V/0579/2009
Klimaschutzkonzept 2020 für Münster - vorläufiger Bericht
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Berichtsvorlage
4643 Zeichen
V/0579/2009 DER OBERBÜRGERMEISTER Amt für Grünflächen und Umweltschutz Betrifft Klimaschutzkonzept 2020 für Münster - vorläufiger Bericht Beratungsfolge 29.09.2009 Ausschuss für Umweltschutz und Bauwesen Bericht Bericht: Der Rat der Stadt Münster hat am 12.03.2008 das neue Klimaschutzziel der Stadt Münster be- schlossen und damit die Verpflichtung ausgesprochen, eine CO 2-Reduzierung von mindestens 40% bis zum Jahre 2020 ausgehend vom Basisjahr 1990 zu erreichen sowie einen Anteil von 20% erneuerbarer Energie an der Energieversorgung der Stadt Münster bis 2020 anzustreben. Zur Umsetzung und Erreichung dieses ehrgeizigen K limaschutzzieles wurde die Vergabe eines Klimaschutzkonzeptes mit der Erarbeitung eines konkreten Handlungs- bzw. Maßnahmenkatalo- ges beschlossen. Im Sommer 2008 wurde der Förderantrag im Rahm en der Klimaschutzinitiative des Bundesum- weltministeriums (BMU) zur Unterstützung der Erstellung des Klimaschutzkonzeptes 2020 für die Stadt Münster eingereicht und im Oktober lag der Bewilligungsbescheid vor, so dass im Novem- ber 2008 der Auftrag für die Erarbeitung des Klimaschutzkonzeptes an die Firma Ifeu-Heidelberg GmbH (mit Unterauftrag an Gertec GmbH, Essen) vergeben werden konnte. Erste Ansätze des Klimaschutzkonzeptes wurd en dem Ausschuss für Umweltschutz und Bauwe- sen im März 2009 vorgestellt, die nunmehr weiter ausgearbeitet worden sind. Der vorliegende Bericht umfasst die vorläufige Darstellung der neuen CO 2-Bilanzierung, die Analyse der Einspar- potenziale und den ersten Entwurf des Maßnahmenkataloges (Anlage 1). Der Maßnahmenkata- log bildet dabei das Kernstück der zukünftigen Klimaschutzarbeit der Stadt Münster und soll da- her bereits vor der endgültigen Fertigstellung dem Ausschuss vorgestellt werden, um gegebenen- falls weitere Anregungen noch einarbeiten zu können. Das weitere Vorgehen ist wie folgt geplant: Der Endbericht zum Klimaschutzkonzept 2020 für Münster soll im November 2009 vorliegen und als Bestandteil einer Beschlussvorlage am 09.12.2009 zunächst in den Rat eingebracht werden. Anschließend ist im Januar 2010 eine neue Klimakonferenz für die Stadt Münster geplant, in der die Ergebnisse des Klimaschutzkonzeptes dargestellt und mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung, Verbänden, etc. diskutiert werden sollen. Darauf aufbauend sollen dann im Februar/März 2010 die Beratung und Besch lussfassung in den Ausschüssen und im Rat der Stadt Münster stattfinden. Für eine konstruktive Umsetzung der Maßnahmen des Klima- Vorlagen-Nr.: V/0579/2009 Auskunft erteilt: Frau Wildt Ruf: 492 67 03 E-Mail: WildtB@stadt-muenster.de Datum: 08.09.2009 Öffentliche Berichtsvorlage 2 V/0579/2009 schutzkonzeptes ist es sinnvoll, ein sogenanntes Handlungskonzept zur Umsetzung der Maß- nahmen des Klimaschutzkonzeptes auszuarbeiten, um damit die Grundlage für das zukünftige Handeln der Stadt Münster in Sachen Klimaschutz zu legen. Dieses Handlungskonzept wird von der Verwaltung erarbeitet, sobald der Endbericht zum Klimaschutzkonzept 2020 vorliegt. Es soll gemeinsam mit diesem beschlossen werden, damit im Frühjahr 2010 eine umsetzungsfähige Handlungsgrundlage für die Klimaschutzaktivitäten der Stadt Münster vorliegt. Parallel bereitet die Verwaltung derzeit einen weiteren Förderantrag beim Bundesumweltministe- rium im Rahmen der Klimaschutzinitiative zu r Begleitung der Umsetzung von Klimaschutzkon- zepten vor. Mit diesem Förderantrag soll - wie bereits in der Berichtsvorlage V/0616/2008 darge- stellt - die Umsetzung und Einführung des „Netzwerkes für Klimaschutz in Münster“ zu 80% mit Bundesmitteln unterstützt werden. Bereits bei der Erarbeitung des Klimaschutzkonzeptes wurde der Ansatz der Entwicklung eines sogenannten „N etzwerkes für Klimaschutz in Münster“ aus dem Partizipationsansatz der Maßnahmenentwicklung als Meilenstein eingebracht. Der Aufbau eines solchen stadtweiten Netzwerkes mit allen im Klimaschutz aktiven und relevan- ten Akteuren in der Stadt aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung, Verbänden, etc. ist sowohl personell als auch finanziell eine große Herausforderung für Münster, die ohne externe Unterstützung nicht umgesetzt werden kann. Daher ist die erfolgreiche Einwerbung von Förder- mitteln unabdingbar. Das Konzept für den Aufbau des Klimaschutznetzwerkes der Stadt Münster, das der Antragstellung zugrunde gelegt wird, wird dem Rat der Stadt Münster im Dezember vor- gelegt. i.V. gez. Thomas Paal (Stadtrat) Anlage 1: vorläufiger Bericht zum Klimaschutzkonzept 2020 der Stadt Münster
Anlage 1
153868 Zeichen
Klimaschutzkonzept 2020
für die Stadt Münster
Bericht für den Ausschuss Umweltschutz und Bauwesen am 29.9.2009
Markus Duscha, Frank Dünnebeil, Benjamin Gugel, Frank Kutzner
ifeu-Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg
Wilckensstraße 3 69120 Heidelberg
Tel: 06221 / 4767-0, E-Mail: markus.duscha@ifeu.de
Andreas Hübner, Werner Murken
GERTEC GmbH
Martin-Kremmer-Str. 12, 45327 Essen
Tel: 0201 / 245640, E-Mail: andreas.huebner@gertec.de
Heidelberg, Essen, 15. September 2009
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen Klimaschutzkonz ept Münster
INHALTSVERZEICHNIS
1 Energie- und CO 2-Bilanz............................................ ................................... 1
1.1 Systematik der Endenergie- und Emissionsbilanzierung ................................. 1
1.1.1 Anpassungen im Energiebereich..................................................................... 1
1.1.2 Anpassungen im Verkehrsbereich................................................................... 5
1.2 Entwicklung Endenergie und CO 2-Emissionen 1990 bis 2005/2006 ................ 6
1.2.1 Endenergie......................................... ................................................... .......... 6
1.2.2 CO 2-Emissionen........................................ ................................................... ... 7
1.3 Endenergie- und CO 2-Bilanz 2006 im Detail............................. ..................... 10
1.4 Fortschreibungsfähiges Berichtssystem ........................................................ 13
2 Energiespar- und CO 2-Minderungspotenziale.............................. ............. 15
2.1 Zusammenfassung: Minderungspotenziale für Münster ................................ 16
2.2 Minderungspotenziale durch eine Verringerung des Endenergieverbrauchs in
den Sektoren .......................................................................................... .. 17
2.3 Minderungspotenziale in der Energieversorgung........................................... 20
2.3.1 Zielsetzung 20% Erneuerbare Energien........................................................ 24
2.4 Potenziale im Verkehrsbereich...................... ................................................ 28
3 Erster Vorschlag Maßnahmenkatalog, Stand 15.09.2009, für den
Ausschuss für Umweltschutz und Bauwesen am 29.9.2009.................... 31
3.1 Einführung......................................... ................................................... ......... 31
3.2 Übergreifende Maßnahmen .......................................................................... 32
3.3 Bauen und Wohnen ...................................................................................... 35
3.4 Gewerbe, Handel und Dienstleistung (GHD) ................................................. 38
3.4.1 Maßnahmen im Bereich Sensibilisierung und Wissensvermittlung ................ 39
3.4.2 Maßnahmen im Bereich themenspezifischer Initiativen................................. 40
3.4.3 Maßnahmen zur flankierenden Unterstützung............................................... 41
3.5 Energieumwandlung / Erneuerbare Energien................................................ 43
3.5.1 Fernwärme und KWK.................................. .................................................. 4 4
3.5.2 Bioenergie......................................... ................................................... ......... 45
3.5.3 Solarthermie....................................... ................................................... ........ 45
3.5.4 Fotovoltaik........................................ ................................................... .......... 46
3.6 Verkehr ............................................................................................... .......... 47
3.7 Erste Schätzung: CO 2-Minderungspotenzial aller hier aufgeführten
Maßnahmen ............................................................................................. 55
Anhang ............................................................................................... ....................... 57
1. Anpassung bei der CO 2-Bilanzierung (Energie) ...................................................... 57
2. Anpassung der CO 2-Bilanzierung (Verkehr)............................ ................................ 59
3. Methodik der CO 2-Bilanzierung...................................... ......................................... 62
4. CO 2-Bilanz mit Bundesmix.............................. ................................................... ..... 65
5. Vorgehen bei der Ermittlung der Einsparpotenziale ................................................ 66
6. Einsparpotenziale (Effizienz) für verschiedene Anwendungen und Sektoren .......... 68
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 1 Klimaschutzko nzept Münster
1 Energie- und CO 2-Bilanz
1.1 Systematik der Endenergie- und Emissionsbilanzi erung
Die Stadt Münster hat nach 1990, 1995 und 2000 zule tzt für das Jahr 2005 eine CO 2-
Bilanz vorgelegt. Im November des gleichen Jahres w urde das neue GuD-Kraftwerk
der Stadtwerke an das Netz angeschlossen, welches e inen großen Einfluss auf die
kommunale CO 2-Bilanz hat. Für die Berücksichtigung des GuD-Kraft werks wurden da-
mals drei verschiedene Varianten bilanziert und prä sentiert. Je nach Methodik und An-
rechnungsweise ergaben sich CO 2-Minderungen zwischen 6,4% und 21% gegenüber
dem Ausgangsjahr 1990. Im Zuge des Auftrags an IFEU und Gertec für die Fortschrei-
bung der Bilanz ab 2005 sollte deshalb nun auch übe rprüft werden, inwieweit die vor-
liegenden Bilanzen mit der Bilanzierungssystematik des Klima Bündnisses und anderer
Städte vereinbar sind. Darauf aufbauend sollte ein Vorschlag für eine zukünftige Sys-
tematik unterbreitet werden. Die Überprüfung erfolgte sowohl für den Energie- als auch
den Verkehrsbereich.
1.1.1 Anpassungen im Energiebereich
Anpassungsvorschläge im Energiebereich erfolgten im Wesentlichen für zwei Berei-
che:
- Vor dem Hintergrund der Inbetriebnahme des neuen Gu D-Kraftwerks am alten
Hafen im Jahr 2005 und der damit verbundenen CO 2-Berechnung für die Fern-
wärme wurden Empfehlungen für die zukünftige Erstel lung der CO 2-Bilanz ge-
geben.
- Zudem sollten alternative Datenquellen geprüft werd en, da die Stadtwerke den
Wärmeatlas als bisherige Grundlage der Bilanz in Zu kunft nicht fortführen wird.
In der vorliegenden Bilanz wurde deswegen im Energi ebereich auf Originalda-
ten der Energieversorger, Schornsteinfeger und des Landesamtes für Daten-
verarbeitung und Statistik zurückgegriffen.
Entwicklungen und Unterschiede bei der Endenergiebilanzierung
Alle Daten für die Energie- und CO 2-Bilanz werden auf Endenergiebasis erhoben. Ein
Großteil der Daten stammt, wie beim Wärmeatlas, aus Angaben der Stadtwerke Müns-
ter, denen an dieser Stelle noch einmal für die Koo peration gedankt werden soll. Vier
größere Unterschiede haben sich nun zwischen 2005 und 2006 ergeben, die beim Ver-
gleich zwischen den Einzeljahren berücksichtigt werden sollten 1:
- Teilweise neue Datenbasen aufgrund des Unbundlings der Energieversorger.
Dort liegen nun unterschiedliche Datenbanken innerhalb der Stadtwerke vor.
1 Details finden sich im Anhang
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 2 Klimaschutzko nzept Münster
- Die Witterungskorrektur wurde sektorspezifisch für den Heizenergieverbrauch
berechnet. Bisher wurden alle Niedertemperaturwerte berechnet.
- Neue Datenquellen für einzelne Energieträger (z.B. Schornsteinfeger bei Heiz-
öl).
- Originaldaten zur Eigenerzeugung und Eigenverbrauch der Universität konnten
berücksichtigt werden.
Entwicklungen und Unterschiede bei der CO 2-Bilanzierung
Ein erster Unterschied zwischen der alten und der n euen Bilanzmethodik ist die Auftei-
lung innerhalb der Bilanz nach Verbrauchssektoren a nstatt wie bisher nach Anwen-
dungsbereichen (Raumwärme, Prozesswärme, etc.). Mit der neuen Aufteilung war es
nun möglich, die Einsparpotenziale für die einzelne n Verbrauchssektoren zu berech-
nen. Darauf aufbauend konnten für die jeweiligen Se ktoren Maßnahmenprioritäten zu-
geteilt werden.
Zudem wurden für die Bilanzen die Emissionsfaktoren und deren Berechnung ange-
passt. Eine Übersicht aller bisher genutzten Emissi onsfaktoren und der Emissionsfak-
toren, die für die Berechnung der neuen Bilanz Grundlage waren, finden sich in Tab. 2.
Die vier wesentlichen Änderungen und ihre Auswirkun gen auf die CO
2-Geamtbilanz
finden sich in Tab. 1.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 3 Klimaschutzko nzept Münster
Tab. 1: Veränderung der CO 2-Emissionsfaktoren für die neue Systematik und die Auswir-
kungen auf die Gesamtemissionen
1. Berücksichtigung von CO 2-Äquivalenten (Methan, etc.) und Vorketten. Die CO 2-
Emissionen steigern sich durch die neuen Emissionsf aktoren gegenüber der al-
ten Systematik. Dafür werden jedoch alle klimarelev anten Treibhausgase und
bei deren Abbau erzeugte Emissionen berücksichtigt.
2. Berücksichtigung eines lokalen Strommixes nach dem Territorialprinzip. Trotz
des geringeren Anteils an erneuerbaren Energien in Münster liegt der Wert des
Stromemissionsfaktors für Münster aufgrund der klim afreundlichen Stromerzeu-
gung im neuen GuD-Kraftwerk unter dem Wert des Bund esstrommixes (vgl.
Tab. 2). Die Stromerzeugung des GuD-Kraftwerks in M ünster kann nun durch
das Territorialprinzips voll abgebildet werden.
3. Berechnung der Strom- und Fernwärmefaktoren in Kraf t-Wärme-
Kopplungsprozessen nach der Exergiemethode. Die bis her genutzte Gutschrif-
tenmethode wird nicht weiter angewendet. Diese Verä nderung führt zu den
größten Unterschieden zwischen der alten und neuen CO 2-Bilanz.Der Emissi-
onsfaktor für Fernwärme liegt nun über den bisher ermittelten Werten. Die bisher
in Münster eingesetzte Gutschriftenmethode ist für Techniksystemvergleiche
entwickelt worden und ist bei diesen auch gut einse tzbar. Bei (kommunalen)
CO 2-Bilanzierungen ist sie jedoch nicht zielführend einsetzbar 2.
4. Nutzung des durchschnittlichen lokalen Strommixes a uch bei Nachtspeicher-
öfen. Bisher wurde ein differenzierter Strommix ang enommen. Die Emissions-
faktoren für Nachtspeicherheizungen liegen nun für das Jahr 2006 bei Anwen-
dung des Münsteraner Strommixes unter den Werten, die bisher in den Bilanzen
genutzt wurden.
2 Negative Emissionsfaktoren für Fernwärme, wie sie teilweise für das Jahr 2005 ermittelt
wurden, sind bei der Maßnahmenentwicklung und -eval uation nicht von hilfreich, da in
diesem Fall ein erhöhter Verbrauch von Fernwärme zu ausgewiesenen Emissionsmin-
derungen führen würde.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 4 Klimaschutzko nzept Münster
Tab. 2: Vergleich der Emissionsfaktoren ( Neuberechnung für 1990 überschlägig)
Alte Systematik Neue Systematik
2005 2005 GuD 1990
neu 2006
Erdgas 200 200 252 252
Erdöl 266 266 321 321
Fernwärme 104 -415 266 147
Strommix Münster*
Vgl. Strom-
mix
Deutschland
Vgl. Strom-
mix
Deutschland
854 608
Strommix Deutsch-
land 554 554 739 626
3
Nachtspeicherheizung 925 925 854 608
*1990 und 2006: Differenz zwischen Stromerzeugung und Stromverbrauch im Stadtge-
biet Münster wird mit Strommix Deutschland ergänzt
Fazit: Vergleich alte und neue Emissionsfaktoren
Tab. 1 und Tab. 2 zeigen, dass die Emissionsfaktore n nach neuer Systematik für das
Jahr 2006 die CO
2-Emissionsfaktoren höher sind, was absolut zu höher en ausgewie-
senen CO 2-Emissionen gegenüber der alten Darstellung führt.
Fazit: Entwicklung der Emissionsfaktoren in der neuen Systematik
Für eine Betrachtung der CO 2-Emissionsentwicklung seit dem Basisjahr 1990 mit d er
neuen Systematik wurden anhand vorliegender Kraftwerksdaten die Emissionsfaktoren
auch rückblickend für 1990 ermittelt. In Tab. 2 sin d die Ergebnisse dieser Berechnun-
gen dargestellt. Es ist zu erkennen, dass die Emiss ionsfaktoren für Strom und Fern-
wärme auch nach der neuen Systematik seit 1990 deut lich gesenkt werden konnten.
Dies ist in hohem Maße auf den Neubau des effizient eren und klimafreundlicheren
GuD-Kraftwerks zurückzuführen. Somit konnte trotz d eutlicher Wachstumsentwicklun-
gen in Münster (vgl. Abschnitt „Entwicklung von Rah mendaten“) die Gesamtemissio-
nen gegenüber 1990 gesenkt werden (vgl. Kap. 1.2)
3 Die Diskussion, welche Berechnungsgrundlage für d en Emissionsfaktor Strommix
Deutschland gewählt wird, ist derzeit beim Klima Bü ndnis noch nicht abschließend ge-
klärt. Es wurde deswegen in der vorliegenden Bilanz im Gegensatz zu bisher präsen-
tierten Bilanzen (ECO2-Strommix) auf den Strommix d es IFEU-Strommasters zurück-
gegriffen (IPPC 2007-Methodik), der dem Klima Bündn is auch als zukünftige Daten-
grundlage angeboten wird.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 5 Klimaschutzko nzept Münster
1.1.2 Anpassungen im Verkehrsbereich
Bei kommunalen Bilanzen von Treibhausgasemissionen hat sich im Verkehrssektor die
Bilanzierung nach dem Territorialprinzip etabliert. Im Rahmen einer Überprüfung der
Münsteraner Treibhausgasbilanz wurde die bisher in Münster verwendete Bilanzie-
rungsmethode einer von IFEU ergänzend für das Jahr 2005 erstellten Territorialbilanz
gegenübergestellt. Der Fokus lag dabei auf folgenden Fragestellungen:
- Welche Verkehrsmittel werden in den Bilanzen erfasst?
- Wie wirken sich die unterschiedlichen räumlichen un d methodischen Abgren-
zungen auf die Höhe der erfassten Verkehrsleistungen und Emissionen aus?
- Wie stark unterscheiden sich die Anteile der berück sichtigten Verkehrsmittel an
den Treibhausgasemissionen zwischen den beiden Methoden?
- Ergänzend wurden die von der Stadt Münster derzeit verwendeten Emissions-
faktoren mit den auf Bundesebene verwendeten Emissionsfaktoren verglichen.
Zusammenfassung der Bilanzüberprüfung für den Verkehrsbereich
Die Klimabilanzen der Stadt Münster berücksichtigen bisher Emissionen des Perso-
nen-Binnenverkehrs im Stadtgebiet und des Personen-Regionalverkehrs (Quell-/Ziel-
Verkehr) inkl. Weganteilen in Nachbarkommunen. Ents prechend der Systematik wer-
den Durchgangsverkehre durch das Stadtgebiet nicht einbezogen, ebenso sind Flug-
und Güterverkehr nicht enthalten. Beim Territorialp rinzip dagegen werden die Emissio-
nen des gesamten Verkehrs auf dem Stadtgebiet erfasst, unabhängig davon, ob der
Verkehr durch Einwohner oder Auswärtige erfolgt. So wird neben dem anteiligen Regio-
nalverkehr auch der Durchgangsverkehr innerhalb des Stadtgebiets berücksichtigt. Zu-
sätzlich wird in der Territorialbilanz auch der ges amte Straßengüterverkehr im Stadtge-
biet erfasst 4.
Der Vergleich der in Münster verwendeten Emissionsfaktoren mit den auf Bundesebene
verwendeten Faktoren ergab Abweichungen insbesonder e im Motorisierten Individual-
verkehr (MIV) und im Schienenpersonennahverkehr (SPNV). Insgesamt ergaben sich für
das Jahr 2005, unter Beibehaltung der bisherigen Bilanzabgrenzung für den Verkehr in
Münster, 5% niedrigere Treibhausgasemissionen. Wird nach dem Territorialprinzip bilan-
ziert, dann liegen die berechneten Emissionen mit d en neuen Emissionsfaktoren etwa
2,5% niedriger. Dabei sind die Emissionen des berücksichtigten Personenverkehrs deut-
lich niedriger (keine Berücksichtigung von Fahrleistungen außerhalb des Stadtgebiets).
Durch die Erfassung der Emissionen des Straßengüterverkehrs liegen die Gesamtemis-
sionen des Verkehrs dennoch wieder im Bereich des Gesamtemissionsniveaus der bis-
herigen Systematik. 5
4 Eine Übersicht der in beiden Bilanzmethoden erfas sten Verkehre gibt Tabelle 1 im Zwi-
schenbericht vom Februar 2009.
5 Vgl. Kap. 4.3.2 im Zwischenbericht vom Februar 20 09.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 6 Klimaschutzko nzept Münster
Auf Basis der Bilanzüberprüfung wurden folgende Emp fehlungen zu einer Anpassung
der Bilanzierungsmethodik im Verkehrssektor gemacht. 6
Räumliche Abgrenzung und Differenzierung : Abgrenzung des Bilanzraums nach
dem Territorialprinzip zur Erfassung des kompletten Verkehrs im Stadtgebiet. Um die
unterschiedlichen Einflussmöglichkeiten der Stadt zu dokumentieren und daraus resul-
tierende Minderungspotenziale ermitteln zu können, sollte weiterhin eine Differenzie-
rung der Verkehre nach Binnen-, Regional- und Durchgangsverkehr erfolgen.
Einbeziehung des Güterverkehrs in die Bilanz : Neben dem Personenverkehr wird
auch der Straßengüterverkehr in der Bilanzierung de r Treibhausgasemissionen des
Verkehrs berücksichtigt, da er einen relevanten Ant eil an den verkehrlichen Emissio-
nen im Stadtgebiet hat und auch anteilig im Bereich der kommunalen Handlungsmög-
lichkeiten ist.
