2021/0056
Einzelhandelskonzepte in Darmstadt ? Einzelhandels- und Zentrenkonzept 2020
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Punkt 5: Einzelhandelskonzepte in Darmstadt – Einzelhandels- und Zentrenkonzept 2020 (V-Nr. 2021/0056) Aufgrund der Entscheidung des Ältestenrates wird die Vorlage an den Haupt - und Finanzausschuss am 20.05.2021 zur fachlichen Beratung verwiesen.
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Punkt 20: Einzelhandelskonzepte in Darmstadt – Einzelhandels- und Zentrenkonzept 2020 (V-Nr. 2020/0056) Der Haupt- und Finanzausschuss empfiehlt der Stadtverordnetenversammlung, der Vorlage zuzustimmen. Gegenstimmen: SPD und UWIGA/WGD
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Punkt 11: Einzelhandelskonzepte in Darmstadt – Einzelhandels- und Zentrenkonzept 2020 (V-Nr. 2021/0056) Aufgrund der Abwesenheit des Magistrats wird die Vorlage aus dem Ausschuss für Bauen, Stadtplanung, Verkehr und Liegenschaften an den Haupt- und Finanzaus- schuss am 20.05.2021 zur fachlichen Beratung verwiesen.
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Punkt 7: Einzelhandelskonzepte in Darmstadt – Einzelhandels- und Zentrenkonzept 2020 (V-Nr. 2021/0056) Der Ausschuss für Bauen, Stadtplanung, Verkehr und Liegenschaften empfiehlt der Stadtverordnetenversammlung, der Vorlage zuzustimmen. Gegenstimmen: SPD-Fraktion Stimmenthaltung: Fraktion Die Linke.
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Perspektiven der
Einzelhandelsentwicklung in der
Wissenschaftsstadt Darmstadt
Einzelhandels- und
Zentrenkonzept 2020
Endbericht
Im Auftrag der Wissenschaftsstadt Darmstadt – Amt für Wirtschaft
und Stadtentwicklung
Hamburg, Januar 2021
Perspektiven der Einzelhandelsentwicklung in der Wis-
senschaftsstadt Darmstadt
Einzelhandels- und Zentrenkonzept 2020
Projektnummer: 20DLP2745
Exemplarnummer: Abstimmungsexemplar
Projektleitung und -bearbeitung: Ulrike Rehr
Bearbeitet unter Mitarbeit von: David Kamin, Aaron Albertsen
Im Auftrag der
Wissenschaftsstadt Darmstadt – Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung
Im Carree 1
64283 Darmstadt
erarbeitet durch
Dr. Lademann & Partner
Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Friedrich-Ebert-Damm 311, 22159 Hamburg
Altmarkt 10d, 01067 Dresden
Prinzenallee 7, 40549 Düsseldorf
Königstraße 10c, 70173 Stuttgart
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lichung und Weitergabe von Texten oder Grafiken - auch auszugsweise - sowie die EDV -seitige oder optische
Speicherung nur mit vorheriger schriftlicher Zustimmung der Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unterneh-
mens- und Kommunalberatung mbH erlaubt.
I Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Inhalt
Abbildungsverzeichnis IV
Tabellenverzeichnis VII
1 Grundlagen 1
1.1 Ausgangslage und Aufgabenstellung 1
1.2 Untersuchungsdesign und Vorgehensweise 2
2 Allgemeine Entwicklungstrends im Einzelhandel 6
2.1 Entwicklung der privaten Nachfrage in Deutschland 6
2.2 Demografischer Wandel 7
2.3 Betriebsformenwandel 8
2.4 Digitalisierung und interaktiver Handel 10
2.5 Entwicklungen im kurzfristigen Bedarfsbereich 13
2.6 Fazit 17
2.7 Exkurs: Corona-Pandemie 19
3 Rahmenbedingungen für die Einzelhandelsentwicklung in der
Wissenschaftsstadt Darmstadt 23
3.1 Lage im Raum und zentralörtliche Funktion 23
3.2 Sozioökonomische Rahmenbedingungen 25
3.3 Landesplanerische Vorgaben der Einzelhandelsentwicklung 32
4 Nachfragesituation in der Wissenschaftsstadt Darmstadt 34
4.1 Marktgebiet der Stadt Darmstadt 34
4.2 Nachfragepotenzial der Stadt Darmstadt 36
4.3 Exkurs: Bürgerbefragung zur Lebensqualität 39
5 Angebotssituation des Einzelhandels in der
Wissenschaftsstadt Darmstadt 43
5.1 Verkaufsflächen- und Branchenstruktur 43
5.2 Raumstruktur des Einzelhandels 45
II Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
5.3 Betriebsgrößenstruktur 46
5.4 Leerstandssituation 48
5.5 Umsatzsituation des Einzelhandels in Darmstadt 49
5.6 Einzelhandelsrelevante Planvorhaben in der Stadt Darmstadt 52
6 Versorgungslage und Zentralitätsanalyse 54
6.1 Verkaufsflächendichten in der Stadt Darmstadt 54
6.2 Bedeutung der Innenstadt im Einzelhandelsgefüge 55
6.3 Nahversorgungssituation in Darmstadt 60
6.4 Zentralitätsanalyse für den Einzelhandel in Darmstadt 68
6.5 Analyse der Nachfrageverflechtungen 71
6.6 Stärken- u. Schwächen-Analyse zum Einzelhandelsstandort
Darmstadt 72
7 Einzelhandelsentwicklungskonzept für die
Wissenschaftsstadt Darmstadt 75
7.1 Tragfähigkeitsrahmen für die Entwicklung des Einzelhandels bis
2025 75
7.1.1 Antriebskräfte der Einzelhandelsentwicklung 75
7.1.2 Verkaufsflächenspielräume 77
7.2 Strategische Orientierungsprinzipien 80
8 Einordung der Planvorhaben in das Einzelhandels- und
Zentrenkonzept 84
9 Zentrenkonzept für die Wissenschaftsstadt Darmstadt 86
9.1 Hierarchie und Abgrenzung der zentralen Versorgungsbereiche 86
9.2 Gesamtüberblick Zentrenkonzept für die Stadt Darmstadt 89
9.2.1 Zentraler Versorgungsbereich Innenstadt Darmstadt 91
9.2.2 Zentraler Versorgungsbereich Arheilgen 96
9.2.3 Zentraler Versorgungsbereich Eberstadt 100
9.2.4 Zentraler Versorgungsbereich Kranichstein 104
9.2.5 Zentraler Versorgungsbereich Kirchtannensiedlung 108
III Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
9.2.6 Perspektivischer zentraler Versorgungsbereich Ludwigshöhviertel 112
9.2.7 Ergänzungsstandort Gewerbegebiet Nordwest 114
9.2.8 Ergänzungsstandort Eschollbrücker Straße 116
9.2.9 Ergänzungsstandort Heidelberger Straße 118
10 Empfehlungen zur Einzelhandelssteuerung in der
Wissenschaftsstadt Darmstadt 120
10.1 Zur Zentrenrelevanz der Sortimente „Darmstädter Liste“ 120
10.2 Handlungsanleitung zur Bewertung von Vorhaben:
Ansiedlungsregeln zur räumlichen Steuerung 122
11 Zusammenfassung 126
I Glossar 129
IV Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Entwicklung der Konsumausgaben privater Haushalte und des
Anteils des Einzelhandels daran 6
Abbildung 2: Lebenszyklus der Betriebsformen 8
Abbildung 3: Gesamtentwicklung deutscher Versandhandel 10
Abbildung 4: Umsatzanteile von stationärem und interaktivem Handel nach
Segmenten 12
Abbildung 5: Wesentliche Standorttrends des Lebensmitteleinzelhandels 16
Abbildung 6: Entwicklung des Online Handels nach Branchen 1. Quartal 2019
bis 2. Quartal 2020 I 20
Abbildung 7: Entwicklung des Online Handels nach Branchen 1. Quartal 2019
bis 2. Quartal 2020 II 20
Abbildung 8: Lage im Raum 23
Abbildung 9: Umsatzanteile von stationärem und interaktivem Handel nach
Segmenten 26
Abbildung 10: Kaufkraftkennziffern im Vergleich 28
Abbildung 11: Kaufkraftkennziffern im Vergleich 30
Abbildung 12: Marktgebiet des Einzelhandels der Wissenschaftsstadt
Darmstadt 35
Abbildung 13: Nachfragepotenzial im Marktgebiet der Wissenschaftsstadt
Darmstadt 37
Abbildung 14: Nachfragepotenzial der Bevölkerung der Wissenschaftsstadt
Darmstadt im Jahr 2019 nach Sortimenten 38
Abbildung 15: Einkaufsorientierung der Darmstädter Bevölkerung auf
Darmstadt 39
Abbildung 16: Einkaufsorientierung der Darmstädter Bevölkerung auf das
Umland (ohne Internet) 40
Abbildung 17: Einkaufsorientierung der Darmstädter Bevölkerung auf das
Internet/ Versandhandel 41
Abbildung 18: Einkaufsorientierung der Darmstädter Bevölkerung im
periodischen Bedarf 42
Abbildung 19: Sortimentsstruktur des Einzelhandels in der Stadt Darmstadt 43
Abbildung 20: Branchenstruktur des Einzelhandels 44
V Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Abbildung 21: Räumlich-funktionale Struktur des Darmstädter Einzelhandels
(Standortkategorien) 45
Abbildung 22: Umsatzstruktur des Einzelhandels in der Stadt Darmstadt 50
Abbildung 23: Einzelhandelsrelevante Planvorhaben im Stadtteil Arheilgen und
Eberstadt 52
Abbildung 24: Einzelhandelsrelevante Planvorhaben in der Stadt Darmstadt 53
Abbildung 25: Sortimentsstruktur des Einzelhandels in der Innenstadt von
Darmstadt 56
Abbildung 26: Verkaufsflächenanteil der Innenstadt an der Gesamtstadt 57
Abbildung 27: Multifunktionale Innenstadt 59
Abbildung 28: Nahversorgungssituation in Darmstadt 61
Abbildung 29: Einzelhandelsrelevante Zentralitäten in der Wissenschaftsstadt
Darmstadt 69
Abbildung 30: Nachfragestromanalyse des Einzelhandels in Darmstadt 71
Abbildung 31: Hauptansatzpunkte der Flächenentwicklung in Darmstadt 77
Abbildung 32: Entwicklungsrahmen für die Weiterentwicklung des
Einzelhandels in der Wissenschaftsstadt Darmstadt 78
Abbildung 33: Strategische Orientierungsprinzipien 81
Abbildung 34: Strategieempfehlung: „Stärken stärken“ 82
Abbildung 35: Hierarchisches Zentrenmodell für die Stadt Darmstadt 90
Abbildung 36: Zentren- und Standortstruktur 91
Abbildung 37: Abgrenzung des ZVB Innenstadt Darmstadt 92
Abbildung 38: Blick entlang der Ludwigstraße sowie auf das Modehaus
Henschel 92
Abbildung 39: Blick auf die Betriebe am Ludwigplatz sowie am Luisenplatz
(Luisencenter) 94
Abbildung 40: Karstadt und Galeria Kaufhof im ZVB Innenstadt von Darmstadt 95
Abbildung 41: Abgrenzung des ZVB Arheilgen 96
Abbildung 42: Blick auf den Löwenplatz im ZVB Arheilgen 98
Abbildung 43: Blick auf den dm-Markt sowie den Edeka-Markt im ZVB
Arheilgen 98
Abbildung 44: Potenzialflächen im Stadtteilzentrum Arheilgen an der
Frankfurter Landstraße 99
VI Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Abbildung 45: Abgrenzung des ZVB Eberstadt 100
Abbildung 46: Blick auf den Rewe-Markt sowie die City-Arkaden 102
Abbildung 47: Einzelhandelsbetriebe an der Heidelberger Landstraße im ZVB
Eberstadt 102
Abbildung 48: Leerstand bzw. Potenzialfläche im ZVB Eberstadt 103
Abbildung 49: Abgrenzung des ZVB Kranichstein 104
Abbildung 50: Blick auf das Einkaufszentrum am See im ZVB Kranichstein 106
Abbildung 51: Blick auf den südlichen Bereich des bipolaren Zentrums
Kranichstein 106
Abbildung 52: Blick auf die Fasanerie Passage im südlichen Bereich des
bipolaren Zentrums Kranichstein 107
Abbildung 53: Abgrenzung des ZVB Kirchtannensiedlung 108
Abbildung 54: Ladenzeile um den Nah & Gut im ZVB Kirchtannensiedlung 110
Abbildung 55: Blick auf den Aldi-Markt sowie eine großmaßstäbliche
Wohneinheit im ZVB Kirchtannensiedlung 110
Abbildung 56: Blick auf die Ladenzeile im ZVB Kirchtannensiedlung 111
Abbildung 57: Strukturkonzept des Ludwigshöhviertels 112
Abbildung 58: Ergänzungsstandort Gewerbegebiet Nordwest 115
Abbildung 59: Ergänzungsstandort Eschollbrücker Straße 117
Abbildung 60: Ergänzungsstandort Heidelberger Straße 119
Abbildung 61: Steuerungsempfehlungen zur Kompatibilitätsprüfung von
Planvorhaben 125
VII Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Standortanforderungen der Betriebstypen des
Lebensmitteleinzelhandels 16
Tabelle 2: Einwohnerentwicklung in der Wissenschaftsstadt Darmstadt im
Vergleich 25
Tabelle 3: Einwohnerentwicklung in der Wissenschaftsstadt Darmstadt nach
Stadtteilen 27
Tabelle 4: Entwicklung der Arbeitslosenquoten 27
Tabelle 5: Ein- und Auspendler im Vergleich 28
Tabelle 6: Tourismusentwicklung im Vergleich 29
Tabelle 7: Marktgebiet des Einzelhandels 35
Tabelle 8: Betriebsgrößenstruktur des Einzelhandels in Darmstadt nach
Standortbereichen 47
Tabelle 9: Verkaufsflächen- und Umsatzstruktur nach Standortlagen 51
Tabelle 10: Verkaufsflächendichten im Vergleich 54
Tabelle 11: Citydichte der Innenstadt im Vergleich 58
Tabelle 12: Einzelhandelsstruktur im kurzfristigen Bedarfsbereich nach
Stadtteilen 63
Tabelle 13: Anteile der Betriebsformen des klassischen
Lebensmitteleinzelhandels 64
Tabelle 14: Betriebstypenstruktur bei nahversorgungsrelevanten Sortimenten
im Vergleich (in qm VKF) 65
Tabelle 15: Übersicht der strukturprägenden Lebensmittelmärkte in Darmstadt 66
Tabelle 16: Zur Zentrenrelevanz von Sortimenten („Darmstädter Liste“) 121
1 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
1 Grundlagen
1.1 Ausgangslage und Aufgabenstellung
Die kreisfreie Stadt Darmstadt (rd. 160.000 Einwohner) liegt südlich von Frankfurt am
Main und somit im Süden von Hessen. Sie lässt sich in neun Stadtteile gliedern. Die
Kernstadt, in der mehr als die Hälfte der Einwohner leben, unterteilt sich dabei wiede-
rum in fünf statistische Bezirke.
Nach Vorstellungen der Landesplanung kommt dem Oberzentrum Darmstadt als Ein-
zelhandelsstandort eine Funktion für die qualifizierte Versorgung der Einwohner in
Darmstadt und in der Region zu. Bei intensivem Wettbewerb mit den übrigen Einzel-
handelsstandorten in der Region (u.a. Weiterstadt) und dem Online -Handel kann die
Stadt Darmstadt ihre oberzentrale Stellung zwar überwiegend erfüllen. Es liegen den-
noch in einzelnen Segmenten gewisse Angebotsdefizite vor, mit der Konsequenz von
Nachfrageabflüssen.
Den planerischen Entwicklungsrahmen für die örtliche Einzelhandelsentwicklung stel-
len das Einzelhandels- und Zentrenkonzept aus dem Jahre 2012 (Grundlagengutach-
ten; Datenbasis 2010) und das Nahversorgungskonzept aus dem Jahre 2016 dar
(Datenbasis 2015).
Vor dem Hintergrund des Zeitverlaufs sollte nunmehr eine Überprüfung und rechtssi-
chere Fortschreibung des Einzelhandels- und Zentrenkonzepts erfolgen. So wird zur
Bewertung von Einzelhandelsvorhaben durch die städtischen und landesweiten Ge-
nehmigungsbehörden speziell auf Einzelhandelskonzepte und die dort formulierten
Entwicklungsvorstellungen zurückgegriffen. So fungieren kommunale Einzelhandels-
konzepte als städtebauliche Entwicklungskonzepte gem. § 1 (6) Nr. 11 BauGB als ent-
scheidende Grundlage für die planungsrechtliche Umsetzung im Kontext der
Bauleitplanung und hierfür gebotener detaillierter und belastbarer Begründungen. Es
ist daher auch in Darmstadt eine qualifizierte und rechtssichere Bewertungsgrundlage
für den großflächigen Einzelhandel oder vergleichbarer Agglomerationen von Nöten.
Im Jahr 2018 hat der Europäische Gerichtshof in Bezug auf die Europäischen Dienst-
leistungsrichtlinie ein wegweisendes Urteil gefällt, welches sich auf die inhaltliche Aus-
gestaltung von Einzelhandelskonzepten und den Einzelhandel steuernden
Bebauungsplänen auswirkt. So müssen Planungen u.a. erforderlich und verhältnismä-
ßig sein. Hinzu kommen weitere Urteile von OVG und des BVerwG, die die Gestaltung
von Einzelhandelskonzepten mit verfeinern. Ferner kann die Stadt Darmstadt von einer
hohen Dynamik im Bereich Einwohner- und Siedlungsentwicklung profitieren.
Das Steuerungskonzept soll te nunmehr überprüft und aktualisiert werden, um die
Funktionalität aufrecht zu erhalten und um zukunftsfähige Perspektiven zur Sicherung
und Weiterentwicklung des Einzelhandelsstandort s im Standort - und Städtewettbe-
werb zu bieten.
2 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
1.2 Untersuchungsdesign und Vorgehensweise
Die Untersuchung setzt sich mit der Gesamtsituation des Einzelhandels in der Stadt
Darmstadt auseinander. Diesbezüglich haben wir folgendes Untersuchungskonzept
durchgeführt:
Situationsdarstellung
◼ Stand und Entwicklung der sozioökonomischen Eckdaten als Rahmenbedingun-
gen für die Einzelhandelsentwicklung in der Stadt Darmstadt (Einwohnerbasis und
-prognose, Altersstruktur, Erwerbstätigkeit, einzelhandelsrel evantes Kaufkraftni-
veau, Tourismusaufkommen, Pendlerbeziehungen);
◼ Ermittlung der planerischen Ausgangssituation: Vorgaben der Landes- und Regi-
onalplanung (LEP, Regionalplan), zentralörtliche Bedeutung von Darmstadt;
◼ Darstellung der wesentlichen Herausforderungen/Entwicklungstrends auf der An-
gebots- und Nachfrageseite mit Relevanz für Darmstadt; im Fokus standen hier-
bei v.a. Gegenstand und Auswirkungen der veränderten Bedarfe des
Lebensmitteleinzelhandels und einzelner Betriebstypen (Lebenszyklen) sowie von
Gegenstand, Prognose und den räumlichen Auswirkungen des Online-Handels;
◼ Darüber hinaus wurde noch ein Exkurs zur aktuellen Corona Pandemie erstellt.
Analyse des Einzelhandelsstandorts
Darstellung und Bewertung des Einzelhandels in Darmstadt
◼ Darstellung der Angebotssituation des Darmstädter Einzelhandels als einzelbe-
triebliche Kompletterhebung (inkl. Kartierungen):
Ermittlung über einzelhandelsrelevante Verkaufsflächen nach Adressen, Stadt-
teilen/Standortlagen, Branchenmix, Betriebstypen;
Einschätzung des Umsatzes und der Flächenproduktivität auf Basis üblicher
Quellen (u.a. EHI, Bundesanzeiger, hauseigene Datenbank mit Echtdaten etc.);
Erfassung wesentlicher konsumnaher, zentrenergänzender Nutzungen sowie
von einzelh andelsrelevanten Leerständen (nur im zentralen Versorgungsbe-
reich).
Bewertung des Einzelhandels in Darmstadt
◼ Versorgungsstrukturelle Bewertung der Angebotsstruktur/Versorgungslage
nach Standortbereichen; Aussage zu Betriebsgrößen, Quantität und Qualität de s
Angebots; Darstellung von quantitativen und qualitativen Versorgungslücken; Ver-
gleich wichtiger einzelhandelsrelevanter Kennzahlen mit geeigneten Vergleichsda-
ten (v.a. Oberzentren), wie zur Zentralität und Verkaufsflächendichte;
◼ Bewertung der Funktionswahrnehmung und der räumlichen Ausprägung der
Innenstadt und Einordnung in die Versorgungsstrukturen der gesamten Stadt;
3 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
◼ Einschätzung und Bewertung der einzelhandelsrelevanten Nachfragesituation:
Abgrenzung des Marktgebiets des Einzelhandels; Ermittlung des Nachfragepoten-
zials im Jahr 2019 und 2025 nach Branchen im Stadtgebiet von Darmstadt sowie
nach Marktgebietszonen (zzgl. Streukunden);
◼ Bestimmung und Bewertung der Einzelhandelszentralität: Analyse von Nachfra-
geströmen und Zentralitäten insgesamt und nac h Branchen sowie Bewertung der
Nachfragebindung und -abflüsse (Kaufkraftbewegung) der ortsansässigen Be-
völkerung sowie der Zuflüsse aus dem Umland (unter Würdigung des Abflusses in
den Online-Handel);
◼ Bewertung der Leistungsfähigkeit der wohnstandortnahen Nahversorgungs-
struktur; dabei Ermittlung von Verkaufsflächendichten, Betriebstypenstruktur/
Anteil von Vollsortimentern zu Discountern und räumlichen Versorgungslücken un-
ter Zugrundelegung von Fußweg -Isochronen (inkl. Kartierung); dabei wurde auch
ein Aussage zur Größe und zum Umfang an räumlichen Versorgungslücken i.V.m.
Handlungsempfehlungen zur Verbesserung gemacht;
◼ Durchführen einer Stärken-/Schwächen-Analyse zur Angebotssituation des Ein-
zelhandelsstandorts Darmstadt.
Konzeptphase
◼ Darstellung der Entw icklung der relevanten Rahmenbedingungen bzw. Hauptan-
triebkräfte der Flächenentwicklung; Ableitung des quantitativen und qualitati-
ven Entwicklungspotenzials (Verkaufsflächen nach Branchen) für den
Einzelhandel in der Stadt Darmstadt bis zum Prognosehorizont;
◼ Empfehlungen zur Strukturentwicklung (Branchenmix, Betriebstypenbesatz, An-
gebotslücken); dabei Empfehlungen für zukunftsfähige Angebotsergänzungen
aber auch für Branchenbeschränkungen; Empfehlungen zur Erhöhung der Kauf-
kraftbindung;
◼ Empfehlung für die Einzelhandelsentwicklungsstrategie für die Stadt Darmstadt
einschließlich einer klaren Empfehlung für das anzustrebende hierarchische Zen-
tren- und Standortprofil; Vorschlag für die Zentren- und Standortstruktur von
Darmstadt; dabei wurden Vorschläge für eine langfristig tragfähige, räumlich-funk-
tionale Aufgabenteilung der Standorte unterbreitet;
◼ Räumliche und textliche Abgrenzung 1 der zentralen Versorgungsbereiche (inkl.
Kartierung) sowie Darstellung von prägenden Sonderstandorten jeweils nach:
Anzahl, Lage, Abgrenzung und Versorgungsfunktion (gemäß relevante n Krite-
rien und aktueller Rechtsprechung);
1 Dr. Lademann & Partner orientieren sich – neben den Vorarbeiten aus dem aktuellen Einzelhandelskonzept - für die räumliche Ab-
grenzung der zentralen Versorgungsbereiche grundsätzlich an der aktuellen Rechtsprechung zur Erarbeitung von Einzelhandelskon-
zepten und zur Definition und Abgrenzung von zentralen Versorgungsbereichen, um die Rechtssicherheit des Einzelhandelskonzepts
zu gewährleisten. Überdies wurden Vorgaben aus übergeordneten Konzepten/Vorgaben auf Bundes - und Landesebene in die Abwä-
gung mit einbezogen.
4 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
räumliches Gesamtbild, städtebauliche Gestaltungsqualität, Aufenthaltsquali-
tät, Erreichbarkeit und verkehrliche Anbindung (ÖPNV, MIV, NMIV, Stellplätze);
Bewertung der Funktionsfähigkeit (Einzelhandel und konsumnahe Nutzungen),
der Gefährdungspotenziale und der Entwicklungsperspektiven sowie Heraus-
arbeitung zentrenspezifischer Handlungsempfehlungen (Stabilisierungs - und
Stärkungs-/Profilierungsmöglichkeiten).
Identifizierung von ggf. bestehenden, offensichtlichen Entwicklungsflächen in
den zentralen Versorgungsbereichen.
◼ Überprüfung und Modifikation der ortsspezifischen Sortimentsliste („Darm-
städter Sortimentsliste“) anhand der faktischen Prägung der zentralen Versor-
gungsbereiche und einer perspektivischen Betrachtung der Entwicklungsoptionen.
Maßnahmen, Empfehlungen und Entwicklungsvorschläge
◼ Empfehlungen zur Anwendung des Einzelhandelskonzepts:
Überprüfung und Modifikation der Grundsätze zur räumlichen Steuerung
[Prüfkriterien/ Ansiedlungsregeln ] i.S.v. sortiments - und lagenspezifischen
Steuerungsempfehlungen;
Grundsätzliche Empfehlungen für die Bauleitplanung zur Steuerung des groß-
und kleinflächigen Einzelhandels unter Beachtung der aktuellen Rechtspre-
chung.
◼ Einordnung von Planvorhaben des großflächigen Einzelhandels in das Einzelhan-
dels- und Zentrenkonzept bezogen auf ihre Konformität.
Folgende Primär- und Sekundärerhebungen waren insgesamt erforderlich, um das
skizzierte Untersuchungskonzept umsetzen zu können:
◼ Sekundäranalyse der Daten des Statistischen Landesamt sowie einschlägiger In-
stitute bezüglich der sozioökonomischen Rahmendaten;
◼ flächendeckende Bestandserhebung2 aller Einzelhandelsbetriebe in Darmstadt
u.a. nach Standorten, Branchen/Branchenmix und Betriebstypen sowie der we-
sentlichen konsumnahen Angebote in den Zentren (z.B. Gastronomie, Dienstleis-
tungen, einzelhandelsrelevante Leerstände);
2 Die Bestandserhebungen erfolgten mittels physischer Begehungen sämtlicher Einzelhandelslokale im Stadtgebiet von Darmstadt
durch professionell geschultes Personal nach dem Angebotsprinzip. D.h. die erhobenen Verkaufsflächen wurden nicht dem
Hauptsortiment zugeschlagen, sondern nach Haupt- und Randsortiment differenziert nach Teilsortimenten aufgenommen. Hin-
sichtlich der Verkaufsflächendefinition liegt v.a. das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 24.11.2005 (4 C 10.04) zu Gru nde.
Neben den durch die Kunden zu betretenden reinen Verkaufsflächen zählen danach auch die Thekenbereiche, die vom Kunden nicht
betreten werden dürfen, der Kassenvorraum (einschließlich eines Bereichs zum Einpacken der Ware und Entsorgen des Verpa-
ckungsmaterials) sowie der Windfang zur Verkaufsfläche. Nicht einzubeziehen sind dagegen die Flächen, auf denen für den Kunden
nicht sichtbar die handwerkliche und sonstige Vorbereitung erfolgt sowie die (reinen) Lagerflächen. Außenverkaufsflächen und Kalt-
hallen (z.B. bei Baumärkten) wurden als Verkaufsfläche erfasst. Im Datensatz w urde dies allerdings gesondert vermerkt.
5 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
◼ gründliche Begehungen der Innenstadt von Darmstadt sowie der sonstigen we-
sentlichen Standortbereiche des Einzelhandels.
Die Abgrenzung der Zentren und die jeweilige Einstufung orientiert sich dabei eng an
der höchstrichterlichen Rechtsprechung, die in den letzten Jahren richtungsweisende
Urteile zu zentralen Versorgungsbereichen geliefert hat (u.a. Mindestausstattung). Bei
der bestandsorientierten Betrachtung werden zunächst die Betriebe (Einzelhandel
nach Branchen und Größenklassen, offensichtliche Leerstände, konsumnahe Nutzun-
gen) kartiert. Der Abgrenzung der Zentren liegt aber auch eine zielorientierte Perspek-
tive zu Grunde. So w urden bei der Abgrenzung der Zentren geeigneter
Entwicklungsflächen berücksichtigt, die zur Stärkung des jeweiligen Zentrums prädes-
tiniert sind. Dies ist auch aufgrund des Urteils des EuGH aus 2018 geboten.
Gegenstand der Untersuchung war der stationäre Einzelhandel im engeren Sinne.
Nachfrageseitig wurde zudem der nicht-stationäre Handel (Online- und Versandhan-
del), da er immer stärker an Bedeutung gewinnt und Verschiebungen zu Lasten des
stationären Einzelhandels zu erkennen sind. Als Prognosehorizont wurde das Jahr
2025 zu Grunde gelegt.
6 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
2 Allgemeine Entwicklungstrends im
Einzelhandel
2.1 Entwicklung der privaten Nachfrage in Deutsch-
land
In den letzten zehn Jahren haben die Konsumausgaben der privaten Haushalte ste-
tig zugenommen. Wesentliche Ursache hierfür dürften die gestiegenen Reallöhne und
die gute Beschäftigungslage bei gleichzeitig rückläufiger Sparneigung sein.
Dieser positiven Entwicklung hinkt der Einzelhandel allerdings tendenziell hinter-
her: der Anteil des Einzelhandels an den privaten Konsumausgaben war im Vergleichs-
zeitraum zunächst rückläufig und hat sich erst in den vergangenen Jahren wieder leicht
positiv entwickelt.
Abbildung 1: Entwicklung der Konsumausgaben privater Haushalte und des Anteils des Einzelhandels da-
ran
www.dr-lademann-partner.deDr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
In den letzten Jahren haben die privaten Konsumausgaben stetig
zugenommen. Die zunächst rückläufige Entwicklung des Anteils des
Einzelhandels am privaten Konsum hat in den vergangen Jahren
wieder einen leichten Aufschwung erfahren.
Quelle: Statistisches Bundesamt/Statista.
1.373 1.424 1.466 1.492 1.521 1.559 1.604 1.649 1.693
30,4%
30,1%
29,8% 29,8% 29,7%
30,3%
30,4%
30,7%
30,7%
29,0%
29,5%
30,0%
30,5%
31,0%
0
200
400
600
800
1.000
1.200
1.400
1.600
1.800
2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018
Konsumausgaben privater Haushalte in Deutschland in Mrd. €
Anteil des Einzelhandels an den privaten Konsumausgaben in Deutschland
Fortschreibung des Einzelhandels- und Zentrenkonzepts für Darmstadt
7 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
2.2 Demografischer Wandel
Der demografische Wandel stellt den deutschen Einzelhandel anhaltend vor neue
Herausforderungen. Nach e inem langen Zeitraum des Wachstums steht in den
nächsten Jahrzehnten erstmals ein Rückgang d er Einwohnerzahl bevor . Während die
Lebenserwartung vor 100 Jahren noch durchschnittlich 46 Jahre betrug, liegt die Le-
benserwartung bei neugeborenen Jungen heute bei durchschnittlich rd. 78 Jahren und
bei neugeborenen Mädchen sogar bei rd. 83 Jahren.3 In einigen Jahren wird die Hälfte
der deutschen Bevölkerung 50 Jahre oder älter sein.
Für den Einzelhandel bedeutet dies konkret, dass der demografische Wandel ….
◼ …. sich langfristig und stetig vollzieht, seine Ausprägungen und Auswirkungen nicht
grundsätzlich umkehrbar sind, aber durch politische Entscheidungen in Teilen
steuerbar. Der Einzelhandel kann sich frühzeitig anpassen und Wettbewerbsvor-
teile generieren.
◼ …. mit unterschiedlicher Intensität in den einzelnen Regionen sowie auch zeitver-
setzt voranschreitet. Bundesweit ist ein Bevölkerungsrückgang bei gleichzeitig ab-
soluter Zunahme der über 60 -Jährigen zu erwarten. Jedoch leiden die meisten
Regionen in den Neuen Lä ndern stärker unter Bevölkerungsschrumpfung und
Überalterung als die Alten Bundesländer, in welchen teilweise starke Einwande-
rungsüberschüsse (z.B. Achse Frankfurt -Stuttgart, Metropolregion Hamburg) zu
verzeichnen sind. Aber auch im Osten bleiben attraktive Ballungsräume für den Ein-
zelhandel vorhanden.
◼ …. je nach regionaler Ausgangslage unterschiedliche Herausforderungen für den
Einzelhandel mit sich bringt. So ist in einzelnen Teilen mit starker Urbanisierung, in
anderen mit Suburbanisierung zu rechnen. Wi eder andere Regionen überaltern
stark und andere wiederum ziehen verstärkt jüngeres Publikum an. Daher müssen
Standortumfeld und Marketingkonzepte aufeinander abgestimmt werden.
Zieht man zusätzlich die soziografischen und ökonomischen Tendenzen
◼ Veränderung der Konsumentenbedürfnisse,
◼ Haushaltstypenverschiebung (‚Singlesierung’) und
◼ Absinken/ Stagnation des Einzelhandels-Anteils am privaten Verbrauch
mit in Betracht, so folgt daraus ein starker Anpassungsdruck für den Einzelhandel.
3 Statistisches Bundesamt: vdek – Basisdaten des Gesundheitswesens 2017/2018. April 2018.
8 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
2.3 Betriebsformenwandel
Der Einzelhandel in Deutschland sieht sich zahlreichen Veränderungen ausgesetzt. Mit
den o.g. demografischen Entwicklungen gehen bei den Verbraucherbedürfnissen Prä-
ferenzverschiebungen einher. U.a. sind im Bereich des Food - und Nearfoo d-Seg-
ments in Verbindung mit diversifizierten Arbeitszeitmodellen, ein gesteigertes
Gesundheitsbewusstsein und Nachfrage nach mehr „Convenience“, der Wunsch nach
Fair Trade/Bio, Regionalität und „Handwerk“ gestiegen. Mit sich verändernden Haus-
haltsgrößen geht zudem eine veränderte Nachfrage nach Produktgrößen einher. Die-
ser demografische und sozioökonomische Wandel macht es für den Einzelhandel
unumgänglich, neue Konzepte zu entwickeln, um konkurrenz - und somit auch über-
lebensfähig wirtschaften zu können.
Abbildung 2: Lebenszyklus der Betriebsformen
Dabei ist zu prüfen, ob der Lebenszyklus (Wandel) einzelner Betriebsformen von tem-
porärer Natur ist (z.B. durch Nachfrageschwäche) oder ob sich hierin bereits Vorzei-
chen eines (nur hinausschiebbaren) Niedergangs ausdrücken (siehe Abbildung). So
hat beispielsweise das Warenhaus ihren Zenit bereits überschritten. Handelsmanager
dieser Vertriebsform sind folglich gezwungen, das Format anzupassen und durch einen
Relaunch des Marketingkon zepts den Abschwung zu verhindern. Kleinflächigere Be-
triebstypen wiederum werden entweder aus dem Markt gedrängt oder müssen sich zu-
nehmend spezialisieren (‚Nischenplayer’). Absatzkanäle hingegen wie der B2C E -
www.dr-lademann-partner.deDr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Betriebstypenzyklus
Entwicklung
Einführung
Aufstieg
Wachstum
Assimilation
Reife Sättigung Degeneration
Chance zum Relaunch
Food
Non-food
Lieferservice
Convenience
Stores
SupermärkteVerbraucher-
märkte
SB-Waren-
häuser
Discounter
Tante-Emma
Mobile
Commerce Click & Collect
Online-Handel
Vertikalisten in
Agglomerationen
Fachmärkte
Fachgeschäfte
Kauf- und
Warenhäuser
Katalogversand
Fortschreibung des Einzelhandels- und Zentrenkonzepts für Darmstadt
9 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Commerce4 sind weiterhin aufstrebend und verf ügen über hohes Wachstumspoten-
zial.
Wirft man einen Blick auf die Marktanteilsverschiebung im gesamten Einzelhandel
(Food- und Nonfood-Bereiche), so neigt sich das Gewicht hin zu discountorientier-
ten Konzepten. In den vergangenen Jahren ist der Marktanteil der Fachmärkte und Le-
bensmitteldiscounter stark ange stiegen. Der Trend konnte aller dings nicht
gleichermaßen fortgesetzt werden.
Darüber hinaus ist an einer Reihe von Standorten eine grundlegende Konzeptumstel-
lung von einstigen SB-Warenhäusern zu erkennen. Durch die verbesserte Inszenierung
der Großfläche, die deutliche Reduzierung von innenstadttypischen Sortimenten so-
wie durch die Ver bindung von Frische, Produktion und Gastronomie können moderne
Konzepte gerade auch solche Kunden ansprechen, die Wert a uf Qualität, Genuss und
Gesundheit legen. Diese „Flaggschiffe“ haben aufgrund ihrer Spezialisierung jedoch
die klassische Nahversorgungsfunktion für die angrenzenden Wohnquartiere verlas-
sen.
Zu den Gewinnern der nächsten Jahre werden jüngere Vertriebswege wie der Online-
Handel oder stark fachmarktgeprägte Angebotsformen wie fachmarktorientierte
Shopping-Center gehören. In klassischen Shopping -Centern zeigt sich in den letzten
Jahren ein Freque nzrückgang, weshalb u.a. mit der Ausweitung des Food -Courts und
der Integration von digitalen Angeboten mit dem Ziel der Steigerung der Besuchsan-
lässe und der Erhöhung der Verweildauer entgegengewirkt wird („Third -Place“). Wei-
terhin an Marktanteilen verlie ren werden voraussichtlich die Warenhäuser sowie
traditionelle Fachgeschäfte (gepaart mit Altersnachfolgeproblemen). Diese Entwick-
lung unterstreicht den Fortlauf der Betriebstypendynamik in Deutschland, die sich in
einem Verdrängungsprozess älterer Betriebstypen durch neuere darstellt.
Mit Blick auf die Betriebsformentheorie ist schließlich auch bemerkenswert, dass es in
den vergangenen Jahren im Segment des Lebensmitteleinzelhandels anstelle des Ein-
tritts neuer Betriebsformen zu einem heftigen Preiswettbewerb und einem weiteren
Verfall der Margen gekommen ist. Gerade weil die Discounter, Verbrauchermärkte und
SB-Warenhäuser sich nicht assimiliert haben, haben sie offenbar das Reifestadium
noch nicht erreicht. Solange dies der Fall ist und die Nahversorger k onstitutiv bedingt
ihre Wettbewerbsnachteile nicht verringern können, herrscht angesichts der Markt-
lage ein Verdrängungswettbewerb. 5 Dieser Umstand ist zuletzt hauptverantwortlich
für das konstant hohe Flächenwachstum im deutschen Einzelhandel, wenngleich nach
Untersuchungen von Dr. Lademann & Partner v.a. in den überbesetzten Räumen ein
„Gesundschrumpfen“ festzustellen ist.
4 B2C steht für Business-to-Consumer und somit für den Teil des Online-Handels, der zwischen einem Unternehmen und einem Kon-
sumenten stattfindet. Im Gegensatz dazu definiert der B2B E -Commerce den elektronischen Handel zwischen zwei Unternehmen
bzw. der C2C E-Commerce zwischen zwei Privatpersonen.
5 Vgl. Lademann, Rainer, Betriebstypeninnovationen in stagnierenden Märkten unter Globalisierungsdruck, 1999.
10 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
2.4 Digitalisierung und interaktiver Handel
Der Einzelhandelsumsatz in Deutschland ist in den letzten zehn Jahren stetig leicht an-
gestiegen. Hierzu hat auch der stationäre Einzelhandel beigetragen, welcher nach ei-
ner kurzen Schwächephase zwischen 2008 und 2010 in den letzten Jahren einen
stetigen Umsatzzuwachs verzeichnen konnte. Allerdings verzeichnet der interaktive
Handel ein deutlich stärkeres Wachstum. Während der stationäre Einzelhandelsum-
satz im Zeitraum von 2010 bis 2018 jährlich lediglich um rd. 2 % anstieg, wies der On-
line-Handel im gleichen Zeitraum eine deutlich dynamischere jährliche Zuwachsrate
auf. Nichtsdestotrotz weist der stationäre Handel in absoluten Zahlen weiterhin ein ho-
hes Gewicht auf. Allerdings wächst der stationäre Handel fast nur noch im Food -Seg-
ment, während in einigen Branchen des stationären Nonfood-Handels schrumpfende
Umsatzzahlen zu erwarten sind.
Abbildung 3: Gesamtentwicklung deutscher Versandhandel
Festzuhalten bleibt damit, dass der Online-Handel auch künftig kräftig an Bedeu-
tung gewinnen wird, dass das Wachstum des Online-Handels aber nicht vollstän-
dig zu Lasten de s stationären Einzelhandels geht, sondern auch dieser noch
moderate Wachstumszahlen aufweisen wird. Der Vormarsch des Online -Handels
führt aber dazu, dass der Anteil und somit die Bedeutung am langsamer wachsenden
Gesamteinzelhandel (stationär und nicht -stationär) zunimmt. Während der Online -
Handel im Jahr 2008 lediglich rd. 2,9 % Marktanteil am gesamten Einzelhandelsumsatz
www.dr-lademann-partner.deDr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Netto-Umsatz in Mrd. €; Anteil Online-Handel am gesamten Einzelhandelsumsatz in %
Gesamtentwicklung stationärer und Online-Handel in Deutschland
Die positive Entwicklung des Handelsumsatzes ist v.a. auf den Online -Handel zurückzuführen. Der
stationäre Einzelhandelsumsatz konnte nur bedingt durch den Food -Bereich zulegen.
Quelle: HDE; statistisches Bundesamt; ohne Umsatzsteuer. * Prognose
Ladeneinzelhandel Online-Handel
420 407 417 422 449 471 494
2,9%
13
4,7%
20
6,3%
28
7,8%
36
9,0%
44
10,2%
54
11,3%
63
2008 2010 2012 2014 2016 2018 2020
Fortschreibung des Einzelhandels- und Zentrenkonzepts für Darmstadt
*
11 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
verzeichnen konnte, waren es im Jahr 2018 bereits 10,2 %. Für das Jahr 20 206 wird
damit gerechnet, dass etwa 11,3 % des gesamten Einzelhandelsumsatzes in Deutsch-
land im Online-Handel generiert werden. In einzelnen Nonfood-Branchen (z.B. Beklei-
dung, Schuhe/Lederwaren, Unterhaltungselektronik oder Bücher) erreicht der Online-
Handel jedoch bereits heute Marktanteile von zum Teil weit über 20 %.
Es verwundert daher nicht, dass der Vormarsch des Online-Handels zu beträchtlichen
Umsatzverlagerungen gerade zu Lasten des innerstädtischen Einzelhandels geführt
hat, da innenstadttypische Sortimente wie Bekleidung, Schuhe, Spielwaren, Bücher o-
der Elektronik besonders stark vom Online -Handel betroffen sind. Dabei verliefen die
Wachstumsraten in den einzelnen Sortimenten in den vergangenen Jahren sehr unter-
schiedlich. Der stationäre Handel gerät durch den Online-Handel unter Druck,
◼ wo Branchen durch In novationen komplett auf den Kopf gestellt werden (z.B.
Buchhandel; E-Books);
◼ wo man als Händler durch den Fokus auf austauschbare Herstellermarken unmit-
telbar in einen Preisvergleich hineinkommt (insbesondere Elektrofachmärkte);
◼ wo der Kunde keinen echten Zusatznutzen für einen tendenziell höheren Preis be-
kommt (geringe Aufenthaltsqualität, geringe Beratungsqualität);
◼ wo der Kunde anonym bleibt und Kundenbindung auch nicht angestrebt wird;
◼ wo man als Händler stationär aufgrund rechtlicher Restriktionen oder faktischem
Platzmangel nicht wachsen kann;
◼ wo die (Innen -)Stadt kein attraktives und ausreichend großes Angebot im statio-
nären Einzelhandel aufweist und dieses nicht ausreichend vermarktet wird (z.B.
Auffindbarkeit und Informationen im Internet).
Daraus wird deutlich, dass die Entwicklung des Online-Handels nicht nur allgemein für
den stationären Handel eine große Herausforderung darstellt, sondern aufgrund der
Ausrichtung auf Innenstadtleitsortimente zu Umsatzverlusten und folglich verstärk-
tem Strukturwandel in den Zentren geführt hat. Hierbei zeigt sich, dass „Verlierer“
der Entwicklung vor allem kleinere Mittelstädte sowie die Stadtteilzentren von Groß-
städten sind. Umgekehrt ist für die Metropolen in Deutschland sowie für Mittelstädte
mit beachtlichem Einzugsgebiet ein weiteres Wachstum zu erwarten.
Wie bereits angedeutet, schlägt sich das Wachstum des Online-Handels branchenspe-
zifisch in unterschiedlichem Maße nieder. Während das Nonfood-Segment besonders
stark vom interaktiven Handel betroffen ist, wer den die Umsätze im periodischen Be-
darfsbereich auch weiterhin ganz überwiegend im stationären Lebensmittel- und Dro-
gerieeinzelhandel generiert. Die Sortimente des täglichen Bedarfs werden vom Online-
Handel derzeit nur geringfügig tangiert. Die nachfolgende Abbildung gibt einen Über-
blick über die Umsatzanteile (online vs. stationär) verschiedener Einzelhandelsbran-
chen im Jahr 2019.
