachhaltigkeit im
Veedel beginnt, ist es zentral, an allen Orten
der Stadt attraktive Möglichkeiten zum Recyc
ling zur Verfügung zu stellen.
# Produktionskreisläufe vernetzen, Zykluswirtschaft in den
Quartieren ausbauen
# Regionale Produktions und Vermarktungsketten ausbauen
# Urbane Recyclingangebote stärken
# Anreize zur Müllvermeidung schaffen
# Mülltrennung und örtliches Recycling fördern
Vorschläge für
Handlungs
empfehlungen
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Vorschläge für Handlungs empfehlungen
Die zehn Handlungsempfehlungen beschrei
ben die wichtigsten Stoßrichtungen für die zu
künftige Kölner Stadtentwicklung und zeigen
auf, wie die formulierten Ziele erreicht werden.
Sie sind aus dem Zielgerüst der 360GradPers
pektive und den Erkenntnissen der Stadträum
lichen Perspektive gleichermaßen entwickelt
und bilden damit das Bindeglied zwischen
beiden Betrachtungsebenen.
Das städtische Handeln orientiert sich an dem
dargestellten Zielgerüst der 360GradPers
pektive. Die Handlungsempfehlungen leiten
daraus die dringlichsten Aufgaben ab. Sie be
rücksichtigen dabei jeweils mehrere Ziele und
Aspekte (#) inklusive ihrer sozialen, kulturellen
und gesellschaftlichen Schwerpunkte sowie
die Ansätze der räumlichen Entwicklung und
knüpfen an bestehende Konzepte und Stra
tegien an, welche die Umsetzung der Hand
lungsempfehlung fachlich konkretisieren.
Die zehn Vorschläge für Handlungs
empfehlungen lauten:
1. Klimagerecht leben
2. Innere Werte
3. Kölner Mischung
4. FreiRaum
5. Verkehrswende
6. Wirtschaft hoch 3
7 . Vorfahrt Bildung
8. StadtLeben
9. Smarte Stadt
10. RegioCoop
Die Reihenfolge und Nummerierung der be
schriebenen Handlungsempfehlungen stellen
keine Priorisierung dar.
Die hier formulierten Handlungsempfehlun
gen sind als Vorschläge zu verstehen. Die
Diskussion und Konkretisierung wird durch das
vom Verwaltungsvorstand eingesetzte Stadt
entwicklungsteam gesteuert. Im weiteren
Prozess sollen die Handlungsempfehlungen
weiterentwickelt, klare Aufgaben und Hand
lungsschritte formuliert und die Zusammen
arbeit zwischen den verschiedenen Ämtern
der Stadtverwaltung sowie zwischen der Stadt
und externen Akteurinnen und Akteuren
intensiviert werden. Ebenso sollen aus den
Handlungsempfehlungen klar budgetierbare
und in der Regel bauliche Schlüsselprojekte
abgeleitet werden, die eine besondere Bedeu
tung oder Modellcharakter für die Umsetzung
der Stadtstrategie haben.
121
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Vorschläge für Handlungsempfehlungen
122
Handlungsempfehlung 1:
Klimagerecht leben
Köln hat sich das Ziel gesetzt, durch sein akti
ves Handeln das Klima zu schützen und sich an
die Folgen des Klimawandels anzupassen.
Die Stadt stellt daher einen klaren Plan zur
Reduzierung des CO2Ausstoßes und zur De
karbonisierung auf, mit dem Ziel, spätestens
2050 klimaneutral zu sein. Der Klimaschutz
wird im Sinne des Grundsatzes „Vermeiden,
Vermindern und Kompensieren“ durch kon
krete Maßnahmen umgesetzt. Diese zielen
insbesondere auf die Reduktion der Emissio
nen durch Industrie, Haushalte und Verkehr
ab. Aber auch die Stärkung einer nachhaltigen
Landwirtschaft, der Aufbau lokaler Vertriebs
wege für eine regionale Ernährung und die
erhöhte Sensibilisierung der Stadtgesellschaft
dienen der Entwicklung einer klimaneutralen,
energieeffzienten und resilienten Stadt.
Um den Verbrauch fossiler Energien, als maß
geblichen Treiber der globalen Klimaerwär
mung, zu drosseln, sind nahezu alle Bereiche
der Stadtentwicklung in der Pficht. Politik
und Verwaltung müssen dafür städtische Ziele
durch Regelungen und Verhandlungen durch
setzen, ihre Vorbildfunktion im Klimaschutz
und bei der Klimaanpassung stärker ausfüllen
und als kompetente Partnerinnen und Partner
für Beratung und Förderung auftreten. Dies
gilt insbesondere für den energetischen Stadt
umbau, klimaschonende Bau und Produkti
onsformen, die Energieversorgung, nachhal
tige Mobilitätslösungen (Verkehrswende), die
Ernährungswende sowie den Erhalt der natür
lichen Lebensgrundlagen. Die dazu notwendi
gen Planungsinstrumente, Maßnahmen und
Regelungen sind integriert und akteursüber
greifend zu erarbeiten und die Einsparung von
Treibhausgasen bei städtischen Entscheidungs
prozessen mit hoher Priorität zu versehen.
Bei der Energieversorgung ist der Anteil re
generativer und dezentraler Lösungen im
Stadtgebiet zu erhöhen. Ebenso sind mögliche
Synergien einer wirtschaftlichen und ökolo
gischen Entwicklung (beispielsweise bei der
Erneuerung von Produktionsanlagen, den
Möglichkeiten der Kreislaufwirtschaft oder bei
innovativen Produkten und Dienstleistungen)
zu erkunden und systematisch zu fördern.
123
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Vorschläge für Handlungsempfehlungen
Um Köln vor den Folgen der Klimaerwär
mung zu schützen, verfolgt die Stadt klare
Maßnahmenpakete. In Hitzeperioden sind
Mensch, Tier und Natur vor der anhaltenden
Hitzeeinwirkung zu schützen. Die Sicherung
der Gesundheitsprävention ist besonders unter
den Aspekten Klimawandel, demografscher
Wandel und Stadtwachstum zu betrachten.
Landschaftspfege, Grünfächenplanung und
die Bewirtschaftung von Böden sind nachhaltig
und klimagerecht zu gestalten. Biotope mit
hoher Artenvielfalt sind besonders zu sichern.
Als klimagerechte Stadt sorgt Köln für die Frei
haltung von Kaltluftentstehungsgebieten und
Frischluftschneisen als stadtklimatische Aus
gleichsfächen. Eine gesteigerte Durchgrünung
der Stadt mit einer Vernetzung von Grün und
unbebauten Freifächen, eine klimawandelan
gepasste Bebauung und Nachverdichtung so
wie Maßnahmen zur Verbesserung des Stadt
klimas in dicht bebauten Belastungsgebieten
sind wichtige Eckpfeiler der Vorsorgestrategie.
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Vorschläge für Handlungsempfehlungen
124
Handlungsempfehlung 2:
Innere Werte
Die Stadt Köln nutzt ihre bestehenden Flä
chenpotenziale konsequent und nachhaltig,
um ihren Flächenverbrauch zu reduzieren.
Dafür greift die Stadt vermehrt auf eine aktive
Liegenschaftspolitik zurück, wendet beste
hende Instrumente der Grundstücksvergabe
konsequent an und ergänzt diese um kölnspe
zifsche Regelungen. Flächen und Nutzungs
konkurrenzen werden im Sinne einer nachhal
tigen Entwicklung gelöst. Dafür baut Köln ein
digitales strategisches Flächenmanagement
auf. Dieses zeigt neben Flächen für bauliche
Entwicklungen und Nutzungen wie Wohnen,
Gewerbe und Industrie, soziale Infrastruktu
ren und Verkehr auch unbebaute Flächen für
Funktionen wie Erholung, Ernährung, Um
weltschutz, Ökologie, Natur und Artenschutz,
Stadtklima und Gewässerschutz.
Als Basis einer fächenschonenden und sozial
verträglichen Stadtentwicklung erhöht Köln
die bauliche Dichte seiner bestehenden Sied
lungsstruktur. Die Stadt setzt dabei sowohl auf
eine kleinteilige Innenentwicklung als auch auf
die Identifzierung von Transformationsfächen
in innerstädtischen Lagen. Für Wohn, Misch
und explizit auch für Gewerbegebiete entwi
ckelt die Stadt ein Innenentwicklungskonzept,
welches für unterschiedliche Stadtstrukturty
pen Dichteleitbilder formuliert. Diese sollen
gesunde Lebensverhältnisse, angemessene
städtebauliche Strukturen, Möglichkeiten der
Nutzungsmischung, die Stapelung von Nut
zungen und kurze Wege fördern. Integraler
Bestandteil dieser Strategie sind zielführende
Vorgehensweisen der Umsetzung sowie die
Mobilisierung von Flächen.
Den Funktionen und Nutzungsansprüchen un
bebauter Flächen im Stadtgebiet sind zukünf
tig eine strategische Bedeutung einzuräumen,
da sie für ein gesundes Stadtklima, die Versor
gung mit Lebensmitteln, die Erholung sowie
für Ökologie und Biodiversität unentbehrlich
sind. Bei Konfikten zwischen neuen baulichen
Flächennutzungen und dem Erhalt unbebauter
Flächen sind innovative Konzepte zu priori
sieren, die den Flächenverbrauch minimieren
beziehungsweise sich auf den Erhalt oder die
Wiederherstellung des Ökosystems fokussie
ren.
125
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Vorschläge für Handlungsempfehlungen
Handlungsempfehlung 3:
Kölner Mischung
Köln investiert in den Bau von bezahlbarem
Wohnraum, insbesondere in den Geschoss
wohnungsbau, als zentralem Bestandteil der
lebenswerten Stadt. Die dafür notwendigen
Flächenpotenziale sind sowohl in der stadt,
sozial und klimaverträglichen Verdichtung
bestehender Quartiere als auch durch die
Entwicklung neuer, kompakter Stadtbausteine
mit städtischen Dichten in durch den ÖPNV gut
erschlossenen Gebieten zu mobilisieren.
Durch die konsequente Umsetzung des Stadt
entwicklungskonzepts Wohnen stabilisiert
Köln die Preisentwicklung auf dem Wohnungs
markt und ermöglicht allen Bevölkerungsgrup
pen einen Zugang zu Wohnraum. Das koopera
tive Baulandmodell mit seiner Festsetzung auf
30 Prozent öffentlich geförderten Wohnungs
bau soll um ein städtisches Konzept für bezahl
baren Wohnraum ergänzt werden.
Dabei entwickelt und verfolgt die Stadt den
Ansatz der „Kölner Mischung“. Dieser etabliert
eine neue Baukultur mit einem starken Fokus
auf Verdichtung und Mischnutzung. Infolge
dessen sind Stadtteile und Stadtquartiere so
zu entwickeln, dass neben heterogenen Wohn
angeboten weitere Nutzungen bedarfsgerecht
gesichert und ergänzt werden. Dies umfasst
die sozialen Infrastrukturen, Angebote der
Versorgung, Kultur und Bildung sowie attrak
tive Freiräume und Arbeitsplatzangebote. So
erreicht die Stadt die Entwicklung lebenswer
ter Veedel mit kurzen Wegen als Träger städti
schen Lebens.
Mit der Förderung öffentlicher und gemeinnüt
ziger Wohnbauträger soll zudem der Anteil der
nicht renditeorientierten Vermietungen von
Wohnraum erhöht werden. Die angestrebte
Heterogenität auf dem Wohnungsmarkt soll
auch durch die Entwicklung und Förderung
neuer Wohnungstypen unterstützt werden,
welche die Möglichkeiten des Zusammenle
bens erhöhen und den Flächenverbrauch pro
Person senken können.
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Vorschläge für Handlungsempfehlungen
126
Handlungsempfehlung 4:
FreiRaum
Durch Stadtwachstum und Klimawandel ver
ändern sich die Funktionen der grünblauen In
frastrukturen und die Ansprüche an Grün und
Freifächen. Die urbanen Freiräume der Stadt
werden daher zukünftig als Teil eines Systems
multifunktionaler Räume für Erholung, Auf
enthalt, Klimaanpassung (Kühlung und Frisch
luft), Naturschutz und Biodiversität sowie der
Nahrungsproduktion behandelt. Auf der Basis
des Kölner Grünsystems werden die unter
schiedlichen Funktionen und Ansprüche an die
Grün und Freifächen koordiniert, Nutzungs
konfikte aufgelöst und Möglichkeiten für die
Entwicklung neuer Freiräume konsequent
genutzt. Dabei sollen auch bislang ungenutzte
Flächen, wie zum Beispiel Dachfächen, mitein
bezogen werden.
Dies bezieht sich insbesondere auf die ver
stärkte Übernahme von Funktionen zur Anpas
sung an den Klimawandel. Nicht nur Maßnah
men der Verschattung und Verdunstung sind
auf den bestehenden Flächen auszubauen und
zu qualifzieren, sondern auf alle öffentlichen
Freiräume der Stadt auszudehnen. Damit rückt
auch der Straßenraum als ein zentraler und
vernetzender Bestandteil des Freiraumsystems
in den Fokus, der als öffentlicher und urbaner
Freiraum sowie als Träger des Stadtlebens und
eines gesunden Stadtklimas entwickelt wird.
Grün und Freifächen sind neben ihren be
stehenden Funktionen (Erholung, Freizeit,
Sport, Aufenthalt) auch als Träger einer um
weltverträglichen Nahmobilität sowie als
Produktionsort für Nahrungsmittel (Stichwort
„Essbare Stadt“) weiterzuentwickeln. Gleich
zeitig ist deren Nutzung als Erholungsraum zu
koordinieren und durch zusätzliche Grün und
Freiräume innerhalb der Veedel zu entlas
ten. Dazu gehören auch die Aufwertung und
Pfege bestehender urbaner Freiräume. Für die
Weiterentwicklung des Grün und Freiraum
systems sind unter Berücksichtigung ökologi
scher, stadtklimatischer, städtebaulicher sowie
kultureller und gesellschaftlicher Aspekte
klare Vorgaben für Funktionen, Flächenantei
le, Programmatik, Gestaltung, Sicherheit und
Unterhalt aufzustellen.
Ökologisch besonders wertvolle Flächen ha
ben dabei einen hohen Erhaltungs, Weiterent
wicklungs und Schutzstatus. Hierunter fal
len sowohl ertragreiche landwirtschaftliche
Flächen, Freifächen für den Funktionserhalt
des Naturhaushalts, artenreiche Flächen für
Natur und Landschaftsschutz (unter anderem
FFHGebiete) und Flächen für den Funktions
erhalt der Biotopvernetzung zum Schutz der
Biodiversität.
127
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Vorschläge für Handlungsempfehlungen
Handlungsempfehlung 5:
Verkehrswende
Köln verfolgt eine konsequente Verkehrswen
de weg vom motorisierten Individualverkehr
hin zu nachhaltigen Mobilitätsangeboten. Die
nachhaltige Mobilitätsentwicklung und die
Verkehrsvermeidung werden zu einem zen
tralen Pfeiler der Stadtentwicklung und dem
entsprechend prioritär behandelt – sowohl im
Personen als auch im Güterverkehr. Der ge
plante Sustainable Urban Mobility Plan (SUMP)
ist für konkrete Maßnahmen und deren Um
setzung von zentraler Bedeutung.
Der Ausbau, die Verknüpfung und die Opti
mierung der Verkehrsträger des Umweltver
bunds werden weiter vorangetrieben und mit
der Siedlungsentwicklung koordiniert. Dies
umfasst insbesondere die Verbesserung der
Umsteigemöglichkeiten im ÖPNV und die För
derung von Mobilitätsstationen zur integrier
ten Nutzung umweltverträglicher Verkehrs
mittel. Auch die gezielte Nachverdichtung
und Aufwertung gut an den Umweltverbund
angebundener Orte sowie die Verbesserung
bestehender Anbindungen sind dahingehend
zu prüfen und zu entwickeln. Darüber hinaus
sind neue Strecken und Linienführungen in
Verbindung mit OnDemandServices und ei
ner gestärkten Radinfrastruktur zu diskutieren.
Unterstützt wird das Angebot des Umweltver
bunds durch eine verbesserte Koordination der
digitalen Information und einheitlicher Tarif
systeme.
Integraler Teil der Verkehrswende ist aber auch
die Neubewertung und Reorganisation des
Straßenverkehrs und seiner Infrastrukturen.
Das städtische Straßensystem soll zukünftig
gleichrangig unterschiedlichen Verkehrs
mitteln zur Verfügung stehen und den An
forderungen an einen qualitätsvollen, multi
funktionalen öffentlichen Raum entsprechen.
Daher sind die Flächen für den fießenden und
ruhenden MIV zu begrenzen und zu reduzie
ren. Der so gewonnene Straßenraum kann
durch umweltfreundliche Verkehrsmittel oder
für Aufenthaltszwecke genutzt werden. Die
Steuerung des Verkehrsfusses ist mit neuen
digitalen Instrumenten zu unterstützen.
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Vorschläge für Handlungsempfehlungen
128
Handlungsempfehlung 6:
Wirtschaft hoch 3
Kölns Arbeitswelten und Unternehmen rüsten
sich für die Zukunft und rücken näher zusam
men. Um die Wettbewerbsfähigkeit der Köl
ner Wirtschaft zu stärken, werden Gewerbe,
Dienstleistungs, Kreativ und Industriestand
orte differenziert entwickelt. Dazu zählen die
Verdichtung und Qualifzierung von Standor
ten sowie die Ergänzung mit unterstützenden
Funktionen. Eine Clusterung der Nutzungen,
die Förderung der Zusammenarbeit, das Teilen
von Wissen und Einrichtungen sowie der Aus
bau der Digitalisierung, der Kreislaufwirtschaft
und der Ressourceneffzienzsteigerung sind
weitere wichtige Ansätze.
Wesentliche zukünftige Standards für Pro
duktions und Dienstleistungsstandorte sind
eine ausgewogene Funktionsmischung, Ver
dichtung und letztendlich die städtebauliche
Qualität. Daher entwickelt Köln für beste
hende Gebiete Ansätze für die Mobilisierung
zusätzlicher Flächenpotenziale durch Nut
zungsstapelung (wie Büros/Verwaltung, Par
ken, Produktion) für eine bessere Erreichbar
keit mit dem ÖPNV und für die Anreicherung
mit gemeinsam genutzten Einrichtungen (wie
öffentlichen Kantinen, Kinderbetreuung oder
CoWorkingSpaces).
Für die Wirtschaftsentwicklung ist die Verfüg
barkeit und die Ausweisung von Gewerbe und
Industriefächen von großer Bedeutung. Hier
sind Synergien dichter, durchmischter und
kompakter Gebiete, auch im Sinne einer fä
chensparenden Entwicklung, zu nutzen.
Die Integration urbaner Produktion in be
stehenden innenstadtnahen Quartieren soll
vornehmlich erhalten und weiter ausgebaut
werden. Die Kombination von emissionsar
men, ressourceneffzienten und nachhaltig
wirtschaftenden Betrieben und Unternehmen
der Kreativwirtschaft ist ein zentraler Bestand
teil einer zukunftsfähigen und durchmischten
Stadt. Als wichtige Standbeine der Kölner
Wirtschaft können sie, gemeinsam mit Start
ups und kulturellen Einrichtungen, neue Ent
wicklungsimpulse innerhalb der Stadt setzen.
Hierfür sind innerstädtische Standorte für die
Bedürfnisse der wohnungsnahen Produktion
weiterzuentwickeln und neue Potenziale im
Stadtgebiet, insbesondere für moderne Indus
trieunternehmen, zu mobilisieren.
129
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Vorschläge für Handlungsempfehlungen
Mit den skizzierten Entwicklungsrichtungen
schafft Köln die Grundlagen für eine zukunfts
fähige Entwicklung einer produktiven Stadt
und mobilisiert zusätzliche Gestaltungsräume
für die Wirtschaft. Im Stadtentwicklungskon
zept Wirtschaft werden konkrete Maßnahmen
für den nachhaltigen Umgang mit der knap
pen Ressource Gewerbe und Industriefäche
defniert. Dabei wird auch der Einsatz von Ge
bietsmanagerinnen und managern sowie eine
gezielte Ansiedlungs und Liegenschaftspolitik
der Wirtschaftsförderung zur Unterstützung
der Entwicklung der produktiven Stadt be
rücksichtigt.
Durch eine gezielte Förderung und Aktivie
rung, Ausbildung und Qualifzierung spezieller
Zielgruppen soll das vorhandene Fachkräfte
potenzial als Standortfaktor Kölns gefördert
werden. Als Garant für Innovation und Wett
bewerbsfähigkeit, Wachstum und Beschäfti
gung, Wohlstand und Lebensqualität ist die
Sicherung des Fachkräftebedarfs angesichts
der demografschen Entwicklung eine große
Herausforderung.
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Vorschläge für Handlungsempfehlungen
130
Handlungsempfehlung 7:
Vorfahrt Bildung
Köln fördert die Bildung als Schlüssel für
Chancengerechtigkeit, gesellschaftlichen
Zusammenhalt, wirtschaftliche Teilhabe sowie
Umwelt und Klimaschutz mit hoher Priorität.
Dafür entwickelt die Stadt ihre Bildungsinfra
struktur und angebote für alle Altersklassen
weiter und geht neue Wege, um den Aus
tausch von Wissenschaft, Wirtschaft, Kultur
und Gesellschaft zu stärken.
Die erheblichen Investitionen zum Ausbau
der Schulen als Träger der (Aus)Bildung von
Kindern und Jugendlichen sind zu sichern und
durch zusätzliche Ressourcen zu unterstützen.
Zukünftige Schulstandorte sollen dabei nicht
nur Orte des Lernens, sondern auch Zentren
der Integration, des Zusammenlebens und
der gesellschaftlichen Initiative werden. Ins
besondere auch das für die Klima und Um
weltbildung maßgebliche Angebot an außer
schulischen Lernorten ist weiter auszubauen.
Der Schulentwicklungsplan und das Schul
bauprogramm sind für die Umsetzung der
notwendigen Maßnahmen anzuwenden und
gegebenenfalls zu erweitern. Vor allem in der
wachsenden inneren Stadt sind die notwen
digen Flächen für Bildungseinrichtungen zu
erhalten oder neue Potenziale, beispielsweise
durch eine aktive Bodenpolitik, zu sichern.
Neben der Schulbildung sind insbesondere die
Angebote der Erwachsenenbildung als wichti
ges Element der Weiterbildung und Qualifzie
rung sowie der Integration aller Bevölkerungs
gruppen weiter zu fördern. Die Stadt schafft
dafür neue Möglichkeiten und Standorte und
nutzt den Aus und Neubau schulischer sowie
anderer öffentlicher Einrichtungen.
131
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Vorschläge für Handlungsempfehlungen
Köln ist eine Stadt, in der sich Wissen und Kre
ativität entfalten und Wissenschaft und Wirt
schaft verknüpfen. Um die Innovationskraft zu
fördern und seinen Wissenschaftsstandort zu
stärken, entwickelt Köln sein Verständnis der
Wissensvermittlung. Die Hochschulen stellen
sich den aktuellen gesellschaftlichen Heraus
forderungen und tragen durch neue Formate
der Wissenskultur – wie beispielsweise „Citi
zen Scienceship“, also die Beteiligung von
Bürgerinnen und Bürgern an Forschungspro
jekten – zum Transfer in die Zivilgesellschaft
bei. Für diese Entwicklung ist die Kooperation
von Einrichtungen der Wissenschaft und der
kulturellen Bildung zu fördern.
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Vorschläge für Handlungsempfehlungen
132
Handlungsempfehlung 8:
StadtLeben
Köln fördert die Teilhabe, Solidarität und Chan
cengerechtigkeit, um ein tolerantes Klima
innerhalb einer vielfältigen Stadtgesellschaft
zu schaffen und stärkt seine Veedel als Orte
des Zusammenlebens.
Auf der Grundlage des Masterplans des De
zernats für Soziales, Umwelt, Gesundheit und
Wohnen werden die Teilhabechancen vor
allem von sozial benachteiligten Bevölkerungs
gruppen wie Alleinerziehenden, kinderreichen
Familien, Menschen mit Migrationsgeschichte,
kranken und pfegebedürftigen Menschen,
älteren Menschen, die von Transferleistungen
leben, Obdachlosen und Langzeitarbeitslo
sen gefördert. Dabei geht es nicht nur um
materielle Absicherung, sondern um eine
umfassende Teilhabe an den gesellschaftlich
wichtigen Lebensbereichen wie Gesundheit,
Erwerbsbeteiligung, Wohnen sowie um die so
ziale, kulturelle und politische Einbindung. In
diesem Sinne werden Orte und Initiativen der
Begegnung und des gesellschaftlichen Zusam
menlebens erhalten und ausgebaut.
Anlauf und Beratungsstellen in den Veedeln
sollen bedarfsgerecht gestärkt und der Zu
gang zu bestehenden oder neuen Angeboten
der Weiterbildung und Eingliederung erleich
tert werden. Um dies zu erreichen, arbeitet die
Stadt mit Fachinstitutionen, sozialen Trägern
sowie Vereinen und ehrenamtlich Tätigen
zusammen.
Gesunde Lebens und Entwicklungsbedingun
gen sollen durch Angebote gefördert werden,
damit ausnahmslos alle Menschen Zugang zur
Gesundheitsförderung und Prävention sowie
zur medizinischen Grundversorgung erhalten
und vor Gesundheitsgefahren geschützt sind.
Zum Schutz vor umweltbedingten Gesund
heitsgefahren sind Maßnahmen zu ergreifen,
die Mehrfachbelastungen (unter anderem Luft
und Wasserverschmutzung, Lärm und Hitze
belastungen, ungesunde Ernährung aufgrund
des fehlenden Zugangs zu und Bezug von
ausgewogenen Lebensmitteln sowie Bewe
gungsmangel aufgrund fehlender Grünaus
stattung in den Stadtgebieten) reduzieren und
die Umweltgerechtigkeit erhöhen.
