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AN/1860/2017

Heinrich Böll im Stadtbild sichtbar machen

Gem. Antrag nach § 3 (Grüne) 07.12.2017

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Nächste Beratung: Rat, Sitzung am 19.12.2017, TOP 3.1.1

Anlage_Wohnorte von Heinrich Böll

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Gem. Antrag nach § 3 (Grüne)

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Anlage_Wohnorte von Heinrich Böll

5997 Zeichen

Anlage zum Antrag 
 
Zitate zu den Wohnorten von Heinrich Böll 
 
Teutoburger Straße 26 
(1917-1922) 
In der Teutoburger Straße hatten wir schön gespielt: im Römerpark, im Hindenburgpark, 
meistens auf der Straße, auf dem Bordstein sitzend, mit den Füßen in der Gosse, noch zu 
klein, um Hüpfen zu spielen, doch groß genug, um Ball zu spielen, zum Ärger jenes Herrn, 
der Kinder so wenig mochte wie Bälle und schlicht »Ballabnehmer« genannt wurde[…] Sie 
[die Teutoburgerstraße] lag nicht weit vom Rhein; im Herbst lag auf der Uferpromenade das 
Laub kniehoch, im Frühjahr stand dort Hochwasser, das auch die tiefergelegenen Gräben 
der alten Kasematte füllte, aus der der Hindenburgpark entstanden war, eine durch 
Rosenrabatten und Laubengänge geschmückte und getarnte ehemalige Festung.  
[Raderberg, Raderthal (1965)] 
 
Kreuznacherstraße 49 
(1922-1930) 
Als ich vier Jahre alt war, zogen wir aus der Vorstadt in einen noch halb ländlichen Vorort. 
[...] Acht Jahre lang wohnten wir in dieser Straße, die von zwei »Lagern« bestimmt war, dem 
bürgerlichen und dem sozialistischen (das waren damals noch wirkliche Gegensätze!), oder 
von den »Roten« und den »besseren Leuten«. Ich habe nie, bis heute nicht begriffen, was 
an den besseren Leuten besser gewesen wäre oder hätte sein können.  
[Raderberg, Raderthal (1965)] 
 
Ubierring 27 
(1930-1931) 
Unser Haus im Grünen mußte verkauft werden, und es blieb kein Pfennig von der 
Kaufsumme übrig. Wir waren verstört, zogen in eine große, zu große Wohnung am Ubierring 
in Köln, der damaligen Werkschule gegenüber. 
Gerichtsvollzieher, Gerichtsvollzieher, Kuckuck über Kuckuck. Wir rissen sie, solange sie 
noch frisch waren, ab, mißachteten diese vorläufige Besitzergreifung; später ließen wir sie, 
gleichgültig geworden, kleben, und es kam vor, daß es an manchen Möbelstücken (etwa am 
Klavier) regelrechte »Kuckucksnester« gab.  
[Der Husten meines Vaters (1977)] 
 
Maternusstraße 32 
(1931 -1936) 
Wir wohnten nach einem weiteren Umzug innerhalb von zwei Jahren in der Maternusstraße 
Nr. 32, hatten uns gegenüber die triste Rückfront der damaligen Maschinenbauschule, waren 
immerhin nicht sehr weit vom Rhein entfernt, und vom Erkerfenster aus konnten wir das 
gotisierte dreigiebelige Lagerhaus der »Rhenus« sehen, das ich immer und immer wieder 
aquarellierte. Gleich um die Ecke den Römer-, nicht weit davon den Hindenburgpark, wo 
meine Mutter an schönen Tagen zwischen Arbeitslosen und Frührentnern sitzen konnte. 
[Was soll aus dem Jungen bloß werden? (1982)] 
 
Karolingerring 17 
(1936-1942) 
So zogen wir im Jahr 1936 - zum dritten Mal innerhalb von sechs Jahren (es war der letzte 
Umzug des elterlichen Haushalts, den Rest besorgten die Bomben) - noch einmal um, und 
auf »der Flucht nach vorn« in eine etwas teurere Gegend, zum Karolingerring, in eine 
Wohnung, die dreißig Jahre vorher als »hochherrschaftlich« gebaut worden war. […] Wir 
hatten den verrückten, vielleicht sogar kriminellen Wunsch, zu leben und zu überleben. Wir 
schlugen uns durch. 
[Was soll aus dem Jungen bloß werden? (1982)]

