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A-R/0002/2008

Chance Ganztagsschule - Positive Auswirkungen der gebundenen Ganztagsgrundschule

Antrag an den Rat 24.01.2008

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Nächste Beratung: Rat, Sitzung am 13.02.2008, TOP 15.4

Originalantrag

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Originalantrag

6871 Zeichen

Antrag an den Rat Nr. A-R/0002/2008 
 
 
 
 
 
 
 
F DP - RATSFRAKTION  MÜNSTER – DIE LIBERALEN  
Die FDP  - Fraktion im Internet: http://www.fdp-ms.de Email: fraktion@fdp-ms.de 
FDP - Ratsfraktion 
 Geringhoffstraße 48 
 48163 Münster 
 Tel.: 0251 - 987 30 60 
 Fax: 0251 - 987 30 61 
 Email: fraktion@fdp-ms.de 
 
 
 
Münster, 23. Januar 2008 
 
Antrag:  
 
Chance Ganztagsschule –  
Positive Auswirkungen der gebundenen Ganztagsgrundschule 
auf den Bildungserfolg von Kindern untersuchen 
 
Der Rat möge beschließen: 
Die Verwaltung wird beauftragt, eine wissenschaftli che Untersuchung zu initiieren, in die an der 
Bildungsplanung Beteiligte, z. B. die Westfälische Wilhelms-Universität Münster, das Land Nordrhein-
Westfalen oder weitere Partner aus Wissenschaft und  Schule einbezogen werden. Ziel der Studie ist es 
zu erforschen, inwieweit gebundene Ganztagsgrundsch ulen dazu beitragen können, den von der 
Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und  Entwicklung (OECD) besonders für Deutschland 
beklagten unmittelbaren Zusammenhang zwischen sozia ler Herkunft und Bildungserfolg von Kindern 
positiv aufzubrechen. Die Untersuchung soll  
 
 die Auswirkungen der Verlängerung der Unterrichtsze it (8 bis 16 Uhr) und der so genannten 
Rhythmisierung an gebundenen Ganztagsgrundschulen, also der bewussten Verteilung von 
Unterricht, Förderprogrammen, Hausaufgabenbetreuung , freizeitpädagogischen Angeboten und 
Ruhephasen über den gesamten Tag, auf den Lernerfolg der Schüler analysieren, sowie 
 Schülerkarrieren/Schülerlebensläufe an den drei geb undenen Ganztagsgrundschulen in Münster 
unter Beachtung der datenschutzrechtlichen Bestimmu ngen gezielt nachzeichnen, um daraus 
fundierte Erkenntnisse über die soziale Herkunft un d den späteren Bildungs- und Berufserfolg 
von Schülern der gebundenen Ganztagsgrundschule abzuleiten. 
 
Begründung: 
Obwohl Deutschland im OECD-Vergleich einen großen A nteil seiner Wirtschaftsleistung in die 
Unterstützung von Familien und Kindern investiert, leben hierzulande mehr Kinder in wirtschaftlich 
prekären Verhältnissen als in den meisten anderen O ECD-Ländern. Ein wichtiger Grund dafür könnte 
sein, dass der Staat in Deutschland den Eltern für Kinder zwar vergleichsweise großzügige finanzielle 
Zuschüsse gewährt, aber nur in geringem Umfang in d ie Rahmenbedingungen und die Infrastruktur 
selbst (Tagespflege, Kindertagesstätten etc.) inves tiert. Diese Rahmenbedingungen sind aber eine 
wichtige Voraussetzung dafür, dass Eltern aus eigen er Kraft einen Beitrag zur Verbesserung der 
wirtschaftlichen Lage leisten können. Zu diesem Erg ebnis kommt der jüngste Ländervergleich der 
Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und  Entwicklung (OECD) über die Vereinbarkeit von 
Familie und Beruf, der am 29. November 2007 in Berlin vorgestellt wurde. 
1  
 
                                                 
1 OECD-Studie "Babies and Bosses - Reconciling Work a nd Family Life", URL: www.oecd.org/de/babiesandbosses , 
abgerufen am 3. Dezember 2007.