6 Prognose vor Beginn der Corona-Pandemie,
12 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Abbildung 4: Umsatzanteile von stationärem und interaktivem Handel nach Segmenten
Nach den Progno sen7 der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) bleibt das Einzel-
handelsvolumen im stationären Handel bis zum Jahr 2025 „unterm Strich“ weitgehend
stabil, da einerseits von einem Anstieg des Einzelhandelsumsatzes ausgegangen wer-
den kann. Andererseits geht die GfK in ihrer Prognose bis 2025 davon aus, dass sich der
Anteil des Online -Umsatzes am gesamten Einzelhandelsumsatz von ehemals 8 % im
Jahr 2014, jedoch in deutlich abgeschwächter Dynamik, auf künftig etwa 15 % erhöhen
wird. Es ist damit zu rechnen, dass der Online-Anteil in einzelnen Branchen (v.a. Fashion
sowie Sport und Freizeit) bis zum Jahr 2025 auf über 30 % ansteigen wird.
Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass in einzelnen Sortimenten bereits erste Sätti-
gungstendenzen festzustellen sind. Blickt man z.B. auf das Segment Bekleidung, zeigt
sich für die jüngere Vergangenheit, dass die jährlichen Zuwachsraten auf +2 % - bis
+5 %-Punkte abgesunken sind. Auch bei Büchern/Schreibwaren konnten z.B. zuletzt
überhaupt keine nennenswerten Zuwächse mehr festgestellt werden. Insofern sind bei
einigen onlineaffinen Segmenten die Grenzen des Wachstums allmählich erreicht. Der
stationäre Handel wird somit auch künftig eine bedeutende Rolle einnehmen. Die Ver-
knüpfung der Kanäle8 trägt zudem zur Stabilisierung des stationären Handels bei. Sor-
timente, die eine komplexe Logistik (z.B. gekühlte Lebensmittel) aufweisen, waren
7 Vgl. ECOMMERCE: WACHSTUM OHNE GRENZEN? - Online-Anteile der Sortimente – heute und morgen - White Paper, Juli 2015.
8 D.h., dass bisher rein stationär aktive Einzelhändler (z.B. mit einem Laden in der Innenstadt) neue Vertriebswege erschließen und z.B.
durch die Einrichtung eines eigenen Online-Shops den Online-Handel stärker in den Verkaufsprozess einbinden. Hiermit können
potenzielle Kunden über verschiedene Kommunikations - und Vertriebskanäle erreicht und zum Kauf angeregt werden. Mit einer Ver-
knüpfung von Offline- und Online-Aktivitäten können sich Einzelhändler breiter aufstellen und die Vorteile des stationären Handels
mit den Vorteilen des interaktiven Handels verknüpfen.
www.dr-lademann-partner.deDr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Umsatzanteile online vs. stationär in verschiedenen Branchen in 2019
Der Online-Handel wirkt sich vor allem auf das Nonfood-Segment aus und betrifft dabei
insbesondere innenstadttypische Sortimente wie Bekleidung/Schuhe. Der Lebensmitteleinzelhandel
wird aktuell hingegen nur geringfügig tangiert.
Quelle: Eigene Darstellung nach Handelsverband Deutschland: Online -Monitor 2019.
Ladeneinzelhandel Online-Handel
69% 72% 82% 74% 87% 94% 98%
31%
28%
18%
26%
13%
6%
2%
CE/Elektro Fashion &
Accessoires
Schmuck &
Uhren
Freizeit & Hobby Einrichten und
Wohnen
Heimwerken &
Garten
FMCG
(Lebensmittel)
Fortschreibung des Einzelhandels- und Zentrenkonzepts für Darmstadt
13 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
bislang weniger durch den Online -Handel tangiert. Hier liegen noch wesentliche
Wachstumspotenziale, wenngleich davon auszugehen ist, dass der Lebensmittelein-
zelhandel auch zukünftig primär stationär abgewickelt werden wird.
Bei der Prognose von Umsatzanteilen der Kanäle „stationär“ bzw. „interaktiv“ muss da-
rauf hingewiesen werden, dass eine exakte Trennung von Kanälen nicht mehr möglich
ist. Für den örtlichen Einzelhandel müssen diese Abflüsse in den nicht -stationären
Handel nicht zwangsläufig mit einem Umsatzrückgang gleichzusetzen sein. Durch Mul-
tichannel-Strategien (wie click-and-collect) verschwimmen vielmehr zunehmend die
Grenzen zwischen stationär und online (sog. Seamless Shopping). Faktisch muss auch
auf die Innovationskraft des stationären Handels hingewiesen werden, der sowohl in
den zurückliegenden Jahren stets Konzept - oder Sortimentsanpassungen vornahm
und auch heute erfolgreich mit neuen Konzepten und Omnichannel-Lösungen auf den
intensivierten Wettbewerb reagiert. Zugleich besteht die Möglichkeit für stationäre
Händler, Waren zusätzlich über Online- Marktplätze wie eBay und Amazon abzusetzen.
2.5 Entwicklungen im kurzfristigen Bedarfsbereich
Durch die flächendeckende Einführung der Selbstbedienung haben sich die ursprüng-
lichen Funktionen des Einzelhandels als Verteiler von Waren stark gewandelt. Es ist ein
Netz der Filialisierung und Massendistribution mit ganz unterschiedlichen Betriebs-
formen entstanden. Die Betriebsformen unterscheiden sich in Sortiment, Preisgestal-
tung, Verkaufsform und Größe. Im Lebensmittelsegment gibt es folgende
Betriebsformen:
◼ Lebensmittelgeschäft (bis zu 400 qm Verkaufsfläche)
◼ Supermarkt (400 bis 799 qm Verkaufsfläche)
◼ Kleiner Verbrauchermarkt (800 bis 1.499 qm Verkaufsfläche)
◼ Großer Verbrauchermarkt (1.500 bis 4.999 qm Verkaufsfläche)
◼ SB-Warenhaus (ab 5.000 qm) sowie
◼ Lebensmitteldiscounter9 (heute zumeist bis 1.200 qm Verkaufsfläche und mehr)
Zusätzlich zur Angebotsform wird nach Sortimenten und Branchen differenziert. Das
Gesamtsortiment Nahversorgung beinhaltet folgende Sortimentsgruppen mit den
entsprechenden Inhalten:
◼ Nahrungs- und Genussmittel mit Bäckern, Fleischern, Getränke handel, Tabakwa-
ren, Kioskanbietern, Reformhäusern sowie dem gesamten Lebensmittelhandel;
◼ Gesundheits- und Körperpflege mit Drogeriewaren, Wasch- und Putzmitteln sowie
Zeitungen/Zeitschriften und
◼ Tiernahrung als gängiges Randsortiment von Lebensmittel- und Drogeriemärkten.
9 Discounter unterscheiden sich von den übrigen Lebensmittelbetrieben v.a. durch ihre aggressive Preisstruktur und die auf eine be-
schränkte Artikelzahl fokussierte Sortimentspolitik.
14 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Ein wesentlicher Faktor in der Nahversorgungsentwicklung ist durch die betriebswirt-
schaftlich bedingten Maßstabssprünge der durchschnittlichen Betriebsgrößen und
einer damit verbundenen abnehmenden Anzahl von Betrieben und Standorten be-
dingt. So liegt die mindestoptimale Verkaufsfläche für Vollversorger aktuell bei rd.
1.500 qm, bei Discountern häufig bei etwa 1.000 qm und mehr. Die Folge ist eine, wenn
zuletzt auch gedämpfte, Flächenexpansion im Lebensmitteleinzelhandel. Die Versor-
gungsfunktion einer ursprünglich großen Anzahl kleinerer Betriebseinheiten wird von
immer weniger, dafür aber größeren Betrieben übernommen. Die angestrebten und
auch betriebswirtschaftlich notwendigen Einzugsgebiete dieser Betriebe werden grö-
ßer, was neben dem Wettbewerbsdruck unter den Betreiberfirmen auch zu einer deut-
lichen Präferenz von PKW -orientierten Standorten an wichtigen Verkehrsachsen
geführt hat.
Größere Lebensmittelanbieter spielen allerdings auch eine wichtige Rolle für Innen-
städte sowie für Stadtteil- und Wohngebietszentren durch ihre Funktion als Magnet-
betriebe und Frequenzbringer . Vor diesem Hintergrund ist eine Integration dieser
Betriebe in gewachsene, integrierte Standorte nach Möglichkeit zu fördern.
Die Erosion integrierter Nahversorgungslag en wird jedoch keineswegs nur durch den
Angebotsausbau an peripheren Standorten und der damit verbundenen Verschiebung
der Nachfrageströme zu Lasten bestehender, wohngebietsintegrierter Nahversor-
gungsbereiche ausgelöst oder verstärkt. Hierbei spielen zuneh mende Aktivitätskopp-
lungen der Verbraucher zwischen dem Einkauf von Sortimenten des kurzfristigen
Bedarfsbereichs und dem Arbeitsweg eine immer größere Rolle. So werden vor allem
Lebensmittel und Drogeriewaren verstärkt an verkehrsgünstig und unmittelbar a uf
dem Arbeitsweg gelegenen Standorten nachgefragt. Daraus ergibt sich die Gefahr,
dass die eigentlich am Wohnort verfügbare Kaufkraft zunehmend bereits am Arbeits-
standort abgeschöpft wird. Hieraus wiederum resultieren Umsatzrückgänge bei wohn-
gebietsintegrierten Nahversorgungsbetrieben. Dies betrifft vor allem Gemeinden, die,
beispielsweise aufgrund der Nähe zu einem attraktiven Oberzentrum, über stark nega-
tive Pendlersalden verfügen. Dies wird noch durch Suburbanisierungsprozesse for-
ciert, die teils zu ein er Präferenzverschiebung 10 der Wohnbevölkerung führen, was
wiederum Auswirkungen auf die Nahversorgungsstrukturen im Raum hat.
Wie eigene empirische Untersuchungen von Dr. Lademann & Partner gezeigt haben,
präferieren die Kunden für ihre Nahversorgung eine n Standortverbund von einem
leistungsfähigen, aber nicht zu großen Vollversorger und einem Discounter.
Nicht unerheblich trägt darüber hinaus auch das unternehmerische Potenzial (z.B. in
Form von Erweiterungsbestrebungen) zur Attraktivitätssteigerung und S tabilität von
Nahversorgungsstandorten und -bereichen bei, was stark auch mit der Dynamik min-
destoptimaler Ladengrößen mit Blick auf eine Sicherung des Auskommens der Be-
treiber zusammenhängt. Die Problematik mindestoptimaler Betriebsgrößen wird
wiederum du rch die ausufernde Sortimentsentwicklung infolge der von den
10 Durch die soziodemografischen Veränderungen verschieben sich die Ansprüche der Verbraucher an die Nahversorgung.
15 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Herstellern betriebenen Produktdifferenzierung forciert, die seit Jahrzehnten zu ei-
ner Zunahme der durchschnittlichen Betriebsgrößen geführt hat.
Hinzu kommt, dass die Flächenbedarfe durch die g estiegenen Kundenerwartun-
gen an Bequemlichkeit und Warenpräsentation angewachsen sind sowie verän-
derte Flächenansprüche durch Pfandsysteme und Bake -off-Stationen ausgelöst
werden. Im Bereich des Lebensmitteleinzelhandels wird heutzutage mehr Platz für die
Bereiche Halbfertig- und Fertigprodukte (Convenience Food) benötigt. Bei Getränke-
abholmärkten und breit aufgestellten Verbrauchermärkten (i.d.R. > 10.000 Artikel) ist
zudem der Trend zur Sortimentskomplexität hinsichtlich Sortiment und Gebinde- bzw.
Portionsgrößen als Antwort auf die Diversifizierung der Nachfrage zu sehen.
Auf die veränderten Marktbedingungen und den verschärften Strukturwandel reagiert
der Lebensmitteleinzelhandel insbesondere mit einer Ausdifferenzierung des Ange-
bots hinsichtlich seiner Frischekompetenz durch mehr Vielfalt und Inszenierung der
Obst-Gemüse-Abteilung und Fleisch-/Käse-/Fischabteilung bzw. in Bezug auf Geträn-
keabholmärkte durch ein gegenüber den klassischen Lebensmittelmärkten deutlich
umfassenderes Angebot, das auf die indi viduellen Bedürfnisse zugeschnitten ist. 11 All
diese Maßnahmen haben zum Ziel, den Kunden Aufenthaltsqualität zu bieten und die
Aufenthaltsdauer und den Bezug zum Markt mit einem zugleich breiten und tiefen An-
gebot zu verbessern.
Zusammenfassend lassen sich folgende Tendenzen im Lebensmitteleinzelhandel in
Deutschland festmachen:
11 Dabei reicht es i.d.R. nicht aus „nur“ ein bestimmtes Produkt vorzuhalten. Dies zeigt sich z.B. im Bereich der Getränkeabholm ärkte: In
Abhängigkeit der Verkaufsflächengröße d es Getränkemarkts werden gleiche Produkte in unterschiedlichen Gebinde - und Verpa-
ckungsgrößen angeboten (d.h. Mehrweg Glas, Mehrweg Plastik, Einweg Plastik, Einweg Dose, u.a. - in den Größen 0,2 l, 0,33 l, 0,5 l, 1,0
l und 1,5 l). Hinzu kommt die allgemein e Produktdifferenzierung und Sortimentskomplexität, die sich z.B. im Bereich der Produktpa-
lette des Craft-Biers gut nachvollziehen lässt.
16 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Abbildung 5: Wesentliche Standorttrends des Lebensmitteleinzelhandels
Die Standortanforderungen der einzelnen Betriebstypen des Lebensmitteleinzel-
handels zeigen dabei in der Regel folgendes Bild:
Tabelle 1: Standortanforderungen der Betriebstypen des Lebensmitteleinzelhandels
www.dr-lademann-partner.deDr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Wesentliche Standorttrends des Lebensmitteleinzelhandels (LEH)
Demografischer Wandel
rückt wohnortnahe Standorte
in den Fokus
Der private PKW spielt für
den Einkauf von Lebensmitteln
nach wie vor eine Rolle
Erwartungshaltung der
Verbraucher an Einkaufskomfort
steigt
Wachsendes Bewusstsein
für Regionalität, Bioprodukte,
Fair Trade etc.
Online-Shopping
auf dem Vormarsch
Nachfrage nach
siedlungsnahen Lagen nimmt
zu / One-Stop-Shopping
Aber: Keine
Renaissance der
Kleinfläche per se /
Agglomerationen sind
gefragt
LEH reagiert z.B. mit eigenen
Online-Shops
Online-Anteil im LEH
bleibt überschaubar;
stationär weiterhin im
Fokus
Discounter listen mehr
Produkte ein / resp.
Vollsortimenter möchten sich
vom Discount absetzten
Flächenbedarf je Filiale
steigt /
Standortbereinigungen
Ansprüche an Architektur,
Innenraumgestaltung und
Warenpräsentation steigen
Flächenbedarf je Filiale
steigt /
Standortbereinigungen
Anbindung an
Hauptverkehrswege und große
Stellplatzflächen notwendig
Dezentrale Standorte
außerhalb der
Kernstädte
Fortschreibung des Einzelhandels- und Zentrenkonzepts für Darmstadt
Standortanforderungen der Betriebstypen des Lebensmitteleinzelhandels
Merkmale
Betriebstyp Supermarkt/Verbrauchermarkt Discounter großer Verbrauchermarkt
/SB-Warenhaus
Beispiele Edeka, Rewe Aldi, Lidl, Netto, Penny E-Center,Rewe-Center, Kaufland,
real, Marktkauf
Verkaufsfläche (ca., inkl. aperiod.
Randsortimente) 1.000 bis 2.500 qm 800 bis 1.500 qm ab 2.300 qm
Foodanteil 80 bis 85 % 75 bis 80 % 60 bis 70 %
Einzugsgebiet ab 5.000 EW ab 3.000 EW ab 10.000 EW
Sortimentstiefe Food 8.000 bis 15.000 1.000 bis 4.000 8.000 bis 20.000
Grundstücksgröße ab 5.000 qm ab 4.000 qm ab 6.000 qm
Parkplätze ab 80 ab 60 ab 150
Kompetenz
typischer Nahversorger mit
Vollsortiment, großes
Frischeangebot; Markenartikel mit
steigendem Handelsmarkenanteil
autoorientiert; preisaggressiv;
hoher Eigenmarkenanteil,
zusätzlich Markenartikel,
postitioniert sich verstärkt als
Nahversorger
autoorientiert; Vollsortiment;
großzügige Warenpräsentation;
hohe Frischekompetenz
Quelle: u.a. Expansionsbroschüren der Edeka, Rewe Group, Aldi Nord, Aldi Süd, Lidl, Netto´Marken-Discount, Kaufland
Betriebstypen
17 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
2.6 Fazit
Der voranschreite nde demografische Wandel und ökonomische Megatrends be-
schleunigen den Anpassungsdruck der Unternehmen. Aufgrund der demografischen
sowie soziografischen Entwicklung sinkt und verschiebt sich die Einzelhandelsnach-
frage, was zu einer erhöhten Betriebsformendynamik führt. Somit ist der Handel bran-
chenübergreifend gezwungen, die Betriebsform, die Verkaufsfläche, das Sortiment
und den Standort an dieses neue Umfeld anzupassen.
Für die zukünftige Entwicklung lassen sich folgende zentrale Befunde ableiten:
◼ Schrumpfung und Überalterung : Sinkende Einwohnerzahlen verringern das
Marktpotenzial und Altersstrukturverschiebungen erhöhen den Anpassungsdruck
für Handelsbetriebe. Diese Entwicklung verläuft bundesweit stark heterogen. Ein-
zelne Gebiete werden auch langfristig von einem Bevölkerungszuwachs profitieren
können (vorwiegend die Metropolen und die südwestlichen Regionen, insb. zwi-
schen Frankfurt und Stuttgart). Zusätzlich ist die heterogene Entwicklung innerhalb
der Orte zu beachten (alternde Stadtteile).
◼ Präferenzverschiebung bei Verbrauchern : Die Altersverschiebung gepaart mit
dem neu aufkommenden Image der ‚jungen Alten’ bringt Veränderungen der Kon-
sumpräferenzen mit sich. Zukünftig entscheidet v.a. im Lebensmitteleinzelhandel
nicht die Größe, sondern die Nähe zum Verbraucher.
◼ Verschärfter Strukturwandel: Der Konzentrationsprozess im großflächigen Ein-
zelhandel wird sich weiter beschleunigen (Verringerung der Anzahl an führenden
Unternehmen in den einzelnen Branchen), während auch die Dynamik der Be-
triebstypen weiter zunehmen wird (Ausdifferenzierung in Richtung Service oder
Preis). Zu den Gewinnern der letzten Jahre zählten v.a. Discounter und Fachmärkte,
wobei diese Marktanteilsverschiebung größtenteils zu Lasten des kleinflächigen
Einzelhandels ging. Die starke Flächenexpansion der letzten Jahre führte zu einem
Absinken der Flächenproduktivitäten. Die Verkaufsflächen pro Filiale im Lebens-
mitteleinzelhandel konvergieren: Diffusion der Betriebstypen SB-Warenhaus (klei-
ner) und große Verbrauchermärkte (größer) sowie Maß stabsvergrößerung und
allmähliche Sortimentsverbreiterung bei Discountern. Befeuert wird der Struktur-
wandel zudem durch den Vormarsch des Online -Handels, der die Entwicklung bei
Anbietern mit Sortimenten des mittelfristigen Bedarfs vorantreibt und zu Umsatz-
verlagerungen zulasten der Innenstädte führt. Hierbei ist darauf zu verweisen, dass
die Digital Natives noch in das konsumfähige Alter reinwachsen, was in den nächs-
ten Jahren die Einkaufsvorbereitung im Internet weiter treibt.
Langfristig ist demnach ein Rückgang des Käuferpotenzials, eine Abnahme der Alters-
gruppen mit hoher Einkaufsbereitschaft (im stationären Handel), jedoch eine Zu-
nahme der Altersgruppen mit erhöhtem Service - und Dienstleistungsbedarf zu
erwarten. Da sich diese Entwicklungen jedoch bund esweit sehr heterogen vollziehen,
18 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
ist die regionale Analyse des langfristigen Potenzials eines Standorts unabdingbar. Es
ist daher von einer Entwertung bzw. Aufwertung einzelner Standorte auszugehen.
Über Erfolg oder Misserfolg entscheiden der Weitblick un d die Branchenkompetenz
der Stadtplaner und Einzelhändler, welche für die Abschätzung langfristiger Potenziale
bestehender bzw. zukünftiger Standorte verantwortlich sind. Hierbei kommt es im Be-
sonderen auf spezifisches Know-how und detaillierte Marktkenntnis an.
Aus diesen Entwicklungstendenzen leiten sich veränderte Rahmenbedingungen für
den Einzelhandel ab:
◼ Anpassungsdruck steigt;
◼ Betriebsformendynamik steigt;
◼ Verdrängungswettbewerb und
◼ Strukturwandel intensivieren sich;
◼ Flächenwachstum setzt sich fort, j edoch gebremst und mit absehbarer Stagna-
tion.
Daraus ergeben sich folgende Handlungsmöglichkeiten für den Einzelhandel:
◼ gute Standorte (in Bezug auf Kaufkraft, Einzugsgebiet, Grundstück, Verkehrsan-
bindung, etc.) finden, welche auch langfristig erfolgreich erscheinen (vor allem in
Bezug auf die Binnenmigration);
◼ Ausdifferenzierung des Angebots in Richtung Service -, Erlebnis -, Luxus - oder
Discountorientierung;
◼ Entwicklung neuer Handelsformate und Vertriebskanäle als Reaktion auf die
veränderten Marktbedingungen;
◼ Integration der digitalen Medien in das stationäre Geschäft zur breiteren Kun-
denansprache, zur verbesserten Auffindbarkeit und zur „digitalen Vergrößerung“
des Ladenlokals;
◼ permanente Verbraucherforschung , um langfristige Unternehmenserfolge si-
cherzustellen.
19 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
2.7 Exkurs: Corona-Pandemie
Durch die Corona-Pandemie und dessen ökonomische und soziale Folgeeffekte hat
sich die gesamtwirtschaftliche Situation in Deutschland und damit auch die Situation
für den Einzelhandel verändert. Die angeordneten Geschäftsschließungen und die auf
Teilflächen begrenzten Verkäufe im Zuge des ersten „Shutdowns“ in der ersten Hälfte
des Jahres 2020 haben den stationären Nonfood-Einzelhandel unmittelbar betroffen.
Die von den angeordneten Geschäftsschließungen betroffenen Händler mussten wäh-
rend der Schließungszeit nahezu einen kompletten Umsatzausfall verkraften, der
durch eilig eingerichtete Lieferservices oder interaktive Vertriebskanäle nicht annä-
hernd ausgeglichen werden konnte.
Auch nach der Wiedereröffnung der Läden erholt sich der Umsatz nur langsam, was
auch in den geringen Passantenfrequenzen in den ersten Wochen nach der Wiederer-
öffnung abzulesen war, die deutlich unter dem Vorjahresniveau lagen. 12 Ursächlich
hierfür ist die massiv eingebrochene Konsumlaune der Verbraucher, die zum einen
durch Arbeitsplatz- und Einkommensverluste negativ beeinflusst wird und zum ande-
ren durch die Einschränkungen des Einkaufskomforts in Folge von Maskenpflicht, Ab-
standsregelungen und Zugangsbeschränkungen. Hinzukommt, dass insbesondere die
Risikogruppen aus Angst vor einer Infektion den stationären Einkauf meiden.
Wie die folgenden Abbildungen zeigen, konnte der Online-Handel durch die Folgen der
Corona-Pandemie einen zusätzlichen Wachstumsschub im ersten Halbjahr 2020 er-
fahren. Nach Zahlen des bevh (Bundesverband E -Commerce und Vers andhandel) ist
der Online-Handel im ersten Quartal 2020 über alle Sortimente betrachtet aufgrund
der allgemeinen Kaufzurückhaltung während des „Shutdowns“ weitgehend stagniert
(+1,5 % ggü. Vorjahreszeitraum). In den Segmenten Bekleidung/Schuhe, Elektro/Tech-
nik und Hobby/Freizeit gab es z.B. spürbare Umsatzrückgänge im Online -Handel. Be-
zogen auf das gesamte erste Halbjahr 2020 betrug das Wachstum gegenüber
Vorjahreszeitraum aber bereits wieder 9,2 %. Im zweiten Quartal 2020 betrug das
Wachstum gegenüber Vorjahr schon wieder 16,5 % - im Periodischen Bedarf waren es
sogar +51 %, wodurch die Rückgänge im 1. Quartal mehr als kompensiert werden konn-
ten.
12 Laut Echtzeit-Daten von Hystreet.com lagen die Passantenfrequenzen in den Innenstadtlagen im Durchschnitt während de s Lock-
downs (KW 15 + 16) bei 19 % des Vorjahresniveaus. In der KW 17 (erste EH -Öffnungen) stiegen die Werte auf 37 %. In der KW 18
(bundesweite EH-Öffnungen) wurden 42 % erreicht und in der KW 19 im Schnitt 56 % In der KW 24 konnte immerhin schon wieder
82 % des Vorjahresniveaus erreicht werden.
20 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Abbildung 6: Entwicklung des Online Handels nach Branchen 1. Quartal 2019 bis 2. Quartal 2020 I
Abbildung 7: Entwicklung des Online Handels nach Branchen 1. Quartal 2019 bis 2. Quartal 2020 II
www.dr-lademann-partner.deDr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Nach einem Einbruch im 1. Quartal 2020 ist der Online-Handel bei
Elektro/Technik und Bekleidung/Schuhe wieder auf starkem
Wachstumskurs.
Quelle: bevh
Entwicklung der Online-Umsätze in Mio. €
3.132
3.206
3.046
3.697
2.806
3.359
2.825
3.571
2.500
2.700
2.900
3.100
3.300
3.500
3.700
3.900
1. Quartal 2019 2. Quartal 2019 1. Quartal 2020 2. Quartal 2020
Bekleidung/Schuhe Elektro/Telekommunikation
Fortschreibung des Einzelhandels- und Zentrenkonzepts für Darmstadt
www.dr-lademann-partner.deDr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Das 2. Quartal 2020 ist in allen Segmentn durch ein deutliches
Wachstum der Online-Umsätze gekennzeichnet.
Quelle: bevh
Entwicklung der Online-Umsätze in Mio. €
271
165
252 189
665
745
648
901944 917 942
9781.060 1.066 1.105
1.339
1.482 1.495 1.518
1.701
451
720
468
862695
902 845
1487
0
250
500
750
1.000
1.250
1.500
1.750
1. Quartal 2019 2. Quartal 2019 1. Quartal 2020 2. Quartal 2020
Uhren & Schmuck Hobby und Freizeit Bücher
Haushaltswaren- und geräte Möbel, Einrichtung DIY und Blumen
Lebensmittel/Drogeriewaren
Fortschreibung des Einzelhandels- und Zentrenkonzepts für Darmstadt
21 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Da laut einer Konsumentenbefragung des bevh mehr als die Hälfte der Befragten an-
gab, unter dem Einfluss von Corona künftig mehr online einkaufen zu wollen, kann die
Corona-Pandemie durchaus auch als Beschleuniger des Online -Wachstums angese-
hen werden. Viele Verbraucher, die während des „Shutdowns“ zwangsläufig und erst-
mals online einkauften, orientieren sich auch dauerhaft auf den Online-Handel um. Wie
sich die Situation nach Wegfall von Maskenpflicht, Abstandsregelungen etc. verhält,
kann derzeit aber noch nicht abschließend bewertet werden.
Mit dem „Lockdown“ Ende des Jahres 2020 hat sich die Lage für die Einzelhandel s-
und Gastronomiebetriebe noch einmal verschärft (Ende des Lockdowns bei Erstellung
des Berichts noch nicht absehbar). Daher muss für den stationären Nonfood -Ein-
zelhandel auch weiterhin von einer sehr angespannten Situation ausgegangen
werden, die sich bereits in zahlreichen Unternehmensinsolvenzen bemerkbar ge-
macht hat und langanhaltende Umsatzrückgänge mit sich bringen wird. Auch für
die nächsten Monate muss damit gerechnet werden, dass weitere Anbieter aus dem
Markt ausscheiden werden. Dies werden aber vor allem solche Unternehmen sein, die
schon vor der Coronakrise erhebliche strukturelle Probleme hatten und für dessen Nie-
dergang die Coronakrise lediglich als Katalysator für eine Marktbereinigung wirkte. Es
ist somit (zumindest kurzfristig) mit massiv einschneidenden Veränderungen zu
rechnen, denen durch vorausschauendes Handeln zu begegnen ist, wodurch die
Erstellung eines Innenstadtkonzept s (Maßnahmenkonzept) für die Stadt Darm-
stadt als erster wichtiger Schritt gewertet werden kann.
Für den Prognosehorizont 2025 kann allerdings derzeit von einer gewissen Erho-
lung der Einzelhandelsumsätze ausgegangen werden. Mit der Entwicklung eines
Impfstoffs und der Ende 2020 gestarteten Impf kampagne ist ein erster wichtiger Er-
folg gegen die Pandemie zu verzeichnen. Zum anderen lassen die Prognosen von Wirt-
schaftsinstituten u.ä. erwarten, dass auch die ökonomischen Folgewirkungen mit
entsprechenden Effekten auf Arbeitsplätze und Einkommen bis Mitte der 20er -Jahre
ausgeglichen sein sollten und sich damit auch das Marktumfeld für den Einzelhandel
wieder verbessern wird.13
13 BulwienGesa gehen in einer Studie aus April 2020 davon aus, dass im Modischen Bedarf (je nach Szenario) bereits zum Ende des
Jahres 2021 wieder zwischen 89 und 95 % des Umsatzniveaus von 2019 im stationären Einze lhandel erreicht wird. Bei Technik wird
sogar von einem Umsatzniveau zwischen 92 und 98 % bis Ende 2021 ausgegangen und im Periodischen Bedarf wird das Umsatzni-
veau gegenüber 2019 laut den Prognosen von bulwiengesa stabil bleiben. (Quelle: bulwiengesa AG: Auswirkungen des Shutdown auf
die Einzelhandelsmieten; April 2020).
22 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Die Einzelhandelsentwicklung in Deutschland in den letzten Jahren ist
durch steigende Umsätze bei gleichzeitig stagnierenden
Verkaufsflächen geprägt gewesen. Besonders dynamisch hat sich der
Online-Handel entwickelt, der in bestimmten Branchen bereits
Marktanteile von um die 30 % erreicht. Aber auch der stationäre
Einzelhandel konnte an Umsatz zulegen, wenngleich davon infolge von
Marktanteilsverschiebungen in Richtung fachmarkt- und
discountorientierter Betriebsformate sowie eines
Bedeutungszuwachses von Lebensmittelanbietern und
Drogeriemärkten nicht alle Marktteilnehmer profitieren konnten.
Ausgelöst durch die Corona-Pandemie hat aktuell jedoch vor allem der
stationäre Nonfood-Handel nie dagewesene Umsatzeinbrüche zu
beklagen. Jüngste Zahlen zur Entwicklung des Online-Handels zeigen,
dass die Folgen der Corona-Pandemie als „Wachstumsbeschleuniger“
für den Online-Handel einzuordnen sind. Es kann aber dennoch davon
ausgegangen werden, dass sich die Situation im stationären Nonfood-
Einzelhandel bis zum Prognosehorizont 2025 weitgehend erholt
haben wird.
23 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
3 Rahmenbedingungen für die Einzel-
handelsentwicklung in der Wissen-
schaftsstadt Darmstadt
3.1 Lage im Raum und zentralörtliche Funktion
Die kreisfreie Großstadt Darmstadt ist Teil der Metropolregion Rhein -Main und be-
findet sich im Süden des Bundeslands Hessens. Als Oberzentrum stellt die Stadt gleich-
zeitig auch den Verwaltungssitz des Regierungsbezirks Darmstadt sowie des
Landkreises Darmstadt-Dieburg.
Abbildung 8: Lage im Raum
24 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Die Landesplanung stuft die Stadt Darmstadt als Oberzentrum ein. Diese sind laut LEP
Hessen 2020 (5.2.1-1 (Z)) „als Standorte hochwertiger spezialisierter Einrichtungen im
wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und wiss enschaftlichen Bereich mit landeswei-
ter, nationaler und internationaler Bedeutung zu sichern und zu entwickeln. Mit ihren
Agglomerationsvorteilen sollen sie die Entwicklung ihrer Verflechtungsbereiche nach-
haltig positiv beeinflussen. Sie sind als Verknüpfu ngspunkte großräumiger und regio-
naler Verkehrssysteme weiter auszubauen.“
Die Lage der Stadt Darmstadt in der Metropolregion verdeutlicht zum einen die Lage
innerhalb eines globalen Wirtschaftsraums sowie zum anderen die Nähe zu weiteren
starken Wirtschaf ts- und Einzelhandelsstandorten im Raum. Die nächstgelegenen
Oberzentren sind
◼ in Richtung Norden Frankfurt am Main (in rd. 34 km Entfernung) und Offenbach (in
rd. 32 km Entfernung),
◼ in Richtung Westen Mainz (in rd. 44 km Entfernung),
◼ in Richtung Süden Mannheim und Heidelberg in Baden-Württemberg (in rd. 52 km
Entfernung),
◼ in Richtung Osten die Stadt Aschaffenburg im Freistaat Bayern (in rd. 45 km Entfer-
nung).
Darüber hinaus grenzen mit Pfungstadt, Griesheim und Weiterstadt drei Mittelzentren
an die Stadt Darmstadt an. Die weiteren angrenzenden Kommunen sind als Unterzen-
tren (Erzhausen, Egelsbach, Messel, Roßdorf, Ober-Ramstadt, Mühltal) von Seiten der
Regionalplanung klassifiziert.
Das Stadtgebiet von Darmstadt ist in neun Stadtteile gegliedert, welche sich auf die
statistischen Bezirke Innenstadt und Außenbezirke aufteilen lassen:
◼ Zur Innenstad t gehören die Stadtteile Darmstadt-Mitte, Darmstadt -Nord, Darm-
stadt-Ost, Bessungen und Darmstadt-Süd.
◼ Zu den Außenbezirken zählen die Stadtteile Arheilgen, Eberstadt, Wixhausen, Kra-
nichstein.
Die Siedlungsstruktur der Stadt Darmstadt ist dabei vor allem durch eine starke Aus-
richtung auf die Kernstadt gekennzeichnet. Die Stadtteile in den Außen bezirken wei-
sen aufgrund ihrer vormaligen historischen Eigenständigkeit kleinere örtliche Zentren
auf. Zuletzt wurde der Stadtteil Wixhausen 1977 eingemeindet.
Die verkehrliche Anbindung der Stadt Darmstadt kann insgesamt als sehr gut bewer-
tet werden. Durch das westliche Stadtgebiet führen die Bundesautobahnen BAB 5
(Karlsruhe–Frankfurt) und BAB 67 (Mannheim –Rüsselsheim). Beide treffen sich am
Darmstädter Kreuz und binden die Stadt an das überregionale Straßennetz an. Darüber
hinaus führen die Bundesstraßen B 3 (Heidelberg–Frankfurt), B 26 (Wolfskehlen−Bam-
berg), B 42 (Bonn−Darmstadt), B 426 (Obernburg−Gernsheim) und B 449 (Darm-
stadt−Mühltal) durch das Darmstädter Stadtgebiet.
25 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
An das schienengebundene Verkehrsnetz ist die Stadt über den Darmstädter Haupt-
bahnhof angebunden, welcher an der Strecke der Main -Neckar-Eisenbahn liegt und
Endpunkt der Odenwaldbahn ist. Zudem tangiert die Rhein-Main-Bahn den Darmstäd-
ter Hauptbahnhof. Regionalverbindungen bestehen somit nach Frankfurt am Main,
Wiesbaden, Aschaffenburg, Mannheim, Heidelberg sowie nach Erbach und Eberbach.
Regelmäßige IC E und IC -Direktverbindungen bestehen in Richtung Karlsruhe/Kon-
stanz, Stuttgart/München/Salzburg sowie in Richtung Norden nach Hamburg, über
Kassel, Göttingen und Hannover. Darüber hinaus besteht im öffentlichen Personenver-
kehr ein gutes Bus - und S -Bahnnetz innerhalb des Stadtgebiets (Rhein-Main-Ver-
kehrsverbund), welches die Anbindung in die umliegenden Städte und Gemeinden
sicherstellt.
3.2 Sozioökonomische Rahmenbedingungen
Die Bevölkerungsentwicklung in Darmstadt verlief seit 2015 mit einem Zuwachs von
rd. 1,2 % p.a. deutlich dynamisch und folgt damit dem positiven Trend der umliegenden
Städte und Gemeinden. Ebenso positiv zeigt sich die Entwicklung im gesamten Regie-
rungsbezirk Darmstadt (+ 0,9 % p.a.) und im Land Hessen (+ 0,7 % p.a.), wenn auch auf
einem abgeschwächten Niveau.
Insgesamt lebten in Darmstadt Anfang 2019
rd. 159.200 Einwohner.
Tabelle 2: Einwohnerentwicklung in der Wissenschaftsstadt Darmstadt im Vergleich
Für die Prognose der Bevölkerungsentwicklung in Darmstadt kann in Anlehnung an
die Prognose des Statistischen Landesamts Hessen 14 unter Berücksichtigung der
14 Vgl. Regionale Bevölkerungsvorausberechnung 2018 bis 2040 (Statistik Hessen 2020) . Die Fortschreibung der Prognose der Wis-
senschaftsstadt Darmstadt lag zum Zeitpunkt der Konzepterstellun g noch nicht vor. Aber auch diese wird ein deutlich positive Ein-
wohnerdynamik enthalten.
Veränderung
Stadt, Reg.Bez., Land 2015 2019 abs. in % p.a. in %
Darmstadt, Wissenschaftsstadt 151.879 159.207 7.328 4,8 1,2
Offenbach am Main 120.988 128.744 7.756 6,4 1,6
Rüsselsheim am Main 61.967 65.440 3.473 5,6 1,4
Pfungstadt 24.762 25.151 389 1,6 0,4
Griesheim 26.483 27.435 952 3,6 0,9
Weiterstadt 24.762 25.975 1.213 4,9 1,2
Dieburg 15.192 15.679 487 3,2 0,8
Reg.-Bez. Darmstadt 3.863.818 3.998.724 134.906 3,5 0,9
Hessen 6.093.888 6.265.809 171.921 2,8 0,7
Einwohnerentwicklung in der Stadt Darmstadt im Vergleich
Quelle: Hessisches Statistisches Landesamt (Stand jeweils 01.01.)
+/- 15/19
26 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
tatsächlichen Entwicklung in den letzten Jahren davon ausgegangen werden, dass die
Einwohnerzahlen in den nächsten Jahren weiter steigen werden.
Im Jahr 2025 ist in Darmstadt mit einer Bevölkerungszahl von
rd. 165.000 Einwohnern zu rechnen.
Auch in den umliegenden Städten und Gemeinden von Darmstadt liegt überwiegend
eine positive Einwohnerentwicklung vor.
Die Altersstruktur der Bevölkerung in Darmstadt ist mit einem Durchschnittsalter von
40,8 Jahren gegenüber dem Bundesland Hessen (43,8 Jahre) als deutlich jünger ein-
zustufen und weist im Vergleich mit den kreisfreien Städten und Landkreisen Hessens
die zweitjüngste Struktur auf (hinter Frankfurt am Main). Vor allem im Bereich des er-
werbsfähigen Alters zeigt sich der Trend in Darmstadt (rd. 69 % im Alter 15-65 Jahren)
deutlich ausgeprägter als im Vergleich zum Regierungsbezirk D armstadt (rd. 66 % im
Alter 15-65 Jahren) sowie zum Bundesland Hessen (rd. 66 % im Alter 15-65 Jahren).
Abbildung 9: Umsatzanteile von stationärem und interaktivem Handel nach Segmenten
Die zukünftigen Herausforderungen des demografischen Wandels wirken sich per-
spektivisch jedoch auch auf die Einzelhandelsentwicklung in Darmstadt aus, indem
wohnungsnahen Versorgungsstandorten für immobile Bevölkerungsgruppen ein be-
sonderer Stellenwert zuzuschreiben ist. Darüber hinaus sollte sich der Einzelhandel auf
ein zielgruppenspezifisches Angebot einstellen. Dies wird ebenfalls Verschiebungen im
Einkaufsverhalten induzieren (z.B. höhere Serviceaffinität).
www.dr-lademann-partner.deDr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Das Durchschnittsalter in Darmstadt ist mit 40,8 Jahren gegenüber dem Bundesland Hessen (43,8
Jahre) deutlich niedriger.
Altersstruktur der Bevölkerung in Darmstadt im Vergleich
Werte in Prozent, gerundet. Quelle: Statistisches Landesamt Hessen.
5,9 7,7
69,2
17,2
0-6 06-15 15-65 65+
2018 2018 2018
6,0 8,4
65,8
19,9
0-6 6-15 15-65 45-65
5,7 8,2
65,5
20,6
0-6 6-15 15-65 65+
Darmstadt Regierungsbezirk Darmstadt Hessen
Fortschreibung des Einzelhandels- und Zentrenkonzepts für Darmstadt
27 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Auf Stadtteilebene stellt sich die Einwohnere ntwicklung nach dem Amt für Wirt-
schaft- und Stadtentwicklung der Stadt Darmstadt wie folgt auf:
Tabelle 3: Einwohnerentwicklung in der Wissenschaftsstadt Darmstadt nach Stadtteilen
Die Beschäftigungssituation in der Stadt Darmst adt hat sich im Zeitraum seit 2015
bis 2019 positiv entwickelt. So sank die Arbeitslosenquote um -1,9 %-Punkte und ent-
wickelte sich damit etwas dynamischer als der hessische Durchschnitt (-1,4%-Punkte).
Im Jahr 2019 lag die Arbeitslosenquote mit 5,2 % leicht über dem Wert von Hessen (4,7
%) und leicht unterhalb des Werts des Bundesgebiets (5,4 %).
Tabelle 4: Entwicklung der Arbeitslosenquoten
Der Titel Wissenschaftsstadt wurde der Stadt Darmstadt im Jahr 1997 vom hessi-
schen Innenministerium aufgrund der Vielzahl von Universitäten, Hochschulen und
Forschungseinrichtungen verliehen. Insgesamt sind in den drei Hochschulen r d.
46.150 Studierenden angesiedelt. Die prominenteste darunter ist die 1877 gegründete
Technische Universität Darmstadt mit etwa 25.000 Studierenden. Darüber hinaus sind
auch eine Vielzahl von außeruniversitären Forschungseinrichtungen und Institute in
der Wissenschaftsstadt angesiedelt.
Einen wichtigen Anhaltspunkt für die Verflechtungsbeziehungen der Stadt Darmstadt
mit ihrem Umland (auch hinsichtlich der zu ermittelnden Einkaufsorientierungen) lie-
fert ein Blick auf die Aus- und Einpendlerströme. Die Stadt Darmstadt verfügt über
Veränderung
Stadtteile 2015 2019 abs. in % p.a. in %
Darmstadt-Mitte 19.545 21.055 1.510 7,7 1,9
Darmstadt-Nord 30.530 32.690 2.160 7,1 1,7
Darmstadt-Ost 14.269 14.873 604 4,2 1,0
Darmstadt-Bessungen 13.598 14.679 1.081 7,9 1,9
Darmstadt-West 17.747 18.565 818 4,6 1,1
Darmstadt-Arheilgen 17.238 17.988 750 4,4 1,1
Darmstadt-Eberstadt 23.153 23.692 539 2,3 0,6
Darmstadt-Wixhausen 6.089 6.278 189 3,1 0,8
Darmstadt-Kranichstein 11.833 12.023 190 1,6 0,4
Darmstadt Gesamt 154.002 161.843 7.841 5,1 1,2
Einwohnerentwicklung in den Stadtteilen der Stadt Darmstadt im Vergleich (inkl. Nebenwohnsitz)
+/- 15/19
Quelle: Stadt Darmstadt - Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung (Stand jeweils 01.01.)
+/- 15/19
Gebietseinheit 2015 2019 %-Punkte
Darmstadt, Wissenschaftsstadt 7,1 5,2 -1,9
Hessen 6,1 4,7 -1,4
Bundesgebiet (West/Ost) 7,1 5,4 -1,7
Entwicklung der Arbeitslosenquoten
Arbeitslosenquote in %*
Quelle: Wissenschaftsstadt Darmstadt. Datenreport 2019.
*ABLQ = Arbeitslosenquote bezogen auf abhängig zivile Erwerbspersonen.
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einen positiven Pendlersaldo von knapp 40.800 Personen. Dies unterstreicht die ober-
zentrale Versorgungsfunktion im regionalen Umfeld. Vor dem Hintergrund häufiger
Kopplungsbeziehungen zwischen Arbeits - und Versorgungsweg – insbesondere im
Segment des periodischen bzw. kurzfristigen Bedarfs – ergibt sich dadurch ein zusätz-
liches Potenzial für den Einzelhandel.
Tabelle 5: Ein- und Auspendler im Vergleich
Die Basis für das am Ort bzw. im Marktraum zur Verfügung stehende einzelhandelsbe-
zogene Nachfragepotenzial bildet neben der Einwohnerzahl die einzelhandelsrele-
vante Kaufkraftkennziffer15.
Abbildung 10: Kaufkraftkennziffern im Vergleich
Die einzelhandelsrelevante Kaufkraftkennziffer beträgt in Darmstadt 106,3 und liegt
damit deutlich über dem bundesdeutschen Durchschnitt (100). Auch das Land Hessen
15 Vgl. MB-Research 2019, Einzelhandelsrelevante Kaufkraftkennziffern.
Stadt, Kreis 2015 2018 2015 2018 2015 2018
Darmstadt, Wissenschaftsstadt 26.343 30.465 66.098 71.233 39.755 40.768
Frankfurt am Main 84.712 98.698 350.412 376.442 265.700 277.744
Offenbach am Main 32.661 38.077 32.039 32.810 -622 -5.267
Wiesbaden, Landeshauptstadt 45.103 49.578 71.447 76.215 26.344 26.637
Reg.-Bez. Darmstadt 182.343 207.779 323.943 363.351 141.600 155.572
Quelle: Bundesagentur für Arbeit: Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte 2015/18 (Stichtag: jeweils 30.06).
