Stadtstrategie "Kölner Perspektiven 2030+"
Mitteilung Ausschuss 1923/2020 vom 19.08.2020
Stand: Am 03.09.2020 im Stadtentwicklungsausschuss beraten. Ergebnis: Kenntnis genommen.
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Mitteilung Ausschuss
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Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle VI/15/15/1 Vorlagen-Nummer 11.08.2020 1923/2020 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Stadtentwicklungsausschuss 03.09.2020 Stadtstrategie "Kölner Perspektiven 2030+" Konzept der Stadtstrategie "Kölner Perspektiven 2030+" liegt vor Nach intensiver verwaltungsinterner Arbeit wie auch umfassender Beteiligung von Bürgerschaft und Fachöffentlichkeit ist das Konzept der Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ fertiggestellt und wird dem Stadtentwicklungsausschuss mit dieser Mitteilung vorgestellt (s. Anlage). Die Stadtstrategie stellt zwei Betrachtungsebenen in den Fokus, die die Zukunftsthemen Kölns mit der Raumentwicklung verbinden. Dieser sogenannte „Kölner Weg“ bildet somit eine ganzheitliche Grundlage für die Kölner Stadtentwicklung der kommenden Jahre und beinhaltet folgende Bausteine: Die „360-Grad-Perspektive“ adressiert alle relevanten Handlungsfelder der Kölner Stadtent- wicklung und formuliert 5 zentrale Leitzsätze, denen insgesamt 27 Ziele zugeordnet sind. Die „Stadträumliche Perspektive“ übersetzt dieses Zielgerüst in 5 Zielkarten zu den Themen Wohnen, Wirtschaft, Soziales, Mobilität, Grün & Klima. 10 Vorschläge zu Handlungsempfehlungen verbinden die beiden Perspektiven miteinander und operationalisieren sie. Die „Kölner Perspektiven 2030+“ berücksichtigen bestehende (Fach-) Konzepte und Planungsansät- ze und formulieren die zentralen strategischen Stoßrichtungen. Als Kompass bilden sie den Rahmen für die künftige Stadtentwicklung Kölns, der durch konkrete Konzepte und Planungen ausgefüllt und operationalisiert wird. Es ist geplant, die Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ dem Rat 2021 zur Beschlussfassung vorzulegen. Anlass und Ratsauftrag Die Stadt Köln steht in den kommenden Jahren vor vielfältigen Veränderungen: Bevölkerungswachs- tum, Veränderungen in der Altersstruktur, Klimawandel und Klimaschutz, veränderte Mobilitätsbe- dürfnisse, Digitalisierung sowie wirtschaftlicher Wandel sind nur einige Herausforderungen, die sich für die Stadtentwicklung ergeben. Daher hat der Rat am 11.07.2017 (Vorlagen-Nr. 1331/2017) die Verwaltung beauftragt, die Stadtstra- tegie als zentrale Grundlage für eine zukunftsgerichtete, strategische und nachhaltige Stadtentwick- lung zu erarbeiten. Dazu wurde eine Arbeitsgemeinschaft (ARGE) aus drei Büros (Urbanista aus Hamburg, ASTOC aus Köln und dem Bureau für Raumentwicklung aus Zürich) beauftragt, die in ei- nem integrierten Prozess gemeinsam mit über 40 Fachämtern und Dienststellen der Kölner Stadtver- waltung die Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ erarbeitet haben. Durch die Corona-Pandemie sind neue Herausforderungen entstanden. Eine nachhaltige und damit zugleich resiliente Stadtentwicklung als Antwort auf diese Herausforderungen ist dringender denn je gefragt. Mit den „Kölner Perspektiven 2030+“, die u. a. auf der Leipzig Charta zur nachhaltigen euro- päischen Stadt und den 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen (SDG) basieren, bekommt Köln das notwendige strategische Instrument. 2 Vorbereitungs-, Bearbeitungs- und Erörterungsphase Seit Mitte 2017 erarbeiteten unter Federführung der Stabstelle Strategische Stadtentwicklung über 40 Fachämter und Dienststellen dezernatsübergreifend in vier interdisziplinären Teams in den Hand- lungsfeldern Urbanes Köln, Produktives Köln, Vernetztes Köln und Offenes Köln. Meilensteine dieser Zusammenarbeit bildeten die Bündelung bestehender strategischer Konzepte und Programme in Form eines verwaltungsinternen Statusberichtes, die Identifizierung von Kernthemen der Kölner Stadtentwicklung und die Analyse von Stärken und Schwächen. Mitte 2018 begann die Zusammenarbeit der thematischen Teams mit der externen Arbeitsgemein- schaft (ARGE). Ein Schwerpunkt lag hier vor allem in der 360-Grad-Perspektive und der Entwicklung des Zielgerüstes. Darüber hinaus wurden planerische Grundlagen in Form von Grundlagenkarten erarbeitet und strategische Aussagen für die Stadträumlichen Perspektive in Form von Zielkarten entwickelt. Als verbindendes Element zwischen den beiden Perspektiven diskutierten und erarbeite- ten die vier thematischen Teams Vorschläge für Handlungsempfehlungen. Die Bearbeitungsphase schloss mit dem ersten verwaltungsinternen Entwurf der Stadtstrategie im Dezember 2019. Das erste Halbjahr 2020 widmete sich der Erörterung der Stadträumlichen Perspektiven, insbesonde- re der Konkretisierung der Zielkarten. Die Erörterung fand mit den strategisch und räumlich arbeiten- den Fachämtern und Dienststellen statt. Der Verwaltungsvorstand der Stadt Köln hat in zwei Klausurtagungen 2017 und 2019 über die Zielausrichtung der Kölner Stadtentwicklung diskutiert. Zudem fanden mehrere Diskussions- und In- formationsrunden zu den wichtigsten Meilensteinen der Stadtstrategie im Verwaltungsvorstand statt. Beteiligung und Information Die verwaltungsinternen Arbeitsergebnisse bildeten die Grundlage für intensive öffentliche Diskussio- nen mit der Kölner Stadtgesellschaft, der Fachöffentlichkeit und der Politik. Bereits 2017/2018 hat Oberbürgermeisterin Henriette Reker mit den Stadtgesprächen Bürgerinnen und Bürger zur Diskussion der Frage „Wir wollen wir in 2030 in Köln leben?“ in allen neun Stadtbezir- ken eingeladen. Dabei wurden die wichtigsten Themen für die Gesamtstadt und den jeweiligen Bezirk gesammelt. Ergänzend dazu fanden in 2019, ebenfalls auf Einladung von Oberbürgermeisterin Henriette Reker, zwei Zukunftsforen (25.05. und 09.11.2019) im Historischen Rathaus statt. Das 1. Zukunftsforum stellte das Zielgerüst der 360-Grad-Perpspektive zur Diskussion und wurde dort von den Bürgerinnen und Bürgern und der Fachöffentlichkeit im Kern bestätigt. Beim 2. Zukunftsforum wurden die räumli- chen Ansätze der Stadträumliche Perspektive diskutiert, konkretisiert und erweitert. Die Zukunftsforen wurden jeweils durch Online-Dialoge ergänzt. Das 3. Zukunftsforum, das aufgrund der Corona- Pandemie digital stattfand, widmete sich im Juni 2020 den strategischen Empfehlungen der Zielkarten und deren Gewichtung. Der Stadtentwicklungsausschuss wurde durch mehrere Mitteilungen am 28.03.2019 (1080/2019), 30.01.2020 (0122/2020) und 28.05.2020 (1511/2020) sowie über das Politische Begleitgremium über den Prozess informiert. Weiteres Vorgehen Für die Umsetzung der Stadtstrategie auf Verwaltungsebene wird ein Stadtentwicklungsteam einge- richtet (siehe Mitteilung Stadtentwicklungsausschuss 28.05.2020 (1511/2020)). Dieses arbeitet vor allem an der Konkretisierung der Vorschläge für Handlungsempfehlungen und leitet daraus Schlüs- selprojekte ab. Die vorliegende Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ wird 2021 in den Rat eingebracht und soll dort als Kompass der zukünftigen Stadtentwicklung Kölns beschlossen werden. Das politische Be- gleitgremium (Vgl. Vorlage 1429/2019) soll den Beschlusslauf und die Umsetzung der Stadtstrategie ab 2021 weiter begleiten. gez. Greitemann Anlage -
Anlage1_Stadtstrategie_KoelnerPerspektiven2030+
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e OberbürgeDi rmeisterin Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Vorwort Vorwort Wie wollen wir in Köln 2030 leben? Die Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ macht Köln zukunftsfähig. Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser, das Jahr 2020 brachte schlagartige Verän derungen mit sich, die wir Kölnerinnen und Kölner tagtäglich spüren. Fast jeder Lebens bereich ist davon betroffen. Voraussagen für die Zukunft scheinen schwieriger als zuvor. Mit der Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ sind wir in den letzten Jahren intensiv der Frage nachgegangen, wie wir im Jahr 2030 in Köln leben wollen. Und trotz der veränder ten Rahmenbedingungen gibt die Stadtstrate gie nach wie vor die richtigen Antworten auf diese Frage. Die „Kölner Perspektiven 2030+“ verfolgen eine nachhaltige Stadtentwicklung, die wir dringender denn je brauchen. Eine nachhaltige Stadt ist krisenresistent, gesund und lebens wert. Köln soll und wird auch weiterhin eine attraktive wachsende Metropole sein. Nun gilt es, die kreativen Entwicklungen, die aus der CoronaKrise entstanden sind, aufzunehmen. Denn den großen Ideenreichtum der letzten Monate und die Bereitschaft für Veränderung können wir positiv nutzen und unsere dringen den Themen angehen. Wir müssen uns um die Mobilität kümmern, Wohnraum schaffen und die Bedürfnisse einer älter werdenden Stadtgesellschaft berücksich tigen. Mit aller Kraft müssen wir dem Klima wandel gegensteuern und die Stadt auf Kurs in Richtung Klimaneutralität bringen. Dafür brauchen wir starke Partnerinnen und Partner aus Stadtgesellschaft, Politik und Verwaltung, die ihre Kräfte bündeln, Verantwortung über nehmen und Entwicklungen vorantreiben. 4 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Vorwort Die integrierte Betrachtungsweise, die in der Stadtstrategie hinterlegt ist, gibt uns hierf ür die Richtung vor. Dabei berücksichtigt sie be sonders wichtige internationale und nationale Rahmenbedingungen wie die „Sustainable Development Goals“ (SDG) der Vereinten Na tionen und die Leipzig Charta zur nachhaltigen Stadtentwicklung. Für die Kölner Stadtentwicklung heißt das, dass viele Themen parallel und zeitgleich zusammen bearbeitet werden müssen. Und genau das haben wir bei der Erstellung der Stadtstrategie getan. Wichtig ist mir vor allem eine Erkenntnis: Eine einseitige Fachsicht ist langfristig zu kurz gedacht. Viel zielführender sind thematische Vernetzungen und der Austausch unter allen Beteiligten, also eine integrierte Arbeitsweise. Und genau diese praktizieren wir auf allen Ebenen: in der Stadtstrategie, mit der Verwal tungsreform und im Verwaltungsvorstand. Ich bedanke mich herzlich bei allen, die an der Erstellung der Stadtstrategie „Kölner Perspek tiven 2030+“ mitgewirkt haben. Ihre Henriette Reker Oberbürgermeisterin der Stadt Köln Köln, August 2020 5 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Einleitung Darum braucht Köln eine Stadtstrategie! Mit der Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ ist es meinem Dezernat für Stadt entwicklung, Planen, Bauen und Wirtschaft gemeinsam mit den Dezernaten, Fachämtern und Dienststellen der Stadtverwaltung gelun gen, einen Kompass für die Zukunft Kölns zu entwickeln. Hier steht im Fokus, dass wir die Chancen für Köln erkennen und nutzen und somit eine gemeinsame Vision und konkrete Zukunftsstrategien für unsere Stadt entwi ckeln. Dieses besondere Jahr 2020 hat durch die CoronaPandemie gezeigt, wie wichtig in der Krise eine agile Verwaltung und eine strate gische Ausrichtung für die Stadtentwicklung sind. Gemeinsam ist es gelungen, die Folgen der Pandemie für die Gesundheit der Kölne rinnen und Kölner einzugrenzen. Noch nicht absehbar sind die Auswirkungen auf die wirt schaftliche Entwicklung, doch es haben sich schon Eckpfeiler gezeigt, die für eine nach haltige und resiliente, also robuste Stadt, von besonderer Bedeutung sind: – unsere gemischten Quartiere mit ihrem de zentralen Angebot der Nahversorgung und einer lebendigen Nachbarschaft, – unsere Plätze, Gärten und Parks als Orte für Freizeit und Erholung sowie – eine gemischte Wirtschaftsstruktur mit einem ausgeprägten Branchenmix, um un seren vielfältigen Arbeitsmarkt langfristig zu sichern. Für die fruchtbare Zusammenarbeit innerhalb der Verwaltung möchte ich mich herzlich bei allen Mitwirkenden bedanken. Nicht nur die fachliche Kooperation und die Diskussi onen der Kolleginnen und Kollegen in den thematischen Teams, sondern auch der rege Austausch im Verwaltungsvorstand haben dazu geführt, dass wir die wichtigen Themen herausgearbeitet haben. Diese können wir nun zielgerichtet angehen. Auch die Diskussionen mit der Bürgerschaft, Fachöffentlichkeit und Politik, die wir in zwei Zukunftsforen im Mai 6 Einleitung und November 2019 und einem digitalen Zu kunftsforum im Juni 2020 führten, h aben die Ziele bestätigt. Die kommenden Herausforderungen ver pfichten uns, dass wir gemeinsame Ziele und Prioritäten vereinbaren. Dieser Anspruch ist nicht konfiktfrei. Insbesondere, wenn es um die Nutzung von Flächen geht, gibt es Konkur renzen. Die Stadtstrategie „Kölner Perspekti ven 2030+“ stellt diese Konfikte offen dar und zeigt Handlungsperspektiven auf. Wir haben sogenannte Zukunftsräume identifziert, die eine wichtige Bedeutung für Köln haben und die Möglichkeiten bieten, modellhaft zu arbei ten und neue Entwicklungsmöglichkeiten zu entwerfen. Bei all dem ist klar: Wir können und wollen kein statisches Zielbild zeichnen, sondern die Grundlage für einen weiteren Prozess legen. Ein Prozess, der immer wieder auf das Zielbild referenziert, konkrete Umsetzungsschritte aufzeigt und überprüft wird. Innerhalb der Verwaltung dient dafür das neu eingerichte te Stadtentwicklungsteam, das neben dem räumlichen Zielbild intensiv die Vorschläge für Handlungsempfehlungen weiter konkreti sieren wird. Und natürlich haben wir auch die Aufgabe, weitere Akteurinnen und Akteure in diese Entwicklungen einzubinden. Ich freue mich auf eine zukunftsorientierte Stadtent wicklung! Ihr Markus Greitemann Beigeordneter für Stadtentwicklung, Planen, Bauen und Wirtschaft Köln, August 2020 7 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Einleitung Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Inhalt 10 Kurzfassung 18 Die „Kölner Perspektiven 2030+“ Eine Stadtstrategie 20 Darum braucht Köln eine Stadt strategie 24 Aufbau und Entwicklung der Stadtstrategie 38 Ein Glossar für die Stadtstrategie 44 Die 360GradPerspektive 46 Rahmenbedingungen, Entwicklungs trends, Aufgaben und Herausforderun gen für Kölns Zukunft 48 Die Sustainable Development Goals Die Nachhaltigkeitsziele der UN im Bezug zur Stadt Köln 52 Die Ziele der Leipzig Charta Darstellung der Werte der nach haltigen Stadtentwicklung 56 Die Trends von übermorgen Ein Überblick über künftige Trends 62 Aufgaben und Herausforderungen für Kölns Zukunft 76 Zielgerüst: Leitsätze und Ziele für die künftige Kölner Stadtentwicklung 78 Übersicht der Leitsätze und Ziele 80 1. Köln sorgt für kompakte und lebenswerte Quartiere 88 2. Köln schafft Raum für eine dyna mische und nachhaltige Wirtschaft und für vielfältige Arbeitswelten 96 3. Köln sorgt für Bildung, Chancen gerechtigkeit und Teilhabe 104 4. Köln stärkt seine Rolle als viel fältig vernetzte Metropole 1 12 5. Köln wächst klimagerecht und umweltfreundlich und sorgt für gesunde Lebensverhältnisse 8 Inhalt Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Inhalt 120 Vorschläge für Handlungs empfehlungen 122 Handlungsempfehlung 1: Klimagerecht leben 124 Handlungsempfehlung 2: Innere Werte 125 Handlungsempfehlung 3: Kölner Mischung 126 Handlungsempfehlung 4: FreiRaum 127 Handlungsempfehlung 5: Verkehrswende 128 Handlungsempfehlung 6: Wirtschaft hoch 3 130 Handlungsempfehlung 7: Vorfahrt Bildung 132 Handlungsempfehlung 8: StadtLeben 134 Handlungsempfehlung 9: Smarte Stadt 135 Handlungsempfehlung 10: RegioCoop 136 Die Stadträumliche Perspektive 138 Die Grundlagenkarten 160 Erkenntnisse der räumlichen Analyse 174 Ansätze der räumlichen Entwicklung 190 Die Zielkarten 236 Das räumliche Leitbild 238 Das räumliche Leitbild 242 Die Zukunftsräume 250 Die weiteren Schritte 252 Danke! 254 Impressum 9 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Kurzfa ssung Kurzfassung Die „Kölner Perspektiven 2030+“ – eine Stadtstrategie für Köln Die Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ ist ein Kompass für eine zukunftsge richtete, strategische und nachhaltige Stadt entwicklung. Sie adressiert die zukünftigen Herausforderungen Kölns als wachsende Metropole und identifziert zentrale Hand lungserfordernisse der Stadtentwicklung. Gleichzeitig zeigt sie Möglichkeiten auf, wo und wie Akteurinnen und Akteure aus Politik, Verwaltung und Stadtgesellschaft in den kom menden Jahren ihre Kräfte bündeln können und sollen, um die Stadt Köln als lebenswerte Metropole weiterzuentwickeln. Köln stellt sich seiner Verantwortung als Metropole, als Dreh und Angelpunkt einer dynamischen Region sowie als viertgrößte Stadt Deutschlands und gibt mit den „Kölner Perspektiven 2030+“ Antworten auf die drän genden Fragen der zukünftigen Stadtentwick lung. Um ihre Qualitäten als wettbewerbsfä hige, klimarobuste und lebenswerte Stadt zu sichern und zu steigern, geht die Stadt den „Kölner Weg“ und betrachtet die Stadtent wicklung aus zwei Perspektiven: Während die „360GradPerspektive“ alle Handlungsfelder der Kölner Stadtentwicklung adressiert, be fasst sich die „Stadträumliche Perspektive“ mit der räumlichen Zukunft Kölns. Die Kombinati on beider Perspektiven ermöglicht es, wichti ge Handlungsfelder und Zusammenhänge der Stadtentwicklung zu identifzieren, und macht die Stadtstrategie damit zu einem wertvollen inhaltlichen Kompass für das Handeln von Ver waltung, Politik, Akteurinnen und Akteuren der Wirtschaft und der Stadtgesellschaft. Herausforderungen für die Kölner Stadtentwicklung Wie viele andere Städte muss sich Köln den Herausforderungen globaler Entwicklungen wie dem Stadtwachstum, dem Klimawandel, der Mobilitätswende, dem demografschen Wandel und den Folgen der Globalisierung und Digitalisierung stellen. Auch Covid19, als Pandemie in nicht vorhersehbarem Ausmaß, zeigt die globalen Verfechtungen und Heraus forderungen auf und fokussiert die Bedeutung von Wohnen, Nachbarschaft und Digitalisie rung. Anspruch und Aufgabe der Stadtstrate gie mit ihren beiden Perspektiven ist es, die spezifschen Gegebenheiten und Aufgaben Kölns zu identifzieren und dabei die Stärken der Stadt bei ihrer zukünftigen Entwicklung gezielt einzusetzen. Dabei spielt Resilienz, also die Widerstandsfähigkeit der Stadt gegenüber Herausforderungen und Krisen unterschied lichster Art, eine besondere Rolle. 10 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Kurzfassung Den zentralen Herausforderungen für Köln – wie beispielsweise dem angespannten Wohnungsmarkt, den Kapazitätsengpässen im Verkehr, dem bevorstehenden industriel len und technologischen Wandel sowie den umfangreichen sozialen Aufgaben – stehen die Qualitäten der Stadt gegenüber, die es auch zukünftig zu nutzen gilt. Insbesondere die lebendigen Veedel, die vielfältige Stadtge sellschaft, die Wirtschaftskraft der Stadt, die Bedeutung von Bildung, Kultur und Medien, die bestehende Freiraumstruktur sowie die Vernetzung Kölns mit der Region sind nur einige dieser Qualitäten, auf denen die „Kölner Perspektiven 2030+“ aufbauen. Das Ergebnis eines breit abgestützten Erarbeitungsprozesses Die „Kölner Perspektiven 2030+“ stützen sich auf eine Vielzahl von Grundlagen und Vorar beiten. Sie bauen auf den Ratsbeschlüssen zur „Strategischen Stadtentwicklung“, zum „Leitbild 2020“, zur „nachhaltigen Stadtent wicklung“ sowie zur „wachsenden Stadt“ auf und entwickeln diese weiter. Die Herausforde rungen und Ambitionen für eine nachhaltige und zukunftsgerichtete Stadtentwicklung werden durch die Verknüpfung der „Sustai nable Development Goals“ (SDG) der Verein ten Nationen (UN), der „Leipzig Charta zur nachhaltigen europäischen Stadt“ sowie den Trends der zukünftigen Stadtentwicklung des BBSRProjekts „Nachdenken über die Stadt von übermorgen“ vorgegeben und auf die Kölner Situation heruntergebrochen. Die Stadtstrategie ist aber vor allem das Pro dukt eines intensiven Arbeitsprozesses der Stadtverwaltung unter der Leitung des Amtes für Stadtentwicklung und Statistik und der Beteiligung der Zivilgesellschaft und externer Fachleute. Vier amtsübergreifende thematische Teams identifzierten Kernthemen zu den Handlungs feldern „Urbanes Köln“, „Produktives Köln“, „Offenes Köln“ und „Vernetztes Köln“ und arbeiteten aktiv an der Entwicklung der Stadt strategie „Kölner Perspektiven 2030+“ mit. Sie stellten den integrierten und themenüber greifenden Blickwinkel auf die Stadt sicher. Darüber hinaus begleitete der Verwaltungs vorstand der Stadt Köln intensiv den gesamten Entwicklungsprozess und bleibt dauerhaft in die Entscheidungsprozesse eingebunden. Im Rahmen der „Stadtgespräche“ auf Bezirks ebene sowie zweier gesamtstädtischer Zukunftsforen im Jahr 2019 und eines digi talen Zukunftsforums im Jahr 2020 konnte sich die Stadtgesellschaft auf Einladung von Oberbürgermeisterin Henriette Reker an der 11 12 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Kurzfassung Entwicklung der „Kölner Perspektiven 2030+“ beteiligen. Die Inhalte der Stadtstrategie Die Kernaussagen der Stadtstrategie gliedern sich in ein gesamtstädtisch wirksames Ziel gerüst („360GradPerspektive“) sowie ein räumliches Leitbild mit strategischen Ansätzen und Zielkarten zur räumlichen Entwicklung Kölns („Stadträumliche Perspektive“), deren Zusammenspiel die Besonderheit der „Kölner Perspektiven 2030+“ ausmacht. In zehn Vor schlägen für Handlungsempfehlungen wer den die beiden Perspektiven verbunden und strategische Aufgaben für die nächsten Jahre formuliert. Die „360GradPerspektive“ – ein Zielgerüst für die Kölner Stadtentwicklung Mit dem Zielgerüst setzt die Stadt den strate gischen Rahmen, der das zukünftige Handeln leiten soll. Kern dieses Zielgerüsts sind die fünf Leitsätze der „Kölner Perspektiven 2030+“. Die 27 den Leitsätzen zugeordneten Ziele zei gen auf, welche konkreten Vorgaben sich die Stadt Köln für ihre Entwicklung setzt: – Leitsatz 1: Köln sorgt für kompakte und lebenswerte Quartiere. Köln verpfichtet sich, seine Stadtentwick lung aktiv und im Einklang mit leistungs fähigen Mobilitätsangeboten und starken Zentren zu steuern, schonend mit seiner Ressource Fläche umzugehen und seine Veedel als Zentren des gemeinschaftlichen Lebens zu sichern und weiterzuentwickeln. Attraktive und sichere öffentliche Räume sowie der bedarfsgerechte Ausbau der öffentlichen Infrastrukturen und Dienstleis tungen spielen dabei eine besondere Rolle. – Leitsatz 2: Köln schafft Raum für eine dynamische und nachhaltige Wirtschaft und für vielfältige Arbeitswelten. Die Stärke des Standortes Köln mit seinem spezifschen Kölner Wirtschaftsmix wird gesichert und durch den Ausbau seiner Position als führender Wissenschaftsstand ort, die Förderung von Räumen und Struk turen für die Kultur und Kreativwirtschaft sowie durch eine dauerhafte Festigung der Erwerbsstruktur unterstützt. Die bestehen den gewerblichen und industriellen Stand orte werden mit klaren Proflen weiterent wickelt und in ihrer Flächennutzung und Erreichbarkeit optimiert, um Standortquali täten zukunftsorientiert auszubauen. – Leitsatz 3: Köln sorgt für Bildung, Chancengerechtigkeit und Teilhabe. Als Schlüssel für die gesellschaftliche Teil habe wird die Vielfalt in den Stadtteilen gefördert, der bezahlbare Wohnraum geschützt und ausgebaut. Ebenso wird der Zugang zu Bildung und beruficher Qualif kation verbessert. Das Ziel einer inklusiven Gesellschaft wird auch durch die Weiterent wicklung der Kinder, Jugend und Famili enfreundlichkeit der Stadt sowie durch die Förderung des bürgerschaftlichen Engage ments und der Beteiligung unterstützt. – Leitsatz 4: Köln stärkt seine Rolle als viel fältig vernetzte Metropole. Köln setzt auf den öffentlichen Nahverkehr, mehr Raum für den Rad und Fußverkehr sowie die innovative und umweltfreundli che Weiterentwicklung seiner Mobilitätsan gebote. Die Vernetzung Kölns wird auch durch die Stärkung seines Freiraumnetzes, den Ausbau digitaler Infrastrukturen und angebote und insbesondere durch eine intensive Zusammenarbeit mit der Region vorangetrieben. – Leitsatz 5: Köln wächst klimagerecht und umweltfreundlich und sorgt für gesunde Lebensverhältnisse. Für ein gesundes Stadtleben fördert die Stadt Bewegung und Sport und sorgt für den Zugang zur gesundheitlichen Versor gung, Prävention und Gesundheitsförde rung in allen Lebenslagen. Im Zentrum einer gesunden und nachhaltigen Stadtentwick lung steht auch der konsequente Umgang mit dem Klimawandel, zum Beispiel durch eine aktive CO 2Reduktion, und aktives Handeln bei der Klimawandelanpassung. Dazu werden auch regionale Wertschöp fungsketten und nachhaltige Stoffkreisläufe gestärkt. Handlungsempfehlungen Vorschläge zu zehn Handlungsempfehlungen beschreiben die wichtigsten Aufgabenfelder für die zukünftige Stadtentwicklung und zei gen auf, wie Köln die formulierten Ziele errei chen will. Sie wurden aus dem Zielgerüst und der „Stadträumlichen Perspektive“ gleicher maßen entwickelt und beziehen sich explizit auf übergreifende Aufgaben, denen sich Köln neu oder verstärkt widmen muss. Ihr integrier ter Ansatz soll zudem helfen, die Zusammen arbeit zwischen den verschiedenen Ämtern der Stadtverwaltung sowie zwischen der Stadt und externen Akteurinnen und Akteuren zu intensivieren. Diese Handlungsempfehlungen sollen im An schluss an die Stadtstrategie weiterentwickelt, mit Verantwortlichkeiten versehen und durch erste konkrete Schlüsselprojekte operationali siert werden. 13 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Kurzfassung Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Kurzfassung Die „Stadträumliche Perspektive“ – ein räumliches Instrumentarium für die Weiterentwicklung der Stadt Die „Stadträumliche Perspektive“ zeigt auf, wie die Kölner Stadtstruktur in ihrer räum lichen Dimension weiterentwickelt werden muss, um die in der 360GradPerspektive beschriebenen Ziele zu erreichen. Gleichzeitig gibt sie Antworten auf die Frage, wie sich die Stadt Köln zukünftig entwickeln kann und soll, um die knappe Ressource Fläche bestmög lich zu nutzen, bestehende und zukünftige Nutzungsansprüche an den Raum nachhaltig zu befriedigen und seinen räumlichen Zusam menhalt zu stärken. Mit 13 Ansätzen der räumlichen Entwicklung, fünf differenzierten Zielkarten und einem zu sammenfassenden räumlichen Leitbild bieten die „Kölner Perspektiven 2030+“ ein umfassen des Instrumentarium für die zukünftige Wei terentwicklung Kölns. Sieben identifzierte Zu kunftsräume fokussieren städtische Teilräume, die eine besondere Betrachtung benötigen. Ansätze der räumlichen Entwicklung Kölns Die 13 Ansätze der räumlichen Entwicklung sind das Ergebnis einer intensiven Analyse der räumlichen Struktur Kölns. Sie skizzieren 13 übergeordnete und integrierte Entwicklungs leitlinien für Köln, welche die wesentlichen räumlichen Strategien zur Bewältigung der Herausforderungen und zur Umsetzung der gesamtstädtischen Ziele aufzeigen: 1 Realisierung von angemessenen Dichten, Nutzungs und Typologiemischungen Vorgaben für angemessene bauliche Dich ten, Nutzungs und Typologiemischungen sind eine wichtige Voraussetzung, um dem Bevölkerungswachstum fächensparend zu begegnen und gleichzeitig lebendige und nachhaltige Quartiere entwickeln zu können. 2 Stärkung der sozialen, kulturellen und Bildungsinfrastrukturen in bestehenden und zukünftigen Quartieren Die dezentral verorteten Kölner Versor gungszentren sind Anker für soziale, kultu relle und Bildungsangebote in den Stadt teilen und müssen bedarfsgerecht gestärkt und qualifziert werden. Insbesondere in der äußeren Stadt kann die Tragfähigkeit von Infrastruktureinrichtungen durch Nachverdichtungen erreicht werden. 3 Umgestaltung der Stadtachsen und Anbindung aller Stadtteile Die großen Straßen Kölns sind nicht nur als Verkehrsräume von Bedeutung. Ihre Funk tion als Versorgungszentren und wichti 14 ger Lebensraum muss zukünftig gestärkt werden. Dies soll vor allem über erweiterte Nutzungen und die Aufwertung des öf fentlichen Raums erfolgen. In der äußeren Stadt ist diese Strategie als Impuls für die verkehrliche und stadtstrukturelle Anbin dung und Aufwertung einzelner Stadtteile zu nutzen. 4 Stärkung des schienengebundenen Nah verkehrsnetzes als Voraussetzung für die Stadtentwicklung Der Ausbau des Netzes des schienenge bundenen Nahverkehrs, insbesondere durch den Ringschluss der SBahn, entlas tet nicht nur den Verkehrsknoten Köln. Er erschließt auch wichtige Entwicklungsge biete der Stadt und kann dort neue Poten ziale für eine vernetzte Siedlungsentwick lung und Verdichtung mobilisieren. 5 Ausbau des Umweltverbunds und Reduzierung des MIV Um das tägliche Verkehrsaufkommen zu reduzieren, die Verkehrswende zu gestal ten und die Lebensqualität signifkant zu verbessern, muss der Umweltverbund (zu Fuß, mit dem Rad, per Bahn oder Bus) konsequent ausgebaut werden. Gleich zeitig sind Maßnahmen zu ergreifen, um das MIVAufkommen und den ruhenden Verkehr in der inneren Stadt mittel und langfristig zu reduzieren. 6 Stärkung des Rheinraums Die Funktion des Rheins als verbindendes Element in der Stadt ist durch die Aufwer tung bestehender sowie den Bau neuer Rad und Fußgängerbrücken, insbesonde re an den Grünringen, aufzuwerten. Darü ber hinaus muss das Potenzial des Rheins als lokale Pendlerroute an Land, wie auf dem Wasser, besser genutzt werden. 7 Langfristige Aktivierung neuer Stadt räume Die mittel und langfristige Reduzierung des MIV, besonders in der inneren Stadt, bietet die Perspektive, die tief in die Stadt hineinragenden Autobahnzubringer be ziehungsweise Schnellstraßen in urbane und architektonisch gefasste Stadtstraßen umzuwandeln. Dies eröffnet neue Weiter entwicklungsmöglichkeiten für die angren zenden Stadträume und zusätzliche Poten ziale für die Siedlungsentwicklung. 8 Ausformulierung des rechtsrheinischen Entwicklungskorridors Eine Neuordnung des rechtsrheinischen Raums in NordSüdRichtung ermöglicht neue Entwicklungen der bestehenden, 15 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Kurzfassung Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Kurzfassung kleinteiligen Strukturen. Durch die Ausfor mulierung eines regionalen Entwicklungs korridors zwischen Düsseldorf, Leverku sen, Flughafen KölnBonn, Troisdorf und SiegburgBonn können Siedlungs und Freiräume besser verknüpft, Logistik und Gewerbegebiete profliert, die anliegenden Zentren gestärkt und kann das innerstädti sche Verkehrsnetz entlastet werden. 9 Qualifzierung und Nachverdichtung der Industriestandorte Die großen und gut angebundenen Stand orte für die industrielle Produktion spielen für Kölns weitere wirtschaftliche Entwick lung eine strategische Rolle. Ihre langfristi ge Sicherung, aber auch ihre bauliche und funktionale Nachverdichtung sind zentrale Aufgaben einer nachhaltigen Kölner Wirt schaftsentwicklung. 10 Stärkung der produktiven Stadt Die vielfältigen und stark im Stadtbild ver wurzelten Gewerbegebiete zwischen Inne rem und Äußerem Grüngürtel müssen für die Produktion gesichert werden. Neben einer individuellen Proflierung der Gebiete geht es unter anderem auch darum, neue Formen der Nutzungsmischung und Ver dichtung zu erreichen, um sie als Standor te der urbanen Produktion zu stärken. 1 1 Komplettierung der grünen Strukturen Die Lücken in den markanten und wertvol len grünen Strukturen Kölns müssen ins besondere auf der rechtsrheinischen Seite geschlossen und die Verknüpfung des Kölner Grünsystems mit den regionalen Grünkorridoren muss verbessert werden. Dieser Ansatz dient auch der Aufwertung der angrenzenden Siedlungsgebiete. 12 Zusammendenken von Freiraum und Siedlungsrändern Bestehende und zukünftige Siedlungsrän der müssen zu den Grüngürteln hin stadt räumlich und funktional defniert werden, um die wechselseitigen Chancen zu ergrei fen, die sich durch eine integrierte Planung für Grün und Siedlungsstrukturen bieten. Dafür ist eine Differenzierung zwischen Schutzgebieten und Freizeitnutzungen notwendig. 13 Verbesserung des Mikroklimas Um das städtische Mikroklima jetzt und zukünftig zu verbessern, muss die Stadt Köln die bestehenden Siedlungen durch neue Freiräume, Verdunstungs und Ver schattungsmöglichkeiten aufwerten. Gleichzeitig sind bauliche Aspekte, Frei und Grünräume sowie nachhaltige Mobi litätskonzepte bei neuen Entwicklungen zusammenzudenken. 16 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Kurzfassung Fünf Zielkarten und ein räumliches Leitbild Die Ansätze der räumlichen Entwicklung übertragen die Inhalte der Ziele und Hand lungsempfehlungen der 360GradPerspektive in thematische Zielkarten, die konkrete Vor schläge für die stadträumliche Entwicklung beinhalten. Die fünf Zielkarten sind: – Wohnen: Realisierung von gemischten, lebendigen und gut angebundenen Quar tieren – Wirtschaft: Proflierung und Entwicklung zukunftsfähiger Standorte – Soziales, Kultur und Bildung: Stärkung der Infrastruktur für Chancengerechtigkeit und Teilhabe – Mobilität: Ausbau des ÖPNV, des Radver kehrs und der Verknüpfungspunkte aller Verkehrsträger – Grün und Klima: Sicherung und Qualifzie rung der Grünsysteme und Vorsorge für den Klimawandel Die Zielkarten zeigen einerseits auf, durch welche Maßnahmen die Zielsetzungen aus dem Zielgerüst, die Vorschläge der Hand lungsempfehlungen sowie die formulierten Ansätze auf der räumlichen Ebene umgesetzt werden können. Andererseits dienen sie als Diskussionsgrundlage und Prüfnstrument, da sie zu einem bestimmten Raum jeweils mehre re Handlungserfordernisse, aber auch poten zielle Nutzungskonkurrenzen aufzeigen, die es bei zukünftigen Planungen zu berücksichtigen und zu klären gilt. Das räumliche Leitbild bündelt die wesent lichen planerischen Empfehlungen für die Weiterentwicklung der Siedlungs, Industrie und Gewerbefächen, die Freiraumstruktur und die übergeordnete Verkehrsinfrastruktur und positioniert Köln in seinem regionalen Zusammenhang. Mit den sieben Zukunftsräu men Innenstadt, SBahnRing, OstWestAch se, rechtsrheinischer Entwicklungskorridor, Rheinraum, Kölner Norden, Porzer Süden zeigt das Leitbild zudem, welchen Teilräumen sich die Stadt Köln vor dem Hintergrund der ge samtstädtischen Zielsetzung prioritär widmen wird. 17 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Eine Stadtstrategie 18 Die „Kölner Perspektiven 2030+“ Eine Stadtstrategie Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Eine Stadtstrategie Die Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ ist ein Kompass für eine zukunfts gerichtete, strategische und nachhaltige Stadtentwicklung und versetzt Köln in die Lage, den vielfältigen Herausforderungen der Stadt zu begegnen und sie aktiv zu gestalten. Die integrierte und strategisch ausgerichtete Stadtstrategie besteht aus einer 360Grad Perspektive mit konsistentem Zielsystem und einer Stadträumlichen Perspektive. Sie bildet ein gemeinsames Verständnis für die anstehenden Veränderungen und notwen digen Planungen ab und weist Prioritäten für die künftige Umsetzung aus. Eine Frage steht dabei im Mittelpunkt: „Wie wollen wir in Köln 2030 leben?“ 19 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Eine Stadtstrategie 20 Darum braucht Köln eine Stadtstrategie Wie alle großen Städte steht Köln in den kommenden Jahren vor vielfältigen Verände rungen und Herausforderungen, die es ge meinsam zu gestalten gilt. Die Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ bildet hierfür die zentrale Grundlage – als Wegweiser der Kölner Stadtentwicklung der nächsten Jahre. Eine neue Stadtstrategie für Köln Bevölkerungswachstum, demografscher Wandel, Klimawandel, Klimaschutz, ökono mischer Strukturwandel, Digitalisierung und Globalisierung sind Veränderungen auf glo baler und lokaler Ebene, mit denen sich die Stadt Köln auseinandersetzen muss, um deren Chancen zu nutzen, Wechselwirkungen zu erkennen und Herausforderungen zu gestal ten. Insbesondere das Stadtwachstum, das neben zahlreichen positiven Aspekten – wie einem größeren und vielfältigeren Arbeits markt oder einer höheren kulturellen Dichte – auch neue Anforderungen an Dichte, Zusam menleben und Flächennutzungen stellt. Dies ist eine zentrale Herausforderung, die in alle Lebensbereiche hineinwirkt und entsprechend verhandelt werden muss. Bis 2030 rechnet die Stadt derzeit mit etwa 40.000, bis 2040 mit insgesamt 70.000, neuen Einwohnerinnen und Einwohnern. Die Prognose des Landes NRW (IT.NRW) geht sogar von einem zusätzlichen Plus von fast 1 10.000 Menschen aus. Welche Richtung diese Entwicklung für die Stadt Köln nimmt, hängt besonders davon ab, wie das Wachstum ge steuert und gestaltet wird. Aufgrund der Vielfältigkeit und weitreichen den Komplexität dieser Fragestellungen bedarf es in den kommenden Jahren einer zielgerichteten, strategischen Ausrichtung und integrierten Zusammenarbeit aller Akteu rinnen und Akteure aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Bürgerschaft. Die neue Stadt strategie „Kölner Perspektiven 2030+“ bietet hierfür eine gute Orientierung. Vorhandenes weiterdenken Die „Kölner Perspektiven 2030+“ entstanden nicht auf einem leeren Blatt Papier. Die neue Stadtstrategie baut auf den Ratsbeschlüssen zur „Strategischen Stadtentwicklung“, zum „Leitbild 2020“, zur „nachhaltigen Stadtent wicklung“ sowie zur „wachsenden Stadt“ auf Eindrücke aus den Stadtgesprächen Oberbürgermeisterin Henriette Reker und Brigitte Scholz, Leiterin des Amtes für Stadtentwicklung und Statistik, halten ihre Beiträge zu „Mein Köln und seine Besonderheiten“ hoch. Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Eine Stadtstrategie 22 und entwickelt diese im Hinblick auf konkrete Handlungsempfehlungen weiter. Insbesonde re das Zielgerüst für die „Kölner Perspektiven 2030+“ basiert auf bestehenden Vorarbeiten, wie dem Leitbild 2020 und anderen Konzep ten, deren Handlungsfelder und Ziele betrach tet, ausgewertet und integriert wurden. Sektorale Sichtweisen zusammenbringen Die zentrale Aufgabe der Stadtstrategie ist es, die einzelnen sektoralen Sichtweisen der Entwicklung Kölns zusammenzubringen. Nur eine integrierte Stadtentwicklung, die alle beteiligten Fachbereiche berücksichtigt und deren Wissen und Planungen bündelt, kann den vielfältigen Herausforderungen der Zu kunft zielorientiert und aktiv begegnen und sie gestalten. Mit der Stadtstrategie werden bislang weit gehend in einzelnen Fachbereichen angelegte Zielsetzungen, Konzepte und Leitlinien stär ker aufeinander abgestimmt und durch ge samtstädtische Strategien in eine integrierte Sichtweise eingeordnet. Dazu haben sich ver waltungsintern thematische Teams formiert und in regelmäßigen Terminen amtsübergrei fende Grundlagen erarbeitet, die im weiteren Prozessverlauf mit der Öffentlichkeit diskutiert wurden. Für eine bessere Zukunft: Nachhaltigkeit als Credo Eine nachhaltige zukünftige Entwicklung ist oberstes Credo der Stadt Köln. Nur so kann und wird Köln der globalen Verantwortung der Stadt gerecht und sichert ihre Zukunftsfähig keit. Zielt das Handeln der Kölner Akteurinnen und Akteure auf eine nachhaltige Entwicklung, müssen die Ziele, Strategien, Projekte und Maßnahmen entsprechend soziale Gerechtig keit, ökonomische Vernunft und ökologische Verantwortung miteinander verbinden. Auf diesem Vorsatz bauen auch die „Kölner Perspektiven 2030+“ auf. Ökologische, öko nomische und soziale Nachhaltigkeit ist die Richtschnur der Erarbeitung der Stadtstrategie und wird in den Handlungsfeldern als Quer schnittsthema immer mitgedacht. So fnden sich sowohl die Grundzüge der „Sustainable Development Goals“ (SDG) im Zielgerüst der Kölner Perspektiven wieder als auch die Werte der „Leipzig Charta“. Eine nachhaltige Finanzperspektive für Kölns Zukunft Die strategische Ausrichtung der Stadt Köln ermöglicht ein zielgerichtetes, abgestimmtes Handeln. Grundlage des Handelns ist eine nachhaltige Finanzperspektive. Die strategi 23 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Eine Stadtstrategie Was ist eine Stadtstrategie? In der Stadtentwicklung formulieren Stadt Akteurinnen und Akteure – Verwaltung, strategien (auch Leitbilder oder Stadtent externe Fachleute, Politik sowie die Öf wicklungskonzepte) Zielvorstellungen und fentlichkeit – zusammen, die themenüber Handlungsprinzipien, die der Orientierung greifend Leitziele und Handlungsansätze und Steuerung der künftigen Entwicklung und räumliche Entwicklungen diskutieren. und der Vorbereitung von Entscheidungen Insbesondere städtische Fachplanungen dienen. Stadtstrategien bündeln, verdich werden innerhalb der Entstehungsprozesse ten und konkretisieren komplexe Ziele stärker auf die gemeinsamen Ziele ausge zu einem Grundkonsens. Alle relevanten richtet und besser untereinander und mit Bereiche der Stadt werden dabei in den anderen Akteurinnen und Akteuren in der Blick genommen, Querbezüge und Wech Stadt vernetzt. Diese neuen Arbeitsstruktu selwirkungen berücksichtigt und gemein ren führen zu neuen Synergien und erleich sam getragene Lösungen entwickelt. Der tern somit die Umsetzung der vorgeschla Erarbeitungsprozess bringt verschiedene genen Handlungsempfehlungen. schen Ziele und Vorschläge für Handlungs empfehlungen der Stadtstrategie müssen in ihren fnanziellen Auswirkungen auf die Kernverwaltung und den „Konzern Stadt Köln“ betrachtet, bewertet und entsprechend der zur Verfügung stehenden Finanzmittel priori siert werden. Darüber hinaus sind geeignete Strategien zu entwickeln, um Drittmittel zu aktivieren. Im Sinne einer nachhaltigen Haushaltsführung können die Ziele und Vorschläge für Hand lungsempfehlungen nur umgesetzt werden, wenn die fnanziellen Rahmenbedingungen dies ermöglichen. Wesentliche Faktoren hierbei sind unter anderem die Entwicklung der Einwohnerinnen und Einwohner, die wirt schaftliche Entwicklung und Einfussfaktoren der Finanzmärkte. Die kommunalen Pfichtauf gaben der Daseinsvorsorge sind dabei immer zu gewährleisten. Die Stadtstrategie ermöglicht es, in diesem Spannungsfeld den Weg für ein abgestimmtes und zielgerichtetes Handeln gemeinsam zu defnieren. Im Mittelpunkt steht eine Schär fung der vorhandenen Projekte auf die gesetz ten Ziele und die Konzentration auf diejenigen Projekte, die mehrere Zielsetzungen gleichzei tig erfüllen. Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Eine Stadtstrategie 24 Aufbau und Entwicklung der Stadtstrategie Der „Kölner Weg“ Mit den „Kölner Perspektiven 2030+“ stellt sich die Stadt Köln ihrer Verantwortung, Antworten auf die drängenden Fragen der zukünftigen Stadtentwicklung zu geben und ihre Qualitäten als wettbewerbsfähige, klima robuste, vielfältige und lebenswerte Stadt zu sichern und zu steigern. Um dieser umfangrei chen Aufgabe ganzheitlich gerecht zu werden, hat die Stadt sowohl im Aufbau als auch in der Erarbeitung der Stadtstrategie eine maßge schneiderte Herangehensweise gewählt – den „Kölner Weg“. Dieser zeichnet sich vor allem durch die Verschneidung zweier Perspektiven sowie die integrierte Zusammenarbeit von 47 Fachämtern und Dienststellen aus. Die Stadt aus zwei Perspektiven betrachtet Die Stadtstrategie betrachtet und bearbeitet die Stadtentwicklung Kölns aus zwei Perspekti ven, deren Kombination einen „Rundumblick“ als ganzheitliche Grundlage für die Kölner Stadtentwicklung der nächsten Jahre bietet: Die „360GradPerspektive“ beschäftigt sich mit allen Handlungsfeldern der Stadtentwick lung, die für Köln relevant sind. Auf der Basis bestehender Konzepte sowie einer Übersicht über heutige und zukünftige Herausforderun gen der Stadtentwicklung formuliert sie ein Zielgerüst, an dem sich die Entwicklung Kölns in den nächsten Jahren orientieren soll. Die „Stadträumliche Perspektive“ basiert auf einer parallel zum Zielgerüst erstellten räum lichen Analyse der Stadt. Sie lieferte wichtige Hinweise für die Themen/Inhalte des Zielge rüsts, zeigt aber vor allem auf, wie die Kölner Stadtstruktur in ihrer räumlichen Dimension weiterentwickelt werden muss, um die in der 360GradPerspektive beschriebenen Ziele zu erreichen. 