Beschluss des Räumlichen Entwicklungskonzepts für das LiebigQuartier
Beschlussvorlage Ausschuss 2088/2024 vom 11.11.2024
Stand: Am 07.11.2024 im Stadtentwicklungsausschuss geändert beschlossen.
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Anlage 1 Endbericht Räumliches Entwicklungskonzept LiebigQuartier
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Räumliches Entwicklungskonzept LiebigQuartier VORWORT 00 3 Sehr geehrte Leser*innen, als Dezernent für Stadtentwicklung, Wirt- schaft, Digitalisierung und Regionales freue ich mich, Ihnen den Endbericht zum Räum- lichen Entwicklungskonzept (REK) für das LiebigQuartier präsentieren zu dürfen. Wir wollen dieses vielfältige Quartier, das Nippes und Ehrenfeld miteinander verbindet, noch lebenswerter machen. Für dieses Vorha- ben könnte der Zeitpunkt kaum besser sein: Durch die Schließung des Molkereibetriebs FrieslandCampina eröffnen sich viele neue Möglichkeiten. Die Chancen liegen vor allem in der Entwicklung der Potenzialflächen, der Schaffung von neuen Grün- und Wegeverbin- dungen, der Aufwertung von Quartiersein- gängen und der Umgestaltung von Verkehrs- flächen. Das Ihnen vorliegende REK ist das Ergeb- nis eines intensiven Bearbeitungsprozesses durch das Amt für Stadtentwicklung und Sta- tistik, an dem eine Vielzahl von Akteur*in- nen aus dem Plangebiet beteiligt waren: Projektentwickler*innen, Grundstückseigen- tümer*innen, Vertreter*innen des Einzel- handels und der ansässigen Betriebe, Woh- nungsbauunternehmen, Vertreter*innen der soziokulturellen Szene vor Ort, Vereine und Akteur*innen, die sich bürgerschaftlich enga- gieren sowie die interessierte Öffentlichkeit haben aktiv mitgewirkt, um nachhaltige und identitätsstiftende Lösungen für die Zukunft des LiebigQuartiers zu erarbeiten. Das LiebigQuartier erstreckt sich über eine Fläche von etwa 130 Hektar in den Stadt- bezirken Ehrenfeld und Nippes und weist eine heterogene Nutzungsstruktur auf. Es ist geprägt durch eine Vielzahl an Gemenge- lagen, die an einigen Stellen zu Nutzungs- konflikten zwischen Wohnen und Gewerbe führen. Aufgrund des großen Entwicklungs- potenzials und andauernder Transforma- tionsprozesse im Gebiet soll das REK - dem politischen Auftrag (AN/0985/2018) folgend - dazu beitragen, die zukünftige Entwicklung des LiebigQuartiers zu steuern. Aufbauend auf der Stadtstrategie "Kölner Perspektiven 2030+" haben wir die Ziele für die räumliche Entwicklung des LiebigQuar - tiers im Laufe des Prozesses weiter konkreti- siert. Wir wollen mit dem REK dazu beitragen, T. Frohn/Stadt Köln 4 RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN Ihr Andree Haack Beigeordneter für Stadtentwicklung, Wirtschaft, Digitalisierung und Regionales der Stadt Köln Köln, August 2024 die vorhandenen innerstädtischen Gewerbe- flächen und -potenziale im LiebigQuartier zu sichern und weiterzuentwickeln, um die vorhandenen Arbeitsplätze zu erhalten und zusätzliche zu generieren. Gleichzeitig ist uns wichtig bezahlbaren Wohnraum zu sichern und neu zu schaffen. Darüber hinaus soll das LiebigQuartier Raum für Sport, Freizeit und Kultur bieten. So kann der heutige Nutzungs- mix weiter gestärkt werden. Es muss uns aber auch gelingen, mögliche Konflikte und Konkurrenzsituationen hinsichtlich der Flä- chennutzung zu minimieren. Dabei setzen wir auf innovative Lösungen, die zu einer nach- haltigen und klimaangepassten Entwicklung des LiebigQuartiers mit erhöhter Lebensqua- lität führen. Es ist nun von entscheidender Bedeutung, dass wir auf Basis des vorliegenden Entwick - lungskonzepts ins konkrete Handeln kom- men. Hierzu wollen wir sieben Kernprojekte anstoßen, um das LiebigQuartier zu einem zukunftsweisenden, attraktiven und identi- tätstragenden Wohn-, Arbeits-, und Freizeit- standort weiterzuentwickeln. Die Neuge- staltung der Liebigstraße ist eines, das die Stadt Köln selber umsetzen kann. Für ande- re braucht es gute Partner, die wir als Stadt unterstützen werden. Ich wünsche Ihnen inspirierende Gedanken beim Lesen, damit wir gemeinsam ein lebens- wertes und klimaneutrales Köln von Morgen und Übermorgen gestalten. 5 REICHER HAASE ASSOZIIERTE GMBH Schäferstraße 33 | 44147 Dortmund do@rha-planer.eu Bearbeitung: Dipl.-Ing. Holger Hoffschröer Carsten Göhring M.Sc. Till Müller-Haude M.Sc. Greta Wienen B.Sc. IMPRESSUM Räumliches Entwicklungskonzept LiebigQuartier Köln Auftraggeberin Amt für Stadtentwicklung und Statistik 151-2 Räumliche Stadtentwicklungsplanung Willy-Brandt-Platz 2 | 50679 Köln Bearbeitung: Natascha Rohde Lotte Drevermann Maike Janßen Kaja Rocks Auftragnehmer*innen STADTRAUMKONZEPT GmbH Huckarder Straße 12 | 44147 Dortmund Bearbeitung: Dipl.-Ing Henrik Freudenau Dipl.-Geograph Sebastian Siebert Karen Bietmann B.Sc. Stand August 2024 ARCHITEKTEN STADTPLANER ING ENIEURE REICHER HAASE ASSOZIIERTE RHA Quelle Fotos und Planungen Titelbild: Markus Schnabel, 2024 Wenn ansonsten nicht anders angegeben: Reicher Haase Assoziierte GmbH Inhaltsverzeichnis 1 Einleitung ��������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������� 8 1.1 Anlass und Zielsetzung ...........................................................................................................................................9 1.2 Arbeitsprozess ..................................................................................................................................................... 10 1.3 Beteiligung ........................................................................................................................................................... 12 2 Bestandsanalyse ������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������� 14 2.1 Räumliche Einordnung des Plangebiets ................................................................................................................15 2.2 Nutzungsstruktur ..................................................................................................................................................16 2.3 Städtebau ............................................................................................................................................................. 18 2.4 Verkehr und Mobilität ...........................................................................................................................................20 2.5 Freiraum ............................................................................................................................................................... 22 2.6 Klima .................................................................................................................................................................... 24 2.7 Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken ..........................................................................................................26 3 Szenarien �������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������� 28 3.1 Herleitung der Szenarien ......................................................................................................................................29 3.1.1 Entwicklungsziele .................................................................................................................................... 31 3.1.2 Entwicklungstrends ................................................................................................................................. 32 3.2 Szenario 1 - Lebendige Impulse............................................................................................................................34 3.3 Szenario 2 - Frische Impulse ................................................................................................................................36 3.4 Szenario 3 - Innovative Impulse ............................................................................................................................38 3.5 Bewertung der Szenarien .....................................................................................................................................40 4 Räumliches EntwIcklungskonzept ��������������������������������������������������������������������������������������������������������������42 4.1 Herleitung ............................................................................................................................................................ 43 4.2 Leitbild ................................................................................................................................................................. 45 4.3 Handlungsfelder ................................................................................................................................................... 48 4.4 Räumliches Entwicklungskonzept .........................................................................................................................58 4.5 Vertiefungsbereich Liebigstraße ...........................................................................................................................60 5 Handlungsempfehlungen und Kernprojekte ����������������������������������������������������������������������������������������������64 EINLEITUNG 01 EINLEITUNG 9 EINLEITUNG 1�1 ANLASS UND ZIELSETZUNG Der Stadtraum entlang der Liebigstraße, zwi- schen dem S-Bahn-Haltepunkt Köln-Nippes im Osten und der Grünanlage entlang der A 57 im Westen, in diesem Konzept als LiebigQuartier benannt, zeichnet sich durch vielfältige Funktio- nen und Raumstrukturen aus. Hier finden sich durchgrünte Wohnsiedlungen ebenso wie groß- flächige Gewerbe- und Produktionsstandorte. Vergangene Umbrüche haben Leerstände und Brachflächen hinterlassen, die Raum für neue Wohn- und Gewerbeentwicklungen bieten. Die wertvolle Funktions- und Nutzungsvielfalt ist insgesamt zu schützen und weiterzuentwickeln, weist jedoch an einigen Stellen städtebauliche Mängel und unklare Raumstrukturen auf. Das LiebigQuartier steht vor der Herausforde- rung, sich an die Auswirkungen des Klimawandels anzupassen, eine sichere und klimafreundliche Energieversorgung zu gewährleisten und moder - ne Formen von Mobilität zu ermöglichen. Insgesamt besteht in dem dazu erforderlichen Transformationsprozess die Chance, das Liebig- Quartier zu einem lebenswerten Ort mit einem zeit- und standortgerechten Charakter zu entwi- ckeln. Dazu ist unter Berücksichtigung der Gege- benheiten vor Ort ein Konzept erforderlich, das eine zukunftsweisende Vision für das Plangebiet aufzeigt. Zentrales Ziel ist hierbei die Sicherung der gewerblich genutzten Flächen sowie deren transformative Übersetzung in einen verträglich gestalteten Stadtbaustein. So kann ein Quar - tier entstehen, das der gegebenen Lagequalität gerecht wird. Das räumliche Entwicklungskon- zept soll dazu dienen, das Profil des LiebigQuar - tiers konzeptionell zu schärfen so dass zukünftige Entwicklungen sich hieran ausrichten können. Der Stadtentwicklungsausschuss der Stadt Köln hatte die Verwaltung mit Beschluss vom 28. Juni 2018 (Städtebauliche Neuordnung für den Bereich Parkgürtel Süd und GE Schlachthof; AN/0985/2018) beauftragt, für das Quartier einen Entwicklungs- und Nutzungsplan aufzustel- len, der jedoch zu diesem Zeitpunkt nicht bear - beitet werden konnte. Am 2. Juni 2022 wurde schließlich, wie von der Verwaltung vorgeschla- gen, die Erarbeitung des nun vorliegenden Räum- lichen Entwicklungskonzepts LiebigQuartier als informelles Planungsverfahren mit Beteiligungs- möglichkeiten beschlossen (Weiteres Vorgehen zum Projekt Räumliches Entwicklungskonzept Liebigquartier; 4461/2021). 10 RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN EINLEITUNG 1�2 ARBEITSPROZESS Der Prozess zum Räumlichen Entwicklungskon- zept wurde im Mai 2023 initiiert und gliederte sich in folgende Phasen: Entwicklung des Prozessde- signs, Bestandsaufnahme und Analyse, Durchfüh- rung des Dialogprozesses sowie Erarbeitung des Räumlichen Entwicklungskonzepts. Die folgende Prozessgrafik ordnet die Arbeitspha- sen inkl. Beteiligung zeitlich ein. Eine detaillierte Erläuterung findet im Fortlauf des Kapitels statt. Prozessgrafik EINLEITUNG 11 Die thematische Analyse des Plangebiets bilde- te eine inhaltliche Grundlage, auf der im weite- ren Arbeitsprozess drei Entwicklungsszenarien skizziert wurden, um mögliche Entwicklungspfa- de – sowohl räumlich als auch programmatisch – aufzuzeigen. In einem Folgeschritt wurden die Szenarien genutzt, um eine zukunftsfähige Vision für das Quartier abzuleiten und damit ein Konzept für die räumliche Entwicklung zu formulieren. Abschließend wurde eine Vertiefung mit Blick auf eine zukünftige Weiterentwicklung der Liebigstra- ße sowie eine Projekt- und Maßnahmenübersicht als Grundlage für die weitere Entwicklung erstellt. Vorgehen der Konzeptentwicklung Analyse Stakeholder*innen- Gespräche Potenzial- und Ziel- Workshop Szenarien- Workshop Lenkungskreis Lenkungskreis Projektgruppe Projektgruppe Online- Beteiligung Flächengerüst Szenarien III II I Entwicklungsziele Entwicklungstrends RÄUMLICHES ENTWICKLUNGS- KONZEPT Sondertermin Politik Zukunftskonferenz Im Prozess arbeiteten die beiden Planungsbü- ros Reicher Haase Assoziierte GmbH und Stadt- RaumKonzept GmbH eng mit der Stadt Köln, ins- besondere dem Amt für Stadtentwicklung und Statistik, zusammen, um ein ganzheitliches und abgestimmtes Arbeitsergebnis zu gewährleisten. Das Räumliche Entwicklungskonzept wird nach seiner Fertigstellung den Gremien der Stadt Köln zur politischen Beratung vorgelegt. 12 RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN EINLEITUNG 1�3 BETEILIGUNG Das vorliegende Räumliche Entwicklungskonzept wurde im intensiven Dialog mit den ansässigen Institutionen und Bewohner*innen erarbeitet. Die Beteiligung im Rahmen des Dialogprozesses glie- derte sich in Formate der öffentlichen Beteiligung sowie der Beteiligung ausgewählter Akteur*in- nen. Die Beteiligung der breiten Öffentlichkeit erfolgte zunächst durch eine Online-Öffentlichkeitsbe- teiligung über das städtische Beteiligungsportal meinungfuer.koeln zu Beginn des Planungspro- zesses. Im Zeitraum vom 21. August bis zum 10. September 2023 hatten Interessierte die Gele- genheit, ihre Hinweise zur gegenwärtigen Situa- tion des LiebigQuartiers sowie Ideen und Anre- gungen für eine Weiterentwicklung mitzuteilen und diese auch räumlich in einer Karte zu veror - ten. Insgesamt wurden 277 Beiträge eingereicht und mit 156 Kommentaren versehen sowie mit 1.172 Stimmen bewertet. Die Ergebnisse dieser Beteiligung wurden bei der Analyse berücksich- tigt und nahmen im weiteren Prozess Einfluss auf das Räumliche Entwicklungskonzept. Sie sind zudem ausführlich in der Mitteilung an die Politik 0093/2024 dokumentiert. Die Beteiligung von Vertreter*innen ausgewählter Akteursgruppen fand im Rahmen von zwei Vor- Ort-Workshops statt. Als erste Veranstaltung fand am 20. September 2023 im Gemeindehaus der Evangelischen Nathanael Kirchengemeinde Bil- derstöckchen ein Potenzial- und Zielworkshop statt. Hierzu wurden maßgebliche Akteur*innen aus dem Planungsgebiet eingeladen, darunter Projektentwickler*innen, Grundstückseigentü- mer*innen, Vertreter*innen des Einzelhandels und der ansässigen Betriebe, Wohnungsbauunter - nehmen, Akteur*innen der soziokulturellen Szene vor Ort sowie weitere Vereine und Akteur*innen, die sich bürgerschaftlich engagieren. Gemeinsam wurden Potenziale des Quartiers erörtert, Ziele der weiteren Entwicklung formuliert, Bedarfe und Interessen ausgetauscht sowie Schwerpunktbe- reiche möglicher Entwicklungen verortet. Der zweite Workshop, zu dem der selbe Perso- nenkreis, zuzüglich der beiden Bezirksbürger - meister*innen eingeladen wurden, fand am 31. Januar 2024 in der Städtischen Katholischen Grundschule Osterather Straße statt. In diesem Szenarienworkshop wurden verschiedene Sze- narien für die zukünftige Entwicklung des Quar - tiers mit ihren spezifischen Vor- und Nachteilen, Chancen und Hemmnissen diskutiert. Ein Bestandteil des Dialogprozesses waren darü- ber hinaus acht Einzelgespräche mit ausgewähl- ten Personen. Diese Stakeholdergespräche mit den Eigentümer*innen von Schlüsselgrundstü- cken und Akteur*innen die sich bürgerschaftlich engagieren, waren gerade zu Beginn des Prozes- ses von hoher Bedeutung für die Informations- gewinnung, insbesondere zu den Flächen, die besondere Entwicklungspotenziale darstellen. Während der Projektfinalisierung wurde eine Zukunftskonferenz als Präsenzveranstaltung durchgeführt. Bei der Veranstaltung am 20. März 2024 wurde der Entwurf des Räumlichen Ent- wicklungskonzepts präsentiert. Die über 100 Teilnehmenden hatten die Möglichkeit, Fragen zu stellen und Hinweise zu geben, die bei der Fina- lisierung des Räumlichen Entwicklungskonzepts EINLEITUNG 13 Potenzial- und Zielworkshop Bodenplane des LiebigQuartiers berücksichtigt wurden. Im Zuge des Prozesses wurden die betroffenen Dezernate und Fachämter der Stadtverwaltung durch regelmäßige Lenkungskreis- und Pro- jektgruppensitzungen einbezogen. Die Bezirks- vertretungen Ehrenfeld und Nippes wurden frak - tionsübergreifend in zwei Sonderterminen über die Zwischenergebnisse informiert. BESTANDSANALYSE 02 BESTANDSANALYSE 15 BESTANDSANALYSE 2�1 RÄUMLICHE EINORDNUNG DES PLANGEBIETS Das LiebigQuartier, nordwestlich der Kölner Innenstadt gelegen und an den Inneren Grüngür - tel angrenzend, erstreckt sich über Teile von Neu- ehrenfeld und Bilderstöckchen. Die Grenze zwi- schen den Stadtbezirken Ehrenfeld und Nippes verläuft mitten durch das Gebiet. Die Liebigstra- ße, die im Süden durch das Quartier verläuft, ver - bindet diese Stadtbezirke miteinander. Die Gren- zen des LiebigQuartiers sind klar definiert: Im Nordwesten bildet der stark frequentierte Park - gürtel mit der Hochbahntrasse der Stadtbahnlinie 13 die Begrenzung. Westlich erstreckt sich die Grünanlage entlang der Autobahn 57. Die südli- Überörtliche Einordnung che Grenze markieren die Innere Kanalstraße und die Sportanlage des ESV Olympia, während im Osten der Bahndamm als Begrenzung fungiert. Auf rund 130 ha zeichnet sich das LiebigQuar - tier durch einen besonders heterogenen Charak - ter aus. Etwa 6.500 Menschen wohnen und ca. 4.300 Beschäftigte arbeiten dort (Stand 2022). Das LiebigQuartier ist umgeben von zwei städ- tischen Freiräumen: dem Blücherpark im Nor - den und dem Inneren Grüngürtel im Süden, die als zentrale Elemente des gesamtstädtischen Grünsystems fungieren. Die Lage des Quartiers gewährleistet eine effiziente Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr. Anknüpfungs- punkte sind dabei die S-Bahn-Haltepunkte Geld- ernstraße/Parkgürtel sowie Köln-Nippes. Örtliche Einordnung 16 RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN BESTANDSANALYSE stätten, sowie Vereine wie das Begegnungs- und Fortbildungszentrum muslimischer Frauen e.V. (BFMF) oder die Griechische Gemeinde Köln e.V., die einen wichtigen Beitrag zum soziokulturellen Gefüge im Quartier leisten. Im Liebig257 gibt es ein Viertelswohnzimmer, ein Quartiersbüro sowie eine Werkstatt, die durch den KLuG e.V. betrie- ben werden. Zudem befindet sich die etablier - te Kultur- und Veranstaltungsfläche Odonien im Quartier. Weitläufige Gewerbeflächen, darunter Unter - nehmen wie DHL und RheinEnergie, prägen und begrenzen durch nicht öffentlich passierbare Grundstücke das Quartier. Die weiteren gewerb- lichen Nutzungen sind äußerst vielfältig und zeigen sich durch kleinteilige KFZ-Werkstätten, Lebensmittelgroßhändler, Einzelhandelsflächen oder Laufhäuser, in südlicher Randlage des Plan- gebiets. Aufgrund der vorliegenden Nutzungsvielfalt und äußerst heterogenen Mischung können an den Übergängen zwischen den unterschiedlichen Nut- zungen, Konflikte durch bspw. Lärmemissionen oder verschiedenen Infrastrukturansprüchen, auftreten. 2�2 NUTZUNGSSTRUKTUR Das LiebigQuartier zeichnet sich durch eine heterogene Nutzungsstruktur aus, die die unter - schiedlichen Facetten des städtischen Lebens widerspiegelt. Hier treffen kleinteilige, durch- grünte Wohnnutzungen auf großflächige Gewer - bestrukturen. Vereinzelte Grünflächen und Auf- enthaltsflächen sind im Quartier vorhanden, dennoch dominieren vor allem der ruhende Ver - kehr und versiegelte Straßenräume in weiten Tei- len das Gebiet. Es bestehen Gebietslagen, die eine höhere Nut- zungsmischung aufweisen, in der Wohnnutzun- gen und kleinteilige Dienstleistungsangebote zusammenkommen. Raumprägend sind unter anderem die gewerbliche Nutzung des Schlacht- hofareals und die gegenüberliegende, noch in der Entwicklung befindende Wohnentwicklung. Über - gehend in östlicher Richtung treten vermehrt Wohnutzungen auf, welche sich bis zum Parkgür - tel fortsetzen. Die soziale Infrastruktur ist über das Quartier verstreut und umfasst verschiedene Einrichtungen. Dazu zählen unter anderem die evangelische Nathanael Kirchengemeinde, die Grundschule Osterather Straße, Kindertages- kleinteilige Mischnutzungen, Liebigstraße Ehemaliger Molkereistandort, Geldernstraße BESTANDSANALYSE 17 Analyse Nutzungsstruktur 18 RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN BESTANDSANALYSE 2�3 STÄDTEBAU Der Städtebau des Quartiers präsentiert sich, simultan zur Nutzungsstruktur, entsprechend hetergogen. Es besteht eine Mischung aus großen Hallentypologien und Sonderbausteinen, klein- teiligen Wohnbebauungen, begrünten Siedlungs- trukturen in Zeilenbauweise aber auch modernen Bebauungen jüngeren Datums. Unterschiedliche Maßstäbe und Körnungen treffen im LiebigQuar - tier aufeinander. Das Quartier wird von Barrieren umschlossen. Dazu zählen die Bahngleise im Osten und Süden, sowie die stark befahrene Innere Kanalstraße im Süden, die A57 im Westen und dem Parkgürtel und der Stadtbahntrasse im Norden. Aufgrund dieser Barrieren gibt es nur wenige direkte Wege- verbindungen zu den umliegenden Frei- und Erho- lungsräumen und Anschlussmöglichkeiten an die benachbarten Stadtteile. Die Liebigstraße fungiert als direkte städtische Verbindungsachse zwischen den Stadtteilen Nip- pes und Neuehrenfeld und formuliert somit zwei wichtige Eingangssituationen ins Quartier. Aller - dings mangelt es insbesondere auf der Liebig- straße in Höhe des ehemaligen Schlachthofareals grundlegend an einer Fassung des öffentlichen Raumes. Lediglich die Geldernstraße zeigt durch ihre größtenteils gefassten Raumkanten und die alleeartige Straßenbegrünung eine klare räumli- che Ordnung auf. Im Quartier ist der öffentliche Raum größtenteils funktional gestaltet und weist geringe Aufent- haltsqualitäten auf. Strukturen, die den Liefer - verkehr und den motorisierten Individualverkehr (MIV) priorisieren, dominieren den öffentlichen Raum. Ein hoher Grad an versiegelten Flächen im Quar - tier bietet Potenzial für Veränderungen und eine Neugestaltung im Sinne einer verbesserten Lebensqualität, klimagerechten Stadtgestal- tung und effizienteren Nutzung des öffentlichen Raums. LiebigstraßeStädtebauliche Brüche Escherstraße BESTANDSANALYSE 19 20 RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN BESTANDSANALYSE 2�4 VERKEHR UND MOBILITÄT Für den MIV ist das LiebigQuartier größtenteils gut erschlossen. Auch die Einzugsradien der ÖPNV-Haltepunkte decken das Quartier fast voll- ständig ab. Lediglich im südlichen Bereich, zwi- schen der Straße Am Gleisdreieck und Innerer Kanalstraße, ist eine Unterversorgung festzustel- len. Für das Fuß- und Radverkehrsnetz besteht, aufgrund von Lücken und geringer Bestandsqua- lität, eine Notwendigkeit dieses auszubauen und zu qualifizieren. Das Quartier ist durch zwei S-Bahnhöfe (Geldern- straße/Parkgürtel und Köln-Nippes) sowie zwei Haltestellen der Stadtbahn (Escher Straße und Geldernstraße/Parkgürtel) an das SPNV-Netz angeschlossen. Fußläufig zu erreichende Bushal- testellen befinden sich im Quartier an der Liebig- und der Geldernstraße. Radwege entlang der Liebig-, Escher- und Geld- ernstraße sind in Teilen vorhanden, doch insge- samt in mangelnder Gestalt aufgrund von unüber - sichtlichen und unsicheren Wegeführungen. Dies betrifft vor allem Kreuzungsbereiche und Quar - tierseingänge. Auf allen anderen Straßen wird der Radverkehr im Mischverkehr geführt. Die Haupterschließung für den MIV verläuft über den Parkgürtel, die Innere Kanalstraße und die Liebigstraße, wobei der nah gelegene Anschluss an die A57 eine Verbindung zum überörtlichen Verkehrsnetz ermöglicht. Innerhalb des Quartiers sind neben der Liebigstraße die Escherstraße, die Geldernstraße und die Hornstraße wichti- ge Erschließungsachsen, insbesondere für den Logistikverkehr. Vor allem die Innere Kanalstra- ße, die Hornstraße und die Escher Straße weisen bereits ein hohes Verkehrsaufkommen auf, wes- halb bei baulichen Entwicklungen die damit ein- hergehenden veränderten Verkehrsbelastungen in jedem Fall geprüft werden müssten. Prägend für das Gebiet sind großflächige priva- te Parkierungsanlagen, die nicht gebündelt und größtenteils ebenerdig verortet sind. Südlich des S-Bahnhofs Köln-Nippes befindet sich eine P+R- Anlage. Die fußläufige Durchwegung wird durch eine auto- fokussierte Gestaltung der Erschließungsstraßen als untergeordnet eingestuft. Dem Quartier fehlt es an Anknüpfungsstellen für den Fuß- und Rad- verkehr, um die außenliegenden Barrieren zu überwinden. ÖPNV-Knotenpunkt an der Liebigstraße/Quartierseingang S-Bahnhof Köln-Nippes Quartierseingang Liebigstraße aus Richtung Neuehrenfeld BESTANDSANALYSE 21 M 1:10.000 22 RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN BESTANDSANALYSE 2�5 FREIRAUM Der Freiraum im Plangebiet beschränkt sich auf wenige Abschnitte, die stärker begrünte Bereiche aufweisen. Diese liegen größtenteils in den Rand- bereichen des Quartiers. Abgesehen vom Geld- ernpark und dem westlichen Bereich des Quar - tiers, sind keine zusammenhängenden, qualitativ hochwertigen Grünstrukturen vorhanden. Die Autobahndeckelung zwischen Wöhler Straße und den Bahngleisen nimmt die nördlich angrenzen- den Grünstrukturen auf und bietet zudem Sport- und Spielflächen. Isolierte Baumstandorte oder halböffentliche und private Gärten in Wohnlagen sind in Teilbereichen vorhanden und liefern einen wichtigen Beitrag für das Mikroklima. Sie sind jedoch nicht als öffent- lich zugängliche Frei- und Erholungsflächen nutz- bar. Als weitere Grünfläche ist die Kleingarten- fläche nördlich angrenzend an die Grundschule Osterather Straße zu nennen. Der Geldernpark wird als bedeutender Park für das südliche Bilderstöckchen angesehen. Er bie- tet weitere Sport- und Spielmöglichkeiten. Einen