133
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Vorschläge für Handlungsempfehlungen
Um die Generationengerechtigkeit zu erhöhen,
sollen in den Veedeln bedarfsgerechte Einrich
tungen und Angebote für Jung und Alt entste
hen. Dies bedeutet nicht nur, dass ausreichend
Pfegekapazitäten zur Verfügung stehen, son
dern auch generationengerechte Wohn und
Mobilitätsangebote weiter ausgebaut werden.
Die altersgerechte Gestaltung des öffentlichen
Raums beinhaltet sowohl barrierefreie Zugän
ge als auch Spiel und Aufenthaltsmöglich
keiten, um eine generationenübergreifende
Nutzung zu ermöglichen.
Zur Förderung des bürgerschaftlichen Enga
gements und der kulturellen und politischen
Teilhabe als zentrale Bausteine des Stadtlebens
sind öffentliche Räume ohne Konsumpficht
für den Austausch und für gesellschaftliche In
itiativen zu schaffen. Durch die Öffnung beste
hender, insbesondere sozialer, Einrichtungen
sowie die unterschiedliche beziehungsweise
mehrfache Nutzung von Räumlichkeiten in
den Veedeln entstehen „Erprobungsräume“
für neue soziokulturelle Formate. Diese Mög
lichkeiten sind sowohl bei der Neuplanung als
auch bei bestehenden Einrichtungen mitzu
denken. Formelle und informelle Instrumente
der Stadtentwicklung sind zudem auf neue,
auch digitale Beteiligungsformate und Model
le des Zusammenlebens zu prüfen.
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Vorschläge für Handlungsempfehlungen
134
Handlungsempfehlung 9:
Smarte Stadt
Köln entwickelt seine digitale Infrastruktur
weiter, nutzt diese konsequent für die Ent
wicklung smarter und digitaler Angebote, für
die Erhöhung der Effzienz städtischer Diens
te, die Zusammenarbeit und die Steigerung
der Lebensqualität. Mithilfe von Open Data
und Big Data sowie neuen Möglichkeiten der
Echtzeitanalyse und steuerung werden zent
rale Elemente des täglichen Lebens verbessert
(Verkehrsmanagement, Dienstleistungen) und
die Möglichkeiten zur Zusammenarbeit zwi
schen Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft
und Stadtbevölkerung erhöht. Gleichzeitig
werden die digitalen Möglichkeiten genutzt,
um die Autonomie und Teilhabe der Stadtbe
völkerung zu unterstützen.
Echtzeitanalysen und steuerung städtischer
Systeme werden insbesondere im Verkehrsbe
reich und bei städtischen Angeboten der tech
nischen und sozialen Infrastruktur (wie mobi
len sozialen Angeboten, Energieversorgung
und Entsorgung) erprobt und gefördert. Durch
den Einsatz neuer digitaler Instrumente kön
nen Ressourcen effzienter genutzt und Infra
strukturen vor Überlastung geschützt werden
(zum Beispiel durch OnDemandServices).
Smarte Lösungen verbessern die Möglichkei
ten, auf Angebote der Stadtverwaltung und
der Daseinsvorsorge sowie auf städtische
Daten (urbane Datenplattform) zuzugreifen
sowie Anfragen und Formalitäten effzienter
abwickeln zu können. Hier geht die Stadtver
waltung mit dem Aufbau eines integrierten
und verorteten Stadtinformationssystems vo
ran und prüft neue OnlineAngebote. Ebenso
sollen neue Beteiligungsmodelle auf der Ebene
der Veedel und Gesamtstadtentwicklung
konzipiert werden, um den Dialog zwischen
Bevölkerung, Verwaltung und Politik zu stär
ken.
Die „Digitalisierungsstrategie 2019–2022“
und der „Gigabit Masterplan Cologne 2025“
bilden wichtige Grundlagen für ein smartes
Köln. Die nächsten notwendigen Schritte
sind die Entwicklung und Erprobung digitaler
Anwendungen in Reallaboren inklusive ihrer
nachträglichen Prüfung und Regulierung. In
diesen Prozess sind Kölner Wissenschafts und
Forschungseinrichtungen durch neue Koope
rations und Innovationsprozesse der Wis
sensproduktion und des KnowhowTransfers
miteinzubeziehen.
Neben der Digitalisierung sind Herausfor
derungen wie der Klimawandel, der demo
grafsche Wandel und die wirtschaftliche
Globalisierung weitere Treiber und wichtige
Rahmenbedingungen für eine smarte Stadt.
135
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Vorschläge für Handlungsempfehlungen
Handlungsempfehlung 10:
RegioCoop
Köln stärkt seine Zusammenarbeit mit der
Region. Die Herausforderungen als Metropole
in einer Wachstumsregion kann die Stadt nur
mit der Region gemeinsam meistern. Hier
für arbeitet Köln eng mit den benachbarten
Kreisen und Städten zusammen und verein
bart verbindliche Formate und Strukturen
der Kooperation. Dies beinhaltet die Öffnung
für neue Modelle der Kompetenzteilung und
die Förderung einer integrierten, regionalen
Entwicklung, insbesondere in den Bereichen
Siedlungs und Wirtschaftsentwicklung, Mobi
lität und Verkehr sowie die Sicherung zusam
menhängender Freiräume und Strategien zur
regionalen landwirtschaftlichen Versorgung
und zur Anpassung an den Klimawandel. Das
Agglomerationskonzept wird hierbei als maß
gebliche Schnittstelle zur regionalen Ent
wicklung aufgegriffen und in das städtische
Handeln integriert. Zudem kann Köln bei der
Siedlungsentwicklung sowie bei der Planung
von interkommunalen Gewerbe und Indust
riegebieten auf bereits bestehenden Koope
rationen mit den links und rechtsrheinischen
Nachbarinnen und Nachbarn aufbauen.
Die Projekte im Rahmen der Strukturstärkung
des Rheinischen Braunkohlereviers sollen von
der Stadt Köln mit dem Fokus einer nachhalti
gen regionalen Entwicklung unterstützt wer
den. Daher sind die Möglichkeiten zur Beteili
gung an Kooperations und Modellprojekten
insbesondere hinsichtlich der Entlastung der
regionalen Infrastrukturen zu nutzen.
Neben der Zusammenarbeit mit den direkten
Nachbarinnen und Nachbarn gilt es, auch den
Zusammenschluss als Metropolregion Rhein
land zu intensivieren, um als eine Wachstums
und Wirtschaftsregion im internationalen
Wettbewerb gemeinsam auftreten zu können.
Köln und seine regionalen Partnerinnen und
Partner verstärken den nationalen und inter
nationalen Austausch und die Entwicklung von
Lösungswegen für die zahlreichen Herausfor
derungen einer gesund, sozial und ökologisch
wachsenden Region.
Die Stadträumliche
Perspektive
– Die G rundlagenkarten
– Erkenntnisse der räumlichen Analyse
– Ansätze der räumlichen Entwicklung
– Die Zielkarten
– Das räumliche Leitbild
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
Wo und wie wird jetzt und in Zukunft neuer
Raum für das künftige Stadtwachstum ge
schaffen? Wie muss das Verkehrsnetz ange
passt werden, um das Verkehrsaufkommen
zu bewältigen? Wie können weitere Flächen
für die wirtschaftliche Produktion entwickelt
werden? Welche sozialen und kulturellen
Einrichtungen braucht eine wachsende Stadt?
Welche Freiräume müssen gesichert werden
und wo können neue entstehen?
Alle städtischen Themenfelder wie Siedlungs
entwicklung, Mobilität, Freiraum, Produktion
und Gewerbe, Kultur und Soziales sind glei
chermaßen essenziell für eine lebendige und
nachhaltige Stadt. Die Flächenressourcen in
nerhalb der Stadtgrenzen sind jedoch endlich.
Die Stadträumliche Perspektive geht der Frage
nach, wie sich die Stadt Köln zukünftig entwi
ckeln kann, um die knappe Ressource Fläche
bestmöglich zu nutzen. Dabei geht es zum
einen darum, wie unterschiedliche Nutzungs
ansprüche abgewogen, Flächenkonkurrenzen
geklärt und Wechselwirkungen zwischen Maß
nahmen identifziert werden können.
Zum anderen muss die Frage beantwortet wer
den, wie die vorhandene Kölner Stadtstruktur
in ihrer räumlichen Dimension weiterentwi
ckelt werden muss, um die in der 360Grad
Perspektive beschriebenen Ziele zu erreichen.
Beides erfordert eine strategische Auseinan
dersetzung mit der zukünftigen Entwicklung
Kölns, um die Herausforderungen und Gele
genheiten zu identifzieren und anzugehen.
Die Stadträumliche Perspektive startet mit
der Darstellung des Status quo in Form von
Grundlagenkarten, formuliert Erkenntnisse der
räumlichen Analyse und darauf aufbauend An
sätze der räumlichen Entwicklung. Die Ansätze
der räumlichen Entwicklung übertragen die
Aussagen der Ziele der 360GradPerspektive
in fünf thematische Zielkarten, die konkrete
Vorschläge für den Stadtraum eröffnen. Den
Abschluss bildet die Übersetzung der zentralen
Strategien in ein gesamtstädtisches räumli
ches Leitbild, das die strategische Ausrichtung
der Stadt zum Ausdruck bringt und Zukunfts
räume benennt.
137
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
138
Die Stadträumliche Perspektive
Die Grundlagenkarten
139
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
Auf welchen Planungen und Konzepten baut
die Stadträumliche Perspektive auf? Welche
neuen Siedlungs und Gewerbegebiete sind
bereits geplant, welche ÖPNVLinien sollen
ausgebaut werden, wo sind Ergänzungen
im Straßennetz in Vorbereitung? Wie ist die
Versorgung mit sozialen Einrichtungen in den
Stadtteilen? Welche Aussagen zum Schutz von
Grün und Freiraum gibt es bereits? Diese und
weitere Fragen müssen beantwortet sein, um
weitere Perspektiven für die Zukunft zu entwi
ckeln.
Für die Stadtstrategie wurden fünf Grundla
genkarten erarbeitet, die den Status quo der
Kölner Stadtentwicklung auf räumlicher Ebene
beschreiben und einen gemeinsam getrage
nen Startpunkt für die Stadträumliche Pers
pektive defnieren.
Die fünf Grundlagenkarten sind den vier Hand
lungsfeldern „Urbanes Köln“, „Produktives
Köln“, „Offenes Köln“ und „Vernetztes Köln“
zugeordnet (siehe „Thematische Teams“,
Seite 27). Aufgrund der vielschichtigen Inhalte
wurden für das „Vernetzte Köln“ zwei Karten
erarbeitet. Die insgesamt fünf Karten bilden
die Inhalte des verwaltungsinternen Status
berichts und die identifzierten Kernthemen
räumlich ab.
Die Grundlagenkarten wurden in enger Zu
sammenarbeit mit den interdisziplinären
thematischen Teams erarbeitet. Durch das Zu
sammenspiel und die Überlagerung verschie
dener Attribute – wie ausgewählte statistische
Daten und aktuelle Projekte in verschiedenen
Planungs und Konzeptphasen – können
grundlegende Erkenntnisse für eine Analy
se und mögliche Ansätze für die jeweiligen
Handlungsfelder gezogen werden. So lassen
die Grundlagenkarten erste Rückschlüsse auf
die Lage der Stadt sowie deren heutigen und
zukünftigen Herausforderungen zu.
Originalmaßstab 1 : 50.000 @ DIN A1
Stand 05/2019
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“
Grundlagenkarte Urbanes Köln
Schwerpunkte: Wohnen, Siedlungsentwicklung,
Städtebau, Baukultur und öffentlicher Raum
140
141
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
142
Erläuterungen zur Grundlagenkarte
Urbanes Köln
Schwerpunkte: Wohnen, Siedlungsentwicklung,
Städtebau, Baukultur und öffentlicher Raum
Räumliche Zusammenhänge stehen im Fokus
des Handlungsfeldes „Urbanes Köln“, das sich
mit den Themen Wohnen, Siedlungsentwick
lung, Städtebau, Baukultur und öffentlicher
Raum/Sicherheit befasst.
Die Grundlagenkarte „Urbanes Köln“ enthält
daher folgende Attribute:
– Bauliche Dichte je Stadtviertel (Quotient
gebauter Geschossfäche/Siedlungsfäche
Stadtviertel)
– Versorgungszentren aus dem Einzelhan
dels und Zentrenkonzept
– Transformationsgebiete
– Masterplangebiet Innenstadt
– Entwicklungsfächen (mittel und lang
fristig)
– Schienennetz (Stadtbahn, Regionalverkehr,
SBahnBestand und geplant)
– Straßennetz
– Freiraumstrukturen (Innerer und Äußerer
Grüngürtel, Wald und Wasserfächen)
Deutlich werden vor allem die Verortung von
dichten und weniger dichten Siedlungsbe
reichen sowie die Größenordnungen ausge
wiesener Entwicklungsfächen. Auch können
Rückschlüsse zur verkehrlichen Situation in
der Versorgung mit SPNV und schienenge
bundenem ÖPNV gezogen und Erkenntnisse
zur Quantität der Erschließungen von Ent
wicklungsfächen gewonnen werden. Glei
ches gilt für die Versorgungslage durch die
Versorgungszentren des Einzelhandels und
die Grün und Freiraumstrukturen. Das Grün
system gliedert anschaulich den Stadtraum.
Die historische Entwicklung Kölns ist deutlich
in der Stadtstruktur abzulesen: Zu erkennen ist
zum einen das Wachstum der Innenstadt und
die Zäsur des Inneren Grüngürtels und zum
anderen die Entwicklung der Stadtteile, die
zwischen dem Inneren und Äußeren Grüngür
tel in der Industrialisierung gewachsen sind,
sowie die dörfichen Strukturen außerhalb des
Äußeren Grüngürtels mit den dort verorteten
Großsiedlungen.
143
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
144
Originalmaßstab 1 : 50.000 @ DIN A1
Stand 05/2019
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“
Grundlagenkarte Produktives Köln
Schwerpunkte: Gewerbe und Industrieentwicklung,
Kultur und Kreativwirtschaft, Logistik sowie
Wissenschaft und Hochschulbildung
145
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
146
Erläuterungen zur Grundlagenkarte
Produktives Köln
Schwerpunkte: Gewerbe- und Industrieentwicklung,
Kultur- und Kreativwirtschaft, Logistik sowie Wissenschaft
und Hochschulbildung
Das Handlungsfeld „Produktives Köln“ stellt
die Frage, was neue Arbeits und Schaffens
welten ausmacht und thematisiert das Zu
sammenwirken von Gewerbe und Industrie
entwicklung, Kultur und Kreativwirtschaft,
Logistik sowie Wissenschaft und Hochschulbil
dung.
Die Grundlagenkarte „Produktives Köln“ ent
hält daher folgende Attribute:
– Siedlungsfächen (Stadtviertel)
– Straßennetz
– Schienennetz
– Innovation (Gründerräume, Institute und
Großforschungsinstitutionen, sonstige
Forschungsinstitutionen)
– Bildung (Hochschulen)
– Messe
– Logistikzentren (Flughafen, Häfen, Rangier
und Verschiebebahnhöfe, Cargoterminal)
– Industrie und Gewerbefächen
– Größere Bürostandorte
– Transformationsgebiete
– Versorgungszentren aus dem Einzelhan
dels und Zentrenkonzept
Neben der Verortung der Industrie und Ge
werbegebiete sowie der Versorgungszentren
lässt sich die Qualität der Erschließung dieser
Gebiete (Straße, Schiene, Wasser) gut er
kennen. Versorgungszentren sind in diesem
Zusammenhang über ihre Bedeutung als
Einkaufsorte hinaus auch als Arbeitsorte zu
verstehen; sowohl für den Einzelhandel als
auch für weitere Dienstleistungen (Banken,
Ärzte, Büros etc.). Größere zusammenhängen
de Bürostandorte befnden sich mit wenigen
Ausnahmen fast ausschließlich im Zentrum
oder in zwischen dem Inneren und Äußeren
Grüngürtel gelegenen Stadtteilen.
Industrie und Gewerbegebiete liegen in ihrer
Mehrzahl außerhalb des Äußeren Grüngürtels.
Die großen Ansiedlungen der Chemie, Petro
chemie und Maschinenbaubetriebe haben
sich in den Rheinhäfen im Norden und Süden
des Stadtgebiets angesiedelt und erstrecken
sich über Kölns Stadtgrenzen hinaus in die
Nachbargemeinden Dormagen, Leverkusen,
Troisdorf und Wesseling. Lediglich zwei größe
re Gewerbegebiete in Ehrenfeld und Mülheim
befnden sich innerhalb des Äußeren Grün
147
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
gürtels und stellen sich gleichzeitig auch als
Standorte der Kultur und Kreativwirtschaft
sowie für Startups dar. Die übrigen, teils stark
logistikgeprägten Gewerbegebiete, liegen am
Kölner Autobahnring. Drei ehemalige Gewer
be und Industriestandorte in Innenstadtnähe
(„Parkstadt Süd“, „Mülheimer Süden“ und
„Deutzer Hafen“) werden zurzeit in urbane,
gemischte Quartiere konvertiert, die neben
neuem Wohnraum auch neue innovative Ar
beitsorte in der Stadt bieten.
Die Hochschulen mit ihren Forschungsinsti
tuten befnden sich innerhalb des Äußeren
Grüngürtels; die Sporthochschule mit vielen
Trainingsstätten in direkter Nachbarschaft
zum Stadion im Äußeren Grüngürtel. Weitere
betriebliche Forschungsstätten suchen hin
gegen die Nähe zu den Industriebetrieben am
Stadtrand.
Arbeit und Soziales, Wohnraumversorgung
148
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“
Grundlagenkarte Offenes Köln
Schwerpunkte: Bildung, Kultur, Integration,
Originalmaßstab 1 : 50.000 @ DIN A1
Stand 05/2019
149
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
150
Erläuterungen zur Grundlagenkarte
Offenes Köln
Schwerpunkte: Bildung, Kultur, Integration,
Arbeit und Soziales, Wohnraumversorgung
Das Handlungsfeld „Offenes Köln“ befasst sich
mit den sozialen Erfordernissen von Teilhabe
und den Zugangsmöglichkeiten zu Bildung
und Kultur, aber auch mit Integration, Arbeit
und Soziales sowie Wohnraumversorgung.
Die Grundlagenkarte „Offenes Köln“ enthält
daher folgende Attribute:
– Siedlungsfächen (Stadtviertel)
– Schienennetz
– Straßennetz
– Versorgungszentren aus dem Einzelhan
dels und Zentrenkonzept
– Entwicklungsfächen
– Sozialraumgebiete
– Soziales: Bezirksrathäuser, Bürgerzentren,
Familienzentren
– Bildung: Grundschulen, weiterführende
Schulen, Hochschulen (Universität, Fach
hochschulen, Sporthochschule), Volkshoch
schulen
– Kultur: Museen, Theater, Konzerthallen,
Bibliotheken
– Gesundheit: Krankenhäuser
– Arbeit: Arbeitsagentur Jobcenter Köln,
Beratungsstellen für Orientierungsbera
tung, JOBOffensive Köln, Integration Point
Köln
Das gesamte Stadtgebiet von Köln ist mit
Grundschulen und weiterführenden Schulen
fächendeckend versorgt, allerdings müssen
für die wachsende Bevölkerung zusätzliche
Schulplätze geschaffen werden, die Schulst
ruktur der Nachfrage angepasst und die Sa
nierung von Schulgebäuden vorangetrieben
werden. Aufgrund des Stadtwachstums müs
sen die Kapazitäten vor allem in der Innenstadt
und in den Stadtteilzentren weiter ausgebaut
werden.
Das kulturelle Angebot konzentriert sich sehr
stark auf die Bereiche der Innenstadt und der
inneren Stadt sowie auf zwei weitere Standor
te in Mülheim und Ehrenfeld. Einzelne Kultur
einrichtungen sind auch in den äußeren Stadt
gebieten vorhanden. Grundsätzlich nimmt das
Angebot kultureller und sozialer Einrichtungen
von der Innenstadt über die innere Stadt bis
zu den Siedlungsgebieten am Stadtrand stark
ab. Auch die Krankenhäuser konzentrieren sich
im Linksrheinischen auf den innerstädtischen
Bereich und die Stadtteile innerhalb des Äuße
ren Grüngürtels.
Die linksrheinischen Stadtteile im Norden,
Süden und Westen – außerhalb des Äußeren
Grüngürtels – haben keine Krankenhausstand
151
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
orte, während sich rechtsrheinisch drei große
Krankenhäuser (Porz, Merheim und Holweide)
in der äußeren Stadt befnden. Jobcenter und
Beratungsstellen sind über das gesamte Stadt
gebiet verteilt und liegen meist in den Bezirks
zentren. Die 15 Sozialräume, die zur Verbesse
rung der Lebensqualität durch das Programm
„Lebenswerte Veedel“ unterstützt werden,
liegen vor allem in Großwohnsiedlungen der
1960er und 1970erJahre und im Geschoss
wohnungsbau der 1960er bis 1980erJahre.
Das rechtsrheinische Stadtgebiet verzeichnet
dabei einen höheren Anteil als das linksrheini
sche Köln.
1
152
Originalmaßstab 1 : 50.000 @ DIN A
Stand 05/2019
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“
Grundlagenkarte Vernetztes Köln
Schwerpunkte: Mobilität, Freiraum, Digitalisierung sowie
regionale und internationale Kooperation
153
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
154
Erläuterungen zur Grundlagenkarte
Vernetztes Köln
Schwerpunkte: Mobilität, Freiraum, Digitalisierung sowie
regionale und internationale Kooperation
Das Handlungsfeld „Vernetztes Köln“ setzt
sich mit der Gestaltung einer zukunftssiche
ren, umfassenden Infrastruktur auseinander.
Das Themenspektrum reicht von Klima und
Umwelt, Freiraum, Mobilität, Sport, Gesund
heit bis hin zu Digitalisierung sowie regionaler
und internationaler Kooperation. Aufgrund
der zahlreichen inhaltlichen Themen im Hand
lungsfeld „Vernetztes Köln“ wurden zwei
Grundlagenkarten mit unterschiedlichen
Schwerpunkten erarbeitet:
– Mobilität, Freiraum, Digitalisierung, regio
nale und internationale Kooperation
– Klima, Umwelt, Sport und Gesundheit
Die Grundlagenkarte „Vernetztes Köln –
Schwerpunkte Mobilität, Freiraum, Digitalisie
rung, regionale und internationale Koopera
tion“ enthält folgende Attribute:
– Siedlungsfächen (Stadtviertel)
– Schienennetz (Stadtbahn, Regionalverkehr,
SBahn, Güterschiene – Bestand und ge
plant)
– Straßennetz (Autobahn, Bundesstraßen,
Hauptstraßen, Autobahnausbau, Ausbau
Bundesstraßen)
– Wasserwege
– Radwege
– Freiraumstruktur (Innerer und Äußerer
Grüngürtel, Wald, Wasserfächen, regio
nale Grünverbindungen)
– Internationale Einrichtungen und
Organisationen
– Regionale Kooperationen
Es wird deutlich, dass der Innere Grüngürtel im
Bereich der zukünftigen „Parkstadt Süd“ noch
Lücken aufweist. Der Äußere Grüngürtel ist
linksrheinisch durchgängig vorhanden, aber
rechtsrheinisch an einigen wenigen Stellen
nicht geschlossen. Die Grünvernetzungen in
die Region sind teilweise bereits realisiert, in
anderen Fällen nicht oder nur im Ansatz vor
handen.
Der Autobahnring Köln ist vollständig, bedarf
aber hinsichtlich der Kapazitäten und der Sa
nierungserfordernisse (Leverkusener Brücke)
weitergehender Planungen und neuer Konzep
te. Das Stadtbahnnetz deckt den Bereich der
Innenstadt und der inneren Stadt gut ab. Hier
fehlt der letzte Lückenschluss an der Bonner
Straße und am Klettenberg und Zollstockgür
tel bis zum Rhein. In der äußeren Stadt ist das
155
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
Schienensystem wenig vernetzt und sternför
mig aufgebaut. Daher gibt es große Bereiche,
die vom schienengebundenen Nahverkehr
nicht abgedeckt sind.
Neue Vernetzungen und Verknüpfungen sind
links sowie rechtsrheinisch geplant. Der Über
gang zum SBahn und Regionalverkehr er
folgt an vielen Verknüpfungspunkten im Stadt
gebiet, bedarf aber weiterer Verbesserungen.
Geplant ist der Ausbau eines SBahnRings
über den Rhein, der die neuen Entwicklungs
gebiete „Parkstadt Süd“ und „Deutzer Hafen“
mit anbindet. Für den Radverkehr sind Schnell
wege bis in die Region vorgesehen.
Die Orte der internationalen Einrichtungen –
Institutionen mit internationalem Bezug und
internationaler Zusammenarbeit – befnden
sich ausschließlich im Bereich der Innenstadt
und der inneren Stadt. Köln pfegt verschiede
ne regionale Kooperationen, die eine Zusam
menarbeit mit den benachbarten Gemeinden
in unterschiedlichen Bereichen wie Verkehr,
Freiraum und Siedlungsentwicklung ermögli
chen.