Verwendung aktueller Emissionsfaktoren : Verwendung von aktuellen Emissions-
faktoren inkl. energetischer Vorkette und unter Ein beziehung der Treibhausgase CO
2,
CH 4 und N 2O nach dem Emissionsmodell TREMOD, welches u.a. Gru ndlage für die
Klimaberichterstattung der Bundesregierung ist.
1.2 Entwicklung Endenergie und CO 2-Emissionen 1990 bis
2005/2006
In Abb. 1 und Abb. 2 wurden auf der linken Seite di e Berechnungen der Stadt für die
Jahre 1990, 1995, 2000 und 2005 übernommen 7. Auf der rechten Seite sind jeweils die
Ergebnisse nach neuer Berechnung dargestellt. Das J ahr 2006 wurde vom IFEU-
Institut mit neuer Systematik für Endenergie und Em issionen bilanziert. Diese neue
Systematik soll in den Folgejahren fortgeschrieben werden, so dass die Ergebnisse ab
2006 weiterhin verglichen werden können. Für das St artjahr 1990 wurde zudem noch
einmal überschlägig eine CO 2-Bilanz anhand der vorliegenden Endenergieverbräuch e
mit der neuen Bilanzierungsmethodik berechnet.
1.2.1 Endenergie
Die Ergebnisse für den Energiebereich nach Endenerg ieträgern sind in Abb. 1 zu se-
hen. Im Vergleich zum Basisjahr 1990 steigerte sich der Endenergieverbrauch bis zum
Jahr 2005 von 4.649 GWh auf 5.131 GWh um 10%. Aus d en genannten Gründen sind
die Ergebnisse zwischen 2005 und 2006 nur noch bedingt vergleichbar. Trotz einzelner
Differenzen bei den Energieträgern bleibt der ermit telte Endenergieverbrauch für 2006
gegenüber 2005 nahezu konstant bei 5.172 GWh (+1%).
6 Weitere Informationen dazu im Anhang
7 Die Berechnung der Jahre 1990 bis 2005 erfolgte i n Anlehnung an die Empfehlungen
des Beirats. Ab 2006 wird mit der vom IFEU vorgeschlagenen Methodik gerechnet.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 7 Klimaschutzko nzept Münster
Abb. 1: Entwicklung Endenergieverbrauch in Münster
Endenergiebilanzen nach Verbrauchssektoren in Münster
1990-2006 (ohne Verkehr)
0
1.000.000
2.000.000
3.000.000
4.000.000
5.000.000
6.000.000
1990 1995 2000 2005 2006
Strom
Sonstiges
Öl
Heizstrom
Fernwärme
Gas
neue Erhebungsmethodik
100%
111% 110% 104%
99%
IFEU/GERTEC 2009
MWh
1.2.2 CO 2-Emissionen
Entwicklungen 1990-2005 nach alter Systematik
Betrachtet man die Entwicklung der CO
2-Emissionen (vgl. Tab. 3 und Abb. 2) von 1990
bis 2005, die mit der alten Bilanzierungssystematik berechnet wurden, so zeigt sich für
die GuD-Variante eine deutliche Verringerung von 21% bzw. von 2,229 Mio. Tonnen im
Jahr 1990 auf 1,763 Mio. Tonnen im Jahr 2005. Währe nd die Emissionen im Sektor
Verkehr nahezu gleich geblieben sind, ist dieser Rü ckgang zu großen Teilen auf Re-
duktionen bei den energiebedingten Emissionen zurüc kzuführen (-26%). Bezogen auf
die Einwohner entspricht das einer Verringerung von 8,8 Tonnen auf 6,5 Tonnen pro
Einwohner (- 26%).
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 8 Klimaschutzko nzept Münster
Abb. 2: Entwicklung der CO 2-Emissionen nach Anwendungen und Sektor
CO 2-Bilanzen nach Anwendungen und Verkehr
in Münster 1990-2006
0
500
1.000
1.500
2.000
2.500
3.000
1990 1995 2000 2005 2005
GuD
1990
neu
2006
Verkehr
Strom
Wärme
neue Systematik
100%
100%
79%
97% 97%
IFEU/GERTEC 2009
1.000 Tonnen CO 2
94%
94%
alte Systematik
Tab. 3: Entwicklung der CO 2-Emissionen (1.000 Tonnen) nach Energieträgern (Sek tor
Verkehr ohne Aufteilung)
Jahr Erdgas Fernwärme Heizstrom Öl Sonstiges Strom Verkehr Gesamt
1990 374 206 160 278 8 610 592 2.229
1995 403 166 141 211 3 642 591 2.158
2000 425 166 107 224 2 649 581 2.155
2005 495 65 104 182 0 684 556 2.087
2005 GuD 495 -259 104 182 0 684 556 1.763
1990 neu 472 157 148 331 11 819 543 2.481
2006 548 112 38 229 28 833 543 2.331
Neue Systematik
Entwicklungen 1990-2006 nach neuer Systematik
Für 1990 wurde mit den noch vorliegenden Daten eine überschlägige Bilanz nach neu-
er Emissionssystematik gerechnet. Aufgrund fehlende r Daten für das Jahr 1990 wur-
den für den Verkehr für 1990 die gleichen Emissione n angenommen wie für das Jahr
2006
8. Demnach beliefen sich die CO 2-Emissionen in Münster im Jahr 1990 auf 2,481
Mio. Tonnen CO 2. Bis 2006 konnten 0,150 Mio. Tonnen CO 2 oder 6% eingespart wer-
den. Bezogen auf die Einwohner entspricht dies einer Verringerung von 9,8 Tonnen auf
8,6 Tonnen pro Einwohner (minus 12%).
Die gegenüber der alten Systematik höheren Emission en sind im Wesentlichen durch
die höheren Emissionsfaktoren begründet (vgl. Kap. 1.1.1).
8 Da die Verkehrserhebungsdaten für die neue System atik nicht vorlagen, wird auf die
Werte von 2005 zurückgegriffen.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 9 Klimaschutzko nzept Münster
Diese Entwicklungen sind vor dem Hintergrund der Ge samtentwicklung in Münster zu
beurteilen, die sich durch folgende wichtige Eckpunkte beschreiben lässt.
Entwicklung von Rahmendaten
Die Bevölkerung in Münster ist von ca. 253.199 Einw ohner im Jahr 1990 auf 272.106
Einwohner im Jahr 2006 gestiegen (plus ca. 7%). Die spezifische Wohnfläche hat sich
dabei im Schnitt von 36 auf 41 Quadratmeter pro Person erhöht. Dadurch ist die Wohn-
fläche in diesem Zeitraum (siehe Abb. 3) um 18% von 9 Mio. auf 11 Mio. Quadratmeter
angestiegen. Die Anzahl der Haushalte stieg um 13,2 % von 127.465 im Jahr 1990 auf
146.802 im Jahr 2006. Die Anzahl der Einwohner pro Haushalt verringerte sich da-
durch von einem Wert von 2,0 auf einen Wert von 1,9 im Jahr 2006.
Abb. 3: Entwicklung der Wohnflächen in Münster von 1990 bis 2006 (Quellen: Landesamt
für Datenverarbeitung und Statistik).
Flächenentwicklung der Gebäude in Münster
8.000.000
8.500.000
9.000.000
9.500.000
10.000.000
10.500.000
11.000.000
11.500.000
1990
1991
1992
1993 1994 1995
1996
1997
199
8
199
9
2000 2001
2002
2003
200
4
2005
Wohnfläche
[m 2]
ifeu 2009
Wohngebäude von 1990 bis 2006
+ 18%
Demnach konnten die CO 2-Emissionen in den 15 Jahren von 1990-2005 nach alt er
Systematik als auch nach neuer Systematik von 1990- 2006 trotz eines gleichzeitigen
Wachstums der Stadt verringert werden. Diese Minder ungen sind im hohen Maße auf
den Neubau des GuD-Kraftwerks zurückzuführen. Aber auch die anderen Klima-
schutzaktivitäten der Stadt und Einwohner spielen dabei eine wichtige Rolle.
Vergleich alte und neue Systematik bei der CO 2-Bilanzierung
Zwischen den Bilanzen der Jahre 2005 und 2006 sind die Unterschiede mit einer Zu-
nahme von 0,568 Mio. Tonnen CO 2 aufgrund der neuen Methodik erheblich. Während
der Verkehrsbereich sich durch die neue Systematik kaum Veränderungen aufweist
(-2%), finden sich bei den energiebedingten Emissio nen Unterschiede von nahezu 0,6
Mio. Tonnen CO 2. Dies ist vor allem auf die unterschiedliche Bewer tung der Koppel-
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 10 Klimaschutzk onzept Münster
produkte Fernwärme und Strom 9 sowie der Berücksichtigung der Vorketten bei den
Emissionsfaktoren zurückzuführen (vgl. Tab. 2). Auch die Unterschiede beim Endener-
gieverbrauch von Strom im Jahr 2006 gegenüber 2005 schlagen sich aufgrund des hö-
her berechneten Emissionsfaktors für Strom in der CO 2-Bilanz nieder.
1.3 Endenergie- und CO 2-Bilanz 2006 im Detail
Im Folgenden werden die Ergebnisse zur Energie- und CO 2-Bilanz 2006 nach der neu-
en Systematik von Münster (vgl. Abb. 4 und Abb. 5) aufgeführt und erläutert.
- Im Jahr 2006 beträgt der witterungskorrigierte Ende nergieverbrauch aller Sek-
toren 6.928 GWh. Pro Einwohner sind das etwa 24.500 kWh jährlich.
- 34% davon werden im Sektor Gewerbe und Sonstiges verbraucht, 33% im Sek-
tor Private Haushalte, 25% im Bereich Verkehr und 8% durch die Industrie.
- Die CO 2-Emissionen liegen 2006 bei 2,331 Mio. Tonnen (eins chließlich Pro-
zesskette und äquivalenten Emissionen). Pro Einwohn er sind das 8,6 Tonnen
jährlich.
- 35% davon fallen auf Gewerbe und Sonstiges, 33% auf die Privaten Haushalte,
23% auf den Bereich Verkehr und 9% auf die Industrie.
9 Die Neubewertung der Fernwärmeemissionen durch di e Exergie- statt der Gutschrif-
tenmethode ist für über zwei Drittel der Differenz zwischen den Bilanzen verantwortlich,
Strom noch etwa zu einem Fünftel.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 11 Klimaschutzk onzept Münster
Abb. 4: Aufteilung des Endenergieeinsatzes in Müns ter im Jahr 2006 nach Sektoren und
Energieträgern
Endenergieverbrauch nach Verbrauchssektoren
in Münster 2006
0
500
1.000
1.500
2.000
2.500
Private Haushalte Gewerbe+Sonstiges Industrie Verkehr
Strom
Kraftstoffmix
Verkehr
Sonstiges
Kohle
Heizöl
Fernwärme
Erdgas
IFEU 2009
witterungskorrigiert
Gesamt: 6928 GWh 33%
8%
34%
25%
GWh
Abb. 5: Aufteilung der CO 2-Emissionen in Münster im Jahr 2006 nach Sektoren u nd
Energieträgern
CO 2-Emissionen nach Verbrauchssektoren in
Münster 2006
0
100.000
200.000
300.000
400.000
500.000
600.000
700.000
800.000
900.000
Private Haushalte Gewerbe+Sonstiges Industrie Verkehr
Strom
Kraftstoffmix
Verkehr
Sonstiges
Kohle
Heizöl
Fernwärme
Erdgas
IFEU 2009
Tonnen CO 2
witterungskorrigiert, mit Äquvivalenten
Gesamt: 2,331 Tonnen 33%
9%
35%
23%
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 12 Klimaschutzk onzept Münster
Der Endenergieverbrauch des Sektors Private Haushalte betrug im Jahre 2006 2.274
GWh, was CO 2-Emissionen von 0,763 Mio. Tonnen entsprach. Pro Ei nwohner bedeu-
tet dies 2,80 Tonnen CO 2.
2005 lag der bundesweite Durchschnittswert bei 2,84 Tonnen pro Einwohner (für Hei-
zen, Warmwasserbedarf und Stromanwendung). Zusätzli ch kommen pro Bürger noch
CO 2- Emissionen für PKW (1,56 t), ÖPNV (0,11 t), Flugr eisen (1,65 t), Ernährung (1,65
t), Konsum (2,75 t) und den Allgemeinverbrauch (1,2 4 t) dazu, sodass sich insgesamt
etwa 11 Tonnen für das Jahr 2005 ergeben. Diese ver ursachergerechte Bilanz (im Ge-
gensatz zur vorliegenden Territorialbilanz) kann jeder Bürger in Münster für sich selber
erstellen: http://ifeu.klima-aktiv.de/ .
Erdgas hatte sowohl endenergetisch als auch bei den CO 2-Emissionen den größten
Anteil (54% bzw. 41%). Strom (inkl. Stromheizung) h at noch einen Anteil von 20%
endenergetisch bzw. 37% bei den CO 2-Emissionen. Heizöl hatte 2006 in Münster einen
Anteil von 21% bei der Endenergie und 20% bei den C O 2-Emissionen. Fernwärme und
Sonstige Energieträger spielen mit 3,5% und 0,2% sowohl bei der Endenergie als auch
bei den CO 2 -Emissionen (2% bzw. 0,02%) im Haushaltssektor bisher eine untergeord-
nete Rolle.
Der Sektor Gewerbe, Handel, Dienstleitungen (GHD) hat einen Endenergieverbrauch
von 2.358 GWh und Emissionen von 0,805 Mio. Tonnen CO
2. Dies entspricht Emissio-
nen von 3,0 Tonnen CO 2 pro Münsteraner Einwohner und 7,5 Tonnen CO 2 pro sozial-
versicherungspflichtigen Beschäftigten in diesem Se ktor. Strom ist sowohl endenerge-
tisch als auf CO 2 Seite der Energieträger mit den größten Anteilen ( 32% bzw. 60%).
Endenergetisch hat Erdgas mit 30% und Fernwärme (inkl. Ferndampf) mit 29% in etwa
die gleichen Anteile. Bei den CO 2-Emissionen liegt der Anteil von Erdgas nur noch be i
22%, bei Fernwärme (inkl. Ferndampf) nur noch bei 1 3%. Heizöl hat einen endenerge-
tischen Anteil von 9% und bei den CO 2-Emissionen von ebenfalls noch 9%. Sonstige
Energieträger spielen hier kaum eine Rolle.
Der Sektor Industrie hat Emissionen von 0,220 Mio. Tonnen CO
2. Dies entspricht E-
missionen von 0,8 Tonnen CO 2 pro Einwohner bzw. 14,5 Tonnen CO 2 pro sozialversi-
cherungspflichtigen Beschäftigten in diesem Sektor. Auch in diesem Sektor haben Erd-
gas und Strom sowohl bei der Endenergie (42% bzw. 3 9%) als auch bei den CO 2-
Emissionen (26% bzw. 59%) die größten Anteile. Sons tige Energien haben einen An-
teil von 16% am Endenergieverbrauch und 13% an den CO 2-Gesamtemissionen. Heiz-
öl und Fernwärme haben in diesem Sektor nur sehr ge ringe Anteile von unter 3% bzw.
1% endenergetisch als auch bei den CO 2-Emissionen.
Die Treibhausgasemissionen des Verkehrs im Stadtgebiet Münster beliefen sich 2005
insgesamt auf ca. 0,543 Mio. Tonnen CO 2-Äquivalente. Mit der angepassten regiona-
len Aufteilung der Fahrleistungen im Straßenverkehr wurde auch die Aufteilung der
Treibhausgasemissionen angepasst. Den größten Antei l an den Emissionen hatte mit
67% der Motorisierte Individualverkehr (MIV) durch Pkw und motorisierte Zweiräder
(Abb. 6). Dabei trugen Binnen- und Regionalverkehr zusammen etwas weniger als die
Hälfte der Treibhausgasemissionen im Stadtgebiet be i, 19% kamen aus dem Durch-
gangsverkehr. Der ÖPNV (Stadt- und Regionalbusse, s owie Schienennahverkehr trug
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 13 Klimaschutzk onzept Münster
etwa 5% zu den Emissionen bei. Insgesamt kamen dami t 72% der Treibhausgasemis-
sionen aus dem Personenverkehr. Der Straßengüterver kehr durch Lkw und leichte
Nutzfahrzeuge hatte einen Anteil an den Emissionen von etwa 28%, dabei sind 9%
dem Binnen- und Regionalverkehr zugerechnet, 19% en tfielen auf den Durchgangs-
verkehr. Insgesamt sind ca. 38% der Treibhausgasemi ssionen des Personen- und Gü-
terverkehrs im Stadtgebiet Münster dem Durchgangsverkehr zuzurechnen.
Abb. 6: Aufteilung der Treibhausgasemissionen des V erkehrs im Stadtgebiet Münster im
Jahr 2005
Aufteilung der Treibhausgasemissionen des Verkehrs
im Stadtgebiet Münster im Jahr 2005
ÖPNV
Binnen+Regio
3%
Schienen-
personen-
nahverkehr
2%
MIV
Durchgang
19%
MIV
Regional
28%
MIV
Binnen
20%
Straßen-
güterverkehr
Durchgang
19%
Straßen-
güterverkehr
Binnen+Regio
9%
Summe Stadtgebiet:
543 Kilotonnen
CO 2-Äquivalente
IFEU 2009
1.4 Fortschreibungsfähiges Berichtssystem
Die Endenergie- und CO 2-Bilanzsystematik wurde für den Energie- und Verkeh rsbe-
reich in einem EXCEL-Blatt speziell für Münster entwickelt. So konnten die aktuelle und
künftig zu erwartende Datenlage berücksichtigt und dafür einfache Eingabemasken
entwickelt werden. Dies soll der Stadt Münster ermö glichen, künftig die Bilanzierung
mit weniger Aufwand als bisher fortzuschreiben.
Grundlage für die Berechnung der Treibhausgasemissi onen des Verkehrs sind Infor-
mationen zu den Fahr- und Verkehrsleistungen sowie jahresspezifische Energie-
verbrauchs- und Emissionsfaktoren. Die Stadt Münste r ermittelt in regelmäßigen Ab-
ständen Informationen zu den Fahrten im MIV-Binnen- und -Regionalverkehr. Ebenso
sind Fahr- und Verkehrsleistungen im öffentlichen V erkehr regelmäßig verfügbar. Das
Berichtssystem wurde daher für den Verkehr so angelegt, dass diese Informationen di-
rekt für ein gewähltes Berichtsjahr in das Modell eingegeben werden können.
Bisher liegen der Stadt Münster keine Informationen zum MIV-Durchgangsverkehr so-
wie zum Straßengüterverkehr im Stadtgebiet vor. Dah er wurden im Berichtssystem In-
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 14 Klimaschutzk onzept Münster
formationen zur erwarteten zukünftigen Entwicklung der Fahrleistungen im MIV und im
Straßengüterverkehr für den Zeitraum 2005-2020 auf Basis des Bundestrends direkt
hinterlegt. Anhand dieser Daten erfolgt im Berichts system für das gewählte Berichts-
jahr eine automatische Fortschreibung der Fahrleist ungen gegenüber 2005. Es sind
keine zusätzlichen Dateneingaben durch die Stadt Münster erforderlich.
Auch die spezifischen Energieverbräuche und Emissio nsfaktoren sind im Berichtssys-
tem auf Grundlage des Bundestrends für die Jahre 20 05-2020 bereits enthalten und
werden zur Berechnung der Emissionen des Verkehrs i m jeweiligen Berichtsjahr auto-
matisch verwendet. In den Emissionsfaktoren sind ak tuelle Rahmenbedingungen wie
die CO 2-Minderungsziele der Europäischen Kommission, die Zunahme des Anteils von
Diesel-Pkw, Beimischungsquote von Biokraftstoffen u.ä. berücksichtigt.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 15 Klimaschutzk onzept Münster
2 Energiespar- und CO 2-Minderungspotenziale
In diesem Abschnitt wird zusammenfassend dargestell t, wie groß die wirtschaftlich-
technischen Einsparpotenziale in Münster zu veransc hlagen sind, um die richtigen
Schwerpunkte für die Maßnahmen zu setzen.
Die Potenziale wurden mit den ambitionierten Münste raner CO
2-Minderungszielen ver-
glichen. Die Stadt Münster möchte bis zum Jahr 2020 40% seiner CO 2-Emissionen ge-
genüber 1990 einsparen. Dies entspricht, auf die ne u berechneten Emissionen von
1990 bezogen, einem absoluten Wert von knapp 1 Mio. Tonnen CO 2. Bisher konnten
bereits etwas über 150.000 Tonnen eingespart werden , so dass für die verbleibenden
14 Jahre noch 840.000 Tonnen CO 2 einzusparen waren.
Mit der Potenzialbetrachtung sollen Hinweise gegebe n werden, inwiefern die ambitio-
nierten Ziele einer 40%igen CO 2-Reduktion bis 2020 erreichbar sind 10 . Es ist wichtig zu
berücksichtigen, dass bei der Betrachtung der Poten ziale in diesem Bericht zunächst
von einer Konstanz wichtiger Rahmenbedingungen ausg egangen wird. Es wird also
z.B. kein weiterer Zubau bei den Gebäuden und keine Veränderung bei der Einwoh-
nerzahl berücksichtigt. Die Potenziale beziehen sich ausschließlich auf den Bestand an
Gebäuden und Anlagen im Jahr 2006. Der Berechnung d er verschiedenen Potenziale
liegen unterschiedliche Annahmen zu Grunde, die im Anhang erläutert werden 11 . Zu-
dem werden gegenseitige Beeinflussungen zwischen Ma ßnahmen auf der Versor-
gungs- und Endenergieeffizienzseite nicht separat auswiesen 12 .
10 Dazu wurden in einem ersten Schritt die Einsparpo tenziale in Münster je Anwendung
und Sektor unter Berücksichtigung technischer und w irtschaftlicher Kriterien berechnet.
Nicht alle Potenziale lassen sich zugleich umsetzen . Die meisten Minderungschancen
bieten sich z.B. beim Ersatz alter ineffizienter An lagen und Gebäudeteile durch hoffeffi-
ziente im Rahmen von Sanierungen oder Umbauten. Des halb wurden die insgesamt
vorhandenen Potenziale schließlich auf bestimmte Ze iträume (zumeist Lebensdauern
oder Sanierungszyklen) verteilt und durchschnittlic he jährliche Minderungspotenziale
daraus ermittelt und auf das Zieljahr hochgerechnet.
11 Hier findet sich auch ein ausführliche Darstellun g, warum die Potenziale nicht einfach
aufaddiert werden können..
12 Szenarienrechnungen, die Veränderungen der Rahme nbedingungen sowie die Interak-
tionen zwischen Endenergieeinsparungen und Versorgu ngsmaßnahmen berücksichti-
gen könnten, sind nicht Bestandteil dieser Studie.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 16 Klimaschutzk onzept Münster
2.1 Zusammenfassung: Minderungspotenziale für Münst er
Abb. 7: CO 2-Ziele und Minderungspotenziale für verschiedene Be reiche für Münster bis
2020
CO 2-Einsparziel und Einsparpotenziale in verschiedenen
Bereichen in Münster bis 2020
0
100.000
200.000
300.000
400.000
500.000
600.000
700.000
800.000
900.000
1.000.000
CO2-Emissionsziel 2006-
2020 (bezogen auf -40%
gegenüber 1990)
Einsparpotenziale
Effizienz
Einsparpotenziale
Energieversorgung
Klimaschutzmöglichkeiten
Verkehr
Von
Maßnahmenschärfe
Bereich Verkehr
abhänging
Technische Potenziale
(Bundesweit)
Erneuerbare Energien
Ausbau KWK
Stromeinsparpotenzial
Wärmeeinsparpotenzial
Einsparziel
Tonnen CO 2
465.000
840.000
Ca. 95.000 115.000
IFEU/GERTEC 2009
Der blaue Balken auf der linken Seite in Abb. 7 zei gt noch einmal grafisch das ange-
sprochene Einsparziel von Münster von 2006 bis zum Jahr 2020 von 840.000 Tonnen.