starken Kontrast hierzu bilden die Verkehrs- und Parkplatzflächen, welche fast flächendeckend das Quartier prägen und insgesamt einen hohen Versiegelungsgrad erzeugen. Eine Teilentsiegelung und Neubegrünung bietet die Chance, das Risiko von ungünstigen klimati- schen Bedingungen im Gebiet zu mindern und die Aufenthaltsqualität zu verbessern. Ein hohes Potenzial für das Quartier und die umliegenden Gebiete besteht in der Vervollstän- digung der Verbindung zwischen dem Blücher - park im Norden und dem Inneren Grüngürtel im Süden des Plangebiets, um bestehende lokale Grünräume sowie hochwertige Erholungsräume zu verbinden. Die Entsiegelung, die Integration von Grünstruk - turen unter Berücksichtigung des Baumbestands sowie die Stärkung der Grünanbindung sind als wichtige Entwicklungspotenziale herauszustellen. Geldernpark Basketballplatz auf dem Autobahndeckel BESTANDSANALYSE 23 M 1:10.000 24 RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN BESTANDSANALYSE 2�6 KLIMA Eine integrierte Betrachtung der hitzebelaste- ten Siedlungsflächen zeigt, dass verglichen mit den umliegenden Stadtteilen, das LiebigQuartier weniger Hitzebelastung aufweist. Dennoch ist die Hitzebelastung in großen Teilen hoch und teilwei- se sogar sehr hoch. Dies wird bedingt durch groß- flächig versiegelte Flächen wie bspw. auf dem Schlachthofareal und den ehemaligen Mobau- und Molkereiflächen. Fehlende Straßenbegrünungen oder Verschat- tungsmöglichkeiten verstärken diesen Effekt. Angesichts der prognostizierten Zunahme von Extremwetterereignissen und erhöhter Hitzebe- lastung empfiehlt es sich, Klimaanpassungsmaß- nahmen grundlegend in die Planung zu integrie- ren. Die Eignung von Dachflächen für Begrünungs- maßnahmen wird ebenfalls in der Analysekarte abgebildet. Besonders groß ist das Potenzial auf Gebäuden mit großen Flachdächern. Dazu zählen vor allem Gebäude des RheinEnergie-Geländes, der ehemaligen Molkerei, dem Schlachthofareal sowie auf Gebäuden im Bereich zwischen der Straße Am Gleisdreieck und der Inneren Kanal- straße. Der thermischen Belastung des Siedlungsraums steht die thermische Ausgleichsfunktion des Freiraums gegenüber. Die Analysekarte hebt die Bedeutung siedlungsnaher Grünstrukturen wie die des Blücherparks und des Inneren Grüngür - tels für das Stadtklima hervor. Diese fungieren auch als wichtige Kaltluftentstehungsgebiete und tragen zur umliegenden Kühlung bei. Neben der thermischen Belastung spielt auch die Starkregenbelastung für die Klimaanpassung eine große Rolle. Überflutungsbelastete Bereiche im Quartier konzentrieren sich vor allem entlang zentraler Verkehrsachsen wie dem Tunnel der A57-Überdeckelung und dem Knotenpunkt Horn- straße/Innere Kanalstraße sowie entlang der Escher- und Geldernstraße. Bei potenziellen Ent- wicklungen vom Molkerei- und Schlachthofareal sind auch die überflutungssensiblen Flächen zu berücksichtigen. Südlicher Ausläufer des Blücherparks an der A57Eingangsbereich zum Schlachthofareal, Liebigstraße BESTANDSANALYSE 25 M 1:10.000 26 RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN BESTANDSANALYSE 2�7 STÄRKEN, SCHWÄCHEN, CHANCEN UND RISIKEN Die Untersuchung des LiebigQuartiers unter den Gesichtspunkten von Nutzung, Städtebau, Mobili- tät und Freiraum hat vielfältige Erkenntnisse über die Potenziale, Risiken, Stärken und Schwächen erbracht. Die vielseitige Nutzung und Bebauung des Quartiers mit Wohn- und Gewerbeflächen erstreckt sich über das gesamte Planungsgebiet. Hierbei sind insbesondere an den Übergängen zwischen Wohn- und Gewerbenutzungen Nut- zungskonflikte erkennbar. Eine Schwäche des LiebigQuartiers ist die Viel- zahl von Barrieren, zu denen Bahngleise, nicht begehbare Gewerbegebiete, die Innere Kanalstra- ße und die A57 zählen. Diese Barrieren begren- zen die Bewegung innerhalb des Quartiers und die Verbindung mit den angrenzenden Bereichen. Dadurch existieren in Teilen weitestgehend iso- lierte Bereiche wie der umschlossene Bereich zwischen Innerer Kanalstraße und der Straße Am Gleisdreieck. Eine weitere Schwäche des LiebigQuartiers ist die starke Versiegelung von Flächen, die im Sommer zu erhöhter Hitze und bei Starkregen zu Überflu- tungen führen kann. Das Fuß- und Radwegenetz erscheint an einigen Stellen vernachlässigt aufgrund von unübersicht- lichen Querungsmöglichkeiten oder schmalen und unvollständigen Fahrradwegen. Die fehlende Gestaltung des Stadtgrüns entlang der Straßen, insbesondere entlang der Liebigstra- ße, sowie die begrenzten Wegeverbindungen zu nahegelegenen Grünflächen werden ebenfalls als Defizite wahrgenommen. Neben diesen Herausforderungen verfügt das LiebigQuartier auch über Stärken. Dazu zählen vor allem die Nähe zu hochwertigen Grünflächen, eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahver - kehr und der Bestand begrünter Wohngebiete im nördlichen Bereich des Plangebietes. Zusätzlich ermöglicht die integrierte Lage eine vielfältige Nutzung des Quartiers, da die Liebigstraße eine wichtige Verbindungsachse zwischen den Stadt- teilen Ehrenfeld und Nippes ist. Sie besitzt das Potenzial für die anliegenden Grundstücke, eine eigene Adresse zu formulieren. Darüber hinaus bestehen auch Risiken, die zu reduzieren sind. Dazu zählen Lärmemissionen an den Übergangsbereichen zur bestehenden Wohn- bebauung sowie die potenzielle Verdrängung von Gewerbe durch heranrückende neue Wohnbebau- ung. Um diese Nutzungskonflikte und städtebauli- chen Umbrüche zu minimieren, sind Maßnahmen zur Reduzierung der Risiken notwendig. Chancen liegen vor allem in der Entwicklung der Potenzialflächen, der Schaffung von neuen Wege- verbindungen sowie der qualitativen Aufwertung der vorhandenen Verbindungen, der Aufwertung von Quartierseingängen und der Umgestaltung von Verkehrs- und Brachflächen. Eine flexible Nutzungsmischung, die Förderung der Nahmo- bilität und die Integration emissionsarmer und klimatisch angepasster Planungen können die Zukunft des Quartiers positiv beeinflussen. BESTANDSANALYSE 27 M 1:10.000 SZENARIEN 03 SZENARIEN 29 SZENARIEN 3�1 HERLEITUNG DER SZENARIEN Basierend auf der Analyse, den Hinweisen und Anregungen der Bürger*innen aus der Online- Öffentlichkeitsbeteiligung, Gesprächen mit Sta- keholder*innen aus dem Gebiet, Hinweisen verschiedener Fachdienststellen innerhalb der Verwaltung sowie einem Potenzial- und Zielwork - shop, wurde das Flächengrundgerüst erarbeitet. Dieses Gerüst zeigt maßgeblich die Flächen der sich aktuell abzeichnenden bzw. zukünftigen Ent- wicklungsschwerpunkte auf. Es umfasst Bereiche, die unbebaut sind, in denen die ursprüngliche Nutzung aufgegeben wurde oder die unterge- nutzt sind. Ausgenommen sind Bereiche, die als Bestandschutz gekennzeichnet sind. Für die räumliche Entwicklung sind im wesentli- chen vier Schwerpunktbereiche zu nennen. Dazu zählen das vollständig von Straßen umschlossene "Am Gleisdreieck" im Süden des Quartiers, das "Schlachthofareal", welches sich zwischen Lie- bigstraße und Bahngleisen befindet und mit ca. 9 ha den größten Schwerpunktbereich ausmacht, der "Nahversorgungsbereich", welche Wohn- und Gewerbenutzungen mit umfasst, sowie die beiden brachliegenden Flächen "Mobau" und "Molkerei" westlich und östlich der Geldernstraße entlang der Geldernstraße. Flächengrundgerüst Am Am GleisdreieckGleisdreieck SchlachthofarealSchlachthofareal Nahversorgungs -Nahversorgungs - bereichbereich MolkereiMolkerei MobauMobau 30 RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN SZENARIEN - Nutzungsmischung und Nutzungsdichte mit Wohnen, Arbeiten und Freizeit erproben - Nutzungskonflikten vorbeugen / Wirtschaftsflächen städtebaulich integrieren* - Zentrale Stadtachsen städtebaulich aufwerten (Raumkanten, Nutzungen, Grün) - Gebäudebestand sanieren und energetisch optimieren* - Bezahlbaren Wohnraum erhalten und schaffen* - Wirtschaftsstandort sichern / Arbeitsplätze erhalten und neu schaffen - Flächen mehrfach nutzen (Multicodierung) / Gewerbe stapeln* - Kleinteiliges, stadtverträgliches Gewerbe / Gewerbehöfe ansiedeln - Urbane (Lebensmittel-)Produktion fördern - Nahversorgungszentrum definieren* - Sport- und Freiflächen öffnen und mehrfach nutzen* - Räume für (Weiter-)Bildung und Integration sichern und ausbauen - Räume für Ehrenamt, Engagement und bürgerliche Initiativen bereitstellen* - Räume für Kulturnutzungen finden* - Straßenraum neu strukturieren und als öffentlichen Raum mit hoher Aufenthaltsqualität aufwerten - Fuß- und Radwegenetz ausbauen und verbessern - Den ruhenden Verkehr stadtverträglich organisieren und reduzieren* - Logistik / Wirtschaftsverkehre stadtverträglich abwickeln* - Grünraumvernetzung vervollständigen und Zugänglichkeit / Anbindung sicherstellen - Straßen- und Gebäudegrün fördern / Hitzeinseln vermeiden* - Versickerungs- und Auffangmöglichkeiten für Starkregenereignisse verbessern / (Teil-) Entsiegelung fördern - Klimagerechte Transformation des Quartiers* STÄDTEBAU UND WOHNEN WIRTSCHAFT UND VERSORGUNG SOZIALES, KULTUR UND BILDUNG MOBILITÄT UND VERKEHR GRÜN UND KLIMA Entwicklungsziele für das LiebigQuartier (aufbauend auf der Stadtstrategie "Kölner Perspektiven 2030+") * Ziele, die im Rahmen des Prozesses ergänzend definiert wurden SZENARIEN 31 ihrem Bestand zu sichern. Der Nahversorgungs- bereich soll räumlich konzentriert und städtebau- lich aufgewertet werden. Während die Stadtstrategie für die Bereiche Soziales, Kultur und Bildung vor allem innerhalb von Wohnquartieren den Ausbau der Bildungs- und Sozialinfrastruktur vorsieht, weisen die Ent- wicklungsziele im Rahmen des Räumlichen Ent- wicklungskonzeptes zusätzlich auf den Bedarf an weiteren Sport- und Freiflächen hin. Mobilitätsziele der Stadtstrategie beinhalten vor allem einen flächendeckenden Ausbau des Rad- wegenetzes. Neben diesem Ziel werden weitere Ziele für das Feld Mobilität und Verkehr aufge- führt, dazu gehören der Ausbau der Fußwegever - bindungen, die Neustrukturierung des Straßen- raums mit einer erhöhten Aufenthaltsqualität, als auch die stadtverträgliche Organisation des ruhenden Verkehrs heutiger und zukünftiger Wirt- schaftsverkehre. Unter Grün und Klima werden Entwicklungsziele zusammengefasst, die sich positiv auf das klein- räumige Stadtklima im Quartier auswirken um den hitzebelasteten Siedlungsflächen des Liebig- Quartiers entgegen zu wirken und eine klimage- rechten Transformation des Quartiers gerecht zu werden. 3�1�1 Entwicklungsziele Abgeleitet aus den Leitsätzen der Stadtstrategie 2.0 "Kölner Perspektive 2030+", wurden bereits in einem frühen Arbeitsschritt Entwicklungszie- le für das LiebigQuartier definiert. Dabei gaben die Zielkarten der Stadtstrategie grundlegende Erkenntnisse über räumliche Zielsetzungen der Stadt Köln. In den Zielkarten wurden Flächen mit Transformations- und Entwicklungspotenzialen für Wohnen, Wirtschaft, Soziales und Mobilität sowie Grün und Klimazielen festgelegt. Die räumlichen Zielsetzungen beinhalten Aus- sagen, die bei der weiteren Formulierung der Entwicklungsziele berücksichtigt und vertieft wurden. Die nebenstehende Übersicht zeigt die Entwicklungsziele. Die Zieldimension Städtebau und Wohnen wurde dabei ergänzt durch das Ziel einer stärkeren Nutzungsmischung, des Erhalts sowie der Neuschaffung von bezahlbarem Wohn- raum. Darüber hinaus ist ein weiteres Ziel die Sanierung bzw. energetische Optimierung der Bestandsgebäude. Die Zielkarte Wirtschaft der Stadtstrategie sieht im Bereich des LiebigQuartiers fast flächende- ckend die Transformation zu innovativen und gemischten Gewerbegebieten mit den Schwer - punkten Dienstleistung, Produktion und Krea- tivwirtschaft vor. Das Räumliche Entwicklungs- konzept vertieft die Zielsetzungen im Bereich Wirtschaft und Versorgung unter anderem durch die Multicodierung von gewerblichen Flächen, bspw. durch Nutzungsstapelungen oder der Ein- bindung von kleinteiligen und stadtverträglichen Gewerbeformen. Bestehende Betriebe sind in 32 RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN SZENARIEN 3�1�2 Entwicklungstrends Um für das LiebigQuartier im Folgenden drei ver - schiedene Szenarien mit einem zukunftsfähigen Leitbild zu entwickeln, wurde zunächst ein Blick auf aktuelle Entwicklungstrends der Stadtent- wicklung geworfen, um sicherzustellen, dass die entstehenden Leitbilder, die die grundlegende Ausrichtung der Szenarien vorgeben, zukunfts- orientiert sind. Hierbei war die Publikation „Die Stadt von Übermorgen“ (BBSR, 2022) eine wich- tige Grundlage, um einen Zugang zur komplexen Trendlandschaft zu bekommen. Schwerpunktsetzung und Anknüpfung an Entwicklungstrends SZENARIEN 33 Während die Szenarien als Gemeinsamkeit haben, dass sie allesamt auf eine Attraktivitätssteige- rung des Quartiers als Wohn- und Arbeitsstand- ort abzielen und auf die Folgen des Klimawandels reagieren müssen, unterscheiden sie sich jedoch in ihrer individuellen Schwerpunktsetzung. Die Schwerpunktesetzungen wurden abgeleitet aus den Einzel- und Entwicklungstrends, so dass sich drei unterschiedliche Themenfelder ergeben haben: Lebendige Impulse: Das lebenslange Lernen Das lebenslange Lernen greift vor allem die wachsenden Anforderungen an Arbeitskräfte auf, was einen zukünftig steigenden Bedarf an Aus- und Weiterbildungsstätten bedeutet. Um weiterhin auf dem Arbeitsmarkt als potenziell Arbeitnehmende zu agieren, müssen Menschen sich in Zukunft mit stärkeren Lern- und Flexibi- litätsanforderungen auseinandersetzen, da sich die Anforderungen im Berufsalltag zunehmend schneller ändern werden. Darüber hinaus sind Projektarbeiten und Zeitverträge gegenüber dem „Normalarbeitsverhältnis“ keine Seltenheit mehr und es entstehen zudem neue Berufsfelder (BBSR, 2022). Frische Impulse: Die Gesundheit als Statussymbol Die Gesunde Stadt als Standortfaktor, aber auch die gesunde und vor allem bewusste Ernährung rücken zunehmend stärker in den Fokus, was gleichzeitig den Stellenwert von lokaler Produk - tion und fairem Handel ansteigen lässt. Wetter - extreme und Umweltbelastungen treten verstärkt auf und stoßen Maßnahmen des Klimaschutzes und der Klimaanpassung bereits auf Planungs- ebene an. Dabei wird die Implementierung einer grünen Infrastruktur immer wichtiger (BBSR, 2022). Innovative Impulse: Die Rückkehr der urbanen Produktion Aufgrund von kleinteiligeren, stadtverträglichen und emissionsärmeren Produktionsweisen spielt die Produktion innerhalb der Stadt wieder eine bedeutendere Rolle. Der Fokus der innerstäd- tischen Produktion auf mehrgeschossige Anla- gen (z.B. Vertical Factory und Vertical Farming) ermöglicht eine neue Bündelung von Nutzungen und Synergien und bedeutet im Ganzen eine effi- zientere Flächennutzung. Produktionsprozesse sind insgesamt durch die Digitalisierung (Indus- trie 4.0) anpassbarer und vielfältiger (BBSR, 2022). Für dieses Vorgehen lässt sich abschließend festhalten, dass die in der Szenarienentwicklung fokussierten globalen Entwicklungstrends die Ziele der Stadtstrategie ergänzen. 34 RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN SZENARIEN 3�2 SZENARIO 1 - LEBENDIGE IMPULSE In diesem Szenario wird eine integrierte Quar - tiersentwicklung angestrebt, bei der neue öffent- liche Räume, welche Begegnung und Austausch fördern, geschaffen werden. Diese treten in Form von Plätzen oder gemeinschaftlich genutzten Flä- chen auf. Zudem ergänzen gemischte Wohn- und Arbeitsflächen das Quartier, um somit attrakti- ver für alle Bevölkerungsgruppen zu werden und eine vielfältige Nachbarschaft zu ermöglichen. Möglichkeiten der Begegnung und Gemeinschaft können hierbei in Form von geteilten Nutzungs- angeboten wie Gemeinschaftswerkstätten oder Co-Working-Spaces auftreten. Auch eine für die Öffentlichkeit zugängliche Kantine könnte ein Ort hierfür sein. Die zusätzliche Implementierung von Bildungs- und Kultureinrichtungen stärkt die vor - handenen sozialen Strukturen. Dabei gilt es vor allem die bereits bestehenden soziokulturellen Angebote zu sichern. Neben den vielfältigen Nutzungsmischungen, die zu einem lebendigen Wohn- und Arbeitsstandort beitragen, liegt der Fokus auf der Produktion von Wissen. Forschung, Lehre und Innovation treten hierbei in unterschiedlichen Formen an mehreren Orten auf und eröffnen das Potenzial, dass diese Einrichtungen einen Wissensstandort erzeugen um neue Ideen, Technologien und Unternehmen zu fördern. Szenario 1 trägt dazu bei, dass das LiebigQuartier zu einem Zentrum für Wissenschaft wird und zu einer erhöhten wirtschaftlichen Aktivität beiträgt. Eine nachhaltige Infrastruktur, barrierefreie Zugänge und umweltfreundliche Mobilitätslö- sungen, neue Wegeführungen bei denen vor allem Fuß- und Radverkehr gefördert werden, können zusätzlich Lebens- und Standortqualitäten stei- gern. Leitbild Szenario 1 - Lebendige Impulse SZENARIEN 35 36 RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN SZENARIEN 3�3 SZENARIO 2 - FRISCHE IMPULSE Das zweite Entwicklungsszenario greift die Tradi- tion der Lebensmittelproduktion im Quartier auf und übersetzt diese in zeitgemäße, kleinteiligere Formen der urbanen Lebensmittelproduktion. Dies könnte die Schaffung von urbanen Landwirt- schaftsflächen wie bspw. Dachfarmen, Gewächs- häusern oder vertikalen Farmen und Produk - tionsstätten, sowie die Um- und Nachnutzung von bestehenden Gebäuden umfassen. Die Integra- tion von Märkten oder gemeinschaftlichen Ver - arbeitungsstätten kann hierbei die Verbindung zwischen Produzenten und Verbrauchern stärken. Dieser Ansatz ermöglicht nicht nur die Produktion von frischen Lebensmitteln, sondern fördert auch die Gemeinschaftsbildung und lokale Wertschöp- fung. Moderne Technologien wie z.B. Aquaponik oder hydroponische Systeme aus der Fisch- und Pflanzenzucht leisten einen Beitrag für einen effi- zienten Flächengebrauch und eine erhöhte Res- sourceneffizienz. Szenario 2 trägt dazu bei, dass die Nachfrage nach regionalen Lebensmitteln und alternativen Ernährungstrends erhöht wird und die ökologi- sche Vielfalt in städtischen Räumen, sowie ein Bewusstsein für lokale Lebensmittelproduktion gefördert werden. Darüber hinaus leistet der Aus- bau der grünen Infrastruktur einen Beitrag zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels. Leitbild Szenario 2 - Frische Impulse SZENARIEN 37 38 RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN SZENARIEN 3�4 SZENARIO 3 - INNOVATIVE IMPULSE Dieses Szenario hebt die Bedeutung als inner - städtisches Gewerbegebiet hervor und fokussiert sich auf die innovative Weiterentwicklung von neuen und bestehenden Gewerbeflächen, sowie deren logistische Anbindung. Zu Gunsten des Vorbehalts für großflächige, eigenständige Gewerbeprofile, die in hoher Stück - zahl serielle Fertigungen produzieren, steht in diesem Entwicklungsszenario die Attraktivierung als Wohnstandort an sekundärer Stelle. Dennoch berücksichtigt das Szenario die vorhandene hete- rogene Nutzungsmischung des Quartiers und reagiert vor allem an den Übergängen zwischen Wohnen und Gewerbe mit Pufferzonen. Architek - tonische Standards, welche sowohl die funktio- nalen Anforderungen der Produktion, als auch die Ansprüche umliegender Wohnbebauung berück - sichtigen, können zudem Nutzungskonflikte redu- zieren. Zukunftsorientierte Gewerbeflächen, die emissionsarme Produktionsverfahren verwenden und Produktgruppen bspw. im Bereich der High- Tech, Lasertechnik, Medizintechnik oder des Prototypenbaus herstellen, erscheinen aufgrund ihrer Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Marktanforderungen und ihrer Umweltverträg- lichkeit besonders realistisch und stadtverträg- lich. Zusätzlich könnte die Förderung von Start- Ups oder Technologiezentren im Gewerbegebiet zu Innovation und wirtschaftlichem Wachstum beitragen. Eine durchdachte Verkehrsplanung, die auf alternative Logistik- und Mobilitätssyste- me setzt, kann die Erreichbarkeit verbessern und die Verkehrsbelastung minimieren. Szenario 3 trägt dazu bei, dass die Neugestaltung der Gewerbeflächen nicht nur ökonomische Dyna- mik und Wettbewerbsfähigkeit fördert, sondern auch zu einem lebenswerten Quartier beitragen. Leitbild Szenario 3 - Innovative Impulse SZENARIEN 39 40 RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN SZENARIEN 3�5 BEWERTUNG DER SZENARIEN Die drei Szenarien wurden ausführlich im Sze- narienworkshop mit den lokalen Akteur*innen, den Vertreter*innen der Stadtverwaltung und der KölnBusiness diskutiert und hinsichtlich ihrer Eig- nung für die zukünftige Entwicklung des Liebig- Quartiers überprüft. Szenario 1 – Lebendige Impulse Die Umsetzbarkeit dieses Szenarios stellt eine große Herausforderung dar. Flächen für die Bil- dungs- und Sozialinfrastruktur sind - insbeson- dere in Form eines Bildungscampuses auf dem Schlachthofareal - über den tatsächlichen Bedarf hinaus dargestellt. Dieses Angebot würde zwar zum Ausbau des Bildungsnetzes und zur Siche- rung und Stärkung gemeinschaftlicher Angebote beitragen, würde aber die Weiterentwicklung der vorhandenen gewerblichen Nutzung erschweren. Dadurch entsteht - entgegen des übergeordneten Ziels - der Sicherstellung der gewerblich genutz- ten Flächen - ein zu starkes Ungleichgewicht zwischen nicht-kommerzieller, gemeinwohlorien- tierter Nutzung und produzierendem Gewerbe. Dennoch zeigt das Szenario auf, dass eine Stär - kung der soziokulturellen Angebote einen Mehr - wert für Anwohnende bietet und darüber hinaus auch ein Identitätsstifter sein kann, weshalb die- ser Aspekt in das räumliche Entwicklungskonzept einfließen wird. Das Szenario Lebendige Impulse setzt auf verbes- serte, quartiersinterne Durchwegungsmöglich- keiten für den Fußverkehr. Hierfür ist aus städ- tebaulicher Sicht der Durchstich der Osterather Straße ein wesentliches Element des Szenarios, um die Nord-Süd Verbindung zu stärken. Jedoch würde die neue Wegeverbindung die kritische Inf- rastruktur des ansässigen Energieversorgungs- unternehmens gefährden, weshalb eine derartige Entwicklung nicht weiter verfolgt werden sollte. Eine verbesserte Anbindung des Quartiers an den Parkgürtel ist daher im Rahmen verkehrlicher Untersuchungen zu prüfen. Eine Aufweitung des Straßenraums, wie es in Teil- bereichen entlang der Liebigstraße in Szenario 1 vorgesehen ist, hat insgesamt das Potenzial den öffentlichen Raum vor allem für den Fuß- und Radverkehr zu qualifizieren und sollte in weiteren Entwicklungen verfolgt werden. Auf den derzeit brachliegenden Flächen östlich und westlich der Geldernstraße ("Mobau" und "Molkerei") liegen in diesem Szenario Wohn- und gewerbliche Nutzungen direkt gegenüber. Dies würde zu Nutzungskonflikten führen und eine gewerbliche Entwicklung östlich der Geldernstra- ße erschweren. Dieser Ansatz sollte so nicht wei- ter geführt werden. Bei Betrachtung des Gleisdreiecks wird deutlich, dass die Ansiedlung einer vielfältigen Gewerbe- struktur eine Chance bietet, die Lebendigkeit und Belebung des Areals zu erhöhen. Hierbei ist die verkehrliche Anbindung an die Innere Kanalstra- ße vertieft zu untersuchen. Szenario 2 – Frische Impulse Die vorgeschlagene Zonierung, die das Szenario Frische Impulse auf dem Schlachthofareal auf- zeigt, ist insgesamt als positiv zu bewerten, da hier Nutzungsabstufungen von gewerblichen Mischnutzungen bis zu ausschließlich gewerblich genutzten Flächen, stattfinden. Hierdurch können Teilbereiche des Schlachthofareals über unter - schiedliche Zeiträume entwickelt werden, sodass SZENARIEN 41 der Betrieb einiger Bestandsunternehmen der Lebensmittellogistik weiterhin gewährleistet ist. Eine Logistik-Untertunnelung der Gleise bzw. eine Verbindung zwischen Schlachthofareal und Am Gleisdreieck erscheint aufgrund des hohen tech- nischen und kostenintensiven Aufwands als nicht realistisch und würde voraussichtlich keinen nennenswerten Mehrwert bieten. Eine distribu- tionsorientierte Marktstruktur, die das Szenario im Bereich Am Gleisdreieck abbildet, würde eine erhöhte Verkehrsbelastung erzeugen und mögli- cherweise auch nicht ausreichend Fläche für eine derartige Nutzung bereitstellen können, weshalb diese Nutzungsentwicklung in weiteren Schritten nicht weiter verfolgt wird. Dennoch bietet das Szenario mit der westlichen Freiraumausweitung eine Möglichkeit einer Grün- raumvernetzung an, sodass dieser Entwurfsan- satz in weiteren Entwicklungen mitaufgenommen werden sollte. Der Randbereich der RheinEnergie entlang der Wöhlerstraße bietet ein Nachverdich- tungspotenzial, bei dem das Straßenprofil wei- ter vervollständigt und qualifiziert werden kann. Anders als in Szenario 1, wird in Szenario 2 die beiden Entwicklungsflächen östlich und west- lich der Geldernstraße als ein Nutzungsbaustein verstanden und mit einem einheitlichen Konzept entwickelt. Hierdurch könnten Nutzungskonflikte vermieden werden. Szenario 3 – Innovative Impulse Auch wenn aus wirtschaftlicher Sicht die Pro- duktivität im Szenario Innovative Impuse wohl am höchsten ist, entsteht auf dem Schlachthof- areal oder den Molkereiflächen kaum Mehrwert für Anwohnende. Lediglich eine Durchwegungs- möglichkeit des Schlachthofareals, sowie Park - möglichkeiten, verbunden mit einer Mobilstation, sind zu nennen. Allerdings erscheint die Mobil- station zu weit entfernt von wichtigen Halte- punkten des ÖPNV, sodass dieser Standort nicht weiter verfolgt werden sollte. Zudem ist im Ver - lauf der Liebigstraße auf Höhe des Schlachthof- areals voraussichtlich von einem eher monotonen Erscheinungsbild der Erdgeschosszone aufgrund der großflächigen Produktionscluster, auszuge- hen. Neben den stadtverträglichen Produktions- formen sollten vor allem Übergangsbereiche zwischen Wohnen und Gewerbe oder wichtige Erdgeschosszonen zum öffentlichen Straßenraum ansprechend gestaltet werden, um einen Mehr - wert für den gesamten Stadtraum zu generieren. Eine logistische Anlieferung über das bestehen- den Schienennetz im südlichen Verlauf des Schlachthofareals erscheint sinnvoll, ist aber aufgrund der nicht vorhandenen Schienenkapa- zitäten und dem bereits weit vorangeschrittenen Ausbau des S-Bahn-Netzes nicht umsetzbar. Die Entwicklung des Gleisdreiecks zeigt in die- sem Szenario eine Entwicklung auf, die mit der Eigenheit des Standorts umgeht und das Poten- zial besitzt, emittierende Gewerbeformen mit aufzunehmen. Die Verortung des Nahversor - gungsbereichs im Gelenk zwischen Wohnen und Gewerbe, mit Bezug zum Stadteingang, hat das Potential den Standort zu einem zentralen Nah- versorgungsbereich im Sinne des Einzelhandels- und Zentrenkonzepts auszubauen und damit langfristig zu sichern. Eine Herausforderung wird sein, die vorhandenen Einzelhandelslagen nörd- lich der Liebigstraße