V/0569/2018
Aufgaben, Herausforderungen und Perspektiven des Stadtarchivs
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Anlage Ausführlicher Bericht "Aufgaben, Projekte und Perspektiven des Stadtarchivs"
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Anhang zur Berichtsvorlage des Stadtarchivs für die Sitzung des
Kulturausschusses am 30. August 2018:
Aufgaben, Projekte und Perspektiven des Stadtarchivs Münster
1. Selbstverständnis als ‚Gedächtnis‘ der Stadt und Serviceeinrichtung
2. Aufgaben: Bildung, Erschließung und Pflege von Archivbeständen
3. Aufgaben: Nutzbarmachung und Vermittlung: Bildungsarbeit, Publikationen
4. Projekte - Perspektiven - Herausforderungen
4.1 Starke Zunahme von Beständen und Aufgaben
4.2 Bestandsbildung und Archivierung im digitalen Zeitalter
4.3 Herausforderungen bei der Nutzung, Digitalisierung und Online-Verfügbarkeit von
Archivbeständen
4.4 Stärkung der Stadtgeschichte
4.5 Personelle Situation und Perspektiven
5. Vergleich
1. Selbstverständnis als ‚Gedächtnis‘ der Stadt Münster und Serviceeinrichtung
Das Stadtarchiv Münster ist eines der größten Kommunalarchive in Westfalen und verwahrt
Originaldokumente aus über achthundert Jahren münsterischer Geschichte. Das Stadtarchiv
Münster versteht sich als Serviceeinrichtung für die Bürgerschaft, die Stadtverwaltung, die
wissenschaftliche historische Forschung sowie als außerschulischer historischer Lern- und
Bildungsort.
Die klassische Aufgabe des Stadtarchivs besteht vorrangig darin, für eine Übernahme, adäquate
Aufbewahrung und inhaltliche Erschließung von Schriftzeugnissen (Urkunden, Akten) sowie
Sammlungsgut (Bilder, Karten, Druckschriften, Zeitungen) und anderen Informationsträgern der
Stadtverwaltung Münster zu sorgen. Die schriftliche und digitale Überlieferung enthält
Informationen, die für die Erforschung der persönlichen oder der institutionellen Vergangenheit
unentbehrlich sind und u.a. Rechtssicherheit bieten. Verwaltung und Bürgerschaft können auf
diesen Erinnerungsschatz zurückgreifen.
Neben der Bewahrung und Erhaltung gehört es ganz wesentlich zum Aufgabenkanon eines
Kommunalarchivs, das Archivgut öffentlich zugänglich zu machen und seine Nutzung zu
fördern. Außerdem stellt die wissenschaftliche Erforschung und Publikation stadt- und
regionalhistorischer Themen sowie die Edition von Quellen zur Stadtgeschichte eine wichtige
Säule der Archivarbeit dar.
Gestützt auf die solide Basis erschlossener Archivbestände kann das Stadtarchiv alle
Geschichtsinteressierten mit den historischen Originalunterlagen versorgen, die sie für ihre
Fragestellungen benötigen. Das Stadtarchiv zählt daher ebenfalls zu seinen Aufgaben, die
Auseinandersetzung mit der Stadtgeschichte zu initiieren, aktiv zu fördern und zu
unterstützen. Das Stadtarchiv begreift sich als Zentrum aktiver Geschichtsvermittlung, als
Serviceeinrichtung für alle Bürgerinnen und Bürger, die Unterstützung bei der
Auseinandersetzung mit ihrer Orts- oder auch ihrer persönlichen Geschichte erwarten.
Seit 1913 wird das Stadtarchiv hauptamtlich und professionell geführt. Es hat sich in der
Fachwelt und in der universitären historischen Szene ein hohes Ansehen erarbeitet und trotz
verschlechterter Rahmenbedingungen bewahrt. Die Publikationsreihe „Quellen und
Forschungen zur Geschichte der Stadt Münster“ genießt in der Neuen Folge seit dem zweiten
Weltkrieg weite Beachtung. Die Angebote des Stadtarchivs werden sowohl von der
Wissenschaft als auch von lokal- und regionalgeschichtlich interessierten Laien rege genutzt.
Das Stadtarchiv verfügt über hoch motiviertes Personal, das sich trotz Einsparungen seine
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Einsatzbereitschaft für das Archiv und seine Nutzerinnen und Nutzer erhalten hat.
2. Klassische Aufgabe: Bildung, Erschließung und Pflege von Archivbeständen
Das Aufgabenfeld des Stadtarchivs orientiert sich am Gesetz über die Sicherung und
Nutzung öffentlichen Archivguts im Lande Nordrhein-Westfalen (Archivgesetz Nordrhein-
Westfalen - ArchivG NRW) vom 16. März 2010, das nach § 10 auch für kommunale Archive
gilt. Das Archivgesetz schreibt allen Verwaltungen - auch den Kommunalverwaltungen -
zwingend vor, für eine angemessene Aufbewahrung und Archivierung ihres Schriftguts zu
sorgen. Dazu zählen auch elektronische Aufzeichnungen (§ 1 Archivgesetz NRW).
Die Pflichtaufgaben des Archivs definiert zusammenfassend § 2 Abs. (7) ArchivG NRW:
Archivierung umfasst die Aufgaben, Unterlagen zu erfassen, zu bewerten, zu übernehmen
und das übernommene Archivgut sachgemäß zu verwahren, zu ergänzen, zu sichern, zu
erhalten, instand zu setzen, zu erschließen, zu erforschen, für die Nutzung bereitzustellen
sowie zu veröffentlichen.
Darüber hinaus legt die Satzung des Stadtarchivs (veröffentlicht im Amtsblatt Stadt Münster
4/1993) Stellung und Aufgaben des Stadtarchivs fest. Hier besonders § 1 (2): Das Archiv
hat die Aufgabe, alle in der Verwaltung anfallenden Unterlagen, die zur Aufgabenerfüllung
nicht mehr ständig benötigt werden, zu erfassen, auf ihre Archivwürdigkeit hin zu werten
und solche von bleibendem Wert […] zu erschli eßen, allgemein nutzbar zu machen […].
Das Stadtarchiv nimmt im Rahmen der Kulturinstitutionen eine besondere Stellung ein. Seine
enge Verbindung zu allen anderen Ämtern und Dienststellen und der damit verbundenen
Querschnittsaufgabe durch die Verwahrung der Schriftüberlieferung die Kontinuität und
Nachvollziehbarkeit des Verwaltungshandelns zu gewährleisten, hat einen Kanon traditioneller
oder auch als klassisch zu bezeichnender Archivaufgaben herausgebildet, der als Kernbereich
jeglicher Archivarbeit verstanden werden muss.
Zu diesen Kernbereichen des Stadtarchivs zählen im Einzelnen:
• Die Bewahrung und Erschließung der historischen Archivalien- und
Dokumentationsbestände sowie ihre konservatorische Erhaltung und Pflege
• Die laufende Bewertung, Übernahme, Ordnung und Verzeichnung von archivwürdigem
Verwaltungsschriftgut (analoge und digitale Informationsträger),
• Pflege, Erschließung und Erweiterung der nichtamtlichen schriftlichen Überlieferung
von Institutionen, Firmen und Personen sowie die Bildung und Erschließung von
Dokumentations- und Sammlungsbeständen
• Wissenschaftliche, stadthistorische Forschungs- und Publikationstätigkeit
• Historische Bildungsarbeit und Archivpädagogik
Die Sicherung der Überlieferungskontinuität ist die genuine Aufgabe eines Stadtarchivs. Das
Stadtarchiv übernimmt exklusiv die Aufgabe zu bewerten, welches Schriftgut auf Dauer
aufbewahrt wird.
Die Erschließung der Archivbestände, die unverzichtbar ist, damit Verwaltung, Wissenschaft
und die breite geschichtsinteressierte Öffentlichkeit auf die Bestände zurückgreifen können,
erfolgt mit Hilfe einer speziellen datenbankbasierten Archivsoftware.
Die Kriterien einer geordneten Bestandsbildung und Erschließung gelten nicht nur für das
Verwaltungsschriftgut, sondern auch für die archivischen Sammlungsbestände (Fotos, Karten
usw.) sowie Nachlässe von Firmen, Personen oder Vereinen. Sie erwachsen einer aktiven bzw.
reaktiven Sammlungstätigkeit des Kommunalarchivs und stellen eine sehr wichtige Ergänzung
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des amtlichen Schriftgutes dar. Die Aufarbeitung stadthistorischer Themen und auch ihre
Aufbereitung in Publikationen, Dokumentationen oder Ausstellungen wären ohne diese
Bestände nicht möglich.