25 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Eine Stadtstrategie Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Eine Stadtstrategie 26 Im Schnittpunkt beider Perspektiven stehen Vorschläge für zehn Handlungsempfehlungen, welche die wichtigsten Aufgabenfelder für die zukünftige Stadtentwicklung beschreiben und aufzeigen, wie Köln die formulierten Ziele erreichen will. Verwaltungsübergreifende Handlungs felder und thematische Teams Eine Besonderheit des „Kölner Wegs“ ist die Defnition von vier übergreifenden Handlungs feldern (siehe Infokasten) und die Bildung amtsübergreifender thematischer Teams, die einen „Statusbericht“ als wichtige Grundlage für die Erarbeitung der Stadtstrategie lieferten. Die Diskussionen und der fachliche Austausch der thematischen Teams während des ge samten Erarbeitungsprozesses ermöglichte eine stetige Refexion des Arbeitsstands der Stadtstrategie und zeigte deutlich auf, wo Synergien, aber auch Konfikte zwischen unter schiedlichen Aufgaben und Zielen der Stadt entwicklung zu erwarten sind. Der vorliegende Stand der „Kölner Perspekti ven 2030+“ markiert den Endpunkt der Erar beitungsphase und ist gleichzeitig der Start punkt für die schrittweise Konkretisierung und Umsetzung. Die 360GradPerspektive Das Zielgerüst – die Richtschnur für Kölns Zukunft Zentrales Element der 360GradPerspektive ist das sogenannte Zielgerüst. Es besteht aus fünf Leitsätzen, welche die zukünftigen Schwerpunkte städtischen Handelns defnie ren, und bildet damit den Rahmen, in dem die unterschiedlichsten Aktivitäten, Planungen und Maßnahmen der Stadtverwaltung und weiterer Akteursgruppen zukünftig stattfn den sollen. Da die „Kölner Perspektiven 2030+“ alle wich tigen städtischen Funktionen, wie zum Beispiel Wohnen, Wirtschaft, Versorgung, Bildung, Kultur, Integration und Teilhabe, Klima, Um welt und Mobilität, berücksichtigen, sind die Leitsätze fachbereichsübergreifend formuliert. Jeder der fünf Leitsätze enthält jeweils fünf bis sechs konkrete Ziele, die das Themenspekt rum des jeweiligen Leitsatzes aufzeigen und konkretisieren. Jedem der insgesamt 27 Ziele sind zahlreiche Einzelaspekte, gekennzeichnet als # (Hashtags), zugeordnet, die die Ziele näher erläutern und erste Ansätze zur Zieler reichung benennen. 27 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Eine Stadtstrategie KÖLNER PERSPEKTIVEN 2030+ HANDLUNGSFELDER URBAN CATALYST | JULI 201 7 Vier thematische Teams für Köln Für die Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ wurden 2017 die vier Handlungsfel der „Urbanes Köln“, „Produktives Köln“, „Offenes Köln“ und „Vernetztes Köln“ de fniert, welche die relevanten Themen der Kölner Stadtentwicklung in sich vereinen. Sie bilden die Grundlage und den Aus gangspunkt der thematischen Diskussion für die 360GradPerspektive. Für jedes der genannten Handlungsfelder wurde ein amts und dezernatsübergreifen des interdisziplinäres thematisches Team gebildet. Beteiligt waren 47 Fachämter und dienststellen unter der Federführung der Stabsstelle Strategische Stadtentwicklung. Räumliche Zusammenhänge standen im Fo kus des Handlungsfeldes „Urbanes Köln“. Hier ging es um die Themen Wohnen, Sied lungsentwicklung, Städtebau, Baukultur, öffentlicher Raum und Sicherheit. Das Handlungsfeld „Produktives Köln“ stellte die Frage, was neue Arbeits und Schaffenswelten ausmacht, und thema tisierte etwa das Zusammenwirken von Gewerbe und Industrieentwicklung, Kul tur und Kreativwirtschaft, Logistik sowie Wissenschaft und Hochschulbildung. Das Handlungsfeld „Offenes Köln“ sprach die sozialen Erfordernisse von Teilhabe und Zugangsmöglichkeiten an, etwa bei der Wohnraumversorgung, dem Zugang zu Bildung und Kultur sowie bei Integration, Arbeit und Gesundheit. Um die Gestaltung einer zukunftssiche ren, umfassenden Infrastruktur ging es im Handlungsfeld „Vernetztes Köln“. Das Themenspektrum reichte von Klima und Umwelt, Grünvernetzung, Mobilität, Sport, Gesundheit bis hin zu Digitalisierung sowie internationaler und regionaler Kooperation und Zusammenarbeit. Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Eine Stadtstrategie 28 Konzepte bündeln und Themen identifzieren Grundlage für die Formulierung des Zielge rüsts waren die Erkenntnisse aus vorgelager ten Diskussionen zu Kölner Zukunftsthemen mit den Bürgerinnen und Bürgern – die soge nannten „Stadtgespräche“ zur Stadtstrategie. Diese fanden von Oktober 2017 bis Dezember 2018 auf Einladung von Oberbürgermeisterin Henriette Reker in jedem Kölner Bezirk statt. Bei den neun Stadtgesprächen wurden die gesamtstädtischen und bezirklichen Zukunfts themen abgefragt und mit den Bürgerinnen und Bürgern diskutiert. Die Ergebnisse sind als wichtiger Beitrag in die Entwicklung des Zielgerüsts eingefossen. Eine weitere Grundlage bildeten die vorhan denen Konzepte, Programme und Planungen der Stadtverwaltung, die von den vier thema tischen Teams in Form eines „Statusberichts“ zusammengetragen wurden. Darüber hinaus haben die Teams Kernthemen der Kölner Stadt entwicklung identifziert und diskutiert und deren Stärken und Schwächen sowie Chancen und Risiken (SWOTAnalyse) herausgearbeitet. Die Ergebnisse wurden anschließend über prüft, in Fragestellungen übersetzt und um die Aspekte übergeordneter Regelwerke wie den „Sustainable Development Goals“ (SDG) der Vereinten Nationen oder der „Leipzig Charta zur nachhaltigen europäischen Stadt“ sowie mit Erkenntnissen aus dem Forschungsprojekt „Nachdenken über die Stadt von übermorgen“ ergänzt. Das Zielgerüst formulieren und diskutieren Die Fragestellungen wurden anschließend im Zielgerüst weiterentwickelt und in mehreren Workshops mit den thematischen Teams diskutiert, ergänzt und geschärft. Gleichzeitig startete ein Austausch über die Ergebnisse mit der Stadtspitze, insbesondere mit dem Verwaltungsvorstand (VV) der Stadt Köln in einer Klausurtagung im Januar 2019. Mithilfe der beim 1. Zukunftsforum (siehe Kasten) gesammelten Rückmeldungen und Kommen tare wurde das Zielgerüst anschließend weiter geschärft und schlussendlich zur vorliegenden Form fnalisiert. 29 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Eine Stadtstrategie Das 1. Zukunftsforum Überprüfung des Zielgerüsts mit der Öffentlichkeit Beim 1. Zukunftsforum am 25. Mai 2019 auch der erste OnlineDialog. Drei Wochen fand die erste Rückkopplung der fachlichen lang konnten Interessierte das Zielgerüst Arbeit mit einer breiten Öffentlichkeit statt. kommentieren. So wurden weitere 150 Ziel war es, den Kölnerinnen und Kölnern Kommentare und Anregungen abgegeben. die Hintergründe der Stadtstrategie zu Die insgesamt 520 Kommentare aus dem erläutern und sie erstmals über das Zielge 1. Zukunftsforum und dem OnlineDialog rüst zu informieren und mit ihnen über die wurden gesammelt, dokumentiert und Leitsätze zu diskutieren. Insgesamt konn ausgewertet und fossen in die Fertigstel ten rund 370 Kommentare festgehalten lung des Zielgerüsts ein. werden. Mit dem 1. Zukunftsforum begann Die Stadträumliche Perspektive Eine Perspektive mit mehreren Aufgaben Die „Stadträumliche Perspektive“ hat meh rere Aufgaben. Sie zeigt zum einen auf, wie die Kölner Stadtstruktur in ihrer räumlichen Dimension weitergeschrieben werden muss, um die Ziele der 360GradPerspektive zu erreichen. Gleichzeitig gibt sie Antworten auf die Frage, wie sich die Stadt Köln zukünftig entwickeln kann und soll, um die knappe Res source Fläche bestmöglich zu nutzen, beste hende und zukünftige Nutzungsansprüche an den Raum nachhaltig zu befriedigen und ihre räumliche Kohärenz zu wahren und weiterzu entwickeln. Die Stadträumliche Perspektive wurde paral lel zum Zielgerüst erarbeitet und besteht aus den Grundlagenkarten, den Erkenntnissen der räumlichen Analyse, den Ansätzen der räumli chen Entwicklung, fünf detaillierten Zielkarten und dem räumlichen Leitbild mit sieben Zu kunftsräumen. Grundlagen schaffen und planerische Erkenntnisse zusammenfassen Mit Beginn der Arbeiten an der 360Grad Perspektive wurden fünf Grundlagenkarten erarbeitet, die den räumlichen Status quo der Kölner Stadtentwicklung aufzeigen. Dieser Status quo besteht aus der heutigen Stadt struktur sowie bereits beschlossenen Planun gen und Projekten, die in den nächsten Jahren realisiert werden. Die Grundlagenkarten basieren im Wesentlichen auf den defnierten Handlungsfeldern und stellen den Startpunkt der Stadträumlichen Perspektive dar. Auf Basis der Grundlagenkarten wurde eine umfassende Analyse der räumlichen Struktur durchgeführt und in elf Erkenntnissen der räumlichen Ana lyse zusammengefasst. Diese identifzieren Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Eine Stadtstrategie 30 wesentliche räumliche Handlungsfelder und Herausforderungen und stützen so das Zielge rüst der 360GradPerspektive. Ansätze der räumlichen Entwicklung formulieren und in Zielkarten konkretisieren Die auf den Erkenntnissen der räumlichen Analyse aufbauenden Ansätze der räumlichen Entwicklung skizzieren 13 übergeordnete und integrierte Entwicklungsleitlinien für Köln, welche die wesentlichen räumlichen Strate gien zur Bewältigung der Herausforderungen und zur Umsetzung der gesamtstädtischen Ziele aufzeigen. Diese Ansätze wurden in fünf detaillierte Zielkarten überführt, die als the matische Raumbilder zu den übergeordneten Themen wie unter anderem Wohnen oder Mobilität gelesen werden können. Die thema tischen Zielkarten defnieren die räumlichen Zielaussagen für die Weiterentwicklung der Stadt bis 2030 und darüber hinaus. Sie veror ten, wo immer möglich, die formulierten Aus sagen der Leitsätze und Ziele und weisen auch auf mögliche Konfikte bei der Umsetzung des Zielgerüsts im Raum hin. Die Entwicklungsziele zu einem räumlichen Leitbild zusammenfassen Die Ansätze der räumlichen Entwicklung sowie die Zielkarten wurden in einem ab schließenden Schritt zu einem räumlichen Leitbild zusammengefasst. Dieses zeigt die wesentlichen Elemente der zukünftigen Köl ner Stadtentwicklung und defniert räumliche Entwicklungsschwerpunkte – sogenannte „Zukunftsräume“. Diese markieren Bereiche der Stadt Köln, in denen bestimmte Aufgaben prioritär behandelt werden müssen oder in de nen besondere Potenziale zur Umsetzung des Zielgerüsts und der vorgeschlagenen Hand lungsempfehlungen vorhanden sind. Ein iterativer Erarbeitungsprozess Die Arbeit zur Stadträumlichen Perspektive startete parallel zur Erarbeitung des Zielge rüsts und wurde nach dem 1. Zukunftsforum intensiver fortgesetzt. Neben der Weiterent wicklung der räumlichen Analyse wurden erste Entwürfe der Ansätze der räumlichen Ent wicklung und der Zielkarten erarbeitet sowie in mehreren verwaltungsinternen Workshops mit den thematischen Teams diskutiert und weiterentwickelt. Ebenso wurden die Karten den Vorschlägen der Handlungsempfehlungen gegenübergestellt und mit diesen in Einklang gebracht. Die ersten Entwürfe der Stadträumlichen Perspektive wurden im 2. Zukunftsforum der Öffentlichkeit präsentiert und zur Diskussion gestellt. Die hier gewonnenen Erkenntnisse (siehe Kasten auf Seite 32) wurden in den vor liegenden Stand eingearbeitet. Eindrücke aus den Zukunftsforen Teilnehmende des 2. Zukunftsforums halten die ausgestellten Zielkarten auf ihren Smartphones fest. Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Eine Stadtstrategie 32 Das 2. Zukunftsforum Das räumliche Leitbild erklären und diskutieren Ziel des 2. Zukunftsforums am 9. Novem ber 2019 war es, den ersten Entwurf der Stadträumlichen Perspektive vorzustellen und mit der Öffentlichkeit zu diskutieren. An verschiedenen Stationen konnten sich die Besucherinnen und Besucher ausführ lich über die einzelnen Bestandteile der Stadträumlichen Perspektive informieren, diese diskutieren und Rückfragen stellen. Der Entwurf des räumlichen Leitbilds wurde als große Bodenkarte präsentiert. Für die Besucherinnen und Besucher gab es die Möglichkeit, Kommentare zu den Ansätzen der räumlichen Entwicklung zu formulieren und diese auf dem Leitbild zu verorten. Darüber hinaus fand vom 9. bis zum 23. No vember 2019 ein zweiter OnlineDialog statt. Insgesamt wurden online und offine rund 340 Anmerkungen zur Stadträumli chen Perspektive beigetragen. Als zentrale Themen wurden das Potenzial im Rechts rheinischen, die gemischte und grüne Stadt, Alternativen zum motorisierten In dividualverkehr (MIV) sowie mehr Teilhabe durch starke soziokulturelle Einrichtungen hervorgehoben. Diese Aspekte wurden auf gegriffen und sind in die Überarbeitung der Ansätze der räumlichen Entwicklung, des Leitbilds und der Zielkarten eingefossen. Das 3. Zukunftsforum [online] als Abschluss Das 3. Zukunftsforum fand aufgrund der CoronaPandemie in digitaler Form zwi schen dem 19. Juni und 5. Juli 2020 statt. Auf der Plattform konnten sich die Bürge rinnen und Bürger insbesondere über die Stadträumliche Perspektive informieren. So wurden beispielsweise in Videos die einzelnen Zielkarten und ihre Inhalte Stück für Stück dargestellt und erklärt. Zusätz lich konnten Fragen gestellt und ein Stim mungsbild zu den strategischen Empfeh lungen der Zielkarten abgegeben werden. Die Ergebnisse sind online einsehbar. Eindrücke aus den Zukunftsforen Auf einer großen Bodenplane verorten und kommentieren die Teilnehmenden des 2. Zukunftsforums die Ansätze der räumlichen Entwicklung. Umgeben ist die Bodenplane des räumlichen Leitbildes von Stellwänden, welche die Zielkarten und die Ansätze der räumlichen Entwicklung darstellen und erläutern. Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Eine Stadtstrategie 34 Vorschläge für zehn Handlungsempfehlungen Konkret werden im Schnittpunkt der zwei Perspektiven Aus dem fnalen Zielgerüst der 360Grad Perspektive und den Erkenntnissen der Stadt räumlichen Perspektive wurden Vorschläge für zehn Handlungsempfehlungen entwickelt. Sie beschreiben die wichtigsten Aufgabenfelder für die zukünftige Kölner Stadtentwicklung und zeigen auf, wie die formulierten Ziele erreicht werden sollen. Damit bilden sie das Bindeglied zwischen beiden Perspektiven und stellen den Übergang von der Stadtstrategie zu ihrer Umsetzung dar. Der vorliegende Stand der vorgeschlagenen Handlungsempfehlungen ist das Ergebnis eines intensiven Arbeits und Diskussionspro zesses mit den thematischen Teams. Ziel war es, die Anzahl der Handlungsempfehlungen bewusst niedrig zu halten, um deren Bedeu tung als strategische, übergreifende Aufgaben der Stadtentwicklung zu stärken. Die vorlie genden Vorschläge sind daher als Aufgaben beschreibung und Diskussionsgrundlage zu verstehen, die im kommenden Konsultations und Weiterentwicklungsprozess mit einem neu gebildeten Stadtentwicklungsteam weiter diskutiert, operationalisiert und mit konkreten Schlüsselprojekten versehen werden sollen. 35 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Eine Stadtstrategie Die „Kölner Perspektiven 2030+“ – wie geht es weiter? Für die Umsetzung der Stadtstrategie sind folgende Schritte geplant: Prüfung, Diskussion und Weiter entwicklung der Umsetzungsebene Die formulierten Vorschläge für Handlungs empfehlungen und die vorgeschlagenen Zukunftsräume sind zu schärfen. Zu diesem Zweck wurde verwaltungsintern ein Steue rungsgremium, das Stadtentwicklungsteam, gebildet, welches die handlungsbezogenen Elemente der Stadtstrategie Schritt für Schritt in Richtung umsetzbarer Projekte entwickelt. Dabei sollen neben der Benennung konkreter Verantwortlichkeiten, die Synergien mit be stehenden Programmen und Projekten identi fziert und die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Ämtern gestärkt werden. Darauf aufbauend ist die Zusammenarbeit mit weiteren Partnerinnen und Partnern zu prüfen, die für die Umsetzung der Stadtstrategie erfor derlich sind. Hierzu gehört auch der Austausch mit den Nachbarkommunen und der Region. Das vorliegende Agglomerationskonzept und der laufende Prozess der Regionalplanüberar beitung bieten hier wichtige Ansatzpunkte. Formulierung konkreter Schlüsselprojekte Im Anschluss an die „Kölner Perspektiven 2030+“ sollten Schlüsselprojekte formuliert und entwickelt werden. Dabei handelt es sich um Projekte, die für die Umsetzung der vorgeschlagenen Handlungsempfehlungen besonders geeignet sind oder modellhaften Charakter haben. Diese Schlüsselprojekte sind konkrete Projekte, die mit den Erkenntnissen und Vorgaben der Stadträumlichen Perspek tive abgestimmt sind. Aufgabe des Stadtent wicklungsteams wird es sein, diese Projekte zu identifzieren und sie als realisierbare Baustei ne in die Stadtstrategie zu integrieren. Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Eine Stadtstrategie 36 37 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Eine Stadtstrategie Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Eine Stadtstrategie 38 Ein Glossar für die Stadtstrategie Die „Kölner Perspektiven 2030+“ 2030+ Stadträumliche Perspektive Die Ausrichtung auf das Jahr 2030 bezieht Die Stadträumliche Perspektive beschäftigt sich auf die Planungsebene. Schlüsselprojek sich mit allen räumlichen Fragen der Kölner te und Maßnahmen, insbesondere im Bau Stadtentwicklung. Sie hat zum Ziel, stadt und Verkehrsbereich, sind bis zu diesem räumlich wirksame Maßnahmen und Pro Zeitpunkt geplant und können umgesetzt jekte zu defnieren. werden. Dennoch blickt die Stadtstrategie in vielen Bereichen auch schon auf die Jahr Zukunftsforen zehnte danach. Die Zukunftsforen dienen dem Austausch mit der (Fach)Öffentlichkeit. Hier wird der 360GradPerspektive Stand der Arbeiten zur Stadtstrategie öf Die 360GradPerspektive beschreibt den fentlich diskutiert und die Erkenntnisse bei Teil der Stadtstrategie, der sich mit allen der weiteren Bearbeitung berücksichtigt. relevanten Themen der Kölner Stadtent Zwei Zukunftsforen fanden als Präsenz wicklung befasst. veranstaltung 2019 statt. Das 3. Zukunfts forum wurde im Sommer 2020 digital durchgeführt. 39 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Eine Stadtstrategie 360GradPerspektive Zielgerüst Das Zielgerüst bezeichnet die Summe aller Leitsätze, Ziele und Aspekte (#), die für die zukünftige Entwicklung der Stadt Köln formuliert wurden. „Gerüst“ deshalb, weil es einen Rahmen bildet, in dem die unter schiedlichsten Aktivitäten, Planungen und Maßnahmen der Stadtverwaltung und an derer Akteursgruppen zukünftig stattfnden sollen. Das Zielgerüst wurde am 15. Oktober 2019 vom Verwaltungsvorstand der Stadt Köln verabschiedet. Leitsätze Die Leitsätze bilden die oberste Ebene des Zielgerüsts. In fünf Leitsätzen defniert die Stadtstrategie, in welche Richtung sie ihre Entwicklung in den nächsten Jahren lenken will. Ziele Die Ziele konkretisieren die Leitsätze und formulieren Vorgaben für einzelne Bereiche der Stadtentwicklung. Sie zeigen auf, wel che konkreten Vorgaben sich die Stadt Köln für eine nachhaltige zukünftige Entwicklung setzt. Die Ziele sind nicht zwingend konfikt frei. Bei der Umsetzung dieser Ziele kann es sein, dass die Stadt und die beteiligten Akteurinnen und Akteure abwägen müssen, welche der Ziele sie höher priorisieren. Aspekte (#) Die einzelnen Ziele werden durch unter schiedliche Aspekte ergänzt, die als „Hashtags“ formuliert sind. Diese Aspekte unterfüttern und detaillieren einerseits die Ziele mit wichtigen Inhalten der Stadt entwicklung, andererseits formulieren sie auch erste Ansätze zur Zielerreichung. Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Eine Stadtstrategie 40 Handlungsempfehlungen Vorschläge für Handlungsempfehlungen Die vorgeschlagenen Handlungsemp fehlungen beschreiben zehn wichtige Aufgabenfelder für die zukünftige Kölner Stadtentwicklung und zeigen auf, wie die formulierten Ziele erreicht werden können. Sie beziehen sich explizit auf Aufgaben, die in dieser Art und Weise noch nicht durch bestehende Planungen, Strategien und Ak tivitäten der Stadt abgedeckt sind oder die substanziell gestärkt werden müssen. Schlüsselprojekte Die Handlungsempfehlungen sollen im Anschluss an die Stadtstrategie weiterent wickelt, mit Verantwortlichkeiten versehen und durch erste konkrete Schlüsselprojekte operationalisiert werden. Mit der Formulie rung von Schlüsselprojekten defniert die Stadt strategisch bedeutsame Projekte, die für die Umsetzung der Handlungs empfehlungen besonders wichtig sind oder modellhaften Charakter haben. Diese Schlüsselprojekte sind in der Regel räumlich konkrete Projekte, die auch mit den Er kenntnissen und Vorgaben der Stadträumli chen Perspektive abgestimmt sind. Sie sind nicht Teil der vorliegenden Stadtstrategie. Stadträumliche Perspektive Grundlagenkarten In fünf Grundlagenkarten wird der Status quo der Kölner Stadtentwicklung mit Stand von Mai 2019 beschrieben. Die Grundlagenkarten sind den fünf Leit sätzen des Zielgerüsts zugeordnet und beinhalten sowohl den heutigen Zustand der Stadt sowie bereits bekannte und beschlossene Entwicklungen. Sie bilden die Grundlage für alle weiteren Schritte der Stadträumlichen Perspektive. Erkenntnisse der räumlichen Analyse Im Rahmen der Erarbeitung der Stadt räumlichen Perspektive wurde die ak tuelle räumliche Situation inklusive der bekannten und bestehenden Planungen der Stadt analysiert. Die wesentlichen Erkenntnisse dieser Analyse wurden in Form von Prinzipskizzen und begleiten den Erklärungen festgehalten. Sie bilden die Grundlage für die Ansätze der räumli chen Entwicklung sowie die Zielkarten. 41 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Eine Stadtstrategie Ansätze der räumlichen Entwicklung Die Ansätze der räumlichen Entwicklung beschreiben die wesentlichen Entwicklungs richtungen der Stadt zur Bewältigung ihrer Herausforderungen und zur Umsetzung ihrer Ziele. Wie die Erkenntnisse der räumlichen Analyse bestehen sie aus Prinzipskizzen mit begleitenden Erklärungen. Sie dienen als Grundlage für die Zielkarten und das räumli che Leitbild. Zielkarten Die Zielkarten machen räumlich strategi sche Aussagen zu Entwicklungen der Stadt. Sie sind als Zielbild zu verstehen, auf das die Stadt Köln in den kommenden Jahren hin arbeitet. Die fünf Zielkarten gliedern sich in Wohnen, Wirtschaft, Soziales, Kultur und Bildung, Mobilität sowie Grün und Klima. Räumliches Leitbild Das räumliche Leitbild fasst die angestrebte stadträumliche Entwicklung Kölns in einer Karte zusammen. Ähnlich der Leitsätze for muliert das räumliche Leitbild, in welche Rich tung die Stadt ihre räumliche Entwicklung lenken will, und abstrahiert die Aussagen der Zielkarten. Zukunftsräume Die Zukunftsräume beschreiben diejenigen Räume, die entweder für die zukünftige Entwicklung von besonderer Bedeutung sind oder in denen eine gewünschte Entwicklung modellhaft stattfnden soll. Auf diese Räume wird die Stadt Köln zukünftig ein besonderes Augenmerk legen und die räumliche Entwick lung vorantreiben. Die Wahl der Zukunfts räume basiert auf den Erkenntnissen beider Perspektiven. Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Eine Stadtstrategie 42 Mobilität MIV – Motorisierter Individualverkehr Kraftfahrzeuge zur individuellen Nutzung wie Pkw und Krafträder. ÖPNV – Öffentlicher Personennahverkehr Der Personennahverkehr als Teil des öffent lichen Verkehrs im Rahmen der Grundver sorgung auf Straße, Schiene, Wasser und mittels Luftseilbahn. Der schienengebun dene ÖPNV umfasst die Stadtbahn (KVB). SPNV – Schienenpersonennahverkehr Verkehrsleistungen der Eisenbahnverkehrs unternehmen im Regionalverkehr (Regio nalExpress (RE, im Text auch „schneller Regionalverkehr“ genannt), Regionalbahn (RB) und SBahn). Schienengebundener Nahverkehr Umfasst den schienengebundenen Verkehr in der Stadt, heißt den SPNV (Schienen personennahverkehr) sowie den schienen gebundenen ÖPNV. Umweltverbund Der Umweltverbund bezeichnet die Gruppe der umweltverträglichen Verkehrsmittel, also den ÖPNV und SPNV, Rad und Fuß verkehr sowie das stationsgebundene Car sharing. ÖPNVRoadmap Der Bedarfsplan des Landes Nordrhein Westfalen für den öffentlichen Personen nahverkehr wird neu aufgestellt. Im Rahmen dessen hat die Stadt Köln gemeinsam mit den Kölner Verkehrsbetrieben eine Reihe von wichtigen Maßnahmen für den Stadt bahnausbau und neubau erarbeitet und angemeldet. 43 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Eine Stadtstrategie Räumliche Ebene Agglomerationskonzept Das „Agglomerationskonzept“ ist ein räum liches Zielbild für eine balancierte Entwick lung der Region Köln/Bonn im Zeithorizont bis 2040. Handlungsleitend war die Frage, wie ein guter Raumzustand der sich dyna misch verändernden Agglomeration Region Köln/Bonn im Jahr 2040 aussehen und ein konkreter, umsetzungsorientierter Weg dorthin gestaltet werden könnte. Da das Agglomerationskonzept auch wichtige Impulse für die Entwicklung der Stadt Köln und ihres Umlands formuliert, wird in der Stadträumlichen Perspektive mehrmals darauf Bezug genommen. Innenstadt Die Innenstadt bezeichnet den linksrhei nischen Kern der Stadt Köln innerhalb des Inneren Grüngürtels und den rechtsrheini schen Stadtteil Deutz. Innere Stadt Die „innere Stadt“ bezeichnet den Bereich Kölns zwischen Innerem und Äußerem Grüngürtel. Äußere Stadt Die „äußere Stadt“ bezeichnet den Bereich Kölns außerhalb des Äußeren Grüngürtels. Innerer Grüngürtel Bezeichnet den Bereich des Grünsystems um die Innenstadt. Äußerer Grüngürtel Bezeichnet den Bereich des Grünsystems zwischen innerer und äußerer Stadt. Die 360Grad Perspektive – Rahmenbedingungen, Entwicklungstrends, Aufgaben und Herausforderungen für Kölns Zukunft – Zielgerüst: Leitsätze und Ziele für die künftige Kölner Stadtentwicklung Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive Bevölkerungswachstum, demografscher Wan del, Klimawandel, Klimaschutz, ökonomischer Strukturwandel, Digitalisierung, Globalisie rung: Die Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ soll den Kompass für eine zukunftsge richtete, strategische und nachhaltige Stadt entwicklung bilden. Dabei gilt es, die Chancen künftiger Herausforderungen zu nutzen und ihre Wechselwirkungen zu erkennen, um sie aktiv gestalten zu können. Um diesen umfassenden Anforderungen gerecht zu werden, wurde ein zweistufges Verfahren mit mehreren Bearbeitungsschritten entwickelt. Der erste Teil der „Kölner Pers pektiven 2030+“ – die sogenannte 360Grad Perspektive – beschäftigt sich dabei mit den vielfältigen Stadtentwicklungsthemen, die für Köln relevant sind, und baut darauf basierend ein Zielgerüst auf, an dem sich die Entwick lung Kölns in den nächsten Jahren orientieren soll. 45 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive 46 Die 360GradPerspektive Rahmenbedingungen, Entwicklungstrends, Aufgaben und Herausforderungen für Kölns Zukunft 47 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive Der Blick in die Zukunft zeigt, dass Köln vor vielfältigen Herausforderungen steht. Die Stadt hat sich insbesondere der Nachhaltigkeit verpfichtet und in dem Zuge die „Internatio nalen Ziele für eine nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen“ (SDG) zum Rahmen des eigenen Handelns erklärt. Vor diesem Hintergrund sind die SDG auch für die „Kölner Perspektiven 2030+“ ein zentraler Ausgangs punkt. Eine weitere wesentliche Leitlinie für die zukünftige Stadtentwicklung ist die „Leipzig Charta“ – sie defniert zentrale Werte für die nachhaltige Entwicklung europäischer Städte. Auch sie enthält wichtige Impulse, die von der Stadtstrategie aufgegriffen werden. Häufg beziehen sich Stadtstrategien vor allem auf sich bereits deutlich abzeichnende Ent wicklungen – Köln dagegen blickt nicht nur ins „Morgen“, sondern wagt den Blick ins „Über morgen“. Ziel ist es, die großen Trends der Zukunft bereits heute bei der Entwicklung der Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ zu berücksichtigen. Als Basis hierfür dient das Forschungsprojekt des Bundesinstituts für Bau, Stadt und Raumforschung mit dem Titel „Nachdenken über die Stadt von übermorgen“. Aus den übergeordneten Herausforderungen, die sich aus den SDG, der Leipzig Charta und den Trends von übermorgen defnieren lassen, und dem Status quo Kölns kann anschließend ein tragfähiges Gerüst an Zielen für die zukünf tige Entwicklung der Stadt festgelegt werden. Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive 48 Die Sustainable Development Goals Die Sustainable Development Goals (SDG) oder „17 Ziele für eine nachhaltige Entwick lung“ wurden 2015 im Zuge der Agenda 2030 der Vereinten Nationen erarbeitet und sind zum 1. Januar 2016 in Kraft getreten. Sie umfassen 17 Ziele und 169 Unterziele für eine nachhaltige Entwicklung in sozialer, ökonomischer und ökologischer Hinsicht. Die Stadt Köln hat sich mit Ratsbeschluss vom 28. September 2017 der Resolution für eine nachhaltige Entwicklung in Kommunen angeschlossen. Die Grundzüge der SDG fn den sich in dem Zielgerüst der Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ wieder. Die Umsetzung der SDG ist ein zentrales Ziel der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie und geht damit auch auf die Länder und Kom munen über. Durch das Ziel 1 1 „Städte und Siedlungen inklusiv, sicher, widerstandsfähig und nachhaltig gestalten“ sind die Städte und Kommunen gefragt, Verantwortung zu übernehmen, und somit wichtiger Bestandteil der nachhaltigen Entwicklung. Mit der Stadt strategie „Kölner Perspektiven 2030+“ werden die globalen Ziele auf lokaler Ebene in Köln umgesetzt und damit in das Bewusstsein und Handeln aller städtischen Akteurinnen und Akteure verankert. 49 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive Hierfür ist eine enge Zusammenarbeit zwi schen lokaler Verwaltung, Privatwirtschaft und Zivilgesellschaft notwendig sowie effektive Partnerschaften und Instrumente für inklusive Planungs und Beteiligungsprozesse. Die globale „Agenda 2030“ enthält eine starke Fokussierung auf die gemeinsame Verantwortung aller Staaten, stellt aber auch die besondere Verantwortung des „globalen Nordens“ gegenüber dem „globalen Süden“ heraus. Durch zum Beispiel eine Reduzierung der Umweltbelastungen oder eine Steigerung der Luftqualität kann lokal zu globalen Effek ten beigetragen werden. Außerdem fordert die Agenda leistungsfähige, demokratische und fnanziell handlungsfähige Strukturen auf lokaler Ebene ein. Köln nimmt am Programm „global nach haltige Kommunen NRW“ teil, welches die Erstellung von Nachhaltigkeitskonzepten für Kommunen begleitet. Es wurde sich bewusst entschieden, kein eigenständiges Nachhaltig keitskonzept für Köln zu erarbeiten, sondern die Nachhaltigkeitsziele der SDG als Richt schnur für die Erarbeitung der Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ zu verwenden. Richtschnur deshalb, weil die umfangrei chen Zielsetzungen der SDG mit den „Kölner Perspektiven 2030+“ nicht erreicht werden können. Die Stadtstrategie hat sich aber zum Ziel gesetzt, den Weg für eine nachhaltigere Entwicklung zu bereiten. Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ 50 Übersicht der SDG Armut in jeder Form und überall beenden Den Hunger beenden, Ernährungssicherheit und eine bessere Ernährung erreichen und eine nachhaltige Landwirtschaft fördern Ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewährleisten und ihr Wohlergehen fördern Inklusive, gerechte und hochwertige Bildung gewährleisten und Möglichkeiten des lebenslangen Lernens für alle fördern Geschlechtergerechtigkeit und Selbstbestimmung für alle Frauen und Mädchen erreichen Verfügbarkeit und nachhaltige Bewirtschaftung von Wasser und Sanitärversorgung für alle gewährleisten Zugang zu bezahlbarer, verlässlicher, nachhaltiger und zeitgemäßer Energie für alle sichern Dauerhaftes, inklusives und nachhaltiges Wirtschaftswachstum, produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdige Arbeit für alle fördern Eine belastbare Infrastruktur aufbauen, inklusive und nachhaltige Industrialisierung fördern und Innovationen unterstützen 51 Ungleichheit innerhalb von und zwischen Staaten verringern Städte und Siedlungen inklusiv, sicher, widerstandsfähig und nachhaltig gestalten Für nachhaltige Konsum und Produktionsmuster sorgen Umgehend Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und seiner Auswirkungen ergreifen Ozeane, Meere und Meeresressourcen im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung erhalten und nachhaltig nutzen Landökosysteme schützen, wiederherstellen und ihre nachhaltige Nutzung fördern, Wälder nachhaltig bewirtschaften, Wüstenbildung bekämpfen, Bodenverschlechterung stoppen und umkehren und den Biodiversitätsverlust stoppen Friedliche und inklusive Gesellschaften im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung fördern, allen Menschen Zugang zur Justiz ermöglichen und effektive, rechenschaftspflichtige und inklusive Institutionen auf allen Ebenen aufbauen Umsetzungsmittel stärken und die globale Partnerschaft für nachhaltige Entwicklung wiederbeleben Quelle: „Sustainable Development Goals“, Beschluss der Vollversammlung der Vereinten Nationen, 2015 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive 52 Die Ziele der Leipzig Charta 2007 wurde die „Leipzig Charta zur nachhal tigen europäischen Stadt“ unter breiter und transparenter Beteiligung der europäischen Interessensvertretungen erarbeitet, um eine Grundlage für die zukünftige Stadtpolitik in Europa zu schaffen. Die Werte der Leip zig Charta fnden sich in dem Zielgerüst der Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ wieder. Dabei sollen zwei Hauptpunkte zukünftig be sondere politische Beachtung fnden: 1. Die „integrierte Stadtentwicklung“ orien tiert sich an den Zielen der Nachhaltigkeit und wird bürgerorientiert und fachüber greifend konzipiert. 2. Benachteiligte Stadtgebiete werden im gesamtstädtischen Zusammenhang durch eine soziale Integrations und Wohnraum politik gefördert. Alle 27 der damals in der Europäischen Union für Stadtentwicklung zuständigen Ministerin nen und Minister haben sich zur Umsetzung dieser Hauptpunkte verpfichtet. Grundlage dafür ist ein gemeinsames Stadtbild – das Mo dell „Europäische Stadt“. Dieses zeichnet sich durch eine kompakte und nutzungsgemischte Stadtstruktur, kulturelle und bauliche Qualitäten, lebendige öffentliche Räume, qualitätsvolle Parks, eine stadtverträg liche Mobilität sowie eine hohe soziale Mi schung und Integration aus. Als Metropole im Zentrum Europas mit im Mittelalter gewach senem Stadtkern ist auch Köln eine typische europäische Stadt. Im Zuge der Leipzig Charta soll dieses Modell geschützt, gestärkt und weiterentwickelt werden. Dazu gehören im Sinne des Grundsatzes der integrierten Stadtentwicklungsplanung die Modernisierung der Infrastrukturnetze und 53 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive Steigerung der Energieeffzienz, eine aktive Innovations und Bildungspolitik sowie die Herstellung und Sicherung qualitätsvoller öffentlicher Räume. Eine Förderung benachteiligter Stadtquartiere impliziert die Verstetigung städtebaulicher Aufwertungsstrategien, die Stärkung der loka len Wirtschaft und des Arbeitsmarktes, eine aktive Bildungs und Ausbildungspolitik sowie die Förderung eines leistungsstarken und preisgünstigen Stadtverkehrs. Ziel der Charta von Leipzig ist es, den europäi schen Städten zu ermöglichen, gut auf die sich wandelnden sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Rahmenbedingungen auf Ebene der Stadtentwicklung reagieren zu können. Da sich die Rahmenbedingungen und Herausfor derungen der Städte in den letzten 13 Jahren verändert haben, wird die Leipzig Charta der zeit überarbeitet und um Aspekte wie Digita lisierung, gerechtere Wohn und Bodenpolitik oder Aufgaben wie die stärkere Verzahnung von Quartier, Gesamtstadt und Umland er gänzt. Auch neue Rahmenbedingungen wie das Pariser Klimaschutzabkommen oder der Pakt von Amsterdam spielen eine Rolle. Im Rahmen eines Dialogprozesses auf deutscher und europäischer Ebene soll sie bis Ende 2020 neu geschrieben sein. Die Merkmale der europäischen Stadt Hohe Mitbestimmung der Bürger und Bürgerinnen – Verantwortungsgefühl & Engagement für die Gegenwart & Zukunft der S tadt aufbauen – Interessen gleichzeitig und fair abwägen, damit zukünftige Stadt planung ein Ergebnis öffentlicher Prozesse ist – Verschiedene Akteure durch integrierte Stadtentwicklungspolitik beteiligen, deren Vernetzung stärken und überregionale Partner schaften fördern – Öffentliche und private Projekte abstimmen und fördern Kompakte und nutzungsgemischte Stadtstruktur – Vermischung von Wohnen, Arbeiten und Freizeit stärken – Soziale und wirtschaftliche Stärke, Sicherheit und Attraktivität fördern – Öffentlichen Nahverkehr und alternative Verkehrsmittel stärken – Motorisierten Individualverkehr und Oberfächenversiegelung verringern Kulturelle und bauliche Qualität – Bauliche Qualität von Bestand und Neubau verbessern – Qualitative Baukultur als strukturpolitisches Instrument des Standortwettbewerbs integrieren – Gestalterische und bauliche Verbesserung des Gebäudebestands in benachteiligten Quartieren vornehmen und damit auch soziale und kulturelle Lebensqualität vor Ort aufwerten 54 Nachhaltige öffentliche Räume und Mobilität – Energieeffzienz in baulicher Qualität von Bestand und Neubau als Beitrag zum Klimaschutz anheben – Lebensqualität vor Ort durch städtebauliche Verbesserung stärken – Motorisierten Individualverkehr durch preisgünstigen und leistungs starken, öffentlichen Nahverkehr sowie alternative Verkehrsmittel als Beitrag zum Klimaschutz verringern Hohe soziale Mischung und Integration – Benachteiligte Stadtteile fördern – Bildungs und Förderungsangebote schaffen – Soziale Ausgeglichenheit und wirtschaftliches Wachstum durch soziale und kulturelle Integration schaffen – Integration als Hauptaufgabe internationaler Angleichung begreifen – EU als Sozialraum und Wertegemeinschaft konkretisieren 55 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive 56 Die Trends von übermorgen Die Zukunft der Städte ist zentraler Bestand teil vieler öffentlicher Debatten. Dennoch berücksichtigen nur wenige Stadtstrategien explizit die schon heute auszumachenden Zukunftstrends. Welche Wirkung werden diese Trends auf verschiedene Raumtypen wie beispielsweise eine Metropole, eine Landgemeinde, ein innerstädtisches Wohn gebiet oder ein peripheres Industrieareal entfalten? Köln denkt einen Schritt weiter. Die Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ soll nicht nur heute bereits gut vor hersehbare Entwicklungen in naher Zukunft, sondern auch zukünftige Trends in die Über legungen einbeziehen. Einen Orientierungsrahmen hierfür bietet das Forschungsprojekt „Nachdenken über die Stadt von übermorgen“. In interdisziplinären Teams wurden im Auftrag des Bundesinstituts für Bau, Stadt und Raumforschung (BBSR) unter Beteiligung von Expertinnen und Exper ten des Bundes von einer Forschungsgemein schaft (urbanista, Futur A, burgdorffstadt, Universität Kassel) Trends mit Relevanz für die Stadtpolitik von übermorgen identifziert. 150 Einzeltrends, die eine gewisse Robustheit aufweisen, somit auch in Zukunft von Relevanz sein werden und Einfuss auf die Entwicklung der Städte nehmen, wurden identifziert und anhand ihrer Wirkkontexte zu „Trendmolekü len“ zusammengefasst. Die unterschiedlichen „Trendmoleküle“ rei chen von Algorithmisierung über die Verände rung politischer Entscheidungsprozesse, ein neues Gesundheitsbewusstsein und Migration bis hin zur Verdichtung der Städte und haben dementsprechend individuelle Auswirkungen auf verschiedene Bereiche der Stadt. Die Aus wirkungen der Trends lassen sich, siehe Grafk auf den folgenden Seiten, aufschlüsseln nach räumlichen Auswirkungen, Auswirkungen auf die soziale und technische Infrastruktur sowie gesellschaftlichen Auswirkungen. Der Blick auf die Trends und damit die Stadt von übermorgen bietet einen Ausblick – durch Zukunftserzählungen mit Blick auf städtische Einfussfaktoren werden verschiedene Ent wicklungspfade sichtbar, anhand derer Städte Weichenstellungen für die Zukunft treffen können. Die Betrachtung der Trends der Stadt von übermorgen bietet somit die Chance, eine Perspektive über den gewöhnlichen Zeitraum von 20 bis 30 Jahren hinaus zu entwickeln. Maßnahmen für eine nachhaltige Entwicklung müssen über die nahe Zukunft hinausgedacht werden. In diesem Sinne sind die Trends von übermorgen eine weitere wichtige Grundlage für die Stadtstrategie. 57 © Samuel Zeller on unsplash Ein Blick ins Übermorgen Die virtuelle Realität und Digitalisierung sind Trends in der Stadtentwicklung. Sogenannte VR-Brillen (Brillen für virtuelle Realität), wie sie die Person auf dem Foto trägt, sind Teil dieser Trends. Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive 58 Die 16 Trendmoleküle und ihre Auswirkungen auf die verschiedenen Bereiche der Stadt #1 MenschMaschineLeben Das Zusammenleben von Mensch und Maschi ne verschränkt sich auf zwei Ebenen. Einer seits übernehmen Maschinen immer mehr und wichtigere Rollen in der Gesellschaft und werden zunehmend lernfähig (KI). Andererseits kommt es zu einer Verschränkung des mensch lichen Organismus mit Maschinen durch Er satzteile, aber auch Erweiterungen und Vernet zung mit dem menschlichen Körper. Raum Infrastruktur Gesellschaft #2 Länger leben, länger aktiv sein Durch hohen Lebensstandard und ein stei gendes Gesundheitsbewusstsein steigt die Lebenserwartung weiter an – bei zugleich geringerer Geburtenrate altert die deutsche Gesellschaft fortlaufend und ältere Men schen bleiben länger aktiv. Versorgungs und Gesundheitssysteme, aber auch Stadträume und persönliche Lebensweisen müssen ange passt werden. Raum Infrastruktur Gesellschaft #3 Hypervielfalt Die Vielfalt an Lebensstilen, kulturellen Prä gungen und Rollen/Rollenverständnissen nimmt immer mehr zu und die Gesellschaft differenziert sich entsprechend weiter aus. Gleichzeitig sind Individuen zunehmend on line sichtbar und vernetzt. Raum Infrastruktur Gesellschaft #4 Ausdifferenzierung der Produk tionsund Distributionsprozesse Wie die Lebensstile der Menschen werden auch ihre Anforderungen an Produkte und Dienstleistungen individueller. Bedarfsge rechte Stückzahl1Fertigung wird möglich. Saubere, leise und hochtechnisierte Produk tion, zum Beispiel 3DDruck, kehrt, auch ge stapelt und im Nutzungsmix, in die urbanen Räume zurück. Auch die Logistik wird immer ausdifferenzierter, Waren und Güter sind jederzeit verfügbar. Raum Infrastruktur Gesellschaft 59 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive #5 Virtuelle Durchdringung der Realität und Digitalleben Virtuelle Welten halten durch mobile und alltagstaugliche MixedRealityTechnologien zunehmend Einzug in die uns umgebende Realität. Dies hat Einfluss auf die Gestaltung der Alltagswelten, Einkaufsverhalten, virtuelle Kunst und Kulturangebote und vieles ande res mehr. Raum Infrastruktur Gesellschaft Raum Infrastruktur Gesellschaft #6 Verschiebung von Entscheidungs und Gestaltungsmacht Verwaltungshandeln basiert immer mehr auf Regulierungen auf höheren Ebenen. Auch viele wichtige ökonomische Entscheidun gen werden nicht mehr auf lokaler Ebene getroffen. Finanzielle Engpässe können den Gestaltungsspielraum der Kommunen weiter einschränken. Um diesen Verlust an Gestal tungsmacht auszugleichen, sucht die Verwal tung offensiv die Zusammenarbeit mit Bürge rinnen und Bürgern sowie privaten Akteuren. Raum Infrastruktur Raum Infrastruktur Gesellschaft #7 Superbauen „Supermaterialien“ eröffnen neue Möglich keiten für effizientes, kreatives, ökologisches und kostengünstiges Bauen. Von Gebäuden, die sich anpassen können und Daten auswer ten, über Baustoffe, die Energie erzeugen, bis hin zu vollständig im Kreislauf recycelbaren Materialien wird vieles möglich. #8 Aktiver Umweltschutz / Klimaanpassung Städte werden sich im Bereich Städtebau, Stadttechnik, aber auch bei den bisherigen Nutzungsmustern an die klimatischen Ver änderungen und neue Extrembedingungen anpassen müssen. Zugleich wächst auch das Verständnis für die eigene Verantwortung im Kontext der globalen klimatischen Verän derungen – der eigene Ressourcenverbrauch wird kritisch angepasst werden müssen. Gesellschaft Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive 60 #9 Algorithmisierung städtischer Systeme Echtzeitdaten, Algorithmen und Digitali sierung ermöglichen eine neuartige intelli gente und selbstlernende Organisation von Stadtver und Entsorgungssystemen sowie des Verkehrssystems. Vernetzungen von alltäglichen Tätigkeiten, möglich auch durch das „Internet der Dinge“, sowie multimodal vernetzte Verkehrsformen verändern die Alltagswelt in den Städten. #10 Gesundheit und Selbst optimierung als individuelle Aufgabe Das Gesundheitsbewusstsein steigt und kör perliche und geistige Fitness werden zum Statussymbol. Ob freiwillig oder nicht: Das Mo nitoring menschlichen Verhaltens, der Fitness und Gesundheit gehören zum Alltag. Persönli che Verantwortung spielt eine große Rolle, die Gefahr der Ausgrenzung oder Sanktionierung bei ungesundem Verhalten steigt. Gesunde Le bensverhältnisse werden zum wichtigen Faktor im globalen Standortwettbewerb. Gesellschaft #1 1 Ausdifferenzierung der Arbeits verhältnisse und steigendes Armuts risiko Klassische Normalarbeitsverhältnisse geraten unter Druck. Arbeit ist immer öfter befristet oder auf Projektbasis organisiert und Arbeits kraft wird individuell vermarktet. Was für Hochqualifizierte eine Chance darstellen kann, wird für viele zum erhöhten Armuts risiko. Feste Berufsstrukturen lösen sich auf. Raum Infrastruktur Gesellschaft Raum Infrastruktur Gesellschaft #12 Entgrenzung von Arbeit und Freizeit Arbeits, Wohn und Freizeitorte durchmischen sich immer mehr. Die permanente Erreichbar keit („alwayson“) führt zu einer Erhöhung von Stressfaktoren. Gleichzeitig kann – wenn die Ar beit Spaß macht – Verwirklichung ein positiver Effekt sein. Auf dem Weg in die Wissensgesell schaft ergeben sich neue Chancen für flexibles Arbeiten, klassische Hierarchien und Strukturen werden aufgebrochen, Kreativität und Persön lichkeit werden zu zentralen Faktoren. Raum Infrastruktur Raum Infrastruktur Gesellschaft 61 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive #13 Autoritätsverlust der Eliten und steigende Einflussnahme von Individuen Das Misstrauen gegenüber politischen und wirtschaftlichen Eliten wächst. Bürgerinnen und Bürger fordern ihr Recht auf Mitbestim mung ein und gewinnen an Macht und Ver antwortung. Engagement ist häufig anlass bezogen und verwehrt sich fester Strukturen. Kompetenzen, Fähigkeiten und (finanzielle) Möglichkeiten entscheiden darüber, wer wie viel Einfluss nimmt. Neue technologische Mit tel sind dabei wichtige Werkzeuge. Raum Infrastruktur Gesellschaft #14 Internationale Migration Flucht vor Gewalt, Krieg, Perspektivlosigkeit und der Klimakatastrophe bleiben zentrale Treiber der Migration. Die Disparität von Lebensverhältnissen nimmt zu und prekäre Lebensverhältnisse sind ein Massenphänomen. MegaCities und urbane Agglomerationen wachsen weiter stark und Stadtbevölkerungen werden immer diverser. Gesellschaft #15 Polarisierung zwischen und innerhalb von Städten/Regionen Während viele Städte von der Urbanisierung profitieren, gibt es gleichzeitig Verlierer dieser Entwicklung, was die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse bedroht: „Gewinnende“ Städte qualifizieren sich als erfolgreiche Met ropolen mit hohem Erlebniswert – „verlieren de“ hingegen sind, sowohl wirtschaftlich wie kulturell, vom Bedeutungsverlust bedroht. Raum Infrastruktur Gesellschaft #16 Reurbanisierung – Verdichtung der Stadt Anhaltender Zuzug von Menschen in attrak tive Städte und erschöpfte Baulandreserven forcieren weiteren Wohnungsmangel. Dabei gibt es ein Nebeneinander von Überhang und Knappheit (zum Beispiel Büro zu Wohnen, Luxus zu Sozial), und in der Stadt steigen die Immobilienwerte, während in der Peripherie Wertverluste zu verzeichnen sind. Gesellschaft Raum Infrastruktur Raum Infrastruktur Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive 62 Aufgaben und Herausforderungen für Kölns Zukunft Sustainable Development Goals, Leipzig Charta, die Trends von übermorgen: Was bedeuten die genannten Rahmenbe dingungen für Köln? Vor welchen Herausfor derungen steht die Stadt? Welche globalen Veränderungen adressiert sie auf lokaler Ebene schon heute? Das Wachstum nachhaltig gestalten – mit kompakten, durchmischten Quartieren Aktuelle Prognosen zeigen, dass die Zahl der Einwohnerinnen und Einwohner Kölns in den kommenden Jahren beständig wachsen wird. Bis 2040 rechnet die Stadt derzeit mit etwa 70.000 zusätzlichen Personen. Die Prognose des Landes NRW (IT.NRW) geht sogar von einem Plus von fast 170.000 Menschen aus. Neben zahlreichen positiven Aspekten wie ei nem größeren und vielfältigeren Arbeitsmarkt, einer höheren kulturellen Dichte und effzien teren Möglichkeiten der Mobilitätsinfrastruktur bringt das Stadtwachstum auch Reibungs punkte: Der steigende Bedarf an Wohnungen führt zu einem wachsenden Flächenverbrauch und zunehmenden Nutzungskonkurrenzen. Diese können beispielsweise zwischen Woh nen, Arbeiten, Gewerbe, Kultur, Bildung und Soziales, Grün und Freifächen sowie Verkehr auftreten. Ein ungesteuertes Wachstum ist in der Regel nicht mit den Zielen einer nachhalti gen Entwicklung vereinbar. Welche Richtung diese Entwicklung für die Stadt Köln nimmt, hängt also besonders davon ab, wie das Wachs tum gesteuert und gestaltet wird. Kölns historische Stadtstruktur ist vor allem in seinen zentralen Bereichen bereits ein Para debeispiel für eine europäische Stadt im Sinne der Leipzig Charta: Kompakte und gemischte Stadtquartiere, hohe bauliche und kulturelle Qualitäten sowie eine hohe soziale Mischung sind in vielen Teilen der Stadt zu fnden. Diese gilt es, zu erhalten und zu stärken und in weite ren Veedeln herzustellen, die noch nicht über diese Eigenschaften verfügen. Köln verfolgt dieses Ziel bereits mit einer Vielzahl an Konzep ten, Planungen und Programmen. Für Köln bedeutet das Stadtwachstum eine große Herausforderung, die unter nachhalti gen Aspekten gesteuert und gestaltet werden muss. Dies gilt besonders auch für den Woh nungsbau. Die Stadt verfolgt dabei den durch das Baugesetzbuch (BauGB) festgelegten Vorrang der Innen vor der Außenentwicklung 63 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive und somit das städtebauliche Leitbild der kom pakten, nutzungsgemischten Stadt der kur zen Wege. Die zentrale Aufgabe ist es daher, durch eine dem lokalen Kontext angemessene Verdichtung das Angebot und die Mischung von Wohnen, Arbeiten, Freiraum und sozialer Infrastrukturen weiter zu stärken und dabei die Lebensqualität der Stadt zu wahren. Viele Stadträume durchlaufen aktuell tiefgreifende Transformationsprozesse, die es in Zukunft weiter – den Anforderungen entsprechend – zu gestalten gilt. Aufgrund von begrenzten Flächenpotenzialen können diese zum Beispiel in den Siedlungen der 1950er und 1960er Jahre, unter maßvollen und ökologisch vertret baren Aspekten, fortgeführt werden. Auch die Konversion aus der Nutzung gefallener Areale und das Bauen am Innenstadtrand werden weiter im Fokus stehen. Voraussetzungen für eine nachhaltige Mobilität schaffen – durch Stärkung des Umweltverbundes Mit dem Wachstum von Bevölkerung und Ar beitsplätzen sowie der zunehmenden Individu alisierung und Komplexität der Lebensbedin gungen steigt auch die Vielzahl und Vielfalt der alltäglichen Wege, die an sie gestellten Flexibi litätsanforderungen und damit der Bedarf nach Mobilität. Diese wird in Köln – wie in vielen anderen Städten auch – nach wie vor zu einem Großteil über den motorisierten Individual verkehr (MIV) abgewickelt. Dieser ist nicht nur für rund ein Viertel der gesamten städtischen Emissionen von Treibhausgasen verantwort lich, sondern belegt mit dem fießenden und ruhenden Verkehr einen großen Teil des öffent lichen Raums in der Stadt. Alle Verkehrsfächen Kölns belegen zusammen rund 16 Prozent des gesamten Kölner Stadtgebiets. Nur die bebaute Fläche und der Wald nehmen mehr Raum in Anspruch. Die Auswirkungen dieses Flächenverbrauchs sind in der inneren Stadt sowie entlang der großen Stadtachsen deutlich sicht und spürbar. Der Notwendigkeit einer drastischen Redukti on der Emissionen im Verkehrssektor stehen in Köln die noch immer steigenden jährlichen PkwZulassungen gegenüber. Mit einem stei genden Anteil an Fahrzeugen mit alternativen Antrieben lässt sich die Schadstoffbelastung in der Luft zwar lokal senken, die mit den aktu ellen Mobilitätsbedürfnissen einhergehenden Kapazitätsengpässe der bestehenden Infra strukturen werden damit aber nicht behoben. Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive 64 Denn auch Fahrzeuge, die alternativ, beispiels weise elektrisch, angetrieben werden, verbrau chen den gleichen Raum und Parkraum wie herkömmliche Pkw. EAutos spielen im künftigen Mobilitätsmix vor allem dann eine Rolle, wenn sie komplett mit erneuerbarem Strom fahren, kompakt gestal tet sind und intelligent genutzt werden – also einen hohen Besetzungsgrad aufweisen und mit weiteren Verkehrsmitteln vernetzt sind. Mit der Mobilitätsstrategie Köln Mobil 2025 hat sich die Stadt zum Ziel gesetzt, den moto risierten Individualverkehr auf ein Drittel des Aufkommens zu reduzieren und den Umwelt verbund aus nichtmotorisiertem Individual verkehr (zum Beispiel Fuß und Radverkehr) und öffentlichem Nahverkehr auf zwei Drittel zu erhöhen. Sie setzt dabei auf intermodale Angebote und den Ausbau des schienenge bundenen Personennahverkehrs. Die bereits getroffenen Maßnahmen haben dazu geführt, dass der MIVAnteil zwischen 2006 und 2017 von 43 auf 35 Prozent vor allem zugunsten des Radverkehrs gesunken ist. Betrachtet wurden dabei zurückgelegte Wege an Werktagen. Eine große Herausforderung für eine weitere Reduktion des MIV sind aber auch die zahlrei chen Einpendlerinnen und Einpendler, die in dieser Statistik nicht einberechnet werden. Im Jahr 2018 pendelten allein im Berufsverkehr täglich rund 345.000 Personen nach Köln, viele davon mit dem MIV. Um diese besser auf den bereits ausgelasteten ÖPNV umlenken zu können, ist der Ausbau des Bahnknotens Köln sowie zahlreicher SBahn und Stadtbahnlinien (u. a. im Rahmen der Kölner ÖPNVRoadmap) in Planung. Um eine nachhaltige Mobilität zu erreichen, wird es für Köln weiterhin eine der zentralen Aufgaben sein, den Umweltverbund konse quent zu stärken. Dafür müssen einerseits die Kapazitäten des ÖPNV und insbesondere des schienengebundenen ÖPNV weiter erhöht werden. Andererseits ist die Infrastruktur für ÖPNV sowie Rad und Fußverkehr in der Stadt auszubauen, was eine Reduktion von Flächen für den MIV aufgrund begrenzter Flächen un vermeidbar machen wird. Diese Herausforderung muss Köln sowohl politisch als auch in Zusammenarbeit mit der Region angehen und dabei auch neue Möglichkeiten in der Verkehrssteuerung oder bepreisung nutzen. Ebenso sind neue Ange bote der kollektiven und geteilten Mobilität zu fördern, die eine Entwicklung weg vom priva ten Pkw ermöglichen und damit zusätzlich Flä chen in der Stadt freigeben. Eine wesentliche 65 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive Voraussetzung für eine nachhaltige Mobilität ist die Entwicklung kompakter und gemischter Stadtquartiere im Sinne der Leipzig Charta, die es ermöglichen, viele Wege zu Fuß oder mit dem Rad zurückzulegen. Mehr, älter, bunter – Inklusion und gleichwertige Teilhabe für alle ermöglichen Neben dem Bevölkerungswachstum verändert sich auch die demografsche Struktur der Köl ner Gesellschaft stetig: Die Kölnerinnen und Kölner werden älter und bunter. Die Lebens erwartung beträgt aktuell (2017) für Kölnerin nen 83,5 und für Kölner 79 Jahre. Gleichzeitig wird es, trotz einer im Schnitt alternden Gesell schaft, zukünftig wieder mehr Kinder und Ju gendliche geben. Einige Trends deuten zudem auf eine sich immer weiter ausdifferenzierende Gesellschaftsstruktur hin. Auch Migration spielt für Köln eine wichtige Rolle. Als globales Thema lässt sich schwer prognostizieren, welche Herausforderungen die Stadt hier in Zukunft erwarten. Entspre chend der SDG und der Leipzig Charta ist die Inklusion dieser vielfältigen Bevölkerungs gruppen ein wichtiges Ziel. Die Vielfalt der Gesellschaft mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen und Besonderheiten muss in allen Bereichen abgebildet und deren Teilhabe ermöglicht werden. Trotz eines hohen Bruttoinlandsprodukts pro Kopf bezieht ein hoher Anteil der Kölner Ge sellschaft Leistungen aus der Grundsicherung. Die hohe Anzahl an Kindern, die leistungsbe rechtigt nach SGB II sind, macht dieses Thema auch zu einer Frage der Kinder und Jugendför derung. Ebenfalls der Anteil der Seniorinnen und Senioren, die Grundsicherung erhalten, liegt in Köln überdurchschnittlich hoch. Die Kinder und Altersarmut sind daher große lokale Herausforderungen. Die sozialen Ungleichheiten variieren stark in den verschiedenen Quartieren. Die Leipzig Charta fordert die Städte auf, diese besonders benachteiligten Stadtquartiere im Blick zu behalten. Bildung, Teilhabe, Mitwirkung und Integration bilden die wichtigsten Grundpfei ler, um dieser Entwicklung weiter entgegenzu steuern. Um lebenswerte Veedel für alle Bürgerinnen und Bürger zu schaffen, setzt Köln schon heu te, gezielt darauf, die Lebensbedingungen in den benachteiligten Quartieren zu verbessern. Hierzu nutzt die Stadt interdisziplinäre Ansät ze, die Angebote aus verschiedenen Bereichen, Ämtern und Fachressorts koordinieren und zusammenführen. Ein wichtiges räumliches Werkzeug sind hierbei die Sozialraumgebiete, in denen der interdisziplinäre und querver Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360-Grad-Perspektive 66 netzte Ansatz der Sozialraumorientierung seit 2006 angewendet wird. Sozialräume weisen besondere Handlungserfordernisse und Un- terstützungsbedarfe auf und sind im Vergleich zur Gesamtstadt überdurchschnittlich stark von sozialer Benachteiligung und Armut be- troffen. Der Rat hat im Dezember 2019 die Er- weiterung des Programms auf nun insgesamt 15 Sozialraumgebiete beschlossen. Darüber hinaus existiert eine Vielzahl an An- geboten und Treffpunkten, beispielsweise die Bürgerhäuser und -zentren, die von verschie- denen Bevölkerungsgruppen angenommen werden. Bildung und Teilhabe in den Veedeln fördert Köln durch den verstärkten Schulbau sowie zahlreiche Angebote für Weiterbildung, Bewegung und Sport. Einkommensschwächere Familien sollen mehr unterstützt werden, um allen Kindern früh- zeitig eine gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen. Eine wichtige Ba- sis hierfür muss durch die stärkere Förderung inklusiver und bedarfsgerechter Bildungsange- bote geschaffen werden. Seit vielen Jahren setzt sich Köln für Gleich- stellung, Diversität und eine vielfältige Ge- sellschaft ein. Wichtige Aspekte sind hierbei unter anderem die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund, die Sichtbarkeit und Akzeptanz von LSBTIQ, die Teilhabe von Menschen mit Behinderung und die möglichst lange Teilhabe von älteren Menschen. In all diesen Bereichen hat Köln Vertretungen, Räte und Arbeitsgemeinschaften eingerichtet und betreibt aufsuchende Arbeit für die Einbin- dung der verschiedenen Zielgruppen. Es ist auch zukünftig eine Herausforderung für die Stadt Köln, mehr Inklusion und Teilhabe für alle, insbesondere für Ältere, Ärmere, Schwä- chere und Kinder, zu ermöglichen. Der Zusam- menhalt zwischen den unterschiedlichen Ge- nerationen und den verschiedenen ethnischen und sozialen Gruppen soll sichergestellt und weiter verbessert werden, um sozial durch- mischte und sichere Stadtquartiere mit hoher Lebensqualität schaffen zu können. Denn besonders die Veedel übernehmen in Zeiten des Wachstums eine wichtige integrative Rol- le, hier wird auf lokaler Ebene die Gesellschaft zusammengehalten. Ziel ist es, allen Menschen in Köln ein gesundes und gemeinschaftliches Leben im Quartier zu ermöglichen. Hierzu gehört eine Stärkung und Ausbau von Pfegeeinrichtungen, Netzwerken, Begegnungsmöglichkeiten, Beratungs- und Entlastungsdiensten und Kulturangeboten sowie eine bedarfsgerechte Daseinsvorsorge. 67 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive Die Angebote müssen dabei auf die unter schiedlichen Bedarfe und Anforderungen der vielfältigen Bevölkerung (unter anderem Pfegebedürftige, Menschen mit Behinderung, Migrationshintergrund oder LSBTIQOrientie rung) sensibel zugeschnitten werden. Klimanotstand – Klima schützen und an den Klimawandel anpassen Einschneidende klimatische Veränderungen werden auch das Leben in Köln in Zukunft im mer stärker prägen. Der Temperaturanstieg in den Sommermonaten ist bereits heute deut lich messbar. In der Aktualisierung der Leipzig Charta wird beim Klimaschutz die stärkere Verknüpfung der globalen und lokalen Ebene gefordert. Die Stadtentwicklung vor Ort muss zur Verwirklichung der globalen Zielvorgaben beitragen. Auch die SDG fordern, umgehend Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawan dels und seiner Auswirkungen zu ergreifen. Als zentralen Handlungsschritt hat der Stadt rat im Juli 2019 den Klimanotstand ausgeru fen und sich dem Ziel der Eindämmung des vom Menschen verursachten Klimawandels verpfichtet. Köln strebt in diesem Zuge die Klimaneutralität an. Das Ziel der Stadt ist, bis 2030 die CO 2Emis sionen gegenüber 1990 um 50 Prozent zu reduzieren. Ein ambitioniertes Ziel, welches großer Anstrengungen bedarf. Maßgabe ist, die Folgen des Klimawandels zu begrenzen und gleichzeitig durch innovative Lösungen Lebensqualität sicherzustellen. Die konkreten Maßnahmen hierfür sind vielfältig und lassen sich zum einen in Klimaschutz und das Ziel der CO 2Reduktion sowie zum anderen in Klima anpassung im Sinne der Sicherung von Lebens qualität unterscheiden. Wichtige Aspekte beim Klimaschutz sind zum Beispiel die Energieversorgung, die Wirtschaft und Industrie, der Mobilitäts und der Gebäu desektor, aber auch SmartCityTechnologien, in denen der Stadt Köln vielfältige Handlungs ansätze zur Verfügung stehen. Besonders im Verkehrsbereich strebt Köln einen Wandel an. Modellprojekte wie die „Klimastraße“ wurden bereits von der Klimaschutzstelle initiiert. Auch regional wird über das Agglomerationskonzept KölnBonn mit einer Klimawandelvorsorgestra tegie das Thema in den Fokus gestellt. Ein weiteres Rückgrat für den Klimaschutz und die Klimaanpassung bilden die wertvollen blaugrünen Strukturen. Das Grünsystem mit seinen beiden Grüngürteln und den tief in die Stadt hineinreichenden grünen Fingern sind für die Versorgung mit Kaltluft sowie für die Kühlung der Stadt von unschätzbarem Wert. Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive 68 Der Erhalt und die Stärkung dieses Grünsys tems sowie seine Erweiterung in die Region wird von der Stadt bereits heute aktiv verfolgt. Gleiches gilt für den Rhein, der sowohl durch die große Wassermenge für Kühlung sorgt und als Freifäche und Kaltluftstrom für das Mikroklima von großer Bedeutung ist. Vor allem die Modernisierung der Infrastruk turnetze und die Steigerung der Energieeff zienz in der Stadt sind weiter voranzutreiben, wie es die Leipzig Charta fordert. Köln muss in Zukunft stärker denn je auf drei Ebenen an setzen: Erstens gilt es, Gesetze und Vorgaben von Bund und EU umzusetzen. Zweitens tritt die Stadt als Beraterin und Dienstleisterin auf. Drittens setzt Köln im eigenen Einfussbereich konkrete Maßnahmen um. Aktuell beste hen Handlungsbedarfe zum Beispiel bei der Luftreinhaltung und beim Lärmschutz. Ins besondere in Emissionshotspots mit großen Überschreitungen muss gehandelt werden. Eine große Herausforderung ist, trotz Stadt wachstum Freiräume, Böden und Gewässer zu schützen und die Flächennutzungsziele einzu halten. Außerdem gilt es, die Stadt resilienter gegenüber dem Klimawandel zu machen, Daten besser zu nutzen und auch die Aspekte der Umweltgerechtigkeit verstärkt in den Blick zu nehmen. Um den CO 2Ausstoß nachhaltig zu begrenzen, müssen aber vor allem Erfolge in der Industrie, bei privaten Haushalten und im Verkehrssektor erzielt werden. Globales, smartes Köln – Digitalisierung und Globalisierung schlau nutzen Die Möglichkeiten der Digitalisierung eröff nen neue Optionen für die Optimierung und Ausdifferenzierung städtischer Produktions und Distributionsprozesse. Darüber hinaus entstehen durch neue Datenverfügbarkeiten und digitale Steuerungsmöglichkeiten Poten ziale zur (Neu)Organisation von Stadtver und entsorgungssystemen sowie des Verkehrssys tems. Algorithmen sind in der Lage, in Echt zeit Planungs und Steuerungsprozesse auf diversen städtischen Ebenen zu unterstützen. So können zum Beispiel im Bereich der Ener gieproduktion und versorgung völlig neue Strukturen und Funktionalitäten entstehen, die einen besseren Lastenausgleich und effzi entere Energietransporte ermöglichen. Die Chancen für neue, digitale Kompetenzen, erneuerbare Energien, eine nachhaltigere Mobilität sowie neue Produktionsformen sind vielfältig und sollten für die Stadtentwicklung genutzt werden. So fördern die neuen Mög lichkeiten der urbanen Produktion auch kurze Wege und die Durchmischung von Quartieren: 3DDruck ermöglicht die Produktion nah am Endkunden; hoch technisierte, leisere und 69 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive sauberere Produktion fndet in mehrgeschos sigen Anlagen in dichten, gemischten Quartie ren Platz und bietet zudem die Möglichkeit für verstärkte, kürzere Vertriebskanäle zwischen Produzent und Verbraucher – Arbeit, Wohnen, Logistik und Vertrieb rücken so dichter und effzienter zusammen. Auch die Daseinsvor sorge, zum Beispiel im medizinischen Bereich, kann durch die Digitalisierung proftieren und Nachteile von bislang unterversorgten Stadt gebieten teilweise ausgleichen. Schon heute werden etliche SmartCity Technologien in Köln erprobt, um die Vorteile einer vernetzten Stadt zu nutzen. Ein beson deres Projekt stellt beispielsweise das För derprogramm „Smart City Cologne GO“ dar, das SmartCityProjekte fördert, die sowohl soziale als auch technologische Innovationen beinhalten. Schließlich zeichnen sich dem Projektansatz zufolge Smart Cities nicht durch Technologien allein, sondern besonders durch eine aktive Stadtgesellschaft aus, welche die „smarte Stadt“ entwirft, mitgestaltet und weiterentwickelt. Die Gestaltung des Lebens umfeldes im Sinne des Klimaschutzes und der Nachhaltigkeit wird somit gesellschaftlich verankert. Die Entwicklungen der technischen Innovatio nen und gesellschaftlichen Veränderungen werden Auswirkungen auf Arbeitswelt und da mit auch auf die Kölner Wirtschaft haben, die schon heute teilweise spürbar sind. Die große Branchenvielfalt in Köln macht den Wirt schaftsstandort resilienter gegenüber schwer vorhersehbaren künftigen Entwicklungen. Dennoch gilt es, die wirtschaftlichen Stärken Kölns weiter zu proflieren. Dafür wurden die sieben Kölner Kernmärkte (Informations und Kommunikationstechnologie, Kultur und Kreativwirtschaft, Destination Köln, Business City, Industrie, Logistik und Handel sowie Ge sundheit und Life Science) defniert. Um die zukünftigen Auswirkungen der Digi talisierung sowie der Wirtschaftsentwicklung zu gestalten und gewinnbringend für Köln nutzen zu können, gilt es daher auch zukünf tig, Chancen und Risiken vor dem Hintergrund der grundsätzlichen stadtentwicklungspoli tischen Ziele der Stadt Köln zu erkunden und besonnen wie mutig die Digitalisierung dort einzusetzen, wo sie der gesamten Stadtgesell schaft den größten Dienst erweisen. Verstärkt drängen private Anbieter in den gemeinwohl orientierten Servicesektor. Hier muss die Stadt sicherstellen, dass sie ihre Steuerungsfähigkeit beibehält und Stadt und Stadtgesellschaft über hohe digitale Kompetenzen verfügen. Dies kann beispielsweise über den Aufbau einer urbanen Datenplattform erfolgen. 72 74 75 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive 76 Die 360GradPerspektive Zielgerüst: Leitsätze und Ziele für die künftige Kölner Stadtentwicklung 77 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive Mit diesem Zielgerüst setzt die Stadt den stra tegischen Rahmen, der das städtische Handeln zukünftig leiten soll. Basierend auf einer umfassenden Stadtanalyse der thematischen Teams und den Heraus forderungen, welche die Stadt Köln vor dem Hintergrund globaler Trends und lokaler Frage stellungen in Zukunft erwarten (SDG, Leipzig Charta, Trends von übermorgen), wurden zentrale Kernthemen für die zukünftige Ent wicklung Kölns erarbeitet und in das Zielgerüst der „Kölner Perspektiven 2030+“ gegossen. Die Leitsätze bilden die oberste Ebene des Zielgerüsts. In fünf Leitsätzen defniert die Stadt, in welche Richtung sie ihre Entwicklung der nächsten Jahre lenken will. Die 27 Ziele konkretisieren die Leitsätze und formulieren Vorgaben für einzelne Bereiche der Stadtent wicklung. Sie zeigen auf, welche konkreten Vorgaben sich die Stadt Köln für eine nach haltige zukünftige Entwicklung setzt. Die Ziele sind nicht zwingend konfiktfrei. Bei der Umsetzung dieser Ziele kann es sein, dass die Stadt und die beteiligten Akteurinnen und Akteure abwägen müssen, welche der Ziele sie höher priorisieren. Die einzelnen Ziele werden durch unterschied liche Aspekte ergänzt, welche als „Hashtags“ formuliert sind. Diese Aspekte unterfüttern und detaillieren einerseits die Ziele um wichti ge Inhalte der Stadtentwicklung, andererseits formulieren sie auch erste Ansätze zur Zieler reichung. Das 1. Zukunftsforum sowie eine OnlineBeteiligung trugen maßgeblich dazu bei, das Zielgerüst zu schärfen und zu fnalisie ren. Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive 78 Leitsatz 1 Köln sorgt für kompakte und lebenswerte Quartiere. Ziel 1.1 Köln steuert seine Entwicklung aktiv im Einklang mit leistungsfähigen Mobilitäts angeboten und starken Zentren. Ziel 1.2 Köln geht mit der knappen Ressource „Fläche“ sorgfältig um. Ziel 1.3 Köln sichert und entwickelt seine Veedel zu Zentren des gemeinschaftlichen Lebens. Ziel 1.4 Köln sorgt für attraktive Parks, Plätze, Straßen und sichere öffentliche Räume. Ziel 1.5 Köln entwickelt seine Infrastruktur und öffentlichen Dienstleistungen bedarfsgerecht. Leitsatz 2 Köln schafft Raum für eine dynamische und nachhaltige Wirtschaft und für vielfältige Arbeitswelten. Ziel 2.1 Köln stärkt seinen breiten Wirtschaftsmix. Ziel 2.2 Köln baut seine Position als führende Wissenschaftsstadt aus. Ziel 2.3 Köln entwickelt gewerbliche und industrielle Standorte mit klarem inhaltlichen Profl. Ziel 2.4 Köln entwickelt Räume und Strukturen für die Kultur und Kreativwirtschaft. Ziel 2.5 Köln optimiert die Flächennutzung der Industrie und Gewerbegebiete und verbessert ihre Erreichbarkeit. Ziel 2.6 Köln integriert Erwerbsfähige dauerhaft in den ersten Arbeitsmarkt. Leitsatz 3 Köln sorgt für Bildung, Chancengerechtigkeit und Teilhabe. Ziel 3.1 Köln fördert die Vielfalt in den Stadtteilen. Ziel 3.2 Köln sorgt für bezahlbaren Wohnraum und vielfältige Wohnformen. Ziel 3.3 Köln setzt sich aktiv für eine inklusive Gesellschaft ein. Ziel 3.4 Köln fördert die kinder, jugend und familienfreundliche Stadt. Ziel 3.5 Köln fördert den Zugang zu Bildung und Qualifkation als Schlüssel zur Teilhabe. Ziel 3.6 Köln unterstützt das bürgerschaftliche Engagement und setzt auf breite Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger in der Stadtentwicklung. 79 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive Leitsatz 4 Köln stärkt seine Rolle als vielfältig vernetzte Metropole. Ziel 4.1 Köln entwickelt seine Mobilitätsangebote gemeinsam mit der Region innovativ und umweltverträglich weiter und stärkt den öffentlichen Nahverkehr. Ziel 4.2 Köln schafft mehr Raum für Rad und Fußverkehr. Ziel 4.3 Köln stärkt sein grünes Freiraumnetz und entwickelt es in die Region weiter. Ziel 4.4 Köln stärkt seine Rolle als Vorreiter in der Digitalisierung. Ziel 4.5 Köln stärkt die regionale Kooperation und die internationale Zusammenarbeit. Leitsatz 5 Köln wächst klimagerecht und umweltfreundlich und sorgt für gesunde Lebensverhältnisse. Ziel 5.1 Köln fördert Bewegung und Sport. Ziel 5.2 Köln sorgt für Zugang zur gesundheitlichen Versorgung, Gesundheitsförderung und Prävention für alle Lebenslagen. Ziel 5.3 Köln betreibt eine konsequente Klimawandelanpassung. Ziel 5.4 Köln betreibt aktiv Klimaschutz und reduziert seine CO 2Emissionen. Ziel 5.5 Köln stärkt regionale Wertschöpfungsketten und nachhaltige Stoffkreisläufe. Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive 80 Leitsatz 1 Köln sorgt für kompakte und lebenswerte Quartiere. 81 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive Die Kölner Veedel sind die alltägliche Lebens welt der Bürgerinnen und Bürger. Hier erweisen sich die ökologischen, sozialen, ökonomischen und kulturellen Qualitäten der Stadt. Nutzungsmischung und Polyzentralität sind zentrale Ausgangsbedingungen für diese Quali täten im urbanen Raum. Kompakte Strukturen mit einer guten Infrastrukturversorgung vor Ort ermöglichen kurze Wege und reduzieren den Verkehr; gleichzeitig kann auf diese Wei se der Flächenverbrauch verringert werden. Welches Maß an Dichte für solche kompakten Strukturen erzeugt werden muss, hängt dabei stets von den lokalen Bedingungen ab. Kölns schon vorhandene Qualitäten der urba nen Strukturen und attraktiven Freiräume sol len auch in Zukunft – vor dem Hintergrund des Stadtwachstums und weiterer Herausforde rungen – weiterentwickelt werden, damit die Stadt attraktiver Wohn und Arbeitsort bleibt. Für die stadtspezifsche Umsetzung dieser zentralen Qualitäten gilt es, insbesondere Ziele wie eine stadtverträgliche und leistungsfähige Mobilität, ein ausgewogenes Flächenmanage ment und eine nachhaltige Quartiersentwick lung zu verfolgen. Gleichzeitig muss die Ent wicklung attraktiver öffentlicher Räume sowie eine bedarfsgerechte Infrastrukturentwicklung berücksichtigt werden. Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive 82 83 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive # # # # # Ziel 1. 1 Köln steuert seine Entwicklung aktiv im Einklang mit leistungsfähigen Mobilitätsangeboten und starken Zentren. Kölns Wachstumskurs setzt sich fort: Dabei lastet der hohe Nachfragedruck aufgrund begrenzter Flächen nicht mehr nur auf den in nenstadtnahen Stadtteilen, sondern weitet sich auch zunehmend auf die gesamte Stadt und das Umland aus. So entstehen mehr Verkehr und neue Nutzungskonkurrenzen zwischen Wohnungsbau, Freifächenerhalt, sozialen Strukturen und ökonomischen Interessen. Dabei sind die Städte gefordert, eine nachhalti ge Entwicklung umzusetzen, mit ihren Flächen ressourcensparend umzugehen und die vom Verkehr ausgehenden Belastungen für die Um welt und die menschliche Gesundheit so weit wie möglich zu reduzieren. Bei einer zukünftigen Siedlungsentwicklung beziehungsweise erweiterung ist eine leis tungsfähige Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr zu gewährleisten. Dafür müssen die notwendige Mobilitätsinfrastruktur bereit gestellt und gezielt Anreize für deren Nutzung geschaffen werden. Diese ÖPNVorientierte Siedlungsentwicklung forciert die Entwicklung mischgenutzter Quartiere und Zentren um die Haltepunkte. Nutzungsmischungen und kompakte Stadtstrukturen erlauben kurze Wegeverbindungen für Wohnen, Arbeiten, Freizeitnutzung und zur nächsten ÖPNVAnbin dung – im Idealfall zu Fuß. So kann nachhalti ges städtisches Wachstum ermöglicht und die urbane Qualität der Stadtquartiere und ihre Lebensqualität gesteigert werden. Angesichts der Flächenknappheit innerhalb ge wachsener Quartiere, insbesondere im Wohn und Gewerbesegment, bietet dieser Weg der Entwicklung zudem die Möglichkeit, neue Formen der Nutzungsmischung und dichte zu erproben und schon bestehende Zentren weiter zu stärken. Parallele Entwicklung von Siedlung und Umweltverbund stärken Anreize zur Nutzung des Umweltverbunds erhöhen Urbane Stadtquartiere mit Wohnen, Arbeiten und Freizeitnutzungen fördern Bestehende Zentren stärken Neue Formen der Nutzungsmischung und dichte erproben Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive 84 Ziel 1.2 Köln geht mit der kn appen Ressource „Fläche“ sorgfältig um. Boden als begrenztes und nicht vermehrbares Gut zwingt die Städte dazu, mit der Ressource „Fläche“ sorgfältig umzugehen und effzien te Lösungen zu fnden, während gleichzeitig Nutzungskonkurrenzen zunehmen. Somit entwickelt sich der Umgang mit der Siedlungs fäche immer mehr zu einem Schlüssel für eine nachhaltige Stadtentwicklung. Gute Beispiele für ein entsprechendes Vor gehen liefern die geplanten Kölner Projekte „Deutzer Hafen“ oder „Parkstadt Süd“. Hier werden Flächen, die viele Jahre mindergenutzt wurden oder brachlagen, reaktiviert und in urbane Quartiere mit Wohnraum, Büro und Gewerbefächen verwandelt. Neben der Nut zung von Brachfächen und Baulücken bietet auch das Konzept der Multicodierung von Flä chen und Räumen einen Ansatz, um Nutzungs ansprüche und interessen effzient und ver träglich zu koordinieren und somit Flächen zu sparen. Das Konzept der Multicodierung sieht vor, dass Flächen und Räume zu verschiedenen Tages und Nachtzeiten sowie parallel von un terschiedlichen Nutzungen und Nutzergruppen in Anspruch genommen werden können. Um dem stetig steigenden Flächendruck zu begegnen, muss Köln zukünftig ein Flächen management aufbauen und die aktive Steue rung der Bodennutzung durch eine nachhaltige Liegenschafts und Bodenpolitik ausbauen. Gleichzeitig führt die Überprüfung des Flä chenverbrauchs zu kompakteren räumlichen Strukturen und einer optimaleren Nutzung städtebaulicher Dichte. Die Kriterien für eine angemessene Dichte müssen dabei im Dialog defniert und an die jeweiligen lokalen Rah menbedingungen angepasst werden. # Möglichkeiten der Innenentwicklung ausschöpfen # Flächen mehrfach nutzen (Multicodierung) # Stadtumbau als Gelegenheit für qualitätsvolle Verdichtung nutzen # Flächenmanagement aufbauen # Nachhaltige Liegenschafts und Bodenpolitik ausbauen # Kriterien für „gute Dichte“ im Dialog definieren 85 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive Ziel 1.3 Köln sichert und entwick elt seine Veedel zu Zentren des gemeinschaftlichen Lebens. Das gemeinschaftliche Leben fndet vor al lem in den Stadträumen im unmittelbaren Wohn und Arbeitsumfeld statt – diese Räume bestimmen zu einem großen Teil über die all tägliche Lebensqualität der Menschen. Um sie nachhaltig zu fördern, muss Köln Raum für Be gegnung, Erholung und ein Miteinander schaf fen, indem die Quartiersentwicklung intensi viert und die Nachbarschaften gemeinsam mit allen Akteursgruppen gestaltet werden. Köln zeichnet sich bereits jetzt als Stadt mit einer hohen Durchmischung und einer großen kulturellen Vielfalt in den verschiedenen Vee deln aus. Um diese Vielfalt zu bewahren und eine hohe urbane Lebensqualität in den Vee deln zu gewährleisten, müssen Begegnungs orte in den Quartieren gesichert werden und als Orte der Kommunikation und Integration funktionieren. Gleichzeitig müssen die unterschiedlichen strukturellen sowie sozialen Potenziale und Herausforderungen der Veedel bei deren Ent wicklung berücksichtigt werden. Ein angemes senes Zusammenspiel aus Größe und Dichte von Gebäuden und Infrastrukturen können dann für eine langfristige Tragfähigkeit sozia ler und kultureller Angebote sorgen. Dies gilt besonders für benachteiligte Stadtgebiete. # Quartiersentwicklung intensivieren # Kulturelle Vielfalt und Begegnungsorte in den Veedeln sichern und ausbauen # Quartiersgrößen und dichten so entwickeln, dass sich soziale und kulturelle Angebote tragen (insbesondere in der äußeren Stadt) # Kompetenzen und Identifikationen in und mit den Quartieren stärken Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive 86 # # # # # # Ziel 1.4 Köln sorgt für attr aktive Parks, Plätze, Straßen und sichere öffentliche Räume. Das Leben in der Stadt verlagert sich wieder stärker nach draußen und fndet immer mehr auf Straßen, Wegen, Plätzen und in Parks statt. Die Qualität des öffentlichen Raums spiegelt dabei die Lebensqualität der Stadt wider, die ebenso wie eine gesunde Wohnumgebung zu einem immer wichtigeren Standortfaktor der Metropolen wird. Diese Entwicklung drückt sich im vermehrten Wunsch nach einer besse ren Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum und in höheren Anforderungen an die Grünfä chen der Stadt aus. Die Stadt Köln sieht daher den klaren Bedarf, den öffentlichen Raum als Träger städtischen Lebens und urbaner Qualitäten weiter zu quali fzieren. Dabei geht es zunächst darum, Plätze als attraktive Begegnungsorte der Quartiere zu erhalten und weiterzuentwickeln. Sie sind als Orte des Verweilens, der Begegnung und Kommunikation sowie als Bühne des öffent lichen Lebens eine wichtige Ressource der Stadt, die oftmals im Konfikt verschiedener Nutzungsinteressen steht. Die Entwicklung und städtebauliche Aufwertung dieser Räume muss immer zahlreicheren Anforderungen, beispielsweise der Klimaanpassung, gerecht werden. Die Verbesserung der übergeordneten Quali tät aller öffentlichen Räume verlangt zudem künftig zunehmend die Gewährleistung von Sicherheit, Instandhaltung und Sauberkeit. Nur so kann der öffentliche Raum in Köln sei ner ursprünglichen Aufenthaltsfunktion ge recht werden und seinen Bewohnerinnen und Bewohnern einen Ort zum Wohlfühlen bieten. Darüber hinaus sind die historisch gewachse nen und einzigartigen Freiräume – wie die Köl ner Grüngürtel oder die Rheinpromenade – zu sichern. Neben Parks und Plätzen soll zukünf tig auch der Straßenraum, der vielerorts durch den motorisierten Individualverkehr dominiert wird und wenig Aufenthaltsqualitäten bietet, stärker im Fokus der Stadtentwicklung stehen. Dies bedeutet vor allem, auch den ruhenden Verkehr stadtverträglich zu organisieren und langfristig zu reduzieren. Den öffentlichen Raum als Träger des städtischen Lebens und urbaner Qualität weiter qualifizieren Den Straßenraum als öffentlichen Raum mit hoher Aufenthaltsqualität aufwerten Den ruhenden Verkehr stadtverträglich organisieren und reduzieren Plätze als Begegnungsorte in den Quartieren schaffen oder qualifizieren Für Grün in den Quartieren sorgen Sicherheit, Unterhalt und Sauberkeit sicherstellen und verbessern 87 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive Ziel 1.5 Köln entwick elt seine Infrastruktur und öffentlichen Dienstleistungen bedarfsgerecht. Ein bedarfsgerechtes Infrastrukturangebot ermöglicht den Bewohnerinnen und Bewoh nern der Stadt Zugang zur Teilhabe am gesell schaftlichen Leben und ist damit essenzieller Baustein der künftigen Entwicklung der Stadt. Demografsche Veränderungen, das Stadt wachstum, Klimaveränderungen, pluralisierte Lebensstile und die Digitalisierung sind nur einige Faktoren, die den Anpassungsdruck auf die städtische Infrastruktur und öffentliche Dienstleistungen in Köln verstärken. In den kommenden Jahren werden entsprechende weitergehende Anpassungen erforderlich sein, die von betrieblich technischen Maßnahmen bis hin zu umfassenden Transformationen – von der nachhaltigen Energieversorgung bis hin zur Reformierung der ärztlichen Versor gung – reichen. Es gilt, die stadtspezifschen Herausforderun gen und Handlungsoptionen in den einzelnen Infrastruktur und Dienstleistungssektoren zu ermitteln. Dabei spielen sowohl die quantitati ve als auch die qualitative und räumliche Aus differenzierung der unterschiedlichen Bedarfe und Angebotsformen eine Rolle. Entsprechend geht es nicht nur um das „Ob“ der Bereitstel lung, sondern auch um das „Wo“, „Wie“ und „Wie viel“. Um die generelle Qualität des Angebots zu verbessern, muss der Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen vereinfacht und Barrierefrei heit gewährleistet werden. Die Digitalisierung bietet an dieser Stelle Potenziale, die Vernet zung und die Bereitstellung von Informationen über bestehende Angebote zu verbessern. Be sonders die Qualität der gesundheitlichen und sozialen Versorgung darf sich dabei nicht nur auf einzelne Teilräume konzentrieren, sondern muss sich in der gesamten Stadt, besonders auch in benachteiligten Stadtgebieten, verbes sern. # Den Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen vereinfachen # Vernetzung/Informationen von bestehenden Angeboten verbessern # Qualität der gesundheitlichen und sozialen Versorgung an allen Orten verbessern Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive 88 Leitsatz 2 Köln schafft Raum für eine dynamische und nachhaltige Wirtschaft und für vielfältige Arbeitswelten. 89 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive Köln ist einer der bedeutendsten Wirtschafts standorte Deutschlands und das Zentrum einer regionalen, diversifzierten, gut vernetz ten Branchenstruktur. Gleichzeitig befnden sich seine Arbeits und Produktionswelten im stetigen Wandel: Digitalisierung, Industrie 4.0, StartupKultur, urbane Landwirtschaft und der Wandel zur Wissensgesellschaft sind dabei nur einige Trends, mit denen sich die Stadt bereits auseinandersetzt und denen sie sich in Zukunft weiter stellen wird. Als dynamische und nachhaltige Wirtschaft gilt es, auch weiterhin eine Vielzahl an Branchen zusammenzubringen und ökologische, soziale und ökonomische Belange immer wieder neu gegeneinander abzuwägen. Für die gewerblichen und industriellen Stand orte müssen inhaltliche Profle entwickelt und geschärft sowie Akteurinnen und Akteure entsprechend bedarfsgerecht unterstützt werden. Hier spielen auch das Arbeitsumfeld, die Arbeitsbedingungen und die Erreichbarkeit der Arbeitsstätten eine wichtige Rolle, damit Köln für Arbeitnehmerinnen und Arbeitneh mer weiterhin attraktiv bleibt. Auch Kölns Standortfaktor als wichtige Wis senschaftsstadt, der zum vielfältigen Profl der Stadt beiträgt, soll gestärkt werden. Eine Investition in die Hochschulen und zahlrei chen Forschungseinrichtungen ist in vielerlei Hinsicht eine Investition in Kölns Zukunft. Es stärkt vor allem auch die jungen Altersschich ten der Stadt zwischen 18 und 30 Jahren, was langfristig für eine lebendige Stadt und ein gesundes Wachstum sorgt. Ganz Köln kann proftieren, wenn es gelingt, innovative und kreative Köpfe dauerhaft an die Stadt zu binden. Hierzu bedarf es neuer Mög lichkeiten und Raum für Startups, Gründerin nen und Gründer, aber auch für kreative und kulturelle Akteurinnen und Akteure. Prämisse muss sein, Innovationen zuzulassen und fexi bel auf neue Ideen zu reagieren. Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive 90 Ziel 2.1 Köln s tärkt seinen breiten WirtschaftsMix. Ein Wirtschafts oder Branchenmix, also die Anwesenheit unterschiedlicher Gruppen von Unternehmen, lässt die städtische Wirtschaft fexibel auf Strukturveränderungen reagieren und trägt damit maßgeblich zur Resilienz gegenüber konjunkturellen Effekten und Krisen bei. Köln ist bereits gekennzeichnet durch eine große Vielfalt im Branchenmix. Dies ist die große Stärke der Stadt, die weiter durch ver schiedene Ansätze kultiviert werden soll. Köln hat sich daher unter anderem das Ziel gesetzt, zum proflierten Startup und Grün dungsstandort zu werden. Hierfür benötigt es zum einen gezielte Unterstützung und Förde rungen, zum anderen aber auch bedarfsge rechte Räume jenseits klassischer Bürofächen und Werkshallen in Gewerbegebieten. Die Stadt unterstützt Handels und Wirtschafts areale bei bevorstehenden Veränderungen und bietet Hilfestellungen bei Transforma tionsprozessen. Die Ausdifferenzierung der Produktions und Distributionsprozesse, die Digitalisierung und neue Technologien haben in den letzten Jahren neue Formen der Produk tion ermöglicht und sie wieder näher an die Ballungsräume herangerückt. Um von diesen Entwicklungen zu proftieren, sollten Innovati onen auf dieser Ebene weiter vorangetrieben werden. Durch die Förderung der urbanen Produktion lassen sich unter anderem auch Möglichkeiten innovativer Nutzungsmixe oder neuer Formen von gewerblicher Architektur erproben. Auch eine verstärkte Internationalisierung för dert die Vielfalt und Resilienz der städtischen Wirtschaft. Als global vernetzte Metropole treibt Köln die Internationalisierung des Wirt schaftsstandortes entsprechend weiter voran und fördert verstärkt Netzwerke oder inter nationale Veranstaltungen wie beispielsweise Messen. Nicht zuletzt spielt in Köln zudem die stadtnahe und regionale Landwirtschaft eine nach wie vor wichtige Rolle, die im Sinne regionaler Entwicklung auch weiter gestärkt werden sollte. Urbane Formen der landwirt schaftlichen Produktion – wie „Vertical Far ming“ in Hochhäusern oder „Urban Farming“ auf Dächern und Freifächen – bringen die Lebensmittel näher an den Verbraucher, redu zieren Lieferwege und können zeitgleich zur Durchgrünung und damit zur Lebensqualität beitragen. # Die Branchenvielfalt als Stärke Kölns kultivieren # Internationalisierung und Innovation des Wirtschaftsstandortes vorantreiben # Urbane Produktion fördern # Handelsstandorte sichern und beim Wandel unterstützen # Köln als Startup und Gründerstand ort profilieren # Regionale und urbane landwirt schaftliche Produktion fördern 91 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive Ziel 2.2 Köln baut s eine Position als führende Wissenschaftsstadt aus. Forschungseinrichtungen und Universitäten sind wichtige Impulsgeber für die Zukunft. Als solche haben sie das Potenzial, durch Wissen stransfer Innovationen in die Gesellschaft zu tragen und die Stadt voranzubringen. Daher müssen Universitäten und Forschung in der Stadt auch sichtbar gemacht werden, bei spielsweise durch sinnvolle Anknüpfungen an die Wirtschaft, Reallabore mit zivilgesell schaftlicher Beteiligung oder andere, für die Stadtöffentlichkeit zugängliche Veranstaltun gen, die das Potenzial haben, das kulturelle Leben der gesamten Stadt anzureichern. An der Universität zu Köln sind bereits vier Ex zellenzcluster der Exzellenzstrategie des Bun desforschungsministeriums angesiedelt, die in verschiedensten Bereichen – von Medizin über Biologie bis hin zu Quantencomputern und Wirtschaftswissenschaften – herausragende Forschung betreiben. Diese Stärken gilt es zu erhalten und gleichzeitig die Förderung von Lehre und Forschung nicht aus dem Blick zu verlieren. So kann es gelingen, für alle Studie renden, Lehrenden und Forschenden attrakti ve Rahmenbedingungen zu schaffen. Zugleich ist die breit aufgestellte Kölner Wis senschaftslandschaft ein wichtiger Standort faktor für die Wirtschaft. Technologietransfer und Kooperationen mit der Wirtschaft können gewinnbringend für beide Seiten sein und soll ten daher künftig stärker kultiviert werden. # Wissenschafts und Technologietransfer stärken # Attraktive Rahmenbedingungen für Studierende und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schaffen # Wissenschaft in der Stadt sichtbar machen # Forschungseinrichtungen als Impulsgeber für die Zukunft stärken Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive 92 Ziel 2 .3 Köln entwickelt gewerbliche und industrielle Standorte mit klarem inhaltlichen Profil. Verschiedene Gewerbe haben verschiedene Anforderungen an den passenden Raum und die richtigen Rahmenbedingungen, vom Bü rostandort in der City über klassische kleintei lige Gewerbegebiete am Stadtrand bis hin zu global bedeutenden Standorten der Industrie. Köln versucht, gezielt auf diese Anforderungen einzugehen, indem es die Gewerbe und In dustriegebiete auf der Basis ihres bestehenden oder erwünschten Profls gezielt weiterent wickelt. Die unterschiedlichen Profle können ein Ausgangspunkt für eine stadtweite Stra tegie zur Verteilung diverser Gewerbe und Industriestandorte sowie einer Ansiedlung von neuen Betrieben sein. Dabei sollten auch Standorte und Entwicklungen in der regiona len Umgebung miteinbezogen werden. Ziel ist es, mithilfe klarer inhaltlicher Profle Kölns Arbeits und Produktionsstandorte für die Zukunft zu qualifzieren – auch mit dem Ziel, Köln als Standort für internationale Firmen zu proflieren. Insbesondere für die Beschäftigten ist die Attraktivität des Arbeits umfeldes und der Arbeitsbedingungen von zentraler Bedeutung. Diese Aspekte denkt Köln bei der Entwicklung der Gewerbestand orte konsequent mit. Zugleich ist Köln offen für Innovation und Transformation und schafft gezielt Strukturen und Räume für Startups sowie innovative und nachhaltige Unternehmungen und Entwick lungen. # Adressen für internationale Unternehmen profilieren # Industrie und Gewerbegebiete typisieren und nach den Bedürfnissen ihrer Akteurinnen und Akteure stärken, inklusive inhaltlichem Profil # Attraktivität des Arbeitsumfeldes und der Arbeits bedingungen sichern # Räume und Strukturen für Startups stärken 93 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive Ziel 2.4 Köln en twickelt Räume und Strukturen für die Kultur und Kreativwirtschaft. Köln ist eine bunte Metropole, deren Wirt schaft auch von vielen kreativen Akteurinnen und Akteuren geprägt wird – viele Arbeitsplät ze und Einkommen hängen inzwischen von der Kultur und Kreativwirtschaft ab. Die Stadt verfügt zudem über ein reiches kulturelles Erbe und diverse Museen, aber auch über zeit genössische Kunst und Kulturangebote. Diese Position als Kunst und Kulturmetropole will Köln aktiv fördern und weiter ausbauen. Gleichzeitig sind Kunst und Kultur mehr als Erwerbsarbeit. Künstlerische und kreative Nut zungen übernehmen häufg zentrale Anker funktionen in Quartieren. Dafür benötigen sie Raum und Förderung – wichtige Ressourcen, bei deren Vermittlung und Bereitstellung die Stadt Köln unterstützen kann, zum Beispiel in dem sie durch das „Kreativcluster“ Vernetzung und Austausch ermöglicht und so die gesamte Branche stärkt. Hierbei ist es wichtig, auch die freie Szene, subkulturelle und nicht kommerzi elle Kulturangebote zu fördern, um die Kölner Kulturlandschaft nicht nur zu erhalten, son dern vor allem auch ihre Diversität weiter zu fördern. Schließlich benötigen Kultur, kreative Entfaltung und Experimente einen gewissen Spielraum, den Köln beispielsweise durch Zwi schennutzungen ermöglichen kann. Zugleich sollen kulturellen Akteurinnen und Akteuren Wege aufgezeigt werden, die zur Verstetigung und dauerhaften Etablierung verhelfen. # Kölns Position als Kunst und Kulturmetropole ausbauen # Zwischennutzungen fördern und vermitteln # Kreativcluster etablieren # Freie Szene, Subkultur und NonProfitOrganisationen unterstützen Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive 94 Ziel 2.5 Köln o ptimiert die Flächennutzung der Industrie und Gewerbegebiete und verbessert ihre Erreichbarkeit. Bisher sind Industrie und Gewerbegebiete meist sehr fächenintensive Nutzungen. Um Flächenverbrauch und Versiegelung zu redu zieren, hat sich Köln das Ziel gesetzt, zukünftig – wo immer möglich – Produktion, Gewerbe und Industrie zu stapeln und somit fächen effzient zu verdichten. In gestapelten Gewer begebieten bietet sich die Chance, neue Typen von Stadt zu erproben, die innovativ auf die sich verändernden Arbeitswelten des 21. Jahr hunderts reagieren können. Auch die Anbindung der Arbeits und Produk tionsstätten an die öffentliche Nahmobilität und das Rad und Fußverkehrsnetz soll verbes sert werden: Dies sorgt nicht nur für weniger motorisierten Individualverkehr, sondern trägt auch zur Attraktivität der Firmenstandorte bei. Dichtere Gewerbe und Industrieareale sowie die Förderung der urbanen Produktion können helfen, die Rentabilität von ÖPNVLinien zu erhöhen. Auch beim Warenverkehr muss multimodal gedacht werden – Köln hat hier eine gute Ausgangsposition durch seine quattromodale Anbindung an Straße, Schiene, Wasserstraße und Luftverkehr, die es vor dem Hintergrund des Klimawandels zu optimieren gilt. Wichtig ist es, Logistikverkehre sinnvoll zu vernetzen, klimaschonend zu managen und stadtverträg lich zu organisieren. # Produktion vertikal verdichten und stapeln # Die Erreichbarkeit mit dem ÖPNV verbessern # Logistikangebote für Gewerbe und Industrie innovativ und stadtverträglich organisieren 95 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive Ziel 2.6 Köln integrie rt Erwerbsfähige dauerhaft in den ersten Arbeitsmarkt. Für eine forierende Kölner Wirtschaft und eine gesunde Stadtentwicklung muss möglichst vielen Kölnerinnen und Kölnern die Mög lichkeit gegeben werden, am Erwerbsleben teilzunehmen. Dies gilt sowohl für Menschen mit geringen Finanz und Bildungsressour cen als auch für mittel und hoch qualifzierte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Die Integration von Erwerbsfähigen in den ersten Arbeitsmarkt ist daher für die Stadt Köln ein zentrales Ziel, um Menschen dauerhaft in die Gesellschaft zu integrieren. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer brin gen unterschiedlichste Voraussetzungen mit, auf die entsprechend reagiert werden muss. Köln sorgt daher auf verschiedensten Ebenen für diverse und auf viele Zielgruppen zugeschnittene Weiterbildungsangebote. Regionale Kooperationen können hier zu zielgerichteten Qualifkationen beitragen. Die Unternehmen werden außerdem dauerhaft durch öffentliche Beratungsangebote unter stützt. Vor allem für kleinere Firmen ist es von zentraler Bedeutung, dass solche Hilfestellun gen niedrigschwellig, leicht auffndbar und ohne bürokratischen Aufwand nutzbar sind. Besonders wichtig ist der Stadt zudem die Qualifzierung und Mobilisierung junger Menschen, um dem sich in vielen Branchen abzeichnenden Fachkräftemangel frühzeitig entgegenzuwirken. Hierbei darf die Stadt den Fokus nicht nur auf Studierende legen, son dern muss aktiv dafür sorgen, einerseits die Ausbildungswege attraktiv zu gestalten und andererseits gute Rahmenbedingungen für ein Leben als Auszubildende oder Auszubildender zu schaffen. Junge Menschen sollen gern zum Lernen, Leben, Wohnen und Arbeiten in die Stadt ziehen, ein Schritt, der unabhängig ihres Hintergrunds fnanzierbar sein muss. # Fachkräfte durch frühzeitige Bildungs und Orientierungsmaßnahmen sichern # Weiterbildungsmöglichkeiten und berufliche Perspek tiven ermöglichen # Dauerhafte Beratungsangebote und Hilfestellungen für Erwerbstätige und Unternehmen anbieten # Arbeitsplatzangebote für Erwerbsfähige mit unterschiedlichen Voraussetzungen sichern # Zugangsbarrieren zu Ausbildungsplätzen abbauen Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive 96 Leitsatz 3 Köln sorgt für Bildung, Chancen gerechtigkeit und Teilhabe. 97 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive Zu einer langfristig nachhaltigen Entwicklung Kölns zählen auch die Ermöglichung der Teil habe eines jeden Menschen in vollem Umfang an der Gesellschaft sowie die Akzeptanz jedes Menschen in seiner Individualität. Erst dann kann von sozialer Inklusion sowie Chancen und Generationengerechtigkeit gesprochen werden. Steigende Bevölkerungszahlen und ein damit einhergehender Wachstumsdruck, besonders in innerstädtischen Lagen, dürfen die soziale und funktionale Vielfalt nicht weiter gefährden. Um Köln in dieser Entwicklung weiter positiv voranzutreiben, muss die schon vorhandene strukturelle und kulturelle Vielfalt der Kölner Veedel weiter gestärkt werden, unter anderem durch bezahlbaren Wohnraum und vielfältige Wohnformen, die einen barrierefreien Zu gang und Raum für Gemeinschaft zulassen. Das Bereitstellen und Zugänglichmachen von bedarfsorientierten kulturellen und sozialen Bildungsangeboten – besonders auch für eine kinder, jugend und familienfreundliche Stadt – sorgt für Chancengerechtigkeit und liefert, verbunden mit der Möglichkeit der gemein samen Gestaltung, zugleich die Basis für ein gerecht wachsendes und weiterhin offenes und tolerantes Köln. Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive 98 Ziel 3.1 Köln f ördert die Vielfalt in den Stadtteilen. Als erste deutsche Kommune unterzeichnete die Stadt Köln 2007 die „Charta der Vielfalt“, im Jahr 2013 wurde die Dienststelle Diversity etabliert – Köln hat Vielfalt früh als Potenzial, Ressource und großen Schatz erkannt. Damit ein respektvolles, gemeinsames Zusammenle ben weiterhin gelingt und die Vielfalt der Stadt erhalten bleibt, muss diese aktiv gestaltet wer den, um auch künftig als Bereicherung erkannt und gelebt zu werden. Der lokalen Ebene der Veedel kommt dabei eine besondere Rolle zu. Hier treffen Menschen mit verschiedenen Vo raussetzungen in den Bereichen Einkommen, Bildung, Alter, Erwerbsstatus, Religion, Kultur, Behinderung, Weltanschauungen und Lebens entwurf täglich aufeinander. Daher hat es sich Köln zum Ziel gesetzt, die lokalen Möglichkeitsräume, die sich für die Entwicklung und Förderung der Vielfalt in den Stadtteilen ergeben, weiter auszuschöpfen und zu fördern. Hierfür sollen – den verschie denen strukturellen wie sozialen Potenzialen und Herausforderungen der Veedel entspre chend – Rahmenbedingungen geschaffen und Möglichkeitsräume eröffnet werden, um auf Vielfalt mit Vielfalt antworten zu können. Ent sprechende Wege bilden unter anderem die Etablierung neuer und der Schutz bestehender Konstellationen durchmischter Nachbarschaf ten, beispielsweise durch die Förderung eines gemeinsamen Handelns in der Zusammenar beit mit kommunalen und genossenschaft lich organisierten Wohnungsunternehmen. Aber auch kulturelle Einrichtungen wie Kon zerthäuser und Clubs tragen zur Vielfalt der Viertel bei und sollen entsprechend erhalten werden. Um strukturelle Verbesserungen bei der Entwicklung und Umsetzung integ rierter Quartiersentwicklung zu erreichen, muss das sozialraumorientierte Denken in der Verwaltung ebenso gestärkt werden wie die abgestimmte Zusammenarbeit zwischen den in den Quartieren aktiven Akteurinnen und Ak teuren. Eine besonders wichtige Rolle kommt bei allen Ansätzen der aktiven Beteiligung der Bewohnerschaft zu. # Kleinteilige Mischung unterschiedlicher Wohnangebote # Wohnmilieus innerhalb von Gebäuden und Nachbarschaften mischen # Gewachsene kulturelle Vielfalt erhalten 99 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive Ziel 3.2 Köln so rgt für bezahlbaren Wohnraum und vielfältige Wohnformen. Köln wächst. Um diese Dynamik positiv zu ge stalten, braucht es eine entsprechende Wohn raumversorgung. Dies bedeutet, Wohnungen in ausreichender Zahl, in vielfältigen und fnan zierbaren Formen und verschiedenen Größen für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen, inklusive konkreter Angebote für Menschen mit besonderen Bedarfen und Ferne zum Wohnungsmarkt, zu entwickeln und dauerhaft zu erhalten. Diese Vielfalt des Angebots muss sich auch in einer entsprechenden Durchmi schung in den einzelnen Veedeln wiederfn den – bezahlbarer Wohnraum darf sich nicht ausschließlich segregiert in unbeliebten Lagen oder an Hauptverkehrsstraßen bündeln. Hierfür müssen weitere Flächen für den Woh nungsbau identifziert und in Kooperation mit allen Akteurinnen und Akteuren des Woh nungsmarktes initiiert und in Richtung vielfäl tiger Wohnungsangebote vorangetrieben wer den. Gleichzeitig sollen die Herausforderungen im Wohnungsbestand angegangen werden: Neben der Sicherung und dem Erhalt steht die schrittweise Anpassung der Bestände an die Anforderungen des demografschen Wandels und des Klimaschutzes im Fokus. Außerdem soll der Zweckentfremdung von Wohnraum intensiver entgegengewirkt werden. # Geförderten und bezahlbaren Wohnungsbau steigern # Städtische Wohnungsbaugesellschaften und Genossenschaften stärken # Flächen für den Wohnungsbau mobilisieren und Zugang zum Grundstücks und Immobilienmarkt für ein breit gefächertes Akteursfeld öffnen # Neue Wohnformen fördern (Mehrgenerationenwohnen, barrierearmes und flexibles Wohnen) # Reduzierung des Wohnflächenverbrauchs pro Person ermöglichen (mehr Gemeinschaftsflächen) # Zielgruppenspezifische Wohnangebote (für Studierende, ältere Menschen …) stärker fördern # Vollständiges Wohnraumpotenzial ausschöpfen und die Flächen vor Zweckentfremdung schützen Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive 100 Ziel 3.3 Köln s etzt sich aktiv für eine inklusive Gesellschaft ein. Inklusion bedeutet sinngemäß übersetzt „Zugehörigkeit“ und damit das Gegenteil von Ausgrenzung. Wenn also jeder Mensch, unab hängig seiner Individualität – Herkunft, Welt anschauung, Religion, sexuellen Orientierung, seines Geschlechts oder einer Beeinträchti gung – am Leben in der Gesellschaft teilneh men kann, ob am Arbeitsplatz, am Bildungsan gebot, am Alltagsleben in der Nachbarschaft oder der Freizeit, kann von einer inklusiven Gesellschaft gesprochen werden. Diesem Ziel hat sich auch Köln verschrieben und will sich auf den Weg zu einer gerechteren Stadtgesellschaft machen. Wie schon mit der Kampagne „Unsere Vielfalt – Kölns Stärke“ sollen Vielfalt und Gemeinsamkeiten weiter in den Fokus gerückt werden, um ein deutliches Zeichen gegen Diskriminierung und Ausgren zung und für das offene und vielfältige Köln zu setzen. Dafür müssen zum einen entspre chende Angebote geschaffen werden, bei spielsweise in puncto Wohnraum, Erholungs, Sport und Freizeitaktivitäten oder barrierefrei er Mobilität. Zum anderen gilt es, die Teilhabe auch wirklich sicherzustellen. Eines der wichtigsten Instru mente stellt dabei die Bildung beziehungs weise Bildungsgerechtigkeit dar, sie formt die Basis der gesellschaftlichen Teilhabe. # Inklusive und vielfältige Gesellschaft in allen Bereichen des öffentlichen Handelns berücksichtigen # Integration von Zugewanderten fördern # Zugang zu (inter)kulturellen und sozialen Angeboten stärken und bereitstellen # Anlauf und Beratungsstellen für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen in den Veedeln schaffen # Mobilitätschancen für alle sichern # Offenheit und Toleranz erhalten und sichern (unter anderem Sicherheit im öffentlichen Raum) # Wohnraum für Menschen mit Behinderung bereitstellen # Angebote und Teilhabemöglichkeiten für Seniorinnen und Senioren weiterentwickeln 101 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive Ziel 3.4 Köln fördert d ie kinder, jugend und familienfreundliche Stadt. Bereits 2013 hat Köln sich zu den Vereinbarun gen der UNKinderrechtskonvention bekannt. Im Februar 2018 wurde Köln als erste deutsche Millionenstadt von der Initiative „Kinder freundliche Kommunen“ von Unicef und dem Deutschen Kinderhilfswerk mit dem Siegel für Kinder und Jugendfreundlichkeit ausgezeich net. Die kinder, jugend und familienfreundliche Stadt ist eine Querschnittsaufgabe für alle Akteurinnen und Akteure des städtischen Han delns, die von allen lokalen Handlungsfeldern begriffen und berücksichtigt werden muss – ob beim Thema Bezahlbarkeit von Wohnraum, medizinischer Versorgung, sozialer Infrastruk tur, (Aus)Bildungs und Betreuungsmöglich keiten oder städtebaulicher Entwicklung. Um die Situation für Kinder, Jugendliche und auch Familien in Köln weiter zu verbessern, sollen deren Rechte gestärkt und insbesonde re benachteiligte Kinder oder auch alleinerzie hende Elternteile weiter unterstützt werden. Dies bezieht sich auf Angebote der Betreuung sowie der Möglichkeiten für Bewegung, Spiel und gemeinsame Aktivitäten – sowohl für Kinder als auch für Jugendliche. Insbesondere sollen weitere Anstrengungen unternommen werden, um die Kinderarmut zu bekämpfen. # Kinderrechte in der Stadtgesellschaft und im Verwaltungshandeln stärken # Folgen von Kinderarmut bekämpfen # Ausreichende Angebote für die Kinderbetreuung in den Quartieren sicherstellen # Unterstützung für alleinerziehende Elternteile ausbauen # Spiel, Bewegungs und Aktionsangebote für Kinder und Jugendliche bedarfsgerecht ausbauen # Jugendliches Engagement fördern und Freiräume bereitstellen Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive 102 Ziel 3.5 Köln f ördert den Zugang zu Bildung und Qualifikation als Schlüssel zur Teilhabe. Zu den wichtigsten Aufgaben der Stadt Köln gehört es, ein verlässliches, breit gefächer tes und hochwertiges Bildungsangebot zu gewährleisten, das allen Bürgerinnen und Bürgern einen chancengerechten Zugang zu Selbstbestimmung und Teilhabe ermöglicht. Schließlich wird durch kommunales Bildungs management die Grundlage für berufiche Per spektiven, den Erfolg individueller Lebensläufe und lebenslanges Lernen gelegt. Da Bildung die zentrale Ressource für den Produktions, Innovations und Wissensstandort Köln dar stellt, begründet sie zudem die Basis für die Zukunftsfähigkeit der Region. Dabei fndet Lernen generell nicht nur in der Schule, sondern auch in Kinder und Jugend einrichtungen, Weiterbildungseinrichtungen, in Museen, Theatern, Sportvereinen und an vielen anderen Orten und zu anderen Gelegen heiten sowie in allen Altersgruppen statt. Um das Kölner Bildungsangebot zukunfts fähig zu gestalten, müssen vor allem neue Infrastrukturen und Angebote geschaffen und bestehende Angebote besser koordiniert werden. Eine Optimierung der bestehenden Qualitäten und der Zugänglichkeit bestehen der Angebote durch Dialoge und Koopera tionen soll die Angebote aller Bereiche des lebensbegleitenden Lernens in Köln nachhaltig verbessern. # Bildungsangebote und zugänge für alle Lebenslagen anbieten und weiterentwickeln # Bildungsinfrastruktur ausbauen und erneuern # Neue Anforderungen (z. B. Klimawandel, Digitalisierung …) in die Bildung integrieren # Kapazitätsengpässe im Schul und Kinderbetreuungssystem beseitigen # Bedarfsgerechte Weiterbildungsangebote für Erwachsene ausbauen # Integrative Angebote in den Bereichen Bildung und Qualifikation stärken 103 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive Ziel 3.6 Köln unte rstützt das bürgerschaftliche Engagement und setzt auf breite Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger in der Stadtentwicklung. Von der Zivilgesellschaft werden verstärkt neue, intensivere und qualitätsvolle Formen der Beteiligung in der Stadtentwicklung formu liert und eingefordert. Dabei muss zwischen Partizipation, die von der Konsultation bis zur Ermöglichung echter Teilhabe reicht, Empo werment, also der Aktivierung und Ermächti gung zum selbstständigen Handeln, und dem freiwilligen bürgerschaftlichen Engagement unterschieden und Ziele entsprechend formu liert werden. Alle drei Aspekte des bürgerlichen Engagements sollen in Zukunft gefördert wer den und Wertschätzung erfahren. In puncto Partizipation hat Köln in den letzten Jahren – auf Grundlage der Erfahrungen an derer Kommunen – einen neuen, integrierten Ansatz der systematischen Öffentlichkeitsbe teiligung entwickelt und testet die „Leitlinien Bürgerbeteiligung“ seit dem Frühjahr 2019 in einer Pilotphase. Ziele dieser Leitlinien sind unter anderem eine respektvolle und faire Zusammenarbeit, frühzeitige und transpa rente Information und Kommunikation, eine geeignete Ansprache aller interessierten beziehungsweise betroffenen Kölnerinnen und Kölner, klare Ziele und ein abgegrenz ter Gestaltungsspielraum, verlässliche und verbindliche Auseinandersetzung mit Ergeb nissen, andauerndes Lernen und inhaltliche Weiterentwicklung. In Zukunft soll sich jedes Verfahren an diesen Standards messen lassen. Ein besonderer Fokus soll dabei auf die Förde rung und Ausweitung der Partizipations und Gestaltungsmöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen gelegt werden. Diese fndet in Köln bereits an vielen Stellen statt, muss aber aufgrund des hohen Bedarfs weiter gestärkt und vernetzt werden. Im Bereich des bürgerschaftlichen Engage ments kann Köln besonders auf die hohe Bereitschaft seiner Bürgerinnen und Bürger vertrauen, einen freiwilligen Beitrag zur Ge meinschaft zu leisten. Dieses Engagement ist für die Weiterentwicklung des Gemeinwesens unverzichtbar und braucht zu seiner weiteren Entwicklung in Zukunft eine neue Kultur der Wertschätzung sowie gezielte Förderung, Freiräume und Vernetzung. # Beteiligungsangebote ausbauen # Standards für gute Beteiligung umsetzen # Wechselseitiges Lernen zwischen den Akteurinnen und Akteuren fördern (Bewusstseinsbildung) # Ehrenamt sowie Engagement und Initiative fördern # Stadt als professionelle Dienstleisterin, geschätzte Partnerin und attraktive Arbeitgeberin etablieren Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive 104 Leitsatz 4 Köln stärkt seine Rolle als viel fältig vernetzte Metropole. 105 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive Für eine resiliente Entwicklung, die den Her ausforderungen der Zukunft und Ansprüchen der Bewohnerinnen und Bewohner gerecht wird, muss Köln als Metropole auf eine stabile Vernetzung setzen. So sorgen das zunehmen de Bevölkerungswachstum, eine steigende Multilokalität und eine veränderte Güter versorgung für steigende und vielfältigere Verkehrsströme und Mobilitätsnachfragen in der Stadt, die umweltfreundliche, fächen schonende und smarte Lösungen erfordern. Um die alltägliche Mobilität der Kölnerinnen und Kölner zu verbessern, setzt Köln gezielt auf die Mobilitätsangebote des Umweltver bunds. Der ÖPNV wird weiter ausgebaut und die verschiedenen Angebote werden besser miteinander vernetzt. Rad und Fußverkehr werden gefördert und auch innovative neue Ansätze, wie zum Beispiel Sharing, also die geteilte Nutzung von Fortbewegungsmitteln im Individualverkehr, oder moderne Logisti kinfrastruktur werden berücksichtigt. Neben der Zunahme nachhaltiger Mobilitätstrends bergen vor allem auch die Möglichkeiten der Digitalisierung neue Ansätze, den Verkehr in Zukunft effzienter und umweltschonender zu gestalten. Um dem Klimawandel zu begegnen, den Arten und Naturschutz auch in der Stadt zu stärken und gleichzeitig die Lebensqualität der Menschen zu erhöhen, stärkt Köln zusammen mit der Region sein grünes Freiraumnetz. In Siedlungsbereichen erhält die Bereitstellung von attraktiven öffentlichen Räumen eine im mer größere Rolle und ist somit ein wichtiger Teil der Daseinsvorsorge. Auch bei der Digitalisierung bleibt Köln Vorrei ter und baut seine Angebote weiter aus. Daten werden genutzt, um die Stadt im Sinne einer „Smart City“ ft für die Zukunft zu machen. Als vielfältig vernetzte Metropole stärkt Köln seine internationalen Netzwerke und Städte partnerschaften und fördert den fachlichen Austausch. Ebenso werden regionale Koope rationen genutzt, um gemeinsame, grenz überschreitende Probleme zu lösen und eine nachhaltige Entwicklung voranzubringen. Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive 106 107 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive Ziel 4.1 Köln entwi ckelt seine Mobilitätsangebote gemeinsam mit der Region innovativ und umweltverträglich weiter und stärkt den öffentlichen Nahverkehr. Die Mobilität der Zukunft ist multimodal ver netzt. Die wenigsten Kölnerinnen und Kölner nutzen ausschließlich das Auto, den öffentli chen Nahverkehr, das Fahrrad oder gehen nur zu Fuß. Daher kommt vor allem den Umsteige punkten zwischen den verschiedenen Mobili tätsangeboten in Stadt und Region eine große Bedeutung zu, möchte man die Multimodali tät weiter fördern. Diese sogenannten „Hubs“ zu entwickeln, wird eine zentrale Aufgabe der nächsten Jahre sein. Dabei bieten sie neben Umsteigepunkten innerhalb des öffentlichen Nahverkehrs auch SharingAngebote bei spielsweise für Fahrräder oder EFahrzeuge an. Somit können die Anzahl der eigenen Fort bewegungsmittel und die Raumansprüche des ruhenden Verkehrs in der Stadt reduziert werden. Auch der Rhein könnte durch neue Mobilitätsangebote auf dem Wasser zum ver bindenden Element werden. Die Hubs müssen an den richtigen Stellen platziert, einfach bedienbar und zugänglich # Verknüpfungen zwischen den Verkehrsträgern verbessern # Querverbindungen schaffen und Lücken im Netz schließen # Kapazitätsengpässe nachhaltig beheben # SharedMobilityAngebote ausbauen (insbesondere auch in den äußeren Stadtteilen) gemacht sowie klug mit dem System vernetzt werden, um leicht und einfach ein und um steigen zu können, ohne ein Mehr an Verkehr in der Stadt zu erzeugen. Zudem muss das be stehende ÖPNVNetz in seiner Leistungsfähig keit gesteigert werden, um mehr Menschen zum Umsteigen zu bewegen. Hierfür müssen Netzlücken geschlossen, neue Querverbindun gen und Haltepunkte geschaffen sowie Kapazi tätsoffensiven oder höhere Taktungen initiiert werden. Die Idee der Hubs soll dabei aber nicht nur im Bereich des Personenverkehrs vorangebracht werden, sondern auch als LogistikHubs im regionalen Maßstab gedacht werden, um der künftigen Veränderung der Lieferbeziehungen und Güterversorgung zu begegnen, steigende Verkehrsströme zu reduzieren und Köln zum Vorreiter für eine stadtverträgliche CityLogis tik zu machen. # Mobilitätsangebote auf dem Wasser entwickeln # LogistikExzellenz (Verkehrs und Lagegunst) quattromodal nutzen und ausbauen # Köln zum Vorreiter für eine stadt verträgliche CityLogistik machen # Köln als Experimentierregion für innovative und zukunftsfähige Mobilitätssysteme etablieren Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive 108 Ziel 4.2 Köln sc hafft mehr Raum für Rad und Fußverkehr. Internationale Beispiele zeigen, dass ein zukunftsorientierter Ausbau des Fahrradver kehrs äußerst positive Effekte auf die Lebens qualität und Mobilität der Stadtbewohnerin nen und bewohner hat. Die Umverteilung beziehungsweise Umstrukturierung der Straßenräume zugunsten der Radinfrastruktur ist zum einen die logische Reaktion auf den be reits gestiegenen Radverkehrsanteil am Modal Split und zum anderen die Voraussetzung da für, dass in Zukunft noch mehr Menschen auf das Rad umsteigen beziehungsweise häufger nutzen. Außerdem berücksichtigt ein gutes und sicheres Radverkehrsnetz verschiedene Ebenen – neben guten Verbindungen im Quar tier benötigt es ebenso hochwertige regionale Radschnellwege. Hierfür müssen Netzlücken geschlossen und Verbindungen an multimoda le Umsteigepunkte (Hubs) hergestellt werden. Die Möglichkeit, kurze Wege entspannt zu Fuß zurücklegen zu können, trägt zur Lebensqua lität bei. Zu Fuß gehen heißt Bewegung und fördert damit auch die Gesundheit. Besonders für ältere Menschen und Kinder ist die fußläu fge Bewegung durchs Veedel häufg zentraler Modus der Fortbewegung. Straßenräume, die vorrangig aus der Sicht dieser beiden Ziel gruppen entwickelt werden, sind besonders attraktiv und weisen nur wenige Barrieren auf. Temporeduzierungen, verkehrsarme Bereiche und SharedSpaceAngebote können nicht nur Emissionen reduzieren, sondern sorgen durch ähnliche Geschwindigkeitsniveaus auch für mehr Chancengleichheit und Sicherheit im Straßenverkehr. Einen weiteren wichtigen Faktor stellt das Umdenken in der Planung an sich dar: Eine von Beginn an integrierte Planung, die den Rad und Fußverkehr als gleichberechtigten Teil der Verkehrsplanung betrachtet, ist ein elemen tarer Erfolgsfaktor für eine erfolgreiche Ver kehrswende und damit einhergehend auch für die Verbesserung der Lebens und Aufenthalts qualität in der Stadt. # Das Radwegenetz ausbauen (Netzlücken schließen, zum Beispiel über den Rhein) # Regionale Radschnellwege schaffen # Straßenräume neu strukturieren und für Fuß wie Radverkehr optimieren # SharedSpaceAngebote und verkehrsarme Bereiche in den Quartieren erproben # Temporeduzierte Bereiche ausweiten # Fußgängerinfrastruktur stärken 109 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive Ziel 4.3 Köln stärkt sein grün es Freiraumnetz und entwickelt es in die Region weiter. Für Lebensqualität und Stadtklima hat die Grünversorgung eine zentrale Bedeutung. Gleichzeitig werden Städte auch immer mehr zu ökologisch reichen Nischenwelten und das Stadtgrün zu einer umkämpften Ressource. Daher gilt es, sowohl die großen Freiräume rund um die Stadt als auch die kleineren grünen Oasen im kompakten Kern Kölns zu sichern, zu stärken und zu qualifzieren. Als wichtiger Faktor für Lebensqualität ist die In vestition in Grün, Frei und Landschaftsräume von großer Bedeutung. Mit ihrem qualifzierten Inneren wie Äußeren Grüngürtel, der Rheinuferpromenade und dem rechtsrheinischen Rheinboulevard ver fügt Köln bereits über wichtige, identitätsstif tende Freiräume im Herzen der Stadt. Trotz dem gilt es, Schwachstellen im grünen Netz Kölns zu identifzieren, um gezielte Qualifka tionsmaßnahmen anstoßen zu können. Im Hinblick auf die Industrialisierung der Landwirtschaft, das Insektensterben und andere ökologische Problematiken sind Städ te zu wichtigen Habitaten großer Artenviel falt geworden – schließlich sind auch Städte Naturräume. Daher müssen Artenschutz und vielfalt wichtige Voraussetzungen bei der Gestaltung der Kölner Stadtlandschaft sein, sowohl im Bauwesen als auch im Umgang mit städtischen und privaten Freifächen. # Grünstrukturen vervollständigen und qualifizieren (insbesondere auf rechtsrheinischer Seite) # Das Freiraumnetz aufwerten und stärken # Artenschutz und Artenvielfalt im regionalen Freiraum netz fördern # Neue „grüne Trittsteine“ zwischen großen Freiraum bereichen schaffen # Die Siedlungsränder in Bezug zur umgebenden Landschaft setzen # Vertikales Grün stärken Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive 110 Ziel 4.4 Köln stärkt se ine Rolle als Vorreiter in der Digitalisierung. Die Digitalisierung ist ein globaler Megatrend, der alle Lebens und Politikbereiche betrifft. Ein umfassendes Angebot an digitalen Dienst leistungen sowie leistungsfähige digitale Infrastrukturen sind dabei zu einem ausschlag gebenden Standortfaktor für die Wirtschaft geworden. Viele Dienstleistungen in der Stadt, zum Beispiel Ticketing, Routenberechnung, Echt zeitauskünfte, Appbasierte Leihsysteme, RideSharing etc., können dank digitaler Möglichkeiten neu und bedarfsorientiert organisiert werden; durch „smarte“ Technolo gien entstehen bei der Energieproduktion und speicherung wenig Verluste und Kosten, neue digitale Prognosefunktionen ermöglichen passgenaue Vorhersagen von Kundennachfra gen und optimieren die Stadtlogistik. Köln will bei der Nutzung der Digitalisierung eine Vorreiterrolle einnehmen und vor allem im Bereich der Mobilität die bestehenden Möglichkeiten nutzen, um dynamischer auf Nachfragesituationen reagieren zu können und Verkehrsfüsse effzienter zu steuern. Köln will SmartCityTechnologien aber auch in anderen Bereichen noch stärker nutzen, beispielsweise im Kontakt mit Bürgerinnen und Bürgern, bei der Beantragung eines Ge werbescheins, bei Baugenehmigungen oder der Beantragung von persönlichen Papieren. Die digitalen Möglichkeiten sollen stärker dazu beitragen, Prozesse schlank und für alle Betei ligten angenehm zu gestalten. Besonders hinsichtlich der strategischen Steuerung kommt den elektronischen Daten eine zentrale Rolle zu. Mit dem Geoportal des Landes NordrheinWestfalen oder dem Open DataPortal der Stadt Köln existieren bereits umfangreiche offene Datenportale. Köln hat es sich zum Ziel gesetzt, die diversen Datensätze zu Demografe, Stadtentwicklung, Sozialstrukturen, ökologischen Aspekten etc. zu verschränken und die Zugänglichkeit zu optimieren. # Die digitale Steuerung von städtischen Systemen und Infrastrukturen vorantreiben # Mobilität und Digitalisierung verknüpfen # Köln stärkt seine mobile und digitale Infrastruktur und baut die Breitband infrastruktur aus # Köln zum Vorreiter für digitale Angebote der Stadtverwaltung machen # Open DataAngebote ausbauen # Digitale Kunstangebote stärken # Plattform für urbane Daten schaffen 111 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive Ziel 4.5 Köln stärkt die r egionale Kooperation und die internationale Zusammenarbeit. Die Welt wächst zusammen: Köln ist durch internationale Firmen, Handelsbeziehungen, Wissenschaft, Kultur und eine multikulturelle und vielfältige Gesellschaft global vernetzt. Auch Städtenetzwerke und partnerschaften oder gemeinsame Projekte (wie zum Beispiel das EUProjekt „GrowSmarter“) bieten großes Potenzial für wirtschaftliche und nachhaltige Entwicklungen sowie Wissenstransfer. Diese schon existierenden globalen Netzwerke gilt es, weiter auszubauen und zum Vorteil für die gesamte Stadtgesellschaft zu nutzen. Doch nicht nur global, auch regional bieten vertiefte Kooperationen mit Nachbargemein den viele Chancen für Synergieeffekte. Ein zentrales Thema der interkommunalen Zu sammenarbeit ist Mobilität, zum Beispiel im Hinblick auf die vielen täglichen Pendlerinnen und Pendler, die auf beiden Seiten der Stadt grenze leben und arbeiten. Hier liegen durch die Zusammenarbeit der Kommunen in den verschiedenen Verkehrsverbünden (VRS, VRR, AVV) und dem Zweckverband NVR bereits gute Erfahrungen vor. Andere Themen werden derzeit nur selten im regionalen Kontext be trachtet. So sollten zum Beispiel in den Berei chen Schulbau, soziale Infrastruktur oder auch interkommunale Stadtentwicklungsprojekte gemeinsame Ansätze und Modellprojekte entwickelt und umgesetzt werden. Anstöße hierfür bieten die vorhandenen StadtUmlandKonzepte und das Agglomera tionskonzept für die Region KölnBonn, das im nächsten Schritt als Agglomerationspro gramm konkretisiert wird. # Kooperationsrahmen für regionales Wachstum und nachhaltige Verkehrsentwicklung einführen # Interkommunale Angebote mit Nachbargemeinden etablieren # Vernetzung mit nationalen und internationalen Partnerinnen und Partnern ausbauen Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive 112 Leitsatz 5 Köln wächst klimagerecht und umweltfreundlich und sorgt für gesunde Lebens verhältnisse. 113 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive Wie alle Städte ist auch Köln vom globalen Klimawandel betroffen. Hieraus ergeben sich vielfältige Handlungsbedarfe, um eine nach haltige Entwicklung der Stadt zu forcieren. Während für den Klimaschutz vor allem die Reduktion von Emissionen in der Stadt ein zentrales Ziel der Kölner Stadtentwicklung ist, müssen gleichzeitig Vorkehrungen für die Anpassung an die Folgen der schon spürba ren Veränderungen des Klimas in Form von Hitzewellen oder Extremwetterereignissen getroffen werden. Die große Herausforderung und zugleich Chance ist es, die Kölner Lebens qualität im Zuge dieser Handlungserfordernis se nicht nur zu erhalten, sondern auszubauen und zu stärken. Der Kommune und dem Veedel kommt dabei eine entscheidende Schlüsselrolle zu, während hier zugleich die Lebensqualität der Bewoh nerinnen und Bewohner bewahrt werden soll und Herausforderungen gegeneinander abgewogen werden müssen. Dies erfordert ein Reagieren sowohl bei der städtischen Infrastruktur, beim Städtebau als auch bei der grundsätzlichen Flächennutzung der Stadt: Gebäudebestand, Mobilität und Energiever sorgung müssen für die Zukunft klimaneutral gestaltet werden. Um die Lebensqualität ihrer Bewohnerinnen und Bewohner positiv zu beeinfussen, möchte die Stadt Köln gesunde Lebensverhältnisse stärken und unter anderem die Bausteine der „aktiven Stadt“ stärken. Köln fördert daher die Gesundheitsversorgung mit ganzheitlichen Ansätzen und stärkt Sport und Bewegungsan gebote sowie die Bereitstellung von Sport und Bewegungsfächen. Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive 114 115 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive Ziel 5.1 Köln förde rt Bewegung und Sport. Gesundheit ist ein hohes Gut, das Lebensqua lität bis ins hohe Alter ermöglicht. Sport und Bewegung tragen wesentlich zu Gesundheit und Lebensqualität bei und spiegeln sich im allgemeinen Trend hin zu einem steigenden gesellschaftlichen Gesundheitsbewusstsein wider. Daher fördert Köln den Sport auch ge zielt im Hinblick auf die quartiersnahe präven tive Gesundheitsversorgung. Mit der Deutschen Sporthochschule, dem 1. FC Köln und vielen weiteren Akteurinnen und Akteuren ist Köln eine Metropole des Sports. Neben diesen Spitzenakteurinnen und akteuren sorgen in den Veedeln die Vereine tagtäglich für Gesundheit, Zusammenhalt, Integration und Lebensqualität. Bei dieser wichtigen Rolle gilt es, sie zu unterstützen und zu fördern, um in allen Quartieren eine breite Vielfalt guter Angebote sicherzustellen und möglichst vielen zugänglich zu machen. In einer Großstadt sind die räumlichen Res sourcen naturgemäß häufg knapp. Hallen und Plätze müssen klug gemanagt und für vielfäl tige Nutzungen geöffnet werden. Gleichzeitig gilt es, auch öffentliche Räume so zu gestal ten, dass sie zu Bewegung und Erholung im Alltag und Sport in der Freizeit anregen. Vor dem Hintergrund der Zunahme von Über gewicht bei Kindern und Jugendlichen, aber auch der integrativen Kraft der Sportvereine, ist es besonders wichtig, dem Nachwuchs ein vielfältiges Angebot, auch in Verbindung mit Bildungsangeboten, zu bieten. # Köln als Sportstadt weiter stärken # Sport und Freiflächen nach Möglichkeit öffnen und mehrfach nutzen # Die Zugänglichkeit städtischer und regionaler Erholungs räume sicherstellen # Sport, Gesundheits und gesunde Versorgungsangebote in allen Quartieren sicherstellen # Sport, Bewegungs und Aktionsangebote für Kinder und Jugendliche fördern Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive 116 Ziel 5.2 Köln so rgt für Zugang zur gesundheitlichen Versorgung, Gesundheitsförderung und Prävention für alle Lebenslagen. Gesundheit betrifft alle: Daher gilt es, die Qualität der gesundheitlichen Angebote in der Breite im Blick zu behalten und auch im Sinne der sozialen Gerechtigkeit an allen Orten der Stadt eine gute und ausreichende Versorgung jederzeit sicherzustellen. Zentraler Aspekt bei der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung ist die Zugänglichkeit. Hierbei müssen vor allem die Anforderungen der verschiedenen Zielgruppen im Blick behalten werden. Das heißt auch, gezielt niedrigschwellige Angebo te für Gruppen mit besonderen Bedürfnissen, beispielsweise Menschen, die schlecht oder nicht ans Regelsystem angebunden sind, zu fördern oder zu schaffen. Das Ziel, gesunde Lebensverhältnisse für alle Kölnerinnen und Kölner zu ermöglichen, ist eine ganzheitliche Aufgabe. Um die Gesund heit der Bevölkerung zu fördern, spielt die # Köln als gesundheitsfördernde Stadt profilieren # Luftqualität verbessern # Qualität der gesundheitlichen und sozialen Versorgung an allen Orten verbessern # Aktivitäten und Angebote der gesundheitlichen Prävention stärken Prävention von Erkrankungen eine ganz zent rale Rolle. Einerseits braucht es hierfür ausrei chende Angebote im Gesundheitssystem der Stadt. Andererseits ist es wichtig, Schnittstel len zu anderen Bereichen wie gesundheitlicher Bildung, qualitativer Freiräume für Bewegung oder der Reduktion von Emissionen auszubau en und zu gestalten. Eine besondere Herausforderung wird dabei in den kommenden Jahren der demografsche Wandel und die damit einhergehende Alte rung der Gesellschaft sein: Vor allem bei der Gesundheitsversorgung muss darauf hingear beitet werden, älteren und pfegebedürftigen Menschen eine gute Versorgung im gewohn ten Umfeld zu bieten, um ihnen weiterhin eine gleichberechtigte Teilhabe im Veedel zu ermöglichen. # Pflege und Wohnen im Alter als integrierten Bestandteil der Quartiers entwicklung stärken # Niederschwellige Angebote für Menschen mit besonderen Belastungen oder ohne Anbindung an das Regel system fördern # Weiterentwicklung der Gesund heitsregion fördern 117 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive Ziel 5.3 Köln betre ibt eine konsequente Klimawandelanpassung. Die Auswirkungen des Klimawandels werden auch in Köln immer deutlicher: Die Tempera turen steigen und die Häufgkeit und Intensität von Extremwettereignissen nehmen zu. Die Stadt verstärkt daher die Anstrengungen zur Anpassung an den Klimawandel auf dem ge samten Stadtgebiet konsequent. Vor allem dicht bebaute Stadtquartiere mit hohen Versiegelungsgraden und wenig Ve getation leiden im Sommer unter Hitzeent wicklung und dem Mangel an Kühlung, auch Starkregenereignisse stellen hier eine zuneh mende Bedrohung dar. Die Anfälligkeit ge genüber den Auswirkungen des Klimawandels steigt und muss mit entsprechenden Maß nahmen wie zum Beispiel Retentionsfächen für Regenwasser, Flächen zur Luftkühlung, urbanes Grün zur lokalen Kühlung sowie Ver schattung und klimaneutrale und angepasste Bauweisen reduziert werden. Insbesondere sensible Bevölkerungsgruppen wie ältere Men schen, kleine Kinder und Schwangere sind von den Auswirkungen bedroht und besonders schutzbedürftig. Die Klimawandelanpassung muss bei allen Pro jekten der Stadt frühzeitig mitgedacht werden und spielt vor allem bei der Stadttechnik, der Flächennutzung sowie in der Architektur und im Städtebau eine wichtige Rolle. Elementar ist dabei auch die Freiraumplanung, die stadt ökologischen und stadtklimatischen Zielen Rechnung trägt und grüne Infrastrukturen sichert. Nur so kann Köln aus sich heraus eine Resilienz entwickeln, um trotz des Klimawan dels eine lebenswerte Metropole zu bleiben. # Maßnahmen zur Vermeidung von Hitzeinseln und Kühlung der Quartiere ergreifen # Retentionsflächen an Gewässern ausbauen # Versickerungs und Auffangmöglichkeiten für Starkregenereignisse verbessern # Klimaangepasste und neutrale Bauformen fördern # Grüne Freiräume als „Luftfilter“ sichern # Risikogruppen bei Hitzeereignissen besser schützen Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive 118 Ziel 5.4 Köln betr eibt aktiv Klimaschutz und reduziert seine CO2Emissionen. Städte sind die Leidtragenden der Umweltver änderungen und zugleich Treiber und Verur sacher der Umweltprobleme. Auch Köln trägt durch seinen Ausstoß von CO 2 zum globalen Klimawandel bei. Das Klima zu schützen ist eine gemeinsame globale Aufgabe – jede Kommune kann und muss ihren Beitrag leis ten. Insbesondere die Reduzierung der CO 2 Emissionen bildet eine wichtige Stellschraube. Der motorisierte Individual und Güterverkehr trägt neben der Industrie, dem Gewerbe und den privaten Haushalten einen hohen Anteil zu den städtischen CO 2Emissionen bei. Da her sollen in diesen Bereichen die Emissionen durch ein Zusammenspiel aus Push und Pull Faktoren gesenkt werden. Beispielsweise sind im Bereich der städtischen Mobilität angebots orientierte, attraktive und klimafreundliche Transportmittel zu fördern. So können CO 2 intensive Verkehrsmittel schrittweise substitu iert werden, was aber vor allem dann gelingt, wenn deren Nutzung zunehmend unattrakti ver wird. Gleiches gilt für die industrielle und gewerbliche Produktion sowie die privaten Haushalte. Neben den CO 2Emissionen ist der generelle Energiebedarf zu reduzieren und die weiterhin benötigte Energie nahezu vollständig regene rativ zu erzeugen. Beispielsweise machen nach wie vor der Betrieb und das Heizen von Gebäu den einen großen Teil des Energieverbrauchs in Deutschland aus. Für Köln gilt es einerseits, seiner Vorbildfunktion gerecht zu werden und seinen Gebäudebestand klimaneutral zu betreiben. Andererseits können im Bauwesen auch gezielt Steuerungsmechanismen über Bauplanungsrecht und Förderungskulissen für nachhaltige Bauweisen eingesetzt werden. Nachhaltige Umwelttechnologien bergen das Potenzial, Köln als zukunftsfähige und mo derne Stadt zu positionieren und neue Wirt schaftszweige zu erschließen. # Nachhaltige Mobilität im Personen und Güterverkehr fördern # Energie einsparen, effizient nutzen und erneuerbare Energien ausbauen # Den Gebäudebestand energetisch optimieren # Anreize für ein nachhaltiges Konsumverhalten schaffen # Als Stadt mit gutem Beispiel vorangehen und die Zivilgesellschaft zum Klima schutz motivieren # Klimaschutz und Verdichtung als integrierte Aufgaben verstehen # Umwelttechnologien als Chance für Wirtschaft und Gesellschaft begreifen 119 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die 360GradPerspektive Ziel 5.5 Köln stärkt regio nale Wertschöpfungsketten und nachhaltige Stoffkreisläufe. Wertschöpfungsketten beschreiben den Weg einer Dienstleistung oder eines Produkts – von der Erzeugung über die Verarbeitung und Vermarktung bis zur Endkundschaft. Wird der Großteil davon in der Region erbracht, ver bleibt auch der Großteil der Wertschöpfung dort und die Wettbewerbsfähigkeit erhöht sich. Nachhaltige Stoffkreisläufe bringen Produktion und Wertschöpfung, Weiterver arbeitung, Konsum und Wiederverwertung vor Ort zusammen. Der Ansatz geschlosse ner regionaler Stoffkreisläufe wird durch den technologischen Fortschritt weiter gestärkt. Die Vernetzung durch moderne digitale Tech nologien ermöglicht es, ökologische Aspekte der Kreislaufwirtschaft mit wirtschaftlicher Effzienz zusammenzubringen. Da viele res sourcenrelevante Stoffströme regional orga nisiert sind, haben Kommunen hier ein großes Potenzial für ressourceneffzientes Handeln. Köln will diese regionalen Wertschöpfungsket ten fördern und entwickeln. Dies kann bei spielsweise durch den systematischen Ausbau und das Management regionaler Wertschöp fungsketten oder auch die Knüpfung strate gischer Allianzen und neuer Akteurskonstella tionen geschehen. Vernetzte Ansätze bieten dabei die Chance, gezielt lokale Produktion zu fördern, lokale Vermarktung von Produkten zu stärken und einen fairen Handel zu ermög lichen. Zur Etablierung nachhaltiger Stoffkreisläufe gehört es auch, Abfälle zu vermeiden. Kam pagnen, welche die städtische Verwaltung als Vorbild zeigen, aber auch Kooperationen mit weiteren lokalen Akteurinnen und Akteuren sollen erste Ansätze sein, um dieses Ziel zu verfolgen. Mit den Abfallwirtschaftsbetrieben Köln (AWB) und der Abfallentsorgungs und Verwertungsgesellschaft Köln mbH (AVG Köln) hat die Stadtverwaltung zuverlässige Partner beim Thema nachhaltige Nutzung von Reststoffen, Sauberkeit und der Erhöhung der Recyclingquoten. Da die Nachhaltigkeit im Veedel beginnt, ist es zentral, an allen Orten der Stadt attraktive Möglichkeiten zum Recyc ling zur Verfügung zu stellen. # Produktionskreisläufe vernetzen, Zykluswirtschaft in den Quartieren ausbauen # Regionale Produktions und Vermarktungsketten ausbauen # Urbane Recyclingangebote stärken # Anreize zur Müllvermeidung schaffen # Mülltrennung und örtliches Recycling fördern Vorschläge für Handlungs empfehlungen Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Vorschläge für Handlungs empfehlungen Die zehn Handlungsempfehlungen beschrei ben die wichtigsten Stoßrichtungen für die zu künftige Kölner Stadtentwicklung und zeigen auf, wie die formulierten Ziele erreicht werden. Sie sind aus dem Zielgerüst der 360GradPers pektive und den Erkenntnissen der Stadträum lichen Perspektive gleichermaßen entwickelt und bilden damit das Bindeglied zwischen beiden Betrachtungsebenen. Das städtische Handeln orientiert sich an dem dargestellten Zielgerüst der 360GradPers pektive. Die Handlungsempfehlungen leiten daraus die dringlichsten Aufgaben ab. Sie be rücksichtigen dabei jeweils mehrere Ziele und Aspekte (#) inklusive ihrer sozialen, kulturellen und gesellschaftlichen Schwerpunkte sowie die Ansätze der räumlichen Entwicklung und knüpfen an bestehende Konzepte und Stra tegien an, welche die Umsetzung der Hand lungsempfehlung fachlich konkretisieren. Die zehn Vorschläge für Handlungs empfehlungen lauten: 1. Klimagerecht leben 2. Innere Werte 3. Kölner Mischung 4. FreiRaum 5. Verkehrswende 6. Wirtschaft hoch 3 7 . Vorfahrt Bildung 8. StadtLeben 9. Smarte Stadt 10. RegioCoop Die Reihenfolge und Nummerierung der be schriebenen Handlungsempfehlungen stellen keine Priorisierung dar. Die hier formulierten Handlungsempfehlun gen sind als Vorschläge zu verstehen. Die Diskussion und Konkretisierung wird durch das vom Verwaltungsvorstand eingesetzte Stadt entwicklungsteam gesteuert. Im weiteren Prozess sollen die Handlungsempfehlungen weiterentwickelt, klare Aufgaben und Hand lungsschritte formuliert und die Zusammen arbeit zwischen den verschiedenen Ämtern der Stadtverwaltung sowie zwischen der Stadt und externen Akteurinnen und Akteuren intensiviert werden. Ebenso sollen aus den Handlungsempfehlungen klar budgetierbare und in der Regel bauliche Schlüsselprojekte abgeleitet werden, die eine besondere Bedeu tung oder Modellcharakter für die Umsetzung der Stadtstrategie haben. 