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1009/2021

Bürgereingabe nach § 24 GO – „Kostenlose Stadtbibliothek Köln“

Beschlussvorlage Ausschuss 29.04.2021

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Nächste Beratung: Ausschuss für Bürgerbeteiligung, Anregungen und Beschwerden, Sitzung am 21.06.2021, TOP 1.1

Beschlussvorlage Ausschuss

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Bürgerpetition für eine kostenlose Stadtbibliothek Köln

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Bürgerpetition für eine kostenlose Stadtbibliothek Köln

7721 Zeichen

10. Januar 2021

Bürgerpetition für eine kostenlose Stadtbibliothek in Köln

Lesende Staatsbürger sind nicht die gehorsamsten.
Heinrich Böll, 1979

Liebe Unterstützerinnen und Unterstützer,

Nun hoffe ich auf Ihre Unterstützung. Ich möchte als mündiger Bürger der Stadt Köln eine
Bürgerpetition ins Leben rufen, auf deren Grundlage die Stadt Köln eine kostenlose
Stadtbibliothek einrichtet.

Mit rund 2,4 Millionen Besucherinnen und Besuchern im Jahr ist die Stadtbibliothek Kölns
publikumsstärkste Kultureinrichtung und dient der Bildung, Information, Kommunikation
und Freizeitgestaltung aller Kölnerinnen und Kölner. Die Zentralbibliothek, der Bücherbus, 11
Stadtteilbibliotheken und die minibibs bieten eine hochwertige und aktuelle Medienvielfalt,
eine moderne Technikausstattung, ein vielfältiges Veranstaltungsprogramm und attraktive
Räumlichkeiten, die zum Verweilen einladen. Schwerpunkte der Stadtbibliothek liegen in den
Bereichen der Sprach- und Leseförderung, interkultureller Bibliotheksarbeit, Alphabetisierung
sowie der Förderung von Medien- und Informationskompetenz Zusammen mit einem
umfassenden Digitalangebot schafft die Stadtbibliothek für alle Altersgruppen ein
hervorragendes Entwicklungs- und Bildungsangebot zur Teilhabe am gesellschaftlichen
und beruflichen Leben. Im Buch 'Palaces for the People‘ des amerikanischen Soziologen Eric
Klinenberg wird dargelegt, dass Bibliotheken nicht nur Bildungs- und Kultureinrichtungen sind,
sondern auch ein wichtiger Teil der sozialen Infrastruktur einer Stadt.

Im digitalen Zeitalter gewinnen physische Orte, an denen Dinge angefasst werden können, wo man
Menschen begegnet und mit ihnen ins Gespräch kommt, zunehmend an Attraktivität. Heutzutage ist
viel vom "Dritten Ort" die Rede - ein Ort neben der Wohnung und der Arbeitsstelle. Ein solcher
Ort ist die Stadtbibliothek Köln. Mit ihrem breiten Spektrum für unterschiedlichste Alters- und
Interessengruppen ist sie wirklich ein Ort der gesellschaftlichen Teilhabe.

Abgesehen von den öffentlichen Bibliotheken gibt es nicht viele ‚Dritte Orte‘ in einer
Stadt, die für alle offen sind und an denen man nichts konsumieren muss. Viele Menschen

besuchen die öffentlichen Bibliotheken jeden Tag - manche für ein bisschen menschlichen
Kontakt, den sie anderswo nicht mehr bekommen, manche, weil sie sich keinen
Internetanschluss leisten können und wiederum andere einfach um den Raum zu genießen,
weil ihre Wohnungen zu klein sind. Sie nutzen die Chance, die Tageszeitung zu lesen oder
durch spannende Bücher zu stöbern. Vor Ort können nicht nur Bücher gelesen, sondern auch
z.B. Vinyl-Schallplatten, Filmstreifen, Musik- und Videokassetten digitalisiert oder
Nähmaschinen, VR-Stationen oder 3D-Drucker genutzt werden. Zu den entleihbaren Medien
zählen z.B. Computerspiele, Filme, Musikinstrumente, Rad- und Wanderkarten oder VR-Brillen.
Aber auch E-Medien, Datenbanken, Sprachlernprogramme sowie Streamingdienste für Film
und Musik sind Teil des Portfolios - alles im Bibliotheksausweis inklusive!

Leider ist dieser Ausweis nur für zahlende Kundinnen verfügbar. Und die ist ziemlich teuer:
Eine Mitgliedschaft der Stadtbibliothek Köln kostet jährlich 38 €. Hiermit ist der Kölner
Stadtbibliotheksausweis einer der teuersten in ganz Deutschland, nur Hamburg ist mit 45
€/Jahr noch teurer. Im Vergleich kostet eine Mitgliedschaft in Düsseldorf oder München nur
etwa die Hälfte, in Berlin sogar nur 10 €.

Wo also bleiben die Menschen, die sich die verhältnismäßig teure Mitgliedschaft nur schwer
leisten können? Lesen ist nicht nur ein Vergnügen, sondern für viele eine Notwendigkeit. Lesen
ist menschliches ein Grundbedürfnis und es ist die Pflicht des Staates, dieses seinen
BürgerInnen zu ermöglichen. Die Nutzung der Bibliothek vor Ort ist bereits kostenlos - hier
kann in den Tagesnachrichten geschmökert werden und Arbeitssuchende können
Stellenanzeigen können, um wieder in ihren Beruf einzusteigen. Warum also nicht auch die
Mitgliedschaft kostenlos machen?

