0595/2022
Strategiepapier zur museumsübergreifenden Bildungs- und Vermittlungsarbeit
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Anlage 1 Mitteilung Strategiepapiere Bildung und Vermittlung
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Anlage: Darstellung der einzelnen Konzepte 1. Museum und Diversität Auftrag und Nutzen Diversität ist keine neue oder zusätzliche Aufgabe, sondern die konsequente Fortführung zielgruppenorientierter Arbeit. Der Museumsdienst reagiert damit auf den gesellschaftlichen und demographischen Wandel und die Realität der Kölner Stadtgesellschaft. Diversität meint hier: gesellschaftliche Vielfalt. Sie umfasst die Kerndimensionen Alter, Geschlecht und Geschlechtsidentität, sexuelle Orientierung, Religion und Weltanschauung, kulturelle und ethnische Herkunft, Behinderung sowie soziale Herkunft, berücksichtigt Überschneidungen und beachtet Wechselwirkungen (Intersektionalität). Diese Kerndimensionen können durch weitere Diversitätsdimensionen erweitert und mit fortschreitendem gesellschaftlichem Wandel ergänzt oder neu bewertet werden. Diese Definition stimmt mit der von der Stadt Köln verwendeten Begrifflichkeit überein. Der Programmbereich Museum und Diversität richtet sich somit nicht ausschließlich an migrantische Gruppen oder Einzelpersonen. Er schließt Überschneidungen in andere Arbeitsbereiche des Museumsdienstes – besonders zu Inklusion, Outreach und Lebenslangem Lernen – ein. Die Programme sollen Menschen erreichen, die bisher die Museen nicht regelmäßig besuchen, diese langfristig binden, ihnen aktive Teilhabe an Kultur ermöglichen und mit ihnen neue Formate der Zusammenarbeit erproben. Die Erweiterung des Programms für neue Zielgruppen ist also bedarfsgerecht, publikumsorientiert, partizipativ und nachhaltig. Es führt zu einem wachsenden und heterogeneren Publikum, ohne das bisherige Stammpublikum zu verlieren. Ausgangssituation Die Publikumsstruktur der Kölner Museen ist analog zu den meisten Kultureinrichtungen vergleichsweise homogen. Das Stammpublikum ist mehrheitlich weiblich, über 50 Jahre alt, christlich sozialisiert, ohne Migrationshintergrund und Behinderung sowie bürgerlich- akademischer sozialer Herkunft. Zielgruppen jenseits des Stammpublikums waren stets im Fokus des Museumsdienstes. Schwerpunkte waren bisher das Thema Sprache (Deutsch als Zweitsprache, herkunftssprachlicher Unterricht, türkischsprachige und bilinguale Angebote) sowie die Zusammenarbeit mit Partner*innen der schulischen und Erwachsenenbildung, aber auch der Jugendsozialarbeit. Hierzu gehörten auch partizipative Projekte, deren Ergebnisse in Ausstellungen sichtbar waren. Viele Maßnahmen waren jedoch projekthaft aufgesetzt und endeten nach Ablauf wieder. Im Rahmen der Verwaltungsreform konnte 2019 eine unbefristete Stelle „Leitung Programme Diversität und Museum“ geschaffen werden. Dadurch können die langjährigen Bestrebungen systematisch fortgeführt und gebündelt werden. Die Arbeit des Museumsdienstes wird seither um neue Zielgruppen erweitert und durch Ressourcen unterstützt. Bisher projekthaft durchgeführte Maßnahmen werden verstetigt, ein Netzwerk mit Akteur*innen der Stadtgesellschaft aufgebaut, partizipative Zugänge zu Ausstellung geschaffen und das Programm planvoll, strategisch sowie nachhaltig erweitert. Arbeitsschwerpunkte Die Vermittlungsarbeit im Bereich Diversität gliedert sich zukünftig in vier Schwerpunkte: Programm Der Museumsdienst öffnet sein Programm hin zu neuen Zielgruppen. Dies geschieht a) exklusiv durch Angebote für spezifische Zielgruppen (z.B. Werkbesprechungen ausschließlich für Schwarze Menschen und People of Color) und b) inklusiv durch den Abbau von Barrieren (z.B. mehrsprachige Veranstaltungen) und mit niedrigschwelligen Angeboten (z.B. virtuelles Museumsquiz). Die Vielfalt der Angebote für verschiedene Zielgruppen wird sich auch im digitalen Angebotsportfolio wiederfinden. Im nächsten Schritt erfolgt der weitere Ausbau an Führungen in Herkunftssprachen mit der begleitenden zielgruppengerechten Öffentlichkeitsarbeit. Personal Das Team der freiberuflichen Vermittler*innen ist essentiell für die Durchführung der Angebote und steht im direkten persönlichen Kontakt mit dem Publikum. Daher ist die Schulung und Weiterbildung der Guides im Hinblick auf neue Methoden und Kompetenzen (z.B. Einfache Sprache) sowie im Bereich Antidiskriminierung (z.B. diskriminierungsfreie Sprache, rassismuskritische Kunstvermittlung) ein wichtiger Baustein. Das Team muss sukzessiv ergänzt werden durch Menschen mit Kompetenzen und Erfahrungen, die noch nicht im Team vorhanden sind (bestimmte Sprachkenntnisse, Erfahrungen in der Community-Arbeit oder interreligiöse Kompetenzen). Projekte/Kooperationen Bedarfsgerechte, publikumsorientierte und nachhaltige Bildungsarbeit braucht Networking und Partnerschaft. Hierzu gehören Kontakte zu städtischen Stellen (z.B. Amt für Integration und Vielfalt), Vereinen (z.B. migrantische Selbstorganisationen) und unabhängigen Akteur*innen der Stadtgesellschaft. Diese tragen Informationen und Einladungen in die Zielgruppe(n) und werden als Multiplikator*innen fortgebildet. Darüber hinaus können sie als Kooperationspartner*innen Menschen an die Museen heranführen, die bisher nicht zum Stammpublikum gehören. Hierzu können auch Unternehmen und (Aus- )Bildungseinrichtungen (z.B. AStA-Referate der Hochschulen) gehören, über die Menschen in Beruf oder Ausbildung erreicht werden, die im Museum unterrepräsentiert sind. Bei den genannten Kooperationen kann es sich um einmalige Projekte handelt, aus denen neue Angebote hervorgehen, oder Pilotprojekte, die im Anschluss verstetigt werden. Als nächstes sind Themen wie der interreligiöse Dialog geplant. Partizipation in Ausstellungen Der Museumsdienst ermöglicht partizipative Zugänge zu Ausstellungen der Kölner Museen. In einzelnen Museen werden Vertreter*innen der Stadtgesellschaft an der Erarbeitung neuer Ausstellungen beteiligt, ergänzen Ausstellungen mit eigenen Inhalten (z.B. Interventionen) oder machen auf der Vermittlungsebene (z.B. im Multimediaguide oder als Live-Speaker) ihre Perspektive für andere Gäste der Ausstellungen sichtbar. Sie agieren als Multiplikator*innen in ihren eigenen Netzwerken. Aktuell führt der Museumsdienst das Projekt „Köln-Expert*innen“ zusammen mit dem Kölnischen Stadtmuseum durch. Die Ergebnisse werden Teil der neuen Dauerausstellung im Haus Sauer sein. Die definierten Arbeitsschwerpunkte berühren die drei Bereiche des klassischen Diversity Managements – Publikum, Personal und Programm (3P-Ansatz) – und bewirken eine nachhaltige und grundlegende Öffnung. Maßnahmen im Bereich Personal (freiberufliche Guides) und im Publikum (z.B. exklusive Angebote) sind für die Öffnung des Programms unabdingbar. Wichtig für den Prozess in jedem der vier Handlungsfelder sind Partnerschaften mit den Zielgruppen – entweder direkt oder über Kooperationspartner*innen und Multiplikator*innen – als Brücke in die Zielgruppe, Ressource und für Expertise. Eine partizipative Einbindung der Stadtgesellschaft muss damit in allen Handlungsfeldern erfolgen. Diversitätssensible Maßnahmen in der Vermittlung müssen durch entsprechende Kommunikations- und Marketingmaßnahmen begleitet werden Hierfür werden neue Kommunikationskanäle (z.B. Mailings, Community-Newsletter) und mehrsprachige Kommunikation genutzt. Hierbei wird auf eine diskriminierungs- sowie diversitätssensible (Bild-)Sprache sowohl online als auch im Print geachtet. 2. Museum und Inklusion Auftrag und Nutzen Inklusion und kulturelle Teilhabe für alle Menschen mit und ohne Behinderung und Beeinträchtigung sind Auftrag aus Politik und Gesellschaft, der Stadt Köln sowie der Museumsgemeinschaft und des Museumsdienstes Köln. Um diesen Leitgedanken in der Arbeit des Museumsdienstes zu stärken und nachhaltig auszubauen, konnte 2019 mit der „Leitung Programme Inklusion und Museum“ eine Stelle für das übergreifende Thema Inklusion in der Abteilung Bildung und Vermittlung geschaffen werden. So kann das Thema solide aufgestellt, strukturell gut verankert und prozessual in die alltägliche Arbeit des Museumsdienstes und der Museen integriert werden. Um inklusive Bildungs- und Vermittlungsangebote nachhaltig für die verschiedenen Zielgruppen von Menschen mit Behinderung und Beeinträchtigung anbieten zu können, werden die fünf nachstehenden Ziele verfolgt: Der gesetzliche Anspruch auf kulturelle Teilhabe wird als Bildungsauftrag des Museumsdienstes umgesetzt. Um Kompetenzen, Wünsche und (Problem-)Perspektiven der Menschen mit Behinderungen und Beeinträchtigung als Expert*innen in eigener Sache zu verstehen, werden diese durch Partizipation in die Konzeption von konkreten Vermittlungsangeboten für die verschiedenen Zielgruppen bzw. unterschiedlichen Museen einbezogen. Auf Basis der musealen (Themen-)Vielfalt der neun Museen, der Artothek und der archäologischen Bodenfunde wird die Angebotspalette an inklusiven Angeboten für Menschen unterschiedlicher Behinderungen und Beeinträchtigungen gemeinsam mit den museumspädagogischen Referent*innen der Museen ausgebaut. Inklusion wird nicht als „Nischenprodukt für eine Randgruppe“ oder „add-on“ zu einem „normalen“ Programm verstanden, sondern durch Sensibilisierung und Schulung der Museums(dienst)kolleg*innen für inklusive und barrierefreie Themen durch die Leitung Programme Inklusion und Museum möglichst im gesamten Umfeld der visitor journey qualitativ und nachhaltig umgesetzt. Schnittstellen zu anschließenden oder überschneidenden Arbeitsbereichen des Museumsdienstes wie Diversität, Lebenslanges Lernen, Outreach, werden eng gehalten und Synergien genutzt. Ausgangssituation In der Bildungs- und Vermittlungsarbeit waren bereits vereinzelt Vermittlungsangebote für Menschen mit Demenz in vier Museen vorhanden. Für andere Zielgruppen lagen einerseits teilweise Konzepte vor, die aber nicht mehr aktuell waren und nicht aktiv angeboten wurden, anderseits hatten inklusive Veranstaltungen oftmals nur Projektcharakter. Durch Mittel des Landes NRW (Drittmittelförderung: 50.000 €) konnten 2019 und 2020 inklusive und barrierearme Technik, Materialien, Texten und Hands-on für die Museen angeschafft werden. 2020 wurde innerhalb des Museumsdienstes die AG Inklusion initiiert. Die Arbeit fokussierte auf die Konzeption von Feedbackerhebungen zur Nutzung der Museen der Stadt Köln (Umsetzung abhängig von Coronabedingungen; Start nunmehr im April 2022). Um die verschiedenen Bedarfe nach Kenntnissen zu Inklusion und Barrierefreiheit in den Museen und in der Bildungsarbeit zu bearbeiten, wurde 2020 der Bereich Beratung und Fortbildung ausgebaut. Arbeitsschwerpunkte Die Vermittlungsarbeit im Bereich Inklusion und Barrierefreiheit gliedert sich zukünftig in sechs Schwerpunkte: Vermittlungsangebot Das Vermittlungsangebot an Menschen mit verschiedenen Behinderungen und Beeinträchtigungen versucht in erster Linie inklusiv für alle Besucher*innen zu sein. Unter besonderen Voraussetzungen ist das Vermittlungsangebot aber exklusiv zu gestalten (z.B. Peer-to-Peer-Führungen in Gebärdensprache). Als Raum für die Vermittlung eignet sich je nach Zielgruppe und Thema der analoge Museumsbesuch vor Ort. Hinzu kommen Angebote im digitalen Raum, vor allem an Jahres- und Aktionstagen, deren Bekanntheitsgrad eine größere Reichweite sichert. Partizipation Die Einbindung von Menschen mit Behinderung und Beeinträchtigung in die Arbeit des Museumsdienstes als Expert*innen in eigener Sache wird angestrebt. Die o. g. AG Inklusion wird die gemeinsame Arbeit von Museumsdienst und Expert*innen in eigener Sache im Rahmen des „Runden Tisch Inklusion und Museum“ vorbereiten und durchführen. Hier sollen u.a. gemeinsam museums- und zielgruppenspezifische Vermittlungsangebote, Hands-on- Materialien, etc. entwickelt werden. Gestartet wird der Runde Tisch mit den MAKK (Menschen mit Hörbehinderung), dem ML (Schüler*innen mit Förderbedarf) und dem MOK (Menschen mit Demenz). Fortbildungen und Sensibilisierungen im Themenfeld Um die Bedeutung von Inklusion bei der täglichen Museums- und Bildungsarbeit zu würdigen und den spezifischen Umgang mit Menschen mit verschiedenen Behinderungen und Beeinträchtigungen zu erlernen, werden zukünftig Fortbildungen und Sensibilisierungsmaßnahmen angeboten. Sie lösen „Barrieren“ und geben Hilfestellungen. Die konkrete Umsetzung des Fortbildungs- und Sensibilisierungskonzeptes erfolgt nach einer konkreten Bedarfserfassung. Beratungen der Teams zu konkreten Bedarfen Die Anfragen zu Inklusion und Barrierefreiheit kommen aus allen Bereichen der Museumsarbeit: von Vermittlungskonzepten, Hands-on oder multimedialen Formaten, Formularen und Dateien, Werbung und Kommunikation, Ausstellungen und Museumsgebäude. Hierbei können im Rahmen von individuellen Beratungen erste Orientierungen gegeben werden. Das gezielte Fortbildungs- und Sensibilisierungskonzept (s. Punkt 3) wird diese zielgerichtet und weitgehend ablösen. Publikationen, Handreichungen, Checklisten Um einen gemeinsamen inklusiven Rahmen zu fixieren und als Arbeitshilfen für die unterschiedlichen Belange werden entsprechende Verschriftlichungen erstellt. Netzwerkarbeit und Kooperationen Die Vernetzung mit städtischen Kolleg*innen und Abteilungen sowie kommunaler Gremienarbeit, der Kontakt zu nationalen und internationalen Institutionen und Expert*innen ist die Basis für alle vorab genannten Handlungsfelder. Der fachliche Austausch und das Feedback wird zur Verbesserung des Arbeitsfeldes genutzt. Daher gehört die Präsentation von Methoden, Vermittlungsprogrammen und Strategien auf Tagungen und in Form von Publikationen zum Arbeitsbereich. Der Umfang des Querschnittsthemas Inklusion – es durchzieht alle vom Museumsdienst betreuten Bereiche, von den neun Museen über die Artothek bis hin zu den Bodenbefunden innerhalb der Stadt sowie die Bereiche Outreach, Schule, personale und digitale Vermittlung – erfordert Priorisierung. Bis vorerst Ende 2023 liegt der Fokus auf Fortbildungen und Sensibilisierung Partizipation Vermittlungsangeboten 3. Museum und Outreach Auftrag und Nutzen Der Bereich Outreach des Museumsdienstes Köln umfasst aufsuchende Vermittlungsangebote, die außerhalb der Museen, beispielsweise in Schulen, Jugend- und Senior*innenzentren und anderen (sozialen) Institutionen stattfinden. Die Idee ist, unterschiedlichen Zielgruppen direkt in ihrem Umfeld zu begegnen. Die aufsuchenden Angebote verknüpfen daher museale Inhalte mit den Lebenswelten der Teilnehmenden und schaffen niedrigschwellige und partizipative Angebote. Von KiTa-Kindern bis zu Senior*innen – die Angebotspalette des Museumsdienstes wird stetig und konsequent um weitere Outreach-Angebote erweitert, ohne dass diese als Ersatz zu Programmen im Museum betrachtet werden. Outreach stellt ein Vermittlungsformat dar, das eigenständig und autark neben den Angeboten in den Häusern stattfindet. Im Rahmen der Verwaltungsreform konnte eine unbefristete Stelle „Leitung Programme Outreach“ geschaffen werden. Dadurch werden die Bestrebungen des Museumsdienstes, Vermittlungsangebote für die gesamte Kölner Bevölkerung zu schaffen und sein Publikum am kulturellen Erbe mit all seinen Bezügen zu einer ständig sich wandelnden Gesellschaft teilhaben lassen systematisch fortgeführt und gebündelt werden. Ausgangssituation Im Selbstverständnis eines Museums ist die Vermittlungsarbeit eine verbindliche Aufgabe. Periodische Schließungen von Museen aber auch bildungspolitische Überlegungen haben in den letzten Jahren weltweit Outreach-Angebote entstehen lassen. Die Entwicklung ist stark dynamisch: von sogenannten „Museums-Koffern“ der 1960er Jahren im angelsächsischen Raum über monothematische „Leihsammlungen“ mit didaktischem Material oder „Travelling Exhibitions“ wie in Skandinavien bis zu mobilen Museumsbussen in afrikanischen und südamerikanischen Flächenstaaten. Stets geht es darum Menschen zu erreichen, die auf Grund einer großen Distanz Museen nicht besuchen können In einem dicht besiedelten Bundesland wie NRW mit einer breiten Museumslandschaft ist die geographische Erreichbarkeit kein Argumentationsgrund. Hier werden mobile Einrichtungen, wie z. B. in Köln das Projekt „museenkoeln IN DER BOX“ Erfolg (seit Mai 2020) jedoch genutzt, um Nicht-Besucher*innen, bzw. Noch-Nicht-Besucher*innen in den einzelnen Stadtteilen zu erreichen. Eine besondere Form von aufsuchender Museumsarbeit wird in Köln seit 2008 durch den „Museumsbus“ realisiert: Hier werden Schulklassen aus dem Kölner Umland vom Schultor direkt ins Museum und wieder zurück zur Schule gebracht. Der Museumsbus wurde 2021 als buchbares Angebot verstetigt. Im Kontext der Coronapandemie hat die Outreach-Arbeit beim Museumsdienst an Bedeutung gewonnen: Da Einrichtungen wie Schulen und Kitas wieder geöffnet wurden, als Kultureinrichtungen noch geschlossen waren, konnten hier Vermittlungsangebote durchgeführt werden. Auch nach der Wiedereröffnung der Museen war vielen Gruppen ein Museumsbesuch nicht möglich, so dass viele Zielgruppen auf Outreach-Angebote zurückgegriffen haben. Arbeitsschwerpunkte Vorbilder von Outreach-Konzepten und -Methoden werden meist aus der Arbeit mit der Zielgruppe „Kinder und Jugendliche“ entnommen: Hier sind dialogische Formate seit Jahrzehnten selbstverständlich bei der Vermittlung von Kunst und Kultur, ebenso der Einsatz von Hands-on Materialien wie Repliken, Materialproben oder auch originale Sammlungsstücke zur Vermittlungsarbeit. Kinder und Jugendliche profitieren häufig von aufsuchenden Angeboten, da im gewohnten Umfeld eine unbefangene Auseinandersetzung und Begegnung mit fremden Inhalten leichter fallen kann. Prinzipien und Methoden aus diesen Vermittlungsansätzen können für alle Zielgruppen im Outreach angewandt werden, um eine natürliche Zugewandtheit und Selbstverständlichkeit im Umgang mit Kunst und Kultur für alle zu ermöglichen und zu fördern. Bedürfnisse der „Nicht-Besucher*innen“ sollen hierbei Gehör finden und sich in der Angebotspalette niederschlagen. Folgende Angebote wurden 2020 und 2021 etabliert und in 2022ff ausgebaut: museenkoeln IN DER BOX Das Projekt „museenkoeln IN DER BOX“ erweitert den Outreachbereich, um speziell in Stadtvierteln mit besonderem Förderbedarf Museumsinhalte vor Ort nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern auch an Familien und Senior*innen zu vermitteln. Ein eigens für das Projekt umgerüstetes Fahrzeug mit E-Antrieb und voller Objekten und Materialien (Finanziert durch Drittmittel und Sachleistungen) dient in Stadtvierteln mit besonderem Förderbedarf als Ausgangspunkt für Workshops mit Kindern, Jugendlichen, Familien und Erwachsenen. OGS-Angebote 2020 und 2021 hat der Museumsdienst Köln rasch auf den coronabedingten Bedarf reagiert und vielfältige Angebote im Outreach für Kinder und Jugendliche in Schule und Freizeit entwickelt, so dass momentan ein breites Angebot für diese Zielgruppe besteht. Bei der Weiterentwicklung dieser Formate sollte nun verstärkt auf Qualitätsmanagement geachtet werden. Qualität geht hier vor Quantität. KiTa 2022 wird die begonnene Ausarbeitung eines Outreach-Angebotes für Kindertagesstätten fortgeführt und erweitert. Es werden Angebote entstehen, die allen KiTas im Stadtraum ein museales (Bildungs-)Erlebnis unabhängig von Anfahrtsschwierigkeiten, niedrigen Betreuungsschlüsseln oder Zeitmangel ermöglichen. Lebenslanges Lernen (LLL) Ebenfalls Priorität hat der Ausbau des Bereiches Lebenslanges Lernen/Senior*innen. In Planung sind die Konzeption und Umsetzung bildnerisch-praktische Workshops und Angebote zum kreativen Schreiben in den einzelnen „Veedeln“ und/oder Senior*innen- Einrichtungen. Ausblick Ab 2023 sollen weitere bisher nicht berücksichtigte Zielgruppen in den Fokus rücken: Strafvollzugsanstalten, Krankenhäuser, Hospizstationen, Notschlafstätten, Frauen- und Männerhäuser, Obdachloseneinrichtungen oder Wohngruppen können neue Bereiche sein. Die dafür notwendigen Voraussetzungen sind zu eruieren. Perspektivisch wird eine Vernetzung von Outreach-Anbietern in musealen Bereich sowie ein Erfahrungsaustausch von Initiator*innen im Rahmen von Tagungen und Publikationen angestrebt. Als „Querschnittsvermittler“ aller städtischen Museen in Köln kann der Museumsdienst Köln für den Bereich Outreach in Zukunft eine wegweisende Rolle einnehmen. Die stetige Erweiterung der Angebotspalette im Bereich Outreach muss dann jedoch finanziert werden. Eine Verankerung im Haushalt wird angestrebt. 4. Digitale Vermittlung Auftrag und Nutzen Im Rahmen der Verwaltungsreform wurden im Sinne eines ganzheitlichen Ansatzes analoge wie digitale Vermittlungsformate analysiert und auf Verbesserungsbedarf geprüft. Die Bedeutung von digitalen Vermittlungsformaten steigt in Museen und Kultureinrichtungen seit Jahren stetig, pandemiebedingte Schließungen haben dies noch einmal erheblich verstärkt. Die Vermittlung mittels digitaler Hilfsmittel und Medien ist jedoch auch unabhängig von den aktuellen Einschränkungen ein geeigneter Weg, neue Zielgruppen zu erreichen und Museuminhalte leichter und passgenauer zugänglich zu machen. Digitale Vermittlung kann und soll die Vermittlung vor Ort nicht ersetzen. Sie kann sie aber sehr gut ergänzen und erweitern. Bei der Konzeption digitaler Formate muss daher immer ein Mehrwert des digitalen Angebotes gegeben sein: Größere Reichweite. Publikum in und außerhalb Kölns kann erreicht werden, vor allem im deutschsprachigen Raum, aber bei entsprechenden Angeboten auch darüber hinaus. Auch weniger mobile Gruppen wie (Senior*innen; mobilitätseingeschränkte Menschen) können im Digitalen eher an Veranstaltungen teilnehmen. Erreichen neuer Zielgruppen: Die Hemmschwelle, ein Museumsgebäude zu betreten, fällt weg, digital-, aber nicht museumsaffine Gruppen werden leichter angesprochen. Veranstaltungen können unabhängig von Öffnungszeiten und Gruppengrößen stattfinden. Blicke hinter die Kulissen (Restaurierung, Depot, Provenienzforschung) sowie nah an den Details (Vergrößerungen, Röntgenaufnahmen) ermöglichen neue Blickwinkel. Der Barrierefreiheit werden neue Möglichkeiten eröffnet. Sammlungen oder Themen mehrerer Museen in oder außerhalb Kölns können zusammen behandelt werden. Durch Einbindung von Chat- und Kommentarfunktionen sowie Social Media ist Partizipation leicht möglich. Dieser Mehrwert unterstützt den Auftrag der Museen, das kulturelle Erbe der Stadt Köln mit einem stärker lebensweltlichen Ansatz zu den Menschen zu bringen Ausgangssituation Bis 2020 beschränkten sich die Angebote auf Downloadmaterial vor allem für Lehrkräfte sowie die Mitarbeit an Produkten der Museen wie Medienguides o.ä., die online verfügbar waren und sind. Seit 2020 erfolgt eine kontinuierliche Erweiterung des Downloadmaterials, das nun auch die Zielgruppen Kinder und Familien sowie Erwachsene einbindet und neben reinen Infos oder Aufgabenblättern auch Kreativaufgaben bietet. Ebenfalls seit 2020 wurden digitale Produktionen wie Tutorials zu praktischen (Museums-) Themen sowie Filme, in denen Objekte im Rahmen einer kreativ-informative Geschichte vorgestellt, werden, produziert. Der Zugang ist niedrigschwellig und soll überraschen. 2021 folgten Konzeption und Durchführung digitaler Veranstaltungen wie Live-Vorträge oder Quizrunden. Weitere Formate sollen folgen. Erste Beispiele für Serious Gaming wurden konzipiert, ebenso Didaktik-Tools für die Nutzung von virtuellen Rundgängen durch Schüler*innen. Bei der technischen Infrastruktur ist auf die Vorgaben der Stadt Köln hinsichtlich nutzbarer Software sowie noch zu tätigende Ausgaben für Hardware (Mikrofone, etc.) zu achten. Zudem fehlte bis vor kurzem noch ein Bezahlsystem, um kostenpflichtige digitale Veranstaltungen anzubieten. Dies wird derzeit aber implementiert. Handlungsfelder und Schwerpunkte Die digitale Vermittlung ist ein sehr dynamisches Feld mit stetig wachsendem Angebot und vielen neuen Formaten. Daher sind die beständige Suche nach Best-Practice-Beispielen und ihre Prüfung zur Adaption grundlegend wichtig. Die bereits bestehenden Formate bei digitalen Produktionen und Veranstaltungen werden 2022ff fortgeführt und stetig verbessert. Dabei ist die Analyse von Workflows und eigenen Erfahrungen ebenso wichtig wie die Evaluierung der Angebote. Die museumsübergreifenden Angebote des Museumsdienstes sollten bei den Produktionen wie bei den Veranstaltungen vermehrt in den Fokus rücken. Dies stärkt den themenbasierten Ansatz, der sich auch in der Gesamtstrategie des Museumsdienstes wiederfindet. Zu Sammlungsthemen einzelner Häuser wird es weiterhin entsprechende analoge wie digitale Angebote geben. Folgende Faktoren sind für die weitere Entwicklung digitaler Vermittlungsangebote grundlegend: Ein Mehrwert digitaler Formate muss gegeben sein. Es soll keine Konkurrenz zu den Produkten der einzelnen Museen entstehen. Die Entwicklung von museumsübergreifenden Themen ist ein Schwerpunkt. Möglichkeiten zur Partizipation sollen geschaffen werden. Qualität geht vor Quantität. Es werden Angebote für alle Zielgruppen geschaffen, der Fokus liegt aber auf niedrigschwelligen Angeboten. Entwickelt wird ein Angebotsportfolio aus vorproduzierten Filmen und Vorträgen, Produktionen, Live-Formaten, Download-Material sowie eine Kombination dieser Bausteine Auch Kombinationen analoger und digitaler Formate sind denkbar. Das Angebotsportfolio zahlt ein auf die Digitalstrategie der Museen. In der Weiter- und Neuentwicklung der Formate ist auf permanentes Qualitätsmanagement und die Kanalisierung der Angebote zu achten. Daher ist ein so schnelles Wachstum wie in den letzten beiden Jahren – auch im Hinblick auf finanzielle und personelle Ressourcen – nicht zwingend aufrecht zu erhalten. Eine langsamere Steigerung des digitalen Angebots ist besser mit den Ressourcen vereinbar und stellt die Qualität in den Mittelpunkt des Arbeitens. Folgende nächste Schritte sind geplant: Qualitätsmanagement: Feedbackerhebungen zu entstandenen Veranstaltungen und Produktionen inkl. deren Analyse mit dem Ziel ihrer Verstetigung und Qualitätssicherung Kompetenzuwachs: Zur Erweiterung des Portfolios sind Fortbildungen von Mitarbeiter*innen (intern) zu Methoden und Tools erforderlich. Wissenszuwachs: Etablierung einer museumsübergreifenden Arbeitsgruppe für Austausch, Beratung und Diskussion.Ressourcen: Geeignete Fördermittelbereiche sind zu identifizieren. 5. Personale Vermittlung Auftrag und Nutzen Angesichts des demographischen Wandels ist die Erweiterung und Diversifizierung des Vermittlungsangebotes beim Museumsdienst im vollen Gang. Dies führt unweigerlich zu einem erhöhten Bedarf und Einsatz von freiberuflichen Kräften (quantitativer Zuwachs), aber auch zu immer neuen Anforderungen und Qualifikationsbedarfen (qualitativer Zuwachs). Die Einbeziehung neuer Zielgruppen und die Intensivierung digitaler Vermittlungsarbeit erfordern Kompetenzen jenseits alleiniger Fachexpertise, während Angebote im „Outreach“ höhere Flexibilität und Mobilität im gesamten Kölner Stadtraum erfordern. Daraus erwächst ein Bedarf an freiberuflichen Kräften mit verändertem Kompetenzprofil und an Kompetenzgewinn für die bereits vorhandenen Teams. Um auch in Zukunft qualitativ hochwertige Bildung und Vermittlung für ein sich veränderndes Publikum mit vielfältigen Erwartungen, Voraussetzungen und Wünschen anzubieten, sollen Akquise, Ausbildung und Coaching der freien Mitarbeiter in Zukunft systematisiert und ausgebaut werden. Ziel ist es, das bestehende Team zu vergrößern, sowie seine Fähigkeiten, Kompetenzen und Einsatzmöglichkeiten breiter aufzustellen. Ausgangssituation In den vergangenen Jahren ließ sich ein Wandel im Berufsfeld der freiberuflichen Mitarbeiter*innen erkennen. Die Teams zeigten eine höhere Fluktuation, die Vermittlungsarbeit wurde vermehrt als Durchgangsstation betrachtet. Es kam und kommt zu Engpässen. Die Covid19-Pandemie hat seit 2020 zu weiteren nachhaltigen Veränderungen in den freiberuflichen Teams des Museumsdienstes geführt: Nach Wiederöffnung der Museen stehen viele Guides gar mehr oder nicht mehr im selben Ausmaß für die Übernahme von Honorartätigkeiten zur Verfügung. Gleichzeitig ist durch die Schaffung von Angeboten für neue Zielgruppen sowie Angeboten online und im Outreach der Bedarf an freien Mitarbeiter*innen stark gestiegen. Das bisherige Verfahren zur Akquise neuer freiberuflicher Guides zu überprüfen und zu revidieren. Daher wurde 2021 im Rahmen der Verwaltungsreform die Zugangsvoraussetzungen zur freiberuflichen Mitarbeit im Museumsdienst neu definiert und erweitert. Das Qualitätsmanagementsystem wurde angepasst und Akquiseprozesse in Gang gesetzt. Handlungsfelder und Schwerpunkte Folgende drei Arbeitsschwerpunkte wurden für den Bereich der personalen Vermittlung identifiziert: Akquise Die Akquise neuer freier Mitarbeiter*innen soll in Zukunft wird aktiver betrieben. Dabei ist auf eine Vernetzung mit anderen Kultureinrichtungen, mit Hochschulen und Museumsverbänden zu achten. Ausbildung In Zukunft sollen vermehrt Personen als freie Mitarbeitende (Museumsguides, Werkstattleitungen etc.) gewonnen werden, die auch Kompetenzen außerhalb der bisherigen Fachrichtungen besitzen (sozial- oder heilpädagogische Qualifikationen, künstlerisch- handwerklichen Fähigkeiten etc.). Zur Qualitätssicherung der Vermittlungsangebote wird flankierend ein modulares Traineesystem beim Museumsdienst etabliert. Lebenslanges Coaching Der beschriebe Wechsel von An- und Herausforderungen an die freiberufliche Museumspädagog*innen führt konsequenter Weise zu kontinuierlichen Briefings und Schulungen („Lebenslanges Coaching“) der Teams, gerade im Hinblick auf Methoden und Kompetenzen. Das modulare Traineesystem soll daher auch für die Weiterbildung der bestehenden Teams genutzt und weiterentwickelt werden. Folgende nächste Schritte sind geplant: Recruiting: Publikation neuer Profilanforderungen und aktive Akquise, v.a. im Hochschulbereich Network: Intensivierung des Austauschs mit anderen Kultur- und Bildungseinrichtungen vor Ort und in der Region Qualitätsmanagement: Etablierung eines modularen Traineesystems und Umsetzung eines Basismoduls bis Ende 2022 Qualitätssicherung: Überarbeitung der Honorarordnung mit dem Ziel einer Erhöhung zum 1.1.2023.
Mitteilung Ausschuss
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Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle VII/4522 Vorlagen-Nummer 23.02.2022 0595/2022 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Ausschuss Kunst und Kultur 08.03.2022 Strategiepapier zur museumsübergreifenden Bildungs- und Vermittlungsarbeit Der Museumsdienst Köln leistet hausbezogen Vermittlungsarbeit für die städtischen Museen. Darüber hinaus bündelt er übergreifende Vermittlungsthemen und macht Museumsinhalte in themenbasierten, museumsübergreifenden Angeboten nutzbar – weg von der einzelnen Sammlung hin zum Thema und seinen Facetten. Digitaler Wandel, Diversität, Inklusion, Partizipation und Nachhaltigkeit sind Themen, die die Vermitt- lungsarbeit in den Kölner Museen permanent formen und erweitern. Um die Bedürfnisse des Publi- kums zu erfüllen und das reichhaltige kulturelle Erbe der Stadt zeitgemäß und nah an der Lebens- wirklichkeit der Museumsbesucher*innen zu vermitteln, hat der Museumsdienst Köln im Kontext der Verwaltungsreform #wirfürdiestadt das folgende Strategiepapier entwickelt und 2020/2021 projekthaft einzelne Bereiche erprobt. Das Papier (s. Anlage) fasst das Selbstverständnis des Museumsdienstes als Bildungseinrichtung sowie seine Arbeitsschwerpunkte in den fünf Arbeitsbereichen Diversität Inklusion Outreach Digitale Vermittlung Personale Vermittlung zusammen. Die hausbezogene Bildungsarbeit und die Vermittlung für die sehr relevanten schulischen Zielgruppen werden außerhalb der einzelnen Strategiekonzepte iterativ, nach Themen und Anlässen permanent der Nachfrage angepasst. Das zukunftsorientierte Arbeitsfeld 1: Diversität trägt den Bedarfen einer sich wandelnden Stadtge- sellschaft Rechnung. Es nimmt ein breites, heterogenes Publikum in den Blick, das sich bisher nicht oder nicht ausreichend im Programm wiederfindet. Hierbei wählt es einen inklusiven und intersektio- nalen Ansatz, der sich an Barrieren, Diskriminierungen und individuellen Lebenserfahrungen orientiert statt Gruppenzuschreibungen und Marginalisierungen fortzuschreiben. Dies geschieht in den vier Schwerpunkten Programm, Personal, Projekte/Kooperationen und Partizipation. Um neue Wege in der Vermittlung zu gehen und ein neues Publikum zu erreichen, sind auch Verän- derungen in anderen Museumsaufgaben – Sammeln, Forschen und Ausstellen – notwendig, damit sich Menschen in der Narration der Ausstellung und in der Sammlung wiederfinden. Daher geht der Aufgabenbereich durch partizipative Projekte und beratende Unterstützung der Museen über die reine Vermittlungsarbeit hinaus und sorgt für ein Überdenken gängiger Paradigmen. Der Programmbereich Diversität ist langfristig angelegt. Die Fortentwicklung des freiberuflichen Ver- mittlungsteams, die Bindung der Zielgruppen, die Pflege des Netzwerkes sowie die Etablierung neuer Angebote und Kommunikationswege sind mittel- und langfristige Prozesse. Parallel jedoch sorgen einzelne Maßnahmen (z.B. im Bereich Mehrsprachigkeit) für frühzeitige Sichtbarkeit. 2 Diversität ist eine Querschnittsaufgabe und betrifft hierdurch alle Bereiche des Museumdienstes. Hierbei spielen interne Vernetzung, Beratung und Zusammenarbeit eine wichtige Rolle. Daher ist der Programmbereich in verschiedene interne Prozesse des Museumsdienstes eingebunden und unter- stützt die Arbeit der Kölner Museen über die reine Vermittlungsarbeit hinaus. Das Arbeitsfeld 2: Inklusion zielt darauf ab, die Ansprüche aus Politik, Kultur und Gesellschaft zu Inklusion und Barrierefreiheit nachhaltig, qualitativ und zielgruppengerecht zu erfüllen. Die Strategie kann zusammenfassend mit folgenden Kernaussagen beschrieben werden: Inklusion braucht die Einbindung der Zielgruppe Menschen mit Behinderung und Beeinträchtigung sind partizipativ als Expert*innen in eigener Sache einzubeziehen. Dabei bildet die Zusammenarbeit im „Runden Tisch Inklusion und Museum“ die Basis für die Schaffung von museumsspezifischen, inklusiven und nachhaltigen Bildungs- und Vermitt- lungsangeboten. Inklusion meint mehr als Menschen mit verschiedenen Behinderungen Auch Personengruppen von durch Alter gezeichneten Senior*innen über Menschen mit Einschrän- kungen nach einem Unfall bis zu jungen Eltern mit Kinderwagen profitieren von einem inklusiven Um- feld. Inklusion muss entlang der visitor journey umgesetzt werden Es sind alle Belange der Besucher*innen zu berücksichtigen. Dies reicht von der Information vor Be- such eines Museums, Weg, Architektur und Orientierung eines Museums sowie der Ausstellungsin- halte von Objekten über Texte zu Multimediaguides bis zum Umgang von Service- und Vermittlungs- personal mit heterogenen Besuchergruppen. Inklusion ist ein immerwährender Prozess Möglichkeiten zur gleichberechtigten Teilnahme an, Nutzung von und Mitwirkung beim inklusiven Mu- seumserleben entwickeln sich beständig sowohl im Kulturbereich als auch in der Forschung zu an- gewandter Praxis und Design weiter. Diese Impulse und Entwicklungen sollen bei der Arbeit sinnvoll Berücksichtigung finden. Inhaltlich angebunden ist das Thema beim Programmbereich „Inklusion und Museen“, der im Rahmen der Verwaltungsreform geschaffen wurde. Das Arbeitsfeld 3: Outreach ist eine der möglichen Antworten auf die Veränderungen, denen Muse- en gegenüberstehen. Ziel der kommenden Jahre wird es sein, Outreach in all seinen Formen als un- verzichtbare Aufgabe in den Museen und Kultureinrichtungen zu implementieren. Hierzu bedarf es nicht nur finanzieller Mittel, sondern auch einer nachhaltigen und langfristigen Ausgestaltung. Demographischer Wandel und die wachsende Diversität der Bevölkerung im urbanen Umfeld werden das klassische Museumspublikum verringern. Outreach kann die gesellschaftliche Akzeptanz und Relevanz von Museen fördern, die Reichweite von städtischen Kultureinrichtungen erhöhen und die Selbstkompetenz der Bürger*innen sowie deren aktiven Umgang mit Kultur ermöglichen. Langfristig entsteht eine Vertrauensbasis zwischen Bürger*innen und Kulturinstitutionen. Somit ist Outreach ein Weg, für die nächsten Jahrzehnte das Museum als Institution in seiner Existenz zu festigen und in seiner gesellschaftlichen Bedeutung zu stärken. Vor diesem Hintergrund hat der Museumsdienst den Programmbereich Outreach personell etabliert und strukturell ausgebaut. Im Fokus steht die aufsuchende Vermittlungsarbeit vor Ort, zunächst mit den Zielgruppen KiTa, Schule, OGS und Senior*inneneinrichtungen. Bildungsangebote im digitalen Raum haben eine hohe Sichtbarkeit. Folglich bietet das Arbeitsfeld 4: Digitale Vermittlung Chancen wie das Erreichen neuer Zielgruppen, aber auch Herausforderungen wie die Auswahl geeigneter Formate aus einer Vielzahl technischer Möglichkeiten. Der Museums- dienst Köln wird seine bestehenden Formate fortlaufend einer Qualitätssicherung unterziehen, diese aktuell zu halten und neue Angebote zu schaffen. Dabei zählt weniger die Masse an Möglichkeiten, sondern vielmehr die Qualität der Angebote – ein Grundsatz, den der Museumsdienst auch in seiner analogen Bildungsarbeit in den Museen verfolgt. Überzeugende Angebote digitaler Vermittlung sind mit einem hohen personellen und finanziellen Aufwand verbunden. Dies kann teilweise über Fördermittel aufgefangen werden, für eine nachhaltige Entwicklung sollte der Bereich digitale Vermittlung jedoch auch im Haushalt berücksichtigt werden. 3 Digitale Vermittlungsarbeit ist, anders als die vorgenannten Arbeitsfelder, nicht mit Stellenanteilen ausgestattet. Daher ist das Thema bis auf weiteres im Team zu führen. Das Arbeitsfeld 5: Personale Vermittlung ist der Hauptgegenstand der Bildungsarbeit des Muse- umsdienstes. Aufgrund gesellschaftlicher Entwicklungen, struktureller Veränderungen im Museums- dienst und der Covid19-Pandemie ist ein akuter Bedarf an neuen, flexiblen freien Museumspäda- gog*innen mit neuen und vielfältigen Kompetenzen entstanden. Die Anpassung der Akquise, Aus- und Weiterbildung für freiberufliche Teams ist daher eine notwendige Reaktion auf die aktuelle Situa- tion, ermöglicht aber auch die inhaltliche Neuausrichtung bzw. Weiterentwicklung des Vermittlungs- programms und die Stärkung des Museumsdienstes im Wettbewerb um Talente. Die für eine Verän- derung relevanten Schritte von Recruiting bis Qualitätssicherung wurden erarbeitet. Im Laufe des Jahres 2022 wird ein weiteres Strategiekonzept zum Thema Lebenslanges Lernen er- arbeitet. Insgesamt kann festgehalten werden, dass dank der Verwaltungsreform eine nachhaltige Veränderung der Bildungs- und Vermittlungsarbeit für die Museen der Stadt Köln angestoßen und verankert werden konnte. Damit ist ein wichtiger Baustein für ein wirkungsvolles Audience Develop- ment gelegt. gez. Charles
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 0595/2022
- Typ
- Mitteilung Ausschuss
- Datum
- 23.02.2022
- Erstellt
- 17.02.2022 13:24