121 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Vorschläge für Handlungsempfehlungen 122 Handlungsempfehlung 1: Klimagerecht leben Köln hat sich das Ziel gesetzt, durch sein akti ves Handeln das Klima zu schützen und sich an die Folgen des Klimawandels anzupassen. Die Stadt stellt daher einen klaren Plan zur Reduzierung des CO2Ausstoßes und zur De karbonisierung auf, mit dem Ziel, spätestens 2050 klimaneutral zu sein. Der Klimaschutz wird im Sinne des Grundsatzes „Vermeiden, Vermindern und Kompensieren“ durch kon krete Maßnahmen umgesetzt. Diese zielen insbesondere auf die Reduktion der Emissio nen durch Industrie, Haushalte und Verkehr ab. Aber auch die Stärkung einer nachhaltigen Landwirtschaft, der Aufbau lokaler Vertriebs wege für eine regionale Ernährung und die erhöhte Sensibilisierung der Stadtgesellschaft dienen der Entwicklung einer klimaneutralen, energieeffzienten und resilienten Stadt. Um den Verbrauch fossiler Energien, als maß geblichen Treiber der globalen Klimaerwär mung, zu drosseln, sind nahezu alle Bereiche der Stadtentwicklung in der Pficht. Politik und Verwaltung müssen dafür städtische Ziele durch Regelungen und Verhandlungen durch setzen, ihre Vorbildfunktion im Klimaschutz und bei der Klimaanpassung stärker ausfüllen und als kompetente Partnerinnen und Partner für Beratung und Förderung auftreten. Dies gilt insbesondere für den energetischen Stadt umbau, klimaschonende Bau und Produkti onsformen, die Energieversorgung, nachhal tige Mobilitätslösungen (Verkehrswende), die Ernährungswende sowie den Erhalt der natür lichen Lebensgrundlagen. Die dazu notwendi gen Planungsinstrumente, Maßnahmen und Regelungen sind integriert und akteursüber greifend zu erarbeiten und die Einsparung von Treibhausgasen bei städtischen Entscheidungs prozessen mit hoher Priorität zu versehen. Bei der Energieversorgung ist der Anteil re generativer und dezentraler Lösungen im Stadtgebiet zu erhöhen. Ebenso sind mögliche Synergien einer wirtschaftlichen und ökolo gischen Entwicklung (beispielsweise bei der Erneuerung von Produktionsanlagen, den Möglichkeiten der Kreislaufwirtschaft oder bei innovativen Produkten und Dienstleistungen) zu erkunden und systematisch zu fördern. 123 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Vorschläge für Handlungsempfehlungen Um Köln vor den Folgen der Klimaerwär mung zu schützen, verfolgt die Stadt klare Maßnahmenpakete. In Hitzeperioden sind Mensch, Tier und Natur vor der anhaltenden Hitzeeinwirkung zu schützen. Die Sicherung der Gesundheitsprävention ist besonders unter den Aspekten Klimawandel, demografscher Wandel und Stadtwachstum zu betrachten. Landschaftspfege, Grünfächenplanung und die Bewirtschaftung von Böden sind nachhaltig und klimagerecht zu gestalten. Biotope mit hoher Artenvielfalt sind besonders zu sichern. Als klimagerechte Stadt sorgt Köln für die Frei haltung von Kaltluftentstehungsgebieten und Frischluftschneisen als stadtklimatische Aus gleichsfächen. Eine gesteigerte Durchgrünung der Stadt mit einer Vernetzung von Grün und unbebauten Freifächen, eine klimawandelan gepasste Bebauung und Nachverdichtung so wie Maßnahmen zur Verbesserung des Stadt klimas in dicht bebauten Belastungsgebieten sind wichtige Eckpfeiler der Vorsorgestrategie. Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Vorschläge für Handlungsempfehlungen 124 Handlungsempfehlung 2: Innere Werte Die Stadt Köln nutzt ihre bestehenden Flä chenpotenziale konsequent und nachhaltig, um ihren Flächenverbrauch zu reduzieren. Dafür greift die Stadt vermehrt auf eine aktive Liegenschaftspolitik zurück, wendet beste hende Instrumente der Grundstücksvergabe konsequent an und ergänzt diese um kölnspe zifsche Regelungen. Flächen und Nutzungs konkurrenzen werden im Sinne einer nachhal tigen Entwicklung gelöst. Dafür baut Köln ein digitales strategisches Flächenmanagement auf. Dieses zeigt neben Flächen für bauliche Entwicklungen und Nutzungen wie Wohnen, Gewerbe und Industrie, soziale Infrastruktu ren und Verkehr auch unbebaute Flächen für Funktionen wie Erholung, Ernährung, Um weltschutz, Ökologie, Natur und Artenschutz, Stadtklima und Gewässerschutz. Als Basis einer fächenschonenden und sozial verträglichen Stadtentwicklung erhöht Köln die bauliche Dichte seiner bestehenden Sied lungsstruktur. Die Stadt setzt dabei sowohl auf eine kleinteilige Innenentwicklung als auch auf die Identifzierung von Transformationsfächen in innerstädtischen Lagen. Für Wohn, Misch und explizit auch für Gewerbegebiete entwi ckelt die Stadt ein Innenentwicklungskonzept, welches für unterschiedliche Stadtstrukturty pen Dichteleitbilder formuliert. Diese sollen gesunde Lebensverhältnisse, angemessene städtebauliche Strukturen, Möglichkeiten der Nutzungsmischung, die Stapelung von Nut zungen und kurze Wege fördern. Integraler Bestandteil dieser Strategie sind zielführende Vorgehensweisen der Umsetzung sowie die Mobilisierung von Flächen. Den Funktionen und Nutzungsansprüchen un bebauter Flächen im Stadtgebiet sind zukünf tig eine strategische Bedeutung einzuräumen, da sie für ein gesundes Stadtklima, die Versor gung mit Lebensmitteln, die Erholung sowie für Ökologie und Biodiversität unentbehrlich sind. Bei Konfikten zwischen neuen baulichen Flächennutzungen und dem Erhalt unbebauter Flächen sind innovative Konzepte zu priori sieren, die den Flächenverbrauch minimieren beziehungsweise sich auf den Erhalt oder die Wiederherstellung des Ökosystems fokussie ren. 125 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Vorschläge für Handlungsempfehlungen Handlungsempfehlung 3: Kölner Mischung Köln investiert in den Bau von bezahlbarem Wohnraum, insbesondere in den Geschoss wohnungsbau, als zentralem Bestandteil der lebenswerten Stadt. Die dafür notwendigen Flächenpotenziale sind sowohl in der stadt, sozial und klimaverträglichen Verdichtung bestehender Quartiere als auch durch die Entwicklung neuer, kompakter Stadtbausteine mit städtischen Dichten in durch den ÖPNV gut erschlossenen Gebieten zu mobilisieren. Durch die konsequente Umsetzung des Stadt entwicklungskonzepts Wohnen stabilisiert Köln die Preisentwicklung auf dem Wohnungs markt und ermöglicht allen Bevölkerungsgrup pen einen Zugang zu Wohnraum. Das koopera tive Baulandmodell mit seiner Festsetzung auf 30 Prozent öffentlich geförderten Wohnungs bau soll um ein städtisches Konzept für bezahl baren Wohnraum ergänzt werden. Dabei entwickelt und verfolgt die Stadt den Ansatz der „Kölner Mischung“. Dieser etabliert eine neue Baukultur mit einem starken Fokus auf Verdichtung und Mischnutzung. Infolge dessen sind Stadtteile und Stadtquartiere so zu entwickeln, dass neben heterogenen Wohn angeboten weitere Nutzungen bedarfsgerecht gesichert und ergänzt werden. Dies umfasst die sozialen Infrastrukturen, Angebote der Versorgung, Kultur und Bildung sowie attrak tive Freiräume und Arbeitsplatzangebote. So erreicht die Stadt die Entwicklung lebenswer ter Veedel mit kurzen Wegen als Träger städti schen Lebens. Mit der Förderung öffentlicher und gemeinnüt ziger Wohnbauträger soll zudem der Anteil der nicht renditeorientierten Vermietungen von Wohnraum erhöht werden. Die angestrebte Heterogenität auf dem Wohnungsmarkt soll auch durch die Entwicklung und Förderung neuer Wohnungstypen unterstützt werden, welche die Möglichkeiten des Zusammenle bens erhöhen und den Flächenverbrauch pro Person senken können. Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Vorschläge für Handlungsempfehlungen 126 Handlungsempfehlung 4: FreiRaum Durch Stadtwachstum und Klimawandel ver ändern sich die Funktionen der grünblauen In frastrukturen und die Ansprüche an Grün und Freifächen. Die urbanen Freiräume der Stadt werden daher zukünftig als Teil eines Systems multifunktionaler Räume für Erholung, Auf enthalt, Klimaanpassung (Kühlung und Frisch luft), Naturschutz und Biodiversität sowie der Nahrungsproduktion behandelt. Auf der Basis des Kölner Grünsystems werden die unter schiedlichen Funktionen und Ansprüche an die Grün und Freifächen koordiniert, Nutzungs konfikte aufgelöst und Möglichkeiten für die Entwicklung neuer Freiräume konsequent genutzt. Dabei sollen auch bislang ungenutzte Flächen, wie zum Beispiel Dachfächen, mitein bezogen werden. Dies bezieht sich insbesondere auf die ver stärkte Übernahme von Funktionen zur Anpas sung an den Klimawandel. Nicht nur Maßnah men der Verschattung und Verdunstung sind auf den bestehenden Flächen auszubauen und zu qualifzieren, sondern auf alle öffentlichen Freiräume der Stadt auszudehnen. Damit rückt auch der Straßenraum als ein zentraler und vernetzender Bestandteil des Freiraumsystems in den Fokus, der als öffentlicher und urbaner Freiraum sowie als Träger des Stadtlebens und eines gesunden Stadtklimas entwickelt wird. Grün und Freifächen sind neben ihren be stehenden Funktionen (Erholung, Freizeit, Sport, Aufenthalt) auch als Träger einer um weltverträglichen Nahmobilität sowie als Produktionsort für Nahrungsmittel (Stichwort „Essbare Stadt“) weiterzuentwickeln. Gleich zeitig ist deren Nutzung als Erholungsraum zu koordinieren und durch zusätzliche Grün und Freiräume innerhalb der Veedel zu entlas ten. Dazu gehören auch die Aufwertung und Pfege bestehender urbaner Freiräume. Für die Weiterentwicklung des Grün und Freiraum systems sind unter Berücksichtigung ökologi scher, stadtklimatischer, städtebaulicher sowie kultureller und gesellschaftlicher Aspekte klare Vorgaben für Funktionen, Flächenantei le, Programmatik, Gestaltung, Sicherheit und Unterhalt aufzustellen. Ökologisch besonders wertvolle Flächen ha ben dabei einen hohen Erhaltungs, Weiterent wicklungs und Schutzstatus. Hierunter fal len sowohl ertragreiche landwirtschaftliche Flächen, Freifächen für den Funktionserhalt des Naturhaushalts, artenreiche Flächen für Natur und Landschaftsschutz (unter anderem FFHGebiete) und Flächen für den Funktions erhalt der Biotopvernetzung zum Schutz der Biodiversität. 127 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Vorschläge für Handlungsempfehlungen Handlungsempfehlung 5: Verkehrswende Köln verfolgt eine konsequente Verkehrswen de weg vom motorisierten Individualverkehr hin zu nachhaltigen Mobilitätsangeboten. Die nachhaltige Mobilitätsentwicklung und die Verkehrsvermeidung werden zu einem zen tralen Pfeiler der Stadtentwicklung und dem entsprechend prioritär behandelt – sowohl im Personen als auch im Güterverkehr. Der ge plante Sustainable Urban Mobility Plan (SUMP) ist für konkrete Maßnahmen und deren Um setzung von zentraler Bedeutung. Der Ausbau, die Verknüpfung und die Opti mierung der Verkehrsträger des Umweltver bunds werden weiter vorangetrieben und mit der Siedlungsentwicklung koordiniert. Dies umfasst insbesondere die Verbesserung der Umsteigemöglichkeiten im ÖPNV und die För derung von Mobilitätsstationen zur integrier ten Nutzung umweltverträglicher Verkehrs mittel. Auch die gezielte Nachverdichtung und Aufwertung gut an den Umweltverbund angebundener Orte sowie die Verbesserung bestehender Anbindungen sind dahingehend zu prüfen und zu entwickeln. Darüber hinaus sind neue Strecken und Linienführungen in Verbindung mit OnDemandServices und ei ner gestärkten Radinfrastruktur zu diskutieren. Unterstützt wird das Angebot des Umweltver bunds durch eine verbesserte Koordination der digitalen Information und einheitlicher Tarif systeme. Integraler Teil der Verkehrswende ist aber auch die Neubewertung und Reorganisation des Straßenverkehrs und seiner Infrastrukturen. Das städtische Straßensystem soll zukünftig gleichrangig unterschiedlichen Verkehrs mitteln zur Verfügung stehen und den An forderungen an einen qualitätsvollen, multi funktionalen öffentlichen Raum entsprechen. Daher sind die Flächen für den fießenden und ruhenden MIV zu begrenzen und zu reduzie ren. Der so gewonnene Straßenraum kann durch umweltfreundliche Verkehrsmittel oder für Aufenthaltszwecke genutzt werden. Die Steuerung des Verkehrsfusses ist mit neuen digitalen Instrumenten zu unterstützen. Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Vorschläge für Handlungsempfehlungen 128 Handlungsempfehlung 6: Wirtschaft hoch 3 Kölns Arbeitswelten und Unternehmen rüsten sich für die Zukunft und rücken näher zusam men. Um die Wettbewerbsfähigkeit der Köl ner Wirtschaft zu stärken, werden Gewerbe, Dienstleistungs, Kreativ und Industriestand orte differenziert entwickelt. Dazu zählen die Verdichtung und Qualifzierung von Standor ten sowie die Ergänzung mit unterstützenden Funktionen. Eine Clusterung der Nutzungen, die Förderung der Zusammenarbeit, das Teilen von Wissen und Einrichtungen sowie der Aus bau der Digitalisierung, der Kreislaufwirtschaft und der Ressourceneffzienzsteigerung sind weitere wichtige Ansätze. Wesentliche zukünftige Standards für Pro duktions und Dienstleistungsstandorte sind eine ausgewogene Funktionsmischung, Ver dichtung und letztendlich die städtebauliche Qualität. Daher entwickelt Köln für beste hende Gebiete Ansätze für die Mobilisierung zusätzlicher Flächenpotenziale durch Nut zungsstapelung (wie Büros/Verwaltung, Par ken, Produktion) für eine bessere Erreichbar keit mit dem ÖPNV und für die Anreicherung mit gemeinsam genutzten Einrichtungen (wie öffentlichen Kantinen, Kinderbetreuung oder CoWorkingSpaces). Für die Wirtschaftsentwicklung ist die Verfüg barkeit und die Ausweisung von Gewerbe und Industriefächen von großer Bedeutung. Hier sind Synergien dichter, durchmischter und kompakter Gebiete, auch im Sinne einer fä chensparenden Entwicklung, zu nutzen. Die Integration urbaner Produktion in be stehenden innenstadtnahen Quartieren soll vornehmlich erhalten und weiter ausgebaut werden. Die Kombination von emissionsar men, ressourceneffzienten und nachhaltig wirtschaftenden Betrieben und Unternehmen der Kreativwirtschaft ist ein zentraler Bestand teil einer zukunftsfähigen und durchmischten Stadt. Als wichtige Standbeine der Kölner Wirtschaft können sie, gemeinsam mit Start ups und kulturellen Einrichtungen, neue Ent wicklungsimpulse innerhalb der Stadt setzen. Hierfür sind innerstädtische Standorte für die Bedürfnisse der wohnungsnahen Produktion weiterzuentwickeln und neue Potenziale im Stadtgebiet, insbesondere für moderne Indus trieunternehmen, zu mobilisieren. 129 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Vorschläge für Handlungsempfehlungen Mit den skizzierten Entwicklungsrichtungen schafft Köln die Grundlagen für eine zukunfts fähige Entwicklung einer produktiven Stadt und mobilisiert zusätzliche Gestaltungsräume für die Wirtschaft. Im Stadtentwicklungskon zept Wirtschaft werden konkrete Maßnahmen für den nachhaltigen Umgang mit der knap pen Ressource Gewerbe und Industriefäche defniert. Dabei wird auch der Einsatz von Ge bietsmanagerinnen und managern sowie eine gezielte Ansiedlungs und Liegenschaftspolitik der Wirtschaftsförderung zur Unterstützung der Entwicklung der produktiven Stadt be rücksichtigt. Durch eine gezielte Förderung und Aktivie rung, Ausbildung und Qualifzierung spezieller Zielgruppen soll das vorhandene Fachkräfte potenzial als Standortfaktor Kölns gefördert werden. Als Garant für Innovation und Wett bewerbsfähigkeit, Wachstum und Beschäfti gung, Wohlstand und Lebensqualität ist die Sicherung des Fachkräftebedarfs angesichts der demografschen Entwicklung eine große Herausforderung. Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Vorschläge für Handlungsempfehlungen 130 Handlungsempfehlung 7: Vorfahrt Bildung Köln fördert die Bildung als Schlüssel für Chancengerechtigkeit, gesellschaftlichen Zusammenhalt, wirtschaftliche Teilhabe sowie Umwelt und Klimaschutz mit hoher Priorität. Dafür entwickelt die Stadt ihre Bildungsinfra struktur und angebote für alle Altersklassen weiter und geht neue Wege, um den Aus tausch von Wissenschaft, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft zu stärken. Die erheblichen Investitionen zum Ausbau der Schulen als Träger der (Aus)Bildung von Kindern und Jugendlichen sind zu sichern und durch zusätzliche Ressourcen zu unterstützen. Zukünftige Schulstandorte sollen dabei nicht nur Orte des Lernens, sondern auch Zentren der Integration, des Zusammenlebens und der gesellschaftlichen Initiative werden. Ins besondere auch das für die Klima und Um weltbildung maßgebliche Angebot an außer schulischen Lernorten ist weiter auszubauen. Der Schulentwicklungsplan und das Schul bauprogramm sind für die Umsetzung der notwendigen Maßnahmen anzuwenden und gegebenenfalls zu erweitern. Vor allem in der wachsenden inneren Stadt sind die notwen digen Flächen für Bildungseinrichtungen zu erhalten oder neue Potenziale, beispielsweise durch eine aktive Bodenpolitik, zu sichern. Neben der Schulbildung sind insbesondere die Angebote der Erwachsenenbildung als wichti ges Element der Weiterbildung und Qualifzie rung sowie der Integration aller Bevölkerungs gruppen weiter zu fördern. Die Stadt schafft dafür neue Möglichkeiten und Standorte und nutzt den Aus und Neubau schulischer sowie anderer öffentlicher Einrichtungen. 131 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Vorschläge für Handlungsempfehlungen Köln ist eine Stadt, in der sich Wissen und Kre ativität entfalten und Wissenschaft und Wirt schaft verknüpfen. Um die Innovationskraft zu fördern und seinen Wissenschaftsstandort zu stärken, entwickelt Köln sein Verständnis der Wissensvermittlung. Die Hochschulen stellen sich den aktuellen gesellschaftlichen Heraus forderungen und tragen durch neue Formate der Wissenskultur – wie beispielsweise „Citi zen Scienceship“, also die Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern an Forschungspro jekten – zum Transfer in die Zivilgesellschaft bei. Für diese Entwicklung ist die Kooperation von Einrichtungen der Wissenschaft und der kulturellen Bildung zu fördern. Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Vorschläge für Handlungsempfehlungen 132 Handlungsempfehlung 8: StadtLeben Köln fördert die Teilhabe, Solidarität und Chan cengerechtigkeit, um ein tolerantes Klima innerhalb einer vielfältigen Stadtgesellschaft zu schaffen und stärkt seine Veedel als Orte des Zusammenlebens. Auf der Grundlage des Masterplans des De zernats für Soziales, Umwelt, Gesundheit und Wohnen werden die Teilhabechancen vor allem von sozial benachteiligten Bevölkerungs gruppen wie Alleinerziehenden, kinderreichen Familien, Menschen mit Migrationsgeschichte, kranken und pfegebedürftigen Menschen, älteren Menschen, die von Transferleistungen leben, Obdachlosen und Langzeitarbeitslo sen gefördert. Dabei geht es nicht nur um materielle Absicherung, sondern um eine umfassende Teilhabe an den gesellschaftlich wichtigen Lebensbereichen wie Gesundheit, Erwerbsbeteiligung, Wohnen sowie um die so ziale, kulturelle und politische Einbindung. In diesem Sinne werden Orte und Initiativen der Begegnung und des gesellschaftlichen Zusam menlebens erhalten und ausgebaut. Anlauf und Beratungsstellen in den Veedeln sollen bedarfsgerecht gestärkt und der Zu gang zu bestehenden oder neuen Angeboten der Weiterbildung und Eingliederung erleich tert werden. Um dies zu erreichen, arbeitet die Stadt mit Fachinstitutionen, sozialen Trägern sowie Vereinen und ehrenamtlich Tätigen zusammen. Gesunde Lebens und Entwicklungsbedingun gen sollen durch Angebote gefördert werden, damit ausnahmslos alle Menschen Zugang zur Gesundheitsförderung und Prävention sowie zur medizinischen Grundversorgung erhalten und vor Gesundheitsgefahren geschützt sind. Zum Schutz vor umweltbedingten Gesund heitsgefahren sind Maßnahmen zu ergreifen, die Mehrfachbelastungen (unter anderem Luft und Wasserverschmutzung, Lärm und Hitze belastungen, ungesunde Ernährung aufgrund des fehlenden Zugangs zu und Bezug von ausgewogenen Lebensmitteln sowie Bewe gungsmangel aufgrund fehlender Grünaus stattung in den Stadtgebieten) reduzieren und die Umweltgerechtigkeit erhöhen. 133 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Vorschläge für Handlungsempfehlungen Um die Generationengerechtigkeit zu erhöhen, sollen in den Veedeln bedarfsgerechte Einrich tungen und Angebote für Jung und Alt entste hen. Dies bedeutet nicht nur, dass ausreichend Pfegekapazitäten zur Verfügung stehen, son dern auch generationengerechte Wohn und Mobilitätsangebote weiter ausgebaut werden. Die altersgerechte Gestaltung des öffentlichen Raums beinhaltet sowohl barrierefreie Zugän ge als auch Spiel und Aufenthaltsmöglich keiten, um eine generationenübergreifende Nutzung zu ermöglichen. Zur Förderung des bürgerschaftlichen Enga gements und der kulturellen und politischen Teilhabe als zentrale Bausteine des Stadtlebens sind öffentliche Räume ohne Konsumpficht für den Austausch und für gesellschaftliche In itiativen zu schaffen. Durch die Öffnung beste hender, insbesondere sozialer, Einrichtungen sowie die unterschiedliche beziehungsweise mehrfache Nutzung von Räumlichkeiten in den Veedeln entstehen „Erprobungsräume“ für neue soziokulturelle Formate. Diese Mög lichkeiten sind sowohl bei der Neuplanung als auch bei bestehenden Einrichtungen mitzu denken. Formelle und informelle Instrumente der Stadtentwicklung sind zudem auf neue, auch digitale Beteiligungsformate und Model le des Zusammenlebens zu prüfen. Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Vorschläge für Handlungsempfehlungen 134 Handlungsempfehlung 9: Smarte Stadt Köln entwickelt seine digitale Infrastruktur weiter, nutzt diese konsequent für die Ent wicklung smarter und digitaler Angebote, für die Erhöhung der Effzienz städtischer Diens te, die Zusammenarbeit und die Steigerung der Lebensqualität. Mithilfe von Open Data und Big Data sowie neuen Möglichkeiten der Echtzeitanalyse und steuerung werden zent rale Elemente des täglichen Lebens verbessert (Verkehrsmanagement, Dienstleistungen) und die Möglichkeiten zur Zusammenarbeit zwi schen Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Stadtbevölkerung erhöht. Gleichzeitig werden die digitalen Möglichkeiten genutzt, um die Autonomie und Teilhabe der Stadtbe völkerung zu unterstützen. Echtzeitanalysen und steuerung städtischer Systeme werden insbesondere im Verkehrsbe reich und bei städtischen Angeboten der tech nischen und sozialen Infrastruktur (wie mobi len sozialen Angeboten, Energieversorgung und Entsorgung) erprobt und gefördert. Durch den Einsatz neuer digitaler Instrumente kön nen Ressourcen effzienter genutzt und Infra strukturen vor Überlastung geschützt werden (zum Beispiel durch OnDemandServices). Smarte Lösungen verbessern die Möglichkei ten, auf Angebote der Stadtverwaltung und der Daseinsvorsorge sowie auf städtische Daten (urbane Datenplattform) zuzugreifen sowie Anfragen und Formalitäten effzienter abwickeln zu können. Hier geht die Stadtver waltung mit dem Aufbau eines integrierten und verorteten Stadtinformationssystems vo ran und prüft neue OnlineAngebote. Ebenso sollen neue Beteiligungsmodelle auf der Ebene der Veedel und Gesamtstadtentwicklung konzipiert werden, um den Dialog zwischen Bevölkerung, Verwaltung und Politik zu stär ken. Die „Digitalisierungsstrategie 2019–2022“ und der „Gigabit Masterplan Cologne 2025“ bilden wichtige Grundlagen für ein smartes Köln. Die nächsten notwendigen Schritte sind die Entwicklung und Erprobung digitaler Anwendungen in Reallaboren inklusive ihrer nachträglichen Prüfung und Regulierung. In diesen Prozess sind Kölner Wissenschafts und Forschungseinrichtungen durch neue Koope rations und Innovationsprozesse der Wis sensproduktion und des KnowhowTransfers miteinzubeziehen. Neben der Digitalisierung sind Herausfor derungen wie der Klimawandel, der demo grafsche Wandel und die wirtschaftliche Globalisierung weitere Treiber und wichtige Rahmenbedingungen für eine smarte Stadt. 135 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Vorschläge für Handlungsempfehlungen Handlungsempfehlung 10: RegioCoop Köln stärkt seine Zusammenarbeit mit der Region. Die Herausforderungen als Metropole in einer Wachstumsregion kann die Stadt nur mit der Region gemeinsam meistern. Hier für arbeitet Köln eng mit den benachbarten Kreisen und Städten zusammen und verein bart verbindliche Formate und Strukturen der Kooperation. Dies beinhaltet die Öffnung für neue Modelle der Kompetenzteilung und die Förderung einer integrierten, regionalen Entwicklung, insbesondere in den Bereichen Siedlungs und Wirtschaftsentwicklung, Mobi lität und Verkehr sowie die Sicherung zusam menhängender Freiräume und Strategien zur regionalen landwirtschaftlichen Versorgung und zur Anpassung an den Klimawandel. Das Agglomerationskonzept wird hierbei als maß gebliche Schnittstelle zur regionalen Ent wicklung aufgegriffen und in das städtische Handeln integriert. Zudem kann Köln bei der Siedlungsentwicklung sowie bei der Planung von interkommunalen Gewerbe und Indust riegebieten auf bereits bestehenden Koope rationen mit den links und rechtsrheinischen Nachbarinnen und Nachbarn aufbauen. Die Projekte im Rahmen der Strukturstärkung des Rheinischen Braunkohlereviers sollen von der Stadt Köln mit dem Fokus einer nachhalti gen regionalen Entwicklung unterstützt wer den. Daher sind die Möglichkeiten zur Beteili gung an Kooperations und Modellprojekten insbesondere hinsichtlich der Entlastung der regionalen Infrastrukturen zu nutzen. Neben der Zusammenarbeit mit den direkten Nachbarinnen und Nachbarn gilt es, auch den Zusammenschluss als Metropolregion Rhein land zu intensivieren, um als eine Wachstums und Wirtschaftsregion im internationalen Wettbewerb gemeinsam auftreten zu können. Köln und seine regionalen Partnerinnen und Partner verstärken den nationalen und inter nationalen Austausch und die Entwicklung von Lösungswegen für die zahlreichen Herausfor derungen einer gesund, sozial und ökologisch wachsenden Region. Die Stadträumliche Perspektive – Die G rundlagenkarten – Erkenntnisse der räumlichen Analyse – Ansätze der räumlichen Entwicklung – Die Zielkarten – Das räumliche Leitbild Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive Wo und wie wird jetzt und in Zukunft neuer Raum für das künftige Stadtwachstum ge schaffen? Wie muss das Verkehrsnetz ange passt werden, um das Verkehrsaufkommen zu bewältigen? Wie können weitere Flächen für die wirtschaftliche Produktion entwickelt werden? Welche sozialen und kulturellen Einrichtungen braucht eine wachsende Stadt? Welche Freiräume müssen gesichert werden und wo können neue entstehen? Alle städtischen Themenfelder wie Siedlungs entwicklung, Mobilität, Freiraum, Produktion und Gewerbe, Kultur und Soziales sind glei chermaßen essenziell für eine lebendige und nachhaltige Stadt. Die Flächenressourcen in nerhalb der Stadtgrenzen sind jedoch endlich. Die Stadträumliche Perspektive geht der Frage nach, wie sich die Stadt Köln zukünftig entwi ckeln kann, um die knappe Ressource Fläche bestmöglich zu nutzen. Dabei geht es zum einen darum, wie unterschiedliche Nutzungs ansprüche abgewogen, Flächenkonkurrenzen geklärt und Wechselwirkungen zwischen Maß nahmen identifziert werden können. Zum anderen muss die Frage beantwortet wer den, wie die vorhandene Kölner Stadtstruktur in ihrer räumlichen Dimension weiterentwi ckelt werden muss, um die in der 360Grad Perspektive beschriebenen Ziele zu erreichen. Beides erfordert eine strategische Auseinan dersetzung mit der zukünftigen Entwicklung Kölns, um die Herausforderungen und Gele genheiten zu identifzieren und anzugehen. Die Stadträumliche Perspektive startet mit der Darstellung des Status quo in Form von Grundlagenkarten, formuliert Erkenntnisse der räumlichen Analyse und darauf aufbauend An sätze der räumlichen Entwicklung. Die Ansätze der räumlichen Entwicklung übertragen die Aussagen der Ziele der 360GradPerspektive in fünf thematische Zielkarten, die konkrete Vorschläge für den Stadtraum eröffnen. Den Abschluss bildet die Übersetzung der zentralen Strategien in ein gesamtstädtisches räumli ches Leitbild, das die strategische Ausrichtung der Stadt zum Ausdruck bringt und Zukunfts räume benennt. 137 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive 138 Die Stadträumliche Perspektive Die Grundlagenkarten 139 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive Auf welchen Planungen und Konzepten baut die Stadträumliche Perspektive auf? Welche neuen Siedlungs und Gewerbegebiete sind bereits geplant, welche ÖPNVLinien sollen ausgebaut werden, wo sind Ergänzungen im Straßennetz in Vorbereitung? Wie ist die Versorgung mit sozialen Einrichtungen in den Stadtteilen? Welche Aussagen zum Schutz von Grün und Freiraum gibt es bereits? Diese und weitere Fragen müssen beantwortet sein, um weitere Perspektiven für die Zukunft zu entwi ckeln. Für die Stadtstrategie wurden fünf Grundla genkarten erarbeitet, die den Status quo der Kölner Stadtentwicklung auf räumlicher Ebene beschreiben und einen gemeinsam getrage nen Startpunkt für die Stadträumliche Pers pektive defnieren. Die fünf Grundlagenkarten sind den vier Hand lungsfeldern „Urbanes Köln“, „Produktives Köln“, „Offenes Köln“ und „Vernetztes Köln“ zugeordnet (siehe „Thematische Teams“, Seite 27). Aufgrund der vielschichtigen Inhalte wurden für das „Vernetzte Köln“ zwei Karten erarbeitet. Die insgesamt fünf Karten bilden die Inhalte des verwaltungsinternen Status berichts und die identifzierten Kernthemen räumlich ab. Die Grundlagenkarten wurden in enger Zu sammenarbeit mit den interdisziplinären thematischen Teams erarbeitet. Durch das Zu sammenspiel und die Überlagerung verschie dener Attribute – wie ausgewählte statistische Daten und aktuelle Projekte in verschiedenen Planungs und Konzeptphasen – können grundlegende Erkenntnisse für eine Analy se und mögliche Ansätze für die jeweiligen Handlungsfelder gezogen werden. So lassen die Grundlagenkarten erste Rückschlüsse auf die Lage der Stadt sowie deren heutigen und zukünftigen Herausforderungen zu. Originalmaßstab 1 : 50.000 @ DIN A1 Stand 05/2019 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Grundlagenkarte Urbanes Köln Schwerpunkte: Wohnen, Siedlungsentwicklung, Städtebau, Baukultur und öffentlicher Raum 140 141 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive 142 Erläuterungen zur Grundlagenkarte Urbanes Köln Schwerpunkte: Wohnen, Siedlungsentwicklung, Städtebau, Baukultur und öffentlicher Raum Räumliche Zusammenhänge stehen im Fokus des Handlungsfeldes „Urbanes Köln“, das sich mit den Themen Wohnen, Siedlungsentwick lung, Städtebau, Baukultur und öffentlicher Raum/Sicherheit befasst. Die Grundlagenkarte „Urbanes Köln“ enthält daher folgende Attribute: – Bauliche Dichte je Stadtviertel (Quotient gebauter Geschossfäche/Siedlungsfäche Stadtviertel) – Versorgungszentren aus dem Einzelhan dels und Zentrenkonzept – Transformationsgebiete – Masterplangebiet Innenstadt – Entwicklungsfächen (mittel und lang fristig) – Schienennetz (Stadtbahn, Regionalverkehr, SBahnBestand und geplant) – Straßennetz – Freiraumstrukturen (Innerer und Äußerer Grüngürtel, Wald und Wasserfächen) Deutlich werden vor allem die Verortung von dichten und weniger dichten Siedlungsbe reichen sowie die Größenordnungen ausge wiesener Entwicklungsfächen. Auch können Rückschlüsse zur verkehrlichen Situation in der Versorgung mit SPNV und schienenge bundenem ÖPNV gezogen und Erkenntnisse zur Quantität der Erschließungen von Ent wicklungsfächen gewonnen werden. Glei ches gilt für die Versorgungslage durch die Versorgungszentren des Einzelhandels und die Grün und Freiraumstrukturen. Das Grün system gliedert anschaulich den Stadtraum. Die historische Entwicklung Kölns ist deutlich in der Stadtstruktur abzulesen: Zu erkennen ist zum einen das Wachstum der Innenstadt und die Zäsur des Inneren Grüngürtels und zum anderen die Entwicklung der Stadtteile, die zwischen dem Inneren und Äußeren Grüngür tel in der Industrialisierung gewachsen sind, sowie die dörfichen Strukturen außerhalb des Äußeren Grüngürtels mit den dort verorteten Großsiedlungen. 143 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive 144 Originalmaßstab 1 : 50.000 @ DIN A1 Stand 05/2019 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Grundlagenkarte Produktives Köln Schwerpunkte: Gewerbe und Industrieentwicklung, Kultur und Kreativwirtschaft, Logistik sowie Wissenschaft und Hochschulbildung 145 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive 146 Erläuterungen zur Grundlagenkarte Produktives Köln Schwerpunkte: Gewerbe- und Industrieentwicklung, Kultur- und Kreativwirtschaft, Logistik sowie Wissenschaft und Hochschulbildung Das Handlungsfeld „Produktives Köln“ stellt die Frage, was neue Arbeits und Schaffens welten ausmacht und thematisiert das Zu sammenwirken von Gewerbe und Industrie entwicklung, Kultur und Kreativwirtschaft, Logistik sowie Wissenschaft und Hochschulbil dung. Die Grundlagenkarte „Produktives Köln“ ent hält daher folgende Attribute: – Siedlungsfächen (Stadtviertel) – Straßennetz – Schienennetz – Innovation (Gründerräume, Institute und Großforschungsinstitutionen, sonstige Forschungsinstitutionen) – Bildung (Hochschulen) – Messe – Logistikzentren (Flughafen, Häfen, Rangier und Verschiebebahnhöfe, Cargoterminal) – Industrie und Gewerbefächen – Größere Bürostandorte – Transformationsgebiete – Versorgungszentren aus dem Einzelhan dels und Zentrenkonzept Neben der Verortung der Industrie und Ge werbegebiete sowie der Versorgungszentren lässt sich die Qualität der Erschließung dieser Gebiete (Straße, Schiene, Wasser) gut er kennen. Versorgungszentren sind in diesem Zusammenhang über ihre Bedeutung als Einkaufsorte hinaus auch als Arbeitsorte zu verstehen; sowohl für den Einzelhandel als auch für weitere Dienstleistungen (Banken, Ärzte, Büros etc.). Größere zusammenhängen de Bürostandorte befnden sich mit wenigen Ausnahmen fast ausschließlich im Zentrum oder in zwischen dem Inneren und Äußeren Grüngürtel gelegenen Stadtteilen. Industrie und Gewerbegebiete liegen in ihrer Mehrzahl außerhalb des Äußeren Grüngürtels. Die großen Ansiedlungen der Chemie, Petro chemie und Maschinenbaubetriebe haben sich in den Rheinhäfen im Norden und Süden des Stadtgebiets angesiedelt und erstrecken sich über Kölns Stadtgrenzen hinaus in die Nachbargemeinden Dormagen, Leverkusen, Troisdorf und Wesseling. Lediglich zwei größe re Gewerbegebiete in Ehrenfeld und Mülheim befnden sich innerhalb des Äußeren Grün 147 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive gürtels und stellen sich gleichzeitig auch als Standorte der Kultur und Kreativwirtschaft sowie für Startups dar. Die übrigen, teils stark logistikgeprägten Gewerbegebiete, liegen am Kölner Autobahnring. Drei ehemalige Gewer be und Industriestandorte in Innenstadtnähe („Parkstadt Süd“, „Mülheimer Süden“ und „Deutzer Hafen“) werden zurzeit in urbane, gemischte Quartiere konvertiert, die neben neuem Wohnraum auch neue innovative Ar beitsorte in der Stadt bieten. Die Hochschulen mit ihren Forschungsinsti tuten befnden sich innerhalb des Äußeren Grüngürtels; die Sporthochschule mit vielen Trainingsstätten in direkter Nachbarschaft zum Stadion im Äußeren Grüngürtel. Weitere betriebliche Forschungsstätten suchen hin gegen die Nähe zu den Industriebetrieben am Stadtrand. Arbeit und Soziales, Wohnraumversorgung 148 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Grundlagenkarte Offenes Köln Schwerpunkte: Bildung, Kultur, Integration, Originalmaßstab 1 : 50.000 @ DIN A1 Stand 05/2019 149 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive 150 Erläuterungen zur Grundlagenkarte Offenes Köln Schwerpunkte: Bildung, Kultur, Integration, Arbeit und Soziales, Wohnraumversorgung Das Handlungsfeld „Offenes Köln“ befasst sich mit den sozialen Erfordernissen von Teilhabe und den Zugangsmöglichkeiten zu Bildung und Kultur, aber auch mit Integration, Arbeit und Soziales sowie Wohnraumversorgung. Die Grundlagenkarte „Offenes Köln“ enthält daher folgende Attribute: – Siedlungsfächen (Stadtviertel) – Schienennetz – Straßennetz – Versorgungszentren aus dem Einzelhan dels und Zentrenkonzept – Entwicklungsfächen – Sozialraumgebiete – Soziales: Bezirksrathäuser, Bürgerzentren, Familienzentren – Bildung: Grundschulen, weiterführende Schulen, Hochschulen (Universität, Fach hochschulen, Sporthochschule), Volkshoch schulen – Kultur: Museen, Theater, Konzerthallen, Bibliotheken – Gesundheit: Krankenhäuser – Arbeit: Arbeitsagentur Jobcenter Köln, Beratungsstellen für Orientierungsbera tung, JOBOffensive Köln, Integration Point Köln Das gesamte Stadtgebiet von Köln ist mit Grundschulen und weiterführenden Schulen fächendeckend versorgt, allerdings müssen für die wachsende Bevölkerung zusätzliche Schulplätze geschaffen werden, die Schulst ruktur der Nachfrage angepasst und die Sa nierung von Schulgebäuden vorangetrieben werden. Aufgrund des Stadtwachstums müs sen die Kapazitäten vor allem in der Innenstadt und in den Stadtteilzentren weiter ausgebaut werden. Das kulturelle Angebot konzentriert sich sehr stark auf die Bereiche der Innenstadt und der inneren Stadt sowie auf zwei weitere Standor te in Mülheim und Ehrenfeld. Einzelne Kultur einrichtungen sind auch in den äußeren Stadt gebieten vorhanden. Grundsätzlich nimmt das Angebot kultureller und sozialer Einrichtungen von der Innenstadt über die innere Stadt bis zu den Siedlungsgebieten am Stadtrand stark ab. Auch die Krankenhäuser konzentrieren sich im Linksrheinischen auf den innerstädtischen Bereich und die Stadtteile innerhalb des Äuße ren Grüngürtels. Die linksrheinischen Stadtteile im Norden, Süden und Westen – außerhalb des Äußeren Grüngürtels – haben keine Krankenhausstand 151 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive orte, während sich rechtsrheinisch drei große Krankenhäuser (Porz, Merheim und Holweide) in der äußeren Stadt befnden. Jobcenter und Beratungsstellen sind über das gesamte Stadt gebiet verteilt und liegen meist in den Bezirks zentren. Die 15 Sozialräume, die zur Verbesse rung der Lebensqualität durch das Programm „Lebenswerte Veedel“ unterstützt werden, liegen vor allem in Großwohnsiedlungen der 1960er und 1970erJahre und im Geschoss wohnungsbau der 1960er bis 1980erJahre. Das rechtsrheinische Stadtgebiet verzeichnet dabei einen höheren Anteil als das linksrheini sche Köln. 1 152 Originalmaßstab 1 : 50.000 @ DIN A Stand 05/2019 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Grundlagenkarte Vernetztes Köln Schwerpunkte: Mobilität, Freiraum, Digitalisierung sowie regionale und internationale Kooperation 153 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive 154 Erläuterungen zur Grundlagenkarte Vernetztes Köln Schwerpunkte: Mobilität, Freiraum, Digitalisierung sowie regionale und internationale Kooperation Das Handlungsfeld „Vernetztes Köln“ setzt sich mit der Gestaltung einer zukunftssiche ren, umfassenden Infrastruktur auseinander. Das Themenspektrum reicht von Klima und Umwelt, Freiraum, Mobilität, Sport, Gesund heit bis hin zu Digitalisierung sowie regionaler und internationaler Kooperation. Aufgrund der zahlreichen inhaltlichen Themen im Hand lungsfeld „Vernetztes Köln“ wurden zwei Grundlagenkarten mit unterschiedlichen Schwerpunkten erarbeitet: – Mobilität, Freiraum, Digitalisierung, regio nale und internationale Kooperation – Klima, Umwelt, Sport und Gesundheit Die Grundlagenkarte „Vernetztes Köln – Schwerpunkte Mobilität, Freiraum, Digitalisie rung, regionale und internationale Koopera tion“ enthält folgende Attribute: – Siedlungsfächen (Stadtviertel) – Schienennetz (Stadtbahn, Regionalverkehr, SBahn, Güterschiene – Bestand und ge plant) – Straßennetz (Autobahn, Bundesstraßen, Hauptstraßen, Autobahnausbau, Ausbau Bundesstraßen) – Wasserwege – Radwege – Freiraumstruktur (Innerer und Äußerer Grüngürtel, Wald, Wasserfächen, regio nale Grünverbindungen) – Internationale Einrichtungen und Organisationen – Regionale Kooperationen Es wird deutlich, dass der Innere Grüngürtel im Bereich der zukünftigen „Parkstadt Süd“ noch Lücken aufweist. Der Äußere Grüngürtel ist linksrheinisch durchgängig vorhanden, aber rechtsrheinisch an einigen wenigen Stellen nicht geschlossen. Die Grünvernetzungen in die Region sind teilweise bereits realisiert, in anderen Fällen nicht oder nur im Ansatz vor handen. Der Autobahnring Köln ist vollständig, bedarf aber hinsichtlich der Kapazitäten und der Sa nierungserfordernisse (Leverkusener Brücke) weitergehender Planungen und neuer Konzep te. Das Stadtbahnnetz deckt den Bereich der Innenstadt und der inneren Stadt gut ab. Hier fehlt der letzte Lückenschluss an der Bonner Straße und am Klettenberg und Zollstockgür tel bis zum Rhein. In der äußeren Stadt ist das 155 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive Schienensystem wenig vernetzt und sternför mig aufgebaut. Daher gibt es große Bereiche, die vom schienengebundenen Nahverkehr nicht abgedeckt sind. Neue Vernetzungen und Verknüpfungen sind links sowie rechtsrheinisch geplant. Der Über gang zum SBahn und Regionalverkehr er folgt an vielen Verknüpfungspunkten im Stadt gebiet, bedarf aber weiterer Verbesserungen. Geplant ist der Ausbau eines SBahnRings über den Rhein, der die neuen Entwicklungs gebiete „Parkstadt Süd“ und „Deutzer Hafen“ mit anbindet. Für den Radverkehr sind Schnell wege bis in die Region vorgesehen. Die Orte der internationalen Einrichtungen – Institutionen mit internationalem Bezug und internationaler Zusammenarbeit – befnden sich ausschließlich im Bereich der Innenstadt und der inneren Stadt. Köln pfegt verschiede ne regionale Kooperationen, die eine Zusam menarbeit mit den benachbarten Gemeinden in unterschiedlichen Bereichen wie Verkehr, Freiraum und Siedlungsentwicklung ermögli chen. 156 Originalmaßstab 1 : 50.000 @ DIN A1 Stand 05/2019 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Grundlagenkarte Vernetztes Köln Schwerpunkte: Klima, Umwelt, Sport und Gesundheit 157 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive 158 Erläuterungen zur Grundlagenkarte Vernetztes Köln Schwerpunkte: Klima, Umwelt, Sport und Gesundheit Klima, Umwelt, Sport und Gesundheit bilden die Schwerpunkte der zweiten Grundlagenkar te des „Vernetzten Kölns“, die daher folgende Attribute enthält: – Siedlungsfächen (Stadtviertel) – Schienennetz – Straßennetz – Belastungen (Lärm und Hitzebelastung) – Klimaaktive Flächen – Kaltluft nach Sonnenuntergang – Gesetzliche Überschwemmungsgebiete und Retentionsfächen – Sportstätten und Stadien – Klimaschutz und Solarsiedlungen – Umweltbildungseinrichtungen – Gesundheit (Krankenhäuser, sozialpsychia trische Zentren, Suchtberatungszentren) – Freiraumstruktur (Innerer und Äußerer Grüngürtel, Wald, Wasser, Landwirt schaftsfächen, regionale Grünverbindun gen) Die Karte enthält Aussagen sowohl zu Lage und Ausdehnung der durch Straßen, Schie nen und Flugzeuglärm belasteten Areale als auch zu stark hitzebelasteten Gebieten. Beide Gebietstypen umfassen einen Großteil der Kölner Siedlungsfäche. Zudem sind Lage und Ausdehnung von Retentionsfächen sowie de ren Überlagerung mit den gesetzlichen Über schwemmungsgebieten zu erkennen. Ebenso sind die Kaltluftströme dargestellt, die vier Stunden nach Sonnenuntergang entstehen. Das Grünsystem ist über den Inneren und Äußeren Grüngürtel, Waldgebiete sowie Flächen aus dem RegioGrünKonzept ablesbar. Dieses verbindet das Kölner Grünsystem mit den übergeordneten grünen Strukturen der Region. Die Sportfächen sind kleinteilig im gesamten Stadtgebiet vorhanden; überregio nal bedeutsame Sportstätten wie Stadien sind besonders hervorgehoben. In den Grünfächen enthalten, aber nicht gesondert in der Grund 159 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive lagenkarte dargestellt, sind die Schutzgebiete, die gemäß den Anforderungen des Bundesna turschutzgesetzes besonderer Schutz, Pfege und Sicherungsmaßnahmen bedürfen. Einrichtungen der medizinischen Versorgung (medizinische Hilfen und Angebote in Form von Krankenhäusern, sozialpsychiatrischen Zentren und Suchtberatungsstellen) sind im gesamten Stadtgebiet vorhanden. Im äußeren Norden befnden sich insgesamt weniger Ein richtungen. Eine Analyse der Versorgungsqua lität selbst ist an dieser Stelle nicht erfolgt. Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive 160 Die Stadträumliche Perspektive Erkenntnisse der räumlichen Analyse 161 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive Vor welchen zentralen Herausforderungen steht die Stadt Köln? Welche Aufgaben und Herausforderungen lassen sich aus der Un tersuchung des Stadtraums ableiten? Zur Beantwortung dieser Fragen wurde auf Basis der Grundlagenkarten eine räumliche Analyse durchgeführt. Um die vielfältigen Informationen der stadt räumlichen Entwicklung zu durchdringen, wurden zur Orientierung konkrete Fragen gestellt: Wie verhält sich die bauliche Dichte zur Dichte der Einwohnerinnen und Einwohner in den einzelnen Quartieren? Wie gut sind die verkehrlichen Strukturen und die Siedlungsbe reiche aufeinander abgestimmt? Wo bestehen Lücken im Verkehrssystem und welche Auswir kungen haben diese auf andere Nutzungsbe reiche innerhalb der Stadt? In welchen Stadt teilen ist das Mikroklima besonders belastet und warum? Wo konzentrieren sich Kreativ quartiere, wo gibt es Bezüge zu vorhandenen Wissensstandorten? Bei der Analyse wurden alle räumlich analysier baren Themenfelder der Stadt gleichermaßen betrachtet, sowohl einzeln als auch in ihrem Bezug zueinander. Die Erkenntnisse der räum lichen Analyse decken damit alle relevanten räumlichen Felder der Stadtentwicklung ab. Sie ermöglichen Aussagen über die gewachse ne Siedlungs und Erschließungsstruktur, die vorhandenen Freiräume bis hin zum Zustand des Mikroklimas und der sozialen und kulturel len Versorgung der Stadtteile. Die Ergebnisse dieser umfassenden räumli chen Analyse wurden geordnet, gewichtet und zu insgesamt elf Erkenntnissen zusam mengefasst, welche die bestehenden Stärken und Schwächen des Stadtraums und seine Herausforderungen für die Stadtentwicklung identifzieren. Die dazugehörigen Prinzipskiz zen ordnen diese im Stadtgrundriss ein und zeigen auf, an welchen Orten die Erkenntnisse besonders zu beachten sind. Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive 162 163 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive A Nutzungsmischung und Dichte der Quartiere nehmen vom Stadtzentrum zum Stadtrand hin deutlich ab. Es besteht ein deutliches Gefälle sowohl in der baulichen als auch in der Dichte der Einwohne rinnen und Einwohner: von der baulich dichten und in ihrer Bevölkerungsstruktur gemischten Innenstadt über die innere Stadt zu den wenig dichten und in ihren Bevölkerungsstrukturen teilweise homogenen Quartieren in der äuße ren Stadt. Innerhalb des Äußeren Grüngürtels fndet sich eine urbane bauliche Dichte, au ßerhalb sind die Quartiere teilweise dörfich, teilweise suburban – mit Ausnahme der vor handenen Großwohnsiedlungen. Es besteht ebenfalls ein Gefälle der Nutzungs mischung: In den Quartieren der Innenstadt und der inneren Stadt sind ausreichend soziale und kulturelle Angebote vorhanden. Diese feh len in Quartieren in der äußeren Stadt teilwei se in erheblichem Maße. Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive 164 B Großflächige Siedlungspotenziale liegen vor allem in der äußeren Stadt. Eine fächige Siedlungsentwicklung kann in der äußeren Stadt stattfnden, da größere zusammenhängende Flächenpotenziale in nerhalb des Äußeren Grüngürtels weitgehend ausgeschöpft sind. Drei Ausnahmen bilden die aktuellen Transformationsgebiete „Parkstadt Süd“, „Deutzer Hafen“ und „Mülheimer Sü den“. Im Siedlungsgebiet der inneren Stadt ist hin gegen ein hohes Nachverdichtungspotenzial für die Innenentwicklung vorhanden. Hier liegt eine große Chance für eine ausgewogene und lebendige Nutzungsmischung innerhalb der Quartiere, die die bereits vorhandene Mi schung stabilisiert, ergänzt und verstärkt. Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive C Der regionale Auto und Schienen verkehr ist weitgehend auf das Zentrum ausgerichtet. Nahezu alle Verbindungen der SBahn, des Regional und Fernverkehrs führen radial in die Innenstadt hinein. Der Hauptbahnhof bildet in diesem System eine zentrale Engstelle und verfügt über wenig Entwicklungsspielraum. Fehlende Ausweichmöglichkeiten sowohl links als auch rechtsrheinisch machen das Gesamtsystem anfällig für Störungen. Die Autobahnen beziehungsweise Schnellstra ßen enden an drei Stellen tief im innerstädti schen Raum. Dieser wird dadurch zerschnitten und bietet über weite Strecken nur wenige Querungsmöglichkeiten. Zudem sind entlang dieser breiten Straßenschneisen lange Rück seiten in der Siedlungsstruktur entstanden. An den Stadtachsen haben sich insbesondere in der Innenstadt und der inneren Stadt ge mischte und dichte Stadtteile mit lebendigen Stadträumen entwickelt. Diese Räume geraten durch die Verkehrsbelastung aber immer mehr unter Druck. 165 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive D Das Netz des schienengebundenen Nahverkehrs weist Lücken auf – sein Potenzial für die Siedlungs entwicklung wird nicht überall ausgeschöpft. Das Stadtbahn und das SBahnNetz sind beide lückenhaft, etwa in NordSüdRichtung (Stadtbahn im Süden rechts und linksrhei nisch) oder ringförmig in der inneren Stadt (SBahnRing rechtsrheinisch). Sowohl einige vorhandene als auch potenzielle Siedlungs gebiete sind daher nicht an den schienenge bundenen Nahverkehr angeschlossen. Dies birgt die Gefahr eines erhöhten Verkehrsauf kommens durch den motorisierten Individu alverkehr in der Stadt. In einigen Stadtteilen sind zudem die Gebiete um die vorhandenen Haltepunkte des schienengebundenen Nah verkehrs nur einseitig oder nicht dicht genug bebaut – hier wird das Entwicklungspotenzial trotz der guten Anbindung nicht ausreichend ausgeschöpft. 166 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive E Kölns Stadtstrukturen unterscheiden sich rechts und links des Rheins deutlich. Linksrheinisch gliedern die historisch gewach senen Erschließungsstrukturen die Stadt. Radial aus dem Zentrum führende Hauptstra ßen und die Ringstraßen (Kölner Ringe, Innere Kanalstraße, Gürtel, Äußere Kanalstraße und Militärring) sind bis auf wenige Ausnahmen durchgängig und sehr engmaschig. Die Stadt struktur ist mehrheitlich kompakt und mit dem Grünsystem der Grüngürtel durchzogen. Im Rechtsrheinischen hingegen zeigt sich eine deutlich weniger nachvollziehbare Entwick lungslogik. Große Industrieareale und Anlagen der Hochleistungsinfrastruktur defnieren den Raum, der von einzelnen Siedlungseinheiten und Resträumen geprägt ist. Ein verzweigtes Netz aus langen Tangentialen wie zum Beispiel der Frankfurter Straße hat nicht die gleiche ordnende und entwickelnde Funktion wie im Linksrheinischen. Ebenso ist das Grünsystem weit weniger ausgeprägt. 167 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive F Stadtteile mit besonderen sozialen Herausforderungen verteilen sich über das gesamte Stadtgebiet. Die Siedlungspotenziale außerhalb des Äuße ren Grüngürtels überlagern sich teilweise mit den Sozialräumen des Programms „Lebens werte Veedel“. Diese Überlagerungen lösen besondere Anforderungen sowohl an die Sozi alstruktur und Nutzungsmischung der neuen Siedlungsgebiete als auch die vorhandenen Versorgungszentren aus. Hier liegt die Chance, durch neue Siedlungsentwicklungen positive Impulse für die Sozialräume zu generieren und gleichzeitig soziale Segregation zu vermeiden. Teilweise überlagern sich die Siedlungspoten ziale auch mit vorhandenen Großwohnsied lungen. Hier sind besondere Maßnahmen sowohl zur Stabilisierung und Verbesserung der bestehenden Situation als auch für die Entwicklung von lebendigen Quartieren zu ergreifen. 168 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive G Im gesamten Stadtgebiet findet, gut an gebunden, vielfältige Produktion statt. Die Gewerbegebiete sind überwiegend ent lang des Äußeren Grüngürtels verteilt und meist gut an das Autobahnnetz angebunden. Die Industriegebiete liegen eher am Stadtrand und haben gute Standortbedingungen, da sie sowohl an den Rhein als Wasserstraße als auch gut an die internationalen Güterverkehrsnetze angebunden sind. Es befnden sich vier Indus trie beziehungsweise Gewerbegebiete an der Stadtgrenze mit Bezug zu den Nachbarkom munen. In den drei innerstädtischen Transformations gebieten fndet derzeit eine Umwandlung von Gewerbestandorten zu gemischt genutzten Quartieren mit einem großen Anteil an Wohn nutzung statt. 169 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive 170 H Der Stadtraum ist bereits heute durch Hitze und Lärmemissionen belastet. Besonders in der Innenstadt und der inneren Stadt werden weite Teile des Stadtgebiets zukünftig stark mit Hitzebelastungen zu kämpfen haben (Prognose 2050). Die belas teten Gebiete erstrecken sich sowohl über Siedlungs als auch über die Gewerbe und Industriegebiete. Entlang einiger Hauptstraßen sowie teilwei se entlang des Güterschienennetzes ist eine erhöhte Lärmbelastung festzustellen. Dies tritt vermehrt im linksrheinischen Raum auf, der zusätzlich durch Fluglärm belastet ist. 171 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive I Kölns grüne Strukturen sind lückenhaft und nicht überall qualifiziert. Aufgrund der historischen Entwicklung der Stadt ist das innerstädtische Grünsystem vor allem linksrheinisch sehr ausgeprägt und nahezu durchgängig vorhanden. Lediglich im Norden fehlt der Ringschluss im Äußeren Grüngürtel, im Süden fehlt er im Inneren Grün gürtel sowie auf der rechtsrheinischen Seite. Linksrheinisch ist der Äußere Grüngürtel darüber hinaus vielfältig programmiert (Parks, Sportanlagen etc.), rechtsrheinisch hingegen bestehen noch Aufwertungspotenziale. Die grünen Korridore in die Region sind so wohl links als auch rechtsrheinisch noch nicht voll ausgebildet und bedürfen der weiteren Ausformulierung. Außerhalb des Äußeren Grüngürtels befn den sich auf Kölner Stadtgebiet signifkante Flächen für die Land und Forstwirtschaft mit regionaler Bedeutung. Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive 172 J Die stadträumlichen Potenziale des Rheins sind nicht überall ausgeschöpft. Der Rhein mit seinen stadträumlichen Poten zialen entlang der Uferzonen (zum Beispiel Boulevards, Landschaftsräume) wird nicht überall genutzt. Stellenweise sind die Ufer nicht für die vorhandenen beziehungsweise gewünschten Nutzungen ausgestaltet, wie zum Beispiel rund um die Bastei. Das Poten zial des Rheins für den lokalen Pendlerverkehr (zum Beispiel Wasserbus) wird bislang nicht ausgeschöpft. Einige sinnvolle Rheinquerun gen fehlen, vorhandene sind oft nicht ent sprechend der Nutzungen ausgestaltet, zum Beispiel fehlen an einigen Brücken adäquate Zugangsmöglichkeiten für den Radverkehr. 173 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive Köln verfügt über zahlreiche innerstädtische Wissenscluster und Kreativquartiere. Innerstädtisch bündeln sich mehrere Wissens und Forschungseinrichtungen in größeren Clustern, die zentral gelegen, räumlich kom pakt und gut angebunden sind. In der inneren Stadt befnden sich drei Krea tivquartiere mit Potenzial für eine gemischte Nachverdichtung: Ehrenfeld, Mülheim und Kalk. Kleinteiliges Gewerbe ist häufg entlang der Stadtachsen angesiedelt. In der äußeren Stadt sind weitere Wissens cluster vorhanden, die unterschiedlich gut untereinander und mit dem Stadtzentrum vernetzt sind. Der Flughafen bietet Potenzia le für die Ansiedlung weiterer Business und Innovationsnutzungen, liegt aber trotz seiner Erschließungsqualität an einem eher isolierten Standort. Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive 174 Die Stadträumliche Perspektive Ansätze der räumlichen Entwicklung 175 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive Welche Strategien können für die Stadt Köln formuliert werden, um die zukünftige räum liche Entwicklung der Stadt zu lenken? Auf welche Aufgaben muss die Stadt künftig ein besonderes Augenmerk legen? Wo bestehen Gelegenheiten für eine Weiterentwicklung der Stadtstruktur, denen Köln nachgehen soll te? Die Ansätze der räumlichen Entwicklung skizzieren 13 übergeordnete und integrierte Entwicklungsleitlinien für Köln, welche die wesentlichen räumlichen Strategien zur Bewäl tigung der Herausforderungen und zur Umset zung der gesamtstädtischen Ziele aufzeigen. Die Ansätze der räumlichen Entwicklung wur den auf der Basis der Erkenntnisse der räumli chen Analyse erarbeitet und mit räumlich re levanten Aussagen der 360GradPerspektive abgeglichen. Sie behandeln jeweils einen spezifschen Aspekt der räumlichen Entwicklung. Bei ihrer Erarbeitung wurde darauf geachtet, dass alle relevanten Themen der Stadtentwicklung integriert betrachtet und Schnittmengen und Synergien ausgelotet wurden. Die einzelnen Aspekte können sowohl räumlich als auch thematisch fokussiert sein. Analog den Erkenntnissen der räumlichen Analyse werden die formulierten Ansätze der räumlichen Entwicklung mit Prinzipskizzen illustriert. Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive 176 177 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive 1 Realisierung von angemessenen Dichten, Nutzungs und Typologiemischungen Köln wächst. Gleichzeitig soll die Inanspruch nahme von Flächen für die Siedlungsentwick lung so gering wie möglich gehalten werden und ein Mindestmaß an Dichte für gemischte und lebendige Quartiere sorgen. Damit die quantitative und die qualitative Zielsetzung des Stadtwachstums umgesetzt werden kann, wer den drei Mindestdichten für die Siedlungs und Nachverdichtungspotenziale für die Innenstadt sowie die innere und die äußere Stadt empfoh len. Eine weitere Realisierung von Siedlungsge bieten mit niedrigen Dichten soll zukünftig nur noch sehr eingeschränkt möglich sein. Neben der Dichte und der Defnition städ tebaulicher Qualitäten ist die Nutzungsmi schung eine maßgebliche Voraussetzung für lebendige und nachhaltige Quartiere. Bei der baulichen Entwicklung Kölns ist daher die Nutzungsmischung zu erhöhen. Durch ein differenziertes Angebot verschiedener Wohn typologien wird darüber hinaus eine Vielzahl von Lebensmodellen ermöglicht und somit die Attraktivität gemischter urbaner Quartiere erhöht. Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive 178 2 Stärkung der sozialen, kulturellen und Bildungsinfra strukturen in bestehenden und zukünftigen Quartieren Die dezentral verorteten Kölner Versorgungs zentren sind auch Anker für soziale und kultu relle Angebote in den Stadtteilen. Diese müs sen bedarfsgerecht gestärkt und qualifziert werden. Insbesondere in der äußeren Stadt kann die Tragfähigkeit von Infrastrukturein richtungen durch Nachverdichtungen ausge baut werden. Neben den Entwicklungsfächen, bei deren Planung die soziale, die kulturelle und die Bildungsinfrastruktur bereits frühzeitig mit zudenken sind, sind in der Innenstadt vorwie gend die Bildungsinfrastrukturen zu stärken. In den Sozialraumgebieten steht vor allem die Stabilisierung der Angebotsstruktur im Fokus. Angrenzende Siedlungserweiterungen können entscheidend dazu beitragen, die gewünschte Durchmischung der Sozialstrukturen zu för dern. Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive 179 3 Umgestaltung der Stadtachsen und Anbindung aller Stadtteile Den Stadtachsen Kölns kommen verschiedene wichtige Bedeutungen zu: Sie sind zum einen Rückgrat des Stadtverkehrs und attraktive Stadteingänge. Als wichtiger Teil des öffent lichen Raumes bestehen entsprechend hohe Ansprüche an ihre Aufenthaltsfunktionen und eine attraktive Gestaltung des Straßenraums. Zum anderen übernehmen sie als Versor gungszentren für den Einzelhandel und weite re Einrichtungen eine wichtige Funktion für die umliegenden Quartiere. Daher sind sie zukünftig nicht nur als V er kehrs-, sondern auch als Stadträume zu be trachten. Vor diesem Hintergrund definieren sie die Anforderungen für eine ausgewogene Nutzungsmischung, die Qualität der öffent lichen Räume, die Nachverdichtungs- und Erneuerungspotenziale der Siedlungsstruktur und die lokalen Mobilitätsangebote. Die so ausgelösten Impulse können auch städtebauliche Potenziale der angrenzenden Quartiere aktivieren und die Nachverdichtung sowie die sorgfältige Nutzungsmischung der inneren Stadt fördern. 180 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive Stärkung de s sc hienengebundenen Nahverkehrsnetzes als Voraussetzung für die Stadtentwicklung 4 Damit der schienengebundene Nahverkehr seine Rolle als Rückgrat des Umweltver bunds erfüllen kann, müssen seine Lücken im Netz geschlossen werden. Insbesondere der innerstädtische S-Bahn-Ring ermöglicht die Verknüpfung zahlreicher S-Bahn- und Stadt bahn-Linien und trägt maßgeblich zu einer Entlastung des Hauptbahnhofs und des Bahn hofs Deutz bei. Zusammen mit dem weiteren Ausbau des Stadtbahnnetzes entsteht eine robuste Mobilitätsinfrastruktur mit attraktiven Fahrzeiten. Auf wichtigen Linien des Regional-, S-Bahn- und Stadtbahn-Netzes sind durch eine erhöh te Taktung die notwendigen Kapazitäten zu schaffen und deren Attraktivität zu steigern. Ebenso sind weitere Bereiche der äußeren Stadt an das Stadtbahnnetz anzuschließen. Die so gewonnene Erschließungsgunst im öf fentlichen Verkehr ist prioritär für die Verdich tung und Weiterentwicklung der Siedlungs struktur zu nutzen. 181 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive 5 Ausbau des Umweltverbunds und Reduzierung des MIV Um die Lebensqualität in der inneren Stadt sig nifkant zu verbessern und die Verkehrswende zu gestalten, müssen vielfältige Maßnahmen ergriffen werden. Neben dem Stadtbahn und SBahnNetz sind die Angebote des ÖPNV in der inneren und der äußeren Stadt zu erwei tern und der Zugang zu öffentlicher Mobilität zu ermöglichen. Darüber hinaus sind auch die Verbindungen zwischen den Stadtteilen, insbesondere in der äußeren Stadt, zu verbes sern. Hier verlaufen die Verbindungen häufg zentral über den Hauptbahnhof. Ebenso ist das Radwegenetz zu ertüchtigen und auszubauen. Dies betrifft sowohl das regionale Pendlerradwegenetz als auch die innerstädtischen Radwegeverbindungen links und rechtsrheinisch. In der inneren Stadt und verstärkt in der Innen stadt sind das heute immer noch hohe MIV Aufkommen und der ruhende Verkehr durch Kapazitäts und Geschwindigkeitsreduktionen mittel und langfristig zu senken, umso mehr Raum für den Umweltverbund (ÖPNV, Radver kehr und Fußverkehr) zur Verfügung zu stellen. Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive 182 6 Stärkung des Rheinraums Die Querung des Rheins wird zunehmend zu ei ner Herausforderung: Der Sanierungsbedarf und die damit verbundenen Nutzungseinschrän kungen der Rheinbrücken haben beträchtliche Konsequenzen für die lokalen und regionalen Verkehrsfüsse. Der Rhein muss stärker als ver bindendes Element in der Stadt genutzt werden, um das Zusammenwachsen des rechts und linksrheinischen Kölns zu erreichen. Dazu ist die Querung des Rheins auch für den Fuß und Radverkehr zu verbessern. Bestehen de Brücken sind dafür baulich nachzurüsten und ergänzend neue Rad und Fußgängerbrü cken zu bauen. Ebenso sind die Potenziale zu nutzen, den Rhein und uferbegleitende Wege als Pendlerrouten zu verwenden. Bei der Projektierung neuer Brückenbauwerke wie der geplanten Autobahnbrücke im Köl ner Süden ist die Integration verschiedener Verkehrsträger (Stadtbahn, Fahrrad etc.) von vornherein einzuplanen. Durch die Proflierung und Aufwertung weiterer Abschnitte des Rheinufers wird der Flussraum zum attraktiven Stadtraum, wie dies mit dem Rheinboulevard Deutz bereits gelungen ist. 183 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive 7 Langfristige Aktivierung neuer Stadträume Die mittel und langfristige Reduzierung des MIV in der inneren Stadt bietet neue Perspek tiven: Durch die Umwandlung der tief in die Stadt hineinragenden Autobahnzubringer in leistungsfähige Stadtstraßen ergibt sich ein Flächenpotenzial, das den angrenzenden Stadträumen neue urbane und städtebauli che Entwicklungsspielräume und Qualitäten ermöglicht. Diese Entwicklungsmöglichkeiten bedürfen einer langfristigen Betrachtung. Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive 8 Ausformulierung des rechtsrheinischen Entwicklungskorridors Die regional geprägte Betrachtung des Agglo merationskonzepts eröffnet das Potenzial eines Entwicklungskorridors in NordSüdRich tung zwischen Düsseldorf, Leverkusen, Kölner Flughafen, Troisdorf und SiegburgBonn. Ein solcher Korridor stellt für den rechtsrheini schen Raum eine neue Entwicklungslogik dar und eröffnet damit Möglichkeiten für eine Proflierung und Aufwertung bestehender Strukturen. Die B 8 (Frankfurter Straße/Clevischer Ring) und die in NordSüdRichtung führenden Schienenstränge haben das Potenzial, die hier gelegenen Logistik und Gewerbegebiete zu proflieren und besser anzubinden. Der Ent wicklungskorridor bettet auch den Flughafen mit ein. Durch einen entsprechenden Ausbau des RE und SBahnNetzes können das inner städtische Schienennetz entlastet, Siedlungs und Grünräume verknüpft und die anliegen den Zentren gestärkt werden. 184 185 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive 9 Qualifizierung und Nachverdichtung der Industriestandorte Die bestehenden Industrieareale Kölns sind mit ihrer Anbindung an das Schienen und Wasserwegenetz gut für die Zukunft gerüstet und werden für die weitere wirtschaftliche Entwicklung eine wichtige strategische Rolle spielen. Diese Industriestandorte sind daher als Flächen zu qualifzieren, um langfristig gut angebundene Standorte für die industrielle Produktion bereitzustellen. Aufgrund der be grenzten Flächenverfügbarkeit für neue Indus triefächen sind bedarfsgerechte Nachverdich tungen innerhalb der bestehenden Gebiete mit einer effzienteren Flächenproduktivität voranzutreiben und zu fördern. Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive 186 j Stärkung der produktiven Stadt Kölns Gewerbefächen sind vielfältig und stark im Stadtbild verwurzelt. Die gut angebunde nen und zum Teil gut genutzten Einheiten in der inneren Stadt stehen jedoch in wachsender Konkurrenz zu Wohn und Büronutzungen. Für eine gezielte Weiterentwicklung sind die Po tenziale zur Proflierung und Nachverdichtung gewerblicher Standorte zu nutzen. Dies gilt im Besonderen auch für die angren zenden Quartiere mit Nachverdichtungspo tenzial, die Flächen sowohl für Gewerbe als auch für Wohnen bereitstellen. Hier sind urba ne Produktionen und Wohnen in Einklang zu bringen, sodass beide Funktionen voneinander proftieren. Die Gewerbegebiete außerhalb des Äußeren Grüngürtels sollen ebenfalls auf fächenscho nende Nachverdichtung überprüft werden. 187 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive k Komplettierung der grünen Strukturen Kölns grünes Netz und seine Korridore in die Region sind prägende Elemente des Stadt bilds. Die zentralen Aufgaben der Stadt Köln sind diesbezüglich zum einen die Lückenschlie ßung im nördlichen Teil des Äußeren Grüngür tels, im südlichen Teil des Inneren Grüngürtels sowie im rechtsrheinischen Stadtgebiet. Zwischen den beiden Grüngürteln sind sowohl links als auch rechtsrheinisch grüne Trittstei ne zu schaffen, die ökologische, klimatische und soziale Mehrwerte bieten. Zum anderen ist die regionale Grünvernet zung zu stärken und weiter auszugestalten. Vor allem im rechtsrheinischen Stadtgebiet ist der Äußere Grüngürtel zu qualifzieren be ziehungsweise zu defnieren. Der Ausbau des Grünsystems der Stadt bietet die Chance, die Attraktivität angrenzender Siedlungsgebiete zu stärken und die Lebensqualität der Bewoh nerinnen und Bewohner zu erhöhen. Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive 188 l Zusammendenken v on Freiraum und Siedlungsrändern Durch eine sorgfältige Gestaltung der Frei räume und ihrer „grünen Ränder“ (also des Übergangs vom Grün- zum Siedlungsraum) kann den wachsenden Nutzungskonkurrenzen zwischen der Nachfrage nach Wohnraum und dem Bedarf nach Grün- und Freiflächen entge gengewirkt werden. Eine starke (stadt-)räum liche und funktionale Definition und Ausge staltung der Siedlungsränder kann zusätzlich ein Weiterwachsen von Siedlungsstrukturen begrenzen. Durch eine integrierte Planung von Freiraum und Siedlung wer den wechselseitige Chancen ergriffen. Neben der Mobilisierung punktueller Arrondierungspotenziale können steigende Nutzungsansprüche zur Aufwertung von bestehenden Freiräumen gelenkt und genutzt werden. Dafür ist auch eine Differenzierung zwischen Schutzgebieten und Gebieten mit Freizeitnutzung notwendig, um sensible Be reiche für Ökosysteme und Landwirtschaft zu schonen. 189 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive m Verbesserung des Mikroklimas Um das städtische Mikroklima sowohl im Be stand als auch für die Siedlungserweiterung zu verbessern, verfolgt die Stadt Köln den neuen Weg einer vierfachen Innenentwicklung: bauli che Maßnahmen, Qualifzierung von Frei und Grünräumen, angepasste Mobilitätskonzepte und die Berücksichtigung der Klimaziele. Diese an den Klimawandel angepasste Stadtentwick lung wird lokal durch kleinteilige städtebauli che und freiraumplanerische Maßnahmen, wie PocketParks, weitere Möglichkeiten der Ver schattung und Verdunstung sowie Dach und Fassadenbegrünung ergänzt. Eine Verdichtung ist zwar möglich, muss aber einen Beitrag zur Verbesserung des Mikroklimas leisten. In den Entwicklungsgebieten der äußeren Stadt ist darauf zu achten, dass die bestehenden Kalt luftströme nicht daran gehindert werden, so tief wie möglich in die innere Stadt vorzudrin gen. Dies kann vor allem durch entsprechend dimensionierte Freiraumschneisen sowie die Ausrichtung der Gebäude geschehen. Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive 190 Die Stadträumliche Perspektive Die Zielkarten 191 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive Was wird konkret für die räumliche Entwick lung vorgeschlagen? An welchen Orten fnden Veränderungen statt? In den Zielkarten wird aufgezeigt, wie und durch welche Maßnahmen die Zielsetzungen aus dem Zielgerüst, die Handlungsempfeh lungen sowie die formulierten Ansätze auf der räumlichen Ebene umgesetzt werden können. Sie formulieren konkrete räumliche Maßnah men und Empfehlungen für die Entwicklung Kölns, mit dem Planungshorizont 2030 und darüber hinaus. Sie machen aber auch Kon fikte sichtbar, indem sie bestimmten Orten in den verschiedenen Karten unterschiedliche Aufgaben zuweisen. Die Zielkarten mit ihren strategischen Empfehlungen sind daher als konkrete Zielbilder, Arbeitskarten und Diskus sionsgrundlagen gleichermaßen zu verstehen. Die Aufgabe der Stadt Köln und ihrer Partne rinnen und Partner wird es sein, diese Karten als Richtschnur und Koordinationsinstrument für weitere planerische Schritte zu nutzen. Die fünf Zielkarten gliedern sich in die Themen „Wohnen“, „Wirtschaft“, „Soziales, Kultur und Bildung“, „Mobilität“ sowie „Grün und Klima“. Ähnlich wie die Grundlagenkarten wurden sie in amtsübergreifenden Workshops erarbeitet und abgestimmt. Sie basieren auf städtischen Geodaten und überführen diese in grafsche Illustrationen und Interpretationen. Die räum lichen Zielaussagen gehen aber über die beste henden Datengrundlagen hinaus. Als Grundlage sowie zur Verortung und Orien tierung sind in allen Zielkarten die Siedlungs strukturen Kölns und des benachbarten Um lands, der Innere und Äußere Grüngürtel der Stadt sowie der Rheinverlauf dargestellt. Jede der fünf Zielkarten bildet für das jeweilige The menfeld relevante Attribute aus den Grundla genkarten ab. Diese werden mit räumlichstra tegischen Empfehlungen überlagert, sodass sich fünf themenorientierte Zielbilder für Köln und – soweit möglich – die Region ergeben. Um die relevanten Themenfelder, Zusammen hänge und Wechselwirkungen bestmöglich darstellen zu können, wurden die Inhalte ge genüber den Grundlagenkarten abweichend sortiert. GRUNDLAGEN STRATEGISCHE EMPFEHLUNGEN Originalmaßstab 1 : 50.000 @ DIN A1 Stand 06/2020 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Zielkarte Wohnen: Realisierung von g emischten, lebendigen und gut angebundenen Quartieren 192 193 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive 194 Wohnen: Realisierung von gemischten, lebendigen und gut angebundenen Quartieren Die Zielkarte „Wohnen: Realisierung von ge mischten, lebendigen und gut angebundenen Quartieren“ bezieht sich auf die vorhandene heterogene Stadtstruktur und zukünftige Siedlungsfächen. Sie zeigt auf, durch welche Maßnahmen Kölns bestehende gemischte Quartiersstruktur langfristig gesichert sowie neue gemischte, lebendige und gut angebun dene Quartiere entwickelt werden können. Die strategischen Empfehlungen dieser Ziel karte basieren im Wesentlichen auf folgenden Ansätzen der räumlichen Entwicklung (siehe S. 174 ff., die Ziffern verweisen auf die jeweili gen Ansätze): (1) Realisierung von angemessenen Dichten, Nutzungs und Typologiemischungen (3) Umgestaltung der Stadtachsen und Anbindung aller Stadtteile (4) Stärkung des schienengebundenen Nahverkehrsnetzes als Voraussetzung für die Stadtentwicklung (7) Langfristige Aktivierung neuer Stadträume Die strategischen Empfehlungen zielen im We sentlichen auf eine sinnvolle, fächensparende Siedlungsentwicklung mit angemessenen Dichten, gemischten Wohnformen und Nut zungen sowie qualitativ hochwertigen öffent lichen Räumen ab und werden in der Folge nä her erläutert. Dazu werden auch Aspekte und Aufgaben benannt, die nicht als Karteninhalt dargestellt sind oder nicht räumlich verortet werden können. Angemessene urbane Dichten, Typologien und Nutzungen Für die Siedlungsentwicklung sind angemesse ne Bebauungsdichten festzulegen: Diese sind einerseits Voraussetzung für einen sparsamen Umgang mit der knappen Ressource Fläche. Andererseits können durch höhere Dichten die gewünschte Nutzungsmischung sowie die Versorgungsangebote sichergestellt und die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel sowie der Rad und Fußverkehr gefördert werden. Für die verschiedenen Bereiche Kölns werden daher drei Kategorien an Mindestdichten mit Dichte werten empfohlen: Die „höchste Dichte” mit einem Dichtewert höher als 1,5, die „hohe Dichte” mit einem Dichtewert von größer als 1,2 und die „mitt lere Dichte” mit einem Dichtewert von größer als 0,8. Die Dichtewerte geben das Verhältnis zwischen der Siedlungsfäche und der gebau ten Geschossfäche an. Je höher der Wert, desto dichter die Bebauung. 195 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive In der äußeren Stadt – insbesondere bei der Entwicklung neuer Flächenpotenziale – ist das Erreichen der Mindestdichten ein entschei dender Faktor, um der hohen Nachfrage nach Wohnraum auf den wenigen dafür zur Verfü gung stehenden Flächen begegnen zu kön nen. Zudem soll dadurch verhindert werden, dass weitere Quartiere entstehen, für die keine adäquaten Versorgungsinfrastrukturen mit sozialen Einrichtungen, Einkaufsmöglichkeiten und Mobilitätsangeboten des Umweltver bunds bereitgestellt werden können. Darüber hinaus sind auch dörfich strukturierte Bereiche markiert, in denen eine weitere Sied lungsentwicklung zwingend an den Bau einer leistungsfähigen ÖPNVVerbindung und die Stärkung oder Entwicklung von Versorgungs zentren gebunden sein muss. In der inneren Stadt sind urbane Dichten mit Dichtewerten von mindestens 1,2 zu errei chen. Diese entsprechen in weiten Teilen dem heutigen gebauten Bestand, jedoch bieten sich in der gesamten inneren Stadt Möglichkei ten zur Nachverdichtung. Bei der Erneuerung und Verdichtung der bestehenden Baustruktur ist auch zu prüfen, ob höhere Dichten möglich sind, wenn diese mit einer hohen städtebau lichen Qualität einhergehen, wie dies in den drei großen innerstädtischen Transformations gebieten bereits geschieht. Gleiches gilt für die Innenstadt nur mit einer höheren Mindestdichte. Hier sollten die Zen tralität und die bestehenden Angebote maxi mal ausgenutzt werden, ohne dabei die Siche rung und Schaffung hochwertiger öffentlicher Räume außer Acht zu lassen (siehe unten). In den zentralen Bereichen entlang der Zu kunftsachsen und Stadtachsen werden jeweils die nächsthöheren Dichtewerte – verglichen mit ihrer Umgebung – empfohlen, da sich dort meist Potenziale zur Nachverdichtung mit guter Anbindung und Versorgungsangeboten befnden. Folgende Aspekte und Aufgaben stehen mit den Karteneinträgen in Zusammenhang und sind bei der Erreichung der Ziele wichtig: Nutzungsmischung und städtebauliche Qua lität sind eine wesentliche Voraussetzung für die Lebensqualität und die Wahrnehmung der baulichen Dichte. Für die angestrebten Dich teziele ist es daher wichtig, städtebauliche Strukturen zu entwickeln, die ortsspezifsch Quartiere mit hoher Lebens und Aufenthalts qualität ermöglichen. Dazu gehören verschie Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive 196 dene Gebäude und Wohnungstypen sowie beispielsweise fexible Nutzungsmöglichkeiten der Erdgeschosszonen. Insbesondere in den neuen Entwicklungsgebieten der äußeren Stadt sind dafür neue Typologien zu entwi ckeln. Bei der Entwicklung neuer Flächen ist ein breit gefächertes Wohnraumangebot (sozialer und preisgedämpfter Wohnraum sowie Wohn raum zu Marktpreisen) sicherzustellen. Durch die weiterhin konsequente Anwendung des kooperativen Baulandmodells, welches vor sieht, 30 Prozent der Wohnungen im öffentlich geförderten Segment zu errichten, ist in neuen Quartieren eine ausgeglichene Relation von Eigentum und (preisgedämpften) Mietwoh nungsbau zu sichern (siehe auch Zielkarte „Soziales, Kultur und Bildung“). Integrierte Entwicklung von Siedlung und ÖPNV Für eine nachhaltige Entwicklung Kölns sowie die angestrebte Verkehrswende ist eine bes sere Verzahnung zwischen den Angeboten des öffentlichen Verkehrs und der Siedlungs entwicklung mit angemessenen Dichten herzustellen (siehe auch Zielkarte „Mobilität“). Einerseits gilt es insbesondere an den Trassen des schienengebundenen ÖPNV mögliche Verdichtungs und Entwicklungspotenziale zu erkunden und zu mobilisieren. In der Karte sind daher die Suchräume gekennzeichnet, in denen diese Potenziale prioritär zu prüfen und auszuschöpfen sind. Diese Suchräume befn den sich alle in der äußeren Stadt. Andererseits zeigt die Karte auch Gebiete, in denen eine weitere Siedlungsentwicklung nur im Zusammenspiel mit einer ÖPNVAnbin dung und Entwicklung der Zentren weiter verfolgt werden soll. Andernfalls besteht die Gefahr weiterer eingeschränkt versorgter und schlecht angebundener Quartiere, die primär auf dem MIV angewiesen sind. Für die Identifzierung der Suchräume wurden die Siedlungsstrukturen entlang der bestehen den Stadtbahn und SBahn sowie die in der ÖPNVRoadmap festgelegten Aus und Neu bauprojekte untersucht. Es wurden diejenigen Räume markiert, die entweder über unbebau te oder zukünftig geplante Siedlungsfächen verfügen oder deren bestehende Bebauungs struktur im Vergleich zu anderen Quartieren an ÖPNVTrassen noch Verdichtungspotenzi ale aufweist. Die ermittelten Flächen wurden mithilfe von Luftbildanalysen und Begehungen nochmals verifziert. 197 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive Nachverdichtung bestehender Strukturen Im Unterschied zur äußeren Stadt, die über fächige Siedlungspotenziale verfügt, liegen die Potenziale zur Siedlungsentwicklung der inneren Stadt in der Nachverdichtung. Nicht überall werden die vorgegebenen Dichteziele erreicht. Besonders in folgenden Gebietsty pen fnden sich größere zusammenhängende Potenziale für die Siedlungsentwicklung: 1. Quartiere, in denen in der Nachkriegszeit der 1950er, 1960er und auch 1970erJahre Wohnsiedlungen in Zeilenstrukturen errich tet wurden. Diese sind heute vermehrt sa nierungsbedürftig und weisen häufg nicht mehr nachgefragte Wohnungsgrundrisse und größen auf. 2. Areale, die vormals zumeist (klein)gewerb lich oder gemischt genutzt wurden, aber in großen Teilen heute untergenutzt sind oder brachliegen. 3. Zersiedelte Strukturen an den Siedlungs rändern, die sich für eine Arrondierung und Verdichtung eignen. Vor allem aber besteht bei zahlreichen Bauten der Nachkriegszeit die Notwendigkeit einer Sanierung der vorhandenen Baustruktur. Die Verdichtung und Aufwertung dieser Gebiete durch Sanierung, Ergänzung, Aufstockung oder Ersatz stellt ein großes Potenzial für die Stadt Köln dar, weil sowohl verkehrliche (ins besondere der öffentliche Verkehr) als auch soziale Infrastruktur bereits vorhanden ist. Die Zielkarte defniert daher Suchräume in der inneren Stadt, in denen die Nachverdichtung größerer zusammenhängender Quartiere empfohlen wird. Diese sollte im Sinne der gemischten Stadt mit Erhalt oder Stärkung der vorhandenen Mischung aus Gewerbe, Büros, Wohnen, verschiedenen Dienstleistungen und sozialen Einrichtungen einhergehen. Folgende Aspekte und Aufgaben stehen mit den Karteneinträgen in Zusammenhang und sind bei der Erreichung der Ziele wichtig: – Die markierten Bereiche sind ganz bewusst als Suchräume defniert. Die Machbarkeit einer möglichen Nachverdichtung ist in vertiefenden Untersuchungen zu prüfen und stark von Eigentumsverhältnissen, der Akzeptanz der ansässigen Bevölkerung, einer Wirtschaftlichkeit und Finanzierung abhängig. Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive 198 – Die Qualifzierung bestehender Strukturen ist darüber hinaus sehr viel kleinteiliger zu verfolgen: Auf der Ebene von Parzellen, einzelnen Blöcken oder Straßenzügen sind die Möglichkeiten einer angemessenen Verdichtung auszuloten und aufkommende Sanierungszyklen für eine Weiterentwick lung der Stadtstruktur zu nutzen. – Die Nachverdichtung vorhandener Struk turen zielt unter anderem darauf ab, die bestehende Infrastruktur wirtschaftlicher zu nutzen und weitere Angebote ergänzen zu können. Wenn in bestehenden Gebieten nachverdichtet wird, ist sicherzustellen, dass die Kapazitäten bestehender Infra strukturen, beispielsweise von Bildungsein richtungen, vorhanden sind oder bei Bedarf erhöht werden. Entwicklung und Proflierung der funktio nalen und stadträumlichen Qualitäten entlang von Kölns „Zukunfts“ und „Stadt achsen“ Viele der größeren Straßen Kölns haben nicht nur eine herausragende Bedeutung für den Stadtverkehr, sondern auch eine Verbindungs und Gliederungsfunktion für den Stadtkörper. Auf ihnen liegen wichtige Versorgungszentren für die umliegenden Quartiere oder die Ge samtstadt. Die in der Karte markierten linea ren Räume sollen als Ganzes betrachtet und gezielt entwickelt werden. Einerseits, um die Achsen an sich und die Zentren zu fördern, andererseits, um Potenziale für eine Weiter entwicklung der angrenzenden Siedlungs strukturen zu nutzen. Dafür müssen aber auch die entsprechend notwendigen Qualitäten im öffentlichen Raum bereitgestellt werden. In der Karte wird zwischen zwei „Zukunftsach sen“ sowie den „Stadtachsen“ unterschieden. Die „Zukunftsachsen“ haben eine übergeord nete Bedeutung für Köln und die Verbindung mit dem Umland. Entlang der „Zukunfts achsen“ sollen vor allem übergeordnete Funktionen entwickelt und profliert werden, beispielsweise durch die Ansiedlung von Einrichtungen oder Institutionen von beson derem Rang und deren Stärkung als Handels und Dienstleistungsstandorte. Hierfür ist die Aufwertung stadträumlicher und städtebauli cher Qualitäten eine wichtige Voraussetzung. Die Zukunftsachse in OstWestRichtung verläuft von Bensberg nach Königsdorf über die Olpener Straße, die Deutzer Brücke, den Neumarkt und die Aachener Straße. Sie führt durch das Zentrum von Köln und ist daher prädestiniert für die Ansiedlung übergeord neter Funktionen. Heute ist sie zu Hauptver 199 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive kehrszeiten stark überlastet und verfügt über wenige Bereiche mit Aufenthaltsqualitäten. Der geplante Ausbau der Stadtbahnlinie 1 bie tet – unabhängig von einer oberirdischen oder unterirdischen Führung – die Möglichkeit, den MIV zu reduzieren, die Straßenprofle neu zu ordnen und ihren Charakter als öffentlichen Raum im Zentrum der Stadt deutlich zu stär ken. Durch eine differenzierte und qualitativ hochwertige Entwicklung dieser Achse ist ihre Funktion als verbindendes Element im Kölner Stadtraum zurückzugewinnen. – Die Zukunftsachse in NordSüdRichtung entlang der B8 ist der zentrale Teil des rechtsrheinischen Entwicklungskorridors aus dem Agglomerationskonzept des Re gion Köln/Bonn e.V. Sie soll von einem überwiegend verkehrlich genutzten Raum zu einer neuen städtischen Entwicklungs achse entwickelt werden – als verbindendes Element in die Region und für die angren zenden Quartiere. Vor allem die zahlreichen, bereits ausgewiesenen Entwicklungsfä chen im Porzer Süden, aber auch in Kalk, Vingst, Höhenberg, Buchforst, Buchheim und Mülheim sind in die Entwicklung dieser Zukunftsachse ebenso miteinzubeziehen wie weitere Neustrukturierungs und Ver dichtungspotenziale für das Wohnen und Arbeiten. – Die „Stadtachsen“ sind Versorgungs, Infra struktur und Dienstleistungsstandort für die angrenzenden Quartiere. Sie sollen in ih rer gesamtstädtischen und lokalen Funktion gesichert und weiterentwickelt werden. Die Aufwertung, Belebung und Intensivierung bestehender Nutzungen sollen dabei durch die Ansiedelung gesamtstädtischer und lokaler Nutzungen und die Stärkung des öf fentlichen Raums erreicht werden. Anknüp fungspunkte bieten hier die bestehenden Versorgungszentren. Folgende Aspekte und Aufgaben stehen mit den Karteneinträgen in Zusammenhang und sind bei der Erreichung der Ziele wichtig: – Für die Weiterentwicklung der Stadtachsen müssen deren Verkehrsmengen künftig reduziert und stärker vom Umweltverbund bewältigt werden. – Die derzeit teilweise starken Umwelt, Lärm und Luftproblematiken entlang der Stadtachsen sind sowohl durch die oben ge nannte Förderung des Umweltverbunds als auch durch weitere Maßnahmen zu reduzie ren (siehe Zielkarte „Grün und Klima“). Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive 200 Aufwertung des öffentlichen Raums an Straßen, Kreuzungen und Rheinquerungen Im gesamten Stadtgebiet kommt den öffent lichen Räumen eine besondere Bedeutung als Orte des sozialen Austauschs und der Erholung zu. Die Steigerung der Vielfalt von Lebensmodellen und Nutzungen macht aus öffentlichen Räumen soziale Räume, die neue Gestaltungsansätze brauchen. Dies betrifft nicht nur Grün und Freifächen, sondern auch Plätze und Straßenräume. Die Aufwertung des öffentlichen Raums stellt insbesondere entlang der verkehrsreichen Stadtstraßen und Kreuzungen eine besondere Herausforderung dar. Wie beispielsweise am Barbarossaplatz wird heute ein Großteil des Raums für die Abwicklung des MIV und des ÖPNV benötigt, sodass seine Funktion als Platz und Aufent haltsraum stark eingeschränkt ist. In der Karte sind explizit die Ringe, das linke Rheinufer, die bestehenden Rheinquerungen und die wichti gen Kreuzungspunkte und Platzsituationen im innerstädtischen Bereich (auch in Deutz) ein gezeichnet. Sie sind trotz ihrer repräsentativen Bedeutung besonders stark frequentiert und hoch belastet. Hier gilt es, den öffentlichen Raum schrittweise zu qualifzieren, die Flächen für den Fahrrad und Fußverkehr auszuweiten, alternative SharedMobilityAngebote bereit zustellen und die Gestaltung des Stadtraums voranzutreiben. Bei den markierten Rheinque rungen, wie beispielsweise der Hohenzollern brücke, ist zu prüfen, ob und wie diese für den Fahrrad und Fußverkehr attraktiver gemacht werden können – sowohl auf den Brücken selbst als auch auf deren Zufahrten und Ram pen. Alternativ ist die langfristige Realisierung von parallelen Brückenbauwerken zu prüfen. Folgende Aspekte und Aufgaben stehen mit den Karteneinträgen in Zusammenhang und sind bei der Erreichung der Ziele wichtig: – An den Kreuzungen und Plätzen besteht mit der Einrichtung von Mobilstationen (Mög lichkeiten zum Umstieg auf SharedMobili tyAngebote) zusätzlich die Chance, durch weitere Angebote des Umweltverbunds an zentralen Orten den MIV in der Innenstadt zu reduzieren. 201 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive Langfristige Transformation des Straßen raums zur Entwicklung neuer Stadträume Die Autobahnzubringer (A57 , A559 und B55) haben eine wichtige verkehrliche Funktion, die – zumindest kurz bis mittelfristig – notwen dig ist, um Mehrbelastungen an Verkehr für die aktuellen Transformationsgebiete wie den Deutzer Hafen zu bewältigen. Ihre kreuzungs und anbaufreie Ausgestaltung bis tief in die Stadt hinein (weder Gehwege noch Gebäude dürfen direkt an die Straße gebaut werden) ist jedoch eine schwer zu überwindende Barriere im Stadtraum, führt zu hohen Lärmemissio nen und braucht viel Platz, der nicht ander weitig nutzbar ist. In der Karte sind daher die Abschnitte als Suchräume markiert, in denen langfristig, im Zuge der Verkehrswende, eine Transformation der Autobahnzubringer zu leistungsfähigen Stadtstraßen geprüft werden sollte. So könnten angrenzende Potenziale für die Siedlungs und Freiraumentwicklung mobilisiert und neue, gut erschlossene Stadt räume in der inneren Stadt geschaffen werden. GRUNDLAGEN STRATEGISCHE EMPFEHLUNGEN Originalmaßstab 1 : 50.000 @ DIN A1 Stand 06/2020 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Zielkarte Wirtschaft: Profilierung und Entwicklung zukunftsfähiger Standorte 203 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive 204 Wirtschaft: Profilierung und Entwicklung zukunftsfähiger Standorte Die Zielkarte „Wirtschaft: Proflierung und Ent wicklung zukunftsfähiger Standorte“ defniert ihre Ziele aus den wirtschaftlichen Themen Kölns: diversifzierter Arbeitsmarkt, Produk tions, Gewerbe und Dienstleistungsstandor te sowie Wissenscluster. Die strategischen Empfehlungen dieser Ziel karte basieren im Wesentlichen auf folgenden Ansätzen der räumlichen Entwicklung (siehe S. 174 ff., die Ziffern verweisen auf die jeweili gen Ansätze): (3) Umgestaltung der Stadtachsen und Anbindung aller Stadtteile (8) Ausformulierung des rechtsrheinischen Entwicklungskorridors (9) Qualifzierung und Nachverdichtung der Industriestandorte (10) Stärkung der produktiven Stadt Die strategischen Empfehlungen zielen prio ritär auf eine Proflierung und Weiterentwick lung bestehender Industrie und Gewerbe gebiete ab. Diese sollen durch Ausweisung geeigneter neuer Standorte sowie die Förde rung interkommunaler Gewerbegebiete ergänzt werden. Daneben gibt es auch Trans formationsstandorte, in denen gewerbliche Nutzungen und Wohnen zusammen gedacht werden. Außerdem behandelt die Zielkarte Ausbau, Aufwertung und Neuausweisung der Versorgungszentren sowie die Stärkung der Innovations und Wissenschaftsstandorte. Sie werden in der Folge näher erläutert. Dazu werden auch Aspekte und Aufgaben benannt, die nicht als Karteninhalt dargestellt sind oder nicht räumlich verortet werden können. Qualifzierung und Nachverdichtung von Industriegebieten Die vorhandenen großfächigen Industriege biete, die sich alle in der äußeren Stadt und am Rhein befnden, sollen im Bestand gesichert und für die Zukunft weiterentwickelt werden. Zusätzliche Flächen für die Industrie müssen mittelfristig vor allem durch eine Verdichtung und der gezielten Erweiterung bestehender Gebiete bereitgestellt werden. Durch den zu erwartenden industriellen Wandel, der sich beispielsweise durch die Reduktion des Flä chenbedarfs von Fertigungsstandorten ergibt, entstehen Potenziale für neue Produktionsbe triebe – insbesondere im Bereich der „Indust rie 4.0“. Diese verlangen aber zusätzlich auch eine Qualifzierung dieser Gebiete, beispiels weise durch die Aufwertung des öffentlichen Raums oder die Ansiedlung begleitender Nutzungen. Folgende Aspekte und Aufgaben stehen mit den Karteneinträgen in Zusammenhang und sind bei der Erreichung der Ziele wichtig: 205 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive – Zur Unterstützung dieser Entwicklung sind ein aktives Flächenmanagement und punk tuelle Investitionen in die Qualifzierung und stadträumliche Aufwertung dieser Gebiete notwendig. – Kölns vorhandene Standortvorteile der quattromodalen Logistik (Straße, Schiene, Luft, Wasser) sind bei der Ansiedlung neuer Industrien stärker zu berücksichtigen, um im Wettbewerb der Industriestandorte langfristig erfolgreich sein zu können. Weiterentwicklung der Gewerbe und Dienstleistungsstandorte Gewerbe und Dienstleistungsbetriebe sind ein unverzichtbarer Grundpfeiler des Standor tes Köln, deren Entwicklungsmöglichkeiten zu sichern sind. Gleichzeitig stehen Produktion und Dienstleistung vor einem tiefgreifenden Wandel, welchem auch durch eine differen zierte räumliche Strategie begegnet werden muss. Die Zielkarte „Wirtschaft“ enthält daher verschiedene Empfehlungen, die zu drei Strategien zusammengefasst und in der Folge erläutert werden: – Die Proflierung, Nachverdichtung und ge zielte Erweiterung von Gewerbegebieten. – Die Transformation von Gewerbegebieten zu innovativen und gemischten Quartieren mit unterschiedlichen Nutzungsschwer punkten. – Die Qualifzierung des rechtsrheinischen Entwicklungskorridors für Gewerbe und Produktion inklusive neuer Wirtschafts standorte für die wachsende Stadt. Diese Empfehlungen sind in ihrer Gesamtheit zu betrachten und gemeinsam mit der Wirt schaftsförderung weiterzuentwickeln. Proflierung, Nachverdichtung und gezielte Erweiterung von Gewerbegebieten Ein Großteil der Kölner Gewerbegebiete sind als Produktionsstandorte zu sichern. Allerdings müssen sie auf der Basis ihrer spezifschen Eigenschaften profliert und schrittweise nach verdichtet werden, um Ausbau und Erhalt des Wirtschaftsmixes zu fördern und ihre Standort gunst zu erhöhen. Einige der in der Karte mar kierten Gewerbegebiete haben bereits Ansätze eines eigenen Profls; andere müssen ihr Profl weiter schärfen beziehungsweise neu entwi ckeln. Die an einzelnen Standorten existieren den Potenzial und Reservefächen sind für die Proflierung bestmöglich einzusetzen. Für viele dieser Gebiete ist eine optimierte Erreichbarkeit mit dem ÖPNV und eine Attrak tivitätssteigerung der öffentlichen Räume mit hoher Aufenthaltsqualität von großer Bedeu tung. Um die bestehenden Gewerbestandorte zu unterschiedlich ausgestalteten Adressen für zeitgemäße Formen des Arbeitens zu machen, Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive 206 sind auch weitere Formen der Nutzungsmi schung zu testen und zu etablieren. Transformation von Gewerbegebieten zu innovativen und gemischten Quartieren mit unterschiedlichen Nutzungsschwerpunkten Einige der bestehenden Gewerbegebiete Kölns eignen sich besonders für eine weiter gehende Transformation hin zu innovativen und gemischten Quartieren. Aufgrund der Konfikte bei der Mischung von Produktions und Wohnnutzungen sind bei der Entwicklung dieser Gebiete entsprechende Schwerpunkte zu setzen. In der Karte sind daher zwei ver schiedene Kategorien der Transformation dargestellt. In Gebieten wie Ehrenfeld soll der Schwerpunkt der Entwicklung auf der Ansied lung von Dienstleistung, urbaner Produktion und Kreativwirtschaft liegen, um diese auch zukünftig als attraktive Standorte der wirt schaftlichen Entwicklung zu erhalten. Bei der Förderung unterschiedlicher Formen der Nutzungsmischung ist hier darauf zu achten, dass die Transformation sowohl eine gewerbli che Nutzung als auch eine Nutzung als Wohn raum ermöglicht. Beide Nutzungen und damit verbundene Bedürfnisse sind sensibel abzu wägen, um eine Produktion trotz Wohnnut zung weiter möglich zu machen. In den drei innerstädtischen Transformationsgebieten Deutzer Hafen, Parkstadt Süd und Mühlheimer Süden liegt der Schwerpunkt der zukünftigen Nutzungen auf Wohnen, Dienstleistungen und emissionsarmer Produktion. Hier ist die Rea lisierung hochwertiger neuer und gemischter Stadtbausteine in besonders guten Lagen auch weiterhin zu unterstützen. Qualifzierung des rechtsrheinischen Ent wicklungskorridors für Gewerbe und Produktion inklusive neuer Wirtschafts standorte für die wachsende Stadt Der im Agglomerationskonzept des Region Köln/Bonn e.V. verankerte rechtsrheinische Entwicklungskorridor bietet die Chance, die im Stadtgebiet Köln gelegenen Gewerbege biete als Bestandteil einer überregionalen Entwicklungsachse mit hoher Verkehrsgunst zu qualifzieren sowie bestehende Reserven und Optionsfächen des Regionalplans best möglich für die wirtschaftliche Entwicklung Kölns einzusetzen. Mit dem Ausbau tangenti aler Verkehrsstrukturen und der Entwicklung der Stadträume entlang der Zukunftsachsen (siehe Karte „Wohnen“) entstehen hier neue Standortqualitäten, die es zu nutzen gilt. Entlang dieses Korridors liegen daher auch die Suchräume für weitere Produktions und Dienstleistungsstandorte, die sich – zusätzlich zu den im Regionalplan ausgewiesenen Po tenzialen – für die Entwicklung gut erschlos sener Gewerbegebiete eignen könnten. Diese Suchräume lassen sich in folgende Kategorien einteilen: 207 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive 1. Ausweisung neuer Gewerbegebiete an strategischen und verkehrstechnisch gut angebundenen Orten, wie beispielsweise dem Flughafen. 2. Bestehende Gewerbegebiete, die unterge nutzt sind oder in Teilen brachliegen und daher verdichtet werden können. 3. Bestehende Gewerbegebiete, an denen Flächen angrenzen, die für eine Arrondie rung und Erweiterung der bestehenden Strukturen geeignet sind. Folgende Aspekte und Aufgaben der Weiter entwicklung der Gewerbe und Dienstleis tungsstandorte stehen mit den Kartenein trägen in Zusammenhang und sind bei der Erreichung der Ziele wichtig: – Die Mobilisierung neuer Standorte für Pro duktion und Gewerbe im rechtsrheinischen Entwicklungskorridor muss gemeinsam mit den Freiraumstrukturen und der Ver vollständigung des Äußeren Grüngürtels gedacht werden. – Am Flughafen ist zu prüfen, wie die Erschlie ßungsgunst dieses Standortes noch besser genutzt werden kann. Neben fughafen nahem Gewerbe und Logistikfrmen kön nen weitere Dienstleistungseinrichtungen angesiedelt werden. – Die weitere Ausdifferenzierung der Produk tions und Distributionsprozesse sowie der Onlinehandel werden die Anforderungen an die CityLogistik weiter erhöhen. Die heute schon spürbaren Belastungen der Stadt durch zunehmende Lieferverkehre sind in Zukunft besser zu organisieren und mit den Bedürfnissen von Gewerbe und Han del abzustimmen. Dies erfordert nicht nur neue Logistikkonzepte, sondern auch eine Reorganisation des Stadtgefüges. Im Fokus steht dabei die Sicherung, Entwicklung und Stärkung des schienengebundenen Güter verkehrs und seiner Umschlagpunkte. Dies gilt auch für die Kölner Häfen. Versorgungszentren stärken und neu ausweisen Kölns Versorgungszentren weisen in ihren unterschiedlichen Bedeutungen Defzite in der Nutzungsstruktur auf. Alle Zentren sind dabei hinsichtlich ihrer Versorgungsfunktion und ih rer Attraktivität zu analysieren, gegebenenfalls sind Strategien und Programme aufzustellen. Dies schließt die Ansiedlung von Dienstleis tungsgewerbe, urbaner Produktion sowie Angeboten der Gastronomie und Daseinsvor sorge mit ein. Dem öffentlichen Raum kommt dabei eine zentrale Bedeutung zu, da nur in ei nem sicheren und ansprechenden Umfeld die Zentren in ihrer Funktion von der Bevölkerung auch angenommen werden. An bestimmten in der Karte eingetragenen Stellen der Stadt, wie beispielsweise im Mülheimer Süden, ist auch Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive 208 die Neuentwicklung von Versorgungszent ren zu prüfen, um auf die Weiterentwicklung der Siedlungsstruktur zu reagieren oder eine weitere Siedlungsentwicklung zu ermöglichen (siehe Karte „Wohnen“). Die großen Stadt und Zukunftsachsen spielen auch in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle: Sie sind häufg Teil der Versorgungszen tren und Standort für bedeutende Unterneh men. Auch zwischen den Versorgungszentren übernehmen sie eine Funktion als Standort für Handel, Dienstleistung, Gewerbe und urba nes Leben. In den in der Karte dargestellten Abschnitten sollten diese Funktionen gestärkt oder neu angesiedelt werden. Dafür müssen auch hier deren öffentliche Räume gestaltet und neue Formen der Nutzungsmischung ent lang der Achsen getestet werden. Folgende Aspekte und Aufgaben stehen mit den Karteneinträgen in Zusammenhang und sind bei der Erreichung der Ziele wichtig: – Für eine attraktive Gestaltung der Stadtach sen müssen die hohen Lärm und Luftbe lastungen gemindert und der Straßenraum neu gestaltet werden. Dies benötigt eine Reduktion des MIV. – Köln besitzt in der Innenstadt eine der kauf kräftigsten Fußgängerzonen Deutschlands, die aber zunehmend stärker in Konkurrenz zum Onlinehandel steht. Dies betrifft auch alle übrigen Handelszentren im Stadtge biet, die sich zudem von ihrer Ausstattung und Qualität stark unterscheiden. Um gegenüber dem Onlinehandel konkurrenz fähig zu bleiben, müssen diese Zentren stadt und freiräumlich aufgewertet wer den, weiterhin gut erreichbar sein und ein breites und in Teilen auch regional besonde res Angebot bereitstellen. Insbesondere für die dezentralen Standorte braucht es einen Mix aus sozialen und kulturellen Angeboten sowie ein gutes Leerstandsmanagement. Aufbau der interkommunalen Kooperation für Industrie und Gewerbe Viele der bestehenden Industriegebiete sind schon heute über die Stadtgrenzen hinweg ausgerichtet (Godorf/Wesseling, Worringen/ Dormagen, PorzLind/Troisdorf, Flittard/ Leverkusen). Die Karte zeigt bestehende oder zukünftige Potenziale für den Auf und Ausbau der interkommunalen Zusammenar beit, sowohl für das Gewerbe als auch für die Industrie. Mit dem Strukturwandel im Braun kohleabbaugebiet Rheinisches Revier kommt der interkommunalen Zusammenarbeit eine größere Bedeutung zu, die umfangreiche Chancen, aber auch Herausforderungen für die gesamte Region mit sich bringt. Die Trans formation der Tagebauumfelder und gleich zeitige Schaffung neuer Arbeitsplätze bietet 209 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive die Chance, neue Produktionsstätten in inter kommunaler Zusammenarbeit zu entwickeln. Diese könnten sowohl den Druck auf einzel ne Gewerbe, Industrie und Logistikfächen sowie die Konkurrenz um Gewerbesteuerein nahmen der Standortkommunen mindern und dazu beitragen, die Versorgung der Region gemeinsam neu und innovativ zu organisieren. Entwicklung und Ausbau der Wissen schaftsstandorte sowie der Innovations und Gründerräume Köln verfügt neben der „Universität zu Köln“ über zahlreiche Wissenschaftsstandorte, wie verschiedene Fachhochschulen, die Sport hochschule, zahlreiche Akademien etc. sowie Innovationszentren. Als Ort der Wissens und Innovationsproduktion sowie der Qualifkation von Fachkräften bilden sie für Unternehmen einen besonderen Standortvorteil und sind damit unentbehrlich bei der Vermarktung der Stadt als Wirtschaftsstandort. Um diesen Entwicklungsmotor weiter voranzutreiben, muss Wissenschaft in der Stadt stärker er leb und sichtbar gemacht werden. Dies kann einerseits durch die stärkere Öffnung und Präsenz von Einrichtungen geschehen, ande rerseits durch integrierte Standorte, die Wis senschaft, Produktion, aber auch Kunst und Kultur verknüpfen. In der Karte sind diejenigen Potenziale aufgeführt, die sich für den Ausbau der Wissenschaftsstandorte und die Weiter entwicklung von Innovations und Gründer zentren besonders eignen. Beispielsweise sind die vier Exzellenzcluster der Universität zu Köln besser mit der Stadt zu verbinden und mit Standorten für Startups anzureichern. Gleichzeitig muss sichergestellt werden, dass zukünftig noch Erweiterungsmöglichkeiten für Wissenschaft und Forschung bestehen. Ausbau der Gigabitversorgung Köln verfügt grundsätzlich schon über eine gute Breitbandversorgung. Jedoch gibt es in Stadtteilen am Stadtrand – wie Worrin gen, Widdersdorf oder Meschenich – noch zahlreiche Lücken in der Versorgung. In der Karte sind die Gebiete markiert, in denen diese Lücken großfächig auftreten und die es schnellstmöglich zu schließen gilt. Zusätzlich muss der Ausbau der nächsten Mobilfunkge neration 5G zügig vorangetrieben werden, damit Wirtschaft und Stadt von der Digitalisie rung proftieren können. Dies gilt besonders für Bereiche wie die industrielle Produktion 4.0, die Medizintechnik oder die Verkehrssteu erung, aber auch für private Verbraucherinnen und Verbraucher. GRUNDLAGEN STRATEGISCHE EMPFEHLUNGEN Originalmaßstab 1 : 50.000 @ DIN A1 Stand 06/2020 aSt dtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Zielkarte Soziales, Kultur und Bildung: Stärkung der Infrastruktur für Chancengerechtigkeit und Teilhabe 210 211 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive 212 Soziales, Kultur und Bildung: Stärkung der Infrastruktur für Chancengerechtigkeit und Teilhabe Die Zielkarte „Soziales, Kultur und Bildung: Stärkung der Infrastruktur für Chancenge rechtigkeit und Teilhabe“ defniert ihre Inhalte zu großen Teilen aus den Themenfeldern des „Offenen Kölns“. In der integrierten Betrach tung betreffen auch Aspekte der Vernetzung, der Urbanität, der Siedlungsentwicklung und der Versorgung diese Ziele. Die strategischen Empfehlungen dieser Zielkarte basieren im Wesentlichen auf folgenden Ansätzen der räumlichen Entwicklung (siehe S. 174 ff., die Ziffern verweisen auf die jeweiligen Ansätze): (1) Realisierung von angemessenen Dichten, Nutzungs und Typologiemischungen (2) Stärkung der sozialen, kulturellen und Bil dungsinfrastrukturen in bestehenden und zukünftigen Quartieren (3) Umgestaltung der Stadtachsen und Anbin dung aller Stadtteile Die strategischen Empfehlungen zielen im Wesentlichen auf die Stärkung bestehender und die Entwicklung neuer Angebote sowie die Überprüfung vorhandener Kapazitäten ab – bezogen auf Einrichtungen, Programme und Aspekte im sozialen, kulturellen, Versorgungs und/oder Bildungsbereich. Sie werden in der Folge näher erläutert. Dazu werden auch As pekte und Aufgaben benannt, die nicht räum lich dargestellt oder verortet werden können. Stärkung und Entwicklung von sozialen, kulturellen und Bildungsangeboten in bestehenden und zukünftigen Siedlungs gebieten Aus den räumlichen Erkenntnissen heraus können Defzite von sozialen, kulturellen und Bildungsangeboten im Stadtgebiet identif ziert und verortet werden. In diesen Bereichen ist zukünftig das Angebot zu stärken und auszubauen. Als Voraussetzung für die Entwicklung neuer Siedlungsgebiete sind Einrichtungen und An gebote bedarfsgerecht frühzeitig mit einzu planen. Folgende Aspekte und Aufgaben stehen mit den Karteneinträgen in Zusammenhang und sind bei der Erreichung der Ziele wichtig: – Die räumliche Anordnung und Vielfalt der Infrastruktur für Soziales, Kultur und Bil dung sowie deren Bedarf ist von Quartier zu Quartier sehr verschieden. Daher kön nen keine pauschalen Entwicklungsziele für die einzelnen Infrastrukturen genannt werden. Diese sind quartiersspezifsch zu 213 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive ermitteln und umzusetzen. Die Potenziale der Mehrfachnutzung von Veranstaltungs orten (Innen und Außenräume) sind in der Gesamtstadt mehrheitlich noch nicht aus geschöpft. Für die unterschiedlichen Stadt strukturen sind daher modellhafte Konzep te zu entwickeln, die eine Versorgung mit sozialen und kulturellen Angeboten sowie Bildungsinfrastrukturen sicherstellen. Die Konzepte tragen somit zu einer verbesser ten räumlichen Organisation und zu einer Gesamtentwicklung der Viertel bei. Ausbau und Stärkung der Gesundheits, Wissenschafts und Forschungscluster Köln verfügt mit der Uniklinik und der Klinik in Merheim über zwei herausragende Standorte für Gesundheit, Wissenschaft und Forschung. Diese dienen nicht nur der wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt, sondern vor allem der medizinischen Versorgung der Bevölkerung. Auch wenn sich die Kliniken der Stadt Köln in einer Konsolidierungsphase befnden, lassen sich durch den Zusammenschluss zu einem Klinikverbund oder durch einfache Koopera tionen weitere Potenziale an den Standorten entwickeln. Die Erweiterung dieser Cluster ist daher ein strategisch bedeutsames Ziel der Stadtentwicklung und ergänzt die dezentral verteilten Angebote im Gesundheits und Pfegesektor. Folgende Aspekte und Aufgaben stehen mit den Karteneinträgen in Zusammenhang und sind bei der Erreichung der Ziele wichtig: – Die Förderung von Angeboten der medi zinischen Grundversorgung im gesamten Stadtgebiet ist, unabhängig von der Ent wicklung der Cluster, voranzutreiben. Vor allem in bestehenden und neuen Zentren ist zu prüfen, ob das Angebot bereits aus reicht oder bedarfsgerecht weiterentwi ckelt werden muss. In den dünn besiedelten Gebieten der äußeren Stadt sind zudem ergänzende mobile Angebote zu testen. – Gleiches gilt für die Erweiterung der dezen tralen Angebote der Pfege. Angesichts der demografschen Veränderung der Gesell schaft sind die Pfegeinfrastrukturen wei terhin auszubauen. Bei der Konzeption des Ausbaus sollte die räumliche Verteilung der Altersstruktur ebenso in Betracht gezogen werden wie neue Konzepte der Integration der Pfege in bestehende oder neue Sied lungsstrukturen. Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive 214 Schutz und Erhalt von bestehenden soziokulturellen Standorten sowie Standorten der Kreativwirtschaft Köln verfügt über vielfältige soziokulturelle Angebote und eine lebendige Kreativwirt schaft. Deren Standorte konzentrieren sich vor allem in Stadtteilen der inneren Stadt, die unter einem hohen Entwicklungsdruck stehen. Insbesondere der wachsende Bedarf an Wohnungen führt zu einer Verdrängung alternativer Kreativräume. In Verbindung mit den hohen Anforderungen an den Lärmschutz können sich diese Effekte insbesondere für Clubs, Musikveranstaltungen und Konzert räume verstärken. Um diesem Prozess vorzu beugen, sollten in den markierten Gebieten die Rahmenbedingungen zum Erhalt und zur Entwicklung dieser für die Stadt bedeutsamen Funktionen geschaffen werden. In den Stadtteilen der äußeren Stadt fnden sich nur wenige kulturelle Angebote. Daher gilt es, bei der Realisierung von Entwicklungs und Transformationsgebieten neue Kultur angebote zu schaffen. Hier müssen auch die Potenziale der Mehrfachnutzung von Veran staltungsorten (Innen und Außenräume) besser ausgeschöpft werden. Bildungs und Sozialinfrastruktur sanieren und ausbauen Die Sanierung der Bildungs und Sozialinfra struktur ist eine vordringliche Aufgabe für Köln. Insbesondere in der inneren Stadt und der Innenstadt besteht der Handlungsbedarf aber auch darin, die Kapazitäten der Bildungs und Sozialinfrastruktur zu erweitern. Diese Aufgabe ist nicht nur eine große Herausforde rung, sondern auch eine Chance: Insbesondere bei Sanierung und Ausbau können räumliche Synergien zu anderen öffentlichen Dienstleis tungen genutzt werden. Hier sollte die Multi codierung von Flächen stärker vorangetrieben, entwickelt und modellhaft erprobt werden. Sozialräume nach dem Programm „Lebenswerte Veedel – Bürger und Sozialraumorientierung in Köln“ Das städtische Programm „Lebenswerte Veedel“, mit dessen Hilfe die Lebensqualität in ausgewählten Sozialräumen verbessert wird, hat sich in den letzten Jahren bewährt und zeigt sehr positive Ergebnisse. Insbeson dere die koordinierte Zusammenarbeit und Vernetzung von Verwaltung, Institutionen in freier Trägerschaft, Vereinen und Bewohner schaft bilden das Fundament der erfolgreichen Arbeit. Gemeinsam werden neue Ideen und 215 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive Handlungsansätze entwickelt. Es entstehen bedarfsgerechte präventive Angebote und frühzeitige Hilfen vor Ort. Im Umfeld größerer Siedlungsentwicklungen ist zu prüfen, inwie weit dadurch auch Impulse für die Aufwertung der Sozialräume entstehen oder fehlende Angebote und Infrastrukturen bereitgestellt werden können. Folgende Aspekte stehen mit den Kartenein trägen in Zusammenhang und sind bei der Erreichung der Ziele wichtig: Generationengerechte Quartiere und ins besondere die ausgewiesenen Sozialräume benötigen vor allem bezahlbaren Wohnraum, ein gutes Wohnumfeld, ausreichende Versor gungsinfrastrukturen sowie ein ausgewogenes soziales Miteinander (siehe weitere Aspekte unten). Ausbau, Sanierung, Stärkung bestehender und neuer Zentren sowie des öffentlichen Raums Wie auch in der Zielkarte „Wirtschaft“ dar gestellt, verfügt Köln über zahlreiche Versor gungszentren, die teilweise einer Stärkung und gegebenenfalls eines Ausbaus bedürfen – sei es in struktureller oder gestalterischer Hinsicht. Eine fächendeckende und dezentrale Ausstattung mit Versorgungsangeboten in der gesamten Stadt ist in erster Linie für die Teil habe der Bevölkerung am gesellschaftlichen Leben wichtig. Auch wird die „Stadt der kurzen Wege“ durch eine wohnortnahe Versorgung gefördert. Neben Einkaufsmöglichkeiten umfasst dies vor allem Infrastrukturangebote für die soziale Versorgung (Behörden, Gesund heitsversorgung, Pfege, Begegnungsstätten etc.) sowie für Kultur und Bildung. Darüber hinaus spielt der öffentliche Raum in den Zentren als Begegnungsort eine wichtige Rolle und ist bedarfsgerecht aufzuwerten und zu erweitern. Folgende Aspekte und Aufgaben stehen mit den Karteneinträgen in Zusammenhang und sind bei der Erreichung der Ziele wichtig: – Eine grundsätzliche Stärkung und Unter stützung der dezentralen Zentrenstruktur Kölns kann durch eine bauliche Verdichtung um die Versorgungszentren erreicht wer den, um somit deren Wirtschaftlichkeit und Tragfähigkeit zu erhöhen. – Um in einer verstärkt individualisierten Welt mehr soziales Miteinander zu bewirken und dabei gegenseitige Unterstützung, Genera tionenaustausch und Lebensqualität zu be fördern, können beispielsweise innovative Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive 216 Nahversorgungssysteme und intelligente Netzwerke für Tausch und Gemeinschafts nutzung in die Quartiersentwicklung und deren Management eingebettet werden. Nicht zuletzt gilt es, Begegnungsräume zu schaffen, in denen ein gesellschaftlicher Austausch erfolgen und das soziale Mitein ander gestärkt werden kann. Bauliche, funktionale und infrastrukturelle Aufwertung von Großwohnsiedlungen und deren Umfeld Viele der Großwohnsiedlungen, die in den 1960er und 1970erJahren als Satellitenstadt teile in der äußeren Stadt errichtet wurden, weisen erhebliche gestalterische Mängel und häufg eindimensionale Sozialstrukturen auf. Ziel ist es daher, die Lebensqualität in diesen Siedlungen so zu erhöhen, dass sie für eine vielschichtige Bewohnerschaft attraktiv ist beziehungsweise wird. Dazu tragen unter anderem eine gute Aufenthaltsqualität des öffentlichen Raumes, die gestalterische und funktionale Sanierung des Gebäudebestandes und des Wohnumfeldes und die Ansiedlung von neuen Einrichtungen und Dienstleistun gen bei. Weiterhin können unterschiedliche Wohnformen die Attraktivität von Großwohn siedlungen auch für andere Bevölkerungs gruppen erhöhen. Auch die Entwicklung neuer Nachbarschaften, wie zum Beispiel im geplan ten Stadtteil Kreuzfeld, angrenzend an die Stadtteile Blumenberg und Chorweiler, kann stabilisierende Impulse setzen. Soziale Erhaltungssatzung anwenden Mit dem Instrument der sozialen Erhaltungs satzung gemäß § 172 BauGB werden heute im Severinsviertel sowie in der Stegerwald siedlung die Qualitäten bestehender Nachbar schaften vor Verdrängungsprozessen durch Gentrifzierung oder Nutzungsänderung von Wohngebäuden geschützt. Aufwertungspro zesse in diesem Räumen müssen hier sozial verträglich und behutsam umgesetzt werden. Angesichts der anhaltenden und auch emp fohlenen Erneuerung und Verdichtung weite rer Quartiere wird angeraten, das Instrument der sozialen Erhaltungssatzung zukünftig auch in ausgewählten Quartieren der inneren Stadt sowie der Innenstadt anzuwenden. Weitere Themen der Infrastruktur für Chancengerechtigkeit und Teilhabe Die Ziele der Chancengerechtigkeit und Teilhabe umfassen weitere Aspekte, welche aufgrund ihrer Kleinteiligkeit nicht in der Karte dargestellt werden können. Für die räumliche Entwicklung sind im Besonderen drei Aspekte zu erwähnen: 217 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive – Ein Grundpfeiler für Chancengerechtigkeit und Teilhabe ist der Zugang zu Wohnraum. Daher ist bei der Entwicklung neuer und der Verdichtung bestehender Stadtquartiere im Besonderen darauf zu achten, den Anteil be zahlbarer Wohnraumangebote zu erhöhen oder zumindest zu halten. Dies erfordert entsprechende Programme, Vorgaben und Investitionen der Stadt. Neben der weiterhin konsequenten Anwendung des kooperati ven Baulandmodells können diese sich in fnanziellen Zuschüssen für besondere Grup pen, in der Förderung genossenschaftlicher Wohnbauträger sowie in der aktiven Boden politik äußern. Zudem prüft Köln die Mög lichkeit, stadteigene Grundstücke verstärkt in Erbpacht zu vergeben. – Die Bereitstellung unterschiedlicher Wohn typologien ist eine Voraussetzung für die Entwicklung von generationenübergreifen den und gemischten Quartieren, die den gesellschaftlichen Trends der Überalterung und Vereinsamung entgegenwirken kön nen. Vor dem Hintergrund des demogra fschen Wandels ist auf die Bereitstellung bedarfs und altersgerechter Wohnformen zu achten. Zudem muss eine integrierte Betrachtung mit verwandten Themen wie mobiler und häuslicher Pfege und dezen tralen Versorgungstrukturen stattfnden. – Bei der Förderung der Gesundheit, des Gemeinwohls und der Teilhabe spielt auch der Sport eine zentrale Rolle. Als Sport stadt verfügt Köln schon über ein großes Angebot an Anlagen und Angeboten für den Spitzen und Breitensport. Durch die steigenden Bevölkerungszahlen ist dieses Angebot einerseits bedarfsgerecht aus zubauen und andererseits ist zu prüfen, ob bestehende Anlagen von Vereinen und Schulen auch für eine breitere Öffentlichkeit geöffnet werden können. Die vorhandene Sportentwicklungsplanung verfolgt diese Ziele bereits zum großen Teil. Die Entwicklung und Umsetzung aller aufge führten Infrastrukturen und Angebote erfor dert umfangreiche Investitionen der öffent lichen Hand sowie weiterer Träger sozialer und kultureller Angebote. Umso wichtiger ist es für die zukünftige Entwicklung, potenzielle Synergien von Infrastrukturen auszuloten und zu nutzen. Dafür sind sowohl Modellprojekte der Mehrfachnutzung voranzutreiben als auch mögliche Allianzen zwischen den einzelnen Diensten und Trägern zu erkunden und zu fördern. GRUNDLAGEN STRATEGISCHE EMPFEHLUNGEN Originalmaßstab 1 : 50.000 @ DIN A1 Stand 06/2020 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Zielkarte Mobilität: Ausbau des ÖPNV, des Radverkehrs und der Verknüpfungspunkte aller Verkehrsträger 218 219 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive 220 Mobilität: Ausbau des ÖPNV, des Radverkehrs und der Verknüpfungspunkte aller Verkehrsträger Die Zielkarte „Mobilität: Ausbau des ÖPNV, des Radverkehrs und der Verknüpfungspunkte aller Verkehrsträger“ defniert ihre Ziele vor allem aus der vorhandenen Infrastruktur sowie deren Ausbau und Erweiterungspotenzial. Gleichzeitig betreffen den Aus und Umbau des Verkehrssystems und der Infrastruktur auch die Aspekte Urbanität, Siedlungsentwick lung, soziale Teilhabe, Wirtschaftskraft und Klimaschutz. Die strategischen Empfehlungen dieser Zielkarte basieren im Wesentlichen auf folgenden Ansätzen der räumlichen Entwick lung (siehe S. 174 ff., die Ziffern verweisen auf die jeweiligen Ansätze): (1) Realisierung von angemessenen Dichten, Nutzungs und Typologiemischungen (3) Umgestaltung der Stadtachsen und Anbindung aller Stadtteile (4) Stärkung des schienengebundenen Nahverkehrsnetzes als Rückgrat der Stadtentwicklung (5) Ausbau des Umweltverbunds und Reduzierung des MIV (6) Stärkung des Rheinraums (7) Langfristige Aktivierung neuer Stadträume (8) Ausformulierung des rechtsrheinischen Entwicklungskorridors Die strategischen Empfehlungen zielen im Wesentlichen auf einen Ausbau des Umwelt verbunds, die Verknüpfung der einzelnen Ver kehrsträger sowie eine bessere Abstimmung zwischen Siedlungsentwicklung und Mobilität ab und werden in der Folge näher erläutert. Dazu werden auch Aspekte und Aufgaben benannt, die nicht als Karteninhalt dargestellt sind oder räumlich verortet werden können. Ausbau des städtischen ÖPNV Um trotz wachsender Bevölkerung die Ver kehrsbelastung Kölns zu verringern, muss eine integrierte Planung von verkehrlicher Erschlie ßung und Siedlungsentwicklung das zukünf tige Handeln und Planen bestimmen. Der Ausbau des städtischen ÖPNV, insbesondere der Stadtbahn, ist dafür eine Grundvorausset zung und muss konsequent priorisiert wer den. In der Zielkarte sind daher die Projekte der ÖPNVRoadmap mit Maßnahmen für den Stadtbahnaus und neubau als Grundlage auf geführt, da sie einen unverzichtbaren Bestand teil der Kölner Verkehrsentwicklung darstellen und prioritär realisiert werden sollen. Mit wichtigen Lückenschlüssen – wie zum Bei spiel der „Gürtelbahn“ (Linie 13) oder der Ver bindung zwischen den Linien 1 und 9 im Bezirk Kalk – kann das Stadtbahnnetz vervollständigt 221 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive und entlastet werden, da so die Umsteigebe ziehungen in der Innenstadt abnehmen. Eine besondere Bedeutung hat die Kapazitätser weiterung der Linie 1 auf der OstWestAchse als am stärksten belastete Stadtbahnverbin dung in Köln. Auch auf den übrigen Stadtach sen Kölns (siehe auch Zielkarte „Wohnen“) ist dem ÖPNV deutlich mehr Platz einzuräumen, um ihn zu beschleunigen und unabhängiger von der Überlastung des MIV zu entwickeln. Perspektivisch ist das Stadtbahnnetz in die äußere Stadt und teilweise auch über die Stadtgrenzen Kölns hinaus auszuweiten, um bestehende und neue Siedlungsgebiete besser durch den Umweltverbund zu erschließen und das Straßensystem zu entlasten. Als Emp fehlung sind daher die ÖPNVVerbindungen markiert, auf denen neue leistungsfähige ÖPNVAngebote als Rahmenbedingung für die weitere Siedlungsentwicklung bereitzustellen sind (siehe Zielkarte „Wohnen“). Auch hier gilt es, das Stadtbahnnetz nicht nur sternförmig vom Zentrum ausgehend weiter auszubauen, sondern auch Verbindungen zwischen beste henden Linien oder entlang wichtiger Entwick lungsräume zu realisieren, wie beispielsweise entlang der Frankfurter Straße oder mit einer neuen Rheinquerung südlich von Zündorf und Godorf. Folgende Aspekte und Aufgaben stehen mit den Karteneinträgen in Zusammenhang und sind bei der Erreichung der Ziele wichtig: – Um die Verkehrswende voranzutreiben und die Investitionen in den ÖPNV bestmöglich zu nutzen, sind durch den Umweltverbund gut erschlossene Gebiete prioritär für die Siedlungsentwicklung und verdichtung zu nutzen (siehe auch Zielkarte „Wohnen“). – Insbesondere in den weniger dicht besiedel ten Gebieten sind neue, bedarfsorientierte ÖPNVAngebote zu entwickeln, um auch diesen einen attraktiven Zugang zum öf fentlichen Verkehr bieten zu können. Dabei können zukünftig (autonome) Fahrzeuge, die auf Anfrage angefordert werden und mehrere Fahrgäste an verschiedenen Orten abholen, helfen, die Kosten für solche Ange bote zu senken. RegioHubs, Verknüpfungspunkte und Mobilstationen Die Vernetzung und Arbeitsteilung zwischen SBahn, Stadtbahn und anderen Angeboten des Umweltverbunds ist zukünftig stärker aus zudifferenzieren, um adäquate Reisezeiten zu gewährleisten. Die Zielkarte formuliert daher Empfehlungen für unterschiedliche Formen der Verknüpfung zwischen den Verkehrsträgern. Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive 222 In Köln verlaufen SBahn und Stadtbahnlinien teilweise ohne eine adäquate und attraktive Verknüpfung. Mit der Einrichtung neuer Halte stellen, wie beispielsweise an der Berliner Stra ße in Mülheim, oder einer besseren Verknüp fung oder Verlegung bestehender Haltestellen können Umwegfahrten über das Stadtzentrum vermieden werden. Um den MIV in der Stadt zu reduzieren, ist der Umstieg vom Auto auf die Stadt oder SBahn außerhalb der inneren Stadt zu erleichtern. Die Karte markiert potenzielle Standorte für die Anlage solcher Umsteigepunkte in der äuße ren Stadt, die für beide Verkehrsträger günstig gelegen sind. An diesen Standorten ist die Einrichtung, der Ausbau oder die Optimierung platzsparender und attraktiver Parkandride Anlagen zu prüfen. Der Umstieg auf den Um weltverbund kann und sollte mit Leitsystemen im Straßennetz unterstützt werden. Das Agglomerationskonzept des Region Köln/ Bonn e.V. empfehlt die Etablierung von so genannten „RegioHubs“. Diese ermöglichen vor allem einen Zugang zu den Angeboten des schnellen Regionalverkehrs und teilweise ei nen Umstieg zwischen Fern und Regionalver kehr außerhalb des Hauptbahnhofs. Auf diese Weise kann der Bahnknoten Köln entlastet und Fahrzeiten können verkürzt werden. Die Ziel karte zeigt die derzeit geplanten RegioHubs am Flughafen Köln/Bonn, in Leverkusen und in Mülheim. Ein weiterer geplanter RegioHub in Horrem liegt außerhalb des Kartenausschnitts. Für die Stärkung des Kölner Umweltverbunds sind diese Hubs auf Kölner Stadtgebiet zu Um steigeknoten für den gesamten städtischen ÖPNV zu erweitern. Dies umfasst die Verknüp fung von SBahn, Stadtbahn und Buslinien sowie weiteren Verkehrsträgern des Umwelt verbunds. Folgende Aspekte und Aufgaben stehen mit den Karteneinträgen in Zusammenhang und sind bei der Erreichung der Ziele wichtig: – Die Verknüpfung des ÖPNV mit weiteren Angeboten des Umweltverbunds (Carsha ring, Fahrradstation und Leihräder, Service punkte, Shuttleservices etc.) ist nicht nur an den markierten Punkten notwendig, sondern im gesamten Stadtgebiet. Erreicht werden kann diese Verknüpfung über die Einrichtung von sogenannten Mobilsta tionen. Perspektivisch ist ein fächende ckendes Netz an Mobilstationen über das gesamte Stadtgebiet hinweg anzustreben. Um dies zu erreichen, bedarf es – entspre chend eines HubandSpokeSystems – 223 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive sowohl großer und leistungsfähiger Stati onen an zentralen Haltestellen im Netz des öffentlichen Verkehrs als auch quartiers bezogener Stationen abseits der großen Trassen. Ausbau und Ringschluss des SBahnSystems Die SBahn verbindet als zweites Rückgrat des schienengebundenen Nahverkehrs Köln mit seinem Umland. Ihre Funktion ist prioritär zu stärken, um große Verkehrsströme in und um Köln bewältigen zu können. Der Ausbau der Bahnknoten KölnHauptbahnhof und Deutz zum Doppelbahnhof ist dafür eine Voraus setzung und bereits beschlossen. Dieser ist ebenso in der Karte dargestellt wie die geplan ten Angebotsausbauten der SBahn inklusive neuer Haltestellen. Die Karte formuliert dar über hinaus Empfehlungen für die Weiterent wicklung des geplanten Systems. Der heute noch unvollständige SBahnRing spielt bei der zukünftigen Entwicklung des schienengebundenen Nahverkehrs in und um Köln eine zentrale Rolle. Er entlastet nicht nur den Bahnknoten Köln, sondern bietet auch mehrere Möglichkeiten, SBahn und Stadt bahn besser zu verknüpfen. Um das Potenzial des SBahnRings als leistungsfähiges Nahver kehrssystem stärker zu nutzen, wird empfoh len, zusätzlich zu der heute geplanten Führung Richtung Mülheim und Flughafen den SBahn Ring im Bereich Deutz/Kalk zu schließen. Hier für sind in der Karte zwei alternative Suchräu me markiert, in denen ein solcher Ringschluss denkbar und für die Stadtentwicklung sinnvoll wäre. Mit der Schließung erfolgt eine Verknüp fung mit und gleichzeitig eine Entlastung für die zahlreichen Stadtbahnlinien. Folgende Aspekte und Aufgaben stehen mit den Karteneinträgen in Zusammenhang und sind bei der Erreichung der Ziele wichtig: – Das Agglomerationskonzept des Region Köln/Bonn e.V. empfehlt die perspekti vische Entwicklung eines zweiten ÖPNV Rings rund um Köln. Durch diesen Ausbau werden weitere Verbindungen nördlich und südlich von Köln angeboten und damit das Verkehrssystem in Köln weiter entlastet. Aufgrund der Langfristigkeit des Projekts und des großen Klärungsbedarfs, zum Bei spiel zu Linienführungen und verkehrstech nischem Nutzen, ist diese Empfehlung nicht Teil der Zielkarte. Auch deshalb, weil für die Stadt Köln eine rasche Umsetzung des heute geplanten SBahn Rings von höherer Bedeutung ist. Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive 224 – Zur weiteren Entlastung des Bahnknotens Köln ist zu prüfen, ob bestehende oder neue Stationen im Rechtsrheinischen langfristig für eine zusätzliche Entlastung des Doppelknotens Köln Hbf/Deutz sorgen könnten. Angesichts steigender Zugzahlen und Frequenzen im Fernverkehr ist es auch denkbar, Züge des Fernverkehrs über einen solchen Bahnhof zu führen. Nutzung des Rheins als Mobilitätsraum Der Rhein ist ein zentraler Bestandteil Kölns. Er ist Aufenthalts und Identifkationsraum und Verbindung in die Region. Der Rhein ist auch eine große Barriere und unterteilt Köln in ein rechts und ein linksrheinisches Stadtgebiet mit unterschiedlichen Entwicklungshistorien. Für die Weiterentwicklung des Umweltver bunds und als Ergänzung des bestehenden ÖPNVSystems ist das Potenzial des Flusses, zum Beispiel durch Wasserbusse oder taxis, stärker zu nutzen. Der weitere Abbau der Barrierewirkung des Rheins ist ein wichtiger Bestandteil des Zusammenspiels zwischen den links und rechtsrheinischen Quartieren und sollte auch dazu genutzt werden, den nichtmotorisierten Verkehr zu fördern. Daher sind in der Karte die Standorte markiert, an denen neue Fuß und Radverkehrsbrücken realisiert werden sollten. Diese liegen an wichtigen Stellen des heutigen und zukünftigen Radwegenetzes wie beispiels weise an der Verlängerung der Ringe zum rechtsrheinischen Ufer (siehe auch Zielkarte „Wohnen“). Um die Querung des Rheins auch in der äuße ren Stadt zu ermöglichen, ist der Fortbestand der Rheinfähren im Kölner Norden von Langel nach Hitdorf und im Süden von Weiß nach Zündorf zu sichern. Stärkung des Radwegenetzes Der Ausbau des Radverkehrs ist ein weiterer zentraler Pfeiler der notwendigen Mobilitäts wende. Die Karte zeigt das gerade in Erarbei tung befndliche Konzept für Radschnellver bindungen, die die Kölner Innenstadt mit den äußeren Stadtbezirken und mit dem Umland verbinden sollen. Die Verbindungen aus der Region sowie der äußeren Stadt in die Innenstadt sind zu qua lifzieren und auszubauen. Die Karte macht deutlich, auf welchen Korridoren bestehende regionale Radwege qualifziert oder neue an gelegt werden sollen. Zur Attraktivierung des Radverkehrs sowohl im Stadtgebiet wie auch in der Region sind konkrete Konzepte und Pro 225 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive gramme zu erarbeiten, aufeinander abzustim men und kurz bis mittelfristig umzusetzen. Dafür sind sowohl eine Hierarchisierung der Radwege sowie klare Ausbaustandards, wie beispielsweise eine ausreichende Breite, weni ge Querungen und hochwertige Fahrbahno berfächen, festzulegen. Im Zuge des Ausbaus werden sowohl im Straßenraum als auch in Grünsystemen Nutzungskonfikte auftreten, die es zu lösen gilt. Auf den bestehenden Stadtachsen sind dazu mehr Raum für attraktive und sichere Radver bindungen zu schaffen und unübersichtliche und unattraktive Übergangs und Abbiegesitu ationen für kreuzende Verkehre zu beseitigen, die heute ein schnelles und sicheres Radwege und Fußwegenetz verhindern. Auch entlang der Eisenbahntrassen gilt es zu prüfen, ob durch neue Über oder Unterführungen Um wege für den Rad und Fußverkehr verringert werden können. Folgende Aspekte und Aufgaben stehen mit den Karteneinträgen in Zusammenhang und sind bei der Erreichung der Ziele wichtig: – Die Förderung des Radverkehrs als nach haltige und klimafreundliche Mobilität gilt es sowohl in den Quartieren als auch ge samtstädtisch und regional voranzutreiben. Dies umfasst breite und sichere Radwege sowie die Entschärfung von gefährlichen Si tuationen. Der Ausbau von Fahrradstraßen und die Etablierung von SharingSystemen sind zu forcieren. Umbau des Straßennetzes Eine Anpassung des Straßennetzes zugunsten des ÖPNV, des Rad und Fußverkehrs sowie des öffentlichen Raums mit Aufenthaltsquali tät bedingt eine Reduktion des Verkehrsraums für den MIV (siehe auch ÖPNV und Radver kehr sowie Zielkarte „Wohnen“). Daher sind Fahrspuren für den MIV sowie Flächen für den ruhenden Verkehr zu reduzieren. Die strategi schen Empfehlungen adressieren verschiede ne Ansätze für den notwendigen Umbau des Straßennetzes. Die Innenstadt von Köln ist besonders hoch durch den MIV belastet. Neben dem Umbau der gekennzeichneten Straßen zugunsten von mehr Räumen mit Aufenthaltsqualität und mehr Flächen für den Umweltverbund sind besonders im Bereich der Innenstadt Maß nahmen zur erheblichen Minderung des MIV voranzutreiben. Ziel ist es, die Attraktivität des Umstiegs auf den ÖPNV oder das Fahrrad zu erhöhen. Neben der Reduktion von Fahrspuren Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive 226 und dem Einsatz von Verkehrsleitsystemen sind auch der Rückbau von Verkehrsfächen in Kreuzungsbereichen und die Reduzierung und Verteuerung des Parkraums effektive Maßnah men für einen menschengerechteren Straßen raum. Bei der Umgestaltung sind die Belange von Wirtschaftsverkehren (Lieferverkehre, Ladezonen) zu berücksichtigen. Im Zuge einer Reorganisation des KfzVerkehrs ist auch der Umbau von tief in die Stadt hin einragenden Autobahnzubringern und anbau freien Straßen zu prüfen. Diese könnten per spektivisch zu leistungsfähigen Stadtstraßen transformiert werden. Ziel ist es, die bestehen de Trennwirkung aufzuheben und so die gro ßen Potenziale für die Siedlungsentwicklung zu nutzen (siehe Zielkarte „Wohnen“). Diese Empfehlung ist unter einem langfristigen Zeit horizont zu betrachten. Das Projekt Rheinspange zwischen den Auto bahnen A59 und der A555 hat das Potenzial, das Verkehrssystem der Stadt Köln markant von Transitströmen zu entlasten und damit auch zu einer Neuordnung der Stadtachsen beizutragen. Im Sinne der Verkehrswende sind nicht nur für den Autoverkehr, sondern auch für die Stadtbahn und den Rad und Fußverkehr Rheinquerungen in diesem Bereich zu ermöglichen, unabhängig davon, ob dies durch mehrere Brücken oder eine multimoda le Brücke realisiert wird. Um Stadtteile, Quartiere und Zentren von Durchfahrtsverkehren zu entlasten, ist der Aus und Neubau von Umgehungs und Ver bindungsstraßen weiterhin notwendig. In der Zielkarte sind daher strategische Ausbauten des Straßennetzes markiert – wie beispielswei se der Blumenbergsweg im Kölner Norden im Bezirk Chorweiler. Folgende Aspekte und Aufgaben stehen mit den Karteneinträgen in Zusammenhang und sind bei der Erreichung der Ziele wichtig: 227 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive – Die Reduktion des MIV sowie der Umbau des Straßensystems erfordern weitere Maß nahmen, die auf der Karte nicht dargestellt werden können. Dazu zählen beispielswei se die Organisation des MIV mit digitalen Verkehrsleitsystemen sowie der Ausbau und die Förderung von SharingSystemen. Ebenso sind aber auch Maßnahmen wie der Rückbau von Parkplätzen sowie die Förde rung autoarmer Siedlungsformen zu ent wickeln, um insbesondere die innere Stadt und die Innenstadt vom MIV zu entlasten. – Bei weiteren Ausbauten des Straßennetzes ist zu vermeiden, dass zusätzliche Anreize für die Nutzung des MIV geschaffen wer den. Für die zukünftige Entwicklung des Straßennetzes sind zunächst Maßnahmen der Verkehrsvermeidung und lenkung zu prüfen, bevor neue Kapazitäten geschaffen werden. GRUNDLAGEN STRATEGISCHE EMPFEHLUNGEN Originalmaßstab 1 : 50.000 @ DIN A1 Stand 06/2020 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Zielkarte Grün und Klima: Sicherung und Qualifizierung der Grün systeme und Vorsorge für den Klimawandel 228 229 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive 230 Grün und Klima: Sicherung und Qualifizierung der Grünsysteme und Vorsorge für den Klimawandel Die Zielkarte „Grün und Klima: Sicherung und Qualifzierung der Grünsysteme und Vorsor ge für den Klimawandel“ defniert ihre Ziele aus den vorhandenen und prognostizierten Umweltbelastungen, dem bestehenden Grünsystem und dessen Entwicklungs und Ausbaupotenzial. Gleichzeitig betreffen sie den Klimawandel und die Klimaanpassung, die Grünvernetzung, den Aus und Umbau des Verkehrssystems sowie die Siedlungsentwick lung. Die strategischen Empfehlungen dieser Zielkarte basieren im Wesentlichen auf fol genden Ansätzen der räumlichen Entwicklung (siehe S. 174 ff., die Ziffern verweisen auf die jeweiligen Ansätze): (5) Ausbau des Umweltverbunds und Reduzierung des MIV (6) Stärkung des Rheinraums (1 1) Komplettierung der grünen Strukturen (12) Zusammendenken von Freiraum und Siedlungsrändern (13) Verbesserung des Mikroklimas Die strategischen Empfehlungen zielen im We sentlichen auf die funktionale und räumliche Erweiterung des Grün und Freiraumsystems, auf Maßnahmen zur Klimaanpassung und zur Reduktion von Luft und Lärmemissionen und werden in der Folge näher erläutert. Dazu wer den auch Aspekte und Aufgaben benannt, die nicht als Karteninhalt dargestellt oder räum lich verortet werden können. Weiterentwicklung der Grüngürtel und des Grünsystems Die zahlreichen Funktionen des einzigartigen Kölner Grünsystems werden angesichts stei gender Bevölkerungszahlen und der Auswir kungen des Klimawandels zukünftig immer wichtiger, geraten aber auch zunehmend unter Druck. Neben dem Aus und Neubau von Freirauman geboten und verbindungen sind programma tische Qualifzierungen der bestehenden Frei und Grünräume notwendig. Dies ist neben kleinräumigen Maßnahmen im gesamten Stadtgebiet vor allem im Äußeren Grüngür tel der Fall. Die Karte zeigt die Abschnitte im Norden und Osten der Stadt, die einer pro grammatischen Qualifzierung bedürfen. Hier müssen die Funktionen im Sinne einer Mehr fachnutzung ausgebaut und weiterentwickelt werden. Dabei sind neben der Vervollständi gung der Grünsysteme auch Schutz, Erho lungs, Sport und Freizeitbedarfe gleichwertig zu betrachten und in Einklang zu bringen. 231 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive Die Weiterentwicklung der Grüngürtel als zentraler Bausteine des Kölner Freiraumsys tems ist in Zukunft von großer Bedeutung. Die Karte zeigt auf, wo und wie die Grüngürtel ge schlossen und miteinander verbunden werden: – Mit der Entwicklung der Parkstadt Süd wird der Innere Grüngürtel linksrheinisch ge schlossen. Rechtsrheinisch bedarf die Ufer promenade einer weiteren Qualifzierung. Grüne Trittsteine in Deutz vervollständigen das innere System. – Der Äußere Grüngürtel weist insbesondere im Norden auf beiden Rheinseiten Lücken auf, die es zu schließen und zu qualifzieren gilt. Rechtsrheinisch ist zudem ein durch gängiges Wegenetz zu entwickeln. Grünverbindungen nach innen und außen Um das Grünsystem insgesamt zu vervoll ständigen und jedem Quartier Zugang zu Grünräumen zu ermöglichen, sind zusätzliche Freiraumverbindungen zwischen dem Äuße ren und dem Inneren Grüngürtel herzustellen. Die Karte defniert die Verknüpfungen, die – zusätzlich zur Schließung der Grünringe – aus heutiger Sicht besonders bedeutsam sind, beispielsweise den Vorgebirgspark in Verbin dung mit der Parkstadt Süd oder den Bürger park Nord. Durch die Regionale 2010 wurden die regio nalen Grünzüge geplant und mit dem Kölner Grünsystem verbunden. Diese Verbindungen zum RegioGrün sind weiter zu stärken und zu programmieren, um sie als Frei und Erho lungsraum für die Stadtbevölkerung zu etab lieren und besser zu nutzen. Zusammendenken der grünen Infrastruktur und der Siedlungsentwicklung An vielen Stellen sind die Ränder des Grünsys tems nicht ausreichend defniert und „fran sen“ aus. Dies führt einerseits zu unklaren Übergängen zwischen Siedlung und Freiraum, andererseits zu einer Reduzierung der Frei raumwirkung. Die Karte zeigt auf, in welchen Räumen eine integrierte Entwicklung von Siedlung und Freiraum und die Ausgestaltung von Siedlungsrändern besonders wichtig sind. Darüber hinaus sind sowohl die Siedlungsrän der zum Äußeren Grüngürtel als auch zu den umgebenen Landschaftsräumen markiert, denen besondere Aufmerksamkeit zu widmen ist. Während es bei den Siedlungsrändern zum Äußeren Grüngürtel vor allem um gestal terische Maßnahmen des Übergangs geht, können bei den Siedlungsrändern zum Land schaftsraum begrenzte Siedlungsentwick Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive 232 lungen ermöglicht und Konfikte zwischen Siedlungs und Landschaftsentwicklung gelöst werden. Der Erhalt und Schutz von wertvollen Landschafts und Landwirtschaftsräumen ist insbesondere unter ökologischen und klima tischen Gesichtspunkten prioritär zu berück sichtigen. Die aufgrund ihrer besonderen Klima, Boden oder Grünvernetzungsfunktion betroffenen Optionsfächen der Regionalplan überarbeitung sind entsprechend markiert. Sicherung und Multicodierung städtischer Wald und Landwirtschaftsfächen und Schutz der Artenvielfalt Die regionalbedeutsamen Waldgebiete sind wichtige Elemente des Kölner Freiraum und Ökosystems. Sie sind nicht nur langfristig zu sichern, sondern im Spannungsfeld von Natur schutz, Erholungsfunktion und Holzproduk tion sowie im Rahmen ihrer Schutzstandards differenziert weiterzuentwickeln. Dabei sind auch mögliche Auswirkungen der Klimaerwär mung auf den Baumbestand frühzeitig mit einzubeziehen. Nutzungskonfikte sind mit integrierten Konzepten oder auch Vorrangge bieten zu lösen. Die besonders fruchtbaren Böden innerhalb des Stadtgebiets sollen der landwirtschaftli chen Produktion vorbehalten werden. Neben dem Schutz der in der Karte markierten Ge biete steht hier vor allem auch die Weiterent wicklung der Landwirtschaft hin zu nachhal tigen Produktionsformen im Vordergrund. Köln kann so einen Beitrag für eine regionale Lebensmittelversorgung leisten und eine Vorbildfunktion in der Region einnehmen. Im Zuge der Weiterentwicklung ist zu prüfen, ob eine Vereinbarkeit von nachhaltiger Land wirtschaft und ergänzenden Funktionen, zum Beispiel Erholung, Fahrradverkehr sowie Klima und Artenschutz, möglich ist. Folgende Aspekte und Aufgaben stehen mit den Karteneinträgen in Zusammenhang und sind bei der Erreichung der Ziele wichtig: – Die Förderung der urbanen Landwirtschaft sowie urbaner Biotope fndet zu großen Tei len in den Quartieren statt und ist hier nicht darstellbar. Über das gesamte Stadtgebiet sind sowohl temporäre als auch dauerhafte Flächen für diese Funktionen zu sichern und auszubauen. – Die angestrebte Mehrfachnutzung von Freiräumen gilt in FloraFaunaHabitat Gebieten und in Naturschutzgebieten ausdrücklich nicht. Darüber hinaus sind alle Schutzgebiete von Natur und Landschaft zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume 233 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive sowie der Artenvielfalt zu sichern und wei terzuentwickeln. Gemäß Landschaftsplan handelt es sich dabei um Naturschutzgebie te, Landschaftsschutzgebiete, geschützte Landschaftsbestandteile und Gebiete mit höchster Schutzgüte (Natura 2000/FFH Gebiete). Viele bedrohte Tierarten haben in diesen Gebieten ihren Lebensraum. Zudem sind viele dieser Arten dadurch gekenn zeichnet, dass sie eine hohe Störempfnd lichkeit gegenüber menschlichen Einfüssen aufweisen können und ihr Lebensraum daher besonders zu schützen ist. Die Förde rung und Sicherstellung der Biodiversität ist einer der wichtigsten Faktoren eines funk tionierenden Ökosystems, welches es auch räumlich zu erhalten gilt. – Im gesamten Stadtgebiet sind nicht nur bestehende Schutzgebiete, sondern auch weitere ökologisch wertvolle Flächen – wie Trittsteinbiotope, Pufferzonen und Gebiete mit Vernetzungsfunktionen – als bedeutsa me Elemente zum Erhalt der Biodiversität im Stadtraum zu behandeln, zu sichern und gegebenenfalls neu auszuweisen. Umsetzung von Maßnahmen zur Klimaanpassung im Stadtgebiet Alle bisherigen Empfehlungen zielen auch da rauf ab, den Beitrag des Grünsystems für eine Anpassung an den Klimawandel als Frischluft schneisen, Kaltluftleiter sowie Versickerungs räume für Starkregenereignisse zu stärken und weiterzuentwickeln. Darüber hinaus erfüllt dieses System auch eine Verschattungs und Verdunstungsfunktion. Innerhalb des bebau ten Stadtgebiets muss das Grünsystem durch weitere kleinteilige Maßnahmen ergänzt wer den. Auf der Basis der laut Prognose in Zukunft hoch und sehr hoch wärmebelasteten Stadt gebiete sind in der Karte die Flächen markiert, in denen Maßnahmen zur Verbesserung des kleinräumigen Stadtklimas umgesetzt werden müssen. Dies bezieht sich insbesondere auf die Förderung der Verdunstungskühle und Versickerungsfächen, die Verschattung sowie die Reduktion hitzeaufnehmender und ab strahlender Materialien und Oberfächen. Darüber hinaus sind die wichtigsten Kalt luftfüsse aus dem Umland dargestellt, die vor allem bei Siedlungsentwicklungen in der äußeren Stadt zwingend zu beachten sind, um die Kühlungsfunktion in hohem Maße für die Stadt zu nutzen. Folgende Aspekte und Aufgaben stehen mit den Karteneinträgen in Zusammenhang und sind bei der Erreichung der Ziele wichtig: Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive 234 – Im Zusammenspiel mit der urbanen und der sozialen Struktur müssen Wege ge funden werden, Umweltgerechtigkeit in allen Stadtteilen herzustellen. Es gilt zu verhindern, dass bestimmte Bevölke rungsgruppen beziehungsweise Stadtteile überproportional stark von den steigenden Belastungen durch Hitze, Lärm und Emis sionen betroffen sind. Gleichzeitig sollen Grünräume für alle Bevölkerungsgruppen zugänglich sein. – Neben der Anpassung an erhöhte Tempera turen sind auch Vorkehrungen für Starkre genereignisse zu treffen. Die prognostizier te Steigerung von Anzahl und Stärke dieser Ereignisse verlangt den Ausbau von Struk turen zur Versickerung, Retention sowie in letzter Instanz zur technischen Speicherung und Ableitung der erhöhten Abfüsse im gesamten Stadtgebiet. Qualifzierung der Rheinufer und Hochwasserschutz Der Rhein ist neben vielen anderen Funktio nen ein bedeutsamer Freiraum der Stadt, den es weiterhin zu qualifzieren gilt. Gleichzeitig steigen zukünftig die Herausforderungen im Umgang mit Hoch und Niedrigwasserereig nissen. In der Zielkarte sind diejenigen Gebiete des Rheins markiert, in denen Potenziale zur Auf wertung der Uferzonen vor allem im Sinne der Naherholung und Freizeitnutzung bestehen. Diese werden derzeit entweder stark genutzt oder durch den MIV in ihrer Zugänglichkeit ab getrennt. Neben der Verbesserung des Zugangs zum Rheinufer sind differenzierte Konzepte zu erarbeiten, die die Gestaltung der Uferbereiche, den Zugang zum Wasser sowie innovative und gestalterische Maßnahmen des Hochwasser schutzes bestmöglich kombinieren. Neben der Aufwertung der Uferbereiche ist dem Hochwasserschutz auch zukünftig eine hohe Priorität einzuräumen. Dies kann durch bauliche Vorkehrungen sowie den Schutz und den regionalen Ausbau bestehender Reten tions und Überfutungsgebiete erfolgen. Neben dem Hochwasserschutz sind aber auch Vorkehrungen für die Auswirkungen von Nied rigwasserständen zu treffen. Milderung von Lärm und Schadstoff emissionen Die Reduktion von Lärm und Schadstoffemis sionen ist eine weitere Voraussetzung für eine gesunde und lebenswerte Stadt. Ein Großteil der erforderlichen Maßnahmen betreffen einzelne Einrichtungen, private oder organi 235 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive satorische Veränderungen und können daher nicht in der Zielkarte dargestellt werden. So sind die Schadstoffemissionen ohne die Vermeidung oder Verbesserung von Verbren nungsmotoren und anderer Formen fossilen Energieverbrauchs nicht zu reduzieren. Glei ches gilt für die Umstellung von emittierenden auf geräuscharme Antriebe, die Änderung des ModalSplits zulasten von Pkws und Lkws und die frühzeitige Berücksichtigung entspre chender lärmmindernder Maßnahmen. In der Zielkarte sind daher nur Verkehrsachsen mit erhöhten Lärmemissionen in Siedlungsgebie ten markiert, bei denen bauliche Maßnahmen für den Lärmschutz zu prüfen sind. Folgende Aspekte und Aufgaben stehen mit den Karteneinträgen in Zusammenhang und sind bei der Erreichung der Ziele wichtig: – Eine effektive und einfach umzusetzende Maßnahme zur Minderung der Lärmemissi onen im MIV ist die Reduktion der erlaubten Geschwindigkeit. Hier ergeben sich auch Synergien zu den Zielen der Verkehrswende (siehe Zielkarte „Mobilität“). – Die in der Zielkarte „Mobilität“ aufge führten Maßnahmen zur Förderung des Umweltverbunds sind ebenfalls wichtige Bausteine zur Reduktion des MIV und der damit verbundenen Emissionen. – Die Lärm und Schadstoffemissionen des Flughafens KölnBonn sind ebenfalls zu überprüfen. Hier besteht ein Konfikt zwi schen Umwelt und Wirtschaftsinteressen. Insbesondere die Nachtfugerlaubnis macht den Flughafen zum drittgrößten Fracht fughafen Deutschlands. Eine Begrenzung nächtlicher Flüge würde zwar den Fluglärm mindern, hätte aber Auswirkungen auf die Funktion und Wirtschaftlichkeit des Flugha fens. – Die Förderung der Luftreinhaltung ist eine zentrale Aufgabe, aber räumlich nicht darstellbar. Die nach den Grenzwertüber schreitungen 2019 eingerichtete erweiterte Umweltzone ist ein wichtiger Bestandteil zur Verbesserung der Luftqualität, greift jedoch nicht weitreichend genug. Durch die Umstellung von Verbrennungsmotoren auf alternative Antriebe (Elektro und Brenn stoffzelle), den Einbau von Filtertechniken nach neuestem technischen Standard bei Industrie und Gewerbebetrieben sowie den Umbau von Heizungsanlagen in Gebäuden wird ein wichtiger Beitrag zur Luftreinhal tung geleistet. Neben möglichen Förder instrumenten wird diese Umstellung im Be reich der Fahrzeuge durch die Priorisierung alternativer Antriebe, die Bereitstellung von Ladeinfrastrukturen sowie die Förderung von Carsharing unterstützt. Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive 236 Die Stadträumliche Perspektive Das räumliche Leitbild 237 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive Warum ein räumliches Leitbild? Das räumliche Leitbild fasst die zentralen räumlichen Elemente der Stadtstrategie „Köl ner Perspektiven 2030+“ in einem Bild zusam men. Es beschreibt die zukünftige strategische Ausrichtung der Kölner Stadtentwicklung, bündelt und vereinfacht die räumlichen Aus sagen und zeigt Räume auf, die in den kom menden Jahren eine detaillierte Betrachtung brauchen. Im Gegensatz zu den Zielkarten, die sehr detailliert die Maßnahmen für die fünf Hand lungsfelder beschreiben und als planerisches Koordinationsinstrument wirken, dient das räumliche Leitbild mit seiner vereinfachten Darstellung der gebündelten und übergeord neten Kommunikation und Koordination der Ziele und Erkenntnisse der Stadträumlichen Perspektive. Das räumliche Leitbild benennt die wesent lichen planerischen Empfehlungen für die strukturelle und funktionale Stadtentwicklung (Siedlungs, Industrie und Gewerbefächen, Freiraumstruktur und übergeordnete Ver kehrsinfrastruktur) und positioniert Köln im regionalen Zusammenhang. Mit den Zukunfts räumen zeigt das räumliche Leitbild zudem, auf welche Teilräume sich die Stadt Köln vor dem Hintergrund der gesamtstädtischen Ziel setzung prioritär konzentrieren muss. Innenstadt weiterentwickeln Dichte und gemischte Siedlungsgebiete sichern und weiterentwickeln Größere zusammenhängende Siedlungsentwicklungen in der inneren Stadt Gemischte Siedlungsgebiete nachverdichten und Nutzungsmischung intensivieren Suburbane Siedlungsgebiete an den ÖPNV anbinden, angemessen mischen und verdichten Größere zusammenhängende Siedlungsentwicklungen in der äußeren Stadt Industriegebiete nachverdichten und qualifzieren Gewerbegebiete proflieren und nachverdichten Grüngürtel komplettieren und regionale Grünvernetzung ausbauen Originalmaßstab 1 : 50.000 @ DIN A1 Stand 06/2020 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Das räumliche Leitbild 238 239 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive 240 Inhalte des räumlichen Leitbilds Grundlage des räumlichen Leitbilds ist eine Kategorisierung der Siedlungsgebiete und Quartiere. Es unterscheidet zwischen der Innenstadt, den Quartieren der inneren Stadt, den wenig dichten Quartieren in der äußeren Stadt und den Industrie und Gewerbegebie ten. In der inneren Stadt wird zudem zwischen den dichten und gemischten Gründerzeitquar tieren nahe der Innenstadt und den restlichen Quartieren unterschieden, da diese sehr unterschiedliche Charakteristiken aufweisen. Für jede Signatur wird eine Empfehlung aus gesprochen, die als übergeordnete Entwick lungsrichtung zu verstehen ist. Darüber hinaus werden die größeren zusammenhängenden Siedlungsentwicklungspotenziale im städti schen Zusammenhang und die wichtigsten Verkehrsadern dargestellt. Ebenso zeigt das räumliche Leitbild die Verortung des Grünsys tems im Stadtraum sowie dessen Verknüpfung in die Region. Im Folgenden werden die we sentlichen Aussagen näher erläutert. Innenstadt weiterentwickeln Die Innenstadt verdient auch in Zukunft ein besonderes Augenmerk, um Köln als attrak tive Metropole für ihre Bewohnerinnen und Bewohner sowie Gäste zu positionieren. Hier gilt es vor allem, die Nutzungsansprüche an den Raum weiter zu optimieren, eine Überlas tung der Verkehrsknoten zu verhindern und die Erneuerung der Siedlungsstrukturen der Nachkriegszeit für eine qualitätsvolle Weiter entwicklung des Kölner Zentrums zu nutzen. Dichte und gemischte Siedlungsgebiete sichern und weiterentwickeln Die dichten und urbanen Quartiere wie zum Beispiel Lindenthal, Südstadt, Mülheim oder Nippes verkörpern die besondere Kölner Mischung und sind für die Gesamtstadt von großer Bedeutung. Sie sind in ihren Qualitäten und Eigenheiten zu bewahren und behutsam weiterzuentwickeln. Insbesondere ist darauf zu achten, dass der Entwicklungsdruck auf diese Gebiete nicht weiter zunimmt. Gemischte Siedlungsgebiete nach verdichten und Nutzungsmischung intensivieren Die relativ dichten und gemischten Siedlungs gebiete zwischen Innerem und Äußerem Grüngürtel befnden sich zum Teil in einer Um bruchphase, in der besonders das Verhältnis zwischen Arbeit, Produktion und Wohnen neu ausgelotet werden muss. Hier ist das erklärte Ziel, die besondere Nutzungsmischung zu 241 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive erhalten, zu fördern und die Quartiere ange messen nachzuverdichten. So schafft Köln weitere urbane Angebote für das Wohnen und Arbeiten. Suburbane Siedlungsgebiete an den ÖPNV anbinden, angemessen mischen und verdichten Außerhalb des Äußeren Grüngürtels sind die Siedlungsgebiete durch eine größtenteils ge ringe bauliche Dichte und homogene, wenig gemischte Nutzungen gekennzeichnet. Im Sinne des sorgfältigen Umgangs mit der Res source Fläche ist eine, den gewachsenen städ tebaulichen Strukturen angemessene Dichte zu entwickeln, um damit eine wirtschaftlich tragfähige Anbindung an den ÖPNV zu ermög lichen. Ergänzend dazu sind ausreichende und bedarfsgerechte Angebote an sozialen, kultu rellen, kommerziellen und Bildungseinrichtun gen von Anfang an mitzudenken. Industriegebiete nachverdichten und qualifzieren Die gut angebundenen industriellen Flächen im Stadtgebiet gilt es, an ihren Standorten zu stärken und mittels einer Intensivierung der Nutzung weiterzuentwickeln. Dafür sind Lö sungen für eine Nachverdichtung wie für eine nachhaltige Logistik zu entwickeln. Die Einbin dung von Industriegebieten in das Stadtgefü ge erfordert geeignete Übergangsnutzungen und Pufferzonen zu sensiblen Nutzungen. Gewerbegebiete proflieren und nachverdichten Die zahlreichen Gewerbegebiete können durch eine gezielte Proflierung an Bedeutung gewinnen. Durch gewerbliche Nachverdich tungen ergeben sich somit die notwendigen Flächenpotenziale für die zukünftige wirt schaftliche Entwicklung. Zur Qualifzierung und Einbettung dieser Gebiete in den ge samtstädtischen Kontext tragen eine besse re ÖPNVErschließung, die Gestaltung des öffentlichen Raums und die Ergänzung durch kommerzielle und kulturelle Angebote bei. Grüngürtel komplettieren und regionale Grünvernetzung ausbauen Das innerstädtische Grünsystem ist seit jeher das Rückgrat der Stadt. Seine Vervollständi gung und Erweiterung in die Region sichert die bestehenden Freiraumqualitäten, unter stützt das städtische Mikroklima und bietet notwendige Flächen für Erholung, Sport, den Erhalt der Biodiversität und der landwirtschaft lichen Produktion. Originalmaßstab 1 : 50.000 @ DIN A1 Stand 06/2020 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Zukunftsräume Das räumliche Leitbild weist sieben Zukunfts räume aus, auf die die Stadt Köln zukünftig be sonderes Augenmerk legen und die räumliche Weiterentwicklung gezielt vorantreiben wird. Die Wahl der Zukunftsräume basiert auf den Erkenntnissen der räumlichen Analyse und den Ansätzen der räumlichen Entwicklung sowie auf den räumlich zu verortenden Handlungs empfehlungen. In den gewählten Zukunfts räumen kommen besonders viele strategisch bedeutsame Entwicklungen zusammen, die eine integrierte und räumlich zusammen hängende Planung erfordern, um sie im Sinne der gesamtstädtischen Zielsetzung zu ent wickeln. Im Rahmen der Stadtstrategie wurden sieben Zukunftsräume identifziert, die in der Folge näher beschrieben werden. 242 243 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive 244 A: Innenstadt Köln – historischer Ort zwischen Dom und Innerem Grüngürtel Kölns Innenstadt bildet das Zentrum für Kultur, Handel und Tourismus der Stadt und ist ein wichtiger Büro und Dienstleistungs standort. Gleichzeitig existieren im Inneren der Stadt historisch gewachsene, dichte und gemischte Wohnquartiere wie die Altstadt Nord, die Südstadt, das Belgische Viertel oder das Agnesviertel. Sie sind nicht nur aufgrund ihrer Zentralität äußerst beliebt, sondern leisten auch einen wesentlichen Beitrag zu dem Lebensgefühl, der Lebendigkeit sowie für die Wirtschaft und Kaufkraft der Stadt. Gleichzeitig ist die Innenstadt als zentraler Ver kehrsknotenpunkt und aufgrund der radialen Stadtstruktur täglich nicht nur durch den Ziel und Quellverkehr, sondern auch durch Durch gangsverkehre stark belastet. Die Belastung äußert sich in Lärm und Schadstoffemissionen und beeinträchtigt die Aufenthaltsqualität der öffentlichen Räume. Diese herausfordernde Gemengelage macht die Innenstadt zu einem wichtigen Zukunftsraum. Es gilt, ihre Vielfalt und Qualitäten zu erhalten, zu erneuern und zu stärken und weitere Belastungen, insbe sondere durch den motorisierten Verkehr, zu verhindern. Mit dem städtebaulichen Masterplan Innen stadt sind bereits Leitlinien für die Entwicklung und Gestaltung erarbeitet worden. Im Rahmen seiner geplanten Fortschreibung muss er an die aktuellen Rahmenbedingungen und Her ausforderungen angepasst werden. In Zukunft bedarf es weiterer Strategien, um den innerstädtischen Einzelhandel gegenüber dem Onlinehandel rentabel zu positionieren. Dabei spielen neben der Ertüchtigung des öffentlichen Raums auch Erreichbarkeit und Zugangsmöglichkeiten in die Innenstadt eine große Rolle. Auch sind die Aufenthaltsqualität und konsumfreie Zonen im öffentlichen Raum zu erhalten. Die Veedel der Innenstadt sind in ihren vorhandenen Qualitäten zu stärken und vor Entwicklungen wie Segregation oder extremen Mietsteigerungen zu schützen. Gleichzeitig stehen sie mit ihrem hohen Anteil an Gebäuden aus der Nachkriegszeit vor einer bedeutenden Sanierungswelle, die sowohl Chancen als auch Herausforderungen für die innerstädtischen Wohnquartiere bereithält. Öffentliche Räume und das Mikroklima müs sen in den dichten Stadtquartieren nachhaltig entwickelt werden. Durch neue Mobilitätsan gebote, konzepte und Antriebstechnologien (Elektro, Brennstoffzelle) können die negati ven Auswirkungen des motorisierten Individu alverkehrs (MIV) reduziert werden. 245 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive B: SBahnRing – Vervollständigung der Schienenverbindung und Weiterentwicklung der inneren Stadt Die bereits geplante Vervollständigung des in neren SBahnRings vom Hauptbahnhof über die Bahnhöfe West und Süd und parallel zur Güterstrecke über die Südbrücke ist ein Mei lenstein für die Weiterentwicklung des öffent lichen Nahverkehrs. Ein solcher SBahnRing bedeutet nicht nur eine schnelle Verbindung innerhalb der inneren links und rechtsrheini schen Stadt. Er beschleunigt – auch im Zu sammenhang mit den Verknüpfungspunkten zur Stadtbahn – den öffentlichen Nahverkehr, entzerrt und entlastet räumlich den Bahnkno ten Köln. Zudem erschließt der SBahnRing die beiden großen innerstädtischen Transfor mationsgebiete „Parkstadt Süd“ und „Deutzer Hafen“. Ein Ringschluss nach Deutz und zum Haupt bahnhof bietet weitere Möglichkeiten für die Neuorganisation des schienengebundenen Nahverkehrs in der Stadt. Je nach Linienfüh rung könnten wichtige öffentliche Einrichtun gen wie die Technische Hochschule Köln, Kalk Mitte und das Deutzer Feld besser erreicht und die Verbindungen sowohl in die Innenstadt als auch in die Region attraktiver gestaltet wer den. Somit trägt der SBahnRing wesentlich zur Verkehrswende und zur Reduktion des MIV in der inneren Stadt bei. Die Inbetriebnahme des SBahnRings und die besseren Verknüpfungen mit der Stadtbahn mobilisieren darüber hinaus neue Potenziale, insbesondere im rechtsrheinischen Stadtraum entlang der Bahnstrecke. Damit wird auch die Weiterentwicklung der Innenstadt sowie der angrenzenden Quartiere vorangetrieben. Vorgeschaltet ist eine integrierte Betrachtung des gesamten Raums sowie der Raum und Verkehrsentwicklung notwendig. C: OstWestAchse Die OstWestAchse beinhaltet die Olpener Straße, Kalker Hauptstraße, DeutzKalker Straße Deutzer Freiheit, Deutzer Brücke, Pipinstraße, Cäcilienstraße, Neumarkt, Hahnenstraße und Aachener Straße in Ver bindung mit den angrenzenden Quartieren und Versorgungszentren. Die OstWestAchse Kölns ist aus beiden Richtungen eine der wichtigsten Einfallstra ßen ins Stadtzentrum. Damit verbunden sind erhebliche Probleme von Verkehrsüberlastung und Umweltbelastung durch Lärm und Schad stoffemissionen. Die Achse ist gleichzeitig auch Trasse für die gesamte Strecke der Stadt Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive 246 bahnlinie 1 sowie im Zentrum in Teilen für die Linien 7 und 9. Die Linie 1 ist in diesem Zusam menhang besonders stark belastet und stößt zu Hauptverkehrszeiten an die Grenzen ihrer Kapazität. Gleichzeitig befnden sich entlang der OstWestAchse zahlreiche Versorgungs zentren von unterschiedlicher Größe und Qualität, unter anderem die beiden Einkaufs zentren Rheincenter in Weiden und die Köln Arcaden in Kalk. Mit dem Rheinenergiestadi on in Müngersdorf und der LanxessArena in Deutz liegen zudem die beiden größten Veran staltungsorte der Stadt an dieser Achse. Der Ausbau der Kapazitäten des ÖPNV entlang der OstWestAchse im Allgemeinen und im Speziellen der Stadtbahnlinie 1 durch Verlän gerung von Bahnsteigen und Zuggespannen bis hin zu einer unterirdischen Variante ist ein wichtiger Baustein für die Kölner Mobilitäts wende. In der Konsequenz entsteht dadurch ein enormes Potenzial für den Straßenraum: Die Neuorganisation des Straßenquerschnitts über den gesamten Straßenverlauf wird eben so möglich wie die Neustrukturierung des ÖPNV sowie des Fuß und Radverkehrs. Da rüber hinaus wird die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum gesteigert. Bei gleichzeiti ger Reduzierung von MIV und dem Wandel hin zu emissionsfreien Antrieben kann ein erheb licher Beitrag zur Reduzierung der Lärm und Schadstoffemissionen geleistet werden. Durch Neuordnung und qualitative Aufwertung des öffentlichen Raums der OstWestAchse kön nen die anliegenden Versorgungszentren und mit ihnen die angrenzenden Siedlungsgebiete gestärkt und aufgewertet werden. D: Rechtsrheinischer Entwicklungskorridor Die B8 (Frankfurter Straße/Clevischer Ring) als eine der bestimmenden Tangentialen im rechtsrheinischen Stadtgebiet, die in Nord SüdRichtung führenden Schienenstränge und der östliche Autobahnring (A3) bilden einen Infrastrukturkorridor, der die Region weit über die Stadtgrenzen Kölns hinaus zukünftig bes ser vernetzen kann. Seine Weiterentwicklung ist daher auch einer der zentralen Bausteine des Agglomerationskonzepts des Region Köln/Bonn e.V. Für die Stadt Köln bietet die ganzheitliche Entwicklung dieses Korridors die große Chance, die umliegenden Siedlungs und Freiraumgebiete neu zu ordnen, wichtige Impulse für deren Optimierung zu setzen und einen neuen Entwicklungspol im Osten der Stadt zu schaffen, der die Entwicklung des rechtsrheinischen Kölns insgesamt positiv beeinfusst. 247 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive Eine integrierte Entwicklung von Siedlung, Ver kehr und Freiraum hat das Potenzial, die beste henden Logistik und Gewerbegebiete zu prof lieren, zu verdichten und besser zu erschließen. Darüber hinaus verbessert sich die Anbindung und Einbettung des Flughafens mit den dort möglichen gewerblichen Entwicklungen. Die notwendigen Lückenschlüsse im Äußeren Grüngürtel können durch eine Qualifzierung der zahlreiche Frei und Resträume entlang des Korridors unterstützt und ergänzt werden. Die Entwicklung des Korridors trägt auch dazu bei, die anliegenden Zentren zu stärken und neue Potenziale für Wohnraum zu mobilisieren. Durch einen entsprechenden Ausbau des Bahnnetzes für den Personenverkehr besteht die Chance, das innerstädtische Schienennetz langfristig zu entlasten. E: Rheinraum – Uferbereiche, Brücken schläge und Verkehrswege auf dem Fluss Der Rheinraum erfüllt viele verschiedene Auf gaben. Er ist Identifkationsraum für die Kölne rinnen und Kölner, Natur und Erholungsraum, Standort für Industrie und Häfen, Barriere und Verkehrsraum, Flanier und Aufenthaltsraum, Frischluft und Kühlungsraum und Retenti onsraum bei Hochwasser. Die Qualität und das Zusammenspiel dieser unterschiedlichen Funktionen und Aufgaben sind im Stadtgebiet verschieden ausgeprägt. Während beispiels weise der Rheinboulevard auf der Deutzer Seite hochwertig gestalteter Anziehungspunkt und Aufenthaltsort für Touristen und Einhei mische ist, stellt sich die Promenade in der Altstadt als sanierungs und aufwertungsbe dürftig dar. Die Vielzahl weiterer Potenziale entlang des Rheins sowie die heutigen und zukünftigen Herausforderungen machen den Rheinraum zu einem Zukunftsraum für Köln. Im Rahmen eines Gesamtkonzepts sollen die verschiedenen Begabungen des Rheinraums gefördert und seine Funktionen besser koor diniert werden. Dazu gehören die Gestaltung und Zugänglichkeit seiner Ufer, die Vernet zung der beiden Rheinseiten durch neue Brücken sowie die Nutzung seiner Potenziale als Nahverkehrsraum. Darüber hinaus sind die Natur und Landschaftsräume an seinen Ufern zu schützen und, wo möglich, der Stadtbevöl kerung als Erholungsraum besser zugänglich zu machen. Ein solches Konzept berücksichtigt auch die Funktion des Rheins als wichtigste Wasserstraße Europas, die zunehmende Hoch und Niedrigwasserproblematik sowie die Kaltluftzufuhr für die innere Stadt. Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive 248 F: Kölner Norden – neuer Stadtteil Kreuzfeld in Verbindung mit den umliegenden Stadtteilen im Stadtbezirk Chorweiler Für den neuen Stadtteil Kreuzfeld im Kölner Norden hat die Stadt einen Leitbildprozess durchgeführt und die nötigen Vorbereitungen für ein Planungsverfahren eingeleitet. Die Ent wicklung des Stadtteils Kreuzfeld muss die He rausforderungen der hohen Wohnungsnach frage mit adäquaten Dichten und Mischungen ausgleichen und gleichzeitig die Auswirkungen des Klimawandels und die Klimaanpassung bewältigen. Der neue Stadtteil ist somit prä destiniert, Modellstadtteil für eine neue Sied lungsentwicklung Kölns zu werden. Durch die direkte SBahnVerbindung in die Innenstadt ist eine sehr gute Voraussetzung gegeben, neue Verkehrsströme durch den MIV von vornherein zu vermeiden und die Ausnutzung der SBahn durch eine höhere Taktung auf der Strecke zu ermöglichen. Der neue Stadtteil grenzt direkt an die Groß wohnsiedlungen Chorweiler an und bietet die Chance, durch neue Nutzungsstrukturen und soziale Mischung den Kölner Norden und seine stadträumlichen Qualitäten deutlich aufzu werten. Der Zukunftsraum umfasst daher auch die benachbarten Stadtteile wie Blumen berg, Chorweiler und die Rheindörfer. G: Porzer Süden – Entwicklungen im südlichen Bereich des Stadtbezirks Porz inklusive Flughafen Im Porzer Süden stellen sich ähnliche Rahmen bedingungen für die Siedlungsentwicklung wie im Kölner Norden dar. Jedoch wird hier kein komplett neuer Stadtteil geplant, son dern bestehende Stadtteile und Quartiere werden deutlich erweitert. Eine Arrondierung der Siedlungen aus ihren gewachsenen Struk turen heraus sowie die Anbindung an den Landschaftsraum und die Entwicklung eigener urbaner Qualitäten sind hier die vorherrschen den Aufgaben, die den Kölner Süden als Zu kunftsraum qualifzieren. Für die Quartierserweiterungen sind die Fra gen, welche Dichten und Nutzungsmischun gen in peripheren Lagen zukünftig adäquat sind, wie dem Klimawandel begegnet und die Klimaanpassung umgesetzt werden muss, angemessen zu beantworten. In Zündorf und Langel bedarf es eines vorgeschalteten Aus baus der Stadtbahn, um zusätzliche Individual verkehre von vornherein zu begrenzen. Mit der SBahnLinie und dem noch unterausgelaste ten Haltepunkt Wahn existieren bereits schie nengebundene Erschließungen für zusätzliche Siedlungspotenziale, die jedoch im Konfikt mit dem Schutz des Landschaftsraums stehen. 249 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Stadträumliche Perspektive Hier gilt es auszuloten, welche Möglichkeiten bestehen, die Erschließungsgunst zu nutzen. Darüber hinaus sind Kriterien zu entwickeln, wie die verbleibenden Agrarfächen zukünftig bewirtschaftet und geschützt werden, um einer weiteren Zersiedelung und dem Flächen verbrauch entgegenzuwirken und ein zusam menhängendes grünes Freiraumsystem zu sichern. Der Zukunftsraum des Porzer Südens schließt auch den Flughafen und seine städtebauliche Weiterentwicklung mit ein. Die Möglichkeit, die Erschließungsgunst des Flughafens auch für die Entwicklung einer AirportCity zu nut zen, ist zu untersuchen. Der Porzer Süden überschneidet sich zudem mit dem rechts rheinischen Entwicklungskorridor und dem Rheinraum und ist somit als Verkehrsraum be deutend. Auch die neue Autobahn und Stadt bahnquerung über den Rhein liegt in diesem Raum. Wasserbus und Wassertaxi können eine weitere Verbindung von Zündorf über den Rhein in die Innenstadt gewährleisten. Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die weiteren Schritte Die weiteren Schritte 250 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die weiteren Schritte Mit den Beschreibungen der Zukunftsräume und i hrer Aufgaben endet die Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“. Dies mag abrupt erscheinen, jedoch zeigen gerade die Zu kunftsräume, dass die eigentliche Arbeit jetzt beginnt. Mit diesem Dokument als Kompass in der Hand gilt es nun, Empfehlungen zu schär fen, Entscheidungen zu treffen, Programme und Konzepte zu entwickeln und konkrete Projekte auszuarbeiten. Vor allem aber geht es darum, mit und an dieser Stadtstrategie weiterzuarbeiten, sich mit ihr – auch kritisch – auseinanderzusetzen und eigene Gedanken zu entwickeln. Deshalb wird in der Stadtverwaltung Köln ein Stadtentwicklungsteam eingerichtet, das dezernatsübergreifend und interdisziplinär diese Aufgaben diskutiert und vorantreibt. Das entspricht der Notwendigkeit, dass stra tegische Steuerung ein laufender Diskussions und Abwägungsprozess ist, der innerhalb der Stadtverwaltung fest etabliert werden muss. Dadurch bleibt der Kompass lebendig, seine Ausrichtung wird differenzierter und an kon kreten Umsetzungszielen messbar. 251 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Danke! Danke! Die Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ ist ein Gemeinschaftswerk. Das Amt für Stadtentwicklung und Statistik mit der Stabsstelle Strategische Stadtentwicklung bedankt sich bei allen Dezernaten, Ämtern, Dienst und Stabsstellen, die an der Erarbei tung der Stadtstrategie mit ihren unterschied lichen fachlichen Beiträgen mitgewirkt haben. Ein besonderer Dank geht an die Arbeitsge meinschaft aus urbanista aus Hamburg und ASTOC Architects and Planners aus Köln, die mit Unterstützung des bureau für RAUM ENTWICKLUNG aus Zürich den Prozess und die Stadtstrategie entscheidend ausgearbeitet und geprägt haben. 252 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Danke! Mitwirkende Dezernat der Oberbürgermeisterin Persönliche/r Referent/in Referat für strategische Steuerung Amt der Oberbürgermeisterin Amt für Presse und Öffentlichkeitsarbeit Amt für Integration und Vielfalt Dezernat Allgemeine Verwaltung, Ordnung und Recht Stabsstelle Digitalisierung Amt für Gleichstellung von Frauen und Männern Bürgerämter (Bürgeramt Ehrenfeld) Amt für Informationsverarbeitung Amt für öffentliche Ordnung Dezernat Finanzen Kämmerei Dezernat Mobilität und Liegenschaften Amt für Liegenschaften, Vermessung und Kataster Bauverwaltungsamt Amt für Straßen und Verkehrsentwicklung Amt für Brücken, Tunnel und Stadtbahnbau Dezernat Bildung, Jugend und Sport Integrierte Jugendhilfe und Schul entwicklungsplanung Amt für Schulentwicklung Amt für Weiterbildung Amt für Kinder, Jugend und Familie Sportamt Dezernat Soziales, Umwelt, Gesundheit und Wohnen Sozialplanung und Sozialberichterstattung Koordinationsstelle Klimaschutz Amt für Soziales, Arbeit und Senioren Jobcenter Gesundheitsamt Amt für Wohnungswesen Umwelt und Verbraucherschutzamt Dezernat Stadtentwicklung, Planen, Bauen und Wirtschaft Wohnungsbauleitstelle Amt für Wirtschaftsförderung Stadtbau im Quartier/Domumgebung Amt für Stadtentwicklung und Statistik Stadtplanungsamt Amt für Landschaftspfege und Grünfächen Dezernat Kunst und Kultur Planungsreferat Kulturamt Stadtbibliothek Historisches Archiv 253 mit Unterstützung von: Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Projektverantwortung Brigitte Scholz Leiterin Amt für Stadtentwicklung und Statistik Kernteam Stadtstrategie Thilo Bosse Friederike Christian Stephanie Dormann Inga Hoffmann Dr. Birgit Gunia-Henneken Sabine Pawlowski Birte Rötzmeier Leander Schulte Nina Kristin Sieberns Inhalt und Basisgestaltung ARGE „Kölner Perspektiven 2030+“ urbanista Astrid Großmann Birte Kepp Björge Köhler Sven Kohlschmidt Tristan Lannuzel Sven Lohmeyer Dr. Julian Petrin ASTOC Architects and Planners Prof. Markus Neppl Britta Schümmer Darleen Ertelt Jörg Schatzmann urbanista.ch/bureau für RAUMENTWICKLUNG Dr. Markus Nollert 254 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Kontakt Amt f ür Stadtentwicklung und Statistik Stadthaus Deutz – Westgebäude WillyBrandtPlatz 2 50679 Köln Stephanie Dormann Stabsstelle Strategie Stadtentwicklung Telefon: 0221 / 22124673 koelnerperspektiven2030@stadtkoeln.de www.stadtkoeln.de/koelnerperspektiven2030 255 Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ Die Oberbürgermeisterin Amt für Stadtentwicklung und Statistik Amt für Presse und Öffentlichkeitsarbeit Satz rheinsatz, Köln Druck Heider Druck, Bergisch Gladbach 13US/15/2.000/08.2020 Gedruckt auf Recyclingpapier aus 100 % Altpapier 256
Beratungsverlauf
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03.09.2020
TOP 17.12, Kenntnisnahme (Mitteilung). Ergebnis: Kenntnis genommen
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