2088/2024
Beschluss des Räumlichen Entwicklungskonzepts für das LiebigQuartier
KI-Zusammenfassung
Klicken Sie, um eine KI-Zusammenfassung dieses Vorgangs zu erstellen.
KI-Analyse läuft...
vergangen
Was passiert gerade?
- 📄 Dokumente werden analysiert...
- 🤔 KI denkt nach (Reasoning-Modell)...
- ✍️ Zusammenfassung wird geschrieben...
- ⏳ Das dauert etwas länger bei komplexen Dokumenten...
Dieser Vorgang kann 1-3 Minuten dauern. Bitte lassen Sie die Seite geöffnet.
Anlage 3, Auszug BV 5 Nippes 19.09.2024
4235 Zeichen
Geschäftsführung Bezirksvertretung 5 (Nippes) Herr Rupsch Telefon: (0221) 221-95313 Fax: (0221) 221-95447 E-Mail: guido.rupsch@stadt-koeln.de Datum: 20.09.2024 Auszug aus dem Entwurf der Niederschrift der 30. Sitzung der Bezirksvertretung Nippes vom 19.09.2024 öffentlich 9.2.7 Beschluss des Räumlichen Entwicklungskonzepts für das LiebigQuar- tier 2088/2024 Herr Spieß begründet den schriftlich vorgelegten Ergänzungsantrag der Grünen und führt insbesondere aus, dass nicht das Entwicklungskonzept in Frage gestellt werde. Ziel sei es, die zivilgesellschaftlichen Akteure zu fördern. Herr Müller favorisiert gleichlautende Beschlüsse der Bezirksvertretungen Ehrenfeld und Nippes. Ansonsten befürchte er, dass sich der Stadtentwicklungsausschuss aus beiden Beschlüssen nur das übernehme, was ihm zusage. Er möchte daher heute kei- nen Beschluss fassen, sondern die Vorlage vertagen. Herr Urmetzer sieht die Notwendigkeit von gleichen Beschlüssen nicht. Er favorisiert eine Beschlussfassung, damit die BV Ehrenfeld diesen zur Sitzung vorliegen habe. Für Herrn Dr. Ertin ist das Konzept aus städtebaulicher Sicht gesehen enttäuschend. Es brauche unbedingt eine bessere Anbindung an den ÖPNV, die nächste Stadtbahn- haltestelle sei mindestens einen Kilometer entfernt. Herr Müller beantragt, die Vorlage zu vertagen und pocht vehement auf die Einhaltung langjähriger Gepflogenheiten. Herr Urmetzer hält dem entgegen, dass die Meinungsbildung in der Mehrheit der BV abgeschlossen sei. Zudem weist er darauf hin, dass der Stadtentwicklungsausschuss du die BV Nippes am 07.11.2024 zeitgleich tagen. Er befürchtet, dass die Anregungen der BV Nippes dort nicht berücksichtigt werden, wenn sie telefonisch zur Sitzung über- mittelt werden. Der Antrag auf Vertagen wird bei Enthaltung der Linke mehrheitlich gegen die Stim- men von SPD, CDU und AfD angelehnt. Herr Dr. Ertin hat an der Abstimmung nicht teilgenommen. I. Abstimmung über den Ergänzungsantrag der Grünen Beschluss: Die Verwaltung wird gebeten, bei der Umsetzung des Räumlichen Entwicklungskon- zepts für das Liebigquartier eine Kooperation mit zivilgesellschaftlichen Akteuren (z.B. Bilderstöckchen Konferenz, KLuG e.V., ESV Olympia, Odonien, örtliche Geschäfts- leute, soziale Träger u.v.a.m.) und - wie beschlossen (AN/0357/2024) https://ratsin- formation.stadt-koeln.de/vo0053.asp?__kvonr=120367 - den Bezirksvertretungen Eh- renfeld und Nippes einzugehen. Insbesondere die dort aufgebrachten Ideen (z.B. Einrichtung eines Runden Tisches, zusätzliche Flächen für Freizeit & Kultur, Erlass von Satzungen - das kommunale Vorkaufsrecht bleibt davon unbenommen -) sollen wohlwollend geprüft und ggf. umge- setzt werden. Abstimmungsergebnis: Mehrheitlich gegen die Stimmen der SPD, CDU und AfD beschlossen. II. Abstimmung über die so geänderte Verwaltungsvorlage Beschluss: Der Stadtentwicklungsausschuss 1. nimmt das Räumliche Entwicklungskonzept für das LiebigQuartier zur Kenntnis; 2. beschließt das Räumliche Entwicklungskonzept LiebigQuartier (Anlage 1) als Grundlage für weitere Entwicklungen innerhalb des Plangebietes; 3. beauftragt die Verwaltung nächste Schritte zur Umsetzung der sieben Kernpro- jekte zu erarbeiten und die Umsetzungsprozesse aktiv zu begleiten. 4. beauftragt die Verwaltung, die Politik jährlich über den aktuellen Entwicklungs- stand der sieben Kernprojekte zu informieren. 5. Die Verwaltung wird gebeten, bei der Umsetzung des Räumlichen Entwick- lungskonzepts für das Liebigquartier eine Kooperation mit zivilgesellschaftli- chen Akteuren (z.B. Bilderstöckchen Konferenz, KLuG e.V., ESV Olympia, O- donien, örtliche Geschäftsleute, soziale Träger u.v.a.m.) und - wie beschlossen (AN/0357/2024) https://ratsinformation.stadt- koeln.de/vo0053.asp?__kvonr=120367 - den Bezirksvertretungen Ehrenfeld und Nippes einzugehen. Insbesondere die dort aufgebrachten Ideen (z.B. Einrichtung eines Runden Ti- sches, zusätzliche Flächen für Freizeit & Kultur, Erlass von Satzungen - das kommunale Vorkaufsrecht bleibt davon unbenommen -) sollen wohlwollend ge- prüft und ggf. umgesetzt werden. Abstimmungsergebnis: Mehrheitlich gegen die Stimmen der SPD beschlossen.
Anlage 1 Endbericht Räumliches Entwicklungskonzept LiebigQuartier
93158 Zeichen
Räumliches
Entwicklungskonzept
LiebigQuartier
VORWORT
00
3
Sehr geehrte Leser*innen,
als Dezernent für Stadtentwicklung, Wirt-
schaft, Digitalisierung und Regionales freue
ich mich, Ihnen den Endbericht zum Räum-
lichen Entwicklungskonzept (REK) für das
LiebigQuartier präsentieren zu dürfen. Wir
wollen dieses vielfältige Quartier, das Nippes
und Ehrenfeld miteinander verbindet, noch
lebenswerter machen. Für dieses Vorha-
ben könnte der Zeitpunkt kaum besser sein:
Durch die Schließung des Molkereibetriebs
FrieslandCampina eröffnen sich viele neue
Möglichkeiten. Die Chancen liegen vor allem
in der Entwicklung der Potenzialflächen, der
Schaffung von neuen Grün- und Wegeverbin-
dungen, der Aufwertung von Quartiersein-
gängen und der Umgestaltung von Verkehrs-
flächen.
Das Ihnen vorliegende REK ist das Ergeb-
nis eines intensiven Bearbeitungsprozesses
durch das Amt für Stadtentwicklung und Sta-
tistik, an dem eine Vielzahl von Akteur*in-
nen aus dem Plangebiet beteiligt waren:
Projektentwickler*innen, Grundstückseigen-
tümer*innen, Vertreter*innen des Einzel-
handels und der ansässigen Betriebe, Woh-
nungsbauunternehmen, Vertreter*innen der
soziokulturellen Szene vor Ort, Vereine und
Akteur*innen, die sich bürgerschaftlich enga-
gieren sowie die interessierte Öffentlichkeit
haben aktiv mitgewirkt, um nachhaltige und
identitätsstiftende Lösungen für die Zukunft
des LiebigQuartiers zu erarbeiten.
Das LiebigQuartier erstreckt sich über eine
Fläche von etwa 130 Hektar in den Stadt-
bezirken Ehrenfeld und Nippes und weist
eine heterogene Nutzungsstruktur auf. Es
ist geprägt durch eine Vielzahl an Gemenge-
lagen, die an einigen Stellen zu Nutzungs-
konflikten zwischen Wohnen und Gewerbe
führen. Aufgrund des großen Entwicklungs-
potenzials und andauernder Transforma-
tionsprozesse im Gebiet soll das REK - dem
politischen Auftrag (AN/0985/2018) folgend
- dazu beitragen, die zukünftige Entwicklung
des LiebigQuartiers zu steuern.
Aufbauend auf der Stadtstrategie "Kölner
Perspektiven 2030+" haben wir die Ziele für
die räumliche Entwicklung des LiebigQuar -
tiers im Laufe des Prozesses weiter konkreti-
siert. Wir wollen mit dem REK dazu beitragen,
T. Frohn/Stadt Köln
4
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN
Ihr
Andree Haack
Beigeordneter für Stadtentwicklung, Wirtschaft,
Digitalisierung und Regionales der Stadt Köln
Köln, August 2024
die vorhandenen innerstädtischen Gewerbe-
flächen und -potenziale im LiebigQuartier
zu sichern und weiterzuentwickeln, um die
vorhandenen Arbeitsplätze zu erhalten und
zusätzliche zu generieren. Gleichzeitig ist uns
wichtig bezahlbaren Wohnraum zu sichern
und neu zu schaffen. Darüber hinaus soll das
LiebigQuartier Raum für Sport, Freizeit und
Kultur bieten. So kann der heutige Nutzungs-
mix weiter gestärkt werden. Es muss uns
aber auch gelingen, mögliche Konflikte und
Konkurrenzsituationen hinsichtlich der Flä-
chennutzung zu minimieren. Dabei setzen wir
auf innovative Lösungen, die zu einer nach-
haltigen und klimaangepassten Entwicklung
des LiebigQuartiers mit erhöhter Lebensqua-
lität führen.
Es ist nun von entscheidender Bedeutung,
dass wir auf Basis des vorliegenden Entwick -
lungskonzepts ins konkrete Handeln kom-
men. Hierzu wollen wir sieben Kernprojekte
anstoßen, um das LiebigQuartier zu einem
zukunftsweisenden, attraktiven und identi-
tätstragenden Wohn-, Arbeits-, und Freizeit-
standort weiterzuentwickeln. Die Neuge-
staltung der Liebigstraße ist eines, das die
Stadt Köln selber umsetzen kann. Für ande-
re braucht es gute Partner, die wir als Stadt
unterstützen werden.
Ich wünsche Ihnen inspirierende Gedanken
beim Lesen, damit wir gemeinsam ein lebens-
wertes und klimaneutrales Köln von Morgen
und Übermorgen gestalten.
5
REICHER HAASE ASSOZIIERTE GMBH
Schäferstraße 33 | 44147 Dortmund
do@rha-planer.eu
Bearbeitung:
Dipl.-Ing. Holger Hoffschröer
Carsten Göhring M.Sc.
Till Müller-Haude M.Sc.
Greta Wienen B.Sc.
IMPRESSUM
Räumliches Entwicklungskonzept
LiebigQuartier Köln
Auftraggeberin
Amt für Stadtentwicklung und Statistik
151-2 Räumliche Stadtentwicklungsplanung
Willy-Brandt-Platz 2 | 50679 Köln
Bearbeitung:
Natascha Rohde
Lotte Drevermann
Maike Janßen
Kaja Rocks
Auftragnehmer*innen
STADTRAUMKONZEPT GmbH
Huckarder Straße 12 | 44147 Dortmund
Bearbeitung:
Dipl.-Ing Henrik Freudenau
Dipl.-Geograph Sebastian Siebert
Karen Bietmann B.Sc.
Stand August 2024
ARCHITEKTEN STADTPLANER ING ENIEURE
REICHER HAASE ASSOZIIERTE
RHA
Quelle Fotos und Planungen
Titelbild: Markus Schnabel, 2024
Wenn ansonsten nicht anders angegeben: Reicher Haase Assoziierte GmbH
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung ��������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������� 8
1.1 Anlass und Zielsetzung ...........................................................................................................................................9
1.2 Arbeitsprozess ..................................................................................................................................................... 10
1.3 Beteiligung ........................................................................................................................................................... 12
2 Bestandsanalyse ������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������� 14
2.1 Räumliche Einordnung des Plangebiets ................................................................................................................15
2.2 Nutzungsstruktur ..................................................................................................................................................16
2.3 Städtebau ............................................................................................................................................................. 18
2.4 Verkehr und Mobilität ...........................................................................................................................................20
2.5 Freiraum ............................................................................................................................................................... 22
2.6 Klima .................................................................................................................................................................... 24
2.7 Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken ..........................................................................................................26
3 Szenarien �������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������� 28
3.1 Herleitung der Szenarien ......................................................................................................................................29
3.1.1 Entwicklungsziele .................................................................................................................................... 31
3.1.2 Entwicklungstrends ................................................................................................................................. 32
3.2 Szenario 1 - Lebendige Impulse............................................................................................................................34
3.3 Szenario 2 - Frische Impulse ................................................................................................................................36
3.4 Szenario 3 - Innovative Impulse ............................................................................................................................38
3.5 Bewertung der Szenarien .....................................................................................................................................40
4 Räumliches EntwIcklungskonzept ��������������������������������������������������������������������������������������������������������������42
4.1 Herleitung ............................................................................................................................................................ 43
4.2 Leitbild ................................................................................................................................................................. 45
4.3 Handlungsfelder ................................................................................................................................................... 48
4.4 Räumliches Entwicklungskonzept .........................................................................................................................58
4.5 Vertiefungsbereich Liebigstraße ...........................................................................................................................60
5 Handlungsempfehlungen und Kernprojekte ����������������������������������������������������������������������������������������������64
EINLEITUNG
01
EINLEITUNG
9
EINLEITUNG
1�1 ANLASS UND ZIELSETZUNG
Der Stadtraum entlang der Liebigstraße, zwi-
schen dem S-Bahn-Haltepunkt Köln-Nippes im
Osten und der Grünanlage entlang der A 57 im
Westen, in diesem Konzept als LiebigQuartier
benannt, zeichnet sich durch vielfältige Funktio-
nen und Raumstrukturen aus. Hier finden sich
durchgrünte Wohnsiedlungen ebenso wie groß-
flächige Gewerbe- und Produktionsstandorte.
Vergangene Umbrüche haben Leerstände und
Brachflächen hinterlassen, die Raum für neue
Wohn- und Gewerbeentwicklungen bieten.
Die wertvolle Funktions- und Nutzungsvielfalt ist
insgesamt zu schützen und weiterzuentwickeln,
weist jedoch an einigen Stellen städtebauliche
Mängel und unklare Raumstrukturen auf.
Das LiebigQuartier steht vor der Herausforde-
rung, sich an die Auswirkungen des Klimawandels
anzupassen, eine sichere und klimafreundliche
Energieversorgung zu gewährleisten und moder -
ne Formen von Mobilität zu ermöglichen.
Insgesamt besteht in dem dazu erforderlichen
Transformationsprozess die Chance, das Liebig-
Quartier zu einem lebenswerten Ort mit einem
zeit- und standortgerechten Charakter zu entwi-
ckeln. Dazu ist unter Berücksichtigung der Gege-
benheiten vor Ort ein Konzept erforderlich, das
eine zukunftsweisende Vision für das Plangebiet
aufzeigt. Zentrales Ziel ist hierbei die Sicherung
der gewerblich genutzten Flächen sowie deren
transformative Übersetzung in einen verträglich
gestalteten Stadtbaustein. So kann ein Quar -
tier entstehen, das der gegebenen Lagequalität
gerecht wird. Das räumliche Entwicklungskon-
zept soll dazu dienen, das Profil des LiebigQuar -
tiers konzeptionell zu schärfen so dass zukünftige
Entwicklungen sich hieran ausrichten können.
Der Stadtentwicklungsausschuss der Stadt Köln
hatte die Verwaltung mit Beschluss vom 28.
Juni 2018 (Städtebauliche Neuordnung für den
Bereich Parkgürtel Süd und GE Schlachthof;
AN/0985/2018) beauftragt, für das Quartier
einen Entwicklungs- und Nutzungsplan aufzustel-
len, der jedoch zu diesem Zeitpunkt nicht bear -
beitet werden konnte. Am 2. Juni 2022 wurde
schließlich, wie von der Verwaltung vorgeschla-
gen, die Erarbeitung des nun vorliegenden Räum-
lichen Entwicklungskonzepts LiebigQuartier als
informelles Planungsverfahren mit Beteiligungs-
möglichkeiten beschlossen (Weiteres Vorgehen
zum Projekt Räumliches Entwicklungskonzept
Liebigquartier; 4461/2021).
10
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN
EINLEITUNG
1�2 ARBEITSPROZESS
Der Prozess zum Räumlichen Entwicklungskon-
zept wurde im Mai 2023 initiiert und gliederte sich
in folgende Phasen: Entwicklung des Prozessde-
signs, Bestandsaufnahme und Analyse, Durchfüh-
rung des Dialogprozesses sowie Erarbeitung des
Räumlichen Entwicklungskonzepts.
Die folgende Prozessgrafik ordnet die Arbeitspha-
sen inkl. Beteiligung zeitlich ein. Eine detaillierte
Erläuterung findet im Fortlauf des Kapitels statt.
Prozessgrafik
EINLEITUNG
11
Die thematische Analyse des Plangebiets bilde-
te eine inhaltliche Grundlage, auf der im weite-
ren Arbeitsprozess drei Entwicklungsszenarien
skizziert wurden, um mögliche Entwicklungspfa-
de – sowohl räumlich als auch programmatisch
– aufzuzeigen. In einem Folgeschritt wurden die
Szenarien genutzt, um eine zukunftsfähige Vision
für das Quartier abzuleiten und damit ein Konzept
für die räumliche Entwicklung zu formulieren.
Abschließend wurde eine Vertiefung mit Blick auf
eine zukünftige Weiterentwicklung der Liebigstra-
ße sowie eine Projekt- und Maßnahmenübersicht
als Grundlage für die weitere Entwicklung erstellt.
Vorgehen der Konzeptentwicklung
Analyse
Stakeholder*innen-
Gespräche
Potenzial- und Ziel-
Workshop
Szenarien-
Workshop
Lenkungskreis
Lenkungskreis
Projektgruppe
Projektgruppe
Online-
Beteiligung
Flächengerüst
Szenarien
III
II
I
Entwicklungsziele
Entwicklungstrends
RÄUMLICHES
ENTWICKLUNGS-
KONZEPT
Sondertermin Politik
Zukunftskonferenz
Im Prozess arbeiteten die beiden Planungsbü-
ros Reicher Haase Assoziierte GmbH und Stadt-
RaumKonzept GmbH eng mit der Stadt Köln, ins-
besondere dem Amt für Stadtentwicklung und
Statistik, zusammen, um ein ganzheitliches und
abgestimmtes Arbeitsergebnis zu gewährleisten.
Das Räumliche Entwicklungskonzept wird nach
seiner Fertigstellung den Gremien der Stadt Köln
zur politischen Beratung vorgelegt.
12
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN
EINLEITUNG
1�3 BETEILIGUNG
Das vorliegende Räumliche Entwicklungskonzept
wurde im intensiven Dialog mit den ansässigen
Institutionen und Bewohner*innen erarbeitet. Die
Beteiligung im Rahmen des Dialogprozesses glie-
derte sich in Formate der öffentlichen Beteiligung
sowie der Beteiligung ausgewählter Akteur*in-
nen.
Die Beteiligung der breiten Öffentlichkeit erfolgte
zunächst durch eine Online-Öffentlichkeitsbe-
teiligung über das städtische Beteiligungsportal
meinungfuer.koeln zu Beginn des Planungspro-
zesses. Im Zeitraum vom 21. August bis zum 10.
September 2023 hatten Interessierte die Gele-
genheit, ihre Hinweise zur gegenwärtigen Situa-
tion des LiebigQuartiers sowie Ideen und Anre-
gungen für eine Weiterentwicklung mitzuteilen
und diese auch räumlich in einer Karte zu veror -
ten. Insgesamt wurden 277 Beiträge eingereicht
und mit 156 Kommentaren versehen sowie mit
1.172 Stimmen bewertet. Die Ergebnisse dieser
Beteiligung wurden bei der Analyse berücksich-
tigt und nahmen im weiteren Prozess Einfluss
auf das Räumliche Entwicklungskonzept. Sie sind
zudem ausführlich in der Mitteilung an die Politik
0093/2024 dokumentiert.
Die Beteiligung von Vertreter*innen ausgewählter
Akteursgruppen fand im Rahmen von zwei Vor-
Ort-Workshops statt. Als erste Veranstaltung fand
am 20. September 2023 im Gemeindehaus der
Evangelischen Nathanael Kirchengemeinde Bil-
derstöckchen ein Potenzial- und Zielworkshop
statt. Hierzu wurden maßgebliche Akteur*innen
aus dem Planungsgebiet eingeladen, darunter
Projektentwickler*innen, Grundstückseigentü-
mer*innen, Vertreter*innen des Einzelhandels
und der ansässigen Betriebe, Wohnungsbauunter -
nehmen, Akteur*innen der soziokulturellen Szene
vor Ort sowie weitere Vereine und Akteur*innen,
die sich bürgerschaftlich engagieren. Gemeinsam
wurden Potenziale des Quartiers erörtert, Ziele
der weiteren Entwicklung formuliert, Bedarfe und
Interessen ausgetauscht sowie Schwerpunktbe-
reiche möglicher Entwicklungen verortet.
Der zweite Workshop, zu dem der selbe Perso-
nenkreis, zuzüglich der beiden Bezirksbürger -
meister*innen eingeladen wurden, fand am 31.
Januar 2024 in der Städtischen Katholischen
Grundschule Osterather Straße statt. In diesem
Szenarienworkshop wurden verschiedene Sze-
narien für die zukünftige Entwicklung des Quar -
tiers mit ihren spezifischen Vor- und Nachteilen,
Chancen und Hemmnissen diskutiert.
Ein Bestandteil des Dialogprozesses waren darü-
ber hinaus acht Einzelgespräche mit ausgewähl-
ten Personen. Diese Stakeholdergespräche mit
den Eigentümer*innen von Schlüsselgrundstü-
cken und Akteur*innen die sich bürgerschaftlich
engagieren, waren gerade zu Beginn des Prozes-
ses von hoher Bedeutung für die Informations-
gewinnung, insbesondere zu den Flächen, die
besondere Entwicklungspotenziale darstellen.
Während der Projektfinalisierung wurde eine
Zukunftskonferenz als Präsenzveranstaltung
durchgeführt. Bei der Veranstaltung am 20. März
2024 wurde der Entwurf des Räumlichen Ent-
wicklungskonzepts präsentiert. Die über 100
Teilnehmenden hatten die Möglichkeit, Fragen zu
stellen und Hinweise zu geben, die bei der Fina-
lisierung des Räumlichen Entwicklungskonzepts
EINLEITUNG
13
Potenzial- und Zielworkshop
Bodenplane des LiebigQuartiers
berücksichtigt wurden.
Im Zuge des Prozesses wurden die betroffenen
Dezernate und Fachämter der Stadtverwaltung
durch regelmäßige Lenkungskreis- und Pro-
jektgruppensitzungen einbezogen. Die Bezirks-
vertretungen Ehrenfeld und Nippes wurden frak -
tionsübergreifend in zwei Sonderterminen über
die Zwischenergebnisse informiert.
BESTANDSANALYSE
02
BESTANDSANALYSE
15
BESTANDSANALYSE
2�1 RÄUMLICHE EINORDNUNG DES
PLANGEBIETS
Das LiebigQuartier, nordwestlich der Kölner
Innenstadt gelegen und an den Inneren Grüngür -
tel angrenzend, erstreckt sich über Teile von Neu-
ehrenfeld und Bilderstöckchen. Die Grenze zwi-
schen den Stadtbezirken Ehrenfeld und Nippes
verläuft mitten durch das Gebiet. Die Liebigstra-
ße, die im Süden durch das Quartier verläuft, ver -
bindet diese Stadtbezirke miteinander. Die Gren-
zen des LiebigQuartiers sind klar definiert: Im
Nordwesten bildet der stark frequentierte Park -
gürtel mit der Hochbahntrasse der Stadtbahnlinie
13 die Begrenzung. Westlich erstreckt sich die
Grünanlage entlang der Autobahn 57. Die südli-
Überörtliche Einordnung
che Grenze markieren die Innere Kanalstraße und
die Sportanlage des ESV Olympia, während im
Osten der Bahndamm als Begrenzung fungiert.
Auf rund 130 ha zeichnet sich das LiebigQuar -
tier durch einen besonders heterogenen Charak -
ter aus. Etwa 6.500 Menschen wohnen und ca.
4.300 Beschäftigte arbeiten dort (Stand 2022).
Das LiebigQuartier ist umgeben von zwei städ-
tischen Freiräumen: dem Blücherpark im Nor -
den und dem Inneren Grüngürtel im Süden, die
als zentrale Elemente des gesamtstädtischen
Grünsystems fungieren. Die Lage des Quartiers
gewährleistet eine effiziente Anbindung an den
öffentlichen Personennahverkehr. Anknüpfungs-
punkte sind dabei die S-Bahn-Haltepunkte Geld-
ernstraße/Parkgürtel sowie Köln-Nippes.
Örtliche Einordnung
16
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN
BESTANDSANALYSE
stätten, sowie Vereine wie das Begegnungs- und
Fortbildungszentrum muslimischer Frauen e.V.
(BFMF) oder die Griechische Gemeinde Köln e.V.,
die einen wichtigen Beitrag zum soziokulturellen
Gefüge im Quartier leisten. Im Liebig257 gibt es
ein Viertelswohnzimmer, ein Quartiersbüro sowie
eine Werkstatt, die durch den KLuG e.V. betrie-
ben werden. Zudem befindet sich die etablier -
te Kultur- und Veranstaltungsfläche Odonien im
Quartier.
Weitläufige Gewerbeflächen, darunter Unter -
nehmen wie DHL und RheinEnergie, prägen und
begrenzen durch nicht öffentlich passierbare
Grundstücke das Quartier. Die weiteren gewerb-
lichen Nutzungen sind äußerst vielfältig und
zeigen sich durch kleinteilige KFZ-Werkstätten,
Lebensmittelgroßhändler, Einzelhandelsflächen
oder Laufhäuser, in südlicher Randlage des Plan-
gebiets.
Aufgrund der vorliegenden Nutzungsvielfalt und
äußerst heterogenen Mischung können an den
Übergängen zwischen den unterschiedlichen Nut-
zungen, Konflikte durch bspw. Lärmemissionen
oder verschiedenen Infrastrukturansprüchen,
auftreten.
2�2 NUTZUNGSSTRUKTUR
Das LiebigQuartier zeichnet sich durch eine
heterogene Nutzungsstruktur aus, die die unter -
schiedlichen Facetten des städtischen Lebens
widerspiegelt. Hier treffen kleinteilige, durch-
grünte Wohnnutzungen auf großflächige Gewer -
bestrukturen. Vereinzelte Grünflächen und Auf-
enthaltsflächen sind im Quartier vorhanden,
dennoch dominieren vor allem der ruhende Ver -
kehr und versiegelte Straßenräume in weiten Tei-
len das Gebiet.
Es bestehen Gebietslagen, die eine höhere Nut-
zungsmischung aufweisen, in der Wohnnutzun-
gen und kleinteilige Dienstleistungsangebote
zusammenkommen. Raumprägend sind unter
anderem die gewerbliche Nutzung des Schlacht-
hofareals und die gegenüberliegende, noch in der
Entwicklung befindende Wohnentwicklung. Über -
gehend in östlicher Richtung treten vermehrt
Wohnutzungen auf, welche sich bis zum Parkgür -
tel fortsetzen. Die soziale Infrastruktur ist über
das Quartier verstreut und umfasst verschiedene
Einrichtungen. Dazu zählen unter anderem die
evangelische Nathanael Kirchengemeinde, die
Grundschule Osterather Straße, Kindertages-
kleinteilige Mischnutzungen, Liebigstraße Ehemaliger Molkereistandort, Geldernstraße
BESTANDSANALYSE
17
Analyse Nutzungsstruktur
18
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN
BESTANDSANALYSE
2�3 STÄDTEBAU
Der Städtebau des Quartiers präsentiert sich,
simultan zur Nutzungsstruktur, entsprechend
hetergogen. Es besteht eine Mischung aus großen
Hallentypologien und Sonderbausteinen, klein-
teiligen Wohnbebauungen, begrünten Siedlungs-
trukturen in Zeilenbauweise aber auch modernen
Bebauungen jüngeren Datums. Unterschiedliche
Maßstäbe und Körnungen treffen im LiebigQuar -
tier aufeinander.
Das Quartier wird von Barrieren umschlossen.
Dazu zählen die Bahngleise im Osten und Süden,
sowie die stark befahrene Innere Kanalstraße im
Süden, die A57 im Westen und dem Parkgürtel
und der Stadtbahntrasse im Norden. Aufgrund
dieser Barrieren gibt es nur wenige direkte Wege-
verbindungen zu den umliegenden Frei- und Erho-
lungsräumen und Anschlussmöglichkeiten an die
benachbarten Stadtteile.
Die Liebigstraße fungiert als direkte städtische
Verbindungsachse zwischen den Stadtteilen Nip-
pes und Neuehrenfeld und formuliert somit zwei
wichtige Eingangssituationen ins Quartier. Aller -
dings mangelt es insbesondere auf der Liebig-
straße in Höhe des ehemaligen Schlachthofareals
grundlegend an einer Fassung des öffentlichen
Raumes. Lediglich die Geldernstraße zeigt durch
ihre größtenteils gefassten Raumkanten und die
alleeartige Straßenbegrünung eine klare räumli-
che Ordnung auf.
Im Quartier ist der öffentliche Raum größtenteils
funktional gestaltet und weist geringe Aufent-
haltsqualitäten auf. Strukturen, die den Liefer -
verkehr und den motorisierten Individualverkehr
(MIV) priorisieren, dominieren den öffentlichen
Raum.
Ein hoher Grad an versiegelten Flächen im Quar -
tier bietet Potenzial für Veränderungen und eine
Neugestaltung im Sinne einer verbesserten
Lebensqualität, klimagerechten Stadtgestal-
tung und effizienteren Nutzung des öffentlichen
Raums.
LiebigstraßeStädtebauliche Brüche Escherstraße
BESTANDSANALYSE
19
20
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN
BESTANDSANALYSE
2�4 VERKEHR UND MOBILITÄT
Für den MIV ist das LiebigQuartier größtenteils
gut erschlossen. Auch die Einzugsradien der
ÖPNV-Haltepunkte decken das Quartier fast voll-
ständig ab. Lediglich im südlichen Bereich, zwi-
schen der Straße Am Gleisdreieck und Innerer
Kanalstraße, ist eine Unterversorgung festzustel-
len. Für das Fuß- und Radverkehrsnetz besteht,
aufgrund von Lücken und geringer Bestandsqua-
lität, eine Notwendigkeit dieses auszubauen und
zu qualifizieren.
