3064/2019
Projektbericht: Qualitative und quantitative Bestandsermittlung und Evaluation der Proberaumsituation in Köln
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3064-2019 Anlage 1 Projektbericht Proberäume
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1 Projektbericht: Qualitative und quantitative Bestandsermittlung und Evaluation der Proberaumsituation in Köln Kulturamt IMPRESSUM Auftraggeber: PopkulturKöln e. V . Heliosstr. 6a 50825 Köln Auftragnehmer: SocioCologne e. V . Universität zu Köln Institut für Soziologie und Sozialpsychologie Albertus Magnus Platz 50923 Köln Verfasser: Heiko Rühl ruehl@wiso.uni-koeln.de Köln, im Juni 2019 3 INHALTSVERZEICHNIS 1 Aufgabenstellung und Zielsetzung...................................................................4 2 Einordnung. ..........................................................................................................5 3 Exkurs: Privater Klein- und Kleinstanbietermarkt. .......................................10 4 Recherche und Methodik ...............................................................................11 4.1 Recherche .........................................................................................................11 4.2 Methodik ..........................................................................................................11 4.3 Erhebungs- und Evaluationsleitfaden .................................................................12 4.4 Durchführung der Erhebung ..............................................................................12 5 Empirische Ergebnisse.....................................................................................13 5.1 Bestand, Lage, Erreichbarkeit und Nutzbarkeit ..................................................13 5.2 Quantitative und qualitative Merkmale .............................................................15 5.3 Mietkosten ........................................................................................................18 5.4 Sicherheitsrelevante Ausstattung .......................................................................19 5.5 Zugangskriterien und Nutzung ..........................................................................20 6 Evaluation des Proberaumangebotes von PopkulturKöln e. V . ................23 7 Zusammenfassung. ...........................................................................................26 8 Handlungsempfehlungen................................................................................29 Literaturverzeichnis ...................................................................................................31 4 1 Aufgabenstellung und Zielsetzung Ziel des Projektes ist eine umfangreiche und sys- tematische Erhebung der Musikproberäume für Rock-, Pop- und Jazzmusiker*innen unter quanti- tativen und qualitativen Gesichtspunkten. Hierzu wird neben den professionellen Proberaumanbie- tern des freien Marktes auch das Proberaumange- bot des Vereins PopkulturKöln e. V . untersucht und evaluiert. PopkulturKöln e. V . erhält regelmäßig Fördergelder der Stadt Köln, um Proberäume zu unterhalten so- wie neue Proberäume zu schaffen. Daher wird in Kapitel 6 erläutert, wie sich das mit öffentlichen Fördergeldern unterstützte Proberaumangebot des Vereins hinsichtlich Qualität und Nutzung von den Anbietern des freien Marktes unterscheidet. Die Konzeption der Erhebung wurde vom Auf- traggeber PopkulturKöln e. V . durch die Bereitstel- lung von Kontakten und Fachwissen zur Thematik unterstützt. Im zweiten Kapitel wird zunächst auf die Relevanz von Proberäumen als Arbeitsstätte der Künst- ler*innen eingegangen. Dies wird ergänzt durch eine weitere Recherche zur Proberaumsituation in anderen deutschen Städten und die wichtigsten Befunde aus Medienberichten und Befragungen sind komprimiert dargestellt. Aus diesen Erkennt- nissen entstand ein umfangreicher Erhebungsbo- gen, der die qualitativen und quantitativen Aspek- te der Proberäume erfasst. Im dritten Kapitel stellt ein Exkurs den privaten Proberaummarkt dar. Dieser sogenannte Graue Markt ergänzt das professionelle Angebot. Das vierte Kapitel erläutert die Recherche und die gewählte Methodik zur Erhebung des Proberaum- angebotes. Die Entwicklung des Erhebungsleitfa- dens ist kurz erläutert ebenso wie die Durchfüh- rung der Erhebung. Die Ergebnisse dieser Erhebung finden sich in Ka- pitel 5, das die empirischen Befunde detailliert darstellt. In Kapitel 6 werden die Proberauman- gebote des PopkulturKöln e. V . mit dem Gesamt- markt verglichen. Anhand der gewonnenen Be- funde, der Einschätzungen der Befragten und der Literaturrecherche werden in Kapitel 7 die wich- tigsten Ergebnisse gebündelt dargestellt. Abschließend wird in Kapitel 7 eine Reihe von Handlungsempfehlungen aufgelistet, die dazu dienen soll, den Bestand der aktuell vorhandenen Proberäume zu sichern, und es werden Maßnah- men aufgezeigt, die die Schaffung neuer Räume ermöglichen. 5 2 Einordnung Die städtische Unterstützung für Proberäume von Musiker*innen oder Atelierräume von Künstler*in- nen anderer Kultursparten stellt eine aktive inf- rastrukturelle Förderung der lokalen Kultur- und Kreativszene dar. Im Popkulturförderkonzept der Stadt Köln (2016) ist daher die Förderung von Probe- und Produk- tionsräumen verankert. Es sieht vor, dass die Her- richtung, der Ausbau und die Ertüchtigung von Proberäumen unterstützt werden. Um eine ent- sprechende Förderung zu erhalten, muss die Nut- zung der Räume für mindestens fünf Jahre ge- währleistet sein und die Mieten im Rahmen des Mietspiegels liegen. So sind Proberäume für Musiker*innen für den jun- gen musikalischen Nachwuchs in der Erprobung seines kreativen Potenzials ebenso bedeutend wie für bereits etablierte Bands, die in einem profes- sionellen Umfeld ihre Karriere weiter vorantreiben möchten. Proberäume sind zudem notwendig, um ein breites Angebot an Musikunterricht durch professionelle Musiker*innen zu ermöglichen, die außerhalb etablierter Musikschulen arbeiten. Die vorhandenen Räume in Köln, die teilweise mit öffentlichen Mitteln finanziell gefördert werden, dürfen jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieses Angebot die Nachfrage nach geeigne- ten Räumlichkeiten für Künstler*innen und Musi- ker*innen nicht hinreichend befriedigen kann. Dies wird durch die Umfrage zur Ateliersituation und den Atelierbedarfen der Stadt Köln (2018) belegt. Die Situation auf dem Markt für Proberäume wird durch die Vorlage dieses Berichtes für die Sparte Musik ergänzt. Die Stadt Köln unterstützt seit mehr als zwei Jahrzehnten den Verein PopkulturKöln e. V . durch regelmäßige finanzielle Förderungen, die es die- sem ermöglichen, ein umfangreiches Angebot von Proberäumen zu unterhalten. Neben der Verwaltung der Objekte ist der Verein auch ak- tiv in der Entwicklung und dem Bau neuer Pro- beraumkomplexe. Aktuell entsteht eine weitere Halle mit 15 Proberäumen in Köln-Dellbrück auf einer Gesamtfläche von 400 Quadratmetern. Die Investitionskosten belaufen sich dabei auf rund 400 000 Euro. Trotz des kontinuierlichen städtischen Engage- ments ist ein ausreichendes Angebot an bezahl- baren und qualitativ guten Proberäumen jedoch nach wie vor nicht gänzlich gegeben (Stadt Köln, 2017). Ein Mangel an Proberäumen ist daher noch immer vorhanden – eine Tatsache, die auch in der Kulturentwicklungsplanung der Stadt Köln (2019) erneut thematisiert wird. Dieser konstatiert, dass bezahlbare Probe- und Atelierräume von zentraler Bedeutung sind, um das künstlerische und kreati- ve Potenzial vollumfänglich zu entfalten. Es ist zu begrüßen, dass die Raumfrage für alle freien Kul- tursparten zukünftig eine noch wichtigere Rolle im kulturpolitischen Handeln einnehmen soll, um zum einen bestehende Flächen zu erhalten und zum anderen neue Flächen zu erschließen. Proberäume stellen eine wichtige Arbeitsgrund- lage für Künstler*innen dar – hier können sie ihr musikalisches Schaffen erproben und professiona- lisieren. Der Verein PopkulturKöln e. V . schätzt, dass es in Köln mittlerweile über 1500 Bands gibt, die ein professionelles Proberaumumfeld benötigen (Christ, 2014). Ein wachsender Bedarf an Probe- 6 und Atelierräumen für Künstler*innen ist dabei nicht nur in der Stadt Köln, sondern auch in wei- teren deutschen Großstädten wie Hamburg, Ber - lin, Frankfurt, Düsseldorf, Chemnitz oder München (Neller, 2004; Dinger, 2009; Bons 2012; Winde 2012; Biedermann, 2014; Röschenkämper 2014; Trenkler, 2017; Hartmann, 2019; Schulze 2019) festzustellen. Das bestehende Angebot an derartigen Räumen gerät teilweise zunehmend unter Druck, da Flä- chen mit ebendiesen Nutzungen im Rahmen von Stadtentwicklungsmaßnahmen beispielsweise dem Bau von Wohnungen oder anderen ökonomisch gewinnbringenderen Nutzungen weichen müs- sen. Verschärfte Sicherheitsanforderungen an be- stehende Proberäume führen zudem dazu, dass Orte nicht weiter genutzt werden können, wenn sich der Betreiber eine Ertüchtigung – vorrangig aufgrund gestiegener Brandschutzauflagen – nicht leisten kann. Im Rahmen der Literaturrecherche zu diesem Pro- jekt wurde man auf Medienberichte zu bedrohten Proberaumstandorten in vielen deutschen Städten aufmerksam, darunter Düsseldorf, Berlin, Trier, Chemnitz, Hamburg und München. In Köln sind nach den Kenntnissen des PopkulturKöln e. V . ak- tuell drei Standorte in ihrem Fortbestand bedroht, die Bestandteil dieser Erhebung sind. Die drei Zen- tren bieten zusammen etwa 60 Proberäume an. In den folgenden Absätzen wird erst auf eine Be- standsaufnahme zum anbieterseitigen Proberaum- angebot in