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A-W/0016/2007

Umbenennung des Carl-Diem-Weges

Antrag an die BV West 24.05.2007

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Nächste Beratung: Bezirksvertretung Münster-West, Sitzung am 31.05.2007, TOP 6.4

Originalantrag

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Originalantrag

5269 Zeichen

Thorsten Kornblum                                                                         48161 Münster, 23.05.2007 
                                                                                                        Toppheideweg 12 
 
An die BV Münster-West 
- z.Hd. Frau Bezirksvorsteherin -  
 
Schelmenstiege 1-3 
48161 Münster 
 
 
Betr.: Umbenennung des Carl-Diem-Weges  
 
 
Die Bezirksvertretung wolle beschließen: 
 
Der Carl-Diem-Wege wird in Julius-Hirsch-Weg umbenannt.   
 
Begründung: 
 
Das Anliegen dieses Antrags ist nicht eine Schuldzuweisung, sondern die Beendigung einer 
Ehrung und der damit verbundenen fragwürdigen Vorbildfunktion für den Sport in einer 
demokratischen Gesellschaft.  
 
Die nie verstummte, seit den 90er Jahren verstärkt geführte Kontroverse um den 
Sportfunktionär und –wissenschaftler Carl Diem kreist um die Frage, wie die sportpolitische 
Rolle Diems im Nationalsozialismus einzuordnen ist und wie sie im Zusammenhang mit 
seinen Verdiensten nach 1947 zu gewichten ist. 
 
Folgende Erkenntnisse zu seiner Rolle innerhalb des NS Regimes sind dabei unbestritten: 
 
Diem, u.a. aufgrund der jüdischen Verwandtschaft seiner Frau nie Mitglied der NSDAP 
gewesen und anfangs als politisch unzuverlässig eingestuft, wurde ab 1936 zur 
Schlüsselfigur der NS-Sportideologie und deren Organisationen. Unter seinen zahlreichen 
Publikationen stellt sein Hauptwerk, „Die Olympische Flamme“ (Berlin 1936), das wichtigste 
Zeitdokument der NS-Sportpropaganda dar. 
 
1936 war er als Generalsekretär des Organisationskomitees der verantwortliche Gestalter der 
olympischen Spiele in Berlin. 1938 bis 1945 war er Leiter des Olympischen Instituts. Seit 
1939 hatte er die Funktion des Gauleiters im NS-Bund für Leibesübungen, zuständig für 
Auslandskontakte, inne. Andere wichtige Funktionen, in denen er die Gleichschaltung des 
Sports betrieb, kamen hinzu. 
 
Sport war für Diem in erster Linie Wehrsport. Krieg und Sport waren für ihn aufs Engste 
miteinander verbunden: „Der Krieg ist der vornehmste, ursprünglichste Sport, der Sport par 
exellence und die Quelle aller anderen Sportarten (…) “ (in: Markus Wiskus: „Der Krieg ist der 
vornehmste Sport“, Leibeserziehung, Heft 12,1971, S. 409 ff.). In einer Denkschrift von 1941 
fordert Diem die Beibehaltung der Olympischen Spiele auch während des Krieges; „Ich meine

aber, dass man den Herrschaftsstandpunkt der überlegenden Rasse nur dann auf Dauer 
durchhält, wenn auch eine körperliche Gesundheit und Kraft dahinter steht und darum sehe 
ich in den Spielen für Europa genau das, was Coubertin in ihnen für Frankreich gesehen hat: 
die immerwährende Prüfung im härtesten Feuer und der stachelnde Anreiz, es den besten 
Völkern gleich zu tun (…)“ 
 
In seinem Aufsatz im „Reichssportblatt“ vom 25.06.1940, drei Tage nach dem offiziell 
verkündeten Sieg der deutschen Truppen über Frankreich, rühmt er „mit atemloser Spannung 
und steigender Bewunderung diesen Sturmlauf, diesen Siegeslauf“ und steht „staunend vor 
den Taten des Heeres“ und versichert, dass „der sportliche Geist, in dem Deutschlands 
Jungmannschaft aufgewachsen ist“ erst den „Sturmlauf durch Polen, Norwegen, Holland, 
Belgien und Frankreich“ und den „Siegeslauf in ein besseres Europa“ ermöglichte.      
 
Carl Diem zitiert in seiner am 18.3.1945 vor dem HJ-Volkssturmlehrgang auf dem 
Reichssportfeld in Berlin gehaltenen Rede den spartanischen Dichter Tyrtaios, dessen 
Gedicht u.a. die Zeilen enthält: “Schön ist der Tod, wenn der edle Krieger für das Vaterland 
ficht, für das Vaterland stirbt.“ (LG Darmstadt vom 17.1.2002). 
 
Auch Sätze wie "Sport ist freiwilliges Soldatentum" belegen Diems militaristische Haltung. In 
dem im Jahr 2000 erschienenen Buch von Achim Laude und Wolfgang Bausch "Der 
Sportführer: Die Legende um Carl Diem" erscheint der NS-Sportfunktionär als brauner 
Karrierist, der maßgeblichen Anteil an der Gleichschaltung des Sports hatte und 
bedingungslose Vaterlandsliebe predigte (Quelle: Der Tagesspiegel v. 10.07.2001). 
 
Nach der öffentlichen Distanzierung (1995) des Leiters der 1947 von Carl Diem gegründeten 
Deutschen Sporthochschule in Köln begannen zahlreiche Umbenennungen von Schulen, 
Straßen, Sporthallen und Ehrenplaketten.  
 
Die nationalistische, militaristische und rassistische Haltung Diems ist vorstehend 
herausgestellt. 
 
Es stünde der Friedensstadt Münster wohl an, dem Beispiel der Kommunen Würzburg 
(Geburtsstadt Diems), Mannheim, Hanau, Düren, Frechen sowie des Deutschen 
Leichtathletik Verbandes zu folgen und damit ihrerseits einen Beitrag zu einem humanen, 
gewaltfreien und der Völkerverständigung verpflichtetem Sport zu leisten.     
 
Die Neubenennung erinnert an den jüdischen Sportler Julius Hirsch, der 1933 aus dem 
Karlsruher Sportverein ausgeschlossen wurde und 1943 nach Auschwitz deportiert wurde.  
 
Stellvertretend für die Generation ausgeschlossener und ermordeter Sportler schuf der DFB 
2005 an ihn erinnernd den Julius-Hirsch-Preis. Er soll jährlich an Personen und / oder 
Vereine verliehen werden, die sich besonders "für Freiheit, Toleranz und Menschlichkeit 
sowie gegen nationalsozialistische, rassistische, fremdenfeindliche oder extremistische 
Erscheinungsformen" einsetzen. 
 
 
gez.: Thorsten Kornblum und Fraktion

Beratungsverlauf (1)

31.05.2007 Bezirksvertretung Münster-West
TOP 6.4 Antrag Entscheidung

Beschluss: eingebracht

Zur Sitzung

Orte (2)

  • Toppheideweg 12
  • Schelmenstiege 1

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Details

Vorlagen-Nr.
A-W/0016/2007
Typ
Antrag an die BV West
Datum
24.05.2007
Erstellt
06.10.2020 14:37