AN/1860/2017
Heinrich Böll im Stadtbild sichtbar machen
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Anlage_Wohnorte von Heinrich Böll
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Anlage zum Antrag Zitate zu den Wohnorten von Heinrich Böll Teutoburger Straße 26 (1917-1922) In der Teutoburger Straße hatten wir schön gespielt: im Römerpark, im Hindenburgpark, meistens auf der Straße, auf dem Bordstein sitzend, mit den Füßen in der Gosse, noch zu klein, um Hüpfen zu spielen, doch groß genug, um Ball zu spielen, zum Ärger jenes Herrn, der Kinder so wenig mochte wie Bälle und schlicht »Ballabnehmer« genannt wurde[…] Sie [die Teutoburgerstraße] lag nicht weit vom Rhein; im Herbst lag auf der Uferpromenade das Laub kniehoch, im Frühjahr stand dort Hochwasser, das auch die tiefergelegenen Gräben der alten Kasematte füllte, aus der der Hindenburgpark entstanden war, eine durch Rosenrabatten und Laubengänge geschmückte und getarnte ehemalige Festung. [Raderberg, Raderthal (1965)] Kreuznacherstraße 49 (1922-1930) Als ich vier Jahre alt war, zogen wir aus der Vorstadt in einen noch halb ländlichen Vorort. [...] Acht Jahre lang wohnten wir in dieser Straße, die von zwei »Lagern« bestimmt war, dem bürgerlichen und dem sozialistischen (das waren damals noch wirkliche Gegensätze!), oder von den »Roten« und den »besseren Leuten«. Ich habe nie, bis heute nicht begriffen, was an den besseren Leuten besser gewesen wäre oder hätte sein können. [Raderberg, Raderthal (1965)] Ubierring 27 (1930-1931) Unser Haus im Grünen mußte verkauft werden, und es blieb kein Pfennig von der Kaufsumme übrig. Wir waren verstört, zogen in eine große, zu große Wohnung am Ubierring in Köln, der damaligen Werkschule gegenüber. Gerichtsvollzieher, Gerichtsvollzieher, Kuckuck über Kuckuck. Wir rissen sie, solange sie noch frisch waren, ab, mißachteten diese vorläufige Besitzergreifung; später ließen wir sie, gleichgültig geworden, kleben, und es kam vor, daß es an manchen Möbelstücken (etwa am Klavier) regelrechte »Kuckucksnester« gab. [Der Husten meines Vaters (1977)] Maternusstraße 32 (1931 -1936) Wir wohnten nach einem weiteren Umzug innerhalb von zwei Jahren in der Maternusstraße Nr. 32, hatten uns gegenüber die triste Rückfront der damaligen Maschinenbauschule, waren immerhin nicht sehr weit vom Rhein entfernt, und vom Erkerfenster aus konnten wir das gotisierte dreigiebelige Lagerhaus der »Rhenus« sehen, das ich immer und immer wieder aquarellierte. Gleich um die Ecke den Römer-, nicht weit davon den Hindenburgpark, wo meine Mutter an schönen Tagen zwischen Arbeitslosen und Frührentnern sitzen konnte. [Was soll aus dem Jungen bloß werden? (1982)] Karolingerring 17 (1936-1942) So zogen wir im Jahr 1936 - zum dritten Mal innerhalb von sechs Jahren (es war der letzte Umzug des elterlichen Haushalts, den Rest besorgten die Bomben) - noch einmal um, und auf »der Flucht nach vorn« in eine etwas teurere Gegend, zum Karolingerring, in eine Wohnung, die dreißig Jahre vorher als »hochherrschaftlich« gebaut worden war. […] Wir hatten den verrückten, vielleicht sogar kriminellen Wunsch, zu leben und zu überleben. Wir schlugen uns durch. [Was soll aus dem Jungen bloß werden? (1982)] Kleingedankstraße 20 (jetzt: Volksgarten Str. 44a) (1942) Die beiden Kriegswohnungen, die ich nie so recht bewohnt habe, lagen beide