Weiterführung des Projekts Brückenbauer*
Beschlussvorlage Rat bzw. Hauptausschuss 2459/2022 vom 03.11.2022
Stand: Am 08.12.2022 im Rat ungeändert beschlossen.
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Konzeption Brückenbauer
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Kölner Flüchtlingsrat e.V. Jugend- und Bildungsarbeit FliehKraft Turmstr. 3-5 50733 Köln Fax: 0221 – 168 538 31 Home: www.koelner-fluechtlingsrat.de Bereichsleitung: Aische Westermann Tel: 0160 99305801 E-Mail: westermann@koelner- fluechtlingsrat.de Romi Radtke (stellv.) Mobil: 01523 4731062 E-Mail: radtke@koelner-fluechtlingsrat.de Mitarbeiterinnen: Susanna Buttchereyt Bildungsreferentin Tel: 0170 6503620 E-Mail: buttchereyt@koelner- fluechtlingsrat.de Celia Sachs Bildungsreferentin Tel: 0177 4030899 E-Mail: sachs@koelner-fluechtlingsrat.de Geschäftsführung: Claus-Ulrich Prölß, Geschäftsführer Tel: 0221 279 171-15 Mobil: 0171 7992647 E-Mail: proelss@koelner-fluechtlingsrat.de KFR e.V. – gesetzlich vertreten durch den Vorstand: Dr. Michael Bollmann Prof. Dr. Markus Ottersbach, Der Verein ist laut Bescheinigung des Finanzamtes Köln-Mitte vom 04.01.2022 als gemeinnützig anerkannt. Spenden und Beiträge sind steuerlich absetzbar. Spendenkonto des Kölner Flüchtlingsrates e.V.: Bank für Sozialwirtschaft: IBAN: DE75 3702 0500 0001 7183 01 BIC: BFSWDE33XXX FliehKraft | Turmstraße 3-5 | 50733 Köln Antrag auf Verstetigung des Bildungsprojektes Brückenbauer* an die Stadt Köln Gegen Vorurteile, Rassismus und Diskriminierung und für Solidarität, Vielfalt und die Rechte von Geflüchteten. Um auch in den kommenden Jahren Kölner Schüler:innen zu den Themen Flucht, Menschenrechte, Vielfalt und Akzeptanz sensibilisieren und den großen Bedarf an politischer Bildungs- und Menschenrechtsarbeit an Kölner Schulen decken zu können, benötigt das Bildungsprojekt Brückenbauer* eine Fortführung sowie Verstetigung der finanziellen Förderung. Benötigter Stellenumfang: mind. 1 x 21 Std. / Woche Benötigte Fördersummen: 47.405 € (2023) / 48.193 € (2024) Was ist Brückenbauer*? Brückenbauer* ist das Bildungsprojekt des Kölner Flüchtlingsrat e.V., in dessen Rahmen der Verein seit 2017 Workshops für Schüler:innen von der 4. Klasse bis zur Oberstufe, für Lehrkräfte und Schulpädagog:innen zu den Themen Flucht, Menschenrechte, Diskriminierung, Partizipation und Akzeptanz anbietet. Seit Beginn der Jugendbildungsarbeit des KFR haben über 60 Workshops stattgefunden. Während der städtischen Förderung (trotz vieler pandemiebedingter Schwierigkeiten) konnten bereits 42 Workshops für Schüler*innen und 3 Fortbildungen für Pädagog:innen stattfinden. Neben einem Grundlagen-Workshop bietet Brückenbauer* mittlerweile vier Vertiefungs-Workshops für Schüler:innen an: • Ankommen • Vorurteile und Diskriminierung • Flucht und Partizipation (entwickelt 2021) • Grenzen und Menschenrechte (entwickelt 2021) Für Erwachsene bietet das Projekt seit Herbst 2021 die Fortbildungsreihe „Wissen und Kompetenz im Umgang mit geflüchteten Schüler:innen“ an. Ein Fortbildungsangebot zu einer diskriminierungssensiblen Verwendung Seite - 2 von 10 - FliehKraft υ Turmstraße 3-5 υ 50733 Köln 2 von Bildungsmaterialien zu den oben genannten Themen folgt im Herbst 2022. Die Bildungsarbeit des Kölner Flüchtlingsrat e.V. besteht momentan aus drei Projektsäulen: 1. der Workshops für Schulklasse (Förderung Stadt Köln) 2. den Fortbildungen für Pädagog:innen (Förderung Stadt Köln) und 3. dem Multiplikator*innen-Projekt für junge Geflüchtete WE CAN SPEAK (Förderung Postcode Lotterie). Diese drei Säulen unserer Bildungsarbeit erzeugen gemeinsam Synergieeffekte, die im Sinne der Zielerreichung von Brückenbauer* sind. Wie wirkt Brückenbauer*? Brückenbauer* wirkt Diskriminierung und Vorurteilen entgegen und bringt proaktiv Antirassismusarbeit und Menschenrechtsarbeit mit dem Fokus auf das Thema Flucht an Kölner Schulen. Die Workshops schaffen ein Bewusstsein für gesellschaftliche Chancenungleichheiten, für die Rechte Geflüchteter und regen Jugendliche und Pädagog*innen dazu an, eine diversitätssensible und rassismuskritische Haltung zu entwickeln und zu leben. Der Bedarf an politischer Bildungsarbeit zu den Themen Flucht, Asyl, Menschenrechte, Vielfalt und Diskriminierung steigt stetig, auch durch aktuelle Fluchtbewegungen nach Deutschland, und Lehrkräfte nehmen unsere Workshops als Entlastung und Bereicherung wahr. Warum benötigt Brückenbauer* eine kommunale Förderung? Seit 2017 entwickelt sich die Jugend- und Bildungsarbeit des Kölner Flüchtlingsrat e.V. stetig weiter und ist seit 2022 ein eigener Arbeitsbereich. Die Expertise unserer Mitarbeitenden zu Asyl- und Aufenthaltsrecht, der Lebenssituation geflüchteter Menschen vor während und nach der Flucht, migrationspolitischen Entwicklungen und weltweiten Fluchtbewegungen, Krisen und Konflikten, Antirassismusarbeit sowie diversitätssensibler Pädagogik machen Brückenbauer* zu einem unversichtbaren Bestandteil der Kölner Bildungslandschaft. Die Projektmitarbeiter:innen tragen durch ihre Bildungs- und Beratungsarbeit zu einem friedlicheren, diversitätssensibleren und humaneren Schulklima bei und entlasten, unterstützen und beraten Lehrkräfte und Schulsozialarbeiter:innen. Um die aufgebauten Projektstrukturen nachhaltig zu festigen und ausbauen zu können, den stetig wachsenden Bedarf an politischer Bildungsarbeit zum Thema Flucht benötigt Brückenbauer* eine Verlängerung und vor allem Verstetigung der Projektförderung, um nachhaltige Strukturen schaffen zu können. Seite - 3 von 10 - FliehKraft υ Turmstraße 3-5 υ 50733 Köln 3 Welche Bedarfe sehen wir? Kölner Schulen buchen die Brückenbauer* Workshops stetig seit Projektbeginn und wir können den Bedarf mit einer 50 % Stelle nicht decken! Im Jahr 2022 mussten wir aufgrund fehlender personeller Kapazitäten viele Workshopanfragen absagen, bzw. auf das nächste Jahr verschieben. I. Brückenbauer* wirkt Vorurteilen und Diskriminierung nachhaltig entgegen Vorurteile und rassistische Einstellungen gegenüber Menschen anderer Herkunft und Hautfarbe sind fest in der Gesellschaft verankert. Brückenbauer* trägt dazu bei, das Bewusstsein in Schulen für die Situation von Geflüchteten zu erhöhen und damit auch indirekt die Situation von geflüchteten Schüler:innen an der Schule zu verbessern. Vorurteile gegenüber Personengruppen werden durch die richtige didaktische Methodik entkräftet und Fachwissen vermittelt. II. Brückenbauer* trägt dazu bei, dass Schüler:innen Schule als einen sicheren Lernort erleben Kölner Schulen haben Interesse an Expert:innenwissen und wollen die Kinder und Jugendlichen mit Fluchterfahrung möglichst schnell in den Regelschulbetrieb integrieren. Auch wenn in den letzten Jahren weniger Menschen einen Asylantrag in Deutschland gestellt haben, nehmen Fluchtbewegungen zu und Schulen wollen als wichtige Bildungs- und Erziehungsinstitution eine Haltung hierzu einnehmen und einer diversen Schülerschaft eine sicheren Lern- und Erfahrungsraum schaffen. Dazu bedarf es immer wieder der Unterstützung externer Exptert:innen. Für diesen Fall steht Brückenbauer* den Schulen mit seinen Workshops und Beratungsangeboten zur Seite. III. Brückenbauer* Workshops entlasten Lehrkräfte Die Themen Flucht und Migration sind fester Bestandteil der Kernlernpläne des Landes NRW, sodass Lehrkräfte Strategien brauchen, diese Themen angemessen zu vermitteln. Gerade humanitäre Krisen wie die Situation der Geflüchteten an der polnisch-belarussischen Grenze, die Machtübernahme der Taliban in Afghanistan oder ganz aktuell der Krieg in der Ukraine und die darauffolgenden Fluchtbewegungen machen ein Projekt wie Brückenbauer*, welches mit Kindern und Jugendlichen über diese globalen und gesellschaftlichen Herausforderungen spricht so wichtig und kann helfen diese