Ein- und Auspendler in der Stadt Darmstadt, Wissenschaftsstadt im Vergleich
Auspendler Einpendler Saldo
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102,7 106,3
92,4
98,7 98,7
106,2 103,2
107,6
Hessen Darmstadt Offenbach am
Main
Rüsselsheim am
Main
Pfungstadt Griesheim Weiterstadt Dieburg
Einzelhandelsrelevante Kaufkraftkennziffern im Vergleich
Die einzelhandelsrelevante Kaufkraftkennziffer beträgt in Darmstadt 106,3 und liegt damit deutlich
über dem bundesdeutschen Durchschnitt (100).
Quelle: MB-Research 2019
Oberzentrum Mittelzentrum
Fortschreibung des Einzelhandels- und Zentrenkonzepts für Darmstadt
29 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
insgesamt zeigt mit 102,7 eine überdurchschnittliche Kaufkraft, wenn auch unterhalb
des Darmstädter Niveaus.
Seit 2015 haben die Gästeankünfte in Darmstadt leicht um rd. + 0,9 % p.a. zugenom-
men und auch die Zahl der Übernachtungen hat sich mit +1,8 % p.a. positiv entwickelt.
Damit folgt die Stadt dem positiven T rend des Regierungsbezirks Darmstadt, der ein
noch dynamischeres Wachstum vorweist. Einzig die Entwicklung der Anzahl der verfüg-
baren Betten weist einen negativen Trend auf ( -1 %-Punkt p.a.). Es sei jedoch darauf
hingewiesen, dass vom Statistischen Landesa mt nur die Betriebe mit mehr als neun
Betten erfasst werden und auch die Zahl der Tagesgäste in der Statistik nicht enthalten
ist. Das tatsächliche Tourismusaufkommen ist demnach größer einzuschätzen, ins-
besondere vor dem Hintergrund, dass in Darmstadt auch der Tagestourismus eine
wichtige Rolle spielt.
Tabelle 6: Tourismusentwicklung im Vergleich
Veränderung
Stadt, Reg.-Bez., Land 2015 2018 abs. in % p.a. in %
Darmstadt, Wissenschaftsstadt 670.882 707.139 36.257 5,4 1,8
Frankfurt am Main 8.676.721 10.149.671 1.472.950 17,0 5,4
Offenbach am Main 384.035 535.342 151.307 39,4 11,7
Wiesbaden, Landeshauptstadt 1.199.516 1.251.424 51.908 4,3 1,4
Reg.-Bez. Darmstadt 20.593.507 22.715.425 2.121.918 10,3 3,3
Veränderung
Stadt, Reg.-Bez., Land 2015 2018 abs. in % p.a. in %
Darmstadt, Wissenschaftsstadt 344.044 353.372 9.328 2,7 0,9
Frankfurt am Main 5.104.961 5.934.778 829.817 16,3 5,1
Offenbach am Main 195.977 254.560 58.583 29,9 9,1
Wiesbaden, Landeshauptstadt 587.118 580.346 -6.772 -1,2 -0,4
Reg.-Bez. Darmstadt 10.059.573 11.094.719 1.035.146 10,3 3,3
Gästebetten
Veränderung
Stadt, Reg.-Bez., Land 2015 2018 abs. in % p.a. in %
Darmstadt, Wissenschaftsstadt 4.656 4.523 -133 -2,9 -1,0
Frankfurt am Main 44.989 56.092 11.103 24,7 7,6
Offenbach am Main 2.471 3.609 1.138 46,1 13,5
Wiesbaden, Landeshauptstadt 7.768 6.669 -1.099 -14,1 -5,0
Reg.-Bez. Darmstadt 135.455 137.657 2.202 1,6 0,5
Gästeankünfte
Quelle: Hessisches Statistisches Landesamt (Jahreszahlen, Beherbergungsbetriebe mit 10 ode rmehr Schlafgelegenheiten).
Tourismusentwicklung in der Stadt Darmstadt, Wissenschaftsstadt bis 2017
Übernachtungen
+/- 15/18
+/- 15/18
+/- 15/18
30 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Zusammenfassend lassen sich somit folgende Befunde zu den sozioökonomischen
Rahmenbedingungen festhalten:
Abbildung 11: Kaufkraftkennziffern im Vergleich
Darüber hinaus sei noch angemerkt, dass sich die Wissenschaftsstadt Darmstadt zum
Ziel gesetzt hat, mit der Strategie Digitalstadt Darmstadt ein nachhaltiges Programm
aufzusetzen, um den dig italen Wandel in der Stadt zu gestalten. Hierbei soll demons-
triert werden, wie eine Stadt unter Verwendung moderner Telekommunikationsinfra-
struktur und innovativer Lösungen in diversen Lebensbereichen in Zukunft aussehen
kann. Dabei sieht sich Darmstadt in der Rolle eines deutschland - und europaweiten
Vorreiters für digitale Städte. Durch die kommunale Digitale Agenda soll zudem ein
Standortvorteil geschaffen werden, der vorhandene Unternehmen in der Stadt hält
und zu Neuansiedlungen führt. Für den Bereich Handel und Tourismus sind dabei auf
Projekte wie Virtuelle 360 -Grad-Touren für Handel und Gastronomie, Bargeldloses -
Bezahlen und die Erarbeitung eines stadtweiten Multimediakonzepts zu verweisen.
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Rahmenbedingungen für die Einzelhandelsentwicklung in Darmstadt
Einwohnerentwicklung
positiv seit 2015 (ø + 1,2 % p.a.)
2019: rd. 159.200 Einwohner
2025: rd. 165.000 Einwohner
Erwerbstätigenstruktur
Sinkende Arbeitslosenquote in der Stadt
2019: 5,2 % Arbeitslosenquote in Darmstadt
(Hessen 4,7%, Deutschland 5,4 %)
Pendlerströme*
positiver Pendlersaldo von knapp
40.800 Personen
Tourismus
Seit 2015 steigende Gästezahlen
Betten 2018: rd. 4.500
Ankünfte 2018: rd. 350.000
Übernachtungen 2018: rd. 707.000
* Pendlerströme auf der Basis der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten.
Kaufkraft
Einzelhandelsrelevante Kaufkraftkennziffer 2019
Darmstadt: 106,3
Hessen: 102,7
Wissenschaftsstadt
u.a. TU Darmstadt, Hochschule Darmstadt, Evangelische
Hochschule Darmstadt
Studierende: ca. 46.150
Fortschreibung des Einzelhandels- und Zentrenkonzepts für Darmstadt
31 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Die sozioökonomischen Rahmenbedingungen in Darmstadt induzieren
aufgrund der weiterhin wachsenden Einwohnerplattform und der
überdurchschnittlichen Kaufkraft zusätzliche Impulse für die
Einzelhandelsentwicklung. Die niedrige Arbeitslosenquote, der Status
als Wissenschaftsstadt mit den dazugehörigen Einrichtungen und die
positive Tourismusentwicklung verstärken diesen Effekt. Die Stadt
Darmstadt ist Teil der Metropolregion und landesplanerisch als
Oberzentrum eingestuft.
32 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
3.3 Landesplanerische Vorgaben der Einzelhandels-
entwicklung
Das vorliegende Einzelhandels- und Zentrenkonzept basiert auf den städtebaurecht-
lichen Grundlagen des BauGBs und der BauNVO als auch der aktuellen Rechtspre-
chung. Zur Erarbeitung waren auch die Bestimmungen der Landesplanung von
Hessen16 und der Regionalplanung für Südhessen17 zu berücksichtigen.
Für die Bewertung von Einzelhandelsgroßprojekten (großflächiger Einzelhandel ge-
mäß § 11 Abs. 3 Nrn. 1 bis 3 BauNVO [Ausnahme: atypische Fallgestaltung gem. Satz 4])
sind für die Stadt Darmstadt v.a. folgende Kriterien relevant:
6-1 LEP 2020 (Z) Zentralitätsgebot:
Großflächige Einzelhandelsvorhaben sind nur in Ober- und Mittelzentren zuläs-
sig.
Zur Grundversorgung sind großflächige Einzelhandelsvorhaben bis zu einer
Verkaufsfläche von 2.000 m² auch in den zentralen Ortsteilen von Grundzen-
tren zulässig. Die zentralen Ortsteile sind in den Regionalplänen festzulegen.
6-2 LEP 2020 (G) Kongruenzgebot:
Großflächige Einzelhandelsvorhaben sollen sich nach Verkaufsfläche, Einzugsbe-
reich und Sortimentsstruktur in das zentralörtliche System einfügen. Gegebenen-
falls sollen interkommunale Vereinbarungen getroffen werden.
6-3 LEP 2020 (Z) Integrationsgebot:
Sondergebiete für großflächigen Einzelhandel im Sinne des § 11 Abs. 3 BauNVO
dürfen nur in den im Regionalplan festgelegten Vorranggebieten Siedlung dar-
gestellt bzw. festgesetzt werden. Ausnahmen sind möglich, soweit diese im un-
mittelbaren räumlichen Zusammenhang mit städtebaulich integrierten
Standorten festgelegt werden (teilintegrierte Standorte). Vorhaben, die auf-
grund ihres Warenangebotes für eine Ansiedlung in den Vorranggebieten Sied-
lung ungeeignet sind (z.B. Baustoff-, Bau-, Garten-, Reifen-, Kraftfahrzeug- und
Brennstoffmärkte, Möbel - und Einrichtungshäuser sowie Küchen - und Bad -
/Sanitärfachmärkte), sind auch außerhalb von Vorranggebieten Siedlu ng an
städtebaulich nicht integrierten Standorten zulässig.
Bei großflächigen Einzelhandelsvorhaben, die weder in Vorranggebieten Sied-
lung noch an teilintegrierten Standorten errichtet oder erweitert werden, sind
die in der Begründung aufgeführten innenstadtrelevanten Randsortimente auf
10 % der Gesamtverkaufsfläche, höchstens 800 m², zu begrenzen.
16 Vgl. Landesentwicklungsplan (LEP) Hessen 2020 (Entwurf).
17 Vgl. Regierungspräsidium Darmstadt (2011): Regionalplan Südhessen/Regionaler Flächennutzungsplan 2010 (RegFNP – Allgemei-
ner Teil). Die Neuaufstellung findet sich derzeit in Erarbeitung.
33 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Bei der Ansiedlung von großflächigen Einzelhandelsvorhaben sind deren Aus-
wirkungen auf die städtebauliche Entwicklung und Ordnung sowie deren Um-
weltauswirkungen vertieft zu untersuchen.
6-4 LEP 2020 (Z) Beeinträchtigungsverbot:
Großflächige Einzelhandelsvorhaben dürfen nach ihrer Art, Lage und Größe die
Funktionsfähigkeit städtebaulich integrierter Versorgungslagen der Standort- und
Nachbarkommunen nicht beeinträchtigen.
6-5 LEP 2020 (Z) Herstellerdirektverkaufszentren:
Herstellerdirektverkaufszentren (Factory-Outlet-Center) sind nur in Oberzentren
in Vorranggebieten Siedlung zulässig.
6-6 LEP 2020 (Z) Agglomerationen nicht großflächiger Einzelhandelsbetriebe:
Agglomerationen nicht großflächiger Einzelhandelsbetriebe, deren Verkaufsfläche
in der Summe die Großflächigkeit erreicht, sind raumordnerisch wie großflächiger
Einzelhandel zu behandeln.
6-7 LEP 2020 (G) Anbindung an den ÖPNV:
Bei der Ansiedlung von großfläch igen Einzelhandelsvorhaben soll eine Anbindung
an den ÖPNV erfolgen.
6-8 LEP 2020 (G) Regionale Einzelhandelskonzepte:
◼ Zur Umsetzung und räumlichen Konkretisierung der vorstehenden Festlegungen
können von der Regionalplanung im Benehmen mit den Städten und Gemeinden
Regionale Einzelhandelskonzepte (REHK) erstellt werden.
◼ Diese sollen die Ansiedlung des großflächigen Einzelhandels räumlich steuern, die
Innenstädte und Stadtteilzentren als Einzelhandelsstandorte sichern, entwickeln
und stärken, sowie zur Sicherung der wohnungsnahen Grundversorgung beitragen.
Die REHK sollen planerische Festlegungen treffen und Aussagen zu den relevanten
Sortimenten beinhalten. Dabei soll auch eine Auseinandersetzung mit den Ent-
wicklungen und Auswirkungen des Online-Handels erfolgen.
34 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
4 Nachfragesituation in der Wissen-
schaftsstadt Darmstadt
4.1 Marktgebiet der Stadt Darmstadt
Das Marktgebiet einer Stadt bzw. einer Gemeinde bezeichnet den räumlichen Be-
reich, den die Summe aller Einzelhandelsbetriebe einer Stadt (= der örtliche Einzelhan-
del) insgesamt anzusprechen vermag. Dieser ist häufig deckungsgleich mit der
Reichweite des jeweiligen Innenstadteinzelhandels.
Die Ermittlung des Marktgebiets erfolgte auf Basis der Zeit-Distanz-Methode und den
Ergebnissen der vorliegenden Untersuchungen zum Einzelhandel . Daneben wurden
die spezifische Wettbewerbssituation im Raum und deren Veränderungen in den letz-
ten Jahren sowie die infras trukturellen und topografischen Verhältnisse berücksich-
tigt. Eine teilweise Überschneidung/Überlappung mit den Marktgebieten benachbarter
zentraler Orte ist dabei immer gegeben.
Das Marktgebiet ist in drei Zonen untergliedert, die der unterschiedlich hohen Intensi-
tät der Nachfrageabschöpfung in diesem Gebiet entsprechen. Das Darmstädter Stadt-
gebiet stellt dabei die Zone 1 dar. Die Zone 2 (Nahbereich) wird von Riedstadt,
Griesheim, Weiterstadt, Erzhausen, Pfungstadt, Gernsheim, Bickenbach, Alsbach -
Hähnlein, Seeheim-Jugendheim, Mühltal, Ober -Ramstadt, Roßdorf, Reinheim, Groß -
Zimmern, Dieburg, Messel, Münster (Hessen) und Groß -Umstadt gebildet. Zur Zone 3
(Fernbereich) zählen Groß-Gerau, Büttelborn, Mörfelden -Walldorf, Langen (Hessen),
Egelsbach, Dreieich, Röde rmark, Eppertshausen, Rodgau, Babenhausen, Otzberg,
Brensbach, Fränkisch -Crumbach, Brombachtal, Bad König, Michelstadt, Groß -Bie-
berau, Fischbachtal, Modautal, Bensheim, Zwingenberg, Biebesheim am Rhein und
Stockstadt am Rhein.
35 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Abbildung 12: Marktgebiet des Einzelhandels der Wissenschaftsstadt Darmstadt
In dem Marktgebiet leben derzeit rd. 819.400 Personen. Davon entfallen ca. 20 % auf
die Stadt Darmstadt. Auf Basis der o.g. Bevölkerungsprognosen ist von einem Anstieg
des Einwohnerpotenzials bis 2025 auf
rd. 830.800 Einwohner auszugehen.
Tabelle 7: Marktgebiet des Einzelhandels
Bereich Zonen 2019 2025
Darmstadt, Wissenschaftsstadt Zone 1 159.207 165.450
Näheres Marktgebiet Zone 2 280.499 281.730
Fernmarktgebiet Zone 3 379.660 383.640
Einzugsgebiet Gesamt 819.366 830.820
Quelle: Eigene Berechnungen der Dr. Lademann & Partner GmbH.
Marktgebiet des Einzelhandels in Darmstadt
36 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Hinzu kommen noch Gelegenheits- bzw. Streukunden. Diese setzen sich aus außerhalb
des Marktgebiets lebenden Personen wie Touristen, Durchreisenden, Einpendlern, Zu-
fallskunden und sonstigen Streukunden zusammen. Diese werden in den späteren Be-
rechnungen in der Potenzialreserve zusammengefasst.
4.2 Nachfragepotenzial der Stadt Darmstadt
Auf Grundlage der Einwohnerzahlen und der Kaufkraft im Marktgebiet sowie des Pro -
Kopf-Ausgabesatzes18 errechnet sich für 20 20 ein einzelhandelsrelevantes Nach-
fragepotenzial über alle Sortimente19 innerhalb des Marktgebiets von
rd. 6,17 Mrd. €.
Bei dem Nachfragepotenzial handelt es sich um das Volumen, dass die Bewohner aus
dem Marktgebiet der Stadt Darmstadt jährlich im Einzelhandel ausgeben – in der Stadt
Darmstadt selbst und/oder an anderen Standorten/Einkaufskanälen (z.B. Online-Han-
del).
Unter Berücksichtigung der zunehmenden Bevölkerungsplattform ergibt sich für das
Marktgebiet der Stadt Darmstadt für den Prognosehorizont 2025 ein einzelhandelsre-
levantes Nachfragepotenzial über alle Sortimente von
rd. 6,25 Mrd. € (rd. + 86,3 Mio. €).
Davon entfallen
◼ rd. 1,25 Mrd. € (rd. +47 Mio. €) auf die Stadt Darmstadt (Zone 1),
◼ rd. 2,10 Mrd. € (rd. +9 Mio. €) auf die Kommunen in der Zone 2,
◼ rd. 2,90 Mrd. € (rd. +30 Mio. €) auf die Kommunen in der Zone 3.
Bei dem für den örtlichen Einzelhandel zur Verfügung stehenden Nachfragepotenzial
muss darauf hingewiesen werden, dass sich das Wachstum des Online -Handels in
Deutschland seit Jahren fortsetzt. Dabei nimmt der Anteil und somit die Bedeutung am
langsamer wachsenden Gesamteinzelhandel (stationär und nicht -stationär) - wenn
auch abgeschwächt - weiter zu. Derzeit entfallen durchschnittlich 1 1 % des örtlichen
Nachfragepotenzials auf den nicht stationären Handel. Je nach Branche können diese
Werte jedoch erheblich variieren. So fließen beispielsweise im Bundesschnitt bei Bü-
chern/ Schreibwaren etwa 45 % der Nachfrage in den Online-Handel ab, während es im
nahversorgungsrelevanten Bedarf derzeit im Bundesschnitt lediglich rd. 2 % sind.
18 Vgl. MB-Research 2020.
19 Die Sortimente werden nach Sortimenten des kurzfristigen (v.a. Lebensmittel), mittelfristigen (Sortimente, die für die Innenstadt
und die Zentren von Bedeutung sind) und langfristigen (Sortimente, die aufgrund ihrer Spezifikationen nicht auf die Zentren z u ver-
weisen sind) Bedarf gegliedert.
37 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Abbildung 13: Nachfragepotenzial im Marktgebiet der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Für die Wissenschaftsstadt Darmstadt (Bewohner der Zone 1) gibt sich nach Sortimen-
ten20 aufgeschlüsselt folgendes einzelhandelsrelevantes Nachfragepotenzial:
20 Eine Übersicht der einzelnen Branchen un d Sortimente ist dem Glossar zu entnehmen.
www.dr-lademann-partner.deDr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Einzelhandelsrelevantes Nachfragepotenzial im Marktgebiet Darmstadts
Das Nachfragepotenzial im Marktgebiet des Darmstädter Einzelhandels wird bis zum Jahr 2025 um
rd. 86,3 Mio. € auf knapp 6,3 Mrd. € steigen. Davon entfallen rd. 1,3 Mrd. € auf Darmstadt und 5,0
Mrd. € auf das Umland.
Alle Angaben in Mio. €
2.918
1.485
1.765
2.959
1.506
1.790
6.168 6.254+86,3
kurzfristiger Bedarf
mittelfristiger Bedarf
langfristiger Bedarf
Fortschreibung des Einzelhandels- und Zentrenkonzepts für Darmstadt
2019 2025
38 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Abbildung 14: Nachfragepotenzial der Bevölkerung der Wissenschaftsstadt Darmstadt im Jahr 2019 nach
Sortimenten
Im Marktgebiet der Stadt Darmstadt lebten im Jahr 2019 rd. 819.400
Personen. Aufgrund der zunehmenden Einwohnerzahl wird das
einzelhandelsrelevante Nachfragepotenzial bis zum Jahr 2025 auf rd.
6,25 Mrd. € (= + 86,3 Mio. €) steigen.
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Einzelhandelsrelevantes Nachfragepotenzial in Darmstadt im Jahr 2019
Das einzelhandelsrelevante Nachfragepotenzial in der Stadt Darmstadt beträgt im Jahr 2019 in den
einzelnen Sortimenten rd. 1.199,2 Mio. €.
Alle Angaben in Mio. €
kurzfristiger mittelfristiger langfristiger Bedarf
Bau- und Garten-/Tierbedarf
Möbel/Haus- und Heimtextilien
Elektrobedarf
Schmuck, Uhren, Optik
Hausrat, GPK
Spielwaren/Hobby, Sport, Bücher
Bekleidung/Schuhe
Kurzfristiger Bedarf
121,8
91,0
100,0
30,4
63,4
90,6
134,6
567,3
Fortschreibung des Einzelhandels- und Zentrenkonzepts für Darmstadt
39 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
4.3 Exkurs: Bürgerbefragung zur Lebensqualität
Im Jahr 2018 wurde in der Wissenschaftsstadt Darmstadt eine Bürgerbefragung zur
Lebensqualität vom Magistrat der Wissenschaftsstadt Darmstadt - Amt für Wirtschaft
und Stadtentwicklung durchgeführt. Dazu wurden 9.645 Fragebögen an repräsentativ
ausgewählte Bürgerinnen und Bürger verschickt (Beteiligung bei rd. 32,8 %). Die reprä-
sentative Auswahl der zu Befragenden berücksichtigte die Altersstruktur, die Ge-
schlechterverteilung und die Verteilung über die Stadtteile. Zusätzlich wurde durch das
Befragungsdesign die Meinung der ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürger re-
präsentativ abgebildet. Die Befragung wird seit dem Jahr 2006 im Turnus von drei Jah-
ren durchgeführt, so dass Trendentwicklungen deutlich sichtbar sind.
Für das vorliegende Einzelhandels - und Zentrenkonzept s ind vor allem die Aussagen
zum Einkaufsverhalten von Bedeutung. Dabei wurde die Frage gestellt, wo die Bür-
gerinnen und Bürger überwiegend die Sortimente Bekleidung/ Schuhe, Bücher/
DVDs, Elektrogeräte und Möbel einkaufen.
Als Ergebnis der Befragung ist festzuhalten, dass dreiviertel der Befragten die Branche
Bekleidung/ Schuhe in Darmstadt überwiegend einkaufen. Dieser Wert nimmt aller-
dings seit dem Jahr 2006 stetig ab. Auch beim Kauf von Büchern und DVDs in Darm-
stadt als auch bei Elektrogeräten ist in den letzten 12 Jahren ein kontinuierlicher
Rückgang zu verzeichnen.
Abbildung 15: Einkaufsorientierung der Darmstädter Bevölkerung auf Darmstadt
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Fortschreibung des Einzelhandels- und Zentrenkonzepts für Darmstadt
Bürgerumfrage zur Lebensqualität in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
aus dem Jahr 2018
Wo kaufen Sie überwiegend die folgenden Sortimente ein?
In Darmstadt
Quelle: Stadt Darmstadt, Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung: Bürgerumfrage 2018 in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
40 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Im Bereich Möbel hat sich die Orientierung auf die Angebote in Darmstadt bei rd. 36 %
auf einem niedrigen Niveau eingependelt. Dies zeigt auch der Blick auf die Antwort zum
Einkauf „überwiegend nicht in Darmstadt“ (ohne Internet), wo vor allem im Bereich Mö-
bel eine Orientierung auf Standorte außerhalb der Stadt besteht. Bei den weiteren un-
tersuchten Sortimenten ist diese Entwicklung nicht so stark ausgeprägt.
Abbildung 16: Einkaufsorientierung der Darmstädter Bevölkerung auf das Umland (ohne Internet)
Der Einkauf im Internet/ Versandhandel ist seit 2006 bei den befragten Warengruppen
gleichmäßig angestiegen und beläuft sich der überwiegende Einkauf im Internet im
Jahr 2018 bei Bekleidung/ Schuhe auf rd. 14,5 %, bei Büchern/ DVDs auf rd. 36,1 % so-
wie bei Elektrogeräten auf rd. 32,5 %. Bei Möbel ist gegenüber der Befragung aus dem
Jahr 2015 zwar ein Anstieg um 3,3 % zu verzeichnen, allerding liegt Orientierung mit rd.
7,3 % auf dem niedrigsten Niveau der untersuchten Branchen.
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Fortschreibung des Einzelhandels- und Zentrenkonzepts für Darmstadt
Bürgerumfrage zur Lebensqualität in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
aus dem Jahr 2018
Wo kaufen Sie überwiegend die folgenden Sortimente ein?
Außerhalb von Darmstadt (ohne Internet)
Quelle: Stadt Darmstadt, Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung: Bürgerumfrage 2018 in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
41 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Abbildung 17: Einkaufsorientierung der Darmstädter Bevölkerung auf das Internet/ Versandhandel
Des Weiteren wurde in der Befragung im Jahr 2018 auch nach der Einkaufsorientie-
rung im Bereich des periodischen bzw. nahversorgungsrelevanten Bedarfsbe-
reichs gefragt . Den Ergebnissen zu Folge sind die Darmstädter Bürger in diesem
Segment sehr stark auf den Einzelhandel in Darmstadt orientiert. Rd. 96 % der Befrag-
ten gaben an, Lebensmittel im Sinne des täglichen Bedarfs überwiegend in Darmstadt
zu kaufen. Beim Lebensmittelvorratseinkauf sind es rd. 92 % der Befragten und bei
Drogerieartikel sind es rd. 93 %, die überwiegend ihre Einkäufe in Darmstadt tätigen.
Bei Lebensmittel (täglicher Bedarf) gaben sogar rd. 74 % an, die se überwiegend im ei-
genen Stadtteil einzukaufen.
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Fortschreibung des Einzelhandels- und Zentrenkonzepts für Darmstadt
Bürgerumfrage zur Lebensqualität in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
aus dem Jahr 2018
Wo kaufen Sie überwiegend die folgenden Sortimente ein?
Im Internet
Quelle: Stadt Darmstadt, Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung: Bürgerumfrage 2018 in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
42 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Abbildung 18: Einkaufsorientierung der Darmstädter Bevölkerung im periodischen Bedarf
Die Befragung zur Lebensqualität aus dem Jahr 2018 zeigt zum einen
eine hohe Einkaufsorientierung (überwiegender Einkauf) der Befragten
auf die Stadt Darmstadt im periodischen bzw.
nahversorgungsrelevanten Bedarfsbereich sowie zum anderen einen
kontinuierlicher Rückgang der Einkaufsorientierung in den Branchen
Bekleidung/ Schuhe, Bücher/ DVDs, Elektrogeräte und Möbel auf die
Stadt Darmstadt.
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Bürgerumfrage zur Lebensqualität in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
aus dem Jahr 2018
Fortschreibung des Einzelhandels- und Zentrenkonzepts für Darmstadt
Wo kaufen Sie überwiegend die folgenden Sortimente ein?
Quelle: Stadt Darmstadt, Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung: Bürgerumfrage 2018 in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
74
49
32
13 13
49
9
30
13
0 0 14
8 6
0
10
20
30
40
50
60
70
80
Lebensmittel - täglicher
Bedarf
Lebensmittel - Vorräte Drogerieartikel
in meinem Stadtteil in der City/Innenstadt anderswo in Darmstadt Internet/ Versandhandel nicht in Darmstadt
Orientierung
auf Darmstadt
96 % 92 % 93 %
43 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
5 Angebotssituation des Einzelhandels
in der Wissenschaftsstadt Darm-
stadt
5.1 Verkaufsflächen- und Branchenstruktur
Im März 2020 verfügte die Stadt Darmstadt in 798 Ladenschäften über eine aktiv be-
triebene21 einzelhandelsrelevante Verkaufsfläche von insgesamt
rd. 263.735 qm.
Gegenüber dem Einzelhandels - und Zentrenkonzept aus dem Jahr 2012 (Erhebung
aus April/ Mai 2010) ist sowohl bei der Anzahl der Betriebe (1.013 Betriebe) als auch
bei der Gesamtverkaufsfläche (rd. 281.000 qm Verkaufsfläche) ein Rückgang zu ver-
zeichnen.
Die Unterteilung nach einzelnen Sortimentsbereichen22 zeigt dabei folgendes Bild:
Abbildung 19: Sortimentsstruktur des Einzelhandels in der Stadt Darmstadt
21 Ohne Leerstände und ohne gesicherte Planvorhaben.
22 Eine Übersicht der einzelnen Branchen und Sortimente ist dem Glossar zu entnehmen.
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Sortimentsstruktur des Einzelhandels in Darmstadt (rd. 263.735 qm VKF)
Bau- und Garten-/Tierbedarf
Möbel/Haus- und Heimtextilien
Elektrobedarf
Schmuck, Uhren, Optik
Hausrat, GPK
Spielwaren/Hobby, Sport, Bücher
Bekleidung/Schuhe
Kurzfristiger Bedarf
Alle Angaben in qm
42.200
36.715
10.540
4.845
12.910
24.000
60.285
72.240
kurzfristiger mittelfristiger langfristiger Bedarf
Fortschreibung des Einzelhandels- und Zentrenkonzepts für Darmstadt
44 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Die Differenzierung nach Sortimentsgruppen ergibt, dass der Sortimentsschwerpunkt
auf den kurzfristigen Bedarf (rd. 27 %) sowie auf die Branche Bekleidung/ Wäsche (rd.
20 %) ausgerichtet ist. Auch die flächenintensiven Branchen Möbel/ Haus- u. Heimtex-
tilien (rd. 14 %) sowie Bau- und Garten-/Tierbedarf (rd. 16 %) weisen ebenfalls hohe
Verkaufsflächenwerte auf.
Insgesamt gesehen weist der Darmstädter Einzelhandel eine Branchenstruktur auf, die
einem Oberzentrum entspricht:
◼ Mit rd. 72.200 qm entfallen rd. 27 % der Gesamtverkaufsfläche auf den periodi-
schen bzw. kurzfristigen Bedarf. Der Anteil der Betriebe liegt bei 44 %.
◼ Mit rd. 97.300 qm entfallen rd. 37 % auf den mittelfristigen Bedarf. Der Anteil ge-
messen an der Anzahl der Betriebe beläuft sich auf rd. 31 %.
◼ Der langfristige Bedarf verfügt über einen Anteil von rd. 36 % an der Gesamtver-
kaufsfläche (rd. 94.300 qm). Gemessen an der Anzahl der Betriebe beträgt der An-
teil bedingt durch die überwiegend flächenintensiven Strukturen lediglich rd. 26 %.
Abbildung 20: Branchenstruktur des Einzelhandels
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Betriebe
Verkaufsfläche in qm
Umsatz in Mio. €
798
263.735
349
72.980
454,0
245
97.195
610,0
204
94.300
592,0
Branchenstruktur des Einzelhandels in Darmstadt
Die Einzelhandelsstruktur in Darmstadt verteilt sich funktionsgerecht auf alle Bedarfsbereiche
kurzfristig mittelfristig langfristig
Fortschreibung des Einzelhandels- und Zentrenkonzepts für Darmstadt
Quelle: Eigene Erhebungen und Berechnungen
45 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
5.2 Raumstruktur des Einzelhandels
Im Hinblick auf die zentrale Fragestellung des städtebaulichen Entwicklungskonzept s
bezüglich der Entwicklungsmöglichkeiten des Einzelhandels an verschiedenen Stand-
ortlagen, wurden die Daten der Flächenerhebung räumlich differenziert. Die Raum-
struktur zeigt, dass rd. 41 % des Einzelhandelsangebots auf den zentralen
Versorgungsbereich Innenstadt entfällt.
Bezogen auf die einzelnen Lagebereiche zeigt sich folgendes Bild in der Einzelhandels-
struktur von Darmstadt:
Abbildung 21: Räumlich-funktionale Struktur des Darmstädter Einzelhandels (Standortkategorien)
Die sortimentsspezifischen Verkaufsflächenanteile verteilen sich auf folgende Stand-
ortlagen23:
◼ Der Verkaufsflächenanteil des Innenstadtzentrums an der Gesamtverkaufsfläche
beläuft sich mit rd. 107.500 qm auf rd. 41 % und umfasst v.a. Sortimente des mit-
telfristigen Bedarfs (rd. 71 %).
◼ Die Stadtteilzentren Arheilgen und Eberstadt sowie d as Nahversorgungszent-
rum Kranichstein nehmen Verkaufsflächenseitig ledig einen Anteil von rd. 6 % ge-
messen an der Gesamtverkaufsfläche ein (jede Standortlage rd. 2 %). Dabei besteht
in den beiden Stadtteilzentren ein verkaufsflächenseitig vielseitiger Branchenmix
23 Die Abgrenzung der einzelnen Standortlagen entspricht an dieser Stelle noc h den Abgrenzungen aus dem Nahversorgungskonzept
(2016). Eine perspektivische Einordnung und Abgrenzung der einzelnen Standortlagen erfolgt in Kapitel 9.2.
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Stadtteil- und
Nahversorgungszentren
Ergänzungsstandorte
Sonstige Lagen
Innenstadt 107.490
13.000
93.620
49.625
14.485
7.535
23.035
27.185
76.370
2.785
9.000
9.040
16.635
2.680
61.585
13.400
kurzfristig mittelfristig langfristig
Quelle: Eigene Erhebung
Alle Angaben in qm.
Verkaufsflächenstruktur des Einzelhandels in Darmstadt
Der mittelfristige Bedarf konzentriert sich funktionsgerecht überwiegend auf die Innenstadt.
Fortschreibung des Einzelhandels- und Zentrenkonzepts für Darmstadt
46 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
über die drei Bedarfsbereiche. Im Nahversorgungszentrum Kranichstein dominiert
mit rd. 83 % vor allem der kurzfristige bzw. periodische Bedarfsbereich.
◼ Auf die drei Ergänzungsstandorte (Gewerbegebiet Nordwest, Eschollbrücker
Straße, Heidelberger Straße) entfallen insgesamt rd. 35 % der Gesamtverkaufsflä-
che in Darmstadt. Dabei bildet vor allem der Standortbereich Gewerbegebiet Nord-
west mit rd. 29 % der Gesamtverkaufsfläche von Darmstadt eine prägende
Standortlage. Die Verkaufsflächenstruktur ist unter den drei Ergänzungsstandor-
ten heterogen: Während an der Esch ollbrücker Straße Angebote des kurzfristigen
bzw. nahversorgungsrelevanten Bedarfsbereich mit rd. 66 % der standortspezifi-
schen Gesamtverkaufsfläche dominier t, weist das Gewerbegebiet Nordwest als
auch die Heidelberger Straße mit rd. 74 % bzw. 46 % der Gesamtverkaufsfläche im
langfristigen Bedarfsbereich auf.
◼ Unter den Sonstige Lagen bzw. Streulagen werden die übrigen Angebote erfasst (rd.
19 % Verkaufsflächenanteil). Dabei handelt es sic h überwiegend um Solitärstand-
orte des kurzfristigen (rd. 58 % Verkaufsflächenanteil) oder langfristigen Bedarfs
(rd. 28 % Verkaufsflächenanteil).
5.3 Betriebsgrößenstruktur
Hinsichtlich der Betriebsgrößen weis t der Darmstädter Einzelhandel eine Durch-
schnittsgröße von 327 qm Verkaufsfläche auf. Diese wird vor allem durch die flächen-
intensiven nicht-zentrenrelevanten Nutzungen (v.a. Baumärkte) an den
Ergänzungsstandorten getrieben (rd. 3.421 qm). Demgegenüber sind in der Innenstadt
von Darmstadt im Bereich des kurzfristigen als auch langfristigen Bedarfs eher klein-
teiligere Betriebsgrößenstrukturen vorhanden (rd. 196 bzw. 200 qm). Der mittelfris-
tige Bedarfsbereich weist in der Innenstadt eine durchschnittliche Betriebsgröße von
um die 600 qm auf. D ie insgesamt drei Stadtteil- u. Nahversorgungszentren verfügen
in allen Bedarfsstufen jeweils im Mittel über sehr kleinteilige Strukturen mit einer
durchschnittlichen Größe von rd. 1 40 qm Verkaufsfläche. Auffallend ist zudem, dass
die größten durchschnittlichen Betriebsgrößen im kurzfristigen bzw. nahversorgungs-
relevanten Bedarf mit rd. 768 qm auf die Ergänzungsstandorte entfallen. Hintergrund
ist dabei v.a. die Vielzahl an kleinteiligen Betrieben des Lebensmittelhandwerks (u.a.
Fleischer, Bäcker) in der Innenstadt sowie in den Stadtteil- u. Nahversorgungszentren.
Nach Standortbereichen ergibt sich dabei folgendes Bild:
47 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Tabelle 8: Betriebsgrößenstruktur des Einzelhandels in Darmstadt nach Standortbereichen
In Darmstadt entfallen insgesamt rd. 68 % der Einzelhandelsverkaufsfläche auf 59
großflächige Betriebe (VKF > 800 qm).
Die größten Betriebe für den kurzfristigen Bedarf sind die beiden SB -Warenhäuser
real im Ergänzungsstandort Eschollbrücker Straße sowie das Rewe -Center im Ergän-
zungsstandort Gewerbegebiet Nordwest. Mit deutlichem Abstand folgen die Verbrau-
chermärkte von Rewe im Ergänzungsstandort Gewerbegebiet Nordwest und Rewe im
Ergänzungsstandort Heidelberger Straße. Insgesamt sind im kurzfristigen Bedarf 28
großflächige Betriebe vorhanden.
Bei den Sortimenten des mittelfristigen Bedarfs befinden sich nahezu alle flächen-
größten Betrieb e in der Innenstadt von Darmstadt. Eine Ausnahme bildet der Büro-
fachmarkt Staples im Ergänzungsstandort Heidelberger Straße. Die größten
Verkaufsflächen im mitt elfristigen Bedarf weisen mit Abstand Karstadt und Galeria
Kaufhof in der Innenstadt auf. Insgesamt sind im mittelfristigen Bedarf 17 großflächige
Betriebe vorhanden.
Die flächengrößten Betriebe im langfristigen Bedarfsbereich befinden sich - der An-
zahl un d Fläche nach - überwiegend in peripherer Lage. Hierbei sind u.a. Hornbach,
Bauhaus sowie Mömax im Gewerbegebiet Nordwest zu nennen. Insgesamt sind im
langfristigen Bedarf 14 großflächige Betriebe vorhanden , wovon mit insgesamt acht
Betrieben der Großteil auf den Ergänzungsstandort Gewerbegebiet Nordwest entfällt.
Die Innenstadt von Darmstadt weist mit Saturn einen großflächigen Betrieb im lang-
fristigen Bedarf auf.
Durchschnittliche VKF
nach Branche
kurzfristig
mittelfristig
langfristig
Summe
171
99601
Ergänzungs-
standorte GesamtSonstige Lagen
327
202
1500
Betriebsgrößenstruktur des Einzelhandels in Darmstadt nach Standortbereichen
126
163200 128
768
ZVB Innenstadt
Darmstadt
Stadtteil- u. Nah-
versorgungszentren
196
Quelle: Dr. Lademann & Partner.
3421
140 1734378
394
462
101
129
48 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Aktuell beträgt das Gesamtverkaufsflächenangebot in Darmstadt rd.
263.735 qm Verkaufsfläche. Davon entfallen rd. 41 % auf die
Innenstadt von Darmstadt. Die durchschnittliche Betriebsgröße liegt
bei 327 qm Verkaufsfläche und in Bezug auf die Innenstadt bei rd. 378
qm Verkaufsfläche (u.a. Karstadt und Galeria Kaufhof).
Verkaufsflächenseitig liegt der Schwerpunkt der Großflächen im
Ergänzungsstandort Gewerbegebiet Nordwest, wo vor allem im
langfristigen Bedarfsbereich großmaßstäbliche Angebote vorhanden
sind (u.a. Hornbach, Bauhaus, Mömax).
5.4 Leerstandssituation
Im März 2020 24 standen in der Darmstädter Innenstadt insgesamt 20 Ladenge-
schäfte mit einer potenziellen25 Verkaufsfläche von rd. 4.000 qm leer, was mit Blick auf
die Gesamtverkaufsfläche in der Innenstadt bzw. die Anzahl der Betriebe einer Leer-
standsquote von rd. 4% bezogen auf die Verkaufsfläche und rd. 7 % der Betriebe in der
Innenstadt entspricht. Die ermi ttelten Zahlen belegen eine tendenziell unkritische
Leerstandssituation innerhalb des wichtigsten zentralen Versorgungsbereichs von
Darmstadt. Dabei wurden jedoch nur jene Immobilien berücksichtigt, die in der Vergan-
genheit augenscheinlich durch Einzelhandel oder einzelhandelsnahe Nutzungen (z.B.
Dienstleistungen) genutzt wurden.
Die Leerstände verteilen sich über die gesamte Innenstadt von Darmstadt. Ein räumli-
cher Schwerpunkt der Leerstände ist dabei ebenso wenig ersichtlich wie Bereich, in de-
nen Trading -Down-Prozesse entstehen. Im Zuge der Umstrukturierungen des
Einkaufszentrums Luisencenter sind zum Zeitpunkt der Erhebung vereinzelte tempo-
rärer Leerstände entstanden (insbesondere im Obergeschoss). Bei den leerstehenden
Ladeneinheiten außerhalb des Luisencenter in der Innenstadt handelt es sich vorwie-
gend um relativ kleine Flächen von unter 100 qm potenzieller Verkaufsfläche. Ein grö-
ßerer Leerstand besteht zudem in der Wilhelminenpassage und somit in einer
Randlage der Innenstadt. Diese wird allerdings im August 2020 durch ein Gastrono-
miebetrieb nachgenutzt.
Auch in den drei weiteren zentralen Versorgungsbereichen wurden die Leerstände
erfasst:
24 Die Erhebung fand vor dem coronobedingten Lockdown statt. Coronainduzierte Schließungen, die vermu tlich zeitlich nachgelagert
auftreten werden, sind hier nicht eingeflossen. Diese sind allerdings auch noch nicht absehbar, so dass ggf. zu einem spätere n Zeit-
punkt ein Update hinsichtlich der Leerstandssituation erforderlich wird.
25 Diese potenzielle Verkaufsfläche konnte im Rahmen der Bestandserhebung nur grob abgeschätzt werden, da die Verkaufsräume
von außen nicht immer klar einsehbar waren. Hierbei ist auch nicht jedes Ladenlokal als Einzelhandelsnutzung unbedingt nutzba r.
Vielmehr kommen auch andere konsumnahe Nutzungen oder Gastronomie in Frage.
49 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
◼ Im ZVB Arheilgen besteht zum Zeitpunkt der Erhebung lediglich ein Leerstand mit
einer Verkaufsfläche um die 30 qm.
◼ Die Anzahl der leerstehenden Betriebe im ZVB Eberstadt liegt bei insgesamt sieben,
welche zusammen eine Verkaufsfläche von etwa 500 qm aufweisen. Auch hier
handelt es sich um überwiegend kleinteilige Leerstände. Eine Ausnahme bildet der
Leerstand des ehemaligen Supermarkts in der Heidelberger Landstraße innerhalb
des ZVB Eberstadt, wo jedoch Pläne für einen Nachnutzung bestehen (vgl. Kap. 5.6
Planvorhaben).
◼ Im ZVB Kranichstein bestehen insgesamt drei leerstehende Betriebe, welche mit ih-
ren kleinteiligen Strukturen zusammen auf etwa 150 qm Verkaufsfläche kommen
und sich auf beide Bereiche des bipolaren Zentrums aufteilen.
Generell gilt es, die Leerstandssituation künftig genau zu beobachten, da diese v.a.
in der Hauptlage der Innenstadt sehr stark negativ w ahrgenommen werden kann. Der
Leerstand innerhalb der einzelhandelsseitig vorgeprägten Lagen in den Zentren ist
vorrangig abzubauen, Nachnutzungen sind zu fördern. Für die Belebung der Innen-
stadtrandlagen mit attraktiven Nutzungen sollte auch auf eine Nachn utzung leerste-
hender Ladenlokale durch zentrenergänzende Funktionen wie Dienstleistungen und
Gastronomie hingearbeitet werden. Das Hauptaugenmerk liegt im Erhalt der Multi-
funktionalität. Aber auch das Thema innerstädtisches Wohnen kann hier eine Rolle
spielen.
In Summe stehen zum Zeitpunkt der Erhebung im März 2020 in den
zentralen Versorgungsbereichen der Stadt Darmstadt insgesamt etwa
4.600 qm Verkaufsfläche leer, welche sich auf 31 Betriebe verteilen.
5.5 Umsatzsituation des Einzelhandels in Darmstadt
Die Umsätze des Einzelhandels wurden auf Basis branchenüblicher und standortge-
wichteter Flächenproduktivitäten der einzelnen Betriebsformen/Betreiber sowie der
erhobenen Verkaufsflächen geschätzt. Demnach beli ef sich der Bruttoumsatz aller
Einzelhandelsbetriebe in der Stadt Darmstadt im abgeschlossenen Geschäftsjahr
2019 auf insgesamt
rd. 992 Mio. €.
Hieraus ergibt sich eine durchschnittliche Flächenproduktivität von knapp 3.800 €
pro qm Verkaufsfläche und Jahr. Dieser Wert bewegt sich oberhalb des Bundesdurch-
schnitts und wird dabei insbesondere durch den tendenziell umsatzstarken kurzfristi-
gen bzw. periodischen Bedarfsbereich geprägt.
50 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Bei der Analyse des Einzelhandelsumsatzes n ach Branchengruppen 26 ergibt sich
folgendes Bild:
◼ Der Umsatzanteil des kurzfristigen Bedarfs beträgt rd. 43 % (rd. 424,7 Mio. €) des
Gesamtumsatzes und bildet somit den Umsatzschwerpunkt im Stadtgebiet. Die
durchschnittliche Flächenproduktivität liegt bei etwa 5.900 € je qm Verkaufsfläche
und wird insbesondere von den Lebensmitteldiscountern sowie den Kleinflächen
und Apotheken getrieben.
