A-R/0002/2008
Chance Ganztagsschule - Positive Auswirkungen der gebundenen Ganztagsgrundschule
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Originalantrag
6871 Zeichen
Antrag an den Rat Nr. A-R/0002/2008
F DP - RATSFRAKTION MÜNSTER – DIE LIBERALEN
Die FDP - Fraktion im Internet: http://www.fdp-ms.de Email: fraktion@fdp-ms.de
FDP - Ratsfraktion
Geringhoffstraße 48
48163 Münster
Tel.: 0251 - 987 30 60
Fax: 0251 - 987 30 61
Email: fraktion@fdp-ms.de
Münster, 23. Januar 2008
Antrag:
Chance Ganztagsschule –
Positive Auswirkungen der gebundenen Ganztagsgrundschule
auf den Bildungserfolg von Kindern untersuchen
Der Rat möge beschließen:
Die Verwaltung wird beauftragt, eine wissenschaftli che Untersuchung zu initiieren, in die an der
Bildungsplanung Beteiligte, z. B. die Westfälische Wilhelms-Universität Münster, das Land Nordrhein-
Westfalen oder weitere Partner aus Wissenschaft und Schule einbezogen werden. Ziel der Studie ist es
zu erforschen, inwieweit gebundene Ganztagsgrundsch ulen dazu beitragen können, den von der
Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) besonders für Deutschland
beklagten unmittelbaren Zusammenhang zwischen sozia ler Herkunft und Bildungserfolg von Kindern
positiv aufzubrechen. Die Untersuchung soll
die Auswirkungen der Verlängerung der Unterrichtsze it (8 bis 16 Uhr) und der so genannten
Rhythmisierung an gebundenen Ganztagsgrundschulen, also der bewussten Verteilung von
Unterricht, Förderprogrammen, Hausaufgabenbetreuung , freizeitpädagogischen Angeboten und
Ruhephasen über den gesamten Tag, auf den Lernerfolg der Schüler analysieren, sowie
Schülerkarrieren/Schülerlebensläufe an den drei geb undenen Ganztagsgrundschulen in Münster
unter Beachtung der datenschutzrechtlichen Bestimmu ngen gezielt nachzeichnen, um daraus
fundierte Erkenntnisse über die soziale Herkunft un d den späteren Bildungs- und Berufserfolg
von Schülern der gebundenen Ganztagsgrundschule abzuleiten.
Begründung:
Obwohl Deutschland im OECD-Vergleich einen großen A nteil seiner Wirtschaftsleistung in die
Unterstützung von Familien und Kindern investiert, leben hierzulande mehr Kinder in wirtschaftlich
prekären Verhältnissen als in den meisten anderen O ECD-Ländern. Ein wichtiger Grund dafür könnte
sein, dass der Staat in Deutschland den Eltern für Kinder zwar vergleichsweise großzügige finanzielle
Zuschüsse gewährt, aber nur in geringem Umfang in d ie Rahmenbedingungen und die Infrastruktur
selbst (Tagespflege, Kindertagesstätten etc.) inves tiert. Diese Rahmenbedingungen sind aber eine
wichtige Voraussetzung dafür, dass Eltern aus eigen er Kraft einen Beitrag zur Verbesserung der
wirtschaftlichen Lage leisten können. Zu diesem Erg ebnis kommt der jüngste Ländervergleich der
Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) über die Vereinbarkeit von
Familie und Beruf, der am 29. November 2007 in Berlin vorgestellt wurde.
1
1 OECD-Studie "Babies and Bosses - Reconciling Work a nd Family Life", URL: www.oecd.org/de/babiesandbosses ,
abgerufen am 3. Dezember 2007.
