Bilanzierung der Auslandsakquise bei „Schwerpunktländern"
Beantwortung einer Anfrage (Ausschuss) 3631/2017 vom 29.11.2017
Stand: Am 30.01.2018 im Wirtschaftsausschuss beraten. Ergebnis: Kenntnis genommen.
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Beantwortung einer Anfrage (Ausschuss)
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Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle OB/80/801 AN/1218/2017 Vorlagen-Nummer 29.11.2017 3631/2017 Beantwortung einer Anfrage nach § 4 der Geschäftsordnung öffentlicher Teil Gremium Datum Wirtschaftsausschuss 30.11.2017 Die Verwaltung beantwortet die Anfrage gem. § 4 der Geschäftsordnung des Rates der Fraktion Bündnis90/ Die Grünen wie folgt: Vorbemerkung: Die Auslandsakquisition im Standortmarketing präsentiert Köln als führenden internationalen Wirt- schaftsstandort auf lokaler, regionaler, nationaler und internationaler Ebene, unterstützt Investoren bei einer Ansiedlung und führt Bestandspflege-Aktivitäten durch. Die wesentlichen Handlungsfelder sind dabei: • Identifizierung und Analyse der für Köln wichtigen Märkte und Cluster, standortspezifischer so- wie wirtschaftsrelevanter Daten und Fakten und der Potenziale bei den internationalen Städte- partnerschaften • Identifikation und zielgenaue Betreuung von Wirtschafts- und Handelsunternehmen, die an ei- nem Auslandsengagement Interesse haben • Kommunikation, Öffentlichkeitsarbeit, Marketing (print und online) und Fertigen von fundierten auslands-bezogenen Fachbeiträgen, Grußworten oder Vorträgen (z.B.: Cologne Business Gui- de) • Präsentation auf internationalen Messen und Kongressen oder sonstigen Veranstaltungen (z.B.: Deutsch-Brasilianische Wirtschaftstage) • Konzeptionierung und Organisation von Veranstaltungen oder Einzelmaßnahmen (z.B.: China- fest) • Betreuung internationaler Wirtschaftsdelegationen, Journalisten/innen sowie Beantwortung ausländischer Anfragen zum Standort • Kooperation mit Partnern, Kontaktaufbau und -pflege mit außenwirtschaftlichen Akteuren und Wahrnehmung von Mitgliedsrechten bzw. Mitarbeit in bilateralen Vereinen (z.B. Türkisch- Deutsche Industrie- und Handelskammer – Unternehmerverband e.V.) • Begleitung der behördlichen Genehmigungsverfahren • Gutachterliche Stellungnahmen für die Ausländerbehörde bei der Überprüfung eines Antrages auf Zustimmung zur Ausübung einer selbstständigen Erwerbstätigkeit • Kontaktpflege zu den Kammern (IHK Köln = Schwerpunktkammer für China und Türkei) • Projekt „Wirtschaftsbotschafter“ (heute unterstützen zirka 170 ausgewählte Persönlichkeiten das internationale Standortmarke- ting) Im Jahr 2005 wurde in der Auslandsakquisition der Wirtschaftsförderung eine Mehrstelle für die „Chi- na-Offensive“ eingerichtet, in 2006 kam dann noch jeweils eine Stelle für die „Indien-„ und die „Türkei- Initiative“ hinzu. In der Folge der Städtepartnerschaft mit Rio de Janeiro und vor dem Hintergrund der Wirtschaftsentwicklung hat sich in den letzten Jahren auch Brasilien als zunehmend interessanter Quellmarkt erwiesen. 