AN/2038/2022
„Parkdruck” in Köln – tatsächliches Problem oder Datenlücke?
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Gem. Anfrage nach § 4 (Die Linke)
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DIE LINKE Die Fraktion An die Oberbürgermeisterin Frau Henriette Reker An den Vorsitzenden des Verkehrsausschusses Herrn Lino Hammer Eingang beim Amt der Oberbürgermeisterin: 15.11.2022 AN/2038/2022 Anfrage gem. § 4 der Geschäftsordnung des Rates Gremium Datum der Sitzung Verkehrsausschuss 22.11.2022 „Parkdruck„ in Köln – tatsächliches Problem oder Datenlücke? Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin Reker, sehr geehrter Herr Ausschussvorsitzender Hammer, die Fraktion DIE LINKE bittet Sie, folgende Anfrage auf die Tagesordnung des nächsten Verkehrsausschusses zu setzen. In Köln wird überall entlang der öffentlichen Straßen und auf Gehwegen geparkt. Die vielen Einbahnstraßen schaffen zusätzlichen kostenlosen Parkraum, da hier sogar beidseitig ge- parkt werden kann. Bezüglich Parken ist die Gratismentalität stark ausgeprägt, obwohl es natürlich kein Grund- recht auf einen kostenlosen Parkplatz gibt. Im Gegenteil, Parkplätze kosten, daher haben Kommunen das Recht (§ 6a Abs. 6 StVG) und die Pflicht für das Parken Gebühren zu erhe- ben. Zumal eine gute Parkraumbewirtschaftung auch sozial ist, da sie die Interessen „schwächerer“ (bezogen auf Größe, Alter, Geschlecht und Einkommen) Bevölkerungsgrup- pen wahrt und die Verkehrssicherheit erhöht. Die Bereitstellungsentscheidung der öffentlichen Hand hinsichtlich öffentlichen Parkraums entspricht einer tradierten und autoorientierten Angebotsplanung. Zudem ist sie ökonomisch irrational. Die vollumfängliche Sozialisierung der Kosten, Lasten und Schäden des ruhenden Kfz- Verkehrs bedeutet eine erhebliche soziale Ungerechtigkeit und kommt einer Privatisierung des öffentlichen Raumes gleich. Selbst die IHK kam zu dem Schluss, dass in der Innenstadt Parken im öffentlichen Raum kontraproduktiv ist und abgeschafft gehört. Die Nachfrage nach Parkraum ist groß. Wird diese nicht gesteuert, so wächst sie unbe- grenzt. Die Behauptung, dass es in Köln zu wenig Parkplätze gibt, kann allerdings durch ei- nen Faktencheck entkräftet werden. Laut VDA haben drei Viertel aller Autobesitzer:innen einen privaten Abstellplatz (Garage, Carport,etc.). Hinzukommen große Parkflächen von Handel, Industrie und Institutionen, die andererseits Teile ihrer PKW-Flotten in den öffentlichen Raum verlagern und dadurch nicht zu vernach- lässigende, betriebswirtschaftliche Vorteile erlangen. - 2 - Immer wieder ist dennoch zu lesen, der Parkdruck in Köln sei hoch. Unklar ist, auf welche Datenbasis sich diese Erkenntnis stützt. In Braunsfeld hat die Stadt gerade eine Klage verloren, weil der Parkdruck nicht richtig ermit- telt wurde. Um ein detailliertes Bild der Parkraumsituation zu bekommen, müsste die Stadt jedoch die erforderlichen Daten systematisch erheben und auch den Leerstand in privaten Garagen und Parkhäusern beziffern. (Zum Teil ist das bereits geschehen. Eine Auswahl von Studien und Daten ist im Anhang aufgeführt.) Immer wieder ist zu lesen, der Parkdruck in Köln sei hoch. Warum ist das so? Gilt: “Ist der Parkdruck zu hoch, ist die Parkgebühr zu niedrig"? Es stellt sich eine Reihe von Fragen: 1. Wie wird der Begriff „Parkdruck" - gemäß StVO, VwVStVO und Kölner Verwaltung - definiert und anhand welcher Kennzahlen, Daten und Faktoren wird der "Parkdruck'' ermittelt bzw. gemessen? 2. Wird der „Parkdruck" für jede einzelne Straße separat, oder pauschal für jeden Stadt- teil bzw. gegebenenfalls jede Bezirksvertretung ermittelt; und werden diese Daten re- gelmäßig erhoben und veröffentlicht, so dass ein Gesamteindruck ermöglicht wird? 3. Wie werden die Stellplatzanzahlen in Parkhäusern, Tiefgaragen, Garagen, Carports, private Parkplätze, Firmen- und Kundenparkplätzen erhoben und zu den Parkplätzen im öffentlichen Raum in Beziehung gesetzt? 4. Welche weiteren Kennzahlen erhebt die Stadt für andere verkehrs- und klimatechni- sche Problemstellungen, z.B. für die Anzahl versiegelter Flächen, Belastungen durch Abgase und Lärm oder Bedarf von Flächen für Fußgänger:innen und Radfahrende? 5. Wird an Orten mit besonders hohem „Parkdruck“ diesem durch die Steigerung der Parkgebühren entgegenwirkt? Falls ja: Wie werden diese bemessen? Falls der Park- druck nicht das Kriterium für unterschiedlich hohe Parkgebühren ist, welche Kriterien werden ansonsten dafür herangezogen? Anhang: Parkbörse für die Stadt Köln - Konzept, Ausgestaltung und Bewertung: http://docplayer.org/6909952-Zeitschrift-fuer-verkehrswissenschaft.html Auskunft über verfügbare Parkplätze in Städten - VDA https://www.vda.de/dam/jcr:51081f60-a31d-4e4c-86e7-8e0ae3c9236d/fat-schriftenreihe- 271.pdf Die Privatisierung öffentlichen Raums durch parkende Kfz: https://www.ivp.tu- ber- lin.de/fileadmin/fg93/Dokumente/Discussion_Paper/DP10_Notz_Privatisierung_%C3%B6ffen tlichen_Raums_durch_parkende_Kfz.pdf Parkraummanagement lohnt sich! - Agora Verkehrswende - 3 - https://www.agora- verkehrswende.de/fileadmin/Projekte/2017/Parkraummanagement/Parkraummanagemet- lohnt-sich_Agora-Verkehrswende_web.pdf Anwohnerparken in Köln Stadt verliert Klage um Parkgebühren: https://www.ksta.de/koeln/lindenthal/anwohnerparken-in-koeln-stadt-verliert-klage-um- parkgebuehren-40007434 Mit freundlichen Grüßen gez. Michael Weisenstein Fraktionsgeschäftsführer DIE LINKE gez. Karina Syndicus Fraktionsvorsitzende Die Fraktion
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: Sache ist erledigt
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- AN/2038/2022
- Typ
- Gem. Anfrage nach § 4 (Linke)
- Datum
- 16.11.2022
- Erstellt
- 15.11.2022 09:08