◼ Auf den mittelfristigen Bedarf entfällt mit rd. 312,1 Mio. € etwa ein Drittel des ge-
samtstädtischen Einzelhandelsumsatzes. Die Flächenleistung beträgt hier durch-
schnittlich rd. 3.200 € je qm Verkaufsfläche. Der größte Umsatzanteil wird dabei in
der Branche Bekleidung/ Wäsche erzielt (rd. 166,3 Mio. € bzw. 17 % des gesamten
Umsatzes in Darmstadt).
◼ Der Umsatzanteil bei den f lächenintensiven Sortimenten des langfristigen Be-
darfs liegt bei etwa 26 %. Daraus resultiert eine erwartungsgemäß relativ geringe
Flächenproduktivität von lediglich rd. 2.700 € je qm Verkaufsfläche, die auf die
branchentypischen flächenextensiven Angebots formate zurückzuführen ist. Den
größten Umsatzanteil nimmt dabei die Branche Bau- und Garten-/ Tierbedarf ein.
Abbildung 22: Umsatzstruktur des Einzelhandels in der Stadt Darmstadt
26 Eine Übersicht der einzelnen Branchen und Sortimente ist dem Glossar zu entnehmen.
www.dr-lademann-partner.deDr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Umsatzstruktur des Einzelhandels in Darmstadt (rd. 992 Mio. €)
Der größte Umsatzanteil entfällt mir rd. 425 Mio. € auf den kurzfristigen Bedarf.
Alle Angaben in Mio. €
kurzfristiger mittelfristiger langfristiger Bedarf
Bau- und Garten-/Tierbedarf
Möbel/Haus- und Heimtextilien
Elektrobedarf
Schmuck, Uhren, Optik
Hausrat, GPK
Spielwaren/Hobby, Sport, Bücher
Bekleidung/Schuhe
Kurzfristiger Bedarf
95,2
64,9
58,6
36,4
28,8
86,5
196,8
424,7
Fortschreibung des Einzelhandels- und Zentrenkonzepts für Darmstadt
51 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Nach Standortlagen betrachtet, werden von dem gesamten Umsatzvolumen insge-
samt rd. 41 % in der Innenstadt von Darmstadt erwirtschaftet. Hierzu leisten vor allem
die Betriebe der Branche Bekleidung/ Wäsche (u.a. Karstadt, Galeria Kaufhof, Mode-
haus Henschel, C&A) einen maßgeblichen Beitrag. Folglich bildet der mittelfristige Be-
darf mit rd. 246 Mio. € funktionsgerecht den Umsatzschwerpunkt in der Darmstädter
Innenstadt. Die weiteren Bedarfsbereiche (kurzfristige bzw. langfristige Bedarf) spie-
len in der Innenstadt mit einem Anteil von jewei ls 20 % hingegen eine untergeordnete
Rolle. Demgegenüber dominieren umsatzseitig in den Stadtteil- bzw. Nahversorgungs-
zentren eindeutig die Angebote des kurzfristigen Bedarfs. Der Ergänzungsstandort Ge-
werbegebiet Nordwest erzielt einen Umsatzanteil von rd. 21 % am Darmstädter
Gesamtumsatz.
Tabelle 9: Verkaufsflächen- und Umsatzstruktur nach Standortlagen
Auch Umsatzseitig wird der Darmstädter Einzelhandel durch die
Angebote des kurzfristigen Bedarfs dominiert, auf welchen rd. 43 %
des Umsatzes entfallen. In Hinblick auf die unterschiedlichen
Standortlagen erlangt die Innenstadt von Darmstadt mit einem Anteil
von rd. 41 % am gesamten Umsatzvolumen das größte Gewicht. Hier ist
der mittelfristige Bedarfsbereich eindeutig prägend, während in den
Stadtteil- bzw. Nahversorgungszentren die Angebote des kurzfristigen
Bedarfs dominieren.
Lage Verkaufs-
fläche in qm
Umsatz
in Mio. €
Verkaufs-
fläche in qm
Umsatz
in Mio. €
Verkaufs-
fläche in qm
Umsatz
in Mio. €
Verkaufs-
fläche in qm
Umsatz
in Mio. €
ZVB Innenstadt Darmstadt 14.485 76,3 76.370 245,9 16.635 81,9 107.490 404,1
ZVB Arheilgen 2.210 14,2 550 2,0 1.720 4,2 4.480 20,4
ZVB Eberstadt 1.650 10,3 1.520 5,3 910 3,8 4.080 19,3
ZVB Kranichstein 3.675 21,1 715 1,5 50 0,2 4.440 22,8
EG Gewerbegebiet Nordwest 14.115 75,6 5.755 15,8 55.980 116,0 75.850 207,3
EG Eschollbrücker Straße 5.090 26,6 1.670 5,1 950 3,4 7.710 35,1
EG Heidelberger Straße 3.830 27,6 1.575 4,8 4.655 10,4 10.060 42,8
Streulage 27.185 173,0 9.040 31,9 13.400 35,3 49.625 240,2
Summe 72.240 424,7 97.195 312,1 94.300 255,1 263.735 992,0
Quelle: Dr. Lademann & Partner.
Verkaufsflächen- und Umsatzstruktur des Darmstadter Einzelhandels nach Standortbereichen
Kurzfristiger Bedarf Mittelfristiger Bedarf Langfristiger Bedarf Gesamt
52 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
5.6 Einzelhandelsrelevante Planvorhaben in der
Stadt Darmstadt
Für die folgenden einzelhandelsrelevanten Planvorhaben liegen derzeit Anfragen bei
der Stadt Darmstadt vor:
◼ Im Stadtteil Arheilgen ist die Ansiedlung eines Aldi-Lebensmitteldiscounters an
der Frankfurter Landstraße auf einer Freifläche geplant. Der Markt soll prospektiv
rd. 1.100 qm Verkaufsfläche umfassen und befindet sich im nördlichen Bereich des
zentralen Versorgungsbereichs Stadtteilzentrum Arheilgen. Mit der Ansiedlung ei-
nes Lebensmitteldiscounters wären mit dem bereits etablierten Edeka -Verbrau-
chermarkt insgesamt zwei strukturprägende Lebensmitteldiscounter innerhalb
des zentralen Versorgungsbereichs verortet.
◼ Im Stadtteil Eberstadt ist die Ansiedlung eines Edeka-Supermarkts an der Heidel-
berger Landstraße als Nachnutzung für den leerstehenden ehemaligen Betrieb Ra-
dio Wilms geplant. Die Immobilie befindet sich zentral im Stadtteilzentrum
Eberstadt und soll prospektiv rd. 800 qm Verkaufsfläche umfassen. Mit der Ansied-
lung eines weiteren Lebensmittelvollsortimenters im Stadtteil Eberstadt (neben
dem Rewe-Supermarkt im südlichen Bereich des ZVB) wird ein Ausbau der Nahver-
sorgungsstruktur vorangetrieben.
Abbildung 23: Einzelhandelsrelevante Planvorhaben im Stadtteil Arheilgen und Eberstadt
Neben den beiden Vorhaben in den ausgewiesenen zentralen Versorgungsbereichen
sind drei weitere Vorhaben im Zuge von Wohnungsbauprojekten in Planung:
◼ In der Lincoln-Siedlung soll ein Nahversorger mit rd. 1.400 qm Verkaufsfläche
entstehen, welcher die fußläufige Nahversorgung gewährleiste t. Darüber hinaus
sind drei kleinteilige Ladenflächen für Konzessionäre geplant. Die Lincoln-Siedlung
ist ein Teilbereich des Konversionsareals Bessungen -Süd. Prospektiv sollen dort
etwa 5.000 Einwohner leben. Zudem ist die Errichtung weiterer
Planvorhaben
-
standort
Planvorhaben
-
standort
53 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Versorgungseinrichtungen am Standort vorgesehen (u.a. Kindertagesstätten,
Grundschule, soziale Einrichtungen, quartiersbezogene Dienstleistungen sowie
Spiel- und Erholungsflächen).
◼ Ebenfalls in Bessungen-Süd ist mit dem Ludwigshöhviertel eine weitere Konver-
sionsfläche zu Gunsten von insbesondere Wohnzwecken vorgesehen (ehemalige
Cambrai-Fritsch-Kaserne und Jefferson -Siedlung). Prospektiv sollen hier etwa
3.000 Einwohner in etwa 1.500 Wohnungen leben. Für die Gewährleistung der
Nahversorgung ist dabei die Ansiedlung eines Nahversorgers mit rd. 1.400 qm Ver-
kaufsfläche geplant. Darüber hinaus sind weitere Ladeneinheiten um den zentralen
Platz („Quartiers-Carré“) geplant.
◼ Mit dem Berliner Carree auf dem ehemaligen Springer-Areal im Verlagsviertel be-
findet sich ein urbanes Quartier im Aufbau. Neben mehreren Wohngebäuden ist
auch die Ansiedlung eines Rewe-Verbrauchermarkts im Erdgeschoss mit rd. 1.500
qm Verkaufsfläche vorgesehen (Verlagerung des Rewe-Markts von der Eschollbrü-
cker Straße mit derzeit rd. 800 qm Verkaufsfläche). Die Fertigstellung des gesam-
ten Quartiers ist für Ende 2020 vorgesehen , während der Rewe -Markt bereits im
September 2020 eröffnete.
Abbildung 24: Einzelhandelsrelevante Planvorhaben in der Stadt Darmstadt
Kartengrundlage: Wissenschaftsstadt Darmstadt
54 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
6 Versorgungslage und Zentralitäts-
analyse
6.1 Verkaufsflächendichten in der Stadt Darmstadt
Die Verkaufsflächendichte (qm Verkaufsfläche/1.000 Einwohner) ist ein Indiz für die
quantitative Flächenausstattung einer Stadt bzw. eines Orts. Nach der nachfolgenden
Übersicht erreicht die Verkaufsflächendichte in der Stadt Darmstadt einen Wert von
rd. 1.660 qm je 1.000 Einwohner.
Differenziert nach den unterschiedlichen Sortimentsgruppen fällt die Angebotssitua-
tion des Darmstädter Einzelhandels allerdings sehr unterschiedlich aus:
Tabelle 10: Verkaufsflächendichten im Vergleich
Die durchschnittliche Verkaufsflächendichte liegt in Deutschland über alle Städte und
Gemeinden bei rd. 1.500 qm je 1.000 Einwohner. Damit liegt die Flächenausstattung in
Darmstadt über dem Bundesdurchschnitt. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass
Darmstadt auch Versorgungsfunktionen für das Umland übernimmt.
Im Bereich des kurzfristigen bzw. periodischen Bedarfs liegt der bundesdeutsche
Durchschnitt bei rd. 530 qm je 1.000 Einwohner. Die Versorgung der Bevölkerung von
Darmstadt liegt mit rd. 4 50 qm je 1.000 Einwohner in diesem Bereich somit deutlich
unterhalb des Durchschnitts. Dies deutet auf einen qualitativ unterdurchschnittlichen
Wert an Verkaufsfläche im kurzfristigen Bedarfsbereich im Darmstädter Stadtgebiet
hin.
Stadt Darmstadt Spannbreite
Oberzentren**
periodischer Bedarf 450 550-590
Bekleidung/Schuhe/Lederwaren 380 360-480
Sonstige Hartwaren 260 310-460
Elektrobedarf/elektronische Medien 70 120-160
Möbel/Haus- und Heimtextilien 230 270-590
Bau- und Gartenbedarf 270 350-510
Summe 1.660 2.060-2.620
Quelle: Eigene Berechnungen.
* in qm Verkaufsfläche je 1.000 Einwohner.
** Vergleichswerte aus anderen Oberzentren von Dr. Lademann & Partner
Flächendichte der Stadt Darmstadt im Vergleich
Flächendichte*
Branchen
55 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Für den unteren Bereich der Spannbreite für Oberzentren haben Dr. Lademann & Part-
ner einen Wert von rd. 2.060 qm je 1.000 Einwohner ermittelt. Hier liegt Darmstadt in
nahezu allen Bereichen deutlich darunter. Einzig im Bereich Bekleidung/ Schuhe/ Le-
derwaren befi ndet man sich innerhalb der für Oberzentren ermittelten Spannbreite.
Dies deutet auf einen qualitativ unterdurchschnittlichen Wert an Verkaufsfläche
hin. Dabei ist allerdings auf den intensiven interkommunalen Wettbewerb mit den be-
nachbarten Mittelzentren Weiterstadt, Griesheim und Pfungstadt zu verweisen.
Im Lichte der wachsenden Einwohnerzahlen in Darmstadt erscheint es umso wichti-
ger, dass örtliche Angebot so zu attraktiveren, dass die Kaufkraft möglichst in der
Stadt Darmstadt gehalten werden kann. Vor dem Hintergrund lassen sich noch
Spielräume für die Verkaufsflächenentwicklung in Darmstadt ableiten, die zur Siche-
rung, Stärkung und Entwicklung der oberzentralen Angebote eingesetzt werden soll-
ten.
Die Verkaufsflächendichte in Darmstadt liegt mit rd. 1.660 qm je 1.000
Einwohner zwar über dem Bundesdurchschnitt, allerdings zeigt der
Vergleich mit anderen Oberzentren einen qualitativ
unterdurchschnittlichen Wert an Verkaufsfläche. Dies gilt auch für den
kurzfristigen Bedarf. Lediglich im Bereich Bekleidung/ Schuhe/
Lederwaren befindet man sich innerhalb der für Oberzentren
vergleichbar ermittelten Spannbreite. Um den oberzentralen
Versorgungsaufgaben auch zukünftig weiter nachkommen zu können,
müssen die daraus abzuleitenden Entwicklungsspielräume für die
Erhaltung und Entwicklung attraktiver Angebote eingesetzt werden.
6.2 Bedeutung der Innenstadt im Einzelhandelsge-
füge
Zum Zeitpunkt der Erhebungen verfügte die Darmstädter Innenstadt in insgesamt 284
Ladengeschäften über eine aktiv betriebene Verkaufsfläche von rd. 107.490 qm. Der
Einzelhandelsumsatz in der Innenstadt beläuft sich auf rd. 404,1 Mio. €.
Branchenseitig zeigt der Einzelhandel in der Darmstädter Innenstadt folgendes Bild:
◼ Auf den kurzfristigen Bedarf entfallen rd. 13 % der Gesamtverkaufsfläche der In-
nenstadt (etwa 14.500 qm Verkaufsfläche). Der Anteil der Betriebe liegt bei rd. 26
%. Umsatzseitig werden rd. 19 % (rd. 76 Mio. €) im kurzfristigen Bedarf in der Innen-
stadt erwirtschaftet.
◼ Mit knapp 76.400 qm Verkaufsfläche entfällt der Schwerpunkt des Angebots in der
Innenstadt auf den mittelfristigen Bedarfsbereich. Dies entspricht einem Anteil
an der Gesamtverka ufsfläche von etwa 71 % (etwa 246 Mio. €) . Der Anteil
56 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
gemessen an der Anzahl der Betriebe beläuft sich auf rd. 45 %. Vor allem das Ange-
bot im Bereich Bekleidung/ Wäsche ist mit rd. 47.700 qm Verkaufsfläche sehr stark
vertreten (etwa 44 % der Gesamtverkaufsfläche bzw. rd. 38 % des Umsatzes in der
Innenstadt).
◼ Der langfristige Bedarf verfügt über einen Anteil von rd. 15 % an der Gesamtver-
kaufsfläche der Innenstadt (rd. 16.600 qm) sowie rd. 20 % des Gesamtumsatzes
der Innenstadt (rd. 82 Mio. €). Gemessen an de r Anzahl der Betriebe beträgt der
Anteil rd. 29 %. Den größten Anteil innerhalb der langfristigen Bedarfe mit rd. 7 %
der innerstädtischen Gesamtverkaufsfläche nimmt der Bereich Elektrobedarf ein
(rd. 7.400 Verkaufsfläche).
Abbildung 25: Sortimentsstruktur des Einzelhandels in der Innenstadt von Darmstadt
Hinsichtlich der Betriebsgrößen weist die Innenstadt von Darmstadt eine Durch-
schnittsgröße von 378 qm Verkaufsfläche auf. Diese wird vor allem durch die Betriebe
im mittelfristigen Bedarfsbereich getrieben (durchschnittliche Betriebsgröße von rd.
600 qm). Demgegenüber sind in der Innens tadt von Darmstadt im Bereich des kurz-
fristigen als auch langfristigen Bedarfs eher kleinteiligere Betriebsgrößenstrukturen
vorhanden (rd. 196 bzw. 200 qm).
Bei der Betrachtung des Verkaufsflächenanteils der Innenstadt an der Gesamtver-
kaufsfläche der Stadt Darmstadt zeigt sich mit rd. 41 % eine sehr gute Stellung der In-
nenstadt im Einzelhandelsgefüge von Darmstadt. Mit Blick auf vergleichbare Städte ist
dabei ein Wert um die 25 % über alle Sortimente als ein positives Verhältnis zu bewer-
ten, welches in der Stadt Darmstadt deutlich übertroffen wird. Der Gesamtwert ist
www.dr-lademann-partner.deDr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Sortimentsstruktur des Einzelhandels in der Innenstadt von Darmstadt
Von den insgesamt rd. 107.500 qm Verkaufsfläche entfallen rd. 61 % auf den mittelfristigen
Bedarfsbereich (etwa 76.400 qm Verkaufsfläche).
Bau- und Garten-/Tierbedarf
Möbel/Haus- und Heimtextilien
Elektrobedarf
Schmuck, Uhren, Optik
Hausrat, GPK
Spielwaren/Hobby, Sport, Bücher
Bekleidung/Schuhe
Kurzfristiger Bedarf
Alle Angaben in qm
240
5.340
7.400
3.655
7.000
13.575
55.795
14.485
kurzfristiger mittelfristiger langfristiger Bedarf
57 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
dabei vor allem auf einen hohen Verkaufsflächenanteil im innenstadtprägenden Seg-
ment Bekleidung/ Wäsche (rd. 93 % der Gesamtverkaufsfläche von Darmstadt) zu-
rückzuführen, welcher die wichtige Rol le der Innenstadt bei der Wahrnehmung der
oberzentralen Versorgungsfunktionen von Darmstadt verdeutlicht. Der Blick auf das
Verhältnis der innenstadtrelevanten Sortimente in anderen Städten dieser Größenord-
nung, welcher bei Werten um die 75 % ein gutes Ver hältnis aufzeigt, verdeutlicht die
positive Ausrichtung der Stadt Darmstadt im Bereich der innenstadtrelevanten Sorti-
mente auf die Innenstadt. Generell sollte bei den zentrenrelevanten Sortimenten be-
rücksichtigt werden, dass weitere Verkaufsflächenanteile in den städtebaulich
gewollten Nebenzentren anzutreffen, so dass das Verhältnis Zentraler Versorgungsbe-
reich gegenüber den sonstigen Lagen noch einmal deutlich höher ist (vgl. Tabelle 9) .
Der Anteil von 20 % im kurzfristigen Bedarf zeigt darüber hinaus lei chte Defizite auf.
Gleichwohl hier die Bedeutung von dezentral den Wohngebieten zugeordneten Le-
bensmittelmärkten nicht zu vernachlässigen ist.
Abbildung 26: Verkaufsflächenanteil der Innenstadt an der Gesamtstadt
Ein Ausbau des innerstädtischen Verkaufsflächenanteils wird zum einen über die kon-
sequente Steuerung des Einzelhandels im Bereich der zentrenrelevanten Sortimente
gesteuert (Zulässigkeitsbegrenzungen). Z um anderen sollte zukünftig eine Verlage-
rung von Angeboten aus St reulagen und Sonderstandorten in die Innenstadt und die
Lenkung von Neuansiedlung von innerstädtischen Angeboten auf die Innenstadt erfol-
gen. Im Fokus sollte hierbei insbesondere auf die Stärkung der Innenstadt bei den nah-
versorgungs- und zentrenrelevanten Sortimenten liegen.
www.dr-lademann-partner.deDr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Verkaufsflächenanteile der Innenstadt (gesamt: 107.500 qm)
Bau- und Garten-/Tierbedarf
Möbel/Haus- und Heimtextilien
Elektrobedarf
Schmuck, Uhren, Optik
Hausrat, GPK
Spielwaren/Hobby, Sport, Bücher
Bekleidung/Schuhe
Kurzfristiger Bedarf
1%
15%
70%
75%
54%
57%
93%
20%
99%
85%
30%
25%
46%
43%
7%
80%
41%
Innenstadt übriges Stadtgebiet
Quelle: Eigene Berechnungen
Fortschreibung des Einzelhandels- und Zentrenkonzepts für Darmstadt
58 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Im Vergleich zu anderen von Dr. Lademann & Partner untersuchten Oberzentren liegt
die Citydichte27 mit insgesamt rd. 675 qm je 1.000 Einwohner im oberen Bereich der
Spannbreite. Während v.a. im kurzfristigen (91 qm je 1.000 Einwohner) und langfristi-
gen Bedarfsbereichen (104 qm je 1.000 Einwohner) die Citydichte im oberen Bereich
der Spannbreiten liegen (bzw. diese sogar übertreffen), kann für den mit telfristigen
Bedarf eine durchschnittliche Flächendichte in der Innenstadt von Darmstadt konsta-
tiert werden. Die innerstädtische Leitbranche Bekleidung/ Schuhe/ Lederwaren liegt
mit ihrem Angebot wiederum im oberen Bereich der Spannbreiten.
Tabelle 11: Citydichte der Innenstadt im Vergleich
Die Darmstädter Innenstadt wird jedoch nicht allein durch Einzelhandelsangebote ge-
prägt. Neben Wohn- und Büronutzungen ist vor allem auf konsumnahe Nutzungen hin-
zuweisen, die aufgrund der Multifunktionalität zu einer Frequentierung und Belebung
der Innenstadt führen. In der Darmstädter Innenstadt wurden insgesamt 902 Betriebe
erfasst. Der Schwerpunkt liegt dabei eindeutig bei sonstigen konsumnahen Nutzun-
gen28 (618 Betriebe = 6 9 %) gegenüber den Einzelhandelsbetrieben ( 284 Betriebe =
31 %). Eine detaillierte Betrachtung der konsumnahen Nutzungen verdeutlicht, dass
vor allem sonstige Dienstleistungen (u.a. Anwalt, Friseur, Architekt), gastronomische
Einrichtungen und Gesundheitsdienstleistungen das breit aufgestellte Angebot prä-
gen. Es gilt somit, die Potenzialflächen der Innenstadt auch mit solchen konsumnahen
Angeboten zu belegen, um die Besuchsanlässe auf hohem Niveau zu halten.
27 Citydichte = Verkaufsflächenausstattung der Innenstadt je 1.000 Einwohner bezogen auf die Gesamtstadt.
28 Für die Erhebung wurde folgende Klassifizierung der Dienstleister verwendet: Gastronomie/ Hotel, Gesundheitsleistungen (inkl.
Ärzte), Handwerkliche Dienstleistungen, Kreditinstitute/ Versicherungen, Bedeutende öffentliche Einrichtungen , sonstige Dienstleis-
tungen (u.a. Anwalt, Friseur, Architekt) sowie soziale & kirchliche Einrichtungen .
Innenstadt
Darmstadt
Spannbreite
Oberzentren**
Kurzfrisitiger Bedarf 91 30-120
Mittelfristiger Bedarf 480 290-780
davon Bekleidung/Schuhe/Lederwaren 350 170-480
Langfristiger Bedarf 104 40-100
Summe 675 350-1010
Quelle: Eigene Berechnungen.
* in qm Verkaufsfläche je 1.000 Einwohner.
** Vergleichswerte aus anderen Untersuchungen von Dr. Lademann & Partner.
Citydichte der Darmstadter Innenstadt im Vergleich
Branchen
Flächendichte*
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Abbildung 27: Multifunktionale Innenstadt
Die Innenstadt von Darmstadt erreicht bei einem Anteil von
durchschnittlich rd. 41 % der Gesamtverkaufsfläche (rd. 107.500 qm
Verkaufsfläche) die notwendige Dominanz sowie eine kritische Masse
der Verkaufsfläche im Stadtgebiet von Darmstadt. Dabei ist vor allem
der Verkaufsflächenanteil im innenstadtprägenden Leitsortiment
Bekleidung/ Wäsche mit rd. 93 % positiv hervorzuheben. Für die
weiteren zentrenrelevanten Sortimentsbereiche ist prospektiv
allerdings noch ein weiterer Ausbau anzustreben. Der Anteil von 20 %
im kurzfristigen Bedarf zeigt darüber hinaus leichte Defizite auf. Die
Citydichte befindet sich sortimentsübergreifend auf einem
durchschnittlichen Niveau für vergleichbare Oberzentren. Jedoch sind
insbesondere die zahlreichen Einkaufsalternativen in den direkt
angrenzenden Mittelzentren als limitierend für die
Einzelhandelsentwicklung zu beachten. Es wird eine der wichtigsten
Kernaufgaben sein, die Stellung der Innenstadt im Stadtgefüge weiter
auszubauen und diese damit zukunftsfähig zu machen.
www.dr-lademann-partner.deDr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Nutzungsstruktur der Innenstadt
(902 Betriebe ohne Leerstände)
Quelle: Eigene Berechnungen
Fortschreibung des Einzelhandels- und Zentrenkonzepts für Darmstadt
74
127
83
107
133
9
41
8
302
18 20
kurzfristiger Bedarf
mittelfristiger Bedarf
langfristiger Bedarf
Gastronomie
Gesundheitsdienstleistung
Handwerkliche Dienstleistungen
Kreditinstitute/ Versicherung
Bedeutende öffentliche Einrichtungen
Sonstige Dienstleistungen
soziale & kirchliche Einrichtungen
Inaktive Flächen im EG
Einzelhandel nach
Branchenschwer-
punkt
Konsumnahe
Nutzungen
60 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
6.3 Nahversorgungssituation in Darmstadt
Eines der zentralen städtebaulichen Ziele ist die flächendeckende und leistungsfähige
Versorgung der Bevölkerung mit Gütern des täglichen Bedarfs.
Im Stadtgebiet von Darmstadt sind mit Stand März 2020 insgesamt 41 strukturprä-
gende Betriebe des kurzfristigen bzw. nahversorgungsrelevanten Bedarfs (ab ca.
400 qm Verkaufsfläche, ohne LEH -Kleinflächen, Drogerie- und Getränkemärkte und
Spezialanbieter) mit einer
Verkaufsfläche (ohne Randsortimente) von rd. 42.400 qm
angesiedelt.
Inklusive der D rogerie- und Getränkemärkte sowie der Kleinflächen (Lebensmittel-
handwerk u.a.) und Randsortimente anderer Betriebe liegt die Flächendichte im kurz-
fristigen Bedarf bei
ca. 450 qm Verkaufsfläche je Tausend Einwohner.
Die Verkaufsflächendichte liegt damit unterhalb des bundesdeutschen Durchschnitts
von rd. 540 qm je 1.000 Einwohner und weist auf eine moderate Verkaufsflächenaus-
stattung im periodischen Bedarf hin. Da im unmittelbaren Darmstädter Umland (v.a.
Weiterstadt, Griesheim, Pfungstadt) zahlreiche strukturprägende Lebensmittelbe-
triebe verortet sind, ist nicht davon auszugehen, dass im Bereich des periodischen Be-
darfs signifikante Einkaufsorientierungen der Umlandbewohner auf Darmstadt zu
verzeichnen sind. Im Gegent eil bestehen zum Teil Einkaufsverflechtungen aus Darm-
stadt mit den angrenzenden Lebensmittelangeboten. Als Beispiel sei u.a. der Kaufland-
Markt in Pfungstadt für die Bewohner in Darmstadt -Eberstadt als auch der Kaufland -
Markt in Weiterstadt für die Bewohner im nördlichen Stadtgebiet zu nennen.
Die quantitative Verkaufsflächenausstattung je Einwohner sagt jedoch noch nichts
über die Qualität der Nahversorgung sowie über die räumliche Verteilung des Angebots
aus.
Zur Bewertung der Nahversorgungssituation bzw. der räumlichen Verteilung des An-
gebots wurden die – aktuell betriebenen - Nahversorgungsbetriebe im Stadtgebiet ab
einer Verkaufsfläche von ca. 400 qm (ohne Drogerie - und Getränkefachmärkte) kar-
tiert. Die 700-m-Isochronen bzw. 1.000-m-Isochronen um die jeweiligen Standorte
entsprechen dabei durchschnittlich bis zu zehn Gehminuten29. Die innerhalb dieser
Radien lebenden Einwohner finden in einem fußläufigen Bereich mindestens einen sig-
nifikanten Anbieter vor, sodass die Nahversorgung grundsätzlich gegeben ist.
29 Den Supermärkten (Verkaufsfläche > 800 qm) wurde eine 700-m-Isochrone zugeordnet (da diese nicht vollwertig die qualifizierte
Nahversorgung bedienen können), den Verbrauchermärkten oberhalb dieser Grenze sowie den Lebensmitteldiscountern eine 1.000 -
m-Isochrone.
61 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Abbildung 28: Nahversorgungssituation in Darmstadt
Wie die Karte zeigt, konzentriert sich das leistungsfähige nahversorgungsrelevante An-
gebot vornehmlich an den Hauptverkehrsverbindungen im Kernstadtgebiet von Darm-
stadt mit der höchsten Einwohnerdichte sowie in funktionalen Gewerbegebietslagen
(autokundenorientierter Versorgungseinkauf). Räumliche Versorgungslücken beste-
hen daher hauptsächlich in den Randbereichen der jeweiligen Siedlungsbereiche.
Durch die gena nnten Planvorhaben (vgl. Kap. 5.6) können räumliche Versorgungslü-
cken zwar zum Teil abgebaut werden, allerdings bedingt das zukünftige Bevölkerungs-
wachstum in Darmstadt einen weiteren Ausbau des Angebots.
Insgesamt verfügen derzeit rd. 22 % der Einwohner D armstadts über keine Nah-
versorgung innerhalb eines fußläufigen Umfelds.
In dem Zusammenhang bestehen für die einzelnen Stadtteile allerdings wesentliche
Unterschiede, welche im Folgenden dargestellt werden:
◼ Innerhalb der Kernstadt von Darmstadt sind vor allem im Stadtteil Darmstadt-Ost
sowie im östlichen Bereich des Stadtteils Bessungen (Paulusviertel) deutliche
62 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
räumliche Versorgungslücken vorhanden. Hier besteht derzeit für knapp 9.000
Einwohner kein strukturprägender Lebensmittelbetrieb im fußläufigen Erreichbar-
keitsbereich. Innerhalb des Stadtteils Bessungen erfüllt der Ergänzungsstandort
Heidelberger Straße um Rewe, Lidl und Alnatura eine wichtige Versorgungsfunktion
(auch über den Stadtteil hinaus).
◼ Auch im nördlichen Bereich des Stadtteils Eberstadt haben etwa 7.600 Einwohner
keinen strukturprägenden Lebensmittelbetrieb in ihrem fußläufigen Umfeld. Dies
gilt auch für weitere 1.800 Einwohner im westlichen Bereich von Eberstadt. Zudem
können sowohl die beiden vorhandenen Supermärkte Rewe (Heidelberger L and-
straße) und der Nah & Gut (Thüringer Straße) als auch der kleine V erbrauchmarkt
Nah & Gut (In der Kirchtanne) kein vollwertiges Lebensmittelangebot für den
Stadtteil vorhalten. Einzig der Aldi -Lebensmittelmarkt an der Stresemannstraße
weist einen zeitgemäßen Marktauftritt auf. Einkaufsalternativen für die Bewohner
im Stadtteil Eberstadt stellen somit zum einen die strukturprägenden Lebensmit-
telbetriebe innerhalb Darmstadts (u.a. Ergänzungsstandort Heidelberger Straße)
als auch der direkt an der Grenze zu Darmstadt im Jahr 2018 eröffnete Kaufland -
Verbrauchermarkt (Eberstädter Straße). Eine gewisse Abhilfe im Bereich der Ver-
sorgungsstrukturen für den Stadtteil Eberstadt kann durch die prospektiven Ver-
brauchermärkte in den beiden Siedlungsbaupr ojekten Ludwigshöhviertel und
Lincoln-Siedlung in Bessungen-Süd zumindest für die nördlichen Siedlungsstruk-
turen von Eberstadt entstehen . Zudem soll i m Stadtteilzentrum von Eberstadt ein
weiterer Supermarkt entstehen, welcher die fußläufige Nahversorgung sichert, so-
wie zusätzliche Frequenzen für das Stadtteilzentrum generiert.
◼ Der Stadtteil Wixhausen befindet sich in leicht exponierter Lage am nördlichen
Rand von Darmstadt. Hier sichert mit dem Nah & Gut -Supermarkt in der Lortzing-
straße ein strukturprägender Lebensmittelmarkt die fußläufige Nahversorgung für
einen Teil des Stadtteils. Insgesamt weisen mehr als 3.300 Einwohner keine fußläu-
fige Nahversorgung auf. Zudem kann der Nah & Gut -Supermarkt kein vollwertiges
Lebensmittelangebot für den Stadtteil vorhalten. Die Ansiedlung eines weiteren
strukturprägenden Lebensmittelbetriebs dürfte angesichts des begrenzten Ein-
wohner- und Kaufkraftpotenzials auch künftig kaum zu erwarten sein. Hier kommt
es wie in den ebenfalls abgelegenen und unterversorgten Bereichen darauf an, al-
ternative Nahversorgungsangebote für die nicht -motorisierte Bevölkerung zu
schaffen (z.B. Nachbarschaftsläden, mobile Händler oder Lieferservice) sowie die
örtlichen verkehrlichen Erreichbarkeiten, und dabei insbesondere den ÖPNV, zu si-
chern und zu stärken.
◼ Im Stadtteil Arheilgen verfügen mit de n östlichen Siedlungsbereichen (etwa
4.700 Einwohner) sowie dem nordwestlichen Siedlungsbereich (etwa 1.100 Ein-
wohner) nennenswerte Siedlungsbereiche über keine fußläufig vergleichbaren
Nahversorgungsbetriebe. Innerhalb des Stadtteils bestehen mit einem Edeka-Ver-
brauchermarkt zentral im Stadtteilze ntrum sowie einem Aldi -
63 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Lebensmitteldiscounter im westlichen Siedlungsbereich zwei strukturprägende
Lebensmittelbetriebe. Darüber hinaus ist die Ansiedlung eines weiteren Aldi -Le-
bensmitteldiscounters innerhalb des Stadtteilzentrums vorgesehen, wodurch zum
einen das Zentrum weiter zukunftsfähig aufgestellt wird sowie zum anderen die
fußläufige Versorgungslücke im nordwestlichen Siedlungsbereich geschlossen
werden kann. Darüber hinaus stellen die Strukturen im ZVB Arheilgen auch einen
wichtigen Einkaufsort für die Bewohner im Stadtteil Wixhausen dar.
◼ Positiv ist die räumliche Versorgung im Stadtteil Darmstadt -Mitte sowie im
Stadtteil Darmstadt-West zu bewerten, wo kaum räumliche Versorgungslücken
vorhanden sind. Auch der Stadtteil Darmstadt-Nord zeichnet sich durch ein um-
fassende fußläufige Nahversorgung aus. Hier sind vor allem die Betriebe im Ergän-
zungsstandort Gewerbegebiet Nordwest für die Versorgung von essenzieller
Bedeutung. Eine Ausnahme bildet im Stadtteil Nord der Bereich um die Waldkolo-
nie, wo etwa 4. 100 Einwohner keinen strukturprägenden Lebensmittelbetrieb in
fußläufiger Nähe haben. Mit insgesamt vier strukturprägenden Lebensmittelbe-
trieben im bipolaren Nahversorgungszentrum verfügt der Stadtteil Kranichstein
ebenfalls über eine umfassende fußläufige Nahversorgung. Nennenswerte räumli-
che Versorgungslücken bestehen in diesem Bereich nicht.
Tabelle 12: Einzelhandelsstruktur im kurzfristigen Bedarfsbereich nach Stadtteilen
Im Sinne einer wohnortnahen, flächendeckenden Versorgungsstruktur sollten die
wohngebietsintegrierten Nahversorgungsstandorte zukunftsfähig abgesichert wer -
den. Diesen Standorten sollte die Möglichkeit eingeräumt werden, sich maßvoll weiter-
zuentwickeln, um sich an die aktuellen Markta nforderungen des Lebensmitteleinzel-
handels anpassen zu können.
Stadtteile Einwohner 2019* NFP in Mio. € Verkaufsfläche Umsatz in Mio. € Zentralität
Darmstadt-Mitte 21.055 75,0 16.330 87,1 116,1
Darmstadt-Nord 32.690 116,5 22.390 130,9 112,4
Darmstadt-Ost 14.873 53,0 3.315 19,0 35,9
Darmstadt-Bessungen 14.679 52,3 5.615 38,9 74,3
Darmstadt-West 18.565 66,1 10.720 60,9 92,1
Kernstadt Gesamt 101.862 362,9 58.370 337 92,8
Darmstadt-Arheilgen 17.988 64,1 3.655 27,7 43,2
Darmstadt-Eberstadt 23.692 84,4 5.770 33,9 40,1
Darmstadt-Wixhausen 6.278 22,4 710 4,8 21,5
Darmstadt-Kranichstein 12.023 42,8 3.735 21,6 50,4
Darmstadt Gesamt 161.843 576,7 72.240 424,7 73,7
Einzelhandelsstruktur im kurzfristigen Bedarfsbereich nach Stadtteilen
Quelle: Dr. Lademann & Partner.
*Stadt Darmstadt - Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung (Stand jeweils 01.01.)
64 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Zudem muss auch konstatiert werden, dass direkt an der Grenze zu Darmstadt in den
Mittelzentren Weiterstadt, Pfungstadt und Griesheim mehrere strukturprägende Le-
bensmittelbetriebe ansässig sind. Zur Wahrung der eigenen Versorgungsaufgabe so-
wie der Zentrenhierarchie sollte die Stadt Darmstadt auch zukünftig beim Umgang mit
Ansiedlungen in Nachbarkommunen ihre Interessen und Standpunkte vertreten.
Qualitativ wird der kurzfristige bzw. nahversorgungsrelevante Bedarf eher durch voll-
sortimentierte Angebote geprägt, welche zusammengenommen rd. 66 % der relevan-
ten nahversorgungsrelevanten Verkaufsfläche (exkl. Kleinflächen unter 400 qm VKF)
einnehmen. Im Vergleich zum bundesdeutschen Durchschnitt liegt für Darmstadt so-
mit sowohl gemessen an der Anzahl der Betriebe (+ 10 %) als auch gemessen an der
Verkaufsfläche der Betriebe (+ 3 %) gleichwohl nur ein leichter Überhang an vollsorti-
mentierten Lebensmittelangeboten vor. Dies geht zu Lasten discountorient ierter An-
gebote, die in Darmstadt derzeit eher unterrepräsentiert sind.
Tabelle 13: Anteile der Betriebsformen des klassischen Lebensmitteleinzelhandels
Ein Vergleich mit üblichen Betriebsgrößen verdeutlicht, dass die Lebensmittelmärkte
in Darmstadt hinsichtlich ihrer aktuellen Verkaufsflächendimensionierung z.T. nur
noch über bedingt marktgängige Verkaufsflächen verfügen. Vor allem die Verbrau-
chermärkte liegen deutlich unterhalb der mittleren Betriebsgrößen im Bundesschnitt.
Innerhalb der Stadt Darmstadt besteht kein Verbrauchermarkt mit mehr als 2.000 qm
Verkaufsfläche. Zudem sei noch einmal a uf die veränderten Verkaufsflächenbedarfe
hingewiesen (vgl. Kap. 2), was nach wie vor steigende Verkaufsflächenbed arfe impli-
ziert.
Anteil Darmstadt Anteil Deutschland Abweichung in %
Vollsortimenter 55% 44% 11%
Discounter 45% 56% -11%
Summe 100% 100% 0%
Anteil Darmstadt Anteil Deutschland Abweichung in %
Vollsortimenter 67% 63% 4%
Discounter 33% 37% -4%
Summe 100% 100% 0%
Quelle: Dr. Lademann & Partner GmbH und Trade Dimensions 2018. *Ohne Kleinflächen unter 400 qm u. Spezialeinzelhandel.
Anteile der Betriebsformen des klassischen LEH (gemessen an der Anzahl der Betriebe)*
Anteile der Betriebsformen des klassischen LEH (gemessen an der VKF der Betriebe)*
Quelle: Dr. Lademann & Partner GmbH und Trade Dimensions 2018. *Ohne Kleinflächen unter 400 qm u. Spezialeinzelhandel.
65 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Tabelle 14: Betriebstypenstruktur bei nahversorgungsrelevanten Sortimenten im Vergleich (in qm VKF)
Einen Überblick der strukturprägenden Lebensmittelbetriebe (> 400 qm Verkaufsflä-
che) ist in der nachfolgenden Tabelle aufgeführt:
Betriebsformen
-merkmal
mittlere
Gesamtgröße
mittlere
Gesamtgröße
Spannbreite BRD Darmstadt
SB-Warenhäuser > 5.000 7.270 6.165 2
Große Verbrauchermärkte 1.500 - 5.000 2.340 1.690 4
Kleine Verbrauchermärkte 800 - 1.500 1.160 1.050 7
Supermärkte 400 - 800 600 630 11
Lebensmittel-Discounter 810 785 20
Getränkemärkte 590 8
Drogeriemärkte 640 575 7
Lebensmittelhandwerk (Bäcker u. Fleischer) 30 86
Sonstige Anbieter 70 135
Summe 280
Quelle: Einzelhandelserhebung Dr. Lademann & Partner, Flächen gerundet.
Vergleichswerte: Eigene Berechnung auf Basis Trade Dimensions 2018 sowie Erfahrungswerte.
Betriebstypenstruktur bei nahversorgungsrelevanten Sortimenten im Vergleich (in qm VKF)
Betriebstyp Anzahl der
Betriebe
66 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Tabelle 15: Übersicht der strukturprägenden Lebensmittelmärkte in Darmstadt
Zur Optimierung des n ahversorgungsrelevanten Angebots ist eine standortadäquate
Erweiterung/Neuaufstellung bestehender Betriebe (Super - und Verbrauchermärkte,
Discounter) zu empfehlen. Im Einzelfall kann eine Ansiedlung weiterer leistungsfähiger
Name Adresse Typ Bewertung
Größe
fußläufige
Versorgungs-
funktion
ZVB / Ergänzungsstandort
real,- Eschollbrücker Straße 44 SBW 0 eingeschränkt SO Eschollbrücker Straße
Rewe Center Leydheckerstraße 5 SBW 0 kaum SO Gewerbegebiet Nordwest
Rewe Pallaswiesenstraße 72A VG + eingeschränkt SO Gewerbegebiet Nordwest
Rewe Rüdesheimer Straße 123B VG 0 eingeschränkt SO Heidelberger Straße
Rewe Heinrichstraße 52 VG 0 vorhanden Streulage
Tegut Kasinostraße 94 VG 0 eingeschränkt SO Gewerbegebiet Nordwest
Edeka Untere Mühlstraße 5 VK 0 vorhanden ZVB Arheilgen
Rewe Luisenplatz 5 VK 0 vorhanden ZVB Innenstadt Darmstadt
Rewe Dieburger Straße 24 VK 0 vorhanden Streulage
Rewe Eschollbrücker Straße 18 VK 0 vorhanden Streulage
Nah & Gut In der Kirchtanne 27 VK 0 vorhanden Streulage
Gran Consumo Goebelstraße 21 VK 0 vorhanden Streulage
Yazgülü Pallaswiesenstraße 80 VK 0 eingeschränkt SO Gewerbegebiet Nordwest
Rewe Heidelberger Landstraße 238 SM 0 eingeschränkt ZVB Eberstadt
Rewe Europaplatz 2 SM 0 vorhanden Streulage
Mix Markt Siemensstraße 16 SM 0 vorhanden ZVB Kranichstein
Edeka Grundstraße 2 SM 0 vorhanden ZVB Kranichstein
Rewe Schwarzer Weg 9 SM - vorhanden Streulage
Tegut Ludwigstraße 2 SM - vorhanden ZVB Innenstadt Darmstadt
Alnatura Heidelberger Straße 193 SM 0 eingeschränkt SO Heidelberger Straße
Rewe Liebfrauenstraße 32 SM - vorhanden Streulage
Alnatura Rheinstraße 30 SM - vorhanden Streulage
Alnatura Grafenstraße 41 SM - vorhanden ZVB Innenstadt Darmstadt
Nah & Gut Lortzingstraße 69 SM - vorhanden Streulage
Nah & Gut Thüringerstraße 13 SM - vorhanden Streulage
Aldi Süd Eschollbrücker Straße 30 DC + vorhanden Streulage
Aldi Süd Rüdesheimer Straße 123D DC + eingeschränkt SO Heidelberger Straße
Aldi Süd Schorlemmerstraße 45 DC + vorhanden Streulage
Lidl Jägertorstraße 250 DC 0 vorhanden ZVB Kranichstein
Aldi Süd Elisabethenstraße 15 DC 0 vorhanden ZVB Innenstadt Darmstadt
Aldi Süd Büdinger Straße 12 DC 0 vorhanden Streulage
Lidl Eschollbrücker Str. 39 DC 0 eingeschränkt SO Eschollbrücker Straße
Aldi Süd Stresemannstraße 2 DC 0 vorhanden Streulage
Aldi Süd Otto-Röhm-Straße 79 DC 0 kaum SO Gewerbegebiet Nordwest
Lidl Gräfenhäuser Straße 79 DC 0 kaum SO Gewerbegebiet Nordwest
Penny Eschollbrücker Straße 26 DC 0 vorhanden Streulage
Netto Markendiscount Kasinostraße 94 DC 0 eingeschränkt SO Gewerbegebiet Nordwest
Penny Pallaswiesenstraße 72A DC 0 eingeschränkt SO Gewerbegebiet Nordwest
Netto Markendiscount Eschollbrücker Straße 100 DC 0 vorhanden Streulage
Netto City Kirchstraße 4 DC - vorhanden ZVB Innenstadt Darmstadt
Penny Grundstraße 10 DC - vorhanden ZVB Kranichstein
Netto City Grafenstraße 16 DC - vorhanden ZVB Innenstadt Darmstadt
Strukturprägende Lebensmittelmärkte (> 400 qm VKF) in der Stadt Darmstadt
Quelle: Dr. Lademann & Partner. DC=Discounter, SM = Supermarkt < 800 qm VKF, VK = kleiner Verbrauchermarkt, VG = großer Verbrauchermarkt,
SBW = SB-Warenhaus > 5.000 qm VKF; + = entsprechend der Betriebsform marktgängig; o = für Betriebsform übliche Verkaufsfläche; - = für Betriebsform
unterdurchschnittliche Dimensionierung.