2 Im Rahmen des Außenwirtschaftsgutachtens von KPMG in 2008 wurde die Auswahl dieser Länder- schwerpunkte ausdrücklich bestätigt. Während von Brasilien seinerzeit explizit abgeraten wurde, empfahl KPMG, auch den nordamerikanischen und westeuropäischen Markt offensiv zu bearbeiten, was aber trotz wiederholter Anläufe wegen der verschärften Haushaltsrestriktionen nicht umgesetzt werden konnte. Für die Erledigung der Aufgaben standen im Untersuchungszeitraum von 2012 bis 2016 zum Teil nur sehr stark eingeschränkte Personalressourcen zur Verfügung: Zeitweise waren lediglich zwei (von fünf) Stellen im Auslandsbereich besetzt. Im Dezember 2015 wurde die Ausstattung darüber hinaus in diesem Bereich auf vier Stellen reduziert. Bei den Länder-Desks (Stellen der BGr. A10, LGr. 2, 1. Einstiegsamt) gab es – nicht zuletzt bedingt durch langandauernde Wiederbesetzungsverfahren – ab November 2014 längere Vakanzen bei zwei Aufgabengebieten von sechs Monaten bis über einem Jahr. Von 2012 bis Ende 2015 war ein Sachgebiet (Stelle der BGr. A 14, LGr. 2, 2. Einstiegsamt) dauerhaft nicht besetzt. Um zumindest eine teilweise Aufgabenwahrnehmung sicherzustellen, wurde eine ver- änderte Priorisierung und Umverteilung in der Auslandsakquisition vorgenommen. Gleichzeitig erfolg- ten bei einzelnen Tätigkeiten in einem verträglichen Maß Standardreduzierungen. Durch neue Aufga- benzuschnitte werden diese Aktivitäten seither dauerhaft von zwei Mitarbeitenden dieses Bereichs übernommen. Vor diesem Hintergrund kam es im Bereich der Auslandsakquisition zu erhöhten Rückständen und einer deutlichen Überlastung der übrigen Beschäftigten. Grundsätzlich sind Ansiedlungen auch abhängig vom vorhandenen Flächenangebot. Die zunehmen- de Knappheit an Gewerbe- und Industrieflächen fand ihren Niederschlag auch bei der Auslandsak- quisition. Zu den einzelnen Fragen: 1. Auf welche Branchen zielt die Auslandsakquise bei den jeweiligen Schwerpunktländern ab? Zentrale Kennzeichen der Kölner Wirtschaft sind eine dynamische Branchenvielfalt und eine ausge- wogene Betriebsgrößenstruktur. Beste Voraussetzungen also, sich bei der Auslandsakquisition bei den Schwerpunktländern nicht auf bestimmte Branchen und Cluster zu beschränken. Selbstverständlich wird analysiert, welche Branchen in den Schwerpunktländern ins Ausland bzw. nach Europa drängen und welche Standortqualitäten Köln hier zu bieten hat. So konnten in der Ver- gangenheit verstärkt Ansiedlungen von IT-Dienstleistern aus Indien oder von Handels- und Vertriebs- niederlassungen aus China verzeichnet werden. Heute sind aber gerade chinesische Investoren zunehmend an der Übernahme von Unternehmen in Deutschland interessiert. Dafür gibt es drei wesentliche Gründe: Die chinesische Regierung will den Expansionskurs chinesischer Unternehmen im Ausland weiter fördern, um deren Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt zu erhöhen. In Deutschland erhalten chinesische Unternehmen Zugang zu der entsprechenden Technologie. Gleichzeitig sind sie hier nah dran an wichtigen Global Playern, gerade im Automobilsektor und im Maschinenbau. Und Zukäufe in Deutschland helfen bei der Internationali- sierungsstrategie. Weiterhin gibt es in verschiedenen Bereichen des chinesischen Binnenmarktes Überkapazitäten. Einige chinesische Unternehmen, insbesondere Staatsunternehmen, haben sich daher entschlossen, ihre Wertschöpfungskette zu verlängern. Eine Akquisition im Ausland bietet häu- fig eine gute Möglichkeit, ein solches Geschäftsfeld aufzubauen. Gerade in Deutschland gibt es viele mittelständische Unternehmen, die in den relevanten Bereichen tätig sind. 3 Die Wirtschaftsförderung sieht sich daher zunehmend mit Fragestellungen im Hinblick auf Transakti- onen im Unternehmensbereich wie Fusionen, Unternehmenskäufe, Betriebsübergänge, fremdfinan- zierte Übernahmen, Outsourcing/Insourcing, Spin-offs oder Unternehmenskooperationen konfrontiert. 