Mandari Insight

V/0692/2015

Umsetzung des ehrenamtlichen Streetwork-Projektes "Marischa"

Vorlagen 01.09.2015

KI-Zusammenfassung

Klicken Sie, um eine KI-Zusammenfassung dieses Vorgangs zu erstellen.

KI-Analyse läuft...

vergangen

Was passiert gerade?

  • 📄 Dokumente werden analysiert...
  • 🤔 KI denkt nach (Reasoning-Modell)...
  • ✍️ Zusammenfassung wird geschrieben...
  • ⏳ Das dauert etwas länger bei komplexen Dokumenten...

Dieser Vorgang kann 1-3 Minuten dauern. Bitte lassen Sie die Seite geöffnet.

Nächste Beratung: Ausschuss für Soziales, Stiftungen, Gesundheit, Verbraucherschutz und Arbeitsförderung, Sitzung am 28.10.2015, TOP 10

Berichtsvorlage

· application/pdf

Ansehen

Berichtsvorlage

9906 Zeichen

V/0692/2015 
DER OBERBÜRGERMEISTER 
Amt für Gesundheit, Veterinär- und 
Lebensmittelangelegenheiten 
 
 
 
 
 
 
 
Betrifft 
 
Umsetzung des ehrenamtlichen Streetwork-Projektes "Marischa" 
 
 
 
Beratungsfolge 
 
 
22.10.2015 Ausschuss für Gleichstellung Bericht 
28.10.2015 Ausschuss für Soziales, Stiftungen, Gesundheit, Verbraucherschutz und 
 Arbeitsförderung Bericht 
 
 
Bericht: 
 
1. Ausgangssituation 
Das Projekt Marischa wurde im Frühjahr 2013 in Münster von zwei Münsteraner Studierenden 
initiiert und wird mittlerweile von weiteren ehrenamtlich Tätigen unterstützt. Die Mitarbeiterinnen 
und Mitarbeiter von Marischa leisten aufsuchende Arbeit am Straßenstrich mit dem Ziel, die Situ-
ation der Sexarbeiterinnen zu verbessern und den Frauen langfristig Ausstiegsperspektiven auf-
zuzeigen und zu ermöglichen.  
Bis Anfang 2015 waren die ehrenamtlichen Projektmitarbeiter/innen bei SOLWODI Deutschland 
e.V.– „Solidarity with Women in Distress“ (Solidarität mit Frauen in Not) angebunden, einem ge-
meinnützigen Verein für Migrantinnen, die Opfer von Menschenhandel, Zwangsprostitution 
Zwangsheirat und anderen Formen von Gewalt und Ausbeutung geworden sind. SOLWODI 
Deutschland e.V. hatte für Marischa mit Schreiben vom 27.08.2014 bei der Stadt Münster die 
Förderung einer 0,5 Stelle für eine hauptamtliche Sozialarbeiterin beantragt (Anregung Nr. 2014-
00136).  
Der Rat hat im Zuge der Haushaltssatzung 2015 insgesamt 52.000 Euro für die Förderung dieses 
ehrenamtlichen Streetwork-Projekts für die Haushaltsjahre 2015 bis 2017 bereitgestellt.  
Durch den Umzug der zuständigen Ansprechpartnerin des SOLWODI Deutschland e.V. von Du-
isburg nach Boppard wurde den Ehrenamtlichen nach eigener Aussage der Zugang zu Beratung 
und zu den Spendengeldern immens erschwert. Dies veranlasste sie dazu, vor Ort nach einem 
anderen Kooperationspartner bzw. Anstellungsträger für die einzustellende hauptamtliche Kraft 
zu suchen. Sie nahmen Anfang Februar Kontakt zum Caritasverband für die Stadt Münster e.V. 
auf. Die Angliederungsverhandlungen waren nach Auskunft von Marischa zunächst erfolgver-
sprechend, zogen sich dann jedoch in die Länge und wurden Ende Juli 2015 auf Initiative von 
Marischa beendet.  
Die Projektvertreterinnen und –vertreter wandten sich daraufhin an das Gesundheitsamt und be-
antragten, das Projekt dort anzugliedern. Durch die bisherigen Gespräche und die fachliche Un-
terstützung hinsichtlich der Belange ihres Klientels hätten sie den Eindruck gewonnen, dass 
durch eine Anbindung des Projekts an das Gesundheitsamt die Arbeit verstetigt und weiterentwi-
 
Vorlagen-Nr.: 
  
V/0692/2015 
Auskunft erteilt: 
Frau Brosda 
Ruf: 
492-5361 
E-Mail: 
BrosdaM@stadt-muenster.de 
Datum: 
15.09.2015 
Öffentliche Berichtsvorlage

