Aufbau einer dezentralen, psychosozialen Krebsberatungsstelle (KBS) in Köln
Mitteilung Ausschuss 0920/2018 vom 09.04.2018
Stand: Am 08.05.2018 im Gesundheitsausschuss zurückgestellt. Ein neuer Termin ist nicht bekannt.
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Mitteilung Ausschuss
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Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle V/53/530/1 Vorlagen-Nummer 09.04.2018 0920/2018 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Gesundheitsausschuss 10.04.2018 Aufbau einer dezentralen, psychosozialen Krebsberatungsstelle (KBS) in Köln Krebserkrankungen nehmen stetig zu – nicht zuletzt aufgrund der demographischen Entwicklung und der verbesserten Diagnostik. Aktuell liegen Krebserkrankungen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen als häufigste Todesursache gleichauf; Tendenz steigend. Jährlich erkranken in Deutschland ca. 485.000 Patienten an Krebs; in NRW 108.296, in Köln 5.7041 Menschen. Die Mortalität liegt bei ca. 50%. Zahlreiche Studien belegen, dass eine Krebserkrankung nicht nur für den Patienten selbst, sondern auch für seine Angehörigen und sein soziales Umfeld als krisenhaftes Ereignis mit vergleichbaren psychischen und somatischen Folgen aufgefasst werden muss. Etwa die Hälfte der Patienten (und Angehörigen) leidet unter erhöhter psychischer Belastung und ca. ein Drittel unter behandlungsbe- dürftigen psychischen Störungen aufgrund der Tumorerkrankung.2,3 Ein Artikel aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 16.02.2018 zur Bedeutung der psychosozia- len Krebsberatung ist als Anlage 1 beigefügt. Die Krebsberatung im Rahmen einer unabhängigen Krebsberatungsstelle ist unter Federführung des Bundesgesundheitsministeriums im ‘Nationalen Krebsplan‘ (NKP: 2008-2010/2012) oder auch in der ‘S3-Leitlinie Psychoonkologie‘ (2014), als geeignete Maßnahme beschrieben, um eine bedarfsorien- tierte, notwendige psychosoziale Unterstützung zu gewährleisten. (Anlage 2) Aktuell gibt es in der Millionen-Stadt Köln lediglich eine weitgehend über Spenden finanzierte Krebs- beratung durch das Haus LebensWert. Die Kölner Krebsberatungsstelle ’KIK – Krebsberatung in Köln’ musste aus finanziellen Gründen vor einigen Jahren schließen. Die Weiterführung und der Ausbau der Krebsberatung in Köln sind ohne eine finanzielle Beteiligung der Stadt Köln, wie dies auch in anderen Kommunen in NRW geschieht, nicht möglich. In NRW sind in zahlreichen Städten und Kommunen Krebsberatungsstellen unter freier Trägerschaft als Anlaufstel- le für Krebspatienten und deren Angehörige etabliert, so zum Beispiel in Aachen, Bielefeld, Bochum, Bonn, Düsseldorf, Duisburg, Erftstadt, Essen, Gelsenkirchen, Hagen, Hürth, Herford, Köln (Lebens- Wert), Krefeld, Leverkusen, Minden, Mönchengladbach, Münster, Paderborn, Siegburg, Solingen und Wuppertal. Die KBS in Werne hat erst kürzlich schließen müssen. Eine finanzielle Beteiligung der Stadt hätte zum Ziel, die Krebsberatungsstelle Haus LebensWert un- ter der Trägerschaft des gemeinnützigen Vereins LebensWert e.V. – Psychoonkologie, Leben mit Krebs – strukturell zu festigen und diese nachfrage- sowie bedarfsorientiert als dezentrales Versor- gungsangebot für alle Kölner Bürgerinnen und Bürger anzubieten. (Anlage 3) Anlauf-, Kontakt- und Beratungsorte wären demnach nicht nur im Haus LebensWert, sondern zu fest- gelegten Zeiten ebenso auch an anderen öffentlichen und gut erreichbaren Orten, wie der