156
Originalmaßstab 1 : 50.000 @ DIN A1
Stand 05/2019
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“
Grundlagenkarte Vernetztes Köln
Schwerpunkte: Klima, Umwelt, Sport und Gesundheit
157
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
158
Erläuterungen zur Grundlagenkarte
Vernetztes Köln
Schwerpunkte: Klima, Umwelt, Sport und Gesundheit
Klima, Umwelt, Sport und Gesundheit bilden
die Schwerpunkte der zweiten Grundlagenkar
te des „Vernetzten Kölns“, die daher folgende
Attribute enthält:
– Siedlungsfächen (Stadtviertel)
– Schienennetz
– Straßennetz
– Belastungen (Lärm und Hitzebelastung)
– Klimaaktive Flächen
– Kaltluft nach Sonnenuntergang
– Gesetzliche Überschwemmungsgebiete
und Retentionsfächen
– Sportstätten und Stadien
– Klimaschutz und Solarsiedlungen
– Umweltbildungseinrichtungen
– Gesundheit (Krankenhäuser, sozialpsychia
trische Zentren, Suchtberatungszentren)
– Freiraumstruktur (Innerer und Äußerer
Grüngürtel, Wald, Wasser, Landwirt
schaftsfächen, regionale Grünverbindun
gen)
Die Karte enthält Aussagen sowohl zu Lage
und Ausdehnung der durch Straßen, Schie
nen und Flugzeuglärm belasteten Areale als
auch zu stark hitzebelasteten Gebieten. Beide
Gebietstypen umfassen einen Großteil der
Kölner Siedlungsfäche. Zudem sind Lage und
Ausdehnung von Retentionsfächen sowie de
ren Überlagerung mit den gesetzlichen Über
schwemmungsgebieten zu erkennen. Ebenso
sind die Kaltluftströme dargestellt, die vier
Stunden nach Sonnenuntergang entstehen.
Das Grünsystem ist über den Inneren und
Äußeren Grüngürtel, Waldgebiete sowie
Flächen aus dem RegioGrünKonzept ablesbar.
Dieses verbindet das Kölner Grünsystem mit
den übergeordneten grünen Strukturen der
Region. Die Sportfächen sind kleinteilig im
gesamten Stadtgebiet vorhanden; überregio
nal bedeutsame Sportstätten wie Stadien sind
besonders hervorgehoben. In den Grünfächen
enthalten, aber nicht gesondert in der Grund
159
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
lagenkarte dargestellt, sind die Schutzgebiete,
die gemäß den Anforderungen des Bundesna
turschutzgesetzes besonderer Schutz, Pfege
und Sicherungsmaßnahmen bedürfen.
Einrichtungen der medizinischen Versorgung
(medizinische Hilfen und Angebote in Form
von Krankenhäusern, sozialpsychiatrischen
Zentren und Suchtberatungsstellen) sind im
gesamten Stadtgebiet vorhanden. Im äußeren
Norden befnden sich insgesamt weniger Ein
richtungen. Eine Analyse der Versorgungsqua
lität selbst ist an dieser Stelle nicht erfolgt.
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
160
Die Stadträumliche Perspektive
Erkenntnisse
der räumlichen
Analyse
161
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
Vor welchen zentralen Herausforderungen
steht die Stadt Köln? Welche Aufgaben und
Herausforderungen lassen sich aus der Un
tersuchung des Stadtraums ableiten? Zur
Beantwortung dieser Fragen wurde auf Basis
der Grundlagenkarten eine räumliche Analyse
durchgeführt.
Um die vielfältigen Informationen der stadt
räumlichen Entwicklung zu durchdringen,
wurden zur Orientierung konkrete Fragen
gestellt: Wie verhält sich die bauliche Dichte
zur Dichte der Einwohnerinnen und Einwohner
in den einzelnen Quartieren? Wie gut sind die
verkehrlichen Strukturen und die Siedlungsbe
reiche aufeinander abgestimmt? Wo bestehen
Lücken im Verkehrssystem und welche Auswir
kungen haben diese auf andere Nutzungsbe
reiche innerhalb der Stadt? In welchen Stadt
teilen ist das Mikroklima besonders belastet
und warum? Wo konzentrieren sich Kreativ
quartiere, wo gibt es Bezüge zu vorhandenen
Wissensstandorten?
Bei der Analyse wurden alle räumlich analysier
baren Themenfelder der Stadt gleichermaßen
betrachtet, sowohl einzeln als auch in ihrem
Bezug zueinander. Die Erkenntnisse der räum
lichen Analyse decken damit alle relevanten
räumlichen Felder der Stadtentwicklung ab.
Sie ermöglichen Aussagen über die gewachse
ne Siedlungs und Erschließungsstruktur, die
vorhandenen Freiräume bis hin zum Zustand
des Mikroklimas und der sozialen und kulturel
len Versorgung der Stadtteile.
Die Ergebnisse dieser umfassenden räumli
chen Analyse wurden geordnet, gewichtet
und zu insgesamt elf Erkenntnissen zusam
mengefasst, welche die bestehenden Stärken
und Schwächen des Stadtraums und seine
Herausforderungen für die Stadtentwicklung
identifzieren. Die dazugehörigen Prinzipskiz
zen ordnen diese im Stadtgrundriss ein und
zeigen auf, an welchen Orten die Erkenntnisse
besonders zu beachten sind.
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
162
163
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
A Nutzungsmischung und Dichte der
Quartiere nehmen vom Stadtzentrum
zum Stadtrand hin deutlich ab.
Es besteht ein deutliches Gefälle sowohl in der
baulichen als auch in der Dichte der Einwohne
rinnen und Einwohner: von der baulich dichten
und in ihrer Bevölkerungsstruktur gemischten
Innenstadt über die innere Stadt zu den wenig
dichten und in ihren Bevölkerungsstrukturen
teilweise homogenen Quartieren in der äuße
ren Stadt. Innerhalb des Äußeren Grüngürtels
fndet sich eine urbane bauliche Dichte, au
ßerhalb sind die Quartiere teilweise dörfich,
teilweise suburban – mit Ausnahme der vor
handenen Großwohnsiedlungen.
Es besteht ebenfalls ein Gefälle der Nutzungs
mischung: In den Quartieren der Innenstadt
und der inneren Stadt sind ausreichend soziale
und kulturelle Angebote vorhanden. Diese feh
len in Quartieren in der äußeren Stadt teilwei
se in erheblichem Maße.
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
164
B Großflächige Siedlungspotenziale
liegen vor allem in der äußeren Stadt.
Eine fächige Siedlungsentwicklung kann in
der äußeren Stadt stattfnden, da größere
zusammenhängende Flächenpotenziale in
nerhalb des Äußeren Grüngürtels weitgehend
ausgeschöpft sind. Drei Ausnahmen bilden die
aktuellen Transformationsgebiete „Parkstadt
Süd“, „Deutzer Hafen“ und „Mülheimer Sü
den“.
Im Siedlungsgebiet der inneren Stadt ist hin
gegen ein hohes Nachverdichtungspotenzial
für die Innenentwicklung vorhanden. Hier liegt
eine große Chance für eine ausgewogene und
lebendige Nutzungsmischung innerhalb der
Quartiere, die die bereits vorhandene Mi
schung stabilisiert, ergänzt und verstärkt.
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
C Der regionale Auto und Schienen
verkehr ist weitgehend auf das
Zentrum ausgerichtet.
Nahezu alle Verbindungen der SBahn, des
Regional und Fernverkehrs führen radial in die
Innenstadt hinein. Der Hauptbahnhof bildet
in diesem System eine zentrale Engstelle und
verfügt über wenig Entwicklungsspielraum.
Fehlende Ausweichmöglichkeiten sowohl
links als auch rechtsrheinisch machen das
Gesamtsystem anfällig für Störungen.
Die Autobahnen beziehungsweise Schnellstra
ßen enden an drei Stellen tief im innerstädti
schen Raum. Dieser wird dadurch zerschnitten
und bietet über weite Strecken nur wenige
Querungsmöglichkeiten. Zudem sind entlang
dieser breiten Straßenschneisen lange Rück
seiten in der Siedlungsstruktur entstanden.
An den Stadtachsen haben sich insbesondere
in der Innenstadt und der inneren Stadt ge
mischte und dichte Stadtteile mit lebendigen
Stadträumen entwickelt. Diese Räume geraten
durch die Verkehrsbelastung aber immer mehr
unter Druck.
165
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
D Das Netz des schienengebundenen Nahverkehrs
weist Lücken auf – sein Potenzial für die Siedlungs
entwicklung wird nicht überall ausgeschöpft.
Das Stadtbahn und das SBahnNetz sind
beide lückenhaft, etwa in NordSüdRichtung
(Stadtbahn im Süden rechts und linksrhei
nisch) oder ringförmig in der inneren Stadt
(SBahnRing rechtsrheinisch). Sowohl einige
vorhandene als auch potenzielle Siedlungs
gebiete sind daher nicht an den schienenge
bundenen Nahverkehr angeschlossen. Dies
birgt die Gefahr eines erhöhten Verkehrsauf
kommens durch den motorisierten Individu
alverkehr in der Stadt. In einigen Stadtteilen
sind zudem die Gebiete um die vorhandenen
Haltepunkte des schienengebundenen Nah
verkehrs nur einseitig oder nicht dicht genug
bebaut – hier wird das Entwicklungspotenzial
trotz der guten Anbindung nicht ausreichend
ausgeschöpft.
166
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
E Kölns Stadtstrukturen unterscheiden
sich rechts und links des Rheins deutlich.
Linksrheinisch gliedern die historisch gewach
senen Erschließungsstrukturen die Stadt.
Radial aus dem Zentrum führende Hauptstra
ßen und die Ringstraßen (Kölner Ringe, Innere
Kanalstraße, Gürtel, Äußere Kanalstraße und
Militärring) sind bis auf wenige Ausnahmen
durchgängig und sehr engmaschig. Die Stadt
struktur ist mehrheitlich kompakt und mit
dem Grünsystem der Grüngürtel durchzogen.
Im Rechtsrheinischen hingegen zeigt sich eine
deutlich weniger nachvollziehbare Entwick
lungslogik. Große Industrieareale und Anlagen
der Hochleistungsinfrastruktur defnieren den
Raum, der von einzelnen Siedlungseinheiten
und Resträumen geprägt ist.
Ein verzweigtes Netz aus langen Tangentialen
wie zum Beispiel der Frankfurter Straße hat
nicht die gleiche ordnende und entwickelnde
Funktion wie im Linksrheinischen. Ebenso ist
das Grünsystem weit weniger ausgeprägt.
167
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
F Stadtteile mit besonderen sozialen
Herausforderungen verteilen sich
über das gesamte Stadtgebiet.
Die Siedlungspotenziale außerhalb des Äuße
ren Grüngürtels überlagern sich teilweise mit
den Sozialräumen des Programms „Lebens
werte Veedel“. Diese Überlagerungen lösen
besondere Anforderungen sowohl an die Sozi
alstruktur und Nutzungsmischung der neuen
Siedlungsgebiete als auch die vorhandenen
Versorgungszentren aus. Hier liegt die Chance,
durch neue Siedlungsentwicklungen positive
Impulse für die Sozialräume zu generieren und
gleichzeitig soziale Segregation zu vermeiden.
Teilweise überlagern sich die Siedlungspoten
ziale auch mit vorhandenen Großwohnsied
lungen. Hier sind besondere Maßnahmen
sowohl zur Stabilisierung und Verbesserung
der bestehenden Situation als auch für die
Entwicklung von lebendigen Quartieren zu
ergreifen.
168
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
G Im gesamten Stadtgebiet findet, gut an
gebunden, vielfältige Produktion statt.
Die Gewerbegebiete sind überwiegend ent
lang des Äußeren Grüngürtels verteilt und
meist gut an das Autobahnnetz angebunden.
Die Industriegebiete liegen eher am Stadtrand
und haben gute Standortbedingungen, da sie
sowohl an den Rhein als Wasserstraße als auch
gut an die internationalen Güterverkehrsnetze
angebunden sind. Es befnden sich vier Indus
trie beziehungsweise Gewerbegebiete an der
Stadtgrenze mit Bezug zu den Nachbarkom
munen.
In den drei innerstädtischen Transformations
gebieten fndet derzeit eine Umwandlung von
Gewerbestandorten zu gemischt genutzten
Quartieren mit einem großen Anteil an Wohn
nutzung statt.
169
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
170
H Der Stadtraum ist bereits heute durch
Hitze und Lärmemissionen belastet.
Besonders in der Innenstadt und der inneren
Stadt werden weite Teile des Stadtgebiets
zukünftig stark mit Hitzebelastungen zu
kämpfen haben (Prognose 2050). Die belas
teten Gebiete erstrecken sich sowohl über
Siedlungs als auch über die Gewerbe und
Industriegebiete.
Entlang einiger Hauptstraßen sowie teilwei
se entlang des Güterschienennetzes ist eine
erhöhte Lärmbelastung festzustellen. Dies tritt
vermehrt im linksrheinischen Raum auf, der
zusätzlich durch Fluglärm belastet ist.
171
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
I Kölns grüne Strukturen sind lückenhaft
und nicht überall qualifiziert.
Aufgrund der historischen Entwicklung der
Stadt ist das innerstädtische Grünsystem
vor allem linksrheinisch sehr ausgeprägt und
nahezu durchgängig vorhanden. Lediglich
im Norden fehlt der Ringschluss im Äußeren
Grüngürtel, im Süden fehlt er im Inneren Grün
gürtel sowie auf der rechtsrheinischen Seite.
Linksrheinisch ist der Äußere Grüngürtel
darüber hinaus vielfältig programmiert (Parks,
Sportanlagen etc.), rechtsrheinisch hingegen
bestehen noch Aufwertungspotenziale.
Die grünen Korridore in die Region sind so
wohl links als auch rechtsrheinisch noch nicht
voll ausgebildet und bedürfen der weiteren
Ausformulierung.
Außerhalb des Äußeren Grüngürtels befn
den sich auf Kölner Stadtgebiet signifkante
Flächen für die Land und Forstwirtschaft mit
regionaler Bedeutung.
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
172
J Die stadträumlichen Potenziale des
Rheins sind nicht überall ausgeschöpft.
Der Rhein mit seinen stadträumlichen Poten
zialen entlang der Uferzonen (zum Beispiel
Boulevards, Landschaftsräume) wird nicht
überall genutzt. Stellenweise sind die Ufer
nicht für die vorhandenen beziehungsweise
gewünschten Nutzungen ausgestaltet, wie
zum Beispiel rund um die Bastei. Das Poten
zial des Rheins für den lokalen Pendlerverkehr
(zum Beispiel Wasserbus) wird bislang nicht
ausgeschöpft. Einige sinnvolle Rheinquerun
gen fehlen, vorhandene sind oft nicht ent
sprechend der Nutzungen ausgestaltet, zum
Beispiel fehlen an einigen Brücken adäquate
Zugangsmöglichkeiten für den Radverkehr.
173
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
Köln verfügt über zahlreiche innerstädtische
Wissenscluster und Kreativquartiere.
Innerstädtisch bündeln sich mehrere Wissens
und Forschungseinrichtungen in größeren
Clustern, die zentral gelegen, räumlich kom
pakt und gut angebunden sind.
In der inneren Stadt befnden sich drei Krea
tivquartiere mit Potenzial für eine gemischte
Nachverdichtung: Ehrenfeld, Mülheim und
Kalk. Kleinteiliges Gewerbe ist häufg entlang
der Stadtachsen angesiedelt.
In der äußeren Stadt sind weitere Wissens
cluster vorhanden, die unterschiedlich gut
untereinander und mit dem Stadtzentrum
vernetzt sind. Der Flughafen bietet Potenzia
le für die Ansiedlung weiterer Business und
Innovationsnutzungen, liegt aber trotz seiner
Erschließungsqualität an einem eher isolierten
Standort.
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
174
Die Stadträumliche Perspektive
Ansätze der
räumlichen
Entwicklung
175
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
Welche Strategien können für die Stadt Köln
formuliert werden, um die zukünftige räum
liche Entwicklung der Stadt zu lenken? Auf
welche Aufgaben muss die Stadt künftig ein
besonderes Augenmerk legen? Wo bestehen
Gelegenheiten für eine Weiterentwicklung der
Stadtstruktur, denen Köln nachgehen soll
te? Die Ansätze der räumlichen Entwicklung
skizzieren 13 übergeordnete und integrierte
Entwicklungsleitlinien für Köln, welche die
wesentlichen räumlichen Strategien zur Bewäl
tigung der Herausforderungen und zur Umset
zung der gesamtstädtischen Ziele aufzeigen.
Die Ansätze der räumlichen Entwicklung wur
den auf der Basis der Erkenntnisse der räumli
chen Analyse erarbeitet und mit räumlich re
levanten Aussagen der 360GradPerspektive
abgeglichen.
Sie behandeln jeweils einen spezifschen
Aspekt der räumlichen Entwicklung. Bei ihrer
Erarbeitung wurde darauf geachtet, dass alle
relevanten Themen der Stadtentwicklung
integriert betrachtet und Schnittmengen und
Synergien ausgelotet wurden. Die einzelnen
Aspekte können sowohl räumlich als auch
thematisch fokussiert sein.
Analog den Erkenntnissen der räumlichen
Analyse werden die formulierten Ansätze der
räumlichen Entwicklung mit Prinzipskizzen
illustriert.
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
176
177
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
1 Realisierung von angemessenen Dichten,
Nutzungs und Typologiemischungen
Köln wächst. Gleichzeitig soll die Inanspruch
nahme von Flächen für die Siedlungsentwick
lung so gering wie möglich gehalten werden
und ein Mindestmaß an Dichte für gemischte
und lebendige Quartiere sorgen. Damit die
quantitative und die qualitative Zielsetzung des
Stadtwachstums umgesetzt werden kann, wer
den drei Mindestdichten für die Siedlungs und
Nachverdichtungspotenziale für die Innenstadt
sowie die innere und die äußere Stadt empfoh
len. Eine weitere Realisierung von Siedlungsge
bieten mit niedrigen Dichten soll zukünftig nur
noch sehr eingeschränkt möglich
sein.
Neben der Dichte und der Defnition städ
tebaulicher Qualitäten ist die Nutzungsmi
schung eine maßgebliche Voraussetzung für
lebendige und nachhaltige Quartiere. Bei der
baulichen Entwicklung Kölns ist daher die
Nutzungsmischung zu erhöhen. Durch ein
differenziertes Angebot verschiedener Wohn
typologien wird darüber hinaus eine Vielzahl
von Lebensmodellen ermöglicht und somit
die Attraktivität gemischter urbaner Quartiere
erhöht.
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
178
2 Stärkung der sozialen, kulturellen und Bildungsinfra
strukturen in bestehenden und zukünftigen Quartieren
Die dezentral verorteten Kölner Versorgungs
zentren sind auch Anker für soziale und kultu
relle Angebote in den Stadtteilen. Diese müs
sen bedarfsgerecht gestärkt und qualifziert
werden. Insbesondere in der äußeren Stadt
kann die Tragfähigkeit von Infrastrukturein
richtungen durch Nachverdichtungen ausge
baut werden.
Neben den Entwicklungsfächen, bei deren
Planung die soziale, die kulturelle und die
Bildungsinfrastruktur bereits frühzeitig mit
zudenken sind, sind in der Innenstadt vorwie
gend die Bildungsinfrastrukturen zu stärken.
In den Sozialraumgebieten steht vor allem die
Stabilisierung der Angebotsstruktur im Fokus.
Angrenzende Siedlungserweiterungen können
entscheidend dazu beitragen, die gewünschte
Durchmischung der Sozialstrukturen zu för
dern.
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
179
3 Umgestaltung der Stadtachsen und
Anbindung aller Stadtteile
Den Stadtachsen Kölns kommen verschiedene
wichtige Bedeutungen zu: Sie sind zum einen
Rückgrat des Stadtverkehrs und attraktive
Stadteingänge. Als wichtiger Teil des öffent
lichen Raumes bestehen entsprechend hohe
Ansprüche an ihre Aufenthaltsfunktionen und
eine attraktive Gestaltung des Straßenraums.
Zum anderen übernehmen sie als Versor
gungszentren für den Einzelhandel und weite
re Einrichtungen eine wichtige Funktion für die
umliegenden Quartiere.
Daher sind sie zukünftig nicht nur als V
er
kehrs-, sondern auch als Stadträume zu be
trachten. Vor diesem Hintergrund definieren
sie die Anforderungen für eine ausgewogene
Nutzungsmischung, die Qualität der öffent
lichen Räume, die Nachverdichtungs- und
Erneuerungspotenziale der Siedlungsstruktur
und die lokalen Mobilitätsangebote.
Die so ausgelösten Impulse können auch
städtebauliche Potenziale der angrenzenden
Quartiere aktivieren und die Nachverdichtung
sowie die sorgfältige Nutzungsmischung der
inneren Stadt fördern.
180
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
Stärkung de s sc hienengebundenen Nahverkehrsnetzes
als Voraussetzung für die Stadtentwicklung
4
Damit der schienengebundene Nahverkehr
seine Rolle als Rückgrat des Umweltver
bunds erfüllen kann, müssen seine Lücken im
Netz geschlossen werden. Insbesondere der
innerstädtische S-Bahn-Ring ermöglicht die
Verknüpfung zahlreicher S-Bahn- und Stadt
bahn-Linien und trägt maßgeblich zu einer
Entlastung des Hauptbahnhofs und des Bahn
hofs Deutz bei. Zusammen mit dem weiteren
Ausbau des Stadtbahnnetzes entsteht eine
robuste Mobilitätsinfrastruktur mit attraktiven
Fahrzeiten.
Auf wichtigen Linien des Regional-, S-Bahn-
und Stadtbahn-Netzes sind durch eine erhöh
te Taktung die notwendigen Kapazitäten zu
schaffen und deren Attraktivität zu steigern.
Ebenso sind weitere Bereiche der äußeren
Stadt an das Stadtbahnnetz anzuschließen.
Die so gewonnene Erschließungsgunst im öf
fentlichen Verkehr ist prioritär für die Verdich
tung und Weiterentwicklung der Siedlungs
struktur zu nutzen.
181
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
5 Ausbau des Umweltverbunds und
Reduzierung des MIV
Um die Lebensqualität in der inneren Stadt sig
nifkant zu verbessern und die Verkehrswende
zu gestalten, müssen vielfältige Maßnahmen
ergriffen werden. Neben dem Stadtbahn und
SBahnNetz sind die Angebote des ÖPNV in
der inneren und der äußeren Stadt zu erwei
tern und der Zugang zu öffentlicher Mobilität
zu ermöglichen. Darüber hinaus sind auch
die Verbindungen zwischen den Stadtteilen,
insbesondere in der äußeren Stadt, zu verbes
sern. Hier verlaufen die Verbindungen häufg
zentral über den Hauptbahnhof.
Ebenso ist das Radwegenetz zu ertüchtigen
und auszubauen. Dies betrifft sowohl das
regionale Pendlerradwegenetz als auch die
innerstädtischen Radwegeverbindungen links
und rechtsrheinisch.
In der inneren Stadt und verstärkt in der Innen
stadt sind das heute immer noch hohe MIV
Aufkommen und der ruhende Verkehr durch
Kapazitäts und Geschwindigkeitsreduktionen
mittel und langfristig zu senken, umso mehr
Raum für den Umweltverbund (ÖPNV, Radver
kehr und Fußverkehr) zur Verfügung zu stellen.
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
182
6 Stärkung des Rheinraums
Die Querung des Rheins wird zunehmend zu ei
ner Herausforderung: Der Sanierungsbedarf und
die damit verbundenen Nutzungseinschrän
kungen der Rheinbrücken haben beträchtliche
Konsequenzen für die lokalen und regionalen
Verkehrsfüsse. Der Rhein muss stärker als ver
bindendes Element in der Stadt genutzt werden,
um das Zusammenwachsen des rechts und
linksrheinischen Kölns zu erreichen.
Dazu ist die Querung des Rheins auch für den
Fuß und Radverkehr zu verbessern. Bestehen
de Brücken sind dafür baulich nachzurüsten
und ergänzend neue Rad und Fußgängerbrü
cken zu bauen. Ebenso sind die Potenziale zu
nutzen, den Rhein und uferbegleitende Wege
als Pendlerrouten zu verwenden.
Bei der Projektierung neuer Brückenbauwerke
wie der geplanten Autobahnbrücke im Köl
ner Süden ist die Integration verschiedener
Verkehrsträger (Stadtbahn, Fahrrad etc.) von
vornherein einzuplanen.
Durch die Proflierung und Aufwertung weiterer
Abschnitte des Rheinufers wird der Flussraum
zum attraktiven Stadtraum, wie dies mit dem
Rheinboulevard Deutz bereits gelungen ist.
183
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
7 Langfristige Aktivierung neuer Stadträume
Die mittel und langfristige Reduzierung des
MIV in der inneren Stadt bietet neue Perspek
tiven: Durch die Umwandlung der tief in die
Stadt hineinragenden Autobahnzubringer
in leistungsfähige Stadtstraßen ergibt sich
ein Flächenpotenzial, das den angrenzenden
Stadträumen neue urbane und städtebauli
che Entwicklungsspielräume und Qualitäten
ermöglicht. Diese Entwicklungsmöglichkeiten
bedürfen einer langfristigen Betrachtung.
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
8 Ausformulierung des rechtsrheinischen
Entwicklungskorridors
Die regional geprägte Betrachtung des Agglo
merationskonzepts eröffnet das Potenzial
eines Entwicklungskorridors in NordSüdRich
tung zwischen Düsseldorf, Leverkusen, Kölner
Flughafen, Troisdorf und SiegburgBonn. Ein
solcher Korridor stellt für den rechtsrheini
schen Raum eine neue Entwicklungslogik dar
und eröffnet damit Möglichkeiten für eine
Proflierung und Aufwertung bestehender
Strukturen.
