0070/2026
Szenebericht Literatur
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Anlage 1 zur Mitteilung 0070-2026
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Anlage 1 zur Mitteilung 0070/2026 1 Bericht der Sparte Literatur für den Ausschuss Kunst und Kultur der Stadt Köln am 29.1.2026 Vorbemerkung: Seit dem letzten Szenebericht am 17.9.2024 hat sich die Literatur in Köln weiter professionalisiert. Für Schreibende hat Köln durch das breite Spektrum an Veranstaltungen und Austauschmöglichkeiten, die Angebote der Hochschulen zum Schreibenlernen und zur Literaturpraxis, die Präsenz des unabhängigen Buchhandels und die lebendige Stimmung in der Stadt kontinuierlich an Attraktivität gewonnen. Das Angebot an Literaturveranstaltungen ist unverändert stark und vor allem gut besucht. Es gibt etwa 1.200 Literaturangebote im Jahr. Obwohl die Streichung von Fördermitteln für die Literatur im Frühjahr 2025 dankenswerterweise weitgehend abgewendet wurde, ist die Umsetzung von Projekten schwieriger geworden, weil sich die Unsicherheiten der Fördersituation auf Planungen auswirken. Menschen, die im Bereich der Literatur arbeiten, agieren immer auch vor dem Hintergrund der zunehmend angespannten Situation des Buchmarkts. Dessen ökonomische Situation verschärft sich weiter. Hatte das Buch während der Corona-Pandemie seine Stärken behauptet, werden die Bedingungen zunehmend schwieriger. Buchhandlungen – auch in Köln – schließen oder werden von Monopolisten übernommen. Schon länger fokussieren Verlage und Medien auf einzelne, gut verkäufliche Titel oder Reihen, zusätzlich verringern sich stetig die nachhaltigen Wege der Information und Aufmerksamkeit durch Veränderungen und Kürzungen in Print und Rundfunk. Die Präsenz in den Sozialen Medien ist stark gewachsen, aber von kürzerer Dauer und vornehmlich meinungsgeprägt. Die Akteur*innen der Literaturszene müssen immer wieder neue Wege finden, diesen Prozessen entgegenzuwirken und entwickeln neue Formen und Formate, die der Unterstützung bedürfen. Aufgrund dieser strukturellen Veränderungen kommt Literaturveranstaltungen zunehmend mehr Bedeutung zur Aufrechterhaltung einer lebendigen und innovativen Literaturszene zu. Sie schaffen außerdem wichtige Einnahmemöglichkeiten für Autor*innen, Orientierung für das Publikum wie auch Orte des (demokratisch geprägten) Austauschs. Festzustellen bleibt, dass sich die Kölner Literaturszene deutlich professionalisiert hat und die Angebote vielfältiger und innovativer sind, eine Entwicklung, die perspektivisch weiter vorangetrieben werden sollte, indem die Literatur (lediglich 4 % des städtischen Kulturetats für die freie Szene) als Kultursparte besser ausgestattet wird. Entwicklung und besondere Angebote 2025/2026: Die Interessenvertretung (IV) der Literatur in Köln, der Literaturszene Köln e.V., ist in den letzten anderthalb Jahren erneut deutlich gewachsen und hat mittlerweile 250 Mitglieder: Er setzt sich vornehmlich aus Autor*innen, Übersetzer*innen, Veranstalter*innen, Buchhändler*innen und Literaturjournalist*innen zusammen, einschließlich der Akteur*innen des umfangreichen Bereichs der Kinder- und Jugendliteratur. Das Hauptanliegen des Vereins ist, das literarische Leben Kölns, Aktivitäten und Belange, sichtbarer zu machen, auch im Kölner Stadtraum. Der Verein hat sich hierbei weiter profiliert. Er betreibt in der Steinstraße – unterstützt durch die Stadt Köln – mit großem Zuspruch den 2017 gegründeten Schreibraum Köln, einen der wenigen Co-Working-Spaces für Schreibende in Deutschland. Er wird von etwa 50 Schreibenden genutzt, das Interesse ist ungebrochen, die Warteliste ist lang. Hier werden auch Workshops mit unterschiedlichen Themen angeboten, überwiegend für Schreibende. Neben dem Schreibraum organisiert der Verein Literaturszene Köln mit großem Publikumszuspruch alternierend alle zwei Jahre den sehr erfolgreichen Kinder- und Jugendbuchtag mit 30 Veranstaltungen für mehrere hundert junge Besucher*innen und ihre Familien im Filmhaus sowie den Literarischen Sommer auf dem Neumarkt im Gelben Pavillon. 