Das Quartier ist durch zwei S-Bahnhöfe (Geldern-
straße/Parkgürtel und Köln-Nippes) sowie zwei
Haltestellen der Stadtbahn (Escher Straße und
Geldernstraße/Parkgürtel) an das SPNV-Netz
angeschlossen. Fußläufig zu erreichende Bushal-
testellen befinden sich im Quartier an der Liebig-
und der Geldernstraße.
Radwege entlang der Liebig-, Escher- und Geld-
ernstraße sind in Teilen vorhanden, doch insge-
samt in mangelnder Gestalt aufgrund von unüber -
sichtlichen und unsicheren Wegeführungen. Dies
betrifft vor allem Kreuzungsbereiche und Quar -
tierseingänge. Auf allen anderen Straßen wird der
Radverkehr im Mischverkehr geführt.
Die Haupterschließung für den MIV verläuft über
den Parkgürtel, die Innere Kanalstraße und die
Liebigstraße, wobei der nah gelegene Anschluss
an die A57 eine Verbindung zum überörtlichen
Verkehrsnetz ermöglicht. Innerhalb des Quartiers
sind neben der Liebigstraße die Escherstraße,
die Geldernstraße und die Hornstraße wichti-
ge Erschließungsachsen, insbesondere für den
Logistikverkehr. Vor allem die Innere Kanalstra-
ße, die Hornstraße und die Escher Straße weisen
bereits ein hohes Verkehrsaufkommen auf, wes-
halb bei baulichen Entwicklungen die damit ein-
hergehenden veränderten Verkehrsbelastungen
in jedem Fall geprüft werden müssten.
Prägend für das Gebiet sind großflächige priva-
te Parkierungsanlagen, die nicht gebündelt und
größtenteils ebenerdig verortet sind. Südlich des
S-Bahnhofs Köln-Nippes befindet sich eine P+R-
Anlage.
Die fußläufige Durchwegung wird durch eine auto-
fokussierte Gestaltung der Erschließungsstraßen
als untergeordnet eingestuft. Dem Quartier fehlt
es an Anknüpfungsstellen für den Fuß- und Rad-
verkehr, um die außenliegenden Barrieren zu
überwinden.
ÖPNV-Knotenpunkt an der Liebigstraße/Quartierseingang
S-Bahnhof Köln-Nippes
Quartierseingang Liebigstraße aus Richtung Neuehrenfeld
BESTANDSANALYSE
21
M 1:10.000
22
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN
BESTANDSANALYSE
2�5 FREIRAUM
Der Freiraum im Plangebiet beschränkt sich auf
wenige Abschnitte, die stärker begrünte Bereiche
aufweisen. Diese liegen größtenteils in den Rand-
bereichen des Quartiers. Abgesehen vom Geld-
ernpark und dem westlichen Bereich des Quar -
tiers, sind keine zusammenhängenden, qualitativ
hochwertigen Grünstrukturen vorhanden. Die
Autobahndeckelung zwischen Wöhler Straße und
den Bahngleisen nimmt die nördlich angrenzen-
den Grünstrukturen auf und bietet zudem Sport-
und Spielflächen.
Isolierte Baumstandorte oder halböffentliche und
private Gärten in Wohnlagen sind in Teilbereichen
vorhanden und liefern einen wichtigen Beitrag für
das Mikroklima. Sie sind jedoch nicht als öffent-
lich zugängliche Frei- und Erholungsflächen nutz-
bar. Als weitere Grünfläche ist die Kleingarten-
fläche nördlich angrenzend an die Grundschule
Osterather Straße zu nennen.
Der Geldernpark wird als bedeutender Park für
das südliche Bilderstöckchen angesehen. Er bie-
tet weitere Sport- und Spielmöglichkeiten. Einen
starken Kontrast hierzu bilden die Verkehrs- und
Parkplatzflächen, welche fast flächendeckend
das Quartier prägen und insgesamt einen hohen
Versiegelungsgrad erzeugen.
Eine Teilentsiegelung und Neubegrünung bietet
die Chance, das Risiko von ungünstigen klimati-
schen Bedingungen im Gebiet zu mindern und die
Aufenthaltsqualität zu verbessern.
Ein hohes Potenzial für das Quartier und die
umliegenden Gebiete besteht in der Vervollstän-
digung der Verbindung zwischen dem Blücher -
park im Norden und dem Inneren Grüngürtel im
Süden des Plangebiets, um bestehende lokale
Grünräume sowie hochwertige Erholungsräume
zu verbinden.
Die Entsiegelung, die Integration von Grünstruk -
turen unter Berücksichtigung des Baumbestands
sowie die Stärkung der Grünanbindung sind als
wichtige Entwicklungspotenziale herauszustellen.
Geldernpark Basketballplatz auf dem Autobahndeckel
BESTANDSANALYSE
23
M 1:10.000
24
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN
BESTANDSANALYSE
2�6 KLIMA
Eine integrierte Betrachtung der hitzebelaste-
ten Siedlungsflächen zeigt, dass verglichen mit
den umliegenden Stadtteilen, das LiebigQuartier
weniger Hitzebelastung aufweist. Dennoch ist die
Hitzebelastung in großen Teilen hoch und teilwei-
se sogar sehr hoch. Dies wird bedingt durch groß-
flächig versiegelte Flächen wie bspw. auf dem
Schlachthofareal und den ehemaligen Mobau-
und Molkereiflächen.
Fehlende Straßenbegrünungen oder Verschat-
tungsmöglichkeiten verstärken diesen Effekt.
Angesichts der prognostizierten Zunahme von
Extremwetterereignissen und erhöhter Hitzebe-
lastung empfiehlt es sich, Klimaanpassungsmaß-
nahmen grundlegend in die Planung zu integrie-
ren.
Die Eignung von Dachflächen für Begrünungs-
maßnahmen wird ebenfalls in der Analysekarte
abgebildet. Besonders groß ist das Potenzial auf
Gebäuden mit großen Flachdächern. Dazu zählen
vor allem Gebäude des RheinEnergie-Geländes,
der ehemaligen Molkerei, dem Schlachthofareal
sowie auf Gebäuden im Bereich zwischen der
Straße Am Gleisdreieck und der Inneren Kanal-
straße.
Der thermischen Belastung des Siedlungsraums
steht die thermische Ausgleichsfunktion des
Freiraums gegenüber. Die Analysekarte hebt die
Bedeutung siedlungsnaher Grünstrukturen wie
die des Blücherparks und des Inneren Grüngür -
tels für das Stadtklima hervor. Diese fungieren
auch als wichtige Kaltluftentstehungsgebiete und
tragen zur umliegenden Kühlung bei.
Neben der thermischen Belastung spielt auch
die Starkregenbelastung für die Klimaanpassung
eine große Rolle. Überflutungsbelastete Bereiche
im Quartier konzentrieren sich vor allem entlang
zentraler Verkehrsachsen wie dem Tunnel der
A57-Überdeckelung und dem Knotenpunkt Horn-
straße/Innere Kanalstraße sowie entlang der
Escher- und Geldernstraße. Bei potenziellen Ent-
wicklungen vom Molkerei- und Schlachthofareal
sind auch die überflutungssensiblen Flächen zu
berücksichtigen.
Südlicher Ausläufer des Blücherparks an der A57Eingangsbereich zum Schlachthofareal, Liebigstraße
BESTANDSANALYSE
25
M 1:10.000
26
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN
BESTANDSANALYSE
2�7 STÄRKEN, SCHWÄCHEN, CHANCEN
UND RISIKEN
Die Untersuchung des LiebigQuartiers unter den
Gesichtspunkten von Nutzung, Städtebau, Mobili-
tät und Freiraum hat vielfältige Erkenntnisse über
die Potenziale, Risiken, Stärken und Schwächen
erbracht. Die vielseitige Nutzung und Bebauung
des Quartiers mit Wohn- und Gewerbeflächen
erstreckt sich über das gesamte Planungsgebiet.
Hierbei sind insbesondere an den Übergängen
zwischen Wohn- und Gewerbenutzungen Nut-
zungskonflikte erkennbar.
Eine Schwäche des LiebigQuartiers ist die Viel-
zahl von Barrieren, zu denen Bahngleise, nicht
begehbare Gewerbegebiete, die Innere Kanalstra-
ße und die A57 zählen. Diese Barrieren begren-
zen die Bewegung innerhalb des Quartiers und
die Verbindung mit den angrenzenden Bereichen.
Dadurch existieren in Teilen weitestgehend iso-
lierte Bereiche wie der umschlossene Bereich
zwischen Innerer Kanalstraße und der Straße Am
Gleisdreieck.
Eine weitere Schwäche des LiebigQuartiers ist die
starke Versiegelung von Flächen, die im Sommer
zu erhöhter Hitze und bei Starkregen zu Überflu-
tungen führen kann.
Das Fuß- und Radwegenetz erscheint an einigen
Stellen vernachlässigt aufgrund von unübersicht-
lichen Querungsmöglichkeiten oder schmalen
und unvollständigen Fahrradwegen.
Die fehlende Gestaltung des Stadtgrüns entlang
der Straßen, insbesondere entlang der Liebigstra-
ße, sowie die begrenzten Wegeverbindungen zu
nahegelegenen Grünflächen werden ebenfalls als
Defizite wahrgenommen.
Neben diesen Herausforderungen verfügt das
LiebigQuartier auch über Stärken. Dazu zählen
vor allem die Nähe zu hochwertigen Grünflächen,
eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahver -
kehr und der Bestand begrünter Wohngebiete im
nördlichen Bereich des Plangebietes. Zusätzlich
ermöglicht die integrierte Lage eine vielfältige
Nutzung des Quartiers, da die Liebigstraße eine
wichtige Verbindungsachse zwischen den Stadt-
teilen Ehrenfeld und Nippes ist. Sie besitzt das
Potenzial für die anliegenden Grundstücke, eine
eigene Adresse zu formulieren.
Darüber hinaus bestehen auch Risiken, die zu
reduzieren sind. Dazu zählen Lärmemissionen an
den Übergangsbereichen zur bestehenden Wohn-
bebauung sowie die potenzielle Verdrängung von
Gewerbe durch heranrückende neue Wohnbebau-
ung. Um diese Nutzungskonflikte und städtebauli-
chen Umbrüche zu minimieren, sind Maßnahmen
zur Reduzierung der Risiken notwendig.
Chancen liegen vor allem in der Entwicklung der
Potenzialflächen, der Schaffung von neuen Wege-
verbindungen sowie der qualitativen Aufwertung
der vorhandenen Verbindungen, der Aufwertung
von Quartierseingängen und der Umgestaltung
von Verkehrs- und Brachflächen. Eine flexible
Nutzungsmischung, die Förderung der Nahmo-
bilität und die Integration emissionsarmer und
klimatisch angepasster Planungen können die
Zukunft des Quartiers positiv beeinflussen.
BESTANDSANALYSE
27
M 1:10.000
SZENARIEN
03
SZENARIEN
29
SZENARIEN
3�1 HERLEITUNG DER SZENARIEN
Basierend auf der Analyse, den Hinweisen und
Anregungen der Bürger*innen aus der Online-
Öffentlichkeitsbeteiligung, Gesprächen mit Sta-
keholder*innen aus dem Gebiet, Hinweisen
verschiedener Fachdienststellen innerhalb der
Verwaltung sowie einem Potenzial- und Zielwork -
shop, wurde das Flächengrundgerüst erarbeitet.
Dieses Gerüst zeigt maßgeblich die Flächen der
sich aktuell abzeichnenden bzw. zukünftigen Ent-
wicklungsschwerpunkte auf. Es umfasst Bereiche,
die unbebaut sind, in denen die ursprüngliche
Nutzung aufgegeben wurde oder die unterge-
nutzt sind. Ausgenommen sind Bereiche, die als
Bestandschutz gekennzeichnet sind.
Für die räumliche Entwicklung sind im wesentli-
chen vier Schwerpunktbereiche zu nennen. Dazu
zählen das vollständig von Straßen umschlossene
"Am Gleisdreieck" im Süden des Quartiers, das
"Schlachthofareal", welches sich zwischen Lie-
bigstraße und Bahngleisen befindet und mit ca.
9 ha den größten Schwerpunktbereich ausmacht,
der "Nahversorgungsbereich", welche Wohn- und
Gewerbenutzungen mit umfasst, sowie die beiden
brachliegenden Flächen "Mobau" und "Molkerei"
westlich und östlich der Geldernstraße entlang
der Geldernstraße.
Flächengrundgerüst
Am Am
GleisdreieckGleisdreieck
SchlachthofarealSchlachthofareal
Nahversorgungs -Nahversorgungs -
bereichbereich
MolkereiMolkerei
MobauMobau
30
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN
SZENARIEN
- Nutzungsmischung und Nutzungsdichte mit Wohnen, Arbeiten und Freizeit erproben
- Nutzungskonflikten vorbeugen / Wirtschaftsflächen städtebaulich integrieren*
- Zentrale Stadtachsen städtebaulich aufwerten (Raumkanten, Nutzungen, Grün)
- Gebäudebestand sanieren und energetisch optimieren*
- Bezahlbaren Wohnraum erhalten und schaffen*
- Wirtschaftsstandort sichern / Arbeitsplätze erhalten und neu schaffen
- Flächen mehrfach nutzen (Multicodierung) / Gewerbe stapeln*
- Kleinteiliges, stadtverträgliches Gewerbe / Gewerbehöfe ansiedeln
- Urbane (Lebensmittel-)Produktion fördern
- Nahversorgungszentrum definieren*
- Sport- und Freiflächen öffnen und mehrfach nutzen*
- Räume für (Weiter-)Bildung und Integration sichern und ausbauen
- Räume für Ehrenamt, Engagement und bürgerliche Initiativen bereitstellen*
- Räume für Kulturnutzungen finden*
- Straßenraum neu strukturieren und als öffentlichen Raum mit hoher Aufenthaltsqualität
aufwerten
- Fuß- und Radwegenetz ausbauen und verbessern
- Den ruhenden Verkehr stadtverträglich organisieren und reduzieren*
- Logistik / Wirtschaftsverkehre stadtverträglich abwickeln*
- Grünraumvernetzung vervollständigen und Zugänglichkeit / Anbindung sicherstellen
- Straßen- und Gebäudegrün fördern / Hitzeinseln vermeiden*
- Versickerungs- und Auffangmöglichkeiten für Starkregenereignisse verbessern / (Teil-)
Entsiegelung fördern
- Klimagerechte Transformation des Quartiers*
STÄDTEBAU UND WOHNEN
WIRTSCHAFT UND VERSORGUNG
SOZIALES, KULTUR UND BILDUNG
MOBILITÄT UND VERKEHR
GRÜN UND KLIMA
Entwicklungsziele für das LiebigQuartier (aufbauend auf der Stadtstrategie "Kölner Perspektiven 2030+")
* Ziele, die im Rahmen des Prozesses ergänzend definiert wurden
SZENARIEN
31
ihrem Bestand zu sichern. Der Nahversorgungs-
bereich soll räumlich konzentriert und städtebau-
lich aufgewertet werden.
Während die Stadtstrategie für die Bereiche
Soziales, Kultur und Bildung vor allem innerhalb
von Wohnquartieren den Ausbau der Bildungs-
und Sozialinfrastruktur vorsieht, weisen die Ent-
wicklungsziele im Rahmen des Räumlichen Ent-
wicklungskonzeptes zusätzlich auf den Bedarf an
weiteren Sport- und Freiflächen hin.
Mobilitätsziele der Stadtstrategie beinhalten vor
allem einen flächendeckenden Ausbau des Rad-
wegenetzes. Neben diesem Ziel werden weitere
Ziele für das Feld Mobilität und Verkehr aufge-
führt, dazu gehören der Ausbau der Fußwegever -
bindungen, die Neustrukturierung des Straßen-
raums mit einer erhöhten Aufenthaltsqualität,
als auch die stadtverträgliche Organisation des
ruhenden Verkehrs heutiger und zukünftiger Wirt-
schaftsverkehre.
Unter Grün und Klima werden Entwicklungsziele
zusammengefasst, die sich positiv auf das klein-
räumige Stadtklima im Quartier auswirken um
den hitzebelasteten Siedlungsflächen des Liebig-
Quartiers entgegen zu wirken und eine klimage-
rechten Transformation des Quartiers gerecht zu
werden.
3�1�1 Entwicklungsziele
Abgeleitet aus den Leitsätzen der Stadtstrategie
2.0 "Kölner Perspektive 2030+", wurden bereits
in einem frühen Arbeitsschritt Entwicklungszie-
le für das LiebigQuartier definiert. Dabei gaben
die Zielkarten der Stadtstrategie grundlegende
Erkenntnisse über räumliche Zielsetzungen der
Stadt Köln. In den Zielkarten wurden Flächen mit
Transformations- und Entwicklungspotenzialen
für Wohnen, Wirtschaft, Soziales und Mobilität
sowie Grün und Klimazielen festgelegt.
Die räumlichen Zielsetzungen beinhalten Aus-
sagen, die bei der weiteren Formulierung der
Entwicklungsziele berücksichtigt und vertieft
wurden. Die nebenstehende Übersicht zeigt die
Entwicklungsziele. Die Zieldimension Städtebau
und Wohnen wurde dabei ergänzt durch das Ziel
einer stärkeren Nutzungsmischung, des Erhalts
sowie der Neuschaffung von bezahlbarem Wohn-
raum. Darüber hinaus ist ein weiteres Ziel die
Sanierung bzw. energetische Optimierung der
Bestandsgebäude.
Die Zielkarte Wirtschaft der Stadtstrategie sieht
im Bereich des LiebigQuartiers fast flächende-
ckend die Transformation zu innovativen und
gemischten Gewerbegebieten mit den Schwer -
punkten Dienstleistung, Produktion und Krea-
tivwirtschaft vor. Das Räumliche Entwicklungs-
konzept vertieft die Zielsetzungen im Bereich
Wirtschaft und Versorgung unter anderem durch
die Multicodierung von gewerblichen Flächen,
bspw. durch Nutzungsstapelungen oder der Ein-
bindung von kleinteiligen und stadtverträglichen
Gewerbeformen. Bestehende Betriebe sind in
32
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN
SZENARIEN
3�1�2 Entwicklungstrends
Um für das LiebigQuartier im Folgenden drei ver -
schiedene Szenarien mit einem zukunftsfähigen
Leitbild zu entwickeln, wurde zunächst ein Blick
auf aktuelle Entwicklungstrends der Stadtent-
wicklung geworfen, um sicherzustellen, dass die
entstehenden Leitbilder, die die grundlegende
Ausrichtung der Szenarien vorgeben, zukunfts-
orientiert sind. Hierbei war die Publikation „Die
Stadt von Übermorgen“ (BBSR, 2022) eine wich-
tige Grundlage, um einen Zugang zur komplexen
Trendlandschaft zu bekommen.
Schwerpunktsetzung und Anknüpfung an Entwicklungstrends
SZENARIEN
33
Während die Szenarien als Gemeinsamkeit haben,
dass sie allesamt auf eine Attraktivitätssteige-
rung des Quartiers als Wohn- und Arbeitsstand-
ort abzielen und auf die Folgen des Klimawandels
reagieren müssen, unterscheiden sie sich jedoch
in ihrer individuellen Schwerpunktsetzung. Die
Schwerpunktesetzungen wurden abgeleitet aus
den Einzel- und Entwicklungstrends, so dass
sich drei unterschiedliche Themenfelder ergeben
haben:
Lebendige Impulse:
Das lebenslange Lernen
Das lebenslange Lernen greift vor allem die
wachsenden Anforderungen an Arbeitskräfte
auf, was einen zukünftig steigenden Bedarf an
Aus- und Weiterbildungsstätten bedeutet. Um
weiterhin auf dem Arbeitsmarkt als potenziell
Arbeitnehmende zu agieren, müssen Menschen
sich in Zukunft mit stärkeren Lern- und Flexibi-
litätsanforderungen auseinandersetzen, da sich
die Anforderungen im Berufsalltag zunehmend
schneller ändern werden. Darüber hinaus sind
Projektarbeiten und Zeitverträge gegenüber
dem „Normalarbeitsverhältnis“ keine Seltenheit
mehr und es entstehen zudem neue Berufsfelder
(BBSR, 2022).
Frische Impulse:
Die Gesundheit als Statussymbol
Die Gesunde Stadt als Standortfaktor, aber auch
die gesunde und vor allem bewusste Ernährung
rücken zunehmend stärker in den Fokus, was
gleichzeitig den Stellenwert von lokaler Produk -
tion und fairem Handel ansteigen lässt. Wetter -
extreme und Umweltbelastungen treten verstärkt
auf und stoßen Maßnahmen des Klimaschutzes
und der Klimaanpassung bereits auf Planungs-
ebene an. Dabei wird die Implementierung einer
grünen Infrastruktur immer wichtiger (BBSR,
2022).
Innovative Impulse:
Die Rückkehr der urbanen Produktion
Aufgrund von kleinteiligeren, stadtverträglichen
und emissionsärmeren Produktionsweisen spielt
die Produktion innerhalb der Stadt wieder eine
bedeutendere Rolle. Der Fokus der innerstäd-
tischen Produktion auf mehrgeschossige Anla-
gen (z.B. Vertical Factory und Vertical Farming)
ermöglicht eine neue Bündelung von Nutzungen
und Synergien und bedeutet im Ganzen eine effi-
zientere Flächennutzung. Produktionsprozesse
sind insgesamt durch die Digitalisierung (Indus-
trie 4.0) anpassbarer und vielfältiger (BBSR,
2022).
Für dieses Vorgehen lässt sich abschließend
festhalten, dass die in der Szenarienentwicklung
fokussierten globalen Entwicklungstrends die
Ziele der Stadtstrategie ergänzen.
34
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN
SZENARIEN
3�2 SZENARIO 1 - LEBENDIGE IMPULSE
In diesem Szenario wird eine integrierte Quar -
tiersentwicklung angestrebt, bei der neue öffent-
liche Räume, welche Begegnung und Austausch
fördern, geschaffen werden. Diese treten in Form
von Plätzen oder gemeinschaftlich genutzten Flä-
chen auf. Zudem ergänzen gemischte Wohn- und
Arbeitsflächen das Quartier, um somit attrakti-
ver für alle Bevölkerungsgruppen zu werden und
eine vielfältige Nachbarschaft zu ermöglichen.
Möglichkeiten der Begegnung und Gemeinschaft
können hierbei in Form von geteilten Nutzungs-
angeboten wie Gemeinschaftswerkstätten oder
Co-Working-Spaces auftreten. Auch eine für die
Öffentlichkeit zugängliche Kantine könnte ein Ort
hierfür sein. Die zusätzliche Implementierung von
Bildungs- und Kultureinrichtungen stärkt die vor -
handenen sozialen Strukturen. Dabei gilt es vor
allem die bereits bestehenden soziokulturellen
Angebote zu sichern.
Neben den vielfältigen Nutzungsmischungen, die
zu einem lebendigen Wohn- und Arbeitsstandort
beitragen, liegt der Fokus auf der Produktion von
Wissen. Forschung, Lehre und Innovation treten
hierbei in unterschiedlichen Formen an mehreren
Orten auf und eröffnen das Potenzial, dass diese
Einrichtungen einen Wissensstandort erzeugen
um neue Ideen, Technologien und Unternehmen
zu fördern.
Szenario 1 trägt dazu bei, dass das LiebigQuartier
zu einem Zentrum für Wissenschaft wird und zu
einer erhöhten wirtschaftlichen Aktivität beiträgt.
Eine nachhaltige Infrastruktur, barrierefreie
Zugänge und umweltfreundliche Mobilitätslö-
sungen, neue Wegeführungen bei denen vor allem
Fuß- und Radverkehr gefördert werden, können
zusätzlich Lebens- und Standortqualitäten stei-
gern.
Leitbild Szenario 1 - Lebendige Impulse
SZENARIEN
35
36
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN
SZENARIEN
3�3 SZENARIO 2 - FRISCHE IMPULSE
Das zweite Entwicklungsszenario greift die Tradi-
tion der Lebensmittelproduktion im Quartier auf
und übersetzt diese in zeitgemäße, kleinteiligere
Formen der urbanen Lebensmittelproduktion.
Dies könnte die Schaffung von urbanen Landwirt-
schaftsflächen wie bspw. Dachfarmen, Gewächs-
häusern oder vertikalen Farmen und Produk -
tionsstätten, sowie die Um- und Nachnutzung von
bestehenden Gebäuden umfassen. Die Integra-
tion von Märkten oder gemeinschaftlichen Ver -
arbeitungsstätten kann hierbei die Verbindung
zwischen Produzenten und Verbrauchern stärken.
Dieser Ansatz ermöglicht nicht nur die Produktion
von frischen Lebensmitteln, sondern fördert auch
die Gemeinschaftsbildung und lokale Wertschöp-
fung. Moderne Technologien wie z.B. Aquaponik
oder hydroponische Systeme aus der Fisch- und
Pflanzenzucht leisten einen Beitrag für einen effi-
zienten Flächengebrauch und eine erhöhte Res-
sourceneffizienz.
Szenario 2 trägt dazu bei, dass die Nachfrage
nach regionalen Lebensmitteln und alternativen
Ernährungstrends erhöht wird und die ökologi-
sche Vielfalt in städtischen Räumen, sowie ein
Bewusstsein für lokale Lebensmittelproduktion
gefördert werden. Darüber hinaus leistet der Aus-
bau der grünen Infrastruktur einen Beitrag zur
Anpassung an die Folgen des Klimawandels.
Leitbild Szenario 2 - Frische Impulse
SZENARIEN
37
38
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN
SZENARIEN
3�4 SZENARIO 3 - INNOVATIVE IMPULSE
Dieses Szenario hebt die Bedeutung als inner -
städtisches Gewerbegebiet hervor und fokussiert
sich auf die innovative Weiterentwicklung von
neuen und bestehenden Gewerbeflächen, sowie
deren logistische Anbindung.
Zu Gunsten des Vorbehalts für großflächige,
eigenständige Gewerbeprofile, die in hoher Stück -
zahl serielle Fertigungen produzieren, steht in
diesem Entwicklungsszenario die Attraktivierung
als Wohnstandort an sekundärer Stelle. Dennoch
berücksichtigt das Szenario die vorhandene hete-
rogene Nutzungsmischung des Quartiers und
reagiert vor allem an den Übergängen zwischen
Wohnen und Gewerbe mit Pufferzonen. Architek -
tonische Standards, welche sowohl die funktio-
nalen Anforderungen der Produktion, als auch die
Ansprüche umliegender Wohnbebauung berück -
sichtigen, können zudem Nutzungskonflikte redu-
zieren. Zukunftsorientierte Gewerbeflächen, die
emissionsarme Produktionsverfahren verwenden
und Produktgruppen bspw. im Bereich der High-
Tech, Lasertechnik, Medizintechnik oder des
Prototypenbaus herstellen, erscheinen aufgrund
ihrer Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche
Marktanforderungen und ihrer Umweltverträg-
lichkeit besonders realistisch und stadtverträg-
lich. Zusätzlich könnte die Förderung von Start-
Ups oder Technologiezentren im Gewerbegebiet
zu Innovation und wirtschaftlichem Wachstum
beitragen. Eine durchdachte Verkehrsplanung,
die auf alternative Logistik- und Mobilitätssyste-
me setzt, kann die Erreichbarkeit verbessern und
die Verkehrsbelastung minimieren.
Szenario 3 trägt dazu bei, dass die Neugestaltung
der Gewerbeflächen nicht nur ökonomische Dyna-
mik und Wettbewerbsfähigkeit fördert, sondern
auch zu einem lebenswerten Quartier beitragen.
Leitbild Szenario 3 - Innovative Impulse
SZENARIEN
39
40
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN
SZENARIEN
3�5 BEWERTUNG DER SZENARIEN
Die drei Szenarien wurden ausführlich im Sze-
narienworkshop mit den lokalen Akteur*innen,
den Vertreter*innen der Stadtverwaltung und der
KölnBusiness diskutiert und hinsichtlich ihrer Eig-
nung für die zukünftige Entwicklung des Liebig-
Quartiers überprüft.
Szenario 1 – Lebendige Impulse
Die Umsetzbarkeit dieses Szenarios stellt eine
große Herausforderung dar. Flächen für die Bil-
dungs- und Sozialinfrastruktur sind - insbeson-
dere in Form eines Bildungscampuses auf dem
Schlachthofareal - über den tatsächlichen Bedarf
hinaus dargestellt. Dieses Angebot würde zwar
zum Ausbau des Bildungsnetzes und zur Siche-
rung und Stärkung gemeinschaftlicher Angebote
beitragen, würde aber die Weiterentwicklung der
vorhandenen gewerblichen Nutzung erschweren.
Dadurch entsteht - entgegen des übergeordneten
Ziels - der Sicherstellung der gewerblich genutz-
ten Flächen - ein zu starkes Ungleichgewicht
zwischen nicht-kommerzieller, gemeinwohlorien-
tierter Nutzung und produzierendem Gewerbe.
Dennoch zeigt das Szenario auf, dass eine Stär -
kung der soziokulturellen Angebote einen Mehr -
wert für Anwohnende bietet und darüber hinaus
auch ein Identitätsstifter sein kann, weshalb die-
ser Aspekt in das räumliche Entwicklungskonzept
einfließen wird.
Das Szenario Lebendige Impulse setzt auf verbes-
serte, quartiersinterne Durchwegungsmöglich-
keiten für den Fußverkehr. Hierfür ist aus städ-
tebaulicher Sicht der Durchstich der Osterather
Straße ein wesentliches Element des Szenarios,
um die Nord-Süd Verbindung zu stärken. Jedoch
würde die neue Wegeverbindung die kritische Inf-
rastruktur des ansässigen Energieversorgungs-
unternehmens gefährden, weshalb eine derartige
Entwicklung nicht weiter verfolgt werden sollte.
Eine verbesserte Anbindung des Quartiers an den
Parkgürtel ist daher im Rahmen verkehrlicher
Untersuchungen zu prüfen.
Eine Aufweitung des Straßenraums, wie es in Teil-
bereichen entlang der Liebigstraße in Szenario 1
vorgesehen ist, hat insgesamt das Potenzial den
öffentlichen Raum vor allem für den Fuß- und
Radverkehr zu qualifizieren und sollte in weiteren
Entwicklungen verfolgt werden.
Auf den derzeit brachliegenden Flächen östlich
und westlich der Geldernstraße ("Mobau" und
"Molkerei") liegen in diesem Szenario Wohn- und
gewerbliche Nutzungen direkt gegenüber. Dies
würde zu Nutzungskonflikten führen und eine
gewerbliche Entwicklung östlich der Geldernstra-
ße erschweren. Dieser Ansatz sollte so nicht wei-
ter geführt werden.
Bei Betrachtung des Gleisdreiecks wird deutlich,
dass die Ansiedlung einer vielfältigen Gewerbe-
struktur eine Chance bietet, die Lebendigkeit und
Belebung des Areals zu erhöhen. Hierbei ist die
verkehrliche Anbindung an die Innere Kanalstra-
ße vertieft zu untersuchen.
