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0188/2017

Darstellung der Sparten im Kulturausschuss

Mitteilung Ausschuss 18.01.2017

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0188-2017 Anlage zum Szenebericht Theater 2017

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0188-2017 Anlage zum Szenebericht Theater 2017

7993 Zeichen

Ausschuss für Kunst und Kultur am 31. Januar 2017
Bericht Freie Theaterszene

Auf Initiative der plattform kölner theater e.V. trafen sich im Herbst 2015 Theaterschaffende der
plattform, der Kölner Theaterkonferenz e.V. und weitere unabhängige Theaterkünstler”innen zu einem
informellen Informationsaustausch zum Thema „Die Situation des Freien Theaters in Köln”. Sehr schnell
entstand hieraus die Kölner Initiative Freies Theater (KIFT).

Eine der ersten Maßnahmen von KIFT war, das diffuse Gefühl von Unterfinanzierung durch belastbares
Zahlenmaterial zu unterfüttern. Eine Umfrage unter 45 Theaterbetrieben (sowohl freien Gruppen wie
auch Theaterhäusern) ergab einen aktuellen tatsächlichen städtischen Zuschussbedarf von 5,14 Mio. €

p.a..

Unter dem Motto

FAIR

THEATER

haben wir am 10. Mai 2016, anlässlich der Einbringung des Haushaltes in den Rat der Stadt Köln, dafür
demonstriert, faire Bedingungen und insbesondere eine faire Bezahlung für die Menschen auf und
hinter der Bühne zu schaffen und entsprechend die städtischen Zuschüsse für die freien und privaten
Theater Kölns bis 2019 schrittweise auf 5,14 Mio € anzuheben.

Gleichzeitig haben tausende Besucherinnen der Kölner Theater diese Forderung durch Postkarten an
unsere Oberbürgermeisterin unterstützt.

Wir sind Ihnen dankbar, dass Sie sich dann bei den aktuellen Haushaltsberatungen nicht nur gegen
wohlfeile Kürzungstendenzen im Bereich der Kultur gestemmt haben, sondern darüber hinaus
tatsächlich eine deutliche Erhöhung der Haushaltsmittel für die freie Kulturszene umgesetzt und damit
ein deutliches Signal für die Notwendigkeit von Kultur gesetzt haben, für eine Notwendigkeit, die in
Zeiten, in denen Wörter wie „postfaktisch” und „Volksverräter“ zum Wort und Unwort des Jahres
gekürt werden, zunehmend an Bedeutung für das Gemeinwesen gewinnen wird.

Dennoch wird es Sie sicherlich nicht wundern (hoffentlich haben Sie sogar Verständnis dafür), dass wir
diese Mittelzusetzung nur als einen ersten wichtigen Schritt in die richtige Richtung ansehen können.

Unsere Forderung nach 5,14 Mio. € speist sich ja mitnichten aus dem Wunsch nach
Hochglanzbroschüren und vergoldeten Wasserhähnen für unsere Toilettenanlagen, sondern
vollumfänglich aus dem Wunsch nach einer menschenwürdigen Bezahlung aller unserer
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, egal ob vor, auf oder hinter der Bühne.

Die freie und private Theaterszene erreicht mit ihrem bemerkenswert vielfältigen Programm
mindestens die Hälfte des Kölner Theaterpublikums, aktuell, aufgrund des Interims der städtischen
Bühnen, sicher deutlich mehr. Und die Menschen, die dieses umfangreiche Programm realisieren,
haben ein Recht auf fairen Umgang, auf faire Bezahlung; sie müssen von ihrer Arbeit leben können.
Aktuell arbeiten die freien und privaten Theater in Köln brutal effizient. Aber

e  esist schon ein Armutszeugnis, wenn eine Theaterproduktion allein deshalb Aufmerksamkeit
erregt, weil mehr als 5 Künstler“innen auf der Bühne stehen - unabhängig von der
künstlerischen Qualität,

e  esist schon ein Armutszeugnis, wenn national renommierte Regisseur“innen nicht mehr in
Köln arbeiten, weil kein Kölner Theater in der Lage ist, bundesweit übliche Gagen zu zahlen,

e  esist schon ein Armutszeugnis, wenn das künstlerische Wagnis dem ökonomischen Erfolg
geopfert werden muss.

