V/0308/2023
Die Stadt des Westfälischen Friedens tritt gegen die gewaltsame Verfolgung von LGBTIQ*-Menschen ein
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A_R_0079_2021_a_r_0079_2021_CDU_Muenster_gegen_gewaltsame_Verfolgung_von_LGBTIQ_Menschen
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Antrag an den Rat Nr. A-R/0079/2021 RATSANTRAG Münster; 02.11.2021 Die Stadt des Westfälischen Friedens tritt gegen die gewaltsame Verfolgung von LGBTIQ-Menschen ein Der Rat der Stadt Münster möge beschließen: 1. Die Stadt Münster führt in Kooperation mit passenden lokalen Akteuren und Multiplikatoren eine Konferenz zur gewaltsamen Verfolgung der LGBTIQ-Menschen durch. 2. Ziel der Konferenz ist es, Menschenrechtsverletzungen in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken und die aktuelle Lage für Betroffene vor Ort aufzuzeigen Lösungsansätze zum besseren Schutz queerer Menschen, die vor Gewalt und Verfolgung flüchten, sind zu entwickeln. Zudem ist zu erörtern, wie aus Deutschland heraus dabei geholfen werden kann, die Verbrechen aufzuarbeiten und die Täter zur Verantwortung zu ziehen. 3. Die Ergebnisse der Konferenz werden dem Ausschuss für Gleichstellung vorgelegt und dort erörtert. Ziel ist es, die Bundesregierung aufzufordern, sich gegen die Diskriminierung und Gewalt einzusetzen, humanitäre Hilfe zu leisten und Betroffenen Schutz zu gewähren. Begründung In jüngster Vergangenheit sind grausame Menschenrechtsverletzungen in Tschetschenien publik geworden. Seit dem Jahr 2016 führt der tschetschenische Staatschef Ramsan Kadyrow eine brutale Kampagne zur „Blutsäuberung“ von tschetschenischen LGBTIQ- Menschen durch. Es kommt zu staatlich bewilligten Einsätzen, in denen Menschen inhaftiert, in geheime Gefängnisse eingesperrt und gefoltert werden, um so viele Homosexuelle wie möglich zu identifizieren. Der nächste Schritt ist, sie systematisch auszurotten. Zahlreiche LGBTIQ-Menschen wurden bereits getötet, noch mehr Personen werden vermisst. Der tschetschenische Staatschef Ramsan Kadyrow hat bei einem Besuch in Moskau gegenüber Putin erklärt, er würde sein Land von LGBTIQ-Menschen säubern. Es handelt sich also um eine ethnische Säuberung. Das Russische LGBTIQ-Netzwerk spricht sogar vom Genozid an LGBTIQ-Menschen. Denn: Homo- oder Bisexualität passen laut dem Regime nicht zum tschetschenischen Geschlechterrollenbild. Diese Situation ist katastrophal. Die Inhaftierten haben kaum eine Chance, dies zu überleben. Selbst wenn sie aus den Gefängnissen entlassen werden, werden sie von ihren Angehörigen bedroht. Die tschetschenischen Strafverfolgungsbehörden forderten sogar, dass die Verwandten die homosexuellen Familienmitglieder hinrichten sollen, und berufen sich dabei auf den alten Brauch der Vainakh – „Ehrenmord“ (eine Maßnahme, die es ermöglicht, den guten Namen der Familie zu „waschen“, indem der Schuldige dieser Schande getötet wird). Der TV-Sender ARTE hat am 18.05.2021 auf Youtube einen investigativen Dokumentarfilm über die Situation der LGBTIQ-Menschen in Tschetschenien veröffentlicht, der die dramatische und lebensbedrohliche Lage der LGBTIQ-Menschen in Tschetschenien zeigt (https://www.youtube.com/watch?v=M3CBkV3P5SI). Am 21. Dezember 2018 veröffentlichte die OSZE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) einen