2 
V/0692/2015 
 
ckelt werden könne. Die vom Gesundheitsamt vorgestellte Berichtsvorlage 0736/2013 zur ge-
sundheitlichen Lage und Versorgungssituation der Sexarbeiterinnen in Münster habe bereits ver-
deutlicht, dass die Kooperation zwischen Gesundheitsamt und Marischa für Fortschritte im Be-
reich Gesundheit und Aufklärung der Frauen gesorgt habe.  
Mit den vom Rat bereit gestellten Fördermitteln sollen auf Wunsch von Marischa die Personal-
kosten für eine hauptamtliche, beim Gesundheitsamt angebundene Fachkraft (0,5 Stelle Sozial-
arbeiter/-in bzw. Sozialpädagoge/-in) für die Dauer einer 2-jährigen Projektlaufzeit finanziert wer-
den.  
Das Gesundheitsamt hat die ehrenamtlichen Projektvertreterinnen und –vertreter von Beginn an 
kontinuierlich begleitet und unterstützt die Bemühungen zur Stabilisierung und Sicherung des 
Projektes.  
 
 
2. Kurzbeschreibung des Projektes 
 
 Zielgruppe 
Die betroffenen Frauen in dem seit über 20 Jahren für Straßenprostitution bekannten Bereich 
(Siemensstraße / Robert-Bosch-Straße) sind zwischen 18 und 35 Jahre alt und kommen haupt-
sächlich aus Bulgarien. Ihre Situation ist von Fluktuation geprägt. Etwa zehn Frauen sind dort 
jede Nacht tätig, wobei die personelle Besetzung variiert und somit insgesamt bereits über zwan-
zig Frauen anzutreffen waren. Es handelt sich in diesen Fällen um Armutsprostitution, da sie als 
Roma bereits in ihrem Heimatland ethnisch diskriminiert wurden und keine Anstellung fanden. 
Ihre Lage ist kritisch. Aufgrund der EU-Osterweiterung sind die meisten Frauen zwar legal in 
Deutschland, doch wegen ihrer mangelnden Sprachkenntnisse und geringen Schulbildung haben 
sie so gut wie keine Chancen, auf dem deutschen Arbeitsmarkt eine Erwerbstätigkeit außerhalb 
der Prostitution zu finden. Das eingenommene Geld reicht häufig nicht für die Sicherung eines 
Existenzminimums. 
Aufgrund ihrer geringen Aufklärung über STIs (Sexual Transmitted Infections) existiert fast kein 
Bewusstsein für die Wichtigkeit von Hygiene- und Präventionsmaßnahmen, z. B. Benutzung von 
Kondomen. Prostitutionskunden, die ihre Dienstleistungen ohne Kondom in Anspruch nehmen 
möchten, haben so leichtes Spiel. Die meisten Frauen sind deshalb wiederholt an STIs erkrankt. 
 Unterstützungsangebote  
Der Beratungsansatz von Marischa ist ganzheitlich und klientinnenorientiert. Das Ziel ist Hilfe zur 
Selbsthilfe, um die Frauen zur Eigenständigkeit zu befähigen. Die Beratung erfolgt unabhängig 
davon, ob eine Frau aus der Prostitution aussteigen möchte oder nicht. Bei der aufsuchenden 
Arbeit werden den Frauen Kaffee und Gespräche angeboten und sie erhalten eine Visitenkarte 
mit Kontaktdaten in Form von E-Mail-Adresse und Telefonnummer, über die die ehrenamtlich 
Tätigen erreichbar sind. Zudem werden kostenlos Kondome verteilt.  
Mit Hilfe der aufsuchenden Arbeit ist in der bisherigen Laufzeit des Projektes ein kontinuierlicher 
und teils intensiver Kontakt zu einem Großteil der Zielgruppe aufgebaut worden. Ziel ist es, die 
Frauen in allen Lebenssituationen zu beraten, zu begleiten und in bereits existierende institutio-
nelle Angebote zu vermitteln, sodass sie in das gesundheitliche und soziale Feld Münsters inte-
griert werden können. Frauen, die aus der Prostitution aussteigen möchten und/oder Opfer von 
Gewalt bzw. von Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung sind, werden unter-
stützt. Die Frauen erhalten Hilfe im Gesundheitsbereich, da sie tätigkeitsbedingt häufig erkran-
ken. Hier besteht eine enge Kooperation mit der AIDS / STI-Beratung und –koordination des Ge-
sundheitsamtes. Ebenso erfolgt Hilfe in Bezug auf ihre Integration in die deutsche Gesellschaft 
(sprachlich, schulisch, beruflich, sozial) und – bei dafür geschaffenen Voraussetzungen – in den 
deutschen Arbeitsmarkt. Den betroffenen Frauen wird auf mehreren Ebenen und in mehreren 
Phasen der Notlage geholfen, dies beinhaltet gesundheitliche und psychosoziale Stabilisierung, 
Beratung und Begleitung bei allen Integrationsmaßnahmen. Grundsätzlich hat sich die Annahme 
bestätigt, dass eine reine Vermittlung zu Ämtern, Organisationen und Institutionen nicht aus-
reicht, sondern dass auch die Vereinbarung von Terminen in die jeweilige Einrichtung und die 
Begleitung dorthin von großer Bedeutung ist.

