V/0359/2011
FreiwilligenAgentur Münster
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Berichtsvorlage
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V/0359/2011 DER OBERBÜRGERMEISTER Geschäftsstelle der Kommunalen Stiftungen Betrifft FreiwilligenAgentur Münster Beratungsfolge 15.06.2011 Integrationsrat Bericht 27.06.2011 Kommunale Seniorenvertretung Bericht 29.06.2011 Kulturausschuss Bericht 30.06.2011 Stiftungskommission Bericht 06.07.2011 Ausschuss für Kinder, Jugendliche und Familien Bericht 06.07.2011 Ausschuss für Soziales, Gesundheit und Arbeitsförderung Bericht 12.07.2011 Ausschuss für Umweltschutz und Bauwesen Bericht Bericht: Vorbemerkung: Der Rat hat am 10.12.2008 (Vorlage V/0777/2008 „Bürgerschaftliches Engage- ment/Neuausrichtung der FreiwilligenAgentur“) beschlossen, dass die FreiwilligenAgentur in Trä- gerschaft der Stiftung Siverdes unbefristet fortgeführt wird. Die Kommunale Stiftung Siverdes investiert damit jährlich 120.000 Euro in diese wichtige Infrastruktureinrichtung zur Förderung und Stärkung Bürgerschaftlichen Engagements. Über die Kernaufgaben der Vermittlung und Be- ratung im sozialen Bereich hinaus wurden weitere Aufgabenfelder für die FreiwilligenAgentur definiert. Wie im Dezember 2008 beschlossen, wird mit dieser Vorlage über die Ergebnisse der Arbeit der FreiwilligenAgentur berichtet. 1. Ausgangslage Die FreiwilligenAgentur Münster (FA) ist gut aufgestellt. Trotz der schwierigen Personalsituation in den letzten zwei Jahren – drei, zeitweilig vier Beschäftigte teilten sich die 1,6 Stellen in der FA – haben es die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der FA geschafft, immer eine verlässliche Servi- cestelle zu sein für Freiwillige und Organisationen, die mit Freiwilligen arbeiten. Darüber hinaus haben sie erfolgreich an der Weiterentwicklung der FA gearbeitet. Längere Vakanzen traten mehrfach auf durch Schwangerschaften, Elternzeiten, Krankheiten und Fluktuationen. Das hatte zur Folge, dass der Betrieb der FA 2009 und 2010 mit einer sehr dün- nen Personaldecke und Vertretungen aufrecht erhalten werden musste. Dass sich die FA so gut weiterentwickelt hat, ist dem außerordentlichen Einsatz aller Beteiligten zu verdanken. Vorlagen-Nr.: V/0359/2011 Auskunft erteilt: Frau Woldt Frau Kreimann Ruf: 492-5900 492-5971 E-Mail: Woldt@stadt-muenster.de Kreimann@stadt-muenster.de Datum: 19.05.2011 Öffentliche Berichtsvorlage 2 V/0359/2011 1.1. Gesellschaftliche Rahmenbedingungen Die Zukunftstrends unserer Gesellschaft, die bereits Anfang des neuen Jahrtausends ausge- macht wurden, haben sich bestätigt. Das belegt auch das im Dezember 2008 vom Rat der Stadt Münster beschlossene Handlungskonzept zum Demografischen Wandel. Auch unsere Stadt wird älter, bunter und zumindest mittelfristig weniger. Die Lebenserwartung der Bürgerinnen und Bür- ger steigt. Die Altersgruppe der unter 10-jährigen in Münster schrumpft, die Altersgruppe der über 70-jährigen wächst dagegen deutlich. Neben den Herausforderungen, die eine Kommune da- durch zu bewältigen hat, bleibt nach wie vor auch die Integration von Zuwanderern eine wichtige Aufgabe. Etwa jeder fünfte Mensch, der in Münster lebt, hat eine Zuwanderungsgeschichte. In- tegration ist damit weiterhin eine Querschnittsaufgabe der Stadtgesellschaft. Die aktuellen Trends in der Freiwilligenarbeit lassen sich gut aus dem dritten Freiwilligensurvey des Bundesfamilienministeriums ablesen. Der Be richt zeigt grundsätzlich, dass das Meinungs- klima in Deutschland gegenüber freiwilligem Engagem ent heute wesentlich positiver ist, als das noch vor zehn Jahren der Fall war. Was das konkrete Engagement einzelner Bevölkerungsgrup- pen angeht, sind vor allem die älteren Menschen in den letzten zehn Jahren immer mehr freiwillig aktiv geworden. Besonders stark war der Anstieg der sogenannten Engagementquote bei den 60- bis 75-jährigen (siehe Freiwilligensurvey S. 155f.). Ältere Menschen engagieren sich über- wiegend im kirchlichen oder im sozialen Bereich. Es gibt aber auch immer mehr Engagierte in den Bereichen Naturschutz und Kultur (siehe Freiwilligensurvey S. 158). Das Engagement von Jugendlichen ist leicht rückläufig (1999: 37 Prozent; 2004: 36 Prozent; 2009: 35 Prozent). Diese Entwicklung wird auf den zunehmenden Leistungsdruck an Schule und Hochschulen zurückge- führt. 