1215/2024
Sofortprogramm zur Stärkung unserer Innenstädte und Zentren NRW
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Mitteilung BV
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Dezernat, Dienststelle IX/151/1 Vorlagen-Nummer 1215/2024 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Bezirksvertretung 8 (Kalk) 25.04.2024 Sofortprogramm zur Stärkung unserer Innenstädte und Zentren NRW, hier: Abschluss des Förderprogramms im Bezirkszentrum Kalk Der vorliegende Abschlussbericht für das Bezirkszentrum Kalk dokumentiert die beiden För- derphasen des „Sofortprogramm zur Stärkung unserer Innenstädte und Zentren“ und stellt aufbauend auf der Zukunftsagenda Kalk das angestoßene Zentrenmanagement dar. Das „Sofortprogramm zur Stärkung unserer Innenstädte und Zentren“ des Landes NRW ist seit August 2021 zeitversetzt in den Bezirkszentren Porz, Kalk und Ehrenfeld gestartet. Die Stadt Köln hat in zwei Förderphasen (1. und 3. Fördercall) Fördermittel in Höhe von insgesamt 144.000 € je Bezirkszentrum eingeworben. Zum 31.12.2023 ist die Förderperiode nun geen- det. Ziel des Sofortprogramms Innenstadt war es, die Auswirkungen der Corona-Pandemie in den drei Bezirkszentren durch den Anstoß und die initiale Umsetzung eines Zentrenmanage- ments abzudämpfen. In Kalk startete das Programm im Dezember 2021 in Zusammenarbeit mit dem beauftragten Planungsbüro Stadt + Handel Beckmann und Föhrer Stadtplaner GmbH. In der ersten Phase wurden die Struktur des Bezirkszentrums analysiert bzw. auf Basis des fortgeschriebenen Ein- zelhandels- und Zentrenkonzeptes (EHZK) aktualisiert. Zudem wurden verschiedene Beteili- gungsformate mit den Akteursgruppen vor Ort zur Stärkung des Netzwerkes und Vorbereitung von umsetzungsfähigen Maßnahmen durchgeführt. In einer Strategiewerkstatt wurden ge- meinsam erste Handlungsempfehlungen für das Bezirkszentrum formuliert. Abgeschlossen wurde die erste Förderphase mit der Zukunftsagenda Kalk (Mitteilung 2435/2023). Die soge- nannte Zukunftsagenda wurde im Frühjahr 2023 erstellt und enthält Maßnahmenvorschläge, die in der darauffolgenden Förderphase in ersten Ansätzen umgesetzt werden konnten. In der zweiten Förderphase stand die initiale Umsetzung eines Zentrenmanagements im Fo- kus. Im Kalker Laden an der Kalker Hauptstraße 214 wurde eine regelmäßige Sprechstunde eingerichtet und es wurde eine erste, kleinere Maßnahme umgesetzt. Zum Kalkfest am 19.08.2023 wurde ein „Stadtgarten-Picknick“ organisiert, das passend zu der Idee eines Gastro-Quartiers im Stadtgarten an der Kalker Hauptstraße eine temporäre Picknickfläche mit Begleitprogramm (Musik, Sport, Kunst) anbot. Durch das Sofortprogramm wurde Akteursgruppen und Einzelpersonen die Möglichkeit gege- ben, sich miteinander zu vernetzen und im Rahmen von Beteiligungsformaten sowie dem Stadtgarten-Picknick selbst aktiv zu werden. Die Zukunftsagenda und der vorliegende Ab- schlussbericht dienen über das Sofortprogramm hinaus als Leitfäden für die Positionierung des Bezirkszentrums in Hinblick auf die Zentrenentwicklung mit ihren vielfältigen Facetten. Derzeit wird Kalk als Optionsraum für ein neues Integriertes Stadtentwicklungskonzept (ISEK) geprüft. Dabei bieten die Erkenntnisse des Sofortprogramms eine tragfähige Grundlage für 2 das Handlungsfeld Wirtschaft, Arbeit und Innovation. Anlage - Abschlussbericht Kalk
Sofortprogramm_Innenstadt_Abschlussbericht_Kalk_(ohne_CI)
39415 Zeichen
Abschluss-
bericht
Initiale Umsetzung eines
Zentrenmanagements in Köln-Kalk
Sofortprogramm zur Stärkung der Innenstädte
und Zentren in Nordrhein-Westfalen
Gefördert durch
.
Impressum
Kontakt
Amt für Stadtentwicklung und Statistik
Stadthaus Deutz – Westgebäude
Willy-Brandt-Platz 2
50679 Köln
Stadtentwicklung.statistik@stadt-koeln.de
Projektverantwortung
Brigitte Scholz
Leiterin Amt für Stadtentwicklung und Statistik
Projektleitung
Karla Finkeldei
Externes Projektbüro
Stadt + Handel Beckmann und Föhrer Stadtplaner GmbH
Projektleitung
Jonas Reimann
.
Inhaltsverzeichnis
KAPITEL SEITE
1. Einleitung 1
1.1 Projekthergang/Anlass 1
1.2 Anstoßprozess für ein Zentrenmanagement 2
1.3 Zielsetzung Zentrenmanagement 4
2. Initiale Umsetzung von Leistungen zum Anstoß eines Zentrenmanagements
Köln-Kalk 7
2.1 Vor Ort-Präsenz 7
2.2 Implementierung und Pflege eines Leerstandskatasters 8
2.3 Koordinations- und Kommunikationsarbeit zwischen den Akteursgruppen 11
2.4 Beratungs- und Unterstützungsleistungen für den Aufbau von Immobilien- und
Standortgemeinschaften (ISG) 16
2.5 Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation 17
3. Fazit und Ausblick 20
.
