0822/2017
Ankauf einer Silber-Jardinière (Entwurf: Henry van der Velde) für das Museum für Angewandte Kunst Köln
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Beschlussvorlage Ausschuss
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Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle VII/VII/4 Vorlagen-Nummer 0822/2017 Freigabedatum 17.03.2017 Beschlussvorlage zur Behandlung in öffentlicher Sitzung Betreff Ankauf einer Silber-Jardinière (Entwurf: Henry van der Velde) für das Museum für Angewandte Kunst Köln Beschlussorgan Ausschuss Kunst und Kultur Finanzausschuss Gremium Datum Beschluss: 1. Der Ausschuss für Kunst und Kultur beschließt den Ankauf einer Silber-Jardinère nach einem Entwurf von Henry van der Velde, ca. 1903 zum Preis von 200.000 € aus den Mitteln des An- kaufsetats der Museen. Die Mittel stehen im Teilfinanzplan 0401 – Museumsreferat – bei der Teilplanzeile 9 – Auszah- lungen für den Erwerb von beweglichem Anlagevermögen zur Verfügung. 2. Der Finanzausschuss beschließt im Haushaltsjahr 2017 die erste Mittelfreigabe in Höhe von 200.000 € für die Mittel des Ankaufsetats der Museen im Teilfinanzplan 0401 – Museumsrefe- rat – Teilplanzeile 9 – Auszahlungen für den Erwerb von beweglichem Anlagevermögen. Ausschuss Kunst und Kultur 21.03.2017 Finanzausschuss 03.04.2017 2 Haushaltsmäßige Auswirkungen Nein Ja, investiv Investitionsauszahlungen 200.000 € Zuwendungen/Zuschüsse Nein Ja % Ja, ergebniswirksam Aufwendungen für die Maßnahme € Zuwendungen/Zuschüsse Nein Ja % Jährliche Folgeaufwendungen (ergebniswirksam): ab Haushaltsjahr: a) Personalaufwendungen € b) Sachaufwendungen etc. € c) bilanzielle Abschreibungen € Jährliche Folgeerträge (ergebniswirksam): ab Haushaltsjahr: a) Erträge € b) Erträge aus der Auflösung Sonderposten € Einsparungen: ab Haushaltsjahr: a) Personalaufwendungen € b) Sachaufwendungen etc. € Beginn, Dauer Begründung: Für das Museum für Angewandte Kunst Köln (MAKK) ergibt sich die einmalige Gelegenheit, das fol- gende Objekt zu erwerben: Silber-Jardinière nach einem Entwurf von Henry van de Velde, 1903 Ausführung: Hofjuwelier Theodor Müller, Weimar ca. 1903 Sterling Silber mit teilversilbertem Messingeinsatz Marken: Künstlersignet Henry van de Veldes, Th. Müller Deposé, 1331, Halbmond, Krone und Fein- gehalt 925 Maße: Breite 35,5 cm, Tiefe 21,5 cm, Höhe 8,5 cm Angeboten von der Kunsthandlung Dènes Szy, Düsseldorf Herausragende kunst- und kulturgeschichtliche Bedeutung des Objektes und Bedeutung für die Sammlung des MAKK: Henry van de Velde (1868-1957) zählt unbestritten zu den vielseitigsten Künstlern und wegweisenden Reformern des Jugendstils. Als einer der Hauptprotagonisten hat er maßgeblich den deutschen Ju- gendstil beeinflusst und gilt als einer der Begründer der modernen Formgestaltung, dessen überra- gende Bedeutung europaweite Strahlkraft hatte. Eine elementare Intention seiner Arbeit war das Ziel, die Ästhetik aus der Funktion der Gegenstände zu entwickeln, womit er damals bereits den Leit- gedanken der späteren Bauhaus-Bewegung vorwegnahm. Dieser Ansatz van de Veldes spiegelt sich in seinen Arbeiten eindrucksvoll wieder. Ganz besonders gilt dies für die von ihm 1903 entworfene Silber-Jardinière, die bei dem Hofjuwelier und Silberschmied Theodor Müller in Weimar zur Ausführung gelangte. Diese im Werkverzeichnis van de Veldes von 2009 aufgeführte Jardinière ist charakterisiert durch seine reduzierte elegante Formensprache. Be- 3 eindruckend ist zudem die kunsthandwerkliche Leistung in der Ausführung. Denn die Größe des Kor- pus und