Familienförderung: Zu wenig Investitionen in Dienstleistungen und Infrastruktur
Gemäß der OECD-Studie wendet Deutschland zwar rund drei Prozent seines Bruttoinlandsprodukts
(BIP), und damit deutlich mehr Geld als andere OECD-Länder, für die Familienförderung auf. Während
Frankreich, die skandinavischen Länder oder die Nie derlande aber 40 bis 60 Prozent ihres
Gesamtbudgets zur Familienförderung direkt für Dien stleistungen und Infrastruktur ausgeben, sind dies
in Deutschland nur rund 25 Prozent (alle Zahlen aus 2003). "Deutschland könnte durch mehr
Betreuungsplätze und ganztägige Bildungsangebote di e Förderung von Kindern intensivieren, die
Arbeitsaufnahme von Frauen erleichtern und dadurch auch die wirtschaftliche und soziale Situation von
Familien verbessern", lautet daher das Fazit von Willem Adema, Experte für Familienpolitik im OECD-
Direktorat für Beschäftigung, Arbeitsmarkt und Sozialpolitik bei der Vorstellung der Studie in Berlin.
Gerade in diesem Zusammenhang rückt das Angebot von Ganztagsschulen wieder verstärkt in das
Zentrum der bildungspolitischen Debatte. Vor allem die PISA-Studien haben deutlich gemacht, dass das
bundesdeutsche Schylsystem verbessert werden muss: Trotz der unbestritten positiven Entwicklung seit
der ersten PISA-Studie im Jahr 2000 liegt das Leist ungsniveau der deutschen Schüler nach wie vor
lediglich im Durchschnitt der Industrieländer. Sowo hl die aktuelle PISA-Studie als auch die aktuelle
Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung IGLU be legen zugleich, dass unser Bildungssystem
sozial nicht ausgewogen ist. In keinem anderen vergleichbaren Land entscheidet die soziale Herkunft so
sehr über den Bildungserfolg von Kindern wie in Deu tschland. Beide Studien belegen eine fehlende
Chancengerechtigkeit insbesondere beim Übergang von der Grundschule zum Gymnasium. "Dieser
Befund ist 2006 noch deutlicher als 2001 sichtbar", heißt es dazu in der IGLU-Studie.
2
Münsters Erfahrungen gezielt nutzen
Die Stadt Münster hat bereits vielfältige Erfahrung en in der Entwicklung von gebundenen
Ganztagsgrundschulen gesammelt. Mit der Wartburg-Grundschule, der Gemeinschaftsgrundschule Berg
Fidel und der Grundschule Kinderhaus-West gibt es i n unserer Stadt drei gebundene
Ganztagsgrundschulen bzw. Schulen mit gebundenen Ga nztagszweigen, die auf eine langjährige
Tradition zurückblicken können: Die Wartburgschule begann ihr Schulprofil bereits Ende der sechziger
Jahre zu entwickeln, als der erste integrierte Ganz tagszug konzipiert wurde. Am 6. August 1979 fand
der erste Schultag im Ganztagszweig als Modellvorha ben der Bund-/ Länderkommission mit
wissenschaftlicher Begleitung statt. Die Grundschul e Berg-Fidel hat seit 1992 ein gebundenes
Ganztagsmodell, die Grundschule Kinderhaus-West ber eits seit 1989. Von diesem Erfahrungshorizont
sollte die Initiative für eine Studie über gebundene Ganztagsgrundschulen von Münster ausgehen.
Gebundene Ganztagsgrundschulen sind nicht per se di e besseren Schulen. Sie können aber offenkundig
konzeptabhängig einen guten Rahmen bieten, in dem i ndividuelle Förderung, soziale
Chancengerechtigkeit, innovative Lernkonzepte und n eue Unterrichtsformen besser umzusetzen sind.
Die angeregte Studie kann einen Beitrag dazu leiste n, Erfahrungen und Auswirkungen der gebundenen
Ganztagsgrundschule in Münster umfassend zu erkunde n und so eine Ausgangsbasis für die gezielte
Weiterentwickung und den daran orientierten Ausbau von gebundenen Ganztagsgrundschulen zu
schaffen.
gez. gez.
Carola Möllemann-Appelhoff Dr. Karin Obst
FDP-Fraktion FDP-Fraktion
2 Vgl. URL: http://images.zeit.de/text/artikel/2007/1 1/28/2428852.xml und http://www.ifs.uni-dortmund.de [IGLU /
IGLU-E 2006], beide abgerufen am 7. Dezember 2007.
Beratungsverlauf (1)
Orte (2)
- Geringhoffstraße 48
- Kinderhaus
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Details
- Vorlagen-Nr.
- A-R/0002/2008
- Typ
- Antrag an den Rat
- Datum
- 24.01.2008
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37