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1 Sofortprogramm Kalk (Stadt Köln) .............................................................. 1
Abbildung 2 Untersuchungsgebiet Bezirkszentrum Kalk (Stadt + Handel) ..................... 2
Abbildung 3 Roadmap Anstoßprozess für ein Zentrenmanagement Kalk (Stadt +
Handel) ................................................................................................. 4
Abbildung 4 Flyer Kalker Laden (Stadt + Handel) ........................................................... 8
Abbildung 5 Leerstandsentwicklung im BZ Kalk ohne Köln Arcaden (Daten
Erhebung GMA 2016 / Stadt + Handel 12/2021, 05-12/2023) ............ 9
Abbildung 6 Leerstandskatierung im BZ Kalk 2016 ohne Köln Arcaden EHZK 2016
(Daten GMA 2016; Kartengrundlage TIM Online NRW) .................... 10
Abbildung 7 Leerstandskatierung im BZ Kalk Dezember 2023 ohne Köln Arcaden
(Daten Erhebung Stadt + Handel 12/2023; Kartengrundlage TIM
Online NRW) ...................................................................................... 10
Abbildung 8 Leerstandsentwicklung im BZ -Kalk ohne Köln Arcaden Mai 23 bis
Dezember 23 (Daten Erhebung Stadt + Handel 05-12/2023) ........... 11
Abbildung 9 Info-Flyer zum Kalkfest (Stadt + Handel) .................................................. 12
Abbildung 10 Impressionen Kalkfest (Stadt + Handel) .................................................. 13
Abbildung 11 Pressetermin und Presseartikel Kalkfest (Stadt + Handel, Report-K,
Kölner Stadt Anzeiger) ....................................................................... 14
Abbildung 12 Printmedien Kalkfest (Stadt + Handel) .................................................... 14
Abbildung 13 Leerstand Bäckerei Schlechtrimen (Kalker Hauptstraße 210) (Stadt
+ Handel) ............................................................................................ 15
Abbildung 14 Einladungsschreiben ISG-Infoveranstaltung (Stadt + Handel) ............... 17
Abbildung 15 Flyer Ergebnisse Anstoßprozess für ein Zentrenmanagement im BZ
Kalk (Stadt + Handel) ......................................................................... 18
Abbildung 16 Pressemitteilungen Zentrenmanagement Kalk (Stadt Köln, report-k,
Express – Die Woche – Redaktion) ................................................... 19
1
1. Einleitung
1.1 PROJEKTHERGANG/ANLASS
Im Rahmen des ersten Förderaufrufs zum „Sofortprogramms zur Stärkung unserer
Innenstädte und Zentren in Nordrhein-Westfalen 2021" hat die Stadt Köln für das Be-
zirkszentrum Kalk, Kalker Hauptstraße, Fördergelder erhalten. Die aktivierende Ana-
lyse und Projek tkonzeption für ein Zentrenmanagement (vgl. 1.2) konnte innerhalb
der ersten Phase gemeinsam mit dem externen Büro Stadt + Handel Beckmann und
Föhrer Stadtplaner GmbH durchgeführt werden. Als Abschluss der ersten Phase wur-
den zentrale Erkenntnisse in Form einer Zukunftsagenda festgehalten, die gleichzei-
tig die Grundlage für den Übergang zur zweiten Phase – dem Zentrenmanagement -
bildet (Abbildung 1).
Abbildung 1 Sofortprogramm Kalk (Stadt Köln)
Als Betrachtungsgrundlage wurde die Abgrenzung des Zentralen Versorgungsbe-
reichs des Bezirkszentrums Kalk im Einzelhandels- und Zentrenkonzept von 2020
herangezogen (Abbildung 2). Aus den Ergebnissen des Anstoßprozesses und der Er-
kenntnis, dass das Bezirkszentrum Kalk von unterschiedlichen Faktoren beeinflusst
wird, darunter städtebauliche und gestalterische Defizite, ein hohes Verkehrsaufkom-
men sowie eine eingeschränkte funktionale und aufenthaltsqualitätsbezogene Quali-
tät, ergab sich auch die Notwendigkeit eines Zentrenma nagements. Hinzu kommen
für das Bezirkszentrum Kalk spezifische Herausforderungen bei Basisqualitäten wie
Sicherheitsempfinden, Sauberkeit und weitere Themen der öffentlichen Ordnung .
Diese Themen zu bearbeiten war nicht Kernaufgabe des Zentrenmanagements, sie
wurden in der Zusammenarbeit mit Akteursgruppen aber regelmäßig diskutiert. Das
Zentrenmanagement sollte vielmehr als Impulsgeber wirken. Ziel war es, die Zusam-
menarbeit zwischen den verschiedenen Akteur sgruppen vor Ort weiter zu stärken,
die aktivierende Analyse aus dem Anstoßprozess weiterzutragen und konkrete Hand-
lungen zu initiieren.
2
Abbildung 2 Untersuchungsgebiet Bezirkszentrum Kalk (Stadt + Handel)
Die Laufzeit für das Zentrenmanagement betrug maximal ein Jahr. In diesem Zeit-
raum wurde eine wirtschaftliche Stabilisierung - nach der Covid19-Pandemie - durch
den Krieg in der Ukraine und seine Folgen weiter erschwert.
Im Vergleich zu einem langfristigen Zentrenmanagement agierte das Zentrenma-
nagement in Kalk als initiales Zentrenmanagement für einen begrenzten Zeitraum von
rund elf Monaten. Ein initiales Zentrenmanagement, wie es in Kalk umgesetzt wurde,
ermöglicht die zeitnahe Fortsetzung des vorangegangenen Anstoßprozesses. Auf-
grund der zeitlichen Limitierung fokussierte sich das initiale Zentrenmanagement auf
spezifische Fragestellungen, wodurch erste Entwicklungsimpulse gegeben werden
sollten. Aufgrund des niedrigen waren die Handlungsspielräume zur Umsetzung ei-
gener Maßnahmen eingeschränkt. Ein langfristige s Zentrenmanagement hingegen
verfügt gewöhnlich über umfassendere Ressourcen und Planungssicherheiten, die
das Agieren in einer Gesamtstrategie für das Zentrum ermöglichen. Hierbei können
über einen längeren Zeitraum hinweg Vertrauensverhältnisse mit Schlüsselakteur*in-
nen aufgebaut, Perspektiven für Stadtmacher*innen geschaffen und Motivations- so-
wie Zugkräfte bei den Akteursgruppen vor Ort mobilisiert werden. Eine Gegenüber-
stellung der beiden Managementarten ist in Kapitel 1.3 dargestellt.
Zur verbesserten Lesbarkeit wird innerhalb des Tätigkeitsberichtes zwischen der Un-
terscheidung zwischen initialem Zentrenmanagement und Zentrenmanagement ab-
gesehen.