Stadtbiblio- thek oder dem Gesundheitsamt möglich. Nach einer Laufzeit von 3 Jahren sollen die dokumentierten Daten als Basis für den weiteren Betrieb 1 Zahlen von 2014; Zahlen aus 2006: NRW: 101.763, in Köln 4.632 Menschen; Quelle Krebsregister NRW 2 Arbeitsgemeinschaft Psychosoziale Onkologie in der Deutschen Krebsgesellschaft (PSO), Prof. J. Weis u.a. 3 Klinische Psychoonkologie; Dr. Michael Kusch u.a., Springer-V., 2013 2 evaluiert werden. Eine personelle Grundausstattung könnte wie folgt aussehen: eine 0,75 Stelle Diplom Pädagoge/in mit entsprechender Fortbildung, eine 0,5 Stelle Sozialarbeiter/in und einer 0,25 Stelle Verwaltungsangestellte/r (Sekretariat / Empfang) Sachkosten wie Raummieten und EDV trägt der Verein, ebenso die Kosten für die Bereitstellung der Dokumentationssoftware und der abschließenden Evaluation (Schlussbericht). Das Land NRW bewilligte in 2017 einen Zuschuss von 500.000 € gleichermaßen für die 23 Krebsbe- ratungsstellen in NRW. Jeder Krebsberatungsstelle wurde für die Arbeit in 2017 eine Summe von 21.700 € zugesprochen. Es steht in Aussicht, dass das Land auch in 2018 diese oder eine ähnliche Summe für die Krebsberatungsstellen in NRW zur Verfügung stellt. Mit diesem Geld könnten dann die Stellen Diplompädagoge/in und die Stelle Sozialarbeiter/in in der Krebsberatungsstelle LebensWert etwas aufgestockt werden. Mit der Einrichtung einer von der Stadt Köln (mit)geförderten Krebsberatungsstelle als dezentrales, niederschwelliges Beratungsangebot für ambulante Krebs-Patienten und deren Angehörige wird eine Versorgungslücke für die Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt geschlossen. Der Verein LebensWert e.V. als Träger der Krebsberatungsstelle bietet dafür die strukturelle und inhaltliche Expertise. Bei einer Umsetzung dieses Konzeptes müssten die dazu notwendigen Finanzmittel im Rahmen der aktuellen Haushaltsberatungen für die Haushaltsjahre 2019 ff. berücksichtigt werden. Entsprechende Umschichtungen im Rahmen des Teilergebnisplans 0701 – Gesundheitsdienste oder im Rahmen des Dezernatsbudgets sind aufgrund der vorrangig zu finanzierenden Pflichtaufgaben und vor dem Hin- tergrund aktueller Konsolidierungserfordernisse nicht möglich. Gez. Dr. Rau -
Anlage 1 Bedeutung d. psychosozialen Krebsberatung FAZ 16.02.2018
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vıduum 'mit'eigenen personlichen Bedurt- nissen betrachtet und behandelt zu werden -.als gleichberechtigter Partner des Arztes. Das Gesundheitssystem hat inzwischen auf diese Entwicklung reagiert: Die Stärkung der Patientenorientierung ist ein wichtiges und ernstgenommenes Handlungsfeld im begegnen. Dazu gehört auch, dass wir es ih- nen ermöglichen, die Vor- und Nachteile ei- nes Therapieangebots zu verstehen. Darüber hinaus brauchen. wir patientenorientierte Versorgungsstrukturen mit gut organisier- ten Arbeitsabläufen, die auch eine hohe Pati- entensicherheit garantieren. Herr Nettekoven, in Ihrer Organisation legen-Sie einen besonderen Schwerpunkt auf die Förderung von Forschungspro- jekten. Sie erwähnten das neue Förder- schwerpunktprogramm „Patientenorien- tierung“. Welche Bereiche wollen Sie dort beforschen lassen? Bedeutung der psychosozialen Krebsberatung . Krebserkrankungen be- lasten viele Patienten und ihre Angehörigen. Professi- onelle psychoonkologische Beratung leistet wertvolle Unterstützung bei der Bewäl- tigung der vielschichtigen - Probleme. VON JOACHIM WEIS UND MARTIN WICKERT n Deutschland