2. Welche haushaltswirksamen Aufwendungen wurden im Zeitraum 2012 bis 2016 für die Schwerpunktsetzungen bei der Auslandsakquise verausgabt? Die Aktivitäten der Auslandsakquisition richteten sich in diesem Zeitraum vor allen Dingen auf die Volksrepublik China. Die Volksrepublik China ist nach Einschätzung aller Experten, der mit Abstand wichtigste Quellmarkt für Auslandsinvestitionen. Allerdings verfügen Wettbewerbsstädte gegenüber Köln über erhebliche Standortvorteile (Landes- hauptstadt-Status, Standort von ausländischen Generalkonsulaten, Fokussierung der Landespolitik auf diese Metropolen, Flughäfen mit interkontinentalen Direktverbindungen), die nur begrenzt kom- pensierbar sind. Da die chinesischen Firmen sehr staatsorientiert sind, hat der Staatsbesuch des chi- nesischen Präsidenten Xi Jinping in 2014 beispielsweise für einen wahren Boom von Firmenansied- lungen in Düsseldorf gesorgt; aber auch Duisburg konnte deutlich vom Besuch profitieren. Im Jahr 2012 flossen die Finanzmittel im Schwerpunktland China überwiegend in das „Chinajahr 2012“ ein, mit dem Köln das 25-jährige Städtepartnerschaftsjubiläum mit Peking mit über 150 Veran- staltungen feierte. Unbestrittenes Highlight war hier die hochrangige Wirtschaftskonferenz „Business and Investors Forum China“ sowie die erstmalige Ausrichtung des Kölner Chinafestes. Im Jahr 2014 organisierte das Amt für Wirtschaftsförderung erneut eine über die Stadtgrenzen Kölns bedeutende deutsch-chinesische Wirtschaftskonferenz sowie das 2. Kölner Chinafest. Beide Veranstaltungen wurden anders als 2012 dabei nicht vom Land unterstützt. Darüber hinaus beteiligte sich die Wirt- schaftsförderung an der UrbanTec Asia Conference at CIFTIS in Peking und begleitete die Auftritte des Gürzenich-Orchesters in Shanghai und Peking mit Business-Empfängen. Die Ausgaben im Schwerpunktbereich Indien im Jahre 2012 lassen sich im Wesentlichen auf zwei Auslandsreisen zurückführen. Zum einen nahm die Wirtschaftsförderung auf der „Indiasoft“ teil, der größten indischen Softwaremesse. Zum anderen warb die Stadt Köln mit einer breit angelegten Wirt- schaftsdelegation in den wichtigsten Städten um neue Ansiedlungen des Subkontinents. Im Schwerpunktland Brasilien floss ein Großteil der Ressourcen in den Jahren 2012 und 2015 in De- legationsreisen. Im Jahr 2014 stand vor allen Dingen die Ausrichtung des 65. Lateinamerika-Tages in Köln im Mittelpunkt der Aktivitäten. In 2016 zeigte die Stadt Köln Flagge bei den Olympischen Som- merspielen in der Partnerstadt Rio de Janeiro. Dass gerade im Länderschwerpunkt Türkei verhältnismäßig wenig Mittel abgeflossen sind, lag in ers- ter Linie an der geringen Auslandspräsenz der Stadt Köln. Auslandsakquisition Schwerpunktländer Jahr China Indien Türkei Brasilien 2012 Ertrag - 1.536,00 € - 6.850,00 € Aufwand* 308.762,00 € 114.158,00 € 11.494,00 € 42.152,00 € 2013 Ertrag - 1.385,00 € Aufwand 171.625,00 € 20.959,00 € 9.417,00 € 19.999,00 € 2014 Ertrag - 24.896,00 € Aufwand 583.297,00 € 7.024,00 € 24.508,00 € 68.154,00 € 2015 Ertrag Aufwand 119.081,00 € 10.794,00 € 20.954,00 € 44.695,00 € 4 2016 Ertrag - 56.000,00 € - 1.500,00 € Aufwand 205.408,00 € 