1.2 ANSTOßPROZESS FÜR EIN ZENTRENMANAGEMENT
Das Hauptziel des Anstoßprozesses für das Zentrenmanagement im Bezirkszentrum
entlang der Kalker Hauptstraße war die Aktivierung unterschiedlicher Akteursgruppen
und deren langfristige Zusammenarbeit zur Stärkung des Zentrums. Der Prozess
3
sollte eine Grundlage für eine strategische (Neu-)Positionierung des Kalker Bezirks-
zentrums und der vorhandenen Managementstrukturen geben. Der gesamte Prozess
erstreckte sich über fünf ineinandergreifende Phasen, die eine aktivierende Analyse
unter Einbeziehung relevanter Stakeholder aus dem Zentrum umfassten. Um den in
der Einleitung skizzierten Entwicklungen zu begegnen und partizipative Lösungsan-
sätze zu finden, begleitete Stadt + Handel von Ende 2021 bis Ende 2023 den Anstoß-
prozess für ein Zentrenmanagement im Bezirkszentrum Kalk. Neben einer aktivieren-
den Analyse und Projektkonze ption standen die folgenden wesentlichen Fragestel-
lungen im Fokus:
Über welche Perspektiven verfügt Kalk?
Auf welchen Potenzialen kann aufgebaut werden?
Welche Zielgruppen sollen sich perspektivisch von den Angeboten angespro-
chen fühlen?
Welche Stadtmacher*innen können etwas im Zentrum bewegen?
Neben den übergeordneten Fragestellungen wurden auch konkrete Handlungsemp-
fehlungen und Projekte abgeleitet. Die Schlüsselprojekte zur Weiterentwicklung des
Kalker Bezirkszentrums und der Initiierung eines Zentrenman agements umfassten
Beratungsangebote und Workshops, ein proaktives Nachnutzungs- bzw. Leerstands-
management sowie die Aktionsgruppe Bezirkszentrum Kalk.
Der Anstoßprozess verfolgte somit das Hauptziel, verschiedene Akteur sgruppen zu
aktivieren und die Zusammenarbeit zu stärken. Der Anstoßprozess bestand zunächst
aus vier ineinandergreifenden Phasen und bildete dadurch die Grundlage für das
Zentrenmanagement, das als fünfte Phase das Management, bzw. die Verstetigung
abbildete (Abbildung 3). Die Zukunftsagenda Kalk bildet den ausführlichen Gesamt-
bericht der ersten vier Phasen und ist auf der Website der Stadt Köln öffentlich ein-
sehbar.
4
Abbildung 3 Roadmap Anstoßprozess für ein Zentrenmanagement Kalk (Stadt + Handel)
In der Impuls-Phase (Phase 1) sollten Stadtmacher*innen motiviert und aktiviert wer-
den. Diese Phase stand noch im Zeichen der Covid19-Pandemie, sodass lokale Um-
setzungsstrukturen merklich geschwächt waren. Online-Speed-Datings dienten dazu,
Expert*innengespräche zu führen und Entwicklungsthemen zu sammeln. Die öffent-
liche Impulsveranstaltung im Juni 2022 sollte Aufbruchstimmung erzeugen und Ak-
teursgruppen für eine zukunftsfähige Zentrenentwicklung motivieren.
In der Flying-Doctor-Phase (Phase 2) wurde eine erste Analyse durchgeführt, basie-
rend auf Ergebnissen der Impuls -Phase. Ein Zentren-Spaziergang und eine Strate-
gie-Werkstatt ermöglichten den Austausch vor Ort und die gemeinsame Erarbeitung
von Zukunftsbildern und Maßnahmen.
In der Toolbox -Phase (Phase 3) im Frühjahr 2023 wurden konkrete Entwicklungs-
empfehlungen erarbeitet. Stadt + Handel konzentrierte sich auf Handlungsfelder wie
Marken- und Angebotsportfolio, Stadtgestaltung, Er reichbarkeit und Orientierung.
Zum Abschluss dieser Phase wurde ein sogenanntes Zentren -Briefing mit Hand-
lungsempfehlungen für das zukünftige Zentrenmanagement erstellt.
Die Interventions - und Management -Phase (Phase 4) soll te erste Tätigkeiten des
Zentrenmanagements initiieren. Die erarbeiteten Maßnahmenempfehlungen aus der
Toolbox-Phase wurden konkretisiert und in Zusammenarbeit mit den Akteursgruppen
vor Ort projektbezogen gestärkt. Das Ziel war es, handlungsfähige Organisations-
strukturen im Zentrum zu etablieren. In dieser Phase begann der Übergang zum Zen-
trenmanagement.
1.3 ZIELSETZUNG ZENTRENMANAGEMENT
Als zentrale Schnittstelle zwischen Verwaltung, Akteursgruppen und Einzelpersonen
fungierte das Zentrenmanagement als permanente r Ansprechpartner vor Ort im
5
„Kalker Laden“. Dabei übernahm es initiale Aufgaben zur Koordination einer gemein-
samen Intervention sowie der Netzwerkarbeit im Zentrum. Der regelmäßige Aus-
tausch mit Eigentümer*innen und Gewerbetreibenden wurde stetig gesucht.
Der Begriff „Zentrenmanagement" bezieht sich auf Managementansätze im städti-
schen Kontext, insbesondere zur Förderung und Entwicklung von Stadt- oder Bezirks-
zentren. Dabei unterscheidet sich ein initiales Zentrenmanagement wesentlich von
einer langfristigen Struktur:
Kategorie Initiales Zentrenma-
nagement
Langfristiges Zentren-
management
Umfang und Fokus Anfänglichen Schritte und
Maßnahmen
Umfassendere Herange-
hensweise
Phase der Implementie-
rung
Ersten Phasen der Ent-
wicklung und Implemen-
tierung von Management-
strukturen sowie Reaktion
auf spezifische Heraus-
forderungen
Eine fortgeschrittenere
und fortlaufende Form
des Managements, die
darauf abzielt, langfristige
Entwicklungsziele zu er-
reichen
Zielsetzung Zusammenarbeit der Ak-
teursgruppen zu stärken
Breitere Ziele, die oft auf
z. B. auf die Förderung
von Wirtschaft, Kultur,
Tourismus, sozialer In-
tegration und Lebensqua-
lität abzielen können
Zeitlicher Rahmen Zeitlich begrenzter, an-
fänglicher Prozess zur
Aktivierung und Entwick-
lung
Als langfristige, kon tinu-
ierliche Initiative angelegt
Ein initiales Zentrenmanagement kann der Ausgangspunkt für umfassendere Zen-
trenmanagement-Strategien sein.
