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AN/1751/2021

Informationsschild Turnvater Friedrich Jahn

Antrag nach § 3 der GeschO des Rates 24.08.2021

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Nächste Beratung: Bezirksvertretung 3 (Lindenthal), Sitzung am 13.09.2021, TOP 8.1.3

Informationstafel Friedrich Jahn

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Informationstafel Friedrich Jahn

8388 Zeichen

Fraktion Bündnis 90/Die Grünen  
CDU-Fraktion  
SPD-Fraktion 
Lothar Müller / Die Linke  
Gerd Kaspar / FDP 
  
in der Bezirksvertretung Lindenthal 
Klettenberg Sülz Lindenthal Braunsfeld Müngersdorf Junkersdorf Marsdorf Weiden Lövenich Widdersdorf    
 
 
An die Bezirksbürgermeisterin 
Cornelia Weitekamp 
  
An die Oberbürgermeisterin 
Henriette Reker 
 
Köln, den 24.08 2021  
Informationsschild Turnvater Jahn     
 
Sehr geehrte Bezirksbürgermeisterin Cornelia Weitekamp, 
Sehr geehrte Oberbürgermeisterin Henriette Reker  
 
 
Wir bitten Sie folgenden Antrag  der  nächsten Sitzung der Bezirksvertretung 
Lindenthal zu setzen:  
 
 
Die Bezirksvertretung Lindenthal beschließt am Denkmal des Turnvater Johannes 
Friedrich Ludwig Christoph Jahn an den Jahnwiesen in Köln-Müngersdorf (auf der 
Plattform) eine Informationstafel.  Die Darstellung der Ambivalenz Jahns zwischen 
dem Begründer der Turnbewegung, dem Sport als Mittel der Fitness für die deutsche 
Jugend, um als Soldat im Kampf gegen Frankreich zu gehen (paramilitärische 
Ausbildung), seine Ausgrenzung von Frauen und Juden und sein Nationalismus und  
Antisemitismus sollte durch Historiker:innen erarbeitet werden. In Zusammenarbeit 
mit der Fachstelle im NS-Dokumentationszentrum „m2 miteinander mittendrin- Für 
Demokratie gegen Antisemitismus und Rassismus“.  
Text und Gestaltung wird der Bezirksvertretung Lindenthal zur Beschlussfassung 
vorgelegt.  
 
Begründung:  
Die Bezirksvertretung Lindenthal hat eine Sanierung des Jahn-Denkmals an der 
Jahnwiese beschlossen „Frisch fromm fröhlich frei“, war sein Motto. Dieses Denkmal, 
errichtet zum deutschen Turnfest 1928 ist ein zeitgeschichtliches Zeugnis. Sein 
Erhalt ist im Kontext der Anlage der Jahnwiese im Müngersdorfer Sportpark wichtig.  
Im Jahre 2021 kann das Denkmal nicht ohne einordnende Kommentierung alleine 
stehen. Deshalb wird von Historiker:innen eine Informationstafel erarbeitet und dann 
aufgestellt.  
 
Friedrich Jahn hat eine ambivalente Biographie. Er ist der Begründer der 
Turnbewegung und hatte fortschrittliche Ansätze. Das galt leider nicht für Alle.

Friedrich Jahn hat durch seinen Nationalismus, seine antisemitischen Äußerungen 
und der Ausgrenzung von Frauen aus dem Sport.  
 
Aus der guten Biographie auf Wikipedia (abgerufen 01.09. 2021) 
  
„Jahn richtete sich ebenfalls gegen die altdeutsche Ständegesellschaft. Er plädierte stattdessen 
für gleiche Bürgerrechte für alle Deutschen, nationale Bildung, Aufstiegschancen auch für 
Kinder aus den niederen Ständen und für nationale Einheit. Diese modern anmutenden 
Forderungen verband er indes mit wütenden Ausfällen gegen alles, was er als nicht deutsch 
wahrnahm: „Haß alles Fremden ist des Deutschen Pflicht“. Rassistisch polemisierte er gegen 
„Völkermischung“, „Blendlingsvölkern“ sprach er jegliches „volkstümliche Fortleben“ ab. 
Das Werk enthält auch vereinzelte antijüdische Aussagen.[11] Jahn vertrat die Ansicht, 
Deutschland sei allen anderen Nationen überlegen und deshalb sei es seine Aufgabe, „die 
Erde als Heiland zu segnen und den Völkern Menschlichwerdungskeime einzupflanzen“.[12] 
Deutschland müsse und könne eine größere Rolle in Europa einnehmen, wenn man sich auf 
die Einheit der „Deutschen“ besinne. Ihm schwebte ein „Großdeutschland“ vor, zu dem auch 
die Schweiz, Holland und Dänemark gehören würden. Hauptstadt solle die neue Stadt 
„Teutona“ werden, die in Thüringen gegründet werden solle, wo sich die Fernstraßen aus den 
dann „deutschen“ Grenzstädten Genf, Memel, Fiume, Kopenhagen, Dünkirchen und 
Sandomir treffen 
 