67 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
(großflächiger) Formate in Neubaugebieten bzw. räumlich nicht versorgten Bereichen
erwogen werden. Generell sollte bei der Weiterentwicklung der Nahversorgung in
Darmstadt die Stärkung der städtischen Zentren im Vordergrund stehen.
Vor dem Hintergrund, dass Verbrauchermärkte, die überwi egend zur Versorgung der
angrenzenden Wohngebiete dienen, betriebsoptimale Größen ab ca. 1.400 bis 1.500
qm Verkaufsfläche benötigen sowie Lebensmitteldiscounter mittlerweile Verkaufsflä-
chen von mehr als 800 qm bis etwa 1.200 qm Verkaufsfläche nachfragen, ist zu erwar-
ten, dass die Anfragen und Anträge auf Erweiterungen von Bestandsstandorten in den
nächsten Jahren zunehmen werden. Von diesen Entwicklungstrends auf Ebene der
wohngebietsbezogenen Nahversorgung grenzen sich zudem solche Verbraucher-
märkte ab, die sich über die Inszenierung der Großfläche sowie in Verbindung mit Fri-
sche, Produktion und Gastronomie profilieren (z.B. Integration von Sushi -Bar, Pasta-
Bar und Kaffeerösterei auf die Verkaufsfläche).
Rein quantitativ verfügt wird in der Stadt Darmstadt derzeit ein
durchschnittliches Nahversorgungsangebot vorgehalten, welches vor
allem in den Randbereichen deutliche räumliche Lücken in der
wohnortnahen Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs aufweist.
Insgesamt verfügen derzeit rd. 22 % der Einwohner über keine
Nahversorgung innerhalb eines fußläufigen Einzugsbereichs.
Hinsichtlich der Betriebstypenstruktur ist ein leichtes Übergewicht von
Anbietern im Vollsortiment zu konstatieren, was wiederum mit der
überdurchschnittlichen Kaufkraft korreliert. Die durchschnittlichen
Betriebsgrößen weisen darauf hin, dass es in den nächsten Jahren
sowohl im Discountsegment als auch bei den Vollsortimentern weitere
Erweiterungsbestrebungen geben wird.
68 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
6.4 Zentralitätsanalyse für den Einzelhandel in
Darmstadt
Die Einzelhandelszentralität (Z) bildet das Verhältnis des am Ort getätigten Umsatzes
zu der am Ort vorhandenen Nachfrage ab:
𝐸𝑖𝑛𝑧𝑒𝑙ℎ𝑎𝑛𝑑𝑒𝑙𝑠𝑧𝑒𝑛𝑡𝑟𝑎𝑙𝑖𝑡ä𝑡 (𝑍) = 𝑎𝑚 𝑂𝑟𝑡 𝑔𝑒𝑡ä𝑡𝑖𝑔𝑡𝑒𝑟 𝑈𝑚𝑠𝑎𝑡𝑧
𝑎𝑚 𝑂𝑟𝑡 𝑣𝑜𝑟ℎ𝑎𝑛𝑑𝑒𝑛𝑒 𝑁𝑎𝑐ℎ𝑓𝑟𝑎𝑔𝑒 × 100
Ist dieser Wert größer als 100, zeigt dies insgesamt Nachfragezuflüsse aus dem Um-
land an. Je größer der Z -Wert ist, desto stärker ist die Sogkraft, die vom ze ntralen Ort
ausgeht. Ein Wert unter 100 zeigt an, dass hier höhere Nachfrageabflüsse an das Um-
land bestehen. U.a. kann man also an der Zentralität die Einzelhandelsattraktivität
eines zentralen Orts im Vergleich zu anderen, konkurrierenden Kommunen ablesen.
Auf Basis de s lokalen Nachfragepotenzials der Darmstädter Bevölkerung sowie der
Umsatzschätzung errechnet sich für die Stadt Darmstadt eine einzelhandelsrelevante
Zentralität von
rd. 83 %.
Per Saldo heißt das, dass rd. 17 % der Nachfrage der Darmstädte r Bevölkerung zu
Standorten außerhalb des Darmstädter Stadtgebiets abfließen. Dieser Zentralitäts-
wert zeigt, dass der örtliche Einzelhandel in weiten Teilen nicht dazu in der Lage ist, das
Nachfragepotenzial innerhalb von Darmstadt abzuschöpfen. Dies lässt einerseits auf
eine erhöhte Wettbewerbsbeziehung insbesondere mit den Angeboten in den angren-
zenden Mittelzentren sowie auch dem Online-Handel und andererseits auf Angebots-
lücken und damit auf Defizite bei der Marktdurchdringung schließen.
Die einzelnen Branchenzentralitäten geben Aufschluss über die Angebotsstärken
und -schwächen des Einzelhandels der Stadt Darmstadt sowie über die branchenspe-
zifische interkommunale Konkurrenzsituation.
69 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Abbildung 29: Einzelhandelsrelevante Zentralitäten in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
◼ Die Branchenzentralität beträgt innerhalb des kurzfristigen Bedarfs rd. 7 5 %.
Diese liegt somit auf einem unterdurchschnittlichen Niveau und deutet auf erheb-
liche Kaufkraftabflüsse in die Einkaufsstandorte außerhalb von Darmstadt hin. Ver-
antwortlich hierfür sind einerseits das eigene Angebot im kurzfristigen Bedarf von
Darmstadt sowie andererseits die Standorte in den direkt angrenzenden Mittelzen-
tren (u.a. Pfungstadt u. Weiterstadt mit jeweils einem Kaufland -Verbraucher-
markt), welche aufgrund der räumlichen Nähe auch auf die Bewohner in Darmstadt
ausstrahlen.
◼ Der Zentralitätswert des mittelfristigen Bedarfsbereichs weist mit im Schnitt rd.
108 % einen leicht überdurchschnittlichen Wert auf. Die Zentralität ist jedoch sor-
timentsspezifisch unterschiedlich zu bewerten. Sie wird maßgeblich durch die
Branche Bekleidung/ Schuhe getrieben (rd. 146 %). Auch der Bereich Sportbedarf/
Camping ist mit einer Zentralität von 120 % ein attraktives Angebot innerhalb der
Stadt Darmstadt zu konstatieren. Demgegenüber müssen für die weiteren Bran-
chen des mittelfristigen Bedarfs wie Spielwaren/ Hobbybedarf (rd. 75 %), Bü-
cher/Zeitungen, Schreibwaren (rd. 89 %) und Hausrat/ GPK (rd. 46 %) zum Teil
deutliche Kaufkraftabflüsse festgehalten werden. Dies liegt neben den regionalen
Wettbewerbsstrukturen für diese Branchen auch am wachsenden Onlinehandel. Es
wird somit zukünftig zunehmend schwer er werden, die gesamte vor Ort vorhan-
dene Nachfrage nach Gütern des mittelfristigen Bedarfs im stationären
www.dr-lademann-partner.deDr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Einzelhandelsrelevante Zentralitäten in Darmstadt
Insgesamt ergibt sich für Darmstadt eine branchenübergreifende Einzelhandelszentralität von 83%.
Einzelhandelszentralität in %
kurzfristiger mittelfristiger langfristiger Bedarf
Bau- und Garten-/Tierbedarf
Möbel/Haus- und Heimtextilien
Elektrobedarf
Schmuck, Uhren, Optik
Hausrat, GPK
Spielwaren/Hobby, Sport, Bücher
Bekleidung/Schuhe
Kurzfristiger Bedarf
78%
71%
59%
120%
45%
95%
146%
75%
Fortschreibung des Einzelhandels- und Zentrenkonzepts für Darmstadt
83 %
Zentralität Darmstadt
70 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Einzelhandel in Darmstadt zu binden. Dennoch sollte für das Oberzentrum Darm-
stadt eine Zentralitätserhöhung bzw. ein Ausbau des Angebots als Ziel ang estrebt
werden.
◼ Die Sortimente des langfristigen Bedarfs verfügen über eine Einzelhandelszent-
ralität von 74 %. Dabei könne n lediglich die Angebote im Bereich Optik (rd. 104 %)
sowie Uhren/ Schmuck (rd. 139 %) ein gutes Angebot in der Stadt Darmstadt vor-
halten. Aufgrund der lokalen Angebotsstrukturen ist demgegenüber für die Bran-
chen Elektrobedarf (rd. 59 %), Möbel/ Haus- u. Heimtextilien (rd. 71 %) sowie Bau-
und Garten-/ Tierbedarf (rd. 78 %) ein deutliches Angebotsdefizit vorhanden. Dies
ist v.a. auf den insgesamt niedrigen Angebotsbestand in den Teilsegmenten des
langfristigen Bedarfs sowie den regionalen Wettbewerbsstrukturen zurückzufüh-
ren. Beispielsweise steh en einem Elektrofachmarkt in Darmstadt (Saturn) mit Sa-
turn und Media Markt zwei Elektrofachmärk te direkt a ußerhalb der Darmstädter
Stadtgrenze gegenüber. Auch im Bereich Möbel müssen deutliche Abflüsse zum
Segmüller Möbelmarkt in Weiterstadt konstatiert werden. Im Teilsegment Haus- u.
Heimtextilien besteht in Darmstadt mit Matratzen Concord lediglic h ein Filialist.
Zwar bestehen im Stadtgebiet von Darmstadt insgesamt drei Baumärkte, ein reines
Garten-Center ist allerdings im Stadtgebiet nicht angesiedelt.
Die Zentralität des Darmstädter Einzelhandels liegt aktuell bei rd. 83 %.
Das heißt, per Saldo liegt der örtliche Einzelhandelsumsatz 17 % unter
dem örtlichen Nachfragepotenzial, was auf erhebliche
Kaufkraftabflüsse an die umliegenden Einkaufslagen sowie den
Internethandel hindeutet. Während im Bereich Bekleidung/ Schuhe als
auch bei Uhren/Schmuck/ Optik deutliche Kaufkraftzuflüsse erzielt
werden, sind für die weiteren Branchen Kaufkraftabflüsse zu
konstatieren. Dabei kann vor allem im kurzfristigen Bedarfsbereich
(auch vor dem Hintergrund der wachsenden Bevölkerung), aber auch
in den anderen Branchen (vor dem Hintergrund der oberzentralen
Versorgungsfunktion) ein Ausbau der Angebote empfohlen werden.
71 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
6.5 Analyse der Nachfrageverflechtungen
Der Zentralitätswert ist eine Saldo -Größe aus den Nachfragezuflüssen aus dem Um-
land und den Nachfrageabflüssen aus der Stadt Darmstadt in das Umland. Mit Hilfe ei-
ner Nachfragestromanalyse können diese Zu- und Abflüsse quantifiziert werden.
Abbildung 30: Nachfragestromanalyse des Einzelhandels in Darmstadt
Entsprechend den Ergebnissen der Nachfragestromanalyse, die im Wesentlichen auf
der Umsatzschätzung und Zentralitätsanalyse aufbaut, liegt die Nachfragebindung in
Darmstadt über alle Sortimente bei ca. 63 %, sodass die Abflüsse in den stationären und
nicht-stationären Handel rd. 447,7 Mio. € p.a. betragen.
Dem steht ein Brutto-Zufluss von insgesamt etwa 240,7 Mio. € p.a. gegenüber. Dieser
Nachfragezufluss resultiert aus der Abschöpfungsquote aus dem Marktgebiet der
Stadt Darmstadt in Höhe von rd. 195,6 Mio. € (Zone 2) und rd. 23,5 Mio. € (Zone 3) zu-
züglich der Potenzialreserve durch Pendler, Touristen, Ziel- u. Gelegenheitskunden u.ä.
von insgesamt rd. 21,6 Mio. € (ca. 2 %). Dies zeigt, dass es dem Einzelhandel in der Stadt
Darmstadt nicht ausreichend geling t, sich bei den Personen aus dem Umland als be-
deutender Einzelhandelsstandort zu positionieren
Differenziert nach Hauptwarengruppen ist bei den nahversorgungsrelevanten Sorti-
menten (kurzfristiger Bedarf) die Nachfragebindung in Darmstadt mit rd. 74 % zwar er-
wartungsgemäß am höchsten, da diese Sortimente überwiegend in Wohnortnähe
gekauft werden. Allerdings zeigt dieser Wert jedoch zugleich, dass im Bereich der
www.dr-lademann-partner.deDr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
751,4
76%
195,6
20%
23,5
2%
21,6
2%
Zone 1 Zone 2 Zone 3 Potenzialreserve
Nachfragestromanalyse Darmstadt
992,1
Nachfragepotenzial
Darmstadt (Zone 1)
Nachfragepotenzial
Umland (Zone 2)
Einzelhandelsumsatz
Darmstadt
Nachfrageabflüsse
gebundene Nachfrage
Im Umland gebundene
Nachfrage
Abgeschöpfte
Nachfrage
Alle Angaben in Mio. €
Nachfragepotenzial
Umland (Zone 3)
Im Umland gebundene
Nachfrage
Abgeschöpfte
Nachfrage
9%
91%
1%
99%
63%
37%
1.199,2
Fortschreibung des Einzelhandels- und Zentrenkonzepts für Darmstadt
2.096,6
2.819,6
72 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Nahversorgung durchaus noch Ausbaupotenziale bestehen, um ein hohe Nachfrage-
bindung in Darmstadt zu erreichen.
Bei den mittelfristigen (rd. 61 %) und langfristigen Hauptwarengruppen (rd. 47 %) liegt
die Nachfragebindung deutlich niedriger. Einschränkend muss hier aber darauf verwie-
sen werden, dass ein Teil der Nachfrage vom nicht-stationären Handel gebunden wird
und diese Bedarfsbereiche auch in den umliegenden Einzelhandelsstandorten nach-
gefragt werden. Dennoch bestehen aufgrund der zum Teil erheblichen Angebotslü-
cken noch Ausbaupotenziale im Darmstädter Einzelhandel. Nennenswerte
Nachfrageabflüsse bestehen aktuell vor allem in den Branchen Elektrobedarf, Möbel,
Haus- u. Heimtextilien sowie Spielwaren/ Hobbybedarf. Eine deutliche Erhöhung der
Nachfragebindung erscheint dabei allerdings v.a. in den Branchen Elektrobedarf sowie
Möbel aufgrund der Wettbewerbsstrukturen in Weiterstadt eher unrealistisch.
Der lokale Einzelhandel kann rd. 63 % der eigenen Nachfrage vor Ort
halten. Darüber hinaus fließen rd. 240,7 Mio. € von außen zu (Umland
sowie Potenzialreserve). Nachfrageabflüsse resultieren u.a. aus Lücken
im Angebotsprofil, den zahlreichen Einkaufsalternativen im Umland
und den steigenden Abflüssen in den Online-Handel. Eine
Stabilisierung der Nachfragebindung vor Ort sowie insbesondere der
Ausbau der überörtlichen Nachfrageabschöpfung sollte daher Ziel der
künftigen Einzelhandelsentwicklung sein.
6.6 Stärken- u. Schwächen-Analyse zum Einzelhan-
delsstandort Darmstadt
Die wichtigsten Stärken des Einzelhandelsstandorts Darmstadt lassen sich wie folgt
charakterisieren:
◼ Die dynamischen sozioökonomischen Rahmenbedingungen (v.a. Bevölkerungs-
prognose, positiver Pendlersaldo, überdurchschnittliches Kaufkraftniveau, nied-
rige Arbeitslosenquote) wirken sich weiterhin positiv auf die
Entwicklungspotenziale des Darmstädter Einzelhandels aus.
◼ Insgesamt wird in der Stadt Darmstadt trotz des interkommunalen Wettbewerbs
ein umfassendes Einzelhandelsangebot vorgehalten. Der Verkaufsflächenanteil
der Innenstadt an der Gesamtverkaufsfläche der Stadt Darmstadt erreicht mit rd.
41 % die notwendige Dominanz. Dabei ist vor allem das Angebot im Bereich Beklei-
dung/ Wäsche mit rd. 47.700 qm Verkaufsfläche sehr stark vertreten (etwa 44 %
der Gesamtverkaufsfläche bzw. rd. 38 % des Umsatzes in der Innenstadt). Für die
weiteren zentrenrelevanten Sortimentsbereiche ist prospektiv allerdings noch ein
weiterer Ausbau anzustreben. Der Anteil von 20 % im kurzfristigen Bedarf zeigt dar-
über hinaus leichte Defizite auf.
73 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
◼ Die Innenstadt von Darmstadt weist eine kompakte Struktur auf und verfügt mit
dem Luisencenter über ein innerstädtisches Einkaufszentrum, wo eine Vielzahl von
Filialisten angesiedelt sind. Zudem gehören Karstadt, Galeria Kaufhof, das Mode-
haus Henschel, Saturn, C&A sowie das Sporthaus Hübner zu den ausstrahlungs-
stärksten Magnetbetriebe n. Generell wird die Innen stadt trotz vereinzelter
Angebotslücken ihrer oberzentralen Funktion gerecht.
◼ Die Darmstädter Innenstadt (ZVB Innenstadt) verfügt mit Betrieben aus Einzelhan-
del, Dienstleistung und Gastronomie sowie öffentlichen Einrichtungen über eine
hohe Multifunktionalität, welche zu einer Frequentierung und Belebung der In-
nenstadt führen (insgesamt 902 Betriebe). Entlang der Hauptlage findet sich zu-
dem ein nahezu durchgängiger Nutzungsbesatz mit einer geringen
Leerstandsquote.
◼ Die Erreichbarkeit der Einzelhandelsangebote ist aus Darmstadt sowie aus dem
Umland sowohl mit den verschiedenen Verkehrsmitteln als auch zu Fuß/ Rad gege-
ben. Dies gilt für die Innenstadt sowie für die dezentral im Stadtgebiet verteilten
Lebensmittelmärkte und Ergänzungsstandorte. Das Parkplatzan gebot in der In-
nenstadt und in den Stadtteil - bzw. Nahversorgungszentren ist grundsätzlich als
angemessen zu bewerten.
◼ Neben der Innenstadt verfügt die Stadt Darmstadt über weitere Stadtteil - und
Nahversorgungszentren sowie weitere Ergänzungsstandorte. Es liegt somit eine
gut ausgeprägte räumlich-funktionale Arbeitsteilung der Einzelhandelsstand-
orte mit der Innenstadt als Hauptzentrum vor.
◼ Mit der Strategie zur Digitalstadt Darmstadt sind erste Projekte für den Einzelhan-
del bereits heute vorhanden, welche in Zukunft weiter vorangetrieben werden soll-
ten (Beispiel Projekt „Watch my City“30).
Die wesentlichen Schwächen des Einzelhandels in Darmstadt lassen sich aus unserer
Sicht wie folgt zusammenfassen:
◼ Die Zentralität liegt mit 83 % insgesamt für ein Oberzentrum in einem unterdurch-
schnittlichen Bereich. In einigen Sortimenten des mittel- und langfristigen Bedarfs
konnten deutliche Angebots - und Zentralitätsdefizite ausgemacht werden. D ies
gilt insbesondere für die Segmente Möbel, Elektrobedarf sowie Bau - und Garten-
bedarf. In diesen Sortimenten kann Darmstadt die ihr zugewiesene Versorgungs-
funktion derzeit nicht (vollständig) erfüllen. Ein Großteil der Nachfrage fließt hier
ab.
◼ Insgesamt verfügen derzeit rd. 22 % der Einwohner über keinen strukturprägen-
den Nahversorgungsanbieter innerhalb eines fußläufigen Einzugsbereichs. Die
30 Anwendung, mit der sich die Darmstädterin nen und Darmstädter, Touristen und alle anderen Interessierten Einkaufsmöglichkeiten
und Gastronomie unverbindlich und kostenlos anschauen können – virtuell in 360-Grad-Aufnahmen.
74 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Nahversorgung ist somit in einigen Bereichen der Stadt nicht flächendeckend ge-
geben. Zudem deuten sowohl die Zentralität als auch die Verkaufsflächendichte im
kurzfristigen Bedarf auf deutliche Angebotslücken. Hinsichtlich der Betriebstypen-
struktur ist ein leichtes Übergewicht von Anbietern im Vollsortiment zu konstatie-
ren, was wiederum mit der überdurchschn ittlichen Kaufkraft korreliert. Die
durchschnittlichen Betriebsgrößen weisen darauf hin, dass es in den nächsten Jah-
ren sowohl im Discountsegment als auch bei den Vollsortimentern weitere Erwei-
terungsbestrebungen geben wird. Zudem sollten aufgrund des deut lichen
Bevölkerungswachstum neue integrierte Lebensmittelmärkte in den unterversorg-
ten Stadtbereichen etabliert werden. Dies wird über die bestehenden Planvorha-
ben aber bereits aufgegriffen.
◼ Die Einkaufsalternativen in den benachbarten Mittelzentren (v.a. Pfungstadt, Wei-
terstadt u. Griesheim) als auch die Nähe zur Metropole Frankfurt am Main lassen
auf einen intensiven interkommunalen Wettbewerb schließen. Darüber hinaus
begrenzt auch der Online-Handel nach wie vor die Entwicklungsmöglichkeiten für
die Wissenschaftsstadt Darmstadt.
75 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
7 Einzelhandelsentwicklungskonzept
für die Wissenschaftsstadt Darm-
stadt
7.1 Tragfähigkeitsrahmen für die Entwicklung des
Einzelhandels bis 2025
7.1.1 Antriebskräfte der Einzelhandelsentwicklung
Für die weitere Entwicklung der Stadt Darmstadt als Einzelhandelsstandort ist die Frage
entscheidend, welche Perspektiven der Einzelhandel in Darmstadt insgesamt besitzt.
Die grundsätzlichen Hauptantriebskräfte der Einzelhandelsexpansion sind in erster Li-
nie:
◼ Wachstumskräfte (z.B. Bevölkerungs- und Demografieentwicklung, Kaufkraft-
entwicklung und Betriebstypendynamik);
◼ Defizitfaktoren (z.B. unzureichende Zentralitätswerte und Fernwirkung, Struktur-
defizite im Angebotsmix, unterdurchschnittliche Flächenausstattung und kleinräu-
mige Versorgungslücken).
Betrachtet man die Wachstums- und Defizitfaktoren aus der lokalspezifischen Situa-
tion der Stadt Darmstadt heraus, zeichnen sich folgende Entwicklungstendenzen ab:
◼ Die Einwohnerzahlen in Darmstadt werden perspektivisch anw achsen und somit
positiv auf die künftige Einzelhandelsentwicklung wirken. Die demografische Ent-
wicklung bewirkt zunehmend Veränderungen im Einkaufsverhalten. Es steigt da-
mit auch die Bedeutung einer fußläufigen bzw. im modal split gut erreichbaren
Nahversorgung.
◼ Insgesamt ist kein signifikanter Anstieg des ohnehin bereits überdurchschnittli-
chen Kaufkraftniveaus zu erwarten. Von der Kaufkraftentwicklung werden per-
spektivisch somit keine signifikanten zusätzlichen Impulse für die
Einzelhandelsentwicklung ausgehen. Es ist nochmals die steigende Bedeutung des
Online-Handels anzuführen, so dass die rückläufigen bzw. stagnierenden Ausga-
ben im stationären Einzelhandel für die einzelnen Sortimente weiter anhalten wer-
den. Allerdings muss auf die Innovationskraft des stationären Handels hingewiesen
werden, der bereits heute erfolgreich mit neuen Konzepten und Omnichannel-Lö-
sungen auf den intensivierten Wettbewerb reagiert.
76 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
◼ Die Betriebstypendynamik ist auch für Darmstadt zu beobachten: so ist davon
auszugehen, dass aus den allgemeinen Strukturverschiebungen zu Gunsten der
Großflächen31 in einzelnen Branchen Veränderungsbedarfe an die Stadt herange-
tragen werden, aus denen oftmals auch der Wunsch nach mehr oder „anderer“ Ver-
kaufsfläche einhergeht.
◼ Die Einzelhandelszentralität bewegt sich mit rd. 83 % insgesamt für ein Oberzent-
rum auf einem unterdurchschnittlichen Niveau. Grund hierfür ist neben den eige-
nen Angebotsdefiziten auch die regionale Wettbewerbssituation (v.a. Möbel). In
mehreren Sortimentsbereichen sind Zentralitätsdefizite zu erkennen, die entspre-
chend der oberzentralen Versorgungsfunktion und der Tragfähigkeit abgebaut
werden sollten (u.a. Spielwaren, Elektrobedarf, Hausrat/ GPK) . Zudem gilt es , die
Stärken weiter zu stärken, um Agglomeration seffekte zu generieren (v.a. Beklei-
dung).
◼ Die Flächenausstattung liegt in Darmstadt insgesamt auf einem guten Niveau. Ein
Ausbau der Nachfragebindung und -abschöpfung erscheint dennoch möglich und
langfristig zielführend. Dies setzt voraus, dass sich die E inzelhandelsangebote an
den funktional richtigen Stellen befinden und eine kritische Masse an Angeboten
angesiedelt wird (v.a. Innenstadt).
◼ Darüber hinaus sind strukturelle Defizite in Darmstadt feststellbar:
Vereinzelte Angebotsdefizite in der Innenstadt von Darmstadt sowie der Aus-
stattungsgrad in den Stadtteil- bzw. Nahversorgungszentren (v.a. im kurzfristi-
gen Bedarf) sowie
die suboptimalen Verkaufsflächengrößen im Lebensmitteleinzelhandel in Ver-
bindung mit einem geringen Anteil discountorientierter Flächen.
◼ Trotz der gesicherten Planvorhaben des Lebensmitteleinzelhandels sind zum Teil
weitere räumliche Versorgungslücken in der Nahversorgung gegeben. Diese wer-
den jedoch voraussichtlich aufgrund der fehlenden Tragfähigkeitspotenziale nicht
vollständig geschlossen werden können. In diesem Zusammenhang ist jedoch noch
mal zu erwähnen, dass im Zuge des demografischen Wandels und einer einge-
schränkten Mobilität die wohnortnahe Versorgung immer mehr an Bedeutung ge-
winnt, so dass die bestehenden Betriebe zu siche rn und zu stärken sind und die
Erreichbarkeit der Einwohner an die nächstgelegenen Lebensmittelmärkte ge-
währleistet ist.
Spielräume zum Ausbau des Einzelhandelsangebots ergeben sich damit v.a. aus fol-
genden Quellen:
31 Die Betriebstypendynamik wird weiter dafür sorgen, dass der Flächenanspruc h der Einzelhandelsbetriebe insbesondere im periodi-
schen Bedarfsbereich (auch der im Bestand) steigen wird. Der Online -Handel bewirkt demgegenüber, dass vor allem bei m mittelfris-
tigen Bedarf im Mittel keine steigenden Verkaufsflächenbedarfe hergeleitet wer den können - zum Teil sogar abnehmende
Flächenbedarfe erwartbar sind (Unterhaltungselektronik, Bücher).
77 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Abbildung 31: Hauptansatzpunkte der Flächenentwicklung in Darmstadt
7.1.2 Verkaufsflächenspielräume
Unter Berücksichtigung der o.g. Faktoren errechnet sich für Darmstadt ein tragfähiger
Flächenrahmen bis zum Jahr 2025 von insgesamt
rd. 40.600 qm Verkaufsfläche (+ 15 %).
Der Entwicklungsrahmen für die Stadt Darmstadt entfällt in der sektoralen Differenzie-
rung auf die in der Tabelle dargestellten Branchen:
www.dr-lademann-partner.deDr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Hauptansatzpunkte der Flächenentwicklung in Darmstadt
Externe
Wachstumsfaktoren
Verkaufsflächen-
entwicklung in
Darmstadt
bis 2025
Zentralitäts-
defizite
Defizitfaktoren des
Einzelhandelsstandorts
Strukturelle
Defizite
Räumliche
Versorgungslücken
Bevölkerungs-
entwicklung und Demografie
Pro-Kopf-
Nachfrage
Betriebsformen-
wandel
bringt kein Impulse
bringt Impulse
Fortschreibung des Einzelhandels- und Zentrenkonzepts für Darmstadt
78 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Abbildung 32: Entwicklungsrahmen für die Weiterentwicklung d es Einzelhandels in der Wissenschafts-
stadt Darmstadt
Der Entwicklungsrahmen lässt sich in einzelne Branchengruppen untergliedern.
Grundsätzlich sollten die Verkaufsflächenpotenziale der einzelnen Branchen wie folgt
genutzt werden:
◼ Kurzfristiger Bedarf (bis zu 18.100 qm Verkaufsfläche):
Hinsichtlich der steigenden Relevanz einer flächendeckenden, fußläufigen Er-
reichbarkeit von Lebensmittelanbietern resp. Drogeriefachmärkten sind nahver-
sorgungsrelevante Sortimente in städtebaulich -integrierten Lagen
(Mantelbevölkerung) und hierbei in den unterschiedlichen Zentrentypen bevor-
zugt anzusiedeln. Die Flächenpotenziale sollten zudem dazu genutzt werden, etab-
lierte Nahversorgungsstrukturen durch moderate Flächenerweiterungen
zukunftsfähig abzusichern. So ist davon aus zugehen, dass die Erweiterung bzw.
Neuaufstellung bestehender Betriebe Flächenbedarfe generieren wird. Zudem
würde die Weiterentwicklung von qualifizierten Verbrauchermärkten in Richtung
Frische, Service, Produktion und Gastronomie Flächenbedarfe induzieren und sich
aus dem Kundenpotenzial der Stadt Darmstadt insgesamt rekrutieren. Weiterhin
könnten die ermittelten Verkaufsflächenspielräume auch für den Ausbau des Dis-
countsegments genutzt werden, um der bestehenden leichten Schieflage zu Las-
ten discountorientierter Anbieter entgegenzuwirken.
www.dr-lademann-partner.deDr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Entwicklungsrahmen* für die Weiterentwicklung des Einzelhandels
bis zum Jahr 2025
* Werte gerundet. Alle Angaben in qm.
** Einbezogen wurden hier: branchenbezogene Wachstumsfaktoren, Bevölkerungszuwachs, Flächenzuwachs durch Betriebstypenwachstum.
kurzfristiger
Bedarf
mittelfristiger
Bedarf
langfristiger
Bedarf Summe
VKF-Bestand in qm 72.200 97.200 94.300 263.700
Wachstumsinduzierter
Flächenrahmen** 5.100 3.800 3.700 12.600
Erhöhung Nachfrage-
bindung u. -abschöpfung 13.000 3.600 11.400 28.000
Hieße zusätzliche
Fläche in qm 18.100 7.400 15.100 40.600
Summe 2025 90.300 104.600 109.400 304.300
Fortschreibung des Einzelhandels- und Zentrenkonzepts für Darmstadt
79 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Lebensmittelmärkte und Drogeriemärkte/Drogeriekaufhäuser stellen eine wesent-
liche Voraussetzung zur Ansiedlung weiterer Angebote dar. Insofern ist mit diesen
Sortimenten primär auf eine weitere Stärkung der Zentren und sekundär der städ-
tebaulich-integrierten Nahversorgungsstandorte hinzuwirken. Es gilt v.a. den Le-
bensmitteleinzelhandel als Frequenzbringer der Zentren zu erhalten bzw.
auszubauen und auf den jeweiligen Nahbereich auszurichten. Standorte in der In-
nenstadt können von dem Nachfragevolumen der Gesamtstadt profitieren.
◼ Mittelfristiger Bedarf (bis zu 7.400 qm Verkaufsfläche):
Vorrangig geht es um die Sicherung und den qualitativen und quantitativen Ausbau
der Funktionsfähigkeit der Innenstadt von Darmstadt als dominierendes Zentrum
der Stadt insgesamt. Das bestehende Angebot sollte durch Erweiterungen und ge-
zielte Neuansiedlungen oberzentraler Angebote qualifiziert werden. Dabei sollte
ein Schwerpunkt auf die Ansiedlung mittel - bis großflächiger Betriebe (> 400 qm
VKF) gelegt werden.
◼ Langfristiger Bedarf (bis zu 15.100 qm Verkaufsfläche):
Diese sind aufgrund ihres flächenextensiven Charakters und dem häufig damit ver-
bundenen autokundenorientierten Einkaufsverkehr vorzugsweise an bestehenden
Agglomerationen (z.B. den Ergänzungsstandorten) anzusiedeln oder zu erweitern,
da von diesen Branchen keine zentrumsbildenden Funktionen ausgehen. Beispiels-
weise handelt es sich hierbei um Fachmarktnutzungen mit dem Schwerpunkt Ein-
richtung (Heimtextilien/Teppiche, Matratze n), Bau - und Gartenbedarf, Tierfutter
oder Kfz-Zubehör.
In diesem Zusammenhang ist festzuhalten, dass es sich bei den aufgezeigten Ent-
wicklungsoptionen nur um einen groben Orientierungsrahmen handelt, der unter
Abwägung der Vor - und Nachteile ggf. auch lei cht überschritten werden kann .
Sollten die aufgestellten Potenziale nicht in der Innenstadt erschlossen werden kön-
nen, kämen auch andere Standortlagen zum Abbau von Angebotsdefiziten in Frage.
Dafür sind jedoch eine detaillierte Verträglichkeitsprüfung des konkreten Vorhabens
und die politische Willensbildung erforderlich. Zudem ist auf die Vereinbarkeit mit den
Zielen und Steuerungsregeln des Einzelhandelskonzepts und den Vorgaben der Lan-
des- und Regionalplanung hinzuwirken.
80 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Der rechnerische Entwicklungsrahmen für den Einzelhandel in
Darmstadt beträgt bis zum Jahr 2025 bis zu rd. 40.600 qm
Verkaufsfläche und umfasst dabei kurz-, mittel- und langfristige
Sortimente. Das Potenzial sollte im kurz- und mittelfristigen
Bedarfsbereich vorrangig auf die Innenstadt von Darmstadt sowie im
kurzfristigen Bedarfsbereich auch auf die Stadtteil- und
Nahversorgungszentren fokussiert werden. Es kommen jedoch auch im
Einzelfall andere Standortlagen in Frage. Bereits gesicherte bzw.
umgesetzte Planvorhaben sind von dem Entwicklungsrahmen
allerdings wieder abzuziehen.
7.2 Strategische Orientierungsprinzipien
Der stationäre Einzelhandel vermag durch einen vielfältigen Betriebstypen - und
Standortmix die Urbanität und Attraktivität einer Stadt, aber auch ihrer Prosperität po-
sitiv zu beeinflussen. Diese primär städtebaulichen Ziele lassen sich jedoch nur errei-
chen, wenn durch die Bauleitplanung die investitionsseitigen Voraussetzungen
geschaffen werden, sodass sich eine Nachfrage nach städtebaulich erwünschten
Standorten einstellt, die der betriebswirtschaftlichen Tragfähigkeit gerecht wird. Ge-
rade im Zuge einer anhaltenden Verkaufsflächenentwicklung wird daher generell ver-
sucht, die Bauleitplanung im Einzelhandel
am Prinzip der räumlich-funktionalen Arbeitsteilung
des Standortnetzes zu orientieren.
Eine derartige arbeitsteilige Versorgungsstruktur lässt sich jedoch im Wettbewerb
nicht ohne bauleitplanerische Rahmenbedingungen erhalten bzw. herbeiführen. Es
kommt dabei darauf an, eine innenstadtverträgliche Ver kaufsflächenentwicklung an
der Peripherie sowie eine gezielte Verbesserung der ökonomischen Rahmenbedingun-
gen der Innenstadt sicherzustellen.
Neben der räumlich -funktionalen Arbeitsteilung als leitendes Prinzip der Stadtent-
wicklung kann bauleitplanerisch die Sogkraft des Einzelhandels durch den Grad der
Standortkonzentration (Agglomerationsgrad) beeinflusst werden. Generell gilt, dass
ein auf viele Standorte zersplittertes Einzelhandelsnetz weniger sogkräftig ist als ein
stärker konzentriertes. Dies ist insbesondere für die zentrenrelevanten Sortimente der
Fall.
Das Prinzip der dezentralen Konzentration lässt je nach Stadt- und Gemeindegröße
eine unterschiedliche Anzahl von Standortagglomerationen zu.
81 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Abbildung 33: Strategische Orientierungsprinzipien
Als Herausforderung ist dabei der sich verschärfende Wettbewerb sowohl zwischen
den zentralen Orten als auch mit dem Online -Handel anzusehen. Die zentralörtliche
Position der Stadt Darmstadt sollte vor dem Hintergrund der Versorgu ngsfunk-
tion für das Umland konsequent gesichert und gestärkt werden.
Die Einzelhandelsentwicklung sollte dabei neben der allgemeinen quantitativen Ver-
besserung künftig in erster Linie an einer qualitativen Verbesserung orientiert wer-
den. Die Bemühungen zielen dabei insbesondere darauf ab, die Innenstadt weiter zu
stärken und Erosionstendenzen in den Stadtteil- und Nahversorgungszentren zu stop-
pen bzw. umzukehren.
Konkret ist damit folgende Ausrichtung der einzelnen Standortbereiche anzusteuern:
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Orientierung der künftigen Einzelhandelsentwicklung
an den Prinzipien der
räumlich-funktionalen
Arbeitsteilung
an den Prinzipien der
dezentralen
Konzentration
Erhöhung der Gesamtausstrahlung
durch eine unterschiedliche Profilierung
der Einzelhandelsstandorte einer Stadt
Ein auf wenige Standorte
konzentriertes Einzelhandelsangebot
generiert eine deutlich größere
Sogwirkung als ein stark zersplittertes
Einzelhandelsgefüge
Fortschreibung des Einzelhandels- und Zentrenkonzepts für Darmstadt
82 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Abbildung 34: Strategieempfehlung: „Stärken stärken“
Grundsätzliche Entwicklungsstrategie „Stärken stärken“ hierbei:
◼ Positionierung der Innenstadt als tragender Einzelhandelsstandort durch die Kon-
zentration von höherwertigen, weniger transportsensiblen Angeboten . Der
Schwerpunkt sollte hier auf den sog. ‚ Lustkauf‘ gelegt werden. Der Anteil der zen-
trenrelevanten Sortimente (mittelfristiger Bedarf) sollte dabei gesichert und weiter
ausgebaut werden. Es gilt auch weiterhin ein Mindestmaß an großflä chigen und
sogkräftigen Magnetbetrieben vorzuhalten , da diese Frequenz erzeugende Wir-
kung zukommt. Zudem sollten auch kopplungsaffine Nutzungen (u.a. ärztliche Ein-
richtungen, Gastronomie, Dienstleistungen etc.) gesichert und weiter ausgebaut
werden.
◼ Die Stadtteilzentren sind mit einem multifunktionalen Angebot mit de m
Schwerpunkt auf die Stadtteilversorgung weiterzuentwickeln. Dabei soll ein
konzentriertes Angebot an Einzelhandelsnutzungen (nahversorgungsrelevant und
zentrenrelevant) und ergänzenden Nutzungen bereitgestellt werden. Die Stadtteil-
zentren verstehen sich dabei als wohnortnahe Ergänzungsstandorte zum Innen-
stadtangebot und sprechen in ihrer Ausstrahlung i.d.R. die Bewohner des jeweiligen
Stadtteils an.
◼ Die Nahversorgungszentren sollen demgegenüber primär auf die Sicherung ei-
ner funktionsfähigen Nahversorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs ausge-
richtet sein. Dabei sollte im Sinne eines Zentrums neben Einzelhandelsfunktionen
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Strategieempfehlung: „Stärken stärken“ –
Strategie der räumlich-funktionalen Arbeitsteilung:
Erhöhung der Gesamtausstrahlung durch unterschiedliche Standortprofile
Innenstadt
Darmstadt
als multifunktionaler
Einzelhandelsstandort:
Konzentration der
beratungsintensiven,
zentrenrelevanten Angebote
mit Fachgeschäftscharakter
sowie konsumnaher Angebote
Gleichzeitig restriktive und kritische Bewertung von Vorhaben in Streulagen;
Ausnahme: städtebaulich integrierte Lagen mit Vorhaben, die die Nahversorgung
stärken bzw. sichern.
Ergänzungs-
standorte
Als fachmarktorientierte
Ergänzungsstandorte für den
autoorientierten
Versorgungseinkauf
SO Gewerbegebiet Nordwest
SO Eschollbrücker Straße
SO Heidelberger Straße
+
Fortschreibung des Einzelhandels- und Zentrenkonzepts für Darmstadt
Stadtteil- und
Nahversorgungs-
zentren*
als multifunktionale
Einzelhandelsstandorte mit dem
Schwerpunkt einer stadtteil- bzw.
quartiersbezogenen Versorgung
ZVB Arheilgen
ZVB Eberstadt
ZVB Kranichstein
ZVB Kirchtannensiedlung
(perspekt.) ZVB Ludwigshöhviertel
+
*An dieser Stelle wird bereist auf die künftige Zentrenstruktur der Wissenschaftsstadt Darmstadt abgestellt.
83 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
auch ein Mindestmaß an ergänzenden Nutzungen vorgehalten werden. Zentrenre-
levante Sortimente sollten ausschließlich in Form arrondierender Kleinflächen an-
geboten werden. Großflächige Einzelhandelsbetriebe mit zentrenrelevanten
Kernsortimenten sollten stattdessen nur dem zentralen Versorgungsbereich In-
nenstadt vorbehalten sein. Die Einzugsgebiete erstrecken sich i.d.R. auf die umlie-
genden Wohngebiete.
◼ Die städtebaulich nicht -integrierten und autoorientiert gelegenen drei Ergän-
zungsstandorte sind als allmählich verfestigte funktionale Standortlagen mit
örtlicher bis überörtlicher Ausstrahlkraft zu behandeln. Der Schwerpunkt dieser Er-
gänzungsstandorte sollte dem ‚Lastkauf‘ i.S. des Versorgungseinkaufs entspre-
chen. D.h., das Profil soll hier zukünftig auf den rein versorgungsorientierten
Einkauf typischer ‚Kofferraumsortimente‘ ausgerichtet sein und sich damit auf
ein zur Innenstadt arbeitsteiliges, fachmarktorientiertes Profil konzentrieren. Der
Schwerpunkt der Weiterentwicklung sollte auf dem nach Darmstädter Liste nicht -
zentrenrelevanten Bedarfsbereich liegen. Eine signifikante Weiterentwicklung im
nahversorgungs- und zentrenrelevanten Bedarfsbereich ist nicht zu empfehlen.
Dies gilt auch für die zentrenrelevanten Randsortimente, die je Betrieb auf 10 % der
Gesamtverkaufsfläche zu begrenzen sind.
Der Profilierungsstrategie liegt das Verständnis zugrunde, dass Standortagglome-
rationen von nicht -zentrenrelevanten Betrieben eine eigene spezifische Sogkraft
auf die Verbraucher entfalten (z.B. Kompetenzzentrum für Bauen und Wohnen).
Trotz der guten Ausgang slage der noch maßvollen Steigerung der Bedeutung der
Innenstadt als Haupteinkaufsort ist demgegenüber eine Weiterentwicklung der Er-
gänzungsstandorte in zentren- oder nahversorgungsrelevanten Sortimentsberei-
chen weder möglich noch empfehlenswert. Vielmehr ist auf eine Verlagerung
innenstadttypischer Anbieter in die städtischen Zentren hinzuwirken.
◼ Darüber hinaus sollte eine restriktive und kritische Bewertung von Vorhaben in
Streulagen erfolgen, um eine weitere Zersplitterung der Einzelhandelsstruktu-
ren zu vermeiden, sofern es sich dabei nicht um Vorhaben handeln sollte, die
eindeutig der wohnortnahen Grundversorgung dienen. Es ist auf eine Verlage-
rung innenstadttypischer Anbieter vor allem in die Innenstadt und ggf. Stadtteil-
zentren hinzuwirken.
84 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
8 Einordung der Planvorhaben in das
Einzelhandels- und Zentrenkonzept
Zum Zeitpunkt der Erarbeitung des Konzepts bestehen insgesamt fünf Planvorhaben
bzw. Anfragen zur Ansiedlung von Einzelhandelsbetrieben. Diese beziehen sich alle auf
den periodischen bzw. nahversorgungsrelevanten Einzelhandel. Für die einzelnen Vor-
haben ist in jedem Falle die Erbringung eines detaillierten städtebaulichen und raum-
ordnerischen Verträglichkeitsgutachtens zwingend erforderlich (sofern dieses nicht
bereits vorliegt).
Dabei können die Planvorhaben in den beiden zentralen Versorgungsbereich Stadt-
teilzentrum Arheilgen (Ansiedlung eines Aldi -Lebensmitteldiscounters) und
Stadtteilzentrum Eberstadt (Ansiedlung eines Edeka -Supermarkts) im Sinne des
Einzelhandels- und Zentrenkonzepts positiv eingeordnet werden. Mit den beiden An-
siedlungsvorhaben im kurzfristigen Bedarf erfolgt nicht nur ein Ausbau der Nahversor-
gungsstruktur, sondern auch die Absicherung des jeweiligen Stadtteilzentrums. Vor
allem im Stadtteilzentrum Eberstadt kann durch die Ansiedlung den leichten Abwärts-
tendenzen der vergangenen Jahre entgegengesteuert werden.