Das Zentrenmanagement Kalk war mit folgenden Aufgaben beauftragt:
Implementierung & Pflege eines Leerstandskatasters
Erhebung & Aufbereitung von Leerstandsdaten entlang der Kalker Hauptstraße
Beratungsleistungen für Immobilieneigentümer*innen & Vermittlungsarbeit
Koordinations- & Kommunikationsarbeit zwischen den Akteursgruppen
Anlaufstelle & Sprechstunde in Kalk (Kalker Laden)
Planung, Organisation und Durchführung von öffentlichen Veranstaltungen und weiteren öffentlich-
keitswirksamen Maßnahmen
Durchführung einer Informationsveranstaltung zum Thema „Immobilien-
und Standortgemeinschaft“ (ISG)
Abstimmung mit der Fachverwaltung der Stadt Köln
Berichtslegung & Ergebnispräsentation
6
Eine ausführliche Darstellung der Umsetzung des Zentrenmanagements findet sich
in Kapitel 2.
Dabei agierte das Zentrenmanagement auch als Schnittstelle zwischen der Stadtver-
waltung und aktiven Personen im Bezirkszentrum. Als Ansprechpartner für Akteurs-
gruppen stand das Zentrenmanagement im Austausch mit Eigentümer*innen und Ge-
werbetreibenden sowie Vereinen und Institutionen.
Um die Leerstandsentwicklungen zu überwachen, erhob das Zentren management
regelmäßig die Leerstände entlang der Kalker Hauptstraße. Hinzu kamen Versuche,
Kontakt mit Immobilieneigentümer*innen aufzunehmen, zwecks Austauschs und Be-
ratung zu Nachnutzungen.
Die Leistungen des Zentrenmanagements bauten auf den Erkenntniss en, Analysen
und bereits formierten Netzwerken aus dem vorgelagerten Anstoßprozess auf.
7
2. Initiale Umsetzung von
Leistungen zum Anstoß eines
Zentrenmanagements Köln-
Kalk
2.1 VOR ORT-PRÄSENZ
Im Zeitraum von April bis Dezember 2023 war das Zentrenmanagement im Bezirks-
zentrum Kalk vor Ort präsent . Die offene Sprechstunde fand dienstags zwischen
10:00 und 15:00 Uhr statt. Zur Bewerbung der Sprechstunden und Gesprächsange-
bote erstellte das Zentrenmanagement Flyer und verteilte diese unter den Gewerbe-
treibenden (Abbildung 4). Darüber hinaus wurden mehrere Pressemitteilungen veröf-
fentlicht (Abbildung 16).
Die regelmäßige Anwesenheit ermöglichte es, als Ansprechpartner direkt mit den
Menschen vor Ort in Kontakt zu treten. Durch die Nutzung des „Kalker Ladens“ an
der Kalker Hauptstraße 214 konnte eine räumliche Nähe zum Bezirksrathaus und zu
Gewerbetreibenden hergestellt werden. Die Nutzung der vorhandenen Infrastruktur
brachte zudem folgende Vorteile mit sich:
Keine Einrichtungskosten im Rahmen einer kurzen Projektlaufzeit und überschaubarer Öffnungszei-
ten
Keine hohen Mietkosten, sondern lediglich geringe „Nutzungskosten“
Kaum zeitlicher Aufwand für die Einrichtung eines neuen Büros
Schnelle Aufnahme der Sprechstunden
Nutzung von Schaufensterflächen
Einbettung in ein bestehendes Netzwerk
Keine „Verdrängung“ von Mietinteressierten, wie bei Anmietung eines Leerstands
Die offene Gesprächs-Plattform konnte für individuelle Gespräche, Fragen und Anre-
gungen genutzt werden. Die Sprechstunden wurden allerdings kaum von Gewerbe-
treibende und Eigentümer*innen angenommen, sondern vielmehr durch interessierte
Bürger*innen spontan wahrgenommen. Anregungen und Fragen konnten dabei z. B.
an die Sozialraumkoordination weitergeleitet werden. Dies stärkte die Wahrnehmung
des Zentrenmanagements innerhalb der bestehenden Akteursstruktur. Neben der of-
fenen Sprechstunde vereinbarte das Zentrenmanagement daher gezielt Termine mit
Eigentümer*innen und Gewerbetreibenden oder nahm an Veranstaltungen teil. So
stand das Zentrenmanagement beispielsweise in regelmäßigem Kontakt mit dem Ei-
gentümer einer leerstehenden ehemaligen Bäckerei auf der Kalker Hauptstraße und
vermittelte zwischen Makler*innen (siehe Kap. 2.3.2). Darüber hinaus nutze das Zen-
trenmanagement die leerstehende Bäckerei temporär für eine Fotoausstellung, um
den Leerstand aufzuwerten. Neben dem direkten Austausch mit Eigentümer*innen
und Gewerbetreibenden beteiligte sich das Zentrenmanagement an Veranstaltungen
wie dem Wirtschaftsdialog Kalk, der Sozialraumkonferenz oder d em Treffen der
Standortgemeinschaft zur verkehrlichen Umgestaltung der Kalker Hauptstraße.
8
Im Zeitraum Ende April bis Ende November besuchten 25 Interessierte die offene
Sprechstunde. Besuchsgründe waren dabei insbesondere Nachfragen zu sozialen
Angeboten, die entweder direkt beantwortet oder an die Sozialraumkoordination über-
mittelt wurden.
Abbildung 4 Flyer Kalker Laden (Stadt + Handel)
2.2 IMPLEMENTIERUNG UND PFLEGE EINES
LEERSTANDSKATASTERS
Durch die sukzessive Fortschreib ung des Leerstandskatasters konnte ein Indikator
für die Vitalität des Zentrums beobachtet werden. Die regelmäßigen Erhebungen
dienten zudem als Grundlage, um Immobilieneigentümer*innen gezielt zu kontaktie-
ren. Das Zentrenmanagement erhob dazu zwischen Mai 2023 und Dezember 2023
monatlich alle Leerstände in Erdgeschosslage im Bezirkszentrums. K rankheits- und
9
urlaubsbedingt fielen die Erhebungen im März, April und August aus, sodass eine
Verlängerung des Erhebungszeitraums bis Dezember abgestimmt wurde. Zusätzlich
zu den Erhebungen des initialen Zentrenemanagements konnte für Vergleichswerte
auf Erhebungsergebnisse1 aus den Jahren 2016, 2021 und 2022 zurückgegriffen wer-
den. Die regelmäßige Erhebung ließ Rückschlüsse auf Fluktuationen und Verände-
rungen der Leerstände sowie räumliche Konzentrationen und Problemstellungen zu.
