V/1058/2008
Erfolgskontrolle LSA-Steuerung und Grüne Wellen Modellachse Albersloher Weg
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Beschlussvorlage
16442 Zeichen
V/1058/2008
DER OBERBÜRGERMEISTER
Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung, Verkehrsplanung
Betrifft
Erfolgskontrolle LSA-Steuerung und Grüne Wellen Modellachse Albersloher Weg
Beratungsfolge
20.01.2009 Bezirksvertretung Münster-Südost Anhörung
03.02.2009 Ausschuss für Umweltschutz und Bauwesen Vorberatung
05.02.2009 Ausschuss für Stadtplanung, Stadtentwicklung, Verkehr und Wirtschaft Entscheidung
Beschlussvorschlag:
I. Sachentscheidung:
1. Der Bericht über die Ergebnisse der unabhängigen Erfolgskontrolle zur Lichtsignalsteu-
erung der Modellachse Albersloher Weg durch die Ruhr Universität Bochum wird zur
Kenntnis genommen.
2. Mit dem Ziel eine größere Erfahrungsbasis zu erhalten und vor dem Hintergrund der
Luftschadstoffproblematik der Weseler Straße wird die Weseler Straße/Steinfurter
Straße als zweite Modellachse mit einer „adaptiven Netzsteuerung“ ausgestattet.
II. Kosten/Folgekosten
Es wird zur Kenntnis genommen, dass für den Einsatz des Softwarebausteins „adaptive Netzsteu-
erung“ an der zweiten Modellachse Weseler Straße/Steinfurter Straße Kosten in Höhe von 160 T€
anfallen. Bei kalkulierten Kosten von 2,8 Mio € für die Erneuerung der 35 Lichtsignalanlagen der
Achse Weseler Straße/Steinfurter Straße (einschl. der Maßnahmen zur Beseitigung von 17 vom
GDV ausgewiesenen Unfallhäufungsstellen vgl. Vorlage V/0997/2008) belaufen sich die Kosten für
den Einsatz der „adaptive Netzsteuerung“ auf ca. 6 Prozent der Investitionssumme. Der Software-
baustein „adaptive Netzsteuerung“ wird vom Zuwendungsgeber gefördert und ist ein wesentlicher
Aspekt für die Förderung der Gesamtmaßnahme bei erwarteten Zuwendungen vom Land und
Bund nach dem GVFG in Höhe von ca. 64 % der zuschussfähigen Gesamtkosten.
III. Finanzierung/Mittelbereitstellung
Die o. g. Sachentscheidung ist wie folgt zu finanzieren:
Vorlagen-Nr.:
V/1058/2008
Auskunft erteilt:
Herr Pott
Herr Zelke
Ruf:
492 61 85
492 69 11
E-Mail:
Pott@stadt-muenster.de
Zelke@stadt-muenster.de
Datum:
15.01.2009
Öffentliche Beschlussvorlage
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V/1058/2008
Aufwendungen
Nr. Bezeichnung Haush.-
jahr
Betrag
€
Bemerkungen
Produktgruppe 1201 Bereitst ellung von Verkehrs-
flächen und -anlagen
Teilfinanzplan (Maß-
nahme)
0008 Verkehrsanlagen Neubau und
Erneuerung
2009 80.765,30 Motion Zentral
Siemens AG
Teilfinanzplan (Maß-
nahme)
0008 Verkehrsanlagen Neubau und
Erneuerung
2009 45.815,00 Lizenzkosten
MX-Modul
Produktgruppe 1202 Verkehrsplanung
Teilfinanzplan (Zeile) 12 Sonst. Investitionszahlungen 2009
Investitionsmaßnahme 0010 Erstellung Steuerungssoftware 2009 32.487,00 Planung MX-
Modul PTV AG
Insgesamt: 159.067,30
Erträge
Nr. Bezeichnung Haush.-
jahr
Betrag
€
Bemerkungen
Produktgruppe 1201 Bereitst ellung von Verkehrs-
flächen und -anlagen
Teilfinanzplan (Maß-
nahme)
0008 Verkehrsanlagen Neubau und
Erneuerung
2009 618.200,
00
Insgesamt: 618.200,
00
Begründung:
Zu 1. :
Mit der nichtöffentlichen Beschlussvorlage V/ 0717/2005 hat der ASSVW am 14.09.2005 den Lehr-
stuhl für Verkehrswesen der Ruhr Universität Bochum und Prof. Dr. Ing. W. Brilon als verantwortli-
chen Leiter mit der „Evaluierung (Erfolgskontrolle und Bewertung) der Lichtsignalsteuerung und
der Grünen Wellen der Modellachse Albersloher Weg“ beauftragt.