Die B 8 (Frankfurter Straße/Clevischer Ring)
und die in NordSüdRichtung führenden
Schienenstränge haben das Potenzial, die hier
gelegenen Logistik und Gewerbegebiete zu
proflieren und besser anzubinden. Der Ent
wicklungskorridor bettet auch den Flughafen
mit ein. Durch einen entsprechenden Ausbau
des RE und SBahnNetzes können das inner
städtische Schienennetz entlastet, Siedlungs
und Grünräume verknüpft und die anliegen
den Zentren gestärkt werden.
184
185
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
9 Qualifizierung und Nachverdichtung
der Industriestandorte
Die bestehenden Industrieareale Kölns sind
mit ihrer Anbindung an das Schienen und
Wasserwegenetz gut für die Zukunft gerüstet
und werden für die weitere wirtschaftliche
Entwicklung eine wichtige strategische Rolle
spielen. Diese Industriestandorte sind daher
als Flächen zu qualifzieren, um langfristig gut
angebundene Standorte für die industrielle
Produktion bereitzustellen. Aufgrund der be
grenzten Flächenverfügbarkeit für neue Indus
triefächen sind bedarfsgerechte Nachverdich
tungen innerhalb der bestehenden Gebiete
mit einer effzienteren Flächenproduktivität
voranzutreiben und zu fördern.
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
186
j Stärkung der produktiven Stadt
Kölns Gewerbefächen sind vielfältig und stark
im Stadtbild verwurzelt. Die gut angebunde
nen und zum Teil gut genutzten Einheiten in
der inneren Stadt stehen jedoch in wachsender
Konkurrenz zu Wohn und Büronutzungen. Für
eine gezielte Weiterentwicklung sind die Po
tenziale zur Proflierung und Nachverdichtung
gewerblicher Standorte zu nutzen.
Dies gilt im Besonderen auch für die angren
zenden Quartiere mit Nachverdichtungspo
tenzial, die Flächen sowohl für Gewerbe als
auch für Wohnen bereitstellen. Hier sind urba
ne Produktionen und Wohnen in Einklang zu
bringen, sodass beide Funktionen voneinander
proftieren.
Die Gewerbegebiete außerhalb des Äußeren
Grüngürtels sollen ebenfalls auf fächenscho
nende Nachverdichtung überprüft werden.
187
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
k Komplettierung der grünen Strukturen
Kölns grünes Netz und seine Korridore in die
Region sind prägende Elemente des Stadt
bilds. Die zentralen Aufgaben der Stadt Köln
sind diesbezüglich zum einen die Lückenschlie
ßung im nördlichen Teil des Äußeren Grüngür
tels, im südlichen Teil des Inneren Grüngürtels
sowie im rechtsrheinischen Stadtgebiet.
Zwischen den beiden Grüngürteln sind sowohl
links als auch rechtsrheinisch grüne Trittstei
ne zu schaffen, die ökologische, klimatische
und soziale Mehrwerte bieten.
Zum anderen ist die regionale Grünvernet
zung zu stärken und weiter auszugestalten.
Vor allem im rechtsrheinischen Stadtgebiet ist
der Äußere Grüngürtel zu qualifzieren be
ziehungsweise zu defnieren. Der Ausbau des
Grünsystems der Stadt bietet die Chance, die
Attraktivität angrenzender Siedlungsgebiete
zu stärken und die Lebensqualität der Bewoh
nerinnen und Bewohner zu erhöhen.
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
188
l Zusammendenken v on Freiraum
und Siedlungsrändern
Durch eine sorgfältige Gestaltung der Frei
räume und ihrer „grünen Ränder“ (also des
Übergangs vom Grün- zum Siedlungsraum)
kann den wachsenden Nutzungskonkurrenzen
zwischen der Nachfrage nach Wohnraum und
dem Bedarf nach Grün- und Freiflächen entge
gengewirkt werden. Eine starke (stadt-)räum
liche und funktionale Definition und Ausge
staltung der Siedlungsränder kann zusätzlich
ein Weiterwachsen von Siedlungsstrukturen
begrenzen.
Durch eine integrierte Planung von Freiraum
und Siedlung wer
den wechselseitige Chancen
ergriffen. Neben der Mobilisierung punktueller
Arrondierungspotenziale können steigende
Nutzungsansprüche zur Aufwertung von
bestehenden Freiräumen gelenkt und genutzt
werden. Dafür ist auch eine Differenzierung
zwischen Schutzgebieten und Gebieten mit
Freizeitnutzung notwendig, um sensible Be
reiche für Ökosysteme und Landwirtschaft zu
schonen.
189
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
m Verbesserung des Mikroklimas
Um das städtische Mikroklima sowohl im Be
stand als auch für die Siedlungserweiterung zu
verbessern, verfolgt die Stadt Köln den neuen
Weg einer vierfachen Innenentwicklung: bauli
che Maßnahmen, Qualifzierung von Frei und
Grünräumen, angepasste Mobilitätskonzepte
und die Berücksichtigung der Klimaziele. Diese
an den Klimawandel angepasste Stadtentwick
lung wird lokal durch kleinteilige städtebauli
che und freiraumplanerische Maßnahmen, wie
PocketParks, weitere Möglichkeiten der Ver
schattung und Verdunstung sowie Dach und
Fassadenbegrünung ergänzt. Eine Verdichtung
ist zwar möglich, muss aber einen Beitrag zur
Verbesserung des Mikroklimas leisten. In den
Entwicklungsgebieten der äußeren Stadt ist
darauf zu achten, dass die bestehenden Kalt
luftströme nicht daran gehindert werden, so
tief wie möglich in die innere Stadt vorzudrin
gen. Dies kann vor allem durch entsprechend
dimensionierte Freiraumschneisen sowie die
Ausrichtung der Gebäude geschehen.
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
190
Die Stadträumliche Perspektive
Die Zielkarten
191
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
Was wird konkret für die räumliche Entwick
lung vorgeschlagen? An welchen Orten fnden
Veränderungen statt?
In den Zielkarten wird aufgezeigt, wie und
durch welche Maßnahmen die Zielsetzungen
aus dem Zielgerüst, die Handlungsempfeh
lungen sowie die formulierten Ansätze auf der
räumlichen Ebene umgesetzt werden können.
Sie formulieren konkrete räumliche Maßnah
men und Empfehlungen für die Entwicklung
Kölns, mit dem Planungshorizont 2030 und
darüber hinaus. Sie machen aber auch Kon
fikte sichtbar, indem sie bestimmten Orten
in den verschiedenen Karten unterschiedliche
Aufgaben zuweisen. Die Zielkarten mit ihren
strategischen Empfehlungen sind daher als
konkrete Zielbilder, Arbeitskarten und Diskus
sionsgrundlagen gleichermaßen zu verstehen.
Die Aufgabe der Stadt Köln und ihrer Partne
rinnen und Partner wird es sein, diese Karten
als Richtschnur und Koordinationsinstrument
für weitere planerische Schritte zu nutzen.
Die fünf Zielkarten gliedern sich in die Themen
„Wohnen“, „Wirtschaft“, „Soziales, Kultur und
Bildung“, „Mobilität“ sowie „Grün und Klima“.
Ähnlich wie die Grundlagenkarten wurden sie
in amtsübergreifenden Workshops erarbeitet
und abgestimmt. Sie basieren auf städtischen
Geodaten und überführen diese in grafsche
Illustrationen und Interpretationen. Die räum
lichen Zielaussagen gehen aber über die beste
henden Datengrundlagen hinaus.
Als Grundlage sowie zur Verortung und Orien
tierung sind in allen Zielkarten die Siedlungs
strukturen Kölns und des benachbarten Um
lands, der Innere und Äußere Grüngürtel der
Stadt sowie der Rheinverlauf dargestellt. Jede
der fünf Zielkarten bildet für das jeweilige The
menfeld relevante Attribute aus den Grundla
genkarten ab. Diese werden mit räumlichstra
tegischen Empfehlungen überlagert, sodass
sich fünf themenorientierte Zielbilder für Köln
und – soweit möglich – die Region ergeben.
Um die relevanten Themenfelder, Zusammen
hänge und Wechselwirkungen bestmöglich
darstellen zu können, wurden die Inhalte ge
genüber den Grundlagenkarten abweichend
sortiert.
GRUNDLAGEN STRATEGISCHE EMPFEHLUNGEN
Originalmaßstab 1 : 50.000 @ DIN A1
Stand 06/2020
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“
Zielkarte Wohnen: Realisierung
von g
emischten, lebendigen und
gut angebundenen Quartieren
192
193
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
194
Wohnen:
Realisierung von gemischten, lebendigen
und gut angebundenen Quartieren
Die Zielkarte „Wohnen: Realisierung von ge
mischten, lebendigen und gut angebundenen
Quartieren“ bezieht sich auf die vorhandene
heterogene Stadtstruktur und zukünftige
Siedlungsfächen. Sie zeigt auf, durch welche
Maßnahmen Kölns bestehende gemischte
Quartiersstruktur langfristig gesichert sowie
neue gemischte, lebendige und gut angebun
dene Quartiere entwickelt werden können.
Die strategischen Empfehlungen dieser Ziel
karte basieren im Wesentlichen auf folgenden
Ansätzen der räumlichen Entwicklung (siehe
S. 174 ff., die Ziffern verweisen auf die jeweili
gen Ansätze):
(1) Realisierung von angemessenen Dichten,
Nutzungs und Typologiemischungen
(3) Umgestaltung der Stadtachsen und
Anbindung aller Stadtteile
(4) Stärkung des schienengebundenen
Nahverkehrsnetzes als Voraussetzung für
die Stadtentwicklung
(7) Langfristige Aktivierung neuer Stadträume
Die strategischen Empfehlungen zielen im We
sentlichen auf eine sinnvolle, fächensparende
Siedlungsentwicklung mit angemessenen
Dichten, gemischten Wohnformen und Nut
zungen sowie qualitativ hochwertigen öffent
lichen Räumen ab und werden in der Folge nä
her erläutert. Dazu werden auch Aspekte und
Aufgaben benannt, die nicht als Karteninhalt
dargestellt sind oder nicht räumlich verortet
werden können.
Angemessene urbane Dichten, Typologien
und Nutzungen
Für die Siedlungsentwicklung sind angemesse
ne Bebauungsdichten festzulegen: Diese sind
einerseits Voraussetzung für einen sparsamen
Umgang mit der knappen Ressource Fläche.
Andererseits können durch höhere Dichten
die gewünschte Nutzungsmischung sowie die
Versorgungsangebote sichergestellt und die
Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel sowie der
Rad und Fußverkehr gefördert werden. Für die
verschiedenen Bereiche Kölns werden daher
drei Kategorien an Mindestdichten mit Dichte
werten empfohlen:
Die „höchste Dichte” mit einem Dichtewert
höher als 1,5, die „hohe Dichte” mit einem
Dichtewert von größer als 1,2 und die „mitt
lere Dichte” mit einem Dichtewert von größer
als 0,8. Die Dichtewerte geben das Verhältnis
zwischen der Siedlungsfäche und der gebau
ten Geschossfäche an. Je höher der Wert,
desto dichter die Bebauung.
195
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
In der äußeren Stadt – insbesondere bei der
Entwicklung neuer Flächenpotenziale – ist das
Erreichen der Mindestdichten ein entschei
dender Faktor, um der hohen Nachfrage nach
Wohnraum auf den wenigen dafür zur Verfü
gung stehenden Flächen begegnen zu kön
nen. Zudem soll dadurch verhindert werden,
dass weitere Quartiere entstehen, für die keine
adäquaten Versorgungsinfrastrukturen mit
sozialen Einrichtungen, Einkaufsmöglichkeiten
und Mobilitätsangeboten des Umweltver
bunds bereitgestellt werden können.
Darüber hinaus sind auch dörfich strukturierte
Bereiche markiert, in denen eine weitere Sied
lungsentwicklung zwingend an den Bau einer
leistungsfähigen ÖPNVVerbindung und die
Stärkung oder Entwicklung von Versorgungs
zentren gebunden sein muss.
In der inneren Stadt sind urbane Dichten mit
Dichtewerten von mindestens 1,2 zu errei
chen. Diese entsprechen in weiten Teilen dem
heutigen gebauten Bestand, jedoch bieten
sich in der gesamten inneren Stadt Möglichkei
ten zur Nachverdichtung. Bei der Erneuerung
und Verdichtung der bestehenden Baustruktur
ist auch zu prüfen, ob höhere Dichten möglich
sind, wenn diese mit einer hohen städtebau
lichen Qualität einhergehen, wie dies in den
drei großen innerstädtischen Transformations
gebieten bereits geschieht.
Gleiches gilt für die Innenstadt nur mit einer
höheren Mindestdichte. Hier sollten die Zen
tralität und die bestehenden Angebote maxi
mal ausgenutzt werden, ohne dabei die Siche
rung und Schaffung hochwertiger öffentlicher
Räume außer Acht zu lassen (siehe unten).
In den zentralen Bereichen entlang der Zu
kunftsachsen und Stadtachsen werden jeweils
die nächsthöheren Dichtewerte – verglichen
mit ihrer Umgebung – empfohlen, da sich dort
meist Potenziale zur Nachverdichtung mit
guter Anbindung und Versorgungsangeboten
befnden.
Folgende Aspekte und Aufgaben stehen mit
den Karteneinträgen in Zusammenhang und
sind bei der Erreichung der Ziele wichtig:
Nutzungsmischung und städtebauliche Qua
lität sind eine wesentliche Voraussetzung für
die Lebensqualität und die Wahrnehmung der
baulichen Dichte. Für die angestrebten Dich
teziele ist es daher wichtig, städtebauliche
Strukturen zu entwickeln, die ortsspezifsch
Quartiere mit hoher Lebens und Aufenthalts
qualität ermöglichen. Dazu gehören verschie
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
196
dene Gebäude und Wohnungstypen sowie
beispielsweise fexible Nutzungsmöglichkeiten
der Erdgeschosszonen. Insbesondere in den
neuen Entwicklungsgebieten der äußeren
Stadt sind dafür neue Typologien zu entwi
ckeln.
Bei der Entwicklung neuer Flächen ist ein breit
gefächertes Wohnraumangebot (sozialer und
preisgedämpfter Wohnraum sowie Wohn
raum zu Marktpreisen) sicherzustellen. Durch
die weiterhin konsequente Anwendung des
kooperativen Baulandmodells, welches vor
sieht, 30 Prozent der Wohnungen im öffentlich
geförderten Segment zu errichten, ist in neuen
Quartieren eine ausgeglichene Relation von
Eigentum und (preisgedämpften) Mietwoh
nungsbau zu sichern (siehe auch Zielkarte
„Soziales, Kultur und Bildung“).
Integrierte Entwicklung von Siedlung
und ÖPNV
Für eine nachhaltige Entwicklung Kölns sowie
die angestrebte Verkehrswende ist eine bes
sere Verzahnung zwischen den Angeboten
des öffentlichen Verkehrs und der Siedlungs
entwicklung mit angemessenen Dichten
herzustellen (siehe auch Zielkarte „Mobilität“).
Einerseits gilt es insbesondere an den Trassen
des schienengebundenen ÖPNV mögliche
Verdichtungs und Entwicklungspotenziale
zu erkunden und zu mobilisieren. In der Karte
sind daher die Suchräume gekennzeichnet, in
denen diese Potenziale prioritär zu prüfen und
auszuschöpfen sind. Diese Suchräume befn
den sich alle in der äußeren Stadt.
Andererseits zeigt die Karte auch Gebiete, in
denen eine weitere Siedlungsentwicklung nur
im Zusammenspiel mit einer ÖPNVAnbin
dung und Entwicklung der Zentren weiter
verfolgt werden soll. Andernfalls besteht die
Gefahr weiterer eingeschränkt versorgter und
schlecht angebundener Quartiere, die primär
auf dem MIV angewiesen sind.
Für die Identifzierung der Suchräume wurden
die Siedlungsstrukturen entlang der bestehen
den Stadtbahn und SBahn sowie die in der
ÖPNVRoadmap festgelegten Aus und Neu
bauprojekte untersucht. Es wurden diejenigen
Räume markiert, die entweder über unbebau
te oder zukünftig geplante Siedlungsfächen
verfügen oder deren bestehende Bebauungs
struktur im Vergleich zu anderen Quartieren
an ÖPNVTrassen noch Verdichtungspotenzi
ale aufweist. Die ermittelten Flächen wurden
mithilfe von Luftbildanalysen und Begehungen
nochmals verifziert.
197
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
Nachverdichtung bestehender Strukturen
Im Unterschied zur äußeren Stadt, die über
fächige Siedlungspotenziale verfügt, liegen
die Potenziale zur Siedlungsentwicklung der
inneren Stadt in der Nachverdichtung. Nicht
überall werden die vorgegebenen Dichteziele
erreicht. Besonders in folgenden Gebietsty
pen fnden sich größere zusammenhängende
Potenziale für die Siedlungsentwicklung:
1. Quartiere, in denen in der Nachkriegszeit
der 1950er, 1960er und auch 1970erJahre
Wohnsiedlungen in Zeilenstrukturen errich
tet wurden. Diese sind heute vermehrt sa
nierungsbedürftig und weisen häufg nicht
mehr nachgefragte Wohnungsgrundrisse
und größen auf.
2. Areale, die vormals zumeist (klein)gewerb
lich oder gemischt genutzt wurden, aber in
großen Teilen heute untergenutzt sind oder
brachliegen.
3. Zersiedelte Strukturen an den Siedlungs
rändern, die sich für eine Arrondierung und
Verdichtung eignen.
Vor allem aber besteht bei zahlreichen Bauten
der Nachkriegszeit die Notwendigkeit einer
Sanierung der vorhandenen Baustruktur. Die
Verdichtung und Aufwertung dieser Gebiete
durch Sanierung, Ergänzung, Aufstockung
oder Ersatz stellt ein großes Potenzial für die
Stadt Köln dar, weil sowohl verkehrliche (ins
besondere der öffentliche Verkehr) als auch
soziale Infrastruktur bereits vorhanden ist.
Die Zielkarte defniert daher Suchräume in der
inneren Stadt, in denen die Nachverdichtung
größerer zusammenhängender Quartiere
empfohlen wird. Diese sollte im Sinne der
gemischten Stadt mit Erhalt oder Stärkung der
vorhandenen Mischung aus Gewerbe, Büros,
Wohnen, verschiedenen Dienstleistungen und
sozialen Einrichtungen einhergehen.
Folgende Aspekte und Aufgaben stehen mit
den Karteneinträgen in Zusammenhang und
sind bei der Erreichung der Ziele wichtig:
– Die markierten Bereiche sind ganz bewusst
als Suchräume defniert. Die Machbarkeit
einer möglichen Nachverdichtung ist in
vertiefenden Untersuchungen zu prüfen
und stark von Eigentumsverhältnissen, der
Akzeptanz der ansässigen Bevölkerung,
einer Wirtschaftlichkeit und Finanzierung
abhängig.
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
198
– Die Qualifzierung bestehender Strukturen
ist darüber hinaus sehr viel kleinteiliger zu
verfolgen: Auf der Ebene von Parzellen,
einzelnen Blöcken oder Straßenzügen sind
die Möglichkeiten einer angemessenen
Verdichtung auszuloten und aufkommende
Sanierungszyklen für eine Weiterentwick
lung der Stadtstruktur zu nutzen.
– Die Nachverdichtung vorhandener Struk
turen zielt unter anderem darauf ab, die
bestehende Infrastruktur wirtschaftlicher
zu nutzen und weitere Angebote ergänzen
zu können. Wenn in bestehenden Gebieten
nachverdichtet wird, ist sicherzustellen,
dass die Kapazitäten bestehender Infra
strukturen, beispielsweise von Bildungsein
richtungen, vorhanden sind oder bei Bedarf
erhöht werden.
Entwicklung und Proflierung der funktio
nalen und stadträumlichen Qualitäten
entlang von Kölns „Zukunfts“ und „Stadt
achsen“
Viele der größeren Straßen Kölns haben nicht
nur eine herausragende Bedeutung für den
Stadtverkehr, sondern auch eine Verbindungs
und Gliederungsfunktion für den Stadtkörper.
Auf ihnen liegen wichtige Versorgungszentren
für die umliegenden Quartiere oder die Ge
samtstadt. Die in der Karte markierten linea
ren Räume sollen als Ganzes betrachtet und
gezielt entwickelt werden. Einerseits, um die
Achsen an sich und die Zentren zu fördern,
andererseits, um Potenziale für eine Weiter
entwicklung der angrenzenden Siedlungs
strukturen zu nutzen. Dafür müssen aber auch
die entsprechend notwendigen Qualitäten im
öffentlichen Raum bereitgestellt werden. In
der Karte wird zwischen zwei „Zukunftsach
sen“ sowie den „Stadtachsen“ unterschieden.
Die „Zukunftsachsen“ haben eine übergeord
nete Bedeutung für Köln und die Verbindung
mit dem Umland. Entlang der „Zukunfts
achsen“ sollen vor allem übergeordnete
Funktionen entwickelt und profliert werden,
beispielsweise durch die Ansiedlung von
Einrichtungen oder Institutionen von beson
derem Rang und deren Stärkung als Handels
und Dienstleistungsstandorte. Hierfür ist die
Aufwertung stadträumlicher und städtebauli
cher Qualitäten eine wichtige Voraussetzung.
Die Zukunftsachse in OstWestRichtung
verläuft von Bensberg nach Königsdorf über
die Olpener Straße, die Deutzer Brücke, den
Neumarkt und die Aachener Straße. Sie führt
durch das Zentrum von Köln und ist daher
prädestiniert für die Ansiedlung übergeord
neter Funktionen. Heute ist sie zu Hauptver
199
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
kehrszeiten stark überlastet und verfügt über
wenige Bereiche mit Aufenthaltsqualitäten.
Der geplante Ausbau der Stadtbahnlinie 1 bie
tet – unabhängig von einer oberirdischen oder
unterirdischen Führung – die Möglichkeit, den
MIV zu reduzieren, die Straßenprofle neu zu
ordnen und ihren Charakter als öffentlichen
Raum im Zentrum der Stadt deutlich zu stär
ken. Durch eine differenzierte und qualitativ
hochwertige Entwicklung dieser Achse ist ihre
Funktion als verbindendes Element im Kölner
Stadtraum zurückzugewinnen.
– Die Zukunftsachse in NordSüdRichtung
entlang der B8 ist der zentrale Teil des
rechtsrheinischen Entwicklungskorridors
aus dem Agglomerationskonzept des Re
gion Köln/Bonn e.V. Sie soll von einem
überwiegend verkehrlich genutzten Raum
zu einer neuen städtischen Entwicklungs
achse entwickelt werden – als verbindendes
Element in die Region und für die angren
zenden Quartiere. Vor allem die zahlreichen,
bereits ausgewiesenen Entwicklungsfä
chen im Porzer Süden, aber auch in Kalk,
Vingst, Höhenberg, Buchforst, Buchheim
und Mülheim sind in die Entwicklung dieser
Zukunftsachse ebenso miteinzubeziehen
wie weitere Neustrukturierungs und Ver
dichtungspotenziale für das Wohnen und
Arbeiten.
– Die „Stadtachsen“ sind Versorgungs, Infra
struktur und Dienstleistungsstandort für
die angrenzenden Quartiere. Sie sollen in ih
rer gesamtstädtischen und lokalen Funktion
gesichert und weiterentwickelt werden. Die
Aufwertung, Belebung und Intensivierung
bestehender Nutzungen sollen dabei durch
die Ansiedelung gesamtstädtischer und
lokaler Nutzungen und die Stärkung des öf
fentlichen Raums erreicht werden. Anknüp
fungspunkte bieten hier die bestehenden
Versorgungszentren.
Folgende Aspekte und Aufgaben stehen mit
den Karteneinträgen in Zusammenhang und
sind bei der Erreichung der Ziele wichtig:
– Für die Weiterentwicklung der Stadtachsen
müssen deren Verkehrsmengen künftig
reduziert und stärker vom Umweltverbund
bewältigt werden.
– Die derzeit teilweise starken Umwelt,
Lärm und Luftproblematiken entlang der
Stadtachsen sind sowohl durch die oben ge
nannte Förderung des Umweltverbunds als
auch durch weitere Maßnahmen zu reduzie
ren (siehe Zielkarte „Grün und Klima“).
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
200
Aufwertung des öffentlichen Raums an
Straßen, Kreuzungen und Rheinquerungen
Im gesamten Stadtgebiet kommt den öffent
lichen Räumen eine besondere Bedeutung
als Orte des sozialen Austauschs und der
Erholung zu. Die Steigerung der Vielfalt von
Lebensmodellen und Nutzungen macht aus
öffentlichen Räumen soziale Räume, die neue
Gestaltungsansätze brauchen. Dies betrifft
nicht nur Grün und Freifächen, sondern auch
Plätze und Straßenräume. Die Aufwertung
des öffentlichen Raums stellt insbesondere
entlang der verkehrsreichen Stadtstraßen und
Kreuzungen eine besondere Herausforderung
dar. Wie beispielsweise am Barbarossaplatz
wird heute ein Großteil des Raums für die
Abwicklung des MIV und des ÖPNV benötigt,
sodass seine Funktion als Platz und Aufent
haltsraum stark eingeschränkt ist. In der Karte
sind explizit die Ringe, das linke Rheinufer, die
bestehenden Rheinquerungen und die wichti
gen Kreuzungspunkte und Platzsituationen im
innerstädtischen Bereich (auch in Deutz) ein
gezeichnet. Sie sind trotz ihrer repräsentativen
Bedeutung besonders stark frequentiert und
hoch belastet. Hier gilt es, den öffentlichen
Raum schrittweise zu qualifzieren, die Flächen
für den Fahrrad und Fußverkehr auszuweiten,
alternative SharedMobilityAngebote bereit
zustellen und die Gestaltung des Stadtraums
voranzutreiben. Bei den markierten Rheinque
rungen, wie beispielsweise der Hohenzollern
brücke, ist zu prüfen, ob und wie diese für den
Fahrrad und Fußverkehr attraktiver gemacht
werden können – sowohl auf den Brücken
selbst als auch auf deren Zufahrten und Ram
pen. Alternativ ist die langfristige Realisierung
von parallelen Brückenbauwerken zu prüfen.