6.487,00 € 1.496,00 € 97.695,00 € * = ohne Umlagen (Personalkosten, Abschreibungen, Miete, Overhead) 3. Wie viele Firmen aus den jeweiligen „Schwerpunktländern“ konnten im Zeitraum 2012 bis 2016 aus welchen Branchen in Köln dauerhaft angesiedelt werden und in welchem Um- fang haben andere Städte in Nordrhein-Westfalen Ansiedlungserfolge bei Firmen der „Kölner Schwerpunktländer“? Im Rahmen der Ansiedlung von ausländischen Unternehmen gibt die Auslandsakquisition zur Bewer- tung der Aufnahme einer selbstständigen Erwerbstätigkeit eines Ausländers bzw. einer Ausländerin fachliche Stellungnahmen an die Ausländerbehörde ab. In dem Zeitraum von 2012 bis 2016 wurden insgesamt 452 gutachterliche Stellungnahmen gefertigt. Hierbei wird das öffentliche oder wirtschaftli- che Interesse an der Geschäftstätigkeit des Antragstellers bzw. der Antragstellerin anhand des Un- ternehmenskonzeptes und eines qualifizierten Interviews beurteilt. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass immer wieder auch neue Quellmärkte hinzu- kommen, die prüfintensiver sind und bei denen nicht auf vorhandene Strukturen, Wissen und beste- hende Netzwerke zurückgegriffen werden kann. Eine große Herausforderung stellt aktuell zum Bei- spiel bei Anträgen aus dem Iran die komplexe Gesetzeslage der Embargovorschriften dar. Es werden jedoch nicht nur Stellungnahmen zu Anträgen aus den Schwerpunktländern erstellt, son- dern zu Anträgen aus der ganzen Welt, sofern die Antragsteller einer Arbeits- und Aufenthaltserlaub- nis zu Aufnahme einer selbstständigen oder freiberuflichen Erwerbstätigkeit bedürfen. Ausgenommen sind hiervon Antragsteller/innen aus den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union. Darüber hinaus sind bei türkischen Antragstellern, die in Deutschland ein Unternehmen gründen und sich selbststän- dig machen möchten keine Stellungnahmen (mehr) notwendig, da diese sich auf die Sonderregelung des § 21 Abs. 2 AufenthG (Aufenthaltsgesetz) i.V.m. dem Niederlassungsabkommen mit der Türkei vom 12. Januar 1927 berufen können, welches in den Artikeln 2 Satz 3 und Artikel 4 eine sog. Meist- begünstigungsklausel enthält. Das bedeutet, dass die Wirtschaftsförderung hier nicht mehr involviert ist. Unabhängig davon lässt sich zu den Schwerpunktländern im Einzelnen folgendes sagen: Im Zeitraum 2012 bis 2016 konnte das Amt für Wirtschaftsförderung 16 Unternehmen aus dem Schwerpunktland China mit einem Investitionsvolumen von 8.742.955 €, gemessen am Stammkapi- tal) für eine Ansiedlung in Köln gewinnen. Dabei stehen Güter aus den Bereichen Maschinenbau, Industrieanlagen, LED-Technologie, Haushaltsgeräte, Gesundheitswirtschaft und Metallerzeugung im Vordergrund. Darüber hinaus erfolgte in 2014 eines der größten chinesischen Investments in Deutschland über- haupt. So kaufte sich der staatliche Rüstungs- und Flugkonzern Avic International (Aviation Industry Corporation of China) für 320 Millionen Euro mit 79 Prozent in den Kölner Technologiekonzern KHD Humboldt Wedag ein. Letzte größere Ansiedlung ist die Firma GRACION, ein führendes Unternehmen für Entwicklung und Produktion sowie den Handel mit Leuchten und Leuchtmitteln, mit einem Stammkapital von 525.000,- Euro, das sich 2016 im Kranhaus 1 niedergelassen hat und in den nächsten Jahren über 10 Millionen Euro investieren möchte. Aus dem Schwerpunktland Türkei konnten 18 Firmen