Auch die Vorhaben der Ansiedlung eines Verbrauchermarkts in der Lincoln -Sied-
lung (Verbrauchermarkt mit rd. 1.400 qm Verkaufsfläche) sowie im Berliner Car-
ree (Verbrauchermarkt mit rd. 1.500 qm Verkaufsfläche ) können aufgrund der
Einbindung in geplante Wohnbauprojekte sowie des Beitrags zur Quartiersversor-
gung positiv bewertet werden und ordnen sich in das Konzept ein. Zumal die Eröff-
nung des Vollsortimenters im Berliner Carree bereits Ende September 2020 erfolgte.
Mit der Entstehung des Ludwigshöhviertel ist eine weitere Konversionsfläche zu
Gunsten von insbesondere Wohnzwecken vorgesehen (ehemalige Cambrai -Fritsch-
Kaserne und Jefferson-Siedlung). Das Plangebiet befindet sich im südlichen Stadtge-
biet Darmstadts im Stadtteil Bessungen. Zur Stadtmitte (Luisenplatz) beträgt die Ent-
fernung von der nördlichen Grenze des Geltungsbereichs ca. 2,5 km. Das Areal stellt
einen Übergangsbereich zwischen der dicht bebauten Kernstadt und dem durchgrün-
ten Stadtteil Eberstadt dar. Ziel ist die Entwicklung eines neuen und lebendigen Stadt-
quartiers. Prospektiv sollen hier etwa 3.000 Einwohner in etwa 1.500 Wohnungen
leben. Neben der Schaffung von Wohnraum ist auch die Bereitstellung eines breiten
Versorgungsangebots für Menschen aller Altersgruppen, insbesondere durch die Ent-
wicklung eines kleinen Quartierszentrums mit Einzelhandel (kleinteilige Nahversor-
gung für den täglichen Bedarf), quartiersbezogenen Dienstleistungen, Gastronomie,
kulturellen und sozialen Einrichtungen unter Berücksichtigung der Barrierefreiheit so-
wie einer zukunftsfähigen sozialen Infrastruktur.
Darüber hinaus soll im Ludwigshöhviertel die Förderung nachhaltiger Mobilität statt-
finden, um ein autoarmes Quartier mit hoher Aufenthaltsqualität und bespielbaren öf-
fentlichen Räumen zu schaffen. Dies beinhaltet das Verhindern von
Durchgangsverkehr für den motorisierten Individualverkehr, die Verlängerung der
85 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Straßenbahnlinie 3, eine Mobilitätszentrale mit Miet - und Leihangeboten von Fahrrä-
dern und PKW sowie ein umfassendes Mobilitätskonzept inklusive Stellplatz- und Mo-
bilitätsmanagement.
Für die Realisierung eines Nahversorgers mit rd. 1.400 qm Verkaufsfläche im Ludwigs-
höhviertel sowie weiteren ergänzenden Ladeneinheiten mit Einzelhandel s- und
Dienstleistungsbetrieben um den zentralen Platz („Quartiers -Carré“) ist festzuhalten,
dass die Umsetzung eine deutliche Qualifizierung der Nahversorgungsstruktur vor al-
lem im bisher unterversorgten östlichen Stadtgebiet von Darmstadt bedeuten würde.
Zudem würde das Vorhaben zu einer weiteren Erhöhung der Einzelhandelszentralität
bzw. der Kaufkraftbindung und -abschöpfung beitragen und die Versorgungsfunktion
Darmstadt damit stärken. Daher empfehlen die Gutachter, das Planvorhaben im
Ludwigshöhviertel positiv zu begleiten und den Standort als Nahversorgungs-
zentrum in das künftige Zentren - und Standortmodell des Darmstädter Einzel-
handels aufzunehmen (vgl. Kap. 9).
Generell stehen alle aufgezeigten Planvorhaben stehen zudem im Einklang mit dem er-
arbeiteten Entwicklungsrahmen für die Weiterentwicklung des Darmstädter Einzel-
handels, wo zusätzliche Verkaufsflächenbedarfe im kurzfristigen Bedarf von bis zu
18.100 qm bis zum Jahr 2025 ermittelt wurden.
Die aufgeführten Planvorhaben in den Stadtteilzentren Arheilgen und
Eberstadt als auch die Ansiedlungsvorhaben in der Lincoln-Siedlung
und im Berliner Carree sind konform mit den Zielsetzungen des
Einzelhandelskonzepts und sollten daher positiv begleitet werden.
Zumal die Eröffnung des Vollsortimenters im Berliner Carree bereits
Ende September 2020 erfolgte. Im Lichte der aufgeführten
Entwicklungen im Ludwigshöhviertel empfehlen die Gutachter, das
Planvorhaben ebenfalls positiv zu begleiten und den Standort als
Nahversorgungszentrum in das künftige Zentren- und Standortmodell
des Darmstädter Einzelhandels aufzunehmen.
86 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
9 Zentrenkonzept für die Wissen-
schaftsstadt Darmstadt
9.1 Hierarchie und Abgrenzung der zentralen Versor-
gungsbereiche
Im Rahmen der Analyse wurden die Versorgungsstandorte der Stadt Darmstadt unter
städtebaulichen und funktionalen Gesichtspunkten bewertet und im Hinblick auf ihre
bisherige Einordnung in das hierarchische Zentrenmodell entsprechend den im Fol-
genden dargestellten Kriterien beurteilt. Das Zentrenmodell umfasst neben den ei-
gentlichen Zentren (Innensta dt, Stadtteil- und Nahversorgungszentren) auch
agglomerierte Standorte ohne Zentrenstatus ( Ergänzungsstandorte) sowie solitäre
Nahversorgungsstandorte.
Die Begrifflichkeit der zentralen Versorgungsbereiche ist schon länger in den pla-
nungsrechtlichen Normen (§ 11 Abs. 3 BauNVO) verankert und beschreibt diejenigen
Bereiche, die aus städtebaulichen Gründen vor mehr als unwesentlichen Auswirkungen
bzw. vor Funktionsstörungen geschützt werden sollen. Im Jahr 2004 setzte das Euro-
paanpassungsgesetz Bau (EAG Bau) den Begriff in den bundesrechtlichen Leitsätzen
zur Bauleitplanung (§ 2 Abs. 2 BauGB) und in den planungsrechtlichen Vorgaben für
den unbeplanten Innenbereich neu fest (§ 34 Abs. 3 BauGB).
In der Novellierung des BauGB vom 01.01.2007 wurde die „Erhaltung und Entwicklung
zentraler Versorgungsbereiche“ schließlich auch zum besonders zu berücksichtigen-
dem Belang der Bauleitplanung erhoben (§ 1 Abs. 6 Nr. 4 BauGB). Somit berechtigt das
Sicherungs- und Entwicklungsziel für zentrale Versorgungsbereiche die Aufst ellung
einfacher Bebauungspläne nach § 9 Abs. 2a BauGB.
Hinsichtlich der aktuell geltenden Rechtsprechung im Bau - und Bauordnungsrecht,
u.a. im § 34 Abs. 3 BauGB, ist darauf hinzuweisen, dass lediglich die „echten“ Zentren-
typen (Innenstadt, Stadtteil- und/oder Nahversorgungszentren) als zentrale Versor-
gungsbereiche fungieren und somit schützenswert sind.
Es ist daher sinnvoll bzw. notwendig, die relevanten Zentren abzugrenzen, um diese bei
der zukünftigen Einzelhandelsentwicklung besonders berücksichtigen zu können. Der
§ 34 Abs. 3 BauGB sieht eine Prüfung von einzelhandelsrelevanten Ansiedlungsvorha-
ben bezüglich ihrer Auswirkungen auf die ausgewiesenen zentralen Versorgungsberei-
che vor. Die Definition und Abgrenzung von zentralen Versorgungsbereichen ist so mit
eine Möglichkeit, den bestehenden kommunalen Einzelhandelsbestand zu schützen
bzw. dessen Entwicklung in geordnete/gewünschte Bahnen zu lenken. Für eine ein-
deutige Zuordnung der jeweiligen Grundstücke bzw. Betriebe zu einem zentralen Ver-
sorgungsbereich ist eine genaue Abgrenzung der zentralen Versorgungsbereiche
87 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
notwendig, da nur diese Bereiche gemäß den Zielen der Stadtentwicklung einen schüt-
zenswerten Charakter besitzen.
Die Rechtsprechung und die kommentierende Literatur 32 haben dazu eine Reihe von
Kriterien aufgestellt. Danach wird ein zentraler Versorgungsbereich als räumlich
abgrenzbarer Bereich definiert, dem aufgrund vorhandener oder noch zu entwi-
ckelnder Einzelhandelsnutzungen eine Versorgungsfunktion über den unmittel-
baren Nahbereich hinaus zuk ommt oder zukommen soll. Das Angebot wird i.d.R.
durch diverse Dienstleistungen , gastronomische Angebote , Einrichtungen zur
medizinischen Versorgung sowie öffentliche Einrichtungen ergänzt.
Eine zentrale Lage setzt eine städtebauliche Integration voraus. Ein zentraler Versor-
gungsbereich muss dabei mehrere konkurrierende oder einander ergänzende Ange-
bote umfassen (Maßnahmen zum Schutz zentraler Versorgungsbereiche sollen nicht
auf den Schutz eines Einzelbetriebs vor Konkurrenz hinauslauf en). Zugleich sind an-
ders genutzte „Lücken" in der Nutzungsstruktur eines zentralen Versorgungsbereichs
- solange ein Zusammenwirken der zentrentypischen Nutzungen im Sinne eines „Be-
reichs" angenommen werden kann - möglich.
Ein zentraler Versorgungsbereich hat nach Lage, Art und Zweckbestimmung eine für
die Versorgung der Bevölkerung in einem bestimmten Einzugsbereich zentrale Funk-
tion. Diese Funktion besteht darin, die Versorgung eines Gemeindegebiets oder eines
Teilbereiches mit einem auf den Einzugsberei ch abgestimmten Spektrum an Waren
des kurz-, mittel- oder langfristigen Bedarfs sicherzustellen.
Der Begriff ‚zentral‘ ist nicht geografisch im Sinne einer Innenstadtlage oder Ortsmitte,
sondern funktional zu verstehen. Ein zentraler Versorgungsbereich mu ss über einen
gewissen, über seine eigenen Grenzen hinausreichenden räumlichen Einzugsbereich
mit städtebaulichem Gewicht haben. Er muss damit über den unmittelbaren Nahbe-
reich hinaus wirken; er kann auch Bereiche für die Grund- und Nahversorgung umfas-
sen.
Kein zentraler Versorgungsbereich sind Agglomerationen einzelner Fachmärkte oder
auch peripher gelegener Standorte, wie man sie oftmals in ehemaligen Gewerbegebie-
ten findet. Durch ihre hoch spezialisierte Aufstellung befriedigen sie lediglich einen ge-
ringen und eingeschränkten Bedarf an Waren. Darüber hinaus fehlen andere
Nutzungen wie Dienstleistungs - oder Gastronomieangebote in vielen Fällen. Obwohl
besagte Fachmarktagglomerationen allein wegen ihrer Größe ein weitläufiges Einzugs-
gebiet bedienen, fehlt ihnen vor allem aufgrund der fehlenden Integration die für einen
zentralen Versorgungsbereich unabdingbare Zentrumsfunktion für eben dieses Ein-
zugsgebiet.
Die im Folgenden näher erläuterten funktionalen und städtebaulichen Kriterien er-
möglichen neben einer hierarchischen Einordnung auch eine Abgrenzung der zent-
ralen Versorgungsbereiche untereinander und bilden somit die Grundlage für einen
32 Vgl. u.a. OVG NRW, Urteil vom 22.11.2010 - 7 D 1/09.NE -, S.27 sowie Kuschnerus, Ulrich, 2007: Der standortgerechte Einzelhandel.
88 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
eindeutigen räumlichen Bezugsrahmen für die Einzelhandelsentwicklung in Darm-
stadt. Entscheidende Kriterien sind insbesondere:
◼ der bestehende Einzelhandelsbesatz,
◼ ergänzende Nutzungen ( u.a. konsumnahe Dienstleistungsbetriebe, Gastronomie-
betriebe, kulturelle, öffentliche und Freizeiteinrichtungen , ärztliche Einrichtun-
gen),
◼ die allgemeine städtebauliche Gestalt/Qualität sowie
◼ eine fußläufige Erreichbarkeit und Anbindung an den MIV (Motorisierter Individu-
alverkehr) sowie ÖPNV (Öffentlicher Personennahverkehr).
Entsprechende Standortbereiche müssen dabei jedoch noch nicht vollständig als
zentraler Versorgungsbereich entwickelt sein. Auch ein Entwicklungsziel kann als Kri-
terium zur Abgrenzung herangezogen werden. So ist es z.B. denkbar, Potenzialflächen
in den zentralen Versorgungsbereich mit aufzunehmen, die mittel- und langfristig ent-
sprechend entwickelt werden sollen und kurz- bis mittelfristig realistisch auch entwi-
ckelbar sind. 33 Auch die Festlegung eines perspektivischen Zentralen
Versorgungsbereich ist möglich. Im Rahmen einer späteren Konzeptfortschreibung
wäre dann zu prüfen und zu bewerten, ob die gewünschte Entwicklung stattgefunden
hat.
Diese Faktoren werden dabei sowohl auf quantitative als auch qualitative Kriterien hin
untersucht. Hierbei wird in den einzelnen Hierarchiestufen unterschieden (Zielper-
spektive):
Innenstadtzentren
◼ Größerer Einzugsbereich: In der Regel gesamtes Stadtgebiet und Umland Marktge-
biet)
◼ Großes Spektrum an Waren und Dienstleistungsangeboten:
Zentrentypische und nahversorgungsrelevante Sortimente;
Waren für den kurz-, mittel- und langfristigen Bedarf;
diverse zentrenergänzende Nutzungen (Multifunktionalität).
Stadtteilzentren
◼ Mittlerer Einzugsbereich: In der Regel beschränkt auf bestimmte Bezirke und
Stadtteile größerer Städte
◼ Regelmäßig größeres Spektrum an Waren und Dienstleistungsangeboten:
Zentrentypische und nahversorgungsrelevante Sortimente;
33 Vgl. u.a. BVerwG, Urteil vom 11.10.2007, BVerwG, Urteil vom 17.12.2009 und OVG NRW, Urteil vom 15.02.2012. Hierbei wurden auch
Mindestanforderungen für zentrale Versorgungsbereiche definiert. Ein zentraler Versorgungsbereich muss mindestens über einen
strukturprägenden Nahversorgungsbetrieb verfügen resp. mittelfristig das Potenzial (Tragfähigkeit und Fläche) zur Ansiedlung eines
solchen Magnetbetriebs aufweisen.
89 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Waren für den kurz-, mittel- und langfristigen Bedarf.
Nahversorgungszentren
◼ Kleiner Einzugsbereich: Auf bestimmte Quartiere größerer Städte beschränkt
◼ Begrenztes Spektrum an Waren- und Dienstleistungsangeboten; vornehmlich des
kurzfristigen Bedarfs; in begrenztem Umfang ggf. auch Waren für den mittelfristi-
gen Bedarf
◼ Zentrum kann auch auf die Sicherung der Grund - und Nahversorgung beschränkt
sein; jedoch kein Schutz eines Einzelbetriebs.
Darüber hinaus konnten Standortbereiche mit spezifischer Versorgungsbedeutung
festgestellt werden, die jedoch die Kriterien eines zentralen Versorgungsbereichs nicht
vollständig erfüllen:
(Integrierte) Nahversorgungsstandorte
◼ Einzugsbereich: direkter Nahbereich (wohnungsnahe Grundversorgung)
◼ oftmals Solitärstandort eines Nahversorgers oder kleiner Verbundstandort mit An-
geboten des kurzfristigen Bedarfs
◼ kein Wettbewerb am Standort.
Zentralitätsbildender Sonderstandort/Ergänzungsstandort
◼ Überörtlicher Einzugsbereich
◼ Zumeist flächenextensive Sortimente des langfristigen Bedarfsbereichs
◼ Agglomeration funktionaler Fachmarktkonzepte, die sic h i.d.R. in autokundenori-
entierter Lage befinden
◼ Geringe Aufenthaltsqualität, geringes Angebot arrondierender Nutzungen.
9.2 Gesamtüberblick Zentrenkonzept für die Stadt
Darmstadt
In der Stadt Darmstadt konnten
◼ neben der Innenstadt
◼ zwei Stadtteilzentren (ZVB Arheilgen, ZVB Eberstadt) sowie
◼ zwei bereits heute bestehende Nahversorgungszentren (ZVB Kranichstein , ZVB
Kirchtannensiedlung)
◼ und ein perspektivisches Nahversorgungszentrum (perspektivischer ZVB Ludwigs-
höhviertel)
90 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
im Sinne des § 34 BauGB ausgemacht werden.
Gegenüber dem Einzelhandelskonzept aus dem Jahr 2012 wird der ZVB Weststadt wie
auch bereits im Nahversorgungskonzept 2016 nicht mehr als zentraler Versorgungs-
bereich berücksichtig. Darüber hinaus ist mit dem ZVB Kirchtannensiedlung ein neuer
zentraler Versorgungsbereich in Funktion eines Nahversorgungszentrum hinzuge-
kommen. Perspektivisch kann mit dem zentralen Versorgungsbereich Ludwigshöhvier-
tel ein weiteres Nahversorgungszentrum etabliert werden.
Darüber hinaus wurden drei Ergänzungsstandorte des großflächigen Einzelhandels
(kein zentraler Versorgungsbereich i.S. des § 34 BauGB) mit dem Gewerbegebiet Nord-
west, der Eschollbrücker Straße sowie der Heidelberger Straße identifiziert.
Abbildung 35: Hierarchisches Zentrenmodell für die Stadt Darmstadt
Nachfolgende Karte gibt einen Überblick über die räumliche Verortung der Zentren und
Ergänzungsstandorte im Stadtgebiet:
www.dr-lademann-partner.deDr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Stadtteilzentrum
Nahversorgungszentrum
Hierarchisches Zentrenmodell der Stadt Darmstadt
Innenstadt
(Integrierte) Nahversorgungsstandorte
(Solitäre) Sonstige Standorte des Einzelhandels
Agglomerierte
Ergänzungsstandorte
des großflächigen EH
ohne Zentrenstatus
Ausstrahlung
Einzugsbereich „schützenswerte“
zentrale Versorgungs-
bereiche
Standorte
ohne zentrale
Versorgungsfunktion
Fortschreibung des Einzelhandels- und Zentrenkonzepts für Darmstadt
91 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Abbildung 36: Zentren- und Standortstruktur
9.2.1 Zentraler Versorgungsbereich Innenstadt Darmstadt
Der Abgrenzung des zentralen Versorgungsbereich s für die Innenstadt von Darm-
stadt aus dem Einzelhandelskonzept aus dem Jahr 2012 kann aufgrund Grundlage der
erfolgten Bestandserhebung sowie städtebaulichen Analyse gefolgt werden. Dabei er-
streckt sich der zentrale Versorgungsbereich um das gewachsene Hauptgeschäftsze-
ntrum, welches durch die großen und stark befahrenen Verkehrstrassen wie der
Hügelstraße im Süden, der Bleichstraße im Norden sowie der Kirchstraße/ Schlossgra-
ben im Osten umrahmt wird. Im Westen bildet die Grafenstraße die Begrenzung des
Hauptzentrums, wo die Bereiche beidseitig dieser dem zentralen Versorgungsbereich
noch zugerechnet werden. Dabei zeichnet sich der zentrale Versorgungsbereich durch
ein vernetztes Gefüge von mehreren gleichwertigen Einkaufsstraßen (u.a. Wilhelmi-
nenstraße, Luisenstraße, Ernst-Ludwig-Straße, Luisenplatz sowie Ludwigstraße) aus,
welche eine hohe Einzelhandelsdichte aufweisen und ganz überwiegend als
92 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Fußgängerzone gestaltet sind. Der Marktplatz am Schloss wird zudem durch einen täg-
lich stattfindenden Wochenmarkt bespielt.
Abbildung 37: Abgrenzung des ZVB Innenstadt Darmstadt
Abbildung 38: Blick entlang der Ludwigstraße sowie auf das Modehaus Henschel
Ludwigspl .
Volkshochschule
Stadtbibliothek
93 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Zentraler Versorgungsbereich Innenstadt Darmstadt34
Lagebeschreibung
Der ZVB Innenstadt setzt sich aus dem gewach-
senen Hauptgeschäftsbereich zusammen u. wird
von den Straßenzügen Bleichstraße, Zeughaus-
straße, Schlossgraben u. Grafenstraße umrahmt.
Versorgungsfunktion
Hauptzentrum mit regionaler Ausstrahlung.
Städtebau/Umfeld
Das städtebauliche Umfeld ist überwiegend
durch Wohnen geprägt durchzogen von weiteren
öffentlichen Einrichtungen (u.a. Krankenhaus,
Staatstheater, Universität) sowie Einzelhandels-
betrieben u. ergänzenden Nutzungen.
Einzelhandelsstruktur
Der Hauptgeschäftsbereich erstreckt sich aus-
gehend vom Luisenplatz entlang der Luisen-, der
Wilhelminen- und der Ernst-Ludwig-Straße in
Richtung Ludwigsplatz. In dem Bereich sind eine
Vielzahl von filialisierten Einzelhandelsbetrieben
sw. das Einkaufszentrum Luisencenter ansässig.
Branchen-Mix
Vielfältiger Angebots- u. Branchenmix von filiali-
sierten u. inhabergeführten Betrieben. Der Ange-
botsschwerpunkt liegt bei Bekleidung/ Schuhe.
Magnetbetriebe
u.a. Karstadt, Galeria Kaufhof, Modehaus Hen-
schel, C&A, Sport Hübner, H&M, Thalia, TK Maxx.
Ergänzende Nutzungen
Breites Angebot verschiedener Dienstleister,
Gastronomiebetriebe u. öffentliche Einrichtun-
gen (z.B. Rathaus, Schloss). Insgesamt hohe Mul-
tifunktionalität u. Nutzungsdichte. Zudem hohe
Bedeutung von Wohn- u. Büronutzungen sw.
oberzentrale Versorgungsfunktionen (u.a. Schu-
len, Museen, Gerichte).
Bebauungsstruktur
Die bauliche Struktur ist durch ein heterogenes
Bild gekennzeichnet und spiegelt die Stadtge-
schichte von Darmstadt wider. Historische Ge-
bäude (u.a. Schloss) wie auch funktionale Bauten
in moderner bzw. neuzeitlicher Architektur kenn-
zeichnen die Innenstadt. Darüber hinaus ergän-
zen mehrere Plätze das Stadtbild.
Erreichbarkeit MIV/ÖPNV
Sehr gute verkehrliche Erreichbarkeit aufgrund
der zentralen Lage der Innenstadt, welche durch
Ringstraßen sowie ein Netz von Hauptverkehrs-
straßen erschlossen wird. Mehrere Bus- u. Stra-
ßenbahnlinien sichern eine leistungsfähige
ÖPNV-Anbindung.
Fußläufige Erreichbarkeit
Erreichbarkeit für Fußgänger u. Radfahrer aus
umliegenden Wohngebieten ist gewährleistet.
Stellplatzangebot
Stellplatzangebot wird durch mehrere Parkhäu-
ser u. Tiefgaragen gesichert.
Aufenthaltsqualitäten
Die Innenstadt hält attraktive u. vielfältige Auf-
enthaltsmöglichkeiten vor. So fungieren der Wil-
helminen- u. Georg-Büchner-Platz u.a. als
Erholungsfläche, während andere Plätze durch
gastronomische Einheiten ein Flair zum Verwei-
len generieren (u.a. Marktplatz). Der Großteil der
Innenstadt ist als Fußgängerzone gestaltet.
Leerstandssituation
Insgesamt lediglich 20 zumeist kleinteilige Leer-
stände (knapp 4.000 qm). Eine räumliche Bal-
lung ist dabei nicht ersichtlich.
Potenzialflächen und Planvorhaben
Keine Potenzialflächen für Neuentwicklungen
ersichtlich. Potenziale nur durch Nachnutzung
von Leerstandsflächen.
34 Ampelbewertung: grün = gut bis sehr gut; grau = mittelmäßig, durchschnittlich; rot = unzureichend, mangelhaft, schwach ausgeprägt
94 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Abbildung 39: Blick auf die Betriebe am Ludwigplatz sowie am Luisenplatz (Luisencenter)
Die Innenstadt von Darmstadt zeichnet sich durch ein vielfältiges Einzelhandelsan-
gebot mit insgesamt 284 Einzelhandelsbetrieben aus, welche auf einer Gesamtver-
kaufsfläche von rd. 107.500 qm einen Umsatz von rd. 404 Mio. € erwir tschaften. Der
Schwerpunkt des Angebots ist dabei mit über 70 % eindeutig auf den mittelfristigen
Bedarf gelegt. Dabei sticht insbesondere der große Verkaufsflächenanteil (rd. 52 %) im
Bereich Bekleidung/ Schuhe hervor. Als größte Magnetbetriebe fungieren u.a. Karstadt,
Galeria Kaufhof, das Modehaus Henschel, C&A und TK Maxx. Mit dem Luisencenter be-
steht darüber hinaus ein zentrales Einkaufszentrum, welches ein breites Angebot an
filialisierten Betrieben vorhält (u.a. H&M). Insgesamt zeichnet sich die Innenstadt somit
durch einen guten Branchen -Mix im Einzelhandel aus. Im Vergleich zu den anderen
Standortlagen im Stadtgebiet kann die Innenstadt mit rd. 41 % der Gesamtverkaufsflä-
che die notwendige Dominanz entfalten.
Die Stärken des Hauptzentrums sind neben der zentralen Lage ein nahezu durchgän-
giger Geschäftsbesatz mit über 900 Betrieben in den Haupteinkaufslagen. Diese hohe
Multifunktionalität aus Einzelhandel, Dienstleister, Behörden, Wohnen und Freizeitein-
richtungen sorgt für eine Belebung der Innenstadt (auch in den Randzeiten) sowie zu-
sätzliche Synergien für den Einzelhandel. Weitere Stärken umfassen die gute
Anbindung im modal-split als auch die Gestaltung der Innenstadt als Fußgängerzone,
wodurch eine hohe Einkaufatmosphäre erzielt wird. Darüber hinaus ist auch die geringe
Leerstandsquote von gerade einmal 4 % gemessen an der Verkaufsfläche positiv zu be-
werten.
Die Schwächen des Hauptzentrums lassen sich im Bereich des Einzelhandels auf ver-
einzelte Angebotslücken im Bereich des mittelfristigen Bedarfs erkennen (u.a. Spiel-
waren). Hier könnte ein weiterer Ausbau des Angebots auch vor dem Hintergrund der
wachsenden Einwohnerplattform zu einer stärkeren Positionierung gegenüber den re-
gionalen Wettbewerbsstandorten führen. Darüber hinaus könnte auch ein Ausb au im
kurzfristigen Bedarf durch einen weiteren strukturprägenden Lebensmittelmarkt er-
folgen. Derzeit sind in der Innenstadt mit Rewe und Aldi lediglich zwei großflächige so-
wie vier weitere strukturprägenden Lebensmittelbetriebe unter 800 qm
Verkaufsfläche vorhanden. Allerdings stellt hier das fehlende Vorhandensein von not-
wendigen Potenzial - und Freiflächen ein deutliches Hindernis dar. Auch wenn mit
Stand August 2020 die beiden innerstädtischen Warenhäuser Karstadt und Galeria
95 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Kaufhof nicht von einer Schließung betroffen sind, so weisen beide ein latentes Schlie-
ßungsrisiko auf, wodurch Leerstandsflächen von deutlich über 15.000 qm je Betrieb
mit einem Schlag vorhanden wären. Sollte es zukünftig, auch mit Blick auf die Auswir-
kungen der Corona-Pandemie, zu Schließungen in der Innenstadt kommen, so ist auch
Seitens der Stadt Darmstadt (insbesondere der Wirtschaftsförderung) die gezielte An-
sprache potenzieller Mieter zu befürworten.
Abbildung 40: Karstadt und Galeria Kaufhof im ZVB Innenstadt von Darmstadt
Als Handlungsziel kann für die Innenstadt von Darmstadt v.a. die Sicherung und Wei-
terentwicklung mit zentrenrelevanten Einzelhandelsangeboten im Bereich national er
und internationaler Marken festgehalten werden, wodurch eine weitere Attraktivitäts-
steigerung sowie die Sicherung der oberzentralen Funktion erzielt werden kann. Zu-
dem stellt das „Auffangen“ coronabedingter Leerstände ein zukünftiges Handlungsziel
für die Innenstadt von Darmstadt dar. Dabei können auch andere Nutzungen als Ein-
zelhandel sowie ggf. auch die Umwandlung in Wohnnutzungen eine wichtige Rolle
spielen. Zudem kann auch ein Ausbau der Angebote im Bereich der Nahversorgung vo-
rangetrieben werden.
Zur Stärkung der Innenstadt wurde die Erstellung eines Entwicklungskonzepts für
die Innenstadt (im Sinne eines Maßnahmenkonzepts) im Jahr 2021 beschlossen .
Dabei soll ein Handlungspaket mit kurz-, mittel- und langfristigen Maßnahmen erstellt
werden, um die gegenwärtigen und künftigen Herausforderungen zu bewältigen sowie
die Innenstadt als Hauptgeschäftsviertel, Verwaltungszentrum und kultureller Mittel-
punkt zu stärken.
Die Innenstadt stellt eine stabile und voll funktionsfähige
Haupteinzelhandelslage innerhalb des Standort- und Zentrengefüges
von Darmstadt dar. Das Zentrum wird dabei seiner oberzentralen
Versorgungsfunktion umfänglich gerecht.
96 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
9.2.2 Zentraler Versorgungsbereich Arheilgen
Der zentrale Versorgungsbereich in Funktion eines St adtteilzentrums befindet sich
zentral im Stadtteil Arheilgen und somit im nördlichen Stadtgebiet von Darmstadt. Die
Abgrenzung des zentralen Versorgungsbereichs Arheilgen erfolgt entlang der
Frankfurter Landstraße, welche den Stadtteil in Nord-Süd-Richtung durchzieht. Wäh-
rend die nördliche Grenze die Bereiche vor der Römerstraße darstellen, verläuft der
zentrale Versorgungsbereich im Süden bis kurz vor die Albrechtstraße. Darüber hinaus
sind auch Teile der Ettesterstraße sowie der Untere Mühlstraße und der Darmstädter
Straße der Abgrenzung zugerechnet. Der Löwenplatz stellt innerhalb des Zentrums den
zentralen Platz dar.
Abbildung 41: Abgrenzung des ZVB Arheilgen
Aldi (
Plan
-
vorhben
)
97 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Zentraler Versorgungsbereich Arheilgen
Lagebeschreibung
Der ZVB Arheilgen befindet sich zentral im Stadt-
teil verortet und erstreckt sich entlang der
Frankfurter Landstraße sowie direkt angrenzen-
der Straßenzüge.
Versorgungsfunktion
Stadtteilzentrum mit primärer Ausstrahlung auf
den Stadtteil Arheilgen.
Städtebau/Umfeld
Das städtebauliche Umfeld ist überwiegend
durch Wohnen sowie weitere Einzelhandelsbe-
triebe u. ergänzenden Nutzungen in solitärer
Lage innerhalb des Stadtteils geprägt.
Einzelhandelsstruktur
Der Schwerpunkt befindet sich um den Löwen-
platz, wo neben den Frequenzbringern dm u.
Edeka ein dichter Besatz an ergänzenden Betrie-
ben ist. In den weiteren Bereichen dünnt der Be-
satz aus und ist v.a. im südlichen Bereich nicht
mehr durchgängig. Der Einzelhandel ist durch in-
habergeführte Betriebe geprägt. Der mittelfris-
tige Bedarf nimmt mit lediglich 12 % VKF-Anteil
eine untergeordnete Rolle ein.
Branchen-Mix
Vielfältiger Angebots- u. Branchenmix von über-
wiegend inhabergeführten Betrieben. Der
Schwerpunkt liegt dabei im kurzfristigen Bedarf
(rd. 50 % VKF-Anteil).
Magnetbetriebe
Edeka, dm
Ergänzende Nutzungen
Breites Angebot verschiedener Dienstleister und
Gastronomiebetriebe. Insgesamt 40 konsumna-
he Nutzungen sorgen für hohe Multifunktionali-
tät u. Nutzungsdichte. Zudem hohe Bedeutung
von Wohnnutzungen in den Obergeschossen.
Bebauungsstruktur
Die Bebauung innerhalb des Stadtteilzentrums
ist ganz überwiegend durch zwei- bis dreige-
schossige Wohnhäuser mit einer Ladeneinheit im
Erdgeschoss geprägt. Architektonisch sticht vor
allem der Edeka-Markt im alten Straßenbahnde-
pot (steht unter Denkmalschutz) vor.
Erreichbarkeit MIV/ÖPNV
Sehr gute verkehrliche Erreichbarkeit aufgrund
der zentralen Lage innerhalb des Stadtteils. Zu-
dem bestehen eine zentrale Bus- u. Straßen-
bahnhaltestelle am Löwenplatz, welche einen
leistungsfähigen ÖPNV sichert
Fußläufige Erreichbarkeit
Erreichbarkeit für Fußgänger und Radfahrer aus
den umliegenden Wohngebieten ist gewährleis-
tet.
Stellplatzangebot
Stellplatzangebot ist bei Edeka sowie straßenbe-
gleitend ausreichend vorhanden.
Aufenthaltsqualitäten
Generell besteht eine ansprechende Straßen-
raumgestaltung innerhalb des ZVB´S. Mit dem
Löwenplatz ist ein zentraler Aufenthaltsort vor-
handen, welcher erst im Jahr 2017 modernisiert
u. aufgewertet wurde. Dieser fungiert als Quar-
tiersplatz und sorgt für ein belebtes Zentrum.
Leerstandssituation
Lediglich ein kleiner Leerstand zum Erhebungs-
zeitpunkt in Randlage.
Potenzialflächen und Planvorhaben
Im nördlichen Bereich an der Frankfurter Land-
straße ist ein Potenzialfläche vorhanden, welche
für die Ansiedlung eines Lebensmitteldiscoun-
ters vorgesehen ist. Zudem könnte auch das
Grundstück der Feuerwehr nach ihrem Umzug
als Potenzialfläche fungieren.
98 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Abbildung 42: Blick auf den Löwenplatz im ZVB Arheilgen
Abbildung 43: Blick auf den dm-Markt sowie den Edeka-Markt im ZVB Arheilgen
Das Stadtteilzentrum Arheilgen zeichnet sich durch ein breit aufgestelltes, überwie-
gend kleinteiliges Einzelhandelsangebot mit insgesamt 27 Betrieben aus, welche auf
einer Gesamtverkaufsfläche von knapp 4.500 qm einen Umsatz von rd. 20 Mio. € er-
wirtschaften. Der Schwerpunkt des Angebot s ist dabei mit knapp der Hälfte der Ver-
kaufsfläche auf den kurzfristigen Bedarf gelegt (Umsatzanteil bei rd. 70 %) .
Demgegenüber weist der mittelfristige Bedarf mit lediglich 12 % Verkaufsflächenanteil
eine untergeordnete Rolle im Zentrum auf.
Die Stärken des Stadtteilzentrums liegen vor allem im Bereich der hohen Multifunk-
tionalität als auch im kurzfristigen Bedarfsbereich, wo mit dem modernen Edeka -Ver-
brauchermarkt ein strukturprägender Lebensmittelmarkt innerhalb des Zentrums
sowie mit dm ein Drogeriemarkt ansässig ist. Der Einzelhandel ist dabei durch mehrere
kleinteilige, inhabergeführten Betriebe gekennzeichnet. Ein dichter Geschäftsbesatz
besteht dabei um den Löwenplatz, welcher durch die Aufwertungsmaßnahmen der
vergangenen Jahre den Mittelpunkt des Zentrums darstellt und eine gute Aufenthalts-
qualität gewährleistet.
Die Schwäche des Stadtteilzentrums ist vor allem im Einzelhandelsbesatz des mittel-
fristigen Bedarfsbereich zu konstatieren, welcher mit lediglich 12 % der Verkaufsfläche
als deutlich zu gering für ein Stadtteilzentrum dieser Größe eingestuft werden kann.
99 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Darüber hinaus besteht vor allem im südlichen Bereich des Stadtteilzentrums kein
durchgängiger Nutzungsbesatz entlang der Frankfurter Landstraße.
Abbildung 44: Potenzialflächen im Stadtteilzentrum Arheilgen an der Frankfurter Landstraße
Als Handlungsziel für das Stadtteilzentrum kann zum einen die Ansiedlung eines wei-
teren strukturprägenden Lebensmittelmarkts angesehen werden, um das Angebot im
kurzfristigen Bedarfsbereich zukunftsfähig zu ergänzen sowie weitere Frequenzen auf
das Stadtteilzentrum zu lenken. Planungen hierfür bestehen mit der Ansiedlung eines
Aldi-Lebensmitteldiscounters im nördlichen Bereich des Stadtteilzentrums. Zum an-
deren ist auch die Ansiedlung weiterer Betriebe aus dem mittelfristigen Bedarfsbereich
zu empfehlen, um ein ausdifferenziert es Angebot innerhalb des Stadtteils Arheilgen
vorzuhalten. Hierfür könnte beispielsweise das Grundstück der umgezogenen Feuer-
wehr an der Frankfurter Landstraße dienen.
Der zentrale Versorgungsbereich Arheilgen in Funktion eines
Stadtteilzentrums weist einen guten Branchen-Mix auf. Der
Hauptgeschäftsbereich erstreckt sich dabei um den zentral gelegenen
Löwenplatz. Perspektivisch sollte neben dem Ausbau des kurzfristigen
Bedarfs auch die Ansiedlung weiterer Betriebe im mittelfristigen
Bedarf vorangetrieben werden, um das Einzelhandelsangebot im
Stadtteil nachhaltig und zukunftsfähig aufzustellen. Mit der
prospektiven Ansiedlung eines Aldi-Markts wird ein weiterer Schritt in
diese Richtung unternommen.
100 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
9.2.3 Zentraler Versorgungsbereich Eberstadt
Der zentrale Verso rgungsbereich in Funktion eines Stadtteilzentrums befindet sich
zentral im Stadtteil Eberstadt und somit im südlichen Stadtgebiet von Darmstadt. Die
Abgrenzung des zentralen Versorgungsbereichs Eberstadt erfolgt entlang der Hei-
delberger Landstraße, welche den Stadtteil Eberstadt in Nord -Süd-Richtung durch-
zieht. Während die nördliche Grenze die Jakobstraße bzw. Thomasstraße bilden, endet
der zentrale Versorgungsbereich im Süden kurz nach dem Rewe-Markt. Darüber hinaus
umfasst das Stadtteilzentrum noch die an grenzenden Straßenzüge der Schwanen-
straße bis zum Eberstädter Marktplatz, den Bereich um die City-Arkaden am Grieshei-
mer Weg sowie die Ladeneinheiten zu Beginn der Oberstraße.
Abbildung 45: Abgrenzung des ZVB Eberstadt
Edeka (Plan
-
vorhaben)
101 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Zentraler Versorgungsbereich Eberstadt
Lagebeschreibung
Der ZVB Eberstadt befindet sich zentral im
Stadtteil verortete und erstreckt sich entlang der
Heidelberger Landstraße sowie direkt angren-
zenden Straßenzügen.
Versorgungsfunktion
Stadtteilzentrum mit primärer Ausstrahlung auf
den Stadtteil Eberstadt.
Städtebau/Umfeld
Das städtebauliche Umfeld ist überwiegend
durch Wohnen sowie weitere Einzelhandelsbe-
trieben u. ergänzende Nutzungen in solitärer
Lage innerhalb des Stadtteils geprägt.
Einzelhandelsstruktur
Entlang der Heidelberger Landstraße ist eine
Vielzahl von kleinteiligen inhabergeführten Be-
trieben vorhanden. Mit dem Rewe-Markt ist ein
strukturprägender Lebensmittelbetrieb im Zent-
rum vorhanden (allerdings kleine VKF-Größe).
Branchen-Mix
Vielfältiger Angebots- u. Branchenmix von über-
wiegend inhabergeführten Betrieben aus dem
kurz- u. mittelfristigen Bedarf.
Magnetbetriebe
Rewe, DroNova
Ergänzende Nutzungen
Breites Angebot verschiedener Dienstleister,
Gastronomiebetriebe u. öffentlicher Einrichtun-
gen (z.B. Rathaus). Insgesamt rd. 70 konsumnahe
Nutzungen sorgen für hohe Multifunktionalität u.
Nutzungsdichte. Zudem hohe Bedeutung von
Wohnnutzungen in den Obergeschossen.
Bebauungsstruktur
Die Bebauung innerhalb des Stadtteilzentrums
ist ganz überwiegend durch zwei- bis dreige-
schossige Wohnhäuser mit einer Ladeneinheit im
Erdgeschoss geprägt. Architektonisch sticht da-
bei die Galerie Grande im nördlichen Bereich her-
aus.
Erreichbarkeit MIV/ÖPNV
Sehr gute verkehrliche Erreichbarkeit aufgrund
zentraler Lage innerhalb des Stadtteils. Zudem
bestehen zwei Bus- u. Straßenbahnhaltestellen,
welche einen leistungsfähigen ÖPNV sichern.
Fußläufige Erreichbarkeit
Erreichbarkeit für Fußgänger und Radfahrer aus
den umliegenden Wohngebieten ist aufgrund
siedlungsintegrierter Lage gewährleistet.
Stellplatzangebot
Geringes Stellplatzangebot innerhalb des ZVB`s.
Auch der Rewe-Markt weist ein zu geringes An-
gebot auf. Größere Parkplätze sind bei den City-
Arkaden u. auf dem Marktplatz vorzufinden.
Aufenthaltsqualitäten
Generell besteht eine ansprechende Straßen-
raumgestaltung innerhalb des ZVB´S. Am Kreu-
zungsbereich Pfungstädter Straße/ Heidelberger
Landstraße ist ein kleiner Platz, welcher aller-
dings noch mehr mit Leben gefüllt werden
könnte. Positiv ist die Modaupromenade hervor-
zuheben.
Leerstandssituation
Insgesamt lediglich sieben zumeist kleinteilige
Leerstände (knapp 500 qm bzw. 11 % Leer-
standsquote). Eine Ballung ist dabei allerdings
nicht ersichtlich.
Potenzialflächen und Planvorhaben
Potenziale nur durch die Nachnutzung von Leer-
standsflächen sowie den Standortbereich des
ehemaligen Lidl-Markts in der Lagerstraße/
Griesheimer Weg. Mit der Ansiedlung eines
Edeka-Markts besteht ein Planvorhaben.
102 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Abbildung 46: Blick auf den Rewe-Markt sowie die City-Arkaden
Abbildung 47: Einzelhandelsbetriebe an der Heidelberger Landstraße im ZVB Eberstadt
Das Stadtteilzentrum Eberstadt zeichnet sich durch ein breit aufgestelltes, überwie-
gend kleinteiliges Einzelhandelsangebot mit insgesamt 49 Betrieben aus, welche auf
einer Gesamtverkaufsfläche von knapp 4.100 qm einen Umsatz von rd. 19 Mio. € er-
wirtschaften. Der Schwerpunkt des Angebots ist dabei mit nahezu gleichen Anteilen in
den Bereichen des kurzfristigen und mittelfristigen Bedarfs mit jeweils rd. 40 % gelegt.
Die Stärken des Hauptzentrums liegen neben der zentralen Lage und der guten Er-
reichbarkeit im Stadtteil Eberstadt auch im guten Branchen -Mix v.a. im kurzfristigen
und mittelfristigen Bedarfsbereich. Der Einzelhandel ist dabei durch eine Vielzahl von
kleinteiligen, inhabergeführten Betrieben gekennzeichnet. Ferner besteht entlang der
Heidelberger Landstraße ein dichter Geschäftsbesatz. Der Wochenmarkt findet zudem
immer samstags auf dem Eberstädter Ma rktplatz statt und sorgt für zusätzliche Fre-
quenzen und Belebung für das Zentrum.
Die Schwächen des Hauptzentrums lassen sich vor allem im Bereich des kurzfristigen
Bedarfsbereich ausmachen. Seit dem letzten Einzelhandelskonzept ist mit dem Lidl -
Lebensmitteldiscounter ein strukturprägender Lebensmittelbetrieb „weggebrochen“.
Eine Nachnutzung der Fläche hat bisher noch nicht stattgefunden. Auch der Rewe-Su-
permarkt verfügt über keinen zeitgemäßen Marktauftritt und ist bei weitem nicht aus-
reichend für die Versorgung des Stadtteils Eberstadt (zudem geringes
Stellplatzangebot). Daher wird der Versorgungseinkauf zu einem Großteil außerh alb
103 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
von Eberstadt, z.T. auch außerhalb von Darmstadt u.a. in Pfungstadt (neuer Kaufland
an der Stadtgrenze) getätigt. Auch die Länge des Stadtteilzentrums ist etwas kritisch
zu bewerten. Dabei sollte vor allem die Entstehung eines strukturellen Br uchs im Be-
reich Heidelberger Landstraße/ Oberstraße zwischen dem südlichen und nördlichen
Bereich vermieden werden. Zudem sind bei insgesamt sieben Leerständen leicht
wachsende strukturelle Probleme erkennbar (vier davon entlang der Heidelberger
Landstraße).
Abbildung 48: Leerstand bzw. Potenzialfläche im ZVB Eberstadt
Als Handlungsziel kann für das Stadtteilzentrum die Sicherung sowie der Ausbau des
vielfältigen Angebots in allen Bedarfsstufen aufgeführt werden. Dabei sollt e vor allem
eine Stärkung des kurzfristigen Bedarfs durch die Ansiedlung eines weiteren struktur-
prägenden Lebensmittelmarkts im Vordergrund stehen. Dieser befindet sich bereits in
der Heidelberger Landstraße in Planung. Dabei ist mit einer derzeitig geplan ten Ver-
kaufsfläche von rd. 800 qm nur bedingt die Sicherung der Grundversorgung im Stadt-
teil gewährleistet. Als weitere Potenzialfläche könnte der Bereich des ehemaligen Lidl-
Markts in der Lagerstraße fungieren. Auch für den Rewe -Markt im südlichen Bereich
des Zentrums kann ein gewisser Modernisierungsbedarf konstatiert werden. Dies
dürfte sich aufgrund der räumlichen Gegebenheiten als schwierig erweisen. Die derzeit
mindergenutzten City-Arkaden in zweiter Reihe bergen weiteres Aufwertungspoten-
zial. Ziel sollte es letztlich sein, einen langsam einsetzenden Verfall sprozess im Stadt-
teil entgegenzuwirken, welcher sich in leichten Zügen bereits heute andeutet.