Folgende Aspekte und Aufgaben stehen mit
den Karteneinträgen in Zusammenhang und
sind bei der Erreichung der Ziele wichtig:
– An den Kreuzungen und Plätzen besteht mit
der Einrichtung von Mobilstationen (Mög
lichkeiten zum Umstieg auf SharedMobili
tyAngebote) zusätzlich die Chance, durch
weitere Angebote des Umweltverbunds an
zentralen Orten den MIV in der Innenstadt
zu reduzieren.
201
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
Langfristige Transformation des Straßen
raums zur Entwicklung neuer Stadträume
Die Autobahnzubringer (A57 , A559 und B55)
haben eine wichtige verkehrliche Funktion, die
– zumindest kurz bis mittelfristig – notwen
dig ist, um Mehrbelastungen an Verkehr für
die aktuellen Transformationsgebiete wie den
Deutzer Hafen zu bewältigen. Ihre kreuzungs
und anbaufreie Ausgestaltung bis tief in die
Stadt hinein (weder Gehwege noch Gebäude
dürfen direkt an die Straße gebaut werden) ist
jedoch eine schwer zu überwindende Barriere
im Stadtraum, führt zu hohen Lärmemissio
nen und braucht viel Platz, der nicht ander
weitig nutzbar ist. In der Karte sind daher die
Abschnitte als Suchräume markiert, in denen
langfristig, im Zuge der Verkehrswende, eine
Transformation der Autobahnzubringer zu
leistungsfähigen Stadtstraßen geprüft werden
sollte. So könnten angrenzende Potenziale
für die Siedlungs und Freiraumentwicklung
mobilisiert und neue, gut erschlossene Stadt
räume in der inneren Stadt geschaffen werden.
GRUNDLAGEN STRATEGISCHE EMPFEHLUNGEN
Originalmaßstab 1 : 50.000 @ DIN A1
Stand 06/2020
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“
Zielkarte Wirtschaft: Profilierung und
Entwicklung zukunftsfähiger Standorte
203
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
204
Wirtschaft:
Profilierung und Entwicklung
zukunftsfähiger Standorte
Die Zielkarte „Wirtschaft: Proflierung und Ent
wicklung zukunftsfähiger Standorte“ defniert
ihre Ziele aus den wirtschaftlichen Themen
Kölns: diversifzierter Arbeitsmarkt, Produk
tions, Gewerbe und Dienstleistungsstandor
te sowie Wissenscluster.
Die strategischen Empfehlungen dieser Ziel
karte basieren im Wesentlichen auf folgenden
Ansätzen der räumlichen Entwicklung (siehe
S. 174 ff., die Ziffern verweisen auf die jeweili
gen Ansätze):
(3) Umgestaltung der Stadtachsen und
Anbindung aller Stadtteile
(8) Ausformulierung des rechtsrheinischen
Entwicklungskorridors
(9) Qualifzierung und Nachverdichtung der
Industriestandorte
(10) Stärkung der produktiven Stadt
Die strategischen Empfehlungen zielen prio
ritär auf eine Proflierung und Weiterentwick
lung bestehender Industrie und Gewerbe
gebiete ab. Diese sollen durch Ausweisung
geeigneter neuer Standorte sowie die Förde
rung interkommunaler Gewerbegebiete
ergänzt werden. Daneben gibt es auch Trans
formationsstandorte, in denen gewerbliche
Nutzungen und Wohnen zusammen gedacht
werden. Außerdem behandelt die Zielkarte
Ausbau, Aufwertung und Neuausweisung der
Versorgungszentren sowie die Stärkung der
Innovations und Wissenschaftsstandorte.
Sie werden in der Folge näher erläutert. Dazu
werden auch Aspekte und Aufgaben benannt,
die nicht als Karteninhalt dargestellt sind oder
nicht räumlich verortet werden können.
Qualifzierung und Nachverdichtung
von Industriegebieten
Die vorhandenen großfächigen Industriege
biete, die sich alle in der äußeren Stadt und am
Rhein befnden, sollen im Bestand gesichert
und für die Zukunft weiterentwickelt werden.
Zusätzliche Flächen für die Industrie müssen
mittelfristig vor allem durch eine Verdichtung
und der gezielten Erweiterung bestehender
Gebiete bereitgestellt werden. Durch den zu
erwartenden industriellen Wandel, der sich
beispielsweise durch die Reduktion des Flä
chenbedarfs von Fertigungsstandorten ergibt,
entstehen Potenziale für neue Produktionsbe
triebe – insbesondere im Bereich der „Indust
rie 4.0“. Diese verlangen aber zusätzlich auch
eine Qualifzierung dieser Gebiete, beispiels
weise durch die Aufwertung des öffentlichen
Raums oder die Ansiedlung begleitender
Nutzungen.
Folgende Aspekte und Aufgaben stehen mit
den Karteneinträgen in Zusammenhang und
sind bei der Erreichung der Ziele wichtig:
205
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
– Zur Unterstützung dieser Entwicklung sind
ein aktives Flächenmanagement und punk
tuelle Investitionen in die Qualifzierung
und stadträumliche Aufwertung dieser
Gebiete notwendig.
– Kölns vorhandene Standortvorteile der
quattromodalen Logistik (Straße, Schiene,
Luft, Wasser) sind bei der Ansiedlung neuer
Industrien stärker zu berücksichtigen, um
im Wettbewerb der Industriestandorte
langfristig erfolgreich sein zu können.
Weiterentwicklung der Gewerbe und
Dienstleistungsstandorte
Gewerbe und Dienstleistungsbetriebe sind
ein unverzichtbarer Grundpfeiler des Standor
tes Köln, deren Entwicklungsmöglichkeiten zu
sichern sind. Gleichzeitig stehen Produktion
und Dienstleistung vor einem tiefgreifenden
Wandel, welchem auch durch eine differen
zierte räumliche Strategie begegnet werden
muss. Die Zielkarte „Wirtschaft“ enthält
daher verschiedene Empfehlungen, die zu drei
Strategien zusammengefasst und in der Folge
erläutert werden:
– Die Proflierung, Nachverdichtung und ge
zielte Erweiterung von Gewerbegebieten.
– Die Transformation von Gewerbegebieten
zu innovativen und gemischten Quartieren
mit unterschiedlichen Nutzungsschwer
punkten.
– Die Qualifzierung des rechtsrheinischen
Entwicklungskorridors für Gewerbe und
Produktion inklusive neuer Wirtschafts
standorte für die wachsende Stadt.
Diese Empfehlungen sind in ihrer Gesamtheit
zu betrachten und gemeinsam mit der Wirt
schaftsförderung weiterzuentwickeln.
Proflierung, Nachverdichtung und gezielte
Erweiterung von Gewerbegebieten
Ein Großteil der Kölner Gewerbegebiete sind
als Produktionsstandorte zu sichern. Allerdings
müssen sie auf der Basis ihrer spezifschen
Eigenschaften profliert und schrittweise nach
verdichtet werden, um Ausbau und Erhalt des
Wirtschaftsmixes zu fördern und ihre Standort
gunst zu erhöhen. Einige der in der Karte mar
kierten Gewerbegebiete haben bereits Ansätze
eines eigenen Profls; andere müssen ihr Profl
weiter schärfen beziehungsweise neu entwi
ckeln. Die an einzelnen Standorten existieren
den Potenzial und Reservefächen sind für die
Proflierung bestmöglich einzusetzen.
Für viele dieser Gebiete ist eine optimierte
Erreichbarkeit mit dem ÖPNV und eine Attrak
tivitätssteigerung der öffentlichen Räume mit
hoher Aufenthaltsqualität von großer Bedeu
tung. Um die bestehenden Gewerbestandorte
zu unterschiedlich ausgestalteten Adressen für
zeitgemäße Formen des Arbeitens zu machen,
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
206
sind auch weitere Formen der Nutzungsmi
schung zu testen und zu etablieren.
Transformation von Gewerbegebieten zu
innovativen und gemischten Quartieren mit
unterschiedlichen Nutzungsschwerpunkten
Einige der bestehenden Gewerbegebiete
Kölns eignen sich besonders für eine weiter
gehende Transformation hin zu innovativen
und gemischten Quartieren. Aufgrund der
Konfikte bei der Mischung von Produktions
und Wohnnutzungen sind bei der Entwicklung
dieser Gebiete entsprechende Schwerpunkte
zu setzen. In der Karte sind daher zwei ver
schiedene Kategorien der Transformation
dargestellt. In Gebieten wie Ehrenfeld soll der
Schwerpunkt der Entwicklung auf der Ansied
lung von Dienstleistung, urbaner Produktion
und Kreativwirtschaft liegen, um diese auch
zukünftig als attraktive Standorte der wirt
schaftlichen Entwicklung zu erhalten. Bei
der Förderung unterschiedlicher Formen der
Nutzungsmischung ist hier darauf zu achten,
dass die Transformation sowohl eine gewerbli
che Nutzung als auch eine Nutzung als Wohn
raum ermöglicht. Beide Nutzungen und damit
verbundene Bedürfnisse sind sensibel abzu
wägen, um eine Produktion trotz Wohnnut
zung weiter möglich zu machen. In den drei
innerstädtischen Transformationsgebieten
Deutzer Hafen, Parkstadt Süd und Mühlheimer
Süden liegt der Schwerpunkt der zukünftigen
Nutzungen auf Wohnen, Dienstleistungen und
emissionsarmer Produktion. Hier ist die Rea
lisierung hochwertiger neuer und gemischter
Stadtbausteine in besonders guten Lagen auch
weiterhin zu unterstützen.
Qualifzierung des rechtsrheinischen Ent
wicklungskorridors für Gewerbe und
Produktion inklusive neuer Wirtschafts
standorte für die wachsende Stadt
Der im Agglomerationskonzept des Region
Köln/Bonn e.V. verankerte rechtsrheinische
Entwicklungskorridor bietet die Chance, die
im Stadtgebiet Köln gelegenen Gewerbege
biete als Bestandteil einer überregionalen
Entwicklungsachse mit hoher Verkehrsgunst
zu qualifzieren sowie bestehende Reserven
und Optionsfächen des Regionalplans best
möglich für die wirtschaftliche Entwicklung
Kölns einzusetzen. Mit dem Ausbau tangenti
aler Verkehrsstrukturen und der Entwicklung
der Stadträume entlang der Zukunftsachsen
(siehe Karte „Wohnen“) entstehen hier neue
Standortqualitäten, die es zu nutzen gilt.
Entlang dieses Korridors liegen daher auch
die Suchräume für weitere Produktions und
Dienstleistungsstandorte, die sich – zusätzlich
zu den im Regionalplan ausgewiesenen Po
tenzialen – für die Entwicklung gut erschlos
sener Gewerbegebiete eignen könnten. Diese
Suchräume lassen sich in folgende Kategorien
einteilen:
207
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
1. Ausweisung neuer Gewerbegebiete an
strategischen und verkehrstechnisch gut
angebundenen Orten, wie beispielsweise
dem Flughafen.
2. Bestehende Gewerbegebiete, die unterge
nutzt sind oder in Teilen brachliegen und
daher verdichtet werden können.
3. Bestehende Gewerbegebiete, an denen
Flächen angrenzen, die für eine Arrondie
rung und Erweiterung der bestehenden
Strukturen geeignet sind.
Folgende Aspekte und Aufgaben der Weiter
entwicklung der Gewerbe und Dienstleis
tungsstandorte stehen mit den Kartenein
trägen in Zusammenhang und sind bei der
Erreichung der Ziele wichtig:
– Die Mobilisierung neuer Standorte für Pro
duktion und Gewerbe im rechtsrheinischen
Entwicklungskorridor muss gemeinsam
mit den Freiraumstrukturen und der Ver
vollständigung des Äußeren Grüngürtels
gedacht werden.
– Am Flughafen ist zu prüfen, wie die Erschlie
ßungsgunst dieses Standortes noch besser
genutzt werden kann. Neben fughafen
nahem Gewerbe und Logistikfrmen kön
nen weitere Dienstleistungseinrichtungen
angesiedelt werden.
– Die weitere Ausdifferenzierung der Produk
tions und Distributionsprozesse sowie der
Onlinehandel werden die Anforderungen an
die CityLogistik weiter erhöhen. Die heute
schon spürbaren Belastungen der Stadt
durch zunehmende Lieferverkehre sind in
Zukunft besser zu organisieren und mit
den Bedürfnissen von Gewerbe und Han
del abzustimmen. Dies erfordert nicht nur
neue Logistikkonzepte, sondern auch eine
Reorganisation des Stadtgefüges. Im Fokus
steht dabei die Sicherung, Entwicklung und
Stärkung des schienengebundenen Güter
verkehrs und seiner Umschlagpunkte. Dies
gilt auch für die Kölner Häfen.
Versorgungszentren stärken und neu
ausweisen
Kölns Versorgungszentren weisen in ihren
unterschiedlichen Bedeutungen Defzite in der
Nutzungsstruktur auf. Alle Zentren sind dabei
hinsichtlich ihrer Versorgungsfunktion und ih
rer Attraktivität zu analysieren, gegebenenfalls
sind Strategien und Programme aufzustellen.
Dies schließt die Ansiedlung von Dienstleis
tungsgewerbe, urbaner Produktion sowie
Angeboten der Gastronomie und Daseinsvor
sorge mit ein. Dem öffentlichen Raum kommt
dabei eine zentrale Bedeutung zu, da nur in ei
nem sicheren und ansprechenden Umfeld die
Zentren in ihrer Funktion von der Bevölkerung
auch angenommen werden. An bestimmten in
der Karte eingetragenen Stellen der Stadt, wie
beispielsweise im Mülheimer Süden, ist auch
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
208
die Neuentwicklung von Versorgungszent
ren zu prüfen, um auf die Weiterentwicklung
der Siedlungsstruktur zu reagieren oder eine
weitere Siedlungsentwicklung zu ermöglichen
(siehe Karte „Wohnen“).
Die großen Stadt und Zukunftsachsen spielen
auch in diesem Zusammenhang eine wichtige
Rolle: Sie sind häufg Teil der Versorgungszen
tren und Standort für bedeutende Unterneh
men. Auch zwischen den Versorgungszentren
übernehmen sie eine Funktion als Standort für
Handel, Dienstleistung, Gewerbe und urba
nes Leben. In den in der Karte dargestellten
Abschnitten sollten diese Funktionen gestärkt
oder neu angesiedelt werden. Dafür müssen
auch hier deren öffentliche Räume gestaltet
und neue Formen der Nutzungsmischung ent
lang der Achsen getestet werden.
Folgende Aspekte und Aufgaben stehen mit
den Karteneinträgen in Zusammenhang und
sind bei der Erreichung der Ziele wichtig:
– Für eine attraktive Gestaltung der Stadtach
sen müssen die hohen Lärm und Luftbe
lastungen gemindert und der Straßenraum
neu gestaltet werden. Dies benötigt eine
Reduktion des MIV.
– Köln besitzt in der Innenstadt eine der kauf
kräftigsten Fußgängerzonen Deutschlands,
die aber zunehmend stärker in Konkurrenz
zum Onlinehandel steht. Dies betrifft auch
alle übrigen Handelszentren im Stadtge
biet, die sich zudem von ihrer Ausstattung
und Qualität stark unterscheiden. Um
gegenüber dem Onlinehandel konkurrenz
fähig zu bleiben, müssen diese Zentren
stadt und freiräumlich aufgewertet wer
den, weiterhin gut erreichbar sein und ein
breites und in Teilen auch regional besonde
res Angebot bereitstellen. Insbesondere für
die dezentralen Standorte braucht es einen
Mix aus sozialen und kulturellen Angeboten
sowie ein gutes Leerstandsmanagement.
Aufbau der interkommunalen Kooperation
für Industrie und Gewerbe
Viele der bestehenden Industriegebiete sind
schon heute über die Stadtgrenzen hinweg
ausgerichtet (Godorf/Wesseling, Worringen/
Dormagen, PorzLind/Troisdorf, Flittard/
Leverkusen). Die Karte zeigt bestehende
oder zukünftige Potenziale für den Auf und
Ausbau der interkommunalen Zusammenar
beit, sowohl für das Gewerbe als auch für die
Industrie. Mit dem Strukturwandel im Braun
kohleabbaugebiet Rheinisches Revier kommt
der interkommunalen Zusammenarbeit eine
größere Bedeutung zu, die umfangreiche
Chancen, aber auch Herausforderungen für
die gesamte Region mit sich bringt. Die Trans
formation der Tagebauumfelder und gleich
zeitige Schaffung neuer Arbeitsplätze bietet
209
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
die Chance, neue Produktionsstätten in inter
kommunaler Zusammenarbeit zu entwickeln.
Diese könnten sowohl den Druck auf einzel
ne Gewerbe, Industrie und Logistikfächen
sowie die Konkurrenz um Gewerbesteuerein
nahmen der Standortkommunen mindern und
dazu beitragen, die Versorgung der Region
gemeinsam neu und innovativ zu organisieren.
Entwicklung und Ausbau der Wissen
schaftsstandorte sowie der Innovations
und Gründerräume
Köln verfügt neben der „Universität zu Köln“
über zahlreiche Wissenschaftsstandorte, wie
verschiedene Fachhochschulen, die Sport
hochschule, zahlreiche Akademien etc. sowie
Innovationszentren. Als Ort der Wissens und
Innovationsproduktion sowie der Qualifkation
von Fachkräften bilden sie für Unternehmen
einen besonderen Standortvorteil und sind
damit unentbehrlich bei der Vermarktung
der Stadt als Wirtschaftsstandort. Um diesen
Entwicklungsmotor weiter voranzutreiben,
muss Wissenschaft in der Stadt stärker er
leb und sichtbar gemacht werden. Dies kann
einerseits durch die stärkere Öffnung und
Präsenz von Einrichtungen geschehen, ande
rerseits durch integrierte Standorte, die Wis
senschaft, Produktion, aber auch Kunst und
Kultur verknüpfen. In der Karte sind diejenigen
Potenziale aufgeführt, die sich für den Ausbau
der Wissenschaftsstandorte und die Weiter
entwicklung von Innovations und Gründer
zentren besonders eignen. Beispielsweise
sind die vier Exzellenzcluster der Universität
zu Köln besser mit der Stadt zu verbinden und
mit Standorten für Startups anzureichern.
Gleichzeitig muss sichergestellt werden, dass
zukünftig noch Erweiterungsmöglichkeiten für
Wissenschaft und Forschung bestehen.
Ausbau der Gigabitversorgung
Köln verfügt grundsätzlich schon über eine
gute Breitbandversorgung. Jedoch gibt es
in Stadtteilen am Stadtrand – wie Worrin
gen, Widdersdorf oder Meschenich – noch
zahlreiche Lücken in der Versorgung. In der
Karte sind die Gebiete markiert, in denen
diese Lücken großfächig auftreten und die es
schnellstmöglich zu schließen gilt. Zusätzlich
muss der Ausbau der nächsten Mobilfunkge
neration 5G zügig vorangetrieben werden,
damit Wirtschaft und Stadt von der Digitalisie
rung proftieren können. Dies gilt besonders
für Bereiche wie die industrielle Produktion
4.0, die Medizintechnik oder die Verkehrssteu
erung, aber auch für private Verbraucherinnen
und Verbraucher.
GRUNDLAGEN STRATEGISCHE EMPFEHLUNGEN
Originalmaßstab 1 : 50.000 @ DIN A1
Stand 06/2020
aSt dtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“
Zielkarte Soziales, Kultur und Bildung:
Stärkung der Infrastruktur für
Chancengerechtigkeit und Teilhabe
210
211
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
212
Soziales, Kultur und Bildung:
Stärkung der Infrastruktur für
Chancengerechtigkeit und Teilhabe
Die Zielkarte „Soziales, Kultur und Bildung:
Stärkung der Infrastruktur für Chancenge
rechtigkeit und Teilhabe“ defniert ihre Inhalte
zu großen Teilen aus den Themenfeldern des
„Offenen Kölns“. In der integrierten Betrach
tung betreffen auch Aspekte der Vernetzung,
der Urbanität, der Siedlungsentwicklung und
der Versorgung diese Ziele. Die strategischen
Empfehlungen dieser Zielkarte basieren im
Wesentlichen auf folgenden Ansätzen der
räumlichen Entwicklung (siehe S. 174 ff., die
Ziffern verweisen auf die jeweiligen Ansätze):
(1) Realisierung von angemessenen Dichten,
Nutzungs und Typologiemischungen
(2) Stärkung der sozialen, kulturellen und Bil
dungsinfrastrukturen in bestehenden und
zukünftigen Quartieren
(3) Umgestaltung der Stadtachsen und Anbin
dung aller Stadtteile
Die strategischen Empfehlungen zielen im
Wesentlichen auf die Stärkung bestehender
und die Entwicklung neuer Angebote sowie
die Überprüfung vorhandener Kapazitäten ab
– bezogen auf Einrichtungen, Programme und
Aspekte im sozialen, kulturellen, Versorgungs
und/oder Bildungsbereich. Sie werden in der
Folge näher erläutert. Dazu werden auch As
pekte und Aufgaben benannt, die nicht räum
lich dargestellt oder verortet werden können.
Stärkung und Entwicklung von sozialen,
kulturellen und Bildungsangeboten in
bestehenden und zukünftigen Siedlungs
gebieten
Aus den räumlichen Erkenntnissen heraus
können Defzite von sozialen, kulturellen und
Bildungsangeboten im Stadtgebiet identif
ziert und verortet werden. In diesen Bereichen
ist zukünftig das Angebot zu stärken und
auszubauen.
Als Voraussetzung für die Entwicklung neuer
Siedlungsgebiete sind Einrichtungen und An
gebote bedarfsgerecht frühzeitig mit einzu
planen.
Folgende Aspekte und Aufgaben stehen mit
den Karteneinträgen in Zusammenhang und
sind bei der Erreichung der Ziele wichtig:
– Die räumliche Anordnung und Vielfalt der
Infrastruktur für Soziales, Kultur und Bil
dung sowie deren Bedarf ist von Quartier
zu Quartier sehr verschieden. Daher kön
nen keine pauschalen Entwicklungsziele
für die einzelnen Infrastrukturen genannt
werden. Diese sind quartiersspezifsch zu
213
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
ermitteln und umzusetzen. Die Potenziale
der Mehrfachnutzung von Veranstaltungs
orten (Innen und Außenräume) sind in der
Gesamtstadt mehrheitlich noch nicht aus
geschöpft. Für die unterschiedlichen Stadt
strukturen sind daher modellhafte Konzep
te zu entwickeln, die eine Versorgung mit
sozialen und kulturellen Angeboten sowie
Bildungsinfrastrukturen sicherstellen. Die
Konzepte tragen somit zu einer verbesser
ten räumlichen Organisation und zu einer
Gesamtentwicklung der Viertel bei.
Ausbau und Stärkung der Gesundheits,
Wissenschafts und Forschungscluster
Köln verfügt mit der Uniklinik und der Klinik in
Merheim über zwei herausragende Standorte
für Gesundheit, Wissenschaft und Forschung.
Diese dienen nicht nur der wirtschaftlichen
Entwicklung der Stadt, sondern vor allem der
medizinischen Versorgung der Bevölkerung.
Auch wenn sich die Kliniken der Stadt Köln in
einer Konsolidierungsphase befnden, lassen
sich durch den Zusammenschluss zu einem
Klinikverbund oder durch einfache Koopera
tionen weitere Potenziale an den Standorten
entwickeln. Die Erweiterung dieser Cluster ist
daher ein strategisch bedeutsames Ziel der
Stadtentwicklung und ergänzt die dezentral
verteilten Angebote im Gesundheits und
Pfegesektor.
Folgende Aspekte und Aufgaben stehen mit
den Karteneinträgen in Zusammenhang und
sind bei der Erreichung der Ziele wichtig:
– Die Förderung von Angeboten der medi
zinischen Grundversorgung im gesamten
Stadtgebiet ist, unabhängig von der Ent
wicklung der Cluster, voranzutreiben. Vor
allem in bestehenden und neuen Zentren
ist zu prüfen, ob das Angebot bereits aus
reicht oder bedarfsgerecht weiterentwi
ckelt werden muss. In den dünn besiedelten
Gebieten der äußeren Stadt sind zudem
ergänzende mobile Angebote zu testen.
– Gleiches gilt für die Erweiterung der dezen
tralen Angebote der Pfege. Angesichts der
demografschen Veränderung der Gesell
schaft sind die Pfegeinfrastrukturen wei
terhin auszubauen. Bei der Konzeption des
Ausbaus sollte die räumliche Verteilung der
Altersstruktur ebenso in Betracht gezogen
werden wie neue Konzepte der Integration
der Pfege in bestehende oder neue Sied
lungsstrukturen.
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
214
Schutz und Erhalt von bestehenden
soziokulturellen Standorten sowie
Standorten der Kreativwirtschaft
Köln verfügt über vielfältige soziokulturelle
Angebote und eine lebendige Kreativwirt
schaft. Deren Standorte konzentrieren sich
vor allem in Stadtteilen der inneren Stadt,
die unter einem hohen Entwicklungsdruck
stehen. Insbesondere der wachsende Bedarf
an Wohnungen führt zu einer Verdrängung
alternativer Kreativräume. In Verbindung mit
den hohen Anforderungen an den Lärmschutz
können sich diese Effekte insbesondere für
Clubs, Musikveranstaltungen und Konzert
räume verstärken. Um diesem Prozess vorzu
beugen, sollten in den markierten Gebieten
die Rahmenbedingungen zum Erhalt und zur
Entwicklung dieser für die Stadt bedeutsamen
Funktionen geschaffen werden.