Im zeitlichen Verlauf lässt sich feststellen, dass sich die Anzahl der Leerstände seit
der Erhebung im Dezember 2021 bis Juni 2023 stetig erhöht hat. Als Gründe sind
hierbei die Auswirkungen globaler Krisen wie die COVID-19-Pandemie oder der Krieg
in der Ukraine und die dadurch entstandene Energiekrise heranzuziehen. Zwischen
Juli und September 2023 fiel die Anzahl der Leerstände von 19 auf 14 deutlich ab und
es konnten sechs Nachnutzungen sowie ein neuer Leerstand identifiziert werden. Die
Gesamtanzahl der Leerstände blieb daraufhin bis November 2023 konstant, trotz mo-
natlicher Fluktuationen im Hinblick auf Nachnutzungen und neue Leerstände. Im De-
zember 2023 sank die Anzahl der Leerstände auf das bislang niedrigste Niveau seit
der Erhebung im Zuge des Einzelhandels- und Zentrenkonzeptes im Jahr 2016 (Ab-
bildung 5).
Abbildung 5 Leerstandsentwicklung im BZ Kalk ohne Köln Arcaden (Daten Erhebung GMA 2016 / Stadt + Handel 12/2021, 05-12/2023)
Räumlich verteilten sich die Leerstände im B ezirkszentrum Kalk primär entlang der
Kalker Hauptstraße sowie vereinzelten Nebenstraßen. Die Erhebung des Einzelhan-
dels- und Zentrenkonzeptes von 2016 zeigte, dass insbesondere die Nebenstraßen
Kalk-Mülheimer-Straße sowie Steprathstraße von Leerständen betroffen waren ( Ab-
bildung 6).
1 Die Erhebungen fanden im Kontext anderer Projekte der Stadt Köln und Stadt + Handel statt.
10
Abbildung 6 Leerstandskatierung im BZ Kalk 2016 ohne Köln Arcaden EHZK 2016 (Daten GMA 2016; Kartengrundlage TIM Online NRW)
Nach aktuellem Stand (Dezember 2023) zeigt sich, dass die Kalker Hauptstraße im-
mer noch einen Agglomerationsraum von Leerständen bildet. Im V ergleich zu der
Leerstandssituation 2016 haben sich diese allerdings räumlich weiter östlich Richtung
Bahntrasse verteilt. Die Steprathstraße bleibt weiterhin eine durch Leerstände ge-
prägte Nebenstraße (Abbildung 7).
Abbildung 7 Leerstandskatierung im BZ Kalk Dezember 2023 ohne Köln Arcaden (Daten Erhebung Stadt + Handel 12/2023; Kartengrundlage
TIM Online NRW)
Auch die Kartierung der Leerstände gegliedert in seit mehr als 6 Monaten leerste-
hend, 3-6 Monate leerstehend und unter 3 Monate leerstehend zeigt die eingangs
erwähnte Fluktuation der Leerstände und Nachnutzungen deutlich. Nur wenige Erd-
geschossflächen stehen sechs Monate oder länger leer. Die Nachfrage nach Laden-
lokalen scheint somit auch nach der Covid-19-Pandemie stabil. Demnach ist die Ein-
teilung in kurzfristige, mittelfristige und langfristige Leerstände eher ausgeglichen und
verteilt sich räumlich gleichmäßig entlang der Kalker Hauptstraße, sowie den Neben-
straßen Rolshover Straße, Kalk-Mülheimer-Straße und Steprathstraße. Von den ins-
gesamt 24 Leerständen, die im Erhebungszeitraum festgestellt wurden (März 23 bis
11
Dezember 23, ohne Köln Arcaden), standen 38% voraussichtlich mehr als sechs Mo-
nate leer, 33% der Leerstände standen zwischen drei und sechs Monaten leer und
29% der Leerstände standen kurzfristige unter drei Monaten leer (Abbildung 8).
Abbildung 8 Leerstandsentwicklung im BZ -Kalk ohne Köln Arcaden Mai 23 bis Dezember 23 (Daten Erhebung Stadt + Handel 05-12/2023)
2.3 KOORDINATIONS- UND KOMMUNIKATIONSARBEIT ZWISCHEN
DEN AKTEURSGRUPPEN
In diesem Abschnitt werden die Bemühungen des Zentrenmanagements im Rahmen
erster Interventionen, Beratungen sowie der Öffentlichkeits- und Netzwerkarbeit dar-
gestellt. Neben der fortlaufenden Arbeit des Zentrenmanagements konnte eine ge-
zielte Aktion einen zeitlich und räumlich begrenzten Impuls setzten.
2.3.1 Erste Prototypen: Entdecker-Heft und Kalkfest
Die Sozialraumkoordination Kalk organisierte am 19.08.2023 das Kalkfest. Unter dem
Motto „Zeig mir deine Welt“ realisierten über 50 unterschiedliche Akteursgruppen aus
Kalk dezentrale Aktionen im öffentlichen und privaten Raum des Bezirkszentrums
Kalk. Die erste Neuauflage des Festes nach der Covid-19-Pandemie bot unter ande-
rem Lesungen, Musik, Konzerte, Filmvorführungen, Kunst- und Kreativaktionen.
Das Zentrenmanagement beteiligte sich gezielt an dem Fest, um im Veranstaltungs-
rahmen seine Aufgaben und Arbeiten nach außen zu tragen. Anhand von Plakaten
(Abbildung 9) stellte es am Kalker Laden die Ergebnisse des Anstoßprozesses dar
und konnte ins direkte Gespräch mit Kalker*innen kommen. Zentrale Themen der Ge-
spräche mit Besucher*innen waren:
Eine mögliche verkehrliche Umgestaltung der Kalker Hauptstraße
Themen rund um Sicherheit, Sauberkeit und Ordnung
Parkplatzsituation
12
Abbildung 9 Info-Flyer zum Kalkfest (Stadt + Handel)
Der Kalker Laden diente neben dem Platz an „Kalk Post“ als Veranstaltungs - und
Informationszentrale, sodass ein reger Publikumsverkehr für viel Aufmerksamkeit
sorgte. Vier Mitarbeiter*innen von Stadt + Handel standen für alle Fragen zur Verfü-
gung.
