1009/2021
Bürgereingabe nach § 24 GO – „Kostenlose Stadtbibliothek Köln“
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Beschlussvorlage Ausschuss
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Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle VII/VII Vorlagen-Nummer 1009/2021 Freigabedatum 29.04.2021 Beschlussvorlage zur Behandlung in öffentlicher Sitzung Betreff Bürgereingabe nach § 24 GO – „Kostenlose Stadtbibliothek Köln„ Beschlussorgan Gremium Datum Beschluss: Der Ausschuss für Anregungen und Beschwerden bedankt sich für die Eingabe. Er befürwortet die detaillierte Prüfung des Vorschlags einer kostenlosen Medienausleihe in der Kölner Stadtbibliothek durch die Verwaltung. Ausschuss für Bürgerbeteiligung, Anregungen und Beschwerden 21.06.2021 2 Haushaltsmäßige Auswirkungen Nein Ja, investiv Investitionsauszahlungen € Zuwendungen/Zuschüsse Nein Ja % Ja, ergebniswirksam Aufwendungen für die Maßnahme € Zuwendungen/Zuschüsse Nein Ja % Jährliche Folgeaufwendungen (ergebniswirksam): ab Haushaltsjahr: a) Personalaufwendungen € b) Sachaufwendungen etc. € c) bilanzielle Abschreibungen € Jährliche Folgeerträge (ergebniswirksam): ab Haushaltsjahr: a) Erträge € b) Erträge aus der Auflösung Sonderposten € Einsparungen: ab Haushaltsjahr: a) Personalaufwendungen € b) Sachaufwendungen etc. € Beginn, Dauer Auswirkungen auf den Klimaschutz Nein Ja, positiv (Erläuterung siehe Begründung) Ja, negativ (Erläuterung siehe Begründung) Der Petent regt an, die Nutzungsgebühren für die Stadtbibliothek abzuschaffen und eine kostenlose Nutzung zu ermöglichen. Stellungnahme der Verwaltung: Der Petent hat die Situation in Bibliotheken und insbesondere in der Stadtbibliothek Köln aufwendig recherchiert und richtig dargestellt. Die vorgebrachten Argumente können aus Sicht der Verwaltung bestätigt werden. Insgesamt wäre eine kostenlose Medienausleihe in der Stadtbibliothek grundsätz- lich wünschenswert. Es wäre eine Investition in das niedrigschwellige Bildungsangebot der am meis- ten besuchten Kultur- und Bildungseinrichtung Kölns. Im Sinne des demokratischen Ansatzes und auch vor dem Hintergrund der Diskussion über den kostenlosen Zugang zu den Museen steht die Kulturverwaltung einer kostenlosen Mediennutzung prinzipiell positiv gegenüber. Bisher ist eine Mit- gliedschaft lediglich für Minderjährige kostenfrei; für erwachsene Schüler*innen, Studierende, Auszu- bildende, Wehrdienstleistende und Freiwillige im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) oder eines Bundesfreiwilligendienstes (BFD) sowie Köln-Pass-Inhaber*innen gibt es Ermäßigungen. Kritisch wird jedoch die Finanzierungsmöglichkeit gesehen. Die Mitgliedsbeiträge sind in der gültigen Fassung der Benutzungs- und Entgeltordnung für die Stadtbibliothek Köln zuletzt am 12.12.2019 vom Rat beschlossen worden. Mithilfe dieser Einnahmen wurden in 2019 1,2 Mio € Erträge erzielt und damit rund 7 % der jährlichen Kosten für den Betrieb und die aktuellen Angebote der Stadtbibliothek Köln eingenommen. Dieser Betrag würde also für die Finanzierung einer kostenlosen Bibliothek im 3 Haushalt eine entsprechende Mindereinnahme bedeuten, was sich angesichts der Haushaltslage derzeit sehr problematisch darstellt. Auch sollte es zu keiner Einschränkung des Medienetats / Medienangebotes sowie der übrigen Pro- gramm- und Serviceangebote zur Gegenfinanzierung kommen. Die Verwaltung nimmt es sich zur Aufgabe, Möglichkeiten einer gestaffelten bis hin zu einer umfas- senden kostenlosen Medienausleihe zu prüfen. Hierzu wird auch ein Vergleich mit anderen kommu- nalen Trägerschaften vorgenommen, der sowohl Kosten als auch Angebot gegenüber stellt. Anlage: Bürgereingabe für eine kostenlose Stadtbibliothek Köln
Bürgerpetition für eine kostenlose Stadtbibliothek Köln
