V/0604/2021
Straßenbenennungen nach Marga Spiegel, Nelly Sachs, Barbara Renz und Lily Braun im Bebauungsplan Nr. 572 Albachten – südlich Weseler Straße / östlich Hohe Geist
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Anlage-1-CDU-Antrag
17383 Zeichen
STADT MÜNZTE 23. AUS. 2021 Amt für Bürger- u. Rates Beziikavarwaliung West CDU-Fraktion in der BV-West Münster, 20.08.2021 Anden j 6 Bezirksbürgermeister des Stadtbezirks Münster — West -W Herm Jörg Nathaus Pantaleonplatz 7 48161 Münster Straßennamen für Albachten Die Straßen im Baugebiet Albachten-Ost und Freie Flur werden nach den nachstehenden Albachtener Persönlichkeiten benannt. Begründung: Maria Bruns (1908 - 1940), geb. 13.8.1908 in Roxel als Maria Pöppelmann, verstorben am 1:7. 1940 in Albachten. Sie war zusammen mit ihren beiden Kleinkindern und ihrer Nichte das erste Bombenopfer des 2. Weltkrieges in Albachten. Maria Eggemann geb. Schulte Altenroxel, geb; ca. 1565 in Roxel, heiratete 1583 Joharın Eggemann aus Albachten, der 1613 verstarb. Sie wurde als Witwe der Hexerei angeklagt und konnte sich 1630 nur gegen Leistung der Uhrfehde vor dem Feuer- bzw. Galgentod retten (im Stadtarchiv gibt es umfangreiches Material über sie). Joseph Spieker, geb. 1831 - 1962, kath. Pfarrer von Albachten seit 1934. Er war ein mutiger Gegner des Nationalsozialismus. Im Buch "Willkommen in Albachten .. - Geschichte und Geschichten aus 875 Jahren", Münster 2017, S. 145 Ffist sein biografisches Lebensbild beschrieben. Die Namensvorschläge wurden vom Historiker Josef Häming entwickelt. Gezeichnet: . Peter Hamann, Christian Hinzmann, Thomas Lilge, Karin Park-Luikenga, Nicholas Reuting, Nils Schappler, Peter Wolfgarten CDU-Kreisverband Münster e.V. Mauritzstraße 4-6 + 48143 Münster Telefon (02 51) 418 42-0 Telefax (02 51) 418 42-44 post@cdu-muenster.de + www.cdu-muenster.de gi 5 nm Ba x D 0 2“ . B ” ».. - 14 ir Pfarrer Joseph Spieker (1881-1962) von Josef Häning Joseph Theodor Sprexer wurde am 13. August 1881 auf dem elterlichen Hof in Greven-Schmedehausen als ältes- tes Kind des Bauernehepaares Gerhard Theodor Srizker und der Josephina Anna Lucia BußMAnN (* 22. Juli 1853, Greven) geboren. Der Vater war am 28. Januar 1851 in Ib- benbüren-Dörenthe als Sohn von Gerhard Anton SpıERER (=15. November 1818, Ibbenbüren) und der Anna Maria Elisabeth Austrur (-11. Januar 1824, Greven-Schmede- hausen) geboren. Das Bauernpaar auf dem Hof Austrup in Schmedehausen Theodor BRINKMANN genannt Aus- TRUP (*6. Januar 1812, Greven) und Gertrud Austrup (*18. Mai 1820, Greven) blieb ohne Kinder; als Hofes- nachfolger wurde deshalb der älteste Sohn der Schwester der Gertrud Austrup, nämlich der oben genannte Ger- hard (*1851) auserkoren; das Ehepaar Srıeker führte deshalb nach landläufiger Übung auch den Hofesnamen AUSTRUP als Zusatz. Joseph Spieker hatte sieben Geschwister: « Maria Gertrud, *30. August 1882, t.vor 1952 als Or- densschwester im Vorsehungskloster in Münster « Anton Wilhelm, *6. November 1884, +21. Juli 1956, Recklinghausen, Verwalter auf Gut Westrend « Maria Emma, *16. August 1886, 126. Februar 1959, Saerbeck, als Ehefrau von Josef LEHMANN « Victor Heinrich, *6. März 1888, + 2, Februar 1963, Gre- ven, oo 10. Mai 1922 mit Paula Maria HorsTMmANN aus Haddorf bei Wettringen; er übernahm den elterlichen landwirtschaftlichen Betrieb in Greven, Schmedehau- sen 27; aus dieser. Ehe stammt auch der Pfarrer Ewald SPIEKER, *1936, der heute als Emeritus in Münster- Hiltrup lebt e Albert Hermann, *5. Februar 1890, t ca. 1896 » Linus Anton Gerhard, *8. Mai 1894, } 24. März 1895 . Aloysius August Clemens, *21. November 1895, zwi- “ schen 1916 und 1918 gefallen! 