In den Stadtteilen der äußeren Stadt fnden
sich nur wenige kulturelle Angebote. Daher
gilt es, bei der Realisierung von Entwicklungs
und Transformationsgebieten neue Kultur
angebote zu schaffen. Hier müssen auch die
Potenziale der Mehrfachnutzung von Veran
staltungsorten (Innen und Außenräume)
besser ausgeschöpft werden.
Bildungs und Sozialinfrastruktur sanieren
und ausbauen
Die Sanierung der Bildungs und Sozialinfra
struktur ist eine vordringliche Aufgabe für
Köln. Insbesondere in der inneren Stadt und
der Innenstadt besteht der Handlungsbedarf
aber auch darin, die Kapazitäten der Bildungs
und Sozialinfrastruktur zu erweitern. Diese
Aufgabe ist nicht nur eine große Herausforde
rung, sondern auch eine Chance: Insbesondere
bei Sanierung und Ausbau können räumliche
Synergien zu anderen öffentlichen Dienstleis
tungen genutzt werden. Hier sollte die Multi
codierung von Flächen stärker vorangetrieben,
entwickelt und modellhaft erprobt werden.
Sozialräume nach dem Programm
„Lebenswerte Veedel – Bürger und
Sozialraumorientierung
in Köln“
Das städtische Programm „Lebenswerte
Veedel“, mit dessen Hilfe die Lebensqualität
in ausgewählten Sozialräumen verbessert
wird, hat sich in den letzten Jahren bewährt
und zeigt sehr positive Ergebnisse. Insbeson
dere die koordinierte Zusammenarbeit und
Vernetzung von Verwaltung, Institutionen in
freier Trägerschaft, Vereinen und Bewohner
schaft bilden das Fundament der erfolgreichen
Arbeit. Gemeinsam werden neue Ideen und
215
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
Handlungsansätze entwickelt. Es entstehen
bedarfsgerechte präventive Angebote und
frühzeitige Hilfen vor Ort. Im Umfeld größerer
Siedlungsentwicklungen ist zu prüfen, inwie
weit dadurch auch Impulse für die Aufwertung
der Sozialräume entstehen oder fehlende
Angebote und Infrastrukturen bereitgestellt
werden können.
Folgende Aspekte stehen mit den Kartenein
trägen in Zusammenhang und sind bei der
Erreichung der Ziele wichtig:
Generationengerechte Quartiere und ins
besondere die ausgewiesenen Sozialräume
benötigen vor allem bezahlbaren Wohnraum,
ein gutes Wohnumfeld, ausreichende Versor
gungsinfrastrukturen sowie ein ausgewogenes
soziales Miteinander (siehe weitere Aspekte
unten).
Ausbau, Sanierung, Stärkung bestehender
und neuer Zentren sowie des öffentlichen
Raums
Wie auch in der Zielkarte „Wirtschaft“ dar
gestellt, verfügt Köln über zahlreiche Versor
gungszentren, die teilweise einer Stärkung
und gegebenenfalls eines Ausbaus bedürfen
– sei es in struktureller oder gestalterischer
Hinsicht. Eine fächendeckende und dezentrale
Ausstattung mit Versorgungsangeboten in der
gesamten Stadt ist in erster Linie für die Teil
habe der Bevölkerung am gesellschaftlichen
Leben wichtig. Auch wird die „Stadt der kurzen
Wege“ durch eine wohnortnahe Versorgung
gefördert. Neben Einkaufsmöglichkeiten
umfasst dies vor allem Infrastrukturangebote
für die soziale Versorgung (Behörden, Gesund
heitsversorgung, Pfege, Begegnungsstätten
etc.) sowie für Kultur und Bildung. Darüber
hinaus spielt der öffentliche Raum in den
Zentren als Begegnungsort eine wichtige Rolle
und ist bedarfsgerecht aufzuwerten und zu
erweitern.
Folgende Aspekte und Aufgaben stehen mit
den Karteneinträgen in Zusammenhang und
sind bei der Erreichung der Ziele wichtig:
– Eine grundsätzliche Stärkung und Unter
stützung der dezentralen Zentrenstruktur
Kölns kann durch eine bauliche Verdichtung
um die Versorgungszentren erreicht wer
den, um somit deren Wirtschaftlichkeit und
Tragfähigkeit zu erhöhen.
– Um in einer verstärkt individualisierten Welt
mehr soziales Miteinander zu bewirken und
dabei gegenseitige Unterstützung, Genera
tionenaustausch und Lebensqualität zu be
fördern, können beispielsweise innovative
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
216
Nahversorgungssysteme und intelligente
Netzwerke für Tausch und Gemeinschafts
nutzung in die Quartiersentwicklung und
deren Management eingebettet werden.
Nicht zuletzt gilt es, Begegnungsräume zu
schaffen, in denen ein gesellschaftlicher
Austausch erfolgen und das soziale Mitein
ander gestärkt werden kann.
Bauliche, funktionale und infrastrukturelle
Aufwertung von Großwohnsiedlungen und
deren Umfeld
Viele der Großwohnsiedlungen, die in den
1960er und 1970erJahren als Satellitenstadt
teile in der äußeren Stadt errichtet wurden,
weisen erhebliche gestalterische Mängel und
häufg eindimensionale Sozialstrukturen auf.
Ziel ist es daher, die Lebensqualität in diesen
Siedlungen so zu erhöhen, dass sie für eine
vielschichtige Bewohnerschaft attraktiv ist
beziehungsweise wird. Dazu tragen unter
anderem eine gute Aufenthaltsqualität des
öffentlichen Raumes, die gestalterische und
funktionale Sanierung des Gebäudebestandes
und des Wohnumfeldes und die Ansiedlung
von neuen Einrichtungen und Dienstleistun
gen bei. Weiterhin können unterschiedliche
Wohnformen die Attraktivität von Großwohn
siedlungen auch für andere Bevölkerungs
gruppen erhöhen. Auch die Entwicklung neuer
Nachbarschaften, wie zum Beispiel im geplan
ten Stadtteil Kreuzfeld, angrenzend an die
Stadtteile Blumenberg und Chorweiler, kann
stabilisierende Impulse setzen.
Soziale Erhaltungssatzung anwenden
Mit dem Instrument der sozialen Erhaltungs
satzung gemäß § 172 BauGB werden heute
im Severinsviertel sowie in der Stegerwald
siedlung die Qualitäten bestehender Nachbar
schaften vor Verdrängungsprozessen durch
Gentrifzierung oder Nutzungsänderung von
Wohngebäuden geschützt. Aufwertungspro
zesse in diesem Räumen müssen hier sozial
verträglich und behutsam umgesetzt werden.
Angesichts der anhaltenden und auch emp
fohlenen Erneuerung und Verdichtung weite
rer Quartiere wird angeraten, das Instrument
der sozialen Erhaltungssatzung zukünftig auch
in ausgewählten Quartieren der inneren Stadt
sowie der Innenstadt anzuwenden.
Weitere Themen der Infrastruktur für
Chancengerechtigkeit und Teilhabe
Die Ziele der Chancengerechtigkeit und
Teilhabe umfassen weitere Aspekte, welche
aufgrund ihrer Kleinteiligkeit nicht in der Karte
dargestellt werden können. Für die räumliche
Entwicklung sind im Besonderen drei Aspekte
zu erwähnen:
217
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
– Ein Grundpfeiler für Chancengerechtigkeit
und Teilhabe ist der Zugang zu Wohnraum.
Daher ist bei der Entwicklung neuer und der
Verdichtung bestehender Stadtquartiere im
Besonderen darauf zu achten, den Anteil be
zahlbarer Wohnraumangebote zu erhöhen
oder zumindest zu halten. Dies erfordert
entsprechende Programme, Vorgaben und
Investitionen der Stadt. Neben der weiterhin
konsequenten Anwendung des kooperati
ven Baulandmodells können diese sich in
fnanziellen Zuschüssen für besondere Grup
pen, in der Förderung genossenschaftlicher
Wohnbauträger sowie in der aktiven Boden
politik äußern. Zudem prüft Köln die Mög
lichkeit, stadteigene Grundstücke verstärkt
in Erbpacht zu vergeben.
– Die Bereitstellung unterschiedlicher Wohn
typologien ist eine Voraussetzung für die
Entwicklung von generationenübergreifen
den und gemischten Quartieren, die den
gesellschaftlichen Trends der Überalterung
und Vereinsamung entgegenwirken kön
nen. Vor dem Hintergrund des demogra
fschen Wandels ist auf die Bereitstellung
bedarfs und altersgerechter Wohnformen
zu achten. Zudem muss eine integrierte
Betrachtung mit verwandten Themen wie
mobiler und häuslicher Pfege und dezen
tralen Versorgungstrukturen stattfnden.
– Bei der Förderung der Gesundheit, des
Gemeinwohls und der Teilhabe spielt auch
der Sport eine zentrale Rolle. Als Sport
stadt verfügt Köln schon über ein großes
Angebot an Anlagen und Angeboten für
den Spitzen und Breitensport. Durch die
steigenden Bevölkerungszahlen ist dieses
Angebot einerseits bedarfsgerecht aus
zubauen und andererseits ist zu prüfen,
ob bestehende Anlagen von Vereinen und
Schulen auch für eine breitere Öffentlichkeit
geöffnet werden können. Die vorhandene
Sportentwicklungsplanung verfolgt diese
Ziele bereits zum großen Teil.
Die Entwicklung und Umsetzung aller aufge
führten Infrastrukturen und Angebote erfor
dert umfangreiche Investitionen der öffent
lichen Hand sowie weiterer Träger sozialer und
kultureller Angebote. Umso wichtiger ist es
für die zukünftige Entwicklung, potenzielle
Synergien von Infrastrukturen auszuloten und
zu nutzen. Dafür sind sowohl Modellprojekte
der Mehrfachnutzung voranzutreiben als auch
mögliche Allianzen zwischen den einzelnen
Diensten und Trägern zu erkunden und zu
fördern.
GRUNDLAGEN STRATEGISCHE EMPFEHLUNGEN
Originalmaßstab 1 : 50.000 @ DIN A1
Stand 06/2020
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“
Zielkarte Mobilität:
Ausbau des ÖPNV, des Radverkehrs und der
Verknüpfungspunkte aller Verkehrsträger
218
219
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
220
Mobilität:
Ausbau des ÖPNV, des Radverkehrs und der
Verknüpfungspunkte aller Verkehrsträger
Die Zielkarte „Mobilität: Ausbau des ÖPNV,
des Radverkehrs und der Verknüpfungspunkte
aller Verkehrsträger“ defniert ihre Ziele vor
allem aus der vorhandenen Infrastruktur sowie
deren Ausbau und Erweiterungspotenzial.
Gleichzeitig betreffen den Aus und Umbau
des Verkehrssystems und der Infrastruktur
auch die Aspekte Urbanität, Siedlungsentwick
lung, soziale Teilhabe, Wirtschaftskraft und
Klimaschutz. Die strategischen Empfehlungen
dieser Zielkarte basieren im Wesentlichen auf
folgenden Ansätzen der räumlichen Entwick
lung (siehe S. 174 ff., die Ziffern verweisen auf
die jeweiligen Ansätze):
(1) Realisierung von angemessenen Dichten,
Nutzungs und Typologiemischungen
(3) Umgestaltung der Stadtachsen und
Anbindung aller Stadtteile
(4) Stärkung des schienengebundenen
Nahverkehrsnetzes als Rückgrat der
Stadtentwicklung
(5) Ausbau des Umweltverbunds und
Reduzierung des MIV
(6) Stärkung des Rheinraums
(7) Langfristige Aktivierung neuer
Stadträume
(8) Ausformulierung des rechtsrheinischen
Entwicklungskorridors
Die strategischen Empfehlungen zielen im
Wesentlichen auf einen Ausbau des Umwelt
verbunds, die Verknüpfung der einzelnen Ver
kehrsträger sowie eine bessere Abstimmung
zwischen Siedlungsentwicklung und Mobilität
ab und werden in der Folge näher erläutert.
Dazu werden auch Aspekte und Aufgaben
benannt, die nicht als Karteninhalt dargestellt
sind oder räumlich verortet werden können.
Ausbau des städtischen ÖPNV
Um trotz wachsender Bevölkerung die Ver
kehrsbelastung Kölns zu verringern, muss eine
integrierte Planung von verkehrlicher Erschlie
ßung und Siedlungsentwicklung das zukünf
tige Handeln und Planen bestimmen. Der
Ausbau des städtischen ÖPNV, insbesondere
der Stadtbahn, ist dafür eine Grundvorausset
zung und muss konsequent priorisiert wer
den. In der Zielkarte sind daher die Projekte
der ÖPNVRoadmap mit Maßnahmen für den
Stadtbahnaus und neubau als Grundlage auf
geführt, da sie einen unverzichtbaren Bestand
teil der Kölner Verkehrsentwicklung darstellen
und prioritär realisiert werden sollen.
Mit wichtigen Lückenschlüssen – wie zum Bei
spiel der „Gürtelbahn“ (Linie 13) oder der Ver
bindung zwischen den Linien 1 und 9 im Bezirk
Kalk – kann das Stadtbahnnetz vervollständigt
221
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
und entlastet werden, da so die Umsteigebe
ziehungen in der Innenstadt abnehmen. Eine
besondere Bedeutung hat die Kapazitätser
weiterung der Linie 1 auf der OstWestAchse
als am stärksten belastete Stadtbahnverbin
dung in Köln. Auch auf den übrigen Stadtach
sen Kölns (siehe auch Zielkarte „Wohnen“) ist
dem ÖPNV deutlich mehr Platz einzuräumen,
um ihn zu beschleunigen und unabhängiger
von der Überlastung des MIV zu entwickeln.
Perspektivisch ist das Stadtbahnnetz in die
äußere Stadt und teilweise auch über die
Stadtgrenzen Kölns hinaus auszuweiten, um
bestehende und neue Siedlungsgebiete besser
durch den Umweltverbund zu erschließen und
das Straßensystem zu entlasten. Als Emp
fehlung sind daher die ÖPNVVerbindungen
markiert, auf denen neue leistungsfähige
ÖPNVAngebote als Rahmenbedingung für die
weitere Siedlungsentwicklung bereitzustellen
sind (siehe Zielkarte „Wohnen“). Auch hier gilt
es, das Stadtbahnnetz nicht nur sternförmig
vom Zentrum ausgehend weiter auszubauen,
sondern auch Verbindungen zwischen beste
henden Linien oder entlang wichtiger Entwick
lungsräume zu realisieren, wie beispielsweise
entlang der Frankfurter Straße oder mit einer
neuen Rheinquerung südlich von Zündorf und
Godorf.
Folgende Aspekte und Aufgaben stehen mit
den Karteneinträgen in Zusammenhang und
sind bei der Erreichung der Ziele wichtig:
– Um die Verkehrswende voranzutreiben und
die Investitionen in den ÖPNV bestmöglich
zu nutzen, sind durch den Umweltverbund
gut erschlossene Gebiete prioritär für die
Siedlungsentwicklung und verdichtung zu
nutzen (siehe auch Zielkarte „Wohnen“).
– Insbesondere in den weniger dicht besiedel
ten Gebieten sind neue, bedarfsorientierte
ÖPNVAngebote zu entwickeln, um auch
diesen einen attraktiven Zugang zum öf
fentlichen Verkehr bieten zu können. Dabei
können zukünftig (autonome) Fahrzeuge,
die auf Anfrage angefordert werden und
mehrere Fahrgäste an verschiedenen Orten
abholen, helfen, die Kosten für solche Ange
bote zu senken.
RegioHubs, Verknüpfungspunkte und
Mobilstationen
Die Vernetzung und Arbeitsteilung zwischen
SBahn, Stadtbahn und anderen Angeboten
des Umweltverbunds ist zukünftig stärker aus
zudifferenzieren, um adäquate Reisezeiten zu
gewährleisten. Die Zielkarte formuliert daher
Empfehlungen für unterschiedliche Formen der
Verknüpfung zwischen den Verkehrsträgern.
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
222
In Köln verlaufen SBahn und Stadtbahnlinien
teilweise ohne eine adäquate und attraktive
Verknüpfung. Mit der Einrichtung neuer Halte
stellen, wie beispielsweise an der Berliner Stra
ße in Mülheim, oder einer besseren Verknüp
fung oder Verlegung bestehender Haltestellen
können Umwegfahrten über das Stadtzentrum
vermieden werden.
Um den MIV in der Stadt zu reduzieren, ist der
Umstieg vom Auto auf die Stadt oder SBahn
außerhalb der inneren Stadt zu erleichtern. Die
Karte markiert potenzielle Standorte für die
Anlage solcher Umsteigepunkte in der äuße
ren Stadt, die für beide Verkehrsträger günstig
gelegen sind. An diesen Standorten ist die
Einrichtung, der Ausbau oder die Optimierung
platzsparender und attraktiver Parkandride
Anlagen zu prüfen. Der Umstieg auf den Um
weltverbund kann und sollte mit Leitsystemen
im Straßennetz unterstützt werden.
Das Agglomerationskonzept des Region Köln/
Bonn e.V. empfehlt die Etablierung von so
genannten „RegioHubs“. Diese ermöglichen
vor allem einen Zugang zu den Angeboten des
schnellen Regionalverkehrs und teilweise ei
nen Umstieg zwischen Fern und Regionalver
kehr außerhalb des Hauptbahnhofs. Auf diese
Weise kann der Bahnknoten Köln entlastet und
Fahrzeiten können verkürzt werden. Die Ziel
karte zeigt die derzeit geplanten RegioHubs
am Flughafen Köln/Bonn, in Leverkusen und in
Mülheim. Ein weiterer geplanter RegioHub in
Horrem liegt außerhalb des Kartenausschnitts.
Für die Stärkung des Kölner Umweltverbunds
sind diese Hubs auf Kölner Stadtgebiet zu Um
steigeknoten für den gesamten städtischen
ÖPNV zu erweitern. Dies umfasst die Verknüp
fung von SBahn, Stadtbahn und Buslinien
sowie weiteren Verkehrsträgern des Umwelt
verbunds.
Folgende Aspekte und Aufgaben stehen mit
den Karteneinträgen in Zusammenhang und
sind bei der Erreichung der Ziele wichtig:
– Die Verknüpfung des ÖPNV mit weiteren
Angeboten des Umweltverbunds (Carsha
ring, Fahrradstation und Leihräder, Service
punkte, Shuttleservices etc.) ist nicht nur
an den markierten Punkten notwendig,
sondern im gesamten Stadtgebiet. Erreicht
werden kann diese Verknüpfung über die
Einrichtung von sogenannten Mobilsta
tionen. Perspektivisch ist ein fächende
ckendes Netz an Mobilstationen über das
gesamte Stadtgebiet hinweg anzustreben.
Um dies zu erreichen, bedarf es – entspre
chend eines HubandSpokeSystems –
223
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
sowohl großer und leistungsfähiger Stati
onen an zentralen Haltestellen im Netz des
öffentlichen Verkehrs als auch quartiers
bezogener Stationen abseits der großen
Trassen.
Ausbau und Ringschluss des
SBahnSystems
Die SBahn verbindet als zweites Rückgrat des
schienengebundenen Nahverkehrs Köln mit
seinem Umland. Ihre Funktion ist prioritär zu
stärken, um große Verkehrsströme in und um
Köln bewältigen zu können. Der Ausbau der
Bahnknoten KölnHauptbahnhof und Deutz
zum Doppelbahnhof ist dafür eine Voraus
setzung und bereits beschlossen. Dieser ist
ebenso in der Karte dargestellt wie die geplan
ten Angebotsausbauten der SBahn inklusive
neuer Haltestellen. Die Karte formuliert dar
über hinaus Empfehlungen für die Weiterent
wicklung des geplanten Systems.
Der heute noch unvollständige SBahnRing
spielt bei der zukünftigen Entwicklung des
schienengebundenen Nahverkehrs in und um
Köln eine zentrale Rolle. Er entlastet nicht nur
den Bahnknoten Köln, sondern bietet auch
mehrere Möglichkeiten, SBahn und Stadt
bahn besser zu verknüpfen. Um das Potenzial
des SBahnRings als leistungsfähiges Nahver
kehrssystem stärker zu nutzen, wird empfoh
len, zusätzlich zu der heute geplanten Führung
Richtung Mülheim und Flughafen den SBahn
Ring im Bereich Deutz/Kalk zu schließen. Hier
für sind in der Karte zwei alternative Suchräu
me markiert, in denen ein solcher Ringschluss
denkbar und für die Stadtentwicklung sinnvoll
wäre. Mit der Schließung erfolgt eine Verknüp
fung mit und gleichzeitig eine Entlastung für
die zahlreichen Stadtbahnlinien.
Folgende Aspekte und Aufgaben stehen mit
den Karteneinträgen in Zusammenhang und
sind bei der Erreichung der Ziele wichtig:
– Das Agglomerationskonzept des Region
Köln/Bonn e.V. empfehlt die perspekti
vische Entwicklung eines zweiten ÖPNV
Rings rund um Köln. Durch diesen Ausbau
werden weitere Verbindungen nördlich und
südlich von Köln angeboten und damit das
Verkehrssystem in Köln weiter entlastet.
Aufgrund der Langfristigkeit des Projekts
und des großen Klärungsbedarfs, zum Bei
spiel zu Linienführungen und verkehrstech
nischem Nutzen, ist diese Empfehlung nicht
Teil der Zielkarte. Auch deshalb, weil für
die Stadt Köln eine rasche Umsetzung des
heute geplanten SBahn Rings von höherer
Bedeutung ist.
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
224
– Zur weiteren Entlastung des Bahnknotens
Köln ist zu prüfen, ob bestehende oder
neue Stationen im Rechtsrheinischen
langfristig für eine zusätzliche Entlastung
des Doppelknotens Köln Hbf/Deutz sorgen
könnten. Angesichts steigender Zugzahlen
und Frequenzen im Fernverkehr ist es auch
denkbar, Züge des Fernverkehrs über einen
solchen Bahnhof zu führen.
Nutzung des Rheins als Mobilitätsraum
Der Rhein ist ein zentraler Bestandteil Kölns.
Er ist Aufenthalts und Identifkationsraum und
Verbindung in die Region. Der Rhein ist auch
eine große Barriere und unterteilt Köln in ein
rechts und ein linksrheinisches Stadtgebiet
mit unterschiedlichen Entwicklungshistorien.
Für die Weiterentwicklung des Umweltver
bunds und als Ergänzung des bestehenden
ÖPNVSystems ist das Potenzial des Flusses,
zum Beispiel durch Wasserbusse oder taxis,
stärker zu nutzen.
Der weitere Abbau der Barrierewirkung
des Rheins ist ein wichtiger Bestandteil des
Zusammenspiels zwischen den links und
rechtsrheinischen Quartieren und sollte auch
dazu genutzt werden, den nichtmotorisierten
Verkehr zu fördern. Daher sind in der Karte die
Standorte markiert, an denen neue Fuß und
Radverkehrsbrücken realisiert werden sollten.
Diese liegen an wichtigen Stellen des heutigen
und zukünftigen Radwegenetzes wie beispiels
weise an der Verlängerung der Ringe zum
rechtsrheinischen Ufer (siehe auch Zielkarte
„Wohnen“).
Um die Querung des Rheins auch in der äuße
ren Stadt zu ermöglichen, ist der Fortbestand
der Rheinfähren im Kölner Norden von Langel
nach Hitdorf und im Süden von Weiß nach
Zündorf zu sichern.
Stärkung des Radwegenetzes
Der Ausbau des Radverkehrs ist ein weiterer
zentraler Pfeiler der notwendigen Mobilitäts
wende. Die Karte zeigt das gerade in Erarbei
tung befndliche Konzept für Radschnellver
bindungen, die die Kölner Innenstadt mit den
äußeren Stadtbezirken und mit dem Umland
verbinden sollen.
Die Verbindungen aus der Region sowie der
äußeren Stadt in die Innenstadt sind zu qua
lifzieren und auszubauen. Die Karte macht
deutlich, auf welchen Korridoren bestehende
regionale Radwege qualifziert oder neue an
gelegt werden sollen. Zur Attraktivierung des
Radverkehrs sowohl im Stadtgebiet wie auch
in der Region sind konkrete Konzepte und Pro
225
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
gramme zu erarbeiten, aufeinander abzustim
men und kurz bis mittelfristig umzusetzen.
Dafür sind sowohl eine Hierarchisierung der
Radwege sowie klare Ausbaustandards, wie
beispielsweise eine ausreichende Breite, weni
ge Querungen und hochwertige Fahrbahno
berfächen, festzulegen. Im Zuge des Ausbaus
werden sowohl im Straßenraum als auch in
Grünsystemen Nutzungskonfikte auftreten,
die es zu lösen gilt.
Auf den bestehenden Stadtachsen sind dazu
mehr Raum für attraktive und sichere Radver
bindungen zu schaffen und unübersichtliche
und unattraktive Übergangs und Abbiegesitu
ationen für kreuzende Verkehre zu beseitigen,
die heute ein schnelles und sicheres Radwege
und Fußwegenetz verhindern. Auch entlang
der Eisenbahntrassen gilt es zu prüfen, ob
durch neue Über oder Unterführungen Um
wege für den Rad und Fußverkehr verringert
werden können.
Folgende Aspekte und Aufgaben stehen mit
den Karteneinträgen in Zusammenhang und
sind bei der Erreichung der Ziele wichtig:
– Die Förderung des Radverkehrs als nach
haltige und klimafreundliche Mobilität gilt
es sowohl in den Quartieren als auch ge
samtstädtisch und regional voranzutreiben.