Düsseldorf (2012) eingegangen. Da- nach wird die Proberaumsituation an deutschen Musikhochschulen dargestellt. Anschließend folgen die Resultate aus Befragun- gen von Bands, die deren aktuelle Proberaumsi- tuation untersucht und ausgewertet haben sowie Mängel und Bedarfe aus Sicht der Musiker*innen aufgelistet werden konnten. Proberaum-Recherche Düsseldorf Die Proberaum-Recherche (zakk, 2012) für Düs- seldorf listet stichpunktartig, sortiert nach den einzelnen Standorten, den jeweiligen Umfang der Räume in den Zentren auf. Dies wird ergänzt durch eine eher unsystematische Aufzählung von weiteren Ausstattungs- und Sicherheits- merkmalen der Räume und enthält Angaben zu den aktuellen Mietkosten und der Auslastung. Abgerundet wird der Bericht durch eine ebenso stichpunktartige Auflistung von Handlungsemp- fehlungen, um konkret einzelne bedrohte Zen- tren im Bestand zu halten, sowie Anregungen, städtische Immobilien für die Erschließung als Proberaumzentren zu überprüfen. Die Recher - che zählt rund 300 Proberäume in Düsseldorf; während der Erstellung des Berichtes waren auf- grund brandschutztechnischer Mängel zwei Orte akut in ihrem Fortbestand bedroht, die zusam- men rund 120 Räume beherbergen. Befragung Musikhochschulen Eine große Studierendenbefragung zu künstleri- schen Übungs- und Proberäumen (Tyllilä, 2016) an neun deutschen Hochschulen für die Studien- gänge Musik und Darstellende Künste ergab, dass Studierende die nicht ausreichende Anzahl von Räumen als stärksten Mangel bewerten. Das Ver- gabeverfahren zum Zugang zu den Räumlichkei- ten sowie die eingeschränkte zeitliche Verfügbar - keit erhielten ebenso negative Bewertungen. Als eher befriedigend bewerteten die Befragten die Akustik sowie die Ausstattung der Übungs- und Proberäume. Positiv bewertet wurde die Lage der Räumlichkeiten – diese resultiert aus den eher zen- tralen Lagen der jeweiligen Hochschulen innerhalb der Stadt. 7 Befragung München Umfangreiche Befragungen von Bands zu deren Pro- beraumsituation wurden in München (2018) beauf- tragt durch die Fachstelle Pop im Feierwerk München und in Münster (2014) von der städtischen Initiative münsterband.netz durchgeführt. Bei beiden Befra- gungen standen die grundsätzlichen Gegebenheiten des städtischen Proberaummarktes im Zentrum der Untersuchung. Die Berichte liefern detaillierte Zah- len zu unter anderem den Mietkosten und der qua- litativen Ausstattung der zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten. Neben der faktisch vorhandenen Ausstattung wurden zudem Merkmale und Anfor- derungen abgefragt, nach denen ein Proberaum als „gut“ empfunden würde. Beide Erhebungen generieren zahlreiche interes- sante Einblicke in die jeweiligen Strukturen der Proberaummärkte, die größtenteils exemplarisch mit der Situation auf dem Kölner Markt vergleich- bar sind. Diese Befunde sind in diesem und den folgenden Absätzen kurz zusammengefasst. In München gaben rund 50 % der befragten Bands an, nach drei Monaten einen Proberaum gefunden zu haben. Weitere 15 % suchten bis zu sechs Mo- nate lang, über ein Jahr waren nochmals 15 % der Befragten auf der Suche. Befragung Musiker*innen Münster In Münster haben knapp 30 % der Bands keinen festen Proberaum zur Verfügung, in München sind es 20 %. Der wichtigste Grund dafür, dass kein Proberaum angemietet werden kann, ist ein zu hoher Mietpreis. Drei weitere Gründe sind Kündi- gung durch den Vermieter, Abriss des Proberaums und veränderte Anforderungen an den Raum. Die drei relevantesten Mängel in bestehenden Probe- räumen bilden eine unzureichende Schallisolation sowie eine nicht vorhandene oder nicht ausrei- chende Belüftung. 30 % der Befragten geben an, dass die nicht vorhandene Heizung das relevan- teste Problem sei. Die von den Bands geäußerten Merkmale, die ein Proberaum aufweisen muss, um als „gut“ empfun- den zu werden, spiegeln diese Situation. Die Befun- de zur gewünschten Ausstattung und den Eigen- schaften des Proberaums können in zwei Blöcke untergliedert werden. Es handelt sich zum einen um raumspezifische Merkmale wie das Vorhandensein von Lüftung, Heizung, Fenster und/oder Tageslicht sowie eine ausreichende Schallisolation zwischen den Räumen und nach außen. Zudem wird eine Raumgröße zwischen 20 und 30 Quadratmetern als adäquat betrachtet, um den Raum mit weiteren zwei bis vier Bands teilen zu können. Der zweite Block der objektspezifischen Eigen- schaften umfasst die Erreichbarkeit der Proberäu- me mit dem ÖPNV und das Vorhandensein eines einfachen Be- und Entladewegs sowie ausreichen- der Parkmöglichkeiten. Ebenso wird auf ein siche- res Umfeld des Proberaumzentrums und saubere Sanitäreinrichtungen Wert gelegt. Zentrale Ergebnisse anderer Studien Fasst man die Befunde der Untersuchungen und Befragungen zusammen, lässt sich eine Merkmal- liste aus Sicht der Nutzer erstellen, die ein gutes Proberaumangebot charakterisiert: • Vorhandensein von Heizung und Belüftung • Trockenheit des Proberaums • Nutzbarkeit rund um die Uhr • Existenz ausreichender Parkmöglichkeiten • Vorhandensein einer Schließanlage für das Objekt und die Räume • Sauberkeit der sanitären Anlagen • Ausreichende Raumgröße für Mehrfachbele- gung 8 Beide Erhebungen liefern zudem Einblicke in die Anbieterstruktur in den jeweiligen Städten. In München werden rund 400 Proberäume aufge- führt, wobei der Großteil der Räume von einigen wenigen Anbietern zur Verfügung gestellt wird. Zusätzlich gibt es in Jugend-, Bürger- oder Stadt- teilzentren ein Angebot an Räumen. Dieses um- fasst im Regelfall nur einen Raum, einige Instituti- onen bieten zwei oder drei Räume an. Der Zugang zu diesen Räumen ist stets reglementiert. Zum ei- nen können diese Räume nur von Bands genutzt werden, deren Mitglieder in ihren frühen Zwanzi- gern sind. Zum anderen ist die zeitliche Nutzbar - keit auf wenige Stunden täglich begrenzt, wes- halb das Angebot dieser Institutionen keine große Relevanz für den gesamten Proberaummarkt einer Stadt besitzt. Dies zeigen auch die Ergebnisse aus Münster: Hier proben rund 50 % der Bands in Zentren einiger weniger großer Anbieter. Weite- re 42 % sind in privaten Räumlichkeiten bzw. Ge- bäuden untergekommen. In Räumen öffentlicher Institutionen und Jugendzentren proben rund 10 % der Bands. Proberaumangebot in Köln Das Angebot an Proberäumen in Köln lässt sich nach verschiedenen Anbietern aufschlüsseln, die in der folgenden Liste exemplarisch dargestellt sind: • Professionelle Betreiber von Proberaumzentren • Private Klein- und Kleinstanbieter • Öffentliche Einrichtungen (bspw. Jugend-, Bür- ger oder Stadtteilzentren sowie Schulen und Kunst- und Musikhochschulen) • Musikschulen (Nutzung geknüpft an Musik- unterricht) • Private Proberäume Im Rahmen dieser Studie als professionelle Betrei- ber von Proberaumzentren eingestuft werden sol- che, die einen Mindestumfang von fünf Räumen am Markt anbieten. Die Betreiber können zudem anhand des Geschäftsmodells klassifiziert werden. Der überwiegende Teil der Befragten betreibt da- bei ein „klassisches“ Vermietungsgeschäft. Ein Proberaum wird an einen Hauptmieter vermietet, dem zur Kostenreduktion eine Untervermietung erlaubt wird. Die Untervermietung wird vor allem von Laienmusiker*innen in Anspruch genommen. Musiker*innen, die (semi-)professionell arbeiten, sowie Einzelmusiker*innen, die regelmäßig Musik- unterricht in ihren Räumen anbieten, teilen auf- grund der eigenen hohen Auslastung ihre Räume nicht. Ein kleiner Teil der Anbieter arbeitet nach dem so- genannten Sharing-Prinzip. Diese Anbieter vermie- ten an alle Nutzer direkt und regeln überdies die Vergabe der Probetage und -zeiten in einem vorge- gebenen Rhythmus. Die Anbieter von Sharing-Pro- beräumen maximieren dadurch ihren finanziellen Ertrag und stellen, wie bei den Ortsbegehungen festgestellt, ein qualitativ gutes Proberaumange- bot zur Verfügung. Die Raumangebote stehen unabhängig vom ge- wählten Geschäftsmodell grundsätzlich allen Mu- siker*innen offen, die zu den vorgegebenen Miet- bedingungen ein Mietverhältnis eingehen. Die qualitative und quantitative Analyse dieser Ange- bote steht im Zentrum dieser Untersuchung, die empirischen Ergebnisse werden detailliert in Kapi- tel 5 präsentiert. Private Klein- und Kleinstanbieter haben im Regel- fall nur einen Raum und in Ausnahmefällen bis zu drei Räume in der Vermietung. Die Angebote die- 9 ser Anbieter, die im Rahmen des Projektes ausfin- dig gemacht werden konnten, fließen jedoch nicht explizit in die Darstellung der empirischen Ergeb- nisse in Kapitel 5 dieses Berichtes ein. Da es sich jedoch um ein relevantes Angebot für den Kölner Proberaummarkt handelt, wird auf die Strukturen sowie die Qualität und Quantität dieser Angebote in Kapitel 3 eingegangen. Öffentliche Einrichtungen wie Jugend-, Bürger- oder Stadtteilzentren sowie Schulen und Kunst- und Musikhochschulen sind in der Vergabe ihrer Proberäume größtenteils klientelgebunden. In Einrichtungen wie Jugend-, Bürger oder Stadtteil- zentren sind es Jugendliche und Schüler, die die Proberäume nutzen dürfen. An Hochschulen ste- hen die häufig mit einem soliden Grundstock an Equipment ausgestatteten Räume den Student*in- nen nur bis zum Abschluss des Studiums zur Ver - fügung. Entsprechend müssen Musiker*innen ab einem bestimmten Alter (Anfang 20 ist das gän- gigste Kriterium) oder mit Beendigung des Stu- diums anderweitige Angebote für Proberäume in Anspruch nehmen. Eine weitere Gemeinsamkeit dieser Proberaumangebote ist, dass die Nutzung nur in einem bestimmten, häufig zeitlich stark re- glementierten Zeitfenster möglich ist. Darüber hi- naus ist ein Proberaum in Schulen oder Jugend-, Bürger- oder Stadtteilzentren hinsichtlich der qua- litativen Ausstattung nicht mit den Angeboten des freien Marktes vergleichbar. Musikschulen bieten, wenn sie Proberäume in ihren Räumlichkeiten zur Verfügung stellen, diese nur zur Nutzung an, wenn das Dienstleistungsan- gebot des Musikunterrichts ebenso wahrgenom- men wird. Da es sich hierbei um eine Vermischung von Dienstleistung und Proberaumangebot han- delt, spielt es für eine tiefergehende Betrachtung innerhalb dieses Berichtes keine Rolle. Durch die Gespräche mit Musiker*innen im Rah- men des Projektes wurden immer wieder private Proberäume thematisiert. Sowohl semiprofessio- nelle als auch professionelle Musiker*innen haben sich in finanzieller Eigenregie selbst teilweise sehr hochwertige Räume für Probe- und Aufnahme- zwecke ausgebaut. Diese Räume können aufgrund des mangelnden Zugangs nicht in diesem Bericht berücksichtigt werden. 