2025 boten 59 Lesungen täglich Literatur zu fester Uhrzeit. 2025 hat der Verein eine AG Literaturpolitik ins Leben gerufen, die die Interessen der Kölner Literaturakteur*innen ermittelt. Der Verein begleitet auch den partizipativen Prozess der Entwicklung eines neuen Förderprogramms Literatur für die Arbeit des Kulturamts (das bisherige Förderkonzept Literatur stammt aus dem Jahr 2008). Anlage 1 zur Mitteilung 0070/2026 2 Arbeitsstipendien sind eine wichtige Maßnahme der Literaturförderung, oft die einzige unmittelbare Förderung der Schreibenden. Das seit 1971 vergebene Förderstipendium (seit 1985 nach Rolf Dieter Brinkmann benannt) hat zahlreichen Autor*innen den Weg erleichtert (unter anderem Yannic Han Biao Federer, Karosh Taha oder Lisa Roy, publizieren bei renommierten Verlagen). Seit 2018 werden mit städtischen Mitteln zwei altersunabhängige Dieter-Wellershoff-Stipendien vergeben, außerdem Kinder- und Jugendbuchstipendien, eines davon finanziert durch die Imhoff-Stiftung. Alle Stipendien werden als wirksame Stärkung der lokalen Literaturszene wahrgenommen. Das Atelier Galata Stipendium trägt zum internationalen Austausch bei (hier mit der Türkei) und erweitert den literarischen Diskurs unter Schreibenden. Literatur und literarische Veranstaltungen bieten die ideale Form, gesellschaftliche Diskurse differenziert zu begleiten, Austausch zu gestalten und Vielfalt zu ermöglichen. Zugleich sind sie ein maßgeblicher Faktor der Kulturellen Bildung, stärken Chancengleichheit und Teilhabe. Unter anderem Formate wie Hörspielwiese, Auftaktfestival, Europäisches Literaturfestival Kalk (siehe Szenebericht 2024) haben in den letzten Jahren starke Impulse gesetzt. Die Literaturszene zeigt sich im Übrigen grundsätzlich den Anforderungen der kulturellen Teilhabe gegenüber sehr offen, möchte diese unterstützen und umsetzen. Auch dem Kinder- und Jugendbuch, das in Köln durch viele hier ansässige Autor*innen stark vertreten ist, wird Sichtbarkeit verliehen. Die größeren Kölner Literatur-Anbieter*innen – etwa die Zentralbibliothek, das Literaturhaus Köln oder die lit.COLOGNE – haben mit ihren Veranstaltungen beträchtlichen Anteil am Angebot. Auf unterschiedliche Weise erfolgt hierbei der Austausch mit der lokalen Literaturszene. Kooperationen und Kollaborationen spielen grundsätzlich eine wichtige Rolle. Darüber hinaus organisieren Buchhandlungen mit einem Stammpublikum Lesungen. In Köln gibt es jede Woche gut fünf bis zehn Literaturveranstaltungen – unabhängig von Festivals. Zu den Organisator*innen von publikumswirksamen, regelmäßig stattfindenden Literaturformaten zählt auch der Verein Land in Sicht. Anders als die vorgenannten ist er ausschließlich von Projektmitteln abhängig und bietet deshalb nicht durchgehend Veranstaltungen an. Zur Erläuterung: Die Stadtbibliothek ist die einzige städtische Einrichtung der Literatur; das Literaturhaus erhält einen Betriebskostenzuschuss seitens der Stadt Köln; der Verein Literaturszene Köln erhält als Interessenvertretung eine institutionelle Förderung, die lit.COLOGNE ist ein Wirtschaftsunternehmen, das zu mehr als 60 Prozent dem Berliner Eventunternehmen DEAG gehört. Ein attraktives neues Format organisiert