Rechts davon sind die CO 2-Einsparpotenziale bis zum Jahr 2020 für Energieeff izienz,
Energieversorgung und den Sektor Verkehr aufgezeigt . Auf welche Technologien, E-
nergieträgerumstellungen, konkrete Maßnahmen und we lche Sektoren sich diese Ein-
sparungen genau verteilen, wird im jeweiligen dazug ehörigen folgenden Kapitel erläu-
tert.
Es ist zu erkennen, dass mit einer Umsetzung aller bisher ermittelten Effizienz-, Ver-
sorgungs- und Verkehrspotenziale die CO
2-Einsparziele der Stadt Münster nicht voll-
ständig erreichbar wären. Lediglich Zusatzmaßnahmen , wie sie beispielsweise für Er-
neuerbare Energien in Kap. 2.3.1 dargestellt sind, können es ermöglichen, dass die
Stadt Münster ihre Klimaschutzziele erreichen kann.
Stromeffizienzmaßnahmen haben mit knapp 250.000 Ton nen gegenüber 215.000
Tonnen im Bereich Wärme ein wenig höhere Anteile an diesen Einsparungen. Im
Wärmebereich gibt es jedoch wesentlich längere Sanierungs- und Austauschzyklen als
im Strombereich. Im betrachteten Zeitraum werden de swegen nicht einmal 50% der
Gesamtpotenziale im Wärmebereich ausgeschöpft. Es z eigt sich, dass die Verbesse-
rung der Rahmenbedingungen und der Abbau von Hemmni ssen für die Verbraucher
bei der Umsetzung von Effizienzmaßnahmen nicht nur aus Klimaschutzsicht durchaus
lohnenswert sein können.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 17 Klimaschutzk onzept Münster
Bei der Energieversorgung muss neben dem Ausbau von Fern- und Nahwärme (knapp
45.000 Tonnen CO 2 Ersparnis), auch Wert auf den weiteren Ausbau Erne uerbarer E-
nergien gelegt werden. Mit den Annahmen für verschi edene Technologien und Ener-
gieträger könnten dadurch knapp über 70.000 Tonnen CO 2 gegenüber 2006 eingespart
werden.
Der Bereich Verkehr besitzt ein ähnlich hohes CO
2-Minderungspotenzial wie die Ände-
rungen in der Energieversorgung. Mit ca. 60% bzw. 5 5.000 Tonnen CO 2 ist jedoch ein
Großteil davon auf absehbare bundesweite Effizienze ntwicklungen zurückzuführen.
Dazu zählen u.a. effizientere Fahrzeugmodelle sowie höhere Anteile an biologischen
Kraftstoffen. Anhand einer ersten Abschätzung lasse n sich durch mögliche Münstera-
ner Maßnahmen im Bereich Verkehr in etwa noch einma l 40.000 Tonnen CO 2 einspa-
ren. Dies hängt jedoch in hohem Maße von der Umsetz ungsintensität der Maßnahmen
ab.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass in Münster h ohe CO
2-Minderungspotenziale
zu finden sind. Für das Münsteraner Ziel von 40% we niger CO 2-Emissonen gegenüber
1990 zu erreichen, müssen jedoch Anstrengungen unte rnommen werden, die über die
technisch-wirtschaftlichen Potenziale hinaus gehen. Zudem werden Potenziale im
Wärmebereich aufgrund der langen Sanierungszyklen i m betrachteten Zeitraum nur
zum Teil ausgeschöpft. Aufgrund der aber noch bestehenden Hemmnisse in allen Sek-
toren bedarf es jedoch erheblich verbesserter Rahme nbedingungen auf allen Ebenen
als sie heute vorliegen, um diese Potenziale auch tatsächlich auszuschöpfen.
In den folgenden Abschnitten werden weitere Details zu den Minderungspotenzialen in
den verschiedenen Sektoren vorgestellt.
2.2 Minderungspotenziale durch eine Verringerung des
Endenergieverbrauchs in den Sektoren
Im Folgenden werden die ermittelten Effizienzpotenz iale nach Sektoren und für ver-
schiedene Anwendungsarten dargestellt. Die Effizienzpotenziale belaufen sich bis zum
Jahr 2020 auf etwa 470.000 Tonnen CO 2 pro Jahr. Die größten Potenziale finden sich
im Sektor Haushalte für Wärme sowie bei Stromanwendungen im Sektor GHD (Je 27%
am ermittelten Gesamtpotenzial). Ebenfalls hohes Po tenzial findet sich bei Stroman-
wendungen im Sektor Private Haushalte (22%) sowie b ei Wärmeanwendungen im
GHD Sektor (16%) Im Vergleich dazu konnten im Sekto r Industrie weder für Strom
(5%) noch für Wärme (3%) größere Einsparpotenziale identifiziert werden.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 18 Klimaschutzk onzept Münster
Abb. 8: CO 2-Emissionsminderungspotenziale für verschiedene Sek toren und Anwen-
dungsarten
Emissionsminderungspotenziale in Münster für verschiedene
Sektoren und Anwendungen (2020)
0 20 40 60 80 100 120 140
Industrie Wärme
Industrie Strom
GHD Wärme
GHD Strom
Haushalte Wärme
Haushalte Strom
Tonnen CO2/Jahr IFEU/Gertec 2009
Private Haushalte
Der Stromverbrauch bzw. die CO 2-Emissionen der Privaten Haushalte (inkl. Heizstrom)
im Jahr 2006 von 465 GWh oder 0,283 Mio. Tonnen CO 2 könnten in den nächsten 14
Jahren um 42%, das sind 3,0% pro Jahr, verringert w erden. Im Anhang (vgl. Abb. 16)
sind die Strom-Effizienzpotenziale der Privaten Hau shalte nach Anwendungsarten auf
Endenergiebasis dargestellt, die im Laufe der nächs ten 14 Jahre wirtschaftlich umge-
setzt werden können. Von den 42% Einsparungsmöglich keiten finden sich die größten
Potenziale dabei im Bereich Kälte (8%), Raumwärme u nd Warmwasser sowie von In-
formations- und Kommunikationstechnik (jeweils 5%). Beleuchtung, Kraftanwendungen
sowie Prozesswärme weisen im Vergleich dazu nur geringe Einsparpotenziale auf.
Alle übrigen Energieträger außer Strom werden hier als Wärmeanwendung bezeichnet.
Der Endenergieverbrauch beträgt hier bei den Privat en Haushalten im Jahr 2006 etwa
1.809 GWh, der CO 2-Ausstoß beträgt 0,480 Mio. Tonnen. Ohne Zubau bzw. zusätzli-
che Anwendungen könnte beides in 14 Jahren um 26% v erringert werden Im Anhang
sind die Effizienzpotenziale im Wärmebereich der Pr ivaten Haushalte dargestellt (vgl.
Abb. 16), die im Laufe der nächsten 14 Jahre wirtschaftlich umgesetzt werden könnten.
Demnach lassen sich Einsparungen vor allem durch ei ne verbesserte Dämmung der
Gebäudehülle 13 (15%) und eine Sanierung der Warmwasserbereitungss ysteme (8%)
13 Das Gesamtpotenzial für die Gebäudehülle ist über einen gesamten Sanierungszyklus,
beispielsweise von 40 Jahre bei der Außenwanddämmun g, betrachtet absolut am
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 19 Klimaschutzk onzept Münster
erreichen. Effiziente Heizsysteme mittels Brennwert technik besitzen Einsparpotenziale
von 3% 14 .
Weitere CO 2-Minderungspotenziale im Sektor Private Haushalte k önnen noch durch
Substitution von Energieträgern erreicht werden (vgl. Kap. 2.3).
Gewerbe, Handel, Dienstleistung
Der Stromverbrauch bzw. die durch ihn verursachten CO 2-Emissionen des Gewerbes
liegen im Jahr 2006 bei 753 GWh oder 0,458 Mio. Ton nen CO 2. In den nächsten 14
Jahren könnten beide um 27%, das sind 1,9%-Punkte p ro Jahr, verringert werden. Im
Anhang (vgl. Abb. 17) sind die Strom-Effizienzpotenziale des Gewerbes dargestellt, die
im Laufe der nächsten 14 Jahre wirtschaftlich umges etzt werden könnten. Von den
27% Gesamtpotenzial liegen hier die größten Potenzi ale bei der Beleuchtung (12%)
und der Informations- und Kommunikationstechnik (8% ). Kraft und Kälteanwendungen
(4% bzw. 3%) haben ebenfalls noch größere Einsparpo tenziale, während Raum- und
Prozesswärme nur geringe Potenziale aufweisen.
Der Endenergieverbrauch für alle übrigen Energieträ ger außer Strom (Wärmeanwen-
dung) beträgt im Gewerbe 1.605 GWh im Jahr 2006, der CO
2-Ausstoß 0,347 Mio. Ton-
nen. Ohne Zubau bzw. zusätzliche Anwendungen könnte beides in 14 Jahren um 21%,
das sind 1,5%-Punkte pro Jahr, verringert werden. E in Großteil dieser Einsparungen
findet sich dabei im Bereich Raumwärme- und Warmwas ser (17%). Die Potenziale bei
Kraftanwendungen und thermischen Prozessen haben im GHD-Sektor nur geringe An-
teile.
Weitere CO
2-Minderungspotenziale im Sektor Gewerbe können noch durch Substituti-
on von Energieträgern erreicht werden.
Industrie
Die Ermittlung der Einsparpotenziale im Strom- und Wärmebereich erfolgt an Hand
bundesweiter Potenzialstudien und eigener Abschätzu ngen auf Basis der Kennung
nach Wirtschaftzweigen der Stadt Münster.
Grundsätzlich ist die Potenzialabschätzung im Sektor Industrie mit großen Unsicherhei-
ten behaftet. Eine genaue Analyse kann nur durch au sführliche Begehung der größten
Betriebe und umfangreiche Erhebungen erfolgen. Zude m beeinflussen die konjunktur-
und strukturbedingten Entwicklungen den Energieverbrauch erheblich.
Der Stromverbrauch bzw. die dadurch verursachten CO
2-Emissionen der Industrie lie-
gen im Jahr 2006 bei 213 GWh oder 0,129 Mio. Tonnen CO 2. In den nächsten 14 Jah-
ren könnten beide um 19%, das sind 1,4%-Punkte pro Jahr, verringert werden. Der
höchsten. In 14 Jahren kann jedoch nicht einmal die Hälfte dieses Potentials wirtschaft-
lich umgesetzt werden.
14 Detaillierte Grafiken zu Einsparpotenzialen im Se ktor Haushalte finden sich im Anhang
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 20 Klimaschutzk onzept Münster
Schwerpunkt der Potenziale findet sich hier in stro mbasierten Kraftanwendungen
(13%). Stromeinsparungen bei Prozesswärme, Kälte, W ärme, Beleuchtung und Infor-
mations- und Kommunikationstechnologie haben in Mün ster nur eine geringes Ein-
sparpotenzial.
Der Wärmeabsatz (alle Energieträger außer Strom) li egt im Jahr 2006 bei 328 GWh,
die dadurch verursachten CO
2-Emissionen bei 0,090 Mio. Tonnen. Ohne Produktions -
zuwachs könnte beides in 14 Jahren um 16%, das sind 1,1%-Punkte pro Jahr, verrin-
gert werden. Die größten Potenziale liegen hier im Bereich der Prozesswärme mit etwa
10%. Wärme zur Raumwärmebenutzung und Prozesssubstitutionen haben nur geringe
Potenziale.
Weitere CO
2-Minderungspotenziale im Sektor Industrie können noch durch Substitution
von Energieträgern erreicht werden.
2.3 Minderungspotenziale in der Energieversorgung
In Abb. 9 werden die Ergebnisse der Potenzialberech nungen für den Bereich Versor-
gung bis zum Jahr 2020 dargestellt. Insgesamt finden sich in etwa 120.000 Tonnen pro
Jahr an Einsparpotenzial. Die größten Potenziale li egen im Ausbau der Fernwärme
(26% am Gesamtpotenzial). Daneben haben der verstär kte Ausbau an Fotovoltaikflä-
chen und Biogasanlagen in den nächsten Jahren hohe Potenziale (je 21%). Eine Stei-
gerung der Flächen zur thermischen Sonnennutzung un d der KWK-Ausbau des Heiz-
kraftwerks der Universität bieten ebenfalls noch gr ößeres CO 2-Einsparpotenzial (15%
bzw. 12%). Maßnahmen zur Grünschnittvergärung und d ie Nutzung von Klein BHKW
haben dahingegen vergleichsweise geringe Auswirkung en auf die CO 2-
Emissionsreduktion in Münster (4% bzw. 2%).
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 21 Klimaschutzk onzept Münster
Abb. 9: Emissionsminderungspotenziale für den Berei ch Verkehr
Emissionsminderungspotenziale in Münster für den Bereich
Versorgung (2020)
0 5.000 10.000 15.000 20.000 25.000 30.000 35.000
Ausbau Fernwärme
KWK Ausbau Heizkraftwerk Uni
Ausbau Biogas
Grünschnittvergärung
Klein BHKW
Solarthermie
Fotovoltaik
Tonnen CO2/Jahr IFEU/Gertec 2009
Ausbau Fernwärme
Im Zeitraum 1990 bis 2005 hatte Erdgas die höchsten Zuwachsraten im Wärmemarkt
aufzuweisen. Der Fernwärmeabsatz stagnierte in dies er Zeit eher und konnte keine
vergleichbaren Steigerungsraten erzielen.
Für den Zeitraum bis 2020 kann, auch bei forciertem Fernwärmeausbau unter Berück-
sichtigung der Sanierungszyklen von Heizungsanlagen , davon ausgegangen werden,
dass ähnliche Umstellraten wie bei Gas erzielt werd en können. Dies entspräche einem
jährlichen Zuwachs in Höhe von ca. 2%/a oder einer Absatzsteigerung von
160.000 MWh/a bis 2020.
Einsparpotenzial: ca. 30.000 t/a
KWK-Ausbau Heizkraftwerk Uni
Das HKW der Uni ist in der Stromerzeugung bisher be grenzt auf eine elektrische Leis-
tung von 2 MW. Die Dampferzeugung hat nur noch geringe zusätzliche Potenziale, hier
ist davon auszugehen, dass die beiden Dampfturbinen bereits gut an die Bedarfsver-
hältnisse angepasst sind.
Die Verbrennung von Erdgas und Heizöl zur Dampferze ugung beinhaltet dagegen ein
hohes zusätzliches Potenzial zur Stromerzeugung.
Es wird zur Bestimmung des Einsparpotenzials unters tellt, dass etwas mehr als die
Hälfte der Hochdruck-Dampferzeugung von derzeit 130 bis 140 GWh/a mit vorgeschal-
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 22 Klimaschutzk onzept Münster
teter Gasturbine erfolgen kann. Zu diesem Zweck wir d eine Gasturbine von 10 MW el
mit den folgenden Daten vorgesehen.
Einsparpotenzial: ca. 14.000 t/a
Ausbau landwirtschaftlicher Biogasnutzung
Seit 2006, dem aktuellen Bilanzjahr, sind zum Anlagenbestand noch einige Hofanlagen
hinzugekommen. Seit Änderung des Erneuerbaren Energ ien Gesetzes (EEG) mit Ein-
führung des Güllebonus sind die Hofanlagen gegenüber früher begünstigt. Trotz Gülle-
verwendung stammt der überwiegende Teil des Biogase s aber aus Pflanzen, die zum
Zweck der Biogaserzeugung angebaut werden. Die Fläc henkonkurrenz zwischen E-
nergiepflanzen und Nahrungsmitteln begrenzt den weiteren Ausbau Biogasanlagen.
Die Potenzial-Obergrenze für Münster kann bei ca. 4 MW
el angesetzt werden, dafür
braucht man bei üblichen Erträgen schon ca. 15% der Acker- und Grünlandflächen in
Münster. Vorhanden sind Anfang 2009 schon ca. 1,5 MW el . Im Bezugsjahr 2006 waren
3 Anlagen mit zusammen 780 kW installiert 15 . Bis Mitte 2009 war die Zahl der Anlagen
auf 5 und ihre elektrische Leistung auf 1475 kW ang estiegen. Bei Realisierung der 4
MW und einer Steigerung der Wärmenutzung durch Sate lliten-BHKW am Verbrauch-
sort ergibt sich folgende Strom- und Wärmeerzeugung:
Einsparpotenzial: ca. 24.000 t/a
Grünschnittvergärung
Während Bioabfall aus der Biotonne schon in Coerde im Entsorgungszentrum Münster
gemeinsam mit Faulschlamm der Kläranlage nassvergor en wird, gibt es für den Grün-
schnitt der Abfallwirtschaft noch keine energetisch e Verwertung. Die Größenordnung
von 22.400 t/a ermöglicht unter Umständen den wirts chaftlichen Betrieb einer Vergä-
rungsstufe vor der Kompostierung der Abfälle. Die C O
2-Minderung wird wie folgt abge-
schätzt:
Einsparpotenzial: ca. 5.000 t/a
Ausbau dezentrale Klein-BHKW
Der Ausbau dezentraler Klein-BHKW-Anlagen ist prinz ipiell in allen gasversorgten Ge-
bäuden möglich, die aufgrund ihrer Größe und Nutzun gscharakteristik einen ausrei-
chenden Grundlastbedarf für Wärme aufweisen. Bei en tsprechender Größe ist auch
ein fehlender Warmwasserbedarf kein Hinderungsgrund , da auch bei fehlenden vier
Sommermonaten deutlich über 5000 Stunden Laufzeit erzielt werden können.
Nach der Novellierung des Kraft-Wärme-Kopplungs-Ges etztes (KWKG) ist jetzt auch
der Stromeigenverbrauch und nicht nur die Einspeisu ng zuschlagsberechtigt, so dass
die Wirtschaftlichkeit besser geworden ist.
15 Intern geführte Anlagenliste der Stadt Münster, U mweltamt, Bearbeitung Frau Karner
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 23 Klimaschutzk onzept Münster
Im Jahr 2006 gab es in Betreiberschaft der Stadtwer ke Münster 11 kleine BHKW-
Anlagen mit einer Stromerzeugung von 770 MWh/a.
Es wird angenommen, dass über einen Zeitraum von 10 Jahren jährlich 3 Anlagen neu
errichtet werden können. Als Größenordnung wird 50 kW
el gewählt.
Einsparpotenzial: ca. 2.000 t/a
Solarthermie
Das solarthermische Potenzial könnte theoretisch ab geleitet werden aus den in Müns-
ter verfügbaren Dachflächen mit geeigneter Ausricht ung und weiteren Annahmen zur
Eignung.
Eine Orientierung über das wirtschaftliche Potenzia l ist eher abzuleiten aus dem Ver-
gleich mit anderen Großstädten, die bereits überdur chschnittlich hohe Kollektorflächen
realisiert haben. Als Vergleichsmaßstab stehen die Zahlen der „Solarbundesliga“ zur
Verfügung.
Münster liegt bei den Großstädten in der zusammenge fassten Bewertung von So-
larthermie und PV auf Platz 8 in Deutschland. Der s pezifische Wert für die Kollektorflä-
che liegt für Münster bei 0,061 m²/Einwohner. Der 2 009 realisierte Mittelwert der bes-
ten 5 bezogen auf Solarthermie liegt bei 0,084 m²/EW.
Dieser Wert wird als technisch-wirtschaftliches Pot enzial für 2009 zugrunde gelegt.
Münster hat 73% dieses Wertes schon erreicht. Zur F ortschreibung dieses Wertes bis
2020 liegt keine Prognose des BMU vor. Der Zielwert für 2020 wird über eine Trendext-
rapolation errechnet. Die bundesweite jährliche Ste igerungsrate des Zeitraums 2000
bis 2008
16 lag bei 18,5%/a. Bei Übertragung dieser Rate auf d en Zielwert von 0,084
ergibt sich in der Fortschreibung auf 2020 ein Wert von 0,543 m²/EW.
Einsparpotenzial: ca. 17.000 t/a
Fotovoltaik
Im Bereich der Fotovoltaik wird eine ähnliche Metho dik zur Potenzialermittlung ange-
wandt, indem auch hier die Bestwerte der Solarbundesliga herangezogen werden.
Der spezifische Wert für die installiert PV-Anlagen leistung liegt für Münster bei
28,1 Watt/Einwohner. Der 2009 realisierte Mittelwert der besten 5 bezogen auf PV liegt
bei 60,4 Watt/Einwohner.
Dieser Wert wird als technisch-wirtschaftliches Pot enzial für 2009 zugrunde gelegt.
Münster hat 47% dieses Wertes schon erreicht. Die F ortschreibung des Zielwertes von
16 Bundesverband Solarwirtschaft e.V. (Mai 2009): St atistische Zahlen der deutschen So-
larwärmebranche (Solarthermie), Faktenblatt_ST_Mai09.pdf (Zugriff 10.08.2009)
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 24 Klimaschutzk onzept Münster
60,4 W/EW bis 2020 erfolgt unter Bezugnahme auf die Prognose des BMU 17 . Der Ziel-
wert für 2020 liegt demnach in der Fortschreibung bei 188,2 m²/EW.
Einsparpotenzial: ca. 24.000 t/a
2.3.1 Zielsetzung 20% Erneuerbare Energien
Zwischen der Umsetzung der o.g. wirtschaftlichen Po tenziale und dem Ziel der Stadt
Münster, 20% Erneuerbare Energien bis 2020 zu errei chen, klafft eine erhebliche Lü-
cke.
Die Zielsetzung bezieht sich sowohl auf Strom als a uch auf Wärme, wobei die Erzeu-
gung mit Erneuerbaren Energien im Stadtgebiet von M ünster erfolgen soll. Die erneu-
erbaren Anteile im Bundesstrom-Mix sollen hier keine Berücksichtigung finden. Bei den
folgenden Berechnungen wird von einer Endenergiered uktion im Jahr 2020 von 25%
gegenüber dem Jahr 2006 im Bereich Strom und Wärme ausgegangen.
Strom
In der Stromerzeugung stellt sich die Situation wie folgt dar:
Abb. 10: Struktur der Stromerzeugung 2020 in Bezug auf das 20% Erneuerbare Energien-Ziel
KWK in Münster
inkl. Uni KWK
48%
Bezug D-Strom-
Mix
32%
Differenz zum
20%-Ziel
11%
wirtsch. Pot. 2020
6%
EE 2006
3%
Summe MS 2020: 1.073 GWh/a
119 GWh/a
67 GWh/a
Das technische Maßnahmen zur Realisierung der zusätzlichen 11% bieten sich im we-
sentlichen nur zwei Möglichkeiten an, wenn man davo n ausgeht, dass keine weiteren
Windenergiestandorte im Münster ausgewiesen werden sollen und dass auch der
17 BMU: Leitstudie 2008
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 25 Klimaschutzk onzept Münster
Landwirtschaft keine Flächen zum Anbau von Energiep flanzen entzogen werden sol-
len.
1. intensiver Ausbau der Fotovoltaik,
2. Kraft-Wärme-Kopplungs-(KWK) -Ausbau an der Unive rsität nicht mit Erdgas und Öl
als Energieträger, sondern mit erneuerbaren Energie trägern, vorzugsweise Holz aus
Münster und dem angrenzenden Umland.