Die Messungen erfolgten für die drei Bewertungszustände:
- Vorher Messung im Altsystem März 2006
- Nachher I klassische Optimierung (mit abgeschalteter adaptiver Netzsteuerung) im Juni 2008
- Nachher II mit eingeschalteter adaptiver Netzsteuerung Motion im Juni 2008
Die Messungen wurden mit jeweils ca. 500 Messfahrten an den drei betrachteten Bewertungszu-
ständen mit GPS- und Videomessfahrzeugen durchgeführt. Es wurden jeweils 10 Messfahrzeuge
eingesetzt. Die Studenten des Lehrstuhls als Fahrer hatten die Anweisung im Verkehrsfluss „mit zu
schwimmen“, um ein möglichst objektives Bild der Verkehrssituation zu erhalten. Mit diesen Mes-
sungen wurde die Qualität der Grünen Welle (Anzahl der Halte vor roten LSA) sowie die mittlere
Reisegeschwindigkeit erhoben und anschließend vom Lehrstuhl bewertet.
Neben dem Albersloher Weg in ganzer Länge (Route 1 vom Hansring bis zum Osttor) wurden zu-
sätzlich auch 4 wichtige und stark belastete Ein- und Ausbiegerbeziehungen gemessen, die den
Albersloher Weg auf wichtigen Teilabschnitten im Norden und Süden befahren. Die Ergebnisse
können detailliert in der Langfassung des Untersuchungsberichts der Ruhr Universität nachgele-
sen werden, der als Download im Internet unter der Adresse abrufbar
http://www.muenster.de/stadt/stadtplanung/gruenewellen.html
ist.
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Zum Qualitätsvergleich von Grünen Wellen gibt es nur wenige Veröffentlichungen. Die nachfol-
gende Abbildung wurde nach ähnlichen ADAC-Messfahrten in acht Städten in der ADAC-
Motorwelt 1/2003 veröffentlicht. Die Grafik zeigt die Anzahl der Ampeln (in Prozent), an denen die
Messfahrzeuge durch rote Ampeln zum Halten gezwungen wurden. Die Qualitätsgrenzen (15 %
Halte; 25 % Halte) orientieren sich dabei an den Qualitätsgrenzen des Koordinierungsmasses
nach dem „Handbuch für die Bemessung von Straßenverkehrsanlagen HBS 2001/2005“ Kap. 6.32;
das als anerkannter technischer Standard von der „Forschungsgesellschaft für Straßen- und Ver-
kehrswesen FGSV“ herausgegeben wird und an dem Prof. Dr. Brilon maßgebend mitgewirkt hat.
In der Langfassung des Untersuchungsberichtes (vgl. Seite 35 Tab. 4.7) ist die Qualität der Grü-
nen Wellen aller betrachteten Routen entsprec hend dem HBS als Koordinierungsmaß (Prozent-
satz der Durchfahrten an LSA ohne Halt) angegeben.
.
Abb. 1 Qualitätsvergleich von Grünen Wellen in 8 Städten (Quelle ADAC Moterwelt 1/2003)
Die in Abb. 1 dargestellten Werte wurden vom ADAC außerhalb der morgendlichen Hauptver-
kehrszeit gemessen. Die Werte für die morgendliche Berufsspitze von 7:00 bis 09:00 Uhr sollen
laut den ADAC Veröffentlichungen – mit wenigen Ausnahmen- deutlich schlechter sein, detaillierte
Werte für die Berufsspitze wurden aber nicht veröffentlicht. Bei dem Vergleich von Grünen Wellen
ist zu berücksichtigen, dass auf jedem Straßenzug unterschiedliche physikalische Gegebenheiten
(Abstände der Kreuzungen, Verkehrsbelastungen etc.) gegeben und zu berücksichtigen sind.