Gestatten Sie uns an dieser Stelle auch, unsere Forderung nach einer dauerhaften prozentualen
Kopplung des Etats für die freie Kulturszene an den städtischen Kulturhaushalt zu erneuern. Bei den
freien und privaten Theatern wären selbst die 5,14 Mio. € noch nicht einmal 10% des Etats für die
städtischen Bühnen.

Ein weiterer Punkt ist in diesem Zusammenhang besonders ärgerlich:

Entgegen allen Versprechen der vergangenen Jahre verzeichnen wir eine zunehmende
Bürokratisierung bei der städtischen Kulturförderung. Anstelle einer unbürokratischen
Festbetragsfinanzierung unserer Projekte, wird die Antragstellung, vor allem aber die Abrechnung
erfolgreich durchgeführter Projekte immer komplizierter und ist kaum noch -ohne zusätzliches
Personal- zu bewerkstelligen. Das hier manifestierte Misstrauen gegenüber unserer Lauterkeit beim
Umgang mit und bei der Abrechnung von städtischen Zuschüssen schmerzt. Es ist doch viel zu wenig
Geld, als dass sich irgendjemand von uns daran bereichern könnte. Eine professionelle Gelassenheit in
dieser Beziehung wäre wünschenswert.

Erlauben Sie uns bei diesem Bericht auch, darauf hinzuweisen, dass die Kunst im Allgemeinen und das
Theater im Besonderen, gerade in weniger einfachen Zeiten wie diesen, zunehmend an Bedeutung
gewinnt. Der quantitative Zuspruch zu unseren Produktionen und die qualitativ hochwertigen
Gespräche mit unserem Publikum bestärken uns in unserer Arbeit für die notwendige Kunstform
Theater.

Kulturelle und ästhetische Bildung scheint mittlerweile eine Schlüsselkompetenz zu werden, und zwar
nicht als Lippenbekenntnis, sondern ganz konkret. Theater, insbesondere das Kinder- und
Jugendtheater leistet hierbei Großartiges für die Kinder in dieser Stadt -unabhängig von ihre Herkunft,
Religion oder Geschlecht. Unsere Gesellschaft wird ohne diese Kompetenzen ihren inneren
Zusammenhalt verlieren, deshalb verdienen Anstrengungen auf diesem Gebiet Ihre besondere
Unterstützung.

Theater ist ein (Frei-) Raum der Kommunikation, der die Notwendigkeit von Interkulturalität lebt. Dies
gilt für unsere Produktionen, die sich mehr und mehr mit der Problematik der Migration
auseinandersetzen. Dies gilt aber auch für unseren Umgang mit dem Publikum, indem alle Kolleginnen
und Kollegen Sonderaktionen für Flüchtlinge realisieren - Tendenz steigend. Theater ist eine
wunderbare Möglichkeit zur Integration Fremder. Nicht, um Fremden unsere Welt zu vermitteln,
sondern um gemeinsam eine bessere Welt zu (er-) finden.

Nicht zuletzt finden Sie die gelebte Interkulturalität auch auf den Besetzungszetteln unserer Häuser
wieder, denn mehr und mehr -vor allem junge- Schauspieler“innen auf unseren Bühnen haben einen
Migrationshintergrund.

Und das bringt uns zum letzten Punkt dieses Berichts, der keineswegs für sich den Anspruch hat,
vollständig zu sein: der künstlerische Nachwuchs. In Bezug auf junge, hochtalentierte und gut
ausgebildete Schauspielerinnen und Schauspieler ist Köln durch seine privaten Schauspielschulen
wirklich gut aufgestellt, zumal die Unterschiedlichkeit der Ausbildung in den verschiedenen Schulen
allen Bereichen des Theaters -vom traditionellen Sprechtheater bis hin zur Performancekunst- gerecht
wird.