10 3 Exkurs: Privater Klein- und Kleinstanbietermarkt Wie bereits im vorherigen Kapitel erläutert, existie- ren in Köln zahlreiche private Anbieter von Probe- räumen, die häufig nur einen, in Ausnahmefällen bis zu drei Räume in ihrem Bestand haben. Diese Angebote bilden einen Grauen Markt für Probe- räume, da sie in der Qualität und der sicherheits- relevanten Ausstattung häufig nicht den gängigen Marktstandards entsprechen. Während der Projektlaufzeit wurde der Versuch gemacht, den Umfang dieses Angebotes mithilfe einer Online-Recherche zu ermitteln. Dies gestal- tete sich aufgrund nicht vorhandener Onlineprä- senzen der meisten dieser kleinen Anbieter jedoch schwierig. Durch die Einbeziehung von Onlinepor- talen wie proberaum.de oder eBay-Kleinanzeigen konnte am Ende eine Reihe von Angeboten identi- fiziert werden. Auffällig war bei dieser Art von Onlineangeboten, dass nur in Ausnahmefällen namentlich genann- te Ansprechpartner oder firmenähnliche Kontakt- daten vorhanden sind. Telefonnummern, die eine direkte persönliche Kontaktaufnahme ermöglicht hätten, waren in fast keinem Fall vorhanden. Im Regelfall musste eine Anfrage über die internen Nachrichtenseiten der jeweiligen Portale gestellt werden. Daher wurde wie bei den professionellen Anbietern eine E-Mail gesendet, in der der Zweck der Untersuchung erläutert und ein Terminwunsch für ein persönliches Gespräch zu den angebotenen Räumen formuliert wurde. Rückmeldungen auf diese Kontaktversuche gab es selten. Wenn den- noch ein schriftlicher oder telefonischer Kontakt zustande kam, wurde nach einer weiteren Erläu- terung des Untersuchungsvorhabens eine Teilnah- me abgelehnt. Auch bestand kaum Bereitschaft, telefonisch nähere Auskunft über die Eckdaten der angebotenen Räume hinsichtlich der qualitativen Ausstattung zu geben. Aufgrund der teilweise vor- handenen Bilder in den Onlineanzeigen kann da- von ausgegangen werden, dass der Großteil dieser Räume hinsichtlich der Qualität nicht mit dem pro- fessionellen Proberaummarkt vergleichbar ist. Der schwierige Zugang zu diesen Anbietern von (Einzel-)Räumen sowie teilweise veraltete Anzei- gen für Proberäume machen es schwierig, den genauen Umfang des Angebotes auf dem Grauen Markt zu beziffern. Auch bei Gesprächen mit den Musiker*innen in den einzelnen Proberaumzentren wurde mehrfach auf diese Art der Angebote hin- gewiesen. Da diese Räume ebenso wie die Räume in Proberaumzentren häufig über die persönlichen Netzwerke der Musiker*innen bzw. Mundpropa- ganda vermittelt werden, ist davon auszugehen, dass die gefundenen privaten Proberäume nur einen Teil dieses Marktes darstellen. Insgesamt wurden bei der wiederholten Suche nach Probe- raumangeboten in diesem Marktsegment rund 30 Angebote für insgesamt rund 50 Räume gefun- den, die für die Nutzung als Proberaum für Musi- ker*innen geeignet erschienen. Da für diese Angebote an Proberäumen kein um- fassender Marktüberblick gegeben ist, kann der absolute Umfang dieser Räumlichkeiten nicht qualifiziert benannt werden. Daher fließen die im Rahmen der Recherche gefundenen circa 50 Pro- beräume nicht in die Darstellung der Erhebungs- ergebnisse in Kapitel 5 mit ein. 11 4 Recherche und Methodik 4.1 Recherche Die Recherche zu den Anbietern von Proberäu- men wurde unterstützt durch den Auftraggeber. So wurde gewährleistet, dass ein möglichst voll- ständiger Überblick über das Marktangebot ge- geben ist. Zusätzlich wurde während der Projekt- laufzeit in regelmäßigen Abständen wiederholt zu Proberaumangeboten zur Haupt- oder Unter - miete recherchiert. Obwohl eine hohe Nachfra- ge nach Proberäumen existiert, liefert kein Portal einen umfassenden Überblick über alle Probe- raumangebote innerhalb einer Stadt. Die beste Übersicht über potenziell verfügbare Proberäume bietet das Portal proberaum.de. Zusätzlich finden sich in regelmäßigen Abständen Angebote bei eBay-Kleinanzeigen. Die Annoncen lassen sich in drei Kategorien unterteilen. Zum einen handelt es sich um Angebote von Musiker*innen, die einen Raum in einem Proberaumzentrum eines profes- sionellen Anbieters mieten und einen Untermieter für bestimmte Zeitfenster suchen. Die zweite Ka- tegorie bildet Angebote für Proberäume ab, die sich bei tiefergehender Recherche vornehmlich an andere Kunstsparten, beispielsweise Tanz, richten oder nur für bestimmte Musiksparten, zum Bei- spiel Trommelgruppen, anmietbar sind. Zudem beschränkt sich die Verfügbarkeit bei diesen An- geboten häufig auf bestimmte Zeitfenster in der Woche. Zuletzt handelt es sich um Proberauman- gebote, die an Angebote von Tonstudios gekop- pelt sind. 4.2 Methodik Zur Erhebung der professionell vermarkteten Proberaumangebote in Köln wurden leitfaden- gestützte, teilstandardisierte Interviews als Unter- suchungsmethode gewählt. Zusätzlich zu den Interviews mit den Betreibern oder deren Ange- stellten wurden größtenteils auch die Objekte und die dortigen Proberäume begutachtet. Die Cha- rakteristika eines guten Proberaums aus Sicht der Musiker*innen wurden durch eine Literaturrecher- che gesammelt und sind in Kapitel 2 dargestellt (Flick, 2011). Ergänzt wird dieser Multimethoden- ansatz schließlich durch eine Reihe von Zeitungs- berichten, die Proberäume häufig im Kontext einer drohenden Schließung thematisieren. Abgerundet werden die gewonnen Befunde durch die persön- lichen Gespräche mit Bandmitglieder*innen, die das Kölner Proberaumangebot nutzen (Kuckartz, 2014). Ziel der Erhebung ist neben der detaillierten Dar - stellung des professionellen Proberaumangebotes in Köln auch die Evaluierung des Proberaumange- botes des Vereins PopkulturKöln e. V ., das ausführ- lich in Kapitel 6 dargestellt wird. Die Evaluation soll eine Grundlage liefern, um zu bewerten, ob die öffentlichen Mittel, die der Verein regelmäßig erhält, zielgerichtet zu einer effizienten Probe- raumversorgung in Köln beitragen (Stockmann, 2004). Im Besonderen wird untersucht, ob die zur Verfügung gestellten Proberäume des Popkultur - Köln e. V . für die Nutzer qualitativ gute Räumlich- keiten sind. Zudem wird dargestellt, wie die Preis- struktur dieses Angebotes im Vergleich zum freien Markt einzuordnen ist. Die Evaluation soll dazu beitragen, dass die gewonnenen Erkenntnisse in die zukünftige praktische Arbeit des Vereins mit- einfließen, um das Angebot effizient und effektiv auf die Nachfrage abstimmen zu können. 12 Darüber hinaus sollen die Erkenntnisse über den Kölner Proberaummarkt eine Grundlage für die Ableitung von Handlungsempfehlungen liefern. Diese Empfehlungen zielen einerseits darauf ab, dass bestehende Orte und Flächen im Stadtgebiet auch bei zukünftigen Stadtentwicklungsmaßnah- men berücksichtigt und in die Entwicklung inte- griert werden. Zusätzlich werden Möglichkeiten aufgezeigt, neue Räume zu schaffen, um die hohe Nachfrage nach ebendiesen besser befriedigen zu können. 4.3 Erhebungs- und Evaluationsleitfaden Der Erhebungs- und Evaluationsleitfaden wurde anhand der Ergebnisse der Literaturrecherche er - arbeitet und unter Mitwirkung des Auftraggebers finalisiert. Um den Erhebungsbogen zu testen, wurden zwei Ortsbegehungen in den Objekten des PopkulturKöln e. V . durchgeführt. Anschlie- ßend wurden nochmals kleinere Anpassungen für die Erhebung der weiteren Zentren vorgenom- men. Der Erhebungsbogen ist in vier Elemente aufge- teilt. Zunächst werden die relevanten Faktoren zum Objekt und zu dessen Nutzbarkeit erfragt. Im zweiten Block stehen die qualitativen Aspekte der Proberäume im Fokus. Im dritten Block werden die sicherheitsrelevanten Merkmale festgehalten und im vierten Block werden der Zugang sowie sonstige Merkmale erfasst. Der Erhebungsbogen wurde so konzipiert, dass eine zukünftige Über - prüfung der hier dargestellten Ergebnisse möglich ist. 4.4 Durchführung der Erhebung Die Kontaktaufnahme zu den Betreibern bzw. Mitarbeitern der Proberaumzentren erfolgte tele- fonisch oder schriftlich. Hierbei wurden das Pro- jekt sowie dessen Ziele erläutert. Zudem wurde um einen persönlichen Interviewtermin und einen Termin zur Besichtigung der angebotenen Räum- lichkeiten gebeten. Die Anbieter zeigten sich mit einer Ausnahme sehr offen für die Projektteilnah- me. Abgesehen von zwei Interviews konnten alle persönlich durchgeführt werden, in den beiden Ausnahmefällen wurden die Fragen telefonisch beantwortet. Bei den Ortsbegehungen zur Begut- achtung der qualitativen Ausstattung der Räum- lichkeiten wurden stets entweder eine ausreichen- de Anzahl oder alle vorhandenen Räumlichkeiten zugänglich gemacht. Die Interviews und Ortsbe- gehungen fanden zwischen März 2018 und Janu- ar 2019 statt. 