1039/2018
Sachstandsmitteilung zur Braunkohleverbrennung in Merkenich
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Sachstandsbericht der RheinEnergie AG
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03.04.2018
Stand der Untersuchungen zum weiteren Betrieb des
KWK-Braunkohle-Wirbelschichtkessels im HKW Merkenich
der RheinEnergie AG
Mit Hilfe des Standortes “Heizkraftwerk Merkenich“ versorgt die RheinEnergie AG sicher
und kostengünstig die Bürger im Kölner Norden mit Fernwärme und die Großindustrie
(z.B. Firma Ford) mit Prozess dampf. Die mit Abstand größte und produktivste
Erzeugungsanlage am Standort ist der Wirbelschichtke ssel auf Basis des Brennstoffes
Wirbelschichtbraunkohle, einer speziell aufbereiteten Trockenbraun-kohle.
Die Anlage ist primär für die Wärmebereitstellung ausgelegt. Um dies möglichst
ökologisch sinnvoll zu gestalten, wurde die Anlage in der ressourcenschonenden Kraft -
Wärme-Kopplung konzipiert. Die auskoppelbare maximale Wärmeleistung beträgt rd. 160
MW und die maximale elektrische Leistung 85 MW. Die Kraftwerksanlage ist gesetzlich
als “hocheffizient“ anerkannt. Für den Kraftwerksstandort Merkenich sehr wichtig, spielt
sie im gesamten deutschen Kohlekraftwerkspark mit einem Anteil von nu r 0,2 % keine
Rolle.
Der Kessel wurde Ende 1989 in Betrieb genommen; wesentliche Komponenten (z.B.
Dampfturbosatz, Wasser-Dampf-Kreislauf sowie Elektro- und Leittechnik ) des
Kraftwerkblockes sind im Jahr 2010 umfangreich erneuert worden. Damit ging eine
nochmalige Effizienzverbesserung einher, außerdem wurde damit eine technische
Restlebensdauer von rund 20 Jahren möglich.
Die RheinEnergie sucht in ihren Kraftwerksanlagen laufend Verbesserungs potenziale
hinsichtlich Wirtschaftlich keit und besserer ökologischer Verträglichkeit. In die sem
Zusammenhang wurde im Jahr 2017 eine ingenieurtechnische Studie durch das
Engineering-Unternehmen VPC GmbH/ Vetschau (ausgewiesene Experten in diesem
Bereich) durchgeführt. Es sollten die technischen und die kostenmäßigen Auswirkungen
für zwei Fragestellungen zum Ersatz des Brennstoffes Braunkohle im vorhandenen
Kessel abgeschätzt werden:
1. Umrüstung und Betrieb zur Mitverbrennung alternativer Brennstoffe (s.
nächster Absatz) in der Form, dass die wärmetechnische Leistung der Anlage
nur gering reduziert wird
und
2. grundsätzliche Eignung der Anlage zum Komplettersatz der Braunkohle durch
alternative Brennstoffe.
Es wurden möglichst alle in Deutschland verfügbaren und in Verbren nungsanlagen
üblicherweise einsetzbaren alternativen Brennstoffe untersucht. Diese Brennstoffe
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können in die beiden Kategorien biogene (z.B. Holzpellets, Holzhackschnitzel, Stroh,
olive cake) und abfallartige (z.B. Altholz, Petrolkoks, Klärschlamm) unterteilt werden.
Insgesamt wurden 20 Brennstoffe anhand von 13 Kriterien vorbewertet. Die
Bewertungskriterien umfassen rein technische Kriterien (z.B. Not wendigkeit der
Brennstoffaufbereitung, Ascheverh alten, Korrosionspoten tial), allgemeine Kriterien
(Nachhaltigkeit/ Ökobilanz, Marktverfügbarkeit, Preis ) und eine grobe
Betriebskostenabschätzung (z.B. Anpassungsaufwand der Anlage,
Ascheentsorgungskosten). Für die drei aussichtsreichsten Einsatzstoffe
Holzhackschnitzel, olive cake und Klärschlamm wurden detaillierte theoretische
Betrachtungen durchgeführt. Neben der Konkretisierung der o.g. technischen Parameter
wurden z.B. Lagerungskonzepte entwickelt, Rauchgasvolumenströme ermittelt und
deren Auswirkungen abgeschätzt, Verschlackungsverhalten und Konsequenzen auf den
Wirbelbetthaushalt eingeordnet und genehmigungsrechtliche Aspekte beleuchtet.
