2011/0250
Integrations- und Arbeitsmarktprogramm 2011 des Jobcenter Darmstadt
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2011/0250
4866 Zeichen
Magistratsvorlage Eingang Magistrats- geschäftsstelle: 08.06.2011 an den Magistrat zur Kenntnis zur Beschlussfassung Beteiligt vor Magistratsbeschlussfassung: Dezernat V an die Stadtverordnetenversammlung OBW zur Befassung zur Kenntnis zur Beschlussfassung zur abschließenden Beschluss- fassung Fachausschuss Amt:Amt für Soziales und Prävention Jobcenter Darmstadt Behandlung in öffentl. Sitzung Ja Nein OBW bei abschl. Beschlussfassung Magistrat Ja Nein Internetfähig Verteiler: Vorlage-Nr. 2011/0250 Magistratsbeschluss-Nr. Betreff: Integrations- und Arbeitsmarktprogramm 2011 des Jobcenter Darmstadt Vorlage vom: 05.06.2011 Beschlussvorschlag: Der Magistrat nimmt das Integrations- und Arbeitsmarktprogramm 2011 des Jobcenter Darmstadt zu Kenntnis. Anlagen: Integrations- und Arbeitsmarktprogramm 2011 Datenschutzrelevante Anlage: Beschluss des Magistrats vom 2 ... Begründung zur Magistratsvorlage vom 05.06.2011 Mit dem Integrations- und Arbeitsmarktprogramm 2011 stellt das Jobcenter Darmstadt seine strategischen Ansätze für die arbeitsmarktpolitische Integrationsarbeit im Jahr 2011 dar. Es analysiert die regionale Lage auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt, stellt die Instrumente und Maßnahmen zur Zielerreichung vor und geht auf einzelne Zielgruppen ein. Alle Handlungen und Entscheidungen unterliegen der Beachtung der Prinzipien der Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit. Das Jobcenter Darmstadt strebt im Jahre 2011 ambitionierte Ziele an. Die positive Entwicklung des Jobcenters in 2010 soll fortgeführt und gefestigt werden. Die enge Abstimmung des Integrations- und Arbeitsmarktprogrammes 2011 des Jobcenters mit der kommunalen Ausbildungs- und Arbeitsmarktstrategie der Wissenschaftsstadt Darmstadt spricht für einen gut aufgestellten Handlungsrahmen zur Erhöhung der Ausbildungs- und Arbeitsmarktchancen von sozial benachteiligten Jugendlichen und Erwachsenen. Dabei ergänzen auch Länderprogramme die Maßnahmen des Jobcenter Darmstadt für eine verstärkte Förderwirkung oder sie ermöglichen zusätzliche Förderungen, insbesondere von besonders Benachteiligten am Arbeits- und Ausbildungsmarkt, die ansonsten nicht in dieser Intensität unterstützt werden können. Dabei ist allerdings sehr kritisch anzumerken, dass die Förderoptionen für besonders benachteiligte Jugendliche und junge Arbeitslose aufgrund der drastischen Kürzungen im Ausbildungsbudget durch die Hessische Landesregierung eingeschränkt wurden. Die bereits verhandelte Zielvereinbarung musste um eine Kürzung von über 40 % (von geplanten 588.539 Euro auf 354.678 Euro, d.h. ein Minus von 233.861 Euro) für Darmstadt angepasst werden. Gespräche mit dem Hessischen Sozialminister führten bislang nicht zu einer Rücknahme der Kürzungen. Gleichzeitig ist das Integrations- und Arbeitsmarktprogramm mit den ebenfalls überaus gravierenden finanziellen Einschnitten des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales konfrontiert, die bis zu 30 % der bislang zur Verfügung stehenden Fördersumme für aktive Arbeitsförderung betragen. Die von Bund und Land den Kommunen auferlegten finanziellen Kürzungen und die zu erwartenden inhaltlichen Zensuren aufgrund des vorgelegten Gesetzesentwurfes zur „Leistungssteigerung der arbeitsmarktpolitischen Instrumente“, die insbesondere zu Lasten der Langzeitarbeitslosen im SGB II Bezug gehen werden, da nicht berücksichtigt ist, dass diese Zielgruppe spezielle Förderinstrumente benötigt, sind Problemlagen, die sich kurz- und mittelfristig auf die Gestaltungsmöglichkeiten des Jobcenters einschränkend auswirken. Die strategische Verknüpfung von Sozial-, Beschäftigungs-, Arbeitsmarkt- und Wirtschaftspolitik wird in Darmstadt als geschäftspolitischer Schwerpunkt sowohl im Jobcenter als auch im Rahmen der kommunalen Beschäftigungsförderung seit 2005 politisch explizit ausgewiesen. Diese Strategie 3 ... ist ebenfalls Bestandteil der kommunalen Jugendhilfe, Integrations- und Gleichstellungspolitik, basierend auf drei Prinzipien: Prävention, Partizipation und Sozialraumorientierung. Für eine Realisierung dieser Prinzipien und damit der konsequenten Weiterförderung der Langzeitarbeitslosen müssen auch die finanziellen Mittel von Bund und Land zur Verfügung gestellt werden. Die Kürzungen können kommunal nicht aufgefangen werden. Das Integrations- und Arbeitsmarktprogramm 2011 ist Grundlage der Zusammenarbeit mit allen regionalen Akteuren auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt und dient gleichzeitig als Handlungsleitfaden für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Jobcenter Darmstadt. Es wurde im Mai 2011 von der Trägerversammlung des Jobcenter einstimmig beschlossen. Darmstadt, 05.06.2011 Dezernat V Jochen Partsch Stadtrat
anlage 1
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1
Integrations- und
Arbeitsmarktprogramm 2011
2
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung .................................................................................................................. 3
1.1 Zielsystem des SGB II ..................................................................................................... 3
1.1.1 2010 – Was haben wir erreicht? .................................................................................................. 3
1.1.2 2011 – Was wollen wir erreichen? .............................................................................................. 5
2. Arbeitsmarktlage – lokale Ausgangsituation .............................................................. 6
3. Kommunale Ausbildungs- und Arbeitsmarktstrategie der Wissenschaftsstadt
Darmstadt ........................................................................................................................ 7
4. Aktive Förderung des Jobcenter Darmstadt – Planung 2011 ...................................... 9
4.1 Mittelsituation 2011: Eingliederungs- und Verwaltungsbudget ....................................... 9
4.2 Mitarbeiterinnen- und Mitarbeiterqualifizierung .......................................................... 11
4.3 Strategien der Zielerreichung ....................................................................................... 12
4.3.1 Zugänge managen durch das Handlungsprogramm für Neukunden ........................................ 12
4.3.2 Vermeidung Langzeitbezug ........................................................................................................ 13
4.3.3 Fachkräftepotential erhöhen durch Qualifizierungsförderung ................................................ 14
4.3.4 Veranstaltung „Sparkurs der Bundesregierung – welche Hilfen bietet das Jobcenter
Darmstadt“ .................................................................................................................................................. 15
4.4 Förderung von Zielgruppen .......................................................................................... 15
4.4.1 Beschäftigungschancen für Alleinerziehende erschließen ....................................................... 15
4.4.2 Projekt „Jobs für best!agers“ ..................................................................................................... 17
4.4.3 Jugendliche in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt integrieren .............................................. 21
4.4.4 Migrantinnen und Migranten .................................................................................................... 24
4.4.5 Menschen mit Schwerbehinderung ........................................................................................... 25
5. Länderprogramme – Projektförderungen zur Umsetzung des hessischen Ausbildungs-
und Arbeitsmarktbudgets ................................................................................................26
6. Kooperationen und Netzwerke .................................................................................29
7. Gleichstellung von Frauen und Männern...................................................................31
Anlage: Bildungszielplanung 2011
Herausgeber:
Jobcenter Darmstadt
Zentrum für Existenzsicherung und Beschäftigung
Groß-Gerauer-Weg 3
64295 Darmstadt
3
1. Einleitung
Das Bundesverfassungsgericht hatte im Dezember 2007 die Leistungserbringung der Grundsicherung
für Arbeitssuchende durch Arbeitsgemeinschaften (ARGE n) als eine unzulässige Form der
Mischverwaltung gesehen und dem Gesetzgeber aufgegebe n, bis zum 31. Dezember 2010 einen
verfassungskonformen Zustand herzustellen. Das im Sommer diesen Jahres verabschiedete „Gesetz
zur organisatorischen Weiterentwicklung der Grundsich erung für Arbeitsuchende“ lässt auf der
Grundlage einer Verfassungsänderung künftig die Zusammen arbeit von Agentur für Arbeit und
Kommune als besondere Verwaltungsform für die Ausführun g des SGB II ausdrücklich zu. In Folge
dessen gingen alle ARGEn zum 01.01.2011 in eine soge nannte „gemeinsame Einrichtung“ über. Alle
gemeinsamen Einrichtungen tragen künftig den Namen Jobce nter. Aus der ARGE Darmstadt wurde
daher zum 01.01.2011 das Jobcenter Darmstadt.
1.1 Zielsystem des SGB II
Die Grundsicherung für Arbeitsuchende soll die Eige nverantwortung von erwerbsfähigen
Hilfebedürftigen stärken und dazu beitragen, dass sie i hren Lebensunterhalt unabhängig von der
Grundsicherung aus eigenen Mitteln und Kräften bestre iten können. Die Träger der Grundsicherung
erbringen unter Beachtung der Grundsätze von Sparsamke it und Wirtschaftlichkeit alle im Einzelfall
für die Eingliederung in Arbeit erforderlichen Leistungen. Diese Regelung soll es den Akteuren vor Ort
ermöglichen, auf die konkreten Probleme des Hilfebedü rftigen zugeschnittene individuelle Lösungen
zu finden. Zur Erreichung dieser Ziele schließt das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und die
Bundesagentur für Arbeit eine bundesweite Zielverein barung hinsichtlich der Leistungen, für die die
Bundesagentur für Arbeit nach § 6 Abs. 1 Nr. 1 SGB II die Verantwortung als Leistungsträger innehat,
ab. Die Bundesagentur für Arbeit wiederum führt den Z ielplanungsprozess des Bundes mit den
Jobcentern vor Ort durch. In den lokalen Zielvereinba rungen wird die bundesweite Zielvereinbarung
konkretisiert, Ziele der kommunalen Träger festgelegt und regionalen Gegebenheiten Rechnung
getragen. Die in der Zielvereinbarung vorgesehenen Ziele, Zielindikatoren und Richtgrößen sollen die
zur Aufgabenerfüllung notwendige Orientierung geben.
1.1.1 2010 – Was haben wir erreicht?
Das Jobcenter Darmstadt blickt auf ein sehr erfolgreiches Jahr 2010 zurück. Sämtliche Bundesziele für
2010 wurden erreicht bzw. übertroffen. Das (Bundes)Zielsystem
2010 sah wie folgt aus:
Ziel Zielindikator
Verringerung der Hilfebedürftigkeit Summe passive Leistungen 1
Verbesserung der Integration in
Erwerbstätigkeit Integrationsquote
2
Langzeitbezug vermeiden Bestand Kunden im Kundenkontakt mit Dauer
über 24 Monate
1 Die Summe passiver Leistungen ist definiert als die Summe der Leistungen zur Sicherung des Lebensunterha ltes (ohne kommunale
Leistungen nach § 7 Abs. 1 Ziffer 2 SGB II sowie Beiträge zur Sozialversicherung).
2 Die Integrationsquote gibt den Anteil der in Erwerbstä tigkeit (Aufnahme einer selbständigen oder sozialversi cherungspflichtigen
Beschäftigung auf dem 1. Arbeitsmarkt) oder in Ausbild ung integrierten Kunden im Kundenkontakt, gemessen an al len Kunden im
Kundenkontakt, an.
4
Die Ziele für das Jahr 2010 waren geprägt von den Auswir kungen der weltweiten Finanz- und
Wirtschaftskrise. Der deutsche Arbeitsmarkt wurde nic ht verschont und die Wirtschaftskrise wirkte
sich auch auf den Rechtskreis SGB II aus. Dies wurde bei der Festlegung der Ziele 2010 berücksichtigt.
Ziel Erwartungswerte 2010 Zielerreichung 2010
Verringerung der Hilfebedürftigkeit
29,129 Mio. €
26,898 Mio. €
3
Verbesserung der Integration in
Erwerbstätigkeit (Integrationsquote)
21,2 % - 2010
26,7 % = 2531
3
Langzeitbezug vermeiden
Bestand soll Durchschnitt des Jahres
2009 ( 1643 ) nicht übersteigen
1445
3
Im Zeitraum 01.01.2010 bis 31.12.2010 wurden insgesamt
2367 3 erwerbsfähige Hilfebedürftige in
Erwerbstätigkeit integriert. Dies entspricht eine In tegrationsquote von 24,8 %. Damit wurden rund
400 Personen mehr in den Arbeitsmarkt integriert, als im Vorjahr.
In der lokalen Zielvereinbarung waren folgende Ziele für das Jahr 2010 vereinbart:
Ziel Zielindikator
Senkung der Kosten der Unterkunft und Leistung Ausgaben K osten der Unterkunft und Leistung
wirkungsorientierte Auslastung
Eingliederungsbudget mindestens 90 %
Der nachfolgenden Übersicht können die endgültigen E rwartungswerte sowie die Zielerreichung der
lokalen Zielvereinbarung entnommen werden:
Ziel Erwartungswerte 2010 Zielerreichung 2010
Begrenzung der Steigerung der Leistungen
für Unterkunft und Heizung gegenüber 2009
33,839 Mio. €
29,950 Mio. €
4
wirkungsorientierte Auslastung des
Eingliederungsbudget
mindestens 90 %
93,9 %
3 Quelle: Controllingdaten der BA und Kreisreport Dezember 2010; vorläufiger Stand 12/2010; revidierte Daten stehen erst mit einer
Wartezeit von 3 Monaten zur Verfügung; Prognose
4 Quelle: Bundesagentur für Arbeit; vorläufiger Stand 12/2010; revidierte Daten stehen erst mit einer Wartezeit von 3 Monaten zur
Verfügung
5
1.1.2 2011 – Was wollen wir erreichen?
Das (Bundes)Zielsystem 2011
sieht wie folgt aus:
Ziel Zielindikator
Verringerung der Hilfebedürftigkeit Summe passive Leistungen
Verbesserung der Integration in Erwerbstätigkeit Integrationsquo te
Langzeitbezug vermeiden Bestand Kunden im Kundenkontakt mit Dauer über
24 Monate
Kundenzufriedenheit Index aus Kundenzufriedenheit 5
Die (Bundes)Ziele 2011 wurden wie folgt vereinbart:
Ziel Zielwerte 2011
Verringerung der Hilfebedürftigkeit
10,4 %
Verbesserung der Integration in Erwerbstätigkeit
7,3 %
Langzeitbezug vermeiden
Bestand soll um 7,4 % gesenkt werden
Kundenzufriedenheit
Niveau soll auf 2,42 verbessert werden
Die lokale Zielvereinbarung wird zusammen mit den endgültigen Bundeszielen vereinbart:
Ziel Zielindikator
Projekt „Jobs für best!agers“ Integrationen
Derzeit sind folgende lokalen Ziele avisiert:
Ziel Erw artungswert 2011
Integrationen Projekt „Jobs für best!agers!“
265
5Durch das Zentrum für Kunden- und Mitarbeiterbefragu ng werden pro Jahr vier Befragungen durchgeführt. Sie e rfassen die Zufriedenheit
der Arbeitnehmerkunden mit dem Service und der Dienstleistungsqualität der Jobcenter.