Kleingedankstraße 20 (jetzt: Volksgarten Str. 44a) 
(1942) 
Die beiden Kriegswohnungen, die ich nie so recht bewohnt habe, lagen beide Parks 
gegenüber; die erste, am Volksgarten, hatte hohe Räume, altmodische Stuckdecken, schöne 
Möbel und - das war das wichtigste - ein Telefon; […] Ich habe also nie in der Wohnung 
gewohnt, aber oft dort angerufen, um wenigstens die Stimme zu hören, über verbotene 
Leitungen, die ich durch Überredung oder Bestechung öffnete.  
[An einen Bischof, einen General und einen Minister des Jahrgangs 1917 (1966)] 
 
Neuenhöver Allee 38 
(1942-1945) 
In unsere zweite Wohnung bekamen wir kein Telefon mehr genehmigt; ich glaube, wir hatten 
sie drei Jahre »inne«, und es mag sein, dass ich eineinhalb bis zwei dutzendmal dort 
geschlafen habe. Nach einigen Versuchen, dort so etwas wie Wohnung zu finden, mieden 
wir sie; jedesmal, wenn wir uns dort trafen, war ein besonders schwerer Bombenangriff fällig; 
wir fegten Glasscherben und Putz zusammen und fuhren am Morgen dann so rasch wie 
möglich in das Ahrweiler Hotel, wo wir wirklich, was bedeutet provisorisch, wohnten.  
[An einen Bischof, einen General und einen Minister des Jahrgangs 1917 (1966)] 
 
Schillerstraße 99 
(1945-1954) 
Wir begannen in einem Trümmerhaus in der Schillerstraße in Köln-Bayenthal - schlichtweg 
als Hausbesetzer, wurden später zu Instandbesetzern. [...] Es war ein harter Winter, und wir 
schliefen, meistens zu fünfen, darunter mein fünfundsiebzigjähriger Vater, der des 
Landlebens überdrüssig war, gelegentlich auch zu sieben im späteren Schlafzimmer auf 
Pritschen, die aus geklauten Türen und Balken zurechtgezimmert waren.  
[Hoffentlich kein Heldenlied (1981)] 
 
Belvederestraße 35  
(1954-1969) 
Der Vorort, in dem wir wohnen, ist immer noch Dorf. Kaum fünf Kilometer vom Stadtzentrum 
entfernt, erhält sich die Dörflichkeit aus geographischen Gründen. Jedenfalls im oberen Teil 
des Dorfes. Im Osten und Süden ist es durch zwei sehr verkehrsreiche Straßen fast wie 
durch Stacheldrahtverhaue geschützt, im Westen durch einen Grünstreifen, der nicht bebaut 
werden darf, im Norden durch die Bahnlinie Köln-Aachen, über die nur eine einzige schmale 
Brücke führt. 
[Stichworte, 1965] 
 
Hülchrather Sraße 7 
(1969-1982) 
Der Stadtteil ist zum größten Teil nach 1890 erbaut; Zeit einer ersten Bodenspekulation; 
Jugendstilfassaden, die Straßennamen klingen noch nach dem Triumph, der damals erst 
zwanzig Jahre zurücklag und noch frisch im Ohr klang: Sedan, Wörth, Beifort, Weissenburg 
[...]. Es ist der Weg zurück in die Stadt, in die Vorstadt, zurück in eine mehr als dörfliche 
Stille, die sich hinter den Fassaden in riesigen, durch Mauern und Dachgärten verwinkelten 
Höfen verbirgt; aus der Schein-Individualität, der in Wirklichkeit total genormten Weekend-
Gartenaktivität des Vororts im Grünen, zurück in die Anonymität, oder sollte man sagen: 
Urbanität? 
[Hülchrather Straße Nr. 7 (1972)]

Gem. Antrag nach § 3 (Grüne)

3562 Zeichen

SPD-Fraktion im Rat der Stadt Köln 
CDU-Fraktion im Rat der Stadt Köln 
Fraktion Bündnis90/Die Grünen im Kölner Rat 
Fraktion DIE LINKE im Rat der Stadt Köln 
FDP-Fraktion im Rat der Stadt Köln 
Wählergruppe GUT 
Wählergruppe BUNT 
 
 
An die Oberbürgermeisterin 
Frau Henriette Reker 
 
 
 
 
Eingang beim Büro der Oberbürgermeisterin: 07.12.2017 
 
AN/1860/2017 
 
Antrag gem. § 3 der Geschäftsordnung des Rates 
Gremium Datum der Sitzung 
Rat 19.12.2017 
 
Heinrich Böll im Stadtbild sichtbar machen 
Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin, 
 
die Antragsteller bitten Sie, folgenden Ratsantrag auf die Tagesordnung der Sitzung des 
Rates am 19.12.2017 aufzunehmen:  
 