Familienförderung: Zu wenig Investitionen in Dienstleistungen und Infrastruktur  
Gemäß der OECD-Studie wendet Deutschland zwar rund drei Prozent seines Bruttoinlandsprodukts 
(BIP), und damit deutlich mehr Geld als andere OECD-Länder, für die Familienförderung auf. Während 
Frankreich, die skandinavischen Länder oder die Nie derlande aber 40 bis 60 Prozent ihres 
Gesamtbudgets zur Familienförderung direkt für Dien stleistungen und Infrastruktur ausgeben, sind dies 
in Deutschland nur rund 25 Prozent (alle Zahlen aus  2003). "Deutschland könnte durch mehr 
Betreuungsplätze und ganztägige Bildungsangebote di e Förderung von Kindern intensivieren, die 
Arbeitsaufnahme von Frauen erleichtern und dadurch auch die wirtschaftliche und soziale Situation von 
Familien verbessern", lautet daher das Fazit von Willem Adema, Experte für Familienpolitik im OECD-
Direktorat für Beschäftigung, Arbeitsmarkt und Sozialpolitik bei der Vorstellung der Studie in Berlin.  
 
Gerade in diesem Zusammenhang rückt das Angebot von  Ganztagsschulen wieder verstärkt in das 
Zentrum der bildungspolitischen Debatte. Vor allem die PISA-Studien haben deutlich gemacht, dass das 
bundesdeutsche Schylsystem verbessert werden muss: Trotz der unbestritten positiven Entwicklung seit 
der ersten PISA-Studie im Jahr 2000 liegt das Leist ungsniveau der deutschen Schüler nach wie vor 
lediglich im Durchschnitt der Industrieländer. Sowo hl die aktuelle PISA-Studie als auch die aktuelle 
Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung IGLU be legen zugleich, dass unser Bildungssystem 
sozial nicht ausgewogen ist. In keinem anderen vergleichbaren Land entscheidet die soziale Herkunft so 
sehr über den Bildungserfolg von Kindern wie in Deu tschland. Beide Studien belegen eine fehlende 
Chancengerechtigkeit insbesondere beim Übergang von  der Grundschule zum Gymnasium. "Dieser 
Befund ist 2006 noch deutlicher als 2001 sichtbar", heißt es dazu in der IGLU-Studie.
2  
 
Münsters Erfahrungen gezielt nutzen 
Die Stadt Münster hat bereits vielfältige Erfahrung en in der  Entwicklung von gebundenen 
Ganztagsgrundschulen gesammelt. Mit der Wartburg-Grundschule, der Gemeinschaftsgrundschule Berg 
Fidel und der Grundschule Kinderhaus-West gibt es i n unserer Stadt drei gebundene 
Ganztagsgrundschulen bzw. Schulen mit gebundenen Ga nztagszweigen, die auf eine langjährige 
Tradition zurückblicken können: Die Wartburgschule begann ihr Schulprofil bereits Ende der sechziger 
Jahre zu entwickeln, als der erste integrierte Ganz tagszug konzipiert wurde. Am 6. August 1979 fand 
der erste Schultag im Ganztagszweig als Modellvorha ben der Bund-/ Länderkommission mit 
wissenschaftlicher Begleitung statt. Die Grundschul e Berg-Fidel hat seit 1992 ein gebundenes 
Ganztagsmodell, die Grundschule Kinderhaus-West ber eits seit 1989. Von diesem Erfahrungshorizont 
sollte die Initiative für eine Studie über gebundene Ganztagsgrundschulen von Münster ausgehen.  
 
Gebundene Ganztagsgrundschulen sind nicht per se di e besseren Schulen. Sie können aber offenkundig 
konzeptabhängig einen guten Rahmen bieten, in dem i ndividuelle Förderung, soziale 
Chancengerechtigkeit, innovative Lernkonzepte und n eue Unterrichtsformen besser umzusetzen sind. 
Die angeregte Studie kann einen Beitrag dazu leiste n, Erfahrungen und Auswirkungen der gebundenen 
Ganztagsgrundschule in Münster umfassend zu erkunde n und so eine Ausgangsbasis für die gezielte 
Weiterentwickung und den daran orientierten Ausbau von gebundenen Ganztagsgrundschulen zu 
schaffen. 
 
 
gez.       gez. 
Carola Möllemann-Appelhoff    Dr. Karin Obst 
FDP-Fraktion      FDP-Fraktion  
                                                 
2 Vgl. URL: http://images.zeit.de/text/artikel/2007/1 1/28/2428852.xml und http://www.ifs.uni-dortmund.de  [IGLU / 
IGLU-E 2006], beide abgerufen am 7. Dezember 2007.

Beratungsverlauf (1)

13.02.2008 Rat
TOP 15.4 Antrag Entscheidung

Beschluss: verwiesen

Zur Sitzung

Orte (2)

  • Geringhoffstraße 48
  • Kinderhaus

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Details

Vorlagen-Nr.
A-R/0002/2008
Typ
Antrag an den Rat
Datum
24.01.2008
Erstellt
06.10.2020 14:37