Szenario 2 – Frische Impulse
Die vorgeschlagene Zonierung, die das Szenario
Frische Impulse auf dem Schlachthofareal auf-
zeigt, ist insgesamt als positiv zu bewerten, da
hier Nutzungsabstufungen von gewerblichen
Mischnutzungen bis zu ausschließlich gewerblich
genutzten Flächen, stattfinden. Hierdurch können
Teilbereiche des Schlachthofareals über unter -
schiedliche Zeiträume entwickelt werden, sodass
SZENARIEN
41
der Betrieb einiger Bestandsunternehmen der
Lebensmittellogistik weiterhin gewährleistet ist.
Eine Logistik-Untertunnelung der Gleise bzw. eine
Verbindung zwischen Schlachthofareal und Am
Gleisdreieck erscheint aufgrund des hohen tech-
nischen und kostenintensiven Aufwands als nicht
realistisch und würde voraussichtlich keinen
nennenswerten Mehrwert bieten. Eine distribu-
tionsorientierte Marktstruktur, die das Szenario
im Bereich Am Gleisdreieck abbildet, würde eine
erhöhte Verkehrsbelastung erzeugen und mögli-
cherweise auch nicht ausreichend Fläche für eine
derartige Nutzung bereitstellen können, weshalb
diese Nutzungsentwicklung in weiteren Schritten
nicht weiter verfolgt wird.
Dennoch bietet das Szenario mit der westlichen
Freiraumausweitung eine Möglichkeit einer Grün-
raumvernetzung an, sodass dieser Entwurfsan-
satz in weiteren Entwicklungen mitaufgenommen
werden sollte. Der Randbereich der RheinEnergie
entlang der Wöhlerstraße bietet ein Nachverdich-
tungspotenzial, bei dem das Straßenprofil wei-
ter vervollständigt und qualifiziert werden kann.
Anders als in Szenario 1, wird in Szenario 2 die
beiden Entwicklungsflächen östlich und west-
lich der Geldernstraße als ein Nutzungsbaustein
verstanden und mit einem einheitlichen Konzept
entwickelt. Hierdurch könnten Nutzungskonflikte
vermieden werden.
Szenario 3 – Innovative Impulse
Auch wenn aus wirtschaftlicher Sicht die Pro-
duktivität im Szenario Innovative Impuse wohl
am höchsten ist, entsteht auf dem Schlachthof-
areal oder den Molkereiflächen kaum Mehrwert
für Anwohnende. Lediglich eine Durchwegungs-
möglichkeit des Schlachthofareals, sowie Park -
möglichkeiten, verbunden mit einer Mobilstation,
sind zu nennen. Allerdings erscheint die Mobil-
station zu weit entfernt von wichtigen Halte-
punkten des ÖPNV, sodass dieser Standort nicht
weiter verfolgt werden sollte. Zudem ist im Ver -
lauf der Liebigstraße auf Höhe des Schlachthof-
areals voraussichtlich von einem eher monotonen
Erscheinungsbild der Erdgeschosszone aufgrund
der großflächigen Produktionscluster, auszuge-
hen. Neben den stadtverträglichen Produktions-
formen sollten vor allem Übergangsbereiche
zwischen Wohnen und Gewerbe oder wichtige
Erdgeschosszonen zum öffentlichen Straßenraum
ansprechend gestaltet werden, um einen Mehr -
wert für den gesamten Stadtraum zu generieren.
Eine logistische Anlieferung über das bestehen-
den Schienennetz im südlichen Verlauf des
Schlachthofareals erscheint sinnvoll, ist aber
aufgrund der nicht vorhandenen Schienenkapa-
zitäten und dem bereits weit vorangeschrittenen
Ausbau des S-Bahn-Netzes nicht umsetzbar.
Die Entwicklung des Gleisdreiecks zeigt in die-
sem Szenario eine Entwicklung auf, die mit der
Eigenheit des Standorts umgeht und das Poten-
zial besitzt, emittierende Gewerbeformen mit
aufzunehmen. Die Verortung des Nahversor -
gungsbereichs im Gelenk zwischen Wohnen und
Gewerbe, mit Bezug zum Stadteingang, hat das
Potential den Standort zu einem zentralen Nah-
versorgungsbereich im Sinne des Einzelhandels-
und Zentrenkonzepts auszubauen und damit
langfristig zu sichern. Eine Herausforderung wird
sein, die vorhandenen Einzelhandelslagen nörd-
lich der Liebigstraße funktional und stadträum-
lich miteinander zu verbinden. Der südlich der
Liebigstraße gelegene Standort erweist sich als
nicht nachhaltig, da er den Bestand und Ausbau
des Gewerbes beeinträchtigt.
RÄUMLICHES
ENTWICKLUNGSKONZEPT
04
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT
43
RÄUMLICHES
ENTWICKLUNGSKONZEPT
4�1 HERLEITUNG
Das Räumliche Entwicklungskonzept dient als
Grundlage für die zukünftige Entwicklung des
Plangebiets. Es zeigt die wesentlichen räumli-
chen Strukturen und Interventionen zur zukunfts-
fähigen Transformation auf.
In einem diskursiven Prozess wurden die unter -
schiedlichen privaten und öffentlichen Belange,
die anhand der drei Szenarien überprüft wurden,
in dem Konzept zusammengeführt.
Die untenstehende Abbildung zeigt schematisch
diesen Prozess, bei dem in unterschiedlichen
Beteiligungsformaten die drei Szenarien mit der
Verwaltung, der Politik, und den Akteur*innen
im LiebigQuartier diskutiert wurden. Der erste
Entwurf des aus den Diskussionen abgeleite-
ten Räumlichen Entwicklungskonzepts wurde
auf der Zukunftskonferenz mit der Öffentlichkeit
diskutiert (s.a. Kapitel 1.3). Auf Grundlage der
Anregungen und Hinweise aus der Öffentlich-
keitsveranstaltung wurde das Räumliche Entwick -
lungskonzept überarbeitet. Die Umsetzung des
Konzeptes wurde durch Kapitel 5 "Handlungs-
empfehlungen und Kernprojekte" konkretisiert.
Das Räumliche Entwicklungskonzept besteht ins-
gesamt aus den Teilen: Räumliches Leitbild, Ent-
wicklungskonzept und Handlungsempfehlungen.
Vorgehen Herleitung Räumliches Entwicklungskonzept
ENTWICKLUNG VON
DREI SZENARIEN
SZENARIEN
WORKSHOP
PROJEKTGRUPPEN
SITZUNG
SONDERTERMIN
POLITIK
LENKUNGSKREIS
GEGENÜBERSTELLUNG
EINZELNER BAUSTEINE ZUKUNFTS-
KONFERENZ
FINALISIERUNG
ABLEITUNG
DES RÄUMLICHEN
ENTWICKLUNGSKONZEPTES
44
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT
Bei Betrachtung der Szenarien und der entspre-
chenden Leitbilder fällt auf, dass in allen drei Sze-
narien die Entwicklung des Schlachthofareals ein
entscheidender Impulsgeber für die Entwicklung
des gesamten Quartiers sein kann. Das Schlacht-
hofareal erstreckt sich über einen bedeutenden
Teil entlang der Liebigstraße und bietet somit
einen erheblichen Mehrwert für die Entwicklung
der zentralen, verbindenden Achse zwischen den
Stadtteilen Ehrenfeld und Nippes.
Eine aufeinander abgestimmte Entwicklung der
derzeit brachliegenden Flächen östlich und west-
lich der Geldernstraße ist ein weiterer zentraler
Entwicklungsbaustein. Diese Entwicklung kann
zu einem ähnlichen Impulsgeber werden und eine
quartiersübergreifende Bedeutung gewinnen, vor
allem, wenn hier ein Mehrwert für Anwohnende
geschaffen wird.
Die Fläche Am Gleisdreieck könnte mit einer viel-
fältigen Nutzung mit dem Schwerpunkt Gewerbe
dazu beitragen, den heute städtebaulich isolier -
ten Bereich zu beleben. Wichtig hierbei ist es, die
Anbindung und verkehrliche Erschließung vertieft
zu betrachten, da die Verkehrsknotenpunkte, wel-
che die Fläche an das Verkehrsnetz anschließen,
bereits heute stark ausgelastet sind. Ein beson-
derer Fokus sollte daher in der Entwicklung der
Fläche mit einer neuen Anbindung an das ÖPNV-
Netz und alternativen Mobilitätsangeboten liegen.
Eine Überdeckelung der Autobahn ist für eine
bessere Vernetzung der Grünstrukturen und die
Erreichbarkeit des Quartiers für Fußgänger und
Radfahrer nicht erforderlich. Im Verhältnis zwi-
schen Aufwand und Nutzen könnte eine breite
Grünverbindung, perspektivisch ergänzt durch
eine Brücke für Fußgänger*innen und Radfah-
rer*innen über den sog. "Spaghettiknoten", der
Auffahrt Innere Kanalstraße - A57, eine bessere
Option darstellen.
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT
45
4�2 LEITBILD
Das räumliche Leitbild des Räumlichen Entwick -
lungskonzepts zeigt die wesentlichen Strukturen
und übergeordneten Zielvorstellungen des Quar -
tiers auf. Es dient als abstrakte Zusammenfas-
sung und Formulierung des Konzepts.
Das Leitbild hebt vor allem Wegebeziehungen,
die für die Durchwegbarkeit und Anbindung des
Quartiers von Bedeutung sind, hervor. Zentrale
Rolle nimmt dabei die Liebigstraße ein, da sie
neben ihrer verbindenden Funktion, Stadtbild
prägend wirksam wird. Die Liebigstraße wird defi-
niert als urbane Achse mit Aufenthaltsqualitäten
und einer lebendigen Erdgeschosszone. Ein zen-
traler öffentlicher Platz auf Höhe des Methwegs,
sowie ein kleiner Platz am Quartierseingang auf
Höhe des S-Bahnhofs Nippes, bieten die Mög-
lichkeit Begegnungs- und Aufenthaltsräume im
öffentlichen Raum zu schaffen. Aufgrund der
direkten Verbindungsfunktion zwischen Ehren-
feld und Nippes, nimmt die Liebigstraße ebenfalls
eine wichtige Rolle als Fuß- und Radverkehrsach-
se ein.
Die Nord-Süd Verbindung zwischen Blücherpark
und Innerem Grüngürtel am westlichen Rand des
Plangebiets ist eine bedeutende, übergreifende
Wegebeziehung, die heute schon in großen Teilen
besteht. Die Verbindung soll vervollständigt und
hinsichtlich ihrer Aufenthaltsqualität weiterentwi-
ckelt werden. Des Weiteren wird die Durchweg-
barkeit durch eine Fuß- und Radverkehrsüberfüh-
rung verbessert, um eine direkte Anbindung des
Inneren Grüngürtels zu ermöglichen und die Bar -
rierewirkung des Straßenraums zu überwinden.
Eine weitere für den Fuß-und Radverkehr bedeu-
tende Wegeverbindung entsteht durch einen
Durchstich unter der Bahntrasse auf Höhe des
Geldernparks. Hierdurch entsteht das Potenzial,
die Anbindung des LiebigQuartiers für den nicht-
motorisierten Individualverkehr auszubauen und
eine soziale Mischung zwischen den Stadtteilen
Bilderstöckchen und Nippes einzuleiten.
Während sich der Ausbau der grünen Infrastruk -
tur vor allem durch drei markante grüne Achsen
im Leitbild hervorhebt, sind diese durch weitere,
untergeordnete Grünverbindungen miteinander
vernetzt. So ergibt sich ein grünes Netz aus einer
primären und einer sekundären Struktur, das sich
auf das Quartier legt und vorhandene, sowie neue
Grünflächen miteinbezieht. Dabei müssen nicht
alle Grünflächen öffentlich zugänglich oder als
Wegeverbindungen dienen, sondern können die
vorhandenen Barrieren für Fauna und Flora redu-
zieren. Die drei grünen Achsen unterscheiden
sich in ihrer Ausformulierung stark voneinander.
Während die westliche Achse das größte Freiflä-
chenangebot aufweist und übergeordnete Grün-
räume vernetzt, bildet die östliche Achse einen
grünen Saum entlang der Gleise, der nicht in allen
Abschnitten öffentlich zugänglich ist. Die dritte
grüne Achse, entlang der Osterather- und Escher
Straße, stärkt die Nord-Süd-Verbindung zwischen
Liebigstraße und Parkgürtel.
46
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT
Entlang der Gleise erstreckt sich ein Gewerbe-
band, für welches das Leitbild eine Clusterung
unterschiedlicher Gewerbeformen vorsieht. Wäh-
rend der Bereich des Gleisdreiecks als Gewer -
becampus mit einer Mischung aus Dienstleistung
und Gewerbe entwickelt werden könnte, könnte
das Schlachthofareal im westlichen Bereich die
vorhandenen soziokulturellen Nutzungen ergän-
zen, mit einem kleinen öffentlichen Platz im mitt-
leren Bereich. Im östlichen Bereich entsteht ein
Schwerpunkt für stadtverträgliches Gewerbe.
Die bestehenden Nutzungen könnten so gesi-
chert und harmonisch in die Gesamtplanung
des Bereichs integriert werden. In unmittelbarer
Nähe des S-Bahnhofs Köln-Nippes spannt sich
der Bereich eines Nahversorgungsbereich auf.
Dieses Gelenk zwischen dem gewerblichen Band
auf der einen und der bestehenden Wohnnutzung
auf der gegenüberliegenden Seite markiert den
Eingangs- bzw. Übergangsbereich des Quartiers
und bündelt zukünftig - neben den zentralen Ein-
kaufsmöglichkeiten - auch weitere Dienstleistun-
gen und Geschäfte des täglichen Bedarfs.
Auf den ehemaligen Mobau- und Molkereiflä-
chen rücken Wohn- und Gewerbenutzung stark
zusammen. Das Leitbild zielt an dieser Stelle auf
ein urbanes Gebiet mit der Stärkung von stadt-
verträglichem Gewerbe ab. Dieses wird integriert
durch die Kombination von sozialer Infrastruktur
(insb. Bildung) sowie einem Ort für Kultur- und
Kreativnutzung.
Neben baulichen Entwicklungen und neuen Nut-
zungszonierungen zeigt das Leitbild auch auf,
welche Strukturen in ihrem Bestand, insbeson-
dere vor heranrückenden Nutzungen zu schüt-
zen sind. Dies betrifft insbesondere den Bereich
der RheinEnergie, der wichtige Funktionen der
Daseinsvorsorge für ganz Köln übernimmt.
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT
47
Leitbild Räumliches Entwicklungskonzept
48
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT
Zusätzlich zu den zentralen Entwurfselementen
des Leitbilds enthält das Räumliche Entwick -
lungskonzept räumliche Aussagen, die zu einem
lebenswerten Wohn- und Arbeitsstandort bei-
tragen. Diese Entwicklungen variieren in ihrem
Umfang, ihren zeitlichen Umsetzungshorizonten
und den wesentlichen Handlungstreibern. Die
unterschiedlichen Zielrichtungen und räumlichen
Setzungen lassen sich verschiedenen Handlungs-
feldern zuordnen. Ausgehend von den fünf Hand-
lungsfelder, die den fünf Entwicklungszielen (sie-
he 3.1.1) entsprechen, werden im Folgenden die
Inhalte des Räumliche Entwicklungskonzeptes
erläutert.
4�3 HANDLUNGSFELDER
Städtebau und Wohnen
Das LiebigQuartier soll weiterhin als Wohnstand-
ort mit bezahlbarem Wohnraum erhalten bleiben.
Durch (städtebauliche) Aufwertungen im Quartier
können jedoch auch Verdrängungsprozesse der
ansässigen Wohnbevölkerung in Gang gesetzt
werden. Diesen Prozessen sollen Soziale Erhal-
tungssatzungen gem. § 172 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2
BauGB entgegenwirken. Die Stadt Köln nutzt die-
ses Instrument bereits in verschiedenen ande-
ren Quartieren. Die Verwaltung hat den Auftrag,
darüber hinaus Gebiete für den Einsatz dieses
städtebaulichen Instrumentes vorzuschlagen.
Dies erfolgt auf der Grundlage einer gesamtstäd-
tischen Betrachtung, sodass das LiebigQuartier
ebenfalls in diese Betrachtung einbezogen ist.
Zur Umsetzung des Ziels neuer Wohnfor -
men und zielgruppenspezifischer Wohnange-
bote, sieht das Räumliche Entwicklungskon-
zept unter anderem in den Randbereichen der
RheinEnergie die Entwicklung von Werkswohnun-
gen vor. Während das Werkswohnen im Bereich
der Escherstraße eine reine Wohnnutzung mit
hohen Grünanteilen vorsieht, beinhaltet die bauli-
che Entwicklung an der Wöhlerstraße zusätzliche
Büro- und Arbeitsflächen.
Eine weitere Form der vielfältigen Wohnangebo-
te ist das Mehrgenerationenwohnen, wie es im
westlichen Teil des Schlachthofareals denkbar
ist. Neben den gewerblichen und sozialen Nut-
zungen ist eine kleinteilige Mischung mit Wohn-
formen, vor allem im Bereich der Liebig-, aber
auch der Hans-Wild-Straße, eine Möglichkeit der
angrenzenden Wohnbebauung ein Gegenüber zu
geben und somit die Nachbarschaft zu stärken.
Bauliche Neuentwicklungen orientieren sich in
ihrer Höhenentwicklung dabei an umliegenden
Geschossigkeiten.
Eine erhöhte Nutzungsmischung und Dichte aus
Wohnen, Arbeiten und Freizeitangeboten liegt im
Bereich der ehemaligen Mobau- und Molkerei-
fläche (westlich der Geldernstraße) vor. Ein nicht
störendes Gewerbe entlang der Geldernstraße
schirmt den inneren, ruhigeren Wohnbereich von
der Straße ab und bietet Platz für flexible Wohn-,
Gewerbe- und Arbeitsformen. Die Wohnnutzung
im blockinneren sieht einen erhöhten Grünanteil
vor, um auch hier das „Wohnen im Grünen“, wie
es in Bilderstöckchen in großen Teilen besteht,
fortzuführen. Auch hier empfiehlt sich eine
bestandsorientierte Höhenentwicklung, die sich
in das städtebauliche Gesamtbild einfügt.
Am nördlichen Quartierseingang, angrenzend
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT
49
WÖHLERSTRASSEWÖHLERSTRASSE
ESCHER STRASSE
ESCHER STRASSE
HANS-WILD-STRASSEHANS-WILD-STRASSE
PARKGÜRTELPARKGÜRTEL
GELDERNSTRASSEGELDERNSTRASSE
50
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT
an Parkgürtel und Geldernstraße, bietet sich
die Möglichkeit, einen städtebaulichen Auftakt
in Form einer wohnlichen Nachverdichtung zu
schaffen, um neben der Entwicklung neuen Wohn-
raums, einen Quartierseingang zu gestalten. Die-
ses Baufeld eignet sich als Hochpunkt um somit
die Eingangssituation räumlich zu akzentuieren.
Die Liebigstraße ist als zentrale Stadtachse einer
städtebaulichen Aufwertung zu unterziehen, bei
der auch der Abwicklung der Wirtschaftsverkehre
ausreichend Bedeutung gegeben werden muss.
Der Straßenraum soll durch neue Raumkanten
gefasst werden und durch eine in den öffentli-
chen Bereich wirkende, aktive Erdgeschosszone
belebt werden. Durch einen möglichst hohen
Grünanteil entlang der Straße soll zukünftig ein
Beitrag zur Klimafolgenanpassung geleistet wer -
den. Insgesamt definiert das Räumliche Ent-
wicklungskonzept die Liebigstraße als urbane
und begrünte Achse mit Qualifizierungen für den
Fuß- und Radverkehr und einer attraktiven Erd-
geschosszone.
Wirtschaft und Versorgung
Um das LiebigQuartier weiterhin als innerstäd-
tischen Gewerbestandort zu sichern, ist es not-
wendig, vorhandene Gewerbeflächen zu sichern
bzw. zu transformieren. Dies geschieht in vier
Teilbereichen, die bereits im Leitbild als gewerbli-
che Impulsräume festgelegt sind. Sie unterschei-
den sich in ihrer Größe, ihrer Nutzungsmischung
und in ihrer Produktivität. Im südlichen Teil des
Plangebiets, im Bereich Am Gleisdreieck gele-
gen, könnte langfristig ein Gewerbe- und Dienst-
leistungscampus entstehen, der aufgrund seiner
Lage auch produzierendes bzw. Lärm emittieren-
des Gewerbe aufnehmen kann, ohne Nutzungs-
konflikte zu erzeugen. Der Campus enthält eine
interne Freiraum- bzw. Aufenthaltsqualität mit
einem erhöhten Grünanteil, um die negativen
Wirkungen einer hohen Versieglung abzumildern.
Ein Hochpunkt in einem der Eckpunkte des Gleis-
dreiecks wäre voraussichtlich stadtraumverträg-
lich. Die genaue Lage und Höhe müsste allerdings
noch städtebaulich vertieft untersucht und quali-
fiziert werden, hierbei ist insbesondere die ver -
kehrliche Anbindung zu berücksichtigen.
Für die Entwicklung im Bereich des Schlachthof-
areals ist eine gewerbliche Nutzung weiterhin zu
priorisieren. Im westlichen Teil sollten im Über -
gang zur Wohnnutzung die vorhandenen sozio-
kulturellen Nutzungen im Bestand gesichert und
durch weitere Flächen ergänzt werden. Die Ziel-
programmatik sieht auf dem Areal insgesamt
einen urbaneren Charakter mit der Stärkung von
stadtverträglichem Gewerbe vor. Das Räumliche
Entwicklungskonzept schlägt eine sukzessive Ent-
wicklung des Areals vor, sodass zunächst gewerb-
lich genutzte Bestandsgebäude erhalten und
nach Bedarf bzw. Flächenverfügbarkeit Baufelder
ergänzt werden können. Zukünftige gewerbliche
Entwicklungen sind auch hier mit einem hohen
Grünanteil zu versehen.
Östlich der Hornstraße befindet sich ein städte-
baulich nicht integrierter Supermarkt, dessen
Fläche als potenzielle Erweiterungsfläche für
Gewerbe in Betracht gezogen werden kann.
Eine weitere zentrale Entwicklung ist die Zen-
trumsentwicklung inkl. Nahversorgungsbereich
in direktem Umfeld des S-Bahn-Haltepunkts
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT
51
HORNSTRASSEHORNSTRASSE
OSTERATHER STRASSEOSTERATHER STRASSE
ESCHER STRASSEESCHER STRASSE
52
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT
Köln-Nippes. Dieser Bereich spannt sich ausge-
hend vom Quartierseingang an der Liebigstraße
bis zum nördlich gelegenen Supermarkt zwi-
schen Osterather- und Escherstraße. Er umfasst
die ansässigen Supermärkte und soll zukünftig
das Versorgungsangebot mit weiteren Formen
des täglichen Bedarfs ergänzen. Die räumlichen
Barrieren sind durch geeignete stadträumliche
Maßnahmen zu reduzieren, damit die einzelnen
Nutzungen besser miteinander vernetzt werden.
Neubauten sollten entsprechend räumlich inte-
grativ geplant werden. Die leerstehende Laden-
zeile am Parkgürtel soll auf eine Unterbringung
eines kleinen Nahversorgers oder auf alternati-
ven Nutzungen geprüft werden.
Auf der ehemaligen Molkereifläche besteht die
Herausforderung, Nutzungskonflikte mit angren-
zender Wohnbebauung zu vermeiden. Durch neue
Durchwegungen und kleinteiliges, stadtverträg-
liches Gewerbe sowie Formen der Kreativwirt-
schaft könnte dieser Stadtbaustein gut in das
Quartier integriert werden.
Soziales, Kultur und Bildung
Innerhalb des Plangebiets befinden sich mehrere
Entwicklungen, die Nutzungsangebote im Bereich
Soziales, Kultur und Bildung vorsehen. Im All-
gemeinen soll bürgerschaftliches Engagement
gefördert und unterstützt werden.
Hervorzuheben ist der westliche Teil des Schlacht-
hofareals, bei dem es zunächst um die Sicherung
der bereits heute vorhandenen soziokulturellen
Einrichtungen geht. Zudem sollen diese Struktu-
ren durch die Einbindung von unterschiedlichen
(Weiter-)Bildungsangeboten, Orten des Zusam-
menkommens, Kulturnutzungen und Sozialer In-
frastruktur gestärkt werden.
Das Räumliche Entwicklungskonzept kennzeich-
net die nördlich angrenzende Fläche der Grund-
schule Osterather Straße als perspektivische
Schulerweiterungsfläche, sodass diese zunächst
von (baulichen) Entwicklungen freigehalten wer -
den sollte.
Für den nördlichen Teil des Nahversorgungs-
bereichs ist eine Ergänzung durch Nutzungen
der sozialen Infrastruktur angedacht. Diese
Angebote finden sich in Teilen auf der ehemali-
gen Mobau- und Molkereifläche wieder, um dem
Flächenbedarf der Pflegeinfrastruktur (Stationä-
re Pflegeeinrichtung, Seniorenwohnen etc.) ent-
gegenzukommen. Der Rückstand an Sport- und
Freiflächen, der unter anderem durch jüngste,
bauliche Nachverdichtungen in Bilderstöckchen
entstanden ist, soll in zukünftigen Entwicklungen
ebenfalls berücksichtigt werden. Weitere Flächen
mit kleinteiligen Spiel- und Sportangeboten fin-
den Platz im Gel-dernpark sowie im grünen Band,
als Auftakt zum Standort des ESV Olympia.
Die etablierte Kultur- und Veranstaltungsstätte
"Odonien", die westlich der Hornstraße liegt, ist
ein wichtiger stadtteilübergreifender Kulturstand-
ort, der in seinem Bestand zu sichern ist.
Das Angebot für kulturelle Nutzungen und Ver -
anstaltungen könnte auch im Bereich zwischen
der Straße Am Gleisdreieck und der Inneren
Kanalstraße erweitert werden. Somit könnte der
Gewerbecampus auch außerhalb der Werktage
bzw. Betriebszeiten in Teilen genutzt werden.
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT
53
AM GLEISDREIECKAM GLEISDREIECK
INNERE KANALSTRASSEINNERE KANALSTRASSE
54
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT
Mobilität und Verkehr
Um die Mobilität innerhalb des LiebigQuartiers
attraktiver und nachhaltiger zu gestalten, spielt
der Ausbau des Fuß- und Radwegenetzes eine
wichtige Rolle. Neue Wegebeziehungen wie eine
direkte Verbindung zwischen Geldernpark und
Nippes, eine Durchwegung des Blockinneren zwi-
schen Escher- und Geldernstraße, die Fortfüh-
rung des Methweg (als wichtiger Schulweg), eine
nördliche Anknüpfung des Herkulesbergs sowie
eine Überführung für den Fuß-und Radwegever -
kehr im Bereich der Inneren Kanalstraße / A57
Auffahrt, ergänzen das bestehende Netz.
Der Straßenraum soll insgesamt als Raum mit
hoher Aufenthaltsqualität aufgewertet werden.
Dies betrifft vor allem die Liebigstraße, die durch
Aufweitungen eine neue Qualität und Fläche für
Rad- und Fußverkehr, straßenbegleitende Begrü-
nung und öffentliche Platzbereiche erhält. Die
Wirtschaftsverkehre müssen dabei Berücksichti-
gung finden.
Das Radwegenetz sieht auf Hauptverkehrsach-
sen eine vom MIV getrennte Verkehrsführung vor,
während auf den restlichen Straßen das Radfah-
ren im Mischverkehr vorgesehen ist. Hervorzuhe-
ben ist auch das Ziel von fuß- und radverkehrs-
freundlicher Umgestaltung unübersichtlicher
Knotenpunkte, wie dem Kreuzungsbereich Lie-
big-, Escher- und Lämmerstraße oder auch dem
Anschluss zwischen Horn- und Innerer Kanalstra-
ße.
Darüber hinaus ist auch die Ausbildung einer
begrünten Fahrradstraße entlang der Wöhler -
straße eine Möglichkeit, um quartiersintern eine
verkehrsberuhigtere Alternative zur Liebigstra-
ße zu schaffen. Eine weitere Maßnahme ist die
Verlängerung des Methwegs bis zur Osterather
Straße. Der Ausbau als begrünte Wegeführung
mit Anschluss an die Osterather Straße kann das
Durchwegungsangebot im Sinne kurzer Wege
stärken.
Um einen Teil des ruhenden Verkehrs innerhalb
des Quartiers stadtverträglicher zu organisieren,
ist eine Kombination aus einer Quartiersgarage
und einer Mobilstation ("Mobility-Hub") am Stadt-
eingang Nippes verortet. Weitere Mobilitäts-
angebote finden sich an Quartiersrändern und
öffentlichen Plätzen wieder. Die Angebote des
Mobility-Sharings, welche die gemeinschaftliche
Nutzung von Fortbewegungsmitteln wie Autos,
Fahrrädern oder E-Scooter umfassen, sollten
flächendeckend im Plangebiet angeboten wer -
den. Es sind die Maßgaben in Abhängigkeit zum
Beschluss "Raumbuch Mobilstation" (Vorlage
0910/2024 ) zu berücksichtigen.
Wirtschaftsverkehre, die das Schlachthofareal
bedienen, erfolgen aktuell über eine zentrale Ein-
fahrt an der Liebigstraße. Eine parallel zur Liebig-
straße verlaufende Logistikachse, die das Areal
mittig teilt, ist im Räumlichen Entwicklungskon-
zept vorgesehen. Diese Achse könnte Logistik -
verkehre von der Hornstraße aus aufnehmen und
somit in Teilen die Liebigstraße entlasten. Das
Räumliche Entwicklungskonzept schlägt für die-
sen Bereich eine Sicherung vor, falls bestehende
bauliche Nutzungen aufgegeben werden.
Die Aufgabenstellung des Räumlichen Entwick -
lungskonzepts LiebigQuartier beinhaltete kein
verkehrsplanerisches Gesamtkonzept. Zur Errei-
chung der inhaltlichen Ziele ist die verkehrsver -
trägliche Entwicklung eine Grundvoraussetzung.
Neue Projekte müssen verträglich in das vor -
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT
55
METHWEGMETHWEG
WÖHLER STRASSEWÖHLER STRASSE
GELDERNSTRASSEGELDERNSTRASSE
AM GLEISDREIECKAM GLEISDREIECK
INNERE KANALSTRASSE
INNERE KANALSTRASSE
ESCHER STRASSEESCHER STRASSE
LÄMMERSTRASSE
LÄMMERSTRASSE
HORNSTRASSEHORNSTRASSE
56
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT
handene Verkehrssystem durch die Vorhabenträ-
ger*innen eingebunden werden.
Grün und Klima
Für die Vervollständigung der Grünraumvernet-
zung setzt das Räumliche Entwicklungskonzept
vor allem an Defizitbereichen, an denen der Ver -
siegelungsgrad überwiegt, an. Dazu zählen Stra-
ßenräume und Kreuzungsbereiche der Liebig-,
aber auch der Escher- und Wöhlerstraße, für die
eine Neugestaltung und Neubepflanzung vorge-
schlagen wird, um das Mikroklima zu verbessern
und die Versickerungsmöglichkeiten im Quartier
zu erhöhen.