Dies umfasst breite und sichere Radwege
sowie die Entschärfung von gefährlichen Si
tuationen. Der Ausbau von Fahrradstraßen
und die Etablierung von SharingSystemen
sind zu forcieren.
Umbau des Straßennetzes
Eine Anpassung des Straßennetzes zugunsten
des ÖPNV, des Rad und Fußverkehrs sowie
des öffentlichen Raums mit Aufenthaltsquali
tät bedingt eine Reduktion des Verkehrsraums
für den MIV (siehe auch ÖPNV und Radver
kehr sowie Zielkarte „Wohnen“). Daher sind
Fahrspuren für den MIV sowie Flächen für den
ruhenden Verkehr zu reduzieren. Die strategi
schen Empfehlungen adressieren verschiede
ne Ansätze für den notwendigen Umbau des
Straßennetzes.
Die Innenstadt von Köln ist besonders hoch
durch den MIV belastet. Neben dem Umbau
der gekennzeichneten Straßen zugunsten von
mehr Räumen mit Aufenthaltsqualität und
mehr Flächen für den Umweltverbund sind
besonders im Bereich der Innenstadt Maß
nahmen zur erheblichen Minderung des MIV
voranzutreiben. Ziel ist es, die Attraktivität des
Umstiegs auf den ÖPNV oder das Fahrrad zu
erhöhen. Neben der Reduktion von Fahrspuren
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
226
und dem Einsatz von Verkehrsleitsystemen
sind auch der Rückbau von Verkehrsfächen in
Kreuzungsbereichen und die Reduzierung und
Verteuerung des Parkraums effektive Maßnah
men für einen menschengerechteren Straßen
raum. Bei der Umgestaltung sind die Belange
von Wirtschaftsverkehren (Lieferverkehre,
Ladezonen) zu berücksichtigen.
Im Zuge einer Reorganisation des KfzVerkehrs
ist auch der Umbau von tief in die Stadt hin
einragenden Autobahnzubringern und anbau
freien Straßen zu prüfen. Diese könnten per
spektivisch zu leistungsfähigen Stadtstraßen
transformiert werden. Ziel ist es, die bestehen
de Trennwirkung aufzuheben und so die gro
ßen Potenziale für die Siedlungsentwicklung
zu nutzen (siehe Zielkarte „Wohnen“). Diese
Empfehlung ist unter einem langfristigen Zeit
horizont zu betrachten.
Das Projekt Rheinspange zwischen den Auto
bahnen A59 und der A555 hat das Potenzial,
das Verkehrssystem der Stadt Köln markant
von Transitströmen zu entlasten und damit
auch zu einer Neuordnung der Stadtachsen
beizutragen. Im Sinne der Verkehrswende
sind nicht nur für den Autoverkehr, sondern
auch für die Stadtbahn und den Rad und
Fußverkehr Rheinquerungen in diesem Bereich
zu ermöglichen, unabhängig davon, ob dies
durch mehrere Brücken oder eine multimoda
le Brücke realisiert wird.
Um Stadtteile, Quartiere und Zentren von
Durchfahrtsverkehren zu entlasten, ist der
Aus und Neubau von Umgehungs und Ver
bindungsstraßen weiterhin notwendig. In der
Zielkarte sind daher strategische Ausbauten
des Straßennetzes markiert – wie beispielswei
se der Blumenbergsweg im Kölner Norden im
Bezirk Chorweiler.
Folgende Aspekte und Aufgaben stehen mit
den Karteneinträgen in Zusammenhang und
sind bei der Erreichung der Ziele wichtig:
227
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
– Die Reduktion des MIV sowie der Umbau
des Straßensystems erfordern weitere Maß
nahmen, die auf der Karte nicht dargestellt
werden können. Dazu zählen beispielswei
se die Organisation des MIV mit digitalen
Verkehrsleitsystemen sowie der Ausbau
und die Förderung von SharingSystemen.
Ebenso sind aber auch Maßnahmen wie der
Rückbau von Parkplätzen sowie die Förde
rung autoarmer Siedlungsformen zu ent
wickeln, um insbesondere die innere Stadt
und die Innenstadt vom MIV zu entlasten.
– Bei weiteren Ausbauten des Straßennetzes
ist zu vermeiden, dass zusätzliche Anreize
für die Nutzung des MIV geschaffen wer
den. Für die zukünftige Entwicklung des
Straßennetzes sind zunächst Maßnahmen
der Verkehrsvermeidung und lenkung zu
prüfen, bevor neue Kapazitäten geschaffen
werden.
GRUNDLAGEN STRATEGISCHE EMPFEHLUNGEN
Originalmaßstab 1 : 50.000 @ DIN A1
Stand 06/2020
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“
Zielkarte Grün und Klima:
Sicherung und Qualifizierung der Grün
systeme und Vorsorge für den Klimawandel
228
229
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
230
Grün und Klima:
Sicherung und Qualifizierung der Grünsysteme
und Vorsorge für den Klimawandel
Die Zielkarte „Grün und Klima: Sicherung und
Qualifzierung der Grünsysteme und Vorsor
ge für den Klimawandel“ defniert ihre Ziele
aus den vorhandenen und prognostizierten
Umweltbelastungen, dem bestehenden
Grünsystem und dessen Entwicklungs und
Ausbaupotenzial. Gleichzeitig betreffen sie
den Klimawandel und die Klimaanpassung,
die Grünvernetzung, den Aus und Umbau des
Verkehrssystems sowie die Siedlungsentwick
lung. Die strategischen Empfehlungen dieser
Zielkarte basieren im Wesentlichen auf fol
genden Ansätzen der räumlichen Entwicklung
(siehe S. 174 ff., die Ziffern verweisen auf die
jeweiligen Ansätze):
(5) Ausbau des Umweltverbunds und
Reduzierung des MIV
(6) Stärkung des Rheinraums
(1 1) Komplettierung der grünen Strukturen
(12) Zusammendenken von Freiraum und
Siedlungsrändern
(13) Verbesserung des Mikroklimas
Die strategischen Empfehlungen zielen im We
sentlichen auf die funktionale und räumliche
Erweiterung des Grün und Freiraumsystems,
auf Maßnahmen zur Klimaanpassung und zur
Reduktion von Luft und Lärmemissionen und
werden in der Folge näher erläutert. Dazu wer
den auch Aspekte und Aufgaben benannt, die
nicht als Karteninhalt dargestellt oder räum
lich verortet werden können.
Weiterentwicklung der Grüngürtel
und des Grünsystems
Die zahlreichen Funktionen des einzigartigen
Kölner Grünsystems werden angesichts stei
gender Bevölkerungszahlen und der Auswir
kungen des Klimawandels zukünftig immer
wichtiger, geraten aber auch zunehmend
unter Druck.
Neben dem Aus und Neubau von Freirauman
geboten und verbindungen sind programma
tische Qualifzierungen der bestehenden Frei
und Grünräume notwendig. Dies ist neben
kleinräumigen Maßnahmen im gesamten
Stadtgebiet vor allem im Äußeren Grüngür
tel der Fall. Die Karte zeigt die Abschnitte im
Norden und Osten der Stadt, die einer pro
grammatischen Qualifzierung bedürfen. Hier
müssen die Funktionen im Sinne einer Mehr
fachnutzung ausgebaut und weiterentwickelt
werden. Dabei sind neben der Vervollständi
gung der Grünsysteme auch Schutz, Erho
lungs, Sport und Freizeitbedarfe gleichwertig
zu betrachten und in Einklang zu bringen.
231
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
Die Weiterentwicklung der Grüngürtel als
zentraler Bausteine des Kölner Freiraumsys
tems ist in Zukunft von großer Bedeutung. Die
Karte zeigt auf, wo und wie die Grüngürtel ge
schlossen und miteinander verbunden werden:
– Mit der Entwicklung der Parkstadt Süd wird
der Innere Grüngürtel linksrheinisch ge
schlossen. Rechtsrheinisch bedarf die Ufer
promenade einer weiteren Qualifzierung.
Grüne Trittsteine in Deutz vervollständigen
das innere System.
– Der Äußere Grüngürtel weist insbesondere
im Norden auf beiden Rheinseiten Lücken
auf, die es zu schließen und zu qualifzieren
gilt. Rechtsrheinisch ist zudem ein durch
gängiges Wegenetz zu entwickeln.
Grünverbindungen nach innen und außen
Um das Grünsystem insgesamt zu vervoll
ständigen und jedem Quartier Zugang zu
Grünräumen zu ermöglichen, sind zusätzliche
Freiraumverbindungen zwischen dem Äuße
ren und dem Inneren Grüngürtel herzustellen.
Die Karte defniert die Verknüpfungen, die –
zusätzlich zur Schließung der Grünringe – aus
heutiger Sicht besonders bedeutsam sind,
beispielsweise den Vorgebirgspark in Verbin
dung mit der Parkstadt Süd oder den Bürger
park Nord.
Durch die Regionale 2010 wurden die regio
nalen Grünzüge geplant und mit dem Kölner
Grünsystem verbunden. Diese Verbindungen
zum RegioGrün sind weiter zu stärken und
zu programmieren, um sie als Frei und Erho
lungsraum für die Stadtbevölkerung zu etab
lieren und besser zu nutzen.
Zusammendenken der grünen Infrastruktur
und der Siedlungsentwicklung
An vielen Stellen sind die Ränder des Grünsys
tems nicht ausreichend defniert und „fran
sen“ aus. Dies führt einerseits zu unklaren
Übergängen zwischen Siedlung und Freiraum,
andererseits zu einer Reduzierung der Frei
raumwirkung. Die Karte zeigt auf, in welchen
Räumen eine integrierte Entwicklung von
Siedlung und Freiraum und die Ausgestaltung
von Siedlungsrändern besonders wichtig sind.
Darüber hinaus sind sowohl die Siedlungsrän
der zum Äußeren Grüngürtel als auch zu den
umgebenen Landschaftsräumen markiert,
denen besondere Aufmerksamkeit zu widmen
ist.
Während es bei den Siedlungsrändern zum
Äußeren Grüngürtel vor allem um gestal
terische Maßnahmen des Übergangs geht,
können bei den Siedlungsrändern zum Land
schaftsraum begrenzte Siedlungsentwick
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
232
lungen ermöglicht und Konfikte zwischen
Siedlungs und Landschaftsentwicklung gelöst
werden. Der Erhalt und Schutz von wertvollen
Landschafts und Landwirtschaftsräumen ist
insbesondere unter ökologischen und klima
tischen Gesichtspunkten prioritär zu berück
sichtigen. Die aufgrund ihrer besonderen
Klima, Boden oder Grünvernetzungsfunktion
betroffenen Optionsfächen der Regionalplan
überarbeitung sind entsprechend markiert.
Sicherung und Multicodierung städtischer
Wald und Landwirtschaftsfächen und
Schutz der Artenvielfalt
Die regionalbedeutsamen Waldgebiete sind
wichtige Elemente des Kölner Freiraum und
Ökosystems. Sie sind nicht nur langfristig zu
sichern, sondern im Spannungsfeld von Natur
schutz, Erholungsfunktion und Holzproduk
tion sowie im Rahmen ihrer Schutzstandards
differenziert weiterzuentwickeln. Dabei sind
auch mögliche Auswirkungen der Klimaerwär
mung auf den Baumbestand frühzeitig mit
einzubeziehen. Nutzungskonfikte sind mit
integrierten Konzepten oder auch Vorrangge
bieten zu lösen.
Die besonders fruchtbaren Böden innerhalb
des Stadtgebiets sollen der landwirtschaftli
chen Produktion vorbehalten werden. Neben
dem Schutz der in der Karte markierten Ge
biete steht hier vor allem auch die Weiterent
wicklung der Landwirtschaft hin zu nachhal
tigen Produktionsformen im Vordergrund.
Köln kann so einen Beitrag für eine regionale
Lebensmittelversorgung leisten und eine
Vorbildfunktion in der Region einnehmen. Im
Zuge der Weiterentwicklung ist zu prüfen,
ob eine Vereinbarkeit von nachhaltiger Land
wirtschaft und ergänzenden Funktionen, zum
Beispiel Erholung, Fahrradverkehr sowie Klima
und Artenschutz, möglich ist.
Folgende Aspekte und Aufgaben stehen mit
den Karteneinträgen in Zusammenhang und
sind bei der Erreichung der Ziele wichtig:
– Die Förderung der urbanen Landwirtschaft
sowie urbaner Biotope fndet zu großen Tei
len in den Quartieren statt und ist hier nicht
darstellbar. Über das gesamte Stadtgebiet
sind sowohl temporäre als auch dauerhafte
Flächen für diese Funktionen zu sichern und
auszubauen.
– Die angestrebte Mehrfachnutzung von
Freiräumen gilt in FloraFaunaHabitat
Gebieten und in Naturschutzgebieten
ausdrücklich nicht. Darüber hinaus sind alle
Schutzgebiete von Natur und Landschaft
zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume
233
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
sowie der Artenvielfalt zu sichern und wei
terzuentwickeln. Gemäß Landschaftsplan
handelt es sich dabei um Naturschutzgebie
te, Landschaftsschutzgebiete, geschützte
Landschaftsbestandteile und Gebiete mit
höchster Schutzgüte (Natura 2000/FFH
Gebiete). Viele bedrohte Tierarten haben in
diesen Gebieten ihren Lebensraum. Zudem
sind viele dieser Arten dadurch gekenn
zeichnet, dass sie eine hohe Störempfnd
lichkeit gegenüber menschlichen Einfüssen
aufweisen können und ihr Lebensraum
daher besonders zu schützen ist. Die Förde
rung und Sicherstellung der Biodiversität ist
einer der wichtigsten Faktoren eines funk
tionierenden Ökosystems, welches es auch
räumlich zu erhalten gilt.
– Im gesamten Stadtgebiet sind nicht nur
bestehende Schutzgebiete, sondern auch
weitere ökologisch wertvolle Flächen – wie
Trittsteinbiotope, Pufferzonen und Gebiete
mit Vernetzungsfunktionen – als bedeutsa
me Elemente zum Erhalt der Biodiversität
im Stadtraum zu behandeln, zu sichern und
gegebenenfalls neu auszuweisen.
Umsetzung von Maßnahmen zur
Klimaanpassung im Stadtgebiet
Alle bisherigen Empfehlungen zielen auch da
rauf ab, den Beitrag des Grünsystems für eine
Anpassung an den Klimawandel als Frischluft
schneisen, Kaltluftleiter sowie Versickerungs
räume für Starkregenereignisse zu stärken und
weiterzuentwickeln. Darüber hinaus erfüllt
dieses System auch eine Verschattungs und
Verdunstungsfunktion. Innerhalb des bebau
ten Stadtgebiets muss das Grünsystem durch
weitere kleinteilige Maßnahmen ergänzt wer
den. Auf der Basis der laut Prognose in Zukunft
hoch und sehr hoch wärmebelasteten Stadt
gebiete sind in der Karte die Flächen markiert,
in denen Maßnahmen zur Verbesserung des
kleinräumigen Stadtklimas umgesetzt werden
müssen. Dies bezieht sich insbesondere auf
die Förderung der Verdunstungskühle und
Versickerungsfächen, die Verschattung sowie
die Reduktion hitzeaufnehmender und ab
strahlender Materialien und Oberfächen.
Darüber hinaus sind die wichtigsten Kalt
luftfüsse aus dem Umland dargestellt, die
vor allem bei Siedlungsentwicklungen in der
äußeren Stadt zwingend zu beachten sind, um
die Kühlungsfunktion in hohem Maße für die
Stadt zu nutzen.
Folgende Aspekte und Aufgaben stehen mit
den Karteneinträgen in Zusammenhang und
sind bei der Erreichung der Ziele wichtig:
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
234
– Im Zusammenspiel mit der urbanen und
der sozialen Struktur müssen Wege ge
funden werden, Umweltgerechtigkeit
in allen Stadtteilen herzustellen. Es gilt
zu verhindern, dass bestimmte Bevölke
rungsgruppen beziehungsweise Stadtteile
überproportional stark von den steigenden
Belastungen durch Hitze, Lärm und Emis
sionen betroffen sind. Gleichzeitig sollen
Grünräume für alle Bevölkerungsgruppen
zugänglich sein.
– Neben der Anpassung an erhöhte Tempera
turen sind auch Vorkehrungen für Starkre
genereignisse zu treffen. Die prognostizier
te Steigerung von Anzahl und Stärke dieser
Ereignisse verlangt den Ausbau von Struk
turen zur Versickerung, Retention sowie in
letzter Instanz zur technischen Speicherung
und Ableitung der erhöhten Abfüsse im
gesamten Stadtgebiet.
Qualifzierung der Rheinufer und
Hochwasserschutz
Der Rhein ist neben vielen anderen Funktio
nen ein bedeutsamer Freiraum der Stadt, den
es weiterhin zu qualifzieren gilt. Gleichzeitig
steigen zukünftig die Herausforderungen im
Umgang mit Hoch und Niedrigwasserereig
nissen.
In der Zielkarte sind diejenigen Gebiete des
Rheins markiert, in denen Potenziale zur Auf
wertung der Uferzonen vor allem im Sinne der
Naherholung und Freizeitnutzung bestehen.
Diese werden derzeit entweder stark genutzt
oder durch den MIV in ihrer Zugänglichkeit ab
getrennt. Neben der Verbesserung des Zugangs
zum Rheinufer sind differenzierte Konzepte zu
erarbeiten, die die Gestaltung der Uferbereiche,
den Zugang zum Wasser sowie innovative und
gestalterische Maßnahmen des Hochwasser
schutzes bestmöglich kombinieren.
Neben der Aufwertung der Uferbereiche ist
dem Hochwasserschutz auch zukünftig eine
hohe Priorität einzuräumen. Dies kann durch
bauliche Vorkehrungen sowie den Schutz und
den regionalen Ausbau bestehender Reten
tions und Überfutungsgebiete erfolgen.
Neben dem Hochwasserschutz sind aber auch
Vorkehrungen für die Auswirkungen von Nied
rigwasserständen zu treffen.
Milderung von Lärm und Schadstoff
emissionen
Die Reduktion von Lärm und Schadstoffemis
sionen ist eine weitere Voraussetzung für eine
gesunde und lebenswerte Stadt. Ein Großteil
der erforderlichen Maßnahmen betreffen
einzelne Einrichtungen, private oder organi
235
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
satorische Veränderungen und können daher
nicht in der Zielkarte dargestellt werden.
So sind die Schadstoffemissionen ohne die
Vermeidung oder Verbesserung von Verbren
nungsmotoren und anderer Formen fossilen
Energieverbrauchs nicht zu reduzieren. Glei
ches gilt für die Umstellung von emittierenden
auf geräuscharme Antriebe, die Änderung
des ModalSplits zulasten von Pkws und Lkws
und die frühzeitige Berücksichtigung entspre
chender lärmmindernder Maßnahmen. In der
Zielkarte sind daher nur Verkehrsachsen mit
erhöhten Lärmemissionen in Siedlungsgebie
ten markiert, bei denen bauliche Maßnahmen
für den Lärmschutz zu prüfen sind.
Folgende Aspekte und Aufgaben stehen mit
den Karteneinträgen in Zusammenhang und
sind bei der Erreichung der Ziele wichtig:
– Eine effektive und einfach umzusetzende
Maßnahme zur Minderung der Lärmemissi
onen im MIV ist die Reduktion der erlaubten
Geschwindigkeit. Hier ergeben sich auch
Synergien zu den Zielen der Verkehrswende
(siehe Zielkarte „Mobilität“).
– Die in der Zielkarte „Mobilität“ aufge
führten Maßnahmen zur Förderung des
Umweltverbunds sind ebenfalls wichtige
Bausteine zur Reduktion des MIV und der
damit verbundenen Emissionen.
– Die Lärm und Schadstoffemissionen des
Flughafens KölnBonn sind ebenfalls zu
überprüfen. Hier besteht ein Konfikt zwi
schen Umwelt und Wirtschaftsinteressen.
Insbesondere die Nachtfugerlaubnis macht
den Flughafen zum drittgrößten Fracht
fughafen Deutschlands. Eine Begrenzung
nächtlicher Flüge würde zwar den Fluglärm
mindern, hätte aber Auswirkungen auf die
Funktion und Wirtschaftlichkeit des Flugha
fens.
– Die Förderung der Luftreinhaltung ist eine
zentrale Aufgabe, aber räumlich nicht
darstellbar. Die nach den Grenzwertüber
schreitungen 2019 eingerichtete erweiterte
Umweltzone ist ein wichtiger Bestandteil
zur Verbesserung der Luftqualität, greift
jedoch nicht weitreichend genug. Durch die
Umstellung von Verbrennungsmotoren auf
alternative Antriebe (Elektro und Brenn
stoffzelle), den Einbau von Filtertechniken
nach neuestem technischen Standard bei
Industrie und Gewerbebetrieben sowie den
Umbau von Heizungsanlagen in Gebäuden
wird ein wichtiger Beitrag zur Luftreinhal
tung geleistet. Neben möglichen Förder
instrumenten wird diese Umstellung im Be
reich der Fahrzeuge durch die Priorisierung
alternativer Antriebe, die Bereitstellung von
Ladeinfrastrukturen sowie die Förderung
von Carsharing unterstützt.
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
236
Die Stadträumliche Perspektive
Das räumliche
Leitbild
237
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
Warum ein räumliches Leitbild?
Das räumliche Leitbild fasst die zentralen
räumlichen Elemente der Stadtstrategie „Köl
ner Perspektiven 2030+“ in einem Bild zusam
men. Es beschreibt die zukünftige strategische
Ausrichtung der Kölner Stadtentwicklung,
bündelt und vereinfacht die räumlichen Aus
sagen und zeigt Räume auf, die in den kom
menden Jahren eine detaillierte Betrachtung
brauchen.
Im Gegensatz zu den Zielkarten, die sehr
detailliert die Maßnahmen für die fünf Hand
lungsfelder beschreiben und als planerisches
Koordinationsinstrument wirken, dient das
räumliche Leitbild mit seiner vereinfachten
Darstellung der gebündelten und übergeord
neten Kommunikation und Koordination der
Ziele und Erkenntnisse der Stadträumlichen
Perspektive.
Das räumliche Leitbild benennt die wesent
lichen planerischen Empfehlungen für die
strukturelle und funktionale Stadtentwicklung
(Siedlungs, Industrie und Gewerbefächen,
Freiraumstruktur und übergeordnete Ver
kehrsinfrastruktur) und positioniert Köln im
regionalen Zusammenhang. Mit den Zukunfts
räumen zeigt das räumliche Leitbild zudem,
auf welche Teilräume sich die Stadt Köln vor
dem Hintergrund der gesamtstädtischen Ziel
setzung prioritär konzentrieren muss.
Innenstadt weiterentwickeln
Dichte und gemischte Siedlungsgebiete sichern und weiterentwickeln
Größere zusammenhängende Siedlungsentwicklungen
in der inneren Stadt
Gemischte Siedlungsgebiete nachverdichten und
Nutzungsmischung intensivieren
Suburbane Siedlungsgebiete an den ÖPNV anbinden,
angemessen mischen und verdichten
Größere zusammenhängende Siedlungsentwicklungen
in der äußeren Stadt
Industriegebiete nachverdichten und qualifzieren
Gewerbegebiete proflieren und nachverdichten
Grüngürtel komplettieren und regionale Grünvernetzung ausbauen
Originalmaßstab 1 : 50.000 @ DIN A1
Stand 06/2020
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“
Das räumliche
Leitbild
238
239
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
240
Inhalte des räumlichen Leitbilds
Grundlage des räumlichen Leitbilds ist eine
Kategorisierung der Siedlungsgebiete und
Quartiere. Es unterscheidet zwischen der
Innenstadt, den Quartieren der inneren Stadt,
den wenig dichten Quartieren in der äußeren
Stadt und den Industrie und Gewerbegebie
ten. In der inneren Stadt wird zudem zwischen
den dichten und gemischten Gründerzeitquar
tieren nahe der Innenstadt und den restlichen
Quartieren unterschieden, da diese sehr
unterschiedliche Charakteristiken aufweisen.
Für jede Signatur wird eine Empfehlung aus
gesprochen, die als übergeordnete Entwick
lungsrichtung zu verstehen ist. Darüber hinaus
werden die größeren zusammenhängenden
Siedlungsentwicklungspotenziale im städti
schen Zusammenhang und die wichtigsten
Verkehrsadern dargestellt. Ebenso zeigt das
räumliche Leitbild die Verortung des Grünsys
tems im Stadtraum sowie dessen Verknüpfung
in die Region. Im Folgenden werden die we
sentlichen Aussagen näher erläutert.
Innenstadt weiterentwickeln
Die Innenstadt verdient auch in Zukunft ein
besonderes Augenmerk, um Köln als attrak
tive Metropole für ihre Bewohnerinnen und
Bewohner sowie Gäste zu positionieren. Hier
gilt es vor allem, die Nutzungsansprüche an
den Raum weiter zu optimieren, eine Überlas
tung der Verkehrsknoten zu verhindern und
die Erneuerung der Siedlungsstrukturen der
Nachkriegszeit für eine qualitätsvolle Weiter
entwicklung des Kölner Zentrums zu nutzen.
Dichte und gemischte Siedlungsgebiete
sichern und weiterentwickeln
Die dichten und urbanen Quartiere wie zum
Beispiel Lindenthal, Südstadt, Mülheim oder
Nippes verkörpern die besondere Kölner
Mischung und sind für die Gesamtstadt von
großer Bedeutung. Sie sind in ihren Qualitäten
und Eigenheiten zu bewahren und behutsam
weiterzuentwickeln. Insbesondere ist darauf
zu achten, dass der Entwicklungsdruck auf
diese Gebiete nicht weiter zunimmt.