2. Sachstandsbericht zur Weiterentwicklung der FreiwilligenAgentur Münster 2.1. Weiterentwicklung der Kernaufgaben 2.1.1. Beratung und Vermittlung Die FreiwilligenAgentur berät Engagementinteressierte per Telefon, per E-Mail, in persönlichen Einzelberatungen und in Gruppenveranstaltungen im Gesundheitshaus. In die Einzelberatungen und in die Gruppenberatungen der FreiwilligenAgentur kommen jedes Jahr etwa 400 Interessier- te. Per Telefon und E-Maill werden jährlich noch mal 150 Menschen beraten. Dabei spielt der Bereich „Soziales“ die größte Rolle. Knapp 80 Prozent derjenigen, die sich engagieren möchten, wollen das im sozialen Bereich tun. Eine wachsende Zahl von Bürgerinnen und Bürger, die sich freiwillig engagieren will, nutzt die Datenbank der FA. Zum Herbst 2009 wurde die alte Datenbank der FA auf die aktuellste Version der FreiNet Online Datenbank umgestellt. Damit verfügt die FA über eine besonders leistungsfä- hige Datenbank, die vielfältige neue Möglichkeiten für alle Nutzer bietet. Die 220 Organisationen, die mit der FA kooperieren und mit ihren Angeboten in der Datenbank vertreten sind, haben jetzt die Möglichkeit, ihre Angaben eigenständig zu aktualisieren. Davon macht etwa ein Viertel der Organisationen bereits Gebrauch. Darüber hinaus bietet die FA seit Herbst 2010 als erste Agentur in Deutschland auch „neuen“ Organisationen einen besonderen Service an. Wenn eine Organisation neu in die Datenbank aufgenommen werden möchte, kann diese ihre Angebote auch direkt eingeben. Der Weg geht über die Homepage der FA. Aktuell haben sich bereits 20 Organisationen über diesen niedrigschwelligen Weg angemeldet. Gerade auch für die Freiwilligen ist die Datenbank eine wichtige Informationsquelle. Die Freiwilli- gen können sich - ebenfalls über die Homepage der FA - über Angebote aus der Datenbank in- formieren. Laut Freiwilligensurvey nutzen fast zwei Drittel der Freiwilligen mittlerweile das Inter- net. Die Zahl von 1.000 „Klicks“ jeden Monat auf die Homepage der FA M ünster macht deutlich, wie wichtig dieses Medium mittlerweile ist, um Freiwillige zu erreichen. 3 V/0359/2011 2.1.2. Vernetzung und Information Neben der Beratung von Freiwilligen und Organisationen, ist die Vernetzung eine Aufgabe, die in der FA immer mehr an Bedeutung gewinnt. In diesem Bereich ist die FA entweder selbst Netz- werkpartnerin oder sie agiert als Impulsgeberin und Moderatorin in Vernetzungsprozessen. So gibt es Weiterbildungsangebote der FreiwilligenAkademie (siehe hierzu 2.2.1), die gemeinsam mit Netzwerkpartnern veranstaltet werden. Im Projekt „Von Mensch zu Mensch“ werden Vernet- zungsprozesse „vor Ort“ in den Stadtteilen und Stadtvierteln angestoßen sowie stadtweit die Ver- netzung und Kooperation der Initiativen und Vereine „Von Mensch zu Mensch“ untereinander organisiert und betreut. Eine Vernetzung der Paten- und Mentorenprojekte in Münster ist auf den Weg gebracht. Im Kulturbereich hat ein Vernetz ungstreffen von Institutionen und Initiativen statt- gefunden, die mit Freiwilligen arbeiten (wollen). Außerdem tauscht sich die FA mit den Service- stellen für Freiwillige, die es beispielsweise beim DRK oder beim Caritasverband gibt, aus. Darüber hinaus ist die FA eine zentrale Anlaufstelle für alle Fragen rund um freiwilliges Engage- ment in Münster. Sie berät Initiativen, die sich neu gründen wollen, sie beantwortet aber auch tagtäglich allgemeine Anfragen beispielsweise zum Versicherungsschutz im Ehrenamt, zum frei- willigem Engagement von Arbeitslosen, zum Ehrenamtsnachweis oder zur Suche nach An- sprechpartnern für den Bundesfreiwilligendienst. 