funktional und stadträum- lich miteinander zu verbinden. Der südlich der Liebigstraße gelegene Standort erweist sich als nicht nachhaltig, da er den Bestand und Ausbau des Gewerbes beeinträchtigt. RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT 04 RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT 43 RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT 4�1 HERLEITUNG Das Räumliche Entwicklungskonzept dient als Grundlage für die zukünftige Entwicklung des Plangebiets. Es zeigt die wesentlichen räumli- chen Strukturen und Interventionen zur zukunfts- fähigen Transformation auf. In einem diskursiven Prozess wurden die unter - schiedlichen privaten und öffentlichen Belange, die anhand der drei Szenarien überprüft wurden, in dem Konzept zusammengeführt. Die untenstehende Abbildung zeigt schematisch diesen Prozess, bei dem in unterschiedlichen Beteiligungsformaten die drei Szenarien mit der Verwaltung, der Politik, und den Akteur*innen im LiebigQuartier diskutiert wurden. Der erste Entwurf des aus den Diskussionen abgeleite- ten Räumlichen Entwicklungskonzepts wurde auf der Zukunftskonferenz mit der Öffentlichkeit diskutiert (s.a. Kapitel 1.3). Auf Grundlage der Anregungen und Hinweise aus der Öffentlich- keitsveranstaltung wurde das Räumliche Entwick - lungskonzept überarbeitet. Die Umsetzung des Konzeptes wurde durch Kapitel 5 "Handlungs- empfehlungen und Kernprojekte" konkretisiert. Das Räumliche Entwicklungskonzept besteht ins- gesamt aus den Teilen: Räumliches Leitbild, Ent- wicklungskonzept und Handlungsempfehlungen. Vorgehen Herleitung Räumliches Entwicklungskonzept ENTWICKLUNG VON DREI SZENARIEN SZENARIEN WORKSHOP PROJEKTGRUPPEN SITZUNG SONDERTERMIN POLITIK LENKUNGSKREIS GEGENÜBERSTELLUNG EINZELNER BAUSTEINE ZUKUNFTS- KONFERENZ FINALISIERUNG ABLEITUNG DES RÄUMLICHEN ENTWICKLUNGSKONZEPTES 44 RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT Bei Betrachtung der Szenarien und der entspre- chenden Leitbilder fällt auf, dass in allen drei Sze- narien die Entwicklung des Schlachthofareals ein entscheidender Impulsgeber für die Entwicklung des gesamten Quartiers sein kann. Das Schlacht- hofareal erstreckt sich über einen bedeutenden Teil entlang der Liebigstraße und bietet somit einen erheblichen Mehrwert für die Entwicklung der zentralen, verbindenden Achse zwischen den Stadtteilen Ehrenfeld und Nippes. Eine aufeinander abgestimmte Entwicklung der derzeit brachliegenden Flächen östlich und west- lich der Geldernstraße ist ein weiterer zentraler Entwicklungsbaustein. Diese Entwicklung kann zu einem ähnlichen Impulsgeber werden und eine quartiersübergreifende Bedeutung gewinnen, vor allem, wenn hier ein Mehrwert für Anwohnende geschaffen wird. Die Fläche Am Gleisdreieck könnte mit einer viel- fältigen Nutzung mit dem Schwerpunkt Gewerbe dazu beitragen, den heute städtebaulich isolier - ten Bereich zu beleben. Wichtig hierbei ist es, die Anbindung und verkehrliche Erschließung vertieft zu betrachten, da die Verkehrsknotenpunkte, wel- che die Fläche an das Verkehrsnetz anschließen, bereits heute stark ausgelastet sind. Ein beson- derer Fokus sollte daher in der Entwicklung der Fläche mit einer neuen Anbindung an das ÖPNV- Netz und alternativen Mobilitätsangeboten liegen. Eine Überdeckelung der Autobahn ist für eine bessere Vernetzung der Grünstrukturen und die Erreichbarkeit des Quartiers für Fußgänger und Radfahrer nicht erforderlich. Im Verhältnis zwi- schen Aufwand und Nutzen könnte eine breite Grünverbindung, perspektivisch ergänzt durch eine Brücke für Fußgänger*innen und Radfah- rer*innen über den sog. "Spaghettiknoten", der Auffahrt Innere Kanalstraße - A57, eine bessere Option darstellen. RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT 45 4�2 LEITBILD Das räumliche Leitbild des Räumlichen Entwick - lungskonzepts zeigt die wesentlichen Strukturen und übergeordneten Zielvorstellungen des Quar - tiers auf. Es dient als abstrakte Zusammenfas- sung und Formulierung des Konzepts. Das Leitbild hebt vor allem Wegebeziehungen, die für die Durchwegbarkeit und Anbindung des Quartiers von Bedeutung sind, hervor. Zentrale Rolle nimmt dabei die Liebigstraße ein, da sie neben ihrer verbindenden Funktion, Stadtbild prägend wirksam wird. Die Liebigstraße wird defi- niert als urbane Achse mit Aufenthaltsqualitäten und einer lebendigen Erdgeschosszone. Ein zen- traler öffentlicher Platz auf Höhe des Methwegs, sowie ein kleiner Platz am Quartierseingang auf Höhe des S-Bahnhofs Nippes, bieten die Mög- lichkeit Begegnungs- und Aufenthaltsräume im öffentlichen Raum zu schaffen. Aufgrund der direkten Verbindungsfunktion zwischen Ehren- feld und Nippes, nimmt die Liebigstraße ebenfalls eine wichtige Rolle als Fuß- und Radverkehrsach- se ein. Die Nord-Süd Verbindung zwischen Blücherpark und Innerem Grüngürtel am westlichen Rand des Plangebiets ist eine bedeutende, übergreifende Wegebeziehung, die heute schon in großen Teilen besteht. Die Verbindung soll vervollständigt und hinsichtlich ihrer Aufenthaltsqualität weiterentwi- ckelt werden. Des Weiteren wird die Durchweg- barkeit durch eine Fuß- und Radverkehrsüberfüh- rung verbessert, um eine direkte Anbindung des Inneren Grüngürtels zu ermöglichen und die Bar - rierewirkung des Straßenraums zu überwinden. Eine weitere für den Fuß-und Radverkehr bedeu- tende Wegeverbindung entsteht durch einen Durchstich unter der Bahntrasse auf Höhe des Geldernparks. Hierdurch entsteht das Potenzial, die Anbindung des LiebigQuartiers für den nicht- motorisierten Individualverkehr auszubauen und eine soziale Mischung zwischen den Stadtteilen Bilderstöckchen und Nippes einzuleiten. Während sich der Ausbau der grünen Infrastruk - tur vor allem durch drei markante grüne Achsen im Leitbild hervorhebt, sind diese durch weitere, untergeordnete Grünverbindungen miteinander vernetzt. So ergibt sich ein grünes Netz aus einer primären und einer sekundären Struktur, das sich auf das Quartier legt und vorhandene, sowie neue Grünflächen miteinbezieht. Dabei müssen nicht alle Grünflächen öffentlich zugänglich oder als Wegeverbindungen dienen, sondern können die vorhandenen Barrieren für Fauna und Flora redu- zieren. Die drei grünen Achsen unterscheiden sich in ihrer Ausformulierung stark voneinander. Während die westliche Achse das größte Freiflä- chenangebot aufweist und übergeordnete Grün- räume vernetzt, bildet die östliche Achse einen grünen Saum entlang der Gleise, der nicht in allen Abschnitten öffentlich zugänglich ist. Die dritte grüne Achse, entlang der Osterather- und Escher Straße, stärkt die Nord-Süd-Verbindung zwischen Liebigstraße und Parkgürtel. 46 RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT Entlang der Gleise erstreckt sich ein Gewerbe- band, für welches das Leitbild eine Clusterung unterschiedlicher Gewerbeformen vorsieht. Wäh- rend der Bereich des Gleisdreiecks als Gewer - becampus mit einer Mischung aus Dienstleistung und Gewerbe entwickelt werden könnte, könnte das Schlachthofareal im westlichen Bereich die vorhandenen soziokulturellen Nutzungen ergän- zen, mit einem kleinen öffentlichen Platz im mitt- leren Bereich. Im östlichen Bereich entsteht ein Schwerpunkt für stadtverträgliches Gewerbe. Die bestehenden Nutzungen könnten so gesi- chert und harmonisch in die Gesamtplanung des Bereichs integriert werden. In unmittelbarer Nähe des S-Bahnhofs Köln-Nippes spannt sich der Bereich eines Nahversorgungsbereich auf. Dieses Gelenk zwischen dem gewerblichen Band auf der einen und der bestehenden Wohnnutzung auf der gegenüberliegenden Seite markiert den Eingangs- bzw. Übergangsbereich des Quartiers und bündelt zukünftig - neben den zentralen Ein- kaufsmöglichkeiten - auch weitere Dienstleistun- gen und Geschäfte des täglichen Bedarfs. Auf den ehemaligen Mobau- und Molkereiflä- chen rücken Wohn- und Gewerbenutzung stark zusammen. Das Leitbild zielt an dieser Stelle auf ein urbanes Gebiet mit der Stärkung von stadt- verträglichem Gewerbe ab. Dieses wird integriert durch die Kombination von sozialer Infrastruktur (insb. Bildung) sowie einem Ort für Kultur- und Kreativnutzung. Neben baulichen Entwicklungen und neuen Nut- zungszonierungen zeigt das Leitbild auch auf, welche Strukturen in ihrem Bestand, insbeson- dere vor heranrückenden Nutzungen zu schüt- zen sind. Dies betrifft insbesondere den Bereich der RheinEnergie, der wichtige Funktionen der Daseinsvorsorge für ganz Köln übernimmt. RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT 47 Leitbild Räumliches Entwicklungskonzept 48 RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT Zusätzlich zu den zentralen Entwurfselementen des Leitbilds enthält das Räumliche Entwick - lungskonzept räumliche Aussagen, die zu einem lebenswerten Wohn- und Arbeitsstandort bei- tragen. Diese Entwicklungen variieren in ihrem Umfang, ihren zeitlichen Umsetzungshorizonten und den wesentlichen Handlungstreibern. Die unterschiedlichen Zielrichtungen und räumlichen Setzungen lassen sich verschiedenen Handlungs- feldern zuordnen. Ausgehend von den fünf Hand- lungsfelder, die den fünf Entwicklungszielen (sie- he 3.1.1) entsprechen, werden im Folgenden die Inhalte des Räumliche Entwicklungskonzeptes erläutert. 4�3 HANDLUNGSFELDER Städtebau und Wohnen Das LiebigQuartier soll weiterhin als Wohnstand- ort mit bezahlbarem Wohnraum erhalten bleiben. Durch (städtebauliche) Aufwertungen im Quartier können jedoch auch Verdrängungsprozesse der ansässigen Wohnbevölkerung in Gang gesetzt werden. Diesen Prozessen sollen Soziale Erhal- tungssatzungen gem. § 172 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 BauGB entgegenwirken. Die Stadt Köln nutzt die- ses Instrument bereits in verschiedenen ande- ren Quartieren. Die Verwaltung hat den Auftrag, darüber hinaus Gebiete für den Einsatz dieses städtebaulichen Instrumentes vorzuschlagen. Dies erfolgt auf der Grundlage einer gesamtstäd- tischen Betrachtung, sodass das LiebigQuartier ebenfalls in diese Betrachtung einbezogen ist. Zur Umsetzung des Ziels neuer Wohnfor - men und zielgruppenspezifischer Wohnange- bote, sieht das Räumliche Entwicklungskon- zept unter anderem in den Randbereichen der RheinEnergie die Entwicklung von Werkswohnun- gen vor. Während das Werkswohnen im Bereich der Escherstraße eine reine Wohnnutzung mit hohen Grünanteilen vorsieht, beinhaltet die bauli- che Entwicklung an der Wöhlerstraße zusätzliche Büro- und Arbeitsflächen. Eine weitere Form der vielfältigen Wohnangebo- te ist das Mehrgenerationenwohnen, wie es im westlichen Teil des Schlachthofareals denkbar ist. Neben den gewerblichen und sozialen Nut- zungen ist eine kleinteilige Mischung mit Wohn- formen, vor allem im Bereich der Liebig-, aber auch der Hans-Wild-Straße, eine Möglichkeit der angrenzenden Wohnbebauung ein Gegenüber zu geben und somit die Nachbarschaft zu stärken. Bauliche Neuentwicklungen orientieren sich in ihrer Höhenentwicklung dabei an umliegenden Geschossigkeiten. Eine erhöhte Nutzungsmischung und Dichte aus Wohnen, Arbeiten und Freizeitangeboten liegt im Bereich der ehemaligen Mobau- und Molkerei- fläche (westlich der Geldernstraße) vor. Ein nicht störendes Gewerbe entlang der Geldernstraße schirmt den inneren, ruhigeren Wohnbereich von der Straße ab und bietet Platz für flexible Wohn-, Gewerbe- und Arbeitsformen. Die Wohnnutzung im blockinneren sieht einen erhöhten Grünanteil vor, um auch hier das „Wohnen im Grünen“, wie es in Bilderstöckchen in großen Teilen besteht, fortzuführen. Auch hier empfiehlt sich eine bestandsorientierte Höhenentwicklung, die sich in das städtebauliche Gesamtbild einfügt. Am nördlichen Quartierseingang, angrenzend RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT 49 WÖHLERSTRASSEWÖHLERSTRASSE ESCHER STRASSE ESCHER STRASSE HANS-WILD-STRASSEHANS-WILD-STRASSE PARKGÜRTELPARKGÜRTEL GELDERNSTRASSEGELDERNSTRASSE 50 RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT an Parkgürtel und Geldernstraße, bietet sich die Möglichkeit, einen städtebaulichen Auftakt in Form einer wohnlichen Nachverdichtung zu schaffen, um neben der Entwicklung neuen Wohn- raums, einen Quartierseingang zu gestalten. Die- ses Baufeld eignet sich als Hochpunkt um somit die Eingangssituation räumlich zu akzentuieren. Die Liebigstraße ist als zentrale Stadtachse einer städtebaulichen Aufwertung zu unterziehen, bei der auch der Abwicklung der Wirtschaftsverkehre ausreichend Bedeutung gegeben werden muss. Der Straßenraum soll durch neue Raumkanten gefasst werden und durch eine in den öffentli- chen Bereich wirkende, aktive Erdgeschosszone belebt werden. Durch einen möglichst hohen Grünanteil entlang der Straße soll zukünftig ein Beitrag zur Klimafolgenanpassung geleistet wer - den. Insgesamt definiert das Räumliche Ent- wicklungskonzept die Liebigstraße als urbane und begrünte Achse mit Qualifizierungen für den Fuß- und Radverkehr und einer attraktiven Erd- geschosszone. Wirtschaft und Versorgung Um das LiebigQuartier weiterhin als innerstäd- tischen Gewerbestandort zu sichern, ist es not- wendig, vorhandene Gewerbeflächen zu sichern bzw. zu transformieren. Dies geschieht in vier Teilbereichen, die bereits im Leitbild als gewerbli- che Impulsräume festgelegt sind. Sie unterschei- den sich in ihrer Größe, ihrer Nutzungsmischung und in ihrer Produktivität. Im südlichen Teil des Plangebiets, im Bereich Am Gleisdreieck gele- gen, könnte langfristig ein Gewerbe- und Dienst- leistungscampus entstehen, der aufgrund seiner Lage auch produzierendes bzw. Lärm emittieren- des Gewerbe aufnehmen kann, ohne Nutzungs- konflikte zu erzeugen. Der Campus enthält eine interne Freiraum- bzw. Aufenthaltsqualität mit einem erhöhten Grünanteil, um die negativen Wirkungen einer hohen Versieglung abzumildern. Ein Hochpunkt in einem der Eckpunkte des Gleis- dreiecks wäre voraussichtlich stadtraumverträg- lich. Die genaue Lage und Höhe müsste allerdings noch städtebaulich vertieft untersucht und quali- fiziert werden, hierbei ist insbesondere die ver - kehrliche Anbindung zu berücksichtigen. Für die Entwicklung im Bereich des Schlachthof- areals ist eine gewerbliche Nutzung weiterhin zu priorisieren. Im westlichen Teil sollten im Über - gang zur Wohnnutzung die vorhandenen sozio- kulturellen Nutzungen im Bestand gesichert und durch weitere Flächen ergänzt werden. Die Ziel- programmatik sieht auf dem Areal insgesamt einen urbaneren Charakter mit der Stärkung von stadtverträglichem Gewerbe vor. Das Räumliche Entwicklungskonzept schlägt eine sukzessive Ent- wicklung des Areals vor, sodass zunächst gewerb- lich genutzte Bestandsgebäude erhalten und nach Bedarf bzw. Flächenverfügbarkeit Baufelder ergänzt werden können. Zukünftige gewerbliche Entwicklungen sind auch hier mit einem hohen Grünanteil zu versehen. Östlich der Hornstraße befindet sich ein städte- baulich nicht integrierter Supermarkt, dessen Fläche als potenzielle Erweiterungsfläche für Gewerbe in Betracht gezogen werden kann. Eine weitere zentrale Entwicklung ist die Zen- trumsentwicklung inkl. Nahversorgungsbereich in direktem Umfeld des S-Bahn-Haltepunkts RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT 51 HORNSTRASSEHORNSTRASSE OSTERATHER STRASSEOSTERATHER STRASSE ESCHER STRASSEESCHER STRASSE 52 RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT Köln-Nippes. Dieser Bereich spannt sich ausge- hend vom Quartierseingang an der Liebigstraße bis zum nördlich gelegenen Supermarkt zwi- schen Osterather- und Escherstraße. Er umfasst die ansässigen Supermärkte und soll zukünftig das Versorgungsangebot mit weiteren Formen des täglichen Bedarfs ergänzen. Die räumlichen Barrieren sind durch geeignete stadträumliche Maßnahmen zu reduzieren, damit die einzelnen Nutzungen besser miteinander vernetzt werden. Neubauten sollten entsprechend räumlich inte- grativ geplant werden. Die leerstehende Laden- zeile am Parkgürtel soll auf eine Unterbringung eines kleinen Nahversorgers oder auf alternati- ven Nutzungen geprüft werden. Auf der ehemaligen Molkereifläche besteht die Herausforderung, Nutzungskonflikte mit angren- zender Wohnbebauung zu vermeiden. Durch neue Durchwegungen und kleinteiliges, stadtverträg- liches Gewerbe sowie Formen der Kreativwirt- schaft könnte dieser Stadtbaustein gut in das Quartier integriert werden. Soziales, Kultur und Bildung Innerhalb des Plangebiets befinden sich mehrere Entwicklungen, die Nutzungsangebote im Bereich Soziales, Kultur und Bildung vorsehen. Im All- gemeinen soll bürgerschaftliches Engagement gefördert und unterstützt werden. Hervorzuheben ist der westliche Teil des Schlacht- hofareals, bei dem es zunächst um die Sicherung der bereits heute vorhandenen soziokulturellen Einrichtungen geht. Zudem sollen diese Struktu- ren durch die Einbindung von unterschiedlichen (Weiter-)Bildungsangeboten, Orten des Zusam- menkommens, Kulturnutzungen und Sozialer In- frastruktur gestärkt werden. Das Räumliche Entwicklungskonzept kennzeich- net die nördlich angrenzende Fläche der Grund- schule Osterather Straße als perspektivische Schulerweiterungsfläche, sodass diese zunächst von (baulichen) Entwicklungen freigehalten wer - den sollte. Für den nördlichen Teil des Nahversorgungs- bereichs ist eine Ergänzung durch Nutzungen der sozialen Infrastruktur angedacht. Diese Angebote finden sich in Teilen auf der ehemali- gen Mobau- und Molkereifläche wieder, um dem Flächenbedarf der Pflegeinfrastruktur (Stationä- re Pflegeeinrichtung, Seniorenwohnen etc.) ent- gegenzukommen. Der Rückstand an Sport- und Freiflächen, der unter anderem durch jüngste, bauliche Nachverdichtungen in Bilderstöckchen entstanden ist, soll in zukünftigen Entwicklungen ebenfalls berücksichtigt werden. Weitere Flächen mit kleinteiligen Spiel- und Sportangeboten fin- den Platz im Gel-dernpark sowie im grünen Band, als Auftakt zum Standort des ESV Olympia. Die etablierte Kultur- und Veranstaltungsstätte "Odonien", die westlich der Hornstraße liegt, ist ein wichtiger stadtteilübergreifender Kulturstand- ort, der in seinem Bestand zu sichern ist. Das Angebot für kulturelle Nutzungen und Ver - anstaltungen könnte auch im Bereich zwischen der Straße Am Gleisdreieck und der Inneren Kanalstraße erweitert werden. Somit könnte der Gewerbecampus auch außerhalb der Werktage bzw. Betriebszeiten in Teilen genutzt werden. RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT 53 AM GLEISDREIECKAM GLEISDREIECK INNERE KANALSTRASSEINNERE KANALSTRASSE 54 RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT Mobilität und Verkehr Um die Mobilität innerhalb des LiebigQuartiers attraktiver und nachhaltiger zu gestalten, spielt der Ausbau des Fuß- und Radwegenetzes eine wichtige Rolle. Neue Wegebeziehungen wie eine direkte Verbindung zwischen Geldernpark und Nippes, eine Durchwegung des Blockinneren zwi- schen Escher- und Geldernstraße, die Fortfüh- rung des Methweg (als wichtiger Schulweg), eine nördliche Anknüpfung des Herkulesbergs sowie eine Überführung für den Fuß-und Radwegever - kehr im Bereich der Inneren Kanalstraße / A57 Auffahrt, ergänzen das bestehende Netz. Der Straßenraum soll insgesamt als Raum mit hoher Aufenthaltsqualität aufgewertet werden. Dies betrifft vor allem die Liebigstraße, die durch Aufweitungen eine neue Qualität und Fläche für Rad- und Fußverkehr, straßenbegleitende Begrü- nung und öffentliche Platzbereiche erhält. Die Wirtschaftsverkehre müssen dabei Berücksichti- gung finden. Das Radwegenetz sieht auf Hauptverkehrsach- sen eine vom MIV getrennte Verkehrsführung vor, während auf den restlichen Straßen das Radfah- ren im Mischverkehr vorgesehen ist. Hervorzuhe- ben ist auch das Ziel von fuß- und radverkehrs- freundlicher Umgestaltung unübersichtlicher Knotenpunkte, wie dem Kreuzungsbereich Lie- big-, Escher- und Lämmerstraße oder auch dem Anschluss zwischen Horn- und Innerer Kanalstra- ße. Darüber hinaus ist auch die Ausbildung einer begrünten Fahrradstraße entlang der Wöhler - straße eine Möglichkeit, um quartiersintern eine verkehrsberuhigtere Alternative zur Liebigstra- ße zu schaffen. Eine weitere Maßnahme ist die Verlängerung des Methwegs bis zur Osterather Straße. Der Ausbau als begrünte Wegeführung mit Anschluss an die Osterather Straße kann das Durchwegungsangebot im Sinne kurzer Wege stärken. Um einen Teil des ruhenden Verkehrs innerhalb des Quartiers stadtverträglicher zu organisieren, ist eine Kombination aus einer Quartiersgarage und einer Mobilstation ("Mobility-Hub") am Stadt- eingang Nippes verortet. Weitere Mobilitäts- angebote finden sich an Quartiersrändern und öffentlichen Plätzen wieder. Die Angebote des Mobility-Sharings, welche die gemeinschaftliche Nutzung von Fortbewegungsmitteln wie Autos, Fahrrädern oder E-Scooter umfassen, sollten flächendeckend im Plangebiet angeboten wer - den. Es sind die Maßgaben in Abhängigkeit zum Beschluss "Raumbuch Mobilstation" (Vorlage 0910/2024 ) zu berücksichtigen. Wirtschaftsverkehre, die das Schlachthofareal bedienen, erfolgen aktuell über eine zentrale Ein- fahrt an der Liebigstraße. Eine parallel zur Liebig- straße verlaufende Logistikachse, die das Areal mittig teilt, ist im Räumlichen Entwicklungskon- zept vorgesehen. Diese Achse könnte Logistik - verkehre von der Hornstraße aus aufnehmen und somit in Teilen die Liebigstraße entlasten. Das Räumliche Entwicklungskonzept schlägt für die- sen Bereich eine Sicherung vor, falls bestehende bauliche Nutzungen aufgegeben werden. Die Aufgabenstellung des Räumlichen Entwick - lungskonzepts LiebigQuartier beinhaltete kein verkehrsplanerisches Gesamtkonzept. Zur Errei- chung der inhaltlichen Ziele ist die verkehrsver - trägliche Entwicklung eine Grundvoraussetzung. Neue Projekte müssen verträglich in das vor - RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT 55 METHWEGMETHWEG WÖHLER STRASSEWÖHLER STRASSE GELDERNSTRASSEGELDERNSTRASSE AM GLEISDREIECKAM GLEISDREIECK INNERE KANALSTRASSE INNERE KANALSTRASSE ESCHER STRASSEESCHER STRASSE LÄMMERSTRASSE LÄMMERSTRASSE HORNSTRASSEHORNSTRASSE 56 RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT handene Verkehrssystem durch die Vorhabenträ- ger*innen eingebunden werden. Grün und Klima Für die Vervollständigung der Grünraumvernet- zung setzt das Räumliche Entwicklungskonzept vor allem an Defizitbereichen, an denen der Ver - siegelungsgrad überwiegt, an. Dazu zählen Stra- ßenräume und Kreuzungsbereiche der Liebig-, aber auch der Escher- und Wöhlerstraße, für die eine Neugestaltung und Neubepflanzung vorge- schlagen wird, um das Mikroklima zu verbessern und die Versickerungsmöglichkeiten im Quartier zu erhöhen. Für den nördlichen Teil der Escher Straße schlägt das Räumliche Entwicklungskonzept eine Auf- weitung des Straßenprofils zugunsten von neu- en Grünstrukturen und einer Grünvernetzung in Richtung Blücherpark vor. So können grüne Pufferzonen zwischen westlich angrenzenden Gewerbebetrieben und klimatisch optimierte Auf- enthaltsqualitäten entstehen. Für die Entwicklung der ehemaligen Mobau- und Molkereiflächen zeigt das Räumliche Entwick - lungskonzept die Möglichkeit einer Fußwegever - bindung durch das grüne Blockinnere auf. So könnte eine weitere Durchwegungsmöglichkeit dem Ziel der kurzen Wege und dem Ausbau eines grünen Netzes näher kommen. Eine zentrale grüne Achse bildet das „grüne Band“ welches sich entlang der Gleise erstreckt. Dieses Band beginnt im Norden unterhalb des Parkgürtels mit einer Qualifizierung der bereits vorhandenen Grünstrukturen, um einen natur - nahen Auftakt zum Quartier zu schaffen. Ausge- hend vom Geldernpark erstreckt sich in südliche Richtung entlang der Bahntrassen Böschungs- struktur, die den stark versiegelten Bereich des Molkerei-Geländes einfasst. Langfristig könnte der Grünraum sich, der Lämmerstraße folgend, über den südlichen Randbereich des Schlachthof- areals ziehen, um auch hier Grünstrukturen auf den stark versiegelten Bereichen auszuweiten. Denkbar ist es, dass sich eine Wegeführung auf Höhe der Gleistrasse befindet, die einen Ausblick über das Schlachthofareal ermöglicht. Falls eine derartige Wegeführung entwickelt werden soll, ist im Rahmen der Gestaltung zu vermeiden, dass hier Angsträume entstehen. Innerhalb des grünen Bands, im Bereich der Lämmerstraße, sind neben den neuen Fußwegen auch Sport- und Freizeitan- gebote denkbar, um diese Freiflächen aktiver zu gestalten. Das Räumliche Entwicklungskonzept sieht eine Entsiegelung im westlichen Randbereich vor, um die Freiraumvernetzung zwischen Blücherpark und Innerem Grüngürtel zu vervollständigen. Dies stellt vor dem Hintergrund einer Kosten-Nutzen- Betrachtung eine Alternative zur aufwändigen Überdeckelung der A57 dar. Zudem können ein- zelne bauliche Entwicklungen mit erhöhten Grün- anteilen und klimaoptimierter Bauweise einen positiven Beitrag zum Mikroklima leisten. RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT 57 ESCHER STRASSEESCHER STRASSE WÖHLERSTRASSE WÖHLERSTRASSE LÄMMERSTRASSE LÄMMERSTRASSE 58 RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT 4�4 RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT 59 60 RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT 4�5 VERTIEFUNGSBEREICH LIEBIGSTRASSE Das Räumliche Entwicklungskonzept zeigt, dass die Schwerpunktbereiche der Entwicklung das Potenzial bieten, den zukünftigen Charakter des LiebigQuartiers neu zu gestalten. Das Konzept enthält eine Bandbreite an Projekten unter - schiedlicher Maßstäbe, um das Quartier neu zu strukturieren und auszurichten. Einige dieser Pro- jekte besitzen aufgrund ihres hohen Mehrwerts für Anwohnende - bspw. durch eine neue Erleb- barkeit des Quartiers, eine positive Auswirkung auf das Mikroklima oder ein erweitertes Nut- zungsangebot - eine besonders hohe Priorität für die räumliche Neuordnung des LiebigQuartiers. Diese Projekte werden im Räumlichen Entwick - lungskonzept als Kernprojekte definiert. Eines der Kernprojekte ist die Umgestaltung der Liebigstraße, bei dem vor allem die fuß- und rad- verkehrsfreundliche Umgestaltung unter Berück - sichtigung der Wirtschaftsverkehre fokussiert wird. Insgesamt soll dabei die Liebigstraße auch als öffentlicher Raum qualifiziert werden. Die Liebigstraße ist ein raumprägendes Element für das gesamte Plangebiet. Sie wickelt wichtige Andienungsverkehre angrenzender Unternehmen ab und stellt darüber hinaus eine direkte Verbin- dungsachse zwischen Ehrenfeld und Nippes dar, weshalb die Straße zu Stoßzeiten auch besonders durch Fußgänger*innen und Radfahrer*innen fre- quentiert ist. Das Straßenbild wird aktuell zu einem großen Teil von ruhendem Verkehr und