Phänomene jenseits von Falschinformationen und rechtpopulistischer Hetze einzuordnen. Eine besondere Herausforderung stellt sich für Lehrkräfte außerdem, wenn Kinder und Jugendliche im Unterricht sind, die selbst eine eigene oder familiäre Fluchtgeschichte haben oder noch an den Folgen der Erlebnisse leiden. Seite - 4 von 10 - FliehKraft υ Turmstraße 3-5 υ 50733 Köln 4 IV. Einige Schulen haben die Brückenbauer* Workshops mittlerweile in ihrem Projektangebot verstetigt An einigen Schulen sind die Brückenbauer* Workshops (z.B. Johannesgrundschule, Heinrich-Heine-Gymnasium) bereits seit zwei Jahren fester Bestandteil von Menschenrechtsprojekten, AGs und Projekttagen. V. Brückenbauer* leistet einen wichtigen Beitrag zu den Angeboten im Netzwerk Schule-ohne-Rassismus/Schule-mit-Courage Das Kommunale Integrationszentrum informiert die Schulen im Netzwerk stetig über Angebote von Bildungsträgern. Die Brückenbauer* Workshops sind eines dieser Angebote für die Schulen im Netzwerk. Über die Bekanntmachung des KI erreichen uns viele Workshopanfragen von SOR- Schulen. VI. Bedarf an Fachwissen zum Thema Flucht bei Pädagog*innen stetig hoch Seit Beginn des Projekts erhalten wir Anfragen nach Bildungsangeboten für Erwachsene. Viele Pädagog*innen in Schulen wünschen sich Beratung im Umgang mit geflüchteten Kindern und Bildungsformate zu folgenden Inhalten: • Lebenssituation geflüchteter Kinder (Erlebnisse im Herkunftsland und auf der Flucht, Unterbringung, Beschulung) • Asylrechtliche Grundlagen und Aufenthaltsrecht • psychische Belastungen und Trauma • Antirassismusarbeit an der eigenen Schule • rassismuskritische und diversitätssensible Haltung bei Pädagog*innen • Methoden, um das Thema Flucht in den eigenen Unterricht zu integrieren VII. Vorurteile und Gewalt gegenüber Geflüchteten sind real und benötigen Gegenwehr Geflüchtete zählen zu einer sozialen Gruppe, die nicht nur online, sondern direkt und physisch angegriffen wird. 2020 gab es „mindestens 1.600 überwiegend rechtsmotivierte Angriffe gegen Geflüchtete und Asylbewerberunterkünfte". Das geht aus vorläufigen Zahlen des Bundesinnenministeriums hervor. 201 Personen wurden bei den Attacken verletzt. Weitere 84 Angriffe richteten sich gegen Unterkünfte. Darüber hinaus gab es 2020 insgesamt 67 Angriffe auf Hilfsorganisationen sowie auf freiwillige Helfer*innen. Des Weiteren führt die Shell-Jugendstudie in ihren Ergebnissen u.a. auf, dass die Mehrheit der Jugendlichen (57 %) einerseits angibt, mit der Seite - 5 von 10 - FliehKraft υ Turmstraße 3-5 υ 50733 Köln 5 Aufnahme der Geflüchteten einverstanden zu sein, aber andererseits das Gefühl hat, dass kritische Äußerungen über Migration und Ausländer*innen direkt moralisch abgewertet werden. Dieses Gefühl hatten 68% der Jugendlichen. Mehr als die Hälfte sagt auch "Der Staat kümmert sich mehr um Flüchtlinge als um hilfsbedürftige Deutsche". Insgesamt sind bereits 24% der Jugendlichen dem Populismus zugeneigt. Als nationalpopulistisch wurden 9% der Jugendlichen eingeordnet, da sie durchgängig den Items mit nationalpopulistischen Aussagen zustimmten. Der Großteil dieser Jugendlichen stammt aus Haushalten mit geringen Privilegien und Bildungszugängen. Fast zwei von drei Jugendlichen, die weniger privilegiert sind, hatten das Gefühl, dass andere über ihr Leben bestimmen. Auch hatte jede*r zweite das Gefühl, dass andere mehr bevorzugt würden. Ihre Einstellung zeigte sich auch in der Ablehnung einer Flüchtlingsfamilie als Nachbar*innen: Zwei von drei nationalpopulistisch eingestellten Jugendlichen und "jede*r dritte Populismus-Geneigte“ lehnte eine Flüchtlingsfamilie als Nachbar*innen ab. Insgesamt waren es aber bereits 20% aller Jugendlichen die sagten, dass sie keine Familie mit Geflüchteten als Nachbar*innen wollten. „Fast jeder zweite nationalpopulistisch orientierte Jugendliche hat ein kritisch-distanziertes Verhältnis dazu, »die Vielfalt der Menschen anzuerkennen und zu respektieren«. Im Unterschied zu allen anderen Gruppen identifizieren sich diese Jugendlichen nicht oder nur weit unterdurchschnittlich mit dieser Wertorientierung. Zum Gefühl der fehlenden Kontrolle gesellt sich die Ablehnung von allem, was als »fremde Kultur« angesehen wird und nicht mit der persönlichen." Bereits Jugendliche müssen daher lernen, wie zivilgesellschaftliches Engagement für Demokratie und Menschenrechte aussehen und selbst gestaltet werden kann. Des Weiteren braucht es Bildungsarbeit, die diskriminierende Ressentiments aufgreift, Diversität als Grundprinzip unserer Gesellschaft vermittelt und dabei Möglichkeiten der Mitbestimmung aufzeigt. Das Bildungssystem ist somit ein wichtiger Ansatzpunkt, um präventiv Diskriminierung und Rassismus zu thematisieren und damit Vorurteilen und rechtsextremistischen Gedankengut die Grundlage zu entziehen. VII Empowerment und Solidarität In den Workshops werden Fluchtursachen besprochen und die Bedeutung des zivilgesellschaftlichen Engagements für Menschenrechte greifbar gemacht. So wird Nicht-Betroffenen klar, welche Auswirkungen eine Flucht auf Menschen hat und was es bedeutet, Zugang zu menschenrechtlichen Schutz und Teilhabe in der Aufnahmegesellschaft zu erhalten. es für Menschen und soziale Gruppen hat, an gesellschaftlicher Teilhabe gehindert zu sein. Gleichzeitig werden auch Jugendliche empowert, die selbst von Diskriminierung und Barrieren in der Teilhabe betroffen sind. Sie erleben, wie ihre Klassengemeinschaft sich mit den Themen beschäftigt und Methoden zum Einsatz kommen, die ihre Perspektiven und Anliegen hervorheben. So werden sie nicht nur als Betroffene, sondern auch als Seite - 6 von 10 - FliehKraft υ Turmstraße 3-5 υ 50733 Köln 6 aktiv handelnde Personen angesprochen und ermutigt, sich für ihre eigenen Belange einzusetzen. Projektziele I. Pro Jahr finden 25 Workshops für Schüler:innen und 6 Fortbildungen für Lehrkräfte und Pädagog:innen statt. II. Schüler*innen entwickeln im Rahmen eines Workshops Antworten auf ihre Fragen zum Themenkomplex Flucht und entwickeln eine kritische Haltung zum Flüchtlingsdiskurs. III. Schüler*innen fühlen sich darin bestärkt, sich für Vielfalt, Akzeptanz und Menschenrechte einzusetzen, und gehen aktiv gegen Vorurteile, Rassismus und Diskriminierung vor. IV. Lehrkräfte und Schulsozialarbeiter:innen werden von den Projektmitarbeitenden zu Vor- und Nachbereitung der Workshops beraten. V. Es wird ein weiteres inhaltliches Vertiefungsmodul erarbeitet und durchgeführt. IV. Die Synergieeffekte zwischen Workshops und dem Projekt WE CAN SPEAK werden genutzt und ausgebaut. V. Die im Projekt WE CAN SPEAK erstellten Bildungsmaterialien werden auf einer Projekt-Website zur Verfügung gestellt und können von Lehrkräften und Pädagog*innen für den eigenen Unterricht genutzt werden. Wie erreicht Brückenbauer* die Zielgruppe? Unsere Zielgruppe sind Kinder und Jugendliche ab der 5. Klasse und pädagogisches Personal an Schulen. Wir erreichen die Gruppen • über Informationsschreiben an Schulleitungen, Lehrkräfte und Schulsozialarbeiter*innen • über unsere Flyer • über die Website vom Kölner Flüchtlingsrat e.V. (https://koelner- fluechtlingsrat.de/arbeitsbereiche/jugend-bildungsarbeit_2) • über die neue Website unseres Jugend- und Bildungsbereichs (https://www.jugend-kfr.de/) • und über Instagram (https://www.instagram.com/jugend_kfr/) Mit der stetigen Unterstützung des Kommunalen Integrationszentrums werden unsere Angebote zusätzlich beworben und ganz gezielt an die Schulen im Netzwerk Schule-ohne-Rassismus/Schule-mit-Courage geschickt. Seite - 7 von 10 - FliehKraft υ Turmstraße 3-5 υ 50733 Köln 7 Finanzierungsplan 2023 inkl. Tarifsteigerung: 78,9 % Personalkosten 37.405,00 € 3,8 % Personaloverhead 1.800,00 € 7,6 % Betriebskosten 3.600,00 € 9,7 % Sachkosten 4.600,00 € Fördersumme 47.405,00 € Gesamtprojektkosten inkl. 10 % Eigenanteil 52.145,50 € Folgend würde das für 2024 inkl. Tarifsteigerung bedeuten: 79,3 % Personalkosten 38.193,00 € 3,7 % Personaloverhead 1.800,00 € 7,5 % Betriebskosten 3.600,00 € 9,5 % Sachkosten 4.600,00 € Fördersumme 48.193,00 € Gesamtprojektkosten inkl. 10 % Eigenanteil 53.012,30 € Der zusätzliche Eigenanteil eines jeden Jahres beträgt 10 % der Fördersumme. Er setzt sich zusammen aus: • Spenden an den Verein • ehrenamtlicher Einsatz der Absolvent*innen des Projekts WE CAN SPEAK sowie Kölner Schüler*innen • Fördermittel von Stiftungen und Programmen (Akquise läuft) Zusammensetzung der Eigenmittel über 4740,50 € im Jahr 2023 Spenden (oder ggf. Fördermittel) 1740,50 € Ehrenamtliche Tätigkeit 3000,00 € in Form von 150 Std. zusätzlicher ehrenamtlicher Tätigkeit der Absolvent*innen von WE CAN SPEAK (regelmäßige Teamtreffen, Besuch von Fortbildungen, Vor- und Nachbereitungstreffen der Workshops) sowie von Kölner Schüler*innen, die in die Durchführungen der Workshops mit einbezogen werden. Stundenlohn: 20 € / Std. Für die Durchführung der Workshops erhalten die Absolvent*innen von WE CAN SPEAK grundsätzlich eine Aufwandsentschädigung über 50 € / Std. Sie engagieren sich darüber hinaus noch ehrenamtlich für Brückenbauer*. Seite - 8 von 10 - FliehKraft υ Turmstraße 3-5 υ 50733 Köln 8 Zusammensetzung der Eigenmittel über 4819,30 € im Jahr 2024 Spenden 1819,30 € Ehrenamtliche Tätigkeit 3000,00 € in Form von 150 Std. zusätzlicher ehrenamtlicher Tätigkeit der Absolvent*innen von WE CAN SPEAK (regelmäßige Teamtreffen, Besuch von Fortbildungen, Vor- und Nachbereitungstreffen der Workshops) sowie von Kölner Schüler*innen, die in die Durchführungen der Workshops mit einbezogen werden. Stundenlohn: 20 € / Std. Für die Durchführung der Workshops erhalten die Absolvent*innen von WE CAN SPEAK grundsätzlich eine Aufwandsentschädigung über 50 € / Std. Sie engagieren sich darüber hinaus noch ehrenamtlich für Brückenbauer*. Fördermittelakquise Es wurden bereits Fördermittelanträge an Wir helfen – Die Aktion des Kölner Stadtanzeiger und das Bundesprogramm Demokratie leben! gestellt. Anträge an die Postcode Lotterie, die Hertie Stiftung, die Soziallotterie Bildungschancen sowie die Aktion Mensch stehen noch aus. Zeitlicher Ablaufplan 2023 • Durchführung von 25 Workshops für Schüler:innen • Durchführung von 6 Fortbildungen für Lehrkräfte und Pädagog*innen (jeweils 2 Termine zu insgesamt 3 Schwerpunktthemen) • Ausbau der Projekt-Kooperation zwischen Brückenbauer* und WCS 2024 • Durchführung von 25 Workshops für Schüler:innen • Durchführung von 6 Fortbildungen für Lehrkräfte und Pädagog*innen (jeweils 2 Termine zu insgesamt 3 Schwerpunktthemen) • Erarbeitung und Durchführung eines neuen Vertiefungsmoduls Qualitätssicherung und Erfolgskontrolle Seite - 9 von 10 - FliehKraft υ Turmstraße 3-5 υ 50733 Köln 9 Ende eines jeden Workshops haben Schüler*innen die Möglichkeit Feedback und Anregungen für Verbesserungen zu geben. Diese werden schriftlich von den Bildungsreferent*innen erfasst und ausgewertet. Lehrkräftefragebogen stellen nach jedem durchgeführten Workshop sicher, dass die Qualität der Arbeit stetig verbessert wird und das Feedback direkt in die praktische Arbeit eingebunden werden kann. Auch sollen die Bedarfe von Lehrkräften erfasst werden, um diese zur Erarbeitung weiterer Workshopmodule zu verwenden und bedarfsgerechte Fortbildungen für Multiplikator*innen und Lehrkräfte rund um die Themen Flucht und Asyl zu erstellen. Geplante Kooperation mit dem Projekt WE CAN SPEAK WCS zielt darauf ab, Vorurteile und strukturelle Benachteiligungen gegenüber Menschen mit Fluchterfahrungen aufzubrechen, indem es Geflüchtete stärkt, Workshops mit Jugendlichen selbst durchzuführen und somit auch Begegnung zu ermöglichen. Hierfür werden im ersten Halbjahr 2022 18 junge Geflüchtete zwischen 17 und 27 Jahren zu „Speaker*innen“ qualifiziert, die zu folgenden Themen Workshops (WS) mit Jugendlichen durchführen werden: • Flucht und Menschenrechte • Flucht und Migration im Kontext des Klimawandels • Diskriminierung und Rassismus mit Schwerpunkt Rechte Hetze im Netz Die Speaker*innen von WE CAN SPEAK stehen Brückenbauer* als ergänzende Referent*innen zur Verfügung und es gibt einen fachlichen Austausch über die Bedarfe der Jugendlichen und Schulen. Im Projekt WCS werden Bildungsmaterialien erstellt, die auch Lehrkräften digital zur Verfügung gestellt werden und es entsteht ein gemeinsames Netzwerk (Schulen, Jugendzentren, Initiativen, Beratungsstellen, etc.), das für die Zielgruppenerreichung genutzt wird. Beide Projekte werden trotz der Synergien nebeneinander als selbstständige Projekte bestehen, ihre jeweiligen Themenschwerpunkte und ihre Methodik der Zielgruppenerreichung behalten. Projektträger Träger des Projekts Brückenbauer* ist der Kölner Flüchtlingsrat e.V. Dieser ist eine Flüchtlings- und Menschenrechtsorganisation. Als unabhängiges Netzwerk setzt er sich aus Flüchtlingen, Beratungsstellen, Menschenrechtsgruppen, Flüchtlingsinitiativen, Haupt- und Ehrenamtlichen Seite - 10 von 10 - FliehKraft υ Turmstraße 3-5 υ 50733 Köln 10 in der Flüchtlingsarbeit, sowie interessierten Einzelpersonen zusammen. Lokal verankert ist er auch auf Landes- und Bundesebene aktiv. -
Beschlussvorlage Rat
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Dezernat, Dienststelle OB/16/162/3 Vorlagen-Nummer 2459/2022 Freigabedatum Beschlussvorlage zur Behandlung in öffentlicher Sitzung Betreff Weiterführung des Projekts Brückenbauer* Beschlussorgan Rat Gremium Datum Beschluss: Der Rat der Stadt Köln beschließt, das zuvor per politischem Veränderungsnachweis geförderte und vom 01.01.2020 – 31.12.2022 befristete Projekt Brückenbauer*, vorbehaltlich des Inkrafttretens der Haushaltssatzung 2023/2024, in den Jahren 2023 und 2024 weiterzuführen. Die erforderlichen Haushaltsmittel stehen, vorbehaltlich des Inkrafttretens der Haushaltssatzung 2023/2024, im Teilergebnisplan 0504 – Freiwillige Sozialleistungen und Diversity-in Teilplanzeile 15 – Transferleistungen – in den Haushaltsjahren 2023 mit 47.405 Euro und 2024 mit 48.193 Euro zur Verfü- gung. Integrationsrat 15.11.2022 Ausschuss Schule und Weiterbildung 21.11.2022 Finanzausschuss 05.12.2022 Rat 08.12.2022 2 Haushaltsmäßige Auswirkungen Nein Ja, investiv Investitionsauszahlungen € Zuwendungen/Zuschüsse Nein Ja % Ja, ergebniswirksam Aufwendungen für die Maßnahme € Zuwendungen/Zuschüsse Nein Ja 0 % Jährliche Folgeaufwendungen (ergebniswirksam): ab Haushaltsjahr: 2023/2024 a) Personalaufwendungen € b) Sachaufwendungen etc. 47.405 € (2023), 48.193 € (2024) € c) bilanzielle Abschreibungen € Jährliche Folgeerträge (ergebniswirksam): ab Haushaltsjahr: a) Erträge € b) Erträge aus der Auflösung Sonderposten € Einsparungen: ab Haushaltsjahr: a) Personalaufwendungen € b) Sachaufwendungen etc. € Beginn, Dauer Auswirkungen auf den Klimaschutz Nein Ja, positiv (Erläuterung siehe Begründung) Ja, negativ (Erläuterung siehe Begründung) Begründung: Ausgangssituation: Das Projekt Brückenbauer* wird seit dem 01.01.2020, zunächst befristet bis 31.12.2022 auf Ba- sis des politischen Veränderungsnachweises zum Haushaltsjahr 2020/2021 mit Haushaltsmit- teln in Höhe von 45.000 Euro jährlich durch die Stadt Köln gefördert. Die Verlängerung soll bereits jetzt und vorbehaltlich der Genehmigung des Haushaltes für die Jahre 2023/2024 beschlossen werden, um dem Träger und dem im Angebot eingesetzten Per- sonal die erforderliche Planungssicherheit zu geben. Projektziel ist es, Schüler*innen an Kölner Schulen über den Themenkomplex Flucht und Asyl aufzuklären. Hierdurch soll neben einer Sensibilisierung der Kinder und Jugendlichen ein Abbau möglicher Vorurteile der jungen Menschen erfolgen und zu einer diversitätssensiblen und ras- sismuskritischen Schul- und Klassenkultur beigetragen werden. Angebote der politischen Bildung für dieses so sensible wie komplexe Thema entlasten auch die Lehrkräfte an Kölner Schulen, was sich deutlich an der Nachfrage der Schulen nach Work- shop-Durchführungen und die vielfältigen positiven Rückmeldungen der Lehrkräfte zeigt. 