Für den nördlichen Teil der Escher Straße schlägt
das Räumliche Entwicklungskonzept eine Auf-
weitung des Straßenprofils zugunsten von neu-
en Grünstrukturen und einer Grünvernetzung
in Richtung Blücherpark vor. So können grüne
Pufferzonen zwischen westlich angrenzenden
Gewerbebetrieben und klimatisch optimierte Auf-
enthaltsqualitäten entstehen.
Für die Entwicklung der ehemaligen Mobau- und
Molkereiflächen zeigt das Räumliche Entwick -
lungskonzept die Möglichkeit einer Fußwegever -
bindung durch das grüne Blockinnere auf. So
könnte eine weitere Durchwegungsmöglichkeit
dem Ziel der kurzen Wege und dem Ausbau eines
grünen Netzes näher kommen.
Eine zentrale grüne Achse bildet das „grüne
Band“ welches sich entlang der Gleise erstreckt.
Dieses Band beginnt im Norden unterhalb des
Parkgürtels mit einer Qualifizierung der bereits
vorhandenen Grünstrukturen, um einen natur -
nahen Auftakt zum Quartier zu schaffen. Ausge-
hend vom Geldernpark erstreckt sich in südliche
Richtung entlang der Bahntrassen Böschungs-
struktur, die den stark versiegelten Bereich des
Molkerei-Geländes einfasst. Langfristig könnte
der Grünraum sich, der Lämmerstraße folgend,
über den südlichen Randbereich des Schlachthof-
areals ziehen, um auch hier Grünstrukturen auf
den stark versiegelten Bereichen auszuweiten.
Denkbar ist es, dass sich eine Wegeführung auf
Höhe der Gleistrasse befindet, die einen Ausblick
über das Schlachthofareal ermöglicht. Falls eine
derartige Wegeführung entwickelt werden soll,
ist im Rahmen der Gestaltung zu vermeiden, dass
hier Angsträume entstehen. Innerhalb des grünen
Bands, im Bereich der Lämmerstraße, sind neben
den neuen Fußwegen auch Sport- und Freizeitan-
gebote denkbar, um diese Freiflächen aktiver zu
gestalten.
Das Räumliche Entwicklungskonzept sieht eine
Entsiegelung im westlichen Randbereich vor, um
die Freiraumvernetzung zwischen Blücherpark
und Innerem Grüngürtel zu vervollständigen. Dies
stellt vor dem Hintergrund einer Kosten-Nutzen-
Betrachtung eine Alternative zur aufwändigen
Überdeckelung der A57 dar. Zudem können ein-
zelne bauliche Entwicklungen mit erhöhten Grün-
anteilen und klimaoptimierter Bauweise einen
positiven Beitrag zum Mikroklima leisten.
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT
57
ESCHER STRASSEESCHER STRASSE
WÖHLERSTRASSE
WÖHLERSTRASSE
LÄMMERSTRASSE
LÄMMERSTRASSE
58
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT
4�4 RÄUMLICHES
ENTWICKLUNGSKONZEPT
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT
59
60
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT
4�5 VERTIEFUNGSBEREICH
LIEBIGSTRASSE
Das Räumliche Entwicklungskonzept zeigt, dass
die Schwerpunktbereiche der Entwicklung das
Potenzial bieten, den zukünftigen Charakter des
LiebigQuartiers neu zu gestalten. Das Konzept
enthält eine Bandbreite an Projekten unter -
schiedlicher Maßstäbe, um das Quartier neu zu
strukturieren und auszurichten. Einige dieser Pro-
jekte besitzen aufgrund ihres hohen Mehrwerts
für Anwohnende - bspw. durch eine neue Erleb-
barkeit des Quartiers, eine positive Auswirkung
auf das Mikroklima oder ein erweitertes Nut-
zungsangebot - eine besonders hohe Priorität für
die räumliche Neuordnung des LiebigQuartiers.
Diese Projekte werden im Räumlichen Entwick -
lungskonzept als Kernprojekte definiert.
Eines der Kernprojekte ist die Umgestaltung der
Liebigstraße, bei dem vor allem die fuß- und rad-
verkehrsfreundliche Umgestaltung unter Berück -
sichtigung der Wirtschaftsverkehre fokussiert
wird. Insgesamt soll dabei die Liebigstraße auch
als öffentlicher Raum qualifiziert werden.
Die Liebigstraße ist ein raumprägendes Element
für das gesamte Plangebiet. Sie wickelt wichtige
Andienungsverkehre angrenzender Unternehmen
ab und stellt darüber hinaus eine direkte Verbin-
dungsachse zwischen Ehrenfeld und Nippes dar,
weshalb die Straße zu Stoßzeiten auch besonders
durch Fußgänger*innen und Radfahrer*innen fre-
quentiert ist.
Das Straßenbild wird aktuell zu einem großen Teil
von ruhendem Verkehr und einem hohen Versie-
gelungsgrad geprägt, während begrünende Ele-
Liebigstraße heute
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT
61
mente entlang der Straße nur auf privaten Grund-
stücken zu finden sind. Zudem weisen nur wenige
der anliegenden Gebäude städtebauliche Quali-
täten auf, während große brachliegende Flächen
die Attraktivität der Umgebung beeinträchtigen.
Im Bestand erscheint die Straße vornehmlich für
den motorisierten Individualverkehr ausgelegt,
was sich durch breite Fahrbahnen und schmale
Fuß- und Radwege äußert.
Bei der Neugestaltung der Liebigstraße wird eine
umfassende Planung angestrebt, die sowohl ver -
kehrstechnische als auch städtebauliche Aspekte
berücksichtigt. Ein zentraler Schwerpunkt liegt
dabei auf der Schaffung großzügiger, klar struk -
turierter und sicherer Fußwege, die deutlich
von der Radinfrastruktur getrennt sind, sodass
für beide Nutzer*innengruppen eine möglichst
sichere Teilnahme am Verkehr gewährleistet ist.
Um den Raum vom Autoverkehr und dem ruhen-
den Verkehr zu entlasten, werden Straßenbe-
reiche neugestaltet und zugunsten anderer Ver -
kehrsteilnehmer*innen umverteilt. Insbesondere
die Implementierung von breiten Fahrradspuren
nach dem Segregationsprinzip auf beiden Seiten
der Straße trägt dazu bei, dass der Radverkehr
sicherer und attraktiver gestaltet wird.
Die Entwicklung des öffentlichen Quartiersplat-
zes auf dem Schlachthofareal soll als Treffpunkt
für die Gemeinschaft dienen. Dieser Platz bietet
Raum für gastronomische Angebote zur Förde-
rung der sozialen Interaktion sowie eine Mobil-
station, um die Anbindung und auch das Mobili-
tätsangebot insgesamt zu verbessern.
Um diesen öffentlichen Platz bereits auf der
Liebigstraße anzukündigen, können mittels
einer gesonderten Oberflächengestaltung und
Entwicklungsmöglichkeit Liebigstraße
62
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT
Liebigstraße
35m
15m
Liebigstraße
SCHNITT - A
Verortung der Straßenschnitte
zusätzlichen Grünelementen im Straßenraum,
fußgängerfreundliche Querungsmöglichkeiten
geschaffen werden, die gleichzeitig als eine Art
Temposchwelle für den MIV fungieren.
Die Liebigstraße besitzt innerhalbt des Plange-
biets auf über 800 Metern Länge verschiedene
Abschnitte, die unterschiedlichste Straßenquer -
schnitte aufweisen.
Zur exemplarischen Verdeutlichung einer Flä-
chenneuaufteilung im Straßenraum wurden zwei
Querschnitte der Liebigstraße gewählt. Darunter
fällt der breiteste Abschnitt mit rund 35 Metern
im westlichen Teil der Liebigstraße, sowie ein
besonders enger Abschnitt mit ca. 15 Metern im
östlichen Bereich. Die Bestandssituation zeigt,
dass gerade der Fußweg bei einer geringeren
Gesamtfläche besonders schmal ausfällt und mit
Radwegen zusammengelegt wurde, während Flä-
chen für den MIV und ruhenden Verkehr weiter -
hin bestehen bleiben. Zudem weisen beide Quer -
schnitte keine Flächen für Verschattungen oder
Versickerungsmöglichkeiten durch begrünende
SCHNITT - B
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT
63
SCHNITT A - Bestand
SCHNITT B - Bestand SCHNITT B - Entwicklungsmöglichkeit
SCHNITT A - Entwicklungsmöglichkeit
Elemente auf. Dadurch sind die Straßenprofile
besonders anfällig bei Extremwetterereignissen,
sodass bei einer Umgestaltung der Liebigstraße
das Entwicklungsziel der Förderung von Straßen-
grün eine zentrale Rolle einnehmen sollte.
Die nebenstehenden Konzeptschnitte zeigen
exemplarisch mit welchen Flächenneuverteilun-
gen die Straßenquerschnitte attraktiver für den
Rad- und Fußverkehr gestaltet werden können
und Klimaanpassungsmaßnahmen im Straßen-
raum aussehen können.
HANDLUNGS-
EMPFEHLUNGEN UND
KERNPROJEKTE
05
HANDLUNGS-EMPFEHLUNGEN UND KERNPROJEKTE
65
HANDLUNGSEMPFEHLUN-
GEN UND KERNPROJEKTE
Zum Erreichen der formulierten Entwicklungsziele
für das LiebigQuartier und zur Realisierung der im
Räumlichen Entwicklungskonzept skizzierten Flä-
chennutzungen und Erschließungsstrukturen sind
viele mehrdimensionale Maßnahmen notwendig.
Der überwiegende Teil der erforderlichen Maß-
nahmen betrifft private Flächen, die aber nur im
kooperativen Verfahren zwischen privatem Enga-
gement und öffentlicher Planungshoheit entwi-
ckelt werden können. Wichtig ist dabei zu erken-
nen, dass alle räumlichen Neuordnungen – egal
ob im öffentlichen Raum oder auf privater Fläche
– einen wesentlichen Beitrag zur gemeinwohl-
orientierten und klimaschützenden Quartiersent-
wicklung zu leisten haben. Nur die Durchlässig-
keit von Flächen schafft eine neue Erlebbarkeit
des LiebigQuartiers, eine positive Auswirkung auf
das Mikroklima und ein erweitertes Nutzungsan-
gebot für die Bewohnerschaft.
Als wesentliche Handlungsempfehlungen werden
folgende sieben Kernprojekte, die für die Zieler -
reichung und die Entwicklung des LiebigQuartiers
als unverzichtbar eingeschätzt werden, in Form
von Steckbriefen kurz beschrieben.
1. Umgestaltung der Liebigstraße
2. Transformation Schlachthofareal
3. Transformation Molkereifläche und Umge-
bung
4. Entwicklung Nahversorgungsbereich
5. Entwicklung Mobilstation am S-Bahnhof Nip-
pes
6. Transformation Am Gleisdreick
7. Entwicklung Grünverbindung vom Inneren
Grüngürtel zum Blücherpark
Jeder Steckbrief enthält eine Gebietskarte, in der
die Maßnahme räumlich verortet ist. Für jedes
Kernprojekt sind die handlungsfeldbezogenen
Entwicklungsziele (s. Kapitel 3.1.1) genannt und
farblich den folgenden Handlungsfeldern zuge-
ordnet:
Des Weiteren sind die Akteure genannt, welche
die Entwicklung maßgeblich voranbringen.
Städtebau und Wohnen
Wirtschaft und Versorgung
Soziales, Kultur und Bildung
Mobilität und Verkehr
Grün und Klima
66
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN
HANDLUNGS-EMPFEHLUNGEN UND KERNPROJEKTE
Transformation Schlachthofareal 02
NUTZUNG:
Mischnutzung (Gewer -
be, Wohnen, Kultur)
FEDERFÜHRUNG:
Stadt Köln
BETEILIGTE:
Private
ENTWICKLUNGSZIELE:
- Wirtschaftsstandort sichern / Arbeitsplätze erhalten, neu schaffen
- Flächen mehrfach nutzen (Multicodierung) / Gewerbe stapeln
- Kleinteiliges, stadtverträgliches Gewerbe
- Urbane (Lebensmittel-) Produktion fördern
- Räume für Kulturnutzungen finden
- Räume für (Weiter-)Bildung und Integration sichern und ausbauen
- Neue Wohnformen und zielgruppenspezifische Wohnangebote
fördern
- Straßen- und Gebäudegrün fördern / Hitzeinseln vermeiden
- Klimagerechte Transformation des Quartiers
HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN:
- Dialog mit Flächeneigentümer*innen führen
- Erarbeitung einer städtebaulichen Planung, internen Erschließung und Freiraumplanung (als Grundlage für fol-
gende Bebauungsplanverfahren)
- Erarbeitung einer verkehrlichen Einbindung in das vorhandene Verkehrssystem
- Durchführung eines Qualifizierungsverfahrens, vozugsweise 2-phasig und kooperativ
- Prüfung der Anwendung des Besonderen Städtebaurechts für den Bereich und Schaffung von Planungsrecht
PRIORITÄT:
Hoch
Umgestaltung der Liebigstraße 01
NUTZUNG:
Verkehrsplanung,
öffentlicher Raum
FEDERFÜHRUNG:
Stadt Köln
BETEILIGTE:
Private
ENTWICKLUNGSZIELE:
- Zentrale Stadtachse städtebaulich aufwerten
- Straßenraum neu strukturieren und als öffentlichen Raum mit
hoher Aufenthaltsqualität aufwerten
- Fuß- und Radwegenetz ausbauen und verbessern
- Ruhenden Verkehr stadtverträglich organisieren und reduzieren
- Logistik-/Wirtschaftsverkehre stadtverträglich abwickeln
- Straßen- und Gebäudegrün fördern / Hitzeinseln vermeiden
- Klimagerechte Transformation des Quartiers
PRIORITÄT:
Hoch
HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN:
- Erarbeitung eines gestalterischen und verkehrsplanerischen Gesamtkonzeptes inkl. Machbarkeitsstudie für das
LiebigQuartier. Es sind alle Verkehre inkl. Logistikverkehre zu berücksichtigen
- Umgestaltung und -umbau der Liebigstraße unter Berücksichtigung der Entwicklung des Schlachthofareals
HANDLUNGS-EMPFEHLUNGEN UND KERNPROJEKTE
67
Transformation Molkereifläche und Umgebung 03
NUTZUNG:
Wohngebietsentwi-
cklung,Gewerbeentwi-
cklung
FEDERFÜHRUNG:
Private
BETEILIGTE:
Stadt Köln
ENTWICKLUNGSZIELE:
Insgesamt
- Wirtschaftsstandort sichern / Arbeitsplätze erhalten, neu schaffen
- Flächen mehrfach nutzen (Multicodierung) / Gewerbe stapeln
- Kleinteiliges, stadtverträgliches Gewerbe
- Urbane (Lebensmittel-) Produktion fördern
- Zentrale Stadtachsen städtebaulich aufwerten (Raumkanten,
Nutzungen)
- Straßen- und Gebäudegrün fördern / Hitzeinseln vermeiden
- Klimagerechte Transformation des Quartiers
Westliche Molkereifläche und ehem. Baufachmarktgelände
- Nutzungsmischung und Nutzungsdichte mit Wohnen und Arbeiten
- Bezahlbaren Wohnraum erhalten und schaffen
HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN:
- Erarbeitung einer verkehrlichen Einbindung in das vorhandene Verkehrssystem
Östliche Molkereifläche
- Dialog mit Flächeneigentümer*innen führen
- Durchführung eines städtebaulichen Qualifizierungsverfahrens
- Prüfung der Anwendung des Besonderen Städtebaurechts für den Bereich
- Prüfung der Schaffung von Planungsrecht
- Dialog und Einbindung nachbarschaftlicher Initiativen
Westliche Molkereifläche und ehem. Baufachmarktgelände
- Dialog mit Flächeneigentümer*innen führen
- Durchführung eines städtebaulichen Qualifizierungsverfahrens mit den Eigentümer*innen
- Prüfung der Anwendung des Besonderen Städtebaurechts für den Bereich
- Prüfung der Schaffung von Planungsrecht
PRIORITÄT:
Hoch
68
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN
HANDLUNGS-EMPFEHLUNGEN UND KERNPROJEKTE
Entwicklung Nahversorgungsbereich 04
NUTZUNG:
Nahversorgung,
Wohngebietsentwicklung
FEDERFÜHRUNG:
Private, Stadt Köln
BETEILIGTE:
Private
ENTWICKLUNGSZIELE:
- Flächen mehrfach nutzen (Multicodierung)
- Nahversorgungszentrum definieren
- Nutzungsmischung und Nutzungsdichte mit Wohnen und Arbeiten
erproben
- Neue Wohnformen und zielgruppenspezifische Wohnangebote
fördern
- Den ruhenden Verkehr stadtverträglich organisieren und reduzieren
- Klimagerechte Transformation des Quartiers
HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN:
- Prüfung der Verankerung im Einzelhandels- und Zentrenkonzept Köln (EHZK)
- Entwicklung eines städtebaulichen Konzepts für den gesamten Nahversorgungsbereich
- Erarbeitung einer verkehrlichen Einbindung in das vorhandene Verkehrssystem
- Erarbeitung eines innovativen Mobilitätskonzeptes (z.B. Veedel-Garage, Mobilstation)
- Effiziente Nutzung der untergenutzten Flächen (Überbauung bzw. Aufstockung heutiger eingeschossiger Gebäude
und Parkplatzflächen)
- Prüfung der Anwendung des Besonderen Städtebaurechts für den Bereich
- Prüfung der Schaffung von Planungsrecht
PRIORITÄT:
Hoch
Entwicklung Mobilstation am S-Bahnhof Nippes 05
NUTZUNG:
Verkehrsplanung
FEDERFÜHRUNG:
Stadt Köln
BETEILIGTE:
Private
ENTWICKLUNGSZIELE:
- Den ruhenden Verkehr stadtverträglich organisieren und reduzieren
- Logistik stadtverträglich abwickeln
- Klimagerechte Transformation des Quartiers
HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN:
- Durchführung von Eigentümer*innengesprächen und Dialogen zur Grundlagenklärung
- Erstellung einer Machbarkeitsstudie zur Evaluierung des Vorhabens
- Prüfung der verkehrlichen Funktionsfähigkeit für eine Mobilstation
- Initiieren von Gesprächen mit potenziellen Betreiber*innen und Entwicklung eines Betriebsmodells
- Erarbeitung eines umfassenden Konzepts für die Logistikmobilität im Quartier
- Prüfung von notwendigen Standorten für die letzte Logistikmeile im Quartier
- Entwicklung einer stadtgestalterisch verträglichen Mobilstation
PRIORITÄT:
Mittel - Hoch
HANDLUNGS-EMPFEHLUNGEN UND KERNPROJEKTE
69
Entwicklung Grünverbindung vom Inneren
Grüngürtel zum Blücherpark 07
NUTZUNG:
Verkehrsplanung,
Freiraumplanung
FEDERFÜHRUNG:
Stadt Köln
BETEILIGTE:
Private
ENTWICKLUNGSZIELE:
- Grünraumvernetzung vervollständigen und Zugänglichkeit /
Anbindung sicherstellen
- Hitzeinseln vermeiden
- Versickerungs- und Auffangmöglichkeiten für Starkregenereignisse
verbessern / (Teil-)Entsiegelung fördern
- Klimagerechte Transformation des Quartiers
HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN:
- Durchführung einer Machbarkeitsstudie inklusive Kostenschätzung für die Fuß- und Radwegebrücke
- Flächensicherung für eine Grünverbindung
- Errichtung einer Fuß- und Radwegebrücke zwischen Innerer Grüngürtel und Herkulesstr.
PRIORITÄT:
hoch
Transformation Am Gleisdreieck 06
NUTZUNG:
Gewerbeentwicklung,
Kultur und Freiraum
FEDERFÜHRUNG:
Stadt Köln, Private, Land
NRW
BETEILIGTE:
Private
ENTWICKLUNGSZIELE:
- Wirtschaftsstandort sichern / Arbeitsplätze erhalten und neu
schaffen
- Flächen mehrfach nutzen (Multicodierung) / Gewerbe stapeln
- Räume für Kulturnutzungen finden
- Fuß- und Radwegenetz ausbauen und verbessern
- Klimagerechte Transformation des Quartiers
- Grünraumvernetzung vervollständigen und Zugänglichkeit /
Anbindung sicherstellen
HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN:
- Durchführung von Eigentümer*innengesprächen
- Prüfung der Anwendung des Besonderen Städtebaurechts für den Bereich
- Prüfung der Schaffung von Planungsrecht
- Durchführung eines städtebaulichen Qualifizierungsverfahrens mit den Eigentümer*innen inkl. Prüfung der
Umsetzbarkeit einer höheren Bebauung (unter Berücksichtung des aktuell noch in Erarbeitung befindlichen
"Höhenentwicklungskonzept Innere Stadt")
- Entwicklung eines grünen qualitätsvollen Korridors als Teil der Grünraumvernetzung Richtung Innerer Grüngürtel
- Erarbeitung einer verkehrlichen Einbindung in das vorhandene Verkehrssystem
PRIORITÄT:
Mittel
Beschlussvorlage Ausschuss
13282 Zeichen
Dezernat, Dienststelle IX/151/2 Vorlagen-Nummer 2088/2024 Freigabedatum Beschlussvorlage zur Behandlung in öffentlicher Sitzung Betreff Beschluss des Räumlichen Entwicklungskonzepts für das LiebigQuartier Beschlussorgan Stadtentwicklungsausschuss Gremium Datum I Beschlussvorschlag der Verwaltung: Der Stadtentwicklungsausschuss 1. nimmt das Räumliche Entwicklungskonzept für das LiebigQuartier zur Kenntnis; 2. beschließt das Räumliche Entwicklungskonzept LiebigQuartier (Anlage 1) als Grund- lage für weitere Entwicklungen innerhalb des Plangebietes; 3. beauftragt die Verwaltung nächste Schritte zur Umsetzung der sieben Kernprojekte zu erarbeiten und die Umsetzu ngsprozesse aktiv zu begleiten. 4. beauftragt die Verwaltung, die Politik jährlich über den aktuellen Entwicklungs -stand der sieben Kernprojekte zu informieren. Mündlicher Änderungsantrag vom SE Bucher (SPD): II Beschlussvorschlag: Der Stadtentwicklungausschuss schließt sich der Beschlussfassung der Bezirksvertretung Ehrenfeld vom 04.11.2024 an. Abstimmungsergebnis: Mehrheitlich bei keiner Enthaltung gegen die Stimmen der SPD -Fraktion und der Frak- tion DIE LINKE abgelehnt. Bezirksvertretung 4 (Ehrenfeld) 04.11.2024 Bezirksvertretung 5 (Nippes) 19.09.2024 Wirtschaftsausschuss 10.10.2024 Stadtentwicklungsausschuss 07.11.2024 2 Gemeinsamer Änderungsantrag, bzw. Ergänzungsantrag der Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen, der CDU und der Fraktion VOLT (AN/1526/2024) III Beschlussvorschlag: Der Stadtentwicklungsausschuss beschließt ergänzend: 5. Der Grünraum im Quartier muss deutlich erhöht we rden. a) Die auf Seite 22 beschriebene Verbindung zwischen Blücherpark und Innerem Grün- gürtel muss fester Bestandteil der Planung werden. Die Verwaltung soll beauftragt wer- den, sicherzustellen, dass diese Grünverbindung auch umgesetzt werden kann. b) Auch bei Vorhaben, für die kein Bebauungsplan erforderlich ist, sollen Grünflächen festgelegt werden, z.B. durch städtebauliche Verträge. 6. Die Verwaltung wird aufgefordert, ein geeignetes Format vorzuschlagen, mit dem die Information und die Beteiligung vo n Politik, Öffentlichkeit, Anliegenden, Stakeholdern und Eigentümer*innen gewährleistet wird. 7. Die Verwaltung wird beauftragt, eine Vorkaufsrechtssatzung nach § 25 Absatz 1 Satz 1 Nr. 2 BauGB für das LiebigQuartier zur Sicherung strategisch wichtiger Gr undstücke für eine nachhaltige und sozial gerechte Quartiersentwicklung zu prüfen und im gesamten Gebiet eine aktive Grundstückpolitik zu betreiben. 8. Die Interessen der RheinEnergie und der Bedarf des Gewerbes sind zu berücksichti- gen. Abstimmungsergebnis: Einstimmig zugestimmt. IV Beschluss über den geänderten Beschlussvorschlag ( Ergänzungen fett): Der Stadtentwicklungsausschuss 1. nimmt das Räumliche Entwicklungskonzept für das LiebigQuartier zur Kenntnis; 2. beschließt das Räumliche Entwicklungs konzept LiebigQuartier (Anlage 1) als Grund- lage für weitere Entwicklungen innerhalb des Plangebietes; 3. beauftragt die Verwaltung nächste Schritte zur Umsetzung der sieben Kernprojekte zu erarbeiten und die Umsetzungsprozesse aktiv zu begleiten. 4. beauftragt die Verwaltung, die Politik jährlich über den aktuellen Entwicklungsstand der sieben Kernprojekte zu informieren. 5. Der Grünraum im Quartier muss deutlich erhöht werden. a) Die auf Seite 22 beschriebene Verbindung zwischen Blücherpark und Innerem Grüngürtel muss fester Bestandteil der Planung werden. Die Verwaltung soll beauf- tragt werden, sicherzustellen, dass diese Grün -verbindung auch umgesetzt werden kann. b) Auch bei Vorhaben, für die kein Bebauungsplan erforderlich ist, sollen Grünflä- chen festgelegt werden, z.B. durch städtebauliche Verträge. 6. Die Verwaltung wird aufgefordert, ein geeignetes Format vorzuschlagen, mit dem die Information und die Beteiligung von Poli tik, Öffentlichkeit, Anliegenden, Stake- holdern und Eigentümer*innen gewährleistet wird. 7. Die Verwaltung wird beauftragt, eine Vorkaufsrechtssatzung nach § 25 Absatz 1 Satz 1 Nr. 2 BauGB für das LiebigQuartier zur Sicherung strategisch wichtiger Grundstücke für eine nachhaltige und sozial gerechte Quartiersentwicklung zu prü- fen und im gesamten Gebiet eine aktive Grundstückpolitik zu betreiben. 8. Die Interessen der RheinEnergie und der Bedarf des Gewerbes sind zu berück- sichtigen. 3 Abstimmungsergebnis üb er den so geänderten Beschlussvorschlag: Einstimmig zugestimmt. 4 Haushaltsmäßige Auswirkungen Nein Auswirkungen auf den Klimaschutz Nein Ja, positiv (Erläuterung siehe Begründung) Ja, negativ (Erläuterung siehe Begründung) Begründung: Mit Beschluss des Stadtentwicklungsausschusses „Weiteres Vorgehen zum Projekt Räumli- ches Entwicklungskonzept Liebigquartier“ vom 02.06.2022 wurde die Verwaltung beauftragt ein räumliches Entwicklungskonzept für das LiebigQuartier zu erarbeiten (in Anlehnung an den Auftrag AN/0985/2018 des Stadtentwicklungsausschusses vom 28.06.2018). Das „Räumliche Entwicklungskonzept LiebigQuartier“ (REK LiebigQuartier) soll hiernach die aktuell ungeordnete städtebauliche Situation strukturieren und neu ordnen. Es sind zukünftige Flächen für gewerbliche Nutzungen, Wohnen, Grün sowie die soziale Infrastruktur zu identifi- zieren und ggf. neu festzulegen. Dabei sollen Aussagen über eine angemessene Höhenent- wicklung und optimale Flächenausnutzung (Verdichtungsmöglichkeiten) getroffen werden. Weiterhin soll ein besonderes Augenmerk auf die Gestaltung der öffentlichen Räume gelegt werden, hier insbesondere der Liebigstraße als zentrale Verbindungsachse zwischen Ehren- feld und Nippes. Bei der Konzepterstellung soll das Thema Klimaschutz von Beginn an inte- griert werden. Allgemeine Ziele von Klimaschutzmaßnahmen in der integrierten Stadtentwick- lung sind u.a. die Verringerung von Umweltbelastungen, die Berücksichtigung stadtklimati- scher Aspekte und die Verbesserung der Energieeffizienz. Bei der Erarbeitung des Räumli- chen Entwicklungskonzeptes Liebigquartier soll dies insbesondere berücksichtigt werden. Endbericht „Räumliches Entwicklungskonzept LiebigQuartier“ (Anlage 1) Das Amt für Stadtentwicklung und Statistik hat als externe Begleitung des Prozesses im Mai 2023 das Büro Reicher Haase Assoziierte, Dortmund, für die inhaltliche Projektleitung und verantwortlich für die planerische Umsetzung, Begründung und Visualisierung und das Büro Stadtraumkonzept, Dortmund, für die Koordination des Gesamtprozesses und verantwortlich für die Beteiligungs- und Dialogformate, beauftragt. Anschließend startete der rund zwölf-mo- natige Prozess zur Erarbeitung des REK LiebigQuartier. Der vorliegende Endbericht fasst die wichtigsten Ergebnisse dieses Prozesses zusammen und bildet mit dem Plan des REK und den als Ausblick definierten sieben Kernprojekten und deren Handlungsempfehlungen eine Grundlage, um die zukünftige Entwicklung des Liebig- Quartiers hin zu einem nachhaltigen und identitätsstiftenden Wohn-, Arbeits- und Freizeit- standort zu steuern. Im Prozess wurden nach einer ausführlichen Raumanalyse des LiebigQuartiers unterschiedli- che Zielrichtungen und räumliche Setzungen im REK bezogen auf folgende Handlungsfelder erarbeitet: Städtebau und Wohnen, Wirtschaft und Versorgung, Soziales, Kultur und Bildung, Mobilität und Verkehr, Grün und Klima. Dabei wurde sich über drei unterschiedliche Impulssze- narien hin zu einem finalen REK angenähert Berücksichtigung fanden gleichermaßen aktuelle Entwicklungstrends der Stadtentwicklung und die Historie des Gebiets. Das finale REK bildet die Grundlage für die zukünftige Entwicklung des LiebigQuartiers. Es soll das Quartier in seiner Funktion als Wohn- und Arbeitsstandort sichern und stärken und gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zur Klimaneutralität 2035 liefern. Um das Quartier zu- kunftssicher zu entwickeln sind Klimaschutz- und Klimawandelanpassungsmaßnahmen grundlegend in die Planung zu integrieren. 5 Ebenso ist es wichtig, dass die Wohn- und Gewerbeverkehre reduziert werden und damit ver- kehrlich abbildbar sind. Die Liebigstraße bleibt – wie bereits heute – eine wichtige urbane Achse mit Verbindungsfunktion, die insbesondere in ihrer Aufenthaltsqualität gestärkt werden soll. Hierzu sollen lebendige Erdgeschossbereiche sowie öffentliche Plätze entlang der Liebig- straße geschaffen werden, die Begegnungs- und Aufenthaltsräume bieten. Zudem soll der Straßenraum zugunsten des Fuß- und Radverkehrs umverteilt werden und Kreuzungspunkte umgestaltet werden. In Kombination mit dem S-Bahnhof Nippes, welcher an das Ende der Lie- bigstraße anknüpft, ist die Errichtung einer Mobilstation vorgesehen, um den Umweltverbund zu stärken. Im südlichen Bereich des Quartiers soll durch eine Fuß- und Radverkehrsüberführung die di- rekte Anbindung an den Inneren Grüngürtel geschaffen und dadurch die direkte Fuß- und Radverkehrsverbindung bis hin zum Blücherpark vervollständigt werden. Das bestehende Gewerbeband entlang der Gleise – vom ehemaligen Schlachthof bis zur ehe- maligen Molkereifläche südlich des Geldernparks – soll auch in Zukunft für gewerbliche Nut- zungen vorbehalten werden. Das REK sieht für diese Bereiche verschiedene innovative, stadtverträgliche Gewerbeformen mit Nutzungsmischung vor, die durch weitere nicht-gewerb- liche Nutzungen ergänzt werden: Für das Schlachthofareal empfiehlt das REK die vorhande- nen soziokulturellen Nutzungen durch die Schaffung eines zentralen öffentlichen Platzes in Verbindung mit Gastronomie oder Kultureinrichtungen zu ergänzen. Im Bereich des ehemali- gen Baumarkts und der ehemaligen Molkereifläche liegt der Fokus dagegen auf stadtverträgli- chem Gewerbe und der Kombination von sozialer Infrastruktur mit Kultur- und Kreativnutzung. Hier ist es besonders wichtig, einen verträglichen Übergang zwischen Gewerbe und Wohnen zu schaffen. Im Bereich ‚Am Gleisdreieck‘ bietet sich entsprechend des REKs ein Gewerbecampus mit ei- ner Mischung aus Dienstleistung und Gewerbe an. Um die Nahversorgung im Plangebiet auch in Zukunft sicherstellen zu können, soll ein Nah- versorgungsbereich in unmittelbarer Nähe des S-Bahnhof Köln-Nippes aufgespannt werden. Dieser bildet ein Gelenk zwischen dem Gewerbeband entlang der Gleise und den angrenzen- den bestehenden Wohnnutzungen. Das Wohngebiet entlang und nördlich der Nievenheimer Str. ist im Bestand zu schützen. Dar- über hinaus gibt es weitere Nutzungen, deren Bestand durch das REK zukünftig gesichert werden soll. Hierzu zählt der Standort der RheinEnergie, wo selbige wichtige Funktionen der Daseinsvorsorge für die Gesamtstadt übernimmt. Um schließlich die formulierten Entwicklungsziele für das LiebigQuartier zu erreichen und die im REK skizzierten Flächennutzungen und Erschließungsstrukturen zu realisieren, sind zahl- reiche Maßnahmen erforderlich. Als wichtige Handlungsempfehlung wurden daher sieben Kernprojekte definiert, die als unverzichtbar für die Zielerreichung und die Entwicklung des LiebigQuartiers angesehen werden: 01 Umgestaltung der Liebigstraße 02 Transformation Schlachthofareal 03 Transformation Molkereifläche und Umgebung 04 Entwicklung Nahversorgungsbereich 05 Entwicklung Mobilstation am S-Bahnhof Nippes 06 Transformation Gleisdreieck 07 Entwicklung Grünverbindung vom Inneren Grüngürtel zum Blücherpark Beteiligung am Prozess zum Räumlichen Entwicklungskonzept Das REK LiebigQuartier wurde unter Mitwirkung der Stakeholder*innen vor Ort, verschiedener Fachämter und mit Beteiligung von Politik und Stadtgesellschaft durchgeführt. Über das städtische Beteiligungsportal „Meinung für Köln“ wurde vom 21.08.2023 bis zum 10.09.2023 eine Online-Öffentlichkeitsbeteiligung (s. meinungfuer.koeln/Liebigquartier) durch- 6 geführt. Hieran haben sich über 280 Personen beteiligt, die insgesamt 433 Beiträge abgege- ben haben. Diese wurden ausgewertet und eine Zusammenfassung der Ergebnisse der Politik zur Kenntnis gegeben (s. Vorlage Nr. 0093/2024). Die Stakeholder*innen aus dem Plangebiet wurden über zwei Workshops, in denen die Poten- ziale und Zielsetzungen des Projektes sowie die Zwischenergebnisse des Räumlichen Ent- wicklungskonzeptes intensiv diskutiert wurden, an dem Prozess beteiligt. Die Bezirksvertretungen Ehrenfeld und Nippes wurden im Rahmen von zwei Sonderterminen ebenfalls über Zwischenergebnisse informiert. Abschließend wurde am 20.03.2024 die Öffentlichkeit zur Zukunftskonferenz eingeladen, in der der Entwurf des Räumlichen Entwicklungskonzeptes vorgestellt wurde. Die hier gegebe- nen Hinweise und Anregung wurden aufgenommen und sind in die Finalisierung des Räumli- chen Entwicklungskonzeptes sowie die Erstellung des Endberichtes eingeflossen. Ausblick Die Verwaltung wird gem. Auftrag durch die vorliegende Beschlussvorlage die nächsten erfor- derlichen Schritte erarbeiten und einleiten, um die Umsetzung der sieben Kernprojekte voran- zutreiben. Die einzelnen Umsetzungsprozesse werden aktiv begleitet, über den Entwicklungs- stand der sieben Kernprojekte wird zukünftig einmal jährlich berichtet. Anlagen: Anlage 1 Endbericht Räumliches Entwicklungskonzept LiebigQuartier Anlage 2 Räumliches Entwicklungskonzept LiebigQuartier (Plan)
Anlage 2 Räumliches Entwicklungskonzept LiebigQuartier (Plan)
143 Zeichen
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN ARCHITEKTEN STADTPLANER ING ENIEURE REICHER HAASE ASSOZIIERTE RHA M 1:5.000Stand: Juli 2024
Anlage 1.1 Endbericht Räumliches Entwicklungskonzept LiebigQuartier - höhere Auflösung
93158 Zeichen
Räumliches
Entwicklungskonzept
LiebigQuartier
VORWORT
00
3
Sehr geehrte Leser*innen,
als Dezernent für Stadtentwicklung, Wirt-
schaft, Digitalisierung und Regionales freue
ich mich, Ihnen den Endbericht zum Räum-
lichen Entwicklungskonzept (REK) für das
LiebigQuartier präsentieren zu dürfen. Wir
wollen dieses vielfältige Quartier, das Nippes
und Ehrenfeld miteinander verbindet, noch
lebenswerter machen. Für dieses Vorha-
ben könnte der Zeitpunkt kaum besser sein:
Durch die Schließung des Molkereibetriebs
FrieslandCampina eröffnen sich viele neue
Möglichkeiten. Die Chancen liegen vor allem
in der Entwicklung der Potenzialflächen, der
Schaffung von neuen Grün- und Wegeverbin-
dungen, der Aufwertung von Quartiersein-
gängen und der Umgestaltung von Verkehrs-
flächen.