Bericht über die Verfolgungswelle und Folter von Homosexuellen in Tschetschenien im Jahr 2017: Dieser offenbart die Weigerung der russischen Behörden, die Vorkommnisse in Tschetschenien zu untersuchen (https://www.osce.org/odihr/407402?download=true). Am 14. Januar 2019 berichtete Amnesty-Material über die erneute Verfolgungswelle und Folter von Homosexuellen in Tschetschenien (https://www.amnesty.de/informieren/aktuell/russische-foederation-erneute- verfolgungswelle-und-folter-von-homosexuellen). Die Gewalt in Tschetschenien steht hier beispielhaft für eine weltweite Verfolgung der Menschen aufgrund ihrer Geschlechtsidentität oder der sexuellen Orientierung. Denn in mehr als 70 Ländern sind gleichgeschlechtliche Beziehungen kriminalisiert worden, und in einigen Ländern steht sogar die Todesstrafe darauf. Andere haben Gesetze verabschiedet, die LGBTIQ-Personen diskriminieren oder die die Behörden zur Verfolgung von LGBTIQ- Personen einsetzen, wie z.B. vage geschriebene Gesetze über öffentliche Unsittlichkeit. Münster als Friedensstadt steht in der Tradition von Weltoffenheit, Toleranz und Gleichstellung. Es ist der passende Ort, unter Beteiligung passender lokaler Akteure eine solche Konferenz auszurichten und das Ziel, Menschenrechte weltweit zu wahren aus Münster heraus zu betonen. gez. Stefan Weber und Fraktion
Beschlussvorlage
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V/0308/2023 V/0308/2023 Öffentliche Beschlussvorlage Betrifft Die Stadt des Westfälischen Friedens tritt gegen die gewaltsame Verfolgung von LGBTIQ*- Menschen ein Antrag A-R/0079/2021 der CDU-Ratsfraktion Beratungsfolge 07.06.2023 Ausschuss für Gleichstellung Entscheidung Beschlussvorschlag: I. Sachentscheidung: Der Ausschuss für Gleichstellung möge beschließen: 1. Es wird ein Fachtag zu Aspekten von LSBTIQ* Menschenrechten durchgeführt und 2. die Ergebnisse des Fachtages werden dem Ausschuss für Gleichstellung vorgelegt und dort erörtert. 3. Der Antrag Nr. A-R/0079/2021 ist damit aufgegriffen und erledigt. II. Finanzielle Auswirkungen: Teilergebnisplan Nr. Bezeichnung Haush.- jahr Betrag € Bemerkungen Produktgruppe 01 04 Gleichstellung aller Geschlechter Zeile 16 sonstige ordentliche Aufwendungen 2023 2.400 Die zur Finanzierung erforderlichen Ermächtigungen sind im Haushaltsplan-Entwurf bei der o. g. Produktgruppe veranschlagt. Amt für Gleichstellung 16.05.2023 Ihr/e Ansprechpartner/in: Herr Chmielorz Telefon: 492-1706 Chmielorz@stadt- muenster.de - 2 - V/0308/2023 Begründung: Der Antrag an den Rat Nr. A-R/0079/2021, „Die Stadt des Westfälischen Friedens tritt gegen die ge- waltsame Verfolgung von LGBTIQ-Menschen ein“ der CDU-Ratsfraktion ist in der Sitzung des Rates am 10.11.2021 an den Ausschuss für Gleichstellung verwiesen worden. Er nimmt Bezug auf die Menschenrechtssituation von Lesben, Schwulen, trans*, inter* und queeren Menschen in Tschet- schenien und umfasst drei Beschlussvorschläge: 1. Die Stadt Münster führt in Kooperation mit passenden lokalen Akteuren und Multiplikatoren ei- ne Konferenz zur gewaltsamen Verfolgung der LGBTIQ-Menschen durch. 2. Ziel der Konferenz ist es, Menschenrechtsverletzungen in den Fokus der Öffentlichkeit zu rü- cken und die aktuelle Lage für Betroffene vor Ort aufzuzeigen Lösungsansätze zum besseren Schutz queerer Menschen, die vor Gewalt und Verfolgung flüchten, sind zu entwickeln. Zudem ist zu erörtern, wie aus Deutschland heraus dabei geholfen werden kann, die Verbrechen auf- zuarbeiten und die Täter zur Verantwortung zu ziehen. 