6
Über die Senkung der Ausgaben für Unterkunft und Hei zung (kommunale Mittel) wird noch eine
separate Zielvereinbarung erfolgen.
Die Zielerreichung wird durch Fachaufsicht, teambezog enes Controlling und Zielnachhaltung
begleitet, um Fehlentwicklungen schneller zu erkenn en und (Gegen)Steuerungsmaßnahmen
einzuleiten.
2. Arbeitsmarktlage – lokale Ausgangsituation
Darmstadt gehört zur Region Rhein-Main und somit zu ein er der bedeutendsten Wirtschaftsräume
Deutschlands. In Darmstadt sind überproportional viele Beschäftigte in IT-Unternehmen und bei
technischen Forschungsdienstleistern beschäftigt. Di e Region Darmstadt hat im bundesdeutschen
Vergleich, aber auch im Vergleich zu anderen Teilregion en der Metropolregion Frankfurt die
höchsten Gründungsintensitäten im Bereich technologieintensiver Dienstleistungen.
Über 30 Forschungseinrichtungen und Institute haben sich in Darmstadt angesiedelt. Darunter die
Gesellschaft für Schwerionenforschung, das Europäische Raumflugkontrollzentrum (ESOC), das
Europäische Zentrum zur Kontrolle von Wettersatellite n (EUMETSAT) sowie drei Institute der
Fraunhofergesellschaft. Andere weltweit agierende Darmstädter Firmen verfügen über ausgeprägte
Forschungs- und Entwicklungsabteilungen. Seit 1997 i st Darmstadt Wissenschaftsstadt. Darmstadt
war die erste Stadt in Deutschland, der dieser Titel verliehen wurde.
In Darmstadt befinden sich fünf wirtschaftliche Schwerp unkte (sog. Cluster): Chemie / Pharma
/Biotech (u. a. Merck KGaA; mit 8.600 Mitarbeiterinne n und Mitarbeiter am Standort Darmstadt
gleichzeitig der größte Arbeitgeber vor Ort), Infor mations- und Kommunikationstechnologie (u. a.
Software AG, das zweitgrößte Softwarehaus Deutschlands), Haarkosmetik, Maschinenbau /
Elektrotechnik /Mechatronik (u. a. Schenck Process G mbH) sowie Weltraum- und
Satellitentechnologie.
Darmstadt bietet mehr als 88.000 sozialversicherungspfli chtige Arbeitsstellen. Dies ist um so
bemerkenswerter, da Darmstadt insgesamt ca. 142.000 Einwo hnerinnen und Einwohner hat. Täglich
pendeln knapp 60.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehme r in die Stadt, in der ca. 10.000
Unternehmen und 1.300 Handwerksbetriebe ansässig sind.
Durch die Dynamik und Produktivität des Standortes bie tet Darmstadt Arbeitssuchenden eine
Vielzahl von unterschiedlichen Jobangeboten. Diese her vorragenden wirtschaftlichen
Voraussetzungen können für die Integrationsarbeit der Kundinnen und Kunden des Jobcenter
Darmstadt genutzt werden.
7
3. Kommunale Ausbildungs- und Arbeitsmarktstrategie der Wissenschaftsstadt
Darmstadt
Die strategische Verknüpfung von Sozial-, Beschäftigungs- , Arbeitsmarkt- und Wirtschaftspolitik
wird in Darmstadt als geschäftspolitischer Schwerpu nkt sowohl im Jobcenter als auch im Rahmen
der kommunalen Beschäftigungsförderung seit 2005 po litisch explizit ausgewiesen. Diese Strategie
ist ebenfalls Bestandteil der kommunalen Jugendhilf e, Integrations- und Gleichstellungspolitik,
basierend auf drei Prinzipien: Prävention, Partizipa tion und Sozialraumorientierung. Dabei geht es
insbesondere um folgende Grundsätze:
1. Inklusion und Integration als sozialpolitische und so zialplanerische Strategie
Insbesondere:
• Stärkung von Teilhabe und Verteilungsgerechtigkeit durch sozialpolitische
Intervention und Konzepte
- flächendeckende sozialraumorientierte Schulsozialarb eit
- Gleichstellungspolitik als Querschnittsthema in Sch ule, Ausbildung, Beruf –
Maßnahmen zum Berufswahlverhalten von Mädchen und Ju ngen, Stärkung
von familiengerechten Arbeitsbedingungen für Frauen u nd Männer
- Projektgruppe Stärkung der Teilhabe von Menschen mit Behinderung in der
Wissenschaftsstadt Darmstadt, Schwerpunkt Bildung u nd Arbeitsmarkt
- Stärkung der Arbeits- und Ausbildungschancen für Ju gendliche mit
Migrationshintergrund
• Bearbeitung sozialpolitischer Ziele auf der Grundla ge kommunaler
Sozialberichterstattung
- sozialräumliche Analysen und Erstellung von Intervent ionsmaßnahmen zur
bedarfsorientierten Angebotsplanung
- Umsetzung von tragfähigen, sozialraumorientierten Be teiligungskonzepten
für Bürgerinnen und Bürger
- Implementierung von HeMonA (Hessischer Monitor Arbe itsmarkt und
Migration) als unterstützende Grundlage zur Analyse von
Entwicklungstendenzen in der Wissenschaftsstadt Darm stadt
2. Armut bekämpfen – Existenz sichern
Individuell und strukturell:
• Finanzielle Unterstützungsleistungen im Rahmen des Leistungen für Bildung und
Teilhabe, Zuschüsse für kinderreiche Familien, erhöh te Bewilligung für
Erstausstattung für Säuglinge, Seniorencard für ält ere Menschen mit geringem
Einkommen usw.
• Unterstützungsleistung durch ausgebautes soziales B eratungs- und
Dienstleistungsnetzwerk – soziale Infrastruktur in D armstadt ist stabil, flexibel und
umfassend
• Rahmenkonzeption: Gemeinwesenarbeit als Strategie g egen Armut und soziale
Ausgrenzung
- Gemeinwesenarbeit aktiviert und beteiligt Bewohneri nnen und
Bewohner
- Gemeinwesenarbeit fördert Inklusion und wirkt sozia ler
Benachteiligung entgegen
- Gemeinwesenarbeit fördert die strukturelle Integrati on der
zugewanderten Bevölkerung
8
3. Zielgruppen passgenau fördern
Insbesondere:
• Abgestimmte Konzepte der Existenzsicherung und Arbe itsmarktförderung für
einzelne Zielgruppen sowie sozialpädagogische Beglei tung
- Maßnahmen zur beruflichen Integration älterer Arbeit sloser
- Maßnahmen zur Integration in den Arbeitsmarkt für Fr auen mit
Migrationshintergrund und Alleinerziehende
- Enge Kooperation mit dem Integrationsfachdienst zur Integration
schwerbehinderter Menschen in den Arbeitsmarkt – ko mmunale
Unterstützung des Integrationsbetriebes usw.
- Koordinationsstelle für Hilfen für von Gewalt bedro hten und
betroffenen Frauen und deren Kinder
- Hilfen aus einer Hand für obdachlose erwerbsfähige Menschen mit
flankierendem Hilfebedarf nach § 67 SGB XII
- Sozialpädagogisches Projekt für Frauen, die der Straß enprostitution
nachgehen – hier: Ausstiegsberatung und niedrigschw elliges
Kontaktangebot
- Qualifizierungsangebote für langzeitarbeitslose, su chtkranke
Menschen
- Entwicklung von spezifischen Qualifizierungs- und
Weiterbildungsmaßnahmen – insbesondere niedrigschwel lige
aktivierende Maßnahmen im Jugend- und Erwachsenenber eich
4. Lokale und regionale Netzwerke stärken
• Finanzielle Sicherung und Vernetzung von Beratungsst ellen (Suchtberatung,
Schuldnerberatung, Allgemeine Lebensberatung, Migrati onsberatung usw.),
Stärkung der Jugendberufsagentur
• Ausweitung von Präventionsangeboten in sozial-, jugen d-, gesundheits-, frauen-,
migrationsspezfischen Bereichen, z. B. sozialraumor ientierte Schulsozialarbeit,
Einrichtung von sozialpädagogischen Dienstleistungsz entren in den Stadtteilen,
kommunale Mitarbeit an der Entwicklung inklusiver Sch ulen, Stärkung der
Bedeutung des Bildungs- und Erziehungsplanes, Bündn is für Familie, Angebote der
Jugendberufshilfe unabhängig von Leistungsbezug usw.
• Intensive Einbindung von Bildungsträgern in kommuna le Netzwerke
• Zusammenarbeit mit Betroffenenorganisationen und Gewe rkschaften – z. B.
Sozialhilfekommission, Magistratskommission Soziale B rennpunkte usw.
• Einbindung der Migrantinnen- und Migrantenselbstorg anisationen in kommunale
Arbeitsmarktstrategien
• Beteiligung des Jugendhilfeausschusses an arbeitsmar kt- und
ausbildungsstrategischen Konzepten
• Arbeitsgruppe § 78 SGB VIII Jugendberufshilfe
• Aufbau eines kommunalen Netzwerkes Arbeit und Ausbil dung
• Auf- und Ausbau des Darmstädter Netzwerks Alleinerz iehende – DANA
• Mitgliedschaft im lokalen Bündnis für Familie und Ber uf
5. Lokalen (sozialen) Arbeitsmarkt/Ausbildungsmarkt sichern
• Stärkung lokaler Beschäftigungsinitiativen, die – ne ben der Integration einzelner
Menschen in den Arbeitsmarkt – die strukturelle Aufw ertung benachteiligter
Quartiere sichern
9
• Lokale Wirtschaft übernimmt Verantwortung für Langz eitarbeitslose und
Ausbildung, Unterstützung des ersten Darmstädter In tegrationsbetriebes durch
kommunale Aufträge
Die oben genannten fünf strategischen Ziele zeigen, dass langfristige und nachhaltige
Erwerbsintegration aus kommunalpolitischer Sicht nu r interdisziplinär erfolgreich wirken kann.
4. Aktive Förderung des Jobcenter Darmstadt – Planung 2011
4.1 Mittelsituation 2011: Eingliederungs- und Verwaltungsbudget
Die Finanzlage 2011 ist geprägt von den erheblichen Kü rzungen des Eingliederungsbudgets infolge
der Haushaltskonsolidierungsmaßnahmen des Bundes. Der R ückgang der Mittelzuteilung
insbesondere im Eingliederungsbudget beträgt über 23 ,1 %. Mittelzuteilung laut
Eingliederungsmittelverordnung
6 2011:
Der Rückgang der Budgets wurde durch die Bundesregierun g bereits Anfang 2010 dem Grunde nach
kommuniziert, daher hat das Jobcenter Darmstadt bereits Mi tte 2010 entsprechende
Sparmaßnahmen eingeleitet, um die negative Wirkung auf F ördermöglichkeiten zu begrenzen. So
wurde u. a. finanzielle Verpflichtungen für Folgejahre reduziert sowie die Anwendung der
arbeitsmarktpolitischen Instrumente wie Eingliederung szuschüsse und die Förderung betrieblicher
Weiterbildung der Mittelsituation angepasst. Ziel ist es die durchschnittlichen Kosten zu senken um
immer noch allen Kunden, die einen entsprechenden Bedarf haben, gerecht werden zu können.
Desweiteren wurde aufgrund der geänderten gesetzliche n Rahmenbedingungen beschlossen den
Beschäftigungszuschuss (BEZ) auslaufen zu lassen.
6 Veröffentlicht im Bundesanzeiger Nr. 197 S. 4331 vom 28. Dezember 2010.
7 Aufgrund des Haushaltsrechts werden in die Planung alle möglichen Verpflichtungen aufgenommen. Hieraus ergeben sich
im Laufe eines Jahres Freirechnungen (z.B. aufgrund von Einsp arungen im Einkauf oder durch Abbrüche / Fluktuationen bei
der Maßnahmebesetzung). Eine Überplanung ist daher notwendig um einen möglichst hohen Anteil des Budgets
auszunutzen, bzw. eine Rückgabe der Mittel an den Bund zu vermeiden.
Jahr Eingliederungstitel Verwaltungshaushalt
2010
10,20 Mio. Euro
7,42 Mio. Euro
2011
7,84 Mio. Euro
6,98 Mio. Euro
Eingliederungsmittel 2011 (In €)
Zugeteilte Ausgabemittel gesamt 7.843.284
davon für Beschäftigungszuschuss (nachrichtlich) 1.066.200
geplante Umschichtungen zum Verwaltungshaushalt -1.300.000
Saldo Forderungseinzug / nicht verausgabte Bindungen aus 2010 25.000
zur Verfügung stehende Ausgabemittel 2011 6.568.284
Vorbindungen aus Vorjahren fällig 2011 2.990.463
zur Verfügung stehende Ausgabemittel für Neugeschäft 3.577.821
Geplante Ausgaben für Neugeschäft in % 111,5% 7
10
Die Planung für das Jahr 2011 führte dann u. a. zu weiteren Maßnahmen:
• Kenntnisvermittlungen werden durch passgenauere und i ndividuellere Förderung
betrieblicher Weiterbildung ersetzt
• die durchschnittlichen Kostensätze für Arbeitsgelege nheiten wurden gesenkt, damit eine
Förderung von etwa 200 Plätzen möglich ist.
• Berufsausbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen (BaE) wurde um über 50% reduziert
Durch die genannten Maßnahmen ist es gelungen das Jobcent er trotz der Sparmaßnahmen
handlungsfähig zu halten, die Förderung der Kunden wei ter aktiv zu gestalten und gleichzeitig alle
Kundengruppen ausreichend zu berücksichtigen.
Aus dem derzeitigen Finanzplan der Bundesregierung ist ersichtlich, dass auch 2012 die Zuteilung der
Mittel zur Eingliederung in Arbeit noch einmal um üb er 20 % gekürzt werden wird. Das Jahr 2011
wird somit auch geprägt sein von der Vorbereitung auf die kommende Budgetsituation. Ziel muss es
Eingliederungsbudget - Vorbindungen, Neugeschäft, Vergleich Vorjahr
Gesamtausgaben Vorbindungen (in T€) Neugeschäft (in T €)
I. Vermittlung, Aktivierung,
berufliche Eingliederung
1.100 █████ 336 ████████████ 764 -30,5 ████
II. Qualifizierung 643 █ 71 █████████ 572 -19,6 ██
III. Beschäftigung begleitende
Leistungen
1.807 ████████████████ 967 ██████████████ 840 -42,0 ██████
IV. Spezielle Maßnahmen für
Jüngere
1.272 ███████████████████ 1.164 █ 108 ██████ 44,3
V. Leistungen für Menschen mit
Behinderung
531 ███ 201 █████ 330 ████ 28,8
VI. Beschäftigung schaffende
Maßnahmen
1.277 ███ 189 ██████████████████ 1.088 -16,2 ██
VII. Ausfinanzierung der
weggefallenen Instrumente
2 ▌ 2 0 -32,4 ████
VIII. Freie Förderung 367 █ 61 █████ 306 █ 10,4
Veränderung EgT
gegenüber 2010 in %
Eingliederungsbudget - Verteilung nach Instrumenten
Gesamt-
ausgaben
I. Vermittlung, Aktivierung,
berufliche Eingliederung
1.100 ███████████████ 15,7%
II. Qualifizierung 643 █████████ 9,2%
III. Beschäftigung begleitende
Leistungen
1.807 █████████████████████████ 25,8%
IV. Spezielle Maßnahmen für
Jüngere
1.272 ██████████████████ 18,2%
V. Leistungen für Menschen
mit Behinderung
531 ███████ 7,6%
VI. Beschäftigung schaffende
Maßnahmen
1.277 ██████████████████ 18,2%
VII. Ausfinanzierung der
weggefallenen Instrumente
2 ▌ 0,0%
VIII. Freie Förderung 367 █████ 5,2%
Anteil am EgT 2011 (in %)
11
auch dabei sein, weiterhin alle Kundinnen und Kunden P erspektiven in den ersten Arbeitsmarkt zu
ermöglichen bzw. sie auf dem Weg dorthin angemessen fördern zu können.