leben etwa 1,5 Millionen Menschen mit einer Krebserkrankung, deren Diagnose nicht mehr als fünf Jah- re zurückliegt. Die demographische Entwicklung sowie kontinuierliche Fort- schritte in der Diagnostik und der medizini- schen Behandlung deuten darauf hin, dass auch in den kommenden Jahren die Zahl der Krebspatienten eher zunehmen wird. Krebserkrankungen und deren Behandlung führen bei Patienten und ihren Angehörigen häufig zu psychischen und sozialen Belas- tungen, die Einschränkungen in der Alltags- bewältigung, der Lebensqualität sowie an der Teilhabe am beruflichen und gemein- schaftlichen Leben nach sich ziehen können. Wichtige Unterstützung im ambulanten Bereich Daher gehört heute zu einer optimalen me- dizinischen Versorgung auch eine bedarfs- gerechte professionelle psychoonkologische Unterstützung der Patienten und ihrer An- gehörigen. Trotz einer Verbesserung der psychoonkologischen Versorgung im sta- tionären Bereich bestehen vor allem in der ambulanten Versorgung von Krebspatienten erhebliche Defizite. Eine wichtige Funktion in der ambulanten psychoonkologischen Versorgung nehmen psychosoziale Krebs- beratungsstellen ein, deren Leistungen aber bisher noch nicht gesetzlich geregelt sind. Y Krebsberatungsstellen sind niederschwellige Anlaufstellen für ratsuchende Patienten und ‚Angehörige in allen Krankheitsphasen. Hier- bei handelt es sich einerseits um soziale und sozialrechtliche Anliegen, wie zum Beispiel Fragen zur Schwerbehinderung, Reha, Ren- te oder beruflichen Wiedereingliederung. Andererseits geht es um psychische Prob- lemlagen im Zusammenhang mit der Krank- heitsverarbeitung, wie zum Beispiel Ängste, Selbstwertprobleme, Schuldphantasien, Part- ‚ nerprobleme. Psychosoziale Krebsberatung zielt darauf ab, die psychosozialen Belas- tungen zu reduzieren, die Patientenkompe- tenz im Umgang mit den Krankheitsfolgen zu stärken sowie die Lebensqualität und die Qualität der Versorgung zu verbessern. Die Leistungen von Krebsberatungsstel- len umfassen vor allem die Vermittlung von qualitätsgesicherten und evidenzbasier- ten Informationsquellen, psychologische und soziale Beratung, psychoonkologische Krisenintervention, Paar- und Familienbe- ratung, Entspannungstechniken und Psy- choedukation. Psychosoziale Krebsbera- tungsstellen helfen darüber hinaus bei der Erschließung von Versorgungsleistungen, wie Schwerbehinderten-Ausweis, Selbsthil- fegruppen, Psychotherapeuten oder medi- zinischen Rehabilitationsmaßnahmen, und beraten zur beruflichen Wiedereingliede- rung und zur Sicherung der gesellschaftli- ' chen Teilhabe. Hierbei übernehmen sie auch eine Lotsenfunktion bei der Weiterleitung zu weiterführenden Hilfsangeboten. Qualitätskriterien geben Sicherheit Damit die komplexen Aufgaben einer psy- chosozialen Krebsberatungsstelle als Versor- gungseinrichtung angemessen ausgeführt werden können, müssen wissenschaftlich fundierte Qualitätskriterien erfüllt sein. Die- se umfassen sowohl die Struktur- und Pro- zessqualität als auch die Ergebnisqualität. Unter Strukturqualität versteht man neben einer entsprechenden räumlichen und per- sonellen Ausstattung .die Niedrigschwellig- keit und die Vorhaltung der oben aufgeführ- ten professionellen Leistungsangebote sowie die Öffentlichkeitsarbeit. Zur Prozessqualität gehören die Einrichtung eines Qualitätsma- nagementsystems, einer EDV-gestützten einheitlichen Basis- und Verlaufsdokumen- tation und der Einsatz von standardisierten Instrumenten zur