Die Vielfalt der an ein Stadtarchiv gerichteten lokalgeschichtlichen Fragestellungen hat stark
zugenommen. Besonders durch neue Medien wie das Internet ist der Bedarf an schnell
erreichbaren, qualifizierten stadthistorischen Informationen in den letzten Jahren erheblich
angewachsen. Dem wird u.a. durch den Aufbau von personen- und themenbezogenen
Dokumentationen sowie durch Digitalisierungsprojekte Rechnung getragen.
3. Aufgabe: Nutzbarmachung und Vermittlung
Die im Stadtarchiv aufbewahrte Überlieferung an Urkunden, Akten, Karten, Bildern,
Medienträgern, Plänen, digitalen Unterlagen etc. ist Teil des historischen Erbes der Stadt
Münster und bildet einen wichtigen Grundstock zuverlässiger Erinnerung. Die
Archivgesetzgebung stellt daher neben die Übernahme, Erschließung und konservatorische
Pflege von Archivalien die Verpflichtung zur Nutzbarmachung und zur Vermittlung an Dritte
heraus.
Das Archivieren allein reicht nicht aus. Nur wer seine Vergangenheit kennt, kann die
Probleme der Gegenwart bewältigen. Um diesem Anspruch gerecht werden zu können,
stellt die eigenständige Erforschung stadtgeschichtlicher Themen und ihre Darstellung in
eigenen Publikationsreihen eine weitere wichtige Aufgabe der traditionellen
Funktionsbereiche des Stadtarchivs dar. Das Stadtarchiv möchte seinen speziellen Beitrag
zur Grundlegung und Pflege des historischen Selbstverständnisses der Stadt Münster und
teilweise der umliegenden Region leisten. Erst ein Archiv, das bei der Aufarbeitung
stadthistorischer Fragestellungen unterstützt und eine aktive Vermittlung von Geschichte
betreibt, wird zu einem Ort der Erinnerungskultur.
Um das Archiv und seine Angebote stärker in das öffentliche Blickfeld zu rücken, bedarf es
einer intensiven Öffentlichkeitsarbeit, die folgendes beinhaltet:
• gezielte Zusammenarbeit mit der örtlichen Presse
• Aufbau und Pflege von Intranet- und Internetangeboten (Homepage) zur
Beschreibung der Aufgaben und des Serviceangebots des Archivs
• Bereitstellung stadtgeschichtlicher Informationen
• Erstellung von Informationsbroschüren und Flyern
• Ermöglichung der Online-Recherche in Findmitteln
• Beteiligung an überregionalen Veranstaltungen wie dem „Tag der Archive“
Für eine Kommune ist die Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit ein Faktor, der für die lokale
und regionale Identitätsbildung von großer Bedeutung ist. Dabei schafft das Stadtarchiv mit
seiner schriftlichen und der nur hier im Original verfügbaren Überlieferung eine Grundlage, sich
gemeinsam zu erinnern und bürgerschaftliches Engagement zu fördern.
Als Teil der Förderung der Nutzung des Stadtarchivs und seiner Bestände beteiligt sich das
Archiv aktiv an der historisch-politischen Bildungsarbeit, die vor allem lokalhistorisch
ausgelegt ist. Lokale Ereignisse und Fragestellungen, die mit authentischen Zeugnissen aus
dem Archiv aufgearbeitet werden können, motivieren durch ihren unmittelbaren Bezug zur
Lebenswelt der Menschen sehr stark zur Auseinandersetzung mit der Geschichte der Stadt,
eines Viertels, einer Straße oder Ereignisses. Das entsprechende Quellenmaterial befindet
sich im Archiv.
Das Stadtarchiv versteht sich als außerschulischer Lernort und kompetenter
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Ansprechpartner, wenn es um die Vermittlung historischer Kenntnisse und Aufarbeitung
lokalhistorischer Ereignisse und Themen in den Schulen geht. Gerade lokalgeschichtliche
Themen finden in schulischen Lehrbüchern kaum Beachtung. Auch bei der Themenwahl für
die in der Jahrgangsstufe 12 zu verfassenden Facharbeiten werden häufig lokale Bezüge
formuliert, die eine Recherche im Archiv erfordern. Das Archiv bietet den
Bildungseinrichtungen in der Stadt, besonders den Schulen fachlichen Rat und
Unterstützung bei ihren geschichtsorientierten Angeboten. Das Stadtarchiv versteht sich als
Ort lebendiger Begegnung mit der Vergangenheit. Eine Möglichkeit, Interesse für das Archiv
oder für die Lokalgeschichte zu wecken, stellen Führungen durch das Archiv dar, die je nach
Adressaten variabel zu gestalten sind.
In den letzten Jahren konnten über das ausgesprochen erfolgreiche Projekt der
‚Bildungspartnerschaften‘ intensive Kontakte mit Schulen aufgebaut werden. Schülerinnen
und Schüler erhalten bei einem Orientierungstag die Möglichkeit, Arbeit und Archivalien des
Stadtarchivs kennenzulernen. Die Attraktivität des Angebotes führt zum vermehrten
Abschluss weiterer Bildungspartnerschaften mit Schulen und Berufskollegs. Das Archiv als
Ort des Lernens und Arbeitens findet in den Richtlinien für die Sekundarstufe II an
Gymnasien und Gesamtschulen sogar einen ausdrücklichen Stellenwert.
Eine weitere Möglichkeit, die Auseinandersetzung mit der Lokalgeschichte zu fördern,
besteht darin, die Teilnahme von Schülerinnen und Schüler vor allem am
Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten zu unterstützen. Das Stadtarchiv bietet dabei
nicht nur fachliche Begleitung der als Tutoren und Tutorinnen tätigen Lehrpersonen, sondern
vor allem auch den Schülerinnen und Schülern das geeignete Quellenmaterial,
Informationen und Hinweise für ihre Forschungen. Außerdem motiviert das Stadtarchiv zur
Teilnahme durch die Präsentation der Ergebnisse des Geschichtswettbewerbs in Form einer
Ausstellung oder wie zuletzt 2017 der Erstellung einer Dokumentation aller
Wettbewerbsarbeiten.
Im Rahmen der Vermittlung von historischen Kenntnissen zu lokalhistorischen Ereignissen
sowie der Werbung für die Nutzung von Schriftzeugnissen des Archivs stellen mehrere
Online-Präsentationen (‚Stadtgeschichte online‘ auf Archiv-Homepage) eine besondere
Möglichkeit dar, die Auseinandersetzung mit geschichtlichen Themen und mit ausgesuchten
Quellen zu ermöglichen und zu fördern. Bisher entstanden:
• Kongressstadt Münster 1643 bis 1649
• Armut, Not und gute Werke. Soziale Stiftungen in Münster
• Münster im Ersten Weltkrieg [Präsentation der offiziellen Kriegschronik]
• Münster im Zweiten Weltkrieg [Präsentation der offiziellen Kriegschronik]
• Zwangsarbeit in Münster 1939 bis 1945
Historisch brisante und immer wieder öffentlich diskutierte Themen wie etwa die Bedeutung
und Belastung von Straßennamen oder der Aussagewert von (Krieger-Denkmälern) bedürfen
einer fundierten Aufbereitung, die sowohl auf eigenen Forschungen fußt, als auch die
Ergebnisse bürgerschaftlicher Forschungsprojekte aufgreift und integriert. In diesem
Verständnis entstanden:
• Internetpräsentation Straßennamen in der Diskussion
• In Kürze online:
Internetpräsentation ‚Erinnern im öffentlichen Raum. Krieger-
Denkmäler - Ehrenmale - Mahnmale und Kriegsgräberstätten in Münster‘
Mit ähnlicher Intention bietet das Stadtarchiv bereits seit fast 20 Jahren regelmäßig
Vortragsabende ‚Themenabende im Stadtarchiv‘ an. Die Veranstaltungsreihe bietet auch
Mitgliedern von Geschichtsvereinen, ehrenamtlich tätigen Laienhistorikerinnen und Historikern
die Möglichkeit, ihre stadtgeschichtlichen Forschungen vorzustellen. Die Reihe ist
ausgesprochen gut besucht und genießt hohe Reputation. Einmal im Monat wird Geschichte
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dort lebendig, wo die Originalquellen aufbewahrt werden. Die Vorträge werden mit Akten,
Urkunden, Ratsprotokollen, Fotos und Plakaten illustriert, aus denen die Forschenden ihre
Informationen beziehen. Die originale Begegnung mit der Geschichte ist ein wesentliches
Merkmal dieser erfolgreichen Veranstaltungsreihe, die möglichst weitergeführt werden soll.