Gemischte Siedlungsgebiete nach
verdichten und Nutzungsmischung
intensivieren
Die relativ dichten und gemischten Siedlungs
gebiete zwischen Innerem und Äußerem
Grüngürtel befnden sich zum Teil in einer Um
bruchphase, in der besonders das Verhältnis
zwischen Arbeit, Produktion und Wohnen neu
ausgelotet werden muss. Hier ist das erklärte
Ziel, die besondere Nutzungsmischung zu
241
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
erhalten, zu fördern und die Quartiere ange
messen nachzuverdichten. So schafft Köln
weitere urbane Angebote für das Wohnen und
Arbeiten.
Suburbane Siedlungsgebiete an den ÖPNV
anbinden, angemessen mischen und
verdichten
Außerhalb des Äußeren Grüngürtels sind die
Siedlungsgebiete durch eine größtenteils ge
ringe bauliche Dichte und homogene, wenig
gemischte Nutzungen gekennzeichnet. Im
Sinne des sorgfältigen Umgangs mit der Res
source Fläche ist eine, den gewachsenen städ
tebaulichen Strukturen angemessene Dichte
zu entwickeln, um damit eine wirtschaftlich
tragfähige Anbindung an den ÖPNV zu ermög
lichen. Ergänzend dazu sind ausreichende und
bedarfsgerechte Angebote an sozialen, kultu
rellen, kommerziellen und Bildungseinrichtun
gen von Anfang an mitzudenken.
Industriegebiete nachverdichten und
qualifzieren
Die gut angebundenen industriellen Flächen
im Stadtgebiet gilt es, an ihren Standorten zu
stärken und mittels einer Intensivierung der
Nutzung weiterzuentwickeln. Dafür sind Lö
sungen für eine Nachverdichtung wie für eine
nachhaltige Logistik zu entwickeln. Die Einbin
dung von Industriegebieten in das Stadtgefü
ge erfordert geeignete Übergangsnutzungen
und Pufferzonen zu sensiblen Nutzungen.
Gewerbegebiete proflieren und
nachverdichten
Die zahlreichen Gewerbegebiete können
durch eine gezielte Proflierung an Bedeutung
gewinnen. Durch gewerbliche Nachverdich
tungen ergeben sich somit die notwendigen
Flächenpotenziale für die zukünftige wirt
schaftliche Entwicklung. Zur Qualifzierung
und Einbettung dieser Gebiete in den ge
samtstädtischen Kontext tragen eine besse
re ÖPNVErschließung, die Gestaltung des
öffentlichen Raums und die Ergänzung durch
kommerzielle und kulturelle Angebote bei.
Grüngürtel komplettieren und regionale
Grünvernetzung ausbauen
Das innerstädtische Grünsystem ist seit jeher
das Rückgrat der Stadt. Seine Vervollständi
gung und Erweiterung in die Region sichert
die bestehenden Freiraumqualitäten, unter
stützt das städtische Mikroklima und bietet
notwendige Flächen für Erholung, Sport, den
Erhalt der Biodiversität und der landwirtschaft
lichen Produktion.
Originalmaßstab 1 : 50.000 @ DIN A1
Stand 06/2020
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“
Die Zukunftsräume
Das räumliche Leitbild weist sieben Zukunfts
räume aus, auf die die Stadt Köln zukünftig be
sonderes Augenmerk legen und die räumliche
Weiterentwicklung gezielt vorantreiben wird.
Die Wahl der Zukunftsräume basiert auf den
Erkenntnissen der räumlichen Analyse und den
Ansätzen der räumlichen Entwicklung sowie
auf den räumlich zu verortenden Handlungs
empfehlungen. In den gewählten Zukunfts
räumen kommen besonders viele strategisch
bedeutsame Entwicklungen zusammen, die
eine integrierte und räumlich zusammen
hängende Planung erfordern, um sie im Sinne
der gesamtstädtischen Zielsetzung zu ent
wickeln.
Im Rahmen der Stadtstrategie wurden sieben
Zukunftsräume identifziert, die in der Folge
näher beschrieben werden.
242
243
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
244
A: Innenstadt Köln – historischer Ort
zwischen Dom und Innerem Grüngürtel
Kölns Innenstadt bildet das Zentrum für
Kultur, Handel und Tourismus der Stadt und
ist ein wichtiger Büro und Dienstleistungs
standort. Gleichzeitig existieren im Inneren
der Stadt historisch gewachsene, dichte und
gemischte Wohnquartiere wie die Altstadt
Nord, die Südstadt, das Belgische Viertel oder
das Agnesviertel. Sie sind nicht nur aufgrund
ihrer Zentralität äußerst beliebt, sondern
leisten auch einen wesentlichen Beitrag zu
dem Lebensgefühl, der Lebendigkeit sowie
für die Wirtschaft und Kaufkraft der Stadt.
Gleichzeitig ist die Innenstadt als zentraler Ver
kehrsknotenpunkt und aufgrund der radialen
Stadtstruktur täglich nicht nur durch den Ziel
und Quellverkehr, sondern auch durch Durch
gangsverkehre stark belastet. Die Belastung
äußert sich in Lärm und Schadstoffemissionen
und beeinträchtigt die Aufenthaltsqualität der
öffentlichen Räume. Diese herausfordernde
Gemengelage macht die Innenstadt zu einem
wichtigen Zukunftsraum. Es gilt, ihre Vielfalt
und Qualitäten zu erhalten, zu erneuern und
zu stärken und weitere Belastungen, insbe
sondere durch den motorisierten Verkehr, zu
verhindern.
Mit dem städtebaulichen Masterplan Innen
stadt sind bereits Leitlinien für die Entwicklung
und Gestaltung erarbeitet worden. Im Rahmen
seiner geplanten Fortschreibung muss er an
die aktuellen Rahmenbedingungen und Her
ausforderungen angepasst werden.
In Zukunft bedarf es weiterer Strategien, um
den innerstädtischen Einzelhandel gegenüber
dem Onlinehandel rentabel zu positionieren.
Dabei spielen neben der Ertüchtigung des
öffentlichen Raums auch Erreichbarkeit und
Zugangsmöglichkeiten in die Innenstadt eine
große Rolle. Auch sind die Aufenthaltsqualität
und konsumfreie Zonen im öffentlichen Raum
zu erhalten. Die Veedel der Innenstadt sind
in ihren vorhandenen Qualitäten zu stärken
und vor Entwicklungen wie Segregation oder
extremen Mietsteigerungen zu schützen.
Gleichzeitig stehen sie mit ihrem hohen Anteil
an Gebäuden aus der Nachkriegszeit vor einer
bedeutenden Sanierungswelle, die sowohl
Chancen als auch Herausforderungen für die
innerstädtischen Wohnquartiere bereithält.
Öffentliche Räume und das Mikroklima müs
sen in den dichten Stadtquartieren nachhaltig
entwickelt werden. Durch neue Mobilitätsan
gebote, konzepte und Antriebstechnologien
(Elektro, Brennstoffzelle) können die negati
ven Auswirkungen des motorisierten Individu
alverkehrs (MIV) reduziert werden.
245
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
B: SBahnRing – Vervollständigung
der Schienenverbindung und
Weiterentwicklung der inneren Stadt
Die bereits geplante Vervollständigung des in
neren SBahnRings vom Hauptbahnhof über
die Bahnhöfe West und Süd und parallel zur
Güterstrecke über die Südbrücke ist ein Mei
lenstein für die Weiterentwicklung des öffent
lichen Nahverkehrs. Ein solcher SBahnRing
bedeutet nicht nur eine schnelle Verbindung
innerhalb der inneren links und rechtsrheini
schen Stadt. Er beschleunigt – auch im Zu
sammenhang mit den Verknüpfungspunkten
zur Stadtbahn – den öffentlichen Nahverkehr,
entzerrt und entlastet räumlich den Bahnkno
ten Köln. Zudem erschließt der SBahnRing
die beiden großen innerstädtischen Transfor
mationsgebiete „Parkstadt Süd“ und „Deutzer
Hafen“.
Ein Ringschluss nach Deutz und zum Haupt
bahnhof bietet weitere Möglichkeiten für die
Neuorganisation des schienengebundenen
Nahverkehrs in der Stadt. Je nach Linienfüh
rung könnten wichtige öffentliche Einrichtun
gen wie die Technische Hochschule Köln, Kalk
Mitte und das Deutzer Feld besser erreicht und
die Verbindungen sowohl in die Innenstadt als
auch in die Region attraktiver gestaltet wer
den. Somit trägt der SBahnRing wesentlich
zur Verkehrswende und zur Reduktion des MIV
in der inneren Stadt bei.
Die Inbetriebnahme des SBahnRings und die
besseren Verknüpfungen mit der Stadtbahn
mobilisieren darüber hinaus neue Potenziale,
insbesondere im rechtsrheinischen Stadtraum
entlang der Bahnstrecke. Damit wird auch
die Weiterentwicklung der Innenstadt sowie
der angrenzenden Quartiere vorangetrieben.
Vorgeschaltet ist eine integrierte Betrachtung
des gesamten Raums sowie der Raum und
Verkehrsentwicklung notwendig.
C: OstWestAchse
Die OstWestAchse beinhaltet die Olpener
Straße, Kalker Hauptstraße, DeutzKalker
Straße Deutzer Freiheit, Deutzer Brücke,
Pipinstraße, Cäcilienstraße, Neumarkt,
Hahnenstraße und Aachener Straße in Ver
bindung mit den angrenzenden Quartieren
und Versorgungszentren.
Die OstWestAchse Kölns ist aus beiden
Richtungen eine der wichtigsten Einfallstra
ßen ins Stadtzentrum. Damit verbunden sind
erhebliche Probleme von Verkehrsüberlastung
und Umweltbelastung durch Lärm und Schad
stoffemissionen. Die Achse ist gleichzeitig
auch Trasse für die gesamte Strecke der Stadt
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
246
bahnlinie 1 sowie im Zentrum in Teilen für die
Linien 7 und 9. Die Linie 1 ist in diesem Zusam
menhang besonders stark belastet und stößt
zu Hauptverkehrszeiten an die Grenzen ihrer
Kapazität. Gleichzeitig befnden sich entlang
der OstWestAchse zahlreiche Versorgungs
zentren von unterschiedlicher Größe und
Qualität, unter anderem die beiden Einkaufs
zentren Rheincenter in Weiden und die Köln
Arcaden in Kalk. Mit dem Rheinenergiestadi
on in Müngersdorf und der LanxessArena in
Deutz liegen zudem die beiden größten Veran
staltungsorte der Stadt an dieser Achse.
Der Ausbau der Kapazitäten des ÖPNV entlang
der OstWestAchse im Allgemeinen und im
Speziellen der Stadtbahnlinie 1 durch Verlän
gerung von Bahnsteigen und Zuggespannen
bis hin zu einer unterirdischen Variante ist ein
wichtiger Baustein für die Kölner Mobilitäts
wende. In der Konsequenz entsteht dadurch
ein enormes Potenzial für den Straßenraum:
Die Neuorganisation des Straßenquerschnitts
über den gesamten Straßenverlauf wird eben
so möglich wie die Neustrukturierung des
ÖPNV sowie des Fuß und Radverkehrs. Da
rüber hinaus wird die Aufenthaltsqualität im
öffentlichen Raum gesteigert. Bei gleichzeiti
ger Reduzierung von MIV und dem Wandel hin
zu emissionsfreien Antrieben kann ein erheb
licher Beitrag zur Reduzierung der Lärm und
Schadstoffemissionen geleistet werden. Durch
Neuordnung und qualitative Aufwertung des
öffentlichen Raums der OstWestAchse kön
nen die anliegenden Versorgungszentren und
mit ihnen die angrenzenden Siedlungsgebiete
gestärkt und aufgewertet werden.
D: Rechtsrheinischer Entwicklungskorridor
Die B8 (Frankfurter Straße/Clevischer Ring)
als eine der bestimmenden Tangentialen im
rechtsrheinischen Stadtgebiet, die in Nord
SüdRichtung führenden Schienenstränge und
der östliche Autobahnring (A3) bilden einen
Infrastrukturkorridor, der die Region weit über
die Stadtgrenzen Kölns hinaus zukünftig bes
ser vernetzen kann. Seine Weiterentwicklung
ist daher auch einer der zentralen Bausteine
des Agglomerationskonzepts des Region
Köln/Bonn e.V. Für die Stadt Köln bietet die
ganzheitliche Entwicklung dieses Korridors die
große Chance, die umliegenden Siedlungs
und Freiraumgebiete neu zu ordnen, wichtige
Impulse für deren Optimierung zu setzen und
einen neuen Entwicklungspol im Osten der
Stadt zu schaffen, der die Entwicklung des
rechtsrheinischen Kölns insgesamt positiv
beeinfusst.
247
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
Eine integrierte Entwicklung von Siedlung, Ver
kehr und Freiraum hat das Potenzial, die beste
henden Logistik und Gewerbegebiete zu prof
lieren, zu verdichten und besser zu erschließen.
Darüber hinaus verbessert sich die Anbindung
und Einbettung des Flughafens mit den dort
möglichen gewerblichen Entwicklungen. Die
notwendigen Lückenschlüsse im Äußeren
Grüngürtel können durch eine Qualifzierung
der zahlreiche Frei und Resträume entlang des
Korridors unterstützt und ergänzt werden. Die
Entwicklung des Korridors trägt auch dazu bei,
die anliegenden Zentren zu stärken und neue
Potenziale für Wohnraum zu mobilisieren.
Durch einen entsprechenden Ausbau des
Bahnnetzes für den Personenverkehr besteht
die Chance, das innerstädtische Schienennetz
langfristig zu entlasten.
E: Rheinraum – Uferbereiche, Brücken
schläge und Verkehrswege auf dem Fluss
Der Rheinraum erfüllt viele verschiedene Auf
gaben. Er ist Identifkationsraum für die Kölne
rinnen und Kölner, Natur und Erholungsraum,
Standort für Industrie und Häfen, Barriere und
Verkehrsraum, Flanier und Aufenthaltsraum,
Frischluft und Kühlungsraum und Retenti
onsraum bei Hochwasser. Die Qualität und
das Zusammenspiel dieser unterschiedlichen
Funktionen und Aufgaben sind im Stadtgebiet
verschieden ausgeprägt. Während beispiels
weise der Rheinboulevard auf der Deutzer
Seite hochwertig gestalteter Anziehungspunkt
und Aufenthaltsort für Touristen und Einhei
mische ist, stellt sich die Promenade in der
Altstadt als sanierungs und aufwertungsbe
dürftig dar. Die Vielzahl weiterer Potenziale
entlang des Rheins sowie die heutigen und
zukünftigen Herausforderungen machen den
Rheinraum zu einem Zukunftsraum für Köln.
Im Rahmen eines Gesamtkonzepts sollen die
verschiedenen Begabungen des Rheinraums
gefördert und seine Funktionen besser koor
diniert werden. Dazu gehören die Gestaltung
und Zugänglichkeit seiner Ufer, die Vernet
zung der beiden Rheinseiten durch neue
Brücken sowie die Nutzung seiner Potenziale
als Nahverkehrsraum. Darüber hinaus sind die
Natur und Landschaftsräume an seinen Ufern
zu schützen und, wo möglich, der Stadtbevöl
kerung als Erholungsraum besser zugänglich
zu machen. Ein solches Konzept berücksichtigt
auch die Funktion des Rheins als wichtigste
Wasserstraße Europas, die zunehmende Hoch
und Niedrigwasserproblematik sowie die
Kaltluftzufuhr für die innere Stadt.
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
248
F: Kölner Norden – neuer Stadtteil Kreuzfeld
in Verbindung mit den umliegenden
Stadtteilen im Stadtbezirk Chorweiler
Für den neuen Stadtteil Kreuzfeld im Kölner
Norden hat die Stadt einen Leitbildprozess
durchgeführt und die nötigen Vorbereitungen
für ein Planungsverfahren eingeleitet. Die Ent
wicklung des Stadtteils Kreuzfeld muss die He
rausforderungen der hohen Wohnungsnach
frage mit adäquaten Dichten und Mischungen
ausgleichen und gleichzeitig die Auswirkungen
des Klimawandels und die Klimaanpassung
bewältigen. Der neue Stadtteil ist somit prä
destiniert, Modellstadtteil für eine neue Sied
lungsentwicklung Kölns zu werden. Durch die
direkte SBahnVerbindung in die Innenstadt
ist eine sehr gute Voraussetzung gegeben,
neue Verkehrsströme durch den MIV von
vornherein zu vermeiden und die Ausnutzung
der SBahn durch eine höhere Taktung auf der
Strecke zu ermöglichen.
Der neue Stadtteil grenzt direkt an die Groß
wohnsiedlungen Chorweiler an und bietet die
Chance, durch neue Nutzungsstrukturen und
soziale Mischung den Kölner Norden und seine
stadträumlichen Qualitäten deutlich aufzu
werten. Der Zukunftsraum umfasst daher
auch die benachbarten Stadtteile wie Blumen
berg, Chorweiler und die Rheindörfer.
G: Porzer Süden – Entwicklungen im
südlichen Bereich des Stadtbezirks Porz
inklusive Flughafen
Im Porzer Süden stellen sich ähnliche Rahmen
bedingungen für die Siedlungsentwicklung
wie im Kölner Norden dar. Jedoch wird hier
kein komplett neuer Stadtteil geplant, son
dern bestehende Stadtteile und Quartiere
werden deutlich erweitert. Eine Arrondierung
der Siedlungen aus ihren gewachsenen Struk
turen heraus sowie die Anbindung an den
Landschaftsraum und die Entwicklung eigener
urbaner Qualitäten sind hier die vorherrschen
den Aufgaben, die den Kölner Süden als Zu
kunftsraum qualifzieren.
Für die Quartierserweiterungen sind die Fra
gen, welche Dichten und Nutzungsmischun
gen in peripheren Lagen zukünftig adäquat
sind, wie dem Klimawandel begegnet und die
Klimaanpassung umgesetzt werden muss,
angemessen zu beantworten. In Zündorf und
Langel bedarf es eines vorgeschalteten Aus
baus der Stadtbahn, um zusätzliche Individual
verkehre von vornherein zu begrenzen. Mit der
SBahnLinie und dem noch unterausgelaste
ten Haltepunkt Wahn existieren bereits schie
nengebundene Erschließungen für zusätzliche
Siedlungspotenziale, die jedoch im Konfikt
mit dem Schutz des Landschaftsraums stehen.
249
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive
Hier gilt es auszuloten, welche Möglichkeiten
bestehen, die Erschließungsgunst zu nutzen.
Darüber hinaus sind Kriterien zu entwickeln,
wie die verbleibenden Agrarfächen zukünftig
bewirtschaftet und geschützt werden, um
einer weiteren Zersiedelung und dem Flächen
verbrauch entgegenzuwirken und ein zusam
menhängendes grünes Freiraumsystem zu
sichern.
Der Zukunftsraum des Porzer Südens schließt
auch den Flughafen und seine städtebauliche
Weiterentwicklung mit ein. Die Möglichkeit,
die Erschließungsgunst des Flughafens auch
für die Entwicklung einer AirportCity zu nut
zen, ist zu untersuchen. Der Porzer Süden
überschneidet sich zudem mit dem rechts
rheinischen Entwicklungskorridor und dem
Rheinraum und ist somit als Verkehrsraum be
deutend. Auch die neue Autobahn und Stadt
bahnquerung über den Rhein liegt in diesem
Raum. Wasserbus und Wassertaxi können eine
weitere Verbindung von Zündorf über den
Rhein in die Innenstadt gewährleisten.
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“
Die weiteren Schritte
Die weiteren
Schritte
250
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die weiteren Schritte
Mit den Beschreibungen der Zukunftsräume
und i
hrer Aufgaben endet die Stadtstrategie
„Kölner Perspektiven 2030+“. Dies mag abrupt
erscheinen, jedoch zeigen gerade die Zu
kunftsräume, dass die eigentliche Arbeit jetzt
beginnt. Mit diesem Dokument als Kompass in
der Hand gilt es nun, Empfehlungen zu schär
fen, Entscheidungen zu treffen, Programme
und Konzepte zu entwickeln und konkrete
Projekte auszuarbeiten. Vor allem aber geht
es darum, mit und an dieser Stadtstrategie
weiterzuarbeiten, sich mit ihr – auch kritisch –
auseinanderzusetzen und eigene Gedanken zu
entwickeln.
Deshalb wird in der Stadtverwaltung Köln
ein Stadtentwicklungsteam eingerichtet, das
dezernatsübergreifend und interdisziplinär
diese Aufgaben diskutiert und vorantreibt.
Das entspricht der Notwendigkeit, dass stra
tegische Steuerung ein laufender Diskussions
und Abwägungsprozess ist, der innerhalb der
Stadtverwaltung fest etabliert werden muss.
Dadurch bleibt der Kompass lebendig, seine
Ausrichtung wird differenzierter und an kon
kreten Umsetzungszielen messbar.
251
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“
Danke!
Danke!
Die Stadtstrategie „Kölner Perspektiven
2030+“ ist ein Gemeinschaftswerk. Das Amt
für Stadtentwicklung und Statistik mit der
Stabsstelle Strategische Stadtentwicklung
bedankt sich bei allen Dezernaten, Ämtern,
Dienst und Stabsstellen, die an der Erarbei
tung der Stadtstrategie mit ihren unterschied
lichen fachlichen Beiträgen mitgewirkt haben.
Ein besonderer Dank geht an die Arbeitsge
meinschaft aus urbanista aus Hamburg und
ASTOC Architects and Planners aus Köln, die
mit Unterstützung des bureau für RAUM
ENTWICKLUNG aus Zürich den Prozess und
die Stadtstrategie entscheidend ausgearbeitet
und geprägt haben.
252
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Danke!
Mitwirkende
Dezernat der Oberbürgermeisterin
Persönliche/r Referent/in
Referat für strategische Steuerung
Amt der Oberbürgermeisterin
Amt für Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Amt für Integration und Vielfalt
Dezernat Allgemeine Verwaltung,
Ordnung und Recht
Stabsstelle Digitalisierung
Amt für Gleichstellung von Frauen
und Männern
Bürgerämter (Bürgeramt Ehrenfeld)
Amt für Informationsverarbeitung
Amt für öffentliche Ordnung
Dezernat Finanzen
Kämmerei
Dezernat Mobilität und Liegenschaften
Amt für Liegenschaften, Vermessung
und Kataster
Bauverwaltungsamt
Amt für Straßen und Verkehrsentwicklung
Amt für Brücken, Tunnel und Stadtbahnbau
Dezernat Bildung, Jugend und Sport
Integrierte Jugendhilfe und Schul
entwicklungsplanung
Amt für Schulentwicklung
Amt für Weiterbildung
Amt für Kinder, Jugend und Familie
Sportamt
Dezernat Soziales, Umwelt,
Gesundheit und Wohnen
Sozialplanung und Sozialberichterstattung
Koordinationsstelle Klimaschutz
Amt für Soziales, Arbeit und Senioren
Jobcenter
Gesundheitsamt
Amt für Wohnungswesen
Umwelt und Verbraucherschutzamt
Dezernat Stadtentwicklung, Planen,
Bauen und Wirtschaft
Wohnungsbauleitstelle
Amt für Wirtschaftsförderung
Stadtbau im Quartier/Domumgebung
Amt für Stadtentwicklung und Statistik
Stadtplanungsamt
Amt für Landschaftspfege und Grünfächen
Dezernat Kunst und Kultur
Planungsreferat
Kulturamt
Stadtbibliothek
Historisches Archiv
253
mit Unterstützung von:
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“
Projektverantwortung
Brigitte Scholz
Leiterin Amt für Stadtentwicklung und Statistik
Kernteam Stadtstrategie
Thilo Bosse
Friederike Christian
Stephanie Dormann
Inga Hoffmann
Dr. Birgit Gunia-Henneken
Sabine Pawlowski
Birte Rötzmeier
Leander Schulte
Nina Kristin Sieberns
Inhalt und Basisgestaltung
ARGE „Kölner Perspektiven 2030+“
urbanista
Astrid Großmann
Birte Kepp
Björge Köhler
Sven Kohlschmidt
Tristan Lannuzel
Sven Lohmeyer
Dr. Julian Petrin
ASTOC Architects and Planners
Prof. Markus Neppl
Britta Schümmer
Darleen Ertelt
Jörg Schatzmann
urbanista.ch/bureau für RAUMENTWICKLUNG
Dr. Markus Nollert
254
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“
Kontakt
Amt f
ür Stadtentwicklung und Statistik
Stadthaus Deutz – Westgebäude
WillyBrandtPlatz 2
50679 Köln
Stephanie Dormann
Stabsstelle Strategie Stadtentwicklung
Telefon: 0221 / 22124673
koelnerperspektiven2030@stadtkoeln.de
www.stadtkoeln.de/koelnerperspektiven2030
255
Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“
Die Oberbürgermeisterin
Amt für Stadtentwicklung und Statistik
Amt für Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Satz
rheinsatz, Köln
Druck
Heider Druck, Bergisch Gladbach
13US/15/2.000/08.2020
Gedruckt auf Recyclingpapier aus 100 % Altpapier
256
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungOrte (19)
- Äußere Kanalstraße
- Frankfurter Straße
- Olpener Straße
- Aachener Straße
- Kalker Hauptstraße
- Pipinstraße
- Cäcilienstraße
- Kölner Weg
- Deutzer Brücke
- Barbarossaplatz
- Blumenbergsweg
- Innere Kanalstraße
- Deutzer Freiheit
- Clevischer Ring
- Bonner Straße
- Hahnenstraße
- Markt
- Neumarkt
- Südbrücke
Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.
Details
- Aktenzeichen
- 1923/2020
- Typ
- Mitteilung Ausschuss
- Datum
- 19.08.2020
- Erstellt
- 25.06.2020 07:43