4.2 Mitarbeiterinnen- und Mitarbeiterqualifizierung
Wesentliches Merkmal einer qualitativ hochwertigen Qual ifizierung von Mitarbeiterinnen und
Mitarbeitern ist der enge praktische Bezug und die Ve rknüpfung der theoretischen Inhalte mit den
konkreten Anforderungen in der Praxis. Qualifizierung u nd Fortbildung ist wichtig für die
Qualitätssicherung. Wie in den Jahren zuvor, wurde auch i n 2010 ein hoher Wert auf die
kontinuierliche Fortbildung und Qualifizierung der Mi tarbeiterinnen und Mitarbeiter gelegt. Allen
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Jobcenter Darmst adt steht das umfangreiche Fortbildungs-
und Qualifizierungsangebot des Bildungsinstitutes der Bundesagentur für
Arbeit offen. Den
kommunalen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern steht darüb er hinaus das Angebot des städtischen
Fortbildungsprogrammes offen.
Um die fachlichen Qualifikation stetig zu erhalten und z u optimieren werden im Rahmen der
internen Reihe „Permanente Fortbildung“ Schulungen n ach aktuellen Bedarfen durchgeführt. Die
Schulungen werden von qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die als Multiplikatoren
oder Trainer ausgebildet sind, oder von ausgebildeten Trainern der Regionaldirektion Hessen der
Bundesagentur für Arbeit, abgehalten. Für spezielle fachliche Themen nutzt das Jobcenter Darmstadt
externe Dozentinnen und Dozenten.
Zudem haben
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in 2010 an einer von der Deutschen Gesellschaft für
Care und Case Management (DGCC) zertifizierten Ausbildu ng zur zertifizierten Fallmanagerin bzw.
zum zertifizierten Fallmanager teilgenommen. Ein Fallmanag er hat die Qualifizierung als „Mental
Health Facilitor“ an der Fachhochschule Frankfurt am Main – University of Applied Sciences –
erworben. Im Rahmen dieser Qualifizierung lernen Berate rinnen und Berater, wie Probleme
mentaler Gesundheit in angemessener Weise im Beratungs prozess anzusprechen und einer Lösung
zuzuführen sind. In internen Workshops geben die Fal lmanagerinnen und Fallmanager als
Multiplikatoren ihre erworbenen Kenntnisse an die ande ren Fallmanagerinnen und Fallmanager
weiter.
Eine wichtige Aufgabe ist auch die umfangreiche Qualifi zierung von neu eingestelltem Personal. Alle
neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhalten grunds ätzlich eine Grundschulung zum SGB II.
Darüber hinaus werden die Schulungen an das jeweilige Au fgabengebiet und weitestgehend den
individuellen Qualifizierungsbedarfen der Einzelnen angepasst.
Die Entwicklung von Führungskräften ist ein entschei dender Faktor für den Erfolg einer Behörde.
Umso wichtiger ist es, die Führungsfähigkeit von Füh rungskräften zu stärken. Allen Führungskräften
steht die Teilnahme an der Seminarreihe „In Führung ge hen“ der Bundesagentur für Arbeit offen.
Kommunale Führungskräfte stehen zum einen die Angebote im Rahmen des (allgemeinen)
Fortbildungsprogrammes der Wissenschaftsstadt Darmstadt o ffen (bspw. zum Thema
Personalführung). Darüber hinaus gibt es eine gesonder te Fortbildungsreihe für Führungskräfte
innerhalb der Wissenschaftsstadt Darmstadt.
12
2011 ist ein eigener Gleichstellungsplan für die Bes chäftigten des Jobcenter aufzustellen –
entsprechend den Vorgaben von § 11 Bundesgleichstellungsgesetz (BGleiG).
4.3 Strategien der Zielerreichung
Das Jobcenter Darmstadt strebt im Jahre 2011 ambitionierte Ziele an. Die positive Entwicklung des
Jobcenters in 2010 soll fortgeführt und gefestigt we rden. Durch kompetente Beratung und klugen
Instrumenteneinsatz möchten wir in 2011 noch mehr Me nschen als bisher zu einer neuen
Beschäftigung verhelfen. Damit dies gelingt, ist eine gute Steuerung unserer verfügbaren Ressourcen
erforderlich. In einem Strategie-Workshop haben die Führungskräfte des Bereichs Markt und
Integration die strategischen Ansätze des Jahres 2011 entwickelt.
4.3.1 Zugänge managen durch das Handlungsprogramm für Neukundinnen und Neukunden
Die Vermeidung von Langzeitbezug ist eine wichtige Au fgabe. Um dies zu erreichen ist die
unverzügliche Einleitung von Integrationsbemühungen direkt nach erstmaliger Antragstellung
erforderlich. Je weniger sich die Arbeitslosigkeit v erfestigt und je präsenter die Kenntnisse und
Erfahrungen aus der bisherigen Erwerbstätigkeit sind, desto besser können die Chancen auf dem
Arbeitsmarkt genutzt werden. Die umgehende Aktivierung des neu vorsprechenden Hilfebedürftigen
„von der ersten Stunde an“ hat daher höchste Priorität im Jobcenter Darmstadt. Aus diesem Grund
werden bereits am Tag der Antragstellung im Rahmen der vermittlerischen Erstberatung erste
Maßnahmen zur Eingliederung in den Arbeitsmarkt eingeleitet.
Mit allen Neukundinnen und Neukunden über 25 Jahren is t innerhalb von 15 Arbeitstagen ein
qualifiziertes Erstberatungsgespräch mit ausführlichem Profiling zu führen; mit allen Neukundinnen
und Neukunden unter 25 Jahren innerhalb von 10 Arbeits tagen. In diesem Erstberatungsgespräch
wird eine Integrationsstrategie erarbeitet. Die Beratu ng erfolgt, wie bei allen anderen
Hilfebedürftigen auch, qualifiziert und zielgerichtet . Hauptziel aller Beratungsaktivitäten ist die
Integration in den Arbeitsmarkt; möglichst innerhalb de r ersten 6 Monate nach Antragstellung. Jede
Beratung endet mit konkreten Angeboten und Vereinbaru ngen, muss einen Integrationsfortschritt
widerspiegeln, muss Einzelfallbezogen und zeitlich angemessen erfolgen.
Folgende Handlungsprogramme gelten als verbindliche Qualitätsstandards für Fallmanagerinnen und
Fallmanager für die Förderung und Aktivierung von Neukundinnen und Neukunden:
- Nutzung Sofortangebot Bewerberinnen- / Bewerberzent rum, zur Erstellung und/ oder
Überarbeitung professioneller Bewerbungsunterlagen
- unverzügliche Terminierung bei der Fallmanagerin oder dem Fallmanager innerhalb 3
Wochen nach Antragstellung
- Einschaltung des gemeinsamen Arbeitgeberservice
- Anregung zur Bewerbung bei Personaldienstleistern
- Intensive Betreuung während der ersten 6 Monate der Arbeitslosigkeit mit einer
Kontaktdichte von 6 Wochen
13
- regelmäßige Unterbreitung von passgenauen Vermittlungsvorschlägen
- Prüfung der Notwendigkeit einer Maßnahme der beruflichen Weiterbildung
4.3.2 Vermeidung Langzeitbezug
Mit diesem Ziel wird der Fokus des SGB II-Zielsystems auch auf die Leistungsberechtigten gelegt, die
bereits länger arbeitslos oder in Maßnahmen sind. Somit korrespondiert dieses Ziel mit dem 1.
Bundesziel „Verringerung der Hilfebedürftigkeit“.
Welcher Personenkreis fällt unter den Begriff „Langze itarbeitslos“? Langzeitarbeitslos sind
Menschen, die länger als 24 Monate arbeitslos gemeldet sind.
Einführung des beschäftigungsorientierten Fallmanagements
Im letzten Jahr wurde in allen Jobcentern das beschäft igungsorientierte Fallmanagement (bFM)
eingeführt. Hierbei obliegt es den Jobcentern vor Ort eine begleitende lokale Strategie zur
organisatorischen und inhaltlichen Umsetzung des bFM auf Grundlage eines vom Bundesministerium
für Arbeit und Soziales, der Bundesagentur für Arbeit und Vertretern der kommunalen
Spitzenverbände entwickelten Handlungsleitfadens, zu entwickeln.
Auch das Jobcenter Darmstadt hat eine eigene Umsetzungsstrategie entwickelt, deren es ist,
- die Selbstbestimmung, Eigen- und Mitverantwortung der in das bFM überführten Kundinnen
und Kunden zu erhalten und fördern
- das Selbsthilfepotential der in das bFM überführten Kundinnen und Kunden zu stärken
- passgenaue Hilfs- und Unterstützungsangebote bereitzustellen
bFM ist ein auf die Kundinnen und Kunden ausgerichtet er bedarfsorientierter Prozess mit dem Ziel
der Beseitigung der Hilfebedürftigkeit, möglichst du rch nachhaltige Integration in den Arbeitsmarkt.
In diesem kooperativen Prozess werden vorhandene in dividuelle Ressourcen und multiple
Problemlagen methodisch erfasst und Versorgungsangebot e und Dienstleistungen gemeinsam
geplant, die anschließend von den Fallmanagerinnen und F allmanagern implementiert, koordiniert,
überwacht und evaluiert werden. So wird der individuel le Bedarf einer jeden Kunden / eines jeden
Kunden im Hinblick auf das Ziel der mittel- und / ode r unmittelbaren Arbeitsmarktintegration durch
Beratung und Bereitstellung verfügbarer Ressourcen abg edeckt und die Mitwirkung der Betroffenen
bei der Umsetzung eingefordert. bFM beinhaltet also d ie Betreuung bis zur Eingliederung in den
Arbeitsmarkt und umfasst alle sozialen und arbeitsmarktor ientierten Hilfen. bFM ist die individuelle
Steuerung im Hilfenetz.
Aufgabe der Grundsicherung für Arbeitsuchende ist es , alle Kundinnen und Kunden qualifiziert,
umfassend und entsprechend ihrer individuellen Bedürfnisse mit dem Ziel der Eingliederung in Arbeit
und / oder Ausbildung zu unterstützen.
14
Handlungsprogramme des bFM
- Abarbeitung vermittlungsrelevanter Handlungsbedarfe, z. B. durch Schuldenabbau,
Bekämpfung einer Suchtproblematik, Hilfestellung bei der Suche nach einer passenden
Kinderbetreuung etc.
- Sonstige Weiterbildungsangebote durch Maßnahmen zur F örderung der beruflichen
Weiterbildung
- Angebot Arbeitsgelegenheiten (auf freiwilliger Basis)
4.3.3 Fachkräftepotential erhöhen durch Qualifizierungsförderung
Aufgrund der stetig steigenden Qualifikationsanforderu ngen steht auch im Jahr 2011 die
Qualifizierung von erwerbsfähigen Leistungsberechtigte n im Vordergrund unserer Arbeit. Das
Jobcenter Darmstadt hat sich für das Jahr 2011 das Ziel ge setzt, unter Berücksichtigung der zur
Verfügung stehenden Haushaltsmittel erwerbsfähige Lei stungsberechtigte vorrangig mit
Maßnahmen der beruflichen Weiterbildung gemäß §§ 77 f f. SGB III für die Integration auf dem
ersten Arbeitsmarkt fit zu machen. Diese Maßnahmen bie ten gute Möglichkeiten, den individuell
unterschiedlichen Bedarfen der Personen im Rechtskreis SGB II gerecht zu werden.
Für das kommende Jahr sind daher insgesamt ca. 200 Eintri tte in zertifizierte
Qualifizierungsmaßnahmen über das Bildungsgutscheinverf ahren geplant. Dabei sind die
Weiterbildungsmaßnahmen an den regionalen Arbeitsmarktb edürfnissen orientiert und umfassen
Teilqualifizierungsangebote im kaufmännischen, gewerblic h-technischen sowie im sozialen Bereich
und Angebote in Teilzeit.
Unter den Arbeitslosen befinden sich ca. 60 % ohne B erufsabschluss. Aufgrund des demografischen
Wandels und dem steigenden Bedarf an Fachkräften soll auch der nachträgliche Erwerb eines
beruflichen Abschlusses durch eine betriebliche ode r überbetriebliche Einzelumschulung gefördert
werden. Sofern vorhandene Kenntnisse und Berufserfahr ung nachgewiesen werden können, soll die
Externenprüfung einschließlich einer Vorbereitungsma ßnahme zum Nachholen des
Berufsabschlusses gefördert werden.
Um die Wirksamkeit und Effizienz beruflicher Weiter bildung zu erhöhen, insbesondere angesichts
knapper Haushaltsmittel, wird ein besonderer Fokus auf e ine zielgerichtete Bewerberinnen- /
Bewerber- und passgenaue Maßnahmeauswahl gelegt. Vor Auss tellung eines Bildungsgutscheins
erfolgt eine intensive Eignungsabklärung durch die Fal lmanagerinnen und Fallmanager. Daneben
erfolgt eine Orientierung an bisherigen Eingliederun gsquoten. Damit alle Teilnehmerinnen und
Teilnehmer einer beruflichen Qualifizierungsmaßnahme tats ächlich im Anschluss an ihre
Bildungsmaßnahme erfolgreich in eine Arbeitsstelle ei nmünden, werden bereits in der letzen Phase
der Bildungsmaßnahme verstärkte Vermittlungsbemühungen durch das Jobcenter vorgenommen
(Absolventenmanagement).
Die Bildungszielplanung 2011 kann der Übersicht in der Anlage entnommen werden.
15
4.3.4 Veranstaltung „Sparkurs der Bundesregierung – welche Hilfen bietet das Jobcenter
Darmstadt“
Am 16. Februar 2011 führte das Jobcenter
Darmstadt in der Orangerie unter dem
Motto „Sparkurs der Bundesregierung –
welche Hilfen bietet das Jobcenter
Darmstadt“ eine Veranstaltung zum
Leistungsangebot des Jobcenter Darmstadt
durch. Ziel der Veranstaltung war es, den
Leistungsberechtigten aufzuzeigen, dass
das Jobcenter Darmstadt, trotz Kürzung der
Mittel und somit angespannter finanzieller
Situation, alle Möglichkeiten nutzt, um den
langzeitarbeitslosen Menschen weiterhin
ein breitgefächertes Angebot an Förderinstrumenten bieten zu können.