Neben der Information und dem unmittelbaren Austausch, verfolgte das Zentrenma-
nagement das Hauptziel einer wirkungsvollen Intervention. Die Erkenntnisse des An-
stoßprozesses sollten exemplarisch und damit als Prototypen in Projekte überführt
werden. Prototypen werden dabei als kurzfristig umsetzbare Projekte definiert, deren
Umsetzung ein Lernprozess bildet, um von einem ersten Versuch zu einem effizien-
teren Handeln zu kommen. Folgende Ziele und Empfehlungen aus dem Anstoßpro-
zess wurden verfolgt:
1. Profilierung des Lagebereichs zwischen Stadtpark und Brauwelt als Gastro-
nomiequartier
2. Durchbrechung einer Negativspirale (Müll, Vandalismus und Drogenkonsum)
rund um den Leerstand am Stadtpark (ehemalige Bäckerei und Konditorei
Schlechtrimen)
3. Temporäre Belebung des Leerstandes und der Schaufenster durch Fotoaus-
stellung
4. Kooperation zwischen unterschiedlichen Stadtmacher*innen
5. Potenzielle Nachnutzer*innen / Mieter*innen auf die Erdgeschossfläche auf-
merksam machen
13
6. Vermittlung eines positiven Quartiers-Images
Im Oktober 2022 wurde die Bäckerei Schlechtrimen (Kalker Hauptstraße 210) ge-
schlossen. Das Zentrenmanagement beobachtete anschließend eine schleichende
Zunahme der Vermüllung, des Drogenkonsums und des Vandalismus insbesondere
auf der ehemaligen Café -Terrasse im Stadtgarten. Zur Verhinderung einer Negativ-
spirale führte das Zentrenmanagement gemeinsam mit dem Eigentümer zunächst
eine gründliche Aufräum- und Putzaktion durch. Durch die aktive Gestaltung und die
Sauberkeitsinitiative wurde somit effektiv dem E indruck von Vernachlässigung und
eines Verlustes an sozialer Kontrolle entgegengewirkt. Innerhalb der Verkaufsräume der
leerstehenden Bäckerei und Konditorei wurde mit Unterstützung der Geschichtswerk-
statt Kalk e. V. eine Fotoausstellung mit historischen B ildern aus Kalk gestaltet. Die
Aktion diente der kurzfristigen Bespielung und Attraktivierung des Leerstands, die von
den Besucher*innen aller Generationen sehr positiv angenommen wurde.
Im angrenzenden Stadtgarten wurden durch das Zentrenmanagement zudem 100
Liegestühle bereitgestellt, welche Besucher*innen zum Verweilen und Ausruhen ein-
luden. Dort sorgten verschiedene Musikgruppen für Unterhaltung sowie eine Yo-
galehrerin zur Nachmittagszeit für Entspannung und Bewegung. Im Stadtgarten, auf
der Terrasse d er Bäckerei Schlechtrimen sowie im Kalker Laden wurden z ugleich
Speisekarten To-Go-Angebote von Gastronomiebetrieben rund um den Stadtgarten
Kalk ausgelegt. Ziel war es, Besucher*innen des Festes auf die Gastronomieange-
bote im Quartier aufmerksam zu machen und ein Picknick im Kalker Stadtgarten an-
zuregen. Hierdurch sollte der Charakter als potenzielles Gastronomiequartier erfahr-
bar werden (Abbildung 10).
Abbildung 10 Impressionen Kalkfest (Stadt + Handel)
Die unterschiedlichen Aktionen wurden vorab durch die Sozialraumkoordination Kalk
beworben. Das Zentrenmanagement nahm ebenfalls an einem gemeinsamen Pres-
setermin im Vorfeld teil. Ergänzend hierzu bewarb es die Angebote rund um den
Stadtgarten Kalk individuell und innerhalb des Veranstaltungsrahmens (Abbildung
11).
14
Abbildung 11 Pressetermin und Presseartikel Kalkfest (Stadt + Handel, Report-K, Kölner Stadt Anzeiger)
Printmedien wie Banner, Plakate, Wegweiser und Speisekarten sowie Luftballons und
Liegestühle sorgten darüber hinaus am Veranstaltungstag für eine gute Sichtbarkeit
(Abbildung 12). Eine Programmübersicht für das Kalk -Fest lag am Infopoint Kalker
Laden aus. Des Weiteren konnte ein kostenloser Rikscha-Service entlang der Kalker
Hauptstraße durch Radeln ohne Alter Köln e. V. bereitgestellt werden. Die zum Teil
großen Distanzen zwischen den Angeboten des Kalkfestes waren hiermit überbrück-
bar.
Abbildung 12 Printmedien Kalkfest (Stadt + Handel)
Insgesamt fiel die Resonanz auf die unterschiedlichen Aktionen sehr positiv aus. Ein-
zelne Besucher *innen zeigten sich in Anbetracht der dezentralen Aktionen ent-
täuscht, da sie zuvor den Eindruck gewonnen hatten, es handel e sich um ein Stra-
ßenfest. Zukünftige Wiederholungen könnten von einer klareren öffentlichen Kommu-
nikation des Veranstaltungsformats profitieren. Andere Besucher*innen betonten hin-
gegen, wie sehr sie die kulturellen Angebote im Rahmen des Kalk festes schätzten,
da es das sei, was das Bezirkszentrum letztlich ausmache.
Trotz mehrfacher Regenschauer wurde das Programm um den Kalker Laden und den
Stadtgarten konstant und bis in den Abend gut angenommen. Die persönliche Refle-
xion mit den beteiligten Gastronom en in der nachfolgenden Woche ergab, dass am
Festtag viel Kundschaft angezogen werden konnte, die To-Go-Angebote der Speise-
karte jedoch nur vereinzelt wahr genommen wurden. Diesbezüglich wurde die Idee
15
geäußert, beim nächsten Mal einen Service zur Lieferung von Speisen und Getränken
in den belebten Stadtgarten zu organisieren. Diese Idee hatte das Zentrenmanage-
ment versucht umzusetzen, aufgrund fehlender pers oneller Ressourcen und dem
Fachkräftemangel in der Gastronomie konnte allerdings kein Liefer- oder Servicean-
gebot realisiert werden. Die Mehrheit der beteiligten Gastronomen bestätigte ihr Inte-
resse an einer Wiederholung der Aktion. Durch die Bespielung des Kalker Stadtgar-
tens konnte der Charakter eines potenziellen Gastronomiequartiers in Teilen bereits
vermittelt werden.
Ein anvisierter „Nebeneffekt“ war es, auf die Nachnutzung der Immobilie Schlechtri-
men aufmerksam zu machen. So zeigten sich verschiedene Besuchende interessiert
an der zukünftigen Nutzung des Leerstands. Im Nachgang ging zudem ein konkretes
Interesse für die Immobilien im Kalker Laden durch einen Unternehmer aus dem Um-
feld ein.
