0610/2025
Beantwortung einer schriftlichen Anfrage der FDP-Fraktion aus der Sitzung des Verkehrsausschusses vom 28.01.2025 (AN/0025/2025) betreffend "20 % mehr Fahrten in die Stadt - Scheitert die Kölner Verkehrswende"
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Beantwortung einer Anfrage (Ausschuss)
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Dezernat, Dienststelle III/68/681/1 Vorlagen-Nummer 12.03.2025 0610/2025 Beantwortung einer Anfrage nach § 4 der Geschäftsordnung öffentlicher Teil Gremium Datum Verkehrsausschuss 18.03.2025 Beantwortung einer schriftlichen Anfrage der FDP-Fraktion aus der Sitzung des Verkehrsausschusses vom 28.01.2025 (AN/0025/2025) betreffend "20 % mehr Fahrten in die Stadt - Scheitert die Kölner Verkehrswende" Die FDP-Fraktion bittet um die Beantwortung folgender Fragen: 1. „Inwieweit ist sich die Verwaltung der Problematik zunehmender Stauzeiten und Ver- kehre in die Innenstadt bewusst bzw. können o.g. Zahlen bestätigt werden?“ Antwort der Verwaltung: An dieser Stelle ist es zum besseren Verständnis der o. g. Zahlen zunächst wichtig, sich ein- gehender mit der Methodik der Untersuchung zu befassen: Unter Stau versteht INRIX nicht, was die Menschen landläufig unter Stau verstehen, nämlich einen stark stockenden oder zum Erliegen gekommenen Verkehrsfluss. INRIX definiert als Stau die Zeitdifferenz zwischen freier Fahrt in der Schwachverkehrszeit (i. d. R. in den Nacht- stunden) und der benötigten Fahrzeit zu Stoßzeiten (i. d. R. morgendliche/abendliche Spitzen- stunde). Es geht hier also nicht um Standzeiten der Menschen im Auto, sondern um die reine zeitliche Differenz zwischen einer Fahrt mitten in der Nacht und im Berufsverkehr. Die Grundlage der Untersuchung bilden reale, elektronisch erfasste Fahrzeiten, u.a. Nacht- fahrten. Hierbei sind auch Fahrten einbezogen, die unter Missachtung der jeweiligen Ge- schwindigkeitsbegrenzung erfolgen. Diese Fahrten bilden den unteren Referenzwert. .Die mi- nimale Fahrzeit, die sich unter Beachtung der maximal zulässigen Fahrgeschwindigkeiten ergibt, wäre dementsprechend länger und der Unterschied zu Fahrten in Stoßzeiten geringer. Hinsichtlich des Verkehrs in der Spitzenstunde muss im Gegenzug gesagt werden, dass die Durchschnittsgeschwindigkeit auch bei flüssigem Verkehr bei hohem Verkehrsaufkommen in der Regel immer geringer ausfällt, als bei leeren Straßenverhältnissen. Weil die Anfrage sich konkret auf die Kölner Verkehrswende bezieht, muss weiterhin berück- sichtigt werden, dass das gesamte Straßennetz Gegenstand der Betrachtung ist, also auch die Autobahnen. Diese sind in der Regel besonders stauanfällig und spielen zugleich für den Pendelverkehr eine überproportional große Rolle. Auf das Autobahnnetz hat die Stadt jedoch keine direkte Einflussmöglichkeit. Tatsächlich sind von den „zehn verkehrsreichsten Staustre- cken in Deutschland“ sechs Autobahnabschnitte und die übrigen vier Bundesstraßen. Keine dieser Streckenabschnitte liegt in Köln. Diese grundsätzlichen Anmerkungen zur Methodik vorweggeschickt, bleibt es natürlich eine 2 Tatsache, dass sich in der Untersuchung die Differenz in den Fahrzeiten gegenüber dem Vor- jahr erwiesenermaßen erhöht hat. Dieser 12-%ige Anstieg lässt sich unter anderem durch die