Wesentlich problematischer stellt sich die Situation bei jungen Regisseur”innen, Dramaturg”innen,
Produzent“innen etc. dar, weil Köln hier über keine professionellen Ausbildungsstätten verfügt -
anders als etwas in Bochum oder Essen u.a.. Abgesehen von der Möglichkeit, bundesweit arbeitende,
talentierte junge Regisseur“innen auch bezahlen zu können, wäre es wünschenswert, wenn überlokale
und überregionale Koproduktionen mit Kölner Theatern realisiert würden. Hier scheint uns das rein
lokale Denken bei Politik und Verwaltung mitunter noch sehr ausgeprägt. Rein lokales Denken ist aber
gerade im Kontext der freien Theaterszene heute nicht mehr zeitgemäß.

Dies ist ein Bericht über die freien und privaten Theater Kölns. Es ist uns sehr bewusst, dass das
Theater in unserer Stadt mit Abstand über den größten Vernetzungsgrad verfügt -wie nicht zuletzt ja
auch die Initiative KIFT wieder einmal dokumentiert.

Aber wenn Sie sich das finanzielle Gesamtvolumen aller Tagungsordnungspunkte Ihrer Sitzung am 31.
Januar 2017 ansehen (inkl. Betriebsausschüsse), werden Sie sicher zugeben, dass unsere Forderung
nach 5,14 Mio. für die freie Theaterszene nicht unverschämt ist und dass auch für die anderen freien
Kunstsparten jede Menge Luft nach oben bleibt.

Wir danken für Ihre Aufmerksamkeit
und stehen persönlich gern am 31. Januar zu Fragen zur Verfügung

Klaus Schweizer Dietmar Kobboldt
plattform kölner theater e.V. Kölner Theaterkonferenz e.V
Comedia Theater Köln studiobühneköln

Mitteilung Ausschuss

1193 Zeichen

Die Oberbürgermeisterin 
Dezernat, Dienststelle 
VII/41/41/2 
 
Vorlagen-Nummer  18.01.2017 
 0188/2017 
Mitteilung 
öffentlicher Teil 
Gremium Datum 
Ausschuss Kunst und Kultur 31.01.2017 
Integrationsrat 20.03.2017 
 
Darstellung der Sparten im Kulturausschuss 
hier: Spartenbericht Theater 
In seiner Sitzung am 07.09.2010 hat der Kulturausschuss die Verwaltung beauftragt, „den Sparten 
Musik, Darstellende Kunst (mit Theater und Tanz), Bildende Kunst (Fotografie) und Medien (Film, 
Literatur) die Möglichkeit zu geben“, regelmäßig über das Geschehen, die aktuelle Situation und die 
Perspektiven ihrer Arbeit schriftlich zu berichten. Dabei sollen die Spartenvertretungen in ihren jewei-
ligen Bereichen auch die interkulturellen Aktivitäten und Entwicklungen berücksichtigen. Der Bericht 
soll – wie in der Vergangenheit – drei Seiten nicht überschreiten. Außerdem muss erkennbar sein, 
wer die Unterlage erstellt hat und wer in die Erstellung einbezogen worden ist. 
 
Die Vertreterinnen/Vertreter der Sparten, Herr Klaus Schweizer und Herr Dietmar Kobboldt stehen für 
Rückfragen aus dem Ausschuss zur Verfügung. 
 
Der Bericht ist als Anlage 1 beigefügt. 
 
 
 
gez. Laugwitz-Aulbach

Beratungsverlauf (2)

31.01.2017 Ausschuss Kunst und Kultur
TOP 2.1 Kenntnisnahme (Mitteilung) Entscheidung

Beschluss: Kenntnis genommen

Zur Sitzung
20.03.2017 Integrationsrat
TOP 5.3 Kenntnisnahme (Mitteilung) Entscheidung

Beschluss: Kenntnis genommen

Zur Sitzung

Details

Aktenzeichen
0188/2017
Typ
Mitteilung Ausschuss
Datum
18.01.2017
Erstellt
03.08.2017 00:27