2.1.3. Öffentlichkeitsarbeit Die Öffentlichkeitsarbeit der FA wurde intensiviert. In einem Newsletter, der alle zwei Monate erscheint, werden alle Organisationen, die mit der FA kooperieren, über aktuelle Entwicklungen in Kenntnis gesetzt. Die breite Öffentlichkeit erfährt Neues aus der FA in Zeitungs-, Radio- und Fernsehberichten. Die FA verschickt dazu Pressemitteilungen oder lädt zu Pressegesprächen ein. Wenn Organisationen neue Angebote für Freiwillige in die Datenbank einstellen, unterstützt die FA die Akquise von Freiwilligen ebenfalls durch Pressearbeit. Die FA wirbt außerdem für die Angebote der FreiwilligenAkademie und für ihre Freiwilligenforen, die selbst auch Teil der Öffent- lichkeitsarbeit sind. Die „Von Mensch zu Mensch“-Initiativen wurden im Rahmen der Freiwilligen- Akademie in Sachen Pressearbeit geschult. Die Pressearbeit der meisten Initiativen und Vereine ist mittlerweile sehr erfolgreich. Die FA führt darüber hinaus Veranstaltungen oder Aktionstage durch. In 2009 fand der mittlerwei- le dritte Freiwilligentag in Münster statt. Öffentlic hkeitswirksame Aktionen im Vorfeld des Freiwilli- gentages und am Tag selbst gepaart mit Geschichten rund ums Ehrenamt tragen zur Anerken- nung von freiwilligem Engagement in Münster bei. Auch die Aktion „Knips dich freiwillig!“, die die FA gemeinsam mit dem npm, Zentrum für Nonpro fit-Management, gemacht hat, zielte darauf ab, freiwilliges Engagement aufs Treppchen zu heben. Ein weiteres wichtiges Instrument der Öffentlichkeitsarbeit ist die Homepage der FA (www.freiwilligenagentur-muenster.de). Die Homepage bekam in 2009 ein neues Design. Sie ist jetzt modern und übersichtlich. Aktuelle Informationen zum Beispiel über Veranstaltungen der FreiwilligenAgentur sind auf einen Blick zu sehen. Auf der Startseite wird immer eine sogenannte „Einrichtung des Monats“, die Freiwillige sucht, besonders hervorgehoben. In dem entsprechen- den Design wurden auch die Flyer der FA gestaltet, so dass eine Wiedererkennung immer gege- ben ist. Die FA ist außerdem auf öffentlichen Veranstaltungen sowohl in der Innenstadt als auch in den Stadtteilen präsent. Ein mobiler Stand wurde dafür angeschafft. 2.1.4. Qualitätsmanagement Um die Qualität ihrer Arbeit dauerhaft zu sichern, nutzt die FA ein Qualitätsmanagementsystem, das die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen (bagfa) eigens für Freiwilligen- agenturen entwickelt hat. In einem Handbuch werden die Aufgabenbereiche der Agenturen be- schrieben und anhand von Qualitätsmerkmalen und überprüfbaren Standards konkretisiert. Qua- litätsmerkmale sind zum Beispiel „Beratung von Freiwilligen“, „Beratung und Betreuung von Or- ganisationen“ oder „Öffentlichkeitsarbeit“. So kann die FA ihre Stärken und Schwächen analysie- ren und ihre Angebote verbessern. Die bagfa vergibt dann alle zwei Jahre ein Qualitätssiegel, mit dem die FA auch 2010 wieder ausgezeichnet wurde. 