3 Der Kölner Flüchtlingsrat e.V. hat zur Durchführung des Projekts eine Kooperationsvereinba- rung mit dem Kommunalen Integrationszentrum im Amt für Integration und Vielfalt geschlossen; die Zusammenarbeit im Projekt erfolgt in enger inhaltlicher Abstimmung miteinander. Das Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ wird dabei miteinbezogen. Im Rahmen des Projektes Brückenbauer* wurden seit Projektbeginn neben der Durchführung von über 40 Workshops vier neue thematische Module erarbeitet, so dass den Schulen ein im- mer breiteres Themenspektrum für eine sich erweiternde Zielgruppe angeboten werden konnte. Darüber hinaus wurde die Workshop-Reihe „Wissen und Kompetenz im Umgang mit geflüchte- ten Schüler*innen“ entwickelt, die sich unmittelbar an Lehrkräfte richtet. Auch hier überstieg die Nachfrage durch die Lehrkräfte die Kapazitäten im Projekt. Aktuell zeigt uns der Krieg in der Ukraine mehr als deutlich, dass auch in Zukunft der dringende Bedarf besteht, Schüler*innen ein Bewusstsein für die Lebenslage geflüchteter Menschen zu vermitteln. Das Projekt Brückenbauer* hat seit Projektbeginn vor über zwei Jahren nicht nur gezeigt, dass es inhaltlich auf die Bedarfe der Schüler*innen und Lehrkräfte eingeht, es hat sich auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse durch neue bedarfsorientierte Workshops sowohl weiter- als auch neu entwickelt. Dabei haben die Mitarbeitenden im Projekt schnell und flexibel auf die sich stetig verändernde pandemiebedingte Lage an den Schulen reagiert. Dazu wurden digitale und hybri- de Formate zur Durchführung der Workshops erarbeitet, durch welche eine Fortsetzung des Projekts auch während digitalem und Wechselunterricht ermöglicht wurde. Konkretisierung der Projektziele: Schüler*innen sollen in den Workshops des Projekts Brückenbauer* lernen, gesellschaftliche Entwicklungen und Ereignisse im Themenkomplex Flucht und Asyl zu verstehen, einzuordnen und Nachrichten kritisch zu hinterfragen, um rechter Hetze und fake news nicht ungeschützt ausgesetzt zu sein. Dieses Bestärken der Schüler*innen, sich wissensbasiert gegen rassisti- sche, menschenfeindliche Äußerungen zu stellen, trägt zur Erhaltung, aber auch zur Weiterent- wicklung einer toleranten und offenen Gesellschaft bei und stärkt so die Demokratie in unserer Stadt. Für die Schulen erfolgt eine Entlastung der Lehrkräfte, die mit dem Projekt Brückenbauer* einen kompetenten und erfahrenen Partner an ihrer Seite haben, um den Themenkomplex in ihrem Unterricht zu behandeln. Gleichzeitig kann durch die vielfältigen Impulse auch die Klassen- und Schulkultur positiv beeinflusst werden, durch welche eine diversitätssensible, tolerante Gemein- schaft mit einem Bewusstsein für rassistische Strukturen und Benachteiligungen in unserer Stadtgesellschaft unterstützt werden kann. Das Angebot, Lehrkräfte durch ein eigenes Workshop-Format „Wissen und Kompetenz im Um- gang mit geflüchteten Schüler*innen“ weiterzubilden, geht auf den aktuell sehr konkreten Bedarf in den Schulen ein. Es vermittelt einen wichtigen Einblick in die sehr unterschiedlichen Lebens- situationen geflüchteter Kinder und Jugendlicher und ermöglicht es, in der Schule sensibel mit diesem Themenkomplex umzugehen. Lehrkräfte erfahren so etwas über Lebenswirklichkeiten, die sie in der Regel nicht aus eigener Erfahrung kennen und erhalten Wissen darüber, wie sie ihre Schüler*innen mit Fluchterfahrung gut auf ihrem Bildungsweg unterstützen können. Im aktuellen Jahr wurde zudem eine Schulung für Multiplikator*innen konzipiert, die es den Lehrkräften ermöglicht, die Module selbständig in ihren Unterricht einzubinden. Auf diese Weise können die Inhalte des Projekts noch breiter in die Schulen getragen werden. Das gilt auch für das Ziel, Bildungsmaterialien zur allgemeinen Nutzung zu entwickeln – hier profitieren ebenfalls viele Lehrkräfte und dadurch auch deren Schüler*innen vom Angebot. Wei- 4 terhin können die Inhalte so verstärkt auch außerschulischen Bildungsorten (z.B. Jugendzen- tren) thematisiert werden. Durch eine Kooperation mit dem Projekt „We Can Speak“, in dem geflüchtete junge Erwachse- ne zwischen 17-27 Jahren ein halbes Jahr lang zu ‚Speaker*innen‘ qualifiziert werden, können die Geflüchteten selber im Sinne einer „peer-to-peer education“ Workshops zu den Themen Flucht und Menschenrechte, Flucht und Migration im Kontext des Klimawandels sowie Diskriminierung und Rassismus mit Schwerpunkt rechter Hetze im Netz an den Schulen durchführen. Durch diese Vorgehensweise stärkt das Projekt Brückenbauer* die Stimme von Menschen mit Fluchterfahrung und ermöglicht den Schüler*innen gleichzeitig Einblicke in die Perspektive der Betroffenen, denn so wird nicht mehr (nur) über geflüchtete Menschen, sondern mit geflüchteten Menschen selbst gesprochen. Projektverlängerung/ zukünftige Angebote: Da die Bedarfe in den Schulen weiterhin sehr hoch sind und aufgrund der Aktualität des The- mas Flucht und Asyl, soll das Projekt weiter fortgeführt werden. Dazu sind für die nächsten zwei Jahre folgende Aktvitäten geplant: Durchführung von mindestens 25 Workshops für Schüler*innen pro Jahr, Durchführung von mindestens 6 Workshops für Lehrkräfte pro Jahr, Weiterentwicklung der Workshop-Module auf Basis des aktuellen Bedarfs der Schulen und in Reaktion auf aktuelle Entwicklungen sowie Fortführung der Kooperation mit ‚We Can Speak‘, um die ausgebildeten Speaker*innen in den Schulen als Expert*innen ihrer eigenen Lebenssituation sprechen zu lassen. Geförderte Projektkosten pro Jahr: 2023 2024 ca. 80% Personalkosten (mind. 19,5 h) 37.924 € 38.554,00 € ca. 10 % Overhead 4.740 € 4.819,00 € ca. 10% Sachkosten 4.741 € 4.820,00 € 100,00% Gesamt 47.405 € 48.193 € Das Projekt wird bei der Stadt Köln weiterhin durch das Kommunale Integrationszentrum be- treut. Weitere Details zur bisherigen und zukünftigen Umsetzung des Projekts ergeben sich aus dem beigefügten Sachbericht für das Jahr 2021 und der Konzeption. Finanzierung: Die erforderlichen Finanzmittel für das Haushaltsjahr 2023 in Höhe von 47.405€ und für das Haushaltsjahr 2024 in Höhe von 48.193€ stehen vorbehaltlich des Inkrafttretens der Haushalts- satzung 2023/2024 im Teilergebnisplan 0504-Freiwillige Sozialleistungen und Diversity in der Teilplanzeile 15 – Transferaufwendungen zur Verfügung. Die Erhöhung der Mittel für die Jahre 5 2023/2024, gegenüber den in 2020-2022 eingeplanten Mitteln, basiert auf einer Berücksichti- gung einer jährlichen Tarifkostensteigerung. Anlagen: Anlage 1: Sachbericht Brückenbauer 2021 Anlage 2: Konzeption Brückenbauer -
Anlage 2 Sachbericht Brückenbauer 2021