1 In den Verkustlisten aufgeführt 1916 als leicht verwundet (http:// des.genealogy.net/search/show/5172140) und 1918 als vermisst (http://des.genealogy.net/search/show/9157697). Abb. 99: Pfarrer Joseph Spieker (Sammlung Ewald Spieker, Münster-Hiltrup) Nach dem Besuch der Volksschule in Greven, Schmede- hausen, wechselte er auf das Gymnasium Paulinum in Münster, wo er Ostern 1902 sein Abitur ablegte?, dem sich das Theologiestudium in Münster anschloss; im Jahre 1905 wurde er am bischöflichen Priesterseminar immatri- kuliert’. Am 16. Juni 1905 erfolgten die niederen Weihen‘. 2 Schulnachrichten des Gymnasiums Paulinum 1902. Münster 1902, 5.18 Priesterseminar Münster Matrikel Nr. A 88 4 Kirchl. Amtsblatt Münster 1905, 5.55 w 145 Lebensbilder Abb. 100: Einführung von Joseph Spieker (mit Kreuz in der Hand) als Pfarrer in Albachten im n Jahre 1934 (Bildersammlung Norbert Espenkott) Die Subdiakonsweihe war am 10. August 1905°, die Di- akonsweihe am 23. Dezember 1905°, jeweils in Münster. Die Priesterweihe schließlich empfing er am 9. Juni 1906 (Donnerstag nach Pfingsten) im Hohen Dom zu Müns- ter’ aus der Hand des Bischofs Hermann Jakob Dingelstad (1835-1911). Am 27. Mai 1906 wurde er zum Kaplan ernannt und gleichzeitig zum Vikarieverwalter an St. Joannis Bap- tist, St. Anna et St. Antoni zu Nienborg?. Seine Ernen- nung zum Kaplan in Marl St. Georg.erfolgte am 5. August 1911°, der dann die Ernennung zum Vikar dortselbst am 5. November 1915 folgte'". Die Ernennung zum dritten Kaplan zu Rheine, St. Antonius, war dann am 24. Januar 1920''. In Rheine, St. Antonius wirkte er darın bis Anfang 1934, ehe er schließlich am 18. Januar 1934 zum Pfarrer von St. Ludgerus zu Albachten ernannt wurde"? und damit zum Nachfolger des Pfarrers Heinrich Thoms (*29. De- zember 1874, Holtwick, #22. Dezember 1933, Albach- ten'*) wurde, der ab 1925 in Albachten gewirkt hatte. Sein priesterliches Leben war sehr konservativ gelei- tet. Davon wich er auch nicht durch Weisungen zurück. Sein Neffe, Pfarrer em. Ewald Spieker, wusste zu berich- " ten, dass er von seinem vorgesetzten Pfarrer in Rheine die Anweisung erhielt, für einen Selbstmörder ein kirchliches Begräbnis auszurichten. Dieses lehnte er aus Gewissens- Ebd: 1905, S. 61. Ebd. 1906, S. 19%. Ebd. 1906, S. 92; Priesterbuch des Bistums-Münster 1957, 5.23 Ebd. 1906, S. 97; Priesterbuch wie vor Ebd, 1911, $. 90; Priesterbuch wie vor 10 Ebd. 1915, $. 114; Priesterbuch wie vor 11 Ebd. 1920, S, 18; Priesterbuch wie vor 12 Ebd. 1934, $. 18, 22; Priesterbuch wie vor 13 Ebd. 1933, 5.142 vowuau 146 Abb, 101: Bischof Graf von Galen (Bildmitte) bei seinem Besuch 1938 in Albachten vor der Albachtener Kirche (links neben dem Kreuz Pfarrer Spieker) (Sammlung Norbert Espenkott) gründen ab und wandte sich sogar bis an den Heiligen Stuhl in Rom, wo ihm Recht gegeben wurde. Gleich zu Beginn seiner Amtszeit in Albachten emp- fing ihn der Donner des Naziregimes. Er war ein Mann klarer Worte und sagte, was er dachte. Es war daher nicht verwunderlich, däss die