von INRIX festgestellte Zunahme der Fahrten in die Kölner Innenstadt erklären, die in der An- frage erwähnt wurde. Wie diese Zunahme zustande kommt, lässt sich aus der Untersuchung jedoch nicht ermitteln. Es ist aber ein Trend, den INRIX nicht nur in Köln, sondern in nahezu allen Städten Deutschlands, Europas und der Welt feststellt. Als Erklärung wird von INRIX eine vermehrte Rückkehr in die Büros, d. h. ein Rückgang des Homeoffice angeführt. Interessant ist jedoch ein Wert, den INRIX dieser Entwicklung für Köln gegenüberstellt. Denn trotz der um 20 % erhöhten Fahrtenanzahl in 2024 gegenüber 2023 ist die Reisegeschwindig- keit in der Hauptverkehrszeit in der Innenstadt im gleichen Zeitraum um zwei Prozent zurück- gegangen (vgl. https://inrix.com/scorecard/). Es lässt sich vor dem Hintergrund der angesprochenen Verkehrswende durchaus als Erfolg werten, wenn sich die Reisezeiten im Pendelverkehr, trotz deutlich erhöhtem Aufkommen, in der Innenstadt (keine Autobahnen und ausschließliche Baulast Stadt Köln) nicht erhöhen. Die Erklärung liegt vermutlich in einer Kombination von Verbesserung des Verkehrsflusses durch verkehrsplanerische Maßnahmen und einer weiteren Reduktion der Autonutzung abseits des Wegezwecks „Arbeit“. Die Stadt Köln beobachtet unabhängig, in stärker differenzierter Form im MobilitätsCockpit Köln (MoCKiii) die Entwicklung. Ein Ergebnis dieser Betrachtung ist, dass insbesondere bei Tagen mit Besonderheiten (Karneval, Streik im ÖPNV, Messeveranstaltungen, Großevents wie EM 2024) Erschwernisse für den Kraftfahrzeugverkehr bestehen, die sich signifikant auf die Mittelwerte eines Jahres auswirken können. Im Mittelwert werden, bei Ausblenden der Behinderungen auf Bundesautobahnen, im Haupt- straßennetz der Stadt eine Erhöhung des Stauanteils von etwa 7 % (2. Hälfte 2024 gegenüber 2. Hälfte 2023) ermittelt. Dies unterscheidet sich von den Werten unter Einbeziehung der Au- tobahnen deutlich. Aus dem Monitoring zum Modal Split und der Verkehrsleistung kann für die Verkehrsnetze in Köln (ohne Autobahnstrecken) eine Verkehrszunahme von etwa 3 % (2024 gegenüber 2023) verzeichnet werden. 2. „Was tut das Verkehrsdezernat konkret, um hier Abhilfe zu schaffen und die Staube- lastung auf den Kölner Straßen bzw. die Fahrten mit dem PKW in die Innenstadt zu reduzieren?“ Antwort der Verwaltung: Die Verwaltung wird die Planungen und Maßnahmen der vergangenen Jahre konsequent fort- führen und ist überzeugt, dass dieser Mix aus sogenannten Push- und Pull-Maßnahmen nicht nur den Verkehrsfluss weiter verbessern, sondern auch Fahrten mit dem Auto weiter reduzie- ren, sowie den Anteil des Autoverkehrs an den einpendelnden Verkehren perspektivisch wie- der verringern wird. Neben der notwendigen Ertüchtigung der Radverkehrsinfrastruktur, dem Ausbau des Schie- nennetzes und der Optimierung des Busangebots auch über die Stadtgrenze hinweg, zählen hierzu insbesondere auch die Instandhaltung und Optimierung des Straßenraums, u. a. durch die kontinuierliche Modernisierung der Lichtsignalanlagen, Maßnahmen zur Ordnung und Re- duktion des ruhenden Verkehrs und die flächendeckende Erhöhung der inter- und multimoda- len Verkehrsangebote. Im Rahmen des Verkehrsmanagements werden sukzessive die Verkehrsinformationen für Verkehrsteilnehmende verbessert. Mit dem erweiterten System der Verkehrsinformationen kann auf aktuelle und erwartete Behinderungen hingewiesen werden. Der Anschluss des Ver- kehrskalenders der Stadt Köln an das regionale Informationsportal Verkehr.NRW ist in der Be- arbeitung und wird die Bereitstellung von für Navigationsgeräte geeignete Informationen we- sentlich verbessern. 