A-H/0044/2021
An das ehemalige Kriegsgefangenenlager an der Alten Reitbahn erinnern
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Antrag A-H/0044/2021
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Stadt Münster ‚Amt für Bürger- und Ratsservice Bezirksverwaltung Hiltrup 29, Sep. 2021 A-H/0044/2021 FRAKTION #WIRINMÜNSTER BÜNDNIS 90 | BV HILTRUP DIE GRÜNEN CDU-Fraktion in der BV-Hiltrup Lexöue nurzw SPD Freie Demokraten DIE LINKE. Münster, 27. September 2021 Gemeinsamer Antrag an die BV Hiltrup An das ehemalige Kriegsgefangenenlager an der Alten Reitbahn erinnern Die Bezirksvertretung Hiltrup möge beschließen: Die Verwaltung der Stadt Münster wird beauftragt, eine Erinnerungstafel am Standort des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers an der Alten Reitbahn in Berg Fidel zu errichten. Begründung: Daran, dass sich im heutigen Stadtteil Berg Fidel einmal eine Rennbahn des Westfälischen Reiterver- eins befand, erinnern bis heute die Namen der Straße Alte Reitbahn, sowie der nahegelegenen Bus- haltestelle. Doch dass auf dem Gelände der Rennbahn während des Ersten Weltkriegs viele tausende Soldaten aus Frankreich, England, Russland, Belgien, Italien, Portugal und Serbien als Kriegsgefangene interniert waren, ist heute nicht mehr im öffentlichen Bewusstsein präsent. Im Stadtbild erinnert nichts daran, dass sich hier eines der größten Kriegsgefangenenlager Nordwestdeutschlands befand. Daher bitten wir die Stadtverwaltung, Informationen zum Lager aus den erhaltenen Quellen zusam- menzutragen und daraus eine Erinnerungstafel zur Geschichte des Lagers und der Rennbahn zu ge- stalten. Diese sollte einen kurzen historischen Überblick über die Geschichte der Rennbahn bieten, sich aber verstärkt auf die Zeit des Kriegsgefangenenlagers fokussieren. Wünschenswert wäre es, wenn auf der Tafel, sofern vorhanden, Quellenauszüge zum Lebensalltag im Lager zitiert und Bildquel- len zum Lager, bzw. der Rennbahn abgebildet werden. Durch die Errichtung einer Erinnerungstafel würde die Historie dieses Ortes wieder stärker in das öf- fentliche Bewusstsein rücken. Zudem könnte sie einen Beitrag zu einem verstärkten lokalen Ge- schichtsbewusstsein der Bevölkerung leisten. Der Besuch des Ortes und der Informationstafel könnte möglicherweise im Hinblick auf die Folgen des Ersten Weltkriegs auch in den Geschichtsunterricht der lokalen Schulen eingebunden werden. Für Jugendliche und Erwachsene würde sich bestenfalls eine neue Perspektive auf den Ersten Weltkrieg ergeben, welche zeigt, dass der Krieg nicht nur an der Front, etwa in Frankreich und Belgien, sondern auch hier in Münster erhebliche Auswirkungen hatte. gez. Martin Schulze-Werner Simon Kerkhoff Julia Burkhardt Ulrich Eckervogt Ortrud Philipp und Fraktion Annette Ulrich Carsten Peters Friedhelm Schade Wilfried Stein Anna Velling Malene Bröckers
Stellungnahme zum Antrag A-H/0044/2021 (nicht barierrefrei)
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DER OBERBÜRGERMEISTER I MÜNSTER Stadtarchiv Stadt Münster - 48127 Münster (0406) An den Speichen 8, ! 2 48157 Münster | 25, Nov. 2021 , BV Münster-Hiltrup.______.___ BE OY Es. u Ihr/e Ansprechpartner/-in: ü ] )ezarnatv 1 |} u Anja Gussek Herr Tüns | Dezematv | | | | Zimmer: 210 Pe 24 29 | Telefon: 0251/492-47 02 ÜbeRDERNV u +. NOV. 2021 Fax: 0251/492-77 27 gussek@stadt-muenster.de ven Datum und Zeichen Ihres Schreibens Mein Zeichen (bitte angeben) Münster, 22.11.2021 21.10.2021 47-5-7 Stellungnahme des Stadtarchivs zum Antrag Nr. A-H/0044/2021 der CDU-Fraktion, Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, FDP und DIE LINKE vom 27.09.2021: „An das ehemalige Kriegsgefangenenlager Alte Reit- bahn erinnern“ Zum Antrag wird wie folgt Stellung genommen: Während des Ersten Weltkriegs gab es in Münster drei Kriegsgefangenla- ger, In denen im Laufe des Krieges ca. 90.000 Gefangene untergebracht waren. Die Kriegsgefangenenlager trugen die Bezeichnungen Lager | (Haus Spital), Lager Il (Rennbahn) und Lager Ill (Kaserne an der Grevener Straße). 