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10. Januar 2021 Bürgerpetition für eine kostenlose Stadtbibliothek in Köln Lesende Staatsbürger sind nicht die gehorsamsten. Heinrich Böll, 1979 Liebe Unterstützerinnen und Unterstützer, Nun hoffe ich auf Ihre Unterstützung. Ich möchte als mündiger Bürger der Stadt Köln eine Bürgerpetition ins Leben rufen, auf deren Grundlage die Stadt Köln eine kostenlose Stadtbibliothek einrichtet. Mit rund 2,4 Millionen Besucherinnen und Besuchern im Jahr ist die Stadtbibliothek Kölns publikumsstärkste Kultureinrichtung und dient der Bildung, Information, Kommunikation und Freizeitgestaltung aller Kölnerinnen und Kölner. Die Zentralbibliothek, der Bücherbus, 11 Stadtteilbibliotheken und die minibibs bieten eine hochwertige und aktuelle Medienvielfalt, eine moderne Technikausstattung, ein vielfältiges Veranstaltungsprogramm und attraktive Räumlichkeiten, die zum Verweilen einladen. Schwerpunkte der Stadtbibliothek liegen in den Bereichen der Sprach- und Leseförderung, interkultureller Bibliotheksarbeit, Alphabetisierung sowie der Förderung von Medien- und Informationskompetenz Zusammen mit einem umfassenden Digitalangebot schafft die Stadtbibliothek für alle Altersgruppen ein hervorragendes Entwicklungs- und Bildungsangebot zur Teilhabe am gesellschaftlichen und beruflichen Leben. Im Buch 'Palaces for the People‘ des amerikanischen Soziologen Eric Klinenberg wird dargelegt, dass Bibliotheken nicht nur Bildungs- und Kultureinrichtungen sind, sondern auch ein wichtiger Teil der sozialen Infrastruktur einer Stadt. Im digitalen Zeitalter gewinnen physische Orte, an denen Dinge angefasst werden können, wo man Menschen begegnet und mit ihnen ins Gespräch kommt, zunehmend an Attraktivität. Heutzutage ist viel vom "Dritten Ort" die Rede - ein Ort neben der Wohnung und der Arbeitsstelle. Ein solcher Ort ist die Stadtbibliothek Köln. Mit ihrem breiten Spektrum für unterschiedlichste Alters- und Interessengruppen ist sie wirklich ein Ort der gesellschaftlichen Teilhabe. Abgesehen von den öffentlichen Bibliotheken gibt es nicht viele ‚Dritte Orte‘ in einer Stadt, die für alle offen sind und an denen man nichts konsumieren muss. Viele Menschen besuchen die öffentlichen Bibliotheken jeden Tag - manche für ein bisschen menschlichen Kontakt, den sie anderswo nicht mehr bekommen, manche, weil sie sich keinen Internetanschluss leisten können und wiederum andere einfach um den Raum zu genießen, weil ihre Wohnungen zu klein sind. Sie nutzen die Chance, die Tageszeitung zu lesen oder durch spannende Bücher zu stöbern. Vor Ort können nicht nur Bücher gelesen, sondern auch z.B. Vinyl-Schallplatten, Filmstreifen, Musik- und Videokassetten digitalisiert oder Nähmaschinen, VR-Stationen oder 3D-Drucker genutzt werden. Zu den entleihbaren Medien zählen z.B. Computerspiele, Filme, Musikinstrumente, Rad- und Wanderkarten oder VR-Brillen. Aber auch E-Medien, Datenbanken, Sprachlernprogramme sowie Streamingdienste für Film und Musik sind Teil des Portfolios - alles im Bibliotheksausweis inklusive! Leider ist dieser Ausweis nur für zahlende Kundinnen verfügbar. Und die ist ziemlich teuer: Eine Mitgliedschaft der Stadtbibliothek Köln kostet jährlich 38 €. Hiermit ist der Kölner Stadtbibliotheksausweis einer der teuersten in ganz Deutschland, nur Hamburg ist mit 45 €/Jahr noch teurer. Im Vergleich kostet eine Mitgliedschaft in Düsseldorf oder München nur etwa die Hälfte, in Berlin sogar nur 10 €. Wo also bleiben die Menschen, die sich die verhältnismäßig teure Mitgliedschaft nur schwer leisten können? Lesen ist nicht nur ein Vergnügen, sondern für viele eine Notwendigkeit. Lesen ist menschliches ein Grundbedürfnis und es ist die Pflicht des Staates, dieses seinen BürgerInnen zu ermöglichen. Die Nutzung der Bibliothek vor Ort ist bereits kostenlos - hier kann in den Tagesnachrichten geschmökert werden und Arbeitssuchende können Stellenanzeigen können, um wieder in ihren Beruf einzusteigen. Warum also nicht auch die Mitgliedschaft kostenlos machen? Manche würden argumentieren, es reiche aus, dass alle Bestände