Die Veranstaltung bot allen Interessierten die Möglich keit sich unverbindlich und kostenlos über
aktuelle Projekte und Maßnahmeangebote zu informieren. Sc hwerpunkte waren die Themen
Gesundheitsmanagement für Personen über 50 Jahre, Kinde rbetreuung, Alleinerziehende,
Pflegeberufe sowie der Übergang Schule und Beruf. Un terstützt wurde das Jobcenter bei der
Veranstaltung von Kooperationspartnern, wie bspw. dem g emeinsamen Arbeitgeberservice der
Agentur für Arbeit und dem Jobcenter oder dem Amt fü r Familie, Kinderbetreuung und Sport der
Wissenschaftsstadt Darmstadt, sowie Partnern, mit denen d as Jobcenter Darmstadt bei diversen
Projekten zusammenarbeitet (bspw. dem Internationalen Bu nd e. V. beim Projekt „Perspektive
Berufsabschluss“ oder der BAFF-Frauen-Kooperation gem einnützige Arbeit GmbH / sefo femkom –
Frauenkompetenzzentrum beim Projekt „Darmstädter Netzwe rk für Alleinerziehende“). Darüber
hinaus stand den Besucherinnen und Besuchern ein Team von Fallmanagerinnen und Fallmanagern
vor Ort für eine direkte Beratung zur Verfügung.
Die Veranstaltung wurde von Fachvorträgen unter anderem zum Projekt „Darmstädter Netzwerk für
Alleinerziehende“ sowie einem Fachvortrag, der sich speziell an Eltern von Jugendlichen wendet, die
sich im Übergang von Schule und Beruf befinden, begl eitet. Darüber hinaus gab es eine Aufführung
einer Sequenz aus dem aktuellen Theaterprojekt JobAct® d er Jugendberufsagentur (näheres zu
diesem Projekt siehe Abschnitt 3.4.3).
4.4 Förderung von Zielgruppen
4.4.1 Beschäftigungschancen für Alleinerziehende erhöhen
Alleinerziehende haben ein besonders hohes Risiko, d auerhaft im SGB II-Leistungsbezug zu bleiben.
Obwohl sie häufig gut qualifiziert und motiviert sind , haben sie nach Analysen des Instituts für
Arbeitsmarkt- und Berufsforschung von allen Bedarfsge meinschaften die längste Verweildauer im
Leistungsbezug. Vor allem Kinderbetreuungsprobleme v erhindern die Aufnahme einer
bedarfsdeckenden Erwerbstätigkeit. Bei den Integration sbemühungen greifen die vorhandenen
16
Regelinstrumente oft nicht. Die Personengruppe der Alleinerziehenden hat einen spezifischen
Bedarf. Ihre Betreuung muss auf ihre individuellen Problemlagen zugeschnitten sein.
Wie schon im vergangenen Jahr, wird auch 2011 der Grupp e der Alleinerziehenden im Jobcenter
Darmstadt besondere Aufmerksamkeit gewidmet, da nach wie vo r unterschiedliche
Handlungsbedarfe bestehen, um diesen Personenkreis bei der Eingliederung in den ersten
Arbeitsmarkt zu unterstützen.
Im Jobcenter Darmstadt sind 6.219 Bedarfsgemeinschaften m it 8.451 erwerbsfähigen
Leistungsberechtigten gemeldet. 1.220 davon gehöre n dem Personenkreis der Alleinerziehenden
an (1.168 Frauen, 52 Männer).
8 Für diese Zielgruppe ist es aufgrund spezifischer Problemlagen
(mangelnde Flexibilität wegen fehlender Kinderbetreuung smöglichkeiten, Brüche in der
Erwerbsbiographie etc.) oft sehr schwer wieder in ei ne Erwerbstätigkeit einzusteigen. Die Probleme
liegen allerdings nicht immer im persönlichen Bereich, sondern es treten auch häufig Probleme auf,
die strukturell bedingt sind (Rollenzuweisungen, Ge schlechterdiskriminierung, Bedarf an
Qualifizierungsangeboten in Teilzeit und an Vormittagen aufgrund fehlender Kinderbetreuung, etc.).
Um die Integration und Beschäftigung von Alleinerzieh enden nachhaltig zu verbessern, startete in
Darmstadt Ende 2009 das überwiegend aus ESF-Mitteln finan zierte Bundesprojekt „Gute Arbeit für
Alleinerziehende“. Dieses wurde über die BAFF-Frauen -Kooperation gGmbH sowie dem sefo
femkom – Frauenkompetenzzentrum unter dem Projektname n „DANA“ – Darmstädter Netzwerk für
Alleinerziehende in die Praxis gestellt. Als Kooperati onspartner und Kofinanziére unterstützt das
Jobcenter Darmstadt das Projekt in der praktischen Umsetz ung, insbesondere durch die aktive
Zuweisung der Zielgruppe. Im Jahr 2010 lief das Projek t an und wird fortlaufend weiterentwickelt.
Alle Akteurinnen arbeiten gemeinsam an den verschiede nen Aufgabenfeldern um diesen in ihrer
Komplexität gerecht zu werden und den ganzheitlichen A nsatz - unter den Aspekten: Betreuung,
Beratung und Vermittlung – weiterzuverfolgen und zu optimieren.
Beleuchtet man die Hintergründe, welche der Integrati on dieser Zielgruppe in den Arbeitsmarkt im
Wege stehen genau und differenziert, so treten zwei g roße Baustellen ans Licht. Zum einen
erschwert oder verhindert die mangelnde bis unzureichende Kinderbetreuungssituation den Eintritt
ins Erwerbsleben, zum anderen stellt die fehlende Lo bby bei Arbeitgebern ein großes Hemmnis dar
und erschwert diesem Personenkreis zusätzlich die Arbeitsaufnahme.
Diesen sozialen wie auch gesellschaftspolitischen Auft rägen stellt sich das Jobcenter Darmstadt im
Jahr 2011 wie folgt:
Im Rahmen des vom Frauenbüro der Wissenschaftsstadt Darm stadt koordinierten „Lokale Bündnis
für Familie“ – welchem das Jobcenter beigetreten ist – wird sich im Jahr 2011 intensiv mit dem
Thema „Verbesserung der Kinderbetreuung“ auseinanderg esetzt werden. Da in dieser Runde
Vertreterinnen und Vertreter von sozialen Einrichtu ngen und Behörden wie auch
Unternehmerinnen und Unternehmer an einem Tisch sitz en, sind der Entwicklung innovativer Ideen
und deren Umsetzung, gute Chancen gegeben. In Koope ration mit den Beauftragten für
Chancengleichheit am Arbeitsmarkt der Bundesagentur un d der kommunalen Frauenbeauftragten
wird die Beauftragte für Chancengleichheit des Jobcenters Darmstadt innerhalb dieser Arbeitsgruppe
eine aktive Rolle übernehmen.
Das zweite große Handlungsfeld in punkto Alleinerzieh ende bildet im Jahr 2011 die
Arbeitgeberansprache. Unter Einbindung des Arbeitgebe rservice der Bundesagentur wie auch über
die Zusammenarbeit mit BAFF, soll die Akquise von Arb eitgebern systematisiert und somit
8 Quelle: Kreisreport Dezember 2009; vorläufiger Stand 12/2009; revidierte Daten stehen erst mit einer Wartezeit von 3 Monaten zur
Verfügung
17
intensiviert werden. Da Erfahrungswerte der letzten Jah re aufzeigen, dass die alleinige Ansprache
nicht ausreicht um die Arbeitgeber zu gewinnen, soll eine Sensibilisierung für unsere Zielgruppe
erfolgen. Beratung in Bezug auf innovative Arbeitsze itmodelle und finanzielle Fördermöglichkeiten
können von Arbeitgeberseite in Anspruch genommen wer den, es sollen aber auch die besonderen
Stärken Alleinerziehender (z.B. Organisationsfähigkeit , Verlässlichkeit, Bodenständigkeit) hervor
gehoben werden, um diese im öffentlichen Bewusstse in zu etablieren, Vorurteile abzubauen und
somit die Potentiale dieses Personenkreises dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stellen zu können.
Die Qualifizierung dieser Zielgruppe wird im Jahr 2011 weitgehend einzelfallbezogen über die
Ausgabe von Bildungsgutscheinen sichergestellt.
Über die aktive Auseinandersetzung mit den aufgeführt en Handlungsfeldern erhofft das Jobcenter
Darmstadt einen nachhaltigen Beitrag zum Thema „Vereinbark eit von Familie und Beruf“ leisten zu
können.
4.4.2 Projekt „Jobs für best!agers“
Der demographische Wandel ist kein Zukunftsszenario, e r ist gelebte Realität. In einer Gesellschaft
des langen Lebens wird die Gruppe der „jungen Alten“, also der über 65-jährigen, stark zunehmen,
während die Gruppe der unter 25-jährigen stark abnimmt.
Die Belegschaften in Deutschland altern seit geraumer Zeit. Das Durchschnittsalter der Beschäftigten
stieg im Laufe der letzten zwanzig Kalenderjahre um drei Lebensjahre. Sowohl die absehbare
demographische Entwicklung als auch die zu erwartende we itere Erhöhung des durchschnittlichen
Verrentungsalters werden wohl dazu führen, dass sich di eser Trend in den kommenden Jahren so
fortsetzt. Es ist daher für viele Betriebe wichtig, dass sie in Zukunft auch mit deutlich älteren
Beschäftigten hohe Produktivität erzielen können.
Eine aktuelle Studie des Zentrums für Europäische Wir tschaftsforschung (ZEW) in Mannheim
untersuchte erstmals repräsentativ den Einfluss der Än derung des Anteils unterschiedlicher
Altersgruppen in den Betrieben auf deren Produktivit ät. Die Studie zeigt, dass u. a. Betriebe mit
altersgemischten Teams neben der Produktivität Älter er auch die relative Produktivität jüngerer
Beschäftigter signifikant steigt. Beschäftigte profiti eren somit im direkten Arbeitskontakt
beispielsweise von der Expertise und dem Qualitätsbewus stsein älterer Beschäftigter genauso, wie
ältere Beschäftigte durch die höhere Flexibilität und n euartiges Wissen der Jüngeren ihre
Arbeitsleitung verbessern können.
Die Personengruppe 50plus behält im gesellschaftliche n Kontext einen großen Stellenwert, letztlich
dadurch, dass sie für die Arbeitsleistung einerseits die wirtschaftliche Stabilität garantiert,
andererseits, dass sie durch ihre Finanzleistung an die sozialen Sicherungssysteme deren Stabilität
sichert. Somit ist der Erhalt der Arbeitsleistung de r Personengruppe 50plus im zentralen Fokus
mittel- und langfristiger (politischer) Planungen angesiedelt.
Unter diesem Hintergrund startete das Bundesministeri um für Arbeit und Soziales mit dem Projekt
„Perspektive 50plus“ in die 3. Programmphase. Hauptzie l der dritten Programmphase von
„Perspektive 50plus“ ist es, möglichst viele Person en im Alter zwischen 50 und unter 65 Jahren, die
im Rechtskreis SGB II arbeitslos gemeldet sind (Ziel gruppe) zu erreichen und ihre Hilfebedürftigkeit
18
durch Eingliederung in existenzsichernde Beschäftigun g zu beenden. Der Handlungsansatz des
Projektes ist offen; je nach der regionalen Gegebenhe it und innovativem Engagement besteht die
Möglichkeit, den Arbeitslosen individuelle Leistung en und Maßnahmen anzubieten, um deren
(Re)Integration in den Arbeitsmarkt zu ermöglichen.
Die mit dem Bundesprogramm „Perspektive 50plus“ angesp rochene Zielgruppe „ältere
Langzeitarbeitslose“ ist sehr heterogen, da sie außer d em Alter und der Hilfebedürftigkeit wenig
gemeinsam hat. Zwar sammeln sich allgemein in der Grunds icherung typische Arbeitsmarktrisiken,
wie geringe Qualifizierung oder gesundheitliche Beein trächtigungen; jedoch hat das
Arbeitsmarktrisiko „Alter“ einen starken eigenständig en Effekt. Unternehmen wird zunehmend
bewusst, ausgelöst durch den im Rhein-Main Gebiet star k spürbaren Fachkräftemangel, auf ältere
erfahrene Potenziale zurück zugreifen. Hier sind es v or allem kleine und mittlere Firmen, die die
Scheu vor einer Einstellung eines „Älteren“ verlore n haben. Einstellungen kommen allerdings nur
zustande, wenn Qualifikation, Berufserfahrung, Gesundhei tszustand und die persönlichen
Rahmenbedingungen stimmen.
Unter dem Fokus der dargestellten
Ausgangssituation zeigt sich die
ganzheitliche und individuelle Betreuung
der Zielgruppe im Team durch qualifizierte
Fallmanagerinnen und Fallmanager als
sehr effektiv. Ein geringer
Betreuungsschlüssel, eine sehr eng
geführte Betreuung und Beratung
innerhalb eines klaren Zeitraums liefern
die Grundvoraussetzungen für
herausragende Integrationszahlen. Eine
ständige Entwicklung von verschiedenen
und neuen Eingliederungsmethoden sowie
Herstellung / Erhaltung der Eigenständigkeit der Kund in bzw. des Kunden, der Kontaktpflege zu
übrigen Betroffenen und der Aktivierung der Selbsth ilfe sind bezeichnend für das Tätigkeitsfeld der
Fallmanagerinnen und Fallmanager im Projekt.
Zusätzlich zu einer intensiven Beratung / Betreuung d er Personengruppe 50plus ist der direkte
Kontakt zu potenziellen Arbeitgebern von entscheide nder Bedeutung. Hier lassen sich zwischen
Fallmanagerinnen und Fallmanagern und Personalentscheidern vertrauensvolle und tragfähige
Beziehungen aufbauen, die im Rahmen eines gegenseitigen Verständnisses für die Zielgruppe
Vermittlung in der Fläche erst ermöglichen.
Durch eine in 2010 durchgeführte Arbeitgeberansprache „AnsprechBar“ wurden vom „Ein-Personen-
Betrieb“ bis zum Großunternehmen Merck KGaA etliche neue Unternehmen auf die Umsetzung und
Zielrichtung des Projektes aufmerksam und signalisier ten Interesse für eine Zusammenarbeit mit
dem Team best!agers.
Team „Jobs für best!agers“ des Jobcenter Darmstadt
19
Um das Engagement von Firmen im Rahmen
des Projektes „Perspektive 50plus„ zu
würdigen, zeichnet das Bundesministerium
für Arbeit und Soziales jährlich
„Unternehmen mit Weitblick“ aus. Hier
wurde im Jahr 2010 mit dem Unternehmen
Friedrich Knapp erneut ein Unternehmen
aus dem Beschäftigungspakt „Jobs für
best!agers“ des Jobcenter Darmstadt
prämiert. Ein Arbeitgeber, der dafür
ausgezeichnet wurde, weil er altersgerechte
Arbeitsplatzgestaltung realisiert, es ihm
gelingt durch ein Miteinander von Alt und
Jung einen beidseitigen Wissenstransfer,
sowie innerbetrieblichen Kompetenzaustausch in der Be legschaft zu fördern – zum wirtschaftlichen
Vorteil des Unternehmens.