Zur Bewerbung der vielseitigen Angebote entlang der Kalker Hauptstraße und in den
angrenzenden Bereichen wurde zunächst die Gestaltung eines „Entdecker-Hefts“ an-
gestrebt. Gewerbetreibende des Kalker Bezirkszentrums sollten die Möglichkeit er-
halten, sich und ihr Geschäft vorzustellen sowie optional mit einer Angebotsaktion für
einen Besuch zu werben. Das Zentrenmanagement erarbeitete hierzu ein erstes Kon-
zept und akquirierte Sponsoren für den Druck. Aufgrund mangelnder zeitlicher Pro-
jektressourcen konnte das Heft im Projektzeitraum nicht in die Umsetzung gehen.
2.3.2 Nachnutzung Kalker Hauptstraße 210
Das Zentrenmanagement hat sich fokussiert für die Nachnutzung der Immobilie
Schlechtrimen eingesetzt. Es handelt dich um eine prägende Immobilie für das Quar-
tier rund um den Stadtgarten Kalk mit Bedeutun g für die soziale Kontrolle, Aufent-
haltsqualität und funktionalen Zusammenhängen (Abbildung 13).
Abbildung 13 Leerstand Bäckerei Schlechtrimen (Kalker Hauptstraße 210) (Stadt + Handel)
In Zusammenarbeit mit einem beauftragten Makler wurden potenzielle Nu tzer*innen
und Mieter*innen proaktiv angesprochen, um die Leerstandsperiode zu verkürzen
und die Immobilie wieder mit Leben zu füllen. Das Zentrenmanagement hat dabei
eine vermittelnde Rolle übernommen, um sowohl die Interessen des Eigentümers,
des Maklers als auch der potenziellen Nutzer*innen zu berücksichtigen. Zudem
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tauschte es sich mehrfach mit KölnBusiness Wirtschaftsförderung (i. F. auch KölnBu-
siness) zur Vermarktung der Immobilie aus. Der Makler konnte zudem auf das kos-
tenlose Immobilienportal von KölnBusiness aufmerksam gemacht werden und dabei
unterstützt werden, Informationen in das Portal einzustellen. Das Zentrenmanage-
ment recherchierte 30 potenzielle Nachfolgenutzungen und kontaktierte in Absprache
mit dem Eigentümer und Makler 22 ausgewählte Unternehmen. Dazu konnte das um-
fangreiche Exposé des Maklers verwendet werden. Aufgrund des Quartierskontextes
und der Lage im Stadtgarten Kalk lag der Schwerpunkt dabei auf lokalen, regionalen
und überregionalen Gastronomiebetrieben. Das Zentrenmanagement wurde dabei
als vertrauenswürdiger Partner von allen Parteien wahrgenommen. Die Immobilie im
Stadtgarten konnte Anfang Dezember 2023 an einen neuen Eigentümer aus Köln
veräußert werden.
2.4 BERATUNGS- UND UNTERSTÜTZUNGSLEISTUNGEN FÜR DEN
AUFBAU VON IMMOBILIEN- UND STANDORTGEMEINSCHAFTEN (ISG)
Das Zentrenmanagement hat wesentliche Beratungs- und Unterstützungsleistungen
für die Akteur sgruppen in Kalk erbracht, um die Gründung einer Immobilien - und
Standortgemeinschaft (ISG) zu fördern. Diese Bemühung en zielten darauf ab, eine
Verstetigung der Zusammenarbeit zwischen den Akteursgruppen über den Anstoß-
prozess hinaus sicherzustellen.
Im Rahmen dieser Unterstützung organisierte das Zentrenmanagement am
27.11.2023 eine ISG-Infoveranstaltung als kostenloses Videokonferenz-Format. Die
Veranstaltung diente dazu, die beteiligten Akteur sgruppen umfassend über die Vor-
teile und Möglichkeiten einer ISG zu informieren und Fragen zu beantworten.
Es erfolgte eine gezielte Einladung und Ansprache der Eigentümer*innen durch Te-
lefonate und E-Mails. Diese Kommunikationsmaßnahmen zielten darauf ab, das Inte-
resse der Eigentümer*innen an der Gründung einer ISG zu wecken und ihre aktive
Beteiligung am Prozess zu fördern.
Die umfassenden Beratungsleistungen, die ISG -Infoveranstaltung und die gezielte
Eigentümer*innen-Ansprache trugen dazu bei, eine solide Grundlage für die Grün-
dung und langfristige Wirksamkeit einer ISG zu schaffen und somit die Entwicklung
des Zentrenmanagements nachhaltig zu unterstützen.
Das Zentrenmanagement stellte 350 Eigentümer*innendaten für einen Serienbrief zu-
sammen und lud diese postalisch zur o. g. Videokonferenz ein (Abbildung 14).
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Abbildung 14 Einladungsschreiben ISG-Infoveranstaltung (Stadt + Handel)
Zur Veranstaltung meldeten sich 22 Personen an, von denen zehn Personen teilnah-
men. Von diesen zehn Personen möchten sechs Personen das Thema ISG weiter-
verfolgen. Aufgrund der geringen Rücklaufquote zeichnet die Abstimmung der Teil-
nehmenden kein repräsentatives Stimmungsbild ab, das Interesse an einem Zusam-
menschluss ist insgesamt als sehr gering einzustufen.
2.5 ÖFFENTLICHKEITSARBEIT UND KOMMUNIKATION
Um einen möglichst nahtlosen Übergang zwischen Anstoßprozess und Zentrenma-
nagement herzustellen und zur transparenten Darstellung der Ergebnisse aus dem
Anstoßprozess wurden ein informativer Flyer sowie Plakate erstellt. Diese boten eine
übersichtliche Zusammenfassung der gewonnenen Erkenntnisse, Analysen und for-
mulierten Netzwerke aus dem vorangegangenen Prozess (Abbildung 15).
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Abbildung 15 Flyer Ergebnisse Anstoßprozess für ein Zentrenmanagement im BZ Kalk (Stadt + Handel)
Im Rahmen der Tätigkeiten im Bereich der Öffentlichkeitsar beit und Kommunikation
hat das Zentrenmanagement aktiv auf verschiedene Arten mit den Akteur sgruppen
im Zentrum kommuniziert und kooperiert. Dazu gehör ten individuelle Einzelgesprä-
che, die Teilnahme an einem Workshop der Industrie- und Handelskammer (IHK) so-
wie die Einrichtung eines Impuls-Netzwerks zu unterschiedlichen Themen. Diese
Maßnahmen dienten dem intensiven Austausch und der Vernetzung mit den relevan-
ten Stakeholder*innen im Kalker Bezirkszentrum.