Der Rat der Stadt Köln beschließt: 
 
Beschluss: 
 
Aus Anlass des 100. Geburtstag des Literaturnobelpreisträgers und Kölner Ehrenbürgers 
Heinrich Böll am 21.12. 2017 beschließt der Rat, Heinrich Böll in „seiner“  Stadt dauerhaft 
sichtbar zu  machen und dazu in einem ersten Schritt folgende Maßnahme durchzuführen: 
 
1. Der Rat beauftragt die Verwaltung mit der Entwicklung eines Konzepts, im öffentli-
chen Raum an Heinrich Böll zu erinnern und dabei die wichtigsten Orte seines Schaf-
fens in der Stadt sowie die grundlegenden Themen seines Werks darzustellen. Dazu 
wird die Verwaltung aufgefordert, einen Wettbewerb, z.B. in Form eines Einladungs-
wettbewerbs, durchzuführen und dazu den Kunstbeirat, Vertreter/innen der im Aus-
schuss Kunst und Kultur stimmberechtigten Ratsfraktionen, das Böll-Archiv und die 
Erbengemeinschaft Böll einzubeziehen.  
 
2. Das Konzept einschließlich eines Umsetzungsvorschlags wird dem Rat zur Be-
schlussfassung vorgelegt. 
 
 
Begründung: 
 
Die Stadt Köln soll auf geeignete Weise Heinrich Böll, den Nobelpreisträger und Ehrenbürger 
der Stadt Köln, dauerhaft und sichtbar ehren und so ihn und sein Werk präsenter für die Bür-

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gerinnen und Bürger der Stadt sowie für die vielen Besucherinnen und Besucher dauerhaft 
darstellen. 
 
Köln ist mit dem Leben und Werk Heinrich Bölls untrennbar verbunden. Er wurde 1917 in der 
Kölner Südstadt geboren und lebte bis kurz vor seinem Lebensende in dieser Stadt.  
Für Böll gab es drei Köln. Die unzerstörte Stadt seiner Kindheit und Jugend vor dem Zweiten 
Weltkrieg, die durch Bombenangriffe zerstörte Stadt und die wiederaufgebaute Stadt nach 
1945. Vor allem bildete die vor dem Krieg intakte Südstadt und das kriegszerstörte Köln Stoff 
für seine literarische Arbeit.  
 
Die Themen Wohnen, Nachbarschaft und Heimat – wie er sie nicht zuletzt in seinen Frank-
furter Poetik-Vorlesungen beschrieb - bildeten die Grundlage seines Schreibens. Im Mittel-
punkt seiner Aufmerksamkeit stehen der Alltag und das Alltägliche in seinen konkreten Er-
scheinungsformen, wie er sie täglich vorfand. Dabei beklagte er vor allem, dass „das Leben 
als solches kaum als Wert erkannt wird, und damit auch nicht das gemeinsame Leben oder 
das Zusammenleben“.  
Der in diesem Satz enthaltene Appell ist eine dauerhafte Aufforderung an die Stadtgesell-
schaft, das Zusammenleben aller Menschen in der Stadt in der gewachsenen und weiter 
wachsenden Vielfalt zu gestalten. 
 
Anlage: Kölner Wohnorte von Heinrich Böll 
 
Mit freundlichen Grüßen 
 
gez. Dr. Barbara Lübbecke 
SPD-Fraktionsgeschäftsführerin 
gez. Niklas Kienitz 
CDU-Fraktionsgeschäftsführer 
 
gez. Jörg Frank 
GRÜNE-Fraktionsgeschäftsführer 
 
gez. Ulrich Breite 
FDP-Fraktionsgeschäftsführer 
 
 
gez. Michael Weisenstein 
Fraktionsgeschäftsführer DIE LINKE 
 
gez. Thor Zimmermann 
Wählergruppe GUT 
gez. Thomas Hegenbarth 
Wählergruppe BUNT

Beratungsverlauf (1)

19.12.2017 Rat
TOP 3.1.1 Entscheidung Entscheidung

Beschluss: ungeändert beschlossen

Zur Sitzung

Orte (10)

  • Teutoburger Straße 26
  • Maternusstraße 32
  • Kleingedankstraße 20
  • Schillerstraße 99
  • Belvederestraße 35
  • Hülchrather Straße
  • Ubierring 27
  • Karolingerring 17
  • Straße 2
  • Straße 4

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Details

Aktenzeichen
AN/1860/2017
Typ
Gem. Antrag nach § 3 (Grüne)
Datum
07.12.2017
Erstellt
07.12.2017 09:19