Ziele für das Jahr 2011
Das in 2010 anvisierte Vermittlungsziel wurde bereits im Oktober mit 200 Integrationen erreicht. Bis
zum Jahresende konnten 250 Langzeitarbeitslose über 50 Jahre erfolgreich in den ersten
Arbeitsmarkt vermittelt werden. Für 2011 wurde das Integrationsziel auf 250 erhöht. Hier sind die
zentralen Handlungsansätze: Analysieren, Aktivieren, Motivieren, Mobilisieren verstärkt gefragt.
Die Intensivierung der Arbeitgeberkontakte sowie ein e enge Zusammenarbeit mit dem
Arbeitgeberservice, sind einerseits Impulsgeber für die an den Betrieben ausgerichteten
Qualifizierungserfordernissen als auch notwendig für in novative Integrationsansätze.
Arbeitgeberkontakte sind weiterhin zu forcieren, auch zum Zwecke, für Kunden eine
Praktikumsmöglichkeit mit Aussicht auf Integration zu ermöglichen. Jede dritte neue Stelle kommt
derzeit aus der Zeitarbeit, aber auch im Handel, am Bau, in der Gastronomie oder im Gesundheits-
und Sozialwesen werden zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gesucht.
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern muss das Bewusstse in vermittelt und die Bereitschaft
abverlangt werden, sich durch lebenslanges Lernen fit zu halten und mobil in jeder Hinsicht zu sein.
Arbeitgeber sollen auch 2011 weiterhin auf das Projekt aufmerksam gemacht werden, um ihnen die
Vorteile der Beschäftigung älterer Mitarbeiterinnen u nd Mitarbeiter aufzuzeigen. Hier bietet sich
wiederum eine Arbeitgeber-Ansprache an. Arbeitgeber, die an den Bedarfen der Kundinnen und
Kunden orientiert ausgewählt werden, im Rahmen einer Ve ranstaltung anzusprechen und die
Besonderheiten des Projektes, die Fördermöglichkeite n und auch die Möglichkeiten von
betrieblichen Qualifizierungsmaßnahmen zu erörtern.
Ebenso ist für 2011 wiederum ein Job-Speed-Dating gep lant. Hier werden jeweils an den Kundinnen-
und Kundenbedarfen ausgewählte Arbeitgeber eingeladen, um auf potenzielle Bewerberinnen und
Bewerber zu treffen. Kundinnen und Kunden treffen auf Arbeitgeber, haben in einem Kurzverfahren
die Möglichkeit sich kennen zu lernen, sich auszutau schen, die Bewerbungsmappe zu hinterlegen
Auszeichnung Friedrich Knapp (Inhaber Metzgerei Knapp), Unternehmer mi t
Weitblick 2010, am 30.11.2010 in Bremen. ab 2. von links Dr. Ralf Brauskiepe
(Bundesministerium für Arbeit und Soziales), Friedr ich Knapp, Ursel Bechtel
(Leiterin Team Jobs für best!agers)
20
und nach beiderseitigem Interesse ein weiteres richt iges Bewerbungsgespräch zu vereinbaren. Die
Kundinnen und Kunden habe auf diese Weise eine Chance zu einem Arbeitgeber vorzudringen, die
ihnen oftmals alleine durch eine schriftliche Bewerbung nicht ermöglicht wird. Aus der Veranstaltung
2010 ergaben sich 10 Einstellungen in sozialversicher ungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse und
verschiedene weitere Kontaktaufnahmen und Angebote.
Neben kurzfristigen Maßnahmen für die Zielgruppe der alternden Langzeitarbeitslosen sind auch
längerfristige Strategien notwendig, die einen Perspe ktivenwechsel erfordern, hin bis zu einer
altersorientierten Beschäftigungspolitik. Für den Kundinnen- und Kundenkreis der dem Arbeitsmarkt
näher steht, sind geeignete Maßnahmen erforderlich, di e konsequent und strategisch bei der
beruflichen Eingliederung unterstützen. Mit Hilfe v on individueller Situationsanalyse,
Berufswegplanung, Aktivierung, Abbau von Vermittlungs hemmnissen, Auffrischung der beruflichen
Kenntnisse und eine spezifische Qualifizierungspoliti k unter prophylaktischen Gesichtspunkten, um
den älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, nach Überschreiten ihres Leistungszenits, eine
Anpassung an neue Produktionsverfahren zu ermöglichen. Auch der Erwerb von Fähigkeiten in
verschiedenen Praxisfeldern, sollen die Kunden für den Arbeitsmarkt konkurrenzfähig werden.
Zusätzlich soll weiterhin ein besonderer Augenmer k auf die stetig wachsende Personengruppe der
schwer Vermittelbaren gerichtet werden: „Impuls 50 plus“. Hierfür stehen von Seiten des
Bundesministeriums für Arbeit und Soziales für 2011 weiterhin gesonderte Projektmittel zur
Verfügung, um innovative Integrationsansätze zu erpr oben und eine festgesetzte
Vermittlungsvorgabe von 15 Integrationen zu realisier en. 2010 lag das Integrationsziel bei 10
Vermittlungen in ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis, das bereits im Oktober
erreicht wurde. Bis zum Jahresende waren 16 Integrationen zu verzeichnen.
Für 100-Impuls-Kundinnen und Kunden, die bis zu 36 Monaten in dieser speziellen Form betreut
werden, sind 2 Fallmanagerinnen und Fallmanager zuständig, deren Ziel es ist, die Kundinnen und
Kunden mit den multiplen Vermittlungshemmnissen dem Arbeitsmarkt zuzuführen. Aus den
verschiedenen Problemlagen der Kundinnen und Kunden lassen sich insbesondere zwei vermehrt
auftretende Hemmnisse erkennen: schwierige Bedingungen bzgl. der Leistungsfähigkeit (körperlich
und psychisch) und schwierige soziale Lage (leben isoliert ohne jegliche Bezugspersonen).
Neben dem engen Kontakt der Fallmanagerinnen und Fallmanag er zu den Kundeinnen und Kunden
ist eine projektbegleitende Maßnahme erforderlich, di e den Teilnehmerinnen und Teilnehmern eine
Tagesstruktur auferlegt, eine Aufgabe darstellt und soz iales Umfeld entstehen lässt. Seit 2010 hat
sich gezeigt, dass die meisten Kundinnen und Kunden positiv auf die aktivierende Gesprächsführung
reagierten und Bereitschaft der Zusammenarbeit zeigten. In 2011 soll mit den Kundinnen und
Kunden kontinuierlich an positiven Integrationsforts chritten weitergearbeitet werden. Im Bezug auf
das Kriterium der Leistungsfähigkeit sollen hierbei w eitere Maßnahmen im Bereich des
Gesundheitsmanagements stattfinden, auch eine verstärkte Einbindung von Ansprechpartnerinnen
und Ansprechpartnern des gesamten psychosozialen Bereich, wie dem sozialpsychiatrischen Dienst.
Auf dem Wege zur Wiederherstellung der Beschäftigung sfähigkeit und als Reflektionsmöglichkeit
sollen verstärkt auch ehrenamtliche Tätigkeiten in den Prozess eingebunden werden; verschiedene
Workshops, wie z. B. Theaterprojekt und Maßnahmen mi t hohem praktischem Anteil. Mithilfe eines
multimodalen Ansatzes, der sich, bestehend aus verschi edenen Elementen individuell an den
21
Kundinnen und Kunden ausrichtet, besteht die Gewährle istung, dass die Teilnehmerinnen und
Teilnehmer entsprechend des Integrationsziels dem Arbeitsmarkt zugeführt werden können.
Forciert werden muss bei der gesamten Zielgruppe das Gesundheitsmanagement. Zum einen, dass
durch die Teilnahme am Gesundheitssport bzw. am Aquatrai ning die körperliche Verfassung und
Fitness positiv beeinflusst wird, sich durch diese Teilnahme an den Sportaktivitäten die
Grundmotivation der Teilnehmerinnen und Teilnehmer verbessert und sich eine Plattform für soziale
Kontakte bietet. Für 2011 ist ein „Gesundheitstag 50 plus“ geplant. Hier soll die „Motivation zur
Bewegung“ erreicht werden. In Zusammenarbeit mit einem Verein soll den Teilnehmerinnen und
Teilnehmern an verschiedenen Sportstationen ein Angebo t zum Mitmachen ermöglicht werden.
Zudem soll in Zusammenarbeit mit Krankenkassen Beiträge zu gesundheitsbewusster Ernährung und
Stressbewältigung etc. erfolgen.
4.4.3 Jugendliche in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt integrieren
Nach wie vor führt Arbeitslosigkeit an den Schwellen von Schule zu Ausbildung und von Ausbildung
zu Erwerbstätigkeit zu einem Anstieg der Zahl der Arbe itslosen unter 20-jährigen und unter 25-
jährigen. Der Zielgruppe der unter 25 Jahre alten Jugend lichen gilt weiterhin besondere
Aufmerksamkeit. Circa zwei Drittel der beim Jobcenter D armstadt gemeldeten Jugendlichen sind
durch ihre Eltern Mitglied einer Bedarfsgemeinschaft. Ein Drittel der gemeldeten Jugendlichen bilden
allein, mit Partnerin bzw. Partner oder Familie eine eigene Bedarfsgemeinschaft.
Jugendliche bedürfen beim Übergang von der Schule zur Ausbildung und bis zur Eingliederung in
Arbeit einer besonderen Begleitung und Betreuung. E in großer Anteil der gemeldeten Jugendlichen
ist durch Sprachdefizite, psychische Probleme, hervo rgerufen durch Misserfolge im schulischen
Bildungssystem oder familiäre Probleme besonders benachteiligt.
Durch die gute Vernetzung von Hilfsangeboten aus den Rechtskreisen SGB II, SGB III und SGB VIII und
die Zusammenarbeit und Fachkompetenz bei Betreuung und Beratung der Fallmanagerinnen und
Fallmanager sowie Beraterinnen und Berater in der Jugendb erufsagentur ist es jedoch gelungen, die
Verweildauer in Arbeitslosigkeit bei den Jugendlichen zu senken und diesen einen nachhaltigen
Einstieg ins Berufsleben zu ermöglichen. Die enge Zu sammenarbeit und räumliche Nähe der drei
Institutionen Jobcenter Darmstadt, Berufsberatung der A gentur für Arbeit Darmstadt und der
Koordinierungsstelle zur Jugendberufshilfe der Wisse nschaftsstadt Darmstadt (Kompetenzagentur)
unter dem Dach der Jugendberufsagentur helfen beim Abbau von Vorurteilen und verhindern so eine
Stigmatisierung der Jugendlichen aus dem Rechtskreis des SGB II.
Teilnahme an dem Modellprojekt „Arbeitsbündnis Jugend und Beruf“
Die Bundesagentur für Arbeit möchte mit dem Projekt „A rbeitsbündnis Jugend und Beruf“ die
Zusammenarbeit von Leistungsträgern verbessern, die an d er Betreuung von Jugendlichen beteiligt
sind. Das Projekt wurde zunächst an sechs Modellstandor ten umgesetzt, die alle bereits über ein
vertieftes Modell der Zusammenarbeit vor Ort verfügen. Die Jugendberufsagentur Darmstadt ist
einer der sechs „Leuchtturm-Standorte“.
Das Ergebnis: Das Konzept, basierend auf den Erfahrungen der Modellstandorte, soll an möglichst
vielen Orten die Betreuung von Jugendlichen besser v ernetzen. Wesentlicher Bestandteil wird ein
„Arbeitskoffer“ mit Anregungen, Hilfsmitteln und Be ispielen für die Zusammenarbeit vor Ort sein.
22
2011 werden 14 weitere Standorte in das Projekt einbez ogen und ab 2012 soll der „Arbeitskoffer“
allen Agenturen, Jobcentern und Kommunen zur Verfügun g stehen, die ebenfalls
„Arbeitsbündnisse“ zur Verbesserung der Betreuung Jugendlicher eingehen wollen.
Ziele für das Jahr 2011:
1. Jugendarbeitslosigkeit weiterhin senken
Dieses Ziel soll durch weitere Intensivierung der V ermittlungsprozesse in Ausbildung und Arbeit
erreicht werden. Durch monatlichen Kontakt zu alle n arbeitslosen Jugendlichen, Erhöhung der
Vermittlungsangebote, Kooperation zu Personaldienstlei stungsunternehmen und konsequentes
Absolventenmanagement im Nachgang von Weiterbildungsmaßn ahmen und der Zusammenarbeit
mit dem gemeinsamen Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit Darmstadt soll eine dauerhafte
Integration in Arbeit intensiviert werden. Durch den sich in Zukunft noch verstärkenden
Fachkräftemangel soll die Anzahl der Eintritte in Weite r- und Fortbildungsmaßnahmen im Jahr 2011
gesteigert werden.
Ein qualifizierter Berufsabschluss senkt das Risiko v on Arbeitslosigkeit und schafft langfristig
Unabhängigkeit von staatlichen Leistungen. Das Jobcenter Darmstadt nimmt die Vermittlung in
Ausbildung eigenständig wahr. 2010 konnten 220 Jugendl iche in schulische oder betriebliche bzw.
überbetriebliche Ausbildung integriert werden.
Durch die konsequent engmaschige Betreuung der Schül erinnen und Schüler im letzten Schuljahr
kann rechtzeitig mit der Vermittlung in Ausbildung u nd Arbeit begonnen werden. Auch eine
Einsteuerung in besondere Bildungsgänge (im allgemein bildenden oder beruflichen Schulbereich), in
berufsvorbereitende Maßnahmen für nicht ausbildungsreif e Jugendliche und
Einstiegsqualifizierungen mit sozialpädagogischer Betre uung ist bei Schülerinnen und Schülern
leichter möglich. Hierzu werden auch Gruppeninformation sveranstaltungen für Eltern im Bereich
Berufsorientierung angeboten.
Durch Berufsorientierung an den Schulen hat die Beruf sberatung direkt Kontakt zu allen
Schülerinnen und Schülern. Dieser wird im Rahmen der Zusammenarbeit in der Jugendberufsagentur
für ein verbessertes Übergangsmanagement genutzt. Das J obcenter Darmstadt ist zudem
Vertragspartner im Projekt „Optimierung der lokalen Ver mittlungsarbeit bei der Schaffung und
Besetzung von Ausbildungsplätzen in Hessen (OloV)“. Die Vereinbarungen im Rahmen dieses
Projektes dienen auch der Verbesserung des Übergangsprozesses.
Im gemeinsamen Aktionsplan der beteiligten Instituti onen der Jugendberufsagentur werden zudem
gemeinsame Treffen, Veranstaltungen und Presseaktivität en zum Übergangsmanagement und der
Vermittlung in Ausbildung geplant und durchgeführt.
2. Maßnahmen zur Umsetzung der Ziele
Für Jugendliche gilt ein gesetzlicher Betreuungsschl üssel von 1:75. Die Einhaltung dieses
Betreuungsschlüssels wird im Jobcenter Darmstadt konseq uent umgesetzt. Im Jobcenter Darmstadt
fällt der Betreuungsschlüssel kleiner aus als die gese tzliche Vorgabe. Dies ermöglicht eine intensive
23
Betreuung jedes einzelnen Jugendlichen für eine indiv iduelle Unterstützung. In 2011 sollen
Jugendliche noch häufiger in Eingliederungsmaßnahmen e intreten als in der Vergangenheit. Ziel ist
es, Jugendlichen ein passendes Angebot zu unterbreite n und dadurch die Eingliederungschancen
deutlich zu erhöhen.