13 5 Empirische Ergebnisse Die Ergebnisse der Ortsbegehungen professionel- ler Proberaumzentren in Köln sowie die Rauman- gebote des PopkulturKöln e. V . werden in den fol- genden Unterkapiteln dieses Abschnitts detailliert dargestellt. Zunächst werden die Lage und die Verteilung der Zentren sowie ggf. vorhandene Einschränkungen in der zeitlichen Nutzbarkeit präsentiert. Die qua- litativen und quantitativen Merkmale, die in Ka- pitel 5.2 aufgeführt werden, zeigen die Varianz des Marktangebotes auf. Zudem wird auf die Kos- ten dieser Angebote detailliert eingegangen. Im Unterpunkt 5.4 stehen die sicherheitsrelevanten Ausstattungsmerkmale im Vordergrund. Abschlie- ßend wird der Zugang zu freien Raumangeboten in dem von einer starken Nachfrage geprägten Markt aufgezeigt. In Kapitel 6 wird anhand der Gliederung des em- pirischen Teils das Proberaumangebot von Pop- kulturKöln e. V . evaluiert, um es mit den Anbietern des freien Marktes zu vergleichen. 5.1 Bestand, Lage, Erreichbarkeit und Nutzbarkeit Die Karte zeigt die geografi sche Verteilung der Proberaumzentren im Stadtgebiet. Es ist klar zu erkennen, dass die Proberaumzentren bis auf we- nige Ausnahmen allesamt am Rand oder außer- halb des innerstädtischen Stadtgebietes liegen. bis 10 Proberäume 10 - 20 Proberäume 20 - 30 Proberäume 30 - 40 Proberäume über 50 Proberäume 14 Klassifiziert man die jeweiligen Lagen anhand des Flächennutzungsplans, liegt der überwiegende Anteil der Zentren in Misch- oder Gewerbegebie- ten. Diese Lagen bieten den Vorteil, dass im Re- gelfall keine Wohnbebauung in der unmittelbaren Umgebung ist und potenzielle Beschwerden Drit- ter durch den Proberaumbetrieb nicht vorkom- men. Eine Einschränkung der zeitlichen Nutzbarkeit ist bei 72 % der Proberäume nicht vorhanden, das heißt, die Musiker*innen können dort rund um die Uhr proben. Bei vier Zentren ist eine Nutzung nur in einem Zeitfenster von 7:00 Uhr bis 22:00 Uhr bzw. 7:00 Uhr bis 24:00 Uhr möglich. Ein Zentrum ist nur ab 16:00 Uhr bis morgens um 7:00 Uhr für Bands nutzbar. Die vorhandenen zeitlichen Einschränkun- gen des Proberaumbetriebes resultieren haupt- sächlich aus Auflagen des Bauaufsichtsamtes. Das Proberaumzentrum, das eine Nutzung nur in der Zeit von 16:00 Uhr bis 7:00 Uhr gestattet, befin- det sich unterhalb eines Bürogebäudekomplexes, sodass eine Nutzung während der regulären Büro- zeiten nicht erlaubt ist. Alle Proberaumzentren können sowohl mit dem Pkw als auch mit einem (kleineren) Transporter angefahren werden. Dieser Aspekt ist für das Be- und Entladen des teilweise sperrigen Equipments der Bands essenziell. Die Anfahrt mit einem Lkw ist bei 55 % der untersuchten Objekte möglich. Anfahrtsmöglichkeiten Pkw Transporter Lkw 100 % 100 % 55 % Be- und Entladesituation Ebenerdig Rampe AufzugTreppe 20 % 15 % 15 %55 % Baurechtliches Nutzungsgebiet Mischgebiet Wohngebiet 50 % 10 % 40 % Gewerbe- gebiet Zeitliche Nutzbarkeit 24 Stunden 75 % 25 % unter 24 Stunden 15 Anfahrt mit ÖPNV Bahn Bus 100 % 80 % Lage der Proberäume OG EG UG 35 % 65 % 50 % Parkmöglichkeiten genügend keine ungenügend 86 % 9 % 5 % Je nach Größe der Proberaumzentren sind die Räume über verschiedene Etagen im Gebäude ver- teilt. Schwerpunktmäßig ist dies das Erdgeschoss, 65 % der Zentren haben dort Proberäume. Vor al- lem für die Be- und Entladung sind solche Räume von Vorteil. In der Hälfte der untersuchten Zentren befinden sich zudem Räume im Untergeschoss. Im Obergeschoss liegen nur 35 % der Räume. Die Mieter von Räumen im Unter- oder Obergeschoss müssen die Be- und Entladung über Treppen oder Aufzüge erledigen, wobei Aufzüge nur in sehr we- nigen Zentren vorhanden sind und das Equipment somit häufig über das Treppenhaus in die Räume des Ober- oder Untergeschosses gebracht werden muss. Parkmöglichkeiten sind bei fast allen Objekten in ausreichender Zahl – im Verhältnis zu der jewei- ligen Anzahl der Mieter – vorhanden. Lediglich zwei Orte haben nur ein eher unzureichendes An- gebot an Parkmöglichkeiten für die Anfahrt und die Be- und Entladung. Ein Zentrum verfügt über keinerlei Parkplätze, die Be- und Entladung erfolgt hier über das Parken im öffentlichen Straßenland. Die Erreichbarkeit mit dem ÖPNV ist bei allen Zentren gegeben. Eine KVB-Haltestelle liegt fuß- läufig durchschnittlich zwischen 10 und 20 Minu- ten entfernt. Bei 80 % der Zentren gibt es zudem eine Busanbindung, die Haltestellen sind fußläufig zwischen 5 und 15 Minuten entfernt. Bei einer Nutzung des Proberaums bis in die späten Abend- stunden ist somit auch eine Abreise mit dem ÖPNV noch möglich. 5.2 Quantitative und qualitative Merkmale Die folgende Tabelle zeigt die Anzahl sowie die Größenverteilung der untersuchten Proberäume. Von den 418 analysierten Räumen fallen 24 % in die Größenklasse 15 bis 19 Quadratmeter und weitere 28 % in die Kategorie 20 bis 24 Quadrat- meter. Große Räume mit 35 Quadratmetern und mehr haben einen Anteil von 15 % am Gesamt- bestand. Rund 10 % der angebotenen Proberäu- me messen 14 Quadratmeter und weniger. Die Befragungsergebnisse der Münchner Studie zur 16 notwendigen Mindestgröße zeigen, dass solche Räume von Bands nicht präferiert werden, da sie für eine Mehrfachbelegung ungeeignet sind. Die- se Räumlichkeiten bieten sich allenfalls für Einzel- musiker*innen oder -produzent*innen als adäqua- tes Arbeitsumfeld an. Die aufgeführten kleinen Räumlichkeiten entfallen zu rund 80 % auf einen größeren Anbieter im Kölner Markt. Die akustische Qualität eines Proberaums hängt maßgeblich von seiner baulichen Struktur ab. Die bauliche Struktur der Raumtrennung ist dabei we- sentlich dafür, wie schalldicht der jeweilige Raum ist, um die Beeinträchtigung zu den benachbarten Räumen möglichst gering zu halten. Gemauer - te Trennwände bieten dabei einen guten Schall- schutz, rund 55 % der untersuchten Proberäume in Köln sind entsprechend gebaut. Die anderen Proberäume sind durch sogenanntes Ständerwerk voneinander getrennt. Die Güte der Schallisola- tion wird dabei bestimmt durch die verwendeten Materialien. Die qualitativ hochwertigste Bauwei- se ist gegeben, wenn das Ständerwerk von beiden Seiten doppelt beplankt ist und die verwendeten Platten zusätzlichen Schallschutz aufweisen. Zu- dem wird zwischen dem Ständerwerk eine spe- zielle Isolationsdämmung eingebracht, um die Schalldurchlässigkeit zusätzlich zu minimieren. Zusätzlich zu der Bauweise mit Ständerwerk in einem sogenannten „Raum in Raum“-System zeichnen sich hochwertige Proberäume durch die Entkopplung der Böden von den Trennwänden mithilfe von Fließestrich aus. Die bauliche Um- setzung für eine solche Maßnahme ist aufwendig und kostenintensiv, weshalb sie nur in 35 % der Proberaumzentren umgesetzt ist. 55 % der Proberäume verfügen nicht über Fens- ter oder Deckenlichter für direktes oder indirektes Tageslicht. In den verbleibenden 45 % der Zent- ren sind zumindest teilweise Räume mit Tageslicht vorhanden. Eine Lüftungsanlage ist in 60 % der Zentren in al- len Räumlichkeiten vorhanden. Bei weiteren 15 % ist eine Lüftungsanlage nur teilweise vorhanden. Aufgrund der baulichen Gegebenheiten und der damit verbundenen hohen Investitionskosten ist der weitere Lüftungsausbau bis dato nicht reali- siert worden. Ein Viertel aller Proberaumzentren verfügt über keine Belüftungsmöglichkeit für die Proberäume. Lüftungsanlage ja teilweise nein 60 %25 % 15 % Raumgrößen in m2 Anzahl der Proberäume Anteile Proberäume 1–4 7 1,7 % 5–9 8 1,9 % 10–14 29 6,9 % 15–19 101 24,2 % 20–24 120 28,7 % 25–29 67 16,0 % 30–34 21 5,0 % 35–39 44 10,5 % 40+ 21 5,0 % Gesamt: 418 17 Heizung ja teilweise nein 10 % 55 % 35 % Backline Bestand ja nein 10 % 90 % Bei 55 % der Proberaumzentren sind Heizungen in den Proberäumen vorhanden. Bei weiteren 10 % der Zentren sind zumindest in manchen Räumen Heizungen vorhanden. Bei 35 % der Zentren gibt es keine fest installierte Heizungsanlage, teilweise wurde darauf aufgrund der hohen Investitions- kosten verzichtet. Gemäß den Informationen der Betreiber ist eine Heizung vor allem dann nicht er- forderlich, wenn die Proberäume gut isoliert sind. Dann temperieren sich die Räume durch die Gerä- te der Musiker*innen schnell selbst. Zusätzlich ist der Einsatz von Stromradiatoren möglich. Sanitäre Anlagen sind in allen Zentren vorhanden, häufig auch mit separaten WCs für Damen und Herren. Die Reinigung wird stets vom Anbieter der Räume organisiert und findet in wenigen Fäl- len täglich, üblicherweise ein- oder zweimal wö- chentlich statt. Die besichtigten Sanitäranlagen schienen allesamt in einem zumindest ordentli- chen Zustand zu sein. Tonstudios für professionelle Aufnahmen sind nur an vier Standorten verfügbar. In einer Reihe von Proberäumen, die eine ausreichende Grundlage aufweisen, haben sich die Musiker*innen in Eigen- regie und auf eigene Kosten teilweise semiprofes sionelle Aufnahmestudios eingebaut. Bei der Re- cherche wurden einige Anbieter identifiziert, die mit einem Proberaumangebot warben, das jedoch an die Nutzung der dortigen Aufnahmemöglich- keiten gekoppelt war. Das reine Proben ohne In- anspruchnahme der Dienstleistung des integrier - ten Tonstudios war nur in Einzelfällen möglich. Eine Equipment-Basisausstattung – mit beispiels- weise Drumkits, PAs oder Mischpult – ist nur bei zwei professionellen Anbietern vorhanden, die ihre Räume nach dem Sharing-Prinzip betreiben. Die teilweise weitergehende Ausstattung mit sonstiger Backline stellt ein Serviceangebot des Tonstudio ja nein 20 % 80 % 18 Raumgrößen in m2 Mietpreis pro qm / warm Minimum Mietpreis pro qm / warm Maximum Raummiete warm / Mini- mum Raummiete warm/ Maxi- mum Raummiete warm/ Pop- kultur 1–4 23,00 € 23,00 € 80,00 € 80,00 € n/a 5–9 