Nationalsozialisten sich ihn aufs Korn nahmen. In einem Bericht der Staatspolizeistelle für den Regierungsbezirk Münster vom 5. Juli 1935 über ein Gespräch mit dem Pfarrer vom 21. Januar 1935 wird beschrieben, dass Pfarrer Spieker deutliche Worte über das. Verhalten der Staatsgewalt, insbesondere über die Einschränkungen der Rechte der Kirche fand'*. Das ge- gen Pfarrer Spieker eingeleitete Strafverfahren wurde von dem Sondergericht in Dortmund eingestellt, wie aus dem Monatsbericht-der Staatspolizeistelle Münster über Maß- nahmen gegen Geistliche hervorgeht". Bereits sechs Monate vor dem allgemeinen Unterrichts- verbot für Geistliche erhielt Joseph Spieker am 16. März 1937 Unterrichtsverbot durch die Regierung und durfte fortan keinen Religionsunterricht in Schulen mehr ertei- len?%, 14 Meldungen aus Münster: 1924-1944; geheime und vertrauliche Berichte von Polizei, Gestapo, NSDAP und ihren Gliederungen, " staatlicher Verwaltung, Gerichtsbarkeit und Wehrmacht über die politische und gesellschaftliche Situation in Münster; eingeleitet und bearbeitet von Joachim Kuropka. Münster 1992 S. 446 fl. 15 A.a.0. 5.499 16 Priester unter Hitlers Terror, eine biographische und statistische Erhebung Band II, 4. Aufl., bearbeitet von Ulrich von Hehl, Chri- stoph Kösters, Petra Stenz-Maur und Elisabeth Zimmermann; in: Veröffentlichung der Kommission für Zeitgeschichte, Reihe A: Quellen - Band 37., Paderborn u.a. 1998; mit einem Verweis auf: Der Kampf um die Schulen in Westfalen 1933-1945, von Wilhelm Damberg, in: VKZG, Reihe B: Forschungen Bd.43, Mainz 1986 Pfarrer Joseph Spieker (1881-1962) Sicher hat es Joseph Spieker in seinem Widerstand ge- gen das Naziregime sehr geholfen, dass der Bischof von - Münster, der spätere Kardinal Clemens August Graf von - Galen, sich gleichfalls resolut gegen die Einschränkungen der Kirche wehrte, Die Visitation des Bischofs im: Jahre 1938 in Albachten kam deshalb sicher nicht von unge- fähr und hat die Stellung des Pfarrers gestärkt. Über die Zeit des Naziregimes fertigte er einen Pfarrbericht vom 17. März 1946 an das Generalvikariat zu Münster, der nachstehend in Bild und Text wiedergegeben wird: nr Ab. Am, 77 3.1946, Armen: en were, erpt Acım men ES \ Am zo ann el! Mienpin un) Dar Üanpa whnrr RE: Br Lu fn Be or A Ara, ee BAR et 09) = ee, „Pr wien Re z en nee sl REN hs Arsch nn Mm! ee Ir e Ar RER ar BEE ER A Ahr Aeafrimn nr EIREITG a a a Zn ya ae Fila 6 ie. rs a RT TR anfe Amar ee R BER TREE „A Beienun n £ ra a en DR Brenn Lehm 5 mpeg. Abb. 102a: Bericht Pfarrer Spiekers vom 17.03.1946 an das Generalvikariat, Seite 1 (Bistumsarchiv Münster [BAM], GV NA, Büro des Generalvikars, A 101-3) 147 Lebensbilder Yirgr Big van ei Bing mr lin Do Bee a Bla “2 Bern Bine Aug tg > Ir Irrgrrigg bei, FD Eh ER Dyeianın Armen Bump mag ur eh Sc Bi R ee ee = a Tan nn th. & Yu Be Wann Ra i Apiaehe ae: Pam = lin Pa Grickreig Ep en arg Pr Gap vun sfr Aa, Am tmft. FRE An Probe Po dent unterm, dann ur Aufadeigmnige Pr a ge in En, Apfe- ae Er Maar ICE Mech neh Pa ee - ig hehe Mon. ee a ur EEE een FE ER PR 5 .n EEE Ani unge rar Lern Ser ee ee A: FREE STERN ur Pr ; r ERTL “a Abb. 101b: Bericht Pfarrer Spiekers vom 17.03.1946 an das Generalvikariat, Seite 2 (Bistumsarchiv Münster (BAM), GV NA, Büro des Generalvikars, A 101-3) 148 Pfarrbericht Unser Homiletikprofessor, Damkapit[ular] Prof. Hüls