derzeit alle zwei Wochen die Zentralbibliothek in Kooperation mit der Kunsthochschule für Medien. Unter dem Titel „lunch lectures“ finden kurze mittägliche Lesungen mit Verköstigung statt. Sie erfahren großen Zuspruch vom Kölner Publikum. Verstetigt, dank der Förderung durch das Kulturamt, sind die zweimal im Jahr stattfindenden HEIMSPIEL – Kölner Autor*innen lesen in Kölner Schulen-Veranstaltungen, durchgeführt vom Jungen Literaturhaus Köln. Barrierefrei und bürgernah sind die Sommerveranstaltungen an den Bücherschränken im ganzen Stadtgebiet und mit wechselndem Programm. Das Literaturhaus Köln begeht im Jahr 2026 sein 30-jähriges Bestehen. Ein zukunftsweisender Baustein des Jubiläumsjahrs wird das Festival-Symposium „kindly invited. Die Zukunft der Literatur auf der Bühne“, das vom 25. Februar bis 1. März 2026 eine jurierte Auswahl innovativer Veranstaltungsformate auf die Bühne bringt. Außerdem wird beim Symposium zu Themen zeitgemäßer und künftiger Literaturvermittlung internationales Fachpublikum versammelt. Das Projekt wird unter anderem maßgeblich von der Kulturstiftung des Bundes (KSB) und von der Kunststiftung NRW, dem MKW NRW und der Stadt Köln gefördert. (Es erhielt als einziges Literaturformat in der Förderstaffel Frühjahr 2025 eine Zusage seitens der KSB.) Auch Literatur aus Köln wird im Jubiläumsjahr des Literaturhauses eine wichtige Rolle spielen. Darunter konkrete Angebote für die Kölner Szene: Das in der Corona-Zeit sehr beliebte Angebot der „Mittagssuppe“ für Schreibende wird wiederbelebt. Anlage 1 zur Mitteilung 0070/2026 3 Ein weiteres zukunftsweisendes Treffen von Literaturakteur*innen ist ebenfalls von der Kulturstiftung des Bundes gefördert: Im Mai 2026 findet das Auftakt-Treffen des dreijährigen Programms „Kontext“ in Köln statt, das die Kulturstiftung des Bundes gemeinsam mit den Unabhängigen Lesereihen, einem Zusammenschluss aus freien Literaturakteur*innen, organisiert. Das Programm verfolgt das Ziel, neue Formen der Literaturvermittlung auszuprobieren. Das Auftakt-Treffen findet in Kooperation mit dem Kölner Verein Land in Sicht statt. Mitglieder der Unabhängigen Lesereihen aus Köln sind unter anderem die Literaturreihen Mit anderen Worten, unruly readings, Literaturklub und [Ohne Pronomen]. Impulse für eine weiterhin positive und produktive Entwicklung der Literaturszene Kölns: Grundsätzlich wünscht sich die Kölner Literaturszene eine Unterstützung bei der Verstetigung der positiven Entwicklung der letzten Jahre. Die Entwicklung von passenden Förderformaten in einer Zeit angespannter Finanzen und steigender Kosten spielt hierbei eine wichtige Rolle. Die Akteur*innen der Kölner Literaturszene wollen sich aktiv an der Gestaltung der eigenen Zukunft beteiligen und durch partizipative Prozesse die Bedürfnisse und Möglichkeiten der Szene abgleichen. Sichere Strukturen stärken die Qualität des literarischen Lebens in Köln, garantieren Vielfalt, neue Ideen und entfalten Außenwirkung über die Grenzen der Stadt hinaus. Folgende Aspekte sind der Literaturszene besonders wichtig (zum Teil bereits vorgelegt): • Sicherung und Flexibilisierung von Fördermöglichkeiten für Schreibende und Übersetzer*innen – unter anderem durch Stipendien (Reise-, Recherche-, Arbeitsstipendien in variablen Höhen) • Fördermöglichkeiten im Bereich der Vermittlung entwickeln, weil diese zunehmend an Bedeutung gewinnt. Flankierend auch Stärkung und Anerkennung von Kurator*innen-Arbeit. • Entwicklung des Förderprogramms Literatur im Austausch mit dem Referat Literatur im Kulturamt unter Einbeziehung der Szene – und mit Blick auf die Amtsstrategie des Kulturamts. • Untersuchung