mit Unterstützung der Wirtschaftsförderung angesiedelt werden, wobei allein acht im Laufe des Jahres 2016 angesiedelt werden konnten. Dies kann darauf zurückgeführt werden, dass in den Vorjahren keine Standortpräsentationen in der Türkei durchgeführt wurden. Vor der Reise im Februar 2015 nach Ankara und Istanbul war die Wirtschafts- förderung zuletzt im November 2009 in dem Schwerpunktland, um dort die Werbetrommel für den 5 Wirtschaftsstandort Köln zu rühren. Darüber hinaus konnten mehreren Unternehmen keine geeigne- ten Gewerbeflächen angeboten werden, so dass eine Ansiedlung trotz Interesse am Wirtschafts- standort Köln nicht realisiert werden konnte. Das Investitionsvolumen dieser neu angesiedelten Unternehmen liegt gemessen am Stammkapital bei 2.300.000 €. Vertreten sind u.a. Handels-, Dienstleistungs-, Medien- sowie produzierende Unter- nehmen aus dem Bereich Maschinenbau und Nahrungsmittel. Eine Gesamtanzahl der Unternehmen, die sich in diesem Zeitraum in Köln angesiedelt haben, ist beim Schwerpunktland Türkei nicht zu eruieren, da wie oben bereits ausgeführt bei türkischen Staatsangehörigen das Assoziationsabkommen eine Stellungnahme durch die Wirtschaftsförderung nicht mehr erfordert. Im angefragten Zeitraum siedelten sich drei Unternehmen aus Indien in Köln an. Nach den namhaf- ten Ansiedlungen aus der vorangegangenen Zeit sind keine weiteren Ansiedlungen aus der IT- Branche mehr erfolgt. Auf Grund der gemachten Erfahrungen ist davon auszugehen, dass eine er- neute Indienreise, die nach nunmehr sechs Jahren für 2018 angedacht ist, das Ansiedlungsgeschäft deutlich beleben wird. Ein signifikanter Zuwachs kann bei Unternehmensansiedlungen aus Brasilien verzeichnet werden. Unterstützt von dem Brazil Business Center Cologne, das in 2014 mit Unterstützung der Stadt Köln aufgebaut wurde, konnten in jüngster Zeit zehn brasilianische Firmen in Köln angesiedelt werden. Bzgl. des Vergleichs mit anderen ausgewählten Städten in Nordrhein-Westfalen (NRW) stellte sich die Quellenlage als äußerst schwierig dar. Die angesprochenen Städte verfügten in der Regel nicht über das gewünschte Datenmaterial. Lediglich die Landeswirtschaftsförderungsgesellschaft NRW Invest GmbH konnte folgende Tabelle zur Verfügung stellen: Projekte / Investitionssumme (nicht für alle Projekte vorhanden) Greater China (China, Hongkong, Taiwan) Indien Türkei Düsseldorf 230 / 203 Mio. € 7 / 2,8 Mio. € 33 / 10,3 Mio. € Duisburg 15 / 4,5 Mio. € 1 / 25.000 € 10 / 7 Mio. € Essen 8 / 755.000 € 0 2 / 1,1 Mio. € Bonn 4 / 1,2 Mio. € 0 0 Dortmund 3 / 2,5 Mio. € 0 1 / 200.000 € Köln* 11 / 3,3 Mio. € 2 / 1 Mio. € 38 / 89 Mio. € * 2016 (3 Projekte); 2015 (-); 2014 (1); 2013 (3); 2012 (4) Informationen über Brasilien wurden von dort – trotz Nachfrage – nicht bereitgestellt. 4. Sind positive Effekte für den Kölner Arbeitsmarkt und den Kölner Wirtschaftsstandort über den angegebenen Zeitraum messbar, so z.B. zusätzliche Arbeitsplätze, Steuerein- nahmen, Synergien? Ausländischen Investments kommt im Zuge der Globalisierung eine zunehmende Bedeutung für den Standort Köln zu, vor allem zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit. Firmengründungen und - übernahmen schaffen bzw. sichern Arbeitsplätze und bringen Steuereinnahmen. Genaue Daten lie- gen allerdings nicht vor und sind, wenn überhaupt (Steuergeheimnis) nur mit erheblichem Aufwand zu ermitteln. 