Darüber hinaus bieten die beiden Publikationsreihen des Stadtarchivs die Möglichkeit der
Auseinandersetzung mit stadtgeschichtlichen Themen. Seit 2005 bis 20181 konnte die
Reihe Quellen und Forschungen zur Geschichte der Stadt Münster um folgende Bände
ausgebaut werden:
• Band 20,3: Häuserbuch der Stadt Münster: Ralf Klötzer: Drubbel, Roggenmarkt, Alter
Fischmarkt, Münster 2008.
• Band 20,4: Häuserbuch der Stadt Münster: Ralf Klötzer: Alter Steinweg, Münster 2010.
• Band 20,5: Häuserbuch der Stadt Münster: Josef Häming und Volker Wilmsen: Häuser - und
Ortsfamilienbuch des Kirchspiels Albachten, Münster 2014.
• Band 23: Tilman Pünder: Georg Sperlich. Oberbürgermeister von Münster in der Weimarer
Republik. Münster 2006.
• Band 24: Christine Schedensack: Nachbarn im Konflikt. Entstehung und Beilegung von
Rechtsstreitigkeiten um Haus und Hof. Münster 2008.
• Band 25: Mirko Crabus: Kinderhaus im Mittelalter. Das Leprosorium der Stadt Münster,
Münster 2013.
• Band 26: Dieter Overhageböck: Das Urkataster der Altstadt Münster 1828- 1830.
Grundeigentümer in Karten und Tabellen, Münster 2017.
In der Reihe ‚Kleine Schriften aus dem Stadtarchiv‘ erschienen folgende Bände:
• Band 9: Sabine Heise: Zwischen Wanderhandel und Wirtschaftswunder. 165 Jahre
Geschichte der Firma Schütte und ihrer Inhaber, Münster 2008.
• Band 10: Martin Blindow: Die Musikerfamilie Romberg. Münsters Musikleben zwischen
Klassik und Frühromantik, Münster 2010.
• Band 11: Uta Ribbert: Unser Weg ins Paradies. Gartenhäuser in Münster und im
Münsterland, Münster 2012.
• Band 12: Rainer Karliczek: Münster will nach oben. 50 Jahre Planen und Bauen (1965- 2015),
Münster 2015.
• Band 13: Heinz-Ulrich Eggert: "Auf nach Fuestrup!" Katholische Jugendverbände im Bistum
Münster. Der Fall des vergessenen Jugendzentrums in den Fuestruper Bergen (1929- 2017),
Münster 2017.
• Band 14: Philipp Erdmann: Entnazifizierung in Münster. Eine Stadt verhandelt ihre
Vergangenheit 1945-1952, Münster 2018.
• Erscheint voraussichtlich August 2018: Band 15: Jan Matthias Hoffrogge: Der
„Wiedertäufermythos“. Münsters umstrittener Erinnerungsort, Münster [2018]
Unter dem Motto ‚Das Stadtarchiv erinnert‘ erschien die Dokumentation
• Erinnern im öffentlichen Raum. Krieger-Denkmäler - Ehrenmale - Mahnmale und
Kriegsgräberstätten in Münster. Münster 2013.
Geschäftsführung zur Vergabe des Historiker- und Förderpreises für junge
Geschichtswissenschaft
1978 hat die Stadt Münster anlässlich der 330-Jahr-Feier des Westfälischen Friedens den
Historikerpreis der Stadt Münster gestiftet. Seit 1988 ist das Stadtarchiv mit der
Wahrnehmung der Geschäftsführung zur Vergabe des Preises beauftragt. Mit dem
Historikerpreis soll ein großes Werk der europäischen Geschichtsschreibung oder das
Lebenswerk einer Historikerin, eines Historikers, das zu wesentlichen Teilen der
europäischen Geschichtsschreibung gewidmet ist, gewürdigt werden. Am 23. Mai 2017
1 Amtszeit: Dr. Hannes Lambacher
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erhielt der amerikanische Historiker Prof. Dr. David Nirenberg den achten Historikerpreis der
Stadt Münster. Das Stadtarchiv übernahm damit zum 6. Mal die Geschäftsführung.
Zusammen mit dem Historikerpreis erfolgte die erstmalige Vergabe des Förderpreises für
junge Historiker und Historikerinnen. Damit soll auch in Zukunft junge Geschichtsforschung
gefördert und ausgezeichnet werden.
4. Herausforderungen und Perspektiven
4.1 Starke Zunahme von Aufgaben und Beständen
Neue Aufgaben
Ab 2009 hat das Stadtarchiv aufgrund der Änderung des Personenstandsrechts
umfangreiche Personenstandsregister (Geburtsregister nach 110 Jahren, Heiratsregister
nach 80 Jahren und Sterberegister nach 30 Jahren) zur dauernden Aufbewahrung
übernehmen müssen. Jährlich wächst der Bestand um ca. 4 Meter standesamtlichen
Archivgutes. Der Zuwachs zieht jeweils eine Erhöhung der Anzahl der Anfragen (von
Gerichten, Erbenermittlern, Rechtsanwälten, Notaren und Privatpersonen) sowie der
Nutzung im Lesesaal nach sich.
Der Personenstandsbestand wird durch jährliche Abgaben an das Stadtarchiv kontinuierlich
vergrößert. Neben dem zunehmenden Arbeitsanfall im Bereich Konservierung und
archivischer Erschließung führte dies vor allem zu erheblich mehr Arbeitsaufwand bei der
Bearbeitung von Recherche-Anfragen zum Personenstandswesen. Es ist eine Verdopplung
des Arbeitsumfanges zu verzeichnen.
Weitere Arbeitszuwächse ergaben sich aus der 2015 erfolgten Übernahme von zusätzlichen
Meldeunterlagen der Stadt Münster bis 1969. Auch dies erhöhte die Anzahl der externen
und internen Rechercheanfragen. Die Bearbeitung der Rechercheanfragen zu
Personenstands-, Melde- und Schulunterlagen benötigen einen höheren
Verwaltungsaufwand, da neben der archivischen Recherchebearbeitung Reproduktionen
anzufertigen, Rechnungen zu erstellen und Beglaubigungen auszufertigen sind.
Außerdem sind in den letzten Jahren umfangreiche Schularchive vor allem von aufgelösten
Schulen in das Stadtarchiv gelangt. Dies führte dazu, dass das Stadtarchiv zusätzlich
Anfragen zu bearbeiten hat, bei denen Bestätigungen der Schullaufbahn auszustellen sind.
Allein diese Bestände führten zu einem Zuwachs an Archivalien um 500 Meter.
Beispiel: Zuwachs an Rechercheanfragen zu Melde- und Personenstandsunterlagen
Jahr
Rechercheanfragen
insgesamt
Anteil der
Personenstands-
und
Meldeanfragen
2008 612
2009 729 57 %
2010 1003 49 %
2011 901 54 %
2012 1043 42 %
2013 1084 45 %
2014 1167 52 %
2015 1210 63 %
2016 1272 58 %
2017 1317 55 %
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Neue Bestände
Das Stadtarchiv übernahm im Rahmen des ‚Projekts Aktenübernahmen infolge Sanierung
Stadthaus 1‘ neue Bestände und auch zusätzliche Aufgaben. Aus den vorbereitenden
Erfassungen und archivischen Bewertungen des dort lagernden Schriftgutes ergab sich,
dass ca. 2 000 Meter der 4 500 Meter umzulagernden Akten durch das Stadtarchiv in den
dauerhaften Archivbestand übernommen werden.
Die starke Zunahme des Archivgutes ist vor allem darauf zurückzuführen, dass das bisher
im Stadthaus 1 lagernde Schriftgut in den zurückliegenden Jahrzehnten nur sehr sporadisch
Aktenbewertungen, Aussonderungen und Übergaben an das Stadtarchiv unterzogen wurde.