der Situation und Wirksamkeit der Kölner Literaturszene • Ermittlung der Bedürfnisse junger Schreibender nach Abschluss des Studiums und ersten Publikationen, mit dem Ziel, Köln längerfristig als wichtigen Standort für Schreibende zu etablieren. • Ausgleich von Kostensteigerung in den Bereichen Projektförderung und institutionelle Förderung. • Offenheit für interdisziplinäre Konzepte. • Begleitung großer und wirksamer Projekte, Stärkung von Kooperationen über Köln hinaus. • Hilfe bei der Erschließung zusätzlicher Finanzierungsquellen (an dieser Stelle Dank für das neue Format „Förderradar“ des Kulturamts). • Literatur für Kinder und Jugendliche und somit ihre Autor*innen/Illustrator*innen stärken, unter dem wichtigen Aspekt der Förderung junger Menschen und der kulturellen Bildung. • Stärkung der Aspekte Kulturelle Teilhabe und Inklusion in der Literaturvermittlung (mit Blick auf Produzent*innen wie auch auf das Publikum) • Mittelfristig: Entstehung eines „Produktionszentrum Literatur“. Eine lebendige und produktive Literaturszene wird von jenen gestaltet, die Literatur schreiben, vermitteln, übersetzen, veranstalten. Einen Ort zu schaffen, der der Szene den unmittelbaren kreativen Austausch und das Netzwerken, Raum zum Schreiben und Übersetzen, zum Proben und Ausprobieren bietet, würde einen Quantensprung für die Kölner Literaturszene bedeuten und eine starke Signalwirkung über Köln hinaus entfalten. Nach wie vor sehen wir aktuell keine Planungen, bei denen die Literaturszene mitgedacht wird. Ein Produktionszentrum könnte auch das Raumproblem der Veranstalter*innen verringern. • Wegen der weitgehenden „Kleinteiligkeit“ der Literaturszene ist eine fortlaufende Stärkung der gemeinsamen Szene-Interessenvertretung sinnvoll, um für die Szene effiziente Formate des Know-How- Transfers zu entwickeln und Rahmenbedingungen auch strukturell zu optimieren. • Mehrsprachigkeit gewinnt auch im Bereich der Literatur zunehmend an Bedeutung; auch das sollte in die Überlegungen für eine zeitgemäße Literaturförderung einbezogen werden. Der Bericht ist im Austausch zwischen Literaturszene Köln e.V. und Literaturhaus Köln entstanden.
Mitteilung Ausschuss
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Dezernat, Dienststelle VII/41/41/21 Vorlagen-Nummer 16.01.2026 0070/2026 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Ausschuss Kunst und Kultur 29.01.2026 Szenebericht Literatur In seiner Sitzung am 07.09.2010 hat der Ausschuss Kunst und Kultur die Verwaltung beauf- tragt, den Sparten Musik, Darstellende Kunst (Theater und Tanz), Bildende Kunst (Fotografie), Medien (Film, Literatur) und Kulturelle Teilhabe (Diversität und Interkultur) die Möglichkeit zu geben, „regelmäßig über das Geschehen, die aktuelle Situation und die Perspektiven ihrer Ar- beit zu berichten“. Dabei sollen die Spartenvertretungen in ihren jeweiligen Bereichen auch die interkulturellen Aktivitäten und Entwicklungen berücksichtigen. Die Berichte sollen in Form eines schriftlichen Berichts (maximal drei Seiten) und einer Erläu- terung in der Sitzung sowie gegebenenfalls ergänzt durch eine circa 5-minütige PowerPoint- Präsentation oder Videobotschaft dem Ausschuss Kunst und Kultur vorgestellt werden. Für die Sparte Literatur werden Bettina Fischer (Literaturhaus Köln e.V., Literaturszene Köln e.V.) und Ute Wegmann (Literaturszene Köln e.V.) in der Sitzung des Ausschusses Kunst und Kultur für Fragen zur Verfügung stehen. Gez. Charles Anlage: Szenebericht Literatur
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 0070/2026
- Typ
- Mitteilung Ausschuss
- Datum
- 16.01.2026
- Erstellt
- 08.01.2026 16:09