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SACHBERICHT BRÜCKENBAUER* 2021 Bildungsprojekt des Kölner Flüchtlingsrat e.V. Inhaltsverzeichnis Zusammenfassung 02 Zielgruppen- erreichung 05 Aktivitäten seit Projektbeginn 06 Herausforderungen durch Corona 07 Maßnahmen 2021 08 Überblick 2021 10 Bedarf 11 Projektziele 04 Meinungen Pädagog*innen 14 Ausblick 16 Lehrkraft an der Lise-Meitner- Gesamtschule in Köln Porz Am Bildungsprojekt Brückenbauer* hat mich nach der schrecklichen humanitären Krise in 2015 besonders fasziniert, dass sie proaktiv an Kölner Schulen herangetreten sind und Wissen vermitteln und Vorurteile abbauen. Die Sensibilisierung für das Thema Flucht ist von hoher Bedeutung. Nur so kann Toleranz entstehen und können Vorurteile abgebaut werden. Der Kölner Flüchtlingsrat e.V. blickt auf mittlerweile fünf Jahre Jugend- und Bildungsarbeit (seit 2017) an Kölner Schulen zurück. Das Projekt Brückenbauer* wirkt Diskriminierung und Vorurteilen entgegen und bringt proaktiv Antirassismusarbeit und Menschenrechtsarbeit an Kölner Schulen. Die Workshops schaffen ein Bewusstsein für gesellschaftliche Chancenungleichheiten, für die Rechte Geflüchteter und regen Jugendliche und Pädagog*innen dazu an, eine diversitätssensible Haltung zu entwickeln. Der Bedarf an politischer Bildungsarbeit zu den Themen Flucht, Asyl, Menschenrechte, Vielfalt und Diskriminierung steigt stetig und Lehrkräfte nehmen unsere Workshops als Entlastung und Bereicherung wahr. Die Jugendbildungsarbeit des Kölner Flüchtlingsrat e.V. besteht momentan aus drei Projektsäulen, von denen zwei (die Workshops für Schulklassen und die Fortbildungen für Pädagog*innen) im Rahmen der dreijährigen städtischen Förderung gefördert werden. Unser drittes Projekt, die Multiplikator*innenarbeit mit jungen Geflüchteten, ist im Oktober 2021 gestartet und wird von der Postcode Lotterie gefördert. Diese drei Säulen unserer Bildungsarbeit erzeugen gemeinsam Synergieeffekte, die im Sinne der Zielerreichung von Brückenbauer* sind. SEITE 02 ZUSAMMENFASSUNG Projektinhalt: Durchführung von Workshops an Kölner Schulen zu Flucht, Asyl, Menschenrechten, Vielfalt und Diskriminierung für Schüler*innen ab Klasse 5 bis Q2 sowie für Lehrkräfte und Päda- gog*innen. Projektlaufzeit: 3 Jahre, 01.01.2020 – 31.12.2022 Fördersumme: 45.000 € p.a. Workshops für Schulklassen Fortbil- dungen für Pädagog* innen Multipli- kator* innen- Projekt WE CAN SPEAK SEITE 03 ZUSAMMENFASSUNG Seit Beginn unserer Bildungsarbeit an Kölner Schulen (2017) haben bereits knapp 60 Workshops für Schüler*innen der Klassenstufen 5 - Q2 stattgefunden. Im Rahmen der städtischen Förderung haben bereits 36 Online- und Präsenz-Workshops stattgefunden. Seit Oktober 2021 haben 3 Workshops der Workshop-Reihe "Wissen und Kompetenz im Umgang mit geflüchteten Schüler*innen" für Pädagog*innen stattgefunden (Stand Februar 2022). Wir bieten außerdem Beratungen zu Unterrichtsgstaltung zu den Themen Flucht, Menschenrechte & Diskriminierung für Lehrkräfte und Pädagog*innnen an. Ankommen Vorurteile und Diskriminierung Flucht und Partizipation (entwickelt 2021) Grenzen und Menschenrechte (entwickelt 2021) Neben unserem Grundlagen- Workshop bieten wir mittlerweile vier Vertiefungs-Workshops an: Die Stadt Köln fördert mit der Bildungsarbeit des Kölner Flüchtlingsrat e.V. seit dem 01.01.2020 konkret die Vorbereitung und Durchführung von Workshops an Kölner Schulen zu Flucht, Asyl, Menschenrechten, Vorurteilen und damit verbundenen Themen. Zuvor wurde mit städtischen Mitteln für „ Antirassismus-Trainings“ bereits die Entwicklung und Verschriftlichung der Bildungseinheiten in „ Bildungspaketen“ (Okt.-Dez.2018) sowie die Durchführung von Workshops für Schulklassen (Sept.-Dez.2019) gefördert. Durch die aktuelle Förderdauer von 3 Jahren war und ist es dem Kölner Flüchtlingsrat e.V. möglich, die bereits entstandenen Strukturen zu stärken, bestehende Kooperationen verlässlich auszubauen, neue, nachhaltige Bildungsformate zu entwickeln und die hohe Nachfrage an Workshops an Kölner Schulen zeitnah zu bedienen. PROJEKTZIELE SEITE 04 ZIELE I. Schüler*innen entwickeln im Rahmen eines Workshops eine kritische Haltung zum Flüchtlingsdiskurs und erhalten Antworten auf Ihre Fragen zum Themenkomplex Flucht und Asyl. 2021 wurden die für die 3. Durchführungsphase vorgesehenen Projektziele (laut Projektantrag) trotz abgeänderter Maßnahmen auf Grund von Corona weitgehend erreicht. IV. Peer-Education-Strukturen werden genutzt und gefördert. Besonders Jugendliche mit eigenem Migrations- oder Fluchthintergrund fühlen sich durch das Angebot bestärkt, aktiv zu partizipieren, ihre Erfahrungen als Ressourcen zu nutzen und in den Unterricht und im Engagement einzubringen. II. Schüler*innen fühlen sich darin bestärkt, sich für Vielfalt, Toleranz und Menschenrechte einzusetzen, und gehen aktiv gegen Rassismus und Diskriminierung vor. III. Die Synergieeffekte zwischen Workshops und AGs (AG-Projekt lief bis Okt. 2021) werden genutzt und ausgebaut. Jugendliche werden durch das Workshopangebot zum freiwilligen gesellschaftlichen und politischen Engagement aktiviert. V. Multiplikator*innen und Lehrkräfte werden durch die Angebote von Brückenbauer* fortgebildet und darin bestärkt, den Themenkomplex Flucht und Asyl selbstständig in den eigenen Klassen aufzugreifen. Mit dem neu gewonnen Fachwissen fühlen sie sich bestärkt Antirassismusarbeit themenübergreifend im Unterricht einzubringen. VI. Analoge und digitale Bildungsmaterialien werden Pädagog*innen und Lehrkräften auf einer digitalen Plattform zur Verfügung gestellt. Für das Jahr 2022 besonders relevante Projektziele: Es haben bereits 3 Fortbildungen für Pädagog*innen stattgefunden, es sollen weitere 2022 folgen. 2022 entsteht eine digitale Bildungs- plattform. über Informationsschreiben an Schulleitungen, Lehrkräfte und Schulsozialarbeiter*innen über unsere Flyer über die Website vom Kölner Flüchtlingsrat e.V. über die neue Website unseres Jugend- und Bildungsbereichs und über Instagram Unsere Zielgruppe sind Kinder und Jugendliche ab der 5. Klasse und pädagogisches Personal an Schulen. Wir erreichen die Gruppen https://koelner-fluechtlingsrat.de/arbeitsbereiche/jugend-bildungsarbeit_2 https://www.jugend-kfr.de/ https://www.instagram.com/jugend_kfr/ Mit der stetigen Unterstützung des Kommunalen Integrationszentrums werden unsere Angebote zusätzlich beworben und ganz gezielt an die Schulen im Netzwerk Schule- ohne-Rassismus/Schule-mit-Courage geschickt. SEITE 05 ZIELGRUPPENERREICHUNG Erstellung von Werbematerial (Flyer, Plakat) Bekanntmachung des Angebots an Kölner Schulen und Zielgruppenerreichung durch Netzwerkarbeit Erarbeitung, praktische Erprobung eines neuen Vertiefungsmoduls Einarbeitung von neuen Bildungsreferent*innen im Team Pandemiebedingt wurden 4 Workshops durchgeführt, geplant waren 12 Workshops für Kölner Schüler*innen Pilotphase (01.01.2020–31.08.2020) AKTIVITÄTEN SEIT PROJEKTBEGINN SEITE 06 ZEITPLAN Erarbeitung und Durchführung des neuen Vertiefungsmoduls "Flucht & Partizipation" Projektanpassung an Corona-Situation & Erstellung mehrerer Online- Workshops Pandemiebedingt wurden 8 (Online-)Workshops durchgeführt, geplant waren 14 Workshops für Kölner Schüler*innen 2. Durchführungsphase (01.01.2021 - 31.12.2021) 3. Durchführungsphase und Projektabschluss (01.01.2022 - 31.10.2022) Erstellung der neuen Website für den Jugend- und Bildungsbereich www.jugend-kfr.de Erarbeitung und Durchführung des neuen Vertiefungsmoduls "Grenzen und Menschenrechte" Erarbeitung und Durchführung der Pädagog*innen-Workshopreihe "Wissen und Kompetenz im Umgang mit geflüchteten Schüler*innen" (1. Termin im Oktober 2021, es folgten bereits 2 Onlinre-Termine Anfang 2022) Pandemiebedingt durchgeführt wurden 24 (Online-)Workshops, laut Projektantrag waren 40 geplant, nach Rücksprache mit dem KI wurde die Anzahl auf 20 reduziert, vgl. S. 10 Durchführungsphase (01.09.2020 - 31.12.2020)1. Um unsere Workshops im Corona-Jahr 2021 an Kölner Schulen zu bringen, war ein beständiger Anpassungsprozess nötig. Wie auch schon 2020 hat das zweite Projektjahr 2021 von den Bildungsreferentinnen des Kölner Flüchtlingsrat e.V. viel Flexibilität und kreative Anpassungsbereitschaft hinsichtlich der geplanten Projektmaßnahmen gefordert. Viele der Coronamaßnahmen für Schulen in NRW mussten von den Kölner Schulen kurzfristig umgesetzt werden, forderten Lehrkräfte und Schüler*innen gleichermaßen heraus und teils langfristige Terminabsprachen und Planungen mit dem Projekt Brückenbauer* mussten verworfen werden. Dank des regelmäßigen Austauschs mit dem Kommunalen