einem hohen Versie- gelungsgrad geprägt, während begrünende Ele- Liebigstraße heute RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT 61 mente entlang der Straße nur auf privaten Grund- stücken zu finden sind. Zudem weisen nur wenige der anliegenden Gebäude städtebauliche Quali- täten auf, während große brachliegende Flächen die Attraktivität der Umgebung beeinträchtigen. Im Bestand erscheint die Straße vornehmlich für den motorisierten Individualverkehr ausgelegt, was sich durch breite Fahrbahnen und schmale Fuß- und Radwege äußert. Bei der Neugestaltung der Liebigstraße wird eine umfassende Planung angestrebt, die sowohl ver - kehrstechnische als auch städtebauliche Aspekte berücksichtigt. Ein zentraler Schwerpunkt liegt dabei auf der Schaffung großzügiger, klar struk - turierter und sicherer Fußwege, die deutlich von der Radinfrastruktur getrennt sind, sodass für beide Nutzer*innengruppen eine möglichst sichere Teilnahme am Verkehr gewährleistet ist. Um den Raum vom Autoverkehr und dem ruhen- den Verkehr zu entlasten, werden Straßenbe- reiche neugestaltet und zugunsten anderer Ver - kehrsteilnehmer*innen umverteilt. Insbesondere die Implementierung von breiten Fahrradspuren nach dem Segregationsprinzip auf beiden Seiten der Straße trägt dazu bei, dass der Radverkehr sicherer und attraktiver gestaltet wird. Die Entwicklung des öffentlichen Quartiersplat- zes auf dem Schlachthofareal soll als Treffpunkt für die Gemeinschaft dienen. Dieser Platz bietet Raum für gastronomische Angebote zur Förde- rung der sozialen Interaktion sowie eine Mobil- station, um die Anbindung und auch das Mobili- tätsangebot insgesamt zu verbessern. Um diesen öffentlichen Platz bereits auf der Liebigstraße anzukündigen, können mittels einer gesonderten Oberflächengestaltung und Entwicklungsmöglichkeit Liebigstraße 62 RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT Liebigstraße 35m 15m Liebigstraße SCHNITT - A Verortung der Straßenschnitte zusätzlichen Grünelementen im Straßenraum, fußgängerfreundliche Querungsmöglichkeiten geschaffen werden, die gleichzeitig als eine Art Temposchwelle für den MIV fungieren. Die Liebigstraße besitzt innerhalbt des Plange- biets auf über 800 Metern Länge verschiedene Abschnitte, die unterschiedlichste Straßenquer - schnitte aufweisen. Zur exemplarischen Verdeutlichung einer Flä- chenneuaufteilung im Straßenraum wurden zwei Querschnitte der Liebigstraße gewählt. Darunter fällt der breiteste Abschnitt mit rund 35 Metern im westlichen Teil der Liebigstraße, sowie ein besonders enger Abschnitt mit ca. 15 Metern im östlichen Bereich. Die Bestandssituation zeigt, dass gerade der Fußweg bei einer geringeren Gesamtfläche besonders schmal ausfällt und mit Radwegen zusammengelegt wurde, während Flä- chen für den MIV und ruhenden Verkehr weiter - hin bestehen bleiben. Zudem weisen beide Quer - schnitte keine Flächen für Verschattungen oder Versickerungsmöglichkeiten durch begrünende SCHNITT - B RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT 63 SCHNITT A - Bestand SCHNITT B - Bestand SCHNITT B - Entwicklungsmöglichkeit SCHNITT A - Entwicklungsmöglichkeit Elemente auf. Dadurch sind die Straßenprofile besonders anfällig bei Extremwetterereignissen, sodass bei einer Umgestaltung der Liebigstraße das Entwicklungsziel der Förderung von Straßen- grün eine zentrale Rolle einnehmen sollte. Die nebenstehenden Konzeptschnitte zeigen exemplarisch mit welchen Flächenneuverteilun- gen die Straßenquerschnitte attraktiver für den Rad- und Fußverkehr gestaltet werden können und Klimaanpassungsmaßnahmen im Straßen- raum aussehen können. HANDLUNGS- EMPFEHLUNGEN UND KERNPROJEKTE 05 HANDLUNGS-EMPFEHLUNGEN UND KERNPROJEKTE 65 HANDLUNGSEMPFEHLUN- GEN UND KERNPROJEKTE Zum Erreichen der formulierten Entwicklungsziele für das LiebigQuartier und zur Realisierung der im Räumlichen Entwicklungskonzept skizzierten Flä- chennutzungen und Erschließungsstrukturen sind viele mehrdimensionale Maßnahmen notwendig. Der überwiegende Teil der erforderlichen Maß- nahmen betrifft private Flächen, die aber nur im kooperativen Verfahren zwischen privatem Enga- gement und öffentlicher Planungshoheit entwi- ckelt werden können. Wichtig ist dabei zu erken- nen, dass alle räumlichen Neuordnungen – egal ob im öffentlichen Raum oder auf privater Fläche – einen wesentlichen Beitrag zur gemeinwohl- orientierten und klimaschützenden Quartiersent- wicklung zu leisten haben. Nur die Durchlässig- keit von Flächen schafft eine neue Erlebbarkeit des LiebigQuartiers, eine positive Auswirkung auf das Mikroklima und ein erweitertes Nutzungsan- gebot für die Bewohnerschaft. Als wesentliche Handlungsempfehlungen werden folgende sieben Kernprojekte, die für die Zieler - reichung und die Entwicklung des LiebigQuartiers als unverzichtbar eingeschätzt werden, in Form von Steckbriefen kurz beschrieben. 1. Umgestaltung der Liebigstraße 2. Transformation Schlachthofareal 3. Transformation Molkereifläche und Umge- bung 4. Entwicklung Nahversorgungsbereich 5. Entwicklung Mobilstation am S-Bahnhof Nip- pes 6. Transformation Am Gleisdreick 7. Entwicklung Grünverbindung vom Inneren Grüngürtel zum Blücherpark Jeder Steckbrief enthält eine Gebietskarte, in der die Maßnahme räumlich verortet ist. Für jedes Kernprojekt sind die handlungsfeldbezogenen Entwicklungsziele (s. Kapitel 3.1.1) genannt und farblich den folgenden Handlungsfeldern zuge- ordnet: Des Weiteren sind die Akteure genannt, welche die Entwicklung maßgeblich voranbringen. Städtebau und Wohnen Wirtschaft und Versorgung Soziales, Kultur und Bildung Mobilität und Verkehr Grün und Klima 66 RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN HANDLUNGS-EMPFEHLUNGEN UND KERNPROJEKTE Transformation Schlachthofareal 02 NUTZUNG: Mischnutzung (Gewer - be, Wohnen, Kultur) FEDERFÜHRUNG: Stadt Köln BETEILIGTE: Private ENTWICKLUNGSZIELE: - Wirtschaftsstandort sichern / Arbeitsplätze erhalten, neu schaffen - Flächen mehrfach nutzen (Multicodierung) / Gewerbe stapeln - Kleinteiliges, stadtverträgliches Gewerbe - Urbane (Lebensmittel-) Produktion fördern - Räume für Kulturnutzungen finden - Räume für (Weiter-)Bildung und Integration sichern und ausbauen - Neue Wohnformen und zielgruppenspezifische Wohnangebote fördern - Straßen- und Gebäudegrün fördern / Hitzeinseln vermeiden - Klimagerechte Transformation des Quartiers HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN: - Dialog mit Flächeneigentümer*innen führen - Erarbeitung einer städtebaulichen Planung, internen Erschließung und Freiraumplanung (als Grundlage für fol- gende Bebauungsplanverfahren) - Erarbeitung einer verkehrlichen Einbindung in das vorhandene Verkehrssystem - Durchführung eines Qualifizierungsverfahrens, vozugsweise 2-phasig und kooperativ - Prüfung der Anwendung des Besonderen Städtebaurechts für den Bereich und Schaffung von Planungsrecht PRIORITÄT: Hoch Umgestaltung der Liebigstraße 01 NUTZUNG: Verkehrsplanung, öffentlicher Raum FEDERFÜHRUNG: Stadt Köln BETEILIGTE: Private ENTWICKLUNGSZIELE: - Zentrale Stadtachse städtebaulich aufwerten - Straßenraum neu strukturieren und als öffentlichen Raum mit hoher Aufenthaltsqualität aufwerten - Fuß- und Radwegenetz ausbauen und verbessern - Ruhenden Verkehr stadtverträglich organisieren und reduzieren - Logistik-/Wirtschaftsverkehre stadtverträglich abwickeln - Straßen- und Gebäudegrün fördern / Hitzeinseln vermeiden - Klimagerechte Transformation des Quartiers PRIORITÄT: Hoch HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN: - Erarbeitung eines gestalterischen und verkehrsplanerischen Gesamtkonzeptes inkl. Machbarkeitsstudie für das LiebigQuartier. Es sind alle Verkehre inkl. Logistikverkehre zu berücksichtigen - Umgestaltung und -umbau der Liebigstraße unter Berücksichtigung der Entwicklung des Schlachthofareals HANDLUNGS-EMPFEHLUNGEN UND KERNPROJEKTE 67 Transformation Molkereifläche und Umgebung 03 NUTZUNG: Wohngebietsentwi- cklung,Gewerbeentwi- cklung FEDERFÜHRUNG: Private BETEILIGTE: Stadt Köln ENTWICKLUNGSZIELE: Insgesamt - Wirtschaftsstandort sichern / Arbeitsplätze erhalten, neu schaffen - Flächen mehrfach nutzen (Multicodierung) / Gewerbe stapeln - Kleinteiliges, stadtverträgliches Gewerbe - Urbane (Lebensmittel-) Produktion fördern - Zentrale Stadtachsen städtebaulich aufwerten (Raumkanten, Nutzungen) - Straßen- und Gebäudegrün fördern / Hitzeinseln vermeiden - Klimagerechte Transformation des Quartiers Westliche Molkereifläche und ehem. Baufachmarktgelände - Nutzungsmischung und Nutzungsdichte mit Wohnen und Arbeiten - Bezahlbaren Wohnraum erhalten und schaffen HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN: - Erarbeitung einer verkehrlichen Einbindung in das vorhandene Verkehrssystem Östliche Molkereifläche - Dialog mit Flächeneigentümer*innen führen - Durchführung eines städtebaulichen Qualifizierungsverfahrens - Prüfung der Anwendung des Besonderen Städtebaurechts für den Bereich - Prüfung der Schaffung von Planungsrecht - Dialog und Einbindung nachbarschaftlicher Initiativen Westliche Molkereifläche und ehem. Baufachmarktgelände - Dialog mit Flächeneigentümer*innen führen - Durchführung eines städtebaulichen Qualifizierungsverfahrens mit den Eigentümer*innen - Prüfung der Anwendung des Besonderen Städtebaurechts für den Bereich - Prüfung der Schaffung von Planungsrecht PRIORITÄT: Hoch 68 RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN HANDLUNGS-EMPFEHLUNGEN UND KERNPROJEKTE Entwicklung Nahversorgungsbereich 04 NUTZUNG: Nahversorgung, Wohngebietsentwicklung FEDERFÜHRUNG: Private, Stadt Köln BETEILIGTE: Private ENTWICKLUNGSZIELE: - Flächen mehrfach nutzen (Multicodierung) - Nahversorgungszentrum definieren - Nutzungsmischung und Nutzungsdichte mit Wohnen und Arbeiten erproben - Neue Wohnformen und zielgruppenspezifische Wohnangebote fördern - Den ruhenden Verkehr stadtverträglich organisieren und reduzieren - Klimagerechte Transformation des Quartiers HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN: - Prüfung der Verankerung im Einzelhandels- und Zentrenkonzept Köln (EHZK) - Entwicklung eines städtebaulichen Konzepts für den gesamten Nahversorgungsbereich - Erarbeitung einer verkehrlichen Einbindung in das vorhandene Verkehrssystem - Erarbeitung eines innovativen Mobilitätskonzeptes (z.B. Veedel-Garage, Mobilstation) - Effiziente Nutzung der untergenutzten Flächen (Überbauung bzw. Aufstockung heutiger eingeschossiger Gebäude und Parkplatzflächen) - Prüfung der Anwendung des Besonderen Städtebaurechts für den Bereich - Prüfung der Schaffung von Planungsrecht PRIORITÄT: Hoch Entwicklung Mobilstation am S-Bahnhof Nippes 05 NUTZUNG: Verkehrsplanung FEDERFÜHRUNG: Stadt Köln BETEILIGTE: Private ENTWICKLUNGSZIELE: - Den ruhenden Verkehr stadtverträglich organisieren und reduzieren - Logistik stadtverträglich abwickeln - Klimagerechte Transformation des Quartiers HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN: - Durchführung von Eigentümer*innengesprächen und Dialogen zur Grundlagenklärung - Erstellung einer Machbarkeitsstudie zur Evaluierung des Vorhabens - Prüfung der verkehrlichen Funktionsfähigkeit für eine Mobilstation - Initiieren von Gesprächen mit potenziellen Betreiber*innen und Entwicklung eines Betriebsmodells - Erarbeitung eines umfassenden Konzepts für die Logistikmobilität im Quartier - Prüfung von notwendigen Standorten für die letzte Logistikmeile im Quartier - Entwicklung einer stadtgestalterisch verträglichen Mobilstation PRIORITÄT: Mittel - Hoch HANDLUNGS-EMPFEHLUNGEN UND KERNPROJEKTE 69 Entwicklung Grünverbindung vom Inneren Grüngürtel zum Blücherpark 07 NUTZUNG: Verkehrsplanung, Freiraumplanung FEDERFÜHRUNG: Stadt Köln BETEILIGTE: Private ENTWICKLUNGSZIELE: - Grünraumvernetzung vervollständigen und Zugänglichkeit / Anbindung sicherstellen - Hitzeinseln vermeiden - Versickerungs- und Auffangmöglichkeiten für Starkregenereignisse verbessern / (Teil-)Entsiegelung fördern - Klimagerechte Transformation des Quartiers HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN: - Durchführung einer Machbarkeitsstudie inklusive Kostenschätzung für die Fuß- und Radwegebrücke - Flächensicherung für eine Grünverbindung - Errichtung einer Fuß- und Radwegebrücke zwischen Innerer Grüngürtel und Herkulesstr. PRIORITÄT: hoch Transformation Am Gleisdreieck 06 NUTZUNG: Gewerbeentwicklung, Kultur und Freiraum FEDERFÜHRUNG: Stadt Köln, Private, Land NRW BETEILIGTE: Private ENTWICKLUNGSZIELE: - Wirtschaftsstandort sichern / Arbeitsplätze erhalten und neu schaffen - Flächen mehrfach nutzen (Multicodierung) / Gewerbe stapeln - Räume für Kulturnutzungen finden - Fuß- und Radwegenetz ausbauen und verbessern - Klimagerechte Transformation des Quartiers - Grünraumvernetzung vervollständigen und Zugänglichkeit / Anbindung sicherstellen HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN: - Durchführung von Eigentümer*innengesprächen - Prüfung der Anwendung des Besonderen Städtebaurechts für den Bereich - Prüfung der Schaffung von Planungsrecht - Durchführung eines städtebaulichen Qualifizierungsverfahrens mit den Eigentümer*innen inkl. Prüfung der Umsetzbarkeit einer höheren Bebauung (unter Berücksichtung des aktuell noch in Erarbeitung befindlichen "Höhenentwicklungskonzept Innere Stadt") - Entwicklung eines grünen qualitätsvollen Korridors als Teil der Grünraumvernetzung Richtung Innerer Grüngürtel - Erarbeitung einer verkehrlichen Einbindung in das vorhandene Verkehrssystem PRIORITÄT: Mittel -
Anlage 2 Räumliches Entwicklungskonzept LiebigQuartier (Plan)
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RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN ARCHITEKTEN STADTPLANER ING ENIEURE REICHER HAASE ASSOZIIERTE RHA M 1:5.000Stand: Juli 2024 -
Anlage 4, Auszug BV 4 (Ehrenfeld) 04.11.2024
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Geschäftsführung Bezirksvertretung 4 (Ehrenfeld) Herr Schmitz (02-4) Telefon: (0221) 221-94313 Fax: (0221) 221-94342 E-Mail: Andreas.Schmitz2@stadt - koeln.de Datum: 05.11.2024 Auszug aus dem Beschlussprotokoll der 32. Sitzung der Bezirksvertretung Ehrenfeld vom 04.11.2024 öffentlich 10.1 Beschluss des Räumlichen Entwicklungskonzepts für das LiebigQuar- tier 2088/2024 1. Beschluss über den in der Sitzung eingebrachten gemeinsamen Änderungsantrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen und der SPD-Fraktion: Die Bezirksvertretung Ehrenfeld beauftragt den Stadtentwicklungsausschuss ergänzend zu den vier Punkten folgende Punkte zu beschließen: 5. Der Grünraum im Quartier muss deutlich erhöht werden. a. Die auf Seite 22 beschriebene Verbindung zwischen Blücherpark und Innerem Grüngürtel muss fester bestand der Planung werden. Die Verwaltung soll be- auftragt werden sicherzustellen, dass diese Grünverbindung auch umgesetzt werden kann. b. Auch bei Vorhaben, für die kein Bebauungsplan erforderlich ist, sollen Grünflä- chen, ähnlich wie im koop. Baulandmodell, festgelegt werden. Diese müssen Planungsrechtlich gesichert werden (z. B. städtebaulicher Vertrag). 6. Die Verwaltung wird aufgefordert, ein geeignetes, gemeinwohlorientiertes Format bei- spielsweise nach dem Model „Utopiastadt Wuppertal“ oder vergleichbarer Projekte vor- zuschlagen, mit dem die Information und die Beteiligung von Politik, Öffentlichkeit, An- liegern Stakeholdern und Eigentümern gewährleistet wird. 7. Die Verwaltung muss eine Vorkaufsrechtssatzung nach § 25 Absatz 1 Satz 1 Nr. 2 BauGB für das LiebigQuartier zur Sicherung strategisch wichtiger Grundstücke für eine nachhaltige und sozial gerechte Quartiersentwicklung prüfen. Dabei sollen potenzielle gemeinwohlorientierte Akteure für die Entwicklung einzelner Flächen identifiziert wer- den. Die Stadtverwaltung wird, insbesondere zum Schutz des Schlachthofgeländes vor Ausverkauf, eine aktivere Grundstückpolitik betreiben. Abstimmungsergebnis: Einstimmig zugestimmt bei Enthaltung von Bezirksvertreterin Bchir (AfD). 2. Beschluss über die geänderte Beschlussvorlage Die Bezirksvertretung Ehrenfeld empfiehlt dem Stadtentwicklungsausschuss, folgenden geän- derten Beschluss zu fassen: Der Stadtentwicklungsausschuss 1. nimmt das Räumliche Entwicklungskonzept für das LiebigQuartier zur Kenntnis; 2. beschließt das Räumliche Entwicklungskonzept LiebigQuartier (Anlage 1) als Grund- lage für weitere Entwicklungen innerhalb des Plangebietes; 3. beauftragt die Verwaltung nächste Schritte zur Umsetzung der sieben Kernprojekte zu erarbeiten und die Umsetzungsprozesse aktiv zu begleiten. 4. beauftragt die Verwaltung, die Politik jährlich über den aktuellen Entwicklungsstand der sieben Kernprojekte zu informieren. Die Bezirksvertretung Ehrenfeld beauftragt den Stadtentwicklungsausschuss ergän- zend zu den vier Punkten folgende Punkte zu beschließen: 5. Der Grünraum im Quartier muss deutlich erhöht werden. a. Die auf Seite 22 beschriebene Verbindung zwischen Blücherpark und In- nerem Grüngürtel muss fester bestand der Planung werden. Die Verwal- tung soll beauftragt werden sicherzustellen, dass diese Grünverbindung auch umgesetzt werden kann. b. Auch bei Vorhaben, für die kein Bebauungsplan erforderlich ist, sollen Grünflächen, ähnlich wie im koop. Baulandmodell, festgelegt werden. Diese müssen Planungsrechtlich gesichert werden (z. B. städtebaulicher Vertrag). 6. Die Verwaltung wird aufgefordert, ein geeignetes, gemeinwohlorientiertes For- mat beispielsweise nach dem Model „Utopiastadt Wuppertal“ oder vergleichba- rer Projekte vorzuschlagen, mit dem die Information und die Beteiligung von Po- litik, Öffentlichkeit, Anliegern Stakeholdern und Eigentümern gewährleistet wird. 7. Die Verwaltung muss eine Vorkaufsrechtssatzung nach § 25 Absatz 1 Satz 1 Nr. 2 BauGB für das LiebigQuartier zur Sicherung strategisch wichtiger Grundstü- cke für eine nachhaltige und sozial gerechte Quartiersentwicklung prüfen. Dabei sollen potenzielle gemeinwohlorientierte Akteure für die Entwicklung einzelner Flächen identifiziert werden. Die Stadtverwaltung wird, insbesondere zum Schutz des Schlachthofgeländes vor Ausverkauf, eine aktivere Grundstückpoli- tik betreiben. Abstimmungsergebnis: Einstimmig zugestimmt bei Enthaltung von Bezirksvertreterin Bchir (AfD). -
Anlage 1.1 Endbericht Räumliches Entwicklungskonzept LiebigQuartier - höhere Auflösung
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Räumliches Entwicklungskonzept LiebigQuartier VORWORT 00 3 Sehr geehrte Leser*innen, als Dezernent für Stadtentwicklung, Wirt- schaft, Digitalisierung und Regionales freue ich mich, Ihnen den Endbericht zum Räum- lichen Entwicklungskonzept (REK) für das LiebigQuartier präsentieren zu dürfen. Wir wollen dieses vielfältige Quartier, das Nippes und Ehrenfeld miteinander verbindet, noch lebenswerter machen. Für dieses Vorha- ben könnte der Zeitpunkt kaum besser sein: Durch die Schließung des Molkereibetriebs FrieslandCampina eröffnen sich viele neue Möglichkeiten. Die Chancen liegen vor allem in der Entwicklung der Potenzialflächen, der Schaffung von neuen Grün- und Wegeverbin- dungen, der Aufwertung von Quartiersein- gängen und der Umgestaltung von Verkehrs- flächen. Das Ihnen vorliegende REK ist das Ergeb- nis eines intensiven Bearbeitungsprozesses durch das Amt für Stadtentwicklung und Sta- tistik, an dem eine Vielzahl von Akteur*in- nen aus dem Plangebiet beteiligt waren: Projektentwickler*innen, Grundstückseigen- tümer*innen, Vertreter*innen des Einzel- handels und der ansässigen Betriebe, Woh- nungsbauunternehmen, Vertreter*innen der soziokulturellen Szene vor Ort, Vereine und Akteur*innen, die sich bürgerschaftlich enga- gieren sowie die interessierte Öffentlichkeit haben aktiv mitgewirkt, um nachhaltige und identitätsstiftende Lösungen für die Zukunft des LiebigQuartiers zu erarbeiten. Das LiebigQuartier erstreckt sich über eine Fläche von etwa 130 Hektar in den Stadt- bezirken Ehrenfeld und Nippes und weist eine heterogene Nutzungsstruktur auf. Es ist geprägt durch eine Vielzahl an Gemenge- lagen, die an einigen Stellen zu Nutzungs- konflikten zwischen Wohnen und Gewerbe führen. Aufgrund des großen Entwicklungs- potenzials und andauernder Transforma- tionsprozesse im Gebiet soll das REK - dem politischen Auftrag (AN/0985/2018) folgend - dazu beitragen, die zukünftige Entwicklung des LiebigQuartiers zu steuern. Aufbauend auf der Stadtstrategie "Kölner Perspektiven 2030+" haben wir die Ziele für die räumliche Entwicklung des LiebigQuar - tiers im Laufe des Prozesses weiter konkreti- siert. Wir wollen mit dem REK dazu beitragen, T. Frohn/Stadt Köln 4 RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN Ihr Andree Haack Beigeordneter für Stadtentwicklung, Wirtschaft, Digitalisierung und Regionales der Stadt Köln Köln, August 2024 die vorhandenen innerstädtischen Gewerbe- flächen und -potenziale im LiebigQuartier zu sichern und weiterzuentwickeln, um die vorhandenen Arbeitsplätze zu erhalten und zusätzliche zu generieren. Gleichzeitig ist uns wichtig bezahlbaren Wohnraum zu sichern und neu zu schaffen. Darüber hinaus soll das LiebigQuartier Raum für Sport, Freizeit und Kultur bieten. So kann der heutige Nutzungs- mix weiter gestärkt werden. Es muss uns aber auch gelingen, mögliche Konflikte und Konkurrenzsituationen hinsichtlich der Flä- chennutzung zu minimieren. Dabei setzen wir auf innovative Lösungen, die zu einer nach- haltigen und klimaangepassten Entwicklung des LiebigQuartiers mit erhöhter Lebensqua- lität führen. Es ist nun von entscheidender Bedeutung, dass wir auf Basis des vorliegenden Entwick - lungskonzepts ins konkrete Handeln kom- men. Hierzu wollen wir sieben Kernprojekte anstoßen, um das LiebigQuartier zu einem zukunftsweisenden, attraktiven und identi- tätstragenden Wohn-, Arbeits-, und Freizeit- standort weiterzuentwickeln. Die Neuge- staltung der Liebigstraße ist eines, das die Stadt Köln selber umsetzen kann. Für ande- re braucht es gute Partner, die wir als Stadt unterstützen werden. Ich wünsche Ihnen inspirierende Gedanken beim Lesen, damit wir gemeinsam ein lebens- wertes und klimaneutrales Köln von Morgen und Übermorgen gestalten. 5 REICHER HAASE ASSOZIIERTE GMBH Schäferstraße 33 | 44147 Dortmund do@rha-planer.eu Bearbeitung: Dipl.-Ing. Holger Hoffschröer Carsten Göhring M.Sc. Till Müller-Haude M.Sc. Greta Wienen B.Sc. IMPRESSUM Räumliches Entwicklungskonzept LiebigQuartier Köln Auftraggeberin Amt für Stadtentwicklung und Statistik 151-2 Räumliche Stadtentwicklungsplanung Willy-Brandt-Platz 2 | 50679 Köln Bearbeitung: Natascha Rohde Lotte Drevermann Maike Janßen Kaja Rocks Auftragnehmer*innen STADTRAUMKONZEPT GmbH Huckarder Straße 12 | 44147 Dortmund Bearbeitung: Dipl.-Ing Henrik Freudenau Dipl.-Geograph Sebastian Siebert Karen Bietmann B.Sc. Stand August 2024 ARCHITEKTEN STADTPLANER ING ENIEURE REICHER HAASE ASSOZIIERTE RHA Quelle Fotos und Planungen Titelbild: Markus Schnabel, 2024 Wenn ansonsten nicht anders angegeben: Reicher Haase Assoziierte GmbH Inhaltsverzeichnis 1 Einleitung ��������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������� 8 1.1 Anlass und Zielsetzung ...........................................................................................................................................9 1.2 Arbeitsprozess ..................................................................................................................................................... 10 1.3 Beteiligung ........................................................................................................................................................... 12 2 Bestandsanalyse ������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������� 14 2.1 Räumliche Einordnung des Plangebiets ................................................................................................................15 2.2 Nutzungsstruktur ..................................................................................................................................................16 2.3 Städtebau ............................................................................................................................................................. 18 2.4 Verkehr und Mobilität ...........................................................................................................................................20 2.5 Freiraum ............................................................................................................................................................... 22 2.6 Klima .................................................................................................................................................................... 24 2.7 Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken ..........................................................................................................26 3 Szenarien �������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������� 28 3.1 Herleitung der Szenarien ......................................................................................................................................29 3.1.1 Entwicklungsziele .................................................................................................................................... 31 3.1.2 Entwicklungstrends ................................................................................................................................. 32 3.2 Szenario 1 - Lebendige Impulse............................................................................................................................34 3.3 Szenario 2 - Frische Impulse ................................................................................................................................36 3.4 Szenario 3 - Innovative Impulse ............................................................................................................................38 3.5 Bewertung der Szenarien .....................................................................................................................................40 4 Räumliches EntwIcklungskonzept ��������������������������������������������������������������������������������������������������������������42 4.1 Herleitung ............................................................................................................................................................ 43 4.2 Leitbild ................................................................................................................................................................. 