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AN/0478/2025

Anfrage des FachAK 3 zur Förderung der natürlichen Mehrsprachigkeit als Instrument zur Verbesserung der Schulerfolge

Anfrage nach § 4 der GeschO des Rates 28.04.2025

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Nächste Beratung: Integrationsrat, Sitzung am 06.05.2025, TOP 4.1

Anfrage des Facharbeitskreises 3 betreffend Mehrsprachigkeit und Schulerfolge

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Anfrage des Facharbeitskreises 3 betreffend Mehrsprachigkeit und Schulerfolge

8009 Zeichen

Facharbeitskreis 3 des Integrationsrates 
 
An den  
Vorsitzenden des Integrationsrates 
Herrn T ayfun Keltek 
 
An die  
Geschäftsstelle des Integrationsrates 
Frau Dr. Gülşen D ikbaş 
 
 
Anfrage gem. § 4 der Geschäftsordnung des Integrationsrates 
 
Gremium Datum der Sitzung 
Integrationsrat 06.05.2025 
 
Anfrage zur Förderung der natürlichen Mehrsprachigkeit als Instrument zur 
Verbesserung der Schulerfolge 
 
Sehr geehrter Herr Vorsitzender, 
 
Spätestens mit dem sogenannten „PISA-Schock“ im Jahr 2001 stellte sich die Frage, 
wie Kinder und Jugendliche aus benachteiligten sozialen Schichten und/oder mit 
internationaler Familiengeschichte so unterstützt werden können, dass sie 
Chancengleichheit und  Bildungsgerechtigkeit erfahren. Der Landesintegrationsrat 
NRW veröffentlichte damals einen Kommentar, dessen Titel unsere Hoffnung 
ausdrücken sollte: „PISA macht alle w ach!“. Ergänzend wurde ein Sofortprogramm 
erarbeitet, in dem bildungspolitische Maßnahmen vorgeschlagen wurden. Die ersten 
beiden lauteten: 
 Koordinierte Alphabetisierung und mehrsprachiges Lernen in der Grundschule. 
 Deutschlernen und Mehrsprachigkeit in der Sekundarstufe. 
Mit dem Kölner Ratsbeschluss 1017/2022 „Identität stärken – natürliche 
Mehrsprachigkeit fördern!“ hat die Stadt Köln ein Positionspapier verabschiedet, das 
die Bedeutung der natürlichen Mehrsprachigkeit in unserer Gesellschaft betont. 
Herkunftssprachen - in der Regel die Erstsprachen von Kindern mit internationaler 
Familiengeschichte - sind eng mit Identität, Selbstwertgefühl und Zugehörigkeit 
verbunden. Ihre Ane rkennung und Förderung ist daher nicht nur ein Akt der 
Wertschätzung, sondern auch eine gesellschaftliche und wirtschaftliche 
Notwendigkeit. 
Zentrale Aussagen des Positionspapiers: 
 Identitätsstärkung: Die Herkunfts- bzw. Erstsprache ist T eil der kulturellen 
Identität. Ihre Missachtung kann die kindliche Entwicklung beeinträchtigen.

 Chancengerechtigkeit: Mehrsprachigkeit unterstützt das Erlernen weiterer 
Sprachen (z. B. Deutsch), fördert das metasprachl iche Bewusstsein, die 
kognitive Entwicklung und verbessert die Bildungschancen. 
 Bildungssystem: Kitas und Schulen sollen vorhandene Sprachpotenziale 
erkennen und fördern, anstatt sich ausschließlich auf Deutsch oder wenige 
„prestigeträchtige“ Sprachen zu konzentrieren. 
 Gesellschaftlicher Nutzen:  Mehrsprachigkeit ist weltweit die Norm. Sie stärkt 
interkulturelle Kompetenz und ist eine Schlüsselqualifikation in einer 
globalisierten Welt. 
 Politische und rechtliche Rahmenbedingungen:  Sowohl das Land NRW als 
auch die EU erkennen Mehrsprachigkeit als Bildungs- und Entwicklungschance 
an und fordern deren gezielte Förderung.1 
Natürliche Mehrsprachigkeit soll als Ressource verstanden und aktiv gefördert werden 
– nicht nur zur besseren Integration, sondern auch zum Nutzen der gesamten 
Gesellschaft. 
Der Integrationsrat der Stadt Köln bittet daher die Bezirksregierung Köln, Maßnahmen 
zur Förderung der natürlichen Mehrsprachigkeit als Instrument zur Verbesserung des 
Schulerfolgs zu prüfen. 
Vor diesem Hintergrund bittet der Integrationsrat der Stadt Köln die Verwaltung, 
die folgenden Fragen an die Bezirksregierung K öln mit der Bitte um  
Beantwortung weiterzuleiten: 
1. Welche Projekte, Programme und Strukturen fördern innerhalb der 
Bezirksregierung Köln die natürliche Mehrsprachigkeit von Schülerinnen und 
Schülern mit internationaler Familiengeschichte? (Bitte differenzie rt nach 
Schulform und Jahrgangsstufe). 
2. Wie viele dieser Schülerinnen und Schüler profitieren aktuell von den in Frage 
1 genannten Angeboten? Wie viele werden bislang nicht erreicht bzw. nicht 
gezielt gefördert? 
                                                                 