Um eine direkte Schnittstelle für Gewerbetreibende und Eigentümer*innen zu schaf-
fen, wurden eine Sprechstunde sowie ein gezieltes Beratungsangebot etabliert. Dies
ermöglichte den Akteursgruppen vor Ort, ihre Anliegen zu besprechen, von individu-
ellen Beratungen zu profitieren und gemeinsam Maßnahmen zur Stärkung des Zent-
rums zu entwickeln.
Als zusätzliches Element der Öffentlichkeitsarbeit fungierte ein Info-Point beim Kalk-
fest. Dort präsentierte das Zentrenmanagement die Ergebnisse des Anstoßprozesses
und informierte interessierte Besucher *innen über die laufenden Aktivitäten. Diese
vielfältigen Kommunikations- und Informationsangebote trugen dazu bei, die Beteilig-
ten aktiv in den Entwicklungsprozess einzubinden und eine breite Akzeptanz für die
Ziele des Zentrenmanagements zu schaffen.
Durch Pressemitteilungen konnte zusätzlich über die Arbeit und die Sprechzeiten des
Zentrenmanagements informiert werden (Abbildung 16).
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Abbildung 16 Pressemitteilungen Zentrenmanagement Kalk (Stadt Köln, report-k, Express – Die Woche – Redaktion)
20
3. Fazit und Ausblick
Im Zuge des „Sofortprogramms zur Stärkung unserer Innenstädte und Zen tren in
Nordrhein-Westfalen" hat das Zentrenmanagement in Kalk sich in der umsetzungs-
orientierten zweiten Phase in einem herausfordernden Umfeld erste positive Impulse
gesetzt. Ein zentrales Ziel war es, eine Grundlage für längerfristige Organisations-
strukturen zu schaffen. Dabei konnte an bereits bestehende Strukturen angeknüpft
werden: Die Arbeit wurde von einer aktiven Sozialraumkoordination unterstützt , die
als wichtige Partnerin während des gesam ten Prozesses ansprechbar und präsent
war. Immer wieder gab es Überscheidungspunkte mit de m Standortgemeinschaft
Kalk e. V., der sich stetig für das Zentrum einsetzt. Im Gegensatz zur Sozialraumko-
ordination wird die Arbeit der Standortgemeinschaft ausschließlich durch ehrenamtli-
ches Engagement getragen.
Das Zentrenmanagement konnte projektbezogen verschiedene Gewerbetreibende
und Institutionen für die Mitgestaltung des Bezirkszentrums gewinnen. So hat bei-
spielsweise die gemeinsame Gestaltung des Ka lkfestes bereits vor Augen geführt,
dass Potenziale zur Zusammenarbeit im Bezirkszentrum vorhanden sind. Es wurde
aber auch deutlich, dass die vielseitigen Herausforderungen an ein zukunftsfähiges
Bezirkszentrum Kalk nicht allein durch das Ehrenamt bearbei tet werden können. In
Teilbereichen bedarf es einer weiteren Professionalisierung und längerfristigen Si-
cherstellung der Finanzierung von Organisationsstrukturen. Die Vielfalt neuer Gewer-
betreibenden mit und ohne internationaler Familiengeschichte, die bisher weniger in
etablierten Netzwerken vertreten waren, konnten durch das Zentrenmanagement ver-
einzelt und punktuell aktiviert werden. Bei zukünftigen Projekten ist es empfehlens-
wert, hierfür gezielte Arbeiten und Fachkräfte einzuplanen, die z. B. alternative For-
mate, Methoden und die Hinzunahme von entsprechenden Persönlichkeiten ermög-
lichen. Die Gewinnung neuer Gruppen für die Zentrenentwicklung in Kalk ist nur mit
einem hohen persönlichen Einsatz von Vertrauenspersonen und einer langfristig an-
gelegten projektbezogenen Umsetzung zu erreichen, um so auch nachhaltig das Ver-
trauen der unterschiedlichen Akteursgruppen zu gewinnen.
Die Schaffung von nachhaltigen Lösungen erfordert einen langen Atem, verlässliche
Kooperationsstrukturen und angemessene finanzielle Mittel. Ein Ansatz hierfür kann
eine freiwillige oder gesetzliche Immobilien- und Standortgemeinschaft (ISG) sein, in
die sich Eigentümer *innen und Gewerbetreibende eines definierten Quartiers oder
Lagebereiches einbringen. Die Informationsveranstaltung zur möglichen Gründung
einer Immobilien- und Standortgemeinschaft (ISG) zeigte, dass es ein eher geringes
Interesse gibt, den Prozess erneut zu initiieren. Die Durchführung und Begleitung ei-
nes ISG-Prozesses können voraussichtlich nicht allein durch ehrenamtliche Kräfte
realisiert werden. Die bestehende Standortgemeinschaft kann den Prozess allerdings
als etablierter Akteur unterstützen.
Aktuell reichen die ehrenamtlichen Mühen nicht aus, um die Gesamtaufgabe der Wei-
terentwicklung zu einem zukunftsfähigen Bezirkszentrums zu bewältigen. Die Aufga-
ben können dabei von einem proaktiven Management des Angebots-Mix, über effek-
tive Marketings-Strategien bis hin zu zusätzlichen Gestaltung- und Begrünungsaktio-
nen reichen. Nach dem Projektende des Zentrenmanagements wird es daher ent-
scheidend sein, die Kräfte von Immobilieneigentümer*innen, der städtischen Fach-
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verwaltung, Politik, Standortgemeinschaft, Sozialraumkoordination, Gewerbetreiben-
den (einschließlich der Köln Arcaden) und KölnBusiness weiter zu bündeln. Dazu be-
darf es einer verlässlichen Organisationsstruktur, (z. B. eines langfristigen Zentren-
managements, welche die Zusammenarbeit der einzelnen Akteursgruppen dauerhaft
koordiniert, fördert und pflegt. Die enge Zusammenarbeit mit den Akteursgruppen des
Kalker Bezirkszentrums schafft nicht nur Vertrauen, sondern stärkt darüber hinaus
das Engagement der Stadtmacher*innen vor Ort. Auf dieser Grundlage können dann
ergänzende langfristige Organisationsformen wie z. B. Gründung einer Immobilien-
und Standortgemeinschaften weiterentwickelt werden. Die Ergebnisse des initialen
Zentrenmanagements bieten dafür eine wichtige Grundlage.
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 1215/2024
- Typ
- Mitteilung BV
- Datum
- 17.04.2024
- Erstellt
- 10.04.2024 09:20