Zum Vergleich und zur Einordnung sind für den Albersloher Weg (Route 1 Albersloher Weg in vol-
ler Länge vom Hansaring bis zum Osttor) die Ergebnisse der Messungen der Vorher, der Nacher I
und der Nachher II Messungen in Analogie zur ADAC Grafik visualisiert. Bei der Bewertung ist zu
berücksichtigen, dass die in der Abb. 2 dargestellten Werte des Albersloher Weges die morgendli-
che (7:00 bis 9:00 Uhr) und die nachmittägliche (16:00 bis 18:00) Hauptverkehrszeit zeigen, die
i.d.R. durch die höhere Auslastung schlechtere Qualitäten bei den Grünen Wellen erwarten lassen.
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Abb 2. Vergleich der Messergebnisse des Albersloher Weges (Route 1 Hansaring bis Osttor)
An kaum einem Element der städtischen Verkehrsplanung treffen die unterschiedlichen Verkehrs-
arten (Kraftfahrzeugverkehr, ÖPNV, Rad- und Fußgängerverkehr), die Verkehrssicherheit und die
verkehrsbedingten Umweltbelastungen so eng aufeinander wie bei der innerstädtischen Lichtsig-
nalsteuerung. Die innerstädtische Lichtsignalsteuerung kann deshalb immer nur ein angemessener
Kompromiss aller Verkehrsarten sein und versuchen, unter Berücksichtigung der Anforderungen
aller Verkehrsarten die Verkehrströme im Netz so gut wie möglich zu steuern. Grüne Wellen für
den Kraftfahrzeugverkehr sind bei dieser Betrachtung nur ein – wenn auch wichtiger- Faktor.
Um unter dem Gesichtspunkt einer ganzheitlichen Betrachtung die Situation aller Verkehrsarten
zusammengefasst zu bewerten wurde von der Ruhr Universität ein „Performance Index“ (frei über-
setzt: Qualitätsanzeiger) gebildet. Der Performance Index betrachtet neben den Halten für die
Kraftfahrzeuge in den koordinierten Richtungen auch die parallel zu den Messfahrten ebenfalls
erhobenen Wartezeiten für Fußgänger, Radfahrer, die Reisezeiten des Linienbusverkehrs und die
Wartezeiten des Kraftfahrzeugverkehrs ausgewählter Nebenrichtung/Abbiegerströmen.
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Untersuchungs- Vorher Nachher I Nachher II
zeitraum (klassische Optimi erung) (adaptive Netzsteuerung)
Performance
Indizes
Performance
Indizes
Veränderung
in Prozent
Performance
Indizes
Veränderung
in Prozent
Morgenspitze 32 28 -13% 20 -38%
(7:00 bis 9:00 Uhr)
Nachmittagsspitze 35 26 -26% 22 -37%
(16:00 bis 18:00 Uhr)
Der Betrag, um den der Performence Index reduziert wurde, gibt die eingetretene Verkehrsverbes-
serung bei einer ganzheitlichen Betrachtung an. Es wird deutlich, dass laut den umfangreichen
Messungen des Lehrstuhls der Ruhr Universität durch
• die mit der Nachher I Messung bewertete Modernisierung des Lichtsignalsteuerungssys-
tems mit einer „klassischen Optimierung“ der Signalprogramme
• und den darauf aufbauenden und am Albersloher Weg erstmals in Münster eingesetzten
innovativen Baustein einer „adaptiven Netzsteuerung“ bei der Nachher II Messung
nennenswerte Verkehrsverbesserungen erreicht wurden.