Parks gegenüber; die erste, am Volksgarten, hatte hohe Räume, altmodische Stuckdecken, schöne Möbel und - das war das wichtigste - ein Telefon; […] Ich habe also nie in der Wohnung gewohnt, aber oft dort angerufen, um wenigstens die Stimme zu hören, über verbotene Leitungen, die ich durch Überredung oder Bestechung öffnete. [An einen Bischof, einen General und einen Minister des Jahrgangs 1917 (1966)] Neuenhöver Allee 38 (1942-1945) In unsere zweite Wohnung bekamen wir kein Telefon mehr genehmigt; ich glaube, wir hatten sie drei Jahre »inne«, und es mag sein, dass ich eineinhalb bis zwei dutzendmal dort geschlafen habe. Nach einigen Versuchen, dort so etwas wie Wohnung zu finden, mieden wir sie; jedesmal, wenn wir uns dort trafen, war ein besonders schwerer Bombenangriff fällig; wir fegten Glasscherben und Putz zusammen und fuhren am Morgen dann so rasch wie möglich in das Ahrweiler Hotel, wo wir wirklich, was bedeutet provisorisch, wohnten. [An einen Bischof, einen General und einen Minister des Jahrgangs 1917 (1966)] Schillerstraße 99 (1945-1954) Wir begannen in einem Trümmerhaus in der Schillerstraße in Köln-Bayenthal - schlichtweg als Hausbesetzer, wurden später zu Instandbesetzern. [...] Es war ein harter Winter, und wir schliefen, meistens zu fünfen, darunter mein fünfundsiebzigjähriger Vater, der des Landlebens überdrüssig war, gelegentlich auch zu sieben im späteren Schlafzimmer auf Pritschen, die aus geklauten Türen und Balken zurechtgezimmert waren. [Hoffentlich kein Heldenlied (1981)] Belvederestraße 35 (1954-1969) Der Vorort, in dem wir wohnen, ist immer noch Dorf. Kaum fünf Kilometer vom Stadtzentrum entfernt, erhält sich die Dörflichkeit aus geographischen Gründen. Jedenfalls im oberen Teil des Dorfes. Im Osten und Süden ist es durch zwei sehr verkehrsreiche Straßen fast wie durch Stacheldrahtverhaue geschützt, im Westen durch einen Grünstreifen, der nicht bebaut werden darf, im Norden durch die Bahnlinie Köln-Aachen, über die nur eine einzige schmale Brücke führt. [Stichworte, 1965] Hülchrather Sraße 7 (1969-1982) Der Stadtteil ist zum größten Teil nach 1890 erbaut; Zeit einer ersten Bodenspekulation; Jugendstilfassaden, die Straßennamen klingen noch nach dem Triumph, der damals erst zwanzig Jahre zurücklag und noch frisch im Ohr klang: Sedan, Wörth, Beifort, Weissenburg [...]. Es ist der Weg zurück in die Stadt, in die Vorstadt, zurück in eine mehr als dörfliche Stille, die sich hinter den Fassaden in riesigen, durch Mauern und Dachgärten verwinkelten Höfen verbirgt; aus der Schein-Individualität, der in Wirklichkeit total genormten Weekend- Gartenaktivität des Vororts im Grünen, zurück in die Anonymität, oder sollte man sagen: Urbanität? [Hülchrather Straße Nr. 7 (1972)]
Gem. Antrag nach § 3 (Grüne)
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SPD-Fraktion im Rat der Stadt Köln CDU-Fraktion im Rat der Stadt Köln Fraktion Bündnis90/Die Grünen im Kölner Rat Fraktion DIE LINKE im Rat der Stadt Köln FDP-Fraktion im Rat der Stadt Köln Wählergruppe GUT Wählergruppe BUNT An die Oberbürgermeisterin Frau Henriette Reker Eingang beim Büro der Oberbürgermeisterin: 07.12.2017 AN/1860/2017 Antrag gem. § 3 der Geschäftsordnung des Rates Gremium Datum der Sitzung Rat 19.12.2017 Heinrich Böll im Stadtbild sichtbar machen Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin, die Antragsteller bitten Sie, folgenden Ratsantrag auf die Tagesordnung der Sitzung des Rates am 19.12.2017 aufzunehmen: Der Rat der Stadt Köln beschließt: Beschluss: Aus Anlass des 100. Geburtstag des Literaturnobelpreisträgers und Kölner Ehrenbürgers Heinrich Böll am 21.12. 