dessen organische Form, die in einem langwierigen Prozess mit Hand aus einem Stück Sil- ber getrieben ist, erfordern in der praktischen Umsetzung ein herausragendes kunsthandwerkliches Können. Bei der Jardinière von Henry van de Velde handelt es sich damit um ein Unikat von höchst eigenständiger künstlerischer und kunsthandwerklicher Qualität. Besonders erwähnenswert und pro- minent ist die Provenienz der Arbeit, die sich zunächst im Familienbesitz der Schwester van de Vel- des und später im Privatbesitz des letzten Eigentümers der Villa Bloemenvert bei Brüssel befand, die Henry van de Velde 1895 als eigenen Wohnsitz entwarf. Ein besonderer Sammlungs- und Präsentationsschwerpunkt des MAKK bildet der Bereich des Ju- gendstils als zentrale Strömung der Kunst und Gestaltung an der Schnittstelle zur Moderne. Die Ent- wicklung und spezifischen Ausprägungen des Jugendstils im deutschsprachigen Raum sind im MAKK eindrucksvoll durch elementare Werke verschiedener Gestalter und Künstler dokumentiert, wozu auch Henry van de Velde zählt. Ein absoluter Meilenstein innerhalb des Werkkonvoluts Henry van de Veldes im MAKK stellt die im Düsseldorfer Kunsthandel angebotene Jardinière dar. Denn sie markiert als ein wichtiges Beispiel des reduzierten Jugendstils durch ihre künstlerische Qualität und spezifi- sche Formensprache auf beeindruckende Weise den Übergang zur Moderne. Als Unikat nimmt die Jardninière zudem einen singulären Stellenwert ein. Mit dem Erwerb des angebotenen Objektes könnte das MAKK seine stringente Sammlungsstrategie fortsetzen und gleichzeitig die Schausamm- lung um ein herausragendes Highlight bereichern. Der verhandelte Preis von 200.000 € entspricht dem aktuellen Marktpreis vergleichbarer Stücke und ist aufgrund der Seltenheit sowie der kunst- und kulturgeschichtlichen Bedeutung des Objektes an- gemessen, was durch zwei Fachgutachten bestätigt wird. Der Ankauf wird in Höhe von 200.000 € aus dem Ankaufsetat der Museen finanziert. Die Mittel stehen im Teilfinanzplan 0401 – Museumsreferat – bei der Teilplanzeile 9 – Auszahlungen für den Erwerb von beweglichem Anlagevermögen zur Verfügung. Für den Ankauf wurde ein Förderantrag bei der Kulturstiftung der Länder in Höhe von 60.000 € gestellt. Da die Entscheidung von der Kulturstiftung noch nicht getroffen werden konnte, wurde diese mögliche Förderung nicht oben unter den haus- haltsmäßigen Auswirkungen aufgeführt. Gleiches gilt für einen dem Museum angebotenen Nachlass einer verstorbenen Privatperson, der formal noch nicht angenommen ist. Aus diesem Nachlass sollen 20.000 € für den Ankauf verwendet werden. Sobald diese Mittel in Höhe von 80.000 € eingenommen werden, fließen diese dem Ankaufsetat zu und können dann für andere Ankäufe verwendet werden. Provenienz: Die Jardinière befand sich mindestens in der Zeit von 1933 bis 1945 wohl aber auch bis in die 60er-Jahre im Eigentum der Familie des Künstlers. Sie ist von daher in Bezug auf NS- Raubkunst unbedenklich. Das Rechnungsprüfungsamt hat die Bedarfsprüfung zur Kenntnis genommen. Verfristung: Die Kunsthandlung Szy hält das Angebot nur kurze Zeit aufrecht. Um dieses sehr bedeutende Objekt für das MAKK sichern zu können, wird um Entscheidung des Ausschusses für Kunst und Kultur zur Sitzung am 21.03.2017 gebeten. Anlage: Abbildung der Jardinière
Beratungsverlauf (2)
Beschluss: ungeändert beschlossen
Zur SitzungBeschluss: ungeändert beschlossen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 0822/2017
- Typ
- Beschlussvorlage Ausschuss
- Datum
- 17.03.2017
- Erstellt
- 03.08.2017 00:27