A-R/0024/2005
Vom Zuschauer zum Mitspieler - Ein Jugendparlament für Münster schaffen!
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Originalantrag
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RATSFRAKT ION Antrag: „Vom Zuschauer zum Mitspieler“ – Ein Jugendparlament für Münster schaffen! Ausgangslage: Gemäß der 14. Shell-Jugendstudie aus dem Jahr 2002 i st das allgemeine Interesse der Jugend an Politik weiter stark rückläufig. Nur noch 30 Prozent der Jugendlichen zwischen zwölf und 25 Jah- ren interessieren sich für politische Entscheidunge n und Vorgänge. Gering ist auch das Vertrauen der jungen Menschen in die gesellschaftlichen und politischen Institutionen und Akteure. Der scheinbaren Politikverdrossenheit stehen bei de r absoluten Mehrheit der Jugendlichen aller- dings eine sehr große Akzeptanz der demokratischen Staatsform und ein großes gesellschaftliches Engagement gegenüber. Gemäß der Shell-Studie sind 3 5 Prozent der Jugendlichen regelmäßig in ihrem persönlichen Lebensumfeld gesellschaftlich ak tiv, 41 Prozent gelegentlich. Dabei orientieren sie sich sehr stark an konkreten und praktischen Fr agen, die auch mit ihren persönlichen Chancen und Nutzen verbunden sind. Ein Ausweg aus der großen Distanz der Jugendlichen zur Politik liegt somit vor allem in der intensiveren Beteiligung der Jugendlichen an politischen Entscheidungen direkt vor Ort in ihrem Lebensumfeld. Ein Jugendparl ament kann dabei ein Baustein von vielen sein, um Jugendliche an politischen Entscheidungen teilhaben zu lassen. Der Rat möge beschließen: 1. Die Stadt richtet ein Jugendparlament zunächst mit einer zweijährigen Modellphase ein. Wahl und Einrichtung eines Jugendparlaments sind zum Frü hjahr 2006 vorzubereiten. Die Amtszeit des Jugendparlaments beträgt zwei Jahre. Wahlberecht igt sind Jugendliche bis zum 16. Lebens- jahr. Anhand eines Erfahrungsberichts soll anschließ end entschieden werden, ob ein Jugendpar- lament auf Dauer eingerichtet wird. 2. Zur Vorbereitung dieses Jugendparlaments wird die V erwaltung beauftragt eine Expertenanhö- rung zu organisieren, in der Fachleute und Beteiligt e aus anderen Städten und Gemeinden über ihre Erfahrungen zur Einrichtung und Arbeitsweise v on Jugendparlamenten berichten. Schwer- punkte der Anhörung bilden dabei: • die Akzeptanz von Jugendparlamenten bei den Jugendlichen • die Altersspannbreite der Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Jugendparlamenten • mögliche Wahlmodi für ein Jugendparlament • Wirkungs- und Aufgabenbereiche eines Jugendparlaments • finanzielle Ausstattung / Etat eines Jugendparlaments • Organisation und Begleitung eines Jugendparlaments durch Rat, Ausschüsse, Verwaltung und Schulen 3. In Anlehnung an die Expertenanhörung erarbeitet die Verwaltung ein Konzept für ein Jugenda- parlament sowie ein Wahlverfahren und legt dieses d en zuständigen Gremien zur Beschlussfas- sung vor. Begründung: Ein Jugendparlament für Münster schaffen! Die Jugendlichen in unserer Stadt sollen nicht nur zuschauen, sie sollen auch selbst gestalten können. Ein Jugendparlament für Münster zu schaffen heißt für CDU und FDP daher vor allem: Diejenigen, die nach dem Gesetz den Rat noch nicht m itwählen dürfen, erhalten erstmals eine eigene Interessenvertretung, in der sie ihre Anliege n und Ziele diskutieren, beraten und zur Vorbereitung von Entscheidungen in die Gremien der Stadt in geeigneter Form einfließen lassen können. Die Jugendlichen erhalten ihr eigenes Gremiu m, in dem sie sich nicht nur austauschen, sondern praktisch etwas bewegen können sollen. Erle ben Jugendliche in ihrem Lebensumfeld, dass ihre Stimme zählt und ihre Meinung gehört wird, dann entwickelt sich hierüber eine Beteiligungskultur, die für Münster nur von Vorteil sein kann: Über die Arbeit im Jugendparlament lernen die Jugendlichen politische Abläufe kennen, s ie lernen, politische Vorgänge selbstständig zu untersuchen, zu beurteilen und eigene Positionen zu entwickeln. Sie lernen aber auch, die elementaren Spielregeln der Demokratie und des gese llschaftlichen Miteinanders in der Praxis umzusetzen, abweichende Meinungen zu akzeptieren und Kompromisse zu machen. Erfahrungen anderer Städte und Gemeinden für Münster nutzen Da bundesweit bislang sowohl positive als auch nega tive Erfahrungen mit der Einrichtung und Etablierung von Jugendparlamenten verbunden sind, so llte in Münster besonders großer Wert auf eine intensive Vorbereitung für ein Jugendparlament gelegt werden. Soll das Jugendparlament ein dauerhafter Erfolg werden, ist die