AN/1751/2021
Informationsschild Turnvater Friedrich Jahn
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Informationstafel Friedrich Jahn
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Fraktion Bündnis 90/Die Grünen CDU-Fraktion SPD-Fraktion Lothar Müller / Die Linke Gerd Kaspar / FDP in der Bezirksvertretung Lindenthal Klettenberg Sülz Lindenthal Braunsfeld Müngersdorf Junkersdorf Marsdorf Weiden Lövenich Widdersdorf An die Bezirksbürgermeisterin Cornelia Weitekamp An die Oberbürgermeisterin Henriette Reker Köln, den 24.08 2021 Informationsschild Turnvater Jahn Sehr geehrte Bezirksbürgermeisterin Cornelia Weitekamp, Sehr geehrte Oberbürgermeisterin Henriette Reker Wir bitten Sie folgenden Antrag der nächsten Sitzung der Bezirksvertretung Lindenthal zu setzen: Die Bezirksvertretung Lindenthal beschließt am Denkmal des Turnvater Johannes Friedrich Ludwig Christoph Jahn an den Jahnwiesen in Köln-Müngersdorf (auf der Plattform) eine Informationstafel. Die Darstellung der Ambivalenz Jahns zwischen dem Begründer der Turnbewegung, dem Sport als Mittel der Fitness für die deutsche Jugend, um als Soldat im Kampf gegen Frankreich zu gehen (paramilitärische Ausbildung), seine Ausgrenzung von Frauen und Juden und sein Nationalismus und Antisemitismus sollte durch Historiker:innen erarbeitet werden. In Zusammenarbeit mit der Fachstelle im NS-Dokumentationszentrum „m2 miteinander mittendrin- Für Demokratie gegen Antisemitismus und Rassismus“. Text und Gestaltung wird der Bezirksvertretung Lindenthal zur Beschlussfassung vorgelegt. Begründung: Die Bezirksvertretung Lindenthal hat eine Sanierung des Jahn-Denkmals an der Jahnwiese beschlossen „Frisch fromm fröhlich frei“, war sein Motto. Dieses Denkmal, errichtet zum deutschen Turnfest 1928 ist ein zeitgeschichtliches Zeugnis. Sein Erhalt ist im Kontext der Anlage der Jahnwiese im Müngersdorfer Sportpark wichtig. Im Jahre 2021 kann das Denkmal nicht ohne einordnende Kommentierung alleine stehen. Deshalb wird von Historiker:innen eine Informationstafel erarbeitet und dann aufgestellt. Friedrich Jahn hat eine ambivalente Biographie. Er ist der Begründer der Turnbewegung und hatte fortschrittliche Ansätze. Das galt leider nicht für Alle. Friedrich Jahn hat durch seinen Nationalismus, seine antisemitischen Äußerungen und der Ausgrenzung von Frauen aus dem Sport. Aus der guten Biographie auf Wikipedia (abgerufen 01.09. 2021) „Jahn richtete sich ebenfalls gegen die altdeutsche Ständegesellschaft. Er plädierte stattdessen für gleiche Bürgerrechte für alle Deutschen, nationale Bildung, Aufstiegschancen auch für Kinder aus den niederen Ständen und für nationale Einheit. Diese modern anmutenden Forderungen verband er indes mit wütenden Ausfällen gegen alles, was er als nicht deutsch wahrnahm: „Haß alles Fremden ist des Deutschen Pflicht“. Rassistisch polemisierte er gegen „Völkermischung“, „Blendlingsvölkern“ sprach er jegliches „volkstümliche Fortleben“ ab. Das Werk enthält auch vereinzelte antijüdische Aussagen.[11] Jahn vertrat die Ansicht, Deutschland sei allen anderen Nationen überlegen und deshalb sei es seine Aufgabe, „die Erde als Heiland zu segnen und den Völkern Menschlichwerdungskeime einzupflanzen“.[12] Deutschland müsse und könne eine größere Rolle in Europa einnehmen, wenn man sich auf die Einheit der „Deutschen“ besinne. Ihm schwebte ein „Großdeutschland“ vor, zu dem auch die Schweiz, Holland und Dänemark gehören würden. Hauptstadt solle die neue Stadt „Teutona“ werden, die in Thüringen gegründet werden solle, wo sich die Fernstraßen aus den dann „deutschen“ Grenzstädten Genf, Memel, Fiume, Kopenhagen, Dünkirchen und Sandomir treffen Zweck der Turnbewegung war nur scheinbar der Sport. Wichtiger war zum einen die nationalistische Willensbildung, zum anderen die paramilitärische Ausbildung der Turner, um die „Feinde der Freiheit“ zu besiegen. Diese Feinde waren die Franzosen und die deutschen Fürsten, denen er vorwarf, Einheit und Freiheit der deutschen Nation zu verhindern. Jahn war gegen die Kleinstaaterei und für ein einheitliches Deutschland. Er richtete seine Aufmerksamkeit auf die Jugend und wollte diese für einen eventuellen Kampf vorbereiten. Er erfand das Turnen als eine körperliche Betätigung für jedermann mit einem durchaus wehrpolitischen Nutzen. Jahn entwickelte das Turnen weiter zur „patriotischen Erziehung zur Vorbereitung auf den Befreiungskrieg“. Er sah das Turnen in engem Zusammenhang mit politischen Zielen: der Befreiung Deutschlands von napoleonischer Herrschaft, der Idee eines künftigen deutschen Reiches unter preußischer Führung und der Teilnahme der einzelnen Staatsbürger am Wohl und Weh des Ganzen. Hierzu sollten die Turner als Guerilla-Kämpfer (die kurz zuvor in Spanien im Kampf gegen Napoleon erfunden worden waren) tätig werden.