Dadurch ergab sich ein Übernahme- und Aussonderungsrückstau, der nicht vom Stadtarchiv
verursacht wurde, im Zuge der Sanierung des Stadthauses aber aufzuarbeiten war. Darüber
hinaus wurden zahlreiche im Aktendepot „An den Speichern 14“ bereits befindliche
Schriftgutbestände verschiedener Dienststellen überprüft, bewertet und entweder dauerhaft
in die Bestände des Stadtarchivs übernommen bzw. zur Vernichtung frei gegeben. Der
komplette Speicher war umzuorganisieren, teilweise neu auszustatten.
In Folge der Neustrukturierung des Aktendepots „An den Speichern 14“ wurden ebenfalls
umfangreiche Karten- und Planbestände dauerhaft übernommen, deren Bewertung,
Digitalisierung und Erschließung noch komplett aussteht.
2
In den letzten Jahren kam es zur Auflösung zahlreicher münsterischer Schulen. Da es keine
‚schulischen Rechtsnachfolger‘ gab, waren die Schuldokumente bzw. komplette
Schularchive in das Stadtarchiv zu übernehmen. Auch diese neuen Archivbestände
bedürfen dringend der archivischen Bearbeitung. Mehrere weitere Schularchive stehen
wegen Schulschließungen zur Übernahme an.
Der Bestand des Stadtarchivs an historisch archivwürdigem und dauerhaft
aufzubewahrendem Akten- bzw. Kulturgut der Stadt Münster hat sich infolge des Projektes
Stadthaus 1 sowie weiterer erforderlicher Schriftgut-Übernahmen in den letzten drei Jahren
um ca. 70 % erhöht (!).
Dieser noch unbearbeitete dauerhaft zu archivierende Schriftgutbestand lässt den
Archivbestand auf ca. 5 500 Meter zum jetzigen Zeitpunkt und mit weiter steigender
Tendenz enorm anwachsen. Das neu hinzugekommene Archivgut ist laut Archivgesetz
NRW archivisch zu erschließen und einer Nutzung zuzuführen. Es bestehen teilweise nicht
abweisbare Rechtsansprüche zur Bearbeitung von Auskünften zu umfangreichen bisher
unerschlossenen Schriftgutbeständen.
Die Archiv-Aufgabe der Übernahme, Erschließung und Nutzbarmachung erfordert aufgrund
des ausgesprochen umfangreichen Zuwachses eine dauerhafte Aufstockung des
archivischen Fachpersonals in diesem Pflichtaufgabenfeld.
Neue Aufgabe: Einrichtung und Führung eines Zwischenarchivs
Im Rahmen des ‚Projekts Aktenübernahmen infolge Sanierung Stadthaus 1‘ erhielt das
Stadtarchiv zusätzliche Aufgaben. Dazu zählt die neue Zuständigkeit für die Organisation
und Strukturierung des gesamten Aktendepots „An den Speichern 14“.
3 Das Stadtarchiv
regelt die Zutritte, die Akteneinlagerungen städtischer Dienststellen sowie die Organisation
2 Zu den bereits im Stadtarchiv vorhandenen 3.500 Karten kommen ca. 5 000 Karten hinzu.
3 Siehe: Organisationsverfügung/Rundschreiben Nr. 24/2016 vom 03.06.2016: Die zentrale Bewirtschaftung des
städtischen Aktendepots ist zukünftig Aufgabe des Stadtarchivs.
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der Depotflächen. Das Stadtarchiv fungiert als gesamtstädtischer Ansprechpartner und
Organisator bei Akteneinlagerungen, -erfassungen sowie Fristenüberwachungen im
Aktendepot „An den Speichern 14“. Diese Aufgabe erhielt eine dauerhafte Perspektive.
Im „Speicher 14“ wurde als neue Zuständigkeit mit dem Aufbau und der Führung eines
Zwischenarchivs begonnen. Das Zwischenarchiv ist eine Dienstleistungseinrichtung des
Stadtarchivs für die Verwaltung. Es nimmt Akten verschiedener Dienststellen auf, verwahrt
das Schriftgut bis zum Ablauf der Aufbewahrungsfristen und hält es während dieses
Zeitraums für die abgebende Behörde verfügbar. Das Stadtarchiv sorgt im Rahmen des neu
eingerichteten „Aktenservice“ für den Transport der in den Dienststellen benötigten Akten
und für die sachgemäße Reponierung. Es ist zunehmend die Tendenz zur Auflösung von
Aktenräumen, in denen noch Aufbewahrungsfristen unterliegendes Schriftgut lagert, in den
Stadthäusern festzustellen, so dass eine kontinuierliche Vergrößerung des
Zwischenarchives zu verzeichnen ist.
Die Entwicklung und Führung des Zwischenarchivs stellt eine wichtige Voraussetzung dar,
zukünftig keine weiteren unorganisierten Aktendepots entstehen zu lassen wie etwa
vormalig im Stadthaus 1. Das Zwischenarchiv stellt eine (lohnende) Daueraufgabe dar. Es
entstehen zusammenhängende, überschaubare ‚Ämterflächen‘
4 mit deutlich höherem
Organisationsgrad. Insbesondere kann durch einen höheren Organisationsgrad die
fristgerechte Einleitung von Aktenaussonderungen und -übergaben an das Stadtarchiv
überwacht und organisiert werden. So werden wertvolle Lagerkapazitäten nicht länger als
nötig frequentiert. Das Zwischenarchiv ermöglicht die fristgerechte Planung und
Durchführung von Aussonderungen von Schriftgut einschließlich der obligatorischen
archivischen Bewertung.
Das Zwischenarchiv entlastet die Aktenräume und vor allem auch die Sachbearbeiterinnen
und Sachbearbeiter in sämtlichen Stadthäusern und ermöglicht die Konzentration auf die
eigentliche Aufgabenerfüllung.
Neue Bestände von Vereinen, Firmen, Personen
Neben der Übernahme und Erschließung von Archivgut aus der Stadtverwaltung gehört es
zu den Daueraufgaben des Stadtarchivs so genanntes nichtamtliches Archivgut von
Vereinen, Firmen oder Personen zu übernehmen. Mit dem Schriftgut der Stadtverwaltung
lässt sich nicht das gesamte städtische Leben abdecken, daher ist die Überlieferung aus
dem nichtamtlichen Bereich umso wertvoller. Aufgrund von Stellenkürzungen ist dieser
Bereich momentan personell nicht besetzt. Es finden zwar Übernahmen statt, diese können
aber archivisch nicht bearbeitet und damit auch nicht genutzt werden.5
4.2 Herausforderung: Bestandsbildung und Archivierung im digitalen Zeitalter
Die Aufgabenerledigung der Stadtverwaltung Münster vollzieht sich mittlerweile zu großen
Teilen auf elektronischem Wege, angefangen vom Meldewesen über das neu geregelte
Personenstands- und Katasterwesen sowie das Gewerberegister und seit neuestem hin zur
elektronischen Aktenführung im Rahmen eines Dokumenten-Management-Systems.
(Stichwort: elektronische Akte) Die Arbeitsweisen ändern sich durch die elektronischen
Möglichkeiten – das Stadtarchiv muss sich daher um die Überlieferung ebenso bemühen wie
4 Beispiel: 700 Meter Akten des Jugendamtes: u.a. Akten zu Adoptionen, Elterngeld sowie des Kommunalen
Sozialdienstes.
5 Beispiele in letzter Zeit übernommenen nichtamtlichen Archivgutes: Nachlass ‚Verein der Kaufmannschaft‘,
Freimaurer-Loge zu den drey Balken, Nachlass Gisela Schwarze, Nachlass Alfred Koch, Nachlass Hof Schulze
Heil etc.
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um ihre papierenen Vorläufer. Die Aufgabe der dauerhaften Sicherung und Erhaltung
digitaler Verwaltungsunterlagen wird immer dringender.
Mit Beschluss des Verwaltungsvorstandes vom 23. August 2016 wurde das Stadtarchiv
federführend beauftragt, für die Einrichtung eines Elektronischen Langzeitarchivs bei der
Stadtverwaltung Münster zu sorgen. Dazu wurde inzwischen in Kooperation mit der Citeq
die Software DiPS.kommunal (Digital Preservation Solution) angeschafft. Die Verbundlösung
für die elektronische Langzeitarchivierung DiPS.kommunal firmiert unter dem Dach des
landesweiten Projektes Digitales Archiv NRW.