4 V/0359/2011 2.2. Erweiterung der Kernaufgaben 2.2.1. FreiwilligenAkademie Mit der Einrichtung der FreiwilligenAkademie reagierte die FA in 2010 auf die gestiegene Nachfra- ge nach Weiterbildung im Bereich des freiwilligen Engagements. Erstmalig erstellte sie ein kompak- tes Programm an Fortbildungsangeboten, das sowohl für Ehrenamtliche als auch für Hauptamtli- che, die mit Ehrenamtlichen arbeiten, konzipiert ist. Themenschwerpunkte der Akademie waren in 2010: Freiwilligenkoordination, Gesprächsführung, Internet und Co. sowie Öffentlichkeitsarbeit. Das aktuelle Programm der Freiwilligenakademie wurde erweitert um die Themenfelder Patenprojekte, Präsentation und Vortrag sowie um die Angebote, die in Kooperation mit dem Bürgernetz Münster e.V. und der Selbsthilfe- und Kontaktstelle zu den Themen Soziale Netzwerke (Facebook, Twitter und Co.) sowie Internet, Selbsthilfe und freiwilliges Engagement geplant wurden. Bislang konnten alle geplanten Fortbildungen stattfinden. Über 100 Teilnehmende haben die Fortbildungsangebote bisher wahrgenommen. Die FreiwilligenAkademie arbeitet kostendeckend. 2.2.2. Öffnung für neue Engagementfelder Wie bereits in der Ratsvorlage Ende 2008 als Ziel formuliert, hat die FA damit begonnen, be- stimmte Engagementfelder stärker zu erschließen. Mit ihrem Konzept rund um die Frage, wie sich die FA für das Thema Kultur öffnen kann, hat die FA den In novationspreis 2010 „freiwilligen- agentur – kultur“ der bagfa gewonnen. Ein erster Workshop für die Kultureinrichtungen und - initiativen hat bereits stattgefunden, bei dem es um erfolgreiche Modelle der Zusammenarbeit mit Freiwilligen im Kulturbereich ging. Im weiten Verlauf werden interessierte Einrichtungen zur konkre- ten Zusammenarbeit mit Freiwilligen beraten und in die Datenbank aufgenommen Auch der Bereich Umwelt-, Natur-, und Tierschutz wurde im Rahmen einer Informationsveranstal- tung gemeinsam mit Akteuren aus diesem Bereich speziell beworben. Im Gesundheitshaus konn- ten sich Bürgerinnen und Bürger über Möglichkeiten eines Engagements informieren und direkt mit Einrichtungen, wie dem NABU, dem Tierheim Münster, dem Schulbauernhof Emshof und der bio- logischen Station Rieselfelder ins Gespräch kommen. Im Vorfeld zu der Veranstaltung wurden alle Einrichtungen vor Ort besucht und zum Freiwilligenmanagement beraten. Mit der stärkeren Öffnung für diese Engagementfelder trägt die FA der gestiegenen Nachfrage von Freiwilligen nach Angeboten in den Bereichen Kultur und Natur Rechnung. Dennoch wird das Engagement im sozialen Bereich immer Hauptschwerpunkt bleiben. 2.2.3. Projekte Die FA ist mittlerweile auch Entwicklungsagentur für Projekte. Die FA reagiert damit auf gesell- schaftliche Herausforderungen vor Ort und trägt dazu bei, Probleme zu lösen. Projekt „Integriert durch Engagement“ Die FA leistet seit 2010 mit dem Projekt „Integriert durch Engagement“ einen konkreten Beitrag zur Integration von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte in Münster. Grundidee war es, Migrantin- nen und Migranten gezielt anzusprechen und ihnen Engagementmöglichkeiten aufzuzeigen. In einem ersten Schritt hat die FA Kontakt mit Interessensvertretern, zentralen Ansprechpartnern und Multiplikatoren aufgenommen. Ein zweiter Schritt lag darin, in der FreiwilligenAgentur ein interkultu- relles Freiwilligenteam aufzubauen. Diese Freiwilligen werben seither sowohl in der FA als auch in den Stadtteilen für ehrenamtliches Engagement. In einem dritten Schritt wurde ein sogenannter Sprachhelferpool entwickelt. Dieser Sprachhelferpool ist ein konkretes Tätigkeitsfeld für Menschen mit Zuwanderungsgeschichte, die als ehrenamtliche Sprachhelfer in Alltagssituationen aktiv werden und anderen als Vorbild dienen. Die Idee, die FA stärker für Menschen mit Zuwanderungsgeschichte zu öffnen, war ein richtiger Impuls. So wurden über zehn Organisationen neu in die Datenbank aufgenommen, die sich aus- schließlich mit dem Thema Migration beschäftigten. Darüber hinaus stieg der Anteil der Nutzerin- nen und Nutzer mit Zuwanderungsgeschichte in der FreiwilligenAgentur um 10 Prozent. Im Sprachhelferpool sind mittlerweile 34 Personen erfasst. Mit dem Projekt „Integriert durch Engage- 5 V/0359/2011 ment“ ist