[15] Kontroversen um Jahns Nationalismus und Antisemitismus Jahns wiederholte juden- bzw. franzosenfeindliche Äußerungen boten immer wieder Anlass zu Kontroversen. Der Jahn-Biograph Carl Philipp Euler verwahrte sich 1891 gegen völkisch- nationalistische und antisemitische Turner des Kaiserreichs mit der Behauptung, Jahn habe unter den „Feinden des Deutschtums“ nicht die Juden verstanden.[32] Ein weiterer Biograph war der Hamburger Turnlehrer und Ehrenamtliche Wolfgang Meyer, der 1913 die Briefe Jahns herausgab und zu jenen Autoren gehörte, die später auch im Nationalsozialismus über Jahn publizierten.[33] Zu ihnen zählte auch der Dresdner Oberlehrer Fritz Eckardt, der mit der Briefedition arbeitete,[34] eine umfassende Glorifizierung Jahns betrieb und „einer der meistzitierten Biographen Jahns im Nationalsozialismus“ war. [35] Eckardt bezeichnete 1937 Jahn als „Vorläufer des Nationalsozialismus“.[36] Seine rhetorische Verquickung mit dem Stil Heinrich von Treitschkes führte dazu, dass der Satz „Polen, Franzosen, Pfaffen, Junker und Juden sind Deutschlands Unglück“ als angebliches Zitat aus Deutsches Volksthum in Literatur und Presse aufgegriffen wurde, aber weder in Jahns Publikationen noch bei Eckardt selbst kommt es vor.[37] Ähnlich stereotype Wendungen finden sich aber durchaus in Briefen Jahns, so am 24. August 1816 an Theodor Müller: „Und darauf verlaß Dich: So wird die preußische Landwehr noch nie geklopft haben, als im Gottesgericht wider Junker, Juden, Gauner, Gaukler und Garden. Gott verläßt keinen Deutschen.“[38] In einem Brief vom 18. Januar 1839 und bezogen auf Friedrich von Raumers Buch über Polens Untergang: „Da sieht doch die Welt, was an der Dreieinigkeit von Junkern, Pfaffen und Juden ist.“[39] Hans-Ulrich Wehler bezeichnet die von Jahn veranlasste Bücherverbrennung als „wirre Mischung aus antikonservativem Protest, Germanenkult, Frankophobie und Judenhass“.[40] Nach Werner Bergmann erwiesen sich Jahns „Vordeutungen“ einer modernisierungskritischen Judenfeindschaft, sein übersteigerter völkischer Nationalismus und die Gleichsetzung von Deutschtum und Christentum als wirkungsmächtig für die weitere Entwicklung des Antisemitismus.[32] In der historischen Antisemitismusforschung wird dagegen darauf hingewiesen, dass Jahn sich „nur am Rande“, „verhältnismäßig tolerant“, „nicht eindeutig antisemitisch“ usw. über „die Juden“ geäußert habe. Juden und Judentum seien Jahn fremd erschienen, nicht integrierbar in die deutsche Nation. Gleichwohl kann man ihn nach Ansicht von Hans- Joachim Bartmuß und Josef Ulfkotte nicht als Vertreter des Antisemitismus im modernen Sinne bezeichnen, da dieser erst in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts relevant wurde und Jahn sich zumeist in den Diskursbahnen des vormodernen, religiös fundierten Antijudaismus bewegt habe. Bezeichnenderweise habe er sich öffentlich auch nie zur unter seinen Zeitgenossen hoch umstrittenen bürgerliche Gleichstellung der Juden geäußert.[41] (…) Der Turnfunktionär Theobald Scholem schrieb 1902 in der Jüdischen Turnzeitung: „Auf uns Juden ist er nie gut zu sprechen gewesen, alles was nicht ganz deutsch war, bis auf einige antike Beispiele, die er gern heranzog, war ihm in der Seele zuwider.“[32] [44] Gleichwohl würdigte Scholem Jahns Bedeutung für das deutsche Turnen und diese Leistung sich zu vergegenwärtigen sei auch für jüdische Turner ein Muss.[45]“ gez. Lara Schneider gez. Svenja Führer gez. Friedhelm Hilgers Fraktion Bündnis 90/ DIE GRÜNEN CDU-Fraktion SPD-Fraktion gez. Lothar Müller/ Die Linke gez. Gerd Kaspar / FDP
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: ungeändert beschlossen
Zur SitzungOrte (2)
- Freiheit
- Am Rande
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Details
- Aktenzeichen
- AN/1751/2021
- Typ
- Antrag nach § 3 der GeschO des Rates
- Datum
- 24.08.2021
- Erstellt
- 24.08.2021 14:01