Die Einführung der Elektronischen Langzeitarchivierung stellt eine der größten
Herausforderungen des Stadtarchivs für die nächsten Jahre dar.
Für die weitere Umsetzung der elektronischen Langzeitsicherung von digitalen
Verwaltungsunterlagen bedarf es der Entwicklung organisatorischer Strategien sowie des
Einsatzes fachlich geschulten Archivpersonals. Letztlich geht es um den Erhalt des digitalen
Gedächtnisses der Stadt-(Verwaltung) Münster.
Die Übernahme elektronischer Verwaltungsunterlagen und damit die Sicherung des digitalen
Erbes der Stadtverwaltung sind aktiv anzugehen. Bei Untätigkeit droht die
Überlieferungslücke hinsichtlich der einzig elektronisch vorliegenden Informationen, der
‚digital borns‘, stetig größer zu werden.
Die Umsetzung der elektronischen Langzeitarchivierung
umfasst für das Stadtarchiv
folgende Aspekte:
Analyse und Bewertung von eingesetzten Fachverfahren
Als ersten Schritt der Einführung einer elektronischen Langzeitarchivierung steht die
Auflistung und Bewertung der im Einsatz befindlichen Fachverfahren an. Daran schließt sich
eine Priorisierung der Fachverfahren an. Bei den vorzugsweise anzubindenden Verfahren
steht dann die Prüfung der Übernahmevoraussetzung sowie die Initiierung und Vorbereitung
der Schnittstellenprogrammierung an.
Übernahme von Daten aus Fachverfahren
In einem zweiten Schritt sind die Fachverfahren, die archivwürdige Daten enthalten, an das
Langzeitarchiv anzubinden. Das Stadtarchiv Münster arbeitet mit Fachkollegen an der
Fertigstellung einer Schnittstelle zur Übernahme von Daten aus dem Gewerberegister der
Stadt. Die Daten sind komplett ‚historisch archivwürdig‘ und dauerhaft langzeitstabil und
unveränderbar zu archivieren. Nach Fertigstellung der Schnittstelle soll Anfang 2019 die
erste Übernahme von Gewerbedaten erfolgen. Als ein wichtiges Projekt sieht das
Stadtarchiv in Zukunft die Anbindung des Ratsinformationssystems Session an, das
dauerhaft zu archivierende Rats- und Ausschussprotokolle vorhält. Die
Schnittstellenentwicklung für die Übernahme aus Session ist bereits weit gediehen.
Planung der Übernahme und Bewertung von elektronischen Akten
Eine wichtige Herausforderung stellen die seit Ende 2017 bei der Stadtverwaltung Münster
erstmals implementierte ‚elektronische Akte‘ (E-Ausländerakte) dar. Das Stadtarchiv nimmt
bei diesem Thema eine Querschnittsaufgabe für die Gesamtverwaltung wahr.
Mit dem „Gesetz zur Förderung der elektronischen Verwaltung“ (E-Government-Gesetz
NRW) wurde beschlossen, die Einführung von E-Government in den NRW-Verwaltungen
durch ein Bündel von Maßnahmen zu fördern und zu flankieren. Ein zentraler Punkt des
10
neuen E-Government-Gesetzes NRW ist die elektronische Aktenführung. Diese wird für
sämtliche Landesbehörden bis zum 1. Januar 2022 verpflichtend. Das bedeutet:
Elektronische Akten sind auf dem Vormarsch – auch in den Kommunen.
In der Stadtverwaltung Münster ist 2017/18 eine erste elektronische Akte eingeführt worden.
Das Stadtarchiv musste sich daher aus aktuellem Anlass mit der möglichen Übernahme
elektronischer Akten beschäftigen. Bei dieser aktuellen Entwicklung beanspruchte das
Stadtarchiv die Beteiligung bei der Planung der generellen Anbindung und Übergabe
elektronischer Akten an das Langzeitarchiv. Anfang 2018 erfolgten Gespräche mit der citeq
zur Entwicklung einer digitalen „Bewertungs- und Übergabezone“, die an den Schluss jeder
ordnungsgemäßen Aktenführung gehört. Die Bewertung erfolgt im Produktivsystem.
Zahlreiche weitere Verwaltungsstellen haben die Einführung von E-Akten beantragt. Das
Stadtarchiv wird die jeweiligen Einführungen begleiten und die Archivwürdigkeit der
elektronischen Akten und Dokumente bewerten.
Die elektronische Langzeitsicherung erfordert geschultes Personal für die Prüfung von
Fachverfahren auf Vorhandensein funktionierender Schnittstellen und
Bewertungsoberflächen, die Organisation regelmäßiger Datenübernahmen, die Steuerung
der Übernahmen mit DiPS.kommunal in mehreren elektronischen Schritten sowie die
Mitarbeit in Gremien und Arbeitskreisen (z.B. DiPS.kommunal-Nutzerkreis)
4.3 Herausforderungen der Nutzung - Digitalisierung und Online-Verfügbarkeit von
Archivbeständen
Eine Nutzung des Stadtarchivs kann aufgrund der momentanen Personalsituation nur noch
an zwei Nutzungstagen erfolgen. Im Vergleich mit anderen Großstadtarchiven in Städten
gleicher Größe ist dies absolut nicht zufriedenstellend. In den letzten Jahren sind die
Nutzungszahlen im Lesesaal des Stadtarchivs zurückgegangen. Der Bedarf an
Öffnungstagen ist deutlich höher.
Im digitalen Zeitalter verändern sich das Nutzerverhalten und die -erwartungen. Die digitale
Bereitstellung von Bestandsinformationen (Online-Findbücher über Archivportal
NRW.Archive) sowie die Bereitstellung von Digitalisaten von Archivalien im Internet
(Archivportal-D, Deutsche Digitale Bibliothek) gehören heute zum Anforderungsprofil an ein
Kommunalarchiv. Dem möchte sich das Stadtarchiv Münster verstärkt stellen.
Vorbereitend hat das Stadtarchiv Münster diesem neuen Nutzungsverhalten bereits
Rechnung getragen durch die Digitalisierung von Sammlungsbeständen. Die Recherche
erfolgt über Nutzer-PC im Lesesaal des Stadtarchivs; eine Nutzung über das Internet ist
noch nicht möglich. Die Digitalisierung wichtiger Dokumente und Bestände einschließlich
ihrer Online-Nutzung stehen auf der Agenda des Archivs. Ein erstes Projekt stellt die
Digitalisierung der Zeitungs-Mikrofilmbestände dar, die dann über ein NRW-Landesprojekt
online gestellt werden könnten.
Im Öffentlichkeitsbereich des Stadtarchivs befindet sich die Präsenzbibliothek mit ca. 20.000
Büchern vornehmlich zur Lokal- und Regionalgeschichte. Eine Bibliothek bedarf dauerhafter
Pflege und Erweiterung, um aktuell zu bleiben. Aufgrund der fehlenden personellen
Besetzung ist dies nur sehr bedingt möglich.
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4.4 Stärkung der Stadtgeschichte
Intensivierung stadtgeschichtlicher Projekte und Aufträge
Die historische Forschungstätigkeit sowie Bildungsarbeit des Stadtarchivs gehören
grundsätzlich mit zu den Kernarbeitsbereichen des Stadtarchivs. Auf der Basis des im
Stadtarchiv vorhandenen historischen Quellenmaterials lassen sich bestimmte
stadtgeschichtliche Fragestellungen und Themen erforschen. Stadtgeschichtsforschung und
Vermittlung mussten in den letzten Jahren erheblich reduziert werden. Letztere konzentriert
sich derzeit auf historische Bildungsprojekte mit Schulen. Eigene historische
Forschungsprojekte konnte das Stadtarchiv in den letzten Jahren aus Kapazitätsgründen
kaum noch bewältigen. Das Stadtarchiv führte zumindest seine langjährige
Vortragsveranstaltung (‚Themenabende‘) ausgesprochen erfolgreich weiter.
Die historische Erinnerungsarbeit, die Entwicklung weiterer historischer
Veranstaltungsformate oder die Kooperationen mit Geschichtsvereinen und -initiativen sowie
der Universität mussten jedoch fast gänzlich zurückgefahren werden.
In der Stadtgesellschaft Münster wurden in den letzten Jahren verstärkt historisch-politische
Diskurse etwa zur Frage der NS-Belastung von Straßennamen oder auch aktuell zum
Umgang mit belasteten Kriegerdenkmälern angestoßen. Zu letzterem liegen derzeit mehrere
Anträge der im Rat der Stadt vertretenen Parteien vor.