45 4.3 Handlungsfelder ................................................................................................................................................... 48 4.4 Räumliches Entwicklungskonzept .........................................................................................................................58 4.5 Vertiefungsbereich Liebigstraße ...........................................................................................................................60 5 Handlungsempfehlungen und Kernprojekte ����������������������������������������������������������������������������������������������64 EINLEITUNG 01 EINLEITUNG 9 EINLEITUNG 1�1 ANLASS UND ZIELSETZUNG Der Stadtraum entlang der Liebigstraße, zwi- schen dem S-Bahn-Haltepunkt Köln-Nippes im Osten und der Grünanlage entlang der A 57 im Westen, in diesem Konzept als LiebigQuartier benannt, zeichnet sich durch vielfältige Funktio- nen und Raumstrukturen aus. Hier finden sich durchgrünte Wohnsiedlungen ebenso wie groß- flächige Gewerbe- und Produktionsstandorte. Vergangene Umbrüche haben Leerstände und Brachflächen hinterlassen, die Raum für neue Wohn- und Gewerbeentwicklungen bieten. Die wertvolle Funktions- und Nutzungsvielfalt ist insgesamt zu schützen und weiterzuentwickeln, weist jedoch an einigen Stellen städtebauliche Mängel und unklare Raumstrukturen auf. Das LiebigQuartier steht vor der Herausforde- rung, sich an die Auswirkungen des Klimawandels anzupassen, eine sichere und klimafreundliche Energieversorgung zu gewährleisten und moder - ne Formen von Mobilität zu ermöglichen. Insgesamt besteht in dem dazu erforderlichen Transformationsprozess die Chance, das Liebig- Quartier zu einem lebenswerten Ort mit einem zeit- und standortgerechten Charakter zu entwi- ckeln. Dazu ist unter Berücksichtigung der Gege- benheiten vor Ort ein Konzept erforderlich, das eine zukunftsweisende Vision für das Plangebiet aufzeigt. Zentrales Ziel ist hierbei die Sicherung der gewerblich genutzten Flächen sowie deren transformative Übersetzung in einen verträglich gestalteten Stadtbaustein. So kann ein Quar - tier entstehen, das der gegebenen Lagequalität gerecht wird. Das räumliche Entwicklungskon- zept soll dazu dienen, das Profil des LiebigQuar - tiers konzeptionell zu schärfen so dass zukünftige Entwicklungen sich hieran ausrichten können. Der Stadtentwicklungsausschuss der Stadt Köln hatte die Verwaltung mit Beschluss vom 28. Juni 2018 (Städtebauliche Neuordnung für den Bereich Parkgürtel Süd und GE Schlachthof; AN/0985/2018) beauftragt, für das Quartier einen Entwicklungs- und Nutzungsplan aufzustel- len, der jedoch zu diesem Zeitpunkt nicht bear - beitet werden konnte. Am 2. Juni 2022 wurde schließlich, wie von der Verwaltung vorgeschla- gen, die Erarbeitung des nun vorliegenden Räum- lichen Entwicklungskonzepts LiebigQuartier als informelles Planungsverfahren mit Beteiligungs- möglichkeiten beschlossen (Weiteres Vorgehen zum Projekt Räumliches Entwicklungskonzept Liebigquartier; 4461/2021). 10 RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN EINLEITUNG 1�2 ARBEITSPROZESS Der Prozess zum Räumlichen Entwicklungskon- zept wurde im Mai 2023 initiiert und gliederte sich in folgende Phasen: Entwicklung des Prozessde- signs, Bestandsaufnahme und Analyse, Durchfüh- rung des Dialogprozesses sowie Erarbeitung des Räumlichen Entwicklungskonzepts. Die folgende Prozessgrafik ordnet die Arbeitspha- sen inkl. Beteiligung zeitlich ein. Eine detaillierte Erläuterung findet im Fortlauf des Kapitels statt. Prozessgrafik EINLEITUNG 11 Die thematische Analyse des Plangebiets bilde- te eine inhaltliche Grundlage, auf der im weite- ren Arbeitsprozess drei Entwicklungsszenarien skizziert wurden, um mögliche Entwicklungspfa- de – sowohl räumlich als auch programmatisch – aufzuzeigen. In einem Folgeschritt wurden die Szenarien genutzt, um eine zukunftsfähige Vision für das Quartier abzuleiten und damit ein Konzept für die räumliche Entwicklung zu formulieren. Abschließend wurde eine Vertiefung mit Blick auf eine zukünftige Weiterentwicklung der Liebigstra- ße sowie eine Projekt- und Maßnahmenübersicht als Grundlage für die weitere Entwicklung erstellt. Vorgehen der Konzeptentwicklung Analyse Stakeholder*innen- Gespräche Potenzial- und Ziel- Workshop Szenarien- Workshop Lenkungskreis Lenkungskreis Projektgruppe Projektgruppe Online- Beteiligung Flächengerüst Szenarien III II I Entwicklungsziele Entwicklungstrends RÄUMLICHES ENTWICKLUNGS- KONZEPT Sondertermin Politik Zukunftskonferenz Im Prozess arbeiteten die beiden Planungsbü- ros Reicher Haase Assoziierte GmbH und Stadt- RaumKonzept GmbH eng mit der Stadt Köln, ins- besondere dem Amt für Stadtentwicklung und Statistik, zusammen, um ein ganzheitliches und abgestimmtes Arbeitsergebnis zu gewährleisten. Das Räumliche Entwicklungskonzept wird nach seiner Fertigstellung den Gremien der Stadt Köln zur politischen Beratung vorgelegt. 12 RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN EINLEITUNG 1�3 BETEILIGUNG Das vorliegende Räumliche Entwicklungskonzept wurde im intensiven Dialog mit den ansässigen Institutionen und Bewohner*innen erarbeitet. Die Beteiligung im Rahmen des Dialogprozesses glie- derte sich in Formate der öffentlichen Beteiligung sowie der Beteiligung ausgewählter Akteur*in- nen. Die Beteiligung der breiten Öffentlichkeit erfolgte zunächst durch eine Online-Öffentlichkeitsbe- teiligung über das städtische Beteiligungsportal meinungfuer.koeln zu Beginn des Planungspro- zesses. Im Zeitraum vom 21. August bis zum 10. September 2023 hatten Interessierte die Gele- genheit, ihre Hinweise zur gegenwärtigen Situa- tion des LiebigQuartiers sowie Ideen und Anre- gungen für eine Weiterentwicklung mitzuteilen und diese auch räumlich in einer Karte zu veror - ten. Insgesamt wurden 277 Beiträge eingereicht und mit 156 Kommentaren versehen sowie mit 1.172 Stimmen bewertet. Die Ergebnisse dieser Beteiligung wurden bei der Analyse berücksich- tigt und nahmen im weiteren Prozess Einfluss auf das Räumliche Entwicklungskonzept. Sie sind zudem ausführlich in der Mitteilung an die Politik 0093/2024 dokumentiert. Die Beteiligung von Vertreter*innen ausgewählter Akteursgruppen fand im Rahmen von zwei Vor- Ort-Workshops statt. Als erste Veranstaltung fand am 20. September 2023 im Gemeindehaus der Evangelischen Nathanael Kirchengemeinde Bil- derstöckchen ein Potenzial- und Zielworkshop statt. Hierzu wurden maßgebliche Akteur*innen aus dem Planungsgebiet eingeladen, darunter Projektentwickler*innen, Grundstückseigentü- mer*innen, Vertreter*innen des Einzelhandels und der ansässigen Betriebe, Wohnungsbauunter - nehmen, Akteur*innen der soziokulturellen Szene vor Ort sowie weitere Vereine und Akteur*innen, die sich bürgerschaftlich engagieren. Gemeinsam wurden Potenziale des Quartiers erörtert, Ziele der weiteren Entwicklung formuliert, Bedarfe und Interessen ausgetauscht sowie Schwerpunktbe- reiche möglicher Entwicklungen verortet. Der zweite Workshop, zu dem der selbe Perso- nenkreis, zuzüglich der beiden Bezirksbürger - meister*innen eingeladen wurden, fand am 31. Januar 2024 in der Städtischen Katholischen Grundschule Osterather Straße statt. In diesem Szenarienworkshop wurden verschiedene Sze- narien für die zukünftige Entwicklung des Quar - tiers mit ihren spezifischen Vor- und Nachteilen, Chancen und Hemmnissen diskutiert. Ein Bestandteil des Dialogprozesses waren darü- ber hinaus acht Einzelgespräche mit ausgewähl- ten Personen. Diese Stakeholdergespräche mit den Eigentümer*innen von Schlüsselgrundstü- cken und Akteur*innen die sich bürgerschaftlich engagieren, waren gerade zu Beginn des Prozes- ses von hoher Bedeutung für die Informations- gewinnung, insbesondere zu den Flächen, die besondere Entwicklungspotenziale darstellen. Während der Projektfinalisierung wurde eine Zukunftskonferenz als Präsenzveranstaltung durchgeführt. Bei der Veranstaltung am 20. März 2024 wurde der Entwurf des Räumlichen Ent- wicklungskonzepts präsentiert. Die über 100 Teilnehmenden hatten die Möglichkeit, Fragen zu stellen und Hinweise zu geben, die bei der Fina- lisierung des Räumlichen Entwicklungskonzepts EINLEITUNG 13 Potenzial- und Zielworkshop Bodenplane des LiebigQuartiers berücksichtigt wurden. Im Zuge des Prozesses wurden die betroffenen Dezernate und Fachämter der Stadtverwaltung durch regelmäßige Lenkungskreis- und Pro- jektgruppensitzungen einbezogen. Die Bezirks- vertretungen Ehrenfeld und Nippes wurden frak - tionsübergreifend in zwei Sonderterminen über die Zwischenergebnisse informiert. BESTANDSANALYSE 02 BESTANDSANALYSE 15 BESTANDSANALYSE 2�1 RÄUMLICHE EINORDNUNG DES PLANGEBIETS Das LiebigQuartier, nordwestlich der Kölner Innenstadt gelegen und an den Inneren Grüngür - tel angrenzend, erstreckt sich über Teile von Neu- ehrenfeld und Bilderstöckchen. Die Grenze zwi- schen den Stadtbezirken Ehrenfeld und Nippes verläuft mitten durch das Gebiet. Die Liebigstra- ße, die im Süden durch das Quartier verläuft, ver - bindet diese Stadtbezirke miteinander. Die Gren- zen des LiebigQuartiers sind klar definiert: Im Nordwesten bildet der stark frequentierte Park - gürtel mit der Hochbahntrasse der Stadtbahnlinie 13 die Begrenzung. Westlich erstreckt sich die Grünanlage entlang der Autobahn 57. Die südli- Überörtliche Einordnung che Grenze markieren die Innere Kanalstraße und die Sportanlage des ESV Olympia, während im Osten der Bahndamm als Begrenzung fungiert. Auf rund 130 ha zeichnet sich das LiebigQuar - tier durch einen besonders heterogenen Charak - ter aus. Etwa 6.500 Menschen wohnen und ca. 4.300 Beschäftigte arbeiten dort (Stand 2022). Das LiebigQuartier ist umgeben von zwei städ- tischen Freiräumen: dem Blücherpark im Nor - den und dem Inneren Grüngürtel im Süden, die als zentrale Elemente des gesamtstädtischen Grünsystems fungieren. Die Lage des Quartiers gewährleistet eine effiziente Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr. Anknüpfungs- punkte sind dabei die S-Bahn-Haltepunkte Geld- ernstraße/Parkgürtel sowie Köln-Nippes. Örtliche Einordnung 16 RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN BESTANDSANALYSE stätten, sowie Vereine wie das Begegnungs- und Fortbildungszentrum muslimischer Frauen e.V. (BFMF) oder die Griechische Gemeinde Köln e.V., die einen wichtigen Beitrag zum soziokulturellen Gefüge im Quartier leisten. Im Liebig257 gibt es ein Viertelswohnzimmer, ein Quartiersbüro sowie eine Werkstatt, die durch den KLuG e.V. betrie- ben werden. Zudem befindet sich die etablier - te Kultur- und Veranstaltungsfläche Odonien im Quartier. Weitläufige Gewerbeflächen, darunter Unter - nehmen wie DHL und RheinEnergie, prägen und begrenzen durch nicht öffentlich passierbare Grundstücke das Quartier. Die weiteren gewerb- lichen Nutzungen sind äußerst vielfältig und zeigen sich durch kleinteilige KFZ-Werkstätten, Lebensmittelgroßhändler, Einzelhandelsflächen oder Laufhäuser, in südlicher Randlage des Plan- gebiets. Aufgrund der vorliegenden Nutzungsvielfalt und äußerst heterogenen Mischung können an den Übergängen zwischen den unterschiedlichen Nut- zungen, Konflikte durch bspw. Lärmemissionen oder verschiedenen Infrastrukturansprüchen, auftreten. 2�2 NUTZUNGSSTRUKTUR Das LiebigQuartier zeichnet sich durch eine heterogene Nutzungsstruktur aus, die die unter - schiedlichen Facetten des städtischen Lebens widerspiegelt. Hier treffen kleinteilige, durch- grünte Wohnnutzungen auf großflächige Gewer - bestrukturen. Vereinzelte Grünflächen und Auf- enthaltsflächen sind im Quartier vorhanden, dennoch dominieren vor allem der ruhende Ver - kehr und versiegelte Straßenräume in weiten Tei- len das Gebiet. Es bestehen Gebietslagen, die eine höhere Nut- zungsmischung aufweisen, in der Wohnnutzun- gen und kleinteilige Dienstleistungsangebote zusammenkommen. Raumprägend sind unter anderem die gewerbliche Nutzung des Schlacht- hofareals und die gegenüberliegende, noch in der Entwicklung befindende Wohnentwicklung. Über - gehend in östlicher Richtung treten vermehrt Wohnutzungen auf, welche sich bis zum Parkgür - tel fortsetzen. Die soziale Infrastruktur ist über das Quartier verstreut und umfasst verschiedene Einrichtungen. Dazu zählen unter anderem die evangelische Nathanael Kirchengemeinde, die Grundschule Osterather Straße, Kindertages- kleinteilige Mischnutzungen, Liebigstraße Ehemaliger Molkereistandort, Geldernstraße BESTANDSANALYSE 17 Analyse Nutzungsstruktur 18 RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN BESTANDSANALYSE 2�3 STÄDTEBAU Der Städtebau des Quartiers präsentiert sich, simultan zur Nutzungsstruktur, entsprechend hetergogen. Es besteht eine Mischung aus großen Hallentypologien und Sonderbausteinen, klein- teiligen Wohnbebauungen, begrünten Siedlungs- trukturen in Zeilenbauweise aber auch modernen Bebauungen jüngeren Datums. Unterschiedliche Maßstäbe und Körnungen treffen im LiebigQuar - tier aufeinander. Das Quartier wird von Barrieren umschlossen. Dazu zählen die Bahngleise im Osten und Süden, sowie die stark befahrene Innere Kanalstraße im Süden, die A57 im Westen und dem Parkgürtel und der Stadtbahntrasse im Norden. Aufgrund dieser Barrieren gibt es nur wenige direkte Wege- verbindungen zu den umliegenden Frei- und Erho- lungsräumen und Anschlussmöglichkeiten an die benachbarten Stadtteile. Die Liebigstraße fungiert als direkte städtische Verbindungsachse zwischen den Stadtteilen Nip- pes und Neuehrenfeld und formuliert somit zwei wichtige Eingangssituationen ins Quartier. Aller - dings mangelt es insbesondere auf der Liebig- straße in Höhe des ehemaligen Schlachthofareals grundlegend an einer Fassung des öffentlichen Raumes. Lediglich die Geldernstraße zeigt durch ihre größtenteils gefassten Raumkanten und die alleeartige Straßenbegrünung eine klare räumli- che Ordnung auf. Im Quartier ist der öffentliche Raum größtenteils funktional gestaltet und weist geringe Aufent- haltsqualitäten auf. Strukturen, die den Liefer - verkehr und den motorisierten Individualverkehr (MIV) priorisieren, dominieren den öffentlichen Raum. Ein hoher Grad an versiegelten Flächen im Quar - tier bietet Potenzial für Veränderungen und eine Neugestaltung im Sinne einer verbesserten Lebensqualität, klimagerechten Stadtgestal- tung und effizienteren Nutzung des öffentlichen Raums. LiebigstraßeStädtebauliche Brüche Escherstraße BESTANDSANALYSE 19 20 RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN BESTANDSANALYSE 2�4 VERKEHR UND MOBILITÄT Für den MIV ist das LiebigQuartier größtenteils gut erschlossen. Auch die Einzugsradien der ÖPNV-Haltepunkte decken das Quartier fast voll- ständig ab. Lediglich im südlichen Bereich, zwi- schen der Straße Am Gleisdreieck und Innerer Kanalstraße, ist eine Unterversorgung festzustel- len. Für das Fuß- und Radverkehrsnetz besteht, aufgrund von Lücken und geringer Bestandsqua- lität, eine Notwendigkeit dieses auszubauen und zu qualifizieren. Das Quartier ist durch zwei S-Bahnhöfe (Geldern- straße/Parkgürtel und Köln-Nippes) sowie zwei Haltestellen der Stadtbahn (Escher Straße und Geldernstraße/Parkgürtel) an das SPNV-Netz angeschlossen. Fußläufig zu erreichende Bushal- testellen befinden sich im Quartier an der Liebig- und der Geldernstraße. Radwege entlang der Liebig-, Escher- und Geld- ernstraße sind in Teilen vorhanden, doch insge- samt in mangelnder Gestalt aufgrund von unüber - sichtlichen und unsicheren Wegeführungen. Dies betrifft vor allem Kreuzungsbereiche und Quar - tierseingänge. Auf allen anderen Straßen wird der Radverkehr im Mischverkehr geführt. Die Haupterschließung für den MIV verläuft über den Parkgürtel, die Innere Kanalstraße und die Liebigstraße, wobei der nah gelegene Anschluss an die A57 eine Verbindung zum überörtlichen Verkehrsnetz ermöglicht. Innerhalb des Quartiers sind neben der Liebigstraße die Escherstraße, die Geldernstraße und die Hornstraße wichti- ge Erschließungsachsen, insbesondere für den Logistikverkehr. Vor allem die Innere Kanalstra- ße, die Hornstraße und die Escher Straße weisen bereits ein hohes Verkehrsaufkommen auf, wes- halb bei baulichen Entwicklungen die damit ein- hergehenden veränderten Verkehrsbelastungen in jedem Fall geprüft werden müssten. Prägend für das Gebiet sind großflächige priva- te Parkierungsanlagen, die nicht gebündelt und größtenteils ebenerdig verortet sind. Südlich des S-Bahnhofs Köln-Nippes befindet sich eine P+R- Anlage. Die fußläufige Durchwegung wird durch eine auto- fokussierte Gestaltung der Erschließungsstraßen als untergeordnet eingestuft. Dem Quartier fehlt es an Anknüpfungsstellen für den Fuß- und Rad- verkehr, um die außenliegenden Barrieren zu überwinden. ÖPNV-Knotenpunkt an der Liebigstraße/Quartierseingang S-Bahnhof Köln-Nippes Quartierseingang Liebigstraße aus Richtung Neuehrenfeld BESTANDSANALYSE 21 M 1:10.000 22 RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN BESTANDSANALYSE 2�5 FREIRAUM Der Freiraum im Plangebiet beschränkt sich auf wenige Abschnitte, die stärker begrünte Bereiche aufweisen. Diese liegen größtenteils in den Rand- bereichen des Quartiers. Abgesehen vom Geld- ernpark und dem westlichen Bereich des Quar - tiers, sind keine zusammenhängenden, qualitativ hochwertigen Grünstrukturen vorhanden. Die Autobahndeckelung zwischen Wöhler Straße und den Bahngleisen nimmt die nördlich angrenzen- den Grünstrukturen auf und bietet zudem Sport- und Spielflächen. Isolierte Baumstandorte oder halböffentliche und private Gärten in Wohnlagen sind in Teilbereichen vorhanden und liefern einen wichtigen Beitrag für das Mikroklima. Sie sind jedoch nicht als öffent- lich zugängliche Frei- und Erholungsflächen nutz- bar. Als weitere Grünfläche ist die Kleingarten- fläche nördlich angrenzend an die Grundschule Osterather Straße zu nennen. Der Geldernpark wird als bedeutender Park für das südliche Bilderstöckchen angesehen. Er bie- tet weitere Sport- und Spielmöglichkeiten. Einen starken Kontrast hierzu bilden die Verkehrs- und Parkplatzflächen, welche fast flächendeckend das Quartier prägen und insgesamt einen hohen Versiegelungsgrad erzeugen. Eine Teilentsiegelung und Neubegrünung bietet die Chance, das Risiko von ungünstigen klimati- schen Bedingungen im Gebiet zu mindern und die Aufenthaltsqualität zu verbessern. Ein hohes Potenzial für das Quartier und die umliegenden Gebiete besteht in der Vervollstän- digung der Verbindung zwischen dem Blücher - park im Norden und dem Inneren Grüngürtel im Süden des Plangebiets, um bestehende lokale Grünräume sowie hochwertige Erholungsräume zu verbinden. Die Entsiegelung, die Integration von Grünstruk - turen unter Berücksichtigung des Baumbestands sowie die Stärkung der Grünanbindung sind als wichtige Entwicklungspotenziale herauszustellen. Geldernpark Basketballplatz auf dem Autobahndeckel BESTANDSANALYSE 23 M 1:10.000 24 RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN BESTANDSANALYSE 2�6 KLIMA Eine integrierte Betrachtung der hitzebelaste- ten Siedlungsflächen zeigt, dass verglichen mit den umliegenden Stadtteilen, das LiebigQuartier weniger Hitzebelastung aufweist. Dennoch ist die Hitzebelastung in großen Teilen hoch und teilwei- se sogar sehr hoch. Dies wird bedingt durch groß- flächig versiegelte Flächen wie bspw. auf dem Schlachthofareal und den ehemaligen Mobau- und Molkereiflächen. Fehlende Straßenbegrünungen oder Verschat- tungsmöglichkeiten verstärken diesen Effekt. Angesichts der prognostizierten Zunahme von Extremwetterereignissen und erhöhter Hitzebe- lastung empfiehlt es sich, Klimaanpassungsmaß- nahmen grundlegend in die Planung zu integrie- ren. Die Eignung von Dachflächen für Begrünungs- maßnahmen wird ebenfalls in der Analysekarte abgebildet. Besonders groß ist das Potenzial auf Gebäuden mit großen Flachdächern. Dazu zählen vor allem Gebäude des RheinEnergie-Geländes, der ehemaligen Molkerei, dem Schlachthofareal sowie auf Gebäuden im Bereich zwischen der Straße Am Gleisdreieck und der Inneren Kanal- straße. Der thermischen Belastung des Siedlungsraums steht die thermische Ausgleichsfunktion des Freiraums gegenüber. Die Analysekarte hebt die Bedeutung siedlungsnaher Grünstrukturen wie die des Blücherparks und des Inneren Grüngür - tels für das Stadtklima hervor. Diese fungieren auch als wichtige Kaltluftentstehungsgebiete und tragen zur umliegenden Kühlung bei. Neben der thermischen Belastung spielt auch die Starkregenbelastung für die Klimaanpassung eine große Rolle. Überflutungsbelastete Bereiche im Quartier konzentrieren sich vor allem entlang zentraler Verkehrsachsen wie dem Tunnel der A57-Überdeckelung und dem Knotenpunkt Horn- straße/Innere Kanalstraße sowie entlang der Escher- und Geldernstraße. Bei potenziellen Ent- wicklungen vom Molkerei- und Schlachthofareal sind auch die überflutungssensiblen Flächen zu berücksichtigen. Südlicher Ausläufer des Blücherparks an der A57Eingangsbereich zum Schlachthofareal, Liebigstraße BESTANDSANALYSE 25 M 1:10.000 26 RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN BESTANDSANALYSE 2�7 STÄRKEN, SCHWÄCHEN, CHANCEN UND RISIKEN Die Untersuchung des LiebigQuartiers unter den Gesichtspunkten von Nutzung, Städtebau, Mobili- tät und Freiraum hat vielfältige Erkenntnisse über die Potenziale, Risiken, Stärken und Schwächen erbracht. Die vielseitige Nutzung und Bebauung des Quartiers mit Wohn- und Gewerbeflächen erstreckt sich über das gesamte Planungsgebiet. Hierbei sind insbesondere an den Übergängen zwischen Wohn- und Gewerbenutzungen Nut- zungskonflikte erkennbar. Eine Schwäche des LiebigQuartiers ist die Viel- zahl von Barrieren, zu denen Bahngleise, nicht begehbare Gewerbegebiete, die Innere Kanalstra- ße und die A57 zählen. Diese Barrieren begren- zen die Bewegung innerhalb des Quartiers und die Verbindung mit den angrenzenden Bereichen. Dadurch existieren in Teilen weitestgehend iso- lierte Bereiche wie der umschlossene Bereich zwischen Innerer Kanalstraße und der Straße Am Gleisdreieck. Eine weitere Schwäche des LiebigQuartiers ist die starke Versiegelung von Flächen, die im Sommer zu erhöhter Hitze und bei Starkregen zu Überflu- tungen führen kann. Das Fuß- und Radwegenetz erscheint an einigen Stellen vernachlässigt aufgrund von unübersicht- lichen Querungsmöglichkeiten oder schmalen und unvollständigen Fahrradwegen. Die fehlende Gestaltung des Stadtgrüns entlang der Straßen, insbesondere entlang der Liebigstra- ße, sowie die begrenzten Wegeverbindungen zu nahegelegenen Grünflächen werden ebenfalls als Defizite wahrgenommen. Neben diesen Herausforderungen verfügt das LiebigQuartier auch über Stärken. Dazu zählen vor allem die Nähe zu hochwertigen Grünflächen, eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahver - kehr und der Bestand begrünter Wohngebiete im nördlichen Bereich des Plangebietes. Zusätzlich ermöglicht die integrierte Lage eine vielfältige Nutzung des Quartiers, da die Liebigstraße eine wichtige Verbindungsachse zwischen den Stadt- teilen Ehrenfeld und Nippes ist. Sie besitzt das Potenzial für die anliegenden Grundstücke, eine eigene Adresse zu formulieren. Darüber hinaus bestehen auch Risiken, die zu reduzieren sind. Dazu zählen Lärmemissionen an den Übergangsbereichen zur bestehenden Wohn- bebauung sowie die potenzielle Verdrängung von Gewerbe durch heranrückende neue Wohnbebau- ung. Um diese Nutzungskonflikte und städtebauli- chen Umbrüche zu minimieren, sind Maßnahmen zur Reduzierung der Risiken notwendig. Chancen liegen vor allem in der Entwicklung der Potenzialflächen, der Schaffung von neuen Wege- verbindungen sowie der qualitativen Aufwertung der vorhandenen Verbindungen, der Aufwertung von Quartierseingängen und der Umgestaltung von Verkehrs- und Brachflächen. Eine flexible Nutzungsmischung, die Förderung der Nahmo- bilität und die Integration emissionsarmer und klimatisch angepasster Planungen können die Zukunft des Quartiers positiv beeinflussen. BESTANDSANALYSE 27 M 1:10.000 SZENARIEN 03 SZENARIEN 29 SZENARIEN 3�1 HERLEITUNG DER SZENARIEN Basierend auf der Analyse, den Hinweisen und Anregungen der Bürger*innen aus der Online- Öffentlichkeitsbeteiligung, Gesprächen mit Sta- keholder*innen aus dem Gebiet, Hinweisen verschiedener Fachdienststellen innerhalb der Verwaltung sowie einem Potenzial- und Zielwork - shop, wurde das Flächengrundgerüst erarbeitet. Dieses Gerüst zeigt maßgeblich die Flächen der sich aktuell abzeichnenden bzw. zukünftigen Ent- wicklungsschwerpunkte auf. Es umfasst Bereiche, die unbebaut sind, in denen die ursprüngliche Nutzung aufgegeben wurde oder die unterge- nutzt sind. Ausgenommen sind Bereiche, die als Bestandschutz gekennzeichnet sind. Für die räumliche Entwicklung sind im wesentli- chen vier Schwerpunktbereiche zu nennen. Dazu zählen das vollständig von Straßen umschlossene "Am Gleisdreieck" im Süden des Quartiers, das "Schlachthofareal", welches sich zwischen Lie- bigstraße und Bahngleisen befindet und mit ca. 9 ha den größten Schwerpunktbereich ausmacht, der "Nahversorgungsbereich", welche Wohn- und Gewerbenutzungen mit umfasst, sowie die beiden brachliegenden Flächen "Mobau" und "Molkerei" westlich und östlich der Geldernstraße entlang der Geldernstraße. Flächengrundgerüst Am Am GleisdreieckGleisdreieck SchlachthofarealSchlachthofareal Nahversorgungs -Nahversorgungs - bereichbereich MolkereiMolkerei MobauMobau 30 RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN SZENARIEN - Nutzungsmischung und Nutzungsdichte mit Wohnen, Arbeiten und Freizeit erproben - Nutzungskonflikten vorbeugen / Wirtschaftsflächen städtebaulich integrieren* - Zentrale Stadtachsen städtebaulich aufwerten (Raumkanten, Nutzungen, Grün) - Gebäudebestand sanieren und energetisch optimieren* - Bezahlbaren Wohnraum erhalten und schaffen* - Wirtschaftsstandort sichern / Arbeitsplätze erhalten und neu schaffen - Flächen mehrfach nutzen (Multicodierung) / Gewerbe stapeln* - Kleinteiliges, stadtverträgliches Gewerbe / Gewerbehöfe ansiedeln - Urbane (Lebensmittel-)Produktion fördern - Nahversorgungszentrum definieren* - Sport- und Freiflächen öffnen und mehrfach nutzen* - Räume für (Weiter-)Bildung und Integration sichern und ausbauen - Räume für Ehrenamt, Engagement und bürgerliche Initiativen bereitstellen* - Räume für Kulturnutzungen finden* - Straßenraum neu strukturieren und als öffentlichen Raum mit hoher Aufenthaltsqualität aufwerten - Fuß- und Radwegenetz ausbauen und verbessern - Den ruhenden Verkehr stadtverträglich organisieren und reduzieren* - Logistik / Wirtschaftsverkehre stadtverträglich abwickeln* - Grünraumvernetzung vervollständigen und Zugänglichkeit / Anbindung sicherstellen - Straßen- und Gebäudegrün fördern / Hitzeinseln vermeiden* - Versickerungs- und Auffangmöglichkeiten für Starkregenereignisse verbessern / (Teil-) Entsiegelung fördern - Klimagerechte Transformation des Quartiers* STÄDTEBAU UND WOHNEN WIRTSCHAFT UND VERSORGUNG SOZIALES, KULTUR UND BILDUNG MOBILITÄT UND VERKEHR GRÜN UND KLIMA Entwicklungsziele für das LiebigQuartier (aufbauend auf der Stadtstrategie "Kölner Perspektiven 2030+") * Ziele, die im Rahmen des Prozesses ergänzend definiert wurden SZENARIEN 31 ihrem Bestand zu sichern. Der Nahversorgungs- bereich soll räumlich konzentriert und städtebau- lich aufgewertet werden. Während die Stadtstrategie für die Bereiche Soziales, Kultur und Bildung vor allem innerhalb von Wohnquartieren den Ausbau der Bildungs- und Sozialinfrastruktur vorsieht, weisen die Ent- wicklungsziele im Rahmen des Räumlichen Ent- wicklungskonzeptes zusätzlich auf den Bedarf an weiteren Sport- und Freiflächen hin. Mobilitätsziele der Stadtstrategie beinhalten vor allem einen flächendeckenden Ausbau des Rad- wegenetzes. Neben diesem Ziel werden weitere Ziele für das Feld Mobilität und Verkehr aufge- führt, dazu gehören der Ausbau der Fußwegever - bindungen, die Neustrukturierung des Straßen- raums mit einer erhöhten Aufenthaltsqualität, als auch die stadtverträgliche Organisation des ruhenden Verkehrs heutiger und zukünftiger Wirt- schaftsverkehre. Unter Grün und Klima werden Entwicklungsziele zusammengefasst, die sich positiv auf das klein- räumige Stadtklima im Quartier auswirken um den hitzebelasteten Siedlungsflächen des Liebig- Quartiers entgegen zu wirken und eine klimage- rechten Transformation des Quartiers gerecht zu werden. 