3. Allgemeine Angebote
Alle Eingliederungsmaßnahmen wie Bewerbungstraining, Maßnahmen beim Arbeitgeber,
Eingliederungszuschüsse etc., können auch weiterhin für Jugendliche genutzt werden. Das Jobcenter
Darmstadt wird auch 2011 Jugendliche aktiv in diese Maßnahmen einsteuern.
4. Spezielle Angebote für Jugendliche
JobAct®
Auf Initiative und durch die Finanzierung der Jugendbe rufsagentur des Jobcenter Darmstadt ging am
18.10.2010 das Projekt
JobAct® in Darmstadt an den
Start. Ermöglicht und
kofinanziert wird das Projekt
von JP Morgan, Frankfurt am
Main. JobAct® richtet sich an
junge Erwachsene aus
Darmstadt, die Leistungen
nach dem SGB II beziehen und
eine Arbeit oder Ausbildung
suchen. Mit der Verbindung
von fachlicher Qualifikation,
Persönlichkeitsentwicklung
und der künstlerischen Arbeit
auf der Bühne begleitet das Projekt junge Erwachsene ze hn Monate lang. Die Entwicklung der
eigenen Stärken mit der Verbindung des Erkennens des individuellen Motivs sichert den nachhaltigen
Einstieg in den passenden Arbeits- oder Ausbildungsplatz.
Träger des Projektes JobAct® ist die PROJEKTFABRIK e. V., Kooperationspartner Vorort und
verantwortlich für das Bewerbungsmanagement sowie die soz ialpädagogische Betreuung ist der
Werkhof e.V. In den ersten fünf Monaten des Projektes JobAct® entwickelt die Gruppe mit
theaterpädagogischen Methoden ein Stück von der Idee b is zur Premiere. Parallel dazu findet ein
intensives Bewerbungsmanagement statt. Berufliche Qual ifizierungen mit persönlicher Entwicklung
stehen im Zentrum der pädagogischen Bemühungen. Vom Trainieren der Kundenkommunikation in
Rollenspielen bis zu klassischen Handwerksarbeiten in Werkstätten – es wird berufsbezogen
gearbeitet. In der 2. Phase des Projektes haben die Tei lnehmenden die Möglichkeit ihre erkannten
und entwickelten Fähigkeiten in einem Praktikumsbetrieb unter Beweis zu stellen.
Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Theaterprojekt JobAct® der Ju gendberufsagentur
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Mit einer weiteren Maßnahme JobAct® - to connect Darmstadt wird das erfolgreiche Konzept auf die
Gruppe der Erwachsenen über 50 Jahre ausgeweitet. Dies geschieht durch die Kombination
zielgruppenspezifischer Angebote für U25 und Ü50 sowie intensive gemeinsame Einheiten beider
Zielgruppen. Dabei wird der intergenerative Austausch als zusätzlich motivierende Kraft wirksam: Die
Jungen profitieren von der Berufs- und Lebenserfahrun g der Älteren; diese werden durch die
Innovationsfreude und den Erfinderreichtum der Jünger en dazu angeregt, sich aus starren
Verhaltensmustern und dem „Eingerichtet sein“ in der Langzeitarbeitslosigkeit zu lösen, noch einmal
„etwas zu wollen“. Dies hilft Älteren, eine Offenhei t für moderne Angebote des Arbeitsmarktes zu
entwickeln und diese für eine neue Berufsorientieru ng und Lebenssinnfindung zu nutzen; die
Jüngeren lernen, sich in kompetenzbasierten Hierarchie n konstruktiv einzuordnen. Dieses Projekt
wird von dem Team „Jobs für best!agers“, der Jugendberufsagentur sowie den Trägern des Projektes
JobAct® umgesetzt.
Weiterhin steht für die jugendlichen Kundinnen und K unden eine Vielzahl von besonderen
Unterstützungsmaßnahmen zur Verfügung:
- berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen zum nachträglichen Erwerb des
Hauptschulabschlusses mit hohem Praktikumsanteil und sozialpädagogischer Betreuung
- Maßnahmen nach § 46 SGB III zur Vermittlung in Arbeit / Ausbildung und zur Aktivierung junger
Menschen
- Einstiegsqualifizierungen nach § 235 b SGB III
- betriebliche Ausbildung in außerbetrieblichen Einric htungen (BaE) für lernbeeinträchtigte und /
oder sozial benachteiligte Jugendliche. BaE werden in i ntegrativer Form (beim Bildungsträger)
oder kooperativer Form (in Kooperation mit einem Ausb ildungsbetrieb) angeboten; aufgrund
der Eingliederungschancen legt das Jobcenter Darmstadt s einen Schwerpunkt auf die
kooperative Form
- ausbildungsbegleitende Hilfen für Teilnehmerinnen und Teilnehmer an Einstiegsqualifizierungen
und in betrieblicher Ausbildung
4.4.4 Migrantinnen und Migranten
Nach einer Statistik des Amtes für Wirtschaft und Stadt entwicklung der Wissenschaftsstadt
Darmstadt betrug der Ausländeranteil, im November 2010 in Darmstadt lebenden Menschen 16,1 %.
Stellen wir diesem den Anteil ausländischer Mitbürger innen und Mitbürger gegenüber, die sich zum
gleichen Zeitpunkt im Arbeitslosengeld II Bezug des Jobcenter Darmstadt befanden, so war dieser
mehr als doppelt so hoch, nämlich rund 39%. Nicht erf asst in dieser Erhebung ist die Anzahl der
Zuwanderinnen und Zuwanderer, die die deutsche Staatsbü rgerschaft besitzen. Gesagt sei, dass sich
diese Menschen zwar im Besitz eines deutschen Passes befinden, ihre persönliche und berufliche
Problematik jedoch oftmals mit der der Zielgruppe Gruppe verglichen werden kann.
Allein diese Zahlen und Fakten verdeutlichen, dass Mi grantinnen und Migranten überproportional
mehr von Arbeitslosigkeit bedroht und betroffen sin d als andere Menschen in der Bevölkerung. Die
Gründe hierfür sind vielfältig. Die Hauptursachen lieg en in mangelnden Sprachkenntnissen, in
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fehlenden Schul- und Berufsausbildungen sowie in der Nichtanerkennung ihrer in der Heimat
erworbenen Studien- und Berufsabschlüsse.
Auf diese Sachverhalte bezogen, ergeben sich für das Jo bcenter Darmstadt folgende
Handlungsfelder: Die im Auftrag des Bundesamtes für Mi grations- und Flüchtlingshilfe
durchgeführten Integrationskurse werden durch das Jobc enter vermittelt, das heißt die
Arbeitslosengeld II - Empfängerinnen und Empfänger we rden beraten und verpflichtet. Da die im
Integrationskurs erworbenen Sprachkenntnisse oftmals ni cht ausreichen um in den allgemeinen
Arbeitsmarkt einmünden zu können, werden zusätzlich berufsbezogene Integrationskurse aus
Mitteln des Europäischen Sozialfonds angeboten.
Ein besonderer Fokus wird auf das Förderprogramm „Pers pektive Berufsabschluss“ gelegt, da bei
Menschen mit Migrationshintergrund ein hoher Nachquali fizierungsbedarf festgestellt wurde. Das
Programm sieht zudem umfangreiche Hilfen vor, um im D schungel der Anerkennungsverfahren
professionelle Unterstützung zu erhalten – sprich um die im Heimatland erworbenen Schul- und
Bildungsabschlüsse anerkannt zu bekommen.
Im Rahmen des oben genannten Förderprogrammes wurde 2009 von der Fachstelle „Qualifizierung
nach Maß“ (Internationaler Bund Darmstadt e. V.) der Arb eitskreis „Strukturentwicklung von
Weiterbildungsbegleitenden Hilfen“ gegründet. Das Jo bcenter Darmstadt ist in diesem Arbeitskreis
regelmäßig vertreten und somit aktiv an der Weiteren twicklung und Verbesserung des Programms
beteiligt.
Qualifizierungsmaßnahmen und Weiterbildungen für Migran tinnen und Migranten stehen zur
Verfügung um Kenntnisse und Fertigkeiten an aktuelle Arbeitsmarktbedingungen anzupassen. Des
Weiteren sind alle anderen Maßnahmen und Bildungsangebot e des Jobcenter Darmstadt auch für
Menschen mit Migrationshintergrund aufgestellt und z ugänglich. Weitergehende Hilfen werden
durch individuelle Förderungen angeboten, die sich am konkreten Bedarf des Einzelfalls ausrichten.
Um die Integration dieser Personengruppe auf breiter Basis zielgerecht und ganzheitlich zu
unterstützen wurde Anfang 2007 eine Kooperationsverei nbarung mit den
Migrationserstberatungsstellen abgeschlossen (näheres s iehe Kapitel 5 Kooperationen und
Netzwerke). Demzufolge werden Arbeitskreise und Koo rdinationstreffen regelmäßig von
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Jobcenter aufgesucht.
Durch all diese Maßnahmen, sollen weitergehende wie auc h weiterreichende Voraussetzungen für
eine Integration dieser Menschen in die Gesellschaft und in den Arbeitsmarkt geschaffen werden.
4.4.5 Menschen mit Schwerbehinderung
Die Lebens- und Arbeitssituation von Menschen mit Be hinderung nachhaltig zu verbessern ist eine
wichtige Aufgabe des Jobcenter Darmstadt. Hierfür wird die bewährte und erfolgreiche Kooperation
des Jobcenter Darmstadt mit dem Integrationsfachdienst fortgesetzt. Bei Feststellung eines Reha-
Bedarfes arbeitet das Jobcenter Darmstadt eng mit den Träg ern der Rehabilitation (Agentur für
Arbeit, Rententräger und Berufsgenossenschaften) zusammen.
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Neben dem allgemeinen Maßnahmeportfolio, das den erwerb sfähigen Leistungsberechtigten mit
schwerer Behinderung ebenfalls offen steht und von i hnen je nach Spezifikation der Behinderung
genutzt werden kann, bietet das Jobcenter Darmstadt noc h weitere Beratungs-, Vermittlungs- und
Beschäftigungsmöglichkeiten an, die ausschließlich dem Personenkreis der Menschen mit
Behinderung vorbehalten sind.
Um die Integration von Menschen mit Behinderungen zu verwirklichen, arbeitet das Jobcenter
Darmstadt eng mit der Integis gGmbH zusammen, bei der es sich um eine gemeinnützige
Integrationsfirma nach § 132 Sozialgesetzbuch, Neuntes Buch (SGB IX) handelt. Die Integis gGmbH
schafft neue, reguläre Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderungen und anderen Handicaps. Hinzu
kommt der Schwerpunkt Qualifizierung, berufliche Bildung und Ausbildung von behinderten
Menschen – von Schülern bis über 50jährigen Menschen.
Das Jobcenter Darmstadt konnte bei Integis gGmbH bereits viele Menschen mit Behinderung
erfolgreich in eine sozialversicherungspflichtige Be schäftigung integrieren und möchte diese
erfolgreiche Zusammenarbeit in 2011 im Sinne der Menschen mit Behinderung fortsetzen.
Die Schaffung finanzieller Anreize zur Einstellung vo n Menschen mit Behinderung, insbesondere
durch den Einsatz eines Eingliederungszuschusses, un d die gezielte Qualifizierung vor der
Arbeitsaufnahme spielen bei der Vermittlung von Menschen mit Behinderung eine bedeutende Rolle.
5. Länderprogramme – Projektförderungen zur Umsetzung d es hessischen Ausbildungs-
und Arbeitsmarktbudgets
Das hessische Sozialministerium stellt der Wissenschaftsstadt Darmstadt auch im Jahre 2011 ein
Budget zur Umsetzung einer kommunalen Arbeitsmarkt – und Ausbildungsstrategie zur Verfügung.
Hierdurch werden regionale Handlungs- und Entscheidungsspielräume eröffnet.
Die enge Abstimmung des kommunalen Arbeits- und Ausb ildungsprogramms mit dem
Arbeitsmarktprogramm des Jobcenter Darmstadt spricht fü r einen gut aufgestellten
Handlungsrahmen zur Erhöhung der Ausbildungs- und A rbeitsmarktchancen von sozial
benachteiligten Jugendlichen und Erwachsenen. Dabei ergänzen die Länderprogramme oft die
Maßnahmen des Jobcenter Darmstadt für eine verstärkte Förderwirkung oder sie ermöglichen
zusätzliche Förderungen, insbesondere von besonders Benachteiligten am Arbeits- und
Ausbildungsmarkt, die ansonsten nicht in dieser Int ensität unterstützt werden können.
Ausbildungsbudget:
Durch die strategisch und operativ gute Aufstellung der Jugendberufsagentur, die bundesweit als
Modellprojekt angesehen wird, mit den Trägern Agent ur für Arbeit, Jobcenter Darmstadt und
Wissenschaftsstadt Darmstadt ist eine wesentliche V oraussetzung für die Erhöhung der
Ausbildungschancen für Darmstädter Jugendliche erbr acht. Die Kooperation mit der nun
sozialraumorientiert aufgestellten Schulsozialarbeit und der stadtteilbezogenen Jugendhilfe zeigt
darüber hinaus präventive Handlungsmöglichkeiten auf .
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In verschiedenen Projekten soll die Ausbildungsbegle itung und damit die gezielte Unterstützung
junger Menschen zum Erwerb einer Ausbildung geförde rt werden. Neben der individuellen Hilfe
wird ein Fokus auf Ausbildungsberufe gelegt, die ei nen Fachkräftemangel ausgleichen z. B. in der
Pflegebranche und in Erziehungsberufen und entsprec hend durch gute Berufsaussichten
gekennzeichnet sind. Auch hier liegt ein Schwerpunk t auf allein erziehenden jungen Müttern.
Die Förderung überbetrieblicher Ausbildungsplätze is t für diejenigen jungen Menschen, die sonst
keine Chance auf einen betrieblichen Ausbildungspla tz haben, von besonderer Bedeutung. Eine
gute Beratung im Vorfeld zur Berufswahl soll hier d ie Weichen stellen.
Der Ausbildungsvorbereitung kommt im Jahr 2011 eine besondere Rolle zu. Hier werden
schulmüde / schulverweigernde benachteiligte Jugend liche, teilweise mit Migrationshintergrund,
gefördert.
Sowohl beim Projekt „Chance 2.0“ als im IHK-Projekt „ Betriebsnahe Nachqualifizierung“ werden
über betriebsnahe Komponenten in Form von Praktika B ezüge zum Erwerbsleben für die
Jugendlichen greifbar.
Projekt „Betriebsnahe Nachqualifizierung“ - Der schnellere Weg in die Ausbildung
Über ein Drittel der Ausbildungsbetriebe konnte 201 0 nicht mehr alle angebotenen Lehrstellen
besetzen, weil es an geeigneten Bewerbern und Bewerb erinnen mangelte. Mehr als ein Drittel der
Schulabgängerinnen und Schulabgänger sucht gar nicht erst nach einem Ausbildungsplatz oder findet
keinen im Wunschberuf und geht weiter in eine Schul e des beruflichen Bereichs. Dort werden sie
zwar älter, aber nicht unbedingt reifer für Ausbildung . Dieses staatlich finanzierte Übergangssystem
verursacht hohe Kosten und Betriebe finden keine Lehrlinge.