Die Personalkapazitäten des Stadtarchivs sind momentan nicht ausreichend, derartige
historisch-politische Thematiken aufzugreifen, entsprechende Diskussionen anzuregen. Als
Basis sieht es das Stadtarchiv als seine Aufgabe, derartige gesellschaftliche Diskurse durch
die Bereitstellung wissenschaftlich fundierter Informationen möglichst zu versachlichen,
entsprechende Kommunikationsprozesse zu moderieren und somit wieder verstärkt die
historisch-politische Bildungsarbeit wahrzunehmen.
Mit einer personellen Verstärkung des traditionellen Aufgabenkomplexes des Stadtarchivs
stünden auch wieder mehr Personalkapazitäten für stadtgeschichtliche Forschungs- und
Vermittlungsprojekte zur Verfügung. So liefern etwa die neu in den Archivbestand
übernommenen Schriftgutbestände münsterischer Schulen die Quellenbasis für eine
Aufarbeitung einer münsterischen Schulgeschichte(n) ab 1945.
Das Stadtarchiv begreift es beispielsweise als seine Aufgabe, zur Entwicklung eines
Gesamtkonzeptes für den Umgang mit dem – kritischen - Traditionserbe der Stadt Münster
beizutragen und einen entsprechenden Kommunikationsprozess zu moderieren. Ein erster
Auftrag besteht in der Initiierung eines Diskussionsprozesses mit den unterschiedlichsten
Akteuren über den Umgang mit (Krieger)Denkmälern in Münsters öffentlichem Raum. Die
derzeit in Ausschreibung stehende 0,5 Stelle Wissenschaftliche(r) Mitarbeiter/in soll sich
nach ihrer Besetzung umgehend zunächst auf das Projekt „Umgang mit ‚belasteten‘
Kriegerdenkmälern“ konzentrieren.
4.5 Personelle Situation und Perspektiven
Leistungsumfang und Personalbestand des Stadtarchivs
Die folgende Aufstellung gibt den Personalbestand bis Anfang 2019 wieder. Die
markierten
Positionen sind zeitlich befristet besetzt.
Ab Mitte 2019 stünde ohne die geplante Entfristung dieser Stellen für Produkt 1: Aufbau,
Pflege und Erschließung von Archivgut nur noch eine Stelle zur Verfügung:
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Tätigkeit Personal
Amtsleitung 1,0 Stelle [Besetzt bis 12/2018]
Sekretariat/Verwaltung, Haushalt, Rechnungswesen,
Beschaffungen
1,0 Stelle
Produkt 1: Aufbau, Pflege und Erschließung von Archivgut
Archive des Landkreises Münster: archivische
Erschließung
0,69 Stelle
Verwaltungsarchiv Stadt Münster ab 1945:
Schriftgutverwaltung, Aktenübernahmen,
vorarchivische Bewertung, Erschließung
0,49 Stelle
[0,51 Aufstockung – befristet bis
2019] Anmeldung Stellenplan 2019]
Erschließung amtliches Archivgut [0,5 Stelle – befristet bis 2019]
Anmeldung Stellenplan 2019
Organisation Zwischenarchiv, Schriftgutverwaltung [0,5 Stelle – befristet bis 2019]
Anmeldung Stellenplan 2019
Personenstand, Meldewesen, Bewertung,
Übernahme, Erschließung Sammlungen (Fotos,
Plakate, Karten, Postkarten, Druckschriften),
Nachlässe, Bibliothek
Bis 2016 1,0 Stelle
[0,5 Stelle – befristet bis 2019]
[Anmeldung Stellenplan 2019: 1,00]
Aushilfen (= Studentische Hilfskräfte) für Lesesaal,
Projektassistenz, Bildungsarbeit (im HH-Plan
vorhanden aber dauerhaft befristet auf zwei Jahre)
0,42 (2 x 0,21) [= Verstetigung -
Stellenplan 2019 [keine Stellenerhöhung]
Technische Dienste: Aushebung, Konservierung,
Magazinbetreuung, Repro-Service/Digitalisierung
1,0 Stelle (39 Stunden)
[Eine weitere 1,0 St. 2008 eingespart]
Produkt 2: Erforschung, Dokumentation/Publikation und
Vermittlung der Stadtgeschichte, Archivpädagogik
Historische Bildungsarbeit, Archivpädagogik 1,0 Stelle (0,5 besetzt / 0,5
momentan in Ausschreibung)
Stadtgeschichtliche Dokumentation,
Öffentlichkeitsarbeit, Internet- und IntraNet-Angebote,
Publikationen, Veranstaltungen, Notfallverbund,
Grundsatzfragen Digitalisierung, Einführung und
Betrieb elektronische Langzeitarchivierung in
Kooperation mit städtischen Dienststellen
1,0 Stelle
Das Stadtarchiv Münster ist als Großstadtarchiv schon mit seiner bisherigen
Personalstruktur deutlich schlechter gestellt als vergleichbare Kommunalarchive. Die
Personalsituation des Stadtarchivs hat sich in den letzten Jahren durch Einsparungszwänge
dramatisch verschlechtert. Die Einschnitte der personellen Ausstattung mündeten in eine
Unterbesetzung. Das Stadtarchiv kann das erheblich ausgeweitete Aufgabenspektrum sowie
die Erschließung neu übernommener großer Archivbestände personell nur ansatzweise, die
archivische Erschließung neuen Archivgutes nicht mehr bewältigen.
Das Stadtarchiv müsste ohne personelle Aufstockungen wesentliche – durch das
Archivgesetz NRW als Pflichtaufgaben deklarierte – Aufgabenbereiche aufgeben und die
Öffnungszeiten des Stadtarchivs erneut reduzieren.
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Zum Stellenplan 2019 wurde eingebracht, die Befristungen auf bereits 2017 in den
Stellenplan eingebrachte Stellen aufzuheben und den Personalbestand im Aufgabenbereich
Produkt 1: Übernahme, Bewertung, Erschließung von Verwaltungsschriftgut dauerhaft
aufzustocken. Eine personelle Verstärkung für die Einführung der elektronischen
Langzeitarchivierung wurde nicht aufgenommen, wird jedoch benötigt.