Zusammenfassung der Ergebnisse
Der Wirbelschichtkessel (Block 6) ist für den Einsatz der speziellen Trockenbraunk ohle
konzipiert und bedarf erheblicher technischer Anpassungen selbst schon bei der
Mitverbrennung geringer Mengen (je nach Brennstoff ca. < 5-10%) an alternativer
Brennstoffen.
Als maximale Mitverbrennungsraten ergeben sich für die potentiell am besten geeigneten
alternativen Brennstoffe Holzhackschnitzel 29 %, olive cake 22% und Klärschlamm je
nach Trocknungsgehalt zwischen 1% und 5%.
Die erforderliche n Investitions- und Ingangsetzungskosten zur Mitverbrennung liegen
nach heutiger Schätzung in der Größenordnung zwischen 20 und 30 Mio. Euro . Da die
Betriebskosten insbesondere vom Brennstoffpreis, dem CO 2-Zertifikatepreis und
weiteren volatilen Preis en abhängen, is t eine Schätzung nur auf Basis von A nnahmen
möglich, die sich aber an allgemeinen in der Branche verwendeten Fundamentaldaten
orientiert. Aktuell muss mit einer jährlichen Betriebskostenerhöhung im mittleren
einstelligen Millionenbereich gerechnet werden.
Die Mitverbrenn ung alternativer Brennstoffe im Wirbelschichtkessel führt zu keiner
wirtschaftlichen und nachhaltigen Reduzierung des Einsatzes von Braunkohle im HKW
Merkenich, ist mit erheblichen Kosten verbunden, ohne dass dem Erlöse
gegenüberstehen. Mit den heute zur V erfügung stehenden alternativen Brennstoffen ist
die Mitverbrennung aus Sicht von RheinEnergie AG nicht weiter zu verfolgen.
Die Abschätzung zum vollständigen Ersatz der Braunkohle durch alternative Brennstoffe
ergab, dass dadurch die Anlagenkapazität deu tlich reduziert wird (was dauerhaft e iner
Betriebsweise in Teillast, bis zu ca. 70%, bedeutet) mit Einhergehen von e rheblichen
Wirkungsgradeinbußen. Dazu müssen zudem der Kessel und die Rauchgasreinigung
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fast volls tändig modifiziert werden . Der komplette Brennstoffersatz führt de facto zur
Errichtung einer komplett neuen Kraftwerksanlage mit Investitionskosten im dreistelligen
Millionenbereich.
Zusammenfassend ist mit heutiger Kenntnis der Einsatz alternativer Brennstoffe im
Wirbelschichtkessel keine wirtschaftlich sinnvolle Option.
Im nächsten Schritt wird nun von RheinEnergie AG geklärt , welche Alternativen zu r
Bereitstellung der Energie durch den Einsatz von Erdgas anstellen von Braunkohle
bestehen. Hierzu wird aber eine neue Kraftwerkskapazität am Standort errichtet werden
müssen. Als ganz entscheidende politische Randbedingungen insbesondere für die
Bewertung der wirtschaftlichen Auswirkungen sind die Ergebnisse aus der von der
Bundesregierung eingesetzten Kommission zum Kohleausstieg ( Kommission
„Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung) zu berücksichtigen, die Ende dieses
Jahrs vorliegen sollen. Auch eine aktuell diskutierte Reform des Kraft-Wärme-Kopplungs-
Fördergesetzes (KWK-G) wird die Überlegungen und Planungen erheblich beeinflussen.
Insofern werden im Laufe des Jahres 2018 die umfangreichen Grundsatzuntersuchungen
zum Braunkohleersatz fortgeführt, hängen aber von noch unklaren Rahmenbedingungen
ab.
Anlage: Strom- und Wärmeerzeugung erneuerbare Energien
Der Fortschritt der Strom- und Wärmeerzeugung aus erneuerbaren Energien ist durch die
folgende Gegenüberstellung der Jahre 2017 und 2016 dokumentiert. Noch nicht berück-
sichtigt sind weitere Zukäufe, die bereits 2017 eingeleitet, aber erst 2018 vollzogen wurden.