3�1�1 Entwicklungsziele Abgeleitet aus den Leitsätzen der Stadtstrategie 2.0 "Kölner Perspektive 2030+", wurden bereits in einem frühen Arbeitsschritt Entwicklungszie- le für das LiebigQuartier definiert. Dabei gaben die Zielkarten der Stadtstrategie grundlegende Erkenntnisse über räumliche Zielsetzungen der Stadt Köln. In den Zielkarten wurden Flächen mit Transformations- und Entwicklungspotenzialen für Wohnen, Wirtschaft, Soziales und Mobilität sowie Grün und Klimazielen festgelegt. Die räumlichen Zielsetzungen beinhalten Aus- sagen, die bei der weiteren Formulierung der Entwicklungsziele berücksichtigt und vertieft wurden. Die nebenstehende Übersicht zeigt die Entwicklungsziele. Die Zieldimension Städtebau und Wohnen wurde dabei ergänzt durch das Ziel einer stärkeren Nutzungsmischung, des Erhalts sowie der Neuschaffung von bezahlbarem Wohn- raum. Darüber hinaus ist ein weiteres Ziel die Sanierung bzw. energetische Optimierung der Bestandsgebäude. Die Zielkarte Wirtschaft der Stadtstrategie sieht im Bereich des LiebigQuartiers fast flächende- ckend die Transformation zu innovativen und gemischten Gewerbegebieten mit den Schwer - punkten Dienstleistung, Produktion und Krea- tivwirtschaft vor. Das Räumliche Entwicklungs- konzept vertieft die Zielsetzungen im Bereich Wirtschaft und Versorgung unter anderem durch die Multicodierung von gewerblichen Flächen, bspw. durch Nutzungsstapelungen oder der Ein- bindung von kleinteiligen und stadtverträglichen Gewerbeformen. Bestehende Betriebe sind in 32 RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN SZENARIEN 3�1�2 Entwicklungstrends Um für das LiebigQuartier im Folgenden drei ver - schiedene Szenarien mit einem zukunftsfähigen Leitbild zu entwickeln, wurde zunächst ein Blick auf aktuelle Entwicklungstrends der Stadtent- wicklung geworfen, um sicherzustellen, dass die entstehenden Leitbilder, die die grundlegende Ausrichtung der Szenarien vorgeben, zukunfts- orientiert sind. Hierbei war die Publikation „Die Stadt von Übermorgen“ (BBSR, 2022) eine wich- tige Grundlage, um einen Zugang zur komplexen Trendlandschaft zu bekommen. Schwerpunktsetzung und Anknüpfung an Entwicklungstrends SZENARIEN 33 Während die Szenarien als Gemeinsamkeit haben, dass sie allesamt auf eine Attraktivitätssteige- rung des Quartiers als Wohn- und Arbeitsstand- ort abzielen und auf die Folgen des Klimawandels reagieren müssen, unterscheiden sie sich jedoch in ihrer individuellen Schwerpunktsetzung. Die Schwerpunktesetzungen wurden abgeleitet aus den Einzel- und Entwicklungstrends, so dass sich drei unterschiedliche Themenfelder ergeben haben: Lebendige Impulse: Das lebenslange Lernen Das lebenslange Lernen greift vor allem die wachsenden Anforderungen an Arbeitskräfte auf, was einen zukünftig steigenden Bedarf an Aus- und Weiterbildungsstätten bedeutet. Um weiterhin auf dem Arbeitsmarkt als potenziell Arbeitnehmende zu agieren, müssen Menschen sich in Zukunft mit stärkeren Lern- und Flexibi- litätsanforderungen auseinandersetzen, da sich die Anforderungen im Berufsalltag zunehmend schneller ändern werden. Darüber hinaus sind Projektarbeiten und Zeitverträge gegenüber dem „Normalarbeitsverhältnis“ keine Seltenheit mehr und es entstehen zudem neue Berufsfelder (BBSR, 2022). Frische Impulse: Die Gesundheit als Statussymbol Die Gesunde Stadt als Standortfaktor, aber auch die gesunde und vor allem bewusste Ernährung rücken zunehmend stärker in den Fokus, was gleichzeitig den Stellenwert von lokaler Produk - tion und fairem Handel ansteigen lässt. Wetter - extreme und Umweltbelastungen treten verstärkt auf und stoßen Maßnahmen des Klimaschutzes und der Klimaanpassung bereits auf Planungs- ebene an. Dabei wird die Implementierung einer grünen Infrastruktur immer wichtiger (BBSR, 2022). Innovative Impulse: Die Rückkehr der urbanen Produktion Aufgrund von kleinteiligeren, stadtverträglichen und emissionsärmeren Produktionsweisen spielt die Produktion innerhalb der Stadt wieder eine bedeutendere Rolle. Der Fokus der innerstäd- tischen Produktion auf mehrgeschossige Anla- gen (z.B. Vertical Factory und Vertical Farming) ermöglicht eine neue Bündelung von Nutzungen und Synergien und bedeutet im Ganzen eine effi- zientere Flächennutzung. Produktionsprozesse sind insgesamt durch die Digitalisierung (Indus- trie 4.0) anpassbarer und vielfältiger (BBSR, 2022). Für dieses Vorgehen lässt sich abschließend festhalten, dass die in der Szenarienentwicklung fokussierten globalen Entwicklungstrends die Ziele der Stadtstrategie ergänzen. 34 RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN SZENARIEN 3�2 SZENARIO 1 - LEBENDIGE IMPULSE In diesem Szenario wird eine integrierte Quar - tiersentwicklung angestrebt, bei der neue öffent- liche Räume, welche Begegnung und Austausch fördern, geschaffen werden. Diese treten in Form von Plätzen oder gemeinschaftlich genutzten Flä- chen auf. Zudem ergänzen gemischte Wohn- und Arbeitsflächen das Quartier, um somit attrakti- ver für alle Bevölkerungsgruppen zu werden und eine vielfältige Nachbarschaft zu ermöglichen. Möglichkeiten der Begegnung und Gemeinschaft können hierbei in Form von geteilten Nutzungs- angeboten wie Gemeinschaftswerkstätten oder Co-Working-Spaces auftreten. Auch eine für die Öffentlichkeit zugängliche Kantine könnte ein Ort hierfür sein. Die zusätzliche Implementierung von Bildungs- und Kultureinrichtungen stärkt die vor - handenen sozialen Strukturen. Dabei gilt es vor allem die bereits bestehenden soziokulturellen Angebote zu sichern. Neben den vielfältigen Nutzungsmischungen, die zu einem lebendigen Wohn- und Arbeitsstandort beitragen, liegt der Fokus auf der Produktion von Wissen. Forschung, Lehre und Innovation treten hierbei in unterschiedlichen Formen an mehreren Orten auf und eröffnen das Potenzial, dass diese Einrichtungen einen Wissensstandort erzeugen um neue Ideen, Technologien und Unternehmen zu fördern. Szenario 1 trägt dazu bei, dass das LiebigQuartier zu einem Zentrum für Wissenschaft wird und zu einer erhöhten wirtschaftlichen Aktivität beiträgt. Eine nachhaltige Infrastruktur, barrierefreie Zugänge und umweltfreundliche Mobilitätslö- sungen, neue Wegeführungen bei denen vor allem Fuß- und Radverkehr gefördert werden, können zusätzlich Lebens- und Standortqualitäten stei- gern. Leitbild Szenario 1 - Lebendige Impulse SZENARIEN 35 36 RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN SZENARIEN 3�3 SZENARIO 2 - FRISCHE IMPULSE Das zweite Entwicklungsszenario greift die Tradi- tion der Lebensmittelproduktion im Quartier auf und übersetzt diese in zeitgemäße, kleinteiligere Formen der urbanen Lebensmittelproduktion. Dies könnte die Schaffung von urbanen Landwirt- schaftsflächen wie bspw. Dachfarmen, Gewächs- häusern oder vertikalen Farmen und Produk - tionsstätten, sowie die Um- und Nachnutzung von bestehenden Gebäuden umfassen. Die Integra- tion von Märkten oder gemeinschaftlichen Ver - arbeitungsstätten kann hierbei die Verbindung zwischen Produzenten und Verbrauchern stärken. Dieser Ansatz ermöglicht nicht nur die Produktion von frischen Lebensmitteln, sondern fördert auch die Gemeinschaftsbildung und lokale Wertschöp- fung. Moderne Technologien wie z.B. Aquaponik oder hydroponische Systeme aus der Fisch- und Pflanzenzucht leisten einen Beitrag für einen effi- zienten Flächengebrauch und eine erhöhte Res- sourceneffizienz. Szenario 2 trägt dazu bei, dass die Nachfrage nach regionalen Lebensmitteln und alternativen Ernährungstrends erhöht wird und die ökologi- sche Vielfalt in städtischen Räumen, sowie ein Bewusstsein für lokale Lebensmittelproduktion gefördert werden. Darüber hinaus leistet der Aus- bau der grünen Infrastruktur einen Beitrag zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels. Leitbild Szenario 2 - Frische Impulse SZENARIEN 37 38 RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN SZENARIEN 3�4 SZENARIO 3 - INNOVATIVE IMPULSE Dieses Szenario hebt die Bedeutung als inner - städtisches Gewerbegebiet hervor und fokussiert sich auf die innovative Weiterentwicklung von neuen und bestehenden Gewerbeflächen, sowie deren logistische Anbindung. Zu Gunsten des Vorbehalts für großflächige, eigenständige Gewerbeprofile, die in hoher Stück - zahl serielle Fertigungen produzieren, steht in diesem Entwicklungsszenario die Attraktivierung als Wohnstandort an sekundärer Stelle. Dennoch berücksichtigt das Szenario die vorhandene hete- rogene Nutzungsmischung des Quartiers und reagiert vor allem an den Übergängen zwischen Wohnen und Gewerbe mit Pufferzonen. Architek - tonische Standards, welche sowohl die funktio- nalen Anforderungen der Produktion, als auch die Ansprüche umliegender Wohnbebauung berück - sichtigen, können zudem Nutzungskonflikte redu- zieren. Zukunftsorientierte Gewerbeflächen, die emissionsarme Produktionsverfahren verwenden und Produktgruppen bspw. im Bereich der High- Tech, Lasertechnik, Medizintechnik oder des Prototypenbaus herstellen, erscheinen aufgrund ihrer Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Marktanforderungen und ihrer Umweltverträg- lichkeit besonders realistisch und stadtverträg- lich. Zusätzlich könnte die Förderung von Start- Ups oder Technologiezentren im Gewerbegebiet zu Innovation und wirtschaftlichem Wachstum beitragen. Eine durchdachte Verkehrsplanung, die auf alternative Logistik- und Mobilitätssyste- me setzt, kann die Erreichbarkeit verbessern und die Verkehrsbelastung minimieren. Szenario 3 trägt dazu bei, dass die Neugestaltung der Gewerbeflächen nicht nur ökonomische Dyna- mik und Wettbewerbsfähigkeit fördert, sondern auch zu einem lebenswerten Quartier beitragen. Leitbild Szenario 3 - Innovative Impulse SZENARIEN 39 40 RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN SZENARIEN 3�5 BEWERTUNG DER SZENARIEN Die drei Szenarien wurden ausführlich im Sze- narienworkshop mit den lokalen Akteur*innen, den Vertreter*innen der Stadtverwaltung und der KölnBusiness diskutiert und hinsichtlich ihrer Eig- nung für die zukünftige Entwicklung des Liebig- Quartiers überprüft. Szenario 1 – Lebendige Impulse Die Umsetzbarkeit dieses Szenarios stellt eine große Herausforderung dar. Flächen für die Bil- dungs- und Sozialinfrastruktur sind - insbeson- dere in Form eines Bildungscampuses auf dem Schlachthofareal - über den tatsächlichen Bedarf hinaus dargestellt. Dieses Angebot würde zwar zum Ausbau des Bildungsnetzes und zur Siche- rung und Stärkung gemeinschaftlicher Angebote beitragen, würde aber die Weiterentwicklung der vorhandenen gewerblichen Nutzung erschweren. Dadurch entsteht - entgegen des übergeordneten Ziels - der Sicherstellung der gewerblich genutz- ten Flächen - ein zu starkes Ungleichgewicht zwischen nicht-kommerzieller, gemeinwohlorien- tierter Nutzung und produzierendem Gewerbe. Dennoch zeigt das Szenario auf, dass eine Stär - kung der soziokulturellen Angebote einen Mehr - wert für Anwohnende bietet und darüber hinaus auch ein Identitätsstifter sein kann, weshalb die- ser Aspekt in das räumliche Entwicklungskonzept einfließen wird. Das Szenario Lebendige Impulse setzt auf verbes- serte, quartiersinterne Durchwegungsmöglich- keiten für den Fußverkehr. Hierfür ist aus städ- tebaulicher Sicht der Durchstich der Osterather Straße ein wesentliches Element des Szenarios, um die Nord-Süd Verbindung zu stärken. Jedoch würde die neue Wegeverbindung die kritische Inf- rastruktur des ansässigen Energieversorgungs- unternehmens gefährden, weshalb eine derartige Entwicklung nicht weiter verfolgt werden sollte. Eine verbesserte Anbindung des Quartiers an den Parkgürtel ist daher im Rahmen verkehrlicher Untersuchungen zu prüfen. Eine Aufweitung des Straßenraums, wie es in Teil- bereichen entlang der Liebigstraße in Szenario 1 vorgesehen ist, hat insgesamt das Potenzial den öffentlichen Raum vor allem für den Fuß- und Radverkehr zu qualifizieren und sollte in weiteren Entwicklungen verfolgt werden. Auf den derzeit brachliegenden Flächen östlich und westlich der Geldernstraße ("Mobau" und "Molkerei") liegen in diesem Szenario Wohn- und gewerbliche Nutzungen direkt gegenüber. Dies würde zu Nutzungskonflikten führen und eine gewerbliche Entwicklung östlich der Geldernstra- ße erschweren. Dieser Ansatz sollte so nicht wei- ter geführt werden. Bei Betrachtung des Gleisdreiecks wird deutlich, dass die Ansiedlung einer vielfältigen Gewerbe- struktur eine Chance bietet, die Lebendigkeit und Belebung des Areals zu erhöhen. Hierbei ist die verkehrliche Anbindung an die Innere Kanalstra- ße vertieft zu untersuchen. Szenario 2 – Frische Impulse Die vorgeschlagene Zonierung, die das Szenario Frische Impulse auf dem Schlachthofareal auf- zeigt, ist insgesamt als positiv zu bewerten, da hier Nutzungsabstufungen von gewerblichen Mischnutzungen bis zu ausschließlich gewerblich genutzten Flächen, stattfinden. Hierdurch können Teilbereiche des Schlachthofareals über unter - schiedliche Zeiträume entwickelt werden, sodass SZENARIEN 41 der Betrieb einiger Bestandsunternehmen der Lebensmittellogistik weiterhin gewährleistet ist. Eine Logistik-Untertunnelung der Gleise bzw. eine Verbindung zwischen Schlachthofareal und Am Gleisdreieck erscheint aufgrund des hohen tech- nischen und kostenintensiven Aufwands als nicht realistisch und würde voraussichtlich keinen nennenswerten Mehrwert bieten. Eine distribu- tionsorientierte Marktstruktur, die das Szenario im Bereich Am Gleisdreieck abbildet, würde eine erhöhte Verkehrsbelastung erzeugen und mögli- cherweise auch nicht ausreichend Fläche für eine derartige Nutzung bereitstellen können, weshalb diese Nutzungsentwicklung in weiteren Schritten nicht weiter verfolgt wird. Dennoch bietet das Szenario mit der westlichen Freiraumausweitung eine Möglichkeit einer Grün- raumvernetzung an, sodass dieser Entwurfsan- satz in weiteren Entwicklungen mitaufgenommen werden sollte. Der Randbereich der RheinEnergie entlang der Wöhlerstraße bietet ein Nachverdich- tungspotenzial, bei dem das Straßenprofil wei- ter vervollständigt und qualifiziert werden kann. Anders als in Szenario 1, wird in Szenario 2 die beiden Entwicklungsflächen östlich und west- lich der Geldernstraße als ein Nutzungsbaustein verstanden und mit einem einheitlichen Konzept entwickelt. Hierdurch könnten Nutzungskonflikte vermieden werden. Szenario 3 – Innovative Impulse Auch wenn aus wirtschaftlicher Sicht die Pro- duktivität im Szenario Innovative Impuse wohl am höchsten ist, entsteht auf dem Schlachthof- areal oder den Molkereiflächen kaum Mehrwert für Anwohnende. Lediglich eine Durchwegungs- möglichkeit des Schlachthofareals, sowie Park - möglichkeiten, verbunden mit einer Mobilstation, sind zu nennen. Allerdings erscheint die Mobil- station zu weit entfernt von wichtigen Halte- punkten des ÖPNV, sodass dieser Standort nicht weiter verfolgt werden sollte. Zudem ist im Ver - lauf der Liebigstraße auf Höhe des Schlachthof- areals voraussichtlich von einem eher monotonen Erscheinungsbild der Erdgeschosszone aufgrund der großflächigen Produktionscluster, auszuge- hen. Neben den stadtverträglichen Produktions- formen sollten vor allem Übergangsbereiche zwischen Wohnen und Gewerbe oder wichtige Erdgeschosszonen zum öffentlichen Straßenraum ansprechend gestaltet werden, um einen Mehr - wert für den gesamten Stadtraum zu generieren. Eine logistische Anlieferung über das bestehen- den Schienennetz im südlichen Verlauf des Schlachthofareals erscheint sinnvoll, ist aber aufgrund der nicht vorhandenen Schienenkapa- zitäten und dem bereits weit vorangeschrittenen Ausbau des S-Bahn-Netzes nicht umsetzbar. Die Entwicklung des Gleisdreiecks zeigt in die- sem Szenario eine Entwicklung auf, die mit der Eigenheit des Standorts umgeht und das Poten- zial besitzt, emittierende Gewerbeformen mit aufzunehmen. Die Verortung des Nahversor - gungsbereichs im Gelenk zwischen Wohnen und Gewerbe, mit Bezug zum Stadteingang, hat das Potential den Standort zu einem zentralen Nah- versorgungsbereich im Sinne des Einzelhandels- und Zentrenkonzepts auszubauen und damit langfristig zu sichern. Eine Herausforderung wird sein, die vorhandenen Einzelhandelslagen nörd- lich der Liebigstraße funktional und stadträum- lich miteinander zu verbinden. Der südlich der Liebigstraße gelegene Standort erweist sich als nicht nachhaltig, da er den Bestand und Ausbau des Gewerbes beeinträchtigt. RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT 04 RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT 43 RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT 4�1 HERLEITUNG Das Räumliche Entwicklungskonzept dient als Grundlage für die zukünftige Entwicklung des Plangebiets. Es zeigt die wesentlichen räumli- chen Strukturen und Interventionen zur zukunfts- fähigen Transformation auf. In einem diskursiven Prozess wurden die unter - schiedlichen privaten und öffentlichen Belange, die anhand der drei Szenarien überprüft wurden, in dem Konzept zusammengeführt. Die untenstehende Abbildung zeigt schematisch diesen Prozess, bei dem in unterschiedlichen Beteiligungsformaten die drei Szenarien mit der Verwaltung, der Politik, und den Akteur*innen im LiebigQuartier diskutiert wurden. Der erste Entwurf des aus den Diskussionen abgeleite- ten Räumlichen Entwicklungskonzepts wurde auf der Zukunftskonferenz mit der Öffentlichkeit diskutiert (s.a. Kapitel 1.3). Auf Grundlage der Anregungen und Hinweise aus der Öffentlich- keitsveranstaltung wurde das Räumliche Entwick - lungskonzept überarbeitet. Die Umsetzung des Konzeptes wurde durch Kapitel 5 "Handlungs- empfehlungen und Kernprojekte" konkretisiert. Das Räumliche Entwicklungskonzept besteht ins- gesamt aus den Teilen: Räumliches Leitbild, Ent- wicklungskonzept und Handlungsempfehlungen. Vorgehen Herleitung Räumliches Entwicklungskonzept ENTWICKLUNG VON DREI SZENARIEN SZENARIEN WORKSHOP PROJEKTGRUPPEN SITZUNG SONDERTERMIN POLITIK LENKUNGSKREIS GEGENÜBERSTELLUNG EINZELNER BAUSTEINE ZUKUNFTS- KONFERENZ FINALISIERUNG ABLEITUNG DES RÄUMLICHEN ENTWICKLUNGSKONZEPTES 44 RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT Bei Betrachtung der Szenarien und der entspre- chenden Leitbilder fällt auf, dass in allen drei Sze- narien die Entwicklung des Schlachthofareals ein entscheidender Impulsgeber für die Entwicklung des gesamten Quartiers sein kann. Das Schlacht- hofareal erstreckt sich über einen bedeutenden Teil entlang der Liebigstraße und bietet somit einen erheblichen Mehrwert für die Entwicklung der zentralen, verbindenden Achse zwischen den Stadtteilen Ehrenfeld und Nippes. Eine aufeinander abgestimmte Entwicklung der derzeit brachliegenden Flächen östlich und west- lich der Geldernstraße ist ein weiterer zentraler Entwicklungsbaustein. Diese Entwicklung kann zu einem ähnlichen Impulsgeber werden und eine quartiersübergreifende Bedeutung gewinnen, vor allem, wenn hier ein Mehrwert für Anwohnende geschaffen wird. Die Fläche Am Gleisdreieck könnte mit einer viel- fältigen Nutzung mit dem Schwerpunkt Gewerbe dazu beitragen, den heute städtebaulich isolier - ten Bereich zu beleben. Wichtig hierbei ist es, die Anbindung und verkehrliche Erschließung vertieft zu betrachten, da die Verkehrsknotenpunkte, wel- che die Fläche an das Verkehrsnetz anschließen, bereits heute stark ausgelastet sind. Ein beson- derer Fokus sollte daher in der Entwicklung der Fläche mit einer neuen Anbindung an das ÖPNV- Netz und alternativen Mobilitätsangeboten liegen. Eine Überdeckelung der Autobahn ist für eine bessere Vernetzung der Grünstrukturen und die Erreichbarkeit des Quartiers für Fußgänger und Radfahrer nicht erforderlich. Im Verhältnis zwi- schen Aufwand und Nutzen könnte eine breite Grünverbindung, perspektivisch ergänzt durch eine Brücke für Fußgänger*innen und Radfah- rer*innen über den sog. "Spaghettiknoten", der Auffahrt Innere Kanalstraße - A57, eine bessere Option darstellen. RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT 45 4�2 LEITBILD Das räumliche Leitbild des Räumlichen Entwick - lungskonzepts zeigt die wesentlichen Strukturen und übergeordneten Zielvorstellungen des Quar - tiers auf. Es dient als abstrakte Zusammenfas- sung und Formulierung des Konzepts. Das Leitbild hebt vor allem Wegebeziehungen, die für die Durchwegbarkeit und Anbindung des Quartiers von Bedeutung sind, hervor. Zentrale Rolle nimmt dabei die Liebigstraße ein, da sie neben ihrer verbindenden Funktion, Stadtbild prägend wirksam wird. Die Liebigstraße wird defi- niert als urbane Achse mit Aufenthaltsqualitäten und einer lebendigen Erdgeschosszone. Ein zen- traler öffentlicher Platz auf Höhe des Methwegs, sowie ein kleiner Platz am Quartierseingang auf Höhe des S-Bahnhofs Nippes, bieten die Mög- lichkeit Begegnungs- und Aufenthaltsräume im öffentlichen Raum zu schaffen. Aufgrund der direkten Verbindungsfunktion zwischen Ehren- feld und Nippes, nimmt die Liebigstraße ebenfalls eine wichtige Rolle als Fuß- und Radverkehrsach- se ein. Die Nord-Süd Verbindung zwischen Blücherpark und Innerem Grüngürtel am westlichen Rand des Plangebiets ist eine bedeutende, übergreifende Wegebeziehung, die heute schon in großen Teilen besteht. Die Verbindung soll vervollständigt und hinsichtlich ihrer Aufenthaltsqualität weiterentwi- ckelt werden. Des Weiteren wird die Durchweg- barkeit durch eine Fuß- und Radverkehrsüberfüh- rung verbessert, um eine direkte Anbindung des Inneren Grüngürtels zu ermöglichen und die Bar - rierewirkung des Straßenraums zu überwinden. Eine weitere für den Fuß-und Radverkehr bedeu- tende Wegeverbindung entsteht durch einen Durchstich unter der Bahntrasse auf Höhe des Geldernparks. Hierdurch entsteht das Potenzial, die Anbindung des LiebigQuartiers für den nicht- motorisierten Individualverkehr auszubauen und eine soziale Mischung zwischen den Stadtteilen Bilderstöckchen und Nippes einzuleiten. Während sich der Ausbau der grünen Infrastruk - tur vor allem durch drei markante grüne Achsen im Leitbild hervorhebt, sind diese durch weitere, untergeordnete Grünverbindungen miteinander vernetzt. So ergibt sich ein grünes Netz aus einer primären und einer sekundären Struktur, das sich auf das Quartier legt und vorhandene, sowie neue Grünflächen miteinbezieht. Dabei müssen nicht alle Grünflächen öffentlich zugänglich oder als Wegeverbindungen dienen, sondern können die vorhandenen Barrieren für Fauna und Flora redu- zieren. Die drei grünen Achsen unterscheiden sich in ihrer Ausformulierung stark voneinander. Während die westliche Achse das größte Freiflä- chenangebot aufweist und übergeordnete Grün- räume vernetzt, bildet die östliche Achse einen grünen Saum entlang der Gleise, der nicht in allen Abschnitten öffentlich zugänglich ist. Die dritte grüne Achse, entlang der Osterather- und Escher Straße, stärkt die Nord-Süd-Verbindung zwischen Liebigstraße und Parkgürtel. 46 RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT Entlang der Gleise erstreckt sich ein Gewerbe- band, für welches das Leitbild eine Clusterung unterschiedlicher Gewerbeformen vorsieht. Wäh- rend der Bereich des Gleisdreiecks als Gewer - becampus mit einer Mischung aus Dienstleistung und Gewerbe entwickelt werden könnte, könnte das Schlachthofareal im westlichen Bereich die vorhandenen soziokulturellen Nutzungen ergän- zen, mit einem kleinen öffentlichen Platz im mitt- leren Bereich. Im östlichen Bereich entsteht ein Schwerpunkt für stadtverträgliches Gewerbe. Die bestehenden Nutzungen könnten so gesi- chert und harmonisch in die Gesamtplanung des Bereichs integriert werden. In unmittelbarer Nähe des S-Bahnhofs Köln-Nippes spannt sich der Bereich eines Nahversorgungsbereich auf. Dieses Gelenk zwischen dem gewerblichen Band auf der einen und der bestehenden Wohnnutzung auf der gegenüberliegenden Seite markiert den Eingangs- bzw. Übergangsbereich des Quartiers und bündelt zukünftig - neben den zentralen Ein- kaufsmöglichkeiten - auch weitere Dienstleistun- gen und Geschäfte des täglichen Bedarfs. Auf den ehemaligen Mobau- und Molkereiflä- chen rücken Wohn- und Gewerbenutzung stark zusammen. Das Leitbild zielt an dieser Stelle auf ein urbanes Gebiet mit der Stärkung von stadt- verträglichem Gewerbe ab. Dieses wird integriert durch die Kombination von sozialer Infrastruktur (insb. Bildung) sowie einem Ort für Kultur- und Kreativnutzung. Neben baulichen Entwicklungen und neuen Nut- zungszonierungen zeigt das Leitbild auch auf, welche Strukturen in ihrem Bestand, insbeson- dere vor heranrückenden Nutzungen zu schüt- zen sind. Dies betrifft insbesondere den Bereich der RheinEnergie, der wichtige Funktionen der Daseinsvorsorge für ganz Köln übernimmt. RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT 47 Leitbild Räumliches Entwicklungskonzept 48 RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT Zusätzlich zu den zentralen Entwurfselementen des Leitbilds enthält das Räumliche Entwick - lungskonzept räumliche Aussagen, die zu einem lebenswerten Wohn- und Arbeitsstandort bei- tragen. Diese Entwicklungen variieren in ihrem Umfang, ihren zeitlichen Umsetzungshorizonten und den wesentlichen Handlungstreibern. Die unterschiedlichen Zielrichtungen und räumlichen Setzungen lassen sich verschiedenen Handlungs- feldern zuordnen. Ausgehend von den fünf Hand- lungsfelder, die den fünf Entwicklungszielen (sie- he 3.1.1) entsprechen, werden im Folgenden die Inhalte des Räumliche Entwicklungskonzeptes erläutert. 