sagte wieder- holt im Kolleg: Sie glauben nicht, wie dumm die Menschen sind, Die Bewegung des N. S. zeigt, daß die Menschen immer wieder auf die Lockung hereinfallen: Ihr werdet sein wie Gott. „Jetzt kann man doch wieder hoffen“ sagte ein altes Mütterchen nach der Macht- übernahme, obwohl es ihr bisher ganz gut gegangen war. Wenn Hirtenbriefe der Bischöfe verlesen waren, sagte Frauen, die nicht daran dachten, sich auch nur ein Jota aus b dem Glaubensbekenninis abknöpfen zu lassen: „Lassen die Kerls (Bischöfe) doch ihren Mund halten, sie wissen ja nichts davon“. Trotz aller Vergeweltigung warf man ja jedem Standes eine Zuckerbrocken vor: dem Arbeiter „Kraft durch Freude‘, deren Veranstaltungen manches Eheglück zerstörten, .. die Bauern hießen Erbhofbauern, wenn sie auch nichts auf ihrem Hof zu sagen hatten, Bessergestellte wurden durch Göring/s] Jagdfimmel ‚verführt, an Lebensfragen der Nation vorbeizusehen. Dabei litt das Ganze unsäglich unter dem vermehrten Wild- und Kaninchen- bestand. Als nach einigen strengen Wintern kein Obst in genügender Weise erschien, wurde alles der Kälte zugeschrieben, die soviele Obstbäume vernichtet habe, während das Wild hier im Westen doch viel mehr Schaden an Obst- Pflanzungen angerichtet hatte, aber das durfte nicht erwähnt werden. Es dauerte allerdings nicht gar zu viele Jahre, da hörte man schon 'Einsichtige gestehen: die Geistlichen habe doch richtig gesehen. Ich hatte zu Kirchweih in der Predigt vor allem die kulturelle Bedeu- Pfarrer Joseph Spieker (1881-1962) Albachten, 17.3.1946 tung der sakralen Kunst dargelegt. Der Orisgruppen- leiter, der mit ‚seinem Notizblock immer im Turm stand, hatte Bericht erstattet. Der berüchtigte Schulrat Knorps vernahm mich in der Schule über die Predigt. Er erhielt keine Antwort. Ich wurde von der Regierung aus der Schule verwiesen, ein halbes Jahr bevor die allgemeine Auswei- sung der Geistlichen aus der Schule erfolgte. In der nächsten Parteiversamm- lung der stärkst be- suchten, die jemals stattfand, verlangte die BErdREDnE Aufschluß, warum ich aus der Schule verwiesen sei: Umsonst. Mehrere B.G. [Parteigenossen], die aus Protest den Saal verließen, kamen vor das Parteigericht u. wurden durch Entziehung von Aufträgen bestraft. Der Ortsgruppenleiter ergriff bald danach in einer Wirtschaft das Hasenpanier, als einer mit einem Stuhle auf ihn los wollte, wagte aber nachher nicht, Anzeige zu erstatten. Verschiedene Male wurde ich vor Gericht geladen, weil Anzeigen gegen mich erstattet waren. Diejenigen, welche den Mut hatten, sich Angriffe auf Glauben und Priester zu verbitten, waren nicht sogenannte fromme und eifrige Christen sondern solche, von denen man es nicht erwartet hatte. Das in die Augen fallende Kirchentum ist also oft mit großer Feigheit verbunden, während ; echte aufrechte Christen von ihrem starken Innenleben erst in außerordent- lichen Zeiten efwas verraten. Welche Überraschungen wird der jüngste Tag noch bringen! Spieker Pflarrer]: 149 Lebensbilder Abb. 102: Pfarrer Joseph’ Spieker bei einem Besuch in Rom 1955 (Sammlung Ewald Spieker, Münster-Hiltrup) Auch nach dem Zweiten Weltkrieg blieb er bei seiner konservativen Grundhaltung und es wird in der Gemein- de berichtet, dass er sich mit der Besatzungsmacht heftig auseinandersetzte. So ist aus Gesprächen mit Zeitzeugen bekannt, dass