Zweck der Turnbewegung war nur scheinbar der Sport. Wichtiger war zum einen die 
nationalistische Willensbildung, zum anderen die paramilitärische Ausbildung der Turner, um 
die „Feinde der Freiheit“ zu besiegen. Diese Feinde waren die Franzosen und die deutschen 
Fürsten, denen er vorwarf, Einheit und Freiheit der deutschen Nation zu verhindern. Jahn war 
gegen die Kleinstaaterei und für ein einheitliches Deutschland. Er richtete seine 
Aufmerksamkeit auf die Jugend und wollte diese für einen eventuellen Kampf vorbereiten. Er 
erfand das Turnen als eine körperliche Betätigung für jedermann mit einem durchaus 
wehrpolitischen Nutzen. Jahn entwickelte das Turnen weiter zur „patriotischen Erziehung zur 
Vorbereitung auf den Befreiungskrieg“. Er sah das Turnen in engem Zusammenhang mit 
politischen Zielen: der Befreiung Deutschlands von napoleonischer Herrschaft, der Idee eines 
künftigen deutschen Reiches unter preußischer Führung und der Teilnahme der einzelnen 
Staatsbürger am Wohl und Weh des Ganzen. Hierzu sollten die Turner als Guerilla-Kämpfer 
(die kurz zuvor in Spanien im Kampf gegen Napoleon erfunden worden waren) tätig 
werden.[15]  
Kontroversen um Jahns Nationalismus und Antisemitismus 
Jahns wiederholte juden- bzw. franzosenfeindliche Äußerungen boten immer wieder Anlass 
zu Kontroversen. Der Jahn-Biograph Carl Philipp Euler verwahrte sich 1891 gegen völkisch-
nationalistische und antisemitische Turner des Kaiserreichs mit der Behauptung, Jahn habe 
unter den „Feinden des Deutschtums“ nicht die Juden verstanden.[32] Ein weiterer Biograph 
war der Hamburger Turnlehrer und Ehrenamtliche Wolfgang Meyer, der 1913 die Briefe 
Jahns herausgab und zu jenen Autoren gehörte, die später auch im Nationalsozialismus über 
Jahn publizierten.[33] Zu ihnen zählte auch der Dresdner Oberlehrer Fritz Eckardt, der mit der 
Briefedition arbeitete,[34] eine umfassende Glorifizierung Jahns betrieb und „einer der 
meistzitierten Biographen Jahns im Nationalsozialismus“ war. [35] Eckardt bezeichnete 1937 
Jahn als „Vorläufer des Nationalsozialismus“.[36] Seine rhetorische Verquickung mit dem Stil 
Heinrich von Treitschkes führte dazu, dass der Satz „Polen, Franzosen, Pfaffen, Junker und 
Juden sind Deutschlands Unglück“ als angebliches Zitat aus Deutsches Volksthum in Literatur 
und Presse aufgegriffen wurde, aber weder in Jahns Publikationen noch bei Eckardt selbst

kommt es vor.[37] Ähnlich stereotype Wendungen finden sich aber durchaus in Briefen Jahns, 
so am 24. August 1816 an Theodor Müller:  
„Und darauf verlaß Dich: So wird die preußische Landwehr noch nie geklopft haben, als im 
Gottesgericht wider Junker, Juden, Gauner, Gaukler und Garden. Gott verläßt keinen 
Deutschen.“[38]  
In einem Brief vom 18. Januar 1839 und bezogen auf Friedrich von Raumers Buch über 
Polens Untergang: „Da sieht doch die Welt, was an der Dreieinigkeit von Junkern, Pfaffen 
und Juden ist.“[39]  
Hans-Ulrich Wehler bezeichnet die von Jahn veranlasste Bücherverbrennung als „wirre 
Mischung aus antikonservativem Protest, Germanenkult, Frankophobie und Judenhass“.[40] 
Nach Werner Bergmann erwiesen sich Jahns „Vordeutungen“ einer 
modernisierungskritischen Judenfeindschaft, sein übersteigerter völkischer Nationalismus und 
die Gleichsetzung von Deutschtum und Christentum als wirkungsmächtig für die weitere 
Entwicklung des Antisemitismus.[32]  
In der historischen Antisemitismusforschung wird dagegen darauf hingewiesen, dass Jahn 
sich „nur am Rande“, „verhältnismäßig tolerant“, „nicht eindeutig antisemitisch“ usw. über 
„die Juden“ geäußert habe. Juden und Judentum seien Jahn fremd erschienen, nicht 
integrierbar in die deutsche Nation. Gleichwohl kann man ihn nach Ansicht von Hans-
Joachim Bartmuß und Josef Ulfkotte nicht als Vertreter des Antisemitismus im modernen 
Sinne bezeichnen, da dieser erst in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts relevant wurde und 
Jahn sich zumeist in den Diskursbahnen des vormodernen, religiös fundierten Antijudaismus 
bewegt habe. Bezeichnenderweise habe er sich öffentlich auch nie zur unter seinen 
Zeitgenossen hoch umstrittenen bürgerliche Gleichstellung der Juden geäußert.[41]  (…) 
Der Turnfunktionär Theobald Scholem schrieb 1902 in der Jüdischen Turnzeitung: „Auf uns 
Juden ist er nie gut zu sprechen gewesen, alles was nicht ganz deutsch war, bis auf einige 
antike Beispiele, die er gern heranzog, war ihm in der Seele zuwider.“[32] [44] Gleichwohl 
würdigte Scholem Jahns Bedeutung für das deutsche Turnen und diese Leistung sich zu 
vergegenwärtigen sei auch für jüdische Turner ein Muss.[45]“  
 
 
gez. Lara Schneider                        gez. Svenja Führer           gez. Friedhelm Hilgers     
Fraktion Bündnis 90/ DIE GRÜNEN      CDU-Fraktion          SPD-Fraktion   
 
 
gez. Lothar Müller/ Die Linke     gez. Gerd Kaspar / FDP

Beratungsverlauf (1)

13.09.2021 Bezirksvertretung 3 (Lindenthal)
TOP 8.1.3 Entscheidung Entscheidung

Beschluss: ungeändert beschlossen

Zur Sitzung

Orte (2)

  • Freiheit
  • Am Rande

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Details

Aktenzeichen
AN/1751/2021
Typ
Antrag nach § 3 der GeschO des Rates
Datum
24.08.2021
Erstellt
24.08.2021 14:01