die FreiwilligenAgentur Münster eine von vier Modellagenturen in der Bundesrepublik und wird mit Mitteln des Bundesamtes für Migration unterstützt. Projekt „Mitmachpaten“ Kindern Zeit schenken und sie so am gesellschaftlichen Leben teilhaben lassen, das ist Ziel des Projekts „Mitmachpaten“. Das Projekt ist im Oktober 2010 gestartet; es ergänzt inhaltlich die fi- nanzielle Förderung der Stiftung „Mitmachkinder“ um persönliche Hilfen. Das Projekt „Mitmachpa- ten“ liegt im Kompetenzbereich der FA, da es dort um freiwilliges Engagement und die Begleitung dessen geht. Das Projekt richtet sich schwerpun ktmäßig an Grundschulkinder als „Patenkinder“, was sich als Lücke in der Landschaft der Patenprojekte in Münster erwiesen hat. Um auch au- ßerhalb von Schule ihre Fähigkeiten zu entwickeln, brauchen Kinder aus Familien in Armutssitua- tionen engagierte Menschen, die ihnen persönlich zur Seite stehen. Diese Mitmachpaten sollen den Kindern helfen, ihre Talente und Fähigkeiten zu entdecken, selbstständiger zu werden und soziale Anerkennung zu erfahren. Sechs Patenpaare gibt es bereits, die sich jede Woche treffen. Die Kinder lernen Verantwortung zu übernehmen. Sie bereiten die Treffen gemeinsam mit den Paten vor. Paten und Patenkinder bauen eine persönliche Beziehung auf, von der beide profitieren. Den Paten steht in der FA je- derzeit ein Ansprechpartner zur Verfügung, der sie vorbereitet, begleitet und unterstützt. Ab Juli wird es außerdem monatliche Supervisionstreffen geben, in denen die Paten mit einer speziell ausgebildeten Supervisorin über Probleme und Konflikte reden können. Um Kinder zu finden, die besonders von einer Patenschaft profitieren können, sind Lehrer und Sozialarbeiter an den Grundschulen wichtige Netzwerkpartner. Schulverwaltung und Jugendhilfe unterstützen das Pro- jekt ebenfalls. Wichtig in diesem Zusammenhang ist die Vernetzung mit anderen Patenprojekten in Münster. Da die Projekte unterschiedliche Schwerpunkte haben und teilweise nur in einzelnen Stadtteilen ak- tiv sind, können so auch potenzielle Paten beispielsweise an ein anderes Projekt weiter vermittelt werden. Projekt „Von Mensch zu Mensch“ (VMZM) Das Projekt „Von Mensch zu Mensch“ der Stiftung Magdalenenhospital ist organisatorisch an die FA angebunden. VMZM bietet in 19 Stadtteilen Einsatzfelder für ca. 400 Ehrenamtliche. Die Stadt- teilinitiativen sind vor Ort selbst organisiert und in den Stadtteilen vernetzt. Im Mai 2011 haben die Vertreter der Stadtteilinitiativen ihr „Leitbild - Von Mensch zu Mensch“ verabschiedet. Zu den Kern- angeboten jeder Stadtteilinitiative zählen Besuchsdienste sowie begleitende und beratende Tätig- keiten, die sich am Bedarf im Stadtteil orientieren. Mit diesen praktischen Alltagshilfen unterstützen die Ehrenamtlichen knapp 500 ältere und hilfebedürftige Bürgerinnen und Bürger pro Jahr, um ih- nen ein selbstbestimmtes und selbständiges Leben im eigenen Wohnumfeld zu ermöglichen. 2.2.4. Unternehmensengagement Mit betrieblichen Freiwilligenprojekten können Unternehmen Verantwortung vor Ort zeigen und sich an der Gestaltung des Gemeinwesens beteiligen. Diese Projekte sind für die Unternehmen aber auch eine wichtige Organisations- oder Personalentwicklungsmaßnahme. Für gemeinnützi- ge Einrichtungen bieten Kooperationen auf diesem Feld eine neue Form der Öffentlichkeit sowie Kontakte zu Entscheidungsträgern in Unternehmen. Die FreiwilligenAgentur hat in diesem Bereich zwei Formate entwickelt, den sog. „SocialDay“ und den Seiten-Wechsel. Beim SocialDay engagiert sich ein Untenehmen einen Tag lang mit seinen Mitarbeitern in einer gemeinnützigen Einrichtung und schafft z. B. durch Renovierungsarbeiten oder einen Ausflug mit behinderten Menschen einen sozialen Mehrwert. Beim Seiten-Wechsel arbeiten Führungskräfte aus Unternehmen eine Woche lang in gemeinnützigen Einrichtungen mit und können eine andere „Lebenswelt“ kennen und schätzen lernen. Die FreiwilligenAgentur führt derzeit kostendeckend Pilotprojekte durch. Perspektivisch könnten die Projekte auch zusätzliche Einnahmen erzielen. 