3. Die Ergebnisse der Konferenz werden dem Ausschuss für Gleichstellung vorgelegt und dort erörtert. Ziel ist es, die Bundesregierung aufzufordern, sich gegen die Diskriminierung und Gewalt einzusetzen, humanitäre Hilfe zu leisten und Betroffenen Schutz zu gewähren. Zu den Antragspunkten 1. und 2. Vorbemerkung: Zur Menschenrechtssituation in Tschetschenien: Die Russische Zeitung „Novaya Gazeta” hat am 1 April 2017 zum ersten Mal über die Verfolgung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans* und inter* Personen in der Tschetschenischen Republik be- richtet. „Novaya Gazeta berichtete über Fälle von Entführung, willkürlicher Inhaftierung und Folter von mutmaßlich schwulen Männern, an denen tschetschenische Strafverfolgungsbeamte auf Anordnung höchster tschetschenischer Behörden direkt beteiligt waren. Diese Verfolgungskampagne fand vor dem Hintergrund schwerer, systematischer und weit verbreiteter Diskriminierung und Belästigung von LGBTI-Personen in der Republik Tschetschenien statt“, so heißt es in der Resolution 2230 des Euro- päischen Parlaments aus dem Jahr 2018. Im Text der Resolution heißt es weiter, dass mehr als 114 LGBTI-Personen und ihre Familien aus der Tschetschenischen Republik fliehen mussten. Ein Jahr nach Beginn des russischen Angriffskrieges und der fortwährenden völkerrechtswidrigen Besetzung des ukrainischen Territoriums haben der Deutsche Städtetag, der Deutsche Landkreistag und der Deutsche Städte- und Gemeindebund sowie der Verband Kommunaler Unternehmen (VKU) ihre Solidarität mit den ukrainischen Partner*innen bekräftigt. Mit Blick auf den fortgesetzten Krieg Russlands gegen die Ukraine nimmt diese Berichtsvorlage das Anliegen der Auseinandersetzung mit der Menschenrechtslage von LSBTIQ* Personen in der russi- schen Teilrepublik Tschetschenien nicht auf. Ein Fachtag zu Aspekten von LSBTIQ* Menschenrechten An Stelle dessen schlagen wir einen Fachtag vor, der sich mit Diskriminierung von und Gewalt an LSBTIQ* Personen beschäftigt. Dabei liegt der Fokus auf Münster und den Akteur*innen im Schnitt- punkt zwischen LSBTIQ* Lebenserfahrungen und Migration, Flucht, internationaler Biographie. Ziel des Fachtages sollte sein, nicht über Personen zu sprechen, die Diskriminierungen, Gewalt und Men- schenrechtsverletzungen erfahren, sondern mit ihnen. Seit 2021 arbeitet das vom Amt für Gleichstellung ins Leben gerufene Netzwerk sexuelle und ge- - 3 - V/0308/2023 schlechtliche Vielfalt auf der Grundlage des vom Verwaltungsvorstand befürworteten Arbeitsplans zur Gleichstellung und Gleichberechtigung von Menschen aller geschlechtlichen Identitäten zu relevanten Themen mit der Zielgruppe LSBTIQ* Personen. Das Netzwerk tauscht sich dreimal jährlich aus mit Beteiligung von Mitarbeitenden der Stadtverwaltung Münster, Vertreter*innen der LSBTIQ* Communi- ty und Expert*innen aus der Stadtgesellschaft. Wir schlagen vor, das Netzwerk sexuelle und ge- schlechtliche Vielfalt und die Expertise der Teilnehmenden als Basis für einen Fachtag LSBTIQ* und Menschenrechte zu nutzen. Folgende Akteur*innen in Münster sollten einbezogen