4 Das größte Lager II Rennbahn („Alte Reitbahn“) befand sich an der „Hiltru- per Chaussee‘. Das Lagergelände mietete die Heeresverwaltung ab 16. September 1914 vom Westfälischen Reiterverein. In den neu errichte- ten Baracken des Lagers Rennbahn war Platz für ca. 10.000 Kriegsgefan- gene. Die Versorgungslage und hygienischen Verhältnisse wiesen Mängel auf. Besonders russische Gefangene starben an Unterernährung und an- steckenden Krankheiten. Verstorbene Kriegsgefangene wurden überwie- gend auf dem Friedhof Haus Spital beerdigt. Die Kriegsgefangenen muss- ten in entsprechenden Arbeitskommandos in unterschiedlichen Bereichen arbeiten. Nach Ende des Ersten Weltkriegs begann ab dem 20. November 1918 der Rücktransport der Kriegsgefangenen in ihre Heimatländer. Das Lager Rennbahn war am 4. Januar 1919 vollständig geräumt. Danach er- folgte bis 1920 eine Nutzung als „Heimkehrer-Lager“ für deutsche Soldaten. Ein Brand zerstörte das Lager am 7. November 1920. Im Stadtarchiv existieren Dokumente und Fotos zu Kriegsgefangenen im Ersten Weltkrieg. Register, Listen oder Informationen über einzelne Insas- sen fehlen. Über die Gefangenenlager in Münster berichtet sehr ausführlich Eduard Schulte in der "Kriegschronik der Stadt Münster 1914/18", die 1930 erschienen ist. Die Publikation enthält auch etliche Bilder aus Gefangenen- lagern sowie eine Aufstellung zu den Nationalitäten der Kriegsgefangenen.' Die Lage des Kriegsgefangenenlagers Rennbahn lässt sich bisher nur über den Straßennamen „Alte Reitbahn“ nachvollziehen. Im Infoangebot zu Stra- ßennamen des Vermessungs- und Katasteramtes wird die Funktion als Kriegsgefangenenlager kurz erwähnt.? Digital stehen Informationen zu den münsterischen Kriegsgefangenenla- gern in der stadtgeschichtlichen Präsentation des Stadtarchivs "Münster im Ersten Weltkrieg" zur Verfügung. https://www.muenster.de/stadt/kriegschronik1914 Unter den jeweiligen Jahren befindet sich ein eigener Navigationspunkt "Kriegsgefangene". Eine Internet-Recherche zum Lager Rennbahn Münster führt zur Webprä- sentation des Stadtarchivs. Eine digitale Erinnerung bzw. die Bereitstellung von Informationen erfolgt damit. Eine weitere Erinnerung ist vor Ort in der Tat nicht vorhanden. In Anlehnung an einen CDU-Antrag in der BV-West, Erinnerungsformate an das ehemalige Kriegsgefangenen- und Zwangsarbeiterlagers Mecklenbeck® zu entwickeln, schlägt das Stadtarchiv die Errichtung einer Informations- stele vor, die mit Text, Bild sowie einem QR-Code auf die Existenz des La- gers hinweist und auch auf weiterführende Informationen im Internet ver- weist. Momentan entwickelt die Fa. Arndt + Seelig (Bielefeld) für das Lager Mecklenbeck einen entsprechenden Gestaltungsentwurf und erstellt eine Kostenschätzung. Alternativ und kostengünstiger ließe sich auch ein Zu- satzschild mit einem Erläuterungstext am Straßennamenschild anbringen, ggf. ebenfalls mit QR-Code zur Webpräsentation. Das Stadtarchiv verfügt über keine Mittel für die Umsetzung der jeweiligen Variante. a. AM Anja Gussek ! An weiterer Literatur zu diesem Thema wäre vor allem zu nennen: Katja Mitze: Kriegsge- fangene in Münster während des Ersten Weltkrieges (unveröff. Examensarbeit Münster 1994. 2 https://www.stadt-muenster.de/ms/strassennamen/alte_reitbahn.html ® Einrichtung des Lagers Mecklenbeck 1939. 2
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungOrte (3)
- Grevener Straße
- Alte Reitbahn
- Haus Spital
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Details
- Aktenzeichen
- A-H/0044/2021
- Typ
- Antrag an die BV Hiltrup
- Datum
- 29.09.2021
- Erstellt
- 27.09.2021 11:34