Das Ihnen vorliegende REK ist das Ergeb-
nis eines intensiven Bearbeitungsprozesses
durch das Amt für Stadtentwicklung und Sta-
tistik, an dem eine Vielzahl von Akteur*in-
nen aus dem Plangebiet beteiligt waren:
Projektentwickler*innen, Grundstückseigen-
tümer*innen, Vertreter*innen des Einzel-
handels und der ansässigen Betriebe, Woh-
nungsbauunternehmen, Vertreter*innen der
soziokulturellen Szene vor Ort, Vereine und
Akteur*innen, die sich bürgerschaftlich enga-
gieren sowie die interessierte Öffentlichkeit
haben aktiv mitgewirkt, um nachhaltige und
identitätsstiftende Lösungen für die Zukunft
des LiebigQuartiers zu erarbeiten.
Das LiebigQuartier erstreckt sich über eine
Fläche von etwa 130 Hektar in den Stadt-
bezirken Ehrenfeld und Nippes und weist
eine heterogene Nutzungsstruktur auf. Es
ist geprägt durch eine Vielzahl an Gemenge-
lagen, die an einigen Stellen zu Nutzungs-
konflikten zwischen Wohnen und Gewerbe
führen. Aufgrund des großen Entwicklungs-
potenzials und andauernder Transforma-
tionsprozesse im Gebiet soll das REK - dem
politischen Auftrag (AN/0985/2018) folgend
- dazu beitragen, die zukünftige Entwicklung
des LiebigQuartiers zu steuern.
Aufbauend auf der Stadtstrategie "Kölner
Perspektiven 2030+" haben wir die Ziele für
die räumliche Entwicklung des LiebigQuar -
tiers im Laufe des Prozesses weiter konkreti-
siert. Wir wollen mit dem REK dazu beitragen,
T. Frohn/Stadt Köln
4
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN
Ihr
Andree Haack
Beigeordneter für Stadtentwicklung, Wirtschaft,
Digitalisierung und Regionales der Stadt Köln
Köln, August 2024
die vorhandenen innerstädtischen Gewerbe-
flächen und -potenziale im LiebigQuartier
zu sichern und weiterzuentwickeln, um die
vorhandenen Arbeitsplätze zu erhalten und
zusätzliche zu generieren. Gleichzeitig ist uns
wichtig bezahlbaren Wohnraum zu sichern
und neu zu schaffen. Darüber hinaus soll das
LiebigQuartier Raum für Sport, Freizeit und
Kultur bieten. So kann der heutige Nutzungs-
mix weiter gestärkt werden. Es muss uns
aber auch gelingen, mögliche Konflikte und
Konkurrenzsituationen hinsichtlich der Flä-
chennutzung zu minimieren. Dabei setzen wir
auf innovative Lösungen, die zu einer nach-
haltigen und klimaangepassten Entwicklung
des LiebigQuartiers mit erhöhter Lebensqua-
lität führen.
Es ist nun von entscheidender Bedeutung,
dass wir auf Basis des vorliegenden Entwick -
lungskonzepts ins konkrete Handeln kom-
men. Hierzu wollen wir sieben Kernprojekte
anstoßen, um das LiebigQuartier zu einem
zukunftsweisenden, attraktiven und identi-
tätstragenden Wohn-, Arbeits-, und Freizeit-
standort weiterzuentwickeln. Die Neuge-
staltung der Liebigstraße ist eines, das die
Stadt Köln selber umsetzen kann. Für ande-
re braucht es gute Partner, die wir als Stadt
unterstützen werden.
Ich wünsche Ihnen inspirierende Gedanken
beim Lesen, damit wir gemeinsam ein lebens-
wertes und klimaneutrales Köln von Morgen
und Übermorgen gestalten.
5
REICHER HAASE ASSOZIIERTE GMBH
Schäferstraße 33 | 44147 Dortmund
do@rha-planer.eu
Bearbeitung:
Dipl.-Ing. Holger Hoffschröer
Carsten Göhring M.Sc.
Till Müller-Haude M.Sc.
Greta Wienen B.Sc.
IMPRESSUM
Räumliches Entwicklungskonzept
LiebigQuartier Köln
Auftraggeberin
Amt für Stadtentwicklung und Statistik
151-2 Räumliche Stadtentwicklungsplanung
Willy-Brandt-Platz 2 | 50679 Köln
Bearbeitung:
Natascha Rohde
Lotte Drevermann
Maike Janßen
Kaja Rocks
Auftragnehmer*innen
STADTRAUMKONZEPT GmbH
Huckarder Straße 12 | 44147 Dortmund
Bearbeitung:
Dipl.-Ing Henrik Freudenau
Dipl.-Geograph Sebastian Siebert
Karen Bietmann B.Sc.
Stand August 2024
ARCHITEKTEN STADTPLANER ING ENIEURE
REICHER HAASE ASSOZIIERTE
RHA
Quelle Fotos und Planungen
Titelbild: Markus Schnabel, 2024
Wenn ansonsten nicht anders angegeben: Reicher Haase Assoziierte GmbH
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung ��������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������� 8
1.1 Anlass und Zielsetzung ...........................................................................................................................................9
1.2 Arbeitsprozess ..................................................................................................................................................... 10
1.3 Beteiligung ........................................................................................................................................................... 12
2 Bestandsanalyse ������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������� 14
2.1 Räumliche Einordnung des Plangebiets ................................................................................................................15
2.2 Nutzungsstruktur ..................................................................................................................................................16
2.3 Städtebau ............................................................................................................................................................. 18
2.4 Verkehr und Mobilität ...........................................................................................................................................20
2.5 Freiraum ............................................................................................................................................................... 22
2.6 Klima .................................................................................................................................................................... 24
2.7 Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken ..........................................................................................................26
3 Szenarien �������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������� 28
3.1 Herleitung der Szenarien ......................................................................................................................................29
3.1.1 Entwicklungsziele .................................................................................................................................... 31
3.1.2 Entwicklungstrends ................................................................................................................................. 32
3.2 Szenario 1 - Lebendige Impulse............................................................................................................................34
3.3 Szenario 2 - Frische Impulse ................................................................................................................................36
3.4 Szenario 3 - Innovative Impulse ............................................................................................................................38
3.5 Bewertung der Szenarien .....................................................................................................................................40
4 Räumliches EntwIcklungskonzept ��������������������������������������������������������������������������������������������������������������42
4.1 Herleitung ............................................................................................................................................................ 43
4.2 Leitbild ................................................................................................................................................................. 45
4.3 Handlungsfelder ................................................................................................................................................... 48
4.4 Räumliches Entwicklungskonzept .........................................................................................................................58
4.5 Vertiefungsbereich Liebigstraße ...........................................................................................................................60
5 Handlungsempfehlungen und Kernprojekte ����������������������������������������������������������������������������������������������64
EINLEITUNG
01
EINLEITUNG
9
EINLEITUNG
1�1 ANLASS UND ZIELSETZUNG
Der Stadtraum entlang der Liebigstraße, zwi-
schen dem S-Bahn-Haltepunkt Köln-Nippes im
Osten und der Grünanlage entlang der A 57 im
Westen, in diesem Konzept als LiebigQuartier
benannt, zeichnet sich durch vielfältige Funktio-
nen und Raumstrukturen aus. Hier finden sich
durchgrünte Wohnsiedlungen ebenso wie groß-
flächige Gewerbe- und Produktionsstandorte.
Vergangene Umbrüche haben Leerstände und
Brachflächen hinterlassen, die Raum für neue
Wohn- und Gewerbeentwicklungen bieten.
Die wertvolle Funktions- und Nutzungsvielfalt ist
insgesamt zu schützen und weiterzuentwickeln,
weist jedoch an einigen Stellen städtebauliche
Mängel und unklare Raumstrukturen auf.
Das LiebigQuartier steht vor der Herausforde-
rung, sich an die Auswirkungen des Klimawandels
anzupassen, eine sichere und klimafreundliche
Energieversorgung zu gewährleisten und moder -
ne Formen von Mobilität zu ermöglichen.
Insgesamt besteht in dem dazu erforderlichen
Transformationsprozess die Chance, das Liebig-
Quartier zu einem lebenswerten Ort mit einem
zeit- und standortgerechten Charakter zu entwi-
ckeln. Dazu ist unter Berücksichtigung der Gege-
benheiten vor Ort ein Konzept erforderlich, das
eine zukunftsweisende Vision für das Plangebiet
aufzeigt. Zentrales Ziel ist hierbei die Sicherung
der gewerblich genutzten Flächen sowie deren
transformative Übersetzung in einen verträglich
gestalteten Stadtbaustein. So kann ein Quar -
tier entstehen, das der gegebenen Lagequalität
gerecht wird. Das räumliche Entwicklungskon-
zept soll dazu dienen, das Profil des LiebigQuar -
tiers konzeptionell zu schärfen so dass zukünftige
Entwicklungen sich hieran ausrichten können.
Der Stadtentwicklungsausschuss der Stadt Köln
hatte die Verwaltung mit Beschluss vom 28.
Juni 2018 (Städtebauliche Neuordnung für den
Bereich Parkgürtel Süd und GE Schlachthof;
AN/0985/2018) beauftragt, für das Quartier
einen Entwicklungs- und Nutzungsplan aufzustel-
len, der jedoch zu diesem Zeitpunkt nicht bear -
beitet werden konnte. Am 2. Juni 2022 wurde
schließlich, wie von der Verwaltung vorgeschla-
gen, die Erarbeitung des nun vorliegenden Räum-
lichen Entwicklungskonzepts LiebigQuartier als
informelles Planungsverfahren mit Beteiligungs-
möglichkeiten beschlossen (Weiteres Vorgehen
zum Projekt Räumliches Entwicklungskonzept
Liebigquartier; 4461/2021).
10
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN
EINLEITUNG
1�2 ARBEITSPROZESS
Der Prozess zum Räumlichen Entwicklungskon-
zept wurde im Mai 2023 initiiert und gliederte sich
in folgende Phasen: Entwicklung des Prozessde-
signs, Bestandsaufnahme und Analyse, Durchfüh-
rung des Dialogprozesses sowie Erarbeitung des
Räumlichen Entwicklungskonzepts.
Die folgende Prozessgrafik ordnet die Arbeitspha-
sen inkl. Beteiligung zeitlich ein. Eine detaillierte
Erläuterung findet im Fortlauf des Kapitels statt.
Prozessgrafik
EINLEITUNG
11
Die thematische Analyse des Plangebiets bilde-
te eine inhaltliche Grundlage, auf der im weite-
ren Arbeitsprozess drei Entwicklungsszenarien
skizziert wurden, um mögliche Entwicklungspfa-
de – sowohl räumlich als auch programmatisch
– aufzuzeigen. In einem Folgeschritt wurden die
Szenarien genutzt, um eine zukunftsfähige Vision
für das Quartier abzuleiten und damit ein Konzept
für die räumliche Entwicklung zu formulieren.
Abschließend wurde eine Vertiefung mit Blick auf
eine zukünftige Weiterentwicklung der Liebigstra-
ße sowie eine Projekt- und Maßnahmenübersicht
als Grundlage für die weitere Entwicklung erstellt.
Vorgehen der Konzeptentwicklung
Analyse
Stakeholder*innen-
Gespräche
Potenzial- und Ziel-
Workshop
Szenarien-
Workshop
Lenkungskreis
Lenkungskreis
Projektgruppe
Projektgruppe
Online-
Beteiligung
Flächengerüst
Szenarien
III
II
I
Entwicklungsziele
Entwicklungstrends
RÄUMLICHES
ENTWICKLUNGS-
KONZEPT
Sondertermin Politik
Zukunftskonferenz
Im Prozess arbeiteten die beiden Planungsbü-
ros Reicher Haase Assoziierte GmbH und Stadt-
RaumKonzept GmbH eng mit der Stadt Köln, ins-
besondere dem Amt für Stadtentwicklung und
Statistik, zusammen, um ein ganzheitliches und
abgestimmtes Arbeitsergebnis zu gewährleisten.
Das Räumliche Entwicklungskonzept wird nach
seiner Fertigstellung den Gremien der Stadt Köln
zur politischen Beratung vorgelegt.
12
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN
EINLEITUNG
1�3 BETEILIGUNG
Das vorliegende Räumliche Entwicklungskonzept
wurde im intensiven Dialog mit den ansässigen
Institutionen und Bewohner*innen erarbeitet. Die
Beteiligung im Rahmen des Dialogprozesses glie-
derte sich in Formate der öffentlichen Beteiligung
sowie der Beteiligung ausgewählter Akteur*in-
nen.
Die Beteiligung der breiten Öffentlichkeit erfolgte
zunächst durch eine Online-Öffentlichkeitsbe-
teiligung über das städtische Beteiligungsportal
meinungfuer.koeln zu Beginn des Planungspro-
zesses. Im Zeitraum vom 21. August bis zum 10.
September 2023 hatten Interessierte die Gele-
genheit, ihre Hinweise zur gegenwärtigen Situa-
tion des LiebigQuartiers sowie Ideen und Anre-
gungen für eine Weiterentwicklung mitzuteilen
und diese auch räumlich in einer Karte zu veror -
ten. Insgesamt wurden 277 Beiträge eingereicht
und mit 156 Kommentaren versehen sowie mit
1.172 Stimmen bewertet. Die Ergebnisse dieser
Beteiligung wurden bei der Analyse berücksich-
tigt und nahmen im weiteren Prozess Einfluss
auf das Räumliche Entwicklungskonzept. Sie sind
zudem ausführlich in der Mitteilung an die Politik
0093/2024 dokumentiert.
Die Beteiligung von Vertreter*innen ausgewählter
Akteursgruppen fand im Rahmen von zwei Vor-
Ort-Workshops statt. Als erste Veranstaltung fand
am 20. September 2023 im Gemeindehaus der
Evangelischen Nathanael Kirchengemeinde Bil-
derstöckchen ein Potenzial- und Zielworkshop
statt. Hierzu wurden maßgebliche Akteur*innen
aus dem Planungsgebiet eingeladen, darunter
Projektentwickler*innen, Grundstückseigentü-
mer*innen, Vertreter*innen des Einzelhandels
und der ansässigen Betriebe, Wohnungsbauunter -
nehmen, Akteur*innen der soziokulturellen Szene
vor Ort sowie weitere Vereine und Akteur*innen,
die sich bürgerschaftlich engagieren. Gemeinsam
wurden Potenziale des Quartiers erörtert, Ziele
der weiteren Entwicklung formuliert, Bedarfe und
Interessen ausgetauscht sowie Schwerpunktbe-
reiche möglicher Entwicklungen verortet.
Der zweite Workshop, zu dem der selbe Perso-
nenkreis, zuzüglich der beiden Bezirksbürger -
meister*innen eingeladen wurden, fand am 31.
Januar 2024 in der Städtischen Katholischen
Grundschule Osterather Straße statt. In diesem
Szenarienworkshop wurden verschiedene Sze-
narien für die zukünftige Entwicklung des Quar -
tiers mit ihren spezifischen Vor- und Nachteilen,
Chancen und Hemmnissen diskutiert.
Ein Bestandteil des Dialogprozesses waren darü-
ber hinaus acht Einzelgespräche mit ausgewähl-
ten Personen. Diese Stakeholdergespräche mit
den Eigentümer*innen von Schlüsselgrundstü-
cken und Akteur*innen die sich bürgerschaftlich
engagieren, waren gerade zu Beginn des Prozes-
ses von hoher Bedeutung für die Informations-
gewinnung, insbesondere zu den Flächen, die
besondere Entwicklungspotenziale darstellen.
Während der Projektfinalisierung wurde eine
Zukunftskonferenz als Präsenzveranstaltung
durchgeführt. Bei der Veranstaltung am 20. März
2024 wurde der Entwurf des Räumlichen Ent-
wicklungskonzepts präsentiert. Die über 100
Teilnehmenden hatten die Möglichkeit, Fragen zu
stellen und Hinweise zu geben, die bei der Fina-
lisierung des Räumlichen Entwicklungskonzepts
EINLEITUNG
13
Potenzial- und Zielworkshop
Bodenplane des LiebigQuartiers
berücksichtigt wurden.
Im Zuge des Prozesses wurden die betroffenen
Dezernate und Fachämter der Stadtverwaltung
durch regelmäßige Lenkungskreis- und Pro-
jektgruppensitzungen einbezogen. Die Bezirks-
vertretungen Ehrenfeld und Nippes wurden frak -
tionsübergreifend in zwei Sonderterminen über
die Zwischenergebnisse informiert.
BESTANDSANALYSE
02
BESTANDSANALYSE
15
BESTANDSANALYSE
2�1 RÄUMLICHE EINORDNUNG DES
PLANGEBIETS
Das LiebigQuartier, nordwestlich der Kölner
Innenstadt gelegen und an den Inneren Grüngür -
tel angrenzend, erstreckt sich über Teile von Neu-
ehrenfeld und Bilderstöckchen. Die Grenze zwi-
schen den Stadtbezirken Ehrenfeld und Nippes
verläuft mitten durch das Gebiet. Die Liebigstra-
ße, die im Süden durch das Quartier verläuft, ver -
bindet diese Stadtbezirke miteinander. Die Gren-
zen des LiebigQuartiers sind klar definiert: Im
Nordwesten bildet der stark frequentierte Park -
gürtel mit der Hochbahntrasse der Stadtbahnlinie
13 die Begrenzung. Westlich erstreckt sich die
Grünanlage entlang der Autobahn 57. Die südli-
Überörtliche Einordnung
che Grenze markieren die Innere Kanalstraße und
die Sportanlage des ESV Olympia, während im
Osten der Bahndamm als Begrenzung fungiert.
Auf rund 130 ha zeichnet sich das LiebigQuar -
tier durch einen besonders heterogenen Charak -
ter aus. Etwa 6.500 Menschen wohnen und ca.
4.300 Beschäftigte arbeiten dort (Stand 2022).
Das LiebigQuartier ist umgeben von zwei städ-
tischen Freiräumen: dem Blücherpark im Nor -
den und dem Inneren Grüngürtel im Süden, die
als zentrale Elemente des gesamtstädtischen
Grünsystems fungieren. Die Lage des Quartiers
gewährleistet eine effiziente Anbindung an den
öffentlichen Personennahverkehr. Anknüpfungs-
punkte sind dabei die S-Bahn-Haltepunkte Geld-
ernstraße/Parkgürtel sowie Köln-Nippes.
Örtliche Einordnung
16
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN
BESTANDSANALYSE
stätten, sowie Vereine wie das Begegnungs- und
Fortbildungszentrum muslimischer Frauen e.V.
(BFMF) oder die Griechische Gemeinde Köln e.V.,
die einen wichtigen Beitrag zum soziokulturellen
Gefüge im Quartier leisten. Im Liebig257 gibt es
ein Viertelswohnzimmer, ein Quartiersbüro sowie
eine Werkstatt, die durch den KLuG e.V. betrie-
ben werden. Zudem befindet sich die etablier -
te Kultur- und Veranstaltungsfläche Odonien im
Quartier.
Weitläufige Gewerbeflächen, darunter Unter -
nehmen wie DHL und RheinEnergie, prägen und
begrenzen durch nicht öffentlich passierbare
Grundstücke das Quartier. Die weiteren gewerb-
lichen Nutzungen sind äußerst vielfältig und
zeigen sich durch kleinteilige KFZ-Werkstätten,
Lebensmittelgroßhändler, Einzelhandelsflächen
oder Laufhäuser, in südlicher Randlage des Plan-
gebiets.
Aufgrund der vorliegenden Nutzungsvielfalt und
äußerst heterogenen Mischung können an den
Übergängen zwischen den unterschiedlichen Nut-
zungen, Konflikte durch bspw. Lärmemissionen
oder verschiedenen Infrastrukturansprüchen,
auftreten.
2�2 NUTZUNGSSTRUKTUR
Das LiebigQuartier zeichnet sich durch eine
heterogene Nutzungsstruktur aus, die die unter -
schiedlichen Facetten des städtischen Lebens
widerspiegelt. Hier treffen kleinteilige, durch-
grünte Wohnnutzungen auf großflächige Gewer -
bestrukturen. Vereinzelte Grünflächen und Auf-
enthaltsflächen sind im Quartier vorhanden,
dennoch dominieren vor allem der ruhende Ver -
kehr und versiegelte Straßenräume in weiten Tei-
len das Gebiet.
Es bestehen Gebietslagen, die eine höhere Nut-
zungsmischung aufweisen, in der Wohnnutzun-
gen und kleinteilige Dienstleistungsangebote
zusammenkommen. Raumprägend sind unter
anderem die gewerbliche Nutzung des Schlacht-
hofareals und die gegenüberliegende, noch in der
Entwicklung befindende Wohnentwicklung. Über -
gehend in östlicher Richtung treten vermehrt
Wohnutzungen auf, welche sich bis zum Parkgür -
tel fortsetzen. Die soziale Infrastruktur ist über
das Quartier verstreut und umfasst verschiedene
Einrichtungen. Dazu zählen unter anderem die
evangelische Nathanael Kirchengemeinde, die
Grundschule Osterather Straße, Kindertages-
kleinteilige Mischnutzungen, Liebigstraße Ehemaliger Molkereistandort, Geldernstraße
BESTANDSANALYSE
17
Analyse Nutzungsstruktur
18
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN
BESTANDSANALYSE
2�3 STÄDTEBAU
Der Städtebau des Quartiers präsentiert sich,
simultan zur Nutzungsstruktur, entsprechend
hetergogen. Es besteht eine Mischung aus großen
Hallentypologien und Sonderbausteinen, klein-
teiligen Wohnbebauungen, begrünten Siedlungs-
trukturen in Zeilenbauweise aber auch modernen
Bebauungen jüngeren Datums. Unterschiedliche
Maßstäbe und Körnungen treffen im LiebigQuar -
tier aufeinander.
Das Quartier wird von Barrieren umschlossen.
Dazu zählen die Bahngleise im Osten und Süden,
sowie die stark befahrene Innere Kanalstraße im
Süden, die A57 im Westen und dem Parkgürtel
und der Stadtbahntrasse im Norden. Aufgrund
dieser Barrieren gibt es nur wenige direkte Wege-
verbindungen zu den umliegenden Frei- und Erho-
lungsräumen und Anschlussmöglichkeiten an die
benachbarten Stadtteile.
Die Liebigstraße fungiert als direkte städtische
Verbindungsachse zwischen den Stadtteilen Nip-
pes und Neuehrenfeld und formuliert somit zwei
wichtige Eingangssituationen ins Quartier. Aller -
dings mangelt es insbesondere auf der Liebig-
straße in Höhe des ehemaligen Schlachthofareals
grundlegend an einer Fassung des öffentlichen
Raumes. Lediglich die Geldernstraße zeigt durch
ihre größtenteils gefassten Raumkanten und die
alleeartige Straßenbegrünung eine klare räumli-
che Ordnung auf.
Im Quartier ist der öffentliche Raum größtenteils
funktional gestaltet und weist geringe Aufent-
haltsqualitäten auf. Strukturen, die den Liefer -
verkehr und den motorisierten Individualverkehr
(MIV) priorisieren, dominieren den öffentlichen
Raum.
Ein hoher Grad an versiegelten Flächen im Quar -
tier bietet Potenzial für Veränderungen und eine
Neugestaltung im Sinne einer verbesserten
Lebensqualität, klimagerechten Stadtgestal-
tung und effizienteren Nutzung des öffentlichen
Raums.
LiebigstraßeStädtebauliche Brüche Escherstraße
BESTANDSANALYSE
19
20
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN
BESTANDSANALYSE
2�4 VERKEHR UND MOBILITÄT
Für den MIV ist das LiebigQuartier größtenteils
gut erschlossen. Auch die Einzugsradien der
ÖPNV-Haltepunkte decken das Quartier fast voll-
ständig ab. Lediglich im südlichen Bereich, zwi-
schen der Straße Am Gleisdreieck und Innerer
Kanalstraße, ist eine Unterversorgung festzustel-
len. Für das Fuß- und Radverkehrsnetz besteht,
aufgrund von Lücken und geringer Bestandsqua-
lität, eine Notwendigkeit dieses auszubauen und
zu qualifizieren.
Das Quartier ist durch zwei S-Bahnhöfe (Geldern-
straße/Parkgürtel und Köln-Nippes) sowie zwei
Haltestellen der Stadtbahn (Escher Straße und
Geldernstraße/Parkgürtel) an das SPNV-Netz
angeschlossen. Fußläufig zu erreichende Bushal-
testellen befinden sich im Quartier an der Liebig-
und der Geldernstraße.