Der zentrale Versorgungsbereich Eberstadt in Funktion eines
Stadtteilzentrums weist einen guten Branchen-Mix auf. Allerdings
sollte der Ausbau des kurzfristigen Bedarfs weiter vorangetrieben
werden, um die Grundversorgung im Stadtteil nachhaltig und
zukunftsfähig aufzustellen. Mit der prospektiven Ansiedlung eines
Edeka-Markts wird ein wichtiger Schritt in diese Richtung
unternommen.
104 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
9.2.4 Zentraler Versorgungsbereich Kranichstein
Der Abgrenzung des zentralen Versorgungsbereichs Kranichstein erfolgt wie be-
reits im Einzelhandelskonzept aus dem Jahr 2012 als bipolares Zentrum entlang d er
Bartningstraße. Dabei umfasst der nördliche Standortbereich das „Einkaufszentrum
am See“ um die beiden strukturprägenden Lebensmittelbetriebe Edeka und Penny am
Kreuzungsbereich Grundstraße/ Bartningstraße. Der südliche Bereich umfasst den
Häuserblock am Kreuzungsbereich Siemensstraße/ Bartningstraße inkl. Mix-Markt so-
wie den westlich angrenzenden Lidl -Lebensmitteldiscounter. Während der südliche
Pol als Passage gestaltet ist, kennzeichnet den nördlichen Pol die Gestaltung als La-
denzeile. Die fußläufige Entfernung zwischen beiden Standortbereichen umfasst 200
m. Gleichwohl ist von einem funktionalen Zusammenwirken der beiden Lagebereiche
auszugehen.
Abbildung 49: Abgrenzung des ZVB Kranichstein
105 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Zentraler Versorgungsbereich Kranichstein
Lagebeschreibung
Der ZVB Kranichstein befindet sich im nordöstli-
chen Stadtgebiet von Darmstadt und setzt sich
aus den Einzelhandelspolen entlang der Bart-
ningstraße zusammen.
Versorgungsfunktion
Nahversorgungszentrum für die Quartiersversor-
gung.
Städtebau/Umfeld
Das städtebauliche Umfeld ist überwiegend
durch großmaßstäbliche Wohnbauten des
Stadtteils Kranichstein geprägt.
Einzelhandelsstruktur
Die Hauptausrichtung des Einzelhandels liegt
eindeutig auf dem kurzfristigen Bedarf (VKF-An-
teil rd. 83 %). Beide Standorte des bipolaren
Zentrums verfügen über je zwei strukturprä-
gende Lebensmittelbetriebe sowie weitere klein-
teilige Angebote des kurzfristigen Bedarfs.
Branchen-Mix
Neben den Angeboten des kurzfristigen Bedarfs
sind noch kleinteilige Betriebe des mittelfristigen
Bedarfs (u.a. Tedi) sowie ergänzende Dienstleis-
tungsbetriebe vorhanden. Ein Drogeriemarkt be-
steht derzeit nicht im ZVB.
Magnetbetriebe
Aldi, Edeka, Penny, Mix Markt, Tedi
Ergänzende Nutzungen
Insgesamt bestehen 32 ergänzende Nutzungen
am Standort, welche sich zu gleichen Teilen auf
die beiden Zentrumsbereiche aufteilen.
Bebauungsstruktur
Der in den 1960er Jahren entstandene Stadtteil
ist durch großmaßstäblichen Wohnsiedlungen
gekennzeichnet (ehemalige Trabantenstadt).
Beide Bereiche des bipolaren Zentrums beste-
hen aus funktionalen Gebäudeblöcken.
Erreichbarkeit MIV/ÖPNV
Gute verkehrliche Erreichbarkeit innerhalb des
Stadtteils Kranichstein über die Kranichsteiner
Straße sowie die Bartningstraße. Mit den Halte-
stellen Gruberstraße u. Siemensstraße bestehen
zwei Straßenbahn Haltepunkte innerhalb des
Zentrums.
Fußläufige Erreichbarkeit
Erreichbarkeit für Fußgänger und Radfahrer aus
den umliegenden Wohngebieten ist aufgrund
siedlungsintegrierter Lage gewährleistet.
Stellplatzangebot
Ausreichend vorgelagerte Stellplatzanlagen an
beiden Standorten. Zudem bestehen weitere
straßenbegleitende Stellplatzangebote.
Aufenthaltsqualitäten
Beide Standorte des bipolaren Zentrums weisen
neben den gastronomischen Einheiten kaum
Aufenthaltsqualitäten auf. In unmittelbarer Nähe
befindet sich innerhalb der Brentanoanlage ein
kleiner Park.
Leerstandssituation
Insgesamt drei kleinteilige Leerstände (rd. 140
qm bzw. 4 % Leerstandsquote).
Potenzialflächen und Planvorhaben
Keine signifikanten Potenzialflächen ersichtlich.
Potenziale nur durch die Nachnutzung von Leer-
standsflächen.
106 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Abbildung 50: Blick auf das Einkaufszentrum am See im ZVB Kranichstein
Abbildung 51: Blick auf den südlichen Bereich des bipolaren Zentrums Kranichstein
Insgesamt sind im Nahversorgungszentrum Kranichstein 17 Einzelhandelsbetriebe
vorhanden, welche auf einer Gesamtverkaufsfläche von rd. 4.400 qm einen Umsa tz
von rd. 23 Mio. € erwirtschaften. Dabei hält das Nahversorgungszentrum funktionsge-
recht einen Schwerpunkt seines Angebots mit einem Verkaufsflächenanteil von rd. 83
% im kurzfristigen Bedarf vor. Darüber hinaus ergänzen kleinteilige Betriebe aus dem
mittelfristigen Bedarf sowie Dienstleistungs- u. Gastronomiebetriebe das Angebot.
Die Stärken des Nahversorgungszentrums liegen im Bereich der fußläufigen Nahver-
sorgung der umliegenden Bewohner des Stadtteils Kranichstein. Die bipolare Struktur
mit zwei kompakten Standortbereichen gewährleistet dabei die Versorgung für einen
Großteil der Bewohner des Stadtteils. Zudem verfügen die strukturprägenden Lebens-
mittelbetriebe über zeitgemäße Verkaufsflächen.
Als Schwäche des Nahversorgungszentrums kann die geringe Aufenthaltsqualität an
den beiden sehr funktional gehaltenen Standorten konstatiert werden. Vor allem die
Passage im südlichen Bereich des Zentrums (Fasanerie Passage) offenbart dabei einen
gewissen Handlungsbedarf. Darüber hinaus ist derzeit kein Drogeriemarkt innerhalb
des bipolaren Zentrums vorhanden. Dieser würde die Angebotspalette in der Ve rsor-
gung des Quartiers weiter stärken.
Als Handlungsziel kann die Sicherung und ggf. Stärkung des nahversorgungsrelevan-
ten Angebots im zentralen Versorgungsbereich Kranichstein durch ggf.
107 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
maßstabsgerechte Erweiterungen oder die Ansiedlung eines Drogeriemarkts benannt
werden. Zudem wäre eine weitere Aufwertung des öffentlichen Raums zu empfehlen,
um die beiden Standortbereiche auch als Treffpunkt der Nachbarschaft sowie als Auf-
enthaltsbereich zu etablieren.
Abbildung 52: Blick auf die Fasanerie Passage im südlichen Bereich des bipolaren Zentrums Kranichstein
Der zentrale Versorgungsbereich Kranichstein in Funktion eines
Nahversorgungszentrums ist derzeit als stabil und funktionsfähig
einzustufen. Insgesamt sind vier strukturprägende
Lebensmittelbetriebe ansässig, welche sich überwiegend auf die
fußläufige Versorgung des Quartiers beziehen.
108 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
9.2.5 Zentraler Versorgungsbereich Kirchtannensiedlung
Dieser Standortbereich wird neu in das Zentrengefüge Darmstadts aufgenommen, um
zum einen die Bedeutung des Standorts für die Nahversorgung zu unterstreichen und
zum anderen, um die Schutzwürdigkeit der Standortlage gegenüber Wettbewerbsvor-
haben zu untermauern.
Der Abgrenzung des zentralen Versorgungsbereichs Kirchtannensiedlung umfasst
den Standbereich östlich der Heidelberger Landstraße um die Handelslage entlang der
Stresemannstraße. Dem zentralen Versorgungsbereich kommt dabei die Funktion ei-
nes Nahversorgungszentrum zu, welches vor allem eine Quartiersversorgung für die
Kirchtannensiedlung im südlichen Stadtgebiet von Darmstadt gewährleisten soll. Da-
bei soll das Nahversorgung szentrum nicht in Konkurrenz zum Stadtteilzentrum Eber-
stadt (rd. 1,4 km entfernt in nördlicher Richtung) stehen bzw. weiterentwickelt werden,
sondern vielmehr als Ergänzung vor allem im Bereich der Nahversorgung dienen.
Abbildung 53: Abgrenzung des ZVB Kirchtannensiedlung
109 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Zentraler Versorgungsbereich Kirchtannensiedlung
Lagebeschreibung
Der ZVB Kirchtannensiedlung befindet sich im
südlichen Stadtgebiet von Darmstadt und setzt
sich v.a. aus dem Einzelhandelsbesatz an der
Stresemannstraße zusammen (östlich der Hei-
delberger Landstraße.
Versorgungsfunktion
Nahversorgungszentrum mit Quartiersversor-
gung.
Städtebau/Umfeld
Das städtebauliche Umfeld ist hauptsächlich
durch (z.T. großmaßstäbliches) Wohnen geprägt.
In Richtung Norden befindet sich das Klinikum
Darmstadt. Darüber hinaus befinden sich eine
Grundschule, ein Kindergarten sowie das S-
Bahn-Depot Frankenstein in unmittelbarer Nähe.
Weitere Einzelhandelsbetriebe sind nicht vor-
handen.
Einzelhandelsstruktur
Die Einzelhandelsstruktur ist ganz überwiegend
durch Angebote im kurzfristigen Bedarf geprägt.
Hier stellen zwei strukturprägende Lebensmit-
telbetriebe den Großteil des Angebots. Ergän-
zend besteht noch ein kik-Markt im Bereich des
mittelfristigen Bedarfs.
Branchen-Mix
Eindeutige Ausrichtung auf den kurzfristigen Be-
darf ergänzt durch einen kik-Markt sowie Dienst-
leistungsbetriebe.
Magnetbetriebe
Aldi, Nah & Gut, kik
Ergänzende Nutzungen
In der östlichen Ladenzeile sind insgesamt 4 vier
Dienstleister ansässig.
Bebauungsstruktur
Die Bebauungsstruktur setzt sich neben dem
Aldi-Markt aus einem Wohnblock aus den
1970er Jahren sowie der angrenzenden Laden-
zeile zusammen. Auch die umliegenden
Wohneinheiten sind großmaßstäblich und in den
1960er/70er Jahre durch eine funktionale Bau-
weise angelegt.
Erreichbarkeit MIV/ÖPNV
Gute verkehrliche Erreichbarkeit aufgrund der
Lage an der Heidelberger Landstraße, welche das
Stadtquartier in Nord-Süd-Richtung durchzieht.
Die ÖPNV-Anbindung wird durch die Haltestelle
„Einkaufszentrum Süd“ gesichert. Zudem befin-
det sich das Straßenbahndepot im näheren Um-
feld.
Fußläufige Erreichbarkeit
Erreichbarkeit für Fußgänger und Radfahrer aus
den umliegenden Wohngebieten ist aufgrund
siedlungsintegrierter Lage gewährleistet.
Stellplatzangebot
Vorgelagerte Stellplätze bestehen bei den bei-
den Lebensmittelmärkten. Diese können für den
Nah & Gut jedoch als zu gering eingestuft wer-
den. Allerdings ist dieser auch weitestgehend auf
das fußläufige Umfeld ausgerichtet.
Aufenthaltsqualitäten
Das kompakte Nahversorgungszentrum hält mit
einer gastronomischen Einheit sowie dem an-
grenzenden Bärbel-Six-Platz Orte zum Verweilen
vor.
Leerstandssituation
Zum Zeitpunkt der Erhebung bestand kein Leer-
stand im ZVB Kirchtannensiedlung.
Potenzialflächen und Planvorhaben
Keine signifikanten Potenzialflächen ersichtlich.
110 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Abbildung 54: Ladenzeile um den Nah & Gut im ZVB Kirchtannensiedlung
Abbildung 55: Blick auf den Aldi -Markt sowie eine großmaßstäbliche Wohneinheit im ZVB Kirchtannen-
siedlung
Insgesamt sind im Nahversorgungszentrum Kirchtannensiedlung sechs Einzelhan-
delsbetriebe vorhanden, welche auf einer Gesamtverkaufsfläche von rd. 2.500 qm ei-
nen Umsatz von rd. 16 Mio. € erwirtschaften. Dabei hält das Nahversorgungszentrum
funktionsgerecht einen Schwerpunkt seines Angebots mit einem Verkaufsflächenan-
teil von rd. 75 % dem kurzfristigen Bedarf vor. Darüber hinaus ergänzen kleinteilige Be-
triebe aus dem mittelfristigen Bedarf sowie Dienstleistungs - u. Gastronomiebetriebe
das Angebot.
Die Stärken des Nahversorgungszentrums liegen im Bereich des kurzfristigen Be-
darfs sowie in der fußläufigen Nahversorgung des Quartiers. Neben der zentralen Lage
im Quartier Kirchtannensiedlung stellt auch die kompakte Struktur eine Stärke des
Nahversorgungszentrums dar. Grundsätzlich besteht ein attraktiver Nutzungsmix von
Vollsortimenter und Discounter, wenngleich der Nah & Gut -Markt nicht den heutigen
Verkaufsflächengrößen entspricht.
Als Schwäche des Nahversorgungszentrums kann die Ausstattung bzw. Verkaufsflä-
chengröße des Nah & Gut -Markts ebenso aufgeführt werden, wie der Wettbewerbs-
druck durch den leistungsfähigen Lebensmit teleinzelhandel direkt außerhalb des
Stadtgebiets in Pfungstadt.
111 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Als Handlungsziel kann die Nutzung von Arrondierungspotenzial en zur Stärkung des
Zentrums bzw. zur Absicherung der Daseinsvorsorge durch eine Erweiterung des Nah
& Gut-Markts angestrebt werden. Zudem sollten zum Schutz des Zentrums weitere An-
siedlungen direkt außerhalb der Stadt Darmstadt kritisch betrachtet werden , um das
Zentrum zu schützen.
Abbildung 56: Blick auf die Ladenzeile im ZVB Kirchtannensiedlung
Der zentrale Versorgungsbereich Kirchtannensiedlung in Funktion
eines Nahversorgungszentrums erfüllt eine wichtige fußläufige
Versorgungsfunktion für die Bewohner des Quartiers. Mit einem
Lebensmitteldiscounter sowie einem kleinen Verbrauchermarkt ist das
Zentrum gut aufgestellt, gleichwohl v.a. für den Nah & Gut-Markt
Anpassungsbedarf erkennbar sind.
112 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
9.2.6 Perspektivischer zentraler Versorgungsbereich Ludwigs-
höhviertel
Im südlichen Bereich des Stadtteils Bessungen ist mit der Aufgabe der Cambrai-
Fritsch-Kaserne und Jefferson-Siedlung durch die US-Streitkräfte im Jahr 2008 einer
der letzten großen Bereiche im Stadtgebiet von Darmstadt freigeworden, welcher einer
städtebaulichen Entwicklung (insbesondere Wohnzwecke) zugeführt werden soll
(zusammen rd. 34 ha). Der Bereich des Areals umfasst dabei das Gebiet der Cambrai -
Fritsch-Kaserne und der Sportanlage als nördlichen Teilbereich sowie die Jefferson -
Siedlung als südlichen Teilbereich. Vorrangiges Ziel ist die Entwicklung eines lebendi-
gen Stadtquartiers mit dem Nutzungsschwerpunkt „Wohnen“ , um der großen Nach-
frage an Wohnraum in der Wissenschaftsstadt Darmstadt gerecht zu werden.
Zukünftig sollen hier 3.000 Menschen leben. Für sie sollen hier in den nächsten Jahren
rund 1.400 Wohnungen errichtet werden.
Abbildung 57: Strukturkonzept des Ludwigshöhviertels
Perspektiver ZVB Ludwigshöhviertel
Perspektivischer ZVB Ludwigshöhviertel
113 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Die Erreichbarkeit des perspektivischen Nahversorgungszentrums soll durch eine
nachhaltige Mobilität gesichert werden, um ein autoarmes Quartier mit hoher Aufent-
haltsqualität und bespielbaren öffentlichen Räumen zu schaffen. Dies beinhaltet das
Verhindern von Durchgangsverk ehr für den motorisierten Individualverkehr, die Ver-
längerung der Straßenbahnlinie 3, eine Mobilitätszentrale mit Miet - und Leihangebo-
ten von Rädern und Autos sowie ein umfassendes Mobilitätskonzept inklusive
Stellplatz- und Mobilitätsmanagement.
Im Zuge der Quartiersentwicklung soll auch ein breites Versorgungsangebot für Men-
schen aller Altersgruppen bereitgestellt werden, insbesondere durch die Entwicklung
eines kleinen Quartierszentrums mit Einzelhandel, quartiersbezogenen Dienstleistun-
gen, Gastronomie, kulturellen und sozialen Einrichtungen unter Berücksichtigung der
Barrierefreiheit sowie einer zukunftsfähigen sozialen Infrastruktur . Der Verbraucher-
markt soll nach derzeitigem Planungsstand insgesamt eine Verkaufsfläche von rd.
1.400 qm umfassen. Für di e weiteren Einzelhandels - und Dienstleistungsnutzungen
bestehen derzeit noch keine Pläne.
Dr. Lademann & Partner empfehlen daher, den Standortbereich um das zentral
gelegene Quartierszentrum als perspektivischen zentralen Versorgungsbereich
in Funktion ein es Nahversorgungszentrums mit in die Zentrenstruktur der Stadt
Darmstadt aufzunehmen. Die Abgrenzung soll dabei die zentral im Quartier gelege-
nen Gebäudeeinheiten um den Verbrauchermarkt bzw. dem Bereich um das Carrée be-
inhalten. Die Etablierung des Nahver sorgungszentrums wird die wohnortnahe
Versorgung der Bevölkerung in dem Quartier sichern und einen wichtigen Beitrag zur
wohnortnahen, fußläufigen Versorgung für die Bewohner leisten. Gleichzeitig entsteht
zudem ein lebendiger Kern für die Quartiersentwicklung und -identifikation.
Mit dem perspektivischen zentralen Versorgungsbereich
Ludwigshöhviertel in Funktion eines Nahversorgungszentrums soll die
wohnartnahe Versorgung des aktuell im Entstehen befindlichen
Siedlungsbereich gesichert werden. U.a. sollen ein Verbrauchermarkt
(mit rd. 1.400 qm Verkaufsfläche) sowie ergänzende Einzelhandels -
und Dienstleistungsbetriebe angesiedelt werden. Insgesamt wird die
Entwicklung eines lebendigen Quartierkerns angestrebt.
114 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
9.2.7 Ergänzungsstandort Gewerbegebiet Nordwest
Lagebeschreibung
Der Ergänzungsstandort befindet sich im nördli-
chen Kernstadtgebiet von Darmstadt und er-
streckt sich im Bereich Carl-Schenk-Ring, Otto-
Röhm-Straße, Pallaswiesenstraße, Grafenhäuser
Straße sowie Sensfelderweg.
Versorgungsfunktion
Ergänzungsstandort für großflächige, insbeson-
dere nicht-zentrenrelevante Sortimente.
Städtebau/Umfeld
Autokundenorientierte Standortagglomeration
mit überwiegend großflächigen Einzelhandels-
betrieben. Neben dem Einzelhandel befinden
sich auch Industrie- und Gewerbebetriebe inner-
halb des Ergänzungsstandort sowie im direkten
Umfeld.
Einzelhandelsstruktur
Die Einzelhandelsstruktur ist ganz überwiegend
durch flächenextensive Fachmärkte vorwiegend
aus dem nicht-zentrenrelevanten Bedarf ge-
prägt.
Branchen-Mix
Eindeutige Ausrichtung auf den langfristigen,
i.d.R. nicht-zentrenrelevanten Bedarf mit rd. 74
% Verkaufsflächenanteil. Der kurzfristige Bedarf
umfasst rd. 19 % der Gesamtverkaufsfläche im
Ergänzungsstandort, während der mittelfristige
Bedarf lediglich mit rd. 7 % vertreten ist.
Magnetbetriebe
Bauhaus, Hornbach, Mömax, Rewe, tegut, Aldi,
Lidl, Roller, Expert.
Ergänzende Nutzungen
Tankstellen, Gastronomie, vereinzelt Dienstleis-
tungen (u.a. Konzessionäre im Rewe).
Bebauungsstruktur
Ergänzungsstandort mit funktionalen Immobi-
lien sowie insgesamt einem funktionalen Cha-
rakter ohne städtebauliche Qualitäten. Rein
autokundenorientierter Standort.
Erreichbarkeit MIV/ÖPNV
Gute verkehrliche Erreichbarkeit aufgrund der B
3, welche das Gewerbegebiet durchzieht sowie
der Nähe zur Ringstraße. Die ÖPNV-Anbindung
wird durch mehrere Haltestellen gewährleistet.
Allerdings eindeutiger Fokus auf den PKW-Kun-
den bzw. Kofferraumeinkauf.
Fußläufige Erreichbarkeit
Erreichbarkeit für Fußgänger und Radfahrer le-
diglich vereinzelt an den Randbereichen aus den
direkt angrenzenden Wohnbereichen möglich.
Stellplatzangebot
Aufgrund der eindeutigen Orientierung auf den
PKW-Kunden verfügt jeder Betrieb über ein eige-
nes, i. d. Regel ausreichendes Stellplatzangebot.
Aufenthaltsqualitäten
Keine Aufenthaltsqualitäten aufgrund der funk-
tionalen Gestaltung im Gewerbegebiet vorhan-
den.
Leerstandssituation
Keine Leerstände zum Zeitpunkt der Erhebung.
Potenzialflächen und Planvorhaben
Keine Potenzialflächen ersichtlich; lediglich
durch Umnutzung bestehender Einzelhandels-
betriebe (Umnutzung/Erweiterung im Bestand).
115 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Abbildung 58: Ergänzungsstandort Gewerbegebiet Nordwest
Als Handlungsziel kann für den Ergänzungsstandort Gewerbegebiet Nordwest eine
Profilierung im Bereich nicht -zentrenrelevanter Angebote festgelegt werden. Zudem
sollten weiterhin ein Ausbau zentren- und innenstadtrelevante Sortimente am Stand-
ort ausgeschlossen bzw. ein Rückbau dieser angestrebt werden. Dies gilt auch für zen-
trenrelevante Randsortimente , welche durch die Bauleitplanung auf ein
betriebserforderliches Minimum reduziert werden sollten (ggf. Anpassung der B -
Pläne). Es gilt gleichwohl für die bereits heute bestehenden Betriebe Bestandsschutz.
116 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
9.2.8 Ergänzungsstandort Eschollbrücker Straße
Lagebeschreibung
Der Ergänzungsstandort befindet sich im süd-
westlichen Kernstadtgebiet von Darmstadt und
erstreckt sich beidseitig der Eschollbrücker
Straße westlich der Bahntrasse bzw. des Haardt-
rings.
Versorgungsfunktion
Ergänzungsstandort für großflächige Betriebe.
Städtebau/Umfeld
Autokundenorientierte Standortagglomeration
mit großflächigen Einzelhandelsbetrieben. Im
Umfeld grenzen im Süden Wohneinheiten der
Heimstättensiedlung an. In Richtung erstrecken
sich mehrere Industrie- und Gewerbebetriebe.
Einzelhandelsstruktur
Die Einzelhandelsstruktur ist überwiegend durch
Angebote im kurzfristigen Bedarf (VKF-Anteil rd.
66 %) geprägt, wodurch der Standort eine ge-
wisse Nahversorgungsfunktion für die umliegen-
den Siedlungsbereiche erfüllt. Der mittelfristige
Bedarf weist einen VKF-Anteil von rd. 22 % auf
(Randsortimente der Lebensmittelmärkte).
Branchen-Mix
Ausrichtung auf den kurzfristigen Bedarf durch
zwei strukturprägende Lebensmittelbetriebe. Er-
gänzung durch kleinteilige Ladeneinheiten im
real sowie Baubedarfsbetrieb Bau-Natura.
Magnetbetriebe
Lidl, real
Ergänzende Nutzungen
Ergänzende Nutzungen als Konzessionäre im
real sowie in der östlichen Ladenzeile (u.a. Fri-
seur, Restaurant).
Bebauungsstruktur
Ergänzungsstandort mit funktionalen Immobi-
lien sowie insgesamt einem funktionalen Cha-
rakter ohne städtebauliche Qualitäten. Rein
autokundenorientierter Standort.
Erreichbarkeit MIV/ÖPNV
Gute verkehrliche Erreichbarkeit aufgrund der
Lage am Kreuzungsbereich Haardtring/ Escholl-
brücker Straße. Die ÖPNV-Anbindung wird durch
die Haltestelle „Riedstraße“ gesichert. Allerdings
eindeutiger Fokus auf den PKW-Kunden bzw.
Kofferraumeinkauf.
Fußläufige Erreichbarkeit
Erreichbarkeit für Fußgänger und Radfahrer aus
den südlichen Wohngebieten der Heimstätten-
siedlung sowie z.T. auch aus der Postsiedlung ist
gegeben.
Stellplatzangebot
Ausreichend vorgelagerte Stellplätze bei den
beiden Lebensmittelmärkten vorhanden.
Aufenthaltsqualitäten
Keine Aufenthaltsqualitäten aufgrund der funk-
tionalen Gestaltung im Gewerbegebiet vorhan-
den.
Leerstandssituation
Keine Leerstände zum Zeitpunkt der Erhebung.
Potenzialflächen und Planvorhaben
Keine Potenzialflächen ersichtlich; lediglich
durch Umnutzung bestehender Einzelhandels-
betriebe (Umnutzung/Erweiterung im Bestand).
Hierzu zählt auch die künftige Entwicklung der
real-Immobilie.
117 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Abbildung 59: Ergänzungsstandort Eschollbrücker Straße
Als Handlungsziel kann für den Ergänzungsstandort Eschollbrücker Straße ebenfalls
eine prospektive Profilierung im Bereich der nicht-zentrenrelevanten Angebote fest-
gelegt werden. Aufgrund der Lage des Standorts sowie der derzeitigen Angebotsstruk-
tur übernimmt dieser allerdings auch eine wichtige Nahversorgungsfunktion für die
angrenzenden Wohnebereiche Heimstättensiedlung und Postsiedlung. Dennoch sollte
planungsrechtlich die Ansiedlung von weiterem nahversorgungsrelevanten Einzelhan-
del restriktiv behandelt werden. Gleiches gilt für die Ansiedlung von Betrieben mit ei-
nem zentrenrelevanten Hauptsortiment als auch für zentrenrelevante
Randsortimente, welche durch die Bauleitplanung auf einem betriebser forderlichen
Minimum reduziert werden sollten (ggf. Anpassung der B-Pläne). Für bereits heute be-
stehende Betriebe gilt der Bestandsschutz. Sollte der real -Markt seinen Standort an
der Eschollbrücker Straße schließen, so ist eine Nachnutzung im Bereich des nahver-
sorgungsrelevanten Einzelhandels zur Sicherung der Nahversorgung in den umliegen-
den Siedlungsbereichen möglich. Die Ansiedlung von zentrenrelevanten Betrieben
bzw. Sortimenten sollte nur im Rahmen des bestehenden Baurechts ermöglicht wer-
den.
118 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
9.2.9 Ergänzungsstandort Heidelberger Straße
Lagebeschreibung
Der Ergänzungsstandort befindet sich im südli-
chen Kernstadtgebiet von Darmstadt im Stadt-
teil Bessungen und erstreckt sich südlich der
Rüdesheimer Straße zwischen der Karlsruher
Straße (Westen) sowie der Heidelberger Straße
(Osten).
Versorgungsfunktion
Ergänzungsstandort für großflächige Betriebe.
Städtebau/Umfeld
Autokundenorientierte Standortagglomeration
mit großflächigen Einzelhandelsbetriebe. Im
Umfeld grenzen überwiegend Wohneinheiten
des Stadtteils Bessungen an.
Einzelhandelsstruktur
Der Einzelhandelsschwerpunkt liegt mit einem
Verkaufsflächenanteil von knapp der Hälfte im
langfristigen Bedarf. Die Angebote des kurzfristi-
gen Bedarfs nehmen einen VKF-Anteil von rd. 38
% ein. Agglomeration überwiegend großflächiger
Betriebe.
Branchen-Mix
Ausrichtung auf den langfristigen Bedarf. Den-
noch erfüllen die Angebote des kurzfristigen Be-
darfs mit drei strukturprägenden
Lebensmittelbetrieben (Aldi, Rewe, Alnatura),
auch eine gewisse Nahversorgungsfunktion für
die umliegenden Siedlungsbereiche.
Magnetbetriebe
Aldi, Rewe, dm, Alnatura, Farbenkrauth Baumarkt
Ergänzende Nutzungen
Ergänzende Nutzungen durch TÜV und KFZ-Zu-
lassungsstelle, Tankstelle, Autowaschanlage, Mc
Donalds vorahnden.
Bebauungsstruktur
Ergänzungsstandort mit funktionalen Immobi-
lien sowie insgesamt einem funktionalen Cha-
rakter ohne städtebauliche Qualitäten. Ganz
überwiegend autokundenorientierter Standort.
Erreichbarkeit MIV/ÖPNV
Gute verkehrliche Erreichbarkeit aufgrund der
Lage an den südlichen Ausfahrtsstraßen Karlsru-
her Straße und Heidelberger Straße. Die ÖPNV-
Anbindung wird durch die Haltestelle „Lands-
kronstraße“ gesichert.
Fußläufige Erreichbarkeit
Erreichbarkeit für Fußgänger und Radfahrer aus
den umliegenden Wohngebieten von Bessungen
ist gegeben.
Stellplatzangebot
Ausreichend vorgelagerte Stellplätze bei den Le-
bensmittelmärkten vorhanden.
Aufenthaltsqualitäten
Keine Aufenthaltsqualitäten aufgrund der funk-
tionalen Gestaltung im Gewerbegebiet vorhan-
den.
Leerstandssituation
Keine Leerstände zum Zeitpunkt der Erhebung.
Potenzialflächen und Planvorhaben
Keine Potenzialflächen ersichtlich; lediglich
durch Umnutzung bestehender Einzelhandels-
betriebe (Umnutzung/Erweiterung im Bestand).
119 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Abbildung 60: Ergänzungsstandort Heidelberger Straße
Als Handlungsziel kann für den Ergänzungsstandort Heidelberger Straße ebenfalls
eine prospektive Profilierung im Bereich der nicht -zentrenrelevanten Angebote fest-
gehalten werden. Aufgrund der Lage des Standorts sowie der derzeitigen Angebots-
struktur übernimmt dieser allerdings auch eine wichtige Nahversorgungsfunktion für
die angrenzenden Wohnebereiche des Stadtteils Bessungen. Diese Versorgungsfunk-
tion wird sich durch die Wohn bauvorhaben der Lincoln -Siedlung noch verstärken,
gleichwohl dort auch ein Verbrauchermarkt geplant ist. Planungsrechtlich sollte die
Ansiedlung von weiterem nahversorgungsrelevanten Einzelhandel im Ergänzungs-
standort Heidelberger Straße jedoch restriktiv behandelt werden. Gleiches gilt für die
Ansiedlung von Betrieben mit einem zentrenrelevanten Hauptsortiment als auch für
zentrenrelevante Randsortimente, welche durch die Bauleitplanung auf ein betriebs-
erforderliches Minimum reduziert werden sollten (ggf. Anpassung der B-Pläne). Für be-
reits heute bestehende Betriebe gilt gleichwohl der Bestandsschutz.
120 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
10 Empfehlungen zur Einzelhandels-
steuerung in der Wissenschaftsstadt
Darmstadt
10.1 Zur Zentrenrelevanz der Sortimente „Darmstäd-
ter Liste“
Eine wichtige Bedeutung in der Bewertung künftiger Einzelhandelsvorhaben kommt
der Frage nach der Nahversorgungs- und Zentrenrelevanz der Sortimente zu. Sor-
timentslisten fungieren als wichtiges Steuerungsinstrument für die Einzelhandelsent-
wicklung einer Stadt. Ziel dieser ortstypischen Sortimentsliste ist es,
Ansiedlungsvorhaben mit innenstadttypischen Sortimenten in die höherrangigen
zentralen Versorgungsbereiche zu integrieren und somit dysfunktionale Planvorhaben
abwenden zu können. Zudem d ient die ortstypische Sortimentsliste als Grundlage für
Ausschluss- und Beschränkungsfestsetzungen in beplanten Gebieten und im unbe-
planten Innenbereich.
Die Einstufung der Sortimente erfolgte durch Dr. Lademann & Partner v.a. anhand der
faktischen Zentren relevanz der einzelnen Sortimente innerhalb des Stadtgebiets.
Auch die Eigenschaften der einzelnen Sortimente (z.B. Transportsensibilität) wurden
bei der Einstufung berücksichtigt. Darüber hinaus spielte aber auch eine Rolle, welche
strategischen Ziele mit der Ansiedlung bestimmter Sortimente in den stadträumlichen
Lagen verbunden sind. Bezugnehmend auf die Sortimentsliste für die Stadt Darmstadt
ist es weiterhin Aufgabe der Bauleitplanung,
◼ an gewünschten Standorten (zentrale Versorgungsbereiche) die baupla nungs-
rechtliche Zulässigkeit von Vorhaben zu ermöglichen,
◼ bei Bestandsagglomerationen und sonstigen steuerungsbedürftigen Standortla-
gen über die Ausweisung/Anpassung der Festsetzungen in Bebauungsplänen hin-
zuwirken sowie
◼ an nicht erwünschten Standorten den Ausschluss voranzutreiben.
Die Gliederung der einzelnen Sortimente wurde im Sinne der Klassifikation der Wirt-
schaftszweige (WZ) aus dem Jahr 2008 vorgenommen35.
Insgesamt empfehlen Dr. Lademann & Partner folgende Einstufung der Nahversor-
gungs- und Zentrenrelevanz für die Einzelhandelsentwicklung:
35Sie berücksichtigt die Vorgaben der statistischen Systematik der Wirtschaftszweige in der Europäischen Gemeinschaft, die mit der
Verordnung Nummer 1893/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 20. Dezember 2006 veröffentlicht wurde. Die
Zustimmung der Europäischen Kommission gemäß Artikel 4, Absatz 3, der oben genannte Verordnung liegt vor.
121 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Tabelle 16: Zur Zentrenrelevanz von Sortimenten („Darmstädter Liste“)
nahversorgungsrelevant** WZ 2008* zentrenrelevant WZ 2008* nicht-zentrenrelevant WZ 2008*
Nahrungs- und Genussmittel 47.2 Angeln, Waffen, Jagdbedarf aus 47.64.2; aus 47.78.9 Antiquitäten aus 47.78.3
Getränke 47.25 Bekleidung, Wäsche 47.71 Bauelemente, Baustoffe aus 47.52
Drogerie-, Kosmetikartikel aus 47.75 Bild- und Tonträger 47.63 Bettwaren, Matratzen, Lattenroste 47.51
Wasch-, Putz- und Reinigungsmittel aus 47.75 Bücher, Papier, Schreibwaren 47.61; 47.79.2; 47.62.2 Bettwäsche aus 47.51
Pharmazeutika, Reformwaren 47.73 Computer und Zubehör aus 47.41; aus 47.43 Bodenbeläge, Teppiche; Tapeten, Fliesen aus 47.53; aus 47.52
Schnittblumen aus 47.76.1 Elektrokleingeräte aus 47.54 Büromöbel aus 47.59.1
Zeitungen, Zeitschriften 47.62.1 Elektrogroßgeräte 47.54 Camping und Zubehör aus 47.64.2
Erotikartikel aus 47.78.9 Eisenwaren, Beschläge aus 47.52
Foto 47.78.2 Elektroinstallationsmaterial aus 47.52
Gardinen & Zubehör aus 47.53 Fahrräder und Zubehör 47.64.1
Geschenkartikel aus 47.78.3 Farben, Lacke aus 47.52.3
Glas, Porzellan, Keramik 47.59.2 Gartenbedarf, Gartenmöbel, Pflanzen aus 47.52.1; aus 47.76.1
Handarbeitsbedarf, Kurzwaren, Stoffe aus 47.51 Kamine, Kachelöfen aus 47.52
Haushaltswaren aus 47.59.9 Kfz- und Motorradzubehör 45.32
Heimtextilien aus 47.51 Kinderwagen aus 47.59.9
Kunstgewerbe, Bilder, Bilderrahmen aus 47.78.3 Lampen und Leuchten aus 47.59.9
Lederwaren, Schuhe aus 47.72 Maschinen, Werkzeuge aus 47.52
Musikinstrumente und Zubehör 47.59.3 Möbel, Küchen 47.59.1; aus 47.79.1
Optik, Augenoptik, Hörgeräte 47.78.1; aus 47.74 Rolläden, Markisen aus 47.53
Parfümerie aus 47.75 Sanitärbedarf aus 47.52
Sanitätsbedarf 47.74 Sportgroßgeräte aus 47.64.2
Spielwaren 47.65 Zoologischer Bedarf 47.76.2
Sportartikel (ohne Sportgroßgeräte) aus 47.64.2
Sportbekleidung, Sportschuhe aus 47.71; aus 47.72
Telekommunikation und Zubehör 47.42
Uhren, Schmuck 47.77
Unterhaltungselektronik u. Zubehör 47.43; 47.63
Zur Zentrenrelevanz von Sortimenten (''Darmstädter Sortimentsliste'')
Quelle: Dr. Lademann & Partner. * Klassifikation der Wirtschaftszweige des Statistischen Bundesamtes, Ausgabe 2008 ** nahversorgungsrelevante Sortimente sind zugleich auch zentrenrelevant. Nicht aufgeführte Sortimente sind dem
nicht-zentrenrelevanten Bedarf zuzuordnen.
122 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
10.2 Handlungsanleitung zur Bewertung von Vorha-
ben: Ansiedlungsregeln zur räumlichen Steue-
rung
Der prospektiven Einzelhandelsentwicklung in der Stadt Darmstadt liegen folgende
übergeordneten Ziele zugrunde:
◼ Sicherung und Ausbau eines attraktiven Einzelhandelsangebots für das wachsende
Oberzentrum Darmstadt;
◼ Sicherung und Ausbau einer attraktiven Innenstadt in Darmstadt;
◼ Sicherung und Ausbau der Stadtteil - und Nahversorgungszentren mit ergänzen-
den, nachgeordneten Versorgungsaufgaben;
◼ Sicherung und ggf. Ausbau eines Grund - und Nahversorgungsangebotes im ge-
samten Stadtgebiet;
◼ Sicherung und Stärkung der räumlich-funktionalen Arbeitsteilung (Profilbildung);
◼ Gezielte und geordnete Entwicklung großflächiger Einzelhandelsbetriebe.
Gemäß der übergeordneten Strategie „Stärken stärken“ bzw. „Konzentration auf die
Zentren“ sollten innenstadttypische Angebote weiterhi n die Innenstadt prägen. Die
Ansiedlung oder Weiterentwicklung der Streulagen ist v.a. hinsichtlich der als zentren-
relevant eingestuften Sortimente planungsrechtlich auszuschließen. Eine Zersplitte-
rung der Einzelhandelsnutzungen innerhalb des Stadtgebiets ist zu vermeiden. Hierbei
wird dem erklärten Ziel, die städtischen Zentren zu stärken, Rechnung getragen. Nah-
versorgungsrelevante Angebote (zugleich zentrenrelevant) sind im Sinne einer woh-
nungsnahen Grundversorgung in deutlich untergeordnetem Umfang in St reulagen
vertretbar.
Die folgenden Steuerungsempfehlungen (im Folgenden: Ansiedlungsregeln) kon-
kretisieren diese übergeordneten Ziele und Strategien und zeigen auf, an welchen
Standortlagen nahversorgungsrelevante, zentrenrelevante bzw. nicht-zentren-
relevante Sortimente gemäß der Darmstädter Sortimentsliste durch Ansied-
lungs- bzw. Erweiterungsvorhaben ausgeschöpft werden sollten.
Die nachfolgend dargestellten Regelungen sollen sowohl interne – im Rahmen der
kommunalen Selbstbindung, insbe sondere für zukünftige Bauleitplanverfahren – als
auch externe Signale setzen, Transparenz signalisieren und eine einheitliche Bewer-
tung ermöglichen.
123 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Nahversorgungsrelevante Sortimente (gem. Darmstädter Sortimentsliste)
Ansiedlungsregel 1: Gewährleistung der Nahversorgung durch eine gezielte Steu-
erung der Einzelhandelsbetriebe mit nahversorgungsrelevanten Sortimenten.
◼ Die Gewährleistung der Nahversorgung, vor allem die der nicht mobilen Bevölke-
rung, mit Waren und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs ist sicherzustellen.
◼ Standorte für Einzelhandelsbetriebe mit nahversorgungsrelevantem Kernsorti-
ment sollen vorrangig in den zentralen Versorgungsbereichen liegen.
◼ Sofern innerhalb der Abgrenzung eines zentralen Versorgungsbereichs geeignete
Flächen nicht verf ügbar sind, können ausnahmsweise auch Flächen in der unmit-
telbaren Umgebung herangezogen werden, wenn ein städtebaulicher Zusammen-
hang mit dem Zentrum gegeben ist bzw. hergestellt werden kann, ein funktionales
Zusammenwirken mit dem vorhandenen Zentrum angenommen werden kann und
die beabsichtigte Entwicklung zur Sicherung und Stärkung des Zentrums beiträgt
(Verträglichkeitsnachweis).
◼ Zur Sicherung der wohnortnahen Grundversorgung können (großflächige) Einzel-
handelsbetriebe mit nahversorgungsrelevanten Kern sortimenten ausnahmsweise
auch außerhalb der zentralen Versorgungsbereiche in städtebaulich integrierten
Lagen mit dem Konzept vereinbar sein,
wenn sie Anschluss an ein Wohngebiet haben (städtebaulich integrierte Lage)
und
wenn sie überwiegend der Sicherung der Nahversorgung der dort lebenden Be-
völkerung dienen und
wenn die Entfernung zum nächstgelegenen Zentrum mind. 700 m Fußweg be-
trägt (dies gilt aufgrund der Bebauungsdichte nicht für den ZVB Innenstadt)
und
wenn keine negativen städtebaulichen Auswirku ngen auf die benachbarten
zentralen Versorgungsbereiche und auf die wohnortnahen Versorgungsstruk-
turen zu erwarten sind.
Zentrenrelevante Sortimente (gem. Darmstädter Sortimentsliste)
Ansiedlungsregel 2: Sicherung und Entwicklung der Zentren – insbesondere der
Innenstadt - durch gezielte Steuerung der Einzelhandelsbetriebe mit zentrenre-
levanten Sortimenten.
◼ Prioritär sind zentrenrelevante Sortimente auf den ZVB Innenstadt zu konzentrie-
ren. Dies dient dem Erhalt und der Stärkung der oberzentralen Versorgungsfunk-
tion.
Großflächige Einzelhandelsbetriebe mit zentrenrelevanten Hauptsortimenten
sollen der Innenstadt vorbehalten sein.
124 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Auch Kleinflächen sind vorzugsweise auf die Innenstadt zu lenken, können bei
nachgewiesener stadtteilweiter Versorgungsfunktion auch in den Stadtteilzen-
tren liegen (unter Voraussetzung der nachgewiesenen Verträglichkeit).
◼ Ausschluss von neuen zentrenrelevanten Sortimenten auf Kleinflächen außerhalb
der zentralen Versorgungsbereiche. Die Bestandsbetriebe bleiben davon unbe-
rührt. Die Überprüfung und Anpassung von relevanten Bebauungsplänen wird
empfohlen.
◼ Zentren- und nahversorgungsrelevante Randsortimente sind außerhalb der aus-
gewiesenen zentralen Versorgungsbereiche auf 10 % (max. 800 qm VKF) zu be-
grenzen.
Nicht-zentrenrelevante Sortimente (gem. Darmstädter Sortimentsliste)
Ansiedlungsregel 3: Die Ergänzungsstandorte sind als Komplementärstandorte
für den nicht-zentrenrelevanten Einzelhandel vorzuhalten.
◼ Großflächige Einzelhandelsbetriebe mit nicht -zentrenrelevanten Hauptsortimen-
ten sollen vorrangig auf Flächen innerhalb der Innenstadt oder auf unmittelbar an-
grenzende Flächen gelenkt werden, sofern sie zu deren Stabilisierung beitragen
und städtebaulich, verkehrlich und funktional verträglich eingeordnet werden kön-
nen.
◼ Großflächige Einzelhandelsbetriebe mit nicht -zentrenrelevanten Hauptsortimen-
ten können aufgrund ihres hohen Flächenbedarfs z.T. nicht in die Innenstadt inte-
griert werden. Daher dienen die im Konzept ausgewiesenen Ergänzungsstandorte
als Komplementärstandorte:
Zentrenrelevante Randsortimente sind auf 10 % der Gesamtverkaufsfläche, je-
doch auf maximal 800 qm je Einzelsortiment zu begrenzen und müssen inhalt-
lich auf das Kernsortiment bezogen sein.