14,00 € 23,00 € 98,00 € 161,00 € n/a 10–14 10,50 € 21,00 € 126,00 € 252,00 € n/a 15–19 7,65 € 21,00 € 130,00 € 459,00 € n/a 20–24 9,50 € 27,00 € 210,00 € 590,00 € 265,00 € 25–29 10,50 € 27,00 € 290,00 € 725,00 € 325,00 € 30–34 10,50 € 18,00 € 336,00 € 850,00 € 384,00 € 35–39 7,65 € 27,00 € 390,00 € 800,00 € 407,00 € 40+ 7,65 € 18,00 € 330,00 € 775,00 € 400,00 € Anbieters dar, das sich im Mietpreis der Räume widerspiegelt. Gemeinschaftlich nutzbare Aufenthaltsräume, teilweise mit der Möglichkeit des Getränkeer - werbs, bieten nur fünf größere Zentren für ihre Mieter an. Noch seltener ist die Möglichkeit gege- ben, innerhalb des Proberaumzentrums auf einen Aufführungsraum zurückzugreifen; lediglich ein Zentrum bietet diese Möglichkeit an. 5.3 Mietkosten Die Information über die Mietpreise für Räume in Proberaumzentren ist für die Mietinteressenten bei den meisten Anbietern online nicht verfügbar. Wenn Preise angegeben sind, werden im Regel- fall die Warmmiete pro Quadratmeter sowie der Gesamtpreis angeben. Eine klare Aufschlüsselung zwischen den geforderten Kalt- und Warmmiet- preisen erfolgt in der Regel nicht. Die Vermieter berechnen meistens eine Nebenkostenpauschale, die sich an Erfahrungswerten orientiert. Die Höhe der monatlichen Mietpreise insgesamt sowie pro Quadratmeter, die in der folgenden Ta- belle dargestellt sind, wurde gestaffelt nach den Raumgrößen erhoben. Anbieter, die ihre Mietprei- se nicht online darstellten, wurde im Rahmen der Befragung um eine entsprechende Aufschlüsse- lung gebeten. Bis auf zwei Betreiber wurde die in- terne Preisstruktur offen kommuniziert. Die Miet- preise in zwei Zentren, in denen keine exakten Angaben erfolgten, konnten die Preise dennoch approximativ festgehalten werden. Die Warmmiete pro Quadratmeter liegt in einer Spanne von knapp 10 € pro Quadratmeter bis zu 27 Euro pro Quadratmeter. Die Differenzen der aufgerufenen Preise spiegeln dabei nur teilweise die qualitativen und sonstigen Ausstattungsmerk- male der Räume wider. Das obere Ende der Preise für die Warmmiete von circa 20 Euro pro Qua- dratmeter und mehr ergibt sich durch Anbieter, die ihre Räumlichkeiten nach dem Sharing-Prinzip vermieten. Vergleicht man die Warmmiete pro Quadratme- ter anhand der Raumgrößen, lässt sich feststel- len, dass kleinere Räume überproportional mehr kosten als größere oder große Räume mit einer Grundfläche von 30 Quadratmetern und mehr. 19 Die Quadratmeterpreise für sehr kleine Räume mit Flächen unter neun Quadratmetern sind am teu- ersten. Die am häufigsten verfügbaren Raumgrößen in Köln liegen zwischen 15 und 24 Quadratmetern. Zusammen bilden sie über 50 % der insgesamt verfügbaren Räume ab. Die Preise für diese Räu- me haben dabei eine beträchtliche Spannweite. In der Kategorie 15 bis 19 qm variieren die Preise von 130 Euro bis knapp 460 Euro Miete pro Monate. Die nächste Kategorie von 20 bis 24 qm hat eine Spannweite von 210 Euro bis zu 590 Euro monat- lich. Die Preise am oberen Ende sind bedingt durch Sharing-Anbieter, die durch ihr Geschäftsmodell die Auslastung und den Ertrag maximieren. PopkulturKöln e. V . verfügt überwiegend über Pro- beräume, die in die Kategorie 20 bis 24 qm fallen oder in den darüber befindlichen Raumkategorien liegen. Der Vergleich der monatlichen Mietkosten des Vereins mit dem Gesamtmarkt zeigt deutlich, dass die Preise stets am unteren Ende des allge- meinen Marktpreises liegen. Im Vergleich zu den jeweils teuersten Anbietern jeder Kategorie sind die Mietpreise des Vereins teilweise um bis zu 50 % niedriger. Die Nebenkosten für Strom und Heizung – soweit diese vorhanden sind – werden bei 75 % der An- bieter pauschal abgerechnet und in Abhängigkeit der Quadratmeterzahl des jeweiligen Raums auf die Kaltmiete aufgeschlagen. Eine verbrauchsgetreue Abrechnung der Neben- kosten ist hingegen bei PopkulturKöln e. V . gege- ben. Die Mieter zahlen zusätzlich zur Kaltmiete eine monatliche Vorauszahlung für die Nebenkos- ten, die einmal jährlich mit dem Verbrauch abge- glichen wird. 5.4 Sicherheitsrelevante Ausstattung Sicherheitsrelevante Aspekte für Proberäume las- sen sich in zwei Teilbereiche aufgliedern. Zum einen handelt es sich hier um die Sicherheit des Proberaumzentrums im Hinblick auf den Zugang zum Gebäude und den Räumen selbst sowie um dessen Überwachung. Zum anderen spielen in diesem Zusammenhang die Sicherheitsauflagen eine Rolle, die im Kontext der Bauauflagen (vor - beugender Brandschutz) zu beachten sind, wie bspw. Brandmeldeanlagen, Brandschutztüren so- wie ausreichende Flucht- und Rettungswege und deren Kennzeichnung. Abrechnung Stromkosten pauschal Zähler 75 % 25 % Kameraüberwachung janein 50 %50 % 20 Brandmeldeanlage nein optisch akustisch beides 25 % 25 % 35 % 15 % Um Einbruch und Diebstahl von Equipment vorzu- beugen, ist rund die Hälfte der Objekte mit einer Kameraüberwachung ausgestattet. Diese befindet sich stets im äußeren Zugangsbereich der Objekte und teilweise auch innerhalb der Proberaumzent- ren in den Gängen. Kameraausstattung findet sich dabei vorwiegend in den größeren Zentren. Ein weiteres wichtiges Sicherheitsmerkmal stellen Schließanlagen dar. Schließanlagen sind ein in sich geschlossenes Schließsystem, das den Zugang zu einem Objekt und den jeweiligen Räumen ermög- licht. Diese Art von Anlagen gehört bei 90 % der untersuchten Objekte zum Standard. Mit den Si- cherheitsschlüsseln können die Bandmitglieder die Eingangstüren zum Objekt und ihren jeweiligen Proberaum öffnen. Die Schließanlage dient dabei dem Schutz vor unberechtigtem Zugang Dritter und dem Schutz des Equipments vor Diebstahl. Da in einer Reihe von Proberaumzentren jedoch nur der Hauptmieter vertraglich erfasst ist, kann von den Betreibern nicht lückenlos nachvollzogen werden, welche Personen bzw. Untermieter Zu- gang zum Objekt haben. Eine ausreichende Anzahl an Flucht- und Ret- tungswegen ist in fast allen Proberaumzentren vorhanden. Die Kennzeichnung der Fluchtwege- führung durch entsprechende Symbole und (hin- terleuchtete) Piktogramme ist ebenso größtenteils gegeben. Brandschutztüren der Klassifizierung T30 und teil- weise sogar T90 sind abgesehen von einem Ob- jekt gemäß den Angaben der Interviewpartner zum großen Teil vorhanden. Brandmeldeanlagen sind eine Sicherheitsvorkeh- rung zum Schutz der Nutzer, die primär in Objek- ten vorhanden ist, die nach dem Jahr 2000 in Be- trieb genommen wurden. Objekte hingegen, die bereits in den 1990er-Jahren betrieben wurden, hatten diese Auflage noch nicht zu erfüllen. In Proberaumzentren mit einer hausinternen Brand- meldeanlage sind stets alle Räume und Flure mit Meldern versehen, die im Brandfall mindestens mit einem optischen Alarm (Warnlicht) und teilweise zusätzlich mit einem akustischen Signal warnen. 5.5 Zugangskriterien und Nutzung Die vorhandenen Proberäume in Köln sind beina- he zu 100 % belegt. Während der Recherche und Feldarbeit wurden punktuell immer wieder Ange- bote für freie Räume ausfindig gemacht, jedoch Schließanlage ja nein 10 % 90 % 21 Fluktuation sehr gering gering unbekannt 75 % 10 % 15 % Anzahl der Interessenten auf der Warteliste 0-9 10-19 20-29 30-40 50 % 10 % 35 % 5 % nur bei Anbietern, die dem oberen Preis-Segment zugehörig sind. Aufgrund der hohen Nachfrage nach Proberäumen hat sich gezeigt, dass selbst Räume mit (unter-)durchschnittlicher Qualität und einem verhältnismäßig hohen Quadratmetermiet- preis bereits nach (deutlich) weniger als vier Wo- chen vergeben sind. Zudem wurden hin und wie- der Angebote entdeckt, die eine Mitnutzung eines Proberaums zu bestimmten Tages- und Uhrzeiten beinhalteten. Auch bei diesen Angeboten hat sich gezeigt, dass die hohe Nachfrage in kürzester Zeit zu einer Belegung führt. Zusammengefasst wird somit festgestellt, dass die Wiederbelegung eines freien Proberaums oder freier Zeitfenster im Regelfall innerhalb eines Monats vonstattengeht, was den hohen Nach- fragedruck unterstreicht. Vielfach werden freie Zeitfenster in einem Proberaum überhaupt nicht öffentlich inseriert, da durch Netzwerke der Mu- siker*innen oder durch die den Betreibern be- kannten Bedarfe von Bands die Vermittlung eines Raums zur Mitbenutzung unmittelbar erfolgt. Die starke Nachfrage nach Proberäumen sowie die im Regelfall nahtlose Wiederbesetzung einer freien Raumkapazität zeigt sich auch daran, dass nur die Hälfte der befragten Betreiber über Warte- listen verfügt, um Mietanfragen zu sammeln. Die Zahl der Interessenten auf vorhandenen Wartelis- ten variiert und ist in der folgenden Grafik dar - gestellt. Wenn solche Listen geführt werden, befinden sich darauf laut Aussage der Betreiber mindestens 10 und bis zu 30 Interessenten. Aufgrund der lang- jährigen Erfahrung der Betreiber, die mit Warte- listen arbeiten, werden freie Raumkapazitäten jedoch nicht zwangsläufig über die Reihenfolge des Bewerbungseingangs vergeben, sondern an- hand der persönlichen Einschätzung der verant- wortlichen Personen im Hinblick darauf, welche Band gut mit den aktuellen Mietern harmoniert und sich somit am besten für ein frei werdendes Kontingent eignet. Die Belegung eines Proberaums durch mehrere Bands kann bei Raumgrößen ab circa 15 Quad- ratmetern grundsätzlich als Standard betrachtet werden. Die Ergebnisse der Erhebung zeigen, dass durchschnittlich von einer Belegung von zwei bis drei Bands im Minimum auszugehen ist. Eine hö- here Belegungsdichte von bis zu fünf Bands bei größeren Räumen ist ebenso keine Seltenheit. 