0854/2019
Projekt: Ökologische Wiederherstellung wertgebender Streuobst- Altbestände, L6, L8
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Mitteilung Ausschuss
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Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle V/57/571 Vorlagen-Nummer 0854/2019 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Naturschutzbeirat bei der Unteren Naturschutzbehörde 20.05.2019 Bezirksvertretung 4 (Ehrenfeld) 17.06.2019 Bezirksvertretung 6 (Chorweiler) 27.06.2019 Projekt: Ökologische Wiederherstellung wertgebender Streuobst- Altbestände Ausgangszustand Streuobstwiesen und –weiden gelten als besonders artenreiche Elemente der mitteleuropäischen Kulturlandschaft. Eine hohe biologische Vielfalt stellt sich jedoch nur dann ein, wenn Streuobstbe- stände kontinuierlich und (halb)extensiv durch den Menschen genutzt werden. Ein Ende der Nutzung bedeutet unweigerlich einen Rückgang der Artenvielfalt. In einem gemeinsamen Projekt der Unteren Naturschutzbehörde, dem Amt für Landschaftspflege und Grünflächen und der Biologischen Station Leverkusen-Köln wurden im Rahmen der landeswei- ten Streuobstkartierungen und der Arbeiten am KOK (Kölner Obstwiesen-Kataster) besonders wert- gebende Streuobstbrachen bzw. durchgewachsene Altbestände identifiziert, die über eine Entwick- lungspflege in obstbaulich extensive und biologisch hochwertige(re) Streuobstbestände rückverwan- delt werden sollen. Ziel ist eine behutsame Rücknahme von Wildgehölzen und Waldrändern, um den ursprünglichen Charakter der Streuobstwiesen wiederherzustellen. Dabei sollen abgängige Altbäume so lange wie möglich als stehendes Totholz erhalten bleiben. Lücken im Obstbestand sollen mit vorwiegend loka- len, historischen Obstsorten neu bepflanzt werden, um mittelfristig ein ausgewogenes Verhältnis Die Standorte in den Bezirken Ehrenfeld (Nüssenberger Busch West und Ost) und Chorweiler (LB 6.19 Mennweg) werden nachfolgend exemplarisch vorgestellt. Begründung Fallen Streuobstbestände brach, verwandeln sie sich über Verbuschungs- und Vorwaldstadien in ei- nen geschlossenen Gehölzbestand. Die vorhandenen Obstbäume werden durch die aufkommenden Wildgehölze zunehmend verschattet und sterben allmählich ab. Streuobstbrachen besitzen zwar auch einen ökologischen Wert, dieser ist aufgrund der schleichenden Verschattung, dem zunehmenden Verlust der Gefäßpflanzenarten des Offenlandes sowie der verfrüht abgängigen Obstbäume jedoch als deutlich geringer einzuschätzen als ein gepflegter Streuobst-Altbestand mit seinen vielfältigen und kleinräumigen Biotopstrukturen und dem hohen Anteil an stehendem Totholz und Baumhöhlen ver- schiedener Art. Daher kommt der Restitution von Streuobstwiesen aus Brachen eine hohe natur- schutzfachliche Bedeutung zu. Aktuell kann keiner der im Stadtgebiet erfassten Streuobstbestände als vorbildhaft gepflegtes arten- reiches Modell-Ökosystem gelten (mit Ausnahme der beiden relativ hochwertigen Bestände in der Flittarder Rheinaue). Das bedeutet ganz konkret, dass nach der Blühphase der Obstbäume im Früh- jahr in der Regel kaum weitere nennenswerte Blühaspekte folgen. Für eine Vielzahl an blütenbesu- 2 chenden Insekten sind diese Flächen daher im Sommer kaum attraktive Lebensräume. Daran kann auch stehendes Totholz nichts ändern – das jedoch auch nur auf sehr wenigen Flächen in nennens- werten Anteilen verfügbar ist. 3 Die Standorte im Einzelnen: Nüssenberger Busch West Die Streuobstwiese im Nüssenberger Busch geht mindestens bis in die 1990er Jahre zurück, als eine Gruppe Naturschützer aus BUND/NABU-Kreisen die ersten Obstbäume pflanzte. Wie lange die Wie- se anschließend gepflegt worden ist, kann heute nicht mehr sicher gesagt werden. Fest steht, dass der Obstbaumbestand spätestens Anfang der 2000er Jahren brach fiel, möglicherweise auch schon früher. Da die Wiese an allen Seiten von Wald oder Heckengehölzen umgeben ist, fand die Sukzes- sion dementsprechend rasant statt. Anfang 2019 waren weite Teile des Obstbaumbestands im Wald oder in Wildgehölzgruppen verschwunden. Aus