Erfassung der psychoso- zialen‘ Belastungen. Regelmäßige externe Supervision sowie Fort- und Weiterbildung der Mitarbeiter sollen die Qualität in der Beratung sicherstellen. Ebenso ist eine Ver- netzung und Kooperation mit anderen Ein- richtungen des Versorgungssystems unver- zichtbar. Um die Ergebnisqualität sicherzustel- len, muss regelmäßig eine einrichtungs- bezogene Auswertung der Dokumentation erfolgen, die Aussagen über die Zusam- mensetzung der Zielgruppe sowie das Leis- tungsspektrum erlaubt. Diese Auswertung sollte auch auf der Website öffentlich zu- gänglich gemacht werden. Ergänzt werden kann die einrichtungsbezogene Auswer- tung durch eine übergreifende externe Evaluation, die den Nutzen und die Effekte der Krebsberatungsstellen auf verschiede- nen Ebenen wissenschaftlich überprüft: zum Beispiel durch die Bewertung der Leistungsangebote durch die Patienten, die Evaluation der Patientenzufriedenheit, der Erreichung der Beratungsziele oder der In- tegrationin das regionale Versorgungsnetz. Die Qualitätssicherung in den psychoso- zialen Krebsberatungsstellen ist nicht nur eine wichtige Orientierungshilfe für die Rat- suchenden, sondern auch eine Vorausset- zung dafür, dass die psychosozialen Krebs- beratungsstellen in naher Zukunft durch die Kostenträger unseres Gesundheitssystems regelhaft finanziert werden. Nur :so kann dieses für Patienten und Angehörige so wich- tige Angebot in Deutschland weiter ausge- baut und gesichert werden. Professor Dr. phil: Joachim Weis ist Professor für Selbsthilfeforschung an der Medizinischen Fakultät der Universität Freiburg (Stiftungsprofessur der Deutschen Krebshilfe). Dipl. Psych. Martin Wickert ist Leiter der Psychosozialen Krebsberatungsstelle Tübin- ‚gen und Vorsitzender der Bundesarbeits- gemeinschaft für ambulante psychosoziale Krebsberatung e. V. iD (6 kb Jele -
Anlage3_Mitteilung_0920-2018
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Anlage 3 Informationen zum Haus LebensWert Das Haus LebensWert unterhält seit 2015 Kooperationen mit 20 niedergelassenen Facharztpraxen, mit dem Ziel der psychosozialen Mitversorgung. Das Haus LebensWert ist im Netzwerk „Fachverband Krebsberatung NRW“ aktiv, in der 22 Krebsberatungsstellen organisiert sind und kooperiert eng mit der „Krebsgesellschaft NRW“ in Düsseldorf mit der sie in 2014 den „Qualitätsverbund Krebsberatung“ federführend gegründet und diesen wissenschaftlich maßgeblich entwickelte. In diesem Qualitätsverbund kooperieren 7 Krebsberatungsstellen. Ziel des Qualitätsverbundes ist es, eine nach evaluierten Qualitätskriterien ausgerichtete Krebsberatung in NRW zu implementieren. Im ‘Qualitätsverbund‘ sind ambulante Krebsberatungsstellen in unterschiedlicher Trägerschaft zusammengeschlossen. Für knapp die Hälfte der Träger stellt Krebsberatung dabei den Hauptzweck ihrer Organisation dar, für die andere Hälfte ist ambulante Krebsberatung nur ein Element eines breiter gefächerten Gesamtportfolios. Eingetragene Vereine sind die dominierende Organisationsform (5 von 7), neben einem Wohlfahrtsverband und einem kommunalen Träger. Die beteiligten Einrichtungen differieren erheblich hinsichtlich der (Personal-) Ressourcen. So stehen der größten Einrichtung 14 Mitarbeiterinnen (davon zwölf Beratungsfachkräfte) zur Verfügung während kleinere KBSen ihr Angebot mit nur einer Vollzeitfachkraft bzw. zwei Teilzeitkräften aufrechterhalten. In den meisten KBSen stehen zwei Fachkräfte, überwiegend in Teilzeit, zur