Einbeziehung von Experten und ihren praktischen Erfahrungen und Einschätzungen zum Aufbau und Alltag eines Juge ndparlaments unerlässlich. Nichts wäre schädlicher als ein Fehlstart des Jugendparlaments aufgrund vermeidbarer Fehler, denn dieser wür- de die Politikdistanz vieler Jugendlicher noch vers tärken statt die Jugendlichen über eine reibungs- los arbeitende Interessenvertretung erfolgreich an kommunalpolitische Prozesse und Entschei- dungsabläufe heran zu führen. Beispiele für erfolgreiche Jugendparlamente gibt es viele: Im Jahr 1985 wurde im Baden- Württembergischen Weingarten der erste Jugendgemein derat in der Bundesrepublik Deutschland ins Leben gerufen. Nach Einschätzung des Bürgermeisters Gerd Gerber hat dieser sich bewährt, „da er die Mitbestimmung von Jugendlichen in kommunalpo litischen Fragen ermöglicht, und das weit über sonstige Beteiligungsformen hinaus. Durch ihn k önnen verstärkt Sichtweisen und Meinungen von Jugendlichen in Interessenabwägungen mit einfli eßen, vor allem bei Themen mit kinder- und jugendspezifischem Bezug.” Indem der Oberbürgermeist er die Sitzungen leitet und einzelne Fraktionsmitglieder regelmäßig als Gäste an den Sit zungen teilnehmen, ist der Jugendgemeinderat in Weingarten gut mit dem Rat verzahnt. Das Weingart ener Experiment zur Beteiligung Jugendlicher am kommunalen Geschehen fand Mitte der achtziger Jahre schnell erste Nachahmer. Heute gibt es in mindestens elf Bundesländern Jugen dparlamente. In NRW gibt es 28 politische Interessenvertretungen für Jugendliche, in Bayern 5 8 Jugendparlamente; das „Pionierland“ Baden- Württemberg ist mit knapp 100 Jugendgemeinderäten weiterhin führend. Die bisherigen Erfahrungen mit Jugendparlamenten haben gezeigt, dass es für diese keine zwingend einheitliche Form gibt. Vielmehr werden die Jugendpa rlamente stark in die jeweilige Struktur vor Ort eingebunden und ihre Organisationsform entsprec hend sehr beweglich gehandhabt. In den ein- zelnen Städten und Gemeinden Deutschlands haben sic h verschiedene Modelle kommunaler Ju- gendvertretungen unter den verschiedensten Bezeichn ungen etabliert. Für CDU und FDP ist daher der Vergleich mit Städten ähnlicher Größenordnung und Struktur von besonderer Bedeutung. Ein erfolgreiches Jugendparlament braucht Begleitung und feste Ansprechpartner Ein erfolgreich arbeitendes Jugendparlament lebt be sonders von einer engen Begleitung, Anleitung und Unterstützung durch die Erwachsenen. Feste Ansprechpartner in Rat und Verwaltung bilden die wichtigste Schnittstelle zwischen den Jugendlichen und ihrer Stadt. Soll ein Jugendparlament eingerichtet werden, muss daher der gute Wille aller Erwachsenen da sein, alle Beteiligten des Jugendparlaments müssen an einem Strang ziehen. Dies gilt ganz besonders auch für die Schulen, die von Rat und Verwaltung frühzeitig als feste Par tner in das Projekt “Jugendparlament” einbezogen werden sollten. Dass eine gute Vernetzung und feste Anspechpartner sich auszahlen, zeigen besonders die Jugendgemeinderäte in Baden-Württemberg, wo es grund sätzlich feste Bezugspersonen, etwa aus dem Jugendamt, gibt. Auch die Verzahnung mit dem Rat ist eng: Oft leiten die Bürgermeister die Sitzungen der Jugendparlamente, viele Fraktionsmitgl ieder nehmen regelmäßig an diesen teil. Als weitere feste Kooperationspartner kommen die Schulen, aber auch die Landeszentrale für politische Bildung hinzu. Die Landeszentrale für politische Bil dung berät die Jugendlichen, vergibt zusätzliche Projektgelder, bietet Seminare an und un terstützt die Herausgabe einer monatlichen Publikation für Jugendgemeinderäte in Baden-Württemberg. Mehr als ein Planspiel: Ein Jugendparlament braucht eigene Entscheidungskompetenz und eigene Mittel Die bisherigen Erfahrungen haben deutlich gezeigt, d ass Jugendliche die Möglichkeiten der direkten Beteiligung sehr schnell für sich entdecke n und nutzen. Dass, was sie selbst „auf die Beine“ gestellt, angeregt und durchgesetzt haben, bes itzt für sie eine sehr viel größere Akzeptanz als das, was andere für sie entschieden haben. Dafür brauchen die Jugendlichen eigene Entscheidungskompetenz, damit sie sich Ernst genomme n fühlen, Erfolgserlebnisse haben, aber auch aus Niederlagen lernen können . Hierzu erwarten CDU und FDP von der Verwaltung entsprechende Vorschläge. gez. gez. Heinz-Dieter Sellenriek Carola Möllemann-Appelhoff CDU-Fraktion FDP-Fraktion
Beratungsverlauf (1)
Details
- Vorlagen-Nr.
- A-R/0024/2005
- Typ
- Antrag an den Rat
- Datum
- 03.06.2005
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37