er die einmarschierten amerikanischen Sol- daten drastisch anfuhr, als sie die Kirche durchsuchten, in die sich Mütter mit Kindern zurückgezogen hatten. Seine Worte waren etwa „sie wären schlimmer als die Nazis“. Da sie eine hinter dem Altar versteckte Pistole entdeck- ten, nahmen sie ihn in Gefangenschaft und setzten ihn im Pfarrhaus in Appelhülsen fest, aus dem er nach etwa drei Tagen entweichen konnte. Auch in seinen Predigten nahm er kein Blatt vor.den Mund, da er oft tagesaktuelle Themen einbezog, so dass sich manchmal auch Zuhörer vor den Kopf gestoßen fühl- 150 Abb. 103: Der Neupriester Pater Paul Stegemann (links) wird amı 25. Juli 1954 von Pfarrer Joseph Spieker und seinen Eltern Emma und Heinrich Stegemann zum Primizhochamt in seiner Heimat- ‚bfarrkirche geleitet (Foto: Johannes Eßmann 1) ten. Das Generalvikariat in Münster bat ilın deshalb, in . seinen Ausführungen überflüssige Schärfe zu vermeiden’. Sehr streng war er auch im Religionsunterricht in der Schule oder bei der Christenlehre am Sonntagnachmittag. Seine Neffe Pfarrer em. Ewald Spieker gab den Hinweis, dass er auch in einen Disput mit Bischof Michael Keller geriet, als dieser sich für die Neugestaltung des West- portals im Zuge des Wiederaufbaues des Paulus-Domes aussprach. Insbesondere die Beseitigung des Turmeingan- ges des Domes fand sein Missfallen; er drückte sich in ei- nem Leserbrief in den Westfälischen Nachrichten etwa so - aus, dass man „einer alten Frau den Zopf nicht abschneide dürfe“, 17 Bistumsarchiv Münster, GV NA, HA Seelsorge-Personal, A 500-34 j Pfarrer Joseph Spieker (1881-1962) Sein priesterliches Wirken war stets sehr familiennah; er nahm es sich zur Pflicht, einmal im Jahr jede Familie in Albachten zu besuchen, und das fast immer zu Fuß. Jedes Kind in seiner Gemeinde kannte er mit Vornamen - aber auch jeden Haushund konnte er mit Namen ansprechen. Die von ihm gelesenen Heiligen Messen waren von be- 'eindruckender Kürze. Bei sonntäglichen Messen, die der Hilfsgeistliche Kapları Hermann Gleis (*30. April 1883, Rheine, +26. Mai 1975, Havixbeck, Grab in Rheine) las, war er zu Anfang der Messe noch im Beichtstuhl, wech- „selte dann zur Predigt auf die Kanzel und fing gleich nach der Wandlung an, die Heilige Kommunion auszuteilen, während der Kaplan die Messe weiter zelebrierte. Ein Hochfest für den Gemeindepfarrer Spieker war es mit Gewissheit, als er am 25. Juli 1954 den Neupriester Paul Stegemann, Steyler Pater, zu dessen erster Heiliger ‚Messe in der Heimatpfarrkirche geleiten konnte, An die- ser Primizfeier nahm die ganz Gemeinde großen Anteil; von der Bahn, wo das Elternhaus stand, bis zur Kirche war die Straße festlich geschmückt; der lange Festzug wurde durch eine stattliche Reitereskörte angeführt. .. Ki Yun nerYr u In seiner Freizeit widınete er sich vor allem dem Pfarr- garten, der nach seinen Vorstellungen gestaltet wurde und aus dem er ein wahres Paradies machte; ein besonderes Augenmerk war die Blumenzucht. Auch der Imkerei hatte er sich voll verschrieben. Sein ganzes Leben blieb er dem elterlichen Hofe in Schmedehausen, den er oft besuchte, und auch der Landwirtschaft im Allgemeinen eng ver- bunden, Die Familie aus Schmedehausen wiederum ließ es sich nicht nehmen, häufig „Onkel Pastor” per Kutsche in Albachten zu besuchen. Einem guten Tropfen und dem Kartenspiel