22 Wenn Proberäume hingegen von (semi-)profes- sionellen Bands belegt sind oder von Einzelmu- siker*innen, die dort regelmäßig Musikunterricht anbieten, findet keine Mehrfachbelegung statt. Diese Nutzerklientel benötigt die Räume allein aufgrund der teilweise täglichen Eigennutzung. Zudem ist den es Mietern möglich, die monatli- chen Mietkosten allein zu tragen. Ein kleinerer Teil dieser Nutzer kann trotz nur semiprofessioneller Ausrichtung die Mietkosten aufgrund des sonsti- gen Erwerbseinkommens allein tragen. Die Belegung der Proberäume erfolgt bei Anbie- tern, die nicht nach dem Sharing-Prinzip arbeiten, in der Regel über den Hauptmieter des Raums. Bei den meisten Zentren ist die Untervermietung ex- plizit erlaubt, ein großer Anbieter duldet diese zu- mindest. Die folgende Grafik zeigt, wie die Unter- vermietung durch die Betreiber geregelt ist. Teilweise muss bei Untervermietung eine Meldung beim Betreiber gemacht werden, damit dieser für jeden Untermieter einen potenziellen Ansprech- partner bereithalten kann. Bei zwei größeren An- bietern ist die Möglichkeit zur Untervermietung abhängig von der Raumgröße geregelt. Die Un- tervermietung ist dann nur erlaubt bei Räumen ab einer Größe von 10 Quadratmetern und mehr, kleinere Räume sind von der Untervermietung ver- traglich ausgenommen. Anbieter, die ihre Räume nach dem sogenannten Sharing-Prinzip vermieten, weisen eine noch hö- here Belegungsdichte auf. Aufgrund des gewähl- ten Vermietungsmodells als grundlegendes Ge- schäftsmodell wird die Belegung vollständig vom Vermieter organisiert und jede Band ist Vertrags- partner mit dem Anbieter. Dies ermöglicht zum einen ein hohes Maß an Kontrolle und maximiert bei entsprechender Auslastungsmöglichkeit des Raumangebotes zusätzlich die Mieteinnahmen der Betreiber. Die (eher) höherpreisigen Angebote werden hier unter anderem durch qualitativ sehr gut ausgestattete Räumlichkeiten gerechtfertigt. Üblicherweise sind die Proberäume selbst profes- sionell gedämmt und mit einem resonanzarmen Untervermietung erlaubt geduldet verboten gemischt 60 % 10 % 10 % 20 % 23 6 Evaluation des Proberaumangebotes von PopkulturKöln e. V . Der Verein PopkulturKöln e. V . verwaltet, vermie- tet und errichtet ein umfangreiches Proberaum- angebot in Köln an insgesamt fünf Standorten in sieben Objekten im Kölner Stadtgebiet. Dabei wird der Verein durch öffentliche Fördergelder der Stadt Köln finanziell unterstützt. Aktuell befindet sich zusätzlich ein Objekt in der Bauphase – in Köln-Dellbrück entstehen neben den dort bereits vorhandenen Proberäumen weitere 15 Räume für Musiker*innen, die voraussichtlich im August 2019 fertiggestellt werden. Nach Fertigstellung dieser Räume wird der Verein über knapp 100 Proberäume in Köln verfügen, die von ihm auch verwaltet werden. In diesem Kapitel werden analog zu den empiri- schen Ergebnissen in Kapitel 5 die Qualität und Ausstattung der Proberaumangebote von Popkul- turKöln e. V . mit den Angeboten des freien Mark- tes verglichen. Dieser Vergleich soll aufzeigen, ob der Verein ein in qualitativer Hinsicht hinreichend gutes Proberaumangebot im Vergleich zum Ge- samtmarkt erbringen kann und die öffentlichen Mittel zielgerichtet eingesetzt werden. Bestand, Lage, Erreichbarkeit und Nutzbarkeit Die sieben Objekte des Vereins befinden sich in den Stadtteilen Nippes, Longerich und Dellbrück. Die beiden Forts liegen im äußeren Grüngürtel an der Militärringstraße. Alle Objekte sind mit dem ÖPNV erreichbar. Bei den beiden Standorten im äußeren Grüngürtel bedarf es eines Fußwegs von etwa 10 bis 15 Minuten, um diese zu erreichen. Eine Anfahrt mit Pkw und Transporter ist bei allen Objekten möglich, auch die Anzahl der vorhande- nen Parkplätze ist überall ausreichend. Einschrän- kungen in der zeitlichen Nutzung der Proberäu- me sind bei keinem der Objekte vorhanden, die Musiker*innen können sie rund um die Uhr nut- zen. Dank der Lage in Misch- oder Gewerbege- bieten gibt es zudem keinerlei Probleme mit der Nachbarschaft aufgrund von Schallemissionen. In fünf der sieben Objekte liegen alle Räume eben- erdig. Die Be- und Entladung des Equipments ist demnach problemlos möglich. In einem Zentrum sind auch Räumlichkeiten im Untergeschoss vor - handen; dieses Objekt ist mit einem Lastenaufzug ausgestattet, über den sich Equipment bequem transportieren lässt. Quantitative und qualitative Merkmale der Proberäume Die angebotenen Proberäume des Vereins sind im Vergleich zum Gesamtmarkt überdurchschnittlich groß. Knapp 50 % der Räume haben eine Größe von 20 bis 29 Quadratmetern. Die anderen Probe- räume des Vereins messen zwischen 30 und 39 Quadratmeter. Die Grundflächen entsprechen somit allesamt den Ansprüchen an einen guten Proberaum, wie sie im Rahmen der Musikerbefragungen geäußert wurden, und lassen deshalb eine Mehrfachbele- gung zu. Dennoch hat der Verein auch Räume in Einzelnutzung in der Vermietung; diese werden von professionellen Bands oder Einzelmusiker*in- nen genutzt, die dort Musikunterricht anbieten. 24 Eine Lüftungsanlage ist in fünf der sieben Objekte vorhanden. Keine Lüftungsanlage gibt es in den beiden Standorten in den Forts, diese Räume ver- fügen jedoch alle über Fenster und können da- durch gut belüftet werden. Eine Heizungsanlage ist nicht überall vorhanden, Räume ohne Heizung können jedoch über Stromradiatoren beheizt wer- den. Sanitäre Anlagen sind überall vorhanden so- wie funktionsfähig und werden – genauso wie die Allgemeinflächen in diesen Zentren – wöchentlich durch eine Reinigungsfirma gesäubert. Alle Räumlichkeiten des Vereins punkten mit einer sehr guten baulichen Qualität. Die, die sich in den beiden Forts befinden, sind als Massivbau errich- tet – somit sind sie nicht nur aufgrund ihrer Lage, sondern auch aufgrund der baulichen Struktur gut für die Nutzung als Proberäume geeignet. In den anderen Zentren sind jeweils voneinan- der entkoppelte Wände in sogenannter „Raum in Raum“-Bauweise integriert, sodass eine gute Schallisolation zwischen den Räumlichkeiten ge- geben ist. Die verwendeten Materialien weisen allesamt zusätzlich Schallschutzeigenschaften auf und auch die Böden sind von den Wänden durch Fließestrich entkoppelt, um die Schallübertragung zwischen den Räumen zu minimieren. Die Brand- schutztüren aller Proberäume haben die Schutz- klasse T30 und sind teilweise noch mit einer zu- sätzlichen Schalldämmung ausgestattet. Gemeinschaftsräume, Tonstudios oder ein Backli- ne-Bestand, der den Nutzern zur Verfügung steht, sind in den Räumlichkeiten hingegen nicht vor - handen. Mietkosten Die monatlichen Mietkosten der Proberäume lie- gen trotz der hohen baulichen Qualität am un- teren Ende des Preisspektrums in Köln. In allen sieben Objekten setzt sich der Mietpreis aus der Kaltmiete sowie einer Vorauszahlung auf die Ne- benkosten zusammen. Die aufgerufenen Warm- mieten liegen zwischen 11 Euro und 12 Euro pro Quadratmeter. Aufgrund der vorhandenen Strom- zähler in den einzelnen Proberäumen kann eine verbrauchsgenaue und transparente Abrechnung der Nebenkosten für jeden Raum erfolgen. Um den Preisunterschied im Vergleich zu den sonstigen professionellen Anbietern am Markt zu illustrieren, wird ein Raum mit einer Grundfläche zwischen 25 und 29 Quadratmetern von Pop- kulturKöln e. V . mit dem Marktpreis verglichen: Die monatliche Warmmiete bei PopkulturKöln e. V . be- trägt für diesen Raum 325 Euro; auf dem freien Markt werden hierfür in der Spitze hingegen bis zu 700 Euro aufgerufen. Der Preisunterschied ver- deutlicht, dass Bands gerne andere Zentren ver - lassen, wenn sie die Möglichkeit haben, zukünf- tig in den Räumlichkeiten des Vereins proben zu können. Sicherheitsrelevante Ausstattung Um die Sicherheit des Equipments einer Band zu gewährleisten, verfügen alle Proberäume des Ver- eins über Sicherheitsschlüssel für die Proberäume bzw. eine Schließanlage. Eine Kameraüberwa- chung an den Objekten ist hingegen nicht vor - handen. Die Flucht- und Rettungswege in den Objekten sind überall gut zu erkennen und durch Rettungswegzeichen ausreichend markiert, so- dass eine sichere Entfluchtung im Brandfall ge- währleistet wird. Brandmeldeanlagen sind in fünf der sieben Objekte vorhanden und die Proberäu- me und Flure sind mit entsprechenden Meldern ausgestattet. Zugangskriterien und Nutzung Die Proberäume des Vereins sind aktuell vollstän- 25 dig vermietet. Der Verein berichtet von 10 bis 20 monatlichen Anfragen bezüglich freier Raumka- pazitäten. Möchte man sich bewerben, muss über die Internetseite des Vereins ein Kontaktformular ausgefüllt werden, das neben den persönlichen Angaben des Bewerbers Einzelheiten zur Band er- fasst, so zum Beispiel die Anzahl der Mitglieder und das musikalische Genre. Zusätzlich müssen die Bewerber die gewünschte Mindestgröße des Proberaums sowie die bevorzugten Probetage und -zeiten angeben. Darüber hinaus werden der für die Band finanzierbare monatliche Mietpreis erfragt sowie die Möglichkeit der Mitbenutzung eines Raums. Anhand der gesammelten Informa- tionen kann der Verein die Bands bestmöglich auf ggf. freiwerdende Raumkapazitäten verteilen. Eine Untervermietung der Proberäume an ande- re Bands ist gestattet, muss dem Verein jedoch angezeigt werden. Die Räumlichkeiten sind vor - wiegend mit zwei, manchmal drei Bands mehr - fach belegt, es gibt allerdings auch eine Reihe von Räumlichkeiten, die nur von einer einzelnen professionell arbeitenden Band oder einem/einer Einzelmusiker*in genutzt werden. In diesen Fällen kann eine Mehrfachbelegung aufgrund der hohen Auslastung nicht erfolgen. Die Fluktuation der Mieter wird von dem Betreiber als sehr gering angegeben. So lagen in den ver - gangenen Jahren maximal zwei Kündigungen pro Jahr vor. Frei werdende Kapazitäten können stets nahtlos wiederbesetzt werden – dabei erfolgt die Auswahl der Bands einerseits mittels der vorlie- genden Bewerbungsformulare, andererseits an- hand der persönlichen Einschätzung der Betreiber, welche Band sich am besten in den Raum sowie das jeweilige Zentrum einfügen lässt. Viele Mieter des PopkulturKöln e. V . nutzen ihre Proberäume bereits seit über zehn Jahren. Die vielen langfristigen Mieter und die dauerhaft voll- ständige Auslastung der Proberäume zeigt zum einen, dass eine starke Nachfrage nach Räumen existiert, und unterstreicht zudem, dass die hohe bauliche Qualität der vom Verein angebotenen Räumlichkeiten und das gute Preis-Leistungs-Ver - hältnis einen dauerhaften Verbleib der Mieter be- günstigen. Bewertung der Proberaumangebote des PopkulturKöln e. V . Die Proberäume des Vereins liegen stadtweit ver - teilt in den Vierteln Nippes, Longerich und Dell- brück. Die Proberäume in den Forts befinden sich im äußeren Grüngürtel. Alle Objekte sind mit dem ÖPNV erreichbar. Die Anfahrt zu den Zentren mit dem Pkw oder einem Transporter ist an allen fünf Standorten problemlos möglich und die Be- und Entladesituation ist aufgrund der ebenerdigen Lage und der guten Infrastruktur mit Aufzügen bei allen Räumen unproblematisch. Die Nutzung der Proberäume unterliegt keinen zeitlichen Ein- schränkungen. Die hohe bauliche Qualität der Räume im Hinblick auf ihre Schallisolation sowie der am unteren Ende des Spektrums befindliche monatliche Mietpreis zeugen für einen guten Ein- satz der öffentlichen Fördermittel. Auch die sicherheitsrelevante Ausstattung der Pro- beraumzentren mit Schließanlagen oder Brand- meldeanlagen befindet sich im Vergleich zu den anderen Anbietern auf einem hohen Niveau. Die vollständige Auslastung der Proberäume sowie die steten Anfragen nach freien Kapazitäten von- seiten der Bands unterstreichen das gute Probe- raumangebot. 26 7 Zusammenfassung Der vorliegende Projektbericht stellt umfassend und systematisch die Befunde zu Musikproberäu- men in Köln im Bereich Rock, Pop und Jazz dar. Hierzu wurden die Proberaumangebote der pro- fessionellen Marktteilnehmer in Köln erhoben. Neben der Erhebung des Proberaumumfangs wurden die bauliche Qualität sowie die Sicher - heitsausstattung der Proberäume untersucht und ein Überblick über die monatlichen Mietkosten der Räumlichkeiten gegeben. Ebenso wurde der Zugang zu den Räumen, der Belegungsumfang und die Auslastung analysiert. Die vorhandenen Berichte zur Proberaumsituation aus Sicht der Musiker*innen in anderen deutschen Städten wurde ebenso dargestellt, um Vergleiche mit den Befunden in Köln zu ziehen. Einer der wesentlichen Befunde ist, dass überall eine hohe Nachfrage vonseiten der Kreativen nach geeigne- ten und guten Proberäumen, die ein Mindestmaß an Qualität in Bezug auf die bauliche und sonstige Ausstattung aufweisen, vorhanden ist. Die Nach- frage nach Räumen kann mit den Angeboten des Marktes nicht gedeckt werden. Die wesentlichen Merkmale eines guten Probe- raums aus Sicht der Künstler*innen sind: • Tägliche Nutzbarkeit rund um die Uhr • Gute Erreichbarkeit/Lage • Trockenheit • Belüftung • Gute Schallisolierung • Sicherheit des Equipments • Anfahrts- und Parkmöglichkeiten • Sauberkeit der sanitären Anlagen Um die Proberaumsituation der Bands aus Sicht der Nutzer bewerten zu können, kann ergänzend noch eine Online-Erhebung über die Verteiler der Proberaumzentren sowie über die Netzwerke der Musiker angedacht werden. Analog zu den im zweiten Kapitel genannten Befunden aus anderen Städten ließe sich die Proberaumangebote noch- mals genauer bewerten und auch der Umfang des Grauen Marktes sowohl quantitativ als auch qua- litativ bestimmen. Zusätzlich können die Bedarfe auf Seiten der Musiker*innen in Köln dezidiert erfasst werden und Mängeln bei den verschiede- nen Anbietertypen genauer identifiziert werden. Durch die Spiegelung einer solchen Befragung mit den Ergebnissen dieser Untersuchung ist eine noch passgenauere Einschätzung der hiesigen Proberaumsituation möglich. Marktstruktur der Proberaumanbieter in Köln Der Markt für Proberäume in Köln wird dominiert von einigen professionellen Anbietern, die mehr als 400 Proberäume zur Vermietung anbieten. Betreiber, die im Rahmen dieser Untersuchung als professionelle Anbieter klassifiziert werden, verfügen über mindestens fünf Proberäume. Das Geschäftsmodell ist dabei primär auf die Ver - marktung dieser Räume und die Generierung von laufenden Einnahmen zum Unterhalt der Räum- lichkeiten fokussiert. Daneben gibt es eine quantitativ nicht genau er - fassbare Anzahl von Proberäumen von privaten Kleinstanbietern, die häufig nur einen und höchs- tens drei Räume vermieten. Im Rahmen der Re- cherche zu diesem Projekt wurden rund 50 Pro- beraumangebote dieser Art identifiziert. Da die 27 Vermittlung und Vergabe von freien Proberaum- kapazitäten häufig über die Netzwerke der Mu- siker*innen untereinander erfolgen, kann davon ausgegangen werden, dass die faktische Anzahl solcher Raumangebote (weit) größer ist. Die Pro- beraumangebote, die während der Projektlaufzeit identifiziert wurden, weisen jedoch im Vergleich zu den professionellen Raumangeboten häufig eine unzureichende Ausstattung auf, vor allem in Bezug auf die bauliche Qualität und die sicher - heitsrelevante Ausstattung. Die annoncierten mo- natlichen Mietpreise waren allerdings größtenteils auf dem Niveau der professionellen Marktteil- nehmer. Dies kann als klares Indiz dafür gewertet werden, dass die Nachfrage nach geeigneten Pro- beräumen entsprechend hoch ist. Zusätzlich existieren Proberäume in öffentlichen Einrichtungen wie Jugend-, Bürger- oder Stadtteil- zentren sowie Schulen und Hochschulen. All diese Proberaumangebote haben gemeinsam, dass die Vergabe und der Zugang stets klientelgebunden sind. Die zeitliche Nutzbarkeit der Räumlichkeiten ist zudem eingeschränkt und nur zu den üblichen Öffnungszeiten der Gebäude möglich. Zentrale empirische Ergebnisse und Ableitung des potenziellen Bedarfs Die Proberaumzentren sind im kompletten Kölner Stadtgebiet verteilt. Die fußläufige Erreichbarkeit aller Zentren mit den ÖPNV-Angeboten ist an je- dem Standort gegeben. Auch die Anfahrt mit dem Pkw oder mit einem Transporter, um Equipment be- und entladen zu können, ist bis auf eine Aus- nahme überall gegeben. Auch eine ausreichende Anzahl an Parkmöglichkeiten ist bei fast allen Ob- jekten vorhanden. Die bauliche Qualität der Räumlichkeiten sowie die sicherheitsrelevante Ausstattung mit Schließanla- gen, Brandmeldeanlagen oder Kameras zur Über- wachung des Zugangs sind größtenteils positiv zu bewerten. Lüftungsanlagen, um Raumfeuchtig- keit zu vermeiden, sind überwiegend vorhanden. Die bauliche Struktur mancher Objekte sowie die hohen Investitionskosten verhindern teilweise einen flächendeckenden Einbau von Lüftungsan- lagen. Heizungen befinden sich nur in etwa der Hälfte der Proberäume, aufgrund der guten Iso- lierung insbesondere neuerer Räume sind diese allerdings oftmals nicht notwendig. Die Mietkosten der Räume variieren mit der Quali- tät des Angebotes und liegen auf den Quadrat- meter umgerechnet in einem Preisspektrum von 10 Euro bis zu knapp 30 Euro Warmmiete pro Quadratmeter. Die preisliche Differenzierung spie- gelt dabei nicht immer die angebotene Qualität der Räume wider. Kleine Räume sind – ähnlich wie auf dem Wohnungsmarkt – proportional teurer als große oder sehr große Räume. Durchschnittlich sind die Proberäume bei profes- sionellen Anbietern in Köln mit zwei bis drei Bands mehrfach belegt. Diese Mehrfachbelegung ist bei Anbietern, die nach dem Sharing-Prinzip arbei- ten, nochmals höher und liegt zwischen vier und sechs Bands pro Raum. Zudem gibt es eine ganze Reihe von professionellen Bands sowie Einzelmu- siker*innen, die teilweise auch Musikunterricht in den Räumen anbieten. Aufgrund der hohen Nut- zungsfrequenz dieser Klientel sind diese Räume nur einmal belegt. Die meisten Zentren sind aktuell fast vollständig ausgelastet. Nur bei den teuersten Anbietern sind punktuell komplett freie Proberäume für Neuver - mietungen verfügbar. Die Besetzung einer freien Proberaumkapazität erfolgt bei den meisten An- bietern dadurch, dass ein bisheriger Untermieter 28 neuer Hauptmieter des Proberaums wird. Die ent- standene Belegungslücke in einem Proberaum wird dann entweder durch die Belegung aus dem Netzwerk der Musiker*innen oder über die teil- weise vorhandenen Wartelisten der Betreiber ge- schlossen. Dies geschieht nach Aussage der Be- treiber stets nahtlos. Die befragten Proberaumanbieter berichten von durchschnittlich zehn Mietanfragen pro Monat. Die Mehrheit der Proberaumanbieter ist deshalb gewillt, das eigene Raumangebot zu erweitern. Der Zugang zu einem passenden Objekt bzw. einer geeigneten Fläche stellt jedoch eine große Hürde dar. Zudem erfordern die mittlerweile ho- hen Sicherheitsauflagen eine große Investitions- summe, die die Refinanzierung eines solchen Vor- habens erschwert. Aufgrund der sehr geringen Fluktuation in den Kölner Proberaumzentren und der steten Nach- frage nach als gut empfundenen Proberäumen vonseiten der Musiker*innen kann von einem un- zureichenden Angebot an Proberäumen in Köln ausgegangen werden. Der Wunsch, die eigenen Proberaumkapazitäten zu erweitern, deutet auf ein konservativ geschätztes Potenzial von mindes- tens 50 und bis zu 100 zusätzlichen Räumen hin, die nötig sind, um die hohe Nachfrage zu bedie- nen. Etwaige Schließungen bestehender Zentren würden den konservativ geschätzten Bedarf zu- sätzlich erhöhen. 