Im Bereich Ratio/WLE-Brücke hat es in den Jahren 2007/08 zwischen der Vorher- und den Nach-
her- Messungen einen umfangreichen Straßenausbau gegeben. Der Trend der Verkehrsverbesse-
rungen wird auch bestätigt, wenn dieser Ausbaubereich mit den Lichtsignalanlagen bei der Analy-
se (Route 1*) ausgeblendet wird.
Es soll aber auch erwähnt werden, dass bei Fußgänger- und Radverkehrsquerungen über den
Albersloher Weg an einigen Lichtsignalanlagen mit der klassischen Optimierung (und damit auch
bei der darauf aufsetzenden „adaptiven Netzsteuerung“) zum Teil längere Wartezeiten auftreten.
Diese Veränderungen resultieren nach einer ersten Sichtung im Wesentlichen auf dem Einsatz
einer Blockschaltung (gleicher Grün- und Rotbeginn bei hintereinander liegenden Fußgängerfur-
ten). Wegen der Verwechslungsgefahr werden Fußgängersignalisierungen mit unterschiedlichen
Grünbeginn und Grünende an hintereinander liegenden Fußgängerfurten mit einer Mittelsinsel
durch Blockschaltungen (gleicher Grünbeginn und gleiches Grünende an hintereinander liegenden
Furten) ersetzt. Bei den Vorher- Messungen wurden nur die Wartezeiten bis zum Grünbeginn der
ersten Furt erhoben. Zusätzliche Wartezeiten auf der anschließenden Mittelsinsel wurden nicht
berücksichtigt. Die Wartezeiten der Nachher- Messungen sind mit den aus Verkehrssicherheits-
gründen eingeführten „Blockschaltungen“ deshalb ungünstiger.
Es wird darauf hingewiesen, dass mit dem Verkehrssicherheitsprogramm Vorlage V/0997/2008
die Verwaltung vorschlägt, wegen der Unfalllage die zulässige Höchstgeschwindigkeit am Albers-
loher Weg in Gremmendorf (von heute 70km/h) auf Vzul= 50 km/h zu reduzieren und an vier Licht-
signalanlagen zusätzlich getrennte Linksabbiegerphasen einzuführen.
Fazit/Ausblick
Die unabhängigen Erfolgskontrolle
durch die Ruhr Universität Bochum bescheinigt gegenüber dem
Altsystem nennenswerte Verkehrsverbesserungen sowohl durch die Modernisierung des Lichtsig-
nalsteuerungssystems mit einer „klassischen“ Optimierung als, als auch für die darauf aufbauende
und in Münster erstmals eingesetzte „adaptive Netzsteuerung“.
Begründet durch die Rückmeldungen einiger Verkehrsteilnehmer und Ausreißer in den Messungen
sieht die Verwaltung aber noch den Bedarf, die zu hohe Flexibilität der „adaptiven Netzsteuerung“
am Albersloher Weg im Rahmen einer Feinjustierung zu Gunsten von kontinuierlicheren Abläufen
(z.B. bei den Grünen Wellen) zu begrenzen. Weiterhin sollen erkannte und noch nicht behobene
Probleme (Störungen bei Umschaltungen, Fehlanforderungen durch die Videodetektion, automati-
sche Qualitätskontrolle Grüne Wellen, Simulation) behoben werden. Es gilt bei der Feinjustierung
am Albersloher Weg und bei zukünftigen Achsen auch verstärkt darauf zu achten, bei der aus Ver-
kehrssicherheitsgründen erfolgten Umsetzung der Blockschaltung (bei hintereinander liegenden
Fußgängerfurten mit Mittelinseln) die aus dieser Verkehrsicherheitsmaßnahme resultierenden hö-
heren Wartezeiten für Fußgänger und Radfahrer abzumildern. Die Verwaltung beabsichtigt diese
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Änderungen spätestens mit der in der Vorlage V/0997/2008 vorgeschlagenen Reduzierung der zul.
Geschwindigkeit und den vier getrennten Linksabbiegersignalisierungen umzusetzen.
Zu 2.