4�3 HANDLUNGSFELDER Städtebau und Wohnen Das LiebigQuartier soll weiterhin als Wohnstand- ort mit bezahlbarem Wohnraum erhalten bleiben. Durch (städtebauliche) Aufwertungen im Quartier können jedoch auch Verdrängungsprozesse der ansässigen Wohnbevölkerung in Gang gesetzt werden. Diesen Prozessen sollen Soziale Erhal- tungssatzungen gem. § 172 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 BauGB entgegenwirken. Die Stadt Köln nutzt die- ses Instrument bereits in verschiedenen ande- ren Quartieren. Die Verwaltung hat den Auftrag, darüber hinaus Gebiete für den Einsatz dieses städtebaulichen Instrumentes vorzuschlagen. Dies erfolgt auf der Grundlage einer gesamtstäd- tischen Betrachtung, sodass das LiebigQuartier ebenfalls in diese Betrachtung einbezogen ist. Zur Umsetzung des Ziels neuer Wohnfor - men und zielgruppenspezifischer Wohnange- bote, sieht das Räumliche Entwicklungskon- zept unter anderem in den Randbereichen der RheinEnergie die Entwicklung von Werkswohnun- gen vor. Während das Werkswohnen im Bereich der Escherstraße eine reine Wohnnutzung mit hohen Grünanteilen vorsieht, beinhaltet die bauli- che Entwicklung an der Wöhlerstraße zusätzliche Büro- und Arbeitsflächen. Eine weitere Form der vielfältigen Wohnangebo- te ist das Mehrgenerationenwohnen, wie es im westlichen Teil des Schlachthofareals denkbar ist. Neben den gewerblichen und sozialen Nut- zungen ist eine kleinteilige Mischung mit Wohn- formen, vor allem im Bereich der Liebig-, aber auch der Hans-Wild-Straße, eine Möglichkeit der angrenzenden Wohnbebauung ein Gegenüber zu geben und somit die Nachbarschaft zu stärken. Bauliche Neuentwicklungen orientieren sich in ihrer Höhenentwicklung dabei an umliegenden Geschossigkeiten. Eine erhöhte Nutzungsmischung und Dichte aus Wohnen, Arbeiten und Freizeitangeboten liegt im Bereich der ehemaligen Mobau- und Molkerei- fläche (westlich der Geldernstraße) vor. Ein nicht störendes Gewerbe entlang der Geldernstraße schirmt den inneren, ruhigeren Wohnbereich von der Straße ab und bietet Platz für flexible Wohn-, Gewerbe- und Arbeitsformen. Die Wohnnutzung im blockinneren sieht einen erhöhten Grünanteil vor, um auch hier das „Wohnen im Grünen“, wie es in Bilderstöckchen in großen Teilen besteht, fortzuführen. Auch hier empfiehlt sich eine bestandsorientierte Höhenentwicklung, die sich in das städtebauliche Gesamtbild einfügt. Am nördlichen Quartierseingang, angrenzend RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT 49 WÖHLERSTRASSEWÖHLERSTRASSE ESCHER STRASSE ESCHER STRASSE HANS-WILD-STRASSEHANS-WILD-STRASSE PARKGÜRTELPARKGÜRTEL GELDERNSTRASSEGELDERNSTRASSE 50 RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT an Parkgürtel und Geldernstraße, bietet sich die Möglichkeit, einen städtebaulichen Auftakt in Form einer wohnlichen Nachverdichtung zu schaffen, um neben der Entwicklung neuen Wohn- raums, einen Quartierseingang zu gestalten. Die- ses Baufeld eignet sich als Hochpunkt um somit die Eingangssituation räumlich zu akzentuieren. Die Liebigstraße ist als zentrale Stadtachse einer städtebaulichen Aufwertung zu unterziehen, bei der auch der Abwicklung der Wirtschaftsverkehre ausreichend Bedeutung gegeben werden muss. Der Straßenraum soll durch neue Raumkanten gefasst werden und durch eine in den öffentli- chen Bereich wirkende, aktive Erdgeschosszone belebt werden. Durch einen möglichst hohen Grünanteil entlang der Straße soll zukünftig ein Beitrag zur Klimafolgenanpassung geleistet wer - den. Insgesamt definiert das Räumliche Ent- wicklungskonzept die Liebigstraße als urbane und begrünte Achse mit Qualifizierungen für den Fuß- und Radverkehr und einer attraktiven Erd- geschosszone. Wirtschaft und Versorgung Um das LiebigQuartier weiterhin als innerstäd- tischen Gewerbestandort zu sichern, ist es not- wendig, vorhandene Gewerbeflächen zu sichern bzw. zu transformieren. Dies geschieht in vier Teilbereichen, die bereits im Leitbild als gewerbli- che Impulsräume festgelegt sind. Sie unterschei- den sich in ihrer Größe, ihrer Nutzungsmischung und in ihrer Produktivität. Im südlichen Teil des Plangebiets, im Bereich Am Gleisdreieck gele- gen, könnte langfristig ein Gewerbe- und Dienst- leistungscampus entstehen, der aufgrund seiner Lage auch produzierendes bzw. Lärm emittieren- des Gewerbe aufnehmen kann, ohne Nutzungs- konflikte zu erzeugen. Der Campus enthält eine interne Freiraum- bzw. Aufenthaltsqualität mit einem erhöhten Grünanteil, um die negativen Wirkungen einer hohen Versieglung abzumildern. Ein Hochpunkt in einem der Eckpunkte des Gleis- dreiecks wäre voraussichtlich stadtraumverträg- lich. Die genaue Lage und Höhe müsste allerdings noch städtebaulich vertieft untersucht und quali- fiziert werden, hierbei ist insbesondere die ver - kehrliche Anbindung zu berücksichtigen. Für die Entwicklung im Bereich des Schlachthof- areals ist eine gewerbliche Nutzung weiterhin zu priorisieren. Im westlichen Teil sollten im Über - gang zur Wohnnutzung die vorhandenen sozio- kulturellen Nutzungen im Bestand gesichert und durch weitere Flächen ergänzt werden. Die Ziel- programmatik sieht auf dem Areal insgesamt einen urbaneren Charakter mit der Stärkung von stadtverträglichem Gewerbe vor. Das Räumliche Entwicklungskonzept schlägt eine sukzessive Ent- wicklung des Areals vor, sodass zunächst gewerb- lich genutzte Bestandsgebäude erhalten und nach Bedarf bzw. Flächenverfügbarkeit Baufelder ergänzt werden können. Zukünftige gewerbliche Entwicklungen sind auch hier mit einem hohen Grünanteil zu versehen. Östlich der Hornstraße befindet sich ein städte- baulich nicht integrierter Supermarkt, dessen Fläche als potenzielle Erweiterungsfläche für Gewerbe in Betracht gezogen werden kann. Eine weitere zentrale Entwicklung ist die Zen- trumsentwicklung inkl. Nahversorgungsbereich in direktem Umfeld des S-Bahn-Haltepunkts RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT 51 HORNSTRASSEHORNSTRASSE OSTERATHER STRASSEOSTERATHER STRASSE ESCHER STRASSEESCHER STRASSE 52 RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT Köln-Nippes. Dieser Bereich spannt sich ausge- hend vom Quartierseingang an der Liebigstraße bis zum nördlich gelegenen Supermarkt zwi- schen Osterather- und Escherstraße. Er umfasst die ansässigen Supermärkte und soll zukünftig das Versorgungsangebot mit weiteren Formen des täglichen Bedarfs ergänzen. Die räumlichen Barrieren sind durch geeignete stadträumliche Maßnahmen zu reduzieren, damit die einzelnen Nutzungen besser miteinander vernetzt werden. Neubauten sollten entsprechend räumlich inte- grativ geplant werden. Die leerstehende Laden- zeile am Parkgürtel soll auf eine Unterbringung eines kleinen Nahversorgers oder auf alternati- ven Nutzungen geprüft werden. Auf der ehemaligen Molkereifläche besteht die Herausforderung, Nutzungskonflikte mit angren- zender Wohnbebauung zu vermeiden. Durch neue Durchwegungen und kleinteiliges, stadtverträg- liches Gewerbe sowie Formen der Kreativwirt- schaft könnte dieser Stadtbaustein gut in das Quartier integriert werden. Soziales, Kultur und Bildung Innerhalb des Plangebiets befinden sich mehrere Entwicklungen, die Nutzungsangebote im Bereich Soziales, Kultur und Bildung vorsehen. Im All- gemeinen soll bürgerschaftliches Engagement gefördert und unterstützt werden. Hervorzuheben ist der westliche Teil des Schlacht- hofareals, bei dem es zunächst um die Sicherung der bereits heute vorhandenen soziokulturellen Einrichtungen geht. Zudem sollen diese Struktu- ren durch die Einbindung von unterschiedlichen (Weiter-)Bildungsangeboten, Orten des Zusam- menkommens, Kulturnutzungen und Sozialer In- frastruktur gestärkt werden. Das Räumliche Entwicklungskonzept kennzeich- net die nördlich angrenzende Fläche der Grund- schule Osterather Straße als perspektivische Schulerweiterungsfläche, sodass diese zunächst von (baulichen) Entwicklungen freigehalten wer - den sollte. Für den nördlichen Teil des Nahversorgungs- bereichs ist eine Ergänzung durch Nutzungen der sozialen Infrastruktur angedacht. Diese Angebote finden sich in Teilen auf der ehemali- gen Mobau- und Molkereifläche wieder, um dem Flächenbedarf der Pflegeinfrastruktur (Stationä- re Pflegeeinrichtung, Seniorenwohnen etc.) ent- gegenzukommen. Der Rückstand an Sport- und Freiflächen, der unter anderem durch jüngste, bauliche Nachverdichtungen in Bilderstöckchen entstanden ist, soll in zukünftigen Entwicklungen ebenfalls berücksichtigt werden. Weitere Flächen mit kleinteiligen Spiel- und Sportangeboten fin- den Platz im Gel-dernpark sowie im grünen Band, als Auftakt zum Standort des ESV Olympia. Die etablierte Kultur- und Veranstaltungsstätte "Odonien", die westlich der Hornstraße liegt, ist ein wichtiger stadtteilübergreifender Kulturstand- ort, der in seinem Bestand zu sichern ist. Das Angebot für kulturelle Nutzungen und Ver - anstaltungen könnte auch im Bereich zwischen der Straße Am Gleisdreieck und der Inneren Kanalstraße erweitert werden. Somit könnte der Gewerbecampus auch außerhalb der Werktage bzw. Betriebszeiten in Teilen genutzt werden. RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT 53 AM GLEISDREIECKAM GLEISDREIECK INNERE KANALSTRASSEINNERE KANALSTRASSE 54 RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT Mobilität und Verkehr Um die Mobilität innerhalb des LiebigQuartiers attraktiver und nachhaltiger zu gestalten, spielt der Ausbau des Fuß- und Radwegenetzes eine wichtige Rolle. Neue Wegebeziehungen wie eine direkte Verbindung zwischen Geldernpark und Nippes, eine Durchwegung des Blockinneren zwi- schen Escher- und Geldernstraße, die Fortfüh- rung des Methweg (als wichtiger Schulweg), eine nördliche Anknüpfung des Herkulesbergs sowie eine Überführung für den Fuß-und Radwegever - kehr im Bereich der Inneren Kanalstraße / A57 Auffahrt, ergänzen das bestehende Netz. Der Straßenraum soll insgesamt als Raum mit hoher Aufenthaltsqualität aufgewertet werden. Dies betrifft vor allem die Liebigstraße, die durch Aufweitungen eine neue Qualität und Fläche für Rad- und Fußverkehr, straßenbegleitende Begrü- nung und öffentliche Platzbereiche erhält. Die Wirtschaftsverkehre müssen dabei Berücksichti- gung finden. Das Radwegenetz sieht auf Hauptverkehrsach- sen eine vom MIV getrennte Verkehrsführung vor, während auf den restlichen Straßen das Radfah- ren im Mischverkehr vorgesehen ist. Hervorzuhe- ben ist auch das Ziel von fuß- und radverkehrs- freundlicher Umgestaltung unübersichtlicher Knotenpunkte, wie dem Kreuzungsbereich Lie- big-, Escher- und Lämmerstraße oder auch dem Anschluss zwischen Horn- und Innerer Kanalstra- ße. Darüber hinaus ist auch die Ausbildung einer begrünten Fahrradstraße entlang der Wöhler - straße eine Möglichkeit, um quartiersintern eine verkehrsberuhigtere Alternative zur Liebigstra- ße zu schaffen. Eine weitere Maßnahme ist die Verlängerung des Methwegs bis zur Osterather Straße. Der Ausbau als begrünte Wegeführung mit Anschluss an die Osterather Straße kann das Durchwegungsangebot im Sinne kurzer Wege stärken. Um einen Teil des ruhenden Verkehrs innerhalb des Quartiers stadtverträglicher zu organisieren, ist eine Kombination aus einer Quartiersgarage und einer Mobilstation ("Mobility-Hub") am Stadt- eingang Nippes verortet. Weitere Mobilitäts- angebote finden sich an Quartiersrändern und öffentlichen Plätzen wieder. Die Angebote des Mobility-Sharings, welche die gemeinschaftliche Nutzung von Fortbewegungsmitteln wie Autos, Fahrrädern oder E-Scooter umfassen, sollten flächendeckend im Plangebiet angeboten wer - den. Es sind die Maßgaben in Abhängigkeit zum Beschluss "Raumbuch Mobilstation" (Vorlage 0910/2024 ) zu berücksichtigen. Wirtschaftsverkehre, die das Schlachthofareal bedienen, erfolgen aktuell über eine zentrale Ein- fahrt an der Liebigstraße. Eine parallel zur Liebig- straße verlaufende Logistikachse, die das Areal mittig teilt, ist im Räumlichen Entwicklungskon- zept vorgesehen. Diese Achse könnte Logistik - verkehre von der Hornstraße aus aufnehmen und somit in Teilen die Liebigstraße entlasten. Das Räumliche Entwicklungskonzept schlägt für die- sen Bereich eine Sicherung vor, falls bestehende bauliche Nutzungen aufgegeben werden. Die Aufgabenstellung des Räumlichen Entwick - lungskonzepts LiebigQuartier beinhaltete kein verkehrsplanerisches Gesamtkonzept. Zur Errei- chung der inhaltlichen Ziele ist die verkehrsver - trägliche Entwicklung eine Grundvoraussetzung. Neue Projekte müssen verträglich in das vor - RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT 55 METHWEGMETHWEG WÖHLER STRASSEWÖHLER STRASSE GELDERNSTRASSEGELDERNSTRASSE AM GLEISDREIECKAM GLEISDREIECK INNERE KANALSTRASSE INNERE KANALSTRASSE ESCHER STRASSEESCHER STRASSE LÄMMERSTRASSE LÄMMERSTRASSE HORNSTRASSEHORNSTRASSE 56 RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT handene Verkehrssystem durch die Vorhabenträ- ger*innen eingebunden werden. Grün und Klima Für die Vervollständigung der Grünraumvernet- zung setzt das Räumliche Entwicklungskonzept vor allem an Defizitbereichen, an denen der Ver - siegelungsgrad überwiegt, an. Dazu zählen Stra- ßenräume und Kreuzungsbereiche der Liebig-, aber auch der Escher- und Wöhlerstraße, für die eine Neugestaltung und Neubepflanzung vorge- schlagen wird, um das Mikroklima zu verbessern und die Versickerungsmöglichkeiten im Quartier zu erhöhen. Für den nördlichen Teil der Escher Straße schlägt das Räumliche Entwicklungskonzept eine Auf- weitung des Straßenprofils zugunsten von neu- en Grünstrukturen und einer Grünvernetzung in Richtung Blücherpark vor. So können grüne Pufferzonen zwischen westlich angrenzenden Gewerbebetrieben und klimatisch optimierte Auf- enthaltsqualitäten entstehen. Für die Entwicklung der ehemaligen Mobau- und Molkereiflächen zeigt das Räumliche Entwick - lungskonzept die Möglichkeit einer Fußwegever - bindung durch das grüne Blockinnere auf. So könnte eine weitere Durchwegungsmöglichkeit dem Ziel der kurzen Wege und dem Ausbau eines grünen Netzes näher kommen. Eine zentrale grüne Achse bildet das „grüne Band“ welches sich entlang der Gleise erstreckt. Dieses Band beginnt im Norden unterhalb des Parkgürtels mit einer Qualifizierung der bereits vorhandenen Grünstrukturen, um einen natur - nahen Auftakt zum Quartier zu schaffen. Ausge- hend vom Geldernpark erstreckt sich in südliche Richtung entlang der Bahntrassen Böschungs- struktur, die den stark versiegelten Bereich des Molkerei-Geländes einfasst. Langfristig könnte der Grünraum sich, der Lämmerstraße folgend, über den südlichen Randbereich des Schlachthof- areals ziehen, um auch hier Grünstrukturen auf den stark versiegelten Bereichen auszuweiten. Denkbar ist es, dass sich eine Wegeführung auf Höhe der Gleistrasse befindet, die einen Ausblick über das Schlachthofareal ermöglicht. Falls eine derartige Wegeführung entwickelt werden soll, ist im Rahmen der Gestaltung zu vermeiden, dass hier Angsträume entstehen. Innerhalb des grünen Bands, im Bereich der Lämmerstraße, sind neben den neuen Fußwegen auch Sport- und Freizeitan- gebote denkbar, um diese Freiflächen aktiver zu gestalten. Das Räumliche Entwicklungskonzept sieht eine Entsiegelung im westlichen Randbereich vor, um die Freiraumvernetzung zwischen Blücherpark und Innerem Grüngürtel zu vervollständigen. Dies stellt vor dem Hintergrund einer Kosten-Nutzen- Betrachtung eine Alternative zur aufwändigen Überdeckelung der A57 dar. Zudem können ein- zelne bauliche Entwicklungen mit erhöhten Grün- anteilen und klimaoptimierter Bauweise einen positiven Beitrag zum Mikroklima leisten. RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT 57 ESCHER STRASSEESCHER STRASSE WÖHLERSTRASSE WÖHLERSTRASSE LÄMMERSTRASSE LÄMMERSTRASSE 58 RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT 4�4 RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT 59 60 RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT 4�5 VERTIEFUNGSBEREICH LIEBIGSTRASSE Das Räumliche Entwicklungskonzept zeigt, dass die Schwerpunktbereiche der Entwicklung das Potenzial bieten, den zukünftigen Charakter des LiebigQuartiers neu zu gestalten. Das Konzept enthält eine Bandbreite an Projekten unter - schiedlicher Maßstäbe, um das Quartier neu zu strukturieren und auszurichten. Einige dieser Pro- jekte besitzen aufgrund ihres hohen Mehrwerts für Anwohnende - bspw. durch eine neue Erleb- barkeit des Quartiers, eine positive Auswirkung auf das Mikroklima oder ein erweitertes Nut- zungsangebot - eine besonders hohe Priorität für die räumliche Neuordnung des LiebigQuartiers. Diese Projekte werden im Räumlichen Entwick - lungskonzept als Kernprojekte definiert. Eines der Kernprojekte ist die Umgestaltung der Liebigstraße, bei dem vor allem die fuß- und rad- verkehrsfreundliche Umgestaltung unter Berück - sichtigung der Wirtschaftsverkehre fokussiert wird. Insgesamt soll dabei die Liebigstraße auch als öffentlicher Raum qualifiziert werden. Die Liebigstraße ist ein raumprägendes Element für das gesamte Plangebiet. Sie wickelt wichtige Andienungsverkehre angrenzender Unternehmen ab und stellt darüber hinaus eine direkte Verbin- dungsachse zwischen Ehrenfeld und Nippes dar, weshalb die Straße zu Stoßzeiten auch besonders durch Fußgänger*innen und Radfahrer*innen fre- quentiert ist. Das Straßenbild wird aktuell zu einem großen Teil von ruhendem Verkehr und einem hohen Versie- gelungsgrad geprägt, während begrünende Ele- Liebigstraße heute RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT 61 mente entlang der Straße nur auf privaten Grund- stücken zu finden sind. Zudem weisen nur wenige der anliegenden Gebäude städtebauliche Quali- täten auf, während große brachliegende Flächen die Attraktivität der Umgebung beeinträchtigen. Im Bestand erscheint die Straße vornehmlich für den motorisierten Individualverkehr ausgelegt, was sich durch breite Fahrbahnen und schmale Fuß- und Radwege äußert. Bei der Neugestaltung der Liebigstraße wird eine umfassende Planung angestrebt, die sowohl ver - kehrstechnische als auch städtebauliche Aspekte berücksichtigt. Ein zentraler Schwerpunkt liegt dabei auf der Schaffung großzügiger, klar struk - turierter und sicherer Fußwege, die deutlich von der Radinfrastruktur getrennt sind, sodass für beide Nutzer*innengruppen eine möglichst sichere Teilnahme am Verkehr gewährleistet ist. Um den Raum vom Autoverkehr und dem ruhen- den Verkehr zu entlasten, werden Straßenbe- reiche neugestaltet und zugunsten anderer Ver - kehrsteilnehmer*innen umverteilt. Insbesondere die Implementierung von breiten Fahrradspuren nach dem Segregationsprinzip auf beiden Seiten der Straße trägt dazu bei, dass der Radverkehr sicherer und attraktiver gestaltet wird. Die Entwicklung des öffentlichen Quartiersplat- zes auf dem Schlachthofareal soll als Treffpunkt für die Gemeinschaft dienen. Dieser Platz bietet Raum für gastronomische Angebote zur Förde- rung der sozialen Interaktion sowie eine Mobil- station, um die Anbindung und auch das Mobili- tätsangebot insgesamt zu verbessern. Um diesen öffentlichen Platz bereits auf der Liebigstraße anzukündigen, können mittels einer gesonderten Oberflächengestaltung und Entwicklungsmöglichkeit Liebigstraße 62 RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT Liebigstraße 35m 15m Liebigstraße SCHNITT - A Verortung der Straßenschnitte zusätzlichen Grünelementen im Straßenraum, fußgängerfreundliche Querungsmöglichkeiten geschaffen werden, die gleichzeitig als eine Art Temposchwelle für den MIV fungieren. Die Liebigstraße besitzt innerhalbt des Plange- biets auf über 800 Metern Länge verschiedene Abschnitte, die unterschiedlichste Straßenquer - schnitte aufweisen. Zur exemplarischen Verdeutlichung einer Flä- chenneuaufteilung im Straßenraum wurden zwei Querschnitte der Liebigstraße gewählt. Darunter fällt der breiteste Abschnitt mit rund 35 Metern im westlichen Teil der Liebigstraße, sowie ein besonders enger Abschnitt mit ca. 15 Metern im östlichen Bereich. Die Bestandssituation zeigt, dass gerade der Fußweg bei einer geringeren Gesamtfläche besonders schmal ausfällt und mit Radwegen zusammengelegt wurde, während Flä- chen für den MIV und ruhenden Verkehr weiter - hin bestehen bleiben. Zudem weisen beide Quer - schnitte keine Flächen für Verschattungen oder Versickerungsmöglichkeiten durch begrünende SCHNITT - B RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT 63 SCHNITT A - Bestand SCHNITT B - Bestand SCHNITT B - Entwicklungsmöglichkeit SCHNITT A - Entwicklungsmöglichkeit Elemente auf. Dadurch sind die Straßenprofile besonders anfällig bei Extremwetterereignissen, sodass bei einer Umgestaltung der Liebigstraße das Entwicklungsziel der Förderung von Straßen- grün eine zentrale Rolle einnehmen sollte. Die nebenstehenden Konzeptschnitte zeigen exemplarisch mit welchen Flächenneuverteilun- gen die Straßenquerschnitte attraktiver für den Rad- und Fußverkehr gestaltet werden können und Klimaanpassungsmaßnahmen im Straßen- raum aussehen können. HANDLUNGS- EMPFEHLUNGEN UND KERNPROJEKTE 05 HANDLUNGS-EMPFEHLUNGEN UND KERNPROJEKTE 65 HANDLUNGSEMPFEHLUN- GEN UND KERNPROJEKTE Zum Erreichen der formulierten Entwicklungsziele für das LiebigQuartier und zur Realisierung der im Räumlichen Entwicklungskonzept skizzierten Flä- chennutzungen und Erschließungsstrukturen sind viele mehrdimensionale Maßnahmen notwendig. Der überwiegende Teil der erforderlichen Maß- nahmen betrifft private Flächen, die aber nur im kooperativen Verfahren zwischen privatem Enga- gement und öffentlicher Planungshoheit entwi- ckelt werden können. Wichtig ist dabei zu erken- nen, dass alle räumlichen Neuordnungen – egal ob im öffentlichen Raum oder auf privater Fläche – einen wesentlichen Beitrag zur gemeinwohl- orientierten und klimaschützenden Quartiersent- wicklung zu leisten haben. Nur die Durchlässig- keit von Flächen schafft eine neue Erlebbarkeit des LiebigQuartiers, eine positive Auswirkung auf das Mikroklima und ein erweitertes Nutzungsan- gebot für die Bewohnerschaft. Als wesentliche Handlungsempfehlungen werden folgende sieben Kernprojekte, die für die Zieler - reichung und die Entwicklung des LiebigQuartiers als unverzichtbar eingeschätzt werden, in Form von Steckbriefen kurz beschrieben. 