Zusammenfassung: Es fehlt momentan (Fach-)Personal für
• Erschließung neu hinzugekommenen Schriftgutes aus der Stadtverwaltung (Projekt
Stadthaus 1 sowie weitere Aktenübernahmen: Zuwachs 2.000 Meter Archivgut)
• weitere Übernahmen, Digitalisierung und Erschließung von Sammlungsbeständen: Foto-,
Post-, Plakat-, Kartenbestände, (u.a. aus Projekt Stadthaus 1: ca. 5.500 Karten und
Pläne), Dokumentationsgut
• Übernahme und vor allem Erschließung nichtamtlicher Archivbestände
• Digitalisierungsprojekte
• Praktische Durchführung Elektronische Langzeitsicherung
• Bibliothek: Akquise und Katalogisierung
• Beratung von Nutzenden im Lesesaal zur Ausweitung der Öffnungszeiten
• Zeitnahe Bearbeitung von Anfragen
• Historische Forschungs- und Vermittlungsprojekte
5. Vergleich
Der Vergleich zwischen Größe und personeller Ausstattung von Archiven in Städten der
Größenordnung 240.000 bis 300.000 Einwohner mag die momentane Lage des Stadtarchivs
Münster verdeutlichen:
Vergleich: Größe und personelle Ausstattung von Archiven in Städten der
Größenordnung 240.000 bis 300.000 Einwohner
Bundesland Gemeindename
Stadt- und Gemeindearchive
laufende
Regalmeter
Benutzer-
tage
Anzahl
Stellen
NRW Wuppertal 6.700 1.491 10,25
NRW Bielefeld 5.870 3.965 10,00
NRW Bonn 15.134 5.423 19,25
BW Mannheim 12.480 1.965 22,57
BW Karlsruhe 5.050 1.438 8,00
HES Wiesbaden 1.750 253 9,00
NRW Münster 5.300 208 6,50
BAY Augsburg 12.500 . 14,00
NRW Gelsenkirchen 3.500 278 8,00
NRW Aachen 5.500 104 6,00
NRW Mönchengladbach 3.761 797 5,20
NI Braunschweig 4.500 3.492 12,00
SAC Chemnitz 13.100 200 15,00
Bericht erstellt von: Anja Gussek (Stadtarchiv Münster)
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Anhang:
Leistungskatalog Stadtarchiv
1. Produkt 1: Aufbau, Pflege und Erschließung von amtlichen und nichtamtlichen
Beständen
1.1. Informationsträger amtlicher und nicht-amtlicher Herkunft
1.1.1. Vorarchische Betreuung städtischer Dienststellen zur
Schriftgutverwaltung, Organisation Zwischenarchiv
1.1.2. Erfassung und Bewertung von Verwaltungsschriftgut
1.1.3. Übernahme von Archivgut (Papier/Daten)
1.1.4. Ordnung, Erschließung und Verzeichnung
1.1.5. Konservierung und Restaurierung
1.1.6. Ergänzung archivischer Sammlungen
1.1.7. Übernahme, Ordnung und Erschließung von Nachlässen und
Deposita
1.1.8. Bibliothek: Erwerb und Katalogisierung von Büchern
1.2. Pflege und Restaurierung von Archivgut
1.2.1. Umbettung von Archivgut
1.2.2. Restaurierung von Archivgut
1.2.3. Magazinierung von Archivgut
2. Produkt 2: Vermittlung, Dokumentation und Erforschung der Stadtgeschichte (F)
2.1. Forschungs- und Publikationstätigkeit
2.1.1. Edition stadtgeschichtlicher Quellen
2.1.2. Veröffentlichung stadtgeschichtlicher Forschungsbeiträge
2.1.3. Veranstaltung von und Beteiligung an wissenschaftlichen
Tagungen, Kolloquien und Vorträgen
2.2. Beratung und Betreuung der Benutzer/innen
2.2.1. Beantwortung von Anfragen zur Stadtgeschichte i.W.S. sowie
Personenstands-, Melde- und Schulwesen
2.2.2. Beratung von Nutzenden im Lesesaal
2.2.3. Vorlage von Archivalien
2.2.4. Anfertigung von Reproduktionen
2.3. Dokumentation
2.3.1. Erarbeitung personen-, orts- und themenbezogener
Datenbanken
2.3.2. Ordnung, Erschließung und Verzeichnung von
Dokumentationsmaterialien
2.3.3. Erstellung von dokumentatorischen Publikationen
2.3.4. Aufbereitung und Verfügbarmachung von Informationen im
IntraNet, Internet, Fachportalen
2.4. Historische Bildungsarbeit
2.4.1. Beratung und Unterstützung, Kooperation mit Schulen und
Bildungseinrichtungen
2.4.2. Beratung und Unterstützung, Kooperation mit
Geschichtsvereinen
2.4.3. Ausstellungstätigkeit
2.4.4. Stadtgeschichtliche Veranstaltungen
Anlage A
2305 Zeichen
Anlage A zur V/0569/2018 Kurzüberblick Das Stadtarchiv steht vor großen Herausforderungen durch ein erheblich ausgeweitetes Aufgabenspektrum. In seinem Kernaufgabenbereich ‚Erschließung‘ sind große Rückstän- de aufzuarbeiten. Stadtgeschichtliche Projekte sollen wieder verstärkt durchgeführt wer- den. Außerdem erfordert die Digitalisierung eine Neuausrichtung der Archivarbeit. Um diese Herausforderungen zu meistern, bedarf es zusätzlichen Fachpersonals. Ziele/Teilziele/Zielerreichung Mit der Berichtsvorlage soll eine generelle aufgabenbezogene und personelle Standort- bestimmung des Stadtarchivs vorgenommen sowie seine entsprechenden Entwicklungs- perspektiven dargestellt werden. Sie erläutert die im Stellenplanentwurf 2019 für das Stadtarchiv vorgesehenen Personalstellen. Die Berichtsvorlage trägt bei zur Erreichung der Ziele der Produktgruppen des Stadtar- chivs 04.06.01 Aufbau, Pflege und Erschließung von Archivgut sowie 04.06.02. Erfor- schung, Dokumentation und Vermittlung der Stadtgeschichte Finanzierung Produktgruppe: 04.06.01 04.06.02 Aufbau, Pflege und Erschließung von Archivgut Erforschung, Dokumentation und Vermittlung der Stadtgeschichte Auswirkungen auf den Ergebnisplan Ja Nein Auswirkungen auf den Finanzplan Ja Nein Im beschlossenen (Nachtrags-)Haushaltsplan JJJJ enthalten? Ja Nein teilw. Im Entwurf des (Nachtrags-)Haushaltsplan JJJJ enthalten? Ja Nein teilw. Belastungen in zukünftigen HH-Jahren? Ja Nein Bereits veranschlagt? Ja Nein Die Höhe der Aufwendungen oder Auszahlungen sind unabhängig von der vorhandenen Mittelbe- reitstellung im Beschlussvorschlag zu nennen. Eine Angabe an dieser Stelle oder bei den Zielen reicht nicht aus. Pflichtigkeitsgrad Die Maßnahme/Leistung ist X vollständig pflichtig überwiegend pflichtig überwiegend freiwillig vollständig freiwillig Das Pflichtaufgabenfeld des Stadtarchivs orientiert sich am Gesetz über die Sicherung und Nut- zung öffentlichen Archivguts im Lande Nordrhein-Westfalen (Archivgesetz Nordrhein-Westfalen - ArchivG NRW) sowie Satzung des Stadtarchivs (veröffentlicht im Amtsblatt Stadt Münster 4/1993). Unmittelbare, grundsätzliche Relevanz für Querschnittsthemen (Demographie, Gleichstellung, Inklusion, Klimaschutz, Migration) Keine
Berichtsvorlage
9439 Zeichen
V/0569/2018 V/0569/2018 Öffentliche Berichtsvorlage Betrifft Aufgaben, Herausforderungen und Perspektiven des Stadtarchivs Beratungsfolge 30.08.2018 Kulturausschuss Bericht Bericht: Aufgaben, Herausforderungen und Perspektiven des Stadtarchivs Das Stadtarchiv Münster ist eines der größten Kommunalarchive in Westfalen und verwahrt Origina l- dokumente aus über achthundert Jahren münsterischer Geschichte. Es versteht sich als Serviceei n- richtung für die Bürgerschaft, die Stadtverwaltung, die wissenschaftliche historische Forschung sowie als eine stadtgeschichtliche Kompetenzeinrichtung und als außerschulischer historischer Lern - und Bildungsort. Die Bewältigung neuer Aufgaben, die enormen Zuwächse an Archivbeständen um 70 % sowie die Veränderungen der Archivarbeit durch zunehmende Digitalisierung stellen das Stadtarchiv vor He r- ausforderungen, di e nur mit einer Verstärkung der Personalausstattung bewältigt werden können. Daneben soll dem Arbeitsbereich Erforschung und Vermittlung der Stadtgeschichte wieder mehr Aufmerksamkeit zukommen. 