war er nicht abgeneigt. Da er ein großer Engelverehrer war, ließ Joseph Spie- ker auf seinem Weihekelch eine Engeldarstellung eingra- vieren. Diesen: Kelch vermachte er seinem Neffen Ewald : Spieker, der unter einem neuen Sockel des Kelches beider Weihedaten eingravieren ließ. _ Pfarrer Joseph Spieker verstarb am 10. Februar 1962 in Albachten und wurde unter großer Anteilnahme der Ge- meinde am 15. Februar 1962 auf dem kirchlichen Fried- hof an der Weseler Straße (heute Dülmener Straße) bei- gesetzt. Abb. 104: Boden des Kelches von Joseph und Ewald Spieker mit den eingravierten Daten der Priesterweihe (Foto: Josef Häming) 151 ®& [rs “2 " a « ” Kr Zn Sie * . v = .. = .. 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Übersichtsplan
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Anlage A
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Anlage A zur V/0604/2021 Kurzüberblick Die Straßen im Bebauungsplan Nr. 572 erhalten die Namen Marga-Spiegel-Straße, Nelly- Sachs-Weg, Barbara-Renz-Weg und Lily-Braun-Weg. Ziele/Teilziele/Zielerreichung Die Straßenbenennungen nach Marga Spiegel, Nelly Sachs, Barbara Renz und Lily Braun dienen dem Ziel »Münster auf der Basis unserer Geschichte und des Prinzips von „Toleranz durch Dialog“ zu einer weltoffenen Stadt weiterzuentwickeln.« Finanzierung Produktgruppe: 09 02 Vermessung, Kataster, Geoinformation Auswirkungen auf den Ergebnisplan Ja x Nein Auswirkungen auf den Finanzplan Ja x Nein Im beschlossenen (Nachtrags-)Haushaltsplan JJJJ enthalten? Ja x Nein Im Entwurf des (Nachtrags-)Haushaltsplan JJJJ enthalten? Ja x Nein Belastungen in zukünftigen HH-Jahren? Ja x Nein Bereits veranschlagt? Ja x Nein Durch den Beschluss entstehen der Stadt Münster keine Kosten und keine Folgekosten. Pflichtigkeitsgrad Die Maßnahme/Leistung ist vollständig pflichtig überwiegend pflichtig x überwiegend freiwillig vollständig freiwillig Unmittelbare, grundsätzliche Relevanz für Querschnittsthemen (Demographie, Gleichstellung, Inklusion, Klimaschutz, Migration) keine
Beschlussvorlage
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V/0604/2021 V/0604/2021 Öffentliche Beschlussvorlage Betrifft StraßenbenennungennachMargaSpiegel,NellySachs,BarbaraRenzundLilyBraunim BebauungsplanNr.572Albachten–südlichWeselerStraße/östlichHoheGeist Beratungsfolge 07.10.2021 BezirksvertretungMünster-West Entscheidung Beschlussvorschlag: I.Sachentscheidung: 1. DieStraßenimBebauungsplanNr.572Albachten–südlichWeselerStraße/östlichHohe GeisterhaltendieNamenMarga-Spiegel-Straße,Nelly-Sachs-Weg,Barbara-Renz-Weg undLily-Braun-WegentsprechendderDarstellungimbeiliegendenÜbersichtsplan. 2. DerAnregungderCDU-FraktioninderBVWestvom20.08.2021,Nr.A-W/0048/2021,wird nichtgefolgt.DieAnregungistdamiterledigt. II.FinanzielleAuswirkungen: EsentstehenkeineKostenundkeineFolgekosten. Begründung: DerBebauungsplanNr.572Albachten–südlichWeselerStraße/östlichHoheGeististnach demBeschlussdesRatesderStadtMünsterdurchBekanntmachungimAmtsblattam 16.07.2021inKraftgetreten.IndemBaugebietwerdenvierneueStraßennamenerforderlich. DieErschießungdesBaugebietesbestehtauseinerHaupterschließungsstraßeunddrei abzweigendenNebenstraßen. Marga-Spiegel-Straße MitSchreibenvom21.April2021stelltedieCDU-RatsfraktiondenAntragandenRat,alsbleibende ErinnerungeineStraßeinMünsternachMargaSpiegelzubenennen. Vermessungs-und