Mit den Vorlagen (V/0885/2007 „Auftragsvergabe für signaltechnische Planungsarbeiten Achse B
Steinfurter Straße/Weseler Straße“ und dem Baubeschluss AUB (V/0258/2007) wurde die Moder-
nisierung der 35 Lichtsignalanlagen der Achse B Steinfurter Straße/Weseler Straße beschlossen
und die Maßnahme befindet sich in der Umsetzung. Nach Ansicht der Verwaltung ist auch im Hin-
blick auf die Unfallsituation (Vorlage V/0997/2008) die Modernisierung des überalterten Lichtsig-
nalsteuerungssystems mit einer klassischen Optimierung in den nächsten Jahren dringend erfor-
derlich und unverzichtbar.
Die „adaptiven Netzsteuerung“am Albersloher Weg hat, wie von der Ruhr Universität unabhängig
bestätigt, zu nennenswerten Verkehrsverbesserungen geführt und die grundsätzliche Eignung
Verkehrsabläufe zu verbessern nachgewiesen. Als Option (Wahlposition) war der Softwarebau-
stein für eine „adaptiven Netzsteuerung“ in den Angebotsanfragen auch bei der Achse B (Weseler
Str./Steinfurter Str.) enthalten, die Beauftragung war aber unter den Vorbehalt entsprechender
Beschlüsse nach Abschluss der unabhängigen Erfolgskontrolle an der Modellachse Albersloher
Weg gestellt.
Die Verwaltung schlägt deshalb vor, eine „adaptive Netzsteuerung“ als zweite Modellachse auch
auf der Steinfurter Straße/Weseler Straße zu beauftragen und deren Wirkung zu überprüfen. Nach
den ersten Erfahrungen auf dem Streckenzug Albersloher Weg sollen auf der zweiten Modellachse
weitere Erfahrungen mit einer „adaptiven Netzsteuerung“ in einem Einsatzfeld, das eher einer
Netzstruktur (in dem Dreieck Grevener Straße/Steinfurter Straße/York-Ring) entspricht, gewonnen
werden.
Von einigen Fachleuten werden auch im Hinblick auf das Thema Luftreinhaltung und die EU-
Grenzwerte große Erwartungen an die „adaptive Netzsteuerung“ geknüpft. Die Achse Weseler
Straße/Steinfurter Straße mit NOx Überschreitungen an der LANUV-Messstelle Weseler Stra-
ße/Moltkestraße bietet hier die Möglichkeit, eine „adaptive Netzsteuerung“ nach dem Modell Al-
bersloher Weg in einem weiteren Schritt in Rich tung einer umweltsensitiven „adaptiven Netzsteue-
rung“ zu entwickeln und diesbezügliche Erfahrungen zu sammeln. Prof. Dr. Brilon und der Lehr-
stuhl für Verkehrswesen der Ruhr Universität ist mit dem Forschungsvorhaben des BMVBS und
der bast (FE 77.0484/2006) „Untersuchung der Einflussmöglichkeiten verkehrsadaptiver Netzsteu-
erung auf die Emissions- und Immissionsbelastung städtischer Straßennetze“ beauftragt worden,
in dem untersucht werden soll, inwieweit eine „adaptive Netzsteuerung“ einen Beitrag zur Luft-
schadstoffminderung leisten kann. Die Achsen A Albersloher Weg und B Wesler Str./Steinfurter
Straße sollen dabei möglichst mit einbezogen werden.
Es wird darauf hingewiesen, dass durch die geplanten Verkehrssicherheitsmaßnahmen an den 17
vom GDV als Unfallhäufungsstellen ausgewiesenen Lichtsignalanlagen (vgl. Vorlage V/0997/2008)
und den zusätzlichen Anforderungen aus der Luftreinhaltung an der Achse Steinfurter Stra-
ße/Weseler Straße vermutlich nicht so hohe Qualitätsverbesserungen zu erwarten sind wie am
Albersloher Weg. Es kann schon als Erfolg angesehen werden, wenn das heutige Qualitätsniveau
mit Umsetzung der Verkehrssicherheitsmaßnahmen (z. B. getrennte Linksabbiegersignalisierun-
gen) gehalten werden kann.