1. Aufgaben Bei dem Aufgabenkanon des Stadtarchivs handelt es sich um Pflic htaufgaben nach dem Archi v- gesetz NRW sowie der vom Rat verabschiedeten Archivsatzung von 1993 . Zu den Kernbereichen der Arbeit des Stadtarchivs zählen: Die Bewahrung und Erschließung der historischen Archivalien- und Dokumentationsbestände sowie ihre konservatorische Erhaltung und Pflege Die laufende Bewertung, Übernahme, Ordnung und inhaltliche Erfassung von archivwürdigem Verwaltungsschriftgut (analoge und digitale Informationsträger) Erschließung und Erweiterung der angebotenen schriftlichen Überlieferung von Institutionen, Vereinen, Firmen und Personen sowie von Dokumentations- und Sammlungsbeständen Bereitstellung des Archiv- und Bibliotheksgutes für die Nutzung durch Bürgerschaft und Verwal- tung Wissenschaftliche, stadthistorische Forschungs- und Publikationstätigkeit sowie die Bearbeitung von Rechercheanfragen Historische Bildungsarbeit und Archivpädagogik Stadtarchiv 24.07.2018 Ihr/e Ansprechpartner/in: Herr Dr. Lambacher/ Anja Gussek Telefon: 492 47 00/47 02 Lambacher@stadt- muenster.de - 2 - V/0569/2018 Neben Übernahme, adäquater Aufbewahrung und inhaltlicher Erschließung von Informationsträgern gehört es zum Aufgabenkanon des Stadtarchivs, das Archivgut öffentlich zugänglich zu machen und seine Nutzung durch Öffentlichkeitsarbeit und Veranstaltungen aktiv zu fördern. Interessierte erhalten Auskunft, Beratung und Unterstützung bei ihren Forschungen. Die eigenständige Erforschung stadtgeschichtlicher Themen und ihre Darstellung in Publikationen stellt eine wichtige Säule der traditionellen Funktionsbereiche des Stadtarchivs dar. Erst ein A r- chiv, das bei der Aufarbeitung stadthistorischer Fragestellungen unterstützt und eine aktive Ve r- mittlung von Geschichte betreibt, wird zu einem Ort der Erinnerungskultur . Durch Bereitstellung gesicherter Informationen werden zudem historische Diskurse in der Stadtgesellschaft begleitet. 2. Herausforderungen durch Übernahme neuer Archivbestände und Aufgaben Eine besondere Herausforderung stellt die anstehende inhaltliche Erschließung von ca. 2.000 Metern (ca. 30.000 Einheiten) neuem Archivgut infolge der Sanierung Stadthaus 1 dar. (= An- stieg der Archivbestände um ca. 70 %) Eine weitere besteht in der Bewältigung neuer Aufgaben, die sich aus der Übernahme von Personenstands- und Meldeunterlagen sowie von Unterlagen geschlossener Schulen ohne Rechtsnachfolger ergeben. Die Übernahmen zogen eine Verdopplung von Rechercheanfr a- gen, auf deren Beantwortung ein Rechtsanspruch besteht, nach sich. Die momentan größte Herausforderung besteht in der Aufarbeitung großer Erschließungsrüc k- stände und in der deutlichen Zunahme des Anfragevolumens. Deshalb bedarf es in diesem arch i- vischen Kernaufgabenkomplex (Übernahme & Erschließung von neuen Archivalien) zusätzlichen Fachpersonals und eines langfristigen Entwicklungsplans. 3. Herausforderung: Einrichtung und Führung eines Zwischenarchivs Im Rahmen des ‚Projekts Aktenübernahmen infolge Sanierung Stadthaus 1‘ erhielt das Stadta r- chiv als zusätzliche Aufgabe die Organisation und Strukturierung des Aktendepots „An den Spei- chern 14“. Im „Speicher 14“ ergab sich als neue Zuständigkeit, den Aufbau und die Führung eines Zwischenarchivs als Dienstleistungseinrichtung für die gesamte Verwaltung zu organisieren. Ziel ist die Verbesserung der Schriftgutverwaltung und Verhinderung unvorhersehbarer zukünftiger Aktenübernahmen wie in Stadthaus 1. Das Stadtarchiv fungiert als gesamtstädtischer Ansprec h- partner und Organ isator bei Akteneinlagerungen sowie fristgerechter Aussonderungen im Akten- depot. Diese lohnende Aufgabe bedarf einer dauerhaften Perspektive. 4. Herausforderungen im digitalen Zeitalter: 4.1 Auf- und Ausbau eines Elektronischen Langzeitarchivs Die Aufgabenerledigung der Stadtverwaltung Münster vollzieht sich mittlerweile zu großen Teilen auf elektronischem Wege . In zahlreiche Dienststellen erfolgt die Bearbeitung nur noch elektr o- nisch über spezielle Fachverfahren (Melde-, Standesamts- und Katasterwesen, Gewerberegister). Die größte Herausforderung besteht darin, für die dauerhafte Sicherung und Erhaltung digitaler Verwaltungsunterlagen zu sorgen. Dazu wurde ein Elektronisches Langzeitarchiv eingerichtet, dessen ‚Befüllung‘ eine zukünftige Daueraufgabe darstellt. Als ersten Schritt der Einführung einer elektronischen Langzeitarchivierung steht die Bewertung der im Einsatz befindlichen Fachverfa h- ren an. In einem zweiten Schritt sind die Fachverfahren, die archivwürdige Daten enthalten, über Schnittstellen an das Langzeitarchiv anzubinden. 4.2 Übernahme und Bewertung von elektronischen Akten Eine wichtige Herausforderung stellt die seit Ende 2017 bei der Stadtverwaltung Münster erstmals implementierte ‚elektronische Akte‘ (E-Ausländerakte) im Rahmen des städtischen Dokumenten- Management-Systems dar. Damit tritt die Übernahme und dauerhafte Sicherung der städtischen Überlieferung in eine neue Ära. Es bedarf der Entwicklung einer digitalen „Bewertungs- und Über- gabezone“, die an den Schluss jeder ordnungsgem äßen Aktenführung gehört . Dieser Prozess schreitet voran. Das Stadtarchiv wird die jeweiligen Einführungen begleiten , die Archivwürdigkeit - 3 - V/0569/2018 der elektronischen Akten und Dokumente bewerten und in Zukunft elektronische Akten in das elektronische Langzeitarchiv übernehmen. 4.3 Herausforderungen an die Archivnutzung durch Digitalisierung und Internet Im digitalen Zeitalter verändern sich das Nutzerverhalten und die -erwartungen. Die digitale B e- reitstellung von Bestandsinformationen sowie die Bereitstellung von Digitalisaten von Archivalien im Internet gehören zum Anforderungsprofil an ein modernes Kommunalarchiv. Dem möchte sich das Stadtarchiv Münster verstärkt stellen. 5. Perspektive: Stärkung stadtgeschichtlicher Projekte und Forschungen Die historische Forsch ungstätigkeit sowie Bildungsarbeit des Stadtarchivs gehören grundsätzlich zu den Kernarbeitsbereichen des Stadtarchivs. Auf der Basis des im Stadtarchiv vorhandenen historischen Quellenmaterials lassen sich bestimmte stadtgeschichtliche Fragestellungen und Themen erforschen. Stadtgeschichtsforschung und die Vermittlung ihrer Ergebnisse mussten in den letzten Jahren erheblich reduziert werden . Die Kapazitäten für eine Intensivierung stadtge- schichtlicher Projektarbeit sowie die Erfüllung stadthistorischer For schungsaufträge bedürfen ei- ner Ausweitung. 6. Perspektive: Verbesserung des Personalbestandes Das Stadtarchiv Münster ist als Großstadtarchiv mit seiner bisherigen Personalstruktur deutlich schlechter gestellt als ver gleichbare Kommunalarchive. Dabei steht es vor großen Herausford e- rungen. Das Archiv hat ein e rheblich ausgeweitetes Aufgabenspektrum zu bewältigen, hat in se i- nem Kernaufgabenbereich ‚Erschließung‘ große Rückstände aufzuarbeiten und muss aufgrund der zunehmend elektronisch abgewickelten Verwaltun gstätigkeit Strategien für eine Neuausric h- tung der Archivarbeit entwickeln und umsetzen. Das Stadtarchiv strebt außerdem an, die Digital i- sierung von Archivgut auszubauen und sich damit an das geänderte Nutzungsverhalten anzupa s- sen. Außerdem möchte es wiede r verstärkt mit stadtgeschichtlichen Themen, Veranstaltungen und Publikationen in der Stadtgesellschaft präsent sein. Um die Herausforderungen zu meistern, bedarf es zusätzlichen dauerhaft verfügbaren Personals. Haushaltsbedingte Einschnitte der personellen Ausstattung mündeten in den letzten Jahren in e i- ne Unterbesetzung. Bereits zum Stellenplan 2017 eingebrachte Personalstellen wurden mit B e- fristungen versehen, die zu Beginn des Jahres 2019 auslaufen. Ohne einen verlässlich verfügbaren Bestand an Personal kann das Stadtarchiv eine fachgerechte Aufgabenerfüllung in Zukunft nicht gewährleisten. Die Verwaltung hat unter Anerkennung des Be- darfs zum Stellenplan 2019 bereits 2,51 Stellen (VZÄ) für die archivische Sachbearbeitung mit un- terschiedlicher fachlicher Ausrichtung und damit zur Erfüllung der dargestellten Aufgaben dauer- haft angemeldet. i. V. gez. Cornelia Wilkens Stadträtin Anlage Ausführlicher Bericht „Aufgaben, Projekte und Perspektiven des Stadtarchivs Münster“
Beratungsverlauf (1)
Orte (6)
- Alter Steinweg
- Alter Fischmarkt
- An den Speichern 14
- Roggenmarkt
- Kinderhaus
- Drubbel
Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.
Details
- Aktenzeichen
- V/0569/2018
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 24.07.2018
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37