3 Gerade für Großevents hat die Stadt Köln gemeinsam mit der Messe Köln ein Leitsystem etabliert, was individuelle Routenführung unter Stauvermeidung und Nutzung von Vorreservie- rungen ermöglicht. Der Verweis der Studie auf den Zusammenhang zwischen einem Rückgang des Homeoffice und der Zunahme der Verkehre in die Innenstadt zeigt vor allem aber auch, welchen großen Einfluss auch mobilitätsfremde Maßnahmen – in diesem Fall eine arbeitsorganisatorische Maßnahme – auf das Verkehrsgeschehen haben. 3. „Inwieweit würde ein besseres Nahverkehrsangebot zu einer geringeren Verkehrsbe- lastung und damit im Gegenzug zu weniger Staus, weniger Staukosten und einer bes- seren Umweltbilanz führen?“ Antwort der Verwaltung: Selbstverständlich würde ein besseres Nahverkehrsangebot mehr Nutzende für den ÖPNV gewinnen und somit für die in der Frage beschriebenen Effekte sorgen. Wie groß die Effekte jeweils wären, ist pauschal nicht zu beziffern und hängt nicht zuletzt maßgeblich von den kon- kreten Angebotsverbesserungen ab. 4. „Inwieweit ist die schlechte Betriebssituation der KVB für die Lage mitverantwortlich?“ Antwort der Verwaltung: Die derzeitige Betriebssituation der KVB hat zweifellos einen negativen Effekt auf die aktuelle ÖPNV-Nutzung und somit die Fahrgastzahlen in Köln. Wenn sich Menschen, insbesondere auf ihren Wegen zur Arbeit oder zur Ausbildung nicht mehr auf den ÖPNV verlassen können, steigen sie nach und nach auf andere Verkehrsmittel um. Deswegen ist es der Verwaltung – aber auch der KVB – äußerst wichtig, dass sich die Betriebssituation möglichst zeitnah wieder bessert. Leider wird es – selbst wenn die Engpässe beim Fahrpersonal zügig behoben wer- den können – durch die verzögerte Auslieferung der bestellten Stadtbahnfahrzeuge noch ei- nige Jahre zu geringen Angebotseinschränkungen gegenüber dem Regelangebot kommen, auch wenn die Engpässe beim Fahrpersonal beseitigt sind. An dieser Stelle möchte die Verwaltung aber auch darauf hinweisen, dass für die Wege, die in der INRIX-Untersuchung im Vordergrund stehen, insbesondere dem Angebot im Schienenper- sonennahverkehr (SPNV) – also den S-Bahnen und den RB-/RE-Linien – eine ganz maßgebli- che Rolle im Bereich des öffentlichen Verkehrs zukommt. Es ist für Köln daher äußerst wich- tig, dass die Planungen im Zusammenhang mit dem Bahnknoten Köln konsequent verfolgt und umgesetzt werden und dadurch perspektivisch das Angebot im SPNV deutlich ausgewei- tet werden kann. Hier sieht die Verwaltung den größten Hebel für eine signifikante Verringe- rung der einpendelnden Pkw-Verkehre. 5. „Was unternimmt die Verwaltung, um die geschilderte Situation zu verbessern?“ Antwort der Verwaltung: siehe Antwort zu Frage 2 Gez. Egerer
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 0610/2025
- Typ
- Beantwortung einer Anfrage (Ausschuss)
- Datum
- 12.03.2025
- Erstellt
- 25.02.2025 09:55