Diese werden in der Folgeberichterstattung mit erfasst. Aus der Karte in der Anlage ergeben
sich auch übersichtsartig die Standorte von Anlagen der Erneuerbaren Energie der
RheinEnergie.
Strom
Leistung Einspeisung Leistung Einspeisung
Stand 31.12.2016 Jahr 2016 Stand
31.12.2017 Jahr 2017
in MWel in MWhel in MWel in MWhel
Stromerzeugung
Windenergie 130,8 161.368 131,8 189.059
Photovoltaik-Anlagen 24,9 24.304 27,6 26.099
Strom- und Wärmeerzeugung
BHKW Biogas/-methan 5,9 39.040 7,1 39.455
Wärme
Leistung Einspeisung Leistung Einspeisung
Stand 31.12.2016 Jahr 2016 Stand
31.12.2017 Jahr 2017
in MWth in MWhth in MWth in MWhth
Stromerzeugung
Windenergie - - - -
Photovoltaik-Anlagen - - - -
Strom- und Wärmeerzeugung
BHKW Biogas/-methan 6,2 42.473 7,4 42.772
Anmerkung: Grundsätzlich wurden nur EE-Anlagen berücksichtigt, an denen die RheinEnergie AG eine direkte oder indirekte
Beteiligung (z. B. über Dritte) von mindestens 50% hält. Die indirekten Beteiligungen an EE-Anlagen
über die AggerEnergie GmbH, die Gasversorgungsgesellschaft mbH Rhein-Erft und die Energieversorgung Leverkusen GmbH
& Co. KG wurden aufgrund ihrer Relevanz für diesen Bericht jedoch vernachlässigt. Sofern die
RheinEnergie AG über einen Anteil unter 100% verfüg, so wurde nur die anteilige Leistung und Einspeisung berücksichtigt.
Mitteilung Ausschuss
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Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle V/V/7 Vorlagen-Nummer 09.04.2018 1039/2018 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Ausschuss für Umwelt und Grün 24.04.2018 Finanzausschuss 30.04.2018 Sachstandsmitteilung zur Braunkohleverbrennung in Merkenich Der Rat hat in seiner Sitzung vom 04.04.2017 gemäß Änderungsantrag der SPD-Fraktion, der CDU- Fraktion, der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, der Fraktion Die Linke und der FDP-Fraktion (AN/0511/2017; AN/0545/2017) beschlossen 1. Der Rat der Stadt Köln begrüßt, dass die RheinEnergie AG derzeit untersucht, ob und inwieweit der Einsatz von Braunkohle im Kessel 6 des Kraftwerkes Merkenich durch andere Brennstoffe, z.B. Klärschlamm oder Holz, ersetzt werden kann. Beim Einsatz alternativer Brennstoffe ist die Minimie- rung der Emissionen, die durch Verbrennung auftreten, zu gewährleisten. 2. Für den Fall, dass diese Untersuchungen negativ verlaufen sollten, soweit technisch machbar, öko- logisch sinnvoll und wirtschaftlich vertretbar, wird Rhein-Energie aufgefordert, unverzüglich Planun- gen für eine alternative Gesamtversorgungslösung am Standort Merkenich – unter vollständigem Verzicht auf den Brennstoff Braunkohle – einzuleiten. Über die Zwischenergebnisse dieser Untersu- chung ist der Ausschuss Umwelt und Grün kontinuierlich zu informieren. 3. Gleichzeitig fordert der Rat die RheinEnergie auf, den Ausbau der Strom- und Wärmeerzeugung auf Basis erneuerbarer Energien weiter zu forcieren. Über den Fortschritt bei der Umstellung auf er- neuerbare Energien soll dem Ausschuss Umwelt und Grün und dem Finanzausschuss als Beteili- gungsausschuss jährlich berichtet werden. Die Verwaltung antwortet hierzu: Die Sachstandsmitteilung der RheinEnergie ist als Anlage beigefügt. Gez. Dr. Rau
Beratungsverlauf (2)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 1039/2018
- Typ
- Mitteilung Ausschuss
- Datum
- 09.04.2018
- Erstellt
- 03.04.2018 13:40