Verfügung. Die Mitarbeiterinnen sind sämtlich weiblich und von der Grundqualifikation mehrheitlich Diplomsozialarbeiterinnen bzw. -sozialpädagoginnen. Knapp Dreiviertel von ihnen besitzen eine psychoonkologische Zusatzqualifikation oder sind in entsprechender Weiterbildung. Alle ambulanten Krebsberatungsstellen (KBS) sind zur Sicherung ihrer Arbeitsgrundlage auf eine Mischfinanzierung aus unterschiedlichen Quellen angewiesen. Für 6 der 7 beteiligten KBS im ‘Qualitätsverbund‘ stellt sich dabei folgendes Bild dar: 5 Beratungsstellen werden von der öffentlichen Hand mitfinanziert (Kommune/Kreis), eine sogar vollständig. Über die Hälfte der 6 Beratungsstellen finanziert sich auch zu einem erheblichen Teil durch Spenden und Sponsoren/Förderer. Die Kranken- und Rentenversicherer sind bei jeweils 2 Einrichtungen an der Finanzierung beteiligt. Die deutsche Krebshilfe fördert eine Krebsberatungsstelle (KBS) finanziell. Eine KBS finanziert sich zum Teil durch Eigenmittel des Trägers und zwei KBS erhalten eine finanzielle Unterstützung durch sonstige Finanzierungsquellen. Insgesamt wurden im Jahr 2016 in den 7 beteiligten KBS knapp 5000 Ratsuchende versorgt. Das zeigt im Vergleich zu 2015 eine Steigerung von ca. 30 Prozent. Insgesamt wurden in 7 der beteiligten KBSen rund 8200 Beratungen durchgeführt, die zu 72 Prozent in Präsenzgesprächen stattfanden (Vis à vis-Gespräche). Telefonate machten etwa 20 Prozent aller Beratungen aus, schriftliche Kommunikationsformen (Post, Fax und E-Mail) kamen eher selten vor. 82 Prozent der Beratungen waren Einzelgespräche, 10 Prozent entfallen auf Paar- und Familien- bzw. Gruppengespräche. In Einrichtungen, die spezielle Angebote für betroffene Familien vorhalten, ist dieser Anteil etwas höher. Bei 6 Prozent der Gespräche liegen keine Angaben zum Setting vor.1 1 Quelle: Jahresbericht 2016 der ambulanten psychosozialen Krebsberatungsstellen im ‘Qualitätsverbund Krebsberatung NRW‘; Krebsgesellschaft NRW e.V., Düsseldorf; Oktober 2017 Anzahl der psychosozialen Beratungsgespräche im Haus LebensWert / Köln in 2016: 244 Personen2; Versorgung in 2017: 220 Personen3 Knapp die Hälfte der Ratsuchenden der im ‘Qualitätsverbund‘ kooperierenden KBSen haben in 2016 jeweils 1 Informationsgespräch in Anspruch genommen, ein Drittel 2 bis 3 Beratungsgespräche und 10 Prozent bekamen mehr als 5 Beratungsleistungen. Zeitlich passt dazu die aktuell anlaufende Studie aus Mitteln des Innovationsfonds (April, 2017)4: „isPO – integrierte, sektorenübergreifende Psychoonkologie“, in Kooperation mit LebensWert und unter der wissenschaftlichen Leitung von Dr. M. Kusch. Die über vier Jahre laufende Studie evaluiert die Möglichkeiten einer entsprechenden Versorgung in der Versorgungswirklichkeit und soll bei positiven Ergebnissen analog der spezialisierten Palliativversorgung (SAPV) in die Regelversorgung übernommen werden. 2 Vergleich Zahl der Psychoonkologie aus 2016: 1.269 Fälle, 6.378 therapeutische Leistungen. 3 Festzuhalten ist, dass Haus LebensWert aus Kapazitäts-Gründen die Krebsberatung bislang nicht öffentlichkeitswirksam forcierte. Zudem wurde im Übergang im 3. Quartal 2017 die Stellen-Kapazität um 50% auf 0,25 VK deutlich gekürzt, da eine Mitarbeiterin dringend in andere Tätigkeiten eingebunden werden musste. 4 Der Innovationsfond ist ein hochdotierter Fond, der jährlich aus Mitteln des Bundes und der Krankenkassen für innovative Forschungsarbeiten mit dem Ziel einer späteren Integration der Ergebnisse in die Krankenversorgung zur Verfügung gestellt wird. -