Radwege entlang der Liebig-, Escher- und Geld-
ernstraße sind in Teilen vorhanden, doch insge-
samt in mangelnder Gestalt aufgrund von unüber -
sichtlichen und unsicheren Wegeführungen. Dies
betrifft vor allem Kreuzungsbereiche und Quar -
tierseingänge. Auf allen anderen Straßen wird der
Radverkehr im Mischverkehr geführt.
Die Haupterschließung für den MIV verläuft über
den Parkgürtel, die Innere Kanalstraße und die
Liebigstraße, wobei der nah gelegene Anschluss
an die A57 eine Verbindung zum überörtlichen
Verkehrsnetz ermöglicht. Innerhalb des Quartiers
sind neben der Liebigstraße die Escherstraße,
die Geldernstraße und die Hornstraße wichti-
ge Erschließungsachsen, insbesondere für den
Logistikverkehr. Vor allem die Innere Kanalstra-
ße, die Hornstraße und die Escher Straße weisen
bereits ein hohes Verkehrsaufkommen auf, wes-
halb bei baulichen Entwicklungen die damit ein-
hergehenden veränderten Verkehrsbelastungen
in jedem Fall geprüft werden müssten.
Prägend für das Gebiet sind großflächige priva-
te Parkierungsanlagen, die nicht gebündelt und
größtenteils ebenerdig verortet sind. Südlich des
S-Bahnhofs Köln-Nippes befindet sich eine P+R-
Anlage.
Die fußläufige Durchwegung wird durch eine auto-
fokussierte Gestaltung der Erschließungsstraßen
als untergeordnet eingestuft. Dem Quartier fehlt
es an Anknüpfungsstellen für den Fuß- und Rad-
verkehr, um die außenliegenden Barrieren zu
überwinden.
ÖPNV-Knotenpunkt an der Liebigstraße/Quartierseingang
S-Bahnhof Köln-Nippes
Quartierseingang Liebigstraße aus Richtung Neuehrenfeld
BESTANDSANALYSE
21
M 1:10.000
22
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN
BESTANDSANALYSE
2�5 FREIRAUM
Der Freiraum im Plangebiet beschränkt sich auf
wenige Abschnitte, die stärker begrünte Bereiche
aufweisen. Diese liegen größtenteils in den Rand-
bereichen des Quartiers. Abgesehen vom Geld-
ernpark und dem westlichen Bereich des Quar -
tiers, sind keine zusammenhängenden, qualitativ
hochwertigen Grünstrukturen vorhanden. Die
Autobahndeckelung zwischen Wöhler Straße und
den Bahngleisen nimmt die nördlich angrenzen-
den Grünstrukturen auf und bietet zudem Sport-
und Spielflächen.
Isolierte Baumstandorte oder halböffentliche und
private Gärten in Wohnlagen sind in Teilbereichen
vorhanden und liefern einen wichtigen Beitrag für
das Mikroklima. Sie sind jedoch nicht als öffent-
lich zugängliche Frei- und Erholungsflächen nutz-
bar. Als weitere Grünfläche ist die Kleingarten-
fläche nördlich angrenzend an die Grundschule
Osterather Straße zu nennen.
Der Geldernpark wird als bedeutender Park für
das südliche Bilderstöckchen angesehen. Er bie-
tet weitere Sport- und Spielmöglichkeiten. Einen
starken Kontrast hierzu bilden die Verkehrs- und
Parkplatzflächen, welche fast flächendeckend
das Quartier prägen und insgesamt einen hohen
Versiegelungsgrad erzeugen.
Eine Teilentsiegelung und Neubegrünung bietet
die Chance, das Risiko von ungünstigen klimati-
schen Bedingungen im Gebiet zu mindern und die
Aufenthaltsqualität zu verbessern.
Ein hohes Potenzial für das Quartier und die
umliegenden Gebiete besteht in der Vervollstän-
digung der Verbindung zwischen dem Blücher -
park im Norden und dem Inneren Grüngürtel im
Süden des Plangebiets, um bestehende lokale
Grünräume sowie hochwertige Erholungsräume
zu verbinden.
Die Entsiegelung, die Integration von Grünstruk -
turen unter Berücksichtigung des Baumbestands
sowie die Stärkung der Grünanbindung sind als
wichtige Entwicklungspotenziale herauszustellen.
Geldernpark Basketballplatz auf dem Autobahndeckel
BESTANDSANALYSE
23
M 1:10.000
24
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN
BESTANDSANALYSE
2�6 KLIMA
Eine integrierte Betrachtung der hitzebelaste-
ten Siedlungsflächen zeigt, dass verglichen mit
den umliegenden Stadtteilen, das LiebigQuartier
weniger Hitzebelastung aufweist. Dennoch ist die
Hitzebelastung in großen Teilen hoch und teilwei-
se sogar sehr hoch. Dies wird bedingt durch groß-
flächig versiegelte Flächen wie bspw. auf dem
Schlachthofareal und den ehemaligen Mobau-
und Molkereiflächen.
Fehlende Straßenbegrünungen oder Verschat-
tungsmöglichkeiten verstärken diesen Effekt.
Angesichts der prognostizierten Zunahme von
Extremwetterereignissen und erhöhter Hitzebe-
lastung empfiehlt es sich, Klimaanpassungsmaß-
nahmen grundlegend in die Planung zu integrie-
ren.
Die Eignung von Dachflächen für Begrünungs-
maßnahmen wird ebenfalls in der Analysekarte
abgebildet. Besonders groß ist das Potenzial auf
Gebäuden mit großen Flachdächern. Dazu zählen
vor allem Gebäude des RheinEnergie-Geländes,
der ehemaligen Molkerei, dem Schlachthofareal
sowie auf Gebäuden im Bereich zwischen der
Straße Am Gleisdreieck und der Inneren Kanal-
straße.
Der thermischen Belastung des Siedlungsraums
steht die thermische Ausgleichsfunktion des
Freiraums gegenüber. Die Analysekarte hebt die
Bedeutung siedlungsnaher Grünstrukturen wie
die des Blücherparks und des Inneren Grüngür -
tels für das Stadtklima hervor. Diese fungieren
auch als wichtige Kaltluftentstehungsgebiete und
tragen zur umliegenden Kühlung bei.
Neben der thermischen Belastung spielt auch
die Starkregenbelastung für die Klimaanpassung
eine große Rolle. Überflutungsbelastete Bereiche
im Quartier konzentrieren sich vor allem entlang
zentraler Verkehrsachsen wie dem Tunnel der
A57-Überdeckelung und dem Knotenpunkt Horn-
straße/Innere Kanalstraße sowie entlang der
Escher- und Geldernstraße. Bei potenziellen Ent-
wicklungen vom Molkerei- und Schlachthofareal
sind auch die überflutungssensiblen Flächen zu
berücksichtigen.
Südlicher Ausläufer des Blücherparks an der A57Eingangsbereich zum Schlachthofareal, Liebigstraße
BESTANDSANALYSE
25
M 1:10.000
26
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN
BESTANDSANALYSE
2�7 STÄRKEN, SCHWÄCHEN, CHANCEN
UND RISIKEN
Die Untersuchung des LiebigQuartiers unter den
Gesichtspunkten von Nutzung, Städtebau, Mobili-
tät und Freiraum hat vielfältige Erkenntnisse über
die Potenziale, Risiken, Stärken und Schwächen
erbracht. Die vielseitige Nutzung und Bebauung
des Quartiers mit Wohn- und Gewerbeflächen
erstreckt sich über das gesamte Planungsgebiet.
Hierbei sind insbesondere an den Übergängen
zwischen Wohn- und Gewerbenutzungen Nut-
zungskonflikte erkennbar.
Eine Schwäche des LiebigQuartiers ist die Viel-
zahl von Barrieren, zu denen Bahngleise, nicht
begehbare Gewerbegebiete, die Innere Kanalstra-
ße und die A57 zählen. Diese Barrieren begren-
zen die Bewegung innerhalb des Quartiers und
die Verbindung mit den angrenzenden Bereichen.
Dadurch existieren in Teilen weitestgehend iso-
lierte Bereiche wie der umschlossene Bereich
zwischen Innerer Kanalstraße und der Straße Am
Gleisdreieck.
Eine weitere Schwäche des LiebigQuartiers ist die
starke Versiegelung von Flächen, die im Sommer
zu erhöhter Hitze und bei Starkregen zu Überflu-
tungen führen kann.
Das Fuß- und Radwegenetz erscheint an einigen
Stellen vernachlässigt aufgrund von unübersicht-
lichen Querungsmöglichkeiten oder schmalen
und unvollständigen Fahrradwegen.
Die fehlende Gestaltung des Stadtgrüns entlang
der Straßen, insbesondere entlang der Liebigstra-
ße, sowie die begrenzten Wegeverbindungen zu
nahegelegenen Grünflächen werden ebenfalls als
Defizite wahrgenommen.
Neben diesen Herausforderungen verfügt das
LiebigQuartier auch über Stärken. Dazu zählen
vor allem die Nähe zu hochwertigen Grünflächen,
eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahver -
kehr und der Bestand begrünter Wohngebiete im
nördlichen Bereich des Plangebietes. Zusätzlich
ermöglicht die integrierte Lage eine vielfältige
Nutzung des Quartiers, da die Liebigstraße eine
wichtige Verbindungsachse zwischen den Stadt-
teilen Ehrenfeld und Nippes ist. Sie besitzt das
Potenzial für die anliegenden Grundstücke, eine
eigene Adresse zu formulieren.
Darüber hinaus bestehen auch Risiken, die zu
reduzieren sind. Dazu zählen Lärmemissionen an
den Übergangsbereichen zur bestehenden Wohn-
bebauung sowie die potenzielle Verdrängung von
Gewerbe durch heranrückende neue Wohnbebau-
ung. Um diese Nutzungskonflikte und städtebauli-
chen Umbrüche zu minimieren, sind Maßnahmen
zur Reduzierung der Risiken notwendig.
Chancen liegen vor allem in der Entwicklung der
Potenzialflächen, der Schaffung von neuen Wege-
verbindungen sowie der qualitativen Aufwertung
der vorhandenen Verbindungen, der Aufwertung
von Quartierseingängen und der Umgestaltung
von Verkehrs- und Brachflächen. Eine flexible
Nutzungsmischung, die Förderung der Nahmo-
bilität und die Integration emissionsarmer und
klimatisch angepasster Planungen können die
Zukunft des Quartiers positiv beeinflussen.
BESTANDSANALYSE
27
M 1:10.000
SZENARIEN
03
SZENARIEN
29
SZENARIEN
3�1 HERLEITUNG DER SZENARIEN
Basierend auf der Analyse, den Hinweisen und
Anregungen der Bürger*innen aus der Online-
Öffentlichkeitsbeteiligung, Gesprächen mit Sta-
keholder*innen aus dem Gebiet, Hinweisen
verschiedener Fachdienststellen innerhalb der
Verwaltung sowie einem Potenzial- und Zielwork -
shop, wurde das Flächengrundgerüst erarbeitet.
Dieses Gerüst zeigt maßgeblich die Flächen der
sich aktuell abzeichnenden bzw. zukünftigen Ent-
wicklungsschwerpunkte auf. Es umfasst Bereiche,
die unbebaut sind, in denen die ursprüngliche
Nutzung aufgegeben wurde oder die unterge-
nutzt sind. Ausgenommen sind Bereiche, die als
Bestandschutz gekennzeichnet sind.
Für die räumliche Entwicklung sind im wesentli-
chen vier Schwerpunktbereiche zu nennen. Dazu
zählen das vollständig von Straßen umschlossene
"Am Gleisdreieck" im Süden des Quartiers, das
"Schlachthofareal", welches sich zwischen Lie-
bigstraße und Bahngleisen befindet und mit ca.
9 ha den größten Schwerpunktbereich ausmacht,
der "Nahversorgungsbereich", welche Wohn- und
Gewerbenutzungen mit umfasst, sowie die beiden
brachliegenden Flächen "Mobau" und "Molkerei"
westlich und östlich der Geldernstraße entlang
der Geldernstraße.
Flächengrundgerüst
Am Am
GleisdreieckGleisdreieck
SchlachthofarealSchlachthofareal
Nahversorgungs -Nahversorgungs -
bereichbereich
MolkereiMolkerei
MobauMobau
30
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN
SZENARIEN
- Nutzungsmischung und Nutzungsdichte mit Wohnen, Arbeiten und Freizeit erproben
- Nutzungskonflikten vorbeugen / Wirtschaftsflächen städtebaulich integrieren*
- Zentrale Stadtachsen städtebaulich aufwerten (Raumkanten, Nutzungen, Grün)
- Gebäudebestand sanieren und energetisch optimieren*
- Bezahlbaren Wohnraum erhalten und schaffen*
- Wirtschaftsstandort sichern / Arbeitsplätze erhalten und neu schaffen
- Flächen mehrfach nutzen (Multicodierung) / Gewerbe stapeln*
- Kleinteiliges, stadtverträgliches Gewerbe / Gewerbehöfe ansiedeln
- Urbane (Lebensmittel-)Produktion fördern
- Nahversorgungszentrum definieren*
- Sport- und Freiflächen öffnen und mehrfach nutzen*
- Räume für (Weiter-)Bildung und Integration sichern und ausbauen
- Räume für Ehrenamt, Engagement und bürgerliche Initiativen bereitstellen*
- Räume für Kulturnutzungen finden*
- Straßenraum neu strukturieren und als öffentlichen Raum mit hoher Aufenthaltsqualität
aufwerten
- Fuß- und Radwegenetz ausbauen und verbessern
- Den ruhenden Verkehr stadtverträglich organisieren und reduzieren*
- Logistik / Wirtschaftsverkehre stadtverträglich abwickeln*
- Grünraumvernetzung vervollständigen und Zugänglichkeit / Anbindung sicherstellen
- Straßen- und Gebäudegrün fördern / Hitzeinseln vermeiden*
- Versickerungs- und Auffangmöglichkeiten für Starkregenereignisse verbessern / (Teil-)
Entsiegelung fördern
- Klimagerechte Transformation des Quartiers*
STÄDTEBAU UND WOHNEN
WIRTSCHAFT UND VERSORGUNG
SOZIALES, KULTUR UND BILDUNG
MOBILITÄT UND VERKEHR
GRÜN UND KLIMA
Entwicklungsziele für das LiebigQuartier (aufbauend auf der Stadtstrategie "Kölner Perspektiven 2030+")
* Ziele, die im Rahmen des Prozesses ergänzend definiert wurden
SZENARIEN
31
ihrem Bestand zu sichern. Der Nahversorgungs-
bereich soll räumlich konzentriert und städtebau-
lich aufgewertet werden.
Während die Stadtstrategie für die Bereiche
Soziales, Kultur und Bildung vor allem innerhalb
von Wohnquartieren den Ausbau der Bildungs-
und Sozialinfrastruktur vorsieht, weisen die Ent-
wicklungsziele im Rahmen des Räumlichen Ent-
wicklungskonzeptes zusätzlich auf den Bedarf an
weiteren Sport- und Freiflächen hin.
Mobilitätsziele der Stadtstrategie beinhalten vor
allem einen flächendeckenden Ausbau des Rad-
wegenetzes. Neben diesem Ziel werden weitere
Ziele für das Feld Mobilität und Verkehr aufge-
führt, dazu gehören der Ausbau der Fußwegever -
bindungen, die Neustrukturierung des Straßen-
raums mit einer erhöhten Aufenthaltsqualität,
als auch die stadtverträgliche Organisation des
ruhenden Verkehrs heutiger und zukünftiger Wirt-
schaftsverkehre.
Unter Grün und Klima werden Entwicklungsziele
zusammengefasst, die sich positiv auf das klein-
räumige Stadtklima im Quartier auswirken um
den hitzebelasteten Siedlungsflächen des Liebig-
Quartiers entgegen zu wirken und eine klimage-
rechten Transformation des Quartiers gerecht zu
werden.
3�1�1 Entwicklungsziele
Abgeleitet aus den Leitsätzen der Stadtstrategie
2.0 "Kölner Perspektive 2030+", wurden bereits
in einem frühen Arbeitsschritt Entwicklungszie-
le für das LiebigQuartier definiert. Dabei gaben
die Zielkarten der Stadtstrategie grundlegende
Erkenntnisse über räumliche Zielsetzungen der
Stadt Köln. In den Zielkarten wurden Flächen mit
Transformations- und Entwicklungspotenzialen
für Wohnen, Wirtschaft, Soziales und Mobilität
sowie Grün und Klimazielen festgelegt.
Die räumlichen Zielsetzungen beinhalten Aus-
sagen, die bei der weiteren Formulierung der
Entwicklungsziele berücksichtigt und vertieft
wurden. Die nebenstehende Übersicht zeigt die
Entwicklungsziele. Die Zieldimension Städtebau
und Wohnen wurde dabei ergänzt durch das Ziel
einer stärkeren Nutzungsmischung, des Erhalts
sowie der Neuschaffung von bezahlbarem Wohn-
raum. Darüber hinaus ist ein weiteres Ziel die
Sanierung bzw. energetische Optimierung der
Bestandsgebäude.
Die Zielkarte Wirtschaft der Stadtstrategie sieht
im Bereich des LiebigQuartiers fast flächende-
ckend die Transformation zu innovativen und
gemischten Gewerbegebieten mit den Schwer -
punkten Dienstleistung, Produktion und Krea-
tivwirtschaft vor. Das Räumliche Entwicklungs-
konzept vertieft die Zielsetzungen im Bereich
Wirtschaft und Versorgung unter anderem durch
die Multicodierung von gewerblichen Flächen,
bspw. durch Nutzungsstapelungen oder der Ein-
bindung von kleinteiligen und stadtverträglichen
Gewerbeformen. Bestehende Betriebe sind in
32
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN
SZENARIEN
3�1�2 Entwicklungstrends
Um für das LiebigQuartier im Folgenden drei ver -
schiedene Szenarien mit einem zukunftsfähigen
Leitbild zu entwickeln, wurde zunächst ein Blick
auf aktuelle Entwicklungstrends der Stadtent-
wicklung geworfen, um sicherzustellen, dass die
entstehenden Leitbilder, die die grundlegende
Ausrichtung der Szenarien vorgeben, zukunfts-
orientiert sind. Hierbei war die Publikation „Die
Stadt von Übermorgen“ (BBSR, 2022) eine wich-
tige Grundlage, um einen Zugang zur komplexen
Trendlandschaft zu bekommen.
Schwerpunktsetzung und Anknüpfung an Entwicklungstrends
SZENARIEN
33
Während die Szenarien als Gemeinsamkeit haben,
dass sie allesamt auf eine Attraktivitätssteige-
rung des Quartiers als Wohn- und Arbeitsstand-
ort abzielen und auf die Folgen des Klimawandels
reagieren müssen, unterscheiden sie sich jedoch
in ihrer individuellen Schwerpunktsetzung. Die
Schwerpunktesetzungen wurden abgeleitet aus
den Einzel- und Entwicklungstrends, so dass
sich drei unterschiedliche Themenfelder ergeben
haben:
Lebendige Impulse:
Das lebenslange Lernen
Das lebenslange Lernen greift vor allem die
wachsenden Anforderungen an Arbeitskräfte
auf, was einen zukünftig steigenden Bedarf an
Aus- und Weiterbildungsstätten bedeutet. Um
weiterhin auf dem Arbeitsmarkt als potenziell
Arbeitnehmende zu agieren, müssen Menschen
sich in Zukunft mit stärkeren Lern- und Flexibi-
litätsanforderungen auseinandersetzen, da sich
die Anforderungen im Berufsalltag zunehmend
schneller ändern werden. Darüber hinaus sind
Projektarbeiten und Zeitverträge gegenüber
dem „Normalarbeitsverhältnis“ keine Seltenheit
mehr und es entstehen zudem neue Berufsfelder
(BBSR, 2022).
Frische Impulse:
Die Gesundheit als Statussymbol
Die Gesunde Stadt als Standortfaktor, aber auch
die gesunde und vor allem bewusste Ernährung
rücken zunehmend stärker in den Fokus, was
gleichzeitig den Stellenwert von lokaler Produk -
tion und fairem Handel ansteigen lässt. Wetter -
extreme und Umweltbelastungen treten verstärkt
auf und stoßen Maßnahmen des Klimaschutzes
und der Klimaanpassung bereits auf Planungs-
ebene an. Dabei wird die Implementierung einer
grünen Infrastruktur immer wichtiger (BBSR,
2022).
Innovative Impulse:
Die Rückkehr der urbanen Produktion
Aufgrund von kleinteiligeren, stadtverträglichen
und emissionsärmeren Produktionsweisen spielt
die Produktion innerhalb der Stadt wieder eine
bedeutendere Rolle. Der Fokus der innerstäd-
tischen Produktion auf mehrgeschossige Anla-
gen (z.B. Vertical Factory und Vertical Farming)
ermöglicht eine neue Bündelung von Nutzungen
und Synergien und bedeutet im Ganzen eine effi-
zientere Flächennutzung. Produktionsprozesse
sind insgesamt durch die Digitalisierung (Indus-
trie 4.0) anpassbarer und vielfältiger (BBSR,
2022).
Für dieses Vorgehen lässt sich abschließend
festhalten, dass die in der Szenarienentwicklung
fokussierten globalen Entwicklungstrends die
Ziele der Stadtstrategie ergänzen.
34
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN
SZENARIEN
3�2 SZENARIO 1 - LEBENDIGE IMPULSE
In diesem Szenario wird eine integrierte Quar -
tiersentwicklung angestrebt, bei der neue öffent-
liche Räume, welche Begegnung und Austausch
fördern, geschaffen werden. Diese treten in Form
von Plätzen oder gemeinschaftlich genutzten Flä-
chen auf. Zudem ergänzen gemischte Wohn- und
Arbeitsflächen das Quartier, um somit attrakti-
ver für alle Bevölkerungsgruppen zu werden und
eine vielfältige Nachbarschaft zu ermöglichen.
Möglichkeiten der Begegnung und Gemeinschaft
können hierbei in Form von geteilten Nutzungs-
angeboten wie Gemeinschaftswerkstätten oder
Co-Working-Spaces auftreten. Auch eine für die
Öffentlichkeit zugängliche Kantine könnte ein Ort
hierfür sein. Die zusätzliche Implementierung von
Bildungs- und Kultureinrichtungen stärkt die vor -
handenen sozialen Strukturen. Dabei gilt es vor
allem die bereits bestehenden soziokulturellen
Angebote zu sichern.
Neben den vielfältigen Nutzungsmischungen, die
zu einem lebendigen Wohn- und Arbeitsstandort
beitragen, liegt der Fokus auf der Produktion von
Wissen. Forschung, Lehre und Innovation treten
hierbei in unterschiedlichen Formen an mehreren
Orten auf und eröffnen das Potenzial, dass diese
Einrichtungen einen Wissensstandort erzeugen
um neue Ideen, Technologien und Unternehmen
zu fördern.
Szenario 1 trägt dazu bei, dass das LiebigQuartier
zu einem Zentrum für Wissenschaft wird und zu
einer erhöhten wirtschaftlichen Aktivität beiträgt.
Eine nachhaltige Infrastruktur, barrierefreie
Zugänge und umweltfreundliche Mobilitätslö-
sungen, neue Wegeführungen bei denen vor allem
Fuß- und Radverkehr gefördert werden, können
zusätzlich Lebens- und Standortqualitäten stei-
gern.
Leitbild Szenario 1 - Lebendige Impulse
SZENARIEN
35
36
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN
SZENARIEN
3�3 SZENARIO 2 - FRISCHE IMPULSE
Das zweite Entwicklungsszenario greift die Tradi-
tion der Lebensmittelproduktion im Quartier auf
und übersetzt diese in zeitgemäße, kleinteiligere
Formen der urbanen Lebensmittelproduktion.
Dies könnte die Schaffung von urbanen Landwirt-
schaftsflächen wie bspw. Dachfarmen, Gewächs-
häusern oder vertikalen Farmen und Produk -
tionsstätten, sowie die Um- und Nachnutzung von
bestehenden Gebäuden umfassen. Die Integra-
tion von Märkten oder gemeinschaftlichen Ver -
arbeitungsstätten kann hierbei die Verbindung
zwischen Produzenten und Verbrauchern stärken.
Dieser Ansatz ermöglicht nicht nur die Produktion
von frischen Lebensmitteln, sondern fördert auch
die Gemeinschaftsbildung und lokale Wertschöp-
fung. Moderne Technologien wie z.B. Aquaponik
oder hydroponische Systeme aus der Fisch- und
Pflanzenzucht leisten einen Beitrag für einen effi-
zienten Flächengebrauch und eine erhöhte Res-
sourceneffizienz.
Szenario 2 trägt dazu bei, dass die Nachfrage
nach regionalen Lebensmitteln und alternativen
Ernährungstrends erhöht wird und die ökologi-
sche Vielfalt in städtischen Räumen, sowie ein
Bewusstsein für lokale Lebensmittelproduktion
gefördert werden. Darüber hinaus leistet der Aus-
bau der grünen Infrastruktur einen Beitrag zur
Anpassung an die Folgen des Klimawandels.
Leitbild Szenario 2 - Frische Impulse
SZENARIEN
37
38
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN
SZENARIEN
3�4 SZENARIO 3 - INNOVATIVE IMPULSE
Dieses Szenario hebt die Bedeutung als inner -
städtisches Gewerbegebiet hervor und fokussiert
sich auf die innovative Weiterentwicklung von
neuen und bestehenden Gewerbeflächen, sowie
deren logistische Anbindung.
Zu Gunsten des Vorbehalts für großflächige,
eigenständige Gewerbeprofile, die in hoher Stück -
zahl serielle Fertigungen produzieren, steht in
diesem Entwicklungsszenario die Attraktivierung
als Wohnstandort an sekundärer Stelle. Dennoch
berücksichtigt das Szenario die vorhandene hete-
rogene Nutzungsmischung des Quartiers und
reagiert vor allem an den Übergängen zwischen
Wohnen und Gewerbe mit Pufferzonen. Architek -
tonische Standards, welche sowohl die funktio-
nalen Anforderungen der Produktion, als auch die
Ansprüche umliegender Wohnbebauung berück -
sichtigen, können zudem Nutzungskonflikte redu-
zieren. Zukunftsorientierte Gewerbeflächen, die
emissionsarme Produktionsverfahren verwenden
und Produktgruppen bspw. im Bereich der High-
Tech, Lasertechnik, Medizintechnik oder des
Prototypenbaus herstellen, erscheinen aufgrund
ihrer Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche
Marktanforderungen und ihrer Umweltverträg-
lichkeit besonders realistisch und stadtverträg-
lich. Zusätzlich könnte die Förderung von Start-
Ups oder Technologiezentren im Gewerbegebiet
zu Innovation und wirtschaftlichem Wachstum
beitragen. Eine durchdachte Verkehrsplanung,
die auf alternative Logistik- und Mobilitätssyste-
me setzt, kann die Erreichbarkeit verbessern und
die Verkehrsbelastung minimieren.
Szenario 3 trägt dazu bei, dass die Neugestaltung
der Gewerbeflächen nicht nur ökonomische Dyna-
mik und Wettbewerbsfähigkeit fördert, sondern
auch zu einem lebenswerten Quartier beitragen.
Leitbild Szenario 3 - Innovative Impulse
SZENARIEN
39
40
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN
SZENARIEN
3�5 BEWERTUNG DER SZENARIEN
Die drei Szenarien wurden ausführlich im Sze-
narienworkshop mit den lokalen Akteur*innen,
den Vertreter*innen der Stadtverwaltung und der
KölnBusiness diskutiert und hinsichtlich ihrer Eig-
nung für die zukünftige Entwicklung des Liebig-
Quartiers überprüft.
Szenario 1 – Lebendige Impulse
Die Umsetzbarkeit dieses Szenarios stellt eine
große Herausforderung dar. Flächen für die Bil-
dungs- und Sozialinfrastruktur sind - insbeson-
dere in Form eines Bildungscampuses auf dem
Schlachthofareal - über den tatsächlichen Bedarf
hinaus dargestellt. Dieses Angebot würde zwar
zum Ausbau des Bildungsnetzes und zur Siche-
rung und Stärkung gemeinschaftlicher Angebote
beitragen, würde aber die Weiterentwicklung der
vorhandenen gewerblichen Nutzung erschweren.
Dadurch entsteht - entgegen des übergeordneten
Ziels - der Sicherstellung der gewerblich genutz-
ten Flächen - ein zu starkes Ungleichgewicht
zwischen nicht-kommerzieller, gemeinwohlorien-
tierter Nutzung und produzierendem Gewerbe.
Dennoch zeigt das Szenario auf, dass eine Stär -
kung der soziokulturellen Angebote einen Mehr -
wert für Anwohnende bietet und darüber hinaus
auch ein Identitätsstifter sein kann, weshalb die-
ser Aspekt in das räumliche Entwicklungskonzept
einfließen wird.
Das Szenario Lebendige Impulse setzt auf verbes-
serte, quartiersinterne Durchwegungsmöglich-
keiten für den Fußverkehr. Hierfür ist aus städ-
tebaulicher Sicht der Durchstich der Osterather
Straße ein wesentliches Element des Szenarios,
um die Nord-Süd Verbindung zu stärken. Jedoch
würde die neue Wegeverbindung die kritische Inf-
rastruktur des ansässigen Energieversorgungs-
unternehmens gefährden, weshalb eine derartige
Entwicklung nicht weiter verfolgt werden sollte.
Eine verbesserte Anbindung des Quartiers an den
Parkgürtel ist daher im Rahmen verkehrlicher
Untersuchungen zu prüfen.
Eine Aufweitung des Straßenraums, wie es in Teil-
bereichen entlang der Liebigstraße in Szenario 1
vorgesehen ist, hat insgesamt das Potenzial den
öffentlichen Raum vor allem für den Fuß- und
Radverkehr zu qualifizieren und sollte in weiteren
Entwicklungen verfolgt werden.
Auf den derzeit brachliegenden Flächen östlich
und westlich der Geldernstraße ("Mobau" und
"Molkerei") liegen in diesem Szenario Wohn- und
gewerbliche Nutzungen direkt gegenüber. Dies
würde zu Nutzungskonflikten führen und eine
gewerbliche Entwicklung östlich der Geldernstra-
ße erschweren. Dieser Ansatz sollte so nicht wei-
ter geführt werden.
Bei Betrachtung des Gleisdreiecks wird deutlich,
dass die Ansiedlung einer vielfältigen Gewerbe-
struktur eine Chance bietet, die Lebendigkeit und
Belebung des Areals zu erhöhen. Hierbei ist die
verkehrliche Anbindung an die Innere Kanalstra-
ße vertieft zu untersuchen.
Szenario 2 – Frische Impulse
Die vorgeschlagene Zonierung, die das Szenario
Frische Impulse auf dem Schlachthofareal auf-
zeigt, ist insgesamt als positiv zu bewerten, da
hier Nutzungsabstufungen von gewerblichen
Mischnutzungen bis zu ausschließlich gewerblich
genutzten Flächen, stattfinden. Hierdurch können
Teilbereiche des Schlachthofareals über unter -
schiedliche Zeiträume entwickelt werden, sodass
SZENARIEN
41
der Betrieb einiger Bestandsunternehmen der
Lebensmittellogistik weiterhin gewährleistet ist.