29 8 Handlungsempfehlungen Ein angemessener Bestand an Proberäumen für Bands ist eine Grundvoraussetzung für ein viel- fältiges Kulturangebot der Stadt Köln. Die Räu- me sind das elementare Arbeitsumfeld für junge und bereits etablierte Künstler*innen zur Erpro- bung und Professionalisierung ihres musikalischen Schaffens. Die vorliegende Untersuchung hat ge- zeigt, dass das bestehende Proberaumangebot in Köln nahezu vollständig ausgelastet ist und die Anbieter die regelmäßigen Anfragen nach freien Raumkapazitäten nicht vollständig bedienen kön- nen. Die fehlende Versorgung mit qualitativ guten und bezahlbaren Proberäumen wird daher sowohl in den Berichten des Kulturamtes der Stadt Köln als auch im Kulturentwicklungsplan thematisiert. Die Stadt Köln hat im Jahr 2018 bei Stadtentwick- lungsmaßnahmen einen Fokus auf die grundsätz- liche Integration von kreativen und kulturellen Raumbedarfen gelegt. Hierzu gehören auch die Flächen und Örtlichkeiten, in denen Proberäume untergebracht sind. Gerade bei großen Stadtentwicklungsmaßnah- men wie beispielsweise im Deutzer Hafen, der Parkstadt Süd auf dem Gelände des Großmark- tes oder in Mülheim sollten Standorte für Probe- raumnutzungen geschaffen werden. Die aktuelle Verteilung der bestehenden Proberaumzentren zeigt, dass sowohl in der Südstadt als auch in den unmittelbar rechtsrheinischen Stadtgebieten nur wenige Räume im Bestand vorhanden sind. Die innenstadtnahe Lage sowie die gute Verkehrs- anbindung dieser drei Stadtentwicklungsgebiete sind ideale Grundvoraussetzungen dort zukünfti- ge Angebote zu schaffen. Eine Möglichkeit, um Räume für kulturelle und kreative Nutzungen zu ermöglichen ist auf Kon- zeptvergaben zu setzen. Dieses Vorgehen wird für den Wohnungsbau bereits seit dem Jahr 2016 in Köln umgesetzt. Im Zentrum eines solchen Verfah- rens steht der Gedanke, dass Grundstücke oder Gebäude nicht an den Höchstbietenden vergeben werden, sondern an den Anbieter mit dem besten Konzept, das neben der notwendigen Schaffung von Wohnraum zukünftig auch Kulturräume be- inhaltet. Wiederum können Flächen, die sich im städtischen Bestand befinden durch die Vergabe von Erbpachtverträgen Nutzern überlassen wer - den, die kreative und kulturelle Räume betreiben oder schaffen möchten. Eine weitere Möglichkeit in ihrem Fortbestand bedrohte Räume zu erhal- ten ist der Erwerb dieser Flächen durch städtische Mittel. Die vorliegende Untersuchung will dazu beitra- gen, den aktuellen Bestand an Proberäumen im Stadtgebiet zu erfassen. Aufgrund der Ergebnisse dieser Untersuchung empfiehlt es sich, die Nut- zungen in das aktuell entstehende Kataster für kulturelle Nutzungen zu integrieren, damit bei Stadtentwicklungsmaßnahmen die Bestände in den Planungen berücksichtigt werden können. Anhand festgeschriebener Planungsverfahren kann die Integration von Proberaumzentren über- prüft und es können neue Flächen erschlossen werden. Insbesondere in Gewerbegebieten sind Raumpotenziale aus stillgelegten Industriebe- trieben vorhanden, die aufgrund ihrer baulichen Struktur für Proberäume geeignet sind. 30 Anhand der Untersuchung des Angebotes pro- fessioneller Proberaumzentren und der daraus gewonnenen Erkenntnisse wurden die folgenden Handlungsempfehlungen erstellt. Diese erste Auf- listung an Empfehlungen dient der Erhaltung von bestehenden Proberäumen und soll gleichzeitig Möglichkeiten aufzeigen, wie sich neue Räume schaffen lassen. Handlungsempfehlungen für den Bestand • Beibehaltung und Aufstockung von Baukostenzuschüssen • Unterstützung bei Nutzungskonflikten, bzw. bei heranrückender Wohnbebauung • Aufkauf von Flächen, die im Bestand bedroht sind • Öffnung von Schallschutzfonds auch für Proberaumzentren • Finanzielle Unterstützung bei Sicherheits- auflagen • Stadtentwicklungsmaßnahmen, die den Bestand integrieren • Schaffung eines Portals für Proberaum- angebote in Köln Handlungsempfehlungen für die Schaffung von Räumen und Flächen • Überprüfung der Nutzbarkeit von städtischen Gebäuden und Liegenschaften • Zurverfügungstellung städtischer Flächen für die Errichtung neuer Proberäume • Konzeptvergaben und langfristige Mietverträ- ge/Erbpachtverträge für kreative Nutzungen • Stadtentwicklungsmaßnahmen, die Räume für kreative Nutzungen stärker berücksichtigen und miteinplanen • Überprüfung der Eignung vorhandener Gebäude in Stadtentwicklungsgebieten • Erleichterungen bei der Genehmigung kreativer Zwischennutzungen • Konversion von ungenutzten Büroflächen 31 LITERATURVERZEICHNIS: Biedermann, Markus: Problematische Proberaum-Situation? So beurteilen Bands und Musiker die Lage wirklich! In: Backstage Pro vom 31.07.2014. http://www.backstagepro.de/thema/prob- lematische-proberaum-situation-so-beurteilen-bands-und-musi- ker-die-lage-wirklich-2014-07-31-SXHbg327Ty . Zuletzt abgerufen am 06.05.2018 Bons, Katharina: Kein Platz für Musik. In: Welt vom 03.08.2012. https://www.welt.de/regionales/duesseldorf/article108471035/ Kein-Platz-fuer-Musik.html. Zuletzt abgerufen am 04.06.2018 Christ, Tobias: Popkultur Köln Neue Refugien für die Kreativen. In: Kölner Stadtanzeiger vom 12.03.2014. https://www.ksta.de/ koeln/-popkultur-koeln-neue-refugien-fuer-die-kreativen-910516. Zuletzt abgerufen am 06.05.2018 Dinger, Alex: Der Traum vom Raum. In: 371 Stadtmagazin vom 01.05.2009. http://www.371stadtmagazin.de/371magazin/ items/saechsische-kulturlandschaft.html. Zuletzt abgerufen am 15.05.2018 Flick, Uwe (2011) Triangulation. Eine Einführung. Qualitative Sozialforschung, Band 12, 3. Verlag für Sozialwissenschaften. Wiesbaden. 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Mitteilung Ausschuss
3969 Zeichen
Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle VII/41/41/2 Vorlagen-Nummer 04.09.2019 3064/2019 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Ausschuss Kunst und Kultur 17.09.2019 Projektbericht: Qualitative und quantitative Bestandsermittlung und Evaluation der Proberaumsituation in Köln In der Sitzung des Kulturausschusses vom 07.05.2019 wurde im Spartenbericht Popkultur auf die Erstellung eines Berichts zur Proberaumsituation in Köln hingewiesen. Dieser liegt nun vor und wird in der Anlage zur Kenntnis vorgelegt. Die umfangreiche Untersuchung wurde vom Popkultur Köln e.V. mit Hilfe einer Förderung des Kulturamts Köln in Auftrag gegeben. Auftragnehmer ist der SocioColog- ne e.V., der dem Institut für Soziologie und Sozialpsychologie der Universität zu Köln assoziiert ist. Die Ergebnisse der Untersuchung sind ab Seite 26 zusammengefasst, aus Sicht der Kulturverwaltung sind dies die folgenden Punkte: - Es wurden ca. 400 Proberäume professioneller Anbieter im Stadtgebiet Köln erfasst. - Das Raumangebot bewegt sich einem Preisspektrum von 10 bis knapp 30 EUR pro Quadrat- meter. - Die meisten Räume sind mehrfach belegt, die Zentren sind fast vollständig ausgebucht. - Ausgehend von den Befragungen der Betreiber von Proberäumen geht die Untersuchung von einem aktuellen Bedarf an 50 bis 100 zusätzlichen Proberäumen für Köln aus. Die Kulturverwaltung nimmt zu den Ergebnissen der Untersuchung wie folgt Stellung: Nach Auffassung des Kulturamts zeigt die Studie, dass die Ausrichtung der Proberaumförderung, wie sie im Popkulturförderkonzept beschrieben ist und wie sie seit Jahrzehnten praktiziert wird, den Ge- gebenheiten der Popkultur-Szene entspricht. Die Proberäumförderung verfolgt das Ziel der Stärkung der Strukturen und Rahmenbedingungen der Popkultur-Szene in Köln. Gefördert werden Anbieter von Proberäumen bei der Erschließung und Ertüchtigung von Proberäumen, z.B. der Einrichtung von ein- zelnen Proberäumen in größeren Hallen durch Umsetzung eines Raum in Raum Konzeptes oder bei der Umsetzung von Maßnahmen des Schallschutzes. Um eine Förderung erhalten zu können müs- sen die Anbieter bestimmte Kriterien erfüllen: Miethöhen für die Bands müssen moderat und am Miet- spiegel orientiert sein; es muss eine Bestätigung des Eigentümers einer längerfristigen Nutzung des Standortes als Proberaum(zentrum) vorgelegt werden. Die Förderung mit Mietzuschüssen direkt an Bands und Musiker ist für die Popkulturszene – wie die Untersuchung gezeigt hat – nicht praktikabel. Hiergegen spricht die sehr hohe Anzahl der Bands und Musiker, die hohe Fluktuation und die gängige Praxis der Unter- und Drittvermietung der Bands untereinander. Die Untersuchung hat auch gezeigt, dass die Förderung für den Popkultur Köln e.V. in der Umset- zung seines Proberaumangebots eine Sicherung von Qualitäts- und Preisstandards darstellt. Immer- hin können über das Angebot des Popkultur Köln e.V. ca. 80 Proberäume städtisch gefördert werden. Die Verwaltung ist bemüht, das Angebot an städtisch geförderten Proberäumen zu erhöhen; langfris- tig wäre eine Anzahl von 100 geförderten Räumen wünschenswert. Hierzu sind zusätzliche Haus- haltsmittel erforderlich. Die Förderung sollte nach Auffassung des Kulturamts vor allem Zentren von Musikerinitiativen, die Probe- und Produktionsstätten zusammendenken, im Fokus haben und diese 2 bei der Erschließung neuer Standorte unterstützen. Für solche Nutzungskonzepte sind langfristige Nutzungen an einem Standort und Synergien für die Szene zu erwarten. Fast alle Handlungsempfehlungen „für den Bestand“ werden bereits umgesetzt. Die Handlungsempfehlungen „für die Schaffung von Räumen und Flächen“ sind im größeren Kontext der Stadtentwicklung zu sehen. Hier agiert das Kulturamt sowohl als Schnittstelle in die anderen Dienststellen für bestehende Nutzungskonzepte als auch als Hinweisgeber über neue Entwicklungen in die Szene hinein. Gez. Laugwitz-Aulbach
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 3064/2019
- Typ
- Mitteilung Ausschuss
- Datum
- 04.09.2019
- Erstellt
- 02.09.2019 15:52