werden: - Beratungsstellen der LSBTIQ*-Träger in Münster, - Beratungsstellen, die an der Schnittstelle LSBTIQ* und Flucht/Migration arbeiten, - Selbsthilfe und Beratungsstrukturen von und für trans* und inter* Personen, - Akteur*innen aus dem Praxisfeld Migration in Münster, wie der Integrationsrat und -in Abstimmung mit dem Kommunalen Integrationszentrum- Migrant*innen-Selbst- organisationen, Glaubensgemeinschaften sowie Vereine und Institutionen. Ziel des Fachtages ist es, Netzwerkstrukturen in Münster auszubauen, Synergien zwischen unter- schiedlichen freien Trägern und NGOs aus den Bereichen LSBTIQ* und Migration/Flucht/Asyl zu er- möglichen und die Kooperation mit Blick auf Mehrfachdiskriminierung von queeren Personen auszu- bauen. Als Gäste sollen darüber hinaus Interessierte und Akteur*innen aus der Stadtgesellschaft und der Politik eingeladen werden. Wir schlagen einen halbtägigen Fachtag im Herbst 2023 vor. Neben einem Grußwort durch den Oberbürgermeister oder eine der Bürgermeister*innen planen wir eine Keynote mit Diskussion sowie mehrere Themeninseln (z. B. „Queer Refugees in Münster“, „Die jeweils andere Perspektive? - LSB- TIQ* und internationale Biographien“, „Asyl und LSBTIQ*“ etc.). zu Antragspunkt 3. Die Ergebnisse des Fachtages werden dem Ausschuss für Gleichstellung vorgelegt und dort erörtert. gez. Markus Lewe Anlagen: Antrag an den Rat A-R/0079/2021 „Die Stadt des Westfälischen Friedens tritt gegen die gewaltsame Verfolgung von LGBTIQ-Menschen ein“
Anlage A
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Anlage A zur V/0308/2023 Kurzüberblick Die Vorlage skizziert einen Vorschlag zur Umsetzung des Ratsantrages A-R/0079/2021, „Die Stadt des Westfälischen Friedens tritt gegen die gewaltsame Verfolgung von LGBTIQ-Menschen ein“ - Durchführung eines Fachtages LSBTIQ* und Menschenrechte im Herbst 2023 Ziele/Teilziele/Zielerreichung Die Ziele beziehen sich auf den Haushaltsplan der Stadt Münster PG 01 04 – Gleichstellung aller Geschlechter Förderung der Gleichstellung in Münster mit den Teilzielen Zielgruppenspezifische Gleichstellungsarbeit für Menschen aller Geschlechter themenspezifische Gleichstellung für LSBTIQ* Personen in den Feldern geschlechtliche und sexuelle Identitäten und Netzwerkarbeit Finanzierung Produktgruppe: 01 04 Bezeichnung der PG Gleichstellung aller Geschlechter Auswirkungen auf den Ergebnisplan X Ja Nein Auswirkungen auf den Finanzplan Ja X Nein Im beschlossenen (Nachtrags-)Haushaltsplan 2023 enthalten? X Ja Nein teilw. Belastungen in zukünftigen HH-Jahren? Ja X Nein Bereits veranschlagt? X Ja Nein Die zur Finanzierung erforderlichen Ermächtigungen sind im Haushaltsplan bei der o. g. Produkt- gruppe veranschlagt Pflichtigkeitsgrad Die Maßnahme/Leistung ist vollständig pflichtig überwiegend pflichtig überwiegend freiwillig X vollständig freiwillig Unmittelbare, grundsätzliche Relevanz für Querschnittsthemen (Demographie, Gleichstellung, Inklusion, Klimaschutz, Migration) Das Thema hat Relevanz für das Querschnittsthema Gleichstellung und dient unmittelbar zur Umsetzung des Ziels „Förderung der themenspezifischen Gleichstellung in Münster“.
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- V/0308/2023
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 12.05.2023
- Erstellt
- 10.05.2023 19:02