der Stadtbibliothek vor Ort kostenlos (d. h. ohne Mitgliedsausweis) genutzt werden können. Das ist zwar wirklich toll, aber was ist, wenn man die Medien ausleihen will, um sie in Ruhe zu Hause zu nutzen? Vor allem die digitalen Bestände, wie etwa E-Books, Streaming, Datenbankzugänge, digitale Tageszeitungen, E-Learning-Kurse oder Online-Sprachkurse sind nur mit einem kostenpflichtigen Bibliotheksausweis verfügbar. Die Rolle der Bibliotheken hat sich durch die Digitalisierung stark verändert, dennoch ist ihre Grundaufgabe nach wie vor dieselbe geblieben: die zeitgemäße Vermittlung von Bildung und Wissen. Der gleichberechtigte Zugang zu Wissen hat sich weiterentwickelt und der Umgang mit neuen Technologien ist damit zu einem Schlüssel der gesellschaftlichen Teilhabe geworden. Solange die Mitgliedschaft der Stadtbibliothek kostenpflichtig ist, sind viele von dieser Teilhabe ausgeschlossen. Während meiner Zeit in Großbritannien habe ich die Vorteile der kostenlosen Bibliotheken für alle kennen und schätzen gelernt. Jede/r kann kostenlos Mitglied werden und so nicht nur gratis Bücher, Zeitschriften, DVDs etc. ausleihen, sondern auch eine neue Sprache lernen, die Tageszeitungen vor Ort lesen oder sich sogar zu seinem Lebenslauf beraten lassen. Auch in Salzburg, Frankreich oder in den USA wird die Mitgliedschaft der Stadtbibliothek zu 100 % aus Steuergeldern finanziert. Bibliotheksgebühren schrecken diejenigen ab, die das Wissen, das Bibliotheken bereithalten, am dringendsten benötigen. In der New York Public Library, die größte öffentliche Stadtbibliothek der Welt, ist die Mitgliedschaft deshalb für alle Bürgerinnen und Bürgern kostenlos, egal ob sie aus Manhattan kommen oder aus der Bronx. Wenn Fake News die Menschen hinters Licht führen, kommt Bibliotheken eine bedeutende Aufgabe zu. Das rasche Aufgreifen aktueller und drängender gesellschaftlicher Aufgaben, wie Medienkompetenz, gehören ebenso zu den Grundaufgaben einer zutiefst demokratischen Einrichtung wie einer Bibliothek wie BürgerInnen zu helfen, ihre kritischen Fähigkeiten zu entwickeln, anderen zu begegnen und am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Mit Programmen wie "Wir sprechen viele Sprachen", niederschwelligen Angeboten wie den "minibibs" oder den "Alphabetisierungsstudios", mit Angeboten für ältere Menschen, die der Einsamkeit vorbeugen, oder dem "sprachraum", wo sich Einheimische und Zugewanderte begegnen können, trägt die Stadtbibliothek Köln ihren Teil hierzu bei. Studien wie die von Lilo Locher (2005, Springer) haben gezeigt, dass selbst eine geringe Gebühr die Nutzerinnenzahl der öffentlichen Bibliotheken deutlich verringert. Die geringen Mehreinnahmen, die durch die Mitgliedsbeiträge erzielt werden, werden durch den Rückgang der Nutzung dieser öffentlichen Ressource überschattet. Bibliotheken bieten ihren Mitgliedern einen unbegrenzten Zugang zu Lese- und Informationsressourcen, die einen Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg im Leben ausmachen. Unterstützt durch einen relativ geringen Beitrag aus öffentlichen Steuermitteln, bieten Bibliotheken eine hohe Rendite. Mit einer kleinen, festen Investition von Steuergeldern kommt eine kostenlose Bibliothek der gesamten Gesellschaft zugute. Laut des Kölner Stadtanzeigers vom 2. Januar 2021 überlegt die Stadt, allen Kölner Bürgerinnen einen kostenlosen Eintritt in den Städtischen Museen anzubieten, um der Gesellschaft einen Zugang zur Kultur zu ermöglichen. Mit einer kostenlosen Bibliotheks-Mitgliedschaft für alle Kölnerinnen und Kölner kann die Stadt Köln ein klares Zeichen für Kölns publikumsstärkste Kultureinrichtung setzen. Die ungehorsamen Bürgerinnen und Bürgern werden es ihr danken.
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: geändert beschlossen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 1009/2021
- Typ
- Beschlussvorlage Ausschuss
- Datum
- 29.04.2021
- Erstellt
- 15.03.2021 11:42