Integrationszentrum konnten die ursprünglich geplanten Projektmaßnahmen fortlaufend an die Situation angepasst und vorgenommene Abänderungen evaluiert werden. Vorrangig wurden Online-Workshopformate weiterentwickelt und hybride Angebote (Präsenz/Online) entworfen. Obwohl die Workshops von persönlichen Begegnungen, dem Austausch von Erlebnissen in interaktiven Diskussionsrunden und methodischem Erfahren leben, machte unser Bildungsteam die Erfahrung, dass viele Inhalte sich gut in ein Online- Format übertragen ließen. Der vorliegende Sachbericht zeigt auf, dass trotz vieler Schwierigkeiten während der Pandemie und vieler Terminabsagen und Terminverschiebungen das Interesse der Kölner Schulen an den Brückenbauer*-Workshops ungebrochen groß ist. Dem Bildungsprojekt gelang es auch im zweiten Pandemiejahr 2021 , sich an wechselnde Rahmenbedingungen anzupassen und in verschiedenen Formaten Menschenrechts- bildung an Kölner Schulen anzubieten. So konnte die hohe Nachfrage dennoch größtenteils bedient werden. SEITE 07 HERAUSFORDERUNGEN WEGEN CORONA Dadurch, dass nach den Weihnachtsferien 2020/2021 recht überraschend für längere Zeit kein Präsenzunterricht stattfand, konnten 4 für Januar und Februar geplante Workshops nicht stattfinden. Unser angepasstes Angebot, Workshops online durchzuführen, wurde zunächst nur sehr zögerlich angenommen. Lehrkräfte meldeten teilweise zurück, dass insbesondere die Herausforderungen der Organisation des Wechselunterrichts sie sehr fordere. In der Zeit zwischen den Oster- und Sommerferien, als sich eine Art Routine in den Schulen eingespielt hatte, wurden die Workshops dann wieder verstärkt angefragt, sodass wir sogar mehr Workshops als die mit dem KI für diesen Zeitraum vereinbarte Anzahl durchführen konnten (15 statt 10). Bis Mitte 2021 war der Austausch mit Lehrkräften über deren Bedarfe und Sorgen besonders hoch und zeigte uns, dass generell, aber besonders im Regelbetrieb, ein hoher Bedarf an Entlastung der Lehrkräfte durch politische Bildungsarbeit zum Thema Flucht vorhanden ist. Alle Workshops wurden im Zeitraum Januar bis Juli 2021 online durchgeführt, wobei sich die durch Wechselunterricht bedingte Klassentrennung sogar als hilfreich erwies, da so die Gruppen, die am Online-Workshop teilnahmen, kleiner waren. Das ermöglichte eine interaktivere Workshopgestaltung im Online-Format. Die Bildungsrefetentinnen erarbeiteten im April 2021 ein neues Workshopmodul mit einem Fokus auf Möglichkeiten der Unterstützung und Mitbestimmung junger Menschen. Dieser Schwerpunkt ermöglicht viel Teilhabe an den Inhalten des Workshops (auch für Kinder und Jugendliche mit eigener Fluchtgeschichte) und zeigt Handlungsperspektiven bei dem oft sehr belastenden Thema Flucht auf. Das neu erarbeitete Workshopmodul „ Flucht und Partizipation“ konnte gleich mehrfach in den Workshops genutzt werden und es zeigte sich, dass ein großes Interesse bei den Schüler*innen bestand, auch eigene Engagementmöglichkeiten kennenzulernen und zu reflektieren. Hervorzuheben ist hier auch eine Workshopreihe, die wir mit einem Deutschkurs der Tages- und Abendschule (TAS) durchführten. Der Kurs bestand mehrheitlich aus älteren Schüler*innen mit eigener Fluchterfahrung. Dies bedeutete einerseits, dass wir unsere Workshopmaterialien noch einmal überarbeitet haben, sodass sie auch für Teilnehmer*innen mit geringen Deutschkenntnissen verständlich waren. Andererseits konnten wir mit der Gruppe das Thema „ Partizipation“ mit einem ganz neuen Schwerpunkt, nämlich der Partizipation von Betroffenen selbst, beleuchten. Jahreshälfte 2021 (Januar - Juli) 1. 4 SEITE 08 MASSNAHMEN IM JAHR 2021 In der zweiten Jahreshälfte, die an den Schulen mit Präsenzunterricht und einer relativ entspannten Coronasituation begann, wurden bereits in den ersten zwei Wochen nach den Sommerferien so viele Workshops bei uns angefragt, dass wir bis Ende 2021 und darüber hinaus ausgebucht waren. Die meisten davon sollten in Präsenz stattfinden. Wegen längerer Krankschreibungen im Bildungsteam und aufgrund der (Ende des Jahres 2021) sich verschärfenden Lage mit dem Omikron-Virus, mussten mehrere Workshops abgesagt werden. Was sich als schwierig erwies, war die Tatsache, dass die Durchführung von Bildungsveranstaltungen in Präsenz etwa ab Dezember 2021 sowohl von den Bildungsreferentinnen als auch zunehmend von den Schulen als unangemessen in Anbetracht der Infektionsdynamik erachtet wurde. Ein Fokus lag in der zweiten Jahreshälfte zudem an der Konzeption einer Fortbildung für Pädagog*innen an Kölner Schulen. Die erste Fortbildung konnte am 27.10.2021 in Präsenz im Flüchtlingszentrum FliehKraft stattfinden. Die Resonanz war sehr positiv und es wurde deutlich, dass ein großer Bedarf an Informationen und auch Austausch unter den Teilnehmer*innen bestand. Thematische Bedarfe der Pädagog*innen sollen 2022 in der Workshopreihe "Wissen und Kompetenz im Umgang mit geflüchteten Schüler*innen vertieft behandelt werden. Das geplante neue Modul „ Grenzen und Menschenrechte“ für Schüler*innen der Oberstufe, das auch durch die Situation an der polnisch-belarussischen Grenze Ende 2021 noch einmal an Relevanz gewonnen hat, konnte in dieser Zeit ebenfalls ausgearbeitet werden. Eine erste erfolgreiche Erprobung fand am 13.01.22 in einem Leistungskurs für Sozialwissenschaften der Q2 des Schillergymnasiums Porz statt. 2. Jahreshälfte 2021 (August - Dezember) SEITE 09 MASSNAHMEN IM JAHR 2021 Dies war eine für alle Seiten spannende Erfahrung, die wir gerne im Workshopprojekt wiederholen und weiterentwickeln möchten. Schließlich bildete sich aus einigen Workshop-Teilnehmer*innen der TAS, ganz im Sinn der geplanten Synergieeffekte des Projekts Brückenbauer*, eine AG, welche eine Instagram-Story zur TAS als Lernort speziell für Geflüchtete ausarbeitete. Darüber hinaus möchte jetzt ein Teil dieser Gruppe selbst Bildungsarbeit im Rahmen des Bildungsprojektes "WE CAN SPEAK" leisten. GEPLANT FÜR 2021TATSÄCHLICH DURCHGEFÜHRT 2021 Durchführung laut Projektantrag von 40 Workshops für Schüler*innen / Nach Rücksprache mit dem KI wurde die Zahl aufgrund von Corona auf 20 Workshops angepasst. Zahl der tatsächlich durchgeführten Workshops im Jahr: 24 Zahl fest geplanter Workshoptermine an Kölner Schulen: 42 Zahl der pandemie-bedingten Terminabsagen: 18 Deutlich wird, der Bedarf an Schulen ist da, doch die Coronasituation ließ eine Umsetzung der vereinbarten Workshoptermine nicht zu. Erarbeitung und praktische Erprobung eines neuen Vertiefungsmoduls. Vertiefungsmodul "Flucht und Partizipation" speziell für Gruppen mit Kindern und Jugendlichen mit eigener Fluchtgeschichte Vertiefungsmodul "Grenzen und Menschenrechte" für Schüler*innen der Q2 Es wurden zwei neue Workshopmodule entwickelt: 1. 