Um dem entgegen zu wirken starten Industrie- und Hande lskammer Darmstadt (IHK) und
Handwerkskammer Rhein-Main (HWK) zusammen mit der Agent ur für Arbeit Darmstadt, dem
Jobcenter Darmstadt und der Jugendberufshilfe der Wisse nschaftsstadt Darmstadt das Projekt
„betriebsnahe Nachqualifizierung“. Mit der betrieblich en Nachqualifizierung sollen Jugendliche, die
noch nicht ausbildungsreif sind, durch gezielte Förd erung an die Ausbildung heran geführt werden.
Die elfmonatige Nachqualifizierung findet bei Bildung strägern und in Praktikumsbetrieben statt und
damit außerhalb des Schulsystems.
Betriebe, die sich hierfür bereit erklären, werden von allen direkten Kosten des Praktikums
freigestellt (Versicherungs-, Berufsgenossenschaftsb eiträge und ähnliches). Die an der
Nachqualifizierung beteiligten Bildungsträger haben die Aufgabe Jugendlichen dabei zu helfen, vorab
ermittelte schulische und soziale Defizite zu überwinden.
Jugendliche werden vor Vermittlung in einen Praktikum sbetrieb einer Kompetenzfeststellung
unterzogen. Ziel ist eine hohe Passgenauigkeit der P raktika. Diesen Praktika liegen auf betrieblicher
Seite die von IHK und HWK entwickelten Qualifizierung sbausteine zu Grunde. Sie umfassen Inhalte
eines ersten Ausbildungsjahres verschiedener Berufe u nd werden den Betrieben zu Verfügung
gestellt. Auf diese Weise können sich die teilnehme nden Betriebe ein genaues Bild von der Eignung
des Praktikanten für eine spätere Ausbildung machen.
Betriebe, die sich am Modellversuch beteiligen woll en, müssen bereits Ausbildungserfahrung
mitbringen und mindestens eine/n Auszubildende/n bi s zur erfolgreich abgeschlossenen Prüfung
gebracht haben. Alle Jugendlichen, die an der Nachqualifi zierung teilnehmen und diese auch
abschließen, erhalten über die absolvierten Qualifizierungsbausteine ein Zertifikat.
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Ziel ist es möglichst viele Jugendliche nach der Nachq ualifizierung zur Ausbildung in einem
Praktikumsbetrieb unterzubringen. Falls dies nicht ge ht, kann eine betriebsnahe
Einstiegsqualifizierung (EQ) die Alternative sein – allerdings nicht im gleichen Betrieb.
Projekt „Chance 2.0“ - Fit für Ausbildung und Beruf (FAuB) Nachfolgeprogramm
Mit dem FAuB-Nachfolgeprogramm soll Jugendlichen nach wi e vor die Möglichkeit gegeben werden,
Erfahrungen in einem oder mehreren Berufsfeldern dur ch Praktika zu machen, um ihre Interessen
und Fähigkeiten in der Praxis kennen zu lernen und zu erproben.
Das Praktikum bietet Jugendlichen die Möglichkeit dur ch Zuverlässigkeit, Motivation und
Leistungsbereitschaft Betriebe auf sich aufmerksam zu m achen und ihre Chancen auf einen
Ausbildungs- und Arbeitsplatz deutlich zu erhöhen. B egleitend nehmen sie an theoretischem und
berufsorientiertem Unterricht teil, der in Zusammenarbeit mit der Berufsschule durchgeführt wird.
In kleinen Lerngruppen werden sie gründlich auf die externe Hauptschulabschlussprüfung
vorbereitet. Während der gesamten Maßnahme werden sie vo n erfahrenen Pädagoginnen und
Pädagogen betreut und beraten.
Als Zielgruppe werden hier jugendliche Schulabgänger, die keinen Ausbildungsplatz haben, keine
weiterführende Schule besuchen, keinen oder einen s ehr schwachen Hauptschulabschluss haben,
angesprochen.
Arbeitsmarktbudget:
Insbesondere wird ein Fokus auf die Zielgruppe der Alleinerziehenden sowie der un- und
angelernten, gering qualifizierten Frauen und Männe r gelegt, die überproportional im SGB II und
SGB XII vertreten sind. Dabei geht es um sozialpädago gisch begleitete Beschäftigungsprojekte, in
denen langzeitarbeitslose Menschen, überwiegend mit Migrationshintergrund, mit Praxisbezug
qualifiziert werden und gleichzeitig (berufsbezogen e) Deutschkenntnisse erhalten. Die Projekte
sind überwiegend in Soziale Stadt Gebieten veranker t und wirken daher strukturell und individuell
fördernd.
Eine weitere innovative Maßnahme „ Computer für alle“ setzt auf IT-Kompetenz (überwiegend von
Frauen) und qualifiziert somit in einer aussichtsre ichen Branche.
Die Integration suchtkranker Menschen ist ein spezi fischer wichtiger Baustein in der kommunalen
Sozial- und Arbeitsmarktpolitik, das Konzept zur Suc ht- und Drogenhilfe der Wissenschaftsstadt
Darmstadt flankiert hier zahlreiche Projekte und Ne tzwerke ergänzend zur Qualifizierung und
Begleitung bei Arbeitsgelegenheiten mit sozialpädag ogischer Betreuung für die Zielgruppe.
Der Aufbau eines Arbeitgeberservice (mit Teilnehmer /innen-Pool) für die Zielgruppe
Alleinerziehende dient gleichzeitig der Sensibilisi erung von Arbeitgebern hinsichtlich der
vorhandenen Kompetenzen und Ressourcen der Zielgrup pe. Das Projekt passt gut in die
kommunalen Arbeitsmarktstrategien, denn damit werden d ie Aktivitäten des Darmstädter
Netzwerkes für Alleinerziehende mit den Angeboten d er Wiedereinsteigerinnenberatung und
Orientierungskursen kommunaler Bildungsträger mit d en Interessen der Arbeitgeber verknüpft.
Eine enge Kooperation mit der Wirtschaft ist deshalb von besonderer Bedeutung, aufgrund des
prognostizierten Fachkräftemangels ist die Zielgrupp e der Alleinerziehenden sehr gefragt. Durch
die Kooperation mit dem lokalen Bündnis für Familie Darmstadt wird die Schaffung von
betriebsnahen Kinderbetreuungsmöglichkeiten, Notfal lkinderbetreuung und familiengerechten
Arbeitsbedingungen thematisiert und vorangebracht.
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Mit dem Einsatz von Mitteln aus dem Arbeitsmarktbudg et in die Arbeit der städtischen
Schuldnerberatung wird gewährleistet, dass ganzheitl iche Beratung im Kontext von Überschuldung
gewährleistet werden kann. Über 40 Prozent der Ratsu chenden in der Schuldnerberatung sind im
Leistungsbezug, darunter überproportional viele Alle inerziehende. Die psychosoziale
Beratungsdimension bei überschuldeten Haushalten zur Stabilisierung und Entwicklung von
(neuen) Berufsperspektiven muss auch weiterhin stark im Fokus der Schuldnerberatung liegen.
Neben den über das Ausbildungs- und Arbeitsmarktbud get geförderten Projekten werden
zahlreiche Maßnahmen in Darmstadt – kommunal kofinan ziert – seit vielen Jahren umgesetzt. So
beteiligt sich die Wissenschaftsstadt Darmstadt an zahlreichen Förderprogrammen, um auf
kommunale Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt reagiere n und vorausschauend konzipieren zu
können. Dabei spielt die Verknüpfung von Wirtschaft spolitik, Jugendpolitik (SGB VIII), Sozialpolitik
(SGB XII), Gleichstellungs- und Integrationspoliti k eine besondere Bedeutung.
6. Kooperationen und Netzwerke
Ein Kriterium für erfolgreiche Vermittlungsarbeit un d nachhaltige Integration in den Arbeitsmarkt
sind gut funktionierende Netzwerke sowie eine enge Kooperation mit den lokalen Akteuren im
arbeitsmarkt- und sozialpolitischen Umfeld. Das Jobcent er Darmstadt hat sich in den letzten Jahren
ein umfassendes lokales Netzwerk aufgebaut und kooperie rt mit einer Vielzahl an kommunalen
Einrichtungen sowie mit externen Organisationen und f reien Trägern. Die Form der Kooperation
variiert dabei: während in einigen Fällen formelle Koope rationsvereinbarungen bestehen, ist die
Kooperation in anderen Fällen auf der langjährigen Zusammenarbeit gegründet.
Das Fallmanagement im Rechtskreis SGB II wird häufig mit P roblemen konfrontiert, die nicht direkt
arbeitsmarktbezogen sind, sondern in den persönlichen Verhältnissen des Betroffenen liegen. Dazu
gehören beispielsweise Suchtmittelauffälligkeit, Übe rschuldung, familiäre Konfliktlagen, fehlende
Kinderbetreuung, drohender Wohnungsverlust usw. Die betroffenen Menschen sind häufig nicht
fähig, eigene Bewältigungsstrategien zu entwickeln und selbst ein Unterstützungsnetzwerk
aufzubauen. Im Bereich der vorgenannten Kommunalen Eingl iederungsleisten gemäß § 16a SGB II
wurden Kooperationsvereinbarung mit folgenden Stellen geschlossen:
- Koordinierungsstelle Kinderbetreuung des Amtes für Familie, Kinderbetreuung und Sport
der Wissenschaftsstadt Darmstadt (Kinderbetreuung)
- Schuldner- und Insolvenzberatung des Amtes für Soziales und Prävention der
Wissenschaftsstadt Darmstadt (Schuldnerberatung)
- Städtischer Sozialdienst des Jugendamtes der Wissenschaftsstadt Darmstadt (psycho soziale
Beratung)
- Caritasverband Darmstadt e. V. (Suchtberatung)
Der Anteil der erwerbsfähigen leistungsberechtigten Menschen mit Migrationshintergrund liegt beim
Jobcenter Darmstadt bei rund 39 % 9. Folglich sind Menschen mit Migrationshintergrund e ine
9 Quelle: Kreisreport Dezember 2010, vorläufiger Stand; revidierte Daten stehen erst mit einer Wartezeit von 3 Monaten zur
Verfügung
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Zielgruppe des Jobcenter Darmstadt, deren Hauptvermittlungshemmnisse mangelnde
Sprachkenntnisse und fehlende Schulabschlüsse oder be rufliche Qualifikationen sind. Um die
Integration von Menschen mit Migrationshintergrund op timal zu gestalten und die Hilfsangebote
zielgerichtet und transparent zu organisieren, wurde be reits 2006 mit den Darmstädter
Migrationserstberatungsstellen (Caritasverband e. V., Deutsches Rotes Kreuz Darmstad t-Stadt e. V.,
Diakonisches Werk Darmstadt-Dieburg e. V. und Jugendmig rationsdienst Internationaler Bund e. V.)
eine Kooperationsvereinbarung abgeschlossen.
Um ein ganzheitlich organisiertes und institutionell abgestimmtes Informations-, Qualifizierungs-,
Beratungs- und Begleitungsangebot für Jugendliche und junge Erwachsene anbieten zu können
wurde in Darmstadt die Jugendberufsagentur gegründet. Die Jugendberufsagentur Darmstadt ist die
gemeinsame Anlauf- und Beratungsstelle zur beruflichen Integration Jugendlicher und junger
Erwachsener in Darmstadt. Kooperationspartner des Jobcenter Darmstadt sind die Agentur für Arbeit
Darmstadt und die Wissenschaftsstadt Darmstadt. Unter dem Dach der Jugendberufsagentur sind
das Team U25 der Agentur für Arbeit Darmstadt, die Jugen dberufshilfe der Wissenschaftsstadt
Darmstadt und das Team U25 des Jobcenter Darmstadt an einem g emeinsamen Standort
zusammengeführt.
Um Arbeitgeber mit allen Dienstleistungen und Auskün ften zum Kräfte- und Förderangebot aus den
Rechtskreisen SGB II und SGB III gleichmäßig bediene n zu können, betreiben die Agentur für Arbeit
Darmstadt und das Jobcenter Darmstadt einen gemeinsamen Arbeitgeberservice . Diese Kooperation
soll eine einheitliche und reibungslose Zusammenarbe it zwischen Agentur für Arbeit und dem
Jobcenter mit den Arbeitgebern sicherstellen. Ziel d ieser Zusammenarbeit ist die passgenaue,
zeitnahe und dauerhafte Integration aller Arbeitslosen in den 1. Arbeitsmarkt.
Neben den vorgenannten Kooperationen ist das Jobcenter Darmstadt Mitglied in diversen
Netzwerken (u. a. Netzwerk berufliche Nachqualifizierung in der Stadt Darmstadt und dem Landkreis
Darmstadt-Dieburg sowie dem Kompetenznetz Gründungsber atung Darmstadt Rhein-Main-Neckar),
Arbeitskreisen (u. a. Arbeitskreis Migration und Sozi ales), Fachtagen (u. a. Fachkonferenz
Wohnungslosenhilfe) und Ausschüssen (u. a. Jugendhil feausschuss der Wissenschaftsstadt
Darmstadt).
Für die berufliche Integration von Leistungsberechtigten nach dem SGB II ist vorrangig das Jobcenter
Darmstadt zuständig. Um die Chancen einer nachhaltigen Integration zu erhöhen, bedarf es jedoch in
der Regel zusätzlicher Anstrengungen, insbesondere e iner Zusammenarbeit mit Dritten , da es
gemeinsame fachliche Berührungspunkte gibt. Für die gemeinsame Aufgabenerledigung an
Schnittstellen gibt es Verfahrensabsprachen mit folgenden Stellen, um einen reibungslosen Ablauf im
Sinne der Leistungsberechtigten zu ermöglichen:
- Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Integrationskurse)
- Fachdienst für besondere soziale Schwierigkeiten des Amtes für Soziales und Prävention
(Obdachlose und Menschen in besonderen sozialen Schwierigkeiten)
- Integrationsdienst (Menschen mit Schwerbehinderung)
- Amt für Wohnungswesen (Wohnungssicherung)
- Agentur für Arbeit (Rehabilitation – Teilhabe am Arbeitsleben)
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Im Netzwerk „Lokale Bündnisse für Familie“ Darmstadt engagieren sich verschiedene Akteure aus
Wirtschaft, freie und öffentliche Träger, Vereine, Ki rchen, sonstige Initiativen, Agentur für Arbeit
Darmstadt und Wissenschaftsstadt Darmstadt in verschiedenen Handlungsfeldern. Seit 2011 gehört
auch das Jobcenter Darmstadt diesem Netzwerk an. Kernthem en sind die Vereinbarkeit von Familie
und Beruf, Kinderbetreuung, unterstützende familien freundliche Infrastruktur sowie zunehmend
auch die Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Pflege.