3. vorgezogenes Repowering der kleinen Windenergieanlagen
Die zweite Möglichkeit steht in Konkurrenz zum Ausb au der fossilen KWK, für den im
Heizkraftwerk der Universität gute Voraussetzungen vorliegen. Es ist besser und hin-
sichtlich der CO
2-Minderung effektiver, den Bezug des Strom-Mix zu reduzieren als die
mögliche KWK-Stromerzeugung zu verdrängen.
Es verbleibt unter dieser Prämisse nur der Ausbau d er Fotovoltaik in einer Größenord-
nung, die weit über das hinausgeht, was in anderen Städten realisiert worden.
Die Realisierung des wirtschaftlichen Potenzials be inhaltet ca. zur Hälfte Biogasanla-
gen und zur anderen Hälfte Fotovoltaik.
Die zusätzliche Erzeugung von Fotovoltaik-Strom im Umfang von 119 GWh/a würde
bedeuten, dass im Jahr 2020 je Einwohner 770 Watt F otovoltaik installiert wären. Je
Einwohner brauchte man knapp 8 m² Dachfläche. Spitzenwerte der Solarbundesliga für
Kleinstädte erreichen heute schon derartige Werte.
Dachflächenermittlungen aus anderen Großstädten haben ergeben, dass je Einwohner
ca. 24 m² an nutzbarer geneigter Dachfläche verfügbar sind.
Die tatsächliche Last im Stromnetz der Stadtwerke M ünster schwankt im Tagesverlauf
zwischen 100 und 200 MW. Man würde hier auch schon an technische Grenzen hin-
sichtlich der Aufnahmefähigkeit stoßen, da diese An lagen dann bei voller Leistung
mehr als 200 MW ins örtliche Stromnetz einspeisen könnten.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 26 Klimaschutzk onzept Münster
Wärme
In der Wärmeerzeugung stellt sich die Situation wie folgt dar:
Abb. 11: Struktur der Wärmeerzeugung 2020 in Bezug auf das 20% Erneuerbare Energien-Ziel
fossile Energien
inkl. Heizstrom
61% fossile Energien
in KWK
Fernwärme
19%
Erneuerbare und
Abfallenergie
1%
wirtsch. Pot. 2020
3%
Differenz zum
20%-Ziel
16%
Summe MS 2020: 2.813 GWh/a
443 GWh/a
81 GWh/a
Als technische Maßnahmen zur Realisierung der zusät zlichen 16% bieten sich im we-
sentlichen drei Möglichkeiten an.
1. intensiver Ausbau der Solarthermie,
2. Ergänzung der Fernwärmeerzeugung bei SWM oder Un i um eine Holzfeuerungsan-
lage.
3. Umrüstung von bisher fossilen Heizungssystemen a uf Holz und andere feste Bio-
masse
Der Solarthermie-Ausbau steht in Konkurrenz zur Nut zung der verfügbaren Dachflä-
chen mit PV-Anlagen. Für die solarthermischen Anlag en wird man schon auf weniger
gut geeignete Flächen mit Ausrichtung nach Osten od er Westen und mit teilweiser
Verschattung zurückgreifen müssen. Es macht bei sol arthermischen Anlagen keinen
Sinn, mehr als 1,5 m²/Person zu installieren, da di e erzeugte Wärme im Gebäude zeit-
nah verbraucht werden muss und nicht in ein vorgela gertes Netz eingespeist werden
kann. Höhere Solarthermie-Anteile lassen darüber hi naus nur noch über saisonale
Speicherung erreichen. Dies setzt zentrale Nahwärme systeme voraus, deren Realisie-
rung in Konkurrenz zum Anschluss geeigneter Gebiete die Biogas-BHKWs oder auch
zur Erweiterung des zentralen Fernwärmenetzes steht . Diese Option wird hier nicht
weiter betrachtet.
Es wird für die Quantifizierung dieser technischen Maßnahme angenommen, dass
1,5 m² Kollektorfläche je Einwohner im Jahr 2020 er reicht werden können. Gegenüber
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 27 Klimaschutzk onzept Münster
dem wirtschaftlichen Potenzial von 0,5 m²/EW erfolgt somit eine Steigerung um weitere
1,0 m²/EW. Der Ertrag steigt unter diesen Voraussetzungen um 94 GWh/a.
In der Fernwärmeversorgung wäre für die Mittellast der Einsatz von Holz denkbar. In
der Grundlast würde die Gas und Dampf-Erzeugung reduziert werden müssen. Eine 20
MW-Kesselanlage mit einer Vollbenutzungsstundenzahl von 2000 h/a könnte 40
GWh/a erneuerbare Wärmeenergie einspeisen.
Der noch verbleibende Bedarf an erneuerbaren Energi en im Wärmemarkt muss dann
durch Umrüstung von bisher fossilen Heizungssystemen auf Holz erfolgen.
Die neuen Anteile stammen vom Heizstrom, der ohnehi n aufgrund des Verbots zur
Umstellung ansteht, sowie von den Ölheizungen. Vom Ölheizungsbestand müssen
35% umgestellt werden. Die Umstellung von Erdgas un d Fernwärme ist nicht berück-
sichtigt, da diese Systeme umweltfreundlicher und CO
2-ärmer sind als Öl.
Die quantitative Struktur zeigt folgende Abbildung.
Abb. 12: technisch mögliche Struktur der zusätzlich erforderlichen 16%
Solarthermie 94
GWh/a
21%
Holz in der FW-
Erzeugung 40
GWh/a
9%
Holz statt
Heizstrom 60
GWh/a
14%
Holz statt Öl 250
GWh/a
56%
443 GWh/a weitere 16% =
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 28 Klimaschutzk onzept Münster
2.4 Potenziale im Verkehrsbereich
Im Bereich Verkehr sind die auf kommunaler Ebene er reichbaren Emissionseinsparun-
gen nicht mit der Umsetzung von technisch-wirtschaf tlichen Potenzialen verknüpft, da
die Rahmenbedingungen der technischen Entwicklung i m Verkehr v.a. durch die EU
sowie auf Bundes- und Landesebene vorgegeben wird. Einsparpotenziale auf kommu-
naler Ebene ergeben sich in erster Linie durch eine Beeinflussung des Verhaltens der
Verkehrsteilnehmer. Da erreichbare Verhaltensänderungen stark von der Umsetzungs-
intensität der kommunalen Maßnahmen sowie deren Wir ksamkeit bei der jeweiligen
Zielgruppe abhängen, sind demnach keine absoluten A ussagen zu einem insgesamt
vorhandenen Emissionsminderungspotenzial im Verkehr möglich. Zur Veranschauli-
chung von grundsätzlich vorhandenen Potenzialen im Verkehr werden deshalb Band-
breiten dargestellt, wie hoch die erreichbaren Emis sionsminderungen durch verschie-
dene Maßnahmenansätze unter Annahme einer bestimmten Wirksamkeit sind.
Übergeordnete technische Entwicklung im Verkehr
Die Rahmenbedingungen der technischen Entwicklung werden im Verkehr v.a. durch die
EU (z.B. CO
2-Grenzwerte Kfz, Erneuerbare-Energien-Richtlinie) sowie Bundesregierung
und Länder (z.B. CO 2-abhängige Kfz-Steuer) vorgegeben. In den kommenden Jahren
werden die spezifischen Energieverbräuche der Verkehrsmittel und die daran gekoppel-
ten spezifischen CO 2-Emissionen weiter abnehmen. Zusätzliche Emissionsminderungen
bringt der steigende Anteil von Biokraftstoffen. Unter der Annahme, dass im Binnen- und
im Regionalverkehr in Münster Verkehrsmenge und Modal-Split sich bis zum Jahr 2020
nicht verändern, sondern auf gleichem Niveau wie 2005 verbleiben, werden die verkehr-
lichen CO 2-Emissionen infolge der übergeordneten technischen Entwicklung um 54.000
Tonnen (10%) abnehmen. In dem Maße, wie Binnen- und Regionalverkehr zukünftig
weiter ansteigen, werden die tatsächlich erreichten Emissionsminderungen geringer aus-
fallen.
Vermeidung und Verlagerung von MIV
Den größten Anteil an den Treibhausgasemissionen ha t der Motorisierte Individualver-
kehr (MIV). Deshalb haben Maßnahmen zur MIV-Vermeid ung bzw. zur Verlagerung
auf emissionsärmere und emissionsfreie Verkehrsmitt el des Umweltverbunds ein gro-
ßes Minderungspotenzial. Durch Verlagerung vom Pkw auf öffentliche Verkehrsmittel
(Bus, Bahn) werden die Treibhausgasemissionen pro Fahrt um 40-70% reduziert. Beim
Rad- und Fußverkehr werden die Emissionen komplett vermieden.
Mit einer Verlagerung von 10% der MIV-Verkehrsleist ung im Binnenverkehr auf den
Umweltverbund (Bus, Bahn, Rad-, Fußwege) würden in Münster 6.000-8.000 Tonnen
CO
2-Äquivalente vermieden. Im Regionalverkehr würde di e Verlagerung von 10% des
MIV auf die öffentlichen Verkehrsmittel ca. 5.000 T onnen CO 2-Äquivalente einsparen
(allerdings müsste dafür der öffentliche Regionalverkehr um 50% ansteigen).
MIV-Fahrten können auch durch eine Erhöhung der Fah rzeugauslastung vermieden
werden, z.B. durch Bildung von Fahrgemeinschaften. Eine Erhöhung des mittleren Be-
setzungsgrades von 1,3 auf 1,4 Personen würde die F ahrleistung um 8% senken. Das
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 29 Klimaschutzk onzept Münster
würde im Binnen- und Regionalverkehr insgesamt knap p 16.000 Tonnen CO 2 einspa-
ren. Die gleichen Minderungen erzielt prinzipiell ein gänzlicher Fahrtenverzicht.
Steigerung der Energieeffizienz im Straßenverkehr
Der motorisierte Straßenverkehr wird auch bei einer erfolgreichen Verlagerung von
Fahrten auf Rad und öffentlichen Verkehr weiterhin einen hohen Anteil an dem Verkehr
im Stadtgebiet haben. Deshalb ist es notwendig, den verbleibenden MIV möglichst e-
nergieeffizient zu gestalten. Die Stadt kann in beg renztem Umfang eine zusätzliche
Steigerung der Energieeffizienz im Verkehr erreiche n, indem ein möglichst energieeffi-
zientes Verhalten der Verkehrsteilnehmer gefördert wird.
Im Pkw-Verkehr sind Verbrauchseinsparungen möglich durch eine verkehrsangepass-
te, kraftstoffsparende Fahrweise sowie durch eine o ptimierte Fahrzeugausrüstung
(Leichtlaufreifen, -öle) und -wartung (z.B. Reifendruckkontrolle). Durch eine zusätzliche
Optimierung von 10% aller Pkw-Fahrten im Binnen- un d Regionalverkehr würden die
Emissionen des Verkehrs um 2.800 Tonnen verringert. Maßnahmen zur Verbrauchsop-
timierung sind v.a. für Vielfahrer interessant, die überproportional zu den Fahrleistun-
gen beitragen. Entsprechend muss zur Optimierung vo n 10% der Fahrleistung ein ge-
ringerer Anteil der Pkw-Fahrer durch entsprechende Maßnahmen erreicht werden.
Auch beim Neuwagenkauf können durch Wahl eines sparsameren Pkw-Modells größe-
re Verbrauchseinsparungen erreicht werden. Innerhal b der gleichen Fahrzeugklasse
sind im Mittel über 15% Verbrauchseinsparung möglic h. Weitere 10% Verbrauchs-
einsparung sind prinzipiell durch Kauf eines kleine ren Pkw erreichbar
18 . Mit einer Opti-
mierung von 10% der bis zum Jahr 2020 von Münsteranern neu gekauften Pkw und ei-
ner spezifischen Verbrauchseinsparung von 15% gegen über dem Trend würden die
Treibhausgasemissionen im Verkehr um 1.500 Tonnen r eduziert. Weitere 900 Tonnen
Einsparung sind möglich, wenn auch Pendler aus dem Umland erreicht werden (z.B.
über Informationsmaßnahmen mit und in den Unternehmen).
Der Straßengüterverkehr wird aus Wirtschaftlichkeit sgründen häufig ohnehin schon
durch die Unternehmen möglichst effizient gestaltet. Mit Verbrauchsoptimierungen über
verbrauchsoptimierte Kfz-Ausrüstung sowie über eine Ausweitung der Fahrerschulun-
gen wäre bei Erfassung von 10% der Zielgruppe denno ch eine Emissionsreduktion im
Straßengüterverkehr in Münster um ca. 1.000 Tonnen CO 2-Äquivalente möglich.
18 ermittelt aus ADAC-Ecotest.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 30 Klimaschutzk onzept Münster
Abb. 13: Emissionsminderungspotenziale in Münster im Bereich Verkehr bis 2020 in Ab-
hängigkeit von der Wirksamkeit kommunaler Maßnahmen
0 2.000 4.000 6.000 8.000 10.000 12.000 14.000
Fahrleistungswegfall
Verlagerung auf Rad/Fuß
Verlagerung auf Bus
Effizientere Pkw-Nutzung
Kauf sparsamerer Pkw
Fahrleistungswegfall
Verlagerung auf Bus & Bahn
Effizientere Pkw-Nutzung
Kauf sparsamerer Pkw
Verbrauchsoptimierung
Binnenverkehr Regionalverkehr Güterverkehr
Tonnen / Jahr
10% optimiert
5% optimiert
IFEU 2009
Emissionsminderungspotenziale in Münster im Bereich Verkehr bis 2020
in Abhängigkeit von der Wirksamkeit kommunaler Maßnahmen
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 31 Klimaschutzkonzept Münster
3 Erster Vorschlag Maßnahmenkatalog, Stand 15.09.20 09,
für den Ausschuss für Umweltschutz und Bauwesen am 29.9.2009
3.1 Einführung
Der vorgelegte erste Vorschlag für einen Klimaschut zmaßnahmenkatalog beruht im wesentlichen auf den bi sher diskutierten Vor-
schlägen mit den Akteuren in der Stadt. Bisher wurd en nur wenige Maßnahmen durch die Gutachter darüber hinaus ergänzt. Wir
möchten damit die Diskussion über einen möglichen Gesamtmaßnahmenkatalog für den Endspurt der Konzepterstellung bis zum No-
vember 2009 unterstützen.
Da die mit den hier aufgeführten Maßnahmen ausschöp fbaren Potenziale aber noch ein deutliches Stück vo n der Zielsetzung der
Stadt entfernt sind, werden die Gutachter für die Schlussfassung des Konzepts noch ausgewählte Maßnahmen ergänzen.
Die einzelnen Maßnahmen sind nach Themenfeldern sortiert:
• Übergreifende Maßnahmen, die mehrere oder alle anderen Themenfelder betreffen
• Themenfeld Bauen und Wohnen
• Themenfeld Gewerbe, Handel, Dienstleitung (GHD)
• Energieumwandlung / Erneuerbare Energien
• Verkehr
Zu jedem Themenbereich gibt es Maßnahmen mit höhere r Priorität (nach Einschätzung der Gutachter), die für den Endbericht noch
detaillierter dargestellt werden (Akteure, Kosten f ür die Stadt, Minderungspotenzial soweit quantifizi erbar, etc.). Weitere Maßnahmen
mit geringerer Priorität werden in den Listen hier mit aufgeführt, aber im Endbericht nicht weiter ausgearbeitet.
Am Ende des Dokuments findet sich eine erste Abschä tzung, welches Minderungspotenzial durch die hier a ufgeführten Maßnahmen
etwa ausgeschöpft werden kann, und wie groß der Abstand zur Zielerreichung noch ist.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 32 Klimaschutzkonzept Münster
3.2 Übergreifende Maßnahmen
Übergreifende Maßnahmen sprechen keine besonderen S ektor wie z.B. private Haushalte oder Gewerbebetrie be an, sondern sollen
einen übergreifenden Rahmen für die Klimaschutzaktivitäten in der Stadt schaffen bzw. ausbauen. Hierzu zählen einerseits strukturel-
le Bausteine, wie die Klimaschutz- und Energiekoordinationsstelle (Klenko), die für die anstehenden Aufgaben nicht nur unverzichtbar
ist, sondern ausgebaut werden sollte. Andererseits sollen Kooperations-, Finanzierungs- und Öffentlich keitsarbeits-Bausteine dabei
helfen, den Klimaschutz noch stärker im Alltag der Münsteraner Bevölkerung zu verankern.
Maßnahme
Nr. Vorläufige
IFEU/Gertec-Einschätzung
(Priorität)
1
Maßnahmen mit hoher Priorität
(mit Maßnahmenblättern beschreiben im Konzept)
Klenko personell ausbauen
Die personelle Kapazität zur Koordination soll ausgebaut werden, mindestens um 1 Stelle, um die zusätzlichen
Anforderungen erfüllen zu können, die sich aus dem Klimaschutzkonzept ergeben.
(Zum Vergleich: Frankfurt/Main, Freiburg, Mannheim haben etwa 1 Klimaschutzmanager je 120.000 Einwohner,
Mörfelden-Walldorf mit 30.000 Einwohnern hat eine halbe Stelle)
Ü1 Hohe Priorität (5)
nur mit hinreichender personeller
Kapazität wird die Koordinations-
aufgabe leistbar sein
Klimaschutzfonds
Zur Finanzierung eines Teils der zusätzlichen Aufgaben soll ein Klimaschutzfonds eingerichtet werden. Ähnlich
wie in Hannover, Mannheim und anderen Städten soll damit eine langfristige Sicherung der Finanzierung er-
möglicht werden. Von städtischer Seite könnte ein Teil der Konzessionsabgaben zweckgebunden als Beitrag in
diese Fonds fließen. Wie in anderen Städten auch sollten sich jedoch auch die Stadtwerke und weitere wichtige
Akteure im Klimaschutz beteiligen. Die Mindestausstattung sollte bei 300.000 – 500.000 Euro jährlich liegen Die
genaue Ausgestaltung ist davon abhängig, ob zum Beispiel auch bestehende Förderprogramme in diesen
Fonds integriert werden.
Ü2
Hohe Priorität (5)
Zusätzliche Mittel müssen lang-
fristig zur Verfügung stehen
Ex-Ante-Abschätzung von Gemeinderatsbeschlüssen
Die Höhe der zukünftigen Treibhausgasemissionen der Stadt werden von einer Vielzahl von Entscheidungen in
nahezu allen Politikfeldern beeinflusst. Zum Beispiel lassen sich Wachstumsstrategien in der Stadtentwicklung
nur begrenzt durch Effizienzstrategien auffangen, wie die aktuelle CO 2-Bilanzentwicklung zeigt. Es soll deshalb
eine Systematik zur durchgängigen Prüfung der Auswirkungen von GR-Beschlüssen auf Klimaschutzstrategie
und Klimagasausstoß entwickelt werden. Ziel ist ein in der Verwaltungspraxis handhabbares Instrument mit an-
gemessenem Verhältnis von Aufwand zu Nutzen zu erhalten.
Ü3
Hohe Priorität (4)
Der hohe Anspruch des Klima-
schutzziels erfordert eine durch-
gängige Prüfung der Kommunal-
politik
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 33 Klimaschutzkonzept Münster
Münsters Allianz für Klimaschutz
„Münsters Allianz für Klimaschutz“ soll alle wesentlichen gesellschaftlichen Akteure aus Institutionen, Politik,
Verwaltung, Verbänden, Wirtschaft und Wissenschaft zusammenschließen und ihnen die Möglichkeit geben,
neue Ideen und Projekte für den Klimaschutz in Münster im Rahmen eines Netzwerks zu entwickeln. Die Allianz
wird durch zwei weitere Bausteine abgerundet: Die mitwirkenden Institutionen verpflichten sich selbst zu rele-
vanten CO2-Minderungen. Zudem übernehmen (prominente) Paten außerhalb der Stadtverwaltung für ausge-
wählte Themenbereiche die Verantwortung dafür, die Netzwerkarbeit voranzubringen. Unterstützung erhält die
Allianz durch externe Klimaschutz- und Moderationsexperten. Die Finanzierung könnte zum großen Teil über
das kommunale Förderprogramm des Bundesumweltministeriums erfolgen.
Ü4
Hohe Priorität (5)
Die Mitwirkung breiter Teile der
Bevölkerung sowie der Wirtschaft
ist nötig.
Fortsetzung und Weiterentwicklung Öffentlichkeitsarbeit
Eine systematische und professionelle Öffentlichkeitsarbeit stellt weiterhin eine wichtige Säule für den Kommu-
nalen Klimaschutz dar. Die sehr guten Aktivitäten in Münster sollen beibehalten und weiter ergänzt werden, z.B.
- Energiestadtplan Münster ausbauen
- Ggf. übergreifender Claim für Klimaschutzprojekte
(Bsp. Kampagne Stadt Essen)
- evtl. weitere Sponsoren / Kooperationspartner suchen
Weitere Differenzierungen der Öffentlichkeitsarbeit nach Zielgruppen und Themen sind in Maßnahmenempfeh-
lungen in den anderen Handlungsbereichen beschrieben (vgl. Nr.: B7, G7)
Ü5
Hohe Priorität (5)
Ziele, Chancen und Handlungsop-
tionen sind leider noch nicht über-
all bekannt.
Energieberatung ausbauen und differenzieren :
Die Umweltberatung und Energieberatung der Stadt und der Verbraucherzentrale werden weiter ausgebaut und
die Kofinanzierung der Verbraucherzentrale durch die Stadt fortgeführt.
Weitere wichtige Ergänzungen des Energieberatungsangebots in Münster könnten sein:
- einmal jährlich Abstimmung v. großen Beratungsanbietern
- Übersichtsseite im Internet zu den Energieberatungsangeboten in Münster
- Spezielles Angebot für Kirchengemeinden
- Ausbau der städtischen Energie-/ Umweltberatung im Stadthaus 3 (Ganztags statt halbtags)
- unabhängige Initialberatung für KMU (vgl. auch Coaching-Angebot für KMU, Nr. G1)
Ü6
Hohe Priorität (4)
Allgemeine Informationen müssen
weiterhin speziell für viele Akteure
angepasst und gezielt vermittelt
werden.
Klimaschutz und Veränderung der Alterstruktur
Die absehbare Veränderung in der Altersstruktur der Bevölkerung erfordert auch Veränderungen im baulichen
Bereich, z.B. in Hinblick auf altersgerechte oder barrierefreie Wohnungen und Wohnumfelder.
In einer Studie sollten exemplarisch Chancen und Hemmnisse betrachtet werden, wie das mit den Erfordernis-
sen des Klimaschutzes systematisch verzahnt werden kann. Denkbar wäre das am Beispiel eines Sanierungs-
gebiets zu untersuchen.
Ü7
Mittlere Priorität (3)
Chancen anderer wichtiger struk-
tureller Veränderungen sollten ge-
nutzt werden.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 34 Klimaschutzkonzept Münster
Klimaschutz in der Stadtplanung - Weiterentwicklung des Leitfadens
Der bestehende Leitfaden „Energiegerechte Bauleitplanung“ sollte aktualisiert werden, insbesondere im Hinblick
auf die Gestaltung städtebauliche Verträge.