Die Entscheidung zum weiteren Einsatz einer „adaptiven Netzsteuerung“ bei folgenden Achsen
sollte nach Ansicht der Verwaltung dann nach der Inbetriebnahme der Achse B und ersten Praxis-
erfahrungen voraussichtlich in 2010 auf dieser dann größeren Erfahrungsbasis erfolgen.
I.V.
Schultheiß
Stadtdirektor
Anlagen: Kurzfassung „Evaluierung (Erfolgskontrolle und Bewertung) der Grünen Wellen im
Zuge der Modellachse Albersloher Weg mittels Reisezeitmessungen“
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Anlage 1 V/1058/2008
5900 Zeichen
Evaluierung (Erfolgskontrolle und Bewertung) der Grünen Wellen im Zuge der Modellachse Albersloher Weg in Münster mittels Reisezeitmessung Kurzfassung Januar 2009 Ruhr-Universität Bochum Lehrstuhl für Verkehrswesen Prof. Dr.-Ing. W. Brilon Auftragnehmer: Prof. Dr.-Ing. W. Brilon Sachbearbeiter: Dipl.-Ing. Th. Wietholt 2 Die Lichtsignalsteuerung (24 Knotenpunkte mit Lichtsignalanlagen) auf dem Albersloher Weg wurde in den Jahren 2006 bis 2008 schrittweise erneuert. Diese Umstellung der Lichtsignal- steuerung wurde durch empirische Messungen verkehrstechnisch begleitet. Die drei Entwicklungs- stufen und die untersuchten Steuerungsverfahren sind in Tabelle 1 dargestellt. Entwicklungsstufe Steuerungsverfahren Messung 0 Grundzustand der Steuerung Verkehrsabhängig und festzeitgesteuert VORHER 1 Konventionell verkehrsabhängig mit neuer Optimierung NACHHER-I 2 Verkehrsadaptive Steuerung nach dem Verfahren MOTION NACHHER-II Tabelle 1: Zuordnung der Steuerungsverfahren zu den Messungen Zur Beurteilung und Einordnung der gesamten Verkehrssituation auf dem Albersloher Weg wurden die Verkehrsbelastungen des Straßenzuges mit der Floating Car Methode geschätzt. Zusätzlich wurden an einer lokalen Messstelle die Verkehrsstärken durch Detektordaten ermittelt. Durch diese Messanordnung ergibt sich ein belastbares Bild der Verkehrsituation, welches einen Vergleich der Messungen ermöglicht. Dabei stellte sich heraus, dass die Verkehrsituation auf dem Albersloher Weg bei allen drei Messungen ähnlich war. Die Verkehrsstärken während der NACHHER Messungen waren auf den meisten St reckenabschnitten auf einem ähnlichen Niveau. Im Vergleich zur VORHER Messungen konnten jedoch auf einigen Streckenabschnitten Unter- schiede festgestellt werden. Insgesamt sind die Verkehrsstärken auch hier sehr ähnlich. Die Verkehrsqualität des Kfz-Verkehrs wurde in den Untersuchungen durch GPS-Messungen bestimmt. Dabei befuhren in jeder Messung 10 Messfahrzeuge über einen Zeitraum von insgesamt 8 Stunden den Albersloher Weg auf unterschiedlichen Routen. Die Daten des ÖPNV und der Fußgänger und Radfahrer wurden vom ÖPNV-Betrieb und der Stadt Münster zur Verfügung gestellt. Die Messungen wurden jeweils über die gesamte befahrene Route und in jeder Knotenpunkt- zufahrt ausgewertet. Dabei stellte sich heraus, dass durch die verkehrsabhängige Steuerung (NACHHER-I) nennenswerte Verbesserungen in der Verkehrsqualität des Kfz-Verkehrs erreicht werden konnten. Die adaptive Steuerung (NACHHE R-II) konnte diese Verbesserungen noch einmal steigern. Beim ÖPNV zeigte sich ein etwas anderer Trend. Hier erreichte bereits die verkehrsabhängige Steuerung eine deutliche Reduzierung der Reisezeiten. Die adaptive Steuerung reduzierte die Reisezeiten noch einmal in einem geringeren Umfang. Beim nicht motorisierten Verkehr zeigte sich hingegen keine Verbesserung in der Verkehrsqualität