3 
V/0692/2015 
 
3. Aufgaben der hauptamtlichen Kraft  
Das Projekt Marischa wurde bisher ausschließlich ehrenamtlich geleitet, koordiniert und ausge-
führt. Durch den Einsatz einer hauptamtlichen Kraft soll die Projektarbeit professionalisiert wer-
den. Die einzustellende hauptamtliche Kraft wird folgende Aufgaben wahrnehmen:  
 
 Leitung, Betreuung und Koordination der ehrenamtlichen MitarbeiterInnen 
Das junge Team ist immer wieder Veränderungen ausgesetzt, da viele Ehrenamtliche Studieren-
de sind. Wegzug und Berufsanfang sowie die Einarbeitung neuer MitarbeiterInnen erfordern eine 
das Team einende und motivierende hauptamtliche Kraft, die auch die eigene Entwicklung der 
Ehrenamtlichen reflektiert (Umgang mit psychischen Belastungen, Stärkung von Selbst- und Ver-
antwortungsbewusstsein, Rolle und Selbstverständnis) und ihnen Grundkenntnisse der prakti-
schen Arbeit vermittelt. 
 
 Koordination und Begleitung der SprachmittlerInnen im Streetwork  
Der Gebrauch der Muttersprache, in Münster größtenteils Bulgarisch und ethnisch bedingt auch 
Türkisch, spielt eine entscheidende Rolle, um eine bessere Verständigung zu erzielen und um 
die Kontaktaufnahme zu erleichtern. Durch den Einsatz der Muttersprache wird den Frauen die 
bekannte Vertrautheit ihrer Heimat vermittelt, was ihnen Sicherheit gibt. Indem sie die Ausfüh-
rungen der Sozialarbeiterin richtig verstehen, führt dies zu einer größeren Aufmerksamkeit und 
Vertrautheit, was die Basis der Vermittlungsdienste des Projekts bildet. Die hauptamtliche Kraft 
wird den Einsatz der SprachmittlerInnen steuern und bei Bedarf begleiten und neue Sprachmittle-
rInnen  
einarbeiten. 
 
 Öffentlichkeits- und Netzwerkarbeit 
Die Präsenz bei zahlreichen Thementagen, der Erhalt des Dialogpreises und die Berichterstat-
tung diverser Radio- und Fernsehsender verhalfen dem Projekt Marischa zur öffentlichen Beach-
tung. Diese mediale Präsenz im Sinne einer Sensibilisierung der Gesellschaft für die Belange der 
Frauen auf dem Straßenstrich soll weiter ausgebaut werden. Auch die Kooperation mit örtlichen 
und überregionalen Beratungsstellen ist ein wichtiger Bestandteil der Arbeit.  
 
 Ergebnissicherung / Evaluation 
Die Projektarbeit soll kontinuierlich evaluiert werden. Ziel ist eine regelmäßige Reflexion der Ar-
beit, um die Aktualität des Angebots zu gewährleisten. 
 
 
4. Weiteres Verfahren  
Die Verwaltung wird das Projekt nunmehr in enger Abstimmung mit Marischa umsetzen. Mit den 
bereit gestellten Haushaltsmitteln kann die beantragte halbe Stelle im Gesundheitsamt über eine 
2-jährige Projektlaufzeit finanziert werden. Nach den bisherigen Erfahrungen können die entste-
henden Sachkosten in vollem Umfang aus Spendenmitteln gedeckt werden.  
Die Verwaltung wird zum Ende des Projektes einen Bericht vorlegen.  
 
 
 
In Vertretung 
 
gez. 
Cornelia Wilkens 
Stadträtin

Beratungsverlauf (2)

22.10.2015 Ausschuss für Gleichstellung
TOP 7 Bericht Entscheidung

Beschluss: zur Kenntnis genommen

Zur Sitzung
28.10.2015 Ausschuss für Soziales, Stiftungen, Gesundheit, Verbraucherschutz und Arbeitsförderung
TOP 10 Bericht Entscheidung

Beschluss: zur Kenntnis genommen

Zur Sitzung

Orte (2)

  • Siemensstraße
  • Robert-Bosch-Straße

Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.

Details

Aktenzeichen
V/0692/2015
Typ
Vorlagen
Datum
01.09.2015
Erstellt
06.10.2020 14:37