Manche würden argumentieren, es reiche aus, dass alle Bestände der Stadtbibliothek vor Ort
kostenlos (d. h. ohne Mitgliedsausweis) genutzt werden können. Das ist zwar wirklich toll, aber
was ist, wenn man die Medien ausleihen will, um sie in Ruhe zu Hause zu nutzen? Vor allem
die digitalen Bestände, wie etwa E-Books, Streaming, Datenbankzugänge, digitale
Tageszeitungen, E-Learning-Kurse oder Online-Sprachkurse sind nur mit einem
kostenpflichtigen Bibliotheksausweis verfügbar. Die Rolle der Bibliotheken hat sich durch
die Digitalisierung stark verändert, dennoch ist ihre Grundaufgabe nach wie vor dieselbe
geblieben: die zeitgemäße Vermittlung von Bildung und Wissen. Der gleichberechtigte
Zugang zu Wissen hat sich weiterentwickelt und der Umgang mit neuen Technologien ist
damit zu einem Schlüssel der gesellschaftlichen Teilhabe geworden. Solange die
Mitgliedschaft der Stadtbibliothek kostenpflichtig ist, sind viele von dieser Teilhabe
ausgeschlossen.

Während meiner Zeit in Großbritannien habe ich die Vorteile der kostenlosen
Bibliotheken für alle kennen und schätzen gelernt. Jede/r kann kostenlos Mitglied werden

und so nicht nur gratis Bücher, Zeitschriften, DVDs etc. ausleihen, sondern auch eine neue
Sprache lernen, die Tageszeitungen vor Ort lesen oder sich sogar zu seinem Lebenslauf
beraten lassen. Auch in Salzburg, Frankreich oder in den USA wird die Mitgliedschaft der
Stadtbibliothek zu 100 % aus Steuergeldern finanziert. Bibliotheksgebühren schrecken
diejenigen ab, die das Wissen, das Bibliotheken bereithalten, am dringendsten benötigen. In
der New York Public Library, die größte öffentliche Stadtbibliothek der Welt, ist die
Mitgliedschaft deshalb für alle Bürgerinnen und Bürgern kostenlos, egal ob sie aus
Manhattan kommen oder aus der Bronx.

Wenn Fake News die Menschen hinters Licht führen, kommt Bibliotheken eine bedeutende
Aufgabe zu. Das rasche Aufgreifen aktueller und drängender gesellschaftlicher Aufgaben, wie
Medienkompetenz, gehören ebenso zu den Grundaufgaben einer zutiefst demokratischen
Einrichtung wie einer Bibliothek wie BürgerInnen zu helfen, ihre kritischen Fähigkeiten zu
entwickeln, anderen zu begegnen und am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Mit
Programmen wie "Wir sprechen viele Sprachen", niederschwelligen Angeboten wie den
"minibibs" oder den "Alphabetisierungsstudios", mit Angeboten für ältere Menschen, die der
Einsamkeit vorbeugen, oder dem "sprachraum", wo sich Einheimische und Zugewanderte
begegnen können, trägt die Stadtbibliothek Köln ihren Teil hierzu bei.

Studien wie die von Lilo Locher (2005, Springer) haben gezeigt, dass selbst eine geringe
Gebühr die Nutzerinnenzahl der öffentlichen Bibliotheken deutlich verringert. Die
geringen Mehreinnahmen, die durch die Mitgliedsbeiträge erzielt werden, werden durch den
Rückgang der Nutzung dieser öffentlichen Ressource überschattet. Bibliotheken bieten ihren
Mitgliedern einen unbegrenzten Zugang zu Lese- und Informationsressourcen, die einen
Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg im Leben ausmachen. Unterstützt durch einen
relativ geringen Beitrag aus öffentlichen Steuermitteln, bieten Bibliotheken eine hohe Rendite.
Mit einer kleinen, festen Investition von Steuergeldern kommt eine kostenlose Bibliothek
der gesamten Gesellschaft zugute. Laut des Kölner Stadtanzeigers vom 2. Januar 2021
überlegt die Stadt, allen Kölner Bürgerinnen einen kostenlosen Eintritt in den Städtischen
Museen anzubieten, um der Gesellschaft einen Zugang zur Kultur zu ermöglichen. Mit einer
kostenlosen Bibliotheks-Mitgliedschaft für alle Kölnerinnen und Kölner kann die Stadt Köln
ein klares Zeichen für Kölns publikumsstärkste Kultureinrichtung setzen. Die
ungehorsamen Bürgerinnen und Bürgern werden es ihr danken.

Beratungsverlauf (1)

21.06.2021 Ausschuss für Bürgerbeteiligung, Anregungen und Beschwerden
TOP 1.1 Vorberatung (Fachausschuss) Entscheidung

Beschluss: geändert beschlossen

Zur Sitzung

Details

Aktenzeichen
1009/2021
Typ
Beschlussvorlage Ausschuss
Datum
29.04.2021
Erstellt
15.03.2021 11:42