durch die modernisierte Steuerung. Die Wartezeiten der querenden Fußgänger und Radfahrer erhöhten sich bei beiden NACHHER Messungen im Vergleich zur VORHER Messung. Dies ist darauf zurückzuführen, dass bei den neuen Steuerungen aus Sicherheitsgründen Blockschaltungen (Grünzeitbeginn für beide Richtungen an zweigeteilten Fußgängerfurten zum selben Zeitpunkt) eingeführt wurden. In einer zusammenfassenden Bewertung aller Verkehrsteilnehmer wurde schließlich der Performance Index berechnet. Dabei wurde deutlich, dass die konventionell verkehrsabhängige Steuerung im Vergleich zum Ausgangszustand eine nennenswerte Verbesserung erbracht hat (siehe Tabelle 2). Die adaptive Steuerung konnte diese Verbesserung der Verkehrsqualität noch übertreffen, so dass sich eine Reduzierung des Performance Index von über 35 % ergab. 3 Untersuchungs- zeitraum VORHER NACHHER-I NACHHER-II 7:00-9:00 Uhr 32 28 -13% 20 -38% 16:00-18:00 Uhr 35 26 -26% 22 -37% Tabelle 2: Performance Indizes Eine weitere Verbesserung der Verkehrsqualität des Albersloher Weges brachte der Straßen- ausbau in einem Teilabschnitt zwischen den Knotenpunkten 8040 (B51) und 8060 (Heumannsweg). Die Veränderungen in der Verkehrsqualität können in diesem Bereich sind daher nicht ausschließlich auf die Art der Lichtsignalregelung zurückzuführen. Aber auch wenn man diesen Bereich aus der Bewertung ausblendet, bestätigt sich der Trend. Auch hier wird eine leichte Verbesserung durch die verkehrsabhängige Steuerung und eine deutliche Verbesserung durch die adaptive Steuerung festgestellt. Die Veränderungen sind nun aber nicht mehr ganz so deutlich wie in Tabelle 2. Der Performance Index verbessert sich bei dieser Betrachtung um 28 % am Morgen und 29 % am Abend. Insgesamt kann die Einführung der neuen Lichtsignalregelung auf dem Albersoher Weg als Erfolg betrachtet werden. Gegenüber einer schon vorhandenen Koordinierung konnte die Verkehrs- qualität um ca. 30 % gesteigert werden. Außerdem zeigte sich, dass die adaptive Steuerung gegenüber einer konventionellen verkehrsabhängigen Steuerung noch einmal eine Verbesserung der Verkehrsqualität erbringt. Die Verbesserungen entstehen in erster Linie durch die weitest- gehend zügigere Führung des durchgehenden Verkehrs im Zuge des Albersloher Weges sowie durch die bessere Verkehrsqualität für die Linienbussse. Das eingetretene Ausmaß der Verbesserungen ist unerwartet hoch. Es ist davon auszugehen, dass durch die auf dem Albersloher Weg realisierte Signalsteuerung ein technisches Optimum auf dem Hintergrund des Standes der Technik erreicht wurde. Durch die vermiedenen Wartezeiten und Halte tritt eine Verringerung des Kraftstoffverbr auch und der Emissionen ein. Insgesamt bleibt festzustellen: Durch die neue Gestaltung der Signalsteuerung nach modernsten Methoden ist eine Verbesserung des Verkehrsablaufs für den Gesamtverkehr eingetreten.
Beratungsverlauf (3)
Beschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungBeschluss: mehrheitlich beschlossen
Zur SitzungBeschluss: mehrheitlich beschlossen
Zur SitzungOrte (9)
- Weseler Straße
- Steinfurter Straße
- Albersloher Weg
- Hansaring
- Heumannsweg
- Grevener Straße
- Moltkestraße
- York-Ring
- Osttor
Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.
Details
- Vorlagen-Nr.
- V/1058/2008
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 08.12.2008
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37