Katasteramt 23.09.2021 Ihr/e Ansprechpartner/in: HerrZimmermann Telefon:492-6242 ZimmermannBernhard@stadt -muenster.de -4- V/0604/2021 AlsimSommer2020überdieUmbenennungdesStraßennamensDanzigerFreiheitdiskutiert wurde,stelltendieSPD-Fraktion,derEinzelvertreterfürDIELINKEundderEinzelvertreterfürdie FDPinderBezirksvertretungMittedenAntrag,denNamenDanzigerFreiheitinMarga-Spiegel- Straßeumzubenennen.Dazuistesnichtgekommen. Marga Spiegel,*21.6.1912†11.3.2014,jüdischeÜberlebendedesHolocaustsausdem nordrhein-westfälischenSchwalm-Eder-Kreis. NachdemAbituraneinemGymnasiuminFrankfurtstudierteMargaSpiegelPhysikund MathematikanderUniversitätMarburg.NacheinemSemesterwurdesiewegenihrer jüdischenAbstammungvonderUniversitätverwiesen.1937heiratetesieSiegmund „Menne“ SpiegelinAhlen.1940wurdesieausAhlenvertriebenundrettetesichgemeinsammitihrem MannnachDortmundineinsogenanntes„Judenhaus“.AlsSigmundSpiegel1943erneut vonderGestapovorgeladenwurde,flüchtetenbeideindenUntergrundundentgingenmit HilfevonkatholischenBauernimMünsterlanddernationalsozialistischenVerfolgung. DankdermutigenHilfederBauernüberlebtenMargaundSiegmundSpiegelundihreTochter dieNS-Zeit.1965veröffentlichtesieihreErinnerungenandieNS-ZeitindemBuch„Retterin derNacht“. DaraufhinwurdendieFamilien,dieFamilieSpiegelversteckthatten,vondem israelischenBotschafterinDeutschlandmitdemTitel„GerechteunterdenVölkern“geehrt. BiszuihremTod2014engagiertesiesichalsZeitzeuginumdieAufrechterhaltungder ErinnerungandieNS-VergangenheitundbesuchtezahlreicheSchulenundEinrichtungenim Münsterland,umvonihrenErlebnissenzuberichten. MargaSpiegelwurdemitdemBundesverdienstkreuzunddemVerdienstordendesLandes NRWgeehrt. DerAusschussfürGleichstellungderStadtMünsterhatmitdemBeschlussderVorlage V/0281/2021inseinerSitzungam17.06.2021beschlossen,dassdieStadtMünstereinehrendes AndenkenanbedeutendeFrauenpersönlichkeiten,derenNamenderVorlagealsAnlagebeigefügt sind,bewahrt.DieBezirksvertretungenwerdengebeten,geeigneteStraßennachdiesenFrauenzu benennen,umeineParitätbeinachPersonenbenanntenStraßenherzustellen.DerBeschluss umfasstdieNamenvon32FrauenzumBeispielauchNellySachs,BarbaraRenzundLilyBraun. Nelly-Sachs-Weg Nelly Sachs*10.12.1891†12.5.1970,wareinejüdisch-deutscheSchriftstellerin.Siefloh 1939vordemNS-RegimenachSchweden.Siewurde1966mitdemNobelpreisfürLiteratur ausgezeichnet.DerVorschlagwurdeimJahr2012imZusammenhangmitder UmbenennungvonNS-belastetenStraßengemacht. Barbara-Renz-Weg Barbara Renz,*12.12.1863,diekatholischeFrauenrechtleringiltalsfrüheAktivistinfür FrauenbildungundGleichstellung.NachderBeendigungihresStudiumsderPhilosophie, LiteraturundPsychologieanderSapienza-UniversitätinRomkehrtesiemitAbschlussihrer DoktorarbeitnachBayernzurück.DaFrauenjedochzumdamaligenZeitpunkteine AnstellunganeinerUniversitätnichtgestattetwar,nahmsieeinefünfjährigeTätigkeitals PrivatlehrerininderUSAauf.GemeinsammitihremBruderkamsie1902schließlichnach Münster,wosieeineZweigstelledesKatholischenFrauenbundeseröffnete.Aucherhieltsie -4- V/0604/2021 inMünsterdieErlaubnis,anderUniversitätAbendvorlesungenzuhalten.Als FrauenrechtlerinmachtesiesichinsbesonderefürdieGleichstellungderFrauinder GesellschaftundinderkatholischenKirchestark.VonbesondererBedeutungwarfürsiebis zuihremLebensende1955zudemderKampffürdasRechtvonMädchenundFrauenauf AusbildungundStudium. Lily-Braun-Weg Lily