2. Erarbeitung und Durchführung einer Fortbiludngsreihe für Pädagog*innen an Schulen Erarbeitung der Fortbildungsreihe "Wissen und Kompetenz im Umgang mit geflüchteten Schüler*innen" für Pädagog*innen. Die Auftaktveranstaltung fand am 27.10.2021 statt. Ein zweiter Termin fand am 15.02.2022 statt und es wurde eine weiterer Termin am 23.02.2022 angeboten, weil die Nachfrage sehr hoch war Erarbeitung und praktische Erprobung einer Multiplikator*innen-Fortbildung für Lehrkräfte, um das Thema "Flucht" selbst in ihren Klassen durchführen zu können. Um zunächst die große Nachfrage nach der Reihe "Wissen und Kompetenz im Umgang mit geflüchteten Schüler*innen" bedienen zu können wurde diese Maßnahme nach Absprache mit dem KI auf 2022 verschoben. SEITE 10 ÜBERBLICK 2021 Trotz vieler pandemiebedingter Projektanpassungen und der zeitweise kompletten Umstellung auf Online-Bildungsformate, bleibt der Bedarf an politischer Bildungsarbeit an Kölner Schulen stetig hoch. Ganz besonders, weil Corona in den letzten zwei Jahren die Berichterstattung und Social Media dominiert hat, es aber trotz alledem politische und gesellschaftliche Ereignisse und Entwicklungen gab, bei denen Jugendliche Unterstützung brauchen. Hier geht es darum, diese richtig einzuordnen und die Hintergründe zu verstehen. Dafür brauchen wir Bildungsformate wie Brückenbauer* an Kölner Schulen. Zu groß ist sonst die Gefahr, dass junge Menschen sich an Fake News und rechter Hetze im Netz orientieren und komplexe gesellschaftliche Verhältnisse falsch gedeutet und verinnerlicht werden. Zu den relevanten Ereignissen gehören flüchtlingspolitische Entwicklungen wie der Konflikt der EU mit Weißrussland und die darauffolgende katastrophale Situation für Geflüchtete an den Grenzen von Weißrussland und Polen, die UN-Klimakonferenz in Glasgow mit ihren Ergebnissen, von denen nicht absehbar ist, ob sie im Kampf gegen den Klimawandel und für Klimagerechtigkeit ausreichen werden oder nicht zuletzt der Kriegsausbruch in der Ukraine, der hunderttausende Menschen zur Flucht zwingt. Aber auch rassistische und menschenrechtsverachtende Taten wie die Anschläge in Hanau und Halle und die weiterhin hohe rassistisch und antisemitisch motivierte Gewalt in Deutschland gehören zu den Geschehnissen, über die man mit Jugendlichen sprechen muss. Die Veränderung des gesellschaftlichen Klimas in Folge der Auseinandersetzungen mit der Corona Pandemie lässt vermuten, dass auch bei anderen relevanten Gesellschaftsthemen Verschwörungstheorien und Aufrufe zur Gewalt nicht abflauen werden. So wird die Flüchtlingspolitik der nächsten Jahre weiter durch Hass und Hetze im Netz begleitet und verschiedene Akteur*innen der Gesellschaft gezielt attackiert werden, wenn wir nicht gegensteuern. Geflüchtete zählen hierbei zu einer Zielscheibe, die nicht nur online, sondern direkt und physisch angegriffen werden. Auch 2020 gab es „ mindestens 1.600 überwiegend rechtsmotivierte Angriffe gegen Geflüchtete und Asylbewerberunterkünfte". Das geht aus vorläufigen Zahlen des Bundesinnenministeriums hervor. Darüber hinaus gab es 2020 insgesamt 67 Angriffe auf Hilfsorganisationen sowie freiwillige Helfer*innen. Bereits Jugendliche müssen daher lernen, wie zivilgesellschaftliches Engagement für Demokratie und Menschenrechte aussehen und selbst gestaltet werden kann. SEITE 11 BEDARF AN BILDUNGSARBEIT STETIG HOCH SEITE 12 BEDARF AN BILDUNGSARBEIT STETIG HOCH Gründe für eine Fortführung und Verstetigung des Projekts Brückenbauer* 1. Schulen buchen die Brückenbauer* Workshops stetig seit Projektbeginn und wir können den Bedarf nicht decken. Im Regelbetrieb (ohne Einschränkungen durch Corona) können wir seit wir Workshops an Schulen anbieten den Bedarf mit einer 50 % Personalstelle nicht decken! Die Terminvergabe für ein komplettes Schulhalbjahr findet in nur wenigen Wochen nach den Ferien statt, sodass wir danach keine weiteren Anfragen mehr annehmen können. 2. Brückenbauer* wirkt Vorurteilen und Diskriminierung nachhaltig entgegen Vorurteile und rassistische Einstellungen gegenüber Menschen anderer Herkunft und Hautfarbe sind fest in der Gesellschaft verankert. So sind bspw. die Vorurteile gegenüber asylsuchenden Menschen in den letzten Jahren weiter gestiegen, trotz sinkender Antragszahlen. Jugendliche mit eigener oder familiärer Fluchterfahrung registrieren diese Ereignisse und Stimmungen sehr genau. Brückenbauer* trägt dazu bei, das Bewusstsein in Schulen für die Situation von Geflüchteten zu erhöhen und damit auch indirekt die Situation von geflüchteten Schüler*innen an der Schule zu verbessern. Vorurteile gegenüber Personengruppen werden durch die richtige didaktische Methodik entkräftet und Fachwissen vermittelt. Die Schüler*innen lernen sich während der Workshops besser kennen, entwickeln Empathie für verschiedene Lebenssituationen und zeigen am Ende der Workshops häufig Interesse an gesellschaftlichem Engagement. 3. Brückenbauer* trägt dazu bei, dass geflüchtete Kinde und Jugendliche sich stressfreier integrieren können und Schule als einen sicheren Lernort erleben Kölner Schulen haben Interesse an Expert*innenwissen und wollen die Kinder und Jugendlichen mit Fluchterfahrung möglichst schnell in den Regelschulbetrieb integrieren. Auch wenn in den letzten Jahren weniger Menschen einen Asylantrag in Deutschland gestellt haben, nehmen Fluchtbewegungen zu und Schulen wollen als wichtige Bildungs- und Erziehungsinstitution eine Haltung zu diesem Phänomen einnehmen und einer diversen Schülerschaft eine sicheren Lern- und Erfahrungsraum schaffen. Dazu bedarf es immer wieder der Unterstützung externer Exptert*innen. Für diesen Fall steht Brückenbauer* den Schulen mit seinen Workshops und Beratungsangeboten zur Seite. SEITE 13 BEDARF AN BILDUNGSARBEIT IST STETIG HOCH Lebenssituation geflüchteter Kinder (Erlebnisse im Herkunftsland und auf der Flucht, Unterbringung, Beschulung) Asylrechtliche Grundlagen und Aufenthaltsrecht psychische Belastungen und Trauma Antirassismusarbeit an der eigenen Schule rassismuskritische und diversitätssensible Haltung bei Pädagog*innen Methoden, um das Thema Flucht in den eigenen Unterricht zu integrieren 4. Brückenbauer* Workshops entlasten Lehrkräfte Die Themen Flucht und Migration sind fester Bestandteil der Kernlernpläne des Landes NRW, sodass Lehrkräfte Strategien brauchen, diese Themen angemessen zu vermitteln. Eine besondere Herausforderung stellt sich für Lehrkräfte, wenn Kinder und Jugendliche im Unterricht sind, die selbst eine eigene oder familiäre Fluchtgeschichte haben oder noch an den Folgen der Erlebnisse leiden. Viele Lehrkräfte wissen sehr wenig über die Lebensumstände der Kinder, die selbst eine Flucht erlebt haben. Zumal diese Biografien sehr unterschiedlich ausfallen. Auch die zum Teil sehr großen Beschulungslücken bei den Kindern stellen die Lehrkräfte vor eine große Herausforderung. 5. Einige Schulen haben die Brückenbauer* Workshops mittlerweile in ihrem Projektangebot verstetigt An einigen Schulen sind die Brückenbauer* Workshops (z.B. Johannesgrundschule, Heinrich- Heine-Gymnasium) bereits seit zwei Jahren fester Bestandteil von Menschenrechtsprojekten, AGs und Projekttagen. 6. Brückenbauer* leistet einen wichtigen Beitrag zu den Angeboten im Netzwerk Schule-ohne-Rassismus/Schule-mit-Courage Das Kommunale Integrationszentrum informiert die Schulen im Netzwerk stetig über Angebote von Bildungsträgern. Die Brückenbauer* Workshops sind eines dieser Angebote für die Schulen im Netzwerk. Über die Bekanntmachung des KI erreichen uns viele Workshopanfragen von SOR-Schulen. 7. Die Erwachsenenbildung im Projekt wird unerwartet stark angenommen, was den Bedarf an Fachwissen zum Thema Flucht bei Pädagog*innen zeigt Seit Beginn des Projekts erhalten wir Anfragen nach Bildungsangeboten für Erwachsene. Viele Pädagog*innen in Schulen wünschen sich Beratung im Umgang mit geflüchteten Kindern und Bildungsformate zu folgenden Inhalten: SEITE 14 WAS SAGEN LEHRKRÄFTE UND SCHULSOZIALARBEIT? Warum darf das Workshopprojekt Brückenbauer* in der Kölner Bildungslandschaft nicht fehlen? "Aufklärung von Kindern und Erwachsenen, Vorbeugen von Ausgrenzungen, Verständnis von Geschehen in der Welt und Überarbeitung des eigenen Selbstbildes." - Lehrkraft am Maximilian-Kolbe- Gymnasium in Köln Wahn - "Brückenbauer ist ein wichtiger Bildungsbeitrag zur Sensibilisierung von gesellschaftlichen und migrationspolitischen Themen." - Schulsozialarbeiterin am Heinrich- Mann-Gymnasium in Chorweiler - "Die Thematisierung von Themen rund um Migration und Flucht sind in den Kernlehrplänen an Schulen fester Bestandteil. Nichtsdestotrotz ist das Unterrichten dieser Themen eine große Herausforderung für viele Lehrende, da gerade an Schulen des Standorttyps 5 oftmals Schüler*innen mit (mitunter schlimmen) Fluchterfahrungen in den Klassen sind. Die