Eine Logistik-Untertunnelung der Gleise bzw. eine
Verbindung zwischen Schlachthofareal und Am
Gleisdreieck erscheint aufgrund des hohen tech-
nischen und kostenintensiven Aufwands als nicht
realistisch und würde voraussichtlich keinen
nennenswerten Mehrwert bieten. Eine distribu-
tionsorientierte Marktstruktur, die das Szenario
im Bereich Am Gleisdreieck abbildet, würde eine
erhöhte Verkehrsbelastung erzeugen und mögli-
cherweise auch nicht ausreichend Fläche für eine
derartige Nutzung bereitstellen können, weshalb
diese Nutzungsentwicklung in weiteren Schritten
nicht weiter verfolgt wird.
Dennoch bietet das Szenario mit der westlichen
Freiraumausweitung eine Möglichkeit einer Grün-
raumvernetzung an, sodass dieser Entwurfsan-
satz in weiteren Entwicklungen mitaufgenommen
werden sollte. Der Randbereich der RheinEnergie
entlang der Wöhlerstraße bietet ein Nachverdich-
tungspotenzial, bei dem das Straßenprofil wei-
ter vervollständigt und qualifiziert werden kann.
Anders als in Szenario 1, wird in Szenario 2 die
beiden Entwicklungsflächen östlich und west-
lich der Geldernstraße als ein Nutzungsbaustein
verstanden und mit einem einheitlichen Konzept
entwickelt. Hierdurch könnten Nutzungskonflikte
vermieden werden.
Szenario 3 – Innovative Impulse
Auch wenn aus wirtschaftlicher Sicht die Pro-
duktivität im Szenario Innovative Impuse wohl
am höchsten ist, entsteht auf dem Schlachthof-
areal oder den Molkereiflächen kaum Mehrwert
für Anwohnende. Lediglich eine Durchwegungs-
möglichkeit des Schlachthofareals, sowie Park -
möglichkeiten, verbunden mit einer Mobilstation,
sind zu nennen. Allerdings erscheint die Mobil-
station zu weit entfernt von wichtigen Halte-
punkten des ÖPNV, sodass dieser Standort nicht
weiter verfolgt werden sollte. Zudem ist im Ver -
lauf der Liebigstraße auf Höhe des Schlachthof-
areals voraussichtlich von einem eher monotonen
Erscheinungsbild der Erdgeschosszone aufgrund
der großflächigen Produktionscluster, auszuge-
hen. Neben den stadtverträglichen Produktions-
formen sollten vor allem Übergangsbereiche
zwischen Wohnen und Gewerbe oder wichtige
Erdgeschosszonen zum öffentlichen Straßenraum
ansprechend gestaltet werden, um einen Mehr -
wert für den gesamten Stadtraum zu generieren.
Eine logistische Anlieferung über das bestehen-
den Schienennetz im südlichen Verlauf des
Schlachthofareals erscheint sinnvoll, ist aber
aufgrund der nicht vorhandenen Schienenkapa-
zitäten und dem bereits weit vorangeschrittenen
Ausbau des S-Bahn-Netzes nicht umsetzbar.
Die Entwicklung des Gleisdreiecks zeigt in die-
sem Szenario eine Entwicklung auf, die mit der
Eigenheit des Standorts umgeht und das Poten-
zial besitzt, emittierende Gewerbeformen mit
aufzunehmen. Die Verortung des Nahversor -
gungsbereichs im Gelenk zwischen Wohnen und
Gewerbe, mit Bezug zum Stadteingang, hat das
Potential den Standort zu einem zentralen Nah-
versorgungsbereich im Sinne des Einzelhandels-
und Zentrenkonzepts auszubauen und damit
langfristig zu sichern. Eine Herausforderung wird
sein, die vorhandenen Einzelhandelslagen nörd-
lich der Liebigstraße funktional und stadträum-
lich miteinander zu verbinden. Der südlich der
Liebigstraße gelegene Standort erweist sich als
nicht nachhaltig, da er den Bestand und Ausbau
des Gewerbes beeinträchtigt.
RÄUMLICHES
ENTWICKLUNGSKONZEPT
04
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT
43
RÄUMLICHES
ENTWICKLUNGSKONZEPT
4�1 HERLEITUNG
Das Räumliche Entwicklungskonzept dient als
Grundlage für die zukünftige Entwicklung des
Plangebiets. Es zeigt die wesentlichen räumli-
chen Strukturen und Interventionen zur zukunfts-
fähigen Transformation auf.
In einem diskursiven Prozess wurden die unter -
schiedlichen privaten und öffentlichen Belange,
die anhand der drei Szenarien überprüft wurden,
in dem Konzept zusammengeführt.
Die untenstehende Abbildung zeigt schematisch
diesen Prozess, bei dem in unterschiedlichen
Beteiligungsformaten die drei Szenarien mit der
Verwaltung, der Politik, und den Akteur*innen
im LiebigQuartier diskutiert wurden. Der erste
Entwurf des aus den Diskussionen abgeleite-
ten Räumlichen Entwicklungskonzepts wurde
auf der Zukunftskonferenz mit der Öffentlichkeit
diskutiert (s.a. Kapitel 1.3). Auf Grundlage der
Anregungen und Hinweise aus der Öffentlich-
keitsveranstaltung wurde das Räumliche Entwick -
lungskonzept überarbeitet. Die Umsetzung des
Konzeptes wurde durch Kapitel 5 "Handlungs-
empfehlungen und Kernprojekte" konkretisiert.
Das Räumliche Entwicklungskonzept besteht ins-
gesamt aus den Teilen: Räumliches Leitbild, Ent-
wicklungskonzept und Handlungsempfehlungen.
Vorgehen Herleitung Räumliches Entwicklungskonzept
ENTWICKLUNG VON
DREI SZENARIEN
SZENARIEN
WORKSHOP
PROJEKTGRUPPEN
SITZUNG
SONDERTERMIN
POLITIK
LENKUNGSKREIS
GEGENÜBERSTELLUNG
EINZELNER BAUSTEINE ZUKUNFTS-
KONFERENZ
FINALISIERUNG
ABLEITUNG
DES RÄUMLICHEN
ENTWICKLUNGSKONZEPTES
44
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT
Bei Betrachtung der Szenarien und der entspre-
chenden Leitbilder fällt auf, dass in allen drei Sze-
narien die Entwicklung des Schlachthofareals ein
entscheidender Impulsgeber für die Entwicklung
des gesamten Quartiers sein kann. Das Schlacht-
hofareal erstreckt sich über einen bedeutenden
Teil entlang der Liebigstraße und bietet somit
einen erheblichen Mehrwert für die Entwicklung
der zentralen, verbindenden Achse zwischen den
Stadtteilen Ehrenfeld und Nippes.
Eine aufeinander abgestimmte Entwicklung der
derzeit brachliegenden Flächen östlich und west-
lich der Geldernstraße ist ein weiterer zentraler
Entwicklungsbaustein. Diese Entwicklung kann
zu einem ähnlichen Impulsgeber werden und eine
quartiersübergreifende Bedeutung gewinnen, vor
allem, wenn hier ein Mehrwert für Anwohnende
geschaffen wird.
Die Fläche Am Gleisdreieck könnte mit einer viel-
fältigen Nutzung mit dem Schwerpunkt Gewerbe
dazu beitragen, den heute städtebaulich isolier -
ten Bereich zu beleben. Wichtig hierbei ist es, die
Anbindung und verkehrliche Erschließung vertieft
zu betrachten, da die Verkehrsknotenpunkte, wel-
che die Fläche an das Verkehrsnetz anschließen,
bereits heute stark ausgelastet sind. Ein beson-
derer Fokus sollte daher in der Entwicklung der
Fläche mit einer neuen Anbindung an das ÖPNV-
Netz und alternativen Mobilitätsangeboten liegen.
Eine Überdeckelung der Autobahn ist für eine
bessere Vernetzung der Grünstrukturen und die
Erreichbarkeit des Quartiers für Fußgänger und
Radfahrer nicht erforderlich. Im Verhältnis zwi-
schen Aufwand und Nutzen könnte eine breite
Grünverbindung, perspektivisch ergänzt durch
eine Brücke für Fußgänger*innen und Radfah-
rer*innen über den sog. "Spaghettiknoten", der
Auffahrt Innere Kanalstraße - A57, eine bessere
Option darstellen.
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT
45
4�2 LEITBILD
Das räumliche Leitbild des Räumlichen Entwick -
lungskonzepts zeigt die wesentlichen Strukturen
und übergeordneten Zielvorstellungen des Quar -
tiers auf. Es dient als abstrakte Zusammenfas-
sung und Formulierung des Konzepts.
Das Leitbild hebt vor allem Wegebeziehungen,
die für die Durchwegbarkeit und Anbindung des
Quartiers von Bedeutung sind, hervor. Zentrale
Rolle nimmt dabei die Liebigstraße ein, da sie
neben ihrer verbindenden Funktion, Stadtbild
prägend wirksam wird. Die Liebigstraße wird defi-
niert als urbane Achse mit Aufenthaltsqualitäten
und einer lebendigen Erdgeschosszone. Ein zen-
traler öffentlicher Platz auf Höhe des Methwegs,
sowie ein kleiner Platz am Quartierseingang auf
Höhe des S-Bahnhofs Nippes, bieten die Mög-
lichkeit Begegnungs- und Aufenthaltsräume im
öffentlichen Raum zu schaffen. Aufgrund der
direkten Verbindungsfunktion zwischen Ehren-
feld und Nippes, nimmt die Liebigstraße ebenfalls
eine wichtige Rolle als Fuß- und Radverkehrsach-
se ein.
Die Nord-Süd Verbindung zwischen Blücherpark
und Innerem Grüngürtel am westlichen Rand des
Plangebiets ist eine bedeutende, übergreifende
Wegebeziehung, die heute schon in großen Teilen
besteht. Die Verbindung soll vervollständigt und
hinsichtlich ihrer Aufenthaltsqualität weiterentwi-
ckelt werden. Des Weiteren wird die Durchweg-
barkeit durch eine Fuß- und Radverkehrsüberfüh-
rung verbessert, um eine direkte Anbindung des
Inneren Grüngürtels zu ermöglichen und die Bar -
rierewirkung des Straßenraums zu überwinden.
Eine weitere für den Fuß-und Radverkehr bedeu-
tende Wegeverbindung entsteht durch einen
Durchstich unter der Bahntrasse auf Höhe des
Geldernparks. Hierdurch entsteht das Potenzial,
die Anbindung des LiebigQuartiers für den nicht-
motorisierten Individualverkehr auszubauen und
eine soziale Mischung zwischen den Stadtteilen
Bilderstöckchen und Nippes einzuleiten.
Während sich der Ausbau der grünen Infrastruk -
tur vor allem durch drei markante grüne Achsen
im Leitbild hervorhebt, sind diese durch weitere,
untergeordnete Grünverbindungen miteinander
vernetzt. So ergibt sich ein grünes Netz aus einer
primären und einer sekundären Struktur, das sich
auf das Quartier legt und vorhandene, sowie neue
Grünflächen miteinbezieht. Dabei müssen nicht
alle Grünflächen öffentlich zugänglich oder als
Wegeverbindungen dienen, sondern können die
vorhandenen Barrieren für Fauna und Flora redu-
zieren. Die drei grünen Achsen unterscheiden
sich in ihrer Ausformulierung stark voneinander.
Während die westliche Achse das größte Freiflä-
chenangebot aufweist und übergeordnete Grün-
räume vernetzt, bildet die östliche Achse einen
grünen Saum entlang der Gleise, der nicht in allen
Abschnitten öffentlich zugänglich ist. Die dritte
grüne Achse, entlang der Osterather- und Escher
Straße, stärkt die Nord-Süd-Verbindung zwischen
Liebigstraße und Parkgürtel.
46
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT
Entlang der Gleise erstreckt sich ein Gewerbe-
band, für welches das Leitbild eine Clusterung
unterschiedlicher Gewerbeformen vorsieht. Wäh-
rend der Bereich des Gleisdreiecks als Gewer -
becampus mit einer Mischung aus Dienstleistung
und Gewerbe entwickelt werden könnte, könnte
das Schlachthofareal im westlichen Bereich die
vorhandenen soziokulturellen Nutzungen ergän-
zen, mit einem kleinen öffentlichen Platz im mitt-
leren Bereich. Im östlichen Bereich entsteht ein
Schwerpunkt für stadtverträgliches Gewerbe.
Die bestehenden Nutzungen könnten so gesi-
chert und harmonisch in die Gesamtplanung
des Bereichs integriert werden. In unmittelbarer
Nähe des S-Bahnhofs Köln-Nippes spannt sich
der Bereich eines Nahversorgungsbereich auf.
Dieses Gelenk zwischen dem gewerblichen Band
auf der einen und der bestehenden Wohnnutzung
auf der gegenüberliegenden Seite markiert den
Eingangs- bzw. Übergangsbereich des Quartiers
und bündelt zukünftig - neben den zentralen Ein-
kaufsmöglichkeiten - auch weitere Dienstleistun-
gen und Geschäfte des täglichen Bedarfs.
Auf den ehemaligen Mobau- und Molkereiflä-
chen rücken Wohn- und Gewerbenutzung stark
zusammen. Das Leitbild zielt an dieser Stelle auf
ein urbanes Gebiet mit der Stärkung von stadt-
verträglichem Gewerbe ab. Dieses wird integriert
durch die Kombination von sozialer Infrastruktur
(insb. Bildung) sowie einem Ort für Kultur- und
Kreativnutzung.
Neben baulichen Entwicklungen und neuen Nut-
zungszonierungen zeigt das Leitbild auch auf,
welche Strukturen in ihrem Bestand, insbeson-
dere vor heranrückenden Nutzungen zu schüt-
zen sind. Dies betrifft insbesondere den Bereich
der RheinEnergie, der wichtige Funktionen der
Daseinsvorsorge für ganz Köln übernimmt.
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT
47
Leitbild Räumliches Entwicklungskonzept
48
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT
Zusätzlich zu den zentralen Entwurfselementen
des Leitbilds enthält das Räumliche Entwick -
lungskonzept räumliche Aussagen, die zu einem
lebenswerten Wohn- und Arbeitsstandort bei-
tragen. Diese Entwicklungen variieren in ihrem
Umfang, ihren zeitlichen Umsetzungshorizonten
und den wesentlichen Handlungstreibern. Die
unterschiedlichen Zielrichtungen und räumlichen
Setzungen lassen sich verschiedenen Handlungs-
feldern zuordnen. Ausgehend von den fünf Hand-
lungsfelder, die den fünf Entwicklungszielen (sie-
he 3.1.1) entsprechen, werden im Folgenden die
Inhalte des Räumliche Entwicklungskonzeptes
erläutert.
4�3 HANDLUNGSFELDER
Städtebau und Wohnen
Das LiebigQuartier soll weiterhin als Wohnstand-
ort mit bezahlbarem Wohnraum erhalten bleiben.
Durch (städtebauliche) Aufwertungen im Quartier
können jedoch auch Verdrängungsprozesse der
ansässigen Wohnbevölkerung in Gang gesetzt
werden. Diesen Prozessen sollen Soziale Erhal-
tungssatzungen gem. § 172 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2
BauGB entgegenwirken. Die Stadt Köln nutzt die-
ses Instrument bereits in verschiedenen ande-
ren Quartieren. Die Verwaltung hat den Auftrag,
darüber hinaus Gebiete für den Einsatz dieses
städtebaulichen Instrumentes vorzuschlagen.
Dies erfolgt auf der Grundlage einer gesamtstäd-
tischen Betrachtung, sodass das LiebigQuartier
ebenfalls in diese Betrachtung einbezogen ist.
Zur Umsetzung des Ziels neuer Wohnfor -
men und zielgruppenspezifischer Wohnange-
bote, sieht das Räumliche Entwicklungskon-
zept unter anderem in den Randbereichen der
RheinEnergie die Entwicklung von Werkswohnun-
gen vor. Während das Werkswohnen im Bereich
der Escherstraße eine reine Wohnnutzung mit
hohen Grünanteilen vorsieht, beinhaltet die bauli-
che Entwicklung an der Wöhlerstraße zusätzliche
Büro- und Arbeitsflächen.
Eine weitere Form der vielfältigen Wohnangebo-
te ist das Mehrgenerationenwohnen, wie es im
westlichen Teil des Schlachthofareals denkbar
ist. Neben den gewerblichen und sozialen Nut-
zungen ist eine kleinteilige Mischung mit Wohn-
formen, vor allem im Bereich der Liebig-, aber
auch der Hans-Wild-Straße, eine Möglichkeit der
angrenzenden Wohnbebauung ein Gegenüber zu
geben und somit die Nachbarschaft zu stärken.
Bauliche Neuentwicklungen orientieren sich in
ihrer Höhenentwicklung dabei an umliegenden
Geschossigkeiten.
Eine erhöhte Nutzungsmischung und Dichte aus
Wohnen, Arbeiten und Freizeitangeboten liegt im
Bereich der ehemaligen Mobau- und Molkerei-
fläche (westlich der Geldernstraße) vor. Ein nicht
störendes Gewerbe entlang der Geldernstraße
schirmt den inneren, ruhigeren Wohnbereich von
der Straße ab und bietet Platz für flexible Wohn-,
Gewerbe- und Arbeitsformen. Die Wohnnutzung
im blockinneren sieht einen erhöhten Grünanteil
vor, um auch hier das „Wohnen im Grünen“, wie
es in Bilderstöckchen in großen Teilen besteht,
fortzuführen. Auch hier empfiehlt sich eine
bestandsorientierte Höhenentwicklung, die sich
in das städtebauliche Gesamtbild einfügt.
Am nördlichen Quartierseingang, angrenzend
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT
49
WÖHLERSTRASSEWÖHLERSTRASSE
ESCHER STRASSE
ESCHER STRASSE
HANS-WILD-STRASSEHANS-WILD-STRASSE
PARKGÜRTELPARKGÜRTEL
GELDERNSTRASSEGELDERNSTRASSE
50
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT
an Parkgürtel und Geldernstraße, bietet sich
die Möglichkeit, einen städtebaulichen Auftakt
in Form einer wohnlichen Nachverdichtung zu
schaffen, um neben der Entwicklung neuen Wohn-
raums, einen Quartierseingang zu gestalten. Die-
ses Baufeld eignet sich als Hochpunkt um somit
die Eingangssituation räumlich zu akzentuieren.
Die Liebigstraße ist als zentrale Stadtachse einer
städtebaulichen Aufwertung zu unterziehen, bei
der auch der Abwicklung der Wirtschaftsverkehre
ausreichend Bedeutung gegeben werden muss.
Der Straßenraum soll durch neue Raumkanten
gefasst werden und durch eine in den öffentli-
chen Bereich wirkende, aktive Erdgeschosszone
belebt werden. Durch einen möglichst hohen
Grünanteil entlang der Straße soll zukünftig ein
Beitrag zur Klimafolgenanpassung geleistet wer -
den. Insgesamt definiert das Räumliche Ent-
wicklungskonzept die Liebigstraße als urbane
und begrünte Achse mit Qualifizierungen für den
Fuß- und Radverkehr und einer attraktiven Erd-
geschosszone.
Wirtschaft und Versorgung
Um das LiebigQuartier weiterhin als innerstäd-
tischen Gewerbestandort zu sichern, ist es not-
wendig, vorhandene Gewerbeflächen zu sichern
bzw. zu transformieren. Dies geschieht in vier
Teilbereichen, die bereits im Leitbild als gewerbli-
che Impulsräume festgelegt sind. Sie unterschei-
den sich in ihrer Größe, ihrer Nutzungsmischung
und in ihrer Produktivität. Im südlichen Teil des
Plangebiets, im Bereich Am Gleisdreieck gele-
gen, könnte langfristig ein Gewerbe- und Dienst-
leistungscampus entstehen, der aufgrund seiner
Lage auch produzierendes bzw. Lärm emittieren-
des Gewerbe aufnehmen kann, ohne Nutzungs-
konflikte zu erzeugen. Der Campus enthält eine
interne Freiraum- bzw. Aufenthaltsqualität mit
einem erhöhten Grünanteil, um die negativen
Wirkungen einer hohen Versieglung abzumildern.
Ein Hochpunkt in einem der Eckpunkte des Gleis-
dreiecks wäre voraussichtlich stadtraumverträg-
lich. Die genaue Lage und Höhe müsste allerdings
noch städtebaulich vertieft untersucht und quali-
fiziert werden, hierbei ist insbesondere die ver -
kehrliche Anbindung zu berücksichtigen.
Für die Entwicklung im Bereich des Schlachthof-
areals ist eine gewerbliche Nutzung weiterhin zu
priorisieren. Im westlichen Teil sollten im Über -
gang zur Wohnnutzung die vorhandenen sozio-
kulturellen Nutzungen im Bestand gesichert und
durch weitere Flächen ergänzt werden. Die Ziel-
programmatik sieht auf dem Areal insgesamt
einen urbaneren Charakter mit der Stärkung von
stadtverträglichem Gewerbe vor. Das Räumliche
Entwicklungskonzept schlägt eine sukzessive Ent-
wicklung des Areals vor, sodass zunächst gewerb-
lich genutzte Bestandsgebäude erhalten und
nach Bedarf bzw. Flächenverfügbarkeit Baufelder
ergänzt werden können. Zukünftige gewerbliche
Entwicklungen sind auch hier mit einem hohen
Grünanteil zu versehen.
Östlich der Hornstraße befindet sich ein städte-
baulich nicht integrierter Supermarkt, dessen
Fläche als potenzielle Erweiterungsfläche für
Gewerbe in Betracht gezogen werden kann.
Eine weitere zentrale Entwicklung ist die Zen-
trumsentwicklung inkl. Nahversorgungsbereich
in direktem Umfeld des S-Bahn-Haltepunkts
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT
51
HORNSTRASSEHORNSTRASSE
OSTERATHER STRASSEOSTERATHER STRASSE
ESCHER STRASSEESCHER STRASSE
52
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT
Köln-Nippes. Dieser Bereich spannt sich ausge-
hend vom Quartierseingang an der Liebigstraße
bis zum nördlich gelegenen Supermarkt zwi-
schen Osterather- und Escherstraße. Er umfasst
die ansässigen Supermärkte und soll zukünftig
das Versorgungsangebot mit weiteren Formen
des täglichen Bedarfs ergänzen. Die räumlichen
Barrieren sind durch geeignete stadträumliche
Maßnahmen zu reduzieren, damit die einzelnen
Nutzungen besser miteinander vernetzt werden.
Neubauten sollten entsprechend räumlich inte-
grativ geplant werden. Die leerstehende Laden-
zeile am Parkgürtel soll auf eine Unterbringung
eines kleinen Nahversorgers oder auf alternati-
ven Nutzungen geprüft werden.
Auf der ehemaligen Molkereifläche besteht die
Herausforderung, Nutzungskonflikte mit angren-
zender Wohnbebauung zu vermeiden. Durch neue
Durchwegungen und kleinteiliges, stadtverträg-
liches Gewerbe sowie Formen der Kreativwirt-
schaft könnte dieser Stadtbaustein gut in das
Quartier integriert werden.
Soziales, Kultur und Bildung
Innerhalb des Plangebiets befinden sich mehrere
Entwicklungen, die Nutzungsangebote im Bereich
Soziales, Kultur und Bildung vorsehen. Im All-
gemeinen soll bürgerschaftliches Engagement
gefördert und unterstützt werden.
Hervorzuheben ist der westliche Teil des Schlacht-
hofareals, bei dem es zunächst um die Sicherung
der bereits heute vorhandenen soziokulturellen
Einrichtungen geht. Zudem sollen diese Struktu-
ren durch die Einbindung von unterschiedlichen
(Weiter-)Bildungsangeboten, Orten des Zusam-
menkommens, Kulturnutzungen und Sozialer In-
frastruktur gestärkt werden.
Das Räumliche Entwicklungskonzept kennzeich-
net die nördlich angrenzende Fläche der Grund-
schule Osterather Straße als perspektivische
Schulerweiterungsfläche, sodass diese zunächst
von (baulichen) Entwicklungen freigehalten wer -
den sollte.
Für den nördlichen Teil des Nahversorgungs-
bereichs ist eine Ergänzung durch Nutzungen
der sozialen Infrastruktur angedacht. Diese
Angebote finden sich in Teilen auf der ehemali-
gen Mobau- und Molkereifläche wieder, um dem
Flächenbedarf der Pflegeinfrastruktur (Stationä-
re Pflegeeinrichtung, Seniorenwohnen etc.) ent-
gegenzukommen. Der Rückstand an Sport- und
Freiflächen, der unter anderem durch jüngste,
bauliche Nachverdichtungen in Bilderstöckchen
entstanden ist, soll in zukünftigen Entwicklungen
ebenfalls berücksichtigt werden. Weitere Flächen
mit kleinteiligen Spiel- und Sportangeboten fin-
den Platz im Gel-dernpark sowie im grünen Band,
als Auftakt zum Standort des ESV Olympia.
Die etablierte Kultur- und Veranstaltungsstätte
"Odonien", die westlich der Hornstraße liegt, ist
ein wichtiger stadtteilübergreifender Kulturstand-
ort, der in seinem Bestand zu sichern ist.
Das Angebot für kulturelle Nutzungen und Ver -
anstaltungen könnte auch im Bereich zwischen
der Straße Am Gleisdreieck und der Inneren
Kanalstraße erweitert werden. Somit könnte der
Gewerbecampus auch außerhalb der Werktage
bzw. Betriebszeiten in Teilen genutzt werden.
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT
53
AM GLEISDREIECKAM GLEISDREIECK
INNERE KANALSTRASSEINNERE KANALSTRASSE
54
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT
Mobilität und Verkehr
Um die Mobilität innerhalb des LiebigQuartiers
attraktiver und nachhaltiger zu gestalten, spielt
der Ausbau des Fuß- und Radwegenetzes eine
wichtige Rolle. Neue Wegebeziehungen wie eine
direkte Verbindung zwischen Geldernpark und
Nippes, eine Durchwegung des Blockinneren zwi-
schen Escher- und Geldernstraße, die Fortfüh-
rung des Methweg (als wichtiger Schulweg), eine
nördliche Anknüpfung des Herkulesbergs sowie
eine Überführung für den Fuß-und Radwegever -
kehr im Bereich der Inneren Kanalstraße / A57
Auffahrt, ergänzen das bestehende Netz.
Der Straßenraum soll insgesamt als Raum mit
hoher Aufenthaltsqualität aufgewertet werden.
Dies betrifft vor allem die Liebigstraße, die durch
Aufweitungen eine neue Qualität und Fläche für
Rad- und Fußverkehr, straßenbegleitende Begrü-
nung und öffentliche Platzbereiche erhält. Die
Wirtschaftsverkehre müssen dabei Berücksichti-
gung finden.
Das Radwegenetz sieht auf Hauptverkehrsach-
sen eine vom MIV getrennte Verkehrsführung vor,
während auf den restlichen Straßen das Radfah-
ren im Mischverkehr vorgesehen ist. Hervorzuhe-
ben ist auch das Ziel von fuß- und radverkehrs-
freundlicher Umgestaltung unübersichtlicher
Knotenpunkte, wie dem Kreuzungsbereich Lie-
big-, Escher- und Lämmerstraße oder auch dem
Anschluss zwischen Horn- und Innerer Kanalstra-
ße.
Darüber hinaus ist auch die Ausbildung einer
begrünten Fahrradstraße entlang der Wöhler -
straße eine Möglichkeit, um quartiersintern eine
verkehrsberuhigtere Alternative zur Liebigstra-
ße zu schaffen. Eine weitere Maßnahme ist die
Verlängerung des Methwegs bis zur Osterather
Straße. Der Ausbau als begrünte Wegeführung
mit Anschluss an die Osterather Straße kann das
Durchwegungsangebot im Sinne kurzer Wege
stärken.
Um einen Teil des ruhenden Verkehrs innerhalb
des Quartiers stadtverträglicher zu organisieren,
ist eine Kombination aus einer Quartiersgarage
und einer Mobilstation ("Mobility-Hub") am Stadt-
eingang Nippes verortet. Weitere Mobilitäts-
angebote finden sich an Quartiersrändern und
öffentlichen Plätzen wieder. Die Angebote des
Mobility-Sharings, welche die gemeinschaftliche
Nutzung von Fortbewegungsmitteln wie Autos,
Fahrrädern oder E-Scooter umfassen, sollten
flächendeckend im Plangebiet angeboten wer -
den. Es sind die Maßgaben in Abhängigkeit zum
Beschluss "Raumbuch Mobilstation" (Vorlage
0910/2024 ) zu berücksichtigen.
Wirtschaftsverkehre, die das Schlachthofareal
bedienen, erfolgen aktuell über eine zentrale Ein-
fahrt an der Liebigstraße. Eine parallel zur Liebig-
straße verlaufende Logistikachse, die das Areal
mittig teilt, ist im Räumlichen Entwicklungskon-
zept vorgesehen. Diese Achse könnte Logistik -
verkehre von der Hornstraße aus aufnehmen und
somit in Teilen die Liebigstraße entlasten. Das
Räumliche Entwicklungskonzept schlägt für die-
sen Bereich eine Sicherung vor, falls bestehende
bauliche Nutzungen aufgegeben werden.
Die Aufgabenstellung des Räumlichen Entwick -
lungskonzepts LiebigQuartier beinhaltete kein
verkehrsplanerisches Gesamtkonzept. Zur Errei-
chung der inhaltlichen Ziele ist die verkehrsver -
trägliche Entwicklung eine Grundvoraussetzung.
Neue Projekte müssen verträglich in das vor -
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT
55
METHWEGMETHWEG
WÖHLER STRASSEWÖHLER STRASSE
GELDERNSTRASSEGELDERNSTRASSE
AM GLEISDREIECKAM GLEISDREIECK
INNERE KANALSTRASSE
INNERE KANALSTRASSE
ESCHER STRASSEESCHER STRASSE
LÄMMERSTRASSE
LÄMMERSTRASSE
HORNSTRASSEHORNSTRASSE
56
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT
handene Verkehrssystem durch die Vorhabenträ-
ger*innen eingebunden werden.
Grün und Klima
Für die Vervollständigung der Grünraumvernet-
zung setzt das Räumliche Entwicklungskonzept
vor allem an Defizitbereichen, an denen der Ver -
siegelungsgrad überwiegt, an. Dazu zählen Stra-
ßenräume und Kreuzungsbereiche der Liebig-,
aber auch der Escher- und Wöhlerstraße, für die
eine Neugestaltung und Neubepflanzung vorge-
schlagen wird, um das Mikroklima zu verbessern
und die Versickerungsmöglichkeiten im Quartier
zu erhöhen.
Für den nördlichen Teil der Escher Straße schlägt
das Räumliche Entwicklungskonzept eine Auf-
weitung des Straßenprofils zugunsten von neu-
en Grünstrukturen und einer Grünvernetzung
in Richtung Blücherpark vor. So können grüne
Pufferzonen zwischen westlich angrenzenden
Gewerbebetrieben und klimatisch optimierte Auf-
enthaltsqualitäten entstehen.