7. Gleichstellung von Frauen und Männern
Das SGB II beinhaltet mehrere gleichstellungspolitisc he Vorgaben. Demnach ist der Grundsatz des
Gender Mainstreamings in den Leistungen der Grundsic herung für Arbeitsuchende zu beachten. Die
Gleichstellung von Männern und Frauen ist als durchgängiges Prinzip zu verfolgen und die Leistungen
nach dem SGB II sind darauf auszurichten, dass geschlech tsspezifische Nachteile von erwerbsfähigen
Leistungsberechtigten entgegengewirkt wird. Das Jobcenter Darmstadt berücksichtigt unter anderen
die familienspezifischen Lebensverhältnisse der Leist ungsberechtigten, die Kinder erziehen oder
pflegebedürftigen Angehörige betreuen.
Im vergangenen Jahr legte das Jobcenter Darmstadt erstmals einen „Gleichstellungsreport“ für das
Jahr 2009 vor, der dokumentiert, wie das Jobcenter Darmst adt die Gleichberechtigung von Frauen
und Männern sowohl im Innen-, als auch Außenverhältnis effektiv fördert und die gesamte Arbeit am
Leitprinzip der Gleichstellung von Frauen und Männern orientiert. Künftig wird jährlich ein
„Gleichstellungsreport“ herausgegeben und ein Gleichstellungskonzept erstellt.
Dem Jobcenter Darmstadt kommt bei der Förderung von Chan cengleichheit von Frauen und
Männern eine besondere Bedeutung zu, die es ab 2011 i n doppelter Weise wahrnimmt. Es gilt, die
Chancengleichheit von Frauen und Männern im Rahmen der Grundsicherung für Arbeitsuchende
ebenso zu fördern, wie die der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der eigenen Organisation. Diese
Aufgaben werden in allen Jobcentern ab 2011 getrennt wahrgenommen,
- nach innen durch eine/n Gleichstellungsbeauftragte/n
- nach außen durch eine Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt (BCA)
Gleichstellung im Innenverhältnis
Das Jobcenter hat einen hohen Frauenanteil bei den Mitar beiterinnen und Mitarbeitern (67 %). Im
Bereich der Führungskräfte liegt der Frauenanteil bei 66 %. Teilzeitbeschäftigungen werden nach den
Erfordernissen der Beschäftigten ermöglicht; der Ant eil von Teilzeitbeschäftigungen belief sich im
Jahr 2010 auf ca. 23 %. Um die Vereinbarkeit von Beruf u nd Familienleben zu ermöglichen, werden
für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Zusammenarb eit mit den Personalstellen der beiden
Träger des Jobcenter Darmstadt flexible Arbeitszeitregelu ngen getroffen. Die geltende
Gleitzeitregelung ermöglicht zudem einen familienger echten Arbeitsbeginn und ein
familiengerechtes Arbeitsende. Bei der Urlaubsplanung wird die Familienbetreuung mit oberster
Priorität berücksichtigt.
Besprechungen oder Schulungen werden in der Regel s o angesetzt, dass
auch die Teilzeitkräfte daran teilnehmen können.
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Für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die nach Beendig ung der Elternzeit zurückkehren, werden die
Arbeitsplätze von der Art der Arbeit, der Vergütung und wenn möglich und gewünscht im vorherigen
Team erhalten; auch bei einer Rückkehr in Teilzeit.
Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Bundesagentur für Arbeit im Jobcenter Darmstadt steht,
bei Erfüllung bestimmter Voraussetzungen, die alternierende Telearbeit offen, den Beschäftigten der
Stadtverwaltung die Angebote im Rahmen des „audit berufundfamilie“.
In diesem Kontext wurde Ende August 2010 zwischen d er Stadtverwaltung und dem Personalrat der
Stadtverwaltung eine Dienstvereinbarung zur Erprobung der Telearbeit in der Stadtverwaltung
abgeschlossen. Zeitgleich erfolgte eine Ausschreibun g für ein Pilotprojekt in dessen Rahmen sich
interessierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bewerb en konnten. Die Laufzeit des Pilotprojektes
mit zehn Beschäftigten beträgt ein Jahr. Nach der Testph ase soll diese Arbeitsform sukzessive als
mögliche Option für alle Beschäftigten der Stadtverwaltu ng eingeführt werden. Somit steht auch
kommunalen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Jobcent er Darmstadt künftig, bei Erfüllung
bestimmter Voraussetzungen, Telearbeit offen.
In der Vergangenheit waren für die Mitarbeiterinnen der Bundesagentur für Arbeit die
Gleichstellungsbeauftragten der Agentur für Arbeit Dar mstadt zuständig bzw. für die kommunalen
Mitarbeiterinnen die Frauenbeauftragte der Wissenschafts stadt Darmstadt. Die Wahlen zur ersten
Gleichstellungsbeauftragten des Jobcenter Darmstadt finden im ersten Quartal 2011 statt.
Gleichstellung im Außenverhältnis
Der Zugang zu den Fördermaßnahmen des Jobcenter Darmstadt steht grundsätzlich allen Frauen und
Männern gleichermaßen offen. Dennoch gibt es sowohl frauen-, als auch männerspezifische
Maßnahmen. Hierbei wird versucht den spezifischen Anf orderungen des jeweiligen Geschlechts
gerecht zu werden.
Für Frauen geht es vorrangig um
- den Zugang zu Vermittlung in sozialversicherte und existenzsichernde Arbeit
- die Bereitstellung von Infrastrukturleistungen, wie Kinderbetreuung und Pflegeunterstützung
- die Berücksichtigung der unterschiedlichen Mobilitätsbedingungen von Frauen und Männern
- die Berücksichtigung der zeitlichen Flexibilitätsbedar fe (z. B. auch beim Bedarf nach
Qualifizierungsangeboten in Teilzeit).
Maßnahmen, die für beide Geschlechter zugänglich sind, werden auch in Bezug auf beide
Geschlechter ausgeschrieben und der Gleichstellungsaspekt wird hierbei immer berücksichtigt. Jeder
Bildungsträger verpflichtet sich im Rahmen der Aussch reibung und der späteren Durchführung der
Maßnahme „die Strategie des Gender-Mainstreaming, die Beachtung der unterschiedlichen
Lebenssituation und Interessen von Frauen und Männern , von vorneherein und regelmäßig bei der
Durchführung des Auftrages zu berücksichtigen“
10 .
10 Auszug aus den Verdingungsunterlagen, der bei jeder Maßnahme mit aufgeführt ist
33
Das Bundesverfassungsgericht hatte im Dezember 2007 di e Leistungserbringung des SGB II durch
Arbeitsgemeinschaften (ARGEn) als eine unzulässige For m der Mischverwaltung gesehen und dem
Gesetzgeber aufgegeben, bis zum 31. Dezember 2010 ein en verfassungskonformen Zustand
herzustellen. Im Rahmen der notwendigen organisatoris chen Weiterentwicklung der
Grundsicherung für Arbeitssuchende im Nachzugang zu d iesem Urteil, hat der Gesetzgeber
entschieden, dass die Jobcenter ab 2011 eine Beauftragt e für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt /
einen Beauftragten für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt (BCA) bestellen müssen. Für die Funktion
der / des BCA erfolgte keine gesonderte Zuteilung e iner Stelle, vielmehr war diese aus dem Kreis der
Beschäftigten des Jobcenters zu ermitteln. Um allen int eressierten Mitarbeiterinnen und
Mitarbeitern die Möglichkeit zu geben, ihr Interesse zu bekunden, wurde ein
Interessensbekundungsverfahren durchgeführt. Am 14.01.2011 hat die Trägerversammlung Frau Elke
Jokisch zur Beauftragten für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt des Jobcenter Darmstadt bestellt.
Zu den Aufgaben der Beauftragten für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt des Jobcenter Darmstadt
zählt:
- die Beratung von Führungs- und Fachkräften sowie extern en Partnern zur Förderung der
Chancengleichheit
- die Mitwirkung bei der Aufstellung des Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramms des
Jobcenter Darmstadt
- die Analyse und Bewertung von geschlechtsspezifische n Daten zum Ausbildungs- und
Arbeitsmarkt
- die Planung, Entwicklung und Realisierung von Konzept en und Maßnahmen zur Förderung
der Chancengleichheit ( z. B. Projekte, Fortbildungen etc.)
- die Vertretung des Jobcenter Darmstadt in lokalen Netzwerken
Ein wichtiger Schwerpunkt der Tätigkeit der Beauftrag ten für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt ist
die Förderung von Alleinerziehenden. Hierfür überni mmt sie eine Koordinierungsfunktion und
arbeitet aktiv in vorhandenen Steuerungsgruppen mit. D arüber hinaus hat sie ein Informations-,
Beratungs- und Vorschlagsrecht in Fragen, die Auswirku ngen auf die Chancengleichheit von Frauen
und Männern haben.
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Anlage Integrations- und Arbeitsmarktprogramm 2011 Jobcenter Darmstadt: Bildungszielplanung
Jobcenter Darmstadt - FbW Bildungszielplanung 2011
Bildungsziel Qualifizierungsinhalte Berufs -
ordnung
(BO) /
Kenn-
ziffer
(DKZ)
Anzahl
Bildungs-
gutscheine
Unterrichts -
form
Vollzeit /
Teilzeit /
berufsbe-
gleitend
max.
Dauer
Monate
mit Bildungsabschluss
Altenpfleger/in lt. Rahmenlehrplan 8614-902 5 VZ 36
Altenpflegehelfer/in lt. Rahmenlehrplan 8614-900 5 VZ 12
Vorbereitungskurs
auf die
kaufmännische
Externenprüfung
(IHK)
Inhalte entsprechend IHK
Rahmenplan
7810-100 5 VZ 6
betriebliche
Einzelumschulungen
10 VZ 24
sonstige Bildungsziele
gewerblicher Bereich (Lager / Logistik / Sicherheit / Gastronomie)
Fachkraft
Luftfrachtlagerlogistik
(Air Cargo Handling
Specialist)
Lagerkenntnisse für den
Luftfrachtbereich, inklusive
Praktikum bzw.
fachpraktischer
Unterweisung
7444-101 10 VZ 3
35
Bildungsziel
Qualifizierungsinhalte
Berufs-
ordnung
(BO) /
Kenn-
ziffer
(DKZ)
Anzahl
Bildungsgut-
scheine
Unterrichts-
form
Vollzeit /
Teilzeit /
berufsbe-
gleitend
max.
Dauer
Monate
sonstige Bildungsziele
gewerblicher Bereich (Lager / Logistik / Sicherheit / Gastronomie)
Vorbereitung auf
Sachkundenprüfung
nach §34a GewO
Öffentliches Recht,
Bürgerliches Gesetzbuch
BGB, Straf- und
Verfahrensrecht,
Umgang mit Menschen,
Umgang mit
Verteidigungswaffen, Erste
Hilfe, Vorbereitung zur
Prüfung nach §34a GewO.
Sachkundenprüfung bei IHK
7911-106 10 VZ bis zu 2
Monaten
modulare Fortbildung
im Bereich
Lagerlogistik
EDV, Materialwirtschaft,
Lagerhaltung/Standort-
/Lagerplanung,
Verpackungen, Logistik +
Beschaffung, Versand,
Lagerverwaltung +
Bestandtskontrolle…
7410-904 20 VZ bis zu 2
Mon.
Gabelstapler -
ausbildung
theoretische und praktische
Fahrerausbildung mit
Fahrtraining
7140-100 20 VZ bis zu 1
Woche
gewerblich -
technischer Bereich
Teilqualifizierungen im
Bereich Holz, Metall, Elektro,
Farbe
9832-100 20 VZ je nach
Modul bis
zu 6 Mon.
modulare
Schweißerausbildung
Gas-oder Lichtbogenhand-
oder Schutzgasschweißen
nach entsprechend DVS
Richtlinien, praktische
Übungen
2410-119 5 VZ 3
36
Bildungsziel
Qualifizierungsinhalte
Berufs-
ordnung
(BO) /
Kenn-
ziffer
(DKZ)
Anzahl
Bildungsgut-
scheine
Unterrichts-
form
Vollzeit /
Teilzeit /
berufsbe-
gleitend
max.
Dauer
Monate
Qualifizierung
Hauswirtschaft /
Küche / Gastronomie
Teilqualifizierung im Bereich
Küche / Gastro / Reinigung /
Hauswirtschaft
9832-100 5 je nach
Modul bis
zu 6 Mon.
Fahrerausbildung
EU Kraftfahrer Klasse
C, CE
theoretische und praktische
Fahrerausbildung inklusive
Gefahrgut,
Ladungssicherung und
Gabelstapler
7140-100 5 VZ 5
Fahrerausbildung
Güter- und
Personenverkehr
theoretische und praktische
Fahrerausbildung mit
beschleunigter
Grundqualifizierung C,CE, D
und DE inklusive
Ladungssicherung
7140-100 5 VZ 4
kaufmännischer Bereich / Akademiker
Englisch für den
Beruf
modulare Qualifizierung
(Level 1-8 möglich)
6811-107 10 VZ je nach
Modul bis
zu 6 Mon.
Luftfrachtsachbearbei
ter (Aircargo
Assistant)
kaufmännisches
Basiswissen, Grundlagen
Spedition-Logistik-
Transportwirtschaft,
Luftfrachtmarkt und
Luftfrachtverkehr,
Grundlagen anderer
Verkehrsträger (Seefracht,
LKW, Eisenbahn),
Grundlagen Englisch im
Luftfrachtgeschäft, EDV
(Word, Excel)
7016-101 10 VZ 5
modulare
kaufmännische
Weiterbildung
Finanzbuchhaltung,
Personalwesen, EDV, SAP,
Wirtschaftsenglisch -
individuelle Trainingspläne
nach Bedarf
7720-101 20 VZ o.TZ je nach
Modul bis
zu 6 Mon.
37
Bildungsziel
Qualifizierungsinhalte
Berufs-
ordnung
(BO) /
Kenn-
ziffer
(DKZ)
Anzahl
Bildungsgut-
scheine
Unterrichts-
form
Vollzeit /
Teilzeit /
berufsbe-
gleitend
max.
Dauer
Monate
CAD Modulares System:
AutoCAD 2D/3D, CATIA V5,
Nementschek-AllplanFT,
C++, Visual C++.net, Java,
Webdesign mit Flash,
Actionscript
6359-105 10 VZ je nach
Modul bis
zu 4 Mon.
modulare IT
Anpassungsqualifzier
ungen
je nach individuellem
Kenntnisstand und Bedarf
7744-114 5 VZ 6
ECDL - Europäischer
Computer-
führerschein
Grundlagen,
Betriebssysteme,
Textverarbeitung mit MS
Word , Tabellenkalkulation
mit MS Excel , Datenbanken
mit MS Access, Grafik und
Präsentation mit MS
PowerPoint, Informations-
und Kommunikationsnetze
7810-116 10 VZ/TZ je nach
Träger
bis zu 2
bzw. 3
Monaten
sozialer Bereich
Alltagsbegleiter/in
dementer alter
Menschen
Betreuungsservice,
haushaltsnahe
Dienstleistungen,
Hauswirtschaft, Ernährung,
inklusive 4 Wochen
Praktikum
8614-101 10 VZ o.TZ 6 bzw. 8
Monate
sonstige
Bildungsziele
Fortbildungen im
Einzelfall
(insbesondere mit
Einstellungszusage
oder zum
nachträglichen
Erwerb des
Hauptschulabschluss
es)
15
Beratungsverlauf (2)
Orte (1)
- Groß-Gerauer Weg 3
Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.
Details
- Vorlagen-Nr.
- 2011/0250
- Typ
- Magistratsvorlage
- Datum
- 05.06.2011
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00