diesem Grund wurde im Februar 2019 der vorgerück- te Waldrand in seine ursprünglichen Grenzen zurückgesetzt und viele der auf der Fläche gewachse- nen Wildgehölze entnommen. Da der Bestand viele wertgebende Wildgehölze beherbergt (alte Holunderbüsche, riesige Weißdorn- bäume etc.), werden Wildlinge nur selektiv und nach Prüfung der ökologischen Wertigkeit entfernt. Das bedeutet, dass auch zukünftig wild wachsende Bereiche auf der Fläche verbleiben dürfen. Das Schnittgut vom Obstbaumschnitt wird am Waldrand zu kompakten Totholzhecken aufgeschichtet. Um die Vielfalt der Gefäßpflanzen auf der Wiese zu fördern, wird die Fläche ab 2019 nach einem diffe- renzierten Mahdschema (Staffelmahd) gemäht, das Mahdgut wird abgeräumt oder randlich gelagert. Nüssenberger Busch Ost Neben der westlichen Streuobstwiese befindet sich im Nüssenberger Busch noch ein weiterer, eben- so brachgefallener Streuobstbestand. Der östliche Bestand wurde wohl zur gleichen Zeit wie der westliche angelegt und fiel dementsprechend auch zur selben Zeit brach. Die Situation ist mit der oben geschilderten weitestgehend identisch: Auch hier ist der Waldrand in die Streuobstwiese vorge- rückt und hat die Obstbäume nach und nach überwachsen. Ebenso wie auf der westlichen Fläche wurde daher im Februar 2019 der Rückbau zu einem gepflegten Streuobstbestand eingeleitet. Die ersten Fällarbeiten wurden dabei von der NABU-Kindergruppe Bocklemünd durchgeführt. Von kleinen Hartriegel-Sträuchern bis zu ausgewachsenen Eschen wurden zahlreiche Wildlinge von den Kindern (mit Unterstützung der Erwachsenen) entnommen. Auch hier wurde und wird weiterhin geprüft, wel- che Wildgehölze auf der Fläche als wertgebende Elemente verbleiben können. Westlich der eigentlichen Streuobstwiese sind einige Späte Traubenkirschen zu ausgewachsenen Bäumen herangewachsen. Diese sollen in den kommenden Jahren nach und nach geringelt und nach dem Absterben entnommen werden. Die freie Fläche bietet sich anschließend als Erweiterungsfläche für die Obstwiese an, auf welcher hochkronige Obstbäume historischer, bevorzugt lokaler Sorten nachgepflanzt werden können. Auf solchen Flächen möchte die Biologische Station zukünftig ihr En- gagement im Bereich Obstsortenerhalt weiterentwickeln. Entlang des Weges sollen Sortenschilder die Spaziergänger über die gepflanzten Obstsorten informieren. LB 6.19 Mennweg Die Streuobstwiese am Mennweg kann aktuell als der älteste erhaltene Streuobstbestand in städti- schem Besitz gelten. Die vorhandenen Bäume sind überwiegend im mittleren bis hohen Alter und verfügen über reichhaltige Totholzmengen. Auch Baumhöhlen sind hier wie auf kaum einer anderen Kölner Streuobstwiese vorhanden. Dem überragenden strukturellen Wert steht allerdings eine weit- gehend an Gefäßpflanzenarten verarmte Krautschicht gegenüber. Eine Mahd ist in den vergangenen Jahren nur sporadisch als Mulchmahd erfolgt. Dies führt gerade auf guten Böden zum schnellen Ver- lust von artenreichem Grünland. In den kommenden Jahren wird die Krautschicht einer zweischürigen Mosaikmahd mit Altgrasbereichen und Schonstreifen unterzogen, das Mahdgut konsequent abge- räumt. Damit lässt sich die Phytodiversität steigern, was wiederum einen positiven Effekt auf zahlrei- che Tiergruppen hat. 4 Die Wiese erstreckt sich in schlauchförmiger Gestalt in nordöstlicher Richtung in die Worringer Feld- flur hinein und ist an allen Seiten von hohen, zum Teil durchgewachsenen (unterseits verkahlten) He- cken umgeben. Diese stellen zwar reiche Habitat- und Futterquellen für zahlreiche Tierarten dar, sie sollten jedoch in den kommenden Jahren abschnittsweise auf den Stock gesetzt werden. Zum einen bedrängen sie die wertvollen Altbäume auf der Fläche (zumindest eine Heckenseite ist aufgrund von Pflegeaufgabe wild entstanden), zum anderen sollten sie auch im Sinne einer nachhaltigen Hecken- pflege in Abschnitten verjüngt werden.
Beratungsverlauf (3)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 0854/2019
- Typ
- Beschlussvorlage Bezirksvertretung
- Datum
- 03.05.2019
- Erstellt
- 06.03.2019 16:18