6 V/0359/2011 2.2.5. Drittmittelakquise Zur Umsetzung der Projekte Integriert durch Engagement, Mitmachpaten, Kultur und den Freiwilligentag hat die FA Drittmittel eingeworben. Die Drittmittel sind vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen, aus Sparkassenüberschüssen und von verschiedenen Unternehmen in Münster geflossen. Im Bereich des Unternehmensengegements wurden von der FA Diensteistungen angeboten und vertragsgerecht bezahlt. 3. Weitere Aufgaben und Ziele Die erfolgte Öffnung zu den neuen Engagementfeldern Kultur und Umwelt wird durch weitere Veranstaltungen vertieft. So sind unter anderem im Rahmen von Engagementradtouren in der Aktionswoche des Bürgerschaftlichen Engagements vom 16. bis 25. September 2011 für interes- sierte Bürgerinnen und Bürger die Besuche von verschiedenen Einrichtungen aus Umwelt und Kultur, die mit Freiwilligen arbeiten wollen, geplant. Das Themenfeld „Einbindung von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte“ in die FA, das durch das Projekt Integriert durch Engagement“ angestoßen wurde, wird weiter verfolgt. Dazu werden die geschaffenen Netzwerkstrukturen genutzt. Der Sprachhelferpool und das Freiwilligenteam werden weitergeführt und ausgebaut. Die Angebote der FreiwilligenAkademie sind je nach aktuellem Bedarf thematisch erweiterbar. Darüber hinaus wird die FreiwilligenAgentur zukünftig verstärkt auch passgenaue Angebote für anfragende Organisationen rund um das Themenfeld Freiwilliges Engagement entwickeln. Die Schaffung eines Beirates war bereits in der Vorlage V/0777/2008 angedacht. Das Thema konnte bisher noch nicht weiter verfolgt werden, wird aber jetzt angegangen. Die FA möchte externen Sachverstand nutzen. Der Beirat soll eine noch stärkere Vernetzung zu den Nonprofit- Organisationen, Kooperationspartnern und Interessenvertretern herstellen sowie den Zugang zu Wissenschaft und Wirtschaft ermöglichen. Außerdem könnten Sachverständige beispielsweise aus den Bereichen Kultur oder Migration die Arbeit der FA in spezifischen Themenfeldern unterstützen. Die stärkere Vernetzung mit den Hochschulen in Münster bleibt eine wichtige Aufgabe der FA. Auch wenn das konkrete Engagement von jungen Menschen in den letzten Jahren leicht zurückging, ist das Engagementpotenzial gerade in der Zielgruppe der Studierenden besonders hoch. Dies gilt es zu nutzen. 4. Fazit und Ausblick Freiwilliges Engagement nimmt in unserer Gesellschaft einen immer höheren Stellenwert ein. Immer mehr Freiwillige werden gebraucht. Deshalb sind eine entsprechende Infrastruktur und ein engagementfreundliches Klima wichtiger denn je. Dazu leistet die FA einen entscheidenden Bei- trag. Die FA beobachtet die Trends in der Gesellschaft und passt ihre Arbeit daran an. Die FA ist Vermittlungs-, Beratungs- und Entwicklungsagentur, die sich selbst ständig weiterentwickelt. Das Team der FA ist für das Aufgabenspektrum hochqualifiziert und entsprechend fachlich breit auf- gestellt. In den letzten 10 Jahren konnte die FA dank ihrer Finanzausstattung kontinuierlich arbeiten. Um bürgerschaftliches Engagement in Münster auch weiterhin zu heben, zu unterstützen und zu för- dern, braucht es auch in Zukunft diese Kontinuität. I. V. gez. Thomas Paal Stadtrat
Beratungsverlauf (7)
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Zur SitzungDetails
- Vorlagen-Nr.
- V/0359/2011
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 26.05.2011
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37