6 Schwerpunktland Brasilien In Köln lebt die größte brasilianische Gemeinde Deutschlands. Neben den Vorteilen des Wirtschafts- standortes hat das eine große Anziehungskraft für Unternehmen aus Brasilien, die sich in Deutsch- land ansiedeln möchten. Schwerpunktland China Derzeit gibt es 200 chinesische Firmen (Restaurants, Lebensmitteleinzelhandels-geschäfte und Rei- sebüros nicht mitgerechnet). Das Investitionsvolumen – gemessen am Stammkapital - beträgt 16.469.755 €. Diese Unternehmen haben am Standort Köln ca. 310 Arbeitsplätze geschaffen. Dar- über hinaus arbeiten einige chinesische Unternehmen eng mit hiesigen Firmen im Rahmen von Ko- operationspartnerschaften zusammen. Auf diese Weise können Synergieeffekte für die Kölner Wirt- schaft entstehen. Schwerpunktland Türkei Es liegen bei der Wirtschaftsförderung keine Kenntnisse über die neu geschaffenen Arbeitsplätze oder die zusätzlich generierten Steuereinnahmen durch die türkischen Unternehmen vor, da diese der Wirtschaftsförderung gegenüber nicht berichtspflichtig sind. Es kann jedoch gesagt werden, dass viele türkische Unternehmen – seien es neue oder auch ältere – Kooperationen mit deutschen Firmen eingehen und dass somit ein Mehrwert für beide Seiten ge- schaffen wird. Um die positiven Auswirkungen einer erfolgreichen Marketingstrategie der Wirtschaftsförderung dar- zulegen reicht es nicht aus, sich allein die Unternehmensansiedlungen im besagten Zeitraum anzu- schauen. Vielmehr müssen auch weitere Indikatoren betrachtet werden. Zum einen generieren neue Unternehmen bestenfalls Steuereinnahmen und schaffen neue Arbeitsplätze, zum anderen erhöhen ausländische Unternehmen die Internationalität und die Attraktivität des Standortes Köln. Dies kann unter anderem an der Steigerung der Besucher aus den jeweiligen Ländern und an der Positionierung Kölns als beliebtestes Reiseziel der Touristen aus den Schwerpunktländern gemessen werden. 7 Tourismuszahlen Köln und Nordrhein-Westfalen Die Popularität des Bundeslandes in China ist an den steigenden Besucherzahlen der vergangenen Jahre gut zu erkennen und Köln bleibt das beliebteste Ziel in Nordrhein-Westfalen (NRW). Die imagebildenden Maßnahmen der Wirtschaftsförderung wie Chinafeste, Konferenzen und die Präsenz in chinesischen Medien haben sich hier deutlich niedergeschlagen. So liegt Köln im Städtevergleich mit über 87.000 Übernachtungen auf Platz 1, dicht gefolgt von Düsseldorf. Obwohl 2016 die Gäste- zahlen für Köln insgesamt gesunken sind, stieg die Anzahl der chinesischen Gästeübernachtungen um 8,7 % in Köln. Für brasilianische Besucher/innen bleibt NRW eines der beliebtesten Reiseziele und belegt im natio- nalen Vergleich Platz fünf. Dabei sticht Köln als besonders populäre Destination hervor. Zwar ging die Zahl der Gästeübernachtungen in den letzten Jahren leicht zurück, jedoch wird eine positive Entwick- lung in den nächsten Jahren erwartet. Gründe für den Rückgang sind viele mitunter globale Einfluss- faktoren, welche sich negativ auf die gesamte Tourismusentwicklung in Köln auswirkten sowie eine Schwäche der brasilianischen Wirtschaft. 