Es dürfen keine negativen Auswirkungen auf zentrale Versorgungsbere iche
(Berücksichtigung der Vorschädigung) eintreten.
Das Vorhaben lässt sich städtebaulich, verkehrlich und funktional verträglich
einordnen.
Umgang mit Annexhandel/ Werksverkauf/ Online-Handel
Ansiedlungsleitsatz 4: Annexhandel / Werksverkauf / Online-Handel
◼ Verkaufsstätten in Verbindung mit Gewerbe- und Logistikbetrieben sind zulässig,
wenn die Verkaufsfläche dem Hauptbetrieb räumlich zugeordnet ist und die
angebotenen Waren aus eigener Herstellung auf dem Betriebsgrundstück
stammen oder im Zusammenhang mit den hier hergestellten Waren oder mit
den angebotenen Handwerksleistungen stehen,
125 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
die Verkaufsfläche und der Umsatz dem Hauptbetrieb deutlich untergeordnet
sind und
die Grenze der Großflächigkeit nach § 11 (3) BauNVO nicht überschritten wird.
Umgang mit Bestandsbetrieben
Ansiedlungsregel 5: Bestandsschutz, Erweiterungen und Nutzungsänderungen
◼ Rechtmäßig bestehende Betriebe haben Bestandsschutz. Genehmigungspflichtige
Erweiterungen und Nutzungsänderungen (auch Änderungen der zulässigen Sorti-
mente), soweit sie wesentliche Auswirkungen erwarten lassen und nicht durch den
erweiterten Bestandsschutz erfasst werden, sind nach den gleichen Regeln zu be-
urteilen wie Neuansiedlungen.
◼ Bei einer Verlängerung von Baugenehmigungen ist zu prüfen, ob sich zwischenzeit-
lich die Genehmigungsvoraussetzungen (insbesondere hinsichtlich der zu erwar-
tenden Auswirkungen auf zentrale Versorgungsbereiche) geändert haben.
Abbildung 61: Steuerungsempfehlungen zur Kompatibilitätsprüfung von Planvorhaben
www.dr-lademann-partner.deDr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Steuerungsempfehlungen
Nahversorgungs- und zentrenrelevante Randsortimente sind bis maximal 10 % des Gesamtvorhabens zulässig. Agglomerations- und
Gemengelagen kleinflächiger Betriebe sind kumuliert zu betrachten
nahversorgungs
-relevant
zentren-
relevant
nicht-
zentrenrelevant
Anmerkung> 800 qm < 800 qm > 800 qm < 800 qm > 800 qm < 800 qm
Innenstadt Alle Sortimente und
Größen zulässig
Stadtteilzentren Sicherung der
Stadtteilversorgung
Nahversorgungszentren Sicherung der
Nahversorgung
Ergänzungsstandorte
Standorte v.a. für nicht-
zentrenrelevante
Sortimente
Sonstige Lagen Anpassung
Bebauungspläne
gut
neutral
schlecht
Fortschreibung des Einzelhandels- und Zentrenkonzepts für Darmstadt
126 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
11 Zusammenfassung
Zusammenfassend lässt sich für das Einzelhandelsentwicklungs- und Zentrenkonzept
der Stadt Darmstadt Folgendes festhalten:
Die sozioökonomischen Rahmenbedingungen für die Einzelhandelsentwicklung des
Oberzentrums sind positiv zu bewerten und induzieren insbesondere aufgrund der
weiterhin wachsenden Einwohnerplattform sowie der überdurchschnittlichen Kauf-
kraft zusätzliche Impulse für die Einzelhandelsentwicklung. Die niedrige Arbeitslosen-
quote, der positive Pendlersaldo , das Renommee als Wissenschaftsstadt sowie die
gute Tourismusentwicklung verstärken diesen Effekt. Die Stadt steht allerdings i n ei-
nem intensiven interkommunalen Wettbewerb mit dem umliegenden Mittel - und
Oberzentren. Darüber hinaus begrenzt auch der Online -Handel nach wie vor die Ent-
wicklungsmöglichkeiten für die Stadt Darmstadt.
Im Marktgebiet der Stadt Darmstadt leben im Jahr 2019 rd. 819.400 Personen. Davon
entfallen ca. 20 % auf die Stadt Darmstadt selber. Bis zum Jahr 2025 wird die Einwoh-
nerzahl auf etwa 830.800 Personen wachsen, wodurch sich auch das einzelhandels-
relevante Nachfragepotenzial über alle Sortimente auf rd. 6,25 Mrd. € erhöhen wird (=
+86,3 Mio. € gegenüber 2019).
Das Einzelhandelsangebot der Stadt Darmstadt weist eine Gesamtverkaufsfläche von
rd. 263.700 qm bei einem Gesamtumsatz von 992 Mio. € auf. Die Differenzierung nach
Branchengruppen ergibt, dass der Sortimentsschwerpunkt sowohl verkaufsfläch en-
als auch umsatzseitig auf den ku rzfristigen Bedarf ausgerichtet ist. Nach Standortla-
gen betrachtet, entfallen rd. 41 % der Gesamtverkaufsfläche sowie des Gesamtumsat-
zes auf die Angebote der Innenstadt von Darmstadt. Innerhalb der Innenstadt ist der
mittelfristige Bedarfsbereich eindeutig prägend, während in den Stadtteil - bzw. Nah-
versorgungszentren die Angebote des kurzfristigen Bedarfs dominieren. Die durch-
schnittliche Betriebsgröße in der Gesamtstadt liegt bei 330 qm Verkaufsfläche.
Verkaufsflächenseitig liegt der Schwerpunkt der Großflächen im Ergänzungsstandort
Gewerbegebiet Nordwest, wo vor allem im langfristigen Bedarfsbereich großmaßstäb-
liche Angebote vorhanden sind (u.a. Hornbach, Bauhaus, Mömax).
Die Verkaufsflächendichte in Darmstad t erreicht einen Wert von rd. 1.660 qm je
1.000 Einwohner und liegt somit über dem Bundesdurchschnitt. Allerdings zeigt der
Vergleich mit anderen Oberzentren einen unterdurchschnittlichen Besatz an Ver-
kaufsfläche. Lediglich im Bereich Bekleidung/ Schuhe/ L ederwaren befindet man sich
innerhalb der für Oberzentren ermittelten Spannbreite. Dies verdeutlicht auch der Blick
auf die Zentralität der Darmstädter Einzelhandels, welche aktuell bei rd. 83 % liegt.
Das heißt, per Saldo liegt der örtliche Einzelhandelsu msatz 17 % unter dem örtlichen
Nachfragepotenzial, was auf erhebliche Kaufkraftabflüsse in die umliegenden Ein-
kaufslagen sowie den Internethandel hindeutet. In einigen Sortimenten des mittel -
und langfristigen Bedarfs konnten deutliche Angebots - und Zentralitätsdefizite aus-
gemacht werden. Dies gilt insbesondere für die Segmente Möbel, Elektrobedarf sowie
Bau- und Gartenbedarf. Um den oberzentralen Versorgungsaufgaben auch zukünftig
127 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
weiter nachkommen zu können, müssen die daraus abzuleitenden Entwicklungsspiel-
räume für die Erhaltung und Entwicklung attraktiver Angebote eingesetzt werden.
Die Innenstadt von Darmstadt erreicht bei einem Anteil von durchschnittlich rd. 41 %
der Gesamtverkaufsfläche (rd. 107.500 qm Verkaufsfläche) die notwendige Dominanz
im Stadtgebiet von Darmstadt. Dabei ist vor allem der Verkaufsflächenanteil im innen-
stadtprägenden Leitsortiment Bekleidung/ Wäsche mit rd. 93 % positiv hervorzuhe-
ben. Für die weiteren zentrenrelevanten Sortimentsbereiche ist prospektiv allerdings
noch ein weitere r Ausbau anzustreben. Der Anteil von 20 % im kurzfristigen Bedarf
zeigt darüber hinaus leichte Defizite auf. Die Citydichte befindet sich Sortimentsüber-
greifend auf einem durchschnittlichen Niveau. Es wird eine der wichtigsten Kernaufga-
ben sein, die Stellu ng der Innenstadt im Stadtgefüge weiter auszubauen und diese
damit zukunftsfähig zu machen. Mit der avisierten Erstellung eines Entwicklungskon-
zepts für die Innenstadt (Maßnahmenkonzept) im Jahr 2021 ist ein weiterer Schritt be-
schlossen, die gegenwärtigen und künftigen Herausforderungen zu bewältigen und die
Innenstadt als Hauptgeschäftsviertel, Verwaltungszentrum und kultureller Mittelpunkt
zu stärken.
Rein quantitativ wird in der Stadt Darmstadt derzeit ein durchschnittliches Nahversor-
gungsangebot vorgehalten, welches vor allem in den Randbereichen deutliche Lücken
in der wohnortnahen Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs aufweist. Insgesamt
verfügen derzeit rd. 22 % der Einwohner über keinen strukturprägenden Nahversor-
gungsbetrieb innerhalb eines fußläufigen Einzugsbereichs. Dies verdeutlicht auch der
Blick auf die durchschnittliche Verkaufsflächendichte im kurzfristigen bzw. nahversor-
gungsrelevanten Bedarfsbereich, welche mit rd. 450 qm je 1.000 Einwohner deutlich
unterhalb des Bundesdurchschnitts liegt (rd. 530 qm je 1.000 Einwohner) und auf eine
unterdurchschnittliche Ausstattung im kurzfristigen Bedarf hindeutet. Im Lichte des
deutlichen Bevölkerungswachstum sollten neue integrierte Lebensmittelmärkte in den
unterversorgten Stadtbereichen etablie rt werden. Hinsichtlich der Betriebstypen-
struktur ist ein Übergewicht von Anbietern im Vollsortiment zu konstatieren, was wie-
derum mit der überdurchschnittlichen Kaufkraft korreliert. Die durchschnittlichen
Betriebsgrößen weisen darauf hin, dass es in den nächsten Jahren sowohl im Discount-
segment als auch bei den Vollsortimentern weitere Erweiterungsbestrebungen geben
wird.
Der rechnerische Entwicklungsrahmen für den Einzelhandel in Darmstadt beträgt bis
zum Jahr 2025 bis zu rd. 40.600 qm Verkaufsfläche und umfasst dabei kurz-, mittel-
und langfristige Sortimente. Das Potenzial sollte im mittelfristigen Bedarfsbereich vor-
rangig auf die Innenstadt von Darmstadt fokussiert werden. Es kommen jedoch auch
im Einzelfall andere Standortlagen in Frage.
Das Zentren- und Standortkonzept 2020 der Stadt Darmstadt umfasst neben der
Innenstadt als Hauptzentrum noch die beiden Stadtteilzentren (ZVB Arheilgen, ZVB
Eberstadt) s owie zwei bereits heute bestehende Nahversorgungszentren (ZVB Kra-
nichstein, ZVB Kirchtannensiedlung). Daneben wird mit dem Ludwigshöhviertel ein
perspektivisches Nahversorgungszentrum festgelegt. Diese Standorte stellen somit
die zentralen Versorgungsbereiche im Sinne des § 34 BauGB dar. Gegenüber dem
128 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Einzelhandelskonzept aus dem Jahr 2012 wird der ZVB Weststadt wie auch bereits im
Nahversorgungskonzept 2016 nicht mehr als zentraler Versorgungsbereich berück-
sichtig. Darüber hinaus ist mit dem ZVB Kirchtanne nsiedlung ein neuer zentraler Ver-
sorgungsbereich in Funktion eines Nahversorgungszentrum hinzugekommen.
Perspektivisch kann mit dem zentralen Versorgungsbereich Ludwigshöhviertel ein
weiteres Nahversorgungszentrum etabliert werden. Zudem wurden drei Ergänz ungs-
standorte des großflächigen Einzelhandels (kein e zentrale Versorgungsbereiche i.S.
des § 34 BauGB) identifiziert.
Die grundsätzliche Entwicklungsstrategie richtet sich dabei auf das Leitprinzip „Stär-
ken stärken“ aus und stellt vor allem die weitere Positionierung der Innenstadt als tra-
gender Einzelhandelsstandort durch die Konzentration von höherwertigen, weniger
transportsensiblen Angeboten heraus. Demgegenüber sollen die Stadtteilzentren mit
einem multifunktionalen Angebot mit dem Schwerpunkt auf die Stadtteilversorgung
weiterzuentwickeln. Dabei soll ein konzentriertes Angebot an Einzelhandelsnutzungen
(nahversorgungsrelevant und zentrenrelevant) und ergänzenden Nutzungen bereit-
gestellt werden, während den Nahversorgungszentren primär die Sicherung ein er
funktionsfähigen Nahversorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs zukommt. Die städ-
tebaulich nicht-integrierten und autoorientiert gelegenen drei Ergänzungsstandorte
sind als allmählich verfestigte funktionale Standortlagen mit örtlicher bis überörtlicher
Ausstrahlkraft zu behandeln. Der Schwerpunkt dieser Ergänzungsstandorte sollte dem
‚Lastkauf‘ i.S. des Versorgungseinkaufs entsprechen. D.h., das Profil soll hier zukünftig
auf den rein versorgungsorientierten Einkauf typischer ‚Kofferraumsortimente‘ ausge-
richtet sein und sich damit auf ein zur Innenstadt arbeitsteiliges, fachmarktorientiertes
Profil konzentrieren.
Vor diesem Hintergrund wurden neben der Entwicklung der Darmstädter Sorti-
mentsliste zudem insgesamt fünf Ansiedlungsleitsätze zur räumlichen Einzelhan-
delsentwicklung ausgearbeitet. Im Lichte der Strategie „Stärken stärken“ sollen
die räumlich abgegrenzten Standortlagen gemäß ihrer Funktionszuweisung
quantitativ und qualitativ gesichert, gestärkt und profiliert werden.
Hamburg, Dezember 2020
Ulrike Rehr David Kamin
Dr. Lademann & Partner GmbH
129 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
I Glossar36
Betriebstypen im Einzelhandel:
Food-Einzelhandel
◼ Lebensmitteldiscounter
Lebensmittelmarkt mit Verkaufsflächen zw. 800 bis 1.500 qm, der ein auf Waren mit
hoher Umschlagshäufigkeit beschränktes Sortiment sowie ein wöchentlich wechseln-
des Aktionssortiment (im Mittel 2.100 Artikel) mittels aggressiver Niedrigpreispolitik
verkauft.
◼ Supermarkt
Einzelhandelsbetrieb, der auf einer Verkau fsfläche von mindestens 400 qm bis 800
qm Nahrungs - und Genussmittel einschließlich Frischwaren und Drogeriewaren,
Wasch-, Putz und Reinigungsmittel anbietet.
◼ Verbrauchermarkt, klein
Einzelhandelsbetrieb mit Sortimentsschwerpunkt „täglicher Bedarf“, der überwiegend
auf einer Verkaufsfläche zwischen 800 und 1.500 qm geführt wird.
◼ Verbrauchermarkt, groß
Einzelhandelsbetrieb mit Angebotsschwerpu nkt „täglicher Bedarf“, der auf grund der
Flächenbedarfe meist an Pkw -orientierten Standorten auf einer Verkaufsfläche zwi-
schen 1.500 und unter 5.000 qm geführt wird.
◼ SB-Warenhaus
Einzelhandelsbetrieb ab 5.000 qm Verkaufsfläche mit Umsatzschwerpunkt bei Waren
des täglichen Bedarfs und zahlreichen Nonfood-Warengruppen (bis zu 50 % der Arti-
kel), die überwiegend an Pkw-orientierten Standorten angeboten werden.
◼ Vollsortimenter
Einzelhandelsbetrieb, welcher ein breites und tiefes Sortiment mit einem flächenbezo-
genen Frischeanteil von ca. 30 % anbietet und durch größere Bedienungstheken ge-
kennzeichnet ist. Das Angebot konzentriert sind im Wesentlichen auf den Periodischen
Bedarf (Lebensmittel) mit einem Umfang von mind. 12.000 Artikeln, ergänzt um ein
Non-Food Sortiment von etwa 10 bis 15 %. SB -Warenhäuser und Verbrauchermärkte
sind regelmäßig als Vollsortimenter zu bezeichnen. S upermärkte erreichen dagegen
oftmals nicht die nötige Sortimentstiefe und -breite.
36 Die Definitionen sind in Anlehnung an folgende Quellen formuliert:
Institut für Handelsforschung an der Universität zu Köln, Ausschuss für Begriffsdefinitionen aus der Handels - und Absatzwirtschaft,
1995: Katalog E Begriffsdefinitionen aus der Handels - und Absatzwirtschaft
Metro-Handelslexikon 2009/2010
Definitionen zur Einzelhandelsanalyse der Gesellschaft für Immobilienwirtschaftliche Forschung e.V. 2014
130 | 135 Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH
Nonfood-Einzelhandel
◼ Fachgeschäft
Einzelhandelsbetrieb mit i.d.R. deutlich weniger als 800 qm Verkaufsfläche, der ein auf
einen Warenbereich beschränktes Nonfood-Sortiment in tiefer Gliederung mit unter-
schiedlichen Bedienungskonzepten (Fremd - und Selbstbedienung, Vorwahl) und oft
weiteren Service- und Beratungsleistungen verkauft.
◼ Fachmarkt
Einzelhandelsbetrieb mit meist über 800 qm Verkaufsfläche, der ein auf eine Waren-
gruppe beschränktes, preisorientiertes Nonfood-Sortiment mit eingeschränkten Ser-
vice- und Beratungsleistungen an Pkw-orientierten Standorten anbietet.
◼ Warenhaus
Einzelhandelsgroßbetrieb mit umfassendem Sortiment aus unterschiedlichen Waren-
gruppen, der mit unterschiedlichen Bedienungskonzepten (oft in Fremdbedienung mit
Vorwahl) geführt wird und sich in der Regel an integrierten Standorten oder in Ein-
kaufszentren befindet.
◼ Kaufhaus
Großflächiger Einzelhandelsbetrieb, der Waren aus mehreren Nonfood-Branchen, da-
von mindestens eine in tieferer Gliederung, und unterschiedlichen Bedienungs - und
Servicekonzepten verkauft. Verortet sind Kaufhäuser in der Regel an integrierten
Standorten oder in Einkaufszentren (umfasst z.B. auch Textilkaufhäuser) befindet.
◼ Sonderpostenmarkt
Discountorientierter Fachmarkt, der nicht an spezielle Warengruppen oder Bedarfsbe-
reiche ausgerichtet ist, sondern Waren aller Art für den discountorientierten Impuls-
kauf anbietet. Die Waren werden zu niedrigen Preisen als Rest - und Sonderposten
verkauft. Das Sortiment wechselt demnach häufig.
Agglomerationen, Einkaufszentren und Spezialformen
◼ Fachmarktagglomeration
Ansammlung von branchengleichen/branchenverschiedenen Fachmärkten an einem
Standortbereich, denen (trotz ab und zu praktizierter gemeinsamer Stellplatznutzung)
ein einheitliches Management fehlt.
◼ Fachmarktzentrum
Funktionales Einkaufszentrum, das an Pkw-orientierten Standorten (oft peripher) Be-
triebe unterschiedlicher Branchen, Betriebsgrößen und Betriebsformen mit Dominanz
von preisaktiven Fachmärkten in der Regel unter einheitlichem Standortmanagement
in einer meist überdachten Mall integriert.
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◼ Einkaufszentrum/Shopping-Center
Einzelhandelsimmobilie mit i.d.R. mehr als 10.000 qm VKF, die - einheitlich geplant und
gemanagt - Einzelhandelsbetriebe aus unterschiedlichen Bran chen, Betriebsgrößen
und Betriebsformen mit überwiegend Sortimenten des mittelfristigen Bedarfs in einer
meist überdachten Mall zusammenfasst.
◼ Outlet-Center (auch Factory Outlet Center oder Designer Outlet Center)
Eine besondere Form eines Einkaufszentrums, in der in einer Agglomeration vieler La-
deneinheiten innerhalb eines einheitlich geplanten Gebäudekomplexes oder einer
räumlich zusammenhängenden Anlage – meist an autoorientierten Standorten – Wa-
ren mit einem Preisabschlag von mindestens 25 % direkt vom Hersteller verkauft wer-
den. Der Schwerpunkt liegt auf Markenartikeln des gehobenen Bedarfs sowie auf dem
Premium- und Luxussegment. Das Warenangebot umfasst dabei B-Ware, Überproduk-
tionen, Retouren, Vorsaison-Ware und Produktmuster.
◼ Distanzhandel
Bestimmte Form des institutionellen Einzelhandels, bei dem der Käufer den Anbieter
nicht in dessen Geschäft aufsucht, um einen Kauf auszulösen, sondern andere Formate
gewählt werden, um die Ware zu präsentieren, die B estellung vorzunehmen und die
Ware zu übergeben. Unter Distanzhandel wer den vor allem der Onlinehandel, der Ka-
taloghandel sowie Teleshopping zusammengefasst.
◼ Filialbetrieb (Filialist)
Ein Filialbetrieb verfügt über mindestens fünf unter einheitlicher Leitun g stehende
Verkaufsfilialen an unterschiedlichen Standorten. Die einzelnen Filialen treten unter
einheitlichem Namen auf und weisen in ihrem Erscheinungsbild starke Gemeinsamkei-
ten auf, ohne dass sie vollständig im Marketing -Mix übereinstimmen müssen. Es g ibt
sowohl internationale und nationale Filialisten als auch regionale und lokale Filialisten.
Begriffe aus dem Bauplanungsrecht37
◼ Großflächigkeit
Das Merkmal der Großflächigkeit kennzeichnet die Schwelle, ab der Einzelhandelsbe-
triebe nach Maßgabe des § 1 1 (3) BauNVO nur noch in einem Kerngebiet i.S.v. § 7
BauNVO oder in einem Sondergebiet für Einzelhandel i.S.v. § 11 BauNVO zulässig sind,
sofern die Vermutungsregel des § 11 (3) BauNVO nicht wiederlegt werden kann, die von
negativen Auswirkungen (u.a. auf die Entwicklung zentraler Versorgungsbereiche und
die Versorgung der Bevölkerung) ausgeht. Die Rechtsprechung geht davon aus, dass
die Grenze der Großflächigkeit ab einer Verkaufsfläche von 800 qm beginnt.
◼ Zentraler Versorgungsbereich
Unter einem zentralen Versorgungsbereich ist nach der Rechtsprechung ein räumlich
abgrenzbarer Bereich einer Gemeinde, dem aufgrund vorhandener Einzelhandelsnut-
zungen, häufig ergänzt durch diverse Dienstleistungen und gastronomische Angebote,
37 Quelle: In Anlehnung an Metro-Handelslexikon 2009/2010.
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eine Versorgungsfunktion über den unmittelbaren Nahbereich hinaus zukommt. Ein
zentraler Versorgungsbereich kann sich so wohl aus planerischen Festsetzungen als
auch aus den tatsächlichen Verhältnissen ergeben. Voraussetzung ist, dass dieser sich
in einer städtebaulich integrierten Lage be findet. Isolierte Standorte bilden keinen
zentralen Versorgungsbereich.
Differenzierung von Standortlagen
◼ A-Lage
Standortlage, die innerhalb eines bestimmten Bezugsraums die höchste Passantenfre-
quenz und Passantenqualität (Passanten mit Kaufabsicht) aufweist. Weitere Merkmale
sind ein dichter Geschäftsbesatz, ein hoher Filialisierungsgrad, ein hoher Anteil innen-
stadtypischer Sortimente sowie vergleichsweise hohe Einzelhandelsmieten.
◼ B-Lage
Standortlage, die meistens einen Aus - und Zulauf einer A -Lage oder eine Solitärlage
mit fehlender Anbindung an die A-Lage darstellt. Dieser Bereich wird im Wesentlichen
durch eine mittlere Frequenz von Passanten innerhalb eines bestimmten Bezugsrau-
mes gekennzeichnet. Im Gegensatz zu den A-Lagen sind die B-Lagen keine klassischen
Konsumlagen, da Geschäfte hier oftmals gezielt aufgesucht werden und die Laufkund-
schaft von geringerer Bedeutung ist. Neben innenstadttypischen Sortimenten (mittel-
fristiger Bedarf) rücken auch Sortimente des kurzfristigen Bedarfs sowie
Dienstleistungs- und Gastronomieangebote in den Vordergrund. Der Anteil inhaberge-
führter Läden ist deutlich höher als in der A-Lage und das Mietniveau ist geringer.
◼ C-Lage
Standortlage, die meistens einen Aus- und Zulauf einer B-Lage oder auch kleinere, aus
Kundensicht weniger attrakti ve Seitenstraßen der A -Lage darstellt. Diese Lagen sind
durch eine niedrige und unregelmäßige Fußgängerfrequenz gekennzeichnet und zäh-
len nicht zu den Konsumlagen. Der Geschäftsbesatz ist deutlich ausgedünnt – teilweise
dominieren Diens tleister und Gastronomiebetriebe. Mitunter zeigen sich auch Min-
dernutzungen. Die Sortimentsstruktur ist vor allem auf den kurzfristigen Bedarf fokus-
siert. Das Mietniveau liegt noch unter dem der B-Lagen.
Sonstige Definitionen
◼ Einzelhandelsrelevante Kaufkraftkennziffer
Gibt Auskunft über die regionale Verteilung der einkommensbedingten, potenziellen
Endverbrauchernachfrage in Konsumgütermärkten. In Verbindung mit den Zahlen zur
ortsansässigen Bevölkerung erlaubt die Kaufkraftkennziffer quantitative Angaben zur
Einschätzung der lokalen Nachfrage. Kaufkraftkennziffern werden jährlich von Markt-
forschungsinstituten ermittelt und zeigen, ob ein bestimmtes Gebiet tendenziell über
oder unter dem Bundesdurchschnitt von 100 liegt. Die Kaufkraftkennziffer gibt inso-
fern die relative Verteilung der Kaufkraft an.
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◼ Ausgabesatz
Ausgabesätze geben die durchschnittlichen Pro -Kopf-Ausgaben im Einzelhandel in-
nerhalb eines Jahres an. Sie werden sortimentsspezifisch ermittelt und geben somit
Auskunft über die Höhe der Ausgaben der Bevölkerung, bezogen auf die jeweiligen Sor-
timente des Einzelhandels. Kombiniert mit der örtlichen Kaufkraftkennziffer und der
örtlichen Einwohnerzahl lässt sich darüber das Nachfragepotenzial in einem abge-
grenzten Raum ermitteln.
◼ Einzelhandelsrelevantes Kaufkraft-/Nachfragepotenzial
Als einzelhandelsrelevante Kaufkraft wird diejenige Geldmenge bezeichnet, die den
privaten Haushalten innerhalb eines bestimmten Zeitraums für Ausgaben im Einzel-
handel potenziell netto zur Verfügung steht. Man unterscheidet dabei „Nachfr agepo-
tenzial im engeren Sinne“ (stationärer Einzelhandel inkl. Ladenhandwerk) und
„Nachfragepotenzial im weiteren Sinne“ (inkl. Ausgaben im nicht-stationären Handel).
◼ Flächenproduktivität
Die Flächenproduktivität misst das Verhältnis zwischen dem erzielte n Brutto-Umsatz
zur eingesetzten Verkaufsfläche und kann als Durchschnittswert für ein Verkaufslokal
insgesamt, aber auch für einzelne Sortimente ermittelt werden.
◼ Nahversorgung
Unter Nahversorgung ist die wohnortnahe Versorgung mit Gütern des Periodischen Be-
darfs zu verstehen. Damit sind Einkaufsmöglichkeiten in fußläufiger Entfernung zum
Wohnstandort gemeint, häufig ergänzt um einzelhandelsnahe Dienstleistungen wie
Post, Bank, Frisör, Ärzte etc. Was unter einer fußläufigen Entfernung zu verstehen ist,
ist nicht einheitlich und verbindlich definiert. Häufig wird eine Entfernung von etwa 10
Gehminuten für angemessen erachtet, was ca. 700 bis 1.000m Laufweg entspricht.
◼ Periodischer Bedarf
Unter dem periodischen Bedarf werden die Branchen Nahrungs - und Genussm ittel
und Drogeriewaren sowie Wasch-, Putz- und Reinigungsmittel zusammengefasst. Der
periodische Bedarf entspricht somit weitgehend dem Lebensmitteleinzelhandel und
ist in erster Linie auf die tägliche Versorgung ausgerichtet.
◼ Aperiodischer Bedarf
Unter dem aperiodischen Bedarf werden alle übrigen Branchen zusammengefasst, die
auf die mittel- bis langfristige Versorgung der Bevölkerung ausgerichtet sind.
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Zusammengefasst wurden die Sortimente Obergruppen zugeordnet:
Kurzfristiger Bedarf:
◼ Nahrungs- und Genussmittel
◼ Gesundheits- und Pflegeartikel (Drogerie-, Parfümerie-, Kosmetikartikel; pharma-
zeutischer und medizinischer Bedarf
◼ Tiernahrung
Mittelfristiger Bedarf:
◼ Bekleidung/Wäsche
◼ Schuhe, Lederwaren
◼ Spielwaren, Hobbybedarf
◼ Sportartikel, Camping
◼ Bücher/Zeitungen, Schreibwaren
◼ Hausrat, GPK
Langfristiger Bedarf:
◼ Optik
◼ Schmuck, Uhren
◼ Elektrobedarf
◼ Haus- und Heimtextilien und Einrichtungszubehör
◼ Möbel
◼ Bau- und Gartenbedarf/Kfz-Zubehör/Tierbedarf
Weitere Begrifflichkeiten:
◼ Food-Einzelhandel: Der Food-Einzelhandel bezeichnet den Einzelhandel mit Nah-
rungs- und Genussmitteln, also den Lebensmitteleinzelhandel.
◼ Near-Food-Einzelhandel: Zu den Near-Food-Produkten gehören Sortimente, die
im Zusammenhang mit dem Lebensmitteleinzelhandel betrachtet und verkauft
werden und ebenfalls dem periodischen oder kurzfristigen Bedarf zuzuordnen
sind. Dazu zählen v.a. Drogeriewaren wie Wasch -, Putz- und Reinigungsmittel, Hy-
gieneartikel oder Körperpflegemittel.
◼ Non-Food-Einzelhandel: Hierzu gehört der übrige Einzelhandel, der üblicher-
weise auch als aperiodischer Bedarf zusammengefasst wird.
◼ Demografischer Wandel: Unter dem demografischem Wandel versteht man alle
Veränderungen in der Struktur der Bevölkerung eines Landes, die g rundlegender
Natur sind, d.h. über einen längeren Zeitraum hinweg ihre Zusammensetzung nach-
haltig und nicht nur vorübergehend ändern. Dazu zählen beispielsweise sinkende
Geburtenraten oder auch die Steigerung der Lebensdauer in den meisten
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Industrieländern. Für Deutschland sagen Experten einen Bevölkerungsrückgang
bei einer gleichzeitig sinkenden Zahl jüngerer Erwerbsfähiger aus.
◼ Stationärer Einzelhandel: Stationärer Einzelhandel ist der Handel von einem fes-
ten Platz (Betriebsstätte, Verkaufsstätte, Ladenlokal, Handelsbetrieb) aus, den der
Kunde aufsucht, um an die Ware zu gelangen (Holprinzip) – also der Ladenverkauf
an Endverbraucher
◼ Distanzhandel: Bestimmte Form des institutionellen Einzelhandels, bei dem der
Käufer den Anbieter nicht in dessen Geschäft aufsucht, um einen Kauf auszulösen,
sondern andere Formate gewählt werden, um die Ware zu präsentieren, die Bestel-
lung vorzunehmen und die Ware zu übergeben. Unter Distanzhandel werden vor al-
lem der Onlinehandel, der Kataloghandel sowie Teleshopping zusammengefasst.
◼ E-Commerce / Online -Handel: Vom englischen Begriff Electronic -Commerce:
elektronischer Handel. E-Commerce bezeichnet den Kauf und Verkauf von Produk-
ten über das Internet, sowohl im B2B (Business to Business – Kauf und Verkauf von
Unternehmen zu Unternehmen), als auch im B2C (Business to Consumer – Kauf und
Verkauf von Unternehmen zu Endkonsument) –Bereich. Zum E-Commerce gehört
auch der M-Commerce, welcher sich auf den Kauf und Verkauf über mobile Endge-
räte beschränkt.
◼ Click + collect -Verkauf: Der Click + collect -Verkauf bezeichnet die Möglichkeit,
Ware im Internet zu bestellen und im Ladenlokal abzuholen.
◼ Multichannel-Strategie: Der Begriff Multi -Channel, zu Deutsch mehrere Kanäle,
meint den Kauf und Verkauf sowie die Kommunikation über mehrere Kanäle, wel-
che allerdings nicht notwendigerweise miteinander verknüpft sind
◼ Seamless Shopping / Seamless Commerce : Seamless Commerce, zu Deutsch
nahtloser Handel, ist die Weiterentwicklung von Multi -Channel Strategien: wenn
aus Verbrauchersicht keine Unte rscheidung zwischen online und offline besteht,
Informations- und Kaufprozesse ohne spürbare Brüche bestehen und die Grenzen
zwischen stationärem und Online -Handel verschwimmen, dann spricht man von
Seamless Commerce oder Seamless Shopping. Es besteht der Anspruch, dass der
Verbraucher in jeder Phase des Informations - und Kaufprozesses problemlos von
offline zu online und andersherum wechseln kann und dabei keine Verluste beim
Einkaufserlebnis entstehen. Beispiele sind virtuelle Anproben, Bezahlen per Ge-
sichtserkennung etc.
anlage 5
335 Zeichen
Punkt 3: Einzelhandelskonzepte in Darmstadt – Einzelhandels- und Zentrenkonzept 2020 (V-Nr. 2021/0056) Der Ausschuss für Wirtschaftsförderung, Wissenschaft und Digitalisierung empfiehlt der Stadtverordnetenversammlung, der Vorlage zuzustimmen. Gegenstimmen: Fraktionen SPD und UWIGA/WGD Stimmenthaltung: Fraktion UFFBASSE
2021/0056
9676 Zeichen
Magistratsvorlage
Eingang Magistrats -
geschäftsstelle:
17.03.2021
an den Magistrat
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
Beteiligt vor
Magistratsbeschlussfassung:
Dezernat I an die Stadtverordnetenversammlung
OBW zur Befassung
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
zur abschließenden Beschluss -
fassung Fachausschuss
Dezernat III
Amt: Amt für Wirtschaft
und Stadtentwicklung OBW bei abschl.
Beschlussfassung Magistrat
Behandlung in
öffentl. Sitzung
Ja
Nein
Verteiler:
Ja
Nein
Vorlage-Nr. 2021/0056
Magistratsbeschluss -Nr.
Internetfähig
Produkt-Nr.: 51 10 10
Kostenstelle: 015-002-1000 Investitionsnummer: 08015-0002
Kostenträger: 5110-11 Sachkonto: 67 79 300
Betreff: Einzelhandelskonzepte in Darmstadt – Einzelhandels - und Zentrenkonzept 2020
Vorlage vom: 12.03.2021
Beschlussvorschlag :
1. Die Einzelhandelspolitik in Darmstadt, die sich in den Stadtverordnetenbeschlüssen zum
Einzelhandelskonzept für die Gewerbegebiete von 1997, zu den Einzelhandelskonzepten
für Arheilgen und Eberstadt von 2004, zum Zentrenkonzept von 2009, zum Einzelhandels -
und Zentrenkonzept von 2012 und zuletzt zum Nahversorgungskonzept von 2016
widerspiegelt, hat sich als zielführend erwiesen und soll fortgeführt werden.
2. Das beiliegende Einzelhandels - und Zentrenkonzept 2020 für die Wissenschaftsstadt
Darmstadt, welch es die bestehenden Konzepte fortschreibt, wird als städtebauliches
Entwicklungskonzept gemäß § 1 Abs. 6 Nr. 11 Baugesetzbuch beschlossen.
Anlagen: Einzelhandels- und Zentrenkonzept 2020
- 2 -
Datenschutzrelevante Anlage:
Folgekosten: Ja Nein
Beschluss des Magistrats vom
- 3 -
Begründung zur Magistratsvorlage vom 12.03.2021
Mit dem Beschluss des Teilplans „Einzelhandel in Gewerbegebieten“ haben der Magistrat
und die Stadtverordnetenversammlung 1997 begonnen, Regelungen zur Steuerung der
Einzelhandelsentwicklung in Darmstadt aufzustellen. Schon damals war es das Ziel, über die
Gewerbegebiete hinaus ein Konzept für die Einzelhandelsentwicklung in der Gesamtstadt zu
erarbeiten.
Seitdem wurde die Einzelhandelspol itik kontinuierlich weiterentwickelt. Über die
Einzelhandelskonzepte für Arheilgen und Eberstadt aus 2004 und das Zentrenkonzept von
2009, das zusammen mit dem Teilplan „Einzelhandel in Gewerbegebieten“ erstmals das
gesamte Stadtgebiet flächendeckend abdec kte, entstand das heute noch gültige
Einzelhandels- und Zentrenkonzept von 2012 und das dieses ergänzende
Nahversorgungskonzept von 2016.
Mit den Konzepten hat die Stadt Darmstadt Rahmenbedingungen zum Einzelhandel
geschaffen, welche die Einzelhandelsentw icklung strategisch regeln. Sie dienen den politisch
Verantwortlichen als Richtschur für zukünftige Entscheidungen, wirken als Selbstbindung in
die Verwaltung und geben Einze lhändlerinnen und Einzelhändlern sowie Investoren
Transparenz und Planungssicherhe it bei Standortentscheidungen.
Der Erfolg der Einzelhandelspolitik zeigt sich in der gesunden Einzelhandelsstruktur in
Darmstadt. Die Innenstadt mit ihrem vielfältigen und attraktiven Einzelhandelsangebot hat
sich bis zur Covid-19-Pandemie erfolgreich im Wettbewerb mit anderen Innenstädten und
dem Loop5 behauptet. Das Einzelhandelsangebot und die Nahversorgung in den Stadtteilen
sind weitgehend intakt. Diese Qualität wird, wie die Bürgerumfragen bestätigen, von der
Bevölkerung genutzt und geschätzt.
Allerdings will sich die Wissenschaftsstadt Darmstadt nicht auf dem bisher Erreichten
ausruhen. Der Onlinehandel wächst weiterhin besonders in den innenstadtprägenden
Sortimenten rasant. Die Coronapandemie macht – abgesehen vom Lebensmittelhandel – dem
stationären Einzelhandel das Leben zusätzlich schwer. Die Auswirkungen, insbesondere auf
die Innenstadt, sind zwar im Einzelnen noch nicht absehbar; sicher ist aber, dass sich der
laufende Strukturwandel noch weiter beschleunigen wird.
Für die Zukunft gilt es d eshalb, die stringente Einzelhandelspolitik konsequent fortzuführen
und weiterzuentwickeln. Diesem Ziel dient die hier zur Beschlussfassung vorliegende
Fortschreibung der bestehenden Konzepte, das Einzelhandels - und Zentrenkonzept 2020. Als
städtebauliches Entwicklungskonzept im Sinne des Baugesetzbuches dient es primär als
rechtssichere Abwägungsgrundlage für Bauleitplanung zur räumlichen Steuerung des
Einzelhandels.
Vertiefende Konzepte zur Entwicklung einzelner Stadtteile, wie z.B. das vom Magistrat
beschlossene Innenstadtentwicklungskonzept, kann es mit seinem Schwerpunkt auf die
formelle Sicherung der Versorgungsstrukturen in der gesamten Stadt nicht ersetzen. Das
Einzelhandels- und Zentrenkonzept 2020 ist vielmehr eine der notwendigen fachlichen
Grundlagen für das Innenstadtentwicklungskonzept. Insofern ergänzen sich die beiden
Konzepte und werden aufeinander abgestimmt sein.
Ende 2019 wurde das Büro Dr. Lademann und Partner mit der Fortschreibung der
bestehenden Konzepte beauftragt. Im Folgenden wur de das Einzelhandels - und
Zentrenkonzept 2020 vom Büro Dr. Lademann und Partner erarbeitet und vom Amt für
- 4 -
Wirtschaft und Stadtentwicklung inhaltlich begleitet. Die Fachöffentlichkeit wurde in Form
von Handelsverband, Industrie - und Handelskammer, Handwerk skammer, Darmstadt
Citymarketing e.V. und dem Regierungspräsidium über Lenkungskreissitzungen in die
Bearbeitung einbezogen. Zusätzlich wurde auch den Gewerbevereinen die Gelegenheit zur
Stellungnahme eingeräumt.
Im Ergebnis haben die Gutachter keinen wes entlichen Änderungsbedarf bei den bestehenden
Konzepten festgestellt. Am Grundgerüst der Zentrenstruktur wird festgehalten. Einzelne
Einzelhandelsstandorte werden unter Berücksichtigung jüngerer Entwicklungen und aktueller
Entwicklungsoptionen neu eingestu ft. Die bestehenden zentralen Versorgungsbereiche
bleiben hinsichtlich ihrer Funktion und Abgrenzungen praktisch unverändert. Neu
aufgenommen wird der zentrale Versorgungsbereich Kirchtannensiedlung. Zusätzlich soll die
für das Ludwigshöhviertel geplante M itte mit Vollversorger sowie einem ergänzendem
Einzelhandels- und Dienstleistungsangebot als perspektivischer zentraler Versorgungsbereich
Ludwigshöhviertel entwickelt werden.
Wirkungsweise
Kommunale Einzelhandelspolitik ist insbesondere eine sinnvolle räumliche Steuerung von
Neuansiedlungen. Ziel ist es, Neuansiedlungen auf die zentralen Lagen in der Innenstadt und
in den Stadtteilen zu lenken, um so attraktive Standortgemeinschaften zu schaffen bzw. die
bestehenden Standortgemeinschaften zu stärken. Au ßerhalb dieser Bereiche wird die
Neuansiedlung von Einzelhandel grundsätzlich ausgeschlossen, um Kaufkraftabflüsse und
Funktionsverluste in den zentralen Lagen zu vermeiden.
Die zentralen Lagen in der Innenstadt und in den Stadtteilen werden als zentrale
Versorgungsbereiche definiert, die gemäß Baugesetzbuch und Baunutzungsverordnung
Schutz genießen. Folgende zentrale Versorgungsbereiche sind Bestandteil des Einzelhandels -
und Zentrenkonzepts 2020:
• Zentraler Versorgungsbereich Innenstadt Darmstadt
• Zentraler Versorgungsbereich Arheilgen
• Zentraler Versorgungsbereich Eberstadt
• Zentraler Versorgungsbereich Kranichstein
• Zentraler Versorgungsbereich Kirchtannensiedlung
• Perspektivischer zentraler Versorgungsbereich Ludwigshöhviertel
Allerdings kann nicht der gesamte Einzelhandel einer Stadt in den zentralen
Versorgungsbereichen abgebildet werden. Große und sperrige Sortimente, wie sie z.B.
Baumärkten angeboten werden, benötigen Verkaufsflächengrößen, die sich in dicht bebauten
Innenstädten und Stadtteilzentren nicht darstellen lassen. Daher bestimmt das
Einzelhandels- und Zentrenkonzept 2020 für nicht zentrenrelevante Sortimente eigene
Bereiche, sogenannte Ergänzungsstandorte, die auch mit dem Auto gut erreichbar sind:
• Ergänzungssta ndort Gewerbegebiet Nordwest
• Ergänzungsstandort Eschollbrücker Straße
• Ergänzungsstandort Heidelberger Straße
In der Nahversorgung ist es Ziel, dass möglichst viele Bürgerinnen und Bürger ein en
Lebensmittelmarkt fußläufig erreichen können. Das kann übe r die zentralen
Versorgungsbereiche allein nicht gewährleistet werden. Daher besteht die Möglichkeit,
Einzelhandelsbetriebe mit nahversorgungsrelevanten Sortimenten auch außerhalb zentraler
Versorgungsbereiche an in die Wohnbebauung integrierten Standorten anzusiedeln.
- 5 -
Voraussetzung dafür ist aber, dass im fußläufigen Umfeld genügend Einwohnerinnen und
Einwohner wohnen, die versorgt werden müssen.
Abwägungsgrundlage für Bauleitplanung
Beschlossene Einzelhandelskonzepte wirken als Selbstbindung für Politik und Verwaltung –
ein anwendbares Kriterium im Rahmen von Baugenehmigungsverfahren stellen sie nicht dar.
Zur Umsetzung ist es notwendig, über eine entsprechende Bauleitplanung ihre direkte
Wirksamkeit sicherzustellen.
Für einschränkende Einzelhandelsfest setzungen in Bauleitplänen ist eine sachgerechte und
belastbare Abwägungsgrundlage Voraussetzung. Fehlt diese, besteht die Gefahr, dass die
Bauleitpläne einer gerichtlichen Überprüfung nicht standhalten.
Als städtebauliche Entwicklungskonzepte stellen Einzelhandelskonzepte eine sachgerechte
und belastbare Abwägungsgrundlage dar, wenn den von der Rechtsprechung dazu
entwickelten Anforderungen entsprechen und regelmäßig fortgeschrieben werden. Das
Einzelhandels- und Zentrenkonzept 2020 genügt den von der Rechtsprechung entwickelten
Abwägungsanforderungen.
Dezernat I Dezernat III
Jochen Partsch Dr. Barbara Boczek
Oberbürgermeister Stadträtin
anlage 7
259 Zeichen
Punkt 14: Einzelhandelskonzepte in Darmstadt – Einzelhandels- und Zentrenkonzept 2020 (V-Nr. 2021/0056) Der Vorlage wird zugestimmt. Gegenstimmen: SPD, UWIGA/WGD, Stadtve. Neumann und Stadtve. Dietrich Stimmenthaltung: AfD und 1 Stimme aus UWIGA/WGD
Beratungsverlauf (10)
Orte (58)
- Ludwigstraße 2
- Heidelberger Landstraße 238
- Heidelberger Straße 3
- Eschollbrücker Straße 5
- Frankfurter Landstraße 99
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Details
- Vorlagen-Nr.
- 2021/0056
- Typ
- Magistratsvorlage
- Datum
- 12.03.2021
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00