1 Teilhabe- und Integrationsgesetz NRW (2012) § 2, Absatz 3 : "Das Erlernen der deutschen Sprache ist für das 
Gelingen der Integration von zentraler Bedeutung und wird daher gefördert. Die Wertschätzung der 
natürlichen Mehrsprachigkeit ist ebenfalls von besonderer Bedeutung."  
Kinderbildungsgesetz NRW (KiBiz), SGB VIII (2014) § 13c / Absatz 1, Satz 3 und 4 : "Die Mehrsprachigkeit von 
Kindern ist anzuerkennen und zu fördern. Sie kann auch durch die Förderung in bilingualen 
Kindertageseinrichtungen oder bilingualer Kindertagespflege unterstützt werden."  
Die EU-Kommission hat in ihrem "Weißbuch zur allgemeinen und beruflichen Bildung"  von 1995 die 
Forderung formuliert, dass alle Schulabgänger*innen und Schüler*innen drei Gemei nschaftssprachen 
beherrschen sollen und dass demzufolge Kinder und Jugendliche im Laufe ihrer Schulzeit außer ihrer 
Erstsprache noch mindestens zwei weitere Sprachen lernen. Das kann zum Beispiel bedeuten: Deutsch als die 
Landessprache; als zweite Sprache die Herkunftssprache und Englisch als Weltsprache. Wenn in diese 
sprachenpolitische EU -Vorgabe die jeweils nichtdeutschen Herkunftssprachen eingebunden werden, dann 
haben die Schulen eine Perspektive, die den Anforderungen einer Migrationsgesellschaft ents pricht.

3. Wie nachhaltig ist die Finanzierung der genannten Maßnahmen gesichert? 
Welche Programme, Fördermittel oder Zuschüsse werden genutzt? 
4. Welche Maßnahmen und behördlichen Strukturen sorgen für die Bündelung 
und Koordination dieser Programme? Welche Akteurinnen und Akteuren sind in 
die Beratungs- und Entscheidungsprozesse eingebunden? 
5. Plant die Bezirksregierung Köln eine Ausweitung bestehender Projekte, 
Programme und Strukturen zur Förderung der natürlichen Mehrsprachigkeit? 
Begründung:  
Mehrsprachigkeit ist ein integraler Bestandteil des gesellschaftl ichen Lebens in 
Deutschland und NRW. Studien belegen ihren positiven Einfluss auf die kognitive 
Entwicklung, die emotionale Stabilität und den schulischen Erfolg.2 Schulen profitieren 
von einer besseren Zusammenarbeit mit Eltern, einem gestärkten 
Zugehörigkeitsgefühl bei den Schüler*innen und verbesserten Leistungen. Auch 
einsprachig aufwachsende Kinder können vom Kontakt mit mehrsprachigen Kontexten 
im Sinne des gemeinsamen Lernens profitieren. 
Trotz dieser Erkenntnisse fehlt es in der schulischen Praxis h äufig an Anerkennung 
und gezielter Förderung von Mehrsprachigkeit. Schulen sind oft überfordert mit den 
sprachlichen Herausforderungen, die mit zunehmender Diversität einhergehen. 
Studien wie PISA, IGLU oder IQB zeigen, dass insbesondere Kinder mit internationaler 
Familiengeschichte im Bildungssystem benachteiligt sind – etwa durch Überforderung 
beim Übergang in weiterführende Schulen oder durch Unterforderung, wenn ihre 
Herkunftssprachen unberücksichtigt bleiben. 
Vor diesem Hintergrund sollten sowohl eine bessere individuelle Förderung aller 
Kinder angestrebt als auch Bildungseinrichtungen bei der Erfüllung ihres 
pädagogischen Auftrags unterstützt werden. Ziel ist es unter anderem, den 
gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken. Bestehende gesetzliche Grund lagen 
sollen anerkannt und deren Potenziale konsequent genutzt werden, um dieser 
bildungspolitischen Schlüsselaufgabe gerecht zu werden. 
 
Mit freundlichen Grüße 
 
Facharbeitskreis 3 des Integrationsrates 
                                                                 
2 Vgl. z.B. Gogolin, I., Neumann, U., Krüger -Potratz, M., & Dirim, İ. (2017). Mehrsprachige Kinder auf dem Weg 
zur Bildungssprache Deutsch. Ergebnisse der KiBiS -Studie. Deutsches Institut für Internationale Pädagogische 
Forschung (DIPF).  (https://www.pedocs.de/volltexte/2017/14841/pdf/ ) 
Universität Hamburg, Fakultät für Erziehungswissenschaft. (2022). MEZ-Studie – Mehrsprachigkeit im 
Zeitverlauf: Emotionale Stabilität und Identitätsentw icklung durch Sprachpflege . 
(https://www.ew.uni-hamburg.de/ueber -die-fakultaet/aktuell -2022/22 -12-20-junge-forschung -
ticheloven.html ) 
Stiftung Kinder forschen. (o.J.). Das Gehirn hat Platz für viele Sprachen – Mehrsprachigkeit in der frühkindlichen 
Bildung. (https://integration.stiftung -kinder -forschen.de/themen/sprachfoerderung/das -gehirn-hat-platz -fuer-
viele-sprachen )

Beratungsverlauf (1)

06.05.2025 Integrationsrat
TOP 4.1 Antrag / Anfrage
Zur Sitzung

Details

Aktenzeichen
AN/0478/2025
Typ
Anfrage nach § 4 der GeschO des Rates
Datum
28.04.2025
Erstellt
28.04.2025 11:17