Für die Entwicklung der ehemaligen Mobau- und
Molkereiflächen zeigt das Räumliche Entwick -
lungskonzept die Möglichkeit einer Fußwegever -
bindung durch das grüne Blockinnere auf. So
könnte eine weitere Durchwegungsmöglichkeit
dem Ziel der kurzen Wege und dem Ausbau eines
grünen Netzes näher kommen.
Eine zentrale grüne Achse bildet das „grüne
Band“ welches sich entlang der Gleise erstreckt.
Dieses Band beginnt im Norden unterhalb des
Parkgürtels mit einer Qualifizierung der bereits
vorhandenen Grünstrukturen, um einen natur -
nahen Auftakt zum Quartier zu schaffen. Ausge-
hend vom Geldernpark erstreckt sich in südliche
Richtung entlang der Bahntrassen Böschungs-
struktur, die den stark versiegelten Bereich des
Molkerei-Geländes einfasst. Langfristig könnte
der Grünraum sich, der Lämmerstraße folgend,
über den südlichen Randbereich des Schlachthof-
areals ziehen, um auch hier Grünstrukturen auf
den stark versiegelten Bereichen auszuweiten.
Denkbar ist es, dass sich eine Wegeführung auf
Höhe der Gleistrasse befindet, die einen Ausblick
über das Schlachthofareal ermöglicht. Falls eine
derartige Wegeführung entwickelt werden soll,
ist im Rahmen der Gestaltung zu vermeiden, dass
hier Angsträume entstehen. Innerhalb des grünen
Bands, im Bereich der Lämmerstraße, sind neben
den neuen Fußwegen auch Sport- und Freizeitan-
gebote denkbar, um diese Freiflächen aktiver zu
gestalten.
Das Räumliche Entwicklungskonzept sieht eine
Entsiegelung im westlichen Randbereich vor, um
die Freiraumvernetzung zwischen Blücherpark
und Innerem Grüngürtel zu vervollständigen. Dies
stellt vor dem Hintergrund einer Kosten-Nutzen-
Betrachtung eine Alternative zur aufwändigen
Überdeckelung der A57 dar. Zudem können ein-
zelne bauliche Entwicklungen mit erhöhten Grün-
anteilen und klimaoptimierter Bauweise einen
positiven Beitrag zum Mikroklima leisten.
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT
57
ESCHER STRASSEESCHER STRASSE
WÖHLERSTRASSE
WÖHLERSTRASSE
LÄMMERSTRASSE
LÄMMERSTRASSE
58
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT
4�4 RÄUMLICHES
ENTWICKLUNGSKONZEPT
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT
59
60
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT
4�5 VERTIEFUNGSBEREICH
LIEBIGSTRASSE
Das Räumliche Entwicklungskonzept zeigt, dass
die Schwerpunktbereiche der Entwicklung das
Potenzial bieten, den zukünftigen Charakter des
LiebigQuartiers neu zu gestalten. Das Konzept
enthält eine Bandbreite an Projekten unter -
schiedlicher Maßstäbe, um das Quartier neu zu
strukturieren und auszurichten. Einige dieser Pro-
jekte besitzen aufgrund ihres hohen Mehrwerts
für Anwohnende - bspw. durch eine neue Erleb-
barkeit des Quartiers, eine positive Auswirkung
auf das Mikroklima oder ein erweitertes Nut-
zungsangebot - eine besonders hohe Priorität für
die räumliche Neuordnung des LiebigQuartiers.
Diese Projekte werden im Räumlichen Entwick -
lungskonzept als Kernprojekte definiert.
Eines der Kernprojekte ist die Umgestaltung der
Liebigstraße, bei dem vor allem die fuß- und rad-
verkehrsfreundliche Umgestaltung unter Berück -
sichtigung der Wirtschaftsverkehre fokussiert
wird. Insgesamt soll dabei die Liebigstraße auch
als öffentlicher Raum qualifiziert werden.
Die Liebigstraße ist ein raumprägendes Element
für das gesamte Plangebiet. Sie wickelt wichtige
Andienungsverkehre angrenzender Unternehmen
ab und stellt darüber hinaus eine direkte Verbin-
dungsachse zwischen Ehrenfeld und Nippes dar,
weshalb die Straße zu Stoßzeiten auch besonders
durch Fußgänger*innen und Radfahrer*innen fre-
quentiert ist.
Das Straßenbild wird aktuell zu einem großen Teil
von ruhendem Verkehr und einem hohen Versie-
gelungsgrad geprägt, während begrünende Ele-
Liebigstraße heute
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT
61
mente entlang der Straße nur auf privaten Grund-
stücken zu finden sind. Zudem weisen nur wenige
der anliegenden Gebäude städtebauliche Quali-
täten auf, während große brachliegende Flächen
die Attraktivität der Umgebung beeinträchtigen.
Im Bestand erscheint die Straße vornehmlich für
den motorisierten Individualverkehr ausgelegt,
was sich durch breite Fahrbahnen und schmale
Fuß- und Radwege äußert.
Bei der Neugestaltung der Liebigstraße wird eine
umfassende Planung angestrebt, die sowohl ver -
kehrstechnische als auch städtebauliche Aspekte
berücksichtigt. Ein zentraler Schwerpunkt liegt
dabei auf der Schaffung großzügiger, klar struk -
turierter und sicherer Fußwege, die deutlich
von der Radinfrastruktur getrennt sind, sodass
für beide Nutzer*innengruppen eine möglichst
sichere Teilnahme am Verkehr gewährleistet ist.
Um den Raum vom Autoverkehr und dem ruhen-
den Verkehr zu entlasten, werden Straßenbe-
reiche neugestaltet und zugunsten anderer Ver -
kehrsteilnehmer*innen umverteilt. Insbesondere
die Implementierung von breiten Fahrradspuren
nach dem Segregationsprinzip auf beiden Seiten
der Straße trägt dazu bei, dass der Radverkehr
sicherer und attraktiver gestaltet wird.
Die Entwicklung des öffentlichen Quartiersplat-
zes auf dem Schlachthofareal soll als Treffpunkt
für die Gemeinschaft dienen. Dieser Platz bietet
Raum für gastronomische Angebote zur Förde-
rung der sozialen Interaktion sowie eine Mobil-
station, um die Anbindung und auch das Mobili-
tätsangebot insgesamt zu verbessern.
Um diesen öffentlichen Platz bereits auf der
Liebigstraße anzukündigen, können mittels
einer gesonderten Oberflächengestaltung und
Entwicklungsmöglichkeit Liebigstraße
62
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT
Liebigstraße
35m
15m
Liebigstraße
SCHNITT - A
Verortung der Straßenschnitte
zusätzlichen Grünelementen im Straßenraum,
fußgängerfreundliche Querungsmöglichkeiten
geschaffen werden, die gleichzeitig als eine Art
Temposchwelle für den MIV fungieren.
Die Liebigstraße besitzt innerhalbt des Plange-
biets auf über 800 Metern Länge verschiedene
Abschnitte, die unterschiedlichste Straßenquer -
schnitte aufweisen.
Zur exemplarischen Verdeutlichung einer Flä-
chenneuaufteilung im Straßenraum wurden zwei
Querschnitte der Liebigstraße gewählt. Darunter
fällt der breiteste Abschnitt mit rund 35 Metern
im westlichen Teil der Liebigstraße, sowie ein
besonders enger Abschnitt mit ca. 15 Metern im
östlichen Bereich. Die Bestandssituation zeigt,
dass gerade der Fußweg bei einer geringeren
Gesamtfläche besonders schmal ausfällt und mit
Radwegen zusammengelegt wurde, während Flä-
chen für den MIV und ruhenden Verkehr weiter -
hin bestehen bleiben. Zudem weisen beide Quer -
schnitte keine Flächen für Verschattungen oder
Versickerungsmöglichkeiten durch begrünende
SCHNITT - B
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT
63
SCHNITT A - Bestand
SCHNITT B - Bestand SCHNITT B - Entwicklungsmöglichkeit
SCHNITT A - Entwicklungsmöglichkeit
Elemente auf. Dadurch sind die Straßenprofile
besonders anfällig bei Extremwetterereignissen,
sodass bei einer Umgestaltung der Liebigstraße
das Entwicklungsziel der Förderung von Straßen-
grün eine zentrale Rolle einnehmen sollte.
Die nebenstehenden Konzeptschnitte zeigen
exemplarisch mit welchen Flächenneuverteilun-
gen die Straßenquerschnitte attraktiver für den
Rad- und Fußverkehr gestaltet werden können
und Klimaanpassungsmaßnahmen im Straßen-
raum aussehen können.
HANDLUNGS-
EMPFEHLUNGEN UND
KERNPROJEKTE
05
HANDLUNGS-EMPFEHLUNGEN UND KERNPROJEKTE
65
HANDLUNGSEMPFEHLUN-
GEN UND KERNPROJEKTE
Zum Erreichen der formulierten Entwicklungsziele
für das LiebigQuartier und zur Realisierung der im
Räumlichen Entwicklungskonzept skizzierten Flä-
chennutzungen und Erschließungsstrukturen sind
viele mehrdimensionale Maßnahmen notwendig.
Der überwiegende Teil der erforderlichen Maß-
nahmen betrifft private Flächen, die aber nur im
kooperativen Verfahren zwischen privatem Enga-
gement und öffentlicher Planungshoheit entwi-
ckelt werden können. Wichtig ist dabei zu erken-
nen, dass alle räumlichen Neuordnungen – egal
ob im öffentlichen Raum oder auf privater Fläche
– einen wesentlichen Beitrag zur gemeinwohl-
orientierten und klimaschützenden Quartiersent-
wicklung zu leisten haben. Nur die Durchlässig-
keit von Flächen schafft eine neue Erlebbarkeit
des LiebigQuartiers, eine positive Auswirkung auf
das Mikroklima und ein erweitertes Nutzungsan-
gebot für die Bewohnerschaft.
Als wesentliche Handlungsempfehlungen werden
folgende sieben Kernprojekte, die für die Zieler -
reichung und die Entwicklung des LiebigQuartiers
als unverzichtbar eingeschätzt werden, in Form
von Steckbriefen kurz beschrieben.
1. Umgestaltung der Liebigstraße
2. Transformation Schlachthofareal
3. Transformation Molkereifläche und Umge-
bung
4. Entwicklung Nahversorgungsbereich
5. Entwicklung Mobilstation am S-Bahnhof Nip-
pes
6. Transformation Am Gleisdreick
7. Entwicklung Grünverbindung vom Inneren
Grüngürtel zum Blücherpark
Jeder Steckbrief enthält eine Gebietskarte, in der
die Maßnahme räumlich verortet ist. Für jedes
Kernprojekt sind die handlungsfeldbezogenen
Entwicklungsziele (s. Kapitel 3.1.1) genannt und
farblich den folgenden Handlungsfeldern zuge-
ordnet:
Des Weiteren sind die Akteure genannt, welche
die Entwicklung maßgeblich voranbringen.
Städtebau und Wohnen
Wirtschaft und Versorgung
Soziales, Kultur und Bildung
Mobilität und Verkehr
Grün und Klima
66
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN
HANDLUNGS-EMPFEHLUNGEN UND KERNPROJEKTE
Transformation Schlachthofareal 02
NUTZUNG:
Mischnutzung (Gewer -
be, Wohnen, Kultur)
FEDERFÜHRUNG:
Stadt Köln
BETEILIGTE:
Private
ENTWICKLUNGSZIELE:
- Wirtschaftsstandort sichern / Arbeitsplätze erhalten, neu schaffen
- Flächen mehrfach nutzen (Multicodierung) / Gewerbe stapeln
- Kleinteiliges, stadtverträgliches Gewerbe
- Urbane (Lebensmittel-) Produktion fördern
- Räume für Kulturnutzungen finden
- Räume für (Weiter-)Bildung und Integration sichern und ausbauen
- Neue Wohnformen und zielgruppenspezifische Wohnangebote
fördern
- Straßen- und Gebäudegrün fördern / Hitzeinseln vermeiden
- Klimagerechte Transformation des Quartiers
HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN:
- Dialog mit Flächeneigentümer*innen führen
- Erarbeitung einer städtebaulichen Planung, internen Erschließung und Freiraumplanung (als Grundlage für fol-
gende Bebauungsplanverfahren)
- Erarbeitung einer verkehrlichen Einbindung in das vorhandene Verkehrssystem
- Durchführung eines Qualifizierungsverfahrens, vozugsweise 2-phasig und kooperativ
- Prüfung der Anwendung des Besonderen Städtebaurechts für den Bereich und Schaffung von Planungsrecht
PRIORITÄT:
Hoch
Umgestaltung der Liebigstraße 01
NUTZUNG:
Verkehrsplanung,
öffentlicher Raum
FEDERFÜHRUNG:
Stadt Köln
BETEILIGTE:
Private
ENTWICKLUNGSZIELE:
- Zentrale Stadtachse städtebaulich aufwerten
- Straßenraum neu strukturieren und als öffentlichen Raum mit
hoher Aufenthaltsqualität aufwerten
- Fuß- und Radwegenetz ausbauen und verbessern
- Ruhenden Verkehr stadtverträglich organisieren und reduzieren
- Logistik-/Wirtschaftsverkehre stadtverträglich abwickeln
- Straßen- und Gebäudegrün fördern / Hitzeinseln vermeiden
- Klimagerechte Transformation des Quartiers
PRIORITÄT:
Hoch
HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN:
- Erarbeitung eines gestalterischen und verkehrsplanerischen Gesamtkonzeptes inkl. Machbarkeitsstudie für das
LiebigQuartier. Es sind alle Verkehre inkl. Logistikverkehre zu berücksichtigen
- Umgestaltung und -umbau der Liebigstraße unter Berücksichtigung der Entwicklung des Schlachthofareals
HANDLUNGS-EMPFEHLUNGEN UND KERNPROJEKTE
67
Transformation Molkereifläche und Umgebung 03
NUTZUNG:
Wohngebietsentwi-
cklung,Gewerbeentwi-
cklung
FEDERFÜHRUNG:
Private
BETEILIGTE:
Stadt Köln
ENTWICKLUNGSZIELE:
Insgesamt
- Wirtschaftsstandort sichern / Arbeitsplätze erhalten, neu schaffen
- Flächen mehrfach nutzen (Multicodierung) / Gewerbe stapeln
- Kleinteiliges, stadtverträgliches Gewerbe
- Urbane (Lebensmittel-) Produktion fördern
- Zentrale Stadtachsen städtebaulich aufwerten (Raumkanten,
Nutzungen)
- Straßen- und Gebäudegrün fördern / Hitzeinseln vermeiden
- Klimagerechte Transformation des Quartiers
Westliche Molkereifläche und ehem. Baufachmarktgelände
- Nutzungsmischung und Nutzungsdichte mit Wohnen und Arbeiten
- Bezahlbaren Wohnraum erhalten und schaffen
HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN:
- Erarbeitung einer verkehrlichen Einbindung in das vorhandene Verkehrssystem
Östliche Molkereifläche
- Dialog mit Flächeneigentümer*innen führen
- Durchführung eines städtebaulichen Qualifizierungsverfahrens
- Prüfung der Anwendung des Besonderen Städtebaurechts für den Bereich
- Prüfung der Schaffung von Planungsrecht
- Dialog und Einbindung nachbarschaftlicher Initiativen
Westliche Molkereifläche und ehem. Baufachmarktgelände
- Dialog mit Flächeneigentümer*innen führen
- Durchführung eines städtebaulichen Qualifizierungsverfahrens mit den Eigentümer*innen
- Prüfung der Anwendung des Besonderen Städtebaurechts für den Bereich
- Prüfung der Schaffung von Planungsrecht
PRIORITÄT:
Hoch
68
RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN
HANDLUNGS-EMPFEHLUNGEN UND KERNPROJEKTE
Entwicklung Nahversorgungsbereich 04
NUTZUNG:
Nahversorgung,
Wohngebietsentwicklung
FEDERFÜHRUNG:
Private, Stadt Köln
BETEILIGTE:
Private
ENTWICKLUNGSZIELE:
- Flächen mehrfach nutzen (Multicodierung)
- Nahversorgungszentrum definieren
- Nutzungsmischung und Nutzungsdichte mit Wohnen und Arbeiten
erproben
- Neue Wohnformen und zielgruppenspezifische Wohnangebote
fördern
- Den ruhenden Verkehr stadtverträglich organisieren und reduzieren
- Klimagerechte Transformation des Quartiers
HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN:
- Prüfung der Verankerung im Einzelhandels- und Zentrenkonzept Köln (EHZK)
- Entwicklung eines städtebaulichen Konzepts für den gesamten Nahversorgungsbereich
- Erarbeitung einer verkehrlichen Einbindung in das vorhandene Verkehrssystem
- Erarbeitung eines innovativen Mobilitätskonzeptes (z.B. Veedel-Garage, Mobilstation)
- Effiziente Nutzung der untergenutzten Flächen (Überbauung bzw. Aufstockung heutiger eingeschossiger Gebäude
und Parkplatzflächen)
- Prüfung der Anwendung des Besonderen Städtebaurechts für den Bereich
- Prüfung der Schaffung von Planungsrecht
PRIORITÄT:
Hoch
Entwicklung Mobilstation am S-Bahnhof Nippes 05
NUTZUNG:
Verkehrsplanung
FEDERFÜHRUNG:
Stadt Köln
BETEILIGTE:
Private
ENTWICKLUNGSZIELE:
- Den ruhenden Verkehr stadtverträglich organisieren und reduzieren
- Logistik stadtverträglich abwickeln
- Klimagerechte Transformation des Quartiers
HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN:
- Durchführung von Eigentümer*innengesprächen und Dialogen zur Grundlagenklärung
- Erstellung einer Machbarkeitsstudie zur Evaluierung des Vorhabens
- Prüfung der verkehrlichen Funktionsfähigkeit für eine Mobilstation
- Initiieren von Gesprächen mit potenziellen Betreiber*innen und Entwicklung eines Betriebsmodells
- Erarbeitung eines umfassenden Konzepts für die Logistikmobilität im Quartier
- Prüfung von notwendigen Standorten für die letzte Logistikmeile im Quartier
- Entwicklung einer stadtgestalterisch verträglichen Mobilstation
PRIORITÄT:
Mittel - Hoch
HANDLUNGS-EMPFEHLUNGEN UND KERNPROJEKTE
69
Entwicklung Grünverbindung vom Inneren
Grüngürtel zum Blücherpark 07
NUTZUNG:
Verkehrsplanung,
Freiraumplanung
FEDERFÜHRUNG:
Stadt Köln
BETEILIGTE:
Private
ENTWICKLUNGSZIELE:
- Grünraumvernetzung vervollständigen und Zugänglichkeit /
Anbindung sicherstellen
- Hitzeinseln vermeiden
- Versickerungs- und Auffangmöglichkeiten für Starkregenereignisse
verbessern / (Teil-)Entsiegelung fördern
- Klimagerechte Transformation des Quartiers
HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN:
- Durchführung einer Machbarkeitsstudie inklusive Kostenschätzung für die Fuß- und Radwegebrücke
- Flächensicherung für eine Grünverbindung
- Errichtung einer Fuß- und Radwegebrücke zwischen Innerer Grüngürtel und Herkulesstr.
PRIORITÄT:
hoch
Transformation Am Gleisdreieck 06
NUTZUNG:
Gewerbeentwicklung,
Kultur und Freiraum
FEDERFÜHRUNG:
Stadt Köln, Private, Land
NRW
BETEILIGTE:
Private
ENTWICKLUNGSZIELE:
- Wirtschaftsstandort sichern / Arbeitsplätze erhalten und neu
schaffen
- Flächen mehrfach nutzen (Multicodierung) / Gewerbe stapeln
- Räume für Kulturnutzungen finden
- Fuß- und Radwegenetz ausbauen und verbessern
- Klimagerechte Transformation des Quartiers
- Grünraumvernetzung vervollständigen und Zugänglichkeit /
Anbindung sicherstellen
HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN:
- Durchführung von Eigentümer*innengesprächen
- Prüfung der Anwendung des Besonderen Städtebaurechts für den Bereich
- Prüfung der Schaffung von Planungsrecht
- Durchführung eines städtebaulichen Qualifizierungsverfahrens mit den Eigentümer*innen inkl. Prüfung der
Umsetzbarkeit einer höheren Bebauung (unter Berücksichtung des aktuell noch in Erarbeitung befindlichen
"Höhenentwicklungskonzept Innere Stadt")
- Entwicklung eines grünen qualitätsvollen Korridors als Teil der Grünraumvernetzung Richtung Innerer Grüngürtel
- Erarbeitung einer verkehrlichen Einbindung in das vorhandene Verkehrssystem
PRIORITÄT:
Mittel
Sachstandsbericht Rat /Ausschuss
3145 Zeichen
Dezernat, Dienststelle
IX/151/2
Vorlagen-Nummer
2088/2024
Stand: 02.09.2025
Sachstandsbericht
Beschluss des Räumlichen Entwicklungskonzepts für das LiebigQuartier
Beschluss:
Der Stadtentwicklungsausschuss
1. nimmt das Räumliche Entwicklungskonzept für das LiebigQuartier zur Kenntnis;
2. beschließt das Räumliche Entwicklungskonzept LiebigQuartier (Anlage 1) als Grund-
lage für weitere Entwicklungen innerhalb des Plangebietes;
3. beauftragt die Verwaltung nächste Schritte zur Umsetzung der sieben Kernprojekte zu
erarbeiten und die Umsetzungsprozesse aktiv zu begleiten.
4. beauftragt die Verwaltung, die Politik jährlich über den aktuellen Entwicklungsstand der
sieben Kernprojekte zu informieren.
5. Der Grünraum im Quartier muss deutlich erhöht werden.
a) Die auf Seite 22 beschriebene Verbindung zwischen Blücherpark und Innerem
Grüngürtel muss fester Bestandteil der Planung werden. Die Verwaltung soll be-
auftragt werden, sicherzustellen, dass diese Grünverbindung auch umgesetzt wer-
den kann.
b) Auch bei Vorhaben, für die kein Bebauungsplan erforderlich ist, sollen Grünflächen
festgelegt werden, z.B. durch städtebauliche Verträge.
6. Die Verwaltung wird aufgefordert, ein geeignetes Format vorzuschlagen, mit dem die
Information und die Beteiligung von Politik, Öffentlichkeit, Anliegenden, Stakeholdern
und Eigentümer*innen gewährleistet wird.
7. Die Verwaltung wird beauftragt, eine Vorkaufsrechtssatzung nach § 25 Absatz 1 Satz
1 Nr. 2 BauGB für das LiebigQuartier zur Sicherung strategisch wichtiger Grundstücke
für eine nachhaltige und sozial gerechte Quartiersentwicklung zu prüfen und im ge-
samten Gebiet eine aktive Grundstückpolitik zu betreiben.
8. Die Interessen der RheinEnergie und der Bedarf des Gewerbes sind zu berücksichti-
gen.
Status in Bearbeitung
erledigt
Aktueller Bearbeitungsstand:
Die Verwaltung hat die geänderte Beschlussfassung zur Kenntnis genommen. Sie arbeitet
derzeit an den im Rahmen des Beschlusses erhaltenen Aufträgen und wird wie unter Be-
2
schlusspunkt 4 angezeigt die Politik jährlich über den aktuellen Entwicklungsstand informie-
ren.
Darüber hinaus hat die Verwaltung eine Satzung über das besondere Vorkaufsrecht für das
Gebiet ‚LiebigQuartier' in Köln-Ehrenfeld und Köln-Nippes nach § 25 Absatz 1 Satz 1 Nr. 2
Baugesetzbuch (vgl. Beschlusspunkt 7) erarbeitet, welche der Rat am 27.05.2025 beschlos-
sen hat (Vorlage 0569/2025).
Ebenso wurde im Rat (03.07.2025) das „1. Anpassungsverfahren der Fortschreibung des Ein-
zelhandels- und Zentrenkonzeptes Köln (2023) - Neuabgrenzung eines zentralen Versor-
gungsbereiches als Kernprojekt des Räumlichen Entwicklungskonzeptes LiebigQuartier“
(0951/2025) beschlossen. Dieses zahlt auf das Kernprojekt Nr. 04 „Entwicklung Nahversor-
gungsbereich“ ein.
Nächste Schritte:
Die Verwaltung wird im Rahmen einer Mitteilung in 2026 über den aktuellen Entwicklungs-
stand berichten.
Der nächste Sachstandsbericht ist geplant für den:
Der Sachstandsbericht wird ersetzt durch die jährliche Mitteilung, die unter Beschlusspunkt 4
beauftragt wurde (s. a. nächste Schritte).
Anlage 4, Auszug BV 4 (Ehrenfeld) 04.11.2024
4381 Zeichen
Geschäftsführung Bezirksvertretung 4 (Ehrenfeld) Herr Schmitz (02-4) Telefon: (0221) 221-94313 Fax: (0221) 221-94342 E-Mail: Andreas.Schmitz2@stadt - koeln.de Datum: 05.11.2024 Auszug aus dem Beschlussprotokoll der 32. Sitzung der Bezirksvertretung Ehrenfeld vom 04.11.2024 öffentlich 10.1 Beschluss des Räumlichen Entwicklungskonzepts für das LiebigQuar- tier 2088/2024 1. Beschluss über den in der Sitzung eingebrachten gemeinsamen Änderungsantrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen und der SPD-Fraktion: Die Bezirksvertretung Ehrenfeld beauftragt den Stadtentwicklungsausschuss ergänzend zu den vier Punkten folgende Punkte zu beschließen: 5. Der Grünraum im Quartier muss deutlich erhöht werden. a. Die auf Seite 22 beschriebene Verbindung zwischen Blücherpark und Innerem Grüngürtel muss fester bestand der Planung werden. Die Verwaltung soll be- auftragt werden sicherzustellen, dass diese Grünverbindung auch umgesetzt werden kann. b. Auch bei Vorhaben, für die kein Bebauungsplan erforderlich ist, sollen Grünflä- chen, ähnlich wie im koop. Baulandmodell, festgelegt werden. Diese müssen Planungsrechtlich gesichert werden (z. B. städtebaulicher Vertrag). 6. Die Verwaltung wird aufgefordert, ein geeignetes, gemeinwohlorientiertes Format bei- spielsweise nach dem Model „Utopiastadt Wuppertal“ oder vergleichbarer Projekte vor- zuschlagen, mit dem die Information und die Beteiligung von Politik, Öffentlichkeit, An- liegern Stakeholdern und Eigentümern gewährleistet wird. 7. Die Verwaltung muss eine Vorkaufsrechtssatzung nach § 25 Absatz 1 Satz 1 Nr. 2 BauGB für das LiebigQuartier zur Sicherung strategisch wichtiger Grundstücke für eine nachhaltige und sozial gerechte Quartiersentwicklung prüfen. Dabei sollen potenzielle gemeinwohlorientierte Akteure für die Entwicklung einzelner Flächen identifiziert wer- den. Die Stadtverwaltung wird, insbesondere zum Schutz des Schlachthofgeländes vor Ausverkauf, eine aktivere Grundstückpolitik betreiben. Abstimmungsergebnis: Einstimmig zugestimmt bei Enthaltung von Bezirksvertreterin Bchir (AfD). 2. Beschluss über die geänderte Beschlussvorlage Die Bezirksvertretung Ehrenfeld empfiehlt dem Stadtentwicklungsausschuss, folgenden geän- derten Beschluss zu fassen: Der Stadtentwicklungsausschuss 1. nimmt das Räumliche Entwicklungskonzept für das LiebigQuartier zur Kenntnis; 2. beschließt das Räumliche Entwicklungskonzept LiebigQuartier (Anlage 1) als Grund- lage für weitere Entwicklungen innerhalb des Plangebietes; 3. beauftragt die Verwaltung nächste Schritte zur Umsetzung der sieben Kernprojekte zu erarbeiten und die Umsetzungsprozesse aktiv zu begleiten. 4. beauftragt die Verwaltung, die Politik jährlich über den aktuellen Entwicklungsstand der sieben Kernprojekte zu informieren. Die Bezirksvertretung Ehrenfeld beauftragt den Stadtentwicklungsausschuss ergän- zend zu den vier Punkten folgende Punkte zu beschließen: 5. Der Grünraum im Quartier muss deutlich erhöht werden. a. Die auf Seite 22 beschriebene Verbindung zwischen Blücherpark und In- nerem Grüngürtel muss fester bestand der Planung werden. Die Verwal- tung soll beauftragt werden sicherzustellen, dass diese Grünverbindung auch umgesetzt werden kann. b. Auch bei Vorhaben, für die kein Bebauungsplan erforderlich ist, sollen Grünflächen, ähnlich wie im koop. Baulandmodell, festgelegt werden. Diese müssen Planungsrechtlich gesichert werden (z. B. städtebaulicher Vertrag). 6. Die Verwaltung wird aufgefordert, ein geeignetes, gemeinwohlorientiertes For- mat beispielsweise nach dem Model „Utopiastadt Wuppertal“ oder vergleichba- rer Projekte vorzuschlagen, mit dem die Information und die Beteiligung von Po- litik, Öffentlichkeit, Anliegern Stakeholdern und Eigentümern gewährleistet wird. 7. Die Verwaltung muss eine Vorkaufsrechtssatzung nach § 25 Absatz 1 Satz 1 Nr. 2 BauGB für das LiebigQuartier zur Sicherung strategisch wichtiger Grundstü- cke für eine nachhaltige und sozial gerechte Quartiersentwicklung prüfen. Dabei sollen potenzielle gemeinwohlorientierte Akteure für die Entwicklung einzelner Flächen identifiziert werden. Die Stadtverwaltung wird, insbesondere zum Schutz des Schlachthofgeländes vor Ausverkauf, eine aktivere Grundstückpoli- tik betreiben. Abstimmungsergebnis: Einstimmig zugestimmt bei Enthaltung von Bezirksvertreterin Bchir (AfD).
Anlage 1 Öffentlichkeitsbeteiligung
672 Zeichen
Anlage Öffentlichkeitsbeteiligung Die Anlage Öffentlichkeitsbeteiligung ist allen Beschlussvorlagen der Verwaltung für Gremien, auf die die Leitlinien Öffentlichkeitsbeteiligung Anwendung finden, beizufügen. Kreuzen Sie bitte eine der folgenden drei Varianten an und machen Sie entsprechende Angaben dazu. Wählen Sie bitte eine der drei folgenden Varianten aus und machen Sie entsprechende Angaben dazu. Kontakt OB/2 Referat für Strategische Steuerung Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung Brückenstraße 5-11 50667 Köln Telefon: 0221 – 221 25044 E-M ail: oeffentlichkeitsbeteiligung@stadt-koeln.de Intranetauftritt: Systematische Öffentlichkeitsbeteiligung
Beratungsverlauf (4)
Beschluss: geändert beschlossen
Zur SitzungBeschluss: ohne Votum in nachfolgende Gremien
Zur SitzungBeschluss: geändert beschlossen
Zur SitzungBeschluss: geändert beschlossen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 2088/2024
- Typ
- Beschlussvorlage Ausschuss
- Datum
- 11.11.2024
- Erstellt
- 01.07.2024 09:03