Unterstützung durch die Mitarbeiter*innen des Bildungsprojekts Brückenbauer* hat uns – v.a. in einigen Projektwochen – sehr geholfen, den Schüler*innen Input über die Thematik zu vermitteln. So wurde vielen Schüler*innen auch die Vielschichtigkeit des Themas bewusst (u.a. das Klimageflüchtete einen immer höheren Anteil annehmen). Insgesamt hat unsere Schule bisher sehr von der Zusammenarbeit profitiert!" - Lehrkraft an der Lise-Meitner-Gesamtschule in Köln Porz - Wer profitiert von Brückenbauer*? "Profiteure sind v.a. die Schüler*innen. Und zwar ALLE Schüler*innen. Geflüchtete, da mit ihnen rücksichtsvoll und wertschätzend umgegangen wird. Andere Schüler*innen nehmen oft einen Mehrwert mit. Die Toleranz untereinander wird zudem gesteigert. Auch profitieren Lehrkräfte vom Projekt, da man sich auf die professionelle und zielbringende Vermittlung des Bildungsträger verlassen kann." - Lehrkraft am Lise-Meitner-Gymnasium in Köln Porz - SEITE 15 WAS SAGEN LEHRKRÄFTE UND SCHULSOZIALARBEIT? "Köln ist eine Stadt, die für Toleranz und Vielfalt steht. Es gibt viele Institutionen und Träger, die das in Köln vorleben. Am Bildungsprojekt Brückenbauer* hat mich nach der schrecklichen humanitären Krise in 2015 besonders fasziniert, dass sie proaktiv an Kölner Schulen herangetreten sind und Wissen vermitteln und Vorurteile abbauen. Die Sensibilisierung für das Thema Flucht ist von hoher Bedeutung. Nur so kann Toleranz entstehen und können Vorurteile abgebaut werden. Das Thema Anti-Diskriminierung ist natürlich sehr vielschichtig und muss in dieser Vielschichtigkeit auch an Schulen präsent sein. Seit Beginn ist der Kontakt nie abgebrochen und das Projekt Brückenbauer* tritt regelmäßig mit tollen didaktischen Ideen und Projekten an uns heran." - Lehrkraft an der Lise-Meitner-Gesamtschule in Köln Porz - Welche Lücke schließt Brückenbauer* in der Kölner Bildungslandschaft? Welchen Einfluss hat das Projekt deiner Meinung nach auf das Leben von Schüler*innen und Lehrkräften / Schulsozialarbeiter*innen / Pädagog*innen? "Auf Schüler*innen: Ich glaube, dass das Verständnis für Geflüchtete durch diese Workshops und Angebot zunimmt. Gerade in Zeiten von social media ist eine inhaltliche Auseinandersetzung in der Schule – angeleitet durch externe Expert*innen – unabdingbar." - Lehrkraft an der Lise-Meitner- Gesamtschule in Köln Porz - Was wünschen Sie sich für die Zukunft vom Projekt Brückenbauer*? "Erwachsenenbildung!" "Workshops für Lehrkräfte und Eltern." "Erwachsenenbildung als zentrales Thema (Für die Kinder macht ihr das schon super, aber wünsche mir mehr Angebote für Erwachsene)." - Lehrkräfte der Lise-Meitner-Gesamtschule in Köln Porz und des Heinrich-Mann-Gymnasiums in Chorweiler - WEBSITE TRUDE HERR GESAMTSCHULE: HTTPS://THG-KOELN.DE/WORKSHOP-FLUCHT-ASYL SEITE 16 Flucht und Menschenrechte Flucht und Migration im Kontext des Klimawandels Diskriminierung und Rassismus mit Schwerpunkt Rechte Hetze im Netz Kooperation mit dem Projekt WE CAN SPEAK Seit September 2021 wird beim Kölner Flüchtlingsrat e.V. das Multiplikator*innenprojekt WE CAN SPEAK aufgebaut. Das Projekt zielt darauf ab, Vorurteile und strukturelle Benachteiligungen gegenüber Menschen mit Fluchterfahrungen aufzubrechen, indem es Geflüchtete stärkt, Workshops mit Jugendlichen im Sinne von peer education selbst durchzuführen und somit auch Begegnung zu ermöglichen. Hierfür werden im ersten Halbjahr 2022 15-20 junge Geflüchtete zwischen 17 und 27 Jahren zu „ Speaker*innen“ qualifiziert, die zu folgenden Themen Workshops (WS) mit Jugendlichen durchführen werden: LgM Pläne für 2023 & 2024 Kooperation in der Praxis 1. Die Speaker*innen von WE CAN SPEAK stehen Brückenbauer* als ergänzende Referent*innen zur Verfügung 2. Es gibt einen fachlichen Austausch über die Bedarfe der Jugendlichen und Schulen 3. Brückenbauer* kann seine Kapazitäten zur Lehrkräftefortbildung ausbauen 4. Der Pool der Bildungsmaterialien, die auch Lehrkräften zur Verfügung stünden, erweitert sich und wird digital aufbereitet 5. Es entsteht ein gemeinsames Netzwerk (Schulen, Jugendzentren, Initiativen, Beratungsstellen, etc.) für die Zielgruppenerreichung genutzt würde. Beide Projekte werden trotz der Synergien nebeneinander als selbstständige Projekte bestehen, ihre jeweiligen Themenschwerpunkte und ihre Methodik der Zielgruppenerreichung behalten. AUSBLICK SEITE 17 PLÄNE FÜR 2023 & 2024 Mehr Erwachsenenbildung durch Workshopreihe für Pädagog*innen Schulklassen werden zunehmenden diverser und wir möchten Lehrkräfte mit unserer Expertise zur Lebenssituation geflüchteter Kinder, unserem Fachwissen zu rassismuskritischer und diversitätssensibler Pädagogik und hinsichtlich Handlungsoptionen bei Schwierigkeiten und Herausforderungen unterstützen. Da die Resonanz auf unsere Workshopreihe für Pädagog*innen "Wissen und Kompetenz im Umgang mit geflüchteten Schüler*innen" so positiv ausgefallen ist und unsere zweite Veranstaltung nach wenigen Tagen ausgebucht war (sodass es einen Ersatztermin geben musste) werden wir die Reihe ab 2023 ausweiten und mehr Termine anbieten. Es kamen bereits Anfragen aus einigen Lehrer*innenkollegien nach Fortbildungen für das ganze Kollegium. Mit diesem weiteren Schwerpunkt in der Erwachsenenbildung können wir unseren Auftrag der Menschenrechtsarbeit an Kölner Schulen noch ganzheitlicher erfüllen. Moderierte Netzwerktreffen für Schulsozialarbeiter*innen zum Thema Flucht Das Thema Flucht betrifft mittlerweile die meisten Lehrkräfte, doch nicht an allen Schulen gleichermaßen. Besonders die Schulsozialarbeit und die Leitungen der internationalen Klassen haben mit Kindern und Jugendlichen mit Fluchterfahrungen zu tun. Viele Schulsozialarbeiter*innen sind jedoch in ihrem Handlungsfeld, ihren Aufgaben und auch Herausforderungen die einzigen mit dieser Profession an ihren Schulen. Den Lehrkräften, die die Leitung der internationalen Klassen der Schulen übernommen haben geht es ähnlich. Gegenüber dem Kölner Flüchtlingsrat e.V. wurde in den letzten Jahren immer wieder der Wunsch nach einem Netzwerk oder Austauschtreffen für Schulsozialarbeiter und engagierte Lehrkräfte zum Thema Flucht geäußert, bei dem Pädagog*innen sich über ihre Erfahrungen und Schwierigkeiten im Schulalltag sowie Lösungsansätze und best practice Modelle mit anderen austauschen können. Wir möchten einen solchen moderierten Austausch ab 2023 in regelmäßigen Abständen anbieten. SEITE 18 QUALITÄTSKONTROLLE Romi Radtke, stellv. Bereichsleitung Jugend- und Bildungsbereich mit 9,5 h/Woche (bis Ende 2021) Celia Sachs, Bildungsreferentin mit 10h/Woche Susanna Buttchereyt, Bildungsreferentin mit 9,5h / Woche (seit Anfang 2022) Mitarbeiter*innen im Projekt 2021 Flyer https://koelner- fluechtlingsrat.de/userfiles/bildung/Flyer_Projekt_Br%C3%BCckenbauer-2021.pdf Projektantrag an die Stadt Köln https://koelner- fluechtlingsrat.de/userfiles/bildung/F%C3%B6rdermittelantrag%20an%20die%20Stadt %20K%C3%B6ln_Projekt%20Br%C3%BCckenbauer.pdf Der bereits zuvor ausgearbeitete und verwendete Lehrer*innenfragebogen zur Abfrage von Gruppenzusammensetzung, Vorwissen und gewünschten Workshopschwerpunkten kam auch 2021 zur Planung der Online- und Präsenzworkshops zum Einsatz. Die teilnehmenden Schüler*innen konnten ihr Feedback im Anschluss an die Workshops geben, zumeist schriftlich auf hierfür ausgeteilte Kärtchen oder bei den Onlineworkshops in Form einer Online- Feedbackbefragung. Das Feedback der Lehrkräfte erfragen wir immer im Anschluss an den Workshop oder in anschließenden Telefonaten in einem persönlichen Gespräch.
Beratungsverlauf
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21.11.2022
Ausschuss Schule und Weiterbildung
TOP 6.3, Vorberatung (Fachausschuss). Ergebnis: ungeändert empfohlen
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