Anlage2_Mitteilung_0920-2018
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Anlage 2 Informationen zum Verein Haus LebensWert e.V. und einer niedrigschwelligen und dezentralen psychosozialen Krebsberatung für alle Kölner Bürgerinnen und Bürger in Trägerschaft des Vereins LebensWert e.V. Der Verein LebensWert e.V. ist ein gemeinnützig anerkannter, spendenfinanzierter Verein zur Förderung der Psychoonkologie. 1997 von Prof. Volker Diehl und Patienten gegründet, fokussierte sich die Patientenversorgung zunächst primär auf die stationären Patienten. 2002 änderten sich unter einem neuen Management die Strukturen des Vereins und sein Wirkungskreis und es etablierte sich die Auffassung einer sektorenübergreifenden Patientenversorgung. Zu den stationären Patienten kamen nun die ambulanten Patienten des Klinikums wie auch die der gesamten Kölner Region hinzu. Es wurden sukzessive Therapeuten eingestellt und die Abläufe professionalisiert. 2006 übernahm Herr Prof. Michael Hallek (Direktor des ‘Centrums für Integrierte Onkologie KölnBonn‘ –CIO) den Vorsitz des Vereins. Das Onkologische Zentrum (CIO) entstand und mit dem Hinzukommen des renommierten Versorgungsforscher PD Dr. Michael Kusch (2008) ins Team von LebensWert wurde ein differenziertes, wissenschaftlich orientiertes Konzept der Versorgung erarbeitet und etabliert (Screening, Dokumentation, bedarfsorientierte Versorgung nach einem Stufen-System, Kriseninterventionen, etc.). Damit erfüllt die Psychoonkologie in Köln alle nationalen Standards und gehört bundesweit zu den führenden Institutionen. Neben der psychoonkologisch-therapeutischen Patientenversorgung hat LebensWert e.V. die ambulante psychosoziale Krebsberatung sukzessive in einer separaten Beratungsstelle gebündelt. Obwohl die therapeutische Bedeutung der Psychoonkologie seitens der onkologischen Fachverbände und der Krankenkassen völlig unstrittig und signifikanter Teil des Forderungskatalogs für onkologische Zentren ist, gibt es weder für eine stationäre noch für eine ambulante Patientenversorgung entsprechende Abrechnungsziffern, wird die Psychoonkologie nicht refinanziert. Gleiches gilt auch für die psychosoziale Patientenversorgung, die, anders als die akute Psychoonkologie von psychisch schwer belasteten Patienten, nicht primär therapeutisch arbeitet, sondern als Anlaufstelle schwerpunktmäßig beratend und vermittelnd tätig ist. Für viele Patienten nimmt die Krebserkrankung einen chronischen Verlauf und ist mit teilweise erheblichen körperlichen und psychosozialen Belastungen verbunden, die auch in mittel- und längerfristiger Perspektive die Lebensqualität, Selbstständigkeit und soziale Teilhabe der Betroffenen beeinträchtigen. Ähnliche Belastungsmuster sind ebenso bei den Patienten-Angehörigen zu sehen; insbesondere wenn Krankheitsverläufe (zunehmend!) langfristig sind, der Patient jung, und die Zukunft einer Familie involviert ist. Zu den häufigen Belastungen bei Krebspatienten zählen Distress (negativer Stress), Angst, dass der Tumorweiter wächst, starke Angstzustände - bis zu Panikattacken -, ausgeprägte Depressionen und soziale Probleme. Sie bedingen eine professionelle psychosoziale Begleitung von Krebspatienten und deren Angehörig. Solche supportiven Maßnahmen und Interventionen sind gleichermaßen im stationären Kontext wie aber ebenso auch im poststationären, ambulanten Sektor notwendig (Beispiel: die durchschnittliche