Braun,*2.7.1865,dieFrauenrechtlerinundAutorinsetztesichfürdieVereinbarkeitvon FamilieundBerufeinundengagiertesichsoalseinederführendenPersönlichkeitender damaligenFrauenbewegungvon1887bis1890inMünsterfürdiesesZiel.Auchverfasstesie mehrfachArtikelfürdieZeitschrift„Frauenbewegung“,nachdemsiesichbereitsin JugendjahrenkritischmitsozialerUngerechtigkeitundderUngleichstellungderFrauinder deutschenAdelsgesellschaftauseinandergesetzthatte.BiszuihremTodimJahr1917setzte siesichzudemalsMitbegründerindes„BundesfürMutterschutz“fürbessere ArbeitsbedingungenfürFrauenundMüttereinundgiltalswichtigeFigurderfrühen FrauenemanzipationsbewegungdesKaiserreiches. Antrag der CDU-Fraktion in der BV West Nr. A-W/0048/2021 MitdemSchreibenvom20.08.2021beantragtdieCDU-FraktioninderBV-WestdreiStraßenim BebauungsplanNr.572Albachten–südlichWeselerStraße/östlichHoheGeistnachMaria Bruns(1908-1940),nachMariaEggemann,geb.SchulteAltenroxel,undnachJosephSpieker, PfarrervonAlbachtenseit1934,zubenennen. Maria Bruns(1908-1940)geb.13.8.1908inRoxelalsMariaPöppelmann,verstorbenam 1.7.1940inAlbachten.SiewarzusammenmitihrenbeidenKleinkindernundihrerNichtedas ersteBombenopferdes2.WeltkriegsinAlbachten. EshandeltsichuminsgesamtvierBombenopfer(MariaBrunsmitihrenKindernHeinrichund MarliesowieAgnesPöppelmann),dieaufdemehemaligenFriedhofinAlbachtenander DülmenerStraßebeerdigtsind.EinweitererGedenksteinandievierBombenopferbefindet sichaufdemkommunalenFriedhofinunmittelbarerNähederKircheinAlbachten. Maria Eggemanngeb.SchulteAltenroxel,geb.ca.1565inRoxel,heiratete1588Johann EggemannausAlbachten,der1613verstarb.SiewurdealsWitwederHexereiangeklagt undkonntesich1630nurgegenLeistungeinerUhrfehdevordemFeuer-bzw.Galgentod retten. InderPublikationvonSabineAlfing:HexenjaddundZaubereiprozesseinMünster/NewYork 1991,abS.60f.sinddieErmittlungenvon1630gegen„MarieEggers,genanntAldenroxel“ näherausgeführt.DieAusführungenfußenimWesentlichenaufeinerAkteausdemBestand desStadtarchivs,Gerichtsarchiv:ActaCriminaliaNr.65:UntersuchungengegenMarieWitwe Eggers(oderEggemann)gnt.AldenroxelwegenVerdachtsaufZauberei.Die VerdächtigungenstellensichschnellalsübleNachredeherausundMarieEggerswurde gegenLeistungderUrfehde(=beeideterVerzichtaufStreitoderRache)freigesprochen.Für dieunterschiedlichenNamensbezeichnungenfehlenhierdieHinweise.Die StraßenbenennungliegtparallelzurBenennungnachGretaBünichman.Beibeiden StraßenbenennunghandeltessichumeineFormderErinnerunganunschuldigeOpfer frühneuzeitlicherHexenverfolgung. -4- V/0604/2021 Joseph Spieker(1881-1962)kath.PfarrervonAlbachtenseit1934. WeitereAngabenzurPersonausdemBuch „Willkommen in Albachten“,Münster2017,sind demAntraginAnlage1beigefügt. DieVerwaltungempfiehlt,diesedreiNamenzueinemspäterenZeitpunktineinemanderen BaugebietinAlbachtenzuverwenden. DiesesBaugebietisteinebisherunbebauteFläche.UmbenennungenvonvorhandenenGebäuden sindnichtnotwendig. InVertretung Gez. RobinDenstorff Stadtbaurat Anlagen: Übersichtsplan Anlage-1-CDU-Antrag AnlageA
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: einstimmig geändert beschlossen
Zur SitzungOrte (6)
- Weseler Straße
- Mauritzstraße 4
- Dülmener Straße
- Marga-Spiegel-Straße
- Hohe Geist
- Freie Flur
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Details
- Aktenzeichen
- V/0604/2021
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 14.09.2021
- Erstellt
- 10.08.2021 10:35