2017 beschließt der Rat, Heinrich Böll in „seiner“ Stadt dauerhaft sichtbar zu machen und dazu in einem ersten Schritt folgende Maßnahme durchzuführen: 1. Der Rat beauftragt die Verwaltung mit der Entwicklung eines Konzepts, im öffentli- chen Raum an Heinrich Böll zu erinnern und dabei die wichtigsten Orte seines Schaf- fens in der Stadt sowie die grundlegenden Themen seines Werks darzustellen. Dazu wird die Verwaltung aufgefordert, einen Wettbewerb, z.B. in Form eines Einladungs- wettbewerbs, durchzuführen und dazu den Kunstbeirat, Vertreter/innen der im Aus- schuss Kunst und Kultur stimmberechtigten Ratsfraktionen, das Böll-Archiv und die Erbengemeinschaft Böll einzubeziehen. 2. Das Konzept einschließlich eines Umsetzungsvorschlags wird dem Rat zur Be- schlussfassung vorgelegt. Begründung: Die Stadt Köln soll auf geeignete Weise Heinrich Böll, den Nobelpreisträger und Ehrenbürger der Stadt Köln, dauerhaft und sichtbar ehren und so ihn und sein Werk präsenter für die Bür- - 2 - gerinnen und Bürger der Stadt sowie für die vielen Besucherinnen und Besucher dauerhaft darstellen. Köln ist mit dem Leben und Werk Heinrich Bölls untrennbar verbunden. Er wurde 1917 in der Kölner Südstadt geboren und lebte bis kurz vor seinem Lebensende in dieser Stadt. Für Böll gab es drei Köln. Die unzerstörte Stadt seiner Kindheit und Jugend vor dem Zweiten Weltkrieg, die durch Bombenangriffe zerstörte Stadt und die wiederaufgebaute Stadt nach 1945. Vor allem bildete die vor dem Krieg intakte Südstadt und das kriegszerstörte Köln Stoff für seine literarische Arbeit. Die Themen Wohnen, Nachbarschaft und Heimat – wie er sie nicht zuletzt in seinen Frank- furter Poetik-Vorlesungen beschrieb - bildeten die Grundlage seines Schreibens. Im Mittel- punkt seiner Aufmerksamkeit stehen der Alltag und das Alltägliche in seinen konkreten Er- scheinungsformen, wie er sie täglich vorfand. Dabei beklagte er vor allem, dass „das Leben als solches kaum als Wert erkannt wird, und damit auch nicht das gemeinsame Leben oder das Zusammenleben“. Der in diesem Satz enthaltene Appell ist eine dauerhafte Aufforderung an die Stadtgesell- schaft, das Zusammenleben aller Menschen in der Stadt in der gewachsenen und weiter wachsenden Vielfalt zu gestalten. Anlage: Kölner Wohnorte von Heinrich Böll Mit freundlichen Grüßen gez. Dr. Barbara Lübbecke SPD-Fraktionsgeschäftsführerin gez. Niklas Kienitz CDU-Fraktionsgeschäftsführer gez. Jörg Frank GRÜNE-Fraktionsgeschäftsführer gez. Ulrich Breite FDP-Fraktionsgeschäftsführer gez. Michael Weisenstein Fraktionsgeschäftsführer DIE LINKE gez. Thor Zimmermann Wählergruppe GUT gez. Thomas Hegenbarth Wählergruppe BUNT
Beratungsverlauf (1)
Orte (10)
- Teutoburger Straße 26
- Maternusstraße 32
- Kleingedankstraße 20
- Schillerstraße 99
- Belvederestraße 35
- Hülchrather Straße
- Ubierring 27
- Karolingerring 17
- Straße 2
- Straße 4
Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.
Details
- Aktenzeichen
- AN/1860/2017
- Typ
- Gem. Antrag nach § 3 (Grüne)
- Datum
- 07.12.2017
- Erstellt
- 07.12.2017 09:19