1. Umgestaltung der Liebigstraße 2. Transformation Schlachthofareal 3. Transformation Molkereifläche und Umge- bung 4. Entwicklung Nahversorgungsbereich 5. Entwicklung Mobilstation am S-Bahnhof Nip- pes 6. Transformation Am Gleisdreick 7. Entwicklung Grünverbindung vom Inneren Grüngürtel zum Blücherpark Jeder Steckbrief enthält eine Gebietskarte, in der die Maßnahme räumlich verortet ist. Für jedes Kernprojekt sind die handlungsfeldbezogenen Entwicklungsziele (s. Kapitel 3.1.1) genannt und farblich den folgenden Handlungsfeldern zuge- ordnet: Des Weiteren sind die Akteure genannt, welche die Entwicklung maßgeblich voranbringen. Städtebau und Wohnen Wirtschaft und Versorgung Soziales, Kultur und Bildung Mobilität und Verkehr Grün und Klima 66 RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN HANDLUNGS-EMPFEHLUNGEN UND KERNPROJEKTE Transformation Schlachthofareal 02 NUTZUNG: Mischnutzung (Gewer - be, Wohnen, Kultur) FEDERFÜHRUNG: Stadt Köln BETEILIGTE: Private ENTWICKLUNGSZIELE: - Wirtschaftsstandort sichern / Arbeitsplätze erhalten, neu schaffen - Flächen mehrfach nutzen (Multicodierung) / Gewerbe stapeln - Kleinteiliges, stadtverträgliches Gewerbe - Urbane (Lebensmittel-) Produktion fördern - Räume für Kulturnutzungen finden - Räume für (Weiter-)Bildung und Integration sichern und ausbauen - Neue Wohnformen und zielgruppenspezifische Wohnangebote fördern - Straßen- und Gebäudegrün fördern / Hitzeinseln vermeiden - Klimagerechte Transformation des Quartiers HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN: - Dialog mit Flächeneigentümer*innen führen - Erarbeitung einer städtebaulichen Planung, internen Erschließung und Freiraumplanung (als Grundlage für fol- gende Bebauungsplanverfahren) - Erarbeitung einer verkehrlichen Einbindung in das vorhandene Verkehrssystem - Durchführung eines Qualifizierungsverfahrens, vozugsweise 2-phasig und kooperativ - Prüfung der Anwendung des Besonderen Städtebaurechts für den Bereich und Schaffung von Planungsrecht PRIORITÄT: Hoch Umgestaltung der Liebigstraße 01 NUTZUNG: Verkehrsplanung, öffentlicher Raum FEDERFÜHRUNG: Stadt Köln BETEILIGTE: Private ENTWICKLUNGSZIELE: - Zentrale Stadtachse städtebaulich aufwerten - Straßenraum neu strukturieren und als öffentlichen Raum mit hoher Aufenthaltsqualität aufwerten - Fuß- und Radwegenetz ausbauen und verbessern - Ruhenden Verkehr stadtverträglich organisieren und reduzieren - Logistik-/Wirtschaftsverkehre stadtverträglich abwickeln - Straßen- und Gebäudegrün fördern / Hitzeinseln vermeiden - Klimagerechte Transformation des Quartiers PRIORITÄT: Hoch HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN: - Erarbeitung eines gestalterischen und verkehrsplanerischen Gesamtkonzeptes inkl. Machbarkeitsstudie für das LiebigQuartier. Es sind alle Verkehre inkl. Logistikverkehre zu berücksichtigen - Umgestaltung und -umbau der Liebigstraße unter Berücksichtigung der Entwicklung des Schlachthofareals HANDLUNGS-EMPFEHLUNGEN UND KERNPROJEKTE 67 Transformation Molkereifläche und Umgebung 03 NUTZUNG: Wohngebietsentwi- cklung,Gewerbeentwi- cklung FEDERFÜHRUNG: Private BETEILIGTE: Stadt Köln ENTWICKLUNGSZIELE: Insgesamt - Wirtschaftsstandort sichern / Arbeitsplätze erhalten, neu schaffen - Flächen mehrfach nutzen (Multicodierung) / Gewerbe stapeln - Kleinteiliges, stadtverträgliches Gewerbe - Urbane (Lebensmittel-) Produktion fördern - Zentrale Stadtachsen städtebaulich aufwerten (Raumkanten, Nutzungen) - Straßen- und Gebäudegrün fördern / Hitzeinseln vermeiden - Klimagerechte Transformation des Quartiers Westliche Molkereifläche und ehem. Baufachmarktgelände - Nutzungsmischung und Nutzungsdichte mit Wohnen und Arbeiten - Bezahlbaren Wohnraum erhalten und schaffen HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN: - Erarbeitung einer verkehrlichen Einbindung in das vorhandene Verkehrssystem Östliche Molkereifläche - Dialog mit Flächeneigentümer*innen führen - Durchführung eines städtebaulichen Qualifizierungsverfahrens - Prüfung der Anwendung des Besonderen Städtebaurechts für den Bereich - Prüfung der Schaffung von Planungsrecht - Dialog und Einbindung nachbarschaftlicher Initiativen Westliche Molkereifläche und ehem. Baufachmarktgelände - Dialog mit Flächeneigentümer*innen führen - Durchführung eines städtebaulichen Qualifizierungsverfahrens mit den Eigentümer*innen - Prüfung der Anwendung des Besonderen Städtebaurechts für den Bereich - Prüfung der Schaffung von Planungsrecht PRIORITÄT: Hoch 68 RÄUMLICHES ENTWICKLUNGSKONZEPT LIEBIGQUARTIER KÖLN HANDLUNGS-EMPFEHLUNGEN UND KERNPROJEKTE Entwicklung Nahversorgungsbereich 04 NUTZUNG: Nahversorgung, Wohngebietsentwicklung FEDERFÜHRUNG: Private, Stadt Köln BETEILIGTE: Private ENTWICKLUNGSZIELE: - Flächen mehrfach nutzen (Multicodierung) - Nahversorgungszentrum definieren - Nutzungsmischung und Nutzungsdichte mit Wohnen und Arbeiten erproben - Neue Wohnformen und zielgruppenspezifische Wohnangebote fördern - Den ruhenden Verkehr stadtverträglich organisieren und reduzieren - Klimagerechte Transformation des Quartiers HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN: - Prüfung der Verankerung im Einzelhandels- und Zentrenkonzept Köln (EHZK) - Entwicklung eines städtebaulichen Konzepts für den gesamten Nahversorgungsbereich - Erarbeitung einer verkehrlichen Einbindung in das vorhandene Verkehrssystem - Erarbeitung eines innovativen Mobilitätskonzeptes (z.B. Veedel-Garage, Mobilstation) - Effiziente Nutzung der untergenutzten Flächen (Überbauung bzw. Aufstockung heutiger eingeschossiger Gebäude und Parkplatzflächen) - Prüfung der Anwendung des Besonderen Städtebaurechts für den Bereich - Prüfung der Schaffung von Planungsrecht PRIORITÄT: Hoch Entwicklung Mobilstation am S-Bahnhof Nippes 05 NUTZUNG: Verkehrsplanung FEDERFÜHRUNG: Stadt Köln BETEILIGTE: Private ENTWICKLUNGSZIELE: - Den ruhenden Verkehr stadtverträglich organisieren und reduzieren - Logistik stadtverträglich abwickeln - Klimagerechte Transformation des Quartiers HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN: - Durchführung von Eigentümer*innengesprächen und Dialogen zur Grundlagenklärung - Erstellung einer Machbarkeitsstudie zur Evaluierung des Vorhabens - Prüfung der verkehrlichen Funktionsfähigkeit für eine Mobilstation - Initiieren von Gesprächen mit potenziellen Betreiber*innen und Entwicklung eines Betriebsmodells - Erarbeitung eines umfassenden Konzepts für die Logistikmobilität im Quartier - Prüfung von notwendigen Standorten für die letzte Logistikmeile im Quartier - Entwicklung einer stadtgestalterisch verträglichen Mobilstation PRIORITÄT: Mittel - Hoch HANDLUNGS-EMPFEHLUNGEN UND KERNPROJEKTE 69 Entwicklung Grünverbindung vom Inneren Grüngürtel zum Blücherpark 07 NUTZUNG: Verkehrsplanung, Freiraumplanung FEDERFÜHRUNG: Stadt Köln BETEILIGTE: Private ENTWICKLUNGSZIELE: - Grünraumvernetzung vervollständigen und Zugänglichkeit / Anbindung sicherstellen - Hitzeinseln vermeiden - Versickerungs- und Auffangmöglichkeiten für Starkregenereignisse verbessern / (Teil-)Entsiegelung fördern - Klimagerechte Transformation des Quartiers HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN: - Durchführung einer Machbarkeitsstudie inklusive Kostenschätzung für die Fuß- und Radwegebrücke - Flächensicherung für eine Grünverbindung - Errichtung einer Fuß- und Radwegebrücke zwischen Innerer Grüngürtel und Herkulesstr. PRIORITÄT: hoch Transformation Am Gleisdreieck 06 NUTZUNG: Gewerbeentwicklung, Kultur und Freiraum FEDERFÜHRUNG: Stadt Köln, Private, Land NRW BETEILIGTE: Private ENTWICKLUNGSZIELE: - Wirtschaftsstandort sichern / Arbeitsplätze erhalten und neu schaffen - Flächen mehrfach nutzen (Multicodierung) / Gewerbe stapeln - Räume für Kulturnutzungen finden - Fuß- und Radwegenetz ausbauen und verbessern - Klimagerechte Transformation des Quartiers - Grünraumvernetzung vervollständigen und Zugänglichkeit / Anbindung sicherstellen HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN: - Durchführung von Eigentümer*innengesprächen - Prüfung der Anwendung des Besonderen Städtebaurechts für den Bereich - Prüfung der Schaffung von Planungsrecht - Durchführung eines städtebaulichen Qualifizierungsverfahrens mit den Eigentümer*innen inkl. Prüfung der Umsetzbarkeit einer höheren Bebauung (unter Berücksichtung des aktuell noch in Erarbeitung befindlichen "Höhenentwicklungskonzept Innere Stadt") - Entwicklung eines grünen qualitätsvollen Korridors als Teil der Grünraumvernetzung Richtung Innerer Grüngürtel - Erarbeitung einer verkehrlichen Einbindung in das vorhandene Verkehrssystem PRIORITÄT: Mittel -
Beschlussvorlage Ausschuss
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Dezernat, Dienststelle IX/151/2 Vorlagen-Nummer 2088/2024 Freigabedatum Beschlussvorlage zur Behandlung in öffentlicher Sitzung Betreff Beschluss des Räumlichen Entwicklungskonzepts für das LiebigQuartier Beschlussorgan Stadtentwicklungsausschuss Gremium Datum I Beschlussvorschlag der Verwaltung: Der Stadtentwicklungsausschuss 1. nimmt das Räumliche Entwicklungskonzept für das LiebigQuartier zur Kenntnis; 2. beschließt das Räumliche Entwicklungskonzept LiebigQuartier (Anlage 1) als Grund- lage für weitere Entwicklungen innerhalb des Plangebietes; 3. beauftragt die Verwaltung nächste Schritte zur Umsetzung der sieben Kernprojekte zu erarbeiten und die Umsetzu ngsprozesse aktiv zu begleiten. 4. beauftragt die Verwaltung, die Politik jährlich über den aktuellen Entwicklungs -stand der sieben Kernprojekte zu informieren. Mündlicher Änderungsantrag vom SE Bucher (SPD): II Beschlussvorschlag: Der Stadtentwicklungausschuss schließt sich der Beschlussfassung der Bezirksvertretung Ehrenfeld vom 04.11.2024 an. Abstimmungsergebnis: Mehrheitlich bei keiner Enthaltung gegen die Stimmen der SPD -Fraktion und der Frak- tion DIE LINKE abgelehnt. Bezirksvertretung 4 (Ehrenfeld) 04.11.2024 Bezirksvertretung 5 (Nippes) 19.09.2024 Wirtschaftsausschuss 10.10.2024 Stadtentwicklungsausschuss 07.11.2024 2 Gemeinsamer Änderungsantrag, bzw. Ergänzungsantrag der Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen, der CDU und der Fraktion VOLT (AN/1526/2024) III Beschlussvorschlag: Der Stadtentwicklungsausschuss beschließt ergänzend: 5. Der Grünraum im Quartier muss deutlich erhöht we rden. a) Die auf Seite 22 beschriebene Verbindung zwischen Blücherpark und Innerem Grün- gürtel muss fester Bestandteil der Planung werden. Die Verwaltung soll beauftragt wer- den, sicherzustellen, dass diese Grünverbindung auch umgesetzt werden kann. b) Auch bei Vorhaben, für die kein Bebauungsplan erforderlich ist, sollen Grünflächen festgelegt werden, z.B. durch städtebauliche Verträge. 6. Die Verwaltung wird aufgefordert, ein geeignetes Format vorzuschlagen, mit dem die Information und die Beteiligung vo n Politik, Öffentlichkeit, Anliegenden, Stakeholdern und Eigentümer*innen gewährleistet wird. 7. Die Verwaltung wird beauftragt, eine Vorkaufsrechtssatzung nach § 25 Absatz 1 Satz 1 Nr. 2 BauGB für das LiebigQuartier zur Sicherung strategisch wichtiger Gr undstücke für eine nachhaltige und sozial gerechte Quartiersentwicklung zu prüfen und im gesamten Gebiet eine aktive Grundstückpolitik zu betreiben. 8. Die Interessen der RheinEnergie und der Bedarf des Gewerbes sind zu berücksichti- gen. Abstimmungsergebnis: Einstimmig zugestimmt. IV Beschluss über den geänderten Beschlussvorschlag ( Ergänzungen fett): Der Stadtentwicklungsausschuss 1. nimmt das Räumliche Entwicklungskonzept für das LiebigQuartier zur Kenntnis; 2. beschließt das Räumliche Entwicklungs konzept LiebigQuartier (Anlage 1) als Grund- lage für weitere Entwicklungen innerhalb des Plangebietes; 3. beauftragt die Verwaltung nächste Schritte zur Umsetzung der sieben Kernprojekte zu erarbeiten und die Umsetzungsprozesse aktiv zu begleiten. 4. beauftragt die Verwaltung, die Politik jährlich über den aktuellen Entwicklungsstand der sieben Kernprojekte zu informieren. 5. Der Grünraum im Quartier muss deutlich erhöht werden. a) Die auf Seite 22 beschriebene Verbindung zwischen Blücherpark und Innerem Grüngürtel muss fester Bestandteil der Planung werden. Die Verwaltung soll beauf- tragt werden, sicherzustellen, dass diese Grün -verbindung auch umgesetzt werden kann. b) Auch bei Vorhaben, für die kein Bebauungsplan erforderlich ist, sollen Grünflä- chen festgelegt werden, z.B. durch städtebauliche Verträge. 6. Die Verwaltung wird aufgefordert, ein geeignetes Format vorzuschlagen, mit dem die Information und die Beteiligung von Poli tik, Öffentlichkeit, Anliegenden, Stake- holdern und Eigentümer*innen gewährleistet wird. 7. Die Verwaltung wird beauftragt, eine Vorkaufsrechtssatzung nach § 25 Absatz 1 Satz 1 Nr. 2 BauGB für das LiebigQuartier zur Sicherung strategisch wichtiger Grundstücke für eine nachhaltige und sozial gerechte Quartiersentwicklung zu prü- fen und im gesamten Gebiet eine aktive Grundstückpolitik zu betreiben. 8. Die Interessen der RheinEnergie und der Bedarf des Gewerbes sind zu berück- sichtigen. 3 Abstimmungsergebnis üb er den so geänderten Beschlussvorschlag: Einstimmig zugestimmt. 4 Haushaltsmäßige Auswirkungen Nein Auswirkungen auf den Klimaschutz Nein Ja, positiv (Erläuterung siehe Begründung) Ja, negativ (Erläuterung siehe Begründung) Begründung: Mit Beschluss des Stadtentwicklungsausschusses „Weiteres Vorgehen zum Projekt Räumli- ches Entwicklungskonzept Liebigquartier“ vom 02.06.2022 wurde die Verwaltung beauftragt ein räumliches Entwicklungskonzept für das LiebigQuartier zu erarbeiten (in Anlehnung an den Auftrag AN/0985/2018 des Stadtentwicklungsausschusses vom 28.06.2018). Das „Räumliche Entwicklungskonzept LiebigQuartier“ (REK LiebigQuartier) soll hiernach die aktuell ungeordnete städtebauliche Situation strukturieren und neu ordnen. Es sind zukünftige Flächen für gewerbliche Nutzungen, Wohnen, Grün sowie die soziale Infrastruktur zu identifi- zieren und ggf. neu festzulegen. Dabei sollen Aussagen über eine angemessene Höhenent- wicklung und optimale Flächenausnutzung (Verdichtungsmöglichkeiten) getroffen werden. Weiterhin soll ein besonderes Augenmerk auf die Gestaltung der öffentlichen Räume gelegt werden, hier insbesondere der Liebigstraße als zentrale Verbindungsachse zwischen Ehren- feld und Nippes. Bei der Konzepterstellung soll das Thema Klimaschutz von Beginn an inte- griert werden. Allgemeine Ziele von Klimaschutzmaßnahmen in der integrierten Stadtentwick- lung sind u.a. die Verringerung von Umweltbelastungen, die Berücksichtigung stadtklimati- scher Aspekte und die Verbesserung der Energieeffizienz. Bei der Erarbeitung des Räumli- chen Entwicklungskonzeptes Liebigquartier soll dies insbesondere berücksichtigt werden. Endbericht „Räumliches Entwicklungskonzept LiebigQuartier“ (Anlage 1) Das Amt für Stadtentwicklung und Statistik hat als externe Begleitung des Prozesses im Mai 2023 das Büro Reicher Haase Assoziierte, Dortmund, für die inhaltliche Projektleitung und verantwortlich für die planerische Umsetzung, Begründung und Visualisierung und das Büro Stadtraumkonzept, Dortmund, für die Koordination des Gesamtprozesses und verantwortlich für die Beteiligungs- und Dialogformate, beauftragt. Anschließend startete der rund zwölf-mo- natige Prozess zur Erarbeitung des REK LiebigQuartier. Der vorliegende Endbericht fasst die wichtigsten Ergebnisse dieses Prozesses zusammen und bildet mit dem Plan des REK und den als Ausblick definierten sieben Kernprojekten und deren Handlungsempfehlungen eine Grundlage, um die zukünftige Entwicklung des Liebig- Quartiers hin zu einem nachhaltigen und identitätsstiftenden Wohn-, Arbeits- und Freizeit- standort zu steuern. Im Prozess wurden nach einer ausführlichen Raumanalyse des LiebigQuartiers unterschiedli- che Zielrichtungen und räumliche Setzungen im REK bezogen auf folgende Handlungsfelder erarbeitet: Städtebau und Wohnen, Wirtschaft und Versorgung, Soziales, Kultur und Bildung, Mobilität und Verkehr, Grün und Klima. Dabei wurde sich über drei unterschiedliche Impulssze- narien hin zu einem finalen REK angenähert Berücksichtigung fanden gleichermaßen aktuelle Entwicklungstrends der Stadtentwicklung und die Historie des Gebiets. Das finale REK bildet die Grundlage für die zukünftige Entwicklung des LiebigQuartiers. Es soll das Quartier in seiner Funktion als Wohn- und Arbeitsstandort sichern und stärken und gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zur Klimaneutralität 2035 liefern. Um das Quartier zu- kunftssicher zu entwickeln sind Klimaschutz- und Klimawandelanpassungsmaßnahmen grundlegend in die Planung zu integrieren. 5 Ebenso ist es wichtig, dass die Wohn- und Gewerbeverkehre reduziert werden und damit ver- kehrlich abbildbar sind. Die Liebigstraße bleibt – wie bereits heute – eine wichtige urbane Achse mit Verbindungsfunktion, die insbesondere in ihrer Aufenthaltsqualität gestärkt werden soll. Hierzu sollen lebendige Erdgeschossbereiche sowie öffentliche Plätze entlang der Liebig- straße geschaffen werden, die Begegnungs- und Aufenthaltsräume bieten. Zudem soll der Straßenraum zugunsten des Fuß- und Radverkehrs umverteilt werden und Kreuzungspunkte umgestaltet werden. In Kombination mit dem S-Bahnhof Nippes, welcher an das Ende der Lie- bigstraße anknüpft, ist die Errichtung einer Mobilstation vorgesehen, um den Umweltverbund zu stärken. Im südlichen Bereich des Quartiers soll durch eine Fuß- und Radverkehrsüberführung die di- rekte Anbindung an den Inneren Grüngürtel geschaffen und dadurch die direkte Fuß- und Radverkehrsverbindung bis hin zum Blücherpark vervollständigt werden. Das bestehende Gewerbeband entlang der Gleise – vom ehemaligen Schlachthof bis zur ehe- maligen Molkereifläche südlich des Geldernparks – soll auch in Zukunft für gewerbliche Nut- zungen vorbehalten werden. Das REK sieht für diese Bereiche verschiedene innovative, stadtverträgliche Gewerbeformen mit Nutzungsmischung vor, die durch weitere nicht-gewerb- liche Nutzungen ergänzt werden: Für das Schlachthofareal empfiehlt das REK die vorhande- nen soziokulturellen Nutzungen durch die Schaffung eines zentralen öffentlichen Platzes in Verbindung mit Gastronomie oder Kultureinrichtungen zu ergänzen. Im Bereich des ehemali- gen Baumarkts und der ehemaligen Molkereifläche liegt der Fokus dagegen auf stadtverträgli- chem Gewerbe und der Kombination von sozialer Infrastruktur mit Kultur- und Kreativnutzung. Hier ist es besonders wichtig, einen verträglichen Übergang zwischen Gewerbe und Wohnen zu schaffen. Im Bereich ‚Am Gleisdreieck‘ bietet sich entsprechend des REKs ein Gewerbecampus mit ei- ner Mischung aus Dienstleistung und Gewerbe an. Um die Nahversorgung im Plangebiet auch in Zukunft sicherstellen zu können, soll ein Nah- versorgungsbereich in unmittelbarer Nähe des S-Bahnhof Köln-Nippes aufgespannt werden. Dieser bildet ein Gelenk zwischen dem Gewerbeband entlang der Gleise und den angrenzen- den bestehenden Wohnnutzungen. Das Wohngebiet entlang und nördlich der Nievenheimer Str. ist im Bestand zu schützen. Dar- über hinaus gibt es weitere Nutzungen, deren Bestand durch das REK zukünftig gesichert werden soll. Hierzu zählt der Standort der RheinEnergie, wo selbige wichtige Funktionen der Daseinsvorsorge für die Gesamtstadt übernimmt. Um schließlich die formulierten Entwicklungsziele für das LiebigQuartier zu erreichen und die im REK skizzierten Flächennutzungen und Erschließungsstrukturen zu realisieren, sind zahl- reiche Maßnahmen erforderlich. Als wichtige Handlungsempfehlung wurden daher sieben Kernprojekte definiert, die als unverzichtbar für die Zielerreichung und die Entwicklung des LiebigQuartiers angesehen werden: 01 Umgestaltung der Liebigstraße 02 Transformation Schlachthofareal 03 Transformation Molkereifläche und Umgebung 04 Entwicklung Nahversorgungsbereich 05 Entwicklung Mobilstation am S-Bahnhof Nippes 06 Transformation Gleisdreieck 07 Entwicklung Grünverbindung vom Inneren Grüngürtel zum Blücherpark Beteiligung am Prozess zum Räumlichen Entwicklungskonzept Das REK LiebigQuartier wurde unter Mitwirkung der Stakeholder*innen vor Ort, verschiedener Fachämter und mit Beteiligung von Politik und Stadtgesellschaft durchgeführt. Über das städtische Beteiligungsportal „Meinung für Köln“ wurde vom 21.08.2023 bis zum 10.09.2023 eine Online-Öffentlichkeitsbeteiligung (s. meinungfuer.koeln/Liebigquartier) durch- 6 geführt. Hieran haben sich über 280 Personen beteiligt, die insgesamt 433 Beiträge abgege- ben haben. Diese wurden ausgewertet und eine Zusammenfassung der Ergebnisse der Politik zur Kenntnis gegeben (s. Vorlage Nr. 0093/2024). Die Stakeholder*innen aus dem Plangebiet wurden über zwei Workshops, in denen die Poten- ziale und Zielsetzungen des Projektes sowie die Zwischenergebnisse des Räumlichen Ent- wicklungskonzeptes intensiv diskutiert wurden, an dem Prozess beteiligt. Die Bezirksvertretungen Ehrenfeld und Nippes wurden im Rahmen von zwei Sonderterminen ebenfalls über Zwischenergebnisse informiert. Abschließend wurde am 20.03.2024 die Öffentlichkeit zur Zukunftskonferenz eingeladen, in der der Entwurf des Räumlichen Entwicklungskonzeptes vorgestellt wurde. Die hier gegebe- nen Hinweise und Anregung wurden aufgenommen und sind in die Finalisierung des Räumli- chen Entwicklungskonzeptes sowie die Erstellung des Endberichtes eingeflossen. Ausblick Die Verwaltung wird gem. Auftrag durch die vorliegende Beschlussvorlage die nächsten erfor- derlichen Schritte erarbeiten und einleiten, um die Umsetzung der sieben Kernprojekte voran- zutreiben. Die einzelnen Umsetzungsprozesse werden aktiv begleitet, über den Entwicklungs- stand der sieben Kernprojekte wird zukünftig einmal jährlich berichtet. Anlagen: Anlage 1 Endbericht Räumliches Entwicklungskonzept LiebigQuartier Anlage 2 Räumliches Entwicklungskonzept LiebigQuartier (Plan) -
Anlage 1 Öffentlichkeitsbeteiligung
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Anlage Öffentlichkeitsbeteiligung Die Anlage Öffentlichkeitsbeteiligung ist allen Beschlussvorlagen der Verwaltung für Gremien, auf die die Leitlinien Öffentlichkeitsbeteiligung Anwendung finden, beizufügen. Kreuzen Sie bitte eine der folgenden drei Varianten an und machen Sie entsprechende Angaben dazu. Wählen Sie bitte eine der drei folgenden Varianten aus und machen Sie entsprechende Angaben dazu. Kontakt OB/2 Referat für Strategische Steuerung Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung Brückenstraße 5-11 50667 Köln Telefon: 0221 – 221 25044 E-M ail: oeffentlichkeitsbeteiligung@stadt-koeln.de Intranetauftritt: Systematische Öffentlichkeitsbeteiligung -
Sachstandsbericht Rat /Ausschuss
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Dezernat, Dienststelle IX/151/2 Vorlagen-Nummer 2088/2024 Stand: 02.09.2025 Sachstandsbericht Beschluss des Räumlichen Entwicklungskonzepts für das LiebigQuartier Beschluss: Der Stadtentwicklungsausschuss 1. nimmt das Räumliche Entwicklungskonzept für das LiebigQuartier zur Kenntnis; 2. beschließt das Räumliche Entwicklungskonzept LiebigQuartier (Anlage 1) als Grund- lage für weitere Entwicklungen innerhalb des Plangebietes; 3. beauftragt die Verwaltung nächste Schritte zur Umsetzung der sieben Kernprojekte zu erarbeiten und die Umsetzungsprozesse aktiv zu begleiten. 4. beauftragt die Verwaltung, die Politik jährlich über den aktuellen Entwicklungsstand der sieben Kernprojekte zu informieren. 5. Der Grünraum im Quartier muss deutlich erhöht werden. a) Die auf Seite 22 beschriebene Verbindung zwischen Blücherpark und Innerem Grüngürtel muss fester Bestandteil der Planung werden. Die Verwaltung soll be- auftragt werden, sicherzustellen, dass diese Grünverbindung auch umgesetzt wer- den kann. b) Auch bei Vorhaben, für die kein Bebauungsplan erforderlich ist, sollen Grünflächen festgelegt werden, z.B. durch städtebauliche Verträge. 6. Die Verwaltung wird aufgefordert, ein geeignetes Format vorzuschlagen, mit dem die Information und die Beteiligung von Politik, Öffentlichkeit, Anliegenden, Stakeholdern und Eigentümer*innen gewährleistet wird. 7. Die Verwaltung wird beauftragt, eine Vorkaufsrechtssatzung nach § 25 Absatz 1 Satz 1 Nr. 2 BauGB für das LiebigQuartier zur Sicherung strategisch wichtiger Grundstücke für eine nachhaltige und sozial gerechte Quartiersentwicklung zu prüfen und im ge- samten Gebiet eine aktive Grundstückpolitik zu betreiben. 8. Die Interessen der RheinEnergie und der Bedarf des Gewerbes sind zu berücksichti- gen. Status in Bearbeitung erledigt Aktueller Bearbeitungsstand: Die Verwaltung hat die geänderte Beschlussfassung zur Kenntnis genommen. Sie arbeitet derzeit an den im Rahmen des Beschlusses erhaltenen Aufträgen und wird wie unter Be- 2 schlusspunkt 4 angezeigt die Politik jährlich über den aktuellen Entwicklungsstand informie- ren. Darüber hinaus hat die Verwaltung eine Satzung über das besondere Vorkaufsrecht für das Gebiet ‚LiebigQuartier' in Köln-Ehrenfeld und Köln-Nippes nach § 25 Absatz 1 Satz 1 Nr. 2 Baugesetzbuch (vgl. Beschlusspunkt 7) erarbeitet, welche der Rat am 27.05.2025 beschlos- sen hat (Vorlage 0569/2025). Ebenso wurde im Rat (03.07.2025) das „1. Anpassungsverfahren der Fortschreibung des Ein- zelhandels- und Zentrenkonzeptes Köln (2023) - Neuabgrenzung eines zentralen Versor- gungsbereiches als Kernprojekt des Räumlichen Entwicklungskonzeptes LiebigQuartier“ (0951/2025) beschlossen. Dieses zahlt auf das Kernprojekt Nr. 04 „Entwicklung Nahversor- gungsbereich“ ein. Nächste Schritte: Die Verwaltung wird im Rahmen einer Mitteilung in 2026 über den aktuellen Entwicklungs- stand berichten. Der nächste Sachstandsbericht ist geplant für den: Der Sachstandsbericht wird ersetzt durch die jährliche Mitteilung, die unter Beschlusspunkt 4 beauftragt wurde (s. a. nächste Schritte). -
Anlage 3, Auszug BV 5 Nippes 19.09.2024
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Geschäftsführung Bezirksvertretung 5 (Nippes) Herr Rupsch Telefon: (0221) 221-95313 Fax: (0221) 221-95447 E-Mail: guido.rupsch@stadt-koeln.de Datum: 20.09.2024 Auszug aus dem Entwurf der Niederschrift der 30. Sitzung der Bezirksvertretung Nippes vom 19.09.2024 öffentlich 9.2.7 Beschluss des Räumlichen Entwicklungskonzepts für das LiebigQuar- tier 2088/2024 Herr Spieß begründet den schriftlich vorgelegten Ergänzungsantrag der Grünen und führt insbesondere aus, dass nicht das Entwicklungskonzept in Frage gestellt werde. Ziel sei es, die zivilgesellschaftlichen Akteure zu fördern. Herr Müller favorisiert gleichlautende Beschlüsse der Bezirksvertretungen Ehrenfeld und Nippes. Ansonsten befürchte er, dass sich der Stadtentwicklungsausschuss aus beiden Beschlüssen nur das übernehme, was ihm zusage. Er möchte daher heute kei- nen Beschluss fassen, sondern die Vorlage vertagen. Herr Urmetzer sieht die Notwendigkeit von gleichen Beschlüssen nicht. Er favorisiert eine Beschlussfassung, damit die BV Ehrenfeld diesen zur Sitzung vorliegen habe. Für Herrn Dr. Ertin ist das Konzept aus städtebaulicher Sicht gesehen enttäuschend. Es brauche unbedingt eine bessere Anbindung an den ÖPNV, die nächste Stadtbahn- haltestelle sei mindestens einen Kilometer entfernt. Herr Müller beantragt, die Vorlage zu vertagen und pocht vehement auf die Einhaltung langjähriger Gepflogenheiten. Herr Urmetzer hält dem entgegen, dass die Meinungsbildung in der Mehrheit der BV abgeschlossen sei. Zudem weist er darauf hin, dass der Stadtentwicklungsausschuss du die BV Nippes am 07.11.2024 zeitgleich tagen. Er befürchtet, dass die Anregungen der BV Nippes dort nicht berücksichtigt werden, wenn sie telefonisch zur Sitzung über- mittelt werden. Der Antrag auf Vertagen wird bei Enthaltung der Linke mehrheitlich gegen die Stim- men von SPD, CDU und AfD angelehnt. Herr Dr. Ertin hat an der Abstimmung nicht teilgenommen. I. Abstimmung über den Ergänzungsantrag der Grünen Beschluss: Die Verwaltung wird gebeten, bei der Umsetzung des Räumlichen Entwicklungskon- zepts für das Liebigquartier eine Kooperation mit zivilgesellschaftlichen Akteuren (z.B. Bilderstöckchen Konferenz, KLuG e.V., ESV Olympia, Odonien, örtliche Geschäfts- leute, soziale Träger u.v.a.m.) und - wie beschlossen (AN/0357/2024) https://ratsin- formation.stadt-koeln.de/vo0053.asp?__kvonr=120367 - den Bezirksvertretungen Eh- renfeld und Nippes einzugehen. Insbesondere die dort aufgebrachten Ideen (z.B. Einrichtung eines Runden Tisches, zusätzliche Flächen für Freizeit & Kultur, Erlass von Satzungen - das kommunale Vorkaufsrecht bleibt davon unbenommen -) sollen wohlwollend geprüft und ggf. umge- setzt werden. Abstimmungsergebnis: Mehrheitlich gegen die Stimmen der SPD, CDU und AfD beschlossen. II. Abstimmung über die so geänderte Verwaltungsvorlage Beschluss: Der Stadtentwicklungsausschuss 1. nimmt das Räumliche Entwicklungskonzept für das LiebigQuartier zur Kenntnis; 2. beschließt das Räumliche Entwicklungskonzept LiebigQuartier (Anlage 1) als Grundlage für weitere Entwicklungen innerhalb des Plangebietes; 3. beauftragt die Verwaltung nächste Schritte zur Umsetzung der sieben Kernpro- jekte zu erarbeiten und die Umsetzungsprozesse aktiv zu begleiten. 4. beauftragt die Verwaltung, die Politik jährlich über den aktuellen Entwicklungs- stand der sieben Kernprojekte zu informieren. 5. Die Verwaltung wird gebeten, bei der Umsetzung des Räumlichen Entwick- lungskonzepts für das Liebigquartier eine Kooperation mit zivilgesellschaftli- chen Akteuren (z.B. Bilderstöckchen Konferenz, KLuG e.V., ESV Olympia, O- donien, örtliche Geschäftsleute, soziale Träger u.v.a.m.) und - wie beschlossen (AN/0357/2024) https://ratsinformation.stadt- koeln.de/vo0053.asp?__kvonr=120367 - den Bezirksvertretungen Ehrenfeld und Nippes einzugehen. Insbesondere die dort aufgebrachten Ideen (z.B. Einrichtung eines Runden Ti- sches, zusätzliche Flächen für Freizeit & Kultur, Erlass von Satzungen - das kommunale Vorkaufsrecht bleibt davon unbenommen -) sollen wohlwollend ge- prüft und ggf. umgesetzt werden. Abstimmungsergebnis: Mehrheitlich gegen die Stimmen der SPD beschlossen.
Beratungsverlauf
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10.10.2024
TOP 1.2, Vorberatung (Fachausschuss). Ergebnis: ohne Votum in nachfolgende Gremien
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