Ü8 Mittlere Priorität (3)
Weitere Maßnahmen (nicht für Detailbeschreibungen vorgesehen)
Modellprojekt privater CO 2-Handel
CO 2-Budgets für Bürger wie für Firmen ausprobieren (vgl. Überlegungen in England)
Ü9 Niedrige Priorität (2)
Innovativer, aber zunächst auf-
wändiger Ansatz
Integration Klimaschutz in Stadtentwicklungskonzept
Bei künftig anstehenden Neuformulierungen des Stadtentwicklungskonzepts sollte Umwelt-/Klimaschutz min-
destens wieder mit dem gleichen Stellenwert einfließen wie im bestehenden Leitbild „ISM“
Ü10 Niedrige Priorität (2)
Allgemeine Rahmensetzung wich-
tig, aber weniger Wirkung im Detail
zu erwarten
Handlungsprogramm Wohnen ergänzen
Im aktuellen Handlungsprogramm Wohnen (2005) sind Aspekte der Energieeinsparung, -kosten sowie des Kli-
maschutzes nicht integriert. Dies sollte bei einer anstehenden Überarbeitung nachgeholt werden.
Ü11 Niedrige Priorität (2)
Allgemeine Rahmensetzung wich-
tig, aber weniger Wirkung im Detail
zu erwarten
„Energiedetektive schwärmen aus“
Die bestehenden Bildungsaktivitäten zu Energie- und Klimaschutzfragen können genutzt werden, um über die
Bildungseinrichtungen hinaus in die anderen Sektoren auszustrahlen. Zum Beispiel könnten Schüler, die an E-
nergiesparprojekten in ihren Schulen beteiligt sind, auch systematisch motiviert werden, in ihren eigenen Woh-
nungen nach Einsparmöglichkeiten zu „fahnden“. Analoges ist denkbar für Studenten an der FH oder der Uni-
versität.
Ü12 Niedrige Priorität (2)
Fachlich nicht ganz so hochwerti-
ge Lösung. Aber als einfacher
Multiplikatorenansatz interessant.
1Priorität: 5 = sehr hoch, 1 = sehr niedrig (Hinweis: etwa 10 Maßnahmen mit der höchsten Priorität sollen innerhalb jedes Handlungsfeldes detaillierter in Form der
Maßnahmenblätter beschrieben werden, der Rest kann in einfacher Tabellenform bleiben.)
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 35 Klimaschutzkonzept Münster
3.3 Bauen und Wohnen
Im Bereich bestehender Gebäude liegt eines der größ ten Klimaschutzpotenziale in Münster. In diesem The menfeld gibt es deshalb
seit Beginn der Münsteraner Klimaschutzbemühungen v ielfache Aktivitäten. Doch noch immer gibt es Optim ierungs- und Vertie-
fungsmöglichkeiten, die auch genutzt werden sollten, wenn hohe energetische Ziele standardmäßig und ni cht nur in Ausnahmefällen
erfüllt werden sollen. Von daher spielen im Themenf eld „Bauen und Wohnen“ Maßnahmen eine Rolle, die auf Qualitätssicherung, Fi-
nanzierung, Kooperation und Information abzielen. Da auch die Potenziale bei den städtischen Gebäuden trotz des schon guten und
langjährigen Energiemanagements noch nicht ausgeschöpft sind, werden auch hierzu Empfehlungen unterbreitet.
Zunehmend wichtig sind auch Einsparungen im Strombereich, da hier u.a. aufgrund steigender Ausstattung en mit elektrischen Gerä-
ten tendenziell häufig steigende Verbrauchswerte zu verzeichnen sind. Deshalb werden auch für dieses T hemenfeld Maßnahmen
vorgeschlagen.
Maßnahme
Nr. Vorläufige
IFEU/Gertec-Einschätzung
(Priorität)
1
Maßnahmen mit hoher Priorität
(mit Maßnahmenblättern beschreiben im Konzept)
Gütesiegel Gebäudesanierung
Die bestehenden Aktivitäten zur (energietechnischen) Qualitätssicherung bei Gebäudesanierungen sollten mit
einer neuen Strategie verstärkt werden. Verknüpft werden soll der Ansatz der „Grünen Hausnummer“, mit dem
Förderprogramm unter Aufgreifen von schon bestehenden Qualitätssicherungskriterien in anderen Förderpro-
grammen (z.B. der KfW). Dabei sollten Kriterien für den Bauprozess- sowie Empfehlungen für energietechni-
sche Standards einfließen. Der Instrumentenkatalog soll gemeinsam mit Akteuren entwickelt werden, darin
z.B.
- stärkere Bekanntmachung des derzeitigen Angebotes der Stadt mit Förderung durch Maßnahmen zur ÖA
- Sensibilisierung und Weiterbildung für Baugewerke in Zusammenarbeit mit HBZ
B1
Hohe Priorität (5)
Eine anspruchsvolle energetische
Sanierung stellt hohe, manchmal
noch ungewohnte Anforderungen
an alle Beteiligten. U.a. zur Ver-
meidung von Bauschäden und
Fehlinvestitionen wichtig.
Weiterentwicklung Förderprogramm Energieeinsparung und Altbausanierung in der Stadt Münster
Das Förderprogramm soll fortgeführt werden. Wichtig ist ein insgesamt hohes Budget, um Breitenwirkungen er-
zielen zu können (für die Potenzialberechnung gehen wir von 500.000 Euro/ Jahr aus). In der inhaltlichen Wei-
terentwicklung sollten speziellere technische Themen/Hemmnisse angegangen werden, z.B.:
- Konzentration auf Außenwanddämmung
- Innendämmungsqualität
- Hemmnis Denkmalschutz: Mehrkosten dort speziell fördern
B2
Hohe Priorität (4)
Das Programm war und ist sehr
erfolgreich, da finanzielle Anreize
weiterhin wichtig sind für be-
stimmte Zielgruppen und The-
men.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 36 Klimaschutzkonzept Münster
- Dachintegration von Solaranlagen (breitere Akzeptanz schaffen, vgl. E7, E9)
„Konjunkturprogramm Klimaschutz – 100 Gebäude-Sanierungsprogramm“
Ergänzend zu dem Breitenförderprogramm wird ein „Konjunkturprogramm Klimaschutz“ aufgelegt, für 100 Ge-
bäude die vorbildlich und begleitet von Öffentlichkeitsarbeit optimal energetisch saniert werden. Bestandteile
sind neben der Förderungsmittel für die energetische Sanierung von Gebäuden, die Begleitung durch ein Kom-
petenzteam aus Architekten, Fachplanern, Energieberatern.
B3 Hohe Priorität (4)
Das öffentlichkeitswirksame Auf-
zeigen von ökologischen und ö-
konomischen Vorteilen kann als
Impuls auch für andere Maßnah-
men genutzt werden.
Arbeitskreis Mieter/Vermieter:
(Weiter-)entwicklung von Instrumenten zu Überwindung von Hemmnissen in diesem Themenfeld in einem Ar-
beitskreis aus Mietern und Vermietern/Wohnungsunternehmen, z.B:
- Selbstverpflichtung von Vermietern zur Präsentation des Energieausweises
- Informationsset Energie für Mieter
- Öffentlichkeitsarbeit und Fortbildung für Hausverwaltungen
- Beratungsangebote für bestimmte Mieter Zielgruppen
(andere Sprachen, ...)
- Ökologischer Mietspiegel
B4
Hohe Priorität (5)
Etwa 40% der Wohnfläche in
Münster liegt in Mietwohnungen.
Es gibt weiterhin z.T. Interes-
senskonflikte und Mangel an In-
formationen.
Technikimpulse
Für einen Zeitraum von 2 bis 3 Jahren wird ein bestimmter technischer Schwerpunkt kooperativ vorangebracht.
Dabei werden verschiedene Instrumente durch einen Arbeitskreis optimal aufeinander abgestimmt. Beispiels-
weise zum Thema Hydraulischer Abgleich : Öffentlichkeitsarbeit, Fortbildung, Förderprogramm, Gütesiegel-
Sanierung.
Weitere mögliche Themen sind: Lüftungsanlagen und Klimatisierung, Wärmepumpen, etc.
B5 Hohe Priorität (4)
Insbesondere eher komplexe und
damit schwerer vermittelbaren
Themen, sollen durch spezielle
Impulse mehr Aufmerksamkeit
erhalten.
Neue Bausteine Öffentlichkeitsarbeit , z.B:
- Gemeinsamer Stand auf Bau-Messe von Stadt, Innung, HBZ, VZ zum Thema Energie,
- Gemeinsame Veranstaltungsreihe der Innungen mit Stadt Münster zu Energiethemen (ergänzend zu ande-
ren Themen als Solarenergie)
- Vorträge von Wohnungsbauunternehmen („Klimaschutz-Vorreiter“) aus anderen Städten (Frankfurt, Karls-
ruhe etc.)
- „Leuchttürme für Klimaschutz“ – Kampagne mit zeitweiliger Illumination von Beispielgebäuden
B6
Mittlere Priorität (3)
Es gibt schon viel Öffentlichkeits-
arbeit, die spezifisch ergänzt
werden sollte im Baubereich.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 37 Klimaschutzkonzept Münster
Energie und Denkmalschutz
Aufbauend auf den in Münster schon erarbeiteten Materialien wird ein Vermittlungs- und Beratungsschwerpunkt
zu diesem Themenfeld durch spezielle Beratung und Öffentlichkeitsarbeit angeboten.
B7 Mittlerer Priorität (3)
Der Anteil denkmalgeschützter
Gebäude in Münster liegt bei un-
ter 2%. Im Einzelfall ist jedoch
Unterstützung hilfreich.
Festsetzung Passivhausstandard bei Verkauf städtischer Grundstücke
Bisher wird beim Verkauf städtischer Grundstücke der Niedrigenergiehausstandard als Bedingung für die Be-
bauung vorgegeben. Die Vorgabe sollte mit dem Ziel des deutlich anspruchsvolleren Passivhausstandards fort-
geschrieben werden (vgl. u.a. schon in Frankfurt /M.).
B8 Hohe Priorität (5)
Aufgrund auch des sehr hohen
Anteils von Neubauten, die auf
verkauften städtischen Grundstü-
cken entstehen.
Zielwert Passivhausstandard bei Neubau städtischer Gebäude
Die Stadt Münster sollte, wie andere Städte auch (z.B. Frankfurt/M.), mit gutem Beispiel vorangehen und den
Passivhausstandard beim Neubau eigener Gebäude als Ziel vorgeben.
B9 Hohe Priorität (5)
Vorbildfunktion der Stadt!
Energetische Zielwertfestlegung bei Sanierung städt. Gebäude
Herbeiführung eines politischen Beschlusses, dass ein Zielwert von höchstens 50 bis 70 kWh/m2 Heizwärme-
bedarf bei Sanierungen angestrebt werden soll.
B10 Hohe Priorität (5)
Vorbildfunktion der Stadt!
Wieder-Einführung des Energiespar-Intractings mit entsprechendem Budget (z.B. 200.000 Euro/Jahr)
Das stadtinterne Finanzierungsmodell für Energiesparmaßnahmen hatte sich bewährt, wurde jedoch vor 2 Jah-
ren im Rahmen der Einführung des NKF (Neues kommunales Finanzmanagement) beendet.
B11 Hohe Priorität (4)
Erleichterung und Stabilisierung
der Finanzierung.
Erhöhung der (personellen) Ressourcen für das städtische Energiemanagement
Ein Vergleich mit anderen Städten zeigt, dass Münster eher am unteren Rand des Personaleinsatzes für das
Energiemanagement liegt. Um verbleibende Potenziale noch besser ausschöpfen zu können (z.B. durch Inten-
sivierung des Energiecontrollings) und zur Erstellung regelmäßiger Energieberichte sollten systematisch Mög-
lichkeiten zur Ausweitung und/oder Optimierung geprüft werden. Neben der Erhöhung der Personenzahl in der
Verwaltung kommen evtl. auch andere organisatorische Lösungen in Frage, wie z.B. Kooperationen mit
Dienstleistern (z.B. Stadtwerke ...).
B12
Hohe Priorität (4)
Strukturelle Voraussetzungen
verbessern
Erarbeitung eines Konzepts Stromverbrauchsminderung in städtischen Gebäuden,
z.B. anhand der Optimierung von Computer-Netzwerken in Schulen
B13 Mittlere Priorität (3)
Der Stromverbrauch ist aufgrund
steigender Ausstattungen mit E-
lektrogeräten speziell anzugehen.
Vorbildfunktion der Stadt.
Stromsparprämien
Auszahlung von Prämien für die Erreichung von Stromverbrauchsminderungen von Privathaushalten (vgl.
Frankfurt/M)
B14 Hohe Priorität (4)
Anteil der CO
2-Emissionen für
Strom der privaten Haushalte:
12%
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 38 Klimaschutzkonzept Münster
Informativere Stromrechnung
Verständlichere Gestaltung der Rechnungen, mit Stromsparhinweisen, Informationen zu Beratungsangeboten.
Zudem: Angebote für ein monatliches Feedback bzw. Abrechnungen
B15 Mittlere Priorität (3)
Sensibilisierung für Strom-
verbrauch kann u.a. durch ver-
besserte Informationen erfolgen.
Weitere Maßnahmen (nicht für Detailbeschreibungen vorgesehen)
Öffentlicher Selbstverpflichtung („Gebäude-Pakt“) zwischen Stadt und privaten Gebäudeeigentümern, eine
bestimmte Anzahl Gebäude im Zeitfenster von 3 Jahren nach sehr hohem Standard zu sanieren (evtl. zu integ-
rieren in „Allianz Münster für Klimaschutz“ ...)
B16 Mittlere Priorität (3)
Wichtiger wäre Einbettung der
Selbstverpflichtungen in die Alli-
anz (vgl. Maßnahme Ü4)
Modellprojekt(e) EnergiePlusHaus eines städt. Gebäudes
Über Passivhaus hinausgehen: Gebäude als Energielieferanten aufgrund der besonderen Integration erneuer-
barer Energien sowie von KWK-Anlagen
B17 Geringe Priorität (2)
Nur als Modellprojekt gedacht,
um Machbares zu zeigen.
Lehrgang fürs Handwerk: „Einsatz von Passivhauselementen bei Gebäudesanierung“ B18 Geringe Priorität (2)
Demozentrum Bau- und Energie noch intensiver nutzen für Vermittlung von weiterer Beratung, Dienstleistungs-
anbietern etc, damit Besucher (Endkunden) weitergeholfen wird (Listen etc.)
B19 Geringe Priorität (2)
Wird im Grunde schon so ge-
macht, im Detail evtl. optimierbar.
Stadt könnte im Rahmen von Energieberatung auf Thermografie und Blower-Door-Tests der Handwerker hin-
weisen, damit Handwerker schließlich stärker beim Handwerkskammer Bildungszentrum (HBZ) diese Dienstleis-
tungen des HBZ (Verleih von Thermografie-Ausrüstung, Durchführung Blower-Door-Test) nachfragen.
B20 Geringe Priorität (2)
Wird im Grunde schon so ge-
macht, im Detail evtl. intensivier-
bar.
1 Priorität: 5 = sehr hoch, 1 = sehr niedrig (Hinweis: etwa 10 Maßnahmen mit der höchsten Priorität sollen innerhalb jedes Handlungsfeldes detaillierter in Form der
Maßnahmenblätter beschrieben werden, der Rest kann in einfacher Tabellenform bleiben.)
3.4 Gewerbe, Handel und Dienstleistung (GHD)
Der in Münster zu beobachtende Anstieg des Stromverbrauchs in den letzten Jahren wird auch zu einem wesentlichen Teil durch den
Sektor Gewerbe, Handel, Dienstleistung (GHD) verurs acht. Mit der Analyse der wirtschaftlichen Einsparp otenziale in diesem Sektor
konnte aufgezeigt werden, dass erhebliche Effizienz potenziale u.a. noch im Bereich der Beleuchtung, de r Bürogeräte und der Kälte-
erzeugung für die Raumtemperierung erschlossen werden können. Gleichzeitig handelt es sich hier um ein en sehr heterogenen Sek-
tor, der überwiegend durch kleine und mittlere Unte rnehmen geprägt ist, die i.d.R. über nur wenig Info rmationen zu den in ihrem Un-
ternehmen vorhandenen Energieeffizienzpotenzialen verfügen, aber eine zunehmende Sensibilität für dieses Thema aufweisen.
Die im Folgenden vorgeschlagenen Maßnahmen dienen d aher sowohl zur verstärkten Sensibilisierung und Wi ssensvermittlung als
auch zur Umsetzung konkreter auf den Bedarf von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) zugeschnittener Projekte.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 39 Klimaschutzkonzept Münster
3.4.1 Maßnahmen im Bereich Sensibilisierung und Wis sensvermittlung
Maßnahme
Nr. Vorläufige IFEU/Gertec-
Einschätzung
(Priorität)
Energie-Coaching für Kleine und Mittlere Unternehmen (KMU) und deren Fachplaner
Aufbau eines Pools von Energie-Coachen, die Eigentümern von KMU und/oder deren Fachplanern begleitend
als Spezialisten für Energieeffizienz zur Verfügung stehen, und Entwicklung einer standardisierten Beratungs-
leistung „Energieeffizienz-Coaching“
G1 hohe Priorität (4)
jede Sanierungsmaßnahmen, die
suboptimal umgesetzt wird, stellt
eine auf Jahre vertane Chance
dar. Zusätzlich Schaffung eines
neuen Marktsegmentes für hoch-
qualifizierte Energieberater
Netzwerke für Erfahrungsaustausch im Sektor GHD
Initiierung oder Unterstützung von Aktivitäten zum Erfahrungsaustausch zwischen GHD-Unternehmen zu The-
men wie „Technische Anlagen“ (z.B. Beleuchtung, Kühlung/ Klimatisierung), „Mitarbeitermotivation“, „Fuhrpark“
etc. (s.a. Themenspezifische Initiativen)
G2/
Ü3
hohe Priorität (5)
Erfahrungsaustausch auf „Au-
genhöhe“ hat ein hohes Sensibili-
sierungs- und Motivationspoten-
zial, konkreter Bedarf zu einzel-
nen Themen wurde in Workshops
geäußert
Energiecontrolling für KMU
Entwicklung eines Qualitätsmanagementsystems zum Aufbau eines einfachen Energiemanagements in KMU
(abgestimmtes System für Bestandserfassung, Controlling, Benchmarking, Bewertung und Planung, Benchmar-
king-Pool für Bürogebäude)
G3 Hohe Priorität (4)
Gerade bei KMU fehlt ein einfa-
ches Instrument zur Verfolgung
und Bewertung der Energie-
verbräuche
Energetische Optimierung schwer vermietbarer Büro- und Hallenimmobilien.
Konzertierte Aktion zur Ansprache und zur Unterstützung von Gebäudeeigentümern schwer vermietbarer Ge-
werbeimmobilien (Büro, Hallen) zur energetischen Ertüchtigung durch Einzelansprache der Eigentümer (Sensi-
bilisierung) und durch Aufbau eines entsprechenden Beratungsangebotes (s. „Energie-Coaching“)
G4 mittlere Priorität (3)
quantitativ eingeschränkt bedeut-
sam, leistet Beitrag zur lokalen
Wirtschaftsförderung, Bedarf
deutlich vorhanden
Weitere Maßnahmen (nicht für Detailbeschreibungen vorgesehen)
Stärkerer Erfahrungsaustausch zwischen städtischem Gebäudemanagement und Universität G5
Energieeffizienz-Know-How in einem Betrieb gegen Honorar anderen Betrieben zur Verfügung stellen G6 kann Ergebnis eines Netzwerkes
sein (2)
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 40 Klimaschutzkonzept Münster
3.4.2 Maßnahmen im Bereich themenspezifischer Initi ativen
Maßnahme
Nr. Vorläufige IFEU/Gertec-
Einschätzung
(Priorität)
Themenspezifische Kampagnen
Entwicklung und Durchführung von Kampagnen (Infoveranstaltungen, Positivbeispiele, Workshops, ggf.
Coaching in der Umsetzung) mit gezielter Ansprache einzelner Branchen zur Energieeffizienz.
Themen sind
- Optimierung der Beleuchtung
- Optimierung der Kühlung sowohl als Gebäudekühlung wie auch im Bereich Einzelhandel zur Wa-
renkühlung
- Green IT
- Kraftwärmekopplung (KWK-) Offensive: Entscheidung shilfen wie KWK-Check Frankfurt, Einsatz-
möglichkeiten bekannt machen
- IRC-Halogenlampen
- Heizungspumpe und hydraulischer Abgleich
Zentrale Vorbereitung der Kampagnen unter einem Dach („Klimaschutz in Münster – Standortvorteil für
Münsteraner Betriebe“), Durchführung durch externe Dienstleister in der Stadt, gemeinsame Finanzierung
Stadt – Stadtwerke Münster GmbH – Industrie- und Handelkammer (IIHK)
G7
Hohe Priorität (5)
Nach wie vor fehlt es an Informa-
tionen zu den vorhandenen
hochwirtschaftlichen Energieeffi-
zienzpotenzialen in einzelnen für
den Sektor GHD typischen The-
mengebieten sowie entsprechen-
der Unterstützung der Unterneh-
men, diese zu erschließen.
Servicestelle „Energieeffizienz durch Nutzermotivation“
Aufbau eines Kompetenzzentrums/Clearingstelle „Energieeffizienz durch Nutzermotivation“ für Projekte, die
Unternehmen aus dem Sektor GHD eigenverantwortlich durchführen wollen. Entwicklung von standardisier-
ten Umsetzungskonzepten mit Materialien und Bereitstellung eines Beratungsangebotes für die Firmen
während deren Projektumsetzung
G8 hohe Priorität (4)
i.d.R. gutes Kosten-Nutzen-
Verhältnis bei der Umsetzung von
Nutzerprojekten, kein hoher An-
fangsinvestitionsbedarf, hohe In-
teresse seitens mehrerer Akteure
geäußert
Weitere Maßnahmen (nicht für Detailbeschreibungen vorgesehen)
ÖKOPROFIT
Fortsetzung ÖKOPROFIT
G9 Mittlere Priorität (3)
gute Kosten-Nutzen-Effizienz
auch aus Sicht der teilnehmen-
den Betriebe, erzeugt dauerhafte
Wirkung, nur kleiner Kreis teil-
nehmender Betriebe
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 41 Klimaschutzkonzept Münster
3.4.3 Maßnahmen zur flankierenden Unterstützung
Förderprogramm „Energieeffizienzmaßnahmen im Sektor GHD“
Entwicklung eines Förderprogramms mit kleinen finanziellen Zuschüssen als Anreiz für die in den Kampagnen
(s.o) angesprochenen Maßnahmen. Finanzierung ggf. in Kooperation mit Herstellern von Effizienzprodukten (s.
z.B. Kampagne zu IRC-Halogenlampen in Hamburg und Bremen)
Prüfung des Instrumentes Stromsparfonds für Gewerbe mit Prämien für Verbrauchsminderung
G10 hohe Priorität (5)
die Erfahrungen aus dem Altbau-
förderprogramm zeigen, dass
auch kleine finanzielle Zuschüsse
in Kombination mit entsprechend
anspruchsvollen Qualitätszielen
eine sehr hohe Wirkung entfalten
können, ein gutes Kosten-
Nutzen-Verhältnis aufweisen und
zur lokalen Wirtschaftsförderung
beitragen.
Bessere Vermarktung bestehender Erstberatungsangebote für KMU
Ausweitung der Öffentlichkeitsarbeit und Information zu den bestehenden Erstberatungsangeboten für KMU in
Münster (KfW-Förderprogramm, Effizienzagentur NRW, spezialisierte Berater)
(Erstinformation zu Einsparpotenzialen, Förderatlas, lokale Dienstleister etc.)