8 Die Entwicklung indischer Besucherzahlen zeichnet sich in den vergangenen Jahren durch eine star- ke Dynamik aus. Köln konnte sich dabei im Jahr 2016 erstmals als beliebtestes Ziel in NRW gegen- über Düsseldorf durchsetzten und versucht diese Popularität in Zukunft aufrecht zu erhalten. Die Entwicklung der in Köln verzeichneten Ankünfte und Übernachtungen aus dem Quellmarkt Indien ist sehr erfreulich und, abgesehen von einem „Ausreißer nach oben“ in 2014, nicht unregelmäßig sondern sehr stabil. 2014 sind im Rahmen einer Überprüfung des Landesamts für Statistik IT.NRW zahlreiche Kölner Beherbergungsbetriebe erstmals in die statische Erfassung aufgenommen worden, dies erklärt zum Teil den erheblichen Zuwachs nicht nur aus Indien sondern auch aus anderen preis- affinen Märkten. Ferner war 2014 aufgrund der in diesem Jahr sehr starken Rupie das Reiseverhalten nach Europa aus Indien heraus besonders ausgeprägt. Dem sehr starken Plus von 2014 steht in 2015 natürlich ein Minus entgegen – dieses ist allerdings erheblich geringer als der Zuwachs des Vor- jahres, kumuliert und unter Betrachtung der Werte von 2015, 2016 und 2017 (Januar - Juli) wächst der Markt, wenn auch weniger dynamisch als in den Vorjahren. Mit einer mittleren Aufenthaltsdauer von 2,6 Tagen verweilt keine Gruppe länger in Köln als die der Inder/innen (dicht gefolgt von Gästen vom arabischen Golf mit einer mittleren Aufenthaltsdauer von 2,5 Tagen). Die Anzahl türkischer Besucher/innen ist in den vergangenen Jahren in Köln mit Ausnahme 2016 konstant gestiegen und die Stadt hat sich hierbei als zweitbeliebtestes Reiseziel hinter Düsseldorf 9 etabliert. Die momentane Schwäche ist konsistent mit dem allgemeinen Rückgang der Besucherzah- len in Köln und wird sich in den nächsten Jahren vermutlich wieder erholen. 5. Welche Vorstellungen hat die städtische Wirtschaftsförderung in Hinsicht auf die zukünftige Auslandsakquise? Allgemein lässt sich sagen, dass eine bessere Finanz- und Personalausstattung für einen Erfolg der Wirtschaftsförderung unabdingbar sind. Neue Quellmärkte wie Brasilien, Großbritannien, USA oder der Iran werden derzeit nebenbei von den Länder-Desks betreut. Eine Konzentration und eine offen- sive Bearbeitung / Ansprache kann somit nicht erfolgen. Wünschenswert ist zudem eine stärkere Prä- senz in London, um die Unternehmen im Rahmen des BREXIT effizienter ansprechen zu können. Es sollte eine kontinuierliche und offensive Bearbeitung der Auslandsmärkte stattfinden. Dazu gehört z.B. der Besuch der wichtigsten Messen und zwei Auftritte pro Jahr in den Schwerpunktländern. Es hat sich gezeigt, dass nach Standortpräsentationsreisen eine erhöhte Anzahl an Standortanfragen und Ansiedlungen zu verzeichnen ist. Eine ausreichende Auslandspräsenz ist derzeit vor allem auf Grund des Personalmangels nicht möglich. Denkbar wäre hier auch eine stärkere Einbindung der Wirtschaftsbotschafterinnen und Wirtschaftsbotschafter. Erfolgreiche Projekte der Bestandspflege, wie beispielsweise die jährlich stattfindende Indienwoche oder der China-Abend sollten beibehalten und ebenfalls für die anderen Schwerpunktländer durchge- führt werden. Es sollten alternierend Wirtschaftskonferenzen, analog dem Business Forum China, für die Quell- märkte organisiert werden. Vorstellbar wären weiterhin zur Arbeitserleichterung eine bessere Arbeitsmittelausstattung, die Neu- entwicklung von Informationsangeboten (z.B. muttersprachliche, zielgruppen-spezifische Internetsei- te) sowie eine stärkere Nutzung von sozialen Medien, gerade international. gez. Reker
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