stationäre Verweildauer einer Brustkrebspatientin beträgt 3-5 Tage!) und sollten allen Bedürftigen in Krisensituationen niederschwellig, unbürokratisch und sektorenübergreifend zur Verfügung stehen: im stationären Kontext als (psycho-) therapeutisch angelegte Psychoonkologie, im ambulanten Sektor als beratendes Gespräch im Rahmen einer Krebsberatungsstelle (keine Psychotherapie). Die Krebsberatung im Rahmen einer unabhängigen Krebsberatungsstelle ist unter Federführung des BMG im ‘Nationalen Krebsplan‘ (NKP: 2008-2010/2012) aber auch in der ‘S3-Leitlinie Psychoonkologie‘ (2014) als geeignete Maßnahme beschrieben, um eine bedarfsorientierte, notwendige psychosoziale Unterstützung zu gewährleisten: NKP: Ziel 9: Alle Krebspatienten erhalten bei Bedarf eine angemessene psychoonkologische Versorgung. Teilziel 9.1: Verbesserung der Erkennung psychosozialen Unterstützungsbedarfs sowie behandlungsbedürftiger psychischer Störungen bei Krebspatienten und Angehörigen. Teilziel 9.2: Sicherstellung der notwendigen psychoonkologischen Versorgung im stationären und ambulanten Bereich. Ziel 11: Stärkung der Patientenorientierung. Es liegen für alle Krebspatienten und ihre Angehörigen niederschwellige, zielgruppengerechte und qualitätsgesicherte Informationsangebote (Ziel 11a) und qualitätsgesicherte Beratungs- und Hilfsangebote (Ziel 11b) vor. S3-Leitlinie „Psychoonkologische Interventionen“ Zentrale Aufgaben der psychoonkologischen Versorgung sind patientenorientierte und bedarfsgerechte Information, psychosoziale Beratung, psychoonkologische Diagnostik und psychoonkologische Behandlung zur Unterstützung der Krankheitsverarbeitung sowie Verbesserung / gezielte Behandlung psychischer, sozialer sowie funktionaler Folgeprobleme. Psychosoziale Beratung soll Krebspatienten und ihren Angehörigen in allen Phasen der Erkrankung bedarfsgerecht und möglichst frühzeitig angeboten werden. OnkoZert Erhebungsbögen: (1.4.6:) Die psychoonkologische Betreuung von Patienten ist in allen Phasen der Versorgung anzubieten, ab Diagnose, während des stationären Aufenthaltes, im poststationären Kontext. Positionspapier der DKH und der DKG1: Die Psychosozialen Krebsberatungsstellen sind ein zentrales Glied in der psychoonkologischen Versorgungskette und werden in Zukunft noch an Bedeutung gewinnen. (…) Das bedeutet, dass jetzt die nötigen politischen Schritte eingeleitet werden müssen, um eine Regelfinanzierung von qualitätsgesicherten psychosozialen Krebsberatungsstellen zu etablieren. Journal LW, 2/172: Wenn ein Krebspatient psychisch hoch belastet ist, dann leidet er nicht allein unter Ängsten oder Depressionen, er ist zudem mit erheblichen psychosozialen Problemen konfrontiert. Ergänzend sei angefügt, dass aus der praktischen, 19-jährigen Erfahrungen der Psychoonkologie von LebensWert in Köln sehr deutlich wird, dass einerseits auf Grund der Chronifizierung der Krankheitsbilder und andererseits auf Grund der zunehmend kürzer werdenden stationären Verweildauer (DRG’s), für den Patienten (und ebenso auch für die Angehörigen) eine engagierte, bedarfsorientierte psychoonkologische/psychosoziale Versorgung eine umfassende, deutlich stabilisierende Lebens-Erfahrung darstellt. 1 Siehe hierzu auch: ‘Positionspapier der Deutschen Krebshilfe und der Deutschen Krebsgesellschaft zur Weiterentwicklung und Sicherung der ambulanten psychosozialen Krebsberatungsstellen‘; Juli 2012 2 Psychoonkologie in der Versorgungswirklichkeit; Dr. M. Kusch; Journal LebensWert, 2/2017, 16. Jg Zu den Aufgaben einer Krebsberatungsstelle (KBS) gehören das Auffangen, nachhaltig Stabilisieren und Stärken durch: Vermitteln (zur Selbsthilfe; zu ambulanten Diensten; zu medizinischen, psychotherapeutischen und sozialen Einrichtungen) / Beratung (zum Umgang mit Unsicherheiten und Ängsten; bei der Neuordnung des Alltages in Familie und Beruf; bei der Umgestaltung von Lebensplänen) / Informationen (zu sozialrechtlichen Leistungen; zu Krankheitsbildern und Standardtherapien; zu therapiebegleitenden Maßnahmen; zu Nachsorge und Rehabilitation) / Sprechstunden (Psychoonkologische Gespräche; Beratungsangebote für Familien und Paare; Familiensprechstunden mit Kindern). Ziel einer möglichst nachhaltigen Stabilisierung: Lebensqualität und soziale Teilhabe. Krebsberatungsstellen agieren mit z.T. unterschiedlichen Angeboten. Standard ist das psychisch auffangende, psychoonkologische (nicht: psychotherapeutische) Gespräch, Sozialberatung und Vermittlungsdienste durch Fachkräfte. Bereits seit 2002 ist der Zugang zur psychoonkologischen Versorgung von LebensWert für alle Patienten der Region prinzipiell möglich, stehen die Angebote allen Patienten3 sektorenübergreifend und kostenlos zur Verfügung. In Kooperation mit der Krebsgesellschaft NRW hat die LebensWert-Abteilung ‘Forschung und Entwicklung‘ - wissenschaftlich federführend unter der Leitung von Dr. M. Kusch - den „Qualitätsverbund KBS“ mit dem Ziel gegründet, die Versorgung der Patienten und Angehörigen auf hohem Niveau bedarfsorientiert im Rahmen der integrierten Versorgung anzubieten: jeder Patient soll entsprechend seinem Bedarf psychosozial und/oder therapeutisch versorgt werden - nicht mehr und auch nicht weniger. Evaluationen sollen gewährleisten, dass sich das System partizipativ kontinuierlich weiterentwickelt. Der Kölner Ansatz einer integrierten Versorgung ermöglicht die Versorgung der ambulanten Patienten, auch nach stationärem Aufenthalt. Viele stationäre Leistungen wie bspw. die sozialberatenden Leistungen oder auch die psychoonkologische Versorgung entfallen sonst im Regelfall ersatzlos, sobald der Patient nicht mehr Patient der jeweiligen Klinik ist. Das Prozedere ist in einer zur stationären Psychoonkologie-SOP4 (Standard Operation Procedere) ergänzenden, poststationären/ambulanten psychosozialen Krebsberatungs-SOP dargelegt. Die SOP’s sind jeweils in einem partizipativen Verfahren abgestimmt worden. Die KBS-SOP wurde im Kontext mit der Krebsgesellschaft NRW und verschiedenen teilnehmenden Krebsberatungsstellen entwickelt. Des Weiteren dokumentieren die einzelnen KBS’n mit einem von der Deutschen Krebshilfe geförderten, differenzierten Dokumentationssystem (Tikanis GmbH). Der Vorteil dieses Verfahrens ist, dass aufgrund des vorgegebenen Ablaufs eine gemeinsame Dokumentation und Daten-Evaluation möglich, was letztlich wieder der Versorgungsstruktur zu Gute kommen wird. 3 … außer Patienten, die in anderen Organ-Krebszentren behandelt werden, da zertifizierte Krebszentren eine eigene psychoonkologische Versorgung anbieten (müssen). Diese Regelung ist aus Verantwortung für eine zeitnahe und bedarfsorientierte Hilfe für Patienten in Krisensituationen entwickelt worden. - Mit der Bewilligung der hier beantragten Gelder soll diese Regelung für ambulante Patienten in der Beratung aufgehoben werden. 4 Im ‘Centrum für Integrierte Onkologie‘, Uniklinik Köln, etabliert; Juli 2012
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