G11 mittlere Priorität (3)
ein betriebsspezifischer Bera-
tungsangebot entfaltet sicherlich
höhere Wirkung, auf der anderen
Seite stellt ein neutrales „nie-
derschwelliges“ Erstberatungsan-
gebot für KMU einen guten Ein-
stieg in die Thematik dar. Die
vorhandenen hervorragenden
Angebote werden seitens der Be-
triebe aber noch zu wenig ge-
nutzt. Ein wichtiges Hemmnis ist
dabei mangelnde Kenntnis dieser
Angebote.
Weitere Maßnahmen (nicht für Detailbeschreibungen vorgesehen)
Klimaschutzsiegel Gewerbe
Klimaschutzsiegel für Münsteraner Gewerbe und Handel („Klima sucht Schutz beim Gewerbe“ oder „Einzelhan-
del für den Klimaschutz“). Für verschiedene Branchen wird ein Siegel entwickelt, dass nach Erfüllung bestimm-
ter energetischer Auflagen öffentlich präsentiert wird
G12 geringe Priorität (2)
Nutzen nicht etablierter Sie-
gel/Prämierungen kann nur
schwer eingeschätzt werden
Systematik Stromverbrauchskosten
Entwicklung einer einheitlichen Systematik zur Berechung Stromverbrauchskosten über die gesamte Lebens-
dauer eines Produktes für die Kundeninformation. Anschließend in Kooperation mit Einzelhändlern einführen.
G13 geringe Priorität (2)
Bedarf und Nutzen lassen sich
nicht genau einschätzen, auch
aus Verbrauchersicht sinnvoll
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 42 Klimaschutzkonzept Münster
Auszeichnung energieeffizienter Gewerbegebäude
Durchführung eines Wettbewerbs energieeffiziente Gewerbe- und Industriegebäude mit Prämierung
G14 niedrige Priorität (2)
erzeugt kurzzeitige Öffentlich-
keitswirksamkeit und Best-
Practice-Beispiele
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 43 Klimaschutzkonzept Münster
3.5 Energieumwandlung / Erneuerbare Energien
Wesentliche Ansatzpunkte zur Optimierung unter den lokalen Klimaschutzzielen im Bereich der Energieumw andlung ergeben sich in
Münster durch den weiteren Ausbau bzw. verstärkten Nutzung der vorhandenen Fernwärmeversorgung sowie d en weiteren erhebli-
chen Ausbau der dezentralen Kraft-Wärme-Kopplung. W ährend die Fernwärme dabei auf einen räumlich begre nzten Bereich be-
schränkt bleiben wird, sind mit dem Einsatz dezentr aler Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen in der Fläche er hebliche Potenziale zu er-
schließen.
Im Bereich der erneuerbaren Energien sind die z.B. aufgrund der topographischen Rahmenbedingungen (z.B . bei der Wasserkraft)
oder struktureller Rahmenbedingungen (z.B. Nutzungs struktur in der Landwirtschaft) zu erschließenden P otenziale teilweise einge-
schränkt. Gleichzeitig sind die auf der Ebene der Stadt Münster direkt durch die Akteure Stadt, Stadtwerke oder Landwirte umsetzba-
ren Maßnahmen ebenfalls eingeschränkt, auch wenn au s technischer wie auch wirtschaftlicher Sicht (z.B. im Bereich Photovoltaik)
zum Teil erhebliche Potenziale bestehen. Hier sind aber zusätzliche unterstützende Maßnahmen auf Lande s- und Bundesebene er-
forderlich. Im Bereich der erneuerbaren Energien we rden daher hier zunächst direkt auf städtischer Ebe ne umsetzbare Maßnahmen
für die Initiierung konkreter Projekte aufgezeigt.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 44 Klimaschutzkonzept Münster
3.5.1 Fernwärme und KWK
Maßnahme
Nr. Vorläufige
IFEU/Gertec-Einschätzung
(Priorität)
2
Ausbau der Fernwärme in der Fläche
Ausbau des bestehenden Netzes um 20 MW und mehr möglich:
- Gemeinsame Strategie und Aktivitäten von Stadt und Stadtwerken zum Ausbau der Fernwärme bei Bera-
tung, Stadtentwicklung, Gebäudesanierung.
- Einbindung von Wohnungsgesellschaften in diese Strategie.
- Festlegung eines Fernwärmegebietes im Umfeld bestehender Fernwärmetrassen und Veröffentlichung als
Karte der Fernwärmegebiete.
- Als flankierende Maßnahme solle das Image der Fernwärmeversorgung im Sinne eines ökologisch wertvol-
len Produktes wie der Ökostrom verbessert und aufgewertet werden, um die Akzeptanz und Wechselbereit-
schaft zu erhöhen.
E1
Hohe Priorität (5)
Möglichkeiten der hocheffizienten
zentralen KWK-Technologie noch
nicht ausgeschöpft. Sehr hohe
CO
2-Minderungen möglich.
Ausbau KWK im Heizkraftwerk Uni
Installation einer Gasturbine mit 5 MW bis 10 MW elektrischer Leistung zur Verbesserung der Effizienz in der lo-
kalen Dampferzeugung am Standort Orleansring. Diese Maßnahme sollte eng zwischen Universität und Stadt-
werken Münster abgestimmt werden, um die Erzeugung von Fernwärme und -dampf aus KWK in Münster opti-
mal aufeinander abzustimmen.
- Aufnahme bilateraler Gespräche zwischen Stadtwerken und Universität sowie ggf. ergänzend mit BLB zur
Klärung der technisch-wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und möglicher Investor-/Betreibervarianten.
E2
Hohe Priorität (5)
Erweiterung und Abstimmung
birgt noch weitere hohe CO
2-
Minderungspotenziale.
Ausbau dezentrale Kraft-Wärme-Kopplung
Installation von Klein- und Mini-BHKW in geeigneten Objekten mit hohem Grundlastanteil in der Wärmeabnah-
me, die jedoch nicht mit dem Fernwärmeausbau in der Maßnahme E1 konkurrieren dürfen.
- Ansprache potenzieller Kunden vor dem Hintergrund der verbesserten wirtschaftlichen Rahmenbedingun-
gen des KWKG 2009 mit dem Vergütungsanspruch auf selbst genutzten Strom.
- Erneute Eignungsprüfung für Objekte, die bei Prüfung vor der KWKG-Novelle als nicht geeignet eingestuft
worden waren.
E3
Hohe Priorität (5)
Dezentraler KWK-Einsatz steht
erst am Anfang.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 45 Klimaschutzkonzept Münster
3.5.2 Bioenergie
Ausbau landwirtschaftliche Biogasnutzung
Konzeptionelle Ausrichtung der Biogaserzeugung auf den Typ Hofanlage – keine Großanlage mit reiner Substrat-
belieferung durch vertraglich gebundene Landwirte.
- Ausbau der Kapazität dieser Hofanlagen auf insgesamt 2,5 bis 4 MW elektrische Leistung mit Optimierung der
Wärmenutzung.
- Ermittlung geeignete Wärmeabnehmer im weiteren Umfeld bestehender und neuer Hofanlagen. Der Betreiber
der Biogasanlage liefert über eine neue Gasleitung Biogas zum Ort des Wärmeverbrauchs, dem Standort ei-
nes Biogas-BHKW (sogenanntes „Satelliten-BHKW“).
E5
Hohe Priorität (5)
Sehr hohes CO 2--
Minderungspotenzial durch die
hohe Bedeutung der Landwirt-
schaft in Münster.
Biogaserzeugung aus Grünschnitt
Energetische Nutzung des Grünschnitts der AWM durch Vorschaltung einer Vergärungsstufe vor die Kompostie-
rung.
- Aufbereitung des Biogases zu Erdgasqualität und Einspeisung in das Erdgasnetz der Stadtwerke.
- Konzepterstellung durch die AWM in Zusammenarbeit mit den Stadtwerken hinsichtlich der Gaseinspeisung.
E6
Hohe Priorität (5)
Bisher ungenutzte Potenziale
nutzen.
3.5.3 Solarthermie
Ausbau Solarthermie im Bestand – Erschließung des technisch-wirtschaftlichen Potenzials
Orientierungswert 0,5 m²/Einwohner als technisch-wirtschaftliches Potenzial, ausgehend von 0,061 m²/EW in 2009
und 0,043 in 2006
Instrumentenbeschreibung steht
noch aus
Ästhetik-Förderung Solarthermie
Förderkonzept für besonders gut gestaltete oder in die Gebäudearchitektur eingebundene solarthermischen Anla-
gen
- z.B. als Zuschussmodell oder als
- Solarbonus-Tarif für Erdgaskunden mit Rabattregelung.
E7 Hohe Priorität (4)
Akzeptanz der Solarthermie ist
vielfach auch eine Frage der (ar-
chitektonischen) Ästhetik. Hier
sollte speziell unterstützt werden.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 46 Klimaschutzkonzept Münster
3.5.4 Fotovoltaik
Ausbau Fotovoltaik – Erschließung des technisch-wirtschaftlichen Potenzials
Orientierungswert 188 W/Einwohner als technisch-wirtschaftliches Potenzial, ausgehend von 28,1 W/EW in
2009 und 14,1 in 2006
Instrumentenbeschreibung steht
noch aus
Ästhetik-Förderung Fotovoltaik
Förderkonzept für besonders gut gestaltete oder in die Gebäudearchitektur eingebundene Fotovoltaik-Anlagen
E8 Hohe Priorität (4)
Akzeptanz der Fotovoltaik ist viel-
fach auch eine Frage der (archi-
tektonischen) Ästhetik. Hier sollte
speziell unterstützt werden.
Optimierung des Instrumentes „ Bürgersolaranlagen“
Durchführung einer Untersuchung zur geringen Inanspruchnahme bestehender Beteiligungsangebote
- Ursachenklärung hinsichtlich möglicher Informationsdefizite bei den Bürgern oder Akzeptanzprobleme be-
zogen auf Anbieter oder Modell (Grundlage für weitere Entwicklung besserer Modelle)
- Öffentlichkeitsarbeit/Werbung für bestehende Angebote oder Entwicklung von Qualitätskriterien für Beteili-
gungsmodelle oder optimierten Beteiligungsmodellen
E9
Niedrige Priorität (2)
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 47 Klimaschutzkonzept Münster
3.6 Verkehr
Verkehrsbezogene Maßnahmen sind in Münster zunächst erforderlich, um in den kommenden Jahren einen weiteren Verkehrsanstieg
zu verhindern. Darüber hinaus muss aber auch eine R eduktion des Verkehrs angestrebt werden, wenn der V erkehr angemessen zur
Erreichung des Klimaziels der Stadt Münster beitrag en soll. Die vorgeschlagenen Klimaschutzmaßnahmen s etzen zum einen beim
Binnenverkehr der Münsteraner im Stadtgebiet an, de s Weiteren wird der regionale Stadt-Umland-Verkehr als relevanter Handlungs-
bereich in Münster eingeschätzt. Binnen- und Region alverkehr verursachen zusammen ca. zwei Drittel der verkehrsbedingten Treib-
hausgasemissionen in Münster und liegen direkt im lokalen Handlungsbereich der Stadt.
Bei den vorgeschlagenen Maßnahmen handelt es sich sowohl um eine Fortführung und Ausweitung bereits laufender Aktivitäten (z.B.
das im Rahmen der Luftreinhalteplanung initiierte Betriebliche Mobilitätsmanagement mit Unternehmen in Münster) als auch um Vor-
schläge für neue Maßnahmen. Zentrale Handlungsansätze sind: Zuerst sollte unnötiger Verkehr vermieden werden, der verbleibende
Verkehr sollte soweit möglich auf umwelt-freundlich ere Verkehrsmittel verlagert sowie energieeffizient er gestaltet werden. Verschie-
dene Maßnahmen haben eine gemeinsame Zielrichtung (z.B. Steigerung der ÖPNV-Nutzung) und ergänzen sich gegenseitig. Um ei-
ne bestimmte Gesamtwirkung durch das Zusammenspiel der Maßnahmen zu erreichen, muss die Umsetzung desh alb integrativ, in
Form von Maßnahmenpaketen erfolgen.
In der Wissenschaft besteht weitgehende Übereinstim mung, dass allein eine Verbesserung der Angebote im öffentlichen und nicht-
motorisierten Verkehr nicht ausreichend ist, um in relevantem Umfang Verkehrsverlagerungen vom Pkw auf diese Verkehrsmittel zu
erreichen und damit die Pkw-Fahrleistung zu verringern. Vielmehr ist zu erwarten, dass durch reine Fördermaßnahmen letztlich sogar
zusätzliche Verkehre induziert werden. Um die Entst ehung zusätzliche Verkehre weitestgehend zu vermeid en und eine Verlagerung
in relevantem Umfang zu erzielen, müssen deshalb Fördermaßnahmen im Umweltverbund mit Maßnahmen zu einer gezielten Verrin-
gerung des MIV kombiniert werden.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 48 Klimaschutzkonzept Münster
Maßnahme Nr.
Vorläufige IFEU/Gertec-
Einschätzung
(Priorität bezogen auf Ver-
kehr)
1
Klimaschutz als zentrale Zielstellung im Verkehrsentwicklungsplan Münster 2025 zur Ausrichtung der
zukünftigen Planungen auf eine Verringerung der verkehrsbedingten CO 2-Emissionen
Mit dem Verkehrsentwicklungsplan werden Ziele und Strategien für die zukünftige Entwicklung des Verkehrs in
Münster bestimmt. Die Überprüfung der Wirksamkeit einer klimafreundlichen Verkehrsentwicklungsplanung erfolgt
durch Monitoring der Verkehrsentwicklung mittels regelmäßig aktualisierter Nachhaltigkeitsindikatoren (z.B. Kfz-
Dichte, jährliche Fahrtenanzahl MIV, ÖPNV).
V1 hohe Priorität (5)
Durch die Festlegung des Klima-
schutzes als zentraler Zielstellung
wird die Ausrichtung der Planun-
gen auf eine Verringerung der ver-
kehrsbedingten CO
2-Emissionen,
insb. durch Verkehrsvermeidung
und Verlagerung auf klimafreundli-
chere Verkehrsmittel des Umwelt-
verbunds verstärkt.
Aufbau einer gemeinsamen regionalen Verkehrsplanung der Stadt Münster und der benachbarten Kreise
und Gemeinden
Der Verkehr in Münster ist zu einem großen Teil durch Verkehrsbeziehungen mit dem regionalen Umland geprägt.
Zur Optimierung dieser Regionalverkehre sollte eine gemeinsame regionale Verkehrsplanung im Rahmen einer
kommunalen Partnerschaft aufgebaut werden.
V2 hohe Priorität (5)
Ein großer Teil des Verkehrs in
Münster ist Stadt-Umland-Verkehr
(Umlandbewohner nach Münster,
Münsteraner ins Umland). Eine Op-
timierung dieser Regionalverkehre
ist nicht durch die Stadt Münster al-
lein möglich.
Betriebliches Mobilitätsmanagement zur effizienteren und umweltfreundlicheren Gestaltung der von Un-
ternehmen erzeugten Verkehre Themen u.a.:
- Parkraummanagement (Platzangebot, Gebühren) auf d em Unternehmensgelände
- Jobtickets (Querförderung durch Parkgebühren mögl ich)
- Mitfahrbörsen für Mitarbeiter
- Fahrradkonzepte (Abstellanlagen, Duschen, Imagest ärkung …)
- Durchführung von Spritsparkursen für Mitarbeiter
Die Einzelmaßnahmen werden im Idealfall in einem standortspezifischen Mobilitätsplan für die Unternehmen
abgestimmt.
V3
hohe Priorität (4)
Berufsverkehr macht einen gro-
ßen Teil des Verkehrs im Stadt-
gebiet aus. Über die Unterneh-
men ist eine sehr gute Erreichung
der Zielgruppe durch Maßnah-
men möglich.
Öffentlichkeitsarbeit und Beratung für umweltfreundliche Mobilität .
Zielgruppe sind v.a. Pkw-Nutzer, die bisher den Umweltverbund wenig oder nicht nutzen. Wichtig sind zudem ü-
bergreifende Beratungs - und Informationsmaßnahmen zur stärkeren allgemeinen Sensibilisierung der Bevölk erung
V4 hohe Priorität (5)
Öffentlichkeitsarbeit ist eine wich-
tige Begleitmaßnahme zu allen
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 49 Klimaschutzkonzept Münster
für umweltfreundliche Mobilität. Themen sind z.B.:
- Public-Awareness-Kampagnen zu klimaschonender Mob ilität
- Infopakete für Neubürger inkl. Freifahrt (z.B. Wo chenticket)
- Hervorhebung von Schnittstellen der Verkehrsmitte l des Umweltverbundes im Stadtbild („Mobilpunkte“)
- Mobilitätserziehung in Schulen (z.B. Mobilitätsfi bel)
Maßnahmen für Optimierung und
Ausbau der Verkehrsangebote im
Umweltverbund. Durch eine inten-
sive Öffentlichkeitsarbeit werden
die Verkehrsangebote des Um-
weltverbunds und seine Vorteile
bekannter.
Ausbau des Schienenpersonennahverkehrs zur Optimierung der Erreichbarkeit zwischen Münster und
dem Umland sowie zur Erweiterung des ÖPNV-Angebots im Stadtgebiet . Themen u.a.:
- Erhöhung der Beförderungskapazität von Zügen im S PNV in den Spitzenzeiten des Berufsverkehrs
- Schaffung neuer SPNV-Verbindungen Münster-Umland
- Einrichtung zusätzlicher Haltepunkte in Außenbezi rken von Münster zur Unterstützung des öffentlichen
Binnenverkehrs
V5 hohe Priorität (5)
Regionalverkehr ist zentrales
Handlungsfeld im Verkehr. Für
signifikante Verlagerungspotenzi-
ale von Pkw-Fahrten auf den öf-
fentlichen Verkehr muss das An-
gebot im SPNV weiter ausgebaut
werden.
Sicherung und Optimierung des Regionalbus-Angebots zwischen Münster und dem Umland : Die Erreich-
barkeit zwischen Stadt und Umland mit Regional- und Schnellbuslinien muss auch in Zukunft sichergestellt und
weiter optimiert werden, u.a. durch
- Erhalt und Optimierung von Angebotsumfang und -qu alität
- Sicherung der Finanzierung des Regionalbusverkehr s.
V6 hohe Priorität (4)
Auch abseits von Schienentrassen
muss ein attraktives ÖV-Angebot
bestehen, um den Anteil des öf-
fentlichen Verkehrs am Regional-
verkehr zu erhalten und weitere
Verlagerungen von Pkw-Fahrten
zu ermöglichen.
Sicherung und Optimierung des Busangebots im Stadtverkehr
Der Busverkehr im Stadtgebiet wurde in den vergangenen Jahren bereits kontinuierlich verbessert. Angebotsum-
fang und Qualität des ÖPNV müssen auch zukünftig gesichert und weiter optimiert werden, z.B. Angebotskapazi-
täten, Beförderungskomfort, Fahrgastinformation
V7 hohe Priorität (5)
Die Sicherung der bereits erreich-
ten Erfolge im ÖPNV ist sehr wich-
tig, um den ÖPNV auch zukünftig
attraktiv zu erhalten und Negativ-
entwicklungen (Abkehr vom ÖPNV
zum MIV) vorzubeugen.
Erschließung neuer, zusätzlicher Wege für die Finanzierung des bestehenden und neuer Angebote im
öffentlichen Verkehr
Die Finanzierung des öffentlichen Verkehrs befindet sich im Umbruch (GVFG-Förderung, Regionalisierungsmittel,
Schülerverkehrsförderung etc.). Um auch zukünftig Umfang und Qualität des Angebots im öffentlichen Verkehr
(ÖPNV, SPNV, Regionalverkehr) erhalten und optimieren zu können, sollten als flankierende Maßnahme neue
Wege zur (Mit-) Finanzierung des öffentlichen Verkehrs erarbeitet werden.
V8
hohe Priorität (4)
Begründung: s. Kurzbeschrei-
bung
Verbesserung der Radabstellsituation in Münster Themen u.a.: V9 hohe Priorität (4)
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 50 Klimaschutzkonzept Münster
- Genereller Ausbau der Radabstellmöglichkeiten im Stadtgebiet
- Ersatz wegfallender Abstellanlagen (z.B. bei Auße ngastronomie)
- Überprüfung der Bereithaltung gesetzlich vorgesch riebener Radabstellanlagen durch Geschäfte (Lan-
desbauordnung § 51)
- Ausbau von Radabstellmöglichkeiten an ÖPNV-Haltes tellen und Carsharing-Punkten zur Verknüpfung
der Verkehrsmittel
Für einen weiteren Anstieg des
Radverkehrs in Münster müssen
zusätzliche Radabstellanlagen in
ausreichendem Umfang geschaf-
fen werden. Die Verbesserung der
Radabstellsituation in Münster ist
zudem notwendig, um das freie
Abstellen von Rädern auf Gehwe-
gen und damit verbundene Behin-
derungen für den Fußverkehr zu
reduzieren.
Förderung des Fußverkehrs in Münster Kurze Wege, die auch in Münster häufig noch mit dem Kfz zurückge-
legt werden, werden für Fußgänger (v.a. Kinder, Senioren) attraktiver gestaltet. Themen u.a.
- Barriereabbau, z.B. Querungshilfen viel befahrene r Straßen,
- Gehwegbreiten, Wartezeiten an Ampeln
- Kontrolle und Ahndung von Gehwegparken,
- Aufbau eines flächendeckenden, sicheren Fußwegene tzes im Stadtgebiet, auch in den Außenbezirken
- Schaffung neuer verkehrsberuhigter Bereiche z.B. Begegnungszonen
V10 hohe Priorität (4)
Über 13% der Wege im Nahbe-
reich <2km werden in Münster mit
dem Kfz zurückgelegt. Es sind
weitere Anstrengungen nötig, um
das Gehen als emissionsfreie und
vor allem für Kinder wichtigste
Fortbewegungsart zu fördern. Die
Förderung des Fußverkehrs er-
möglicht eine Erhöhung der Ver-
kehrssicherheit und Verringerung
von Konflikten Rad vs. Fuß.
Gesamtstädtisches Parkraummanagement zur Steuerung von Parkraumangebot und -nachfrage im ge-
samten Stadtgebiet
Themen u.a.:
- Anpassung des Parkraumangebots im öffentlichen St raßenraum (u.a. Steigerung der Aufenthaltsquali-
tät), autoarme Innenstadt
- Dynamische Zufahrtsbeschränkung der Innenstadt (v erhindert im Falle voller Parkhäuser Rückstaus
auf den Straßen, wirkt damit auch ÖPNV-beschleunigend)
- Regulierung von Parkraumangebot und Gebührenpflic ht in den äußeren Stadtbezirken
V11 hohe Priorität (5)
Ziel des Parkraummanagements
ist nicht allein die Befriedigung der
vorhandenen und erwarteten Park-
raumnachfrage. Das Parkraum-
management muss über eine Re-
gulierung des Angebots (Anzahl
und Lage von Parkflächen, Ge-
bührenhöhe) eine aktive Steue-
rungsfunktion für das Parkverhal-
ten im gesamten Stadtgebiet ü-
bernehmen.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 51 Klimaschutzkonzept Münster
Weitere Maßnahmen (nicht für Detailbeschreibungen vorgesehen, noch ausbaubar aus Ideensammlung)
Ausbau der vorhandenen Park+Ride-Möglichkeiten an zentralen Bahn- und Bushaltestellen im Umland
Park+Ride-Möglichkeiten wurden bereits in der Vergangenheit an zentralen Haltepunkten im Umland geschaffen
und erweitert. Ein weiterer Ausbau des Angebots sowie die bereits im Luftreinhalteplan vorgesehene stärkere
Vermarktung des P+R-Angebots unterstützen weitere Verlagerungen von regionalem Pkw-Verkehr auf den kli-
mafreundlicheren öffentlichen Verkehr.
V12 mittlere Priorität (3)
Damit zusätzliche Umlandbewoh-
ner die Möglichkeit haben, ihren
Pkw bereits in der Nähe ihres
Wohnorts abzustellen und mit dem
öffentlichen Verkehr nach Münster
zu kommen, muss das bestehen-
de Angebot an Park+Ride-
Anlagen an zentralen Haltepunk-
ten des SPNV und Regionalbus-
verkehrs im Münsterland weiter
ausgebaut werden.
Fortführung der Maßnahmen zur ÖPNV-Beschleunigung im Stadtgebiet
Die ÖPNV-Beschleunigung, z.B. durch eigene Busspuren und Ampel-Vorrangschaltungen, war bereits in den
vergangenen Jahren Teil der ÖPNV-fördernden Maßnahmen in Münster. Die Maßnahmen sollten weiter fortge-
führt werden, um die Reisegeschwindigkeiten im ÖPNV zu steigern.
V13 mittlere Priorität (3)
Die Reisezeit im Vergleich alter-
nativer Verkehrsmittel ist ein sehr
wichtiges Entscheidungskriterium
bei der individuellen Verkehrsmit-
telwahl. Zu große Unterschiede
vermindern das Verlagerungspo-
tenzial auf den ÖPNV.
Weitere Optimierung des Tarifangebots im öffentlichen Verkehr
Durch weitere attraktive, übersichtliche Tarife können neue Kunden für den öffentlichen Verkehr gewonnen wer-
den. Wichtig ist eine Orientierung neuer Tarifangebote auf bisher Pkw-fahrende Nutzergruppen unter gleichzeitiger
Beibehaltung der Vorteile für die bestehenden Kunden.
V14 mittlere Priorität (3)
Attraktive Tarife können neue Kun-
den für den öffentlichen Verkehr
gewinnen. Gleichzeitig droht bei
Verschlechterungen ein Weggang
von ÖPNV-Kunden und ein damit
verbundener Anstieg der Emissio-
nen im MIV.
Erhalt und Optimierung des umfangreichen Radwegenetzes im Stadtgebiet Münster
Der Radverkehr hat einen hohen Anteil an der Mobilität in Münster. Um diesen Anteil zu halten und weitere Zu-
nahmen zu ermöglichen, ist die Erhaltung und Optimierung des Radwegenetzes notwendig.
V15 mittlere Priorität (3)
Diese Maßnahme ist nicht nur für
weitere Verlagerungen vom MIV
nötig. Ebenso ist auch die Siche-
rung der bereits erreichten Erfolge
wichtig, um Negativentwicklung
zum MIV zu vermeiden
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 52 Klimaschutzkonzept Münster
Mobilpunkte zur Verkehrsmittelverknüpfung im Umweltverbund
Die Kombination von Bus-/Bahn-Haltestelle, Carsharing-Punkt und Radabstellanlagen ermöglicht einen schnel-
len und bequemen Wechsel zwischen allen Verkehrsmitteln des Umweltverbunds. Durch ihre Hervorhebung im
Stadtbild sind die Mobilpunkte leicht auffindbar und veranschaulichen zusätzlich die Vielzahl der vorhandenen
Verknüpfungspunkte im ganzen Stadtgebiet.
V16 mittlere Priorität (3)
Für eine attraktive Alternative zum
Pkw müssen die Verkehrsmittel im
Umweltverbund sich sinnvoll er-
gänzen. Durch Verknüpfung der
Verkehrsmittel werden die „Tür-zu-
Tür“-Wegeketten für verschiedene
Verkehrszwecke optimiert.
Einführung einer City-Maut zur Steuerung der Verkehrsmengen und der Verkehrsmittelwahl bei Fahrten
in die Innenstadt
Eine City-Maut gibt es bereits seit mehreren Jahren in verschiedenen europäischen Städten (z.B. Bologna, Mai-
land, Bergen] Oslo, Stockholm). Die Höhe der Mautgebühren kann nach Umweltkriterien gestaffelt und auf be-
stimmte Tageszeiten begrenzt werden (z.B. 8-18 Uhr). Für Einwohner und Anlieger sind gesonderte Regelungen
üblich. Die Einnahmen aus der City-Maut können z.B. der Finanzierung einer Ausweitung des ÖPNV-Angebots
dienen.
V17 mittlere Priorität (3)
Durch eine City-Maut werden die
Pkw-Fahrer zu einem Wechsel auf
Verkehrsmittel des Umweltver-
bunds angeregt, aber auch zu ei-
nem generellen Verzicht auf unnö-
tige Fahrten. Erfahrungen aus an-
deren Städten zeigen einen Rück-
gang der MIV-Fahrten in die Maut-
zone um 15-20%, wovon 50-60%
auf den ÖPNV wechselten. Auch
in den nicht-mautpflichtigen Au-
ßenbezirken wurden geringe Fahr-
leistungsrückgänge festgestellt.
In Stockholm wurde die Fortfüh-
rung im Jahr 2007 in einer Bürger-
abstimmung bestätigt.
Einrichtung von Mitfahrerparkplätzen
- Durch Bereitstellung von Mitfahrerparkplätzen im Umland wird die Bildung von Fahrgemeinschaften ge-
fördert und die Zahl der MIV-Fahrten aus dem Umland nach Münster reduziert.
- Der Regionalverkehr ist zu einem großen Anteil du rch Münsteraner mitverursacht. Mitfahrerparkplätze in
Münster erleichtern die Bildung von Fahrgemeinschaften für Fahrten ins Umland. Mitfahrerparkplätze im
Stadtgebiet Münster müssen in das gesamtstädtische Parkraummanagement integriert sein, um einer
Missnutzung durch andere Pkw-Fahrer vorzubeugen.
V18 mittlere Priorität (3)
Durch Bildung von Fahrgemein-
schaften können die Fahrleistun-
gen und damit verbundene Emis-
sionen im Berufsverkehr reduziert
werden.
Aufstellung von Beschaffungskriterien für umweltfreundliche Pkw-Flotten in der Stadtverwaltung und in
Unternehmen . Z.B.
- Zentrale Fahrzeugbeschaffung in der Stadtverwaltu ng mit einheitlichen anspruchsvollen Kriterien für den
Pkw-Kraftstoffverbrauch.
- Festlegung eines Zielwerts für die durchschnittlichen Flottenemissionen der gesamten Pkw -Flotte (z.B.
V19 geringe Priorität (2)
Dienstliche Pkw-Flotten haben
nur einen geringen Anteil an den
Verkehrsemissionen im Stadtge-
biet und damit geringe direkte
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 53 Klimaschutzkonzept Münster
100 g CO 2/km bis 2020).
- Nach Vorbild der Stadtverwaltung werden ähnliche Ziele gemeinsam mit Unternehmen in Münster für de-
ren Pkw-Flotten gesetzt.
Einsparpotenziale. Durch die Vor-
bildwirkung sind allerdings zu-
sätzliche Einsparungen bei ande-
ren Zielgruppen denkbar.
Umweltorientiertes Flottenmanagement in Unternehmen zur Steigerung der Energieeffizienz im Güterver-
kehr durch verkehrsangepasstes Fahrverhalten sowie optimierte Kfz-Ausstattung und –wartung. Themen u.a.
- Fahrerschulungen für Berufskraftfahrer
- Fahrzeugausstattung (Leichtlauföle, -reifen)
- Regelmäßige Reifendruckkontrolle oder Einsatz aut omatischer Reifendruckkontrollsysteme
V20 geringe Priorität (1)
Geringes Potenzial durch relativ
geringen Emissionsbeitrag des
Straßengüterverkehrs und bereits
fortgeschrittene technische Opti-
mierung der Fahrzeuge. Poten-
ziale liegen v.a. im Bereich Fahr-
verhalten und Fahrzeugwartung.
Einsatz von seriellen Hybridbussen im Stadtverkehr zur Verbesserung der Kraftstoffeffizienz sowie weiterer
Faktoren wie Lärmbelastung, Luftreinhaltung und Fahrkomfort.
V21 geringe Priorität (2)
Die direkten Einsparpotenziale
sind durch den geringen Emissi-
onsbeitrag der Busse sehr gering.
Demgegenüber stehen Synergien
mit Luftreinhaltung und Lärm-
schutz sowie eine höhere Beför-
derungsqualität und damit ver-
bundene Attraktivitätssteigerung
des ÖPNV-Angebots.
Durchführung von Spritsparkursen , in denen Pkw-Nutzer eine verkehrsangepasste, sparsame Fahrweise er-
lernen und zusätzliche Hinweise zur Verringerung des Kraftstoffverbrauchs (durch Fahrzeugausstattung und -
wartung (z.B. Reifen, Reifendruck) erhalten.
V22 geringe Priorität (2)
Geringe Potenziale: Für eine Ver-
ringerung der CO
2-Emissionen im
Pkw-Binnenverkehr im Jahr 2020
um 1% müssten 2010-2020 pro
Jahr ca. 500 Schulungen durch-
geführt werden (bei angenomme-
ner werktäglicher Fahrleistung im
Stadtgebiet von 20 km).
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 54 Klimaschutzkonzept Münster
Beratung zum Kauf sparsamer Pkw-Modelle zur Erschließung von damit verbundenen Kraftstoff-
Einsparpotenzialen
V23 geringe Priorität (1)
Geringe Potenziale: Wenn für
10% aller ab 2010 von Münstera-
nern neu gekauften Pkw eine
spezifische Verbrauchseinspa-
rung von 15% gegenüber dem
Durchschnitt erreicht wird, bringt
das eine Minderung der Treib-
hausgasemissionen des Pkw-
Binnenverkehrs im Jahr 2020 um
knapp 1%.
1 Priorität: 5 = sehr hoch, 1 = sehr niedrig (Hinweis: etwa 10 Maßnahmen mit der höchsten Priorität sollen innerhalb jedes Handlungsfeldes detaillierter in Form der
Maßnahmenblätter beschrieben werden, der Rest kann in einfacher Tabellenform bleiben.)
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 55 Klimaschutzkonzept Münster
3.7 Erste Schätzung: CO 2-Minderungspotenzial aller hier aufgeführten Maßnahmen
Eine erste überschlägige Schätzung ergibt, dass sic h mit den hier aufgeführten kommunalen Maßnahmen, je nach Intensität, Beteili-
gung und Erfolg, ohne weiteres Wachstum der Stadt j ährlich 90.000 bis 165.000 Tonnen CO 2 im Jahr 2020 gegenüber dem Jahr
2006 vermeiden lassen würden (vgl. die folgende Tabelle) 1.
Um das 40%-CO 2-Minderungsziel zu erreichen, müssten jedoch 840.00 0 Tonnen CO 2 reduziert werden. Die hier beschriebenen
Maßnahmen müssen also ergänzt und intensiviert werden, um den Ziel näher zu kommen. Hierzu werden im weiteren Verlauf der Ar-
beit am Konzept noch Vorschläge unterbreitet. Prinzipiell denkbare Maßnahmen sind z.B. ein Förderprogramm für sparsame Elektro-
geräte, weitere Aufstockung des Förderprogramms Ene rgieeinsparung und Altbausanierung, noch restriktiv ere Maßnahmen im Ver-
kehrssektor etc.
Es ist jedoch absehbar, dass die Stadt Münster das Ziel allein aufgrund eigener Aktivitäten nicht wird erreichen können. Dazu sind
auch weitergehende Unterstützungen auf Ebene von La ndes-, Bundesregierung sowie der EU nötig, die es j a auch schon teilweise
gibt.
Grundsätzlich ist z.B. im Verkehr mit zusätzlichen Emissionsminderungen durch im Bundestrend bis 2020 verringerte spezifische
Kraftstoffverbräuche der Fahrzeuge zu rechnen (etwa 54.000 Tonnen). Dies wird aber nur in der Bilanz zu sehen sein, wenn der Ver-
kehr gegenüber 2005 konstant bleibt, diese Effekte also nicht durch weiteres Wachstum „aufgefressen“ werden.
1 Zum Vergleich: Von 1990 bis zum Jahr 2006 verminde rten sich die jährlichen CO 2-Emissionen absolut um 150.000 Tonnen, bei gleichze itigem
Wachstum der Stadt. Das sind aber Effekte kommunale r Maßnahmen UND von bundesweiten Veränderungen und Vorgaben (Effizienz-
steigerungen bei Anlagen, Sanierungen, etc.)
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 56 Klimaschutzkonzept Münster
CO 2-Minderung in t jährlich
im Jahr 2020 gegenüber 2006
Potenzial min Potenzial max
A) Übergreifend 2.000 20.000
B) Bauen/Wohnen 38.000 56.000
C) GHD 41.000 41.000
D) Energieversorgung 38.300 75.500
E) Verkehr 0 20.300
Summe inkl. Korrekturfaktor Endenergie/Versorgung
(=0,75*(A+B+C+D)+E) 89.475 164.675
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 57 Klimaschutzko nzept Münster
Anhang
1. Anpassung bei der CO
2-Bilanzierung (Energie)
Entwicklungen und Unterschiede bei der Endenergiebilanzierung
1. Aufgrund des Unbundlings von Energieversorgungsu nternehmen, das mit der
Liberalisierung des Strommarktes erforderlich wurde , können einzelne Gesell-
schaften des Unternehmens nicht mehr auf alle im Un ternehmen vorliegenden
Daten zurückgreifen bzw. es werden in verschiedenen Abteilungen auf unter-
schiedliche Weise Daten erhoben 1. Selbst für leitungsgebundene Energieträger
kommt es deswegen zwischen 2005 und 2006 zu größere n Sprüngen. Bei-
spielsweise ist der Heizstromverbrauch zwischen den beiden Jahren um knapp
50% gesunken. Vermutlich wird dieser Verbrauch nun dem allgemeinen Strom-
verbrauch zugerechnet oder die Zahlen wurden zuletzt einfach nicht mehr aktu-
alisiert. Es ist daher für die zukünftige Bilanzierung ratsam, konsistent von einer
Gesellschaft alle Daten zu erhalten.
2. Die Witterungskorrektur wurde mit den von den St adtwerken genutzten Grad-
tagszahlen nach VDI 2067 genutzt. Bis 2005 wurden a lle Niedertemperatur-
verbräuche (mit Warmwasser) witterungsbereinigt. Da diese Unterteilung nach
Anwendungsarten ab 2006 nicht mehr vorliegt, werden für die verschiedenen
Sektoren und Energieträger in Studien ermittelte An teile der Raumwärme an-
genommen und diese witterungskorrigiert.
3. Die Datenquellen haben sich für einzelne Energie träger geändert. Beispielswei-
se wird für eine Abschätzung des Ölverbrauchs auf d ie Daten der Schornstein-
fegerstatistik zurückgegriffen. Im Wärmeatlas wurde diese Abschätzung noch
auf Grundlage der Kennwertmethode gemacht. Auch die vom Landesamt für
Statistik ermittelten Energieverbräuche des verarbeitenden Gewerbes beziehen
sich auf konkrete Angaben der Betriebe. In dieser S tatistik werden auch „Sons-
tige Energieträger“ und Erneuerbare Energien erfasst. Damit kann die Bilanzie-
rung für diesen Sektor sehr genau erfolgen.
4. Die Universität mit ihrem Kraftwerk verbraucht e inerseits Fernwärme aus dem
Netz der Stadtwerke, andererseits wird auch aus dem eigenen Kraftwerk Fern-
dampf und Fernwärme für das eigene Netz und Dritte erzeugt. Bei der Erhe-
bung für den Wärmeatlas 2005 wird davon ausgegangen , dass aufgrund von
fehlenden Informationen die im Universitätskraftwerk erzeugte Fernwärme bzw.
der erzeugte Ferndampf nicht vollständig berücksich tigt werden konnten und
stattdessen dem Erdgasverbrauch der Universität zug erechnet wurden. Dies
1 Die Gesellschaften Vertrieb und Durchleitung habe n unterschiedliche Datenbanken. Für
den Wärmatlas wurde auf verschiedene Datenbanken verschiedener Gesellschaften zu-
rückgegriffen.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 58 Klimaschutzko nzept Münster
würde die Differenzen bei Fernwärme und Erdgas zwis chen 2005 und 2006 er-
klären.
Unterschiede bei der CO 2-Bilanzierung
Vier wesentliche Punkte haben sich bei den Emission sfaktoren zwischen 2005 und
2006 geändert.
1. Bislang wurde mit Emissionsfaktoren ohne Vorkett e inkl. CO 2-Äquivalenten ge-
rechnet, wie dies vom damaligen Klimaschutz-Beirat empfohlen wurde. Für die
Bilanz 2006 werden nun die CO 2-Emissionsfaktoren inkl. Äquivalente und Vor-
ketten genutzt. Dies wird empfohlen, um einerseits alle energierelevanten
Treibhausgase einzubeziehen und gleichzeitig auch d ie Emissionen, die bei
Transport und Abbau entstehen, zu berücksichtigen. Die Berücksichtigung der
Vorketten entspricht auch der Bilanzsystematik des Klima Bündnisses.
2. Eine weitere Änderung betrifft die Berechnung de r CO 2-Emissionsfaktoren für
Strom. Ziel von CO 2-Bilanzen sollte es sein, lokale Klimaschutzbemühun gen
auf Effizienz- und Versorgungsseite gleichzeitig abzubilden. Für die vorliegende
Bilanz wurde deswegen der Emissionsfaktor Strom nac h dem Territorialprinzip
als Grundlage genommen (vgl. Anhang Methodik). Im U BA Klimaschutzbench-
mark für Kommunen wird aktuell zusätzlich empfohlen , daneben noch eine
CO 2-Bilanz mit einem bundesdeutschen Strommix darzustellen. Die Ergebnisse
der Berechnung mit diesem Mix finden sich im Anhang.
3. Eine weitere Änderung bei der vorliegenden Bilan z betrifft die Ermittlung des
Emissionsfaktors von Strom und Wärme aus Kraft-Wärm e-Koppplung. Für die
Ermittlung der Emissionsfaktoren der Koppelprodukte Strom und Wärme gibt es
verschiedene, aber noch keine einheitliche Berechnungsmethode. Bisher wurde
in Münster die Gutschriftenmethode angewandt. Hier wird anhand von Ver-
gleichsanlagen, in denen die gleiche Menge eines Koppelprodukts erzeugt wird,
entweder Strom oder Wärme Emissionen gutgeschrieben . Je nach Vergleichs-
anlage kann dies dazu führen, dass manchmal negativ e Emissionsfaktoren 2
auftreten. Für die Berechnung in kommunalen Bilanzen eignet sie sich deswegen
nur bedingt. In der neuen Bilanz wird nun nach der Exergiemethode gerechnet.
Sie spiegelt neben der Wirkungsgradmethode am korre ktesten die physikali-
sche Realität wider. Anhand des Exergiegehalts der Koppelprodukte werden
hier die Emissionsfaktoren zugeordnet (vgl. Anhang Methodik).
4. Zuletzt wurde der Emissionsfaktor für Nachtspeic heröfen angepasst. In der Bi-
lanz für 2006 wird für die Bilanzen nun ein einheit licher Stromfaktor für alle
Stromanwendungen für die Berechnung genommen. Eine Unterscheidung zwi-
schen dem bisher angewandten Mittellaststrommix und kommunalen Strommix
ist im Rahmen einer Bilanzierung bisher in keiner a nderen Kommune so be-
kannt und entspricht auch nicht der Vorgehensweise des Klima Bündnisses.
2 Vgl. die Berechnung für den Strommix 2007
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 59 Klimaschutzko nzept Münster
2. Anpassung der CO 2-Bilanzierung (Verkehr)
Für das aktuelle Basisjahr 2005 ist eine Territoria lbilanz des Verkehrs in Münster unter
Verwendung aktueller bundesdurchschnittlicher Emiss ionsfaktoren erstellt worden.
Notwendige Zusatzarbeiten zur Anpassung der Bilanzi erungsmethodik betrafen haupt-
sächlich die zusätzliche Differenzierung des Person enverkehrs im Stadtgebiet nach
den Verkehrsarten Binnen-, Regional- und Durchgangsverkehr sowie die Einbeziehung
und Differenzierung des Straßengüterverkehrs.
Aufteilung nach Verkehrsarten im Personenverkehr
Wesentliche Grundlage für die Aufteilung der Fahrleistungen im Personenverkehr nach
den Verkehrsarten Binnen-, Regional- und Durchgangsverkehr waren die bei der Stadt
verfügbaren Verkehrsinformationen aus der bisherigen Bilanzierung. Diese wurden an-
hand zusätzlicher Informationen für den Motorisiert en Individualverkehr angepasst und
auf das Verkehrsgerüst der Territorialbilanz übertragen. Die Verkehrsdaten zum öffent-
lichen Verkehr lagen bereits in der erforderlichen Differenzierung vor.
Fahrleistungen des Motorisierten Individualverkehrs MIV im Binnenverkehr wurden an-
hand der städtischen Angaben zur jährlichen Anzahl der Fahrten (als Fahrer) sowie der
mittleren Weglänge berechnet. Da der Binnenverkehr vollständig innerhalb des Stadt-
gebiets stattfindet, wurden seine Fahrleistungen vo llständig in die Territorialbilanz ein-
gerechnet.
MIV-Fahrleistungen im Regionalverkehr wurden ebenfa lls über die städtischen Anga-
ben zur jährlichen Fahrtenanzahl berechnet. Die Angaben zur Weglänge beziehen sich
allerdings auf die gesamte Weglänge inkl. Anteilen außerhalb des Stadtgebiets. Zur
Ermittlung des in die Territorialbilanz einzurechnenden Fahrleistungsanteils des Regio-
nalverkehrs im Stadtgebiet wurde deshalb vereinfach t eine mittlere Weglänge inner-
halb der Stadtgrenzen von 10 km anhand des durchsch nittlichen Stadtradius abge-
schätzt. Nach diesen Berechnungen hatten Binnen- und Regionalverkehr im Jahr 2005
zusammen eine Fahrleistung von 1.248 Mio. Fahrzeug- km. Das sind 73% der gesam-
ten Fahrleistungen des MIV im Stadtgebiet von 1.713 Mio. Fz-km. Die übrige MIV-
Fahrleistung von 465 Mio. Fz-km ist demnach als Durchgangsverkehr anzunehmen.
Zur Plausibilisierung der Gesamthöhe des Durchgangsverkehrs und zur Aufteilung nach
Straßenkategorien wurden ergänzend Verkehrszähldaten aus der bundesweiten Stra-
ßenverkehrszählung 2005 der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) für die Autobahn-
und Bundesstraßenabschnitte im Stadtgebiet Münster ausgewertet. Über die Höhe der
Verkehrsbelastung auf den einzelnen Straßenabschnitten vor und nach Ab- bzw. Zufahr-
ten erfolgte eine vereinfachte Abschätzung der Verk ehrsanteile mit Start oder Ziel in
Münster (Regionalverkehr), der übrige Verkehr wurde als Durchgangsverkehr gerechnet.
Der MIV-Durchgangsverkehr findet überwiegend auf de n Autobahnen statt, die durch
das Stadtgebiet verlaufen. Für die Autobahnabschnitte in Münster ergab sich eine Fahr-
leistung des MIV im Durchgangsverkehr von ca. 380 Mio. Fz-km, damit ca. 82% des ge-
samten Durchgangsverkehrs. Auf Nicht-Autobahnen würden demnach ca. 85 Mio. Fz-km
Durchgangsverkehr entfallen. Das entspricht auch der Größenordnung, die sich anhand
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 60 Klimaschutzko nzept Münster
der Informationen zum Verkehrsentwicklungsplan Müns ter 2025 (Kap. 9.3.1.2) zum
Durchgangsverkehr auf Nicht-Autobahnen ergibt.
An den gesamten Fahrleistungen des MIV im Stadtgebi et im Jahr 2005 hatte der Bin-
nenverkehr einen Anteil von 29%. Der Regionalverkehr war trotz alleiniger Berücksichti-
gung der Strecken im Stadtgebiet für 43% der Fahrleistungen verantwortlich. Dies ist ne-
ben der hohen Fahrtenanzahl v.a. durch die angenommene mittlere Fahrleistungslänge
von 10 km infolge des sehr ausgedehnten Stadtgebiets begründet. Der vorwiegend auf
den Autobahnen erfolgende Durchgangsverkehr hatte e inen Anteil von 27% an den
Fahrleistungen. Abb. 14 zeigt die Aufteilung der MI V-Fahrleistungen im Stadtgebiet
Münster im Jahr 2005 nach den Verkehrsarten.
Aufteilung nach Verkehrsarten im Straßengüterverkehr
Die Stadt Münster verfügt über keine eigenen Datene rhebungen des Straßengüterver-
kehrs. Entsprechend war die Aufteilung der Fahrleis tungen nach Binnen-, Regional-
und Durchgangsverkehr hier nicht in gleichem Maße m öglich wie für den MIV. Der An-
teil von Durchgangsverkehr auf Autobahnen mit Leich ten Nutzfahrzeugen und mit Lkw
wurde analog zum Vorgehen beim MIV über eine Auswer tung der Verkehrszähldaten
der Straßenverkehrszählung 2005 abgeleitet. Danach ergab sich für Leichte Nutzfahr-
zeuge ein Anteil des Durchgangsverkehrs auf Autobah nen von 90%, für Lkw >3,5t von
95%. Die restliche Autobahn-Fahrleistung wurde dem Regionalverkehr zugerechnet.
Für Nicht-Autobahnen sind keine ausreichenden Informationen verfügbar, die eine Auf-
teilung des Straßengüterverkehrs nach Verkehrsarten ermöglichen würden
3. Vereinfa-
chend wurde deshalb für Nicht-Autobahnen kein Lkw-D urchgangsverkehr angenom-
men. Binnen- und Regionalverkehr wurden gemeinsam dargestellt.
Insgesamt wurde der Straßengüterverkehr in Münster 2005 durch Lkw >3,5t mit einem
Fahrleistungsanteil von 71% dominiert, leichte Nutzfahrzeuge trugen 29% zur Fahrleis-
tung bei (vgl. Abb. 14, rechts). Der Anteil des Bin nen- und Regionalverkehrs war bei
Lkw >3,5t mit 30% relativ niedrig, während bei Leic hten Nutzfahrzeugen <3,5t mit 63%
der Großteil der Fahrleistungen auf den Binnen- und Regionalverkehr entfiel. Insgesamt
ergibt sich für die Fahrleistungen im Straßengüterverkehr 2005 ein Anteil im Binnen- und
Regionalverkehr von 40%.
3 Angaben im 1. Zwischenbericht zum Verkehrsentwick lungsplan Münster 2025 belegen für
Lkw >12t eine geringe Bedeutung des Durchgangsverke hrs auf Nicht-Autobahnen im
Stadtgebiet. Für Lkw kleinerer Größenklassen liegen keine Informationen vor.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 61 Klimaschutzko nzept Münster
Abb. 14: Fahrleistungen des Straßenverkehrs im Stad tgebiet Münster im Jahr 2005 in der
Differenzierung nach Verkehrsarten
1.713
0
200
400
600
800
1.000
1.200
1.400
1.600
1.800
2.000 Mio. Fz-km
Durchgangsverkehr
Regionalverkehr
Binnenverkehr
Fahrleistungsaufteilung 2005 im
Motorisierten Individualverkehr
29%
43%
28%
IFEU 2009
232
0
50
100
150
200
250
300
350
400 Mio. Fz-km
Lkw >3,5t Durchgang
Lkw >3,5t Binnen+Regio
LNF Durchgang
LNF Binnen+Regio
Leichte Nutzfahrzeuge (LNF)
29%
Lkw >3,5t
71%
Fahrleistungsaufteilung 2005
im Straßengüterverkehr
IFEU 2009
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 62 Klimaschutzko nzept Münster
3. Methodik der CO 2-Bilanzierung
Auf Bundesebene baut das Klima Bündnis mit dem Tool ECO2 gerade eine einheitliche
Bilanzierungssystematik für seine etwa 400 Mitgliedskommunen auf. Damit kann mittel-
fristig eine einheitliche CO 2-Bilanzierungssystematik flächendeckend etabliert w erden.
Das IFEU lehnt sich weitestgehend an die Bilanzieru ngsgrundlagen des Klima Bünd-
nisses an. Sofern die konkreten Verhältnisse in Münster es erfordern, wie zum Beispiel
bei der Allokation von Fernwärme, wird die Systematik durch eigene Ansätze des IFEU
ergänzt. Im Rahmen von kommunalen Bilanzen werden v om IFEU folgende Bilanzie-
rungsmethoden verwendet:
Territorialprinzip
Die Energie- und CO
2- Bilanzierung des IFEU für Kommunen in der Größenk lasse von
Münster basiert auf dem Territorialprinzip. Demnach werden beispielsweise alle im
Stadtgebiet Münster anfallenden Verbräuche auf Eben e der Endenergie (Energie, die
z.B. am Hauszähler gemessen und verrechnet wird) bi lanziert und den verschiedenen
Verbrauchssektoren zugeordnet. Graue Energie (die z .B. in Produkten steckt) und E-
nergie die außerhalb der Stadtgrenzen konsumiert wird (z.B. Hotelaufenthalt) wird nicht
bilanziert 4.
Auf Energieversorgungsseite werden ebenfalls alle Energieumwandlungen im Stadtge-
biet berücksichtigt und fließen in die Bilanz ein, sofern Sie dem Endenergieverbrauch
in Münster zugeordnet werden können.
Vorkette
Zur Berechnung der CO
2- Emissionen werden, neben den direkten Emissionen bei der
Umwandlung der Energie im Stadtgebiet Münster, auch die Emissionen der Vorkette
einberechnet. So sind auch die Emissionen für die F örderung, den Transport und die
Umwandlung außerhalb der Stadt Münster enthalten. Die einzelnen Faktoren stammen
aus dem GEMIS-Datensatz und Berechnungen des IFEU H eidelberg (UMBERTO- und
ECO-Invent-Daten).
Äquivalente Emissionen
Zusätzlich zur Prozesskette werden in der Regel vom IFEU auch die äquivalenten CO
2-
Emissionen von Lachgas (N 2O) und Methan (CH 4) einberechnet. Z.B. entstehen bei
der Förderung und dem Transport von Erdgas oder der Bioabfallvergärung und Kom-
postierung auch Methanverluste. Methan ist um ein V ielfaches klimaschädlicher als
CO 2.
4 Eine verursacherbasierte Bilanz einzelner Persone n in Münster kann aber z.B. über das
CO 2- Bürgertool des IFEU Heidelberg (siehe http://ifeu.klima-aktiv.de/ ) erfolgen.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 63 Klimaschutzko nzept Münster
Allokation von Koppelprodukten (Strom / Wärme)
Die gemeinsame Erzeugung 5 von Strom und Wärme (Kraftwärmekopplung = KWK)
schont die Ressourcen, da vergleichsweise wenig Ene rgie als Abwärme verloren geht.
Für die Aufteilung der Emissionsfrachten auf die Ko ppelprodukte Strom und Wärme
gibt es verschiedene Rechenansätze.
Die Gutschriftenmethode des GEMIS wird meist bei ei nem Systemvergleich herange-
zogen. Für die kommunale Bilanzierung ist diese nic ht geeignet, da sie zwar den Ge-
samteffekt eines KWK-Prozesses gut beschreibt, dem Endprodukt Wärme aber keinen
„realen“ CO
2- Emissionsfaktor zuordnet 6.
Für die Abbildung der tatsächlich auftretenden spez ifischen CO 2- Emissionen rechnet
das IFEU entweder mit dem Prinzip des Brennstoffmeh raufwandes, das auch von der
Kraftwerkswirtschaft verwendet wird, oder mit der A ufteilung der Emissionen entspre-
chend dem Exergie-Gehalt 7 der Koppelprodukte.
Beim Brennstoffmehraufwand wird berechnet, wie viel Brennstoff als Mehraufwand
eingesetzt werden müsste um die gleiche Stromproduk tion zu erreichen, die ohne eine
Wärmeauskopplung möglich wäre. Diese Betrachtungswe ise wird häufig bei großen
KWK-Prozessen (z.B. bei Kohleheizkraftwerken) angewandt.
Liegen keine detaillierten Daten von Kraftwerken vo r oder kann die Zuordnung nicht
über den Brennstoffmehraufwand erfolgen (z.B. bei B HKWs), wird die Allokation der
Emissionen über den Exergiefaktor der Koppelprodukt e berechnet. Werden z.B. in ei-
nem gasbetriebenen Block-Heiz-Kraftwerk mit 100 MWh (Wirkungsgrad 90%) 30 MWh
Strom und 60 MWh Wärme erzeugt, so werden dem Strom wesentlich mehr Emissio-
nen zugeteilt als der Wärme. Da Strom exergetisch h ochwertiger ist als Wärme, wer-
den ihm von den Emissionen der 100 MWh Erdgas etwa 75% zugeordnet. Etwa 25 %
der Emissionen der 100 MWh Erdgas werden der erzeugten Wärme zugeordnet.
5 Physikalisch korrekt handelt es sich immer um ein e Umwandlung der Energie.
6 Bei der Stromgutschrift werden zuerst die gesamte n Emissionen des KWK-Prozesses
vor Ort an Hand des Brennstoffbedarfs der Anlage un d den spezifischen CO 2-Faktoren
ermittelt. Dann werden die CO 2-Emissionen gut geschrieben, die durch die Stromer-
zeugung der KWK-Anlage auf Bundesebene verdrängt we rden. Die resultierenden E-
missionen werden dann der ausgekoppelten Wärme zuge ordnet. Je nach Brennstoff-
einsatz der KWK-Anlage kann der spezifische Fernwär mefaktor dadurch negativ wer-
den (z.B. bei Einsatz von Biomasse) oder extrem hoc h ausfallen (z.B. bei Einsatz von
Kohle).
7 Als Exergie bezeichnet den Anteil der Gesamtenerg ie eines Systems, der Arbeit ver-
richten kann. Die hochwertige Energie Strom hat den Exergiefaktor 1, d.h. theoretisch
kann 100% der Energie in Arbeit umgewandelt werden. Wärme von z.B. 90 bis 140
Grad Celsius hat den Exergiefaktor von etwa 0,2 bis 0,3, d.h. theoretisch können 20%
bis 30% der Energie in Arbeit umgewandelt werden.
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Lokaler Strommix oder Bundesmix
Das IFEU rechnet in seinen Bilanzen mit dem lokalen Strom- und Fernwärmemix.
Strom, der im Stadtgebiet durch erneuerbare Energie n und konventionelle Kraftwerke
erzeugt wird, wurde auch bei der Berechnung eines lokalen spezifischen Emissionsfak-
tors berücksichtigt. Zwei mögliche Fälle könnten dabei eintreten.
Im ersten Fall ist die Stromerzeugung geringer als der Stromverbrauch im Stadtgebiet.
Für die Berechnung des Emissionsfaktors fließt nun die gesamte lokale Stromerzeu-
gung in die Berechnung ein. Für den fehlenden Antei l am Stromverbrauch wird der
Bundesmix für Strom herangezogen. Dieser Fall liegt für die CO
2-Bilanz 2006 in Müns-
ter vor. Durch die Kraftwerksstruktur vor Ort wurde knapp ein Drittel des in Münster er-
zeugten Stroms auch in Münster erzeugt. Für etwa zw ei Drittel wurde bei der Emissi-
onsfaktorberechnung der Faktor für den Bundesmix herangezogen.
Im zweiten Fall liegt die Stromerzeugung im Stadtgebiet höher als der Stromverbrauch.
Strom würde mit dem Emissionsfaktor, der aus der ge samten Stromerzeugung resul-
tiert, nur anteilig am Verbrauch in Münster der Stadt angerechnet.
Mit diesem verbrauchsorientierten Territorialprinzi p wird versucht, kommunale Klima-
schutzbemühungen und -entscheidungen sowohl auf Ver brauchs- als auch auf Erzeu-
gungsseite in einer CO 2-Bilanz abzubilden.
Eine weitere Möglichkeit, die derzeit im Klimaschutzbenchmark-Projekt des UBA disku-
tiert wird, ist die Verwendung eines einheitlichen Bundesstrommixes für kommunale Bi-
lanzen. Zum einen ist damit eine verbesserte Vergle ichbarkeit zwischen den Kommu-
nen gegeben zum anderen können kommunale Erfolge au f der Effizienzseite über
mehrere Jahre in der Bilanz besser dargestellt werd en. Im weiteren Anhang findet sich
deswegen auch eine Bilanz, die mit dem Bundesmix Strom berechnet wurde.
Witterungskorrektur
Der Energieverbrauch für die Raumheizung ist stark von der Witterung, insbesondere
von den Lufttemperaturen, abhängig. In einem kalten Winter kann der Heizenergie-
verbrauch deshalb im Vergleich zu einem milden Wint er im Jahr zuvor deutlich anstei-
gen, ohne dass Nutzungsänderungen oder Anlagenfehle r vorliegen. Um die Verläufe
und Entwicklungen des Energieverbrauchs einschätzen und aufschlussreich interpre-
tieren zu können, müssen die Heizenergieverbräuche daher stets witterungsbereinigt
werden. Das bedeutet, dass die Witterungsbedingunge n eines betrachteten Jahres in
einen langjährigen, gemittelten Kontext gestellt werden.
Daher wurden auch in dieser Bilanzierung alle Energ ieverbräuche bzw. Energieträger,
die zum Zwecke der Raumwärmetemperierung eingesetzt werden, mit den Gradtags-
zahlen (15/20) und dem langjährigen Mittel witterun gskorrigiert. Die Gradtagszahl für
das Jahr 2006 ist 3.190 Gradtage (Quelle Stadtwerke ). Aufgrund des langjährigen Mit-
tels von 3.781 Gradtagen ergibt sich für Münster ein Korrekturfaktor von 1,19. Das Jahr
2006 war demnach ein wärmeres Jahr als die Jahre im langjährigen Mittel. Die absolu-
ten Heizenergieverbräuche in den einzelnen Sektoren wurden um den Faktor 1,19
nach oben korrigiert.
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4. CO 2-Bilanz mit Bundesmix
Abb. 15: CO 2-Bilanz Münster mit dem Bundesmix für Strom 2006
CO 2-Emissionen nach Verbrauchssektoren in
Münster 2006 (Bundesmix)
0
100.000
200.000
300.000
400.000
500.000
600.000
700.000
800.000
900.000
Private Haushalte Gewerbe+Sonstiges Industrie Verkehr
Strom
Kraftstoffmix
Verkehr
Sonstiges
Kohle
Heizöl
Fernwärme
Erdgas
IFEU 2009
Tonnen CO 2
witterungskorrigiert, mit Äquvivalenten
Gesamt: 2,331 Tonnen 33%
9%
35%
23%
Erfolge von Endenergieeffizienzmaßnahmen im Klimasc hutz können in CO 2-Bilanzen
häufig durch größere Veränderungen im Versorgungsbe reich verfälscht bzw. gar nicht
dargestellt werden. Besonders in Kommunen mit von B undeswerten besonders abwei-
chenden Bedingungen im Versorgungsbereich, beispiel sweise mit einem Braunkohle-
kraftwerk oder einem großen Windpark vor Ort, kommt es auf des ersten Blick zu un-
üblichen Werten für kommunale CO 2-Bilanzen. Im UBA-Klimaschutzbenchmark wird
deswegen vorgeschlagen, neben dem Territorialmix au ch eine Bilanz darzustellen, die
auf dem Strom Bundesmix basiert. Der Bundesmix lag nach IFEU-Berechnungen 8 im
Jahr 2006 mit Vorketten und Äquivalenten bei 626 g CO 2/kWh Strom. Gegenüber
Münster, für das ein Strommix von 608 g CO 2/kWh ermittelt wurde, liegt der Bundesmix
für das Jahr 2006 also leicht höher. Dementsprechend liegen die Emissionen für Müns-
ter bei dieser Berechnungssystematik in Abb. 15 auc h leicht um 0,026 Mio. Tonnen
höher. Sektoren, wie der GHD-Sektor haben durch hoh en Strombedarf in dieser Dar-
stellung auch einen erhöhten Anteil an den Gesamtemissionen.
8 In bisher präsentierten Bilanzen wurde der LCA-Fa ktor (Life Cycle Assessment) von
ECO2 für den Bundesmmix Strom genutzt. Da die Berec hnungssystematik dieses Fak-
tors nicht bekannt ist und der Wert anhand vorliege nder Informationen des IFEUs zu
niedrig erscheint, wird der Strommix Deutschland an genommen, der mit UMBERTO
großteils anhand von Daten der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen errechnet wurde.
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5. Vorgehen bei der Ermittlung der Einsparpotenziale
Um zu prüfen, ob für dieses Ziel auch die Einsparpo tenziale in Münster vorhanden
sind, wurden die CO 2-Minderungspotenziale auf Basis der Endenergie in d en Berei-
chen Energieeffizienz, Energieversorgung und Verkehr berechnet. Der Berechnung der
verschiedenen Potenziale liegen unterschiedliche An nahmen bei der Berechnung zu
Grunde. Folgendes ist bei der Betrachtung der Einsparpotenziale zu beachten.
- Die Effizienzpotenziale orientieren sich an Maßnahm en, die von den Verbrau-
chern durchgeführt werden. Die bei der Potenzialber echnung berücksichtigen
Potenziale sind für die Verbraucher bereits heute e inerseits technisch durch-
führbar, andererseits sind sie unter Beachtung der energetischen Mehrkosten,
einer Umsetzung innerhalb der regulären Sanierungs- und Erneuerungszyklen
und im Rahmen eines moderaten Energiepreisanstiegs 9 wirtschaftlich loh-
nenswert. Bei der Potenzialberechnung wurde nur ber ücksichtigt, was inner-
halb der nächsten 14 Jahre auch wirtschaftlich zu e rneuern oder zu sanieren
ist. Geht man beispielsweise bei der Außenwanddämmu ng von einem Sanie-
rungszyklus von 40 Jahren aus, dann werden im betra chteten Zeitraum nicht
einmal die Hälfte der bestehenden Gesamtpotenziale ausgeschöpft werden.
Bei Heizungstechnik wiederum, bei der ein Sanierung szyklus von 15 Jahren
angenommen wird, könnten im gleichen Zeitraum nahezu 100% der Potenziale
ausgeschöpft werden.
Die dargestellten Potenziale gehen davon aus, dass im Sanierungsfall oder bei
einem Geräteneukauf die technisch-wirtschaftlich be ste Lösung genommen
wird. Trotz der Vorteile für den Verbraucher ist je doch nicht garantiert, diese
Vorteile auch mit einer rationalen Entscheidungen g enutzt werden. U.a. Infor-
mationsdefizite und Umsetzungsprobleme erfordern es , dass auf den verschie-
densten Ebenen Rahmenbedingungen für die Akteure geschaffen werden, dass
die Potenziale genutzt und die Hemmnisse abgebaut werden.
- Die betrachteten Potenziale auf Versorgungsseite kö nnen, im Gegensatz zu
den Effizienzpotenzialen, mit konkreten Maßnahmen f ür verschiedenen Tech-
nologien und Energieträgerwechseln verbunden werden . Unter Berücksichti-
gung der Gegebenheiten in Münster, der technischen Machbarkeit und Wirt-
schaftlichkeitsaspekten wurden dazu konkrete Möglichkeiten in diesem Bereich
für die nächsten 14 Jahre und ihr dazugehöriges CO 2-Einsparpotenzial be-
rechnet.
- Beim Sektor Verkehr werden, ähnlich bei der Berechn ung der Versorgungspo-
tenziale, anhand konkreter vorgeschlagener Maßnahme n die Einspareffekte
berechnet. Die Maßnahmen sind auf den ersten Blick, gerade für die Stadt,
wirtschaftlich nicht unbedingt lohnenswert. Bei ein er Kosten-Nutzen Betrach-
tung ist es jedoch zu empfehlen, weitere, oft posit ive Nebeneffekte zu berück-
9 Im Strombereich je nach Sektor z.B. zwischen 15 u nd 25 Cent / kWh, im Wärmebereich
etwa 8 bis 12 Cent /kWh.
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sichtigen 10 . Maßnahmen im Bereich Verkehr sind deswegen oft Er gebnis einer
Diskussion verschiedenster Akteure vor Ort und könn en nicht anhand ver-
schiedener Techniken pauschal berechnet werden. Zud em finden sich bei den
CO 2-Einsparungen noch Effekte aufgrund von Maßnahmen a uf Bundes- Lan-
des- und EU-Ebene, die gesondert dargestellt werden sollten.
- Die dargestellten Potenziale im Energiebereich in ( Energieeffizienz und Ener-
gieversorgung) sind nicht 1:1 aufaddierbar. Sowohl Potenziale im Bereich
Strom- und Wärmeeffizienz als auch bei der Energiev ersorgung wurden für die
Zusammenfassung auf Grundlage der Endenergiepotenziale gegen den spezi-
fischen Strom- und Wärmemix für Münster im Jahr 200 6 gerechnet. Mit einer
Änderung der Energieversorgungsstruktur werden sich diese Faktoren jedoch
ändern. Es ist also davon auszugehen, dass die abso luten Gesamtpotenziale
unter den Werten einer Aufaddierung der beiden Potenziale liegen werden 11 .
10 Beispiel Lärmschutz oder Feinstaub
11 Eine Verknüpfung der Effizienz- und Versorgungspo tenziale wären wiederum CO 2-
Einsparszenarien, die in diesem Konzept nicht berechnet wurden.
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6. Einsparpotenziale (Effizienz) für verschiedene Anwendungen
und Sektoren
Abb. 16: Strom- und Wärmeeffizienzpotenziale Priva te Haushalte in Münster bezogen auf
2006
Emissionsminderungspotenziale in Münster für den Se ktor
private Haushalte für Strom- und Wärmeanwendungen ( 2020)
0 10.000 20.000 30.000 40.000 50.000 60.000 70.000 80.000
Warmwasser
Raumwärme
Heizung (Effizienz)
Warmwasser
Prozesswärme
Kraft
Kälte
Beleuchtung
IuK
Tonnen CO2/Jahr IFEU/Gertec 2009
Strom
Wärme
Abb. 17: Effizienzpotenziale im Bereich Strom und Wärme des Sektors Gewerbe in Münster
bezogen auf 2006
Emissionsminderungspotenziale in Münster für den Se ktor GHD
für Strom- und Wärmeanwendungen (2020)
0 10.000 20.000 30.000 40.000 50.000 60.000 70.000
Prozesswärme
Raumwärme und Warmwasser
Prozesswärme
Kraft